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Comic Blog


Montag, 15. Dezember 2014

LARGO WINCH 19 – DOUBLE PLAY

Filed under: Thriller — Michael um 10:11

LARGO WINCH 19 - DOUBLE PLAYWo die Liebe hinfällt? Wahrscheinlich dort, wo die Versuchung besonders groß ist. London ist zwar nicht als die Stadt der Liebe bekannt und doch finden hier in den nächsten Tagen Entwicklungen statt, die zufällig Menschen zusammenzubringen scheinen und doch generalstabsmäßig durchgeplant sind. Und es beginnt auch zunächst romantisch. Ein älteres Ehepaar will in Ruhe das gemeinsame Mittagsessen zubereiten. Das Miteinander ist liebevoll, auch nach so langer Zeit. Leider ist den Verbrechern, die für einen solchen Moment eine Falle vorbereitet haben, furchtbar egal.

Ins Herz des Winch-Konzerns. Eine Generalversammlung bietet Chancen und erhöht die Gefahren für Leib, Leben und Liebe. Largo Winch tappt in eine verführerische Falle. Das Titelbild verrät es bereits. Die Falle wird von Largo nicht nur gern betreten, sie schnappt auch gerne zu. Wie konnte das passieren? Beides scheint zunächst nicht verständlich. Largo Winch ist auf dem Gebiet der Liebe kein Unerfahrener, sein Ruf eilt ihm sozusagen voraus. Und die Venusfalle hätte es auch besser wissen müssen. Jean van Hamme hat hier seine Figuren wie auf einem Schachbrett aufmarschieren lassen. Der große Plan wird vor dem Leser ausgebreitet, doch dann prallen die Winkelzüge in unvorhergesehenen Richtungen ab.

Willem Dafoe und Sir Michael Caine geben sich die Ehre. Die beiden Schauspieler hat der langjährige Largo-Winch-Zeichner mit großer Präzision und in seinem ganz persönlichen Stil getroffen. Feine Striche, die keinerlei Möglichkeit bieten, Fehler in irgendeiner Form zu kaschieren, erzeugen Kinocharakter. Zwar reduziert Autor Jean van Hamme die Handlung deutlich auf die agierenden Figuren und verzichtet diesmal auf große Kulissen und weltweites Thriller-Prozedere, dafür dürfen Nebenfiguren viel mehr in die erste Reihe. Eleanor Pennywinkle und Dwight E. Cochrane konnten sich innerhalb der Serie schon hervortun, aber hier lassen sie den Leser noch mehr als sonst auf Tuchfühlung gehen.

DOUBLE PLAY, also Doppelspiel, ist beinahe zu wenig. Denn einigen Charakteren genügt gerade einmal ein Dreifachspiel. Und andere werden zum Spielball. Miss Pennywinkle, in gewissem Sinn der gute Geist rund um Largo Winch, der hilfreich zur Seite steht, wenn es mal brennt, darf sich auf Wolke 7 fühlen. Es ist ungewohnt, sie so zu erleben. Jean van Hamme gibt ihr den Spielraum, sich einmal so richtig gehen zu lassen. In dieser von Van Hamme geschilderten beinharten Managerwelt, in der die Personen in ein wirtschaftlich orientiertes Korsett gezwängt sind und für Menschlichkeit nicht viel Platz bleibt, das Handeln dem Diktat des Geldes untergeordnet ist, sind solche Szenen Gold wert.

Die Jäger gehen leer aus. In Largo Winch haben einige Figuren, die mal öfter, mal seltener auftreten Liebesabenteuer und sind aktive Jäger in erotischen Gefilden. Ausgerechnet diesen Charakteren (es soll nicht verraten werden, welche das sind) gibt Jean van Hamme nun einen Korb. Und es ist interessant zu sehen, wie Van Hamme seine Spieler auf eine derartige Situation reagieren lässt. Denn glaubte man bislang, Liebe sei doch eher etwas, das einige sehr oberflächlich betreiben, wird man als Leser nun eines Besseren belehrt und entsprechend überrascht. Und nicht nur der Leser. Auch jemand aus dem engeren Umfeld von Largo Winch wird gehörig aufs Glatteis geführt.

Gutmenschen sind Spielverderber. So lautet jedenfalls das Urteil, das Largos Feinde über ihn fällen. Da Gutmenschen das Spiel kaputt machen, gehören sie aus dem Spiel entfernt. Das ist die dunkle Seite von DOUBLE PLAY, die beinahe außer Acht gelassen wird, konzentriert man sich zu sehr auf die amourösen Ereignisse. Im Hintergrund sind Strippenzieher am Werk, die miteinander ein Netzwerk verbindet, welches kaum auszurechnen war. Van Hamme vermag es auf diesem Weg, wie auch auf der leicht komödiantischen Schiene seinen Leser weiterhin zu verblüffen. Die letzte Seite zeigt auf ebensolche Weise, welche losen Enden Van Hamme für den zweiten Teil der Handlung offen gelassen hat.

