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Comic Blog


Freitag, 09. September 2005

Krieg der Welten

Filed under: SciFi,Webcomics — Michael um 17:08

War of the worldsWer ältere Themen mag, die eher einen zeitlich viktorianischen Charakter haben, der wird sich bestimmt über diese kleine Online-Serie des Dark Horse Verlages freuen: War of the Worlds.

Die Serie von Ian Edginton und D’Israleli besitzt richtigen Charme. Inzwischen gibt es bereits 70 Seiten Lesestoff. Das reicht schon für ein paar ordentliche Schmökerminuten.

Die Außerirdischen sehen zwar aus wie kleine rosafarbene Pfannkuchen, aber ich finde diese Darstellung mal richtig frech und gut. 😀

Donnerstag, 08. September 2005

Ist es ein Flugzeug?

Filed under: Superhelden — Michael um 19:14

SupermanDie Ausgabe um Superman stellt den Beginn einer 20bändigen Reihe rund um die Comic-Klassiker dar. Interessant an dieser Stelle schon: Die Reihe nennt sich Klassiker der Comic-Literatur. Man lasse sich das letzte Wort auf der Zunge zergehen!

9 Geschichten quer durch das Zeitgeschehen von Superman sind im vorliegenden Band abgebildet. Einleitend wird textlich auf das Phänomen Superman eingegangen.
Superman, Geschichte Nr. 1, zeigt die Herkunft bzw. die Entstehung von Superman. Die Zeichnungen sind herrlich altbacken und geben unabhängig vom Thema einen schönen Einblick in die Comic-Geschichte allgemein. Doch damit nicht genug. Nach der allgemeinen Vorstellung (man beachte das furchtbare S auf Supies Brust) folgt die Geschichte mit dem ersten Auftritt von Lex Luthor.

Ab Die letzten Tage von Superman musste ich denn auch mal ein Wiedersehenstränchen verdrücken. Zeichner Curt Swan, der auch in den folgenden Geschichten Superman legt los! und Braucht die Welt einen Superman? für die Bilder verantwortlich ist, ist mir noch von den Taschenbüchern und Superbänden her bekannt. Selbst heute noch kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Swan (und sein Kollege Anderson) wussten, was sie taten.
Die Geschichte, in der Supie vor den Wächtern des Universums vor Gericht steht, erinnert von der Thematik an Tag der Erde. Hier wie dort greift Supie den Menschen zu sehr unter die Arme und nimmt ihnen so zuviel Verantwortung ab.

Mongul darf in einer Superman-Übersicht natürlich nicht fehlen. Der Kriegstreiber, der für den kurzzeitigen Tod von Supergirl verantwortlich war, gibt sich in Das Geschenk die Ehre.

Eine etwas neuere Geschichte Was ist so witzig an Wahrheit, Gerechtigkeit und dem American Way of Life? schließt den Band ab. Beinahe ist der Grundtenor der Handlung skandalös zu nennen, denn Supie steht vor der Wahl, selbst zu sterben oder seine Gegner zu töten. Diese treten ausgerechnet selber für das Gute ein, nur mit viel rabiateren Mitteln. Sie haben kein Problem damit, der Justiz Arbeit abzunehmen.

Insgesamt ist es sehr schön, dass auch die FAZ sich des Themas Comics annimmt (man weiß ja in diesen Tagen gar nicht mehr, wohin man vor lauter Comics schauen soll 😀 ). Das Format ist im Vergleich zur Bild-Reihe vielleicht nicht ganz so schön (ein fester Einband macht sich einfach besser, zumal sich beide Reihen preislich nicht viel tun). Dafür fällt die FAZ-Reihe länger aus. Und hier finden sich noch Ausgaben, die sich bestimmt lohnen werden. 😀

Dienstag, 06. September 2005

Spirou + Fantasio

Filed under: Cartoon — Michael um 21:50

Spirou + FantasioDer vorliegende Sammelband vereinigt drei Geschichten rund um Spirou, Fantasio, Pips und das Marsupilami.

