Mittwoch, 28. November 2007
Und Gott sagte: „Es werde Licht.“ Mit ganz einfachen Worten und Sätzen beginnt das Buch der Bücher, wie es auch manchmal genannt wird. Fest steht, dass dieses Buch einen gigantischen Einfluss auf die Geschichte der Menschheit gehabt hat. Aber dieses Buch ist mit Altem und Neuem Testament auch sehr dick. Der Zugang ist dank einer zuweilen rätselhaften Sprache ist nicht unbedingt leicht. Wenigstens Jugendliche werden eher mit Desinteresse auf diese Texte reagieren. Diese Comic-Adaption soll einen leichteren Zugang bieten.
In verkürzten und aussagekräftigen Szenen findet der Leser alles vor, was in der Bibel Rang und Namen hat. Zu jeder Szene gibt es Verweise zur entsprechenden Bibelstelle, wo der Inhalt anschließend vertieft werden kann.
Lassen wir einmal den religiösen Aspekt beiseite und konzentrieren uns nur auf die Handlung. So gesehen, kann sich jeder Genre-Fan nur die Hände reiben, denn die Bibel ist Fantasy pur.
Die Welt wird von einer göttlichen Macht erschaffen. So erzählt Moses seinen jungen Zuhörern. Doch das erste Paar der Menschheitsgeschichte, ebenfalls von Gott geschaffen, fällt auf die Einflüsterungen einer Schlange herein, die fortan ohne Gliedmaßen ihre Zukunft fristen muss. Adam und Eva verlassen den Garten Eden, und damit erwartet den Menschen auch viel Unheil.
Das Alte Testament schlüsselt die Menschheitsgeschichte auf seine ganz eigene Art auf. Die Stammbäume lesen sich manchmal abenteuerlich, die Altersgrenzen der auserwählten Menschen, auf die Gott immer noch ein Auge hat, haben heestersche Dimensionen. Kain und Abel, der Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft, die Zehn Gebote, die Geschichte von Josua und in vielen Beispielen mehr – Gott hat es den Menschen nicht leicht gemacht. Hier und da zeigt er sich, belohnt, aber er bestraft auch. Der Gott des Alten Testaments ist ein knurriger alter Mann, der seine Kinder mit fester Hand führen will – man kann schwerlich behaupten, dass es ihm immer gelingt.
Auch ist er ein exklusiver Gott, der Gott eines Volkes, einiger Auserwählter. Den Redlichen steht er zur Seite, belohnt sie manchmal, wenngleich diese Belohnung auch auf sich warten lassen kann und der Weg zum Ziel steinig und voller Entbehrungen bleibt.
Wer die entsprechenden Passagen in der vorliegenden bearbeiteten Ausgabe liest, entdeckt diesen Umstand sehr schnell.
Aber es ist auch eine Geschichte der Hoffnung.
Ebenso deutlich bei der Auswahl der Geschichten um Simson und David und vieler anderer ist die Lebendigkeit. Künstler Siku, in seiner Form als Zeichner und Konzepter, setzt diese Lebendigkeit in Rasanz um. Fluchten und Kämpfe, Schlachten und einstürzende Tempel wechseln sich ab mit der Ruhe glücklicher Zeiten, in denen die Stammbäume fortgeschrieben werden. Der adaptierende Erzähler Akinsiku würzt diese Erzählung hier und da mit dem einen oder anderen sehr fortschrittlichen Satz.
Der Geschichte des Volkes von Israel mit all seinen Höhen und Tiefen folgt eine wirkliche Hoffnungsgeschichte, abgebildet im Evangelium. Entgegen der langen Herkunftsgeschichte geht es hier nur um einen besonderen Menschen und sein Schicksal.
Der Beginn allerdings hält schon ähnlichen Horror bereit, dem sich schon die Israeliten gegenüber sahen. Jedes Kind unter zwei Jahren soll wegen einer Weissagung getötet werden. Aber Josef und Maria, die Eltern eines kleinen Jungen, fliehen. Viele Jahre später begegnet ein junger Mann an einer Wasserstelle Johannes dem Täufer. Der Täufer ist schockiert. Er hat den Sohn Gottes gesehen, jenen Mann, auf den er sein Leben lang gewartet hat.
Die Umsetzung von Jesu Leben ist mangaesk gelöst. Schön ist die räumliche Enge so mancher Informationen, die man als Leser so auf einen Blick präsentiert bekommt. So finden sich die Apostel alle beieinander, aber auch die Gleichnisse werden einfacher gezeichnet, kindlich, denn sie sollen auch in aller Einfachheit eine Wahrheit vermitteln. – Das gelingt auch wunderbar.
Nach der Apostel-Geschichte folgt die Offenbarung des Johannes, die Apokalypse. Letztere wird in aller Kurzform abgehandelt, obwohl sie einen wichtigen Teil der Bibel darstellt. Man kann hier auch von einer dramaturgischen Überarbeitung sprechen, denn nach dem Heil, was Jesus brachte, ist die Düsternis der Offenbarung eigentlich ein Rückschritt in die Düsternis des Alten Testaments.