Der erste Teil einer weiteren Doppelfolge, die von Jean van Hamme für Kenner der Serie geschrieben wurde. Sie ist für Neueinsteiger lesbar, aber viele Nuancen werden solchen Lesern entgehen, da ihnen Erinnerungen an vergangene Begebenheiten einfach fehlen. Für den Fan ist DOUBLE PLAY eine Folge, die einen schönen, frischen Weg geht und Jean van Hamme die unbekanntere, humorvolle Seite der Serie ausbauen lassen darf. 🙂

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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Valerian und Veronique 22

Filed under: SciFi — Michael um 18:28

Valerian und Veronique 22: SOUVENIRS DER ZUKUNFTEs war einmal in New York. Nur noch die Wolkenkratzer ragen aus den Fluten hervor. Das Land wurde vom Wasser erobert. Die Überlebenden haben sich in Banden organisiert. Valerian denkt an diese Zeit zurück, die ihn sehr prägte und in sehr emotionalen Bildern in seinen Erinnerungen verankert ist. War es die Frau, die ihn damals so anzog? War es der Umstand, dass er erleben musste, wie sie in einem Gefecht erschossen wurde? Oder waren es doch mehr die Momente des Beisammenseins, der Einigkeit und der gemeinsam überstandenen Widrigkeiten? Dagegen sind die Kämpfe gegen irgendwelche Weltraumvandalen mit bewundernswerter Leichtigkeit zu bestehen.

Valerian und Veronique. Die Abenteuer der beiden Agenten des Raum-Zeit-Service sind zählbar (21) und doch wirken sie in der Erinnerung zahlreicher, größer. Die Begegnungen, die ungewöhnlichen Welten und Epochen, die von beiden durchreist wurden. gemeinsam und einzeln, sind son einer überströmenden Fantasie, die ihresgleichen sucht. Valerian und Veronique erinnern sich und nicht nur sie. Die Shinguz, andere Völker und Charaktere erinnern sich mit ihnen. Ganz besonders interessant sind die Blickwinkel anderer, die der Shinguz weit vorne weg. Sie schildern ihre erste Begegnung mit Valerian und Veronique (ganz besonders mit letzterer), ohne von den beiden entdeckt zu werden.

Kein Epilog der Reihe, mehr eine Art Abspann und ein Blick hinter die Kulissen eines Science-Fantasy-Epos. Man fühlt sich in Zeiten von Bonus-Discs an entsprechende Zusatzinformationen erinnert. Nur erzählen hier die verschiedenen Charaktere eine zusätzliche Sicht der Dinge. Sie offenbaren ein paar Gefühle, wie man sie als Leser der Serie noch nicht kannte, oder wie sie aus diesem Blickwinkel noch nicht erzählt wurden. So lässt sich feststellen, dass dieser 22. Band, Souvenirs aus der Zukunft, tatsächlich nur den Fans vorbehalten ist. Wer wenig oder sonst nichts aus der Serie kennt, wird mit dieser Sammlung der Sichtweisen nichts anfangen können. Aber möglicherweise kann er oder sie einen Blick auf die Komplexität der Serie werfen, die hier ausschnittsweise abgebildet wird.

Jean-Claude Mezieres hatte, bei aller Sympathie für Valerian, schon immer ein besonders starkes Auge auf Veronique. Mit der jungen Frau, die nicht der Zukunft, sondern dem Mittelalter entstammt, ließ sich weitaus humorvoller verfahren als mit Valerian. Und sie ließ sich fantasievoller gestalten. Hier liefert er einige Beispiele, wie sie nur einen kleinen Teil der Bandbreite abbilden. Veronique erfährt nicht nur den Nutzen von praktischer Bekleidung bei der Erfüllung diverser Aufträge. Sie ist gleichzeitig Model für Mode quer durch das Universum und die Epochen. Mezieres ist ein Gestalter und er hätte auch ein Modemacher sein können, wäre er nicht Comic-Zeichner geworden. Denn wo er bei Veronique irdisch aufhört, fängt er bei fremden Spezies erst so richtig an.

Malen! Jean-Claude Mezieres bietet sich hier die Gelegenheit, über eine Doppelseite hinweg verschiedene Bilder zu malen, also nicht nur die Zeichnungen der normalen Comic-Seiten. Diese Bilder sind richtige Einblicke und ebenfalls als Blick hinter die Kulissen zu verstehen, will sich Mezieres doch zu keiner Zeit in seiner grafischen Technik irgendwie verstecken. Die Bilder zeigen sich sehr inspiriert, sehr intuitiv gestaltet, meist sehr kontrastreich. Das Spiel aus Licht, Schatten und strahlenden Farben, der Anordnung der Kulissen und der vordergründigen Aktionen einen cineastischen Blick auf das Geschehen, wie ihn Mezieres gerne verwendet hat. Aber hier ist er noch schöner anzuschauen.

Erinnerungen an einen großen Wettkampf. Valerian musste sich in all seinen Abenteuern oft beweisen. Doch selten war der Preis derart, Vater zu werden. Haben Valerian und Veronique auch zusammen keine Kinder (dafür hatte die Serie ein anderes Happy End), findet sich in der letzten Episode des vorliegenden Bandes ein versöhnliches Ende und ein Ausblick auf das, was hätte sein können, wäre die Tradition der beiden Abenteurer familiär fortgeführt worden.

Nur für Fans: Wer schon die gesamte Serie kennt und noch mehr wissen will. Ein paar Geheimnisse werden noch gelüftet, ein paar Blickwinkel beleuchtet. Jean-Claude Mezieres und Pierre Christin verabschieden sich von ihren Helden (ein weiteres Mal) mit einem Hauch Melancholie. Schön. 🙂

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Sonntag, 07. Dezember 2014

Spirou + Fantasio Spezial 19

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:19

Spirou + Fantasio Spezial 19 - Die Leopardenfrau1946. Der Zweite Weltkrieg ist vorüber, doch die Geister des Krieges treiben sich immer noch in den Straßen von Brüssel herum. Jeder hat seine ganz eigenen Erinnerungen. Spirou, den das schlechte Gewissen plagt, sucht immer öfter Trost im Alkohol. Eines Tages reißt sein Glücksfaden endgültig. Als er Colonel van Praag eine Flasche Whisky auf das Zimmer bringen soll, bedient sich Spirou erst einmal selbst großzügig. Der Colonel reagiert zunächst nicht auf Spirous Klopfen. Kein Wunder, kämpft der alte Haudegen doch soeben mit einer Angreiferin auf Leben und Tod. Die Leopardenfrau ist zu Besuch gekommen.