Das Nest im Urwald
Im Straßenverkehr wundern sich Spirou und Fantasio über das rüde Verhalten einer Frau auf einem Motorroller. Die beiden wollen die junge Frau aufhalten und müssen erstaunt feststellen, dass sie zu ihnen unterwegs ist. Steffani hat eine Überraschung. Sie lädt die beiden zu einem Vortrag ein.
Spirou und Fantasio sind überrascht, denn der Vortrag zeigt einigartige Bilder über frei im Urwald lebende Marsupilami.
Steffani berichtet über die Werbung zwischen Männchen und Weibchen, das Jagdverhalten, den Nestbau und natürlich die Aufzucht der Jungen. Das Leben der Marsupilami ist gefährlich, aber stets sind sie ihren Verfolgern um eine Nasenspitze, oder besser, Schwanzspitze voraus.

Der Plan des Zykloptrop
Eine heimtückische Strahlung setzt Fantasio außer Gefecht und zwingt ihn dazu, in ein fremdes Auto einzusteigen. Dieses setzt sich denn auch gleich in Bewegung: ohne Fahrer. Zykloptrop hat es sich zum Ziel gesetzt, die Intelligenzen dieser Welt unter seinem Genie zu vereinen. Dazu hat er bereits überall auf der Welt Stützpunkte angelegt und Soldaten mittels seines Energiestrahls rekrutiert.
Auch Graf von Rummelsdorf, der Wissenschaftler, soll sich Zyklotrop anschließen. Aber dieser weigert sich schlichtweg, das Genie des einstigen studentischen Versagers anzuerkennen. Was Zyklotrop an Wissen fehlt, gleicht er durch Hartnäckigkeit wieder aus. Als er das Labor von Rummelsdorf verwüstet und Fantasio entführt, sehen von Rummelsdorf und Spirou ein, dass sie schnellstens etwas unternehmen müssen.

QRN ruft Bretzelburg
Der Hobbyfunker Bruno Ukaweh hat von König Ladislaus erfahren, dass dessen Land Bretzelburg in großen Schwierigkeiten steckt. Als Fantasio, von Bretzelburger Agenten fälschlicherweise für Ukaweh gehalten, in das ferne Land entführt wird, bleibt Spirou keine Wahl. Zusammen mit dem ängstlichen Ukaweh macht er sich auf, um Fantasio zu befreien.
Bretzelburg wird vom Militär beherrscht. Schon der Weg über die Grenze ist schwierig. Das Volk lebt in Armut. Kleidung wird sogar aus Papier gemacht. Die beiden Eindringlinge schlagen sich durch, denn die Zeit drängt. Fantasio wird bereits von Dr. Kilikil gefoltert.
Hilfe kommt von unerwarteter Seite. Das Marsupilami hat sich ganz allein nach Bretzelburg durchgeschlagen. Ihm gelingt es, Fantasio aus dem Kerker zu holen.

Ein Ausflug in die Kindheit
Andre Franquin soll zum Schluss an Depressionen gelitten haben. Ob er gewusst hat, wie viel Freude er seinen Lesern mit diesen Abenteuern gemacht hat? Als ich mit dem Lesen dieses Bandes begann, dachte ich: Das kennst du doch!
Dabei war ich sicher gewesen, dass mir nie ein Band von Spirou und Fantasio in die Finger gekommen war. Trotzdem konnte ich mit dem Nest im Urwald sofort etwas anfangen. Ebenso ging es mir mit Zyklotrop.

Der Comic ist nicht nur ein Ausflug in die Kindheit für mich gewesen, sondern er ist auch ein Ausflug in eine andere Ideenwelt, vielleicht sogar eine andere Mentalität. Schaut man sich als Leser die Geschichte um Zyklotrop an, werde ich unwillkürlich an die Fantomas-Filme mit Louis de Funes erinnert. Ähnlich überzogen, herrlich albern und abenteuerlich, das macht einfach Spaß und steht im besten Sinne für französisches Komödientalent.

Fantasio, der sich in Zyklotrops Organisation einschleicht, reicht zwar nicht an Jean Marais heran, der Fantomas hinterher spioniert, aber es ist komischer. Fantasios Haare, die sonst störrisch sind, weichen hier einer Glatze.
Die Gerätschaften Zyklotrops sind phantasievoll. Sie erinnern an tatsächliche Zukunftsvisionen der 50er und 60er Jahre, als tatsächlich geglaubt wurde, man werde in 50 Jahren den alltäglichen Verkehr in die Luft verlagern.