Die Umsetzung findet in Schwarzweiß statt, skizzenhaften Außenlinien und hellen bis dunklen Rasterflächen. Die Figuren sind sehr schlank, drahtig zu nennen. Fast fühlt man sich an eine Mischung aus der berühmten Es war einmal …-Zeichentrickserie und einer handelsüblichen Animeserie erinnert. Auf eine übermäßige Charakterisierung wird verzichtet. Die Figuren und ihre Gesichter bleiben eher gleichförmig.
Es geht hier um einen Abriss, eine Zusammenfassung eines umfangreichen Buches, der alleine stehen kann, aber nicht sollte. Diese Intention der Macher ist eindeutig und sehr lobenswert. Teile der Bibel wurden auf die unterschiedlichste Weise erzählt, gerade, um die jüngeren Leser an diese Geschichte heranzuführen. Dieser neue Ansatz ist gelungen und überaus modern, vergisst aber auch nie, wo die Wurzeln dieser Geschichte liegen, denn der Respekt vor der Materie ist immer spürbar. 🙂
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Dienstag, 27. November 2007
In den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand Andrax. In der Comic-Zeitschrift Primo ist er ein Vorreiter vieler anderen Serien und Ideen. In diesen Tagen sind seine Abenteuer neu belebt worden – und sie sind ebenso gut wie vor über 30 Jahren.
In den 70er Jahren herrschte ein wenig Weltuntergangsstimmung, um es vorsichtig auszudrücken. Ölkrise, Terrorismus, Vietnam und vieles mehr prägten dieses ansonsten sehr bunte Jahrzehnt äußerst negativ. In den Kinos herrschte Endzeitstimmung mit Jahr 2022 – die überleben wollen, Der Omega-Mann oder Zardoz. Barbarisch wurde es auch in den Comics wie Conan, Kronan oder auch Rahan. Eine Verbindung von Fantasy und Science Fiction fand sich mit Andrax, einer Endzeitgeschichte, die ihre Erben noch heute in Serien wie Maddrax oder Axa findet.
Michael Rush hat das Pech einem wahnsinnigen Experiment, dem Experiment des Grauens, zum Opfer zu fallen. Einem Wissenschaftler gelingt es, den professionellen Zehnkämpfer einzufrieren und nach 2000 Jahren wieder zum Leben zu erwecken. Das ungewollte Testobjekt findet jedoch keine ideale Menschheit vor, sondern die Trümmer einer zerstörten Zivilisation. An unterschiedlichen Orten hat es Rück- und Fortschritte, aber auch ein hohes Maß der Degeneration gegeben. Rush, der nun den Namen Andrax trägt, schlägt sich in dieser Welt mühevoll durch, erntet aber auch Respekt dank seines ungeheuren Mutes. Holernes, ein König, ihm zunächst feindlich gesinnt, begleitet ihn später auf seinen Reisen.
Zusammen erkunden sie eine Welt, in der nicht nur neue und verschüttete Techniken auf ihre Entdeckung warten. Auch der Horror von fremden und außerirdischen Kreaturen, Monstren, aber auch von Untoten ist allgegenwärtig.
In den Abenteuern von Andrax finden sich die unterschiedlichsten Genres, die so gerne in Endzeitgeschichten zusammengebracht werden. Die Barbarengeschichte ist vertreten, eine Art historische Schlacht findet sich auch. Die merkwürdige Zukunftsstadt ist ganz eindeutig degeneriert und lässt einen Stil, wie er von Vertretern des Genres wie Barbarella her bekannt scheint, erkennen, allerdings ohne Erotik. Zu den Verrücktheiten, zu denen die seltsamen Bewohner in der Lage sind, reicht es aber allemal. Darüber hinaus mag der aufmerksame Leser, der sich in den Genres ein wenig auskennt, immer Ähnlichkeiten entdecken. Angesichts des Alters mag eine Produktion wie Andrax Themen und Szenen vorweg nehmen, die sich sogar in Serien wie Star Trek wieder finden. Man kann nicht von Vorlagen sprechen, als vielmehr von einer weit reichenden Phantasie der Macher, die ihrer Zeit um Jahre voraus war.
Dennoch finden sich auch Anleihen, die mit der Geschichte rund um die Horror-Hölle ihren Ausdruck findet. Die Paradefigur des Horrors, Dracula, hat es ebenfalls in die Zukunft geschafft und hat sich auch mit den Gegebenheiten arrangiert. Eine kleine Armee seiner untoten Ghoule terrorisiert die Umgegend mit Feuer und Schwert. Jeder Angriff scheint sinnlos, da die Feinde schon sehr bald wieder auferstehen. Wie es sich bald herausstellt