Yann und Olivier Schwartz haben bereits einmal mit einem Album zu SPIROU + FANTASIO von sich reden gemacht. OPERATION FLEDERMAUS hieß seinerzeit das Abenteuer, das den Leser in die letzten Kriegstage ins von Deutschland besetzte Belgien entführte. Bereits hier wie dort mischten Yann und Olivier Schwartz Humor mit Tragik, überspitzten und schockierten gleichzeitig mit Realismus. Dieser Spirou fühlte sich echter als seine Alter Egos an. Bezeichnend ist die Trunksucht, die für eine Comicfigur, die sich ansonsten eher mit heiteren Themen befasst, ein seltenes Beiwerk ist.

Die Erscheinungen von Audrey, der jungen Frau, deren Deportation Spirou nicht verhindern konnte, sind ein weiteres Merkmal für die Ernsthaftigkeit, die mal unterschwellig, mal greifbarer ist. Deutlich fantastischer ist nicht nur der Auftritt der Leopardenfrau selbst, sondern auch der gorillaartigen Roboter, die der Leser schon auf dem Titelbild begutachten darf. Nimmt man noch einen feinen Fantasio hinzu, in einer Mixtur aus Journalist und zerstreutem Erfinder. Denn sein aus der Not geborenes Kriegsauto, eine Abwandlung eines Citroen Traction Avant in mutiger Lackierung und auf Ersatztreibstoff ausgelegt, brauchte schon einen erfinderischen Geist, um zu entstehen.

Natürlich gibt es auch Anleihen am klassischen Spirou, der sich optisch in Fahrzeugen wie dem Wal, einem Automobil wie aus dem Design-Handbuch, ausdrückt und der im Jahre 1946 ganz besonders futuristisch ausschaut, aber aus heutiger Sicht technisch machbar scheint. Vor der Optik, für die der Wal ein prägnantes Beispiel ist, rückt die eigentliche Geschichte, satt angereichert mit Mysteriösem und Geheimdienstatmosphäre, fast in den Hintergrund. Aber so lohnt es sich auf jeden Fall, Die Leopardenfrau gleich nach der ersten Lektüre wieder zur Hand zu nehmen.

Ein grafisches Zuckerstückchen. Das Brüsseler Nachtleben und das Innenleben des Hotels, in dem Spirou arbeitet, haben optisch schon einiges zu bieten. Noch schöner, auch humorvoller, wird es mit der Verlagerung der Handlung nach Paris. Denn hier kommt zum Tragen, was auch Fantasio bereits früh beschäftigt: In einem Bistro findet eine wunderbare Begegnung mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir statt. In deren Folge hat Simone de Beauvoir eine Erleuchtung, zu einem klassischen Titel hinführend, der sicherlich auch durch die aberwitzigen Szenen von Yann und Olivier Schwartz angestachelt wird. Natürlich nur in dieser Comic-Realität. Der tatsächliche Weg zur Idee wird ganz anders gewesen sein.

Neben der Grafik weiß gerade diese Sequenz auch durch ihren Wortwitz zu begeistern. Wenn afrikanische Traditionen und Lebensweisheiten auf europäische, sehr weibliche Interessen treffen, sich die Philosophie des Existenzialismus ganz nebenbei Gehör zu schaffen versucht, selbstverständlich an echter Lebensweisheit und weiblicher Intuition scheitern muss, dann bleibt aus Spaß kein Auge trocken.

Mit einem Wort: Genial. Die beiden Comic-Künstler Yann und Olivier Schwartz entwickeln sich zu einem Duo, das es auch verdient gehabt hätte, die Hauptserie in Angriff zu nehmen. Hier geben sich Einfallsreichtum, Detailverleibtheit und (ganz wichtig!) Originalität die Hand. Man darf auf die abschließende Fortsetzung zu DIE LEOPARDENFRAU sehr gespannt sein. 🙂

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Dienstag, 02. Dezember 2014

GOLIAS 3 – Das Jugendelixier

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:37

GOLIAS 3 - Das JugendelixierDie Statue ist gigantisch. Hekate, die Tochter eines Titanen, wurde von den Bildhauern mit ihren Insignien versehen: Fackel, Dolch und, als wichtigstes Instrument, dem Spiegel der Wahrheit, den sie dem Todesgott Thanatos einst stahl. Aerena, die Schwester von Golias, beobachtet bei ihrer Einfahrt in den Hafen die drei Gesichter der Hekate voller Besorgnis. Sie kann den Eindruck nicht verwehren, dass das riesige Frauenbildnis, ob aus Stein oder nicht, ihren Blick erwidert. Und besonders freundlich sieht dabei nicht aus. Sarhans Erklärungen über Hekate können das mulmige Gefühl auch nicht vertreiben.