Die Geschichte um Bretzelburg hat aus heutiger Sicht von ihrem Hintergrund her eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Film Top Secret. Fast meinte ich, die Soldaten mit sächsischem Dialekt babbeln zu hören. Der Grundtenor, eine gewisse satirische Kritik, kann nicht geleugnet werden. Das Wettrüsten, die Gier der Waffenhändler, verhindert hier ein vernünftiges Leben der Einwohner.

Ein rundum gelungener Sammelband. Wer einen Einstieg in die Serie und seine Figuren finden möchte, kann hier getrost (und besonders zu diesem Preis) zugreifen. 😀

Samstag, 03. September 2005

Pulp Fiction für Erwachsene

Filed under: Comics im Film — Michael um 17:22

Sin CityMarv (Mickey Rourke) war zum ersten Mal glücklich. Eine Frau namens Goldie (Jaime King) hat sich ihm hingegeben. Zum ersten Mal gab sich ihm eine Frau hin. Wenig später ist sie tot. Ermordet. Nun ist die Polizei hinter ihm her, weil sie ihn für einen Serienmörder hält, der hinter Prostituierten her ist. Marv sucht die Wahrheit, doch bestimmte hochgestellte Persönlichkeiten wollen, dass er diese Wahrheit für sich behält.
Langsam kommt er dem Mörder auf die Spur. Kevin (Elijah Wood), ein kleiner flinker Killer, fängt die Frauen und frisst sie. Den Rest lässt er seinem Wolf, den er als Hofhund hält. Nach einer Reihe von Befragungen, die für die Befragten grundsätzlich tödlich enden, erreicht Marv den Drahtzieher Kardinal Roark (Rutger Hauer) und kommt in Teufels Küche.
Aber da ist ihm bereits alles egal.

Dwight (Clive Owen) mag es nicht, wenn Männer Frauen bedrohen. Deshalb will er etwas gegen Jackie Boy (Benicio Del Toro) und seine Kumpane unternehmen. Die Jagd geht nach Old Town, wo die Prostituierten gemäß eines Abkommens mit der Polizei regieren. Bevor Dwight die üble Bande fertig machen kann, haben Gail (Rosario Dawson), Miho (Devon Aoki) und die anderen Mädchen bereits die Lage unter Kontrolle.
Ehe Dwight sich versieht, hat Miho bereits nach bester Ninja-Manier mit den Gangstern aufgeräumt. Leider zu früh, denn wie es sich herausstellt, war Jackie Boy ein Cop. Das Abkommen wird brechen, die alten Zeiten werden zurückkehren, es sei denn, es gelingt Dwight, die Leichen verschwinden zu lassen.
Und das ist, wenn Gangster, Söldner und Cops hinter einem her sind, gar nicht so einfach.

Nach acht Jahren im Gefängnis erhält Hartigan (Bruce Willis) keine Briefe mehr von Nancy (Jessica Alba). Die Briefe des Mädchens, das er einst vor einem Vergewaltiger und Mörder rettete, sind das Einzige, was ihn am Leben erhält. Eines Tages kommen keine Briefe mehr. Hartigan wird halb wahnsinnig vor Sorge. Er geht den Deal ein, der ihm vor langer Zeit angeboten wurde und gesteht die Morde, die er nie begangen hat. Die Cops, die Medien haben nun einen Sündenbock. Hartigan kommt frei und macht sich auf die Suche nach Nancy.
Aus dem kleinen Mädchen ist eine Stripperin geworden. Als Hartigan die Bar betritt, erkennt er schlagartig seinen Fehler. Nach so langer Zeit hat er die Hintermänner zur letzten Zeugin geführt.
Der Sohn von Senator Roark (Powers Boothe) und wahrer Mörder weilt noch unter den Lebenden und will nach so vielen Jahren endlich seine Rache an dem alten Cop.

Pulp Fiction für Erwachsene.
Es ließe sich auch sagen: Wo Pulp Fiction die Gewalt der Phantasie des Zuschauers überlässt, schöpft Sin City aus dem Vollen. (Und Quentin Tarantino ist folgerichtig auch als Gast-Regisseur dabei.)
Wäre der Film nicht überwiegend in Schwarzweiß, wäre es eine ziemliche Blutorgie. Zumeist erfolgt die Darstellung des Blutes in gnädigem leuchtendem Weiß, manchmal aber auch in ziemlichem Rot.

Die Abstrahierung macht die Gewalt erträglich, verkehrt sie eine humoristische Ecke. In Sin City ist das Fehlen von Gewalt unnormal.

Frank Miller, der einen Gastauftritt als Priester absolviert (ausgerechnet!), orientiert sich mit seinem Film an den Geschichten von Hollywoods Schwarzer Serie, die in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts mittels fieser Gangster den Kinobesuchern das Gruseln lehrten. Wer einen Vergleich mit neueren Geschichten anstellen möchte, wird Ähnlichkeiten mit den Wirrungen und düsteren Charakteren in den Handlungen von James Ellroy finden können. Der Romancier, der Amerikas dunkle Seite in seinen Geschichten nach außen kehrt (L.A. Confidential), bewegt sich auf einem ähnlichen erzählerischen Level wie Miller.
Miller übertreibt nur noch ein bisschen besser.

Das Aufgebot der Schauspieler kann sich mehr als nur sehen lassen. Hatte die Batman Begins Verfilmung schon eine Menge Altstars auftreten lassen, trumpft Sin City noch einmal auf. Neben den gestandenen Schauspielern wie Bruce Willis, Benicio Del Toro, Clive Owen, Mickey Rourke (schönes Comeback) kommt die neue Garde mit Jessica Alba, Elijah Wood, Rosario Dawson zum Einsatz. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, treffen sich aus der ersten Riege der Nebendarsteller noch Schauspieler wie Powers Boothe, Michael Madsen und Rutger Hauer (einmal mehr als Ekel).
Das dürfte nicht mehr zu toppen sein.

Weitere Comic-Verfilmungen dürften es schwer haben, Allen voran der heiß erwartete Superman Returns (2006) von X-Men-Veteran Bryan Singer.
Und ich denke, es dürfte Sin City 2 auch schwer fallen seinen Vorgänger qualitativ wie optisch zu überholen. 😀

Dienstag, 30. August 2005

Comic gegen Rechts

Filed under: Meldungen — Michael um 21:07

AndiDer Comic erzählt wie Jugendliche Ausländerfeindlichkeit und dumpfe rechtsextremistische Parolen im Schulalltag erleben. „Die Geschichte von Andi, Ayshe, Ben und den anderen kann jeder Schülerin und jedem Schüler passieren“, sagte der Innenminister. (aus Pressemitteilung Innenministerium NRW)

Da ist er also: der erste offizielle Comic gegen Rechts. Begleitet vom Innenministerium entstand dieser Comic im manga-esken Stil (ein richtiger Manga ist es nicht) durch die Strichführung des Düsseldorfer Cartoonisten Peter Schaaff. Der Illustrator, der bereits mit Arbeiten in XXX Comics vertreten war, hat hier eine nicht unalltägliche Handlung zu Papier gebracht.

„Wir glauben an den Comic als vielversprechendes Medium für Informationen des Verfassungsschutzes. Er weckt das Interesse der Jugendlichen und bringt komplexe Sachverhalte auf den Punkt“, erklärte Wolf. (aus Pressemitteilung Innenministerium NRW)

Irgendwie glaube ich das angesichts der Machart des Comics nicht. Die Absicht ist sicherlich mehr als lobenswert. Und ganz bestimmt wurden Jugendliche befragt, wie sie sich einen solchen Comic wünschten. – Aber ein Manga ist ein Manga und Japan ist nicht NRW. Als Zielgruppe sind 14-18jährige anvisiert. Andi ist gemäß der Aussage der Macher ein Bildungscomic. Laut einem Artikel der Westdeutschen Zeitung (30. August 2005) erscheint der Comic in einer 100.000 Auflage. NRW lässt sich diese Aktion 30.000 Euro kosten. Der Comic veralbert rechtsradikale Codes und klärt über ihre Bedeutung auf. Laut der Initiatoren soll er ein Gegengewicht zu rechtsradikalem Parolenmaterial liefern. Jetzt wartet man beim Innenministerium auf Resonanz aus den Schulen.