Für die Unsterblichkeit, für das Abbild ewiger Jugend waren in vielen Erzählungen unterschiedlichste Kreaturen bereit, alles zu geben. GOLIAS, selbst ein jugendlicher Held, mit großem Mut gesegnet, aber ebenso mit Leichtsinn, trifft hier auf eine neue Inkarnation des Bösen, die nicht bei allen seinen Freunden gänzlich unbekannt ist. Dabei befindet er sich bereits auf dem Heimweg und wähnt die hauptsächlichen Aufgaben erledigt, als das Anlanden auf einer Insel, dessen Bewohner die Göttin Hekate anbeten, höchste Gefahr verspricht. Obwohl Sarhan, ein zauberkundiger Mann, warnt, laufen sie in den kleinen Hafen ein. Das kleine Dorf an der Küste liegt verlassen da. Nur eine alte Frau und Kinder finden sich binnen kurzem und mit ihnen erfahren die vier Reisenden ein schauerliches Geheimnis.

Das alte Griechenland ist ein Hort der Götter, der Monster, der Helden und Halbgötter. Eine reiche Mythologie bildet den unerschöpflichen Quell, an dem sich Autor Serge Le Tendre und Zeichner Jerome Lereculey bedienen können. Die gewaltige dreiköpfige Statue der Hekate an der Hafeneinfahrt erinnert jedoch an zweierlei. Einerseits werden natürlich Vergleiche zur klassischen Statue des Helios wach, der die Zufahrt zum Hafen von Rhodos bewachte. Andererseits kann auch, im Hinblick auf die gesamte Handlung, ein Vergleich zur Göttin Kali, die zwar nicht über drei Köpfe, allerdings über ebenfalls sechs Arme verfügt, herangezogen werden. Ihre Ausrichtung, als Gebieterin über die Teufel und Ungeheuer der Hölle, bringt sie stark in die Nähe der indischen Todesgöttin.

Die Bedrohung wächst sich langsam aus. Zuerst ist es nur eine Geschichte über ein Monster, berichtet von einer alten Frau, die sich nicht scheut, zum Schutz der Kinder gegen den vermeintlichen Eindringling, Golias, antreten zu wollen. Aber der Leser, der die bisherigen Abenteuer über GOLIAS gelesen hat, weiß, dass eine Erzählung wie diese vom jungen Helden nicht als Warnung, sondern als Aufforderung angesehen wird. Während Konias, sein Freund, auf die Schwester Aerena aufpassen soll, steigen er und der alte Sarhan in die Höhle des Ungeheuers.

Eine kleine Ähnlichkeit. Die Anhänger der Hekate haben sich versammelt, um der neuen Opfergabe beizuwohnen. Cineasten werden sofort einen Aufbau und eine Perspektive aus Indiana Jones und der Tempel des Todes wiedererkennen. Dort spielte die bereits erwähnte Kali eine Rolle. Ende der Ähnlichkeiten und Anspielungen. Höllenhunde greifen ins Geschehen ein, fast so groß wie Bullen. Das Monster, von Atoos, der Dame auf dem Titelbild, beschützt, ist eines jener Wesen, eine Mischkreatur, die auch das Labyrinth des Dädalus bewachte. Nur haben sich Le Tendre und Lereculey keinen Minotaurus einfallen lassen. Ihre Kreatur ist furchterregender.

Abenteuer pur. Über zu wenig Action darf sich kein Leser beschweren. Serge Le Tendre hat sich einige haarsträubende Szenen einfallen lassen, in denen Gefahr an Gefahr gereiht wird. Die Charakterentwicklung der vier Reisenden wird darüber hinaus nicht vernachlässigt, aber schöner noch ist der Blick in die Vergangenheit der Figur Sarhan, denn hierfür verwendet Jerome Lereculey eine andere Bildsprache. Ist der eigentliche Erzählstrang in schönen realistischen Grafiken gehalten, weicht Lereculey für den Rückblick auf eine weitaus einfachere Technik aus. Diese schwankt zwischen ägyptischen Wandmalereien und klassischen Zeichentrickszenarien (etwa wie in Es war einmal der Mensch).

Eine gelungene Fortsetzung, eine Zwischenstation auf der Rückreise, denn Golias‘ eigentliche Aufgabe, die Rache an seinem Onkel für den Tod seiner Familie, ist noch nicht erfüllt. Hier, im dritten Teil, stimmt einmal mehr alles: Erzählung, Zeichnungen und Farben. Für Freunde von schönen Abenteuern vor antikem Hintergrund vorbehaltlos zu empfehlen. 🙂

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Dienstag, 25. November 2014

Peter Pan – Gesamtausgabe 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:46

Peter Pan - Gesamtausgabe 1Peter hat es in seinen jungen Jahren sehr schwer. Für die einfachen Leute in den Straßen Londons fehlt es an Nahrung und Geld. Verzweiflung wird im Alkohol ersäuft. Bezahlt wird oft mit dem eigenen Körper. Viele haben sich aufgegeben. Aber Peter hat sich in dieser Umgebung einen Funken Hoffnung bewahrt. Diese wird eines Tages auf besondere Weise bekohnt. Eine kleine Fee, sprachlos und halb nackt, kaum größer als eine Hand, fliegt nicht nur um Peter herum, er rettet sie auch noch vor der hungrigen Eule Bubu. Zum Dank, und weil sie ihn sympathisch findet, verleiht sie ihm die Gabe zu fliegen. Aus dem Kennenlernen wird ein Ausflug, den Peter niemals mehr vergessen wird.

Wie kam Peter Pan ins Nimmerland? Was hat es mit all den kleinen Besonderheiten auf sich? Dem Krokodil? Der fehlenden Hand von Kapitän Hook? Woher kommt der Hass des Piratenkapitäns auf den Jungen Peter? Autor und Zeichner Regis Loisel, inzwischen ein namhafter Künstler auf dem Gebiet der Comics, der Graphic Novels, begründete mit der Vorgeschichte zum berühmten Kinderabenteuer von James Matthew Barrie seinen Ruhm, den er seither stetig ausgebaut hat.