Das, was man im Comic sorgsam vermieden hat, eine Textwüste, findet sich auf der vergleichsweise ungelenk aufgemachten Homepage von Andi. Im Rahmen eines Preisausschreibens kann hier die Geschichte von Andi weitererzählt werden. Einsendeschluss ist der 31. Dezember 2005.

Ich bin mir sehr unschlüssig, was ich von dieser Aktion halten soll. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass der Comic tatsächlich die Jugendlichen erreicht, die es angeht. Vergleiche ich die Auszüge mit Beispielen, die in so mancher Buchhandlung ein jugendliches Publikum erreichen, scheint mir die Geschichte nicht ernsthaft genug zu sein.
Die Resonanz aus den Schulen interessiert mich auch. Und sollte die Geschichte ihr Ziel erreichen, kann ich nur sagen: Weiter so!

Freitag, 26. August 2005

Erwischt!

Filed under: Superhelden — Michael um 21:17

Spider-Man Marvel KnightsWieder hat sich ein Schauspieler gefunden, der einen Gastauftritt in einem Comic absolvieren musste. In der aktuellen Ausgabe Spider-Man #16 findet sich auf Seite 15 ein ganz besonderer Polizist: Nicholas Cage. (Vielleicht in Anlehnung an seine Rolle in 2 Millionen Dollar Trinkgeld. Das Gesicht ist unverkennbar, wenngleich er noch besser getroffen hätte werden können.)

Terry und Rachel Dodson
Langsam aber sicher halte ich dieses Duo, Zeichner und Inker, für Halbgötter. 😀
Die Frauen sehen zwar grundsätzlich so aus, wie Hefner sie sich ausdenkt in seinem Damen-ohne-Unterwäsche-Katalog. Aber darüber hinaus sind es Bombastbilder, die durch dieses Duo entstehen.
Ich gehöre ja zu denen, die Bilder mit fetten Outlines und feinen Innenlinien mögen. Bei den Dodsons kommt noch ein absolut sauberer Zeichenstil hinzu. Die Zeichnungen wirken, als seien sämtliche Linien mit einem Kurvenlineal gezogen.
Unbestreitbar ist, dass Terrys Stärken auch in Comic-Covern liegen. Selbst in den Geschichten selber kann er auf ganzseitige (oder doppelseitige) Grafiken nicht verzichten (kann er nicht mal eine Silver Surfer Story auf diese Art zeichnen?). Wenn Rächer und Fantastische Vier Spidey gemeinsam zur Hilfe eilen, dann kann ich nur ins Schwärmen geraten.

Spaß beiseite. Der Vierteiler Das letzte Gefecht (engl. The Last Stand) ist ein richtiger Comic-Knaller im besten Sinne des Wortes. Tolle Perspektiven und Bildausschnitte, satte Action, direkt ein Dutzend Fieslinge und eine gehörige Portion Überraschungen.
(Vergleiche ich die Action mit dem aktuellen Abschluss von Die Rückkehr von Superman, dann stinkt Jim Lee meiner Meinung nach ziemlich ab. Eigentlich schade nach seiner fulminanten Arbeit in Batman – Die neuen Abenteuer.)

Auch Terry Dodson und Rachel Dodson sind im DC Universum keine Unbekannten. Meiner Meinung nach war ihre Harley Quinn das Einzige, was diese merkwürdigen Geschichten gerettet hat. – Und die Darstellung von Harleys Gang, den Quinntets zeugt von einer gesunden Portion Humor. Na, und seine Poison Ivy ist wohl die schärfste Grüne abseits der Politik. 😀

Dienstag, 23. August 2005

Die Künstler: Dr. Ulrich Zeidler

Filed under: Die Künstler — Michael um 20:17

Wer Raumschiffe, Monster oder Innenausstattungen in Filmen sieht, hat sich bestimmt schon gefragt, wer eigentlich die Menschen sind, die all diese phantastischen Ideen haben.
In Deutschland gehört Dr. Ulrich Zeidler zu den Künstlern, die im Bereich Conceptual Art arbeiten und ihre Begabung auch bei Comics und Cartoons einsetzen.
Zu seinen Arbeiten, die in Deutschland zahlreiche Zuschauer gefunden haben, gehören die Entwicklungen des (T)Raumschiffes Surprise und vieler weiterer Details des beliebten Films. Dr. Zeidler war so freundlich, im Comicblog einige Fragen zu seiner Arbeit zu beantworten.

Comicblog: The Art Of Star Wars hat Sie nach eigener Aussage nachhaltig beeindruckt. Gibt es ein Bild aus diesem Band, das Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Dr. Zeidler: Mein erstes Art-of-Star-Wars-Buch war das Sketchbook zu Empire Strikes Back. Dort haben mich v.a. die technischen Entwürfe von Joe Johnston und Nilo Rodis-Jamero beeindruckt, die gleichzeitig sehr präzise und mit leichter Hand ausgeführt waren.

Comicblog: Comic und Cartoon gehören ebenfalls zu Ihren künstlerischen Fertigkeiten.
Wo sehen Sie hier Ihren Schwerpunkt? Eher humorvoll oder ernsthaft?

Dr. Zeidler: Im Bereich Comic liegt meine Leidenschaft eher bei den „ernsthaften“ Themen. Z.Zt. arbeite ich u.a. an einem Album eines französischen Szenaristen. Die Handlung ist in der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges angesiedelt.

Comicblog: Welche zeichnerische Arbeit hat Ihnen bis heute den meisten Spaß gemacht?

Dr. Zeidler: Im „kommerziellen Bereich“ wahrscheinlich die Astro Saga und z.T. auch das (T)Raumschiff. Ansonsten die Zeichnungen, die ich in meiner Kindheit gemacht habe, als ich noch nicht wußte, dass Zeichnen schwer ist 😉

Comicblog: Haben Sie ein künstlerisches Vorbild aus dem Comic-Bereich? Und was
gefällt Ihnen an den Arbeiten des Künstlers besonders?

Dr. Zeidler: MOEBIUS. Wegen seiner Klarheit und scheinbaren Leichtigkeit.

Comicblog: Wann werden wir wieder konzeptionelle Entwürfe von Ihnen auf der Leinwand oder im Fernsehen sehen können?

Dr. Zeidler: Ich hoffe sehr bald 😉

Comicblog: Welche zeichnerische Technik ist Ihnen die liebste? Tusche? Marker? Oder anderes?

Dr. Zeidler: Bleistift, klassisch und Computer (Painter IX und Photoshop CS2) in Verbindung mit einem Cintiq Tablet von Wacom.

Ich bedanke mich bei Dr. Zeidler recht herzlich für die Beantwortung der Fragen. 🙂
Unter www.ulrichzeidler.com gibt es weitere Einblicke in die Arbeiten des Künstlers. Allen Kunst- und Comic-Interessierten seien die Galerien ans Herz gelegt.

Montag, 22. August 2005

Tochter der Freiheit

Filed under: SciFi — Michael um 20:42

Tochter der FreiheitFreiheit. Alle Macht dem Volke. Demokratie. Der große amerikanische Traum. Belüg dich nicht selbst. Wir haben es schon versucht. Glaub mir, es funktioniert nicht. Du kannst dem Volk nicht trauen.

Diese Einstellung ist maßgeblich in dem Universum, in dem die Judges das Sagen haben. Diese Welt ist geprägt von sehr viel (auch merkwürdiger) Gewalt und sehr viel pechschwarzem Humor.

Manchmal gibt es eine Geschichte, die grafisch herausragend ist. Manchmal gibt es auch eine Geschichte, die aus den eigenen Regeln ausbricht und etwas Eigenes schafft. Die Geschichte um America, der Tochter der Freiheit, handelt zwar in Megastadt Eins, bedient sich dieses Universums, aber von den gewohnten Judge Dredd Geschichten ist sie meilenweit entfernt.

Die Erzählung ist sehr, sehr ernsthaft. Die kleine America wächst mit einem längst vergangenen Traum auf. Die Vereinigten Staaten bestehen nicht mehr. Wo Gerechtigkeit herrscht, kann es nicht auch noch Freiheit geben. Für die heranwachsende America und einige ihrer Freunde sind die Judges die Wurzel allen Übels. Als die Judges ihr das ungeborene Kind nehmen, gibt es für sie kein Zurück mehr. Der Schritt zum Terrorismus ist schnell gemacht.
Auch ihr Freund aus Kindertagen, Bennett Beeny, kann ihr nicht helfen. Seine Loyalität ihr gegenüber kostet dem aufstrebenden Sänger die Kehle.