Eine furchtbare Welt, dieses London im Winter 1887. Für Peter gibt es weitaus mehr als nur einen Grund zur Flucht. Die Mutter verdient diese Bezeichnung nicht. Kaum einer schert sich um Kinder. Peter kennt eigentlich nur einen guten Menschen, der sich um ihn kümmert. Es ist bitterkalt, überall ist es dreckig, die Moral liegt gänzlich am Boden und ein Menschenleben ist austauschbar und von keinerlei Wert. Das Licht von Glöckchen, ein Name, den Peter der kleinen Fee selbst gibt, wird hier wahrhaft zum Hoffnungsschimmer in dunkler Nacht. Regis Loisel gelingt mit der Sequenz um Peters ersten Flug eine kleine Meisterleistung und wunderschönes Stück Erzählung.

Vom Regen in die Traufe? Peter wollte Abenteuer. Er bekommt Fabelwesen, Indianer und Piraten, alle schön drapiert auf einer kleinen Insel im Nirgendwo, samt Krokodil. Leider landet Peter nicht genau da, wo er hin soll. Regis Loisel lässt Peter nicht verzagen (das ist Peters Geheimrezept). Piraten! Hier sind die Starken zu finden, denen anzugehören ist gut, außerdem kennt Peter Gewalt zur Genüge. Warum also nicht einmal am anderen Ende des Knüppels stehen? Loisel meistert die neue Szenerie mit einem Strich, der für das Ungewöhnliche wie geschaffen ist. Er wandelt meisterlich zwischen Karikatur und Realismus, genauem Blick für sehr individuelle Merkmale und einer Zeichentechnik, die leicht auf das Blatt geworfen wirkt und den Figuren ein schönes Volumen gibt.

Grandioses Zusammentreffen zwischen Fabelwesen und Indianern. Letztlich ist diese Szene nur ein Beispiel von vielen für den stimmigen Ausdruck von Loisel Zeichnungen. Allerdings ist es hier noch wenig zentrierter als an anderer Stelle. Loisel ist am besten, wenn er sich grafisch so richtig austoben kann und seine Fantasie regelrechte Kapriolen schlägt, es ihm aber trotzdem gelingt, dass es zu keiner Zeit überfrachtet oder bemüht aussieht.

Das Licht folgt Peter zum vorläufig bösen Schluss. Die ersten drei Bände, London, Die Insel und Sturm bilden zusammen einen stark gewobenen Handlungsbogen, der die Figur des Peter Pan zu der Erkenntnis kommen lässt, in der Realität nichts mehr verloren zu haben. (Was er in Wahrheit alles verloren hat, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal.) Nach einem Höhenflug erfolgt so der Absturz und der Ausblick auf ein neues Leben. Die einzelnen Schritte über die drei Folgen hinweg sind von Loisel minutiös geplant und entsprechend packend über die gesamte Länge erzählt.

Ein Meilenstein des Comic-Genres. Phantastik trifft Realität und Literatur. Eigenwillig und gekonnt illustriert. Regis Loisel hat Vorbildcharakter erlangt. Toll! 🙂

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Freitag, 21. November 2014

HAUTEVILLE HOUSE 9

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:34

HAUTEVILLE HOUSE 9 - Das Grab des Priesters FrolloEine Kreatur aus den Tiefen des Meeres gibt Rätsel auf. Augenscheinlich trägt das Wesen mit den Tentakeln einen Anzug, muss also, zieht man die Beschaffenheit der Bekleidung heran, intelligent sein. Die Obduktion findet leider nicht unter Ausschluss anderer Organismen statt. Eine Ratte hat sich in den Raum geschlichen. Rein zufällig wurde die Kreatur am Strand von Coney Island angeschwemmt. Spaziergänger fanden sie. Das seltsame Wesen weckt Begehrlichkeiten. Tot nützt sie der Forschung, den Ärzten vielleicht. Aber lebend kann ein Abkömmling dieses fremden Volkes noch viel wertvoller sein.

Es ist ein kleines, aber keineswegs unwichtiges Detail am Rande in dieser 9. Folge der Reihe HAUTEVILLE HOUSE. Weiterhin geht es für die Akteure darum, das große Ganze im Blick zu behalten. Und dieses große Ganze beinhaltet nichts anderes als eine Neuordnung der Welt. Autor Fred Duval hat, rückschauend, ziemlich viel Bewegung in die dem Leser bekannte Welt gebracht. Die historische Epoche ist noch erkennbar, aber verschiedenste Einflüsse von Jules Verne, H.G. Wells, Steampunk allgemein machen aus der Handlung eine wendungsreiche und immer auf Neue überraschende Geschichte.

Die Drahtzieher im Hintergrund agieren aus den unterschiedlichsten Beweggründen und nicht selten kokettieren sie mit ihren Taten. Das Phantom, der Mann, der von sich behauptet, nicht zu altern und Vertreter des Klerus kreisen um den Stein der Weisen. Dieses besondere Stück hat schon häufiger die Literatur bewegt. Hier erscheint es als Miniaturmonolith, der unscheinbar wirkt, dafür jedoch ungewöhnliche Eigenschaften besitzt. Die Menschen erhalten von ihm Antworten. Der Triumph über den Fund des Objekts währt nur ganz kurz.

Gavroche, ein Held einer vergangenen Zeit. Der Agent Gabriel Valentin la Rochelle, kurz Gavroche, ist eine sehr eigenständige Figur und entzieht sich gerne Vergleichen. Seine Ernsthaftigkeit, sein mustergültiges Auftreten lassen einen allenfalls an einen sehr erwachsenen D’Artagnan denken, ohne Degen. Er ist ein Abenteurer, der nicht aufgibt. Nach dem Triumph folgt die Falle, der Falle folgt die halsbrecherische Flucht. Gavroche bewahrt die Ruhe, denn das zeichnet ihn aus. Die Figur ist erfrischend, weil sie zu keiner Zeit in Frage gestellt werden kann. Als Leser bleibt man gerne an ihrer Seite. Auf das weibliche Gegenstück der Handlung, Eglantine, trifft dies ebenso zu.

Die Welt von HAUTEVILLE HOUSE dürfte innerhalb der vielfältigen Comic-Universen eine der außergewöhnlichsten sein. Sobald die gigantischen Luftschiffe ihre Bahnen über die alten Städte ziehen und von den technischen Fähigkeiten dieser Erde einen Vorgeschmack geben, kann man sich dank der Bilder von Thierry Gioux nicht mehr entziehen. Das Eingangsbild, eine Luftaufnahme des New Yorks im Jahre 1865, nimmt sofort gefangen, bevor das Szenario den Atlantik überquert und ins düstere Paris mit seinen unterirdischen Gewölben führt. Geheimnisvolle Orte gibt es reichlich, ausgeklügelte Gefahren tun ihr Übriges, um Thierry Gioux und das weitere Grafikteam viele Gelegenheiten zu geben, um diese Atmosphäre sehr schön bildhaft zu beschreiben.

Die Kenntnis des Beginns des zweiten Zyklus‘ ist schon Pflicht, um all den Geheimnissen und Pfaden, die von Fred Duval ausgelegt wurden, zu folgen. Für Steampunk-Fans und solchen Lesern, die alternative Realitäten in Geschichten allgemein mögen, ist dieses Abenteuer wie speziell gemacht. Der feine skizzenhafte Stil von Thierry Gioux prägt die Reihe auf eine starke, wiedererkennbare Weise. 🙂

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Donnerstag, 20. November 2014

DEADPOOL Teaser

Filed under: Comics im Film — Michael um 16:33

DEADPOOL Teaser ClipVor einigen Jahren noch war DEADPOOL eher eine Randfigur im MARVEL-Universum. Der Kopfgeldjäger im roten Dress mit den schwarz schattierten Augen wirkte zuerst wie eine überdrehte Spider-Man-Variante, die mit japanischen Schwertern auf ihre Gegner losgeht. DEADPOOL nervte seine Feinde, die wenigen Helden, die ihm ein wenig zugetan waren, sogar einen weitestgehend ruhigen Charakter wie Daredevil. Doch gerade diese Eigenschaften, seine Fähigkeit, alles und jedes, ohne mit der Wimper zu zucken, umzulegen, katapultierte diese Figur weit nach vorne.

Mittlerweile hatte Ryan Reynolds seinen ersten Auftritt als DEADPOOL (Wade Wilson) in X-MEN ORIGINS: WOLVERINE. Eine Realverfilmung rund um den stets durchgeknallten Helden soll folgen. So lange jedoch kann sich der Fan dieser Figur an einem kleinen, rein computergenerierten Teaser auf Youtube erfreuen: DEADPOOL Teaser Clip.

Das Spektakel bringt die Figur absolut auf den Punkt. Auf den ersten Blick mag man meinen, DEADPOOL lege sich mit Agenten der Matrix an. Auf den zweiten Blick mag eine solche Anspielung durchaus gewollt sein, denn immerhin schließt der Teaser auch mit einem Zitat Sylvester Stallones aus dem Film Die City-Cobra. DEADPOOL erledigt es im Gegensatz zum Original gewollt humorvoll. Nachdem er, der Fan kann es sich denken, die Herren in Schwarz alle umgelegt hat.

Toll gemacht, im Matrix-Stil, ebenso gewalttätig, aber das gehört zu diesem MARVEL-Charakter dazu, hat er doch schließlich mittlerweile versucht, so gut wie alles und jedes aus dem MARVEL-Universum umzulegen. 🙂

Link: DEADPOOL Teaser Clip

Die Welt der Schlümpfe 2

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 16:03

Die Welt der Schlümpfe 2 - Schlumpfige WeihnachtenSchlumpfige Weihnachten. Alles schläft … Moment mal! Alles schläft? Nun, da der Schnee die Landschaft zudeckt, geht in der Natur alles gemächlicher, langsamer und so manches Tier verschläft diese anstrengende Jahreszeit lieber gleich. In Winterschlaf im Schlumpfland hat die Angelegenheit leider einen Haken. Fauli schläft sowieso das ganze Jahr über lieber. Und was für einen Siebenschläfer gut ist, ist dem Fauli gerade recht. Also, schnell in das Fell des kleinen Nagers gekuschelt und in schöne Träume eingetaucht. Nur vermissen ihn wenig später seine schlumpfigen Freunde und eine Suchaktion folgt auf dem Fuße.

Kurzgeschichten entführen den Fan der Schlümpfe in die Winterzeit und die Weihnachtszeit. Wie es das Titelbild bereits ankündigt, wird es turbulent. Einen nicht unerheblichen Anteil daran trägt Gargamel, der selbst in der beschaulichen Jahreszeit nicht von seiner Jagd auf Schlümpfe lassen kann. Bei aller Boshaftigkeit versinkt der Zauberer gerne im Selbstmitleid. Gargamel kann sich überhaupt nicht erklären, warum er zu Weihnachten keine Geschenke vom Weihnachtsmann erhält. Ein schlumpfiges Fest wird es hauptsächlich für die Schlümpfe. Für Gargamel wird es zu einem Kampf gegen seine bösen Wunschträume, bis zum Ende der Geschichte.