Die Bilder sind nicht nur eine Pracht, sie zeigen auch sehr großes handwerkliches Geschick. Erfreulich ist, dass Pinselstriche zu erkennen sind, die so fein ausgeführt wurden, dass zusammen mit den Airbrush-Bestandteilen jede einzelne Seite sehr viel Zeit gekostet haben muss.
Zeichner Colin MacNeil hat in dieser 1990 gezeichneten Geschichte von John Wagner aus dem Vollen geschöpft. Sein gestalterischer Schwerpunkt liegt auf den Charakteren. Judge Dredd sah nie besser aus. America und Benny, das Liebespaar, das nicht zueinander finden kann, ist sehr gegensätzlich entworfen und läuft den Standardpärchen, die sich sonst in Comics finden, entgegen.

Die meist kleinen Ausschnitte, die es von Mega City Eins zu sehen gibt, reichen aus, um Atmosphäre zu schaffen. (Ein Judge, der einen kleinen Jungen kontrolliert, weil dieser sein Eis auf den Bürgersteig fallen ließ.) Dem entgegen stehend entfaltet die Freiheitsstatue, die gerade mal so hoch wie der Stiefel der Judge-Statue ist, eine ganz besondere Wirkung.

Gemäß der Welt, in der ein Judge Dredd regiert, ist der Schluss denn auch ungewöhnlich. Benny Beeny kann den Verlust seiner Freundin nicht verkraften. Drei Monate lang lässt er ihren Körper am Leben erhalten. Ihr Gehirn ist bereits tot. Da fasst er einen Entschluss. Er lässt eine Ganzkörpertransplantation durchführen. Am Ende steht Beeny in ihrem Körper auf der Bühne und erzählt allen die Geschichte von America.

Eine verdammt gute Handlung mit spitzenmäßigen Bildern! 😀

(Als Album im Bastei Verlag erschienen: Balladen aus der Mega-Stadt #1 – Tochter der Freiheit, April 1994)

Samstag, 20. August 2005

Frauenpower: Aeon Flux

Filed under: Comics im Film,SciFi — Michael um 23:12

Aeon FluxDie Zeichentrickserie Aeon Flux kann zwar nicht auf eine Comicserie als Basis zurückblicken, ihr grafischer Stil könnte diese Vermutung allerdings zulassen. Ich muss zugeben, die alten Experimental-Episoden in Liquid Television auf MTV haben mir nie so recht gefallen.
Mir war der Stil zu abstrakt und die Frau kam mir zu spinnenhaft vor. Außerdem musste sie stets zum Schluss sterben.
In ihrer eigenen Serie änderte sich das. Der Stil freilich änderte sich nicht. Wer Vergleiche anstellen möchte, wird zwischen Aeon Flux und Julie aus F.A.K.K. 2 gewisse Ähnlichkeiten entdecken. Ob diese beiden schlagkräftigen und hochgewachsenen Damen die gleiche Vorbildperson hatten?
Beides ist irgendwie Trash, wenig anspruchsvoll, Science Fiction Light mit großen Brüsten.

Charlize Theron, Oscar-Gewinnerin für ihre Rolle in Monster, gibt sich natürlich ähnlich spartanisch bekleidet wie ihr gezeichnetes Vorbild. Wäre die Vorlage nicht auf MTV zu sehen gewesen, hätte die Idee auch aus einem Manga herrühren können, denn ähnlich wie Matrix können auch hier japanische Anklänge nicht geleugnet werden.
Vielleicht ist es aber auch ein ganz klein wenig Matrix-Feeling, das beim Ansehen des Trailers zu Aeon Flux aufkommt – schließlich bediente sich Matrix nachträglich auch des Anime, so dass eine Art verspätete Verbeugung vor der Inspiration stattfand.

Eines ist sicher: Das mit seinen 90er Jahren beendete und das immer noch entstehende neue Jahrtausend sind Zeitalter der starken Frauen. Wer den Trailer sieht, wird an Serien wie Dark Angel oder Comics wie Dark Minds erinnert. Betrachtet man sich diese Konsequenz genauer, kann die nächste Comic-Verfilmung sich nur um eine Frau drehen, die ebenfalls in der Lage ist, alles kurz und klein zu hauen: She-Hulk! 😀

Wann ist ein Held ein Held?