So gezwungen darf der Leser noch eine der halbwegs besseren Seiten des Zauberers kennen lernen. In Die kleine Tanne und Die seltsamen Schneemänner ist es mit dieser Gutmütigkeit schon wieder vorbei. Die kleine Tanne besitzt ein, zwei brutale Momente, die ziemlich unerwartet sind und verwundern, aber so schnell sie kommen, sind sie auch schon wieder vorbei. Monster sind in der Welt der Schlümpfe eben auch das, was sie in der übrigen Welt sind: Monster. Und keine Kuschelkreaturen. Die seltsamen Schneemänner sind zwar auch nicht zum Kuscheln da, dafür haben sie einen guten Charakter.

Und die armen Schneemänner sind infolge des nahenden Frühlings auf der Suche nach einer neuen Heimat oder wenigstens einem Versteck, in dem sie die warmen Jahreszeiten überdauern können. Das ist niedlich kindgerecht, auch im Kampf gegen Gargamel und hat, wie in Die kleine Tanne, nichts von einem Schlumpf, der mit einem Beil einem Drachen die Schwanzspitze abhakt. In Weihnachten für den kleinen Paul darf der Weihnachtsmann selbst eingreifen. Die Schlümpfe werden einerseits zu seinem Beschützer, andererseits zum Ersatzweihnachtsmann. Das hat Herz und bildet einen schönen Abschluss des zweiten Bandes aus der Welt der Schlümpfe.

Viele Spuren im Schnee, zur Weihnachtszeit und im Winter. Meist fröhlich, herzlich, immer schön gezeichnet, ganz im gewohnten Stil. Macht nicht nur zur Weihnachtszeit Spaß. 🙂

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Sonntag, 16. November 2014

STILLE NACHT

Filed under: Cartoon — Michael um 18:01

STILLE NACHT - Die Weihnachtsgeschichte ohne WorteMaria und Joseph führen ein bescheidenes Leben. Sie ergänzen sich perfekt. Er arbeitet in der Schreinerei, sie führt die Bücher. Bis eines Tages ein Engel erscheint und die frohe Botschaft verkündet. Maria ist schwanger, aber Joseph ist nicht der Vater. Das kommt selbst für den guten Mann überraschend, der sich schlussendlich belehren lassen muss, dass Gottes Sohn in Maria heranwächst und Joseph seine Maria ganz schnell heiraten soll. Gesagt getan. Und wieder scheint alles perfekt zu sein. Wäre da nicht diese Volkszählung, für die sich die beiden auf den Weg machen müssen, obwohl Maria inzwischen hochschwanger ist.

Die Schafshirten befinden sich gerade in einer kleinen Auseinandersetzung, wer denn auf die Schafe aufpassen soll, als sich der Engel, der Gesandte Gottes meldet und auf seine unnachahmlich Weise Gehör verschafft. Zuvor hatte er derart schon Maria die frohe Botschaft überbracht. So recht verstanden haben es die Hirten nicht, machen sich jedoch auf den Weg, um das Baby mit dem Heiligenschein zu finden. Soll eben der Hund solange auf die Schafe aufpassen.

Die Weihnachtsgeschichte ohne Worte. Aber mit einer gehörigen Portion Humor erzählt. Frank Flöthmann, der mit dieser Erzählweise seinen ganz eigenen Stil gefunden hat, bringt durch diese Interpretation der Erzählung über das Elternpaar des Christkindes eine Version, die vielleicht auch jenen einprägsam ist, die in Zeiten von Smileys und Hashtags mal eben auf die Schnelle wissen wollen, was an Weihnachten so Sache ist. Was zuallererst auffällt: Wortlosigkeit braucht Platz. Zwei Bilder, ein Bild auf einer Seite oder sogar ein Bild auf einer Doppelseite. Die Figuren treten als Icon-Männchen auf, sehr reduziert also. Ihre Zeichensprache, wortlos, bildhaft und verständlich, benötigt Raum, denn gerieten sie zu klein, ginge vielleicht die Schnelligkeit der Botschaftserfassung verloren. Und es ist erstaunlich, wie gut diese gelingt.

Zwar kann ein wenig Grundkenntnis über die STILLE NACHT nicht schaden, wenn allerdings Joseph Maria prallen Bauch befühlt und (in Symbolsprache) von einem Boxer spricht, ist wie an jeder anderen Stelle der Erzählung unzweifelhaft, was gemeint ist. Nur allzu wenige Variationen und Grundformen sind notwendig, damit nicht nur Figuren entstehen, sondern auch noch durch den Blick auf das Geschehen komplettiert werden. Da findet sich natürlich der Smiley grundsätzlich überall. Da wird mit den Mitteln des Piktogramms gearbeitet, wie es dem modernen Menschen überall heutzutage begegnen kann. Da findet sich aber auch eine gewisse Anarchie und Verniedlichung, wie sie der Leser vielleicht aus Kultserien wie South Park her kennt. Frank Flöthmanns Reduzierung ist freilich noch viel radikaler.