Filed under: SciFi,Superhelden — Michael um 21:13

Der neue PatriotDie dunkle Seite des amerikanischen Traums untertitelt der Vierteiler Der neue Patriot. Superhelden, genetisch gezüchtet, wandeln sich vom Traum zum amerikanischen Alptraum. Die Götter werden zu Vorboten des nahenden Untergangs.

Die Menschen erwarteten einen Aufschrei der Empörung, als England 51ster Staat der USA wurde. Aber wir hatten es schon so lange in unserer Tasche, dass es wohl keiner so richtig merkte.

Die Welt befindet sich im Wandel. Unbemerkt sind die gezüchteten Helden zu einer Eingreiftruppe rund um den Globus geworden. Als die Geschichte auffliegt, wird die neue amerikanische königliche Familie, so die Yellow Press Bezeichnung für die Optimen, die Übermenschen, in Krisenherden zur Befriedung eingesetzt.
Die Psi-begabten Übermenschen gehen ihrer Aufgabe auch zuerst zur Zufriedenheit der Oberen nach. Doch es gärt, nicht nur weltweit, sondern auch im Volk. Fanatiker, rechts wie religiös, rotten sich gegen die Optimen zusammen. Die Proteste gegen die neuen Patrioten werden immer schlimmer.

Wenn man eine Patriotin ist, befindet man sich in einer merkwürdigen Situation. Ich meine, wenn man heiratet – wer trägt dann wen über die Schwelle?

Zusätzlich zur künstlichen Evolution sind Übermenschen auch sexuell nicht mehr einzuordnen. Als ein Homosexuellentreff von Fanatikern gesprengt wird, nimmt einer der Optimen furchtbare Rache. Der Niedergang des Projekts ist eingeläutet.

Die Konzeption dieser Geschichte ist herausragend, weil sie die Thematik des (Comic-)Helden auf sehr ernsthafte Weise aufgreift. Es greift die Frage auf: Ist jemand zum Helden geboren?
Die Antwort lautet: Nein. In dem 1989 erschienenen Comic wird das gängige Superheldentum auf sehr drastische Art entzaubert. Edelmut wurde nur bei wenigen Helden noch hochgehalten, sogar Superman hatte seine finsteren Momente, aber nur ganz, ganz selten waren die Helden so menschlich wie hier.
Eine ähnliche Atmosphäre findet sich aktuell bei den Ultimativen, ebenfalls eine staatlich kontrollierte Gruppe.
Während dort der Hulk wegen vielfachen Mordes (und weil er schon mal jemanden auffrisst) angeklagt wird, leiten die Optimen den kompletten Niedergang der USA ein.

Autor John Smith hat hier eine Geschichte geschaffen, die wirklich universell einsetzbar gewesen wäre. Sie hätte auf der Leinwand wie auch als Roman funktioniert, zumal der Comic mit Zeitungsartikeln und Interviews angereichert wird. So entsteht hier zeitweilig eine erzählerische Mischform.
Zeichner Jim Baikie arbeitete an Batman, Teen Titans und Judge Dredd. Der zeichnerische Stil ist skizzenhaft, hingeworfen wie mit Tusche und Farbmarker. Aber das genügt. Für den dokumentarischen Aufbau der Geschichte braucht es nicht mehr und es ist manchmal gut, dass sich ein Zeichner auch zurückzunehmen weiß.

Ich glaube an unser Land und unseren Staatenbund. Ich glaube, dass der Heilige Geist gleichzeitig der amerikanische Geist ist.

Die Geschichte geht mit den USA hart ins Gericht. Die politische Einstellung wird in dieser Science Fiction Geschichte (zw. 2047 und 2064) unverblümt kritisiert. Vor dem Hintergrund des letzten Golfkrieges und des gemeinsam geführten Angriffs der USA und England beweist das Szenario eine gewisse Weitsicht.

Unter dem Strich bleibt eine sehr vielschichtige Handlung mit sehr echten Helden, deren Geburt beinahe in einer Art weiteren Vietnam-Tragödie für die USA mündet. Daumen hoch. 😀