STILLE NACHT ist nicht Flöthmanns erstes Werk. Der comic-begeisterte Grafiker erzählt auf seine Art bereits Grimms Märchen ohne Worte. In Männer ohne Worte nimmt er das ohnehin wortkargere Geschlecht und seine Schwächen auf die Schippe. Da Maria in der stillen Nacht die einzige Frau ist (sieht man von einer hilfsbereiten Herbergsmutter ab), dürfen sich auch hier die Männer insgesamt warm anziehen. Die Krone der Schöpfung, symbolisiert durch Joseph, die Hirten und die heiligen drei Könige, sind etwas tollpatschig, verspielt, allerdings sehr gut durch himmlische Mächte zu inspirieren. Die drei Hirten erinnern in ihrem Auftreten ein wenig an die drei Stooges, lösen ihre Querelen aber gewaltfrei. Und modern wie die heiligen drei Könige sind, holen sie ihre Geschenke für ein Kind natürlich im Spielzeugladen. Das Schmunzeln wächst beim Betrachten der Bilder von Seite zu Seite. Mit dem Aha-Effekt (ich hab’s ohne Worte verstanden!) kommt das Lachen.

Joseph wird ungewollt Vater und sucht den Notausgang. Ein Engel hält ihn auf. Zur rechten Zeit, denn ansonsten wäre die Geschichte allzu früh vorbei und der Spaß zu kurz. Frank Flöthmann hat einen schönen Weg gefunden, die Geschichte zur STILLEN NACHT neu zu erzählen. Zeitlos lustig mit zeitloser Botschaft! 🙂

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Links: 2-f.de (Homepage des Comic-Künstlers)

Donnerstag, 13. November 2014

I.R.$. 14 – Die Überlebenden von Nanking

Filed under: Thriller — Michael um 19:08

I.R.S. 14 - Die Überlebenden von NankingZuerst wurde Larry zu diesem Fall gezwungen. Als der Zwang sich in Luft auflöst, er die Kontrolle zurückgewinnt, langsam nur, aber auf Dauer, beginnt ihn die Sache doch richtig zu interessieren. Nur leichter wird seine Aufgabe dadurch nicht. Ganz im Gegenteil. Das Rätsel ist und bleibt eine harte Nuss. Es kann nur gemutmaßt werden, wie es sich damals, vor so vielen Jahrzehnten, abgespielt hat. Jede Idee führt in eine andere Richtung, was eine globale Suche nicht vereinfacht, die mangels Vertrauter im näheren Umfeld zu einer Mammutaufgabe ausarten würde, wenn Larry nicht doch noch den richtigen Einfall hätte …

Larry B. Max wird von Autor Stephen Desberg in einen Fall gehetzt, der einer der größten und schwierigsten ist. Larry ist nicht nur höchst persönlich involviert, er muss auch noch ein Rätsel lösen, dessen Spuren über Jahrzehnte hin verwischt wurden. Larry B. Max, der Ermittler des I.R.S., sieht sich von mehreren Seiten unter Druck gesetzt. Er selbst ist durch den Tod des Mörders seiner früheren Freundin in arge Bedrängnis geraten. Nur deshalb, weil er erpresst wird, hat er sich bereit erklärt, Yamashitas Gold zu finden. Der Goldschatz, dereinst während der japanischen Übergriffe auf China von einer hoch stehenden Familie aus dem Kreis der organisierten Kriminalität geraubt, wurde auf schlaue Weise versteckt.

Stephen Desberg kennt die Mechanismen eines auf internationalem Parkett spielenden Thrillers sehr genau. Faszinierende Orte lösen sich mit schönen Frauen und gefährlichen Umgebungen ab. Das Titelbild verrät dem Leser bereits etwas. Neben den Rückblicken in eine kriegerische Vergangenheit, verschlägt es Larry B. Max auch unter Wasser auf der Suche nach gigantischen Buddha-Statuen, die doch nur Fassade für einen ebensolch riesigen Schatz sein sollen.

Ebenso verwoben sind Rückblenden aus Larrys Leben, seiner Gegenwart und Szenen aus den letzten Kriegstagen, als japanische Einheiten das aus China gestohlene Gold, offiziell, für den Kaiser in Sicherheit bringen sollen. In den Farben alter Schwarzweißaufnahmen entspinnt sich ein Drama, immer nur in Auszügen erzählt, dem sich Stephen Desberg zugunsten eines Dreiteilers gerne mehr Erzählzeit hätte nehmen können. Da die Anteile aus Gegenwart und Vergangenheit außerordentlich komplex sind, der Platz aber begrenzt ist, hastet er zwangsläufig manchmal arg zu schnell durch die Szenarien.

Bernard Vrancken, mit der farblichen Unterstützung durch Coquelicot, pflegt weiterhin einen reduzierten Realismus. Die Bilder könnten auf der Basis eines Films entstanden sein. Eine gleichfalls reduzierte Kolorierung imitiert leicht unscharfe Fotografien, die in Teilbereichen nachgetuscht worden sind. Gerade in den historischen Aufnahmen ist die Wirkung des so entstandenen Effekts sehr schön eingesetzt. Die Action hält sich in Grenzen, so dass Vrancken sich auf die Interaktion der Charaktere konzentrieren kann. Überbordende blutige Szenen werden gerade so eben gezeigt. Spannung entsteht hier nicht durch Gewalt, sondern durch gewissenhaftes Inszenieren und Erzählen.

Eine Gaunerin wird vom Saulus zum Paulus. Ein Ganove kehrt zurück. Larry B. Max wird in dieser wendungsreichen Fortsetzung einiges abverlangt, sehr zur Freude des Lesers, dem viele Gelegenheiten zum Mitfiebern geboten werden. Und er kann auch nicht vor Larry auf des Rätsels Lösung kommen. Beste Thriller-Unterhaltung. Die Kenntnis des Vorgängerbandes, Yamashitas Gold, ist Pflicht. 🙂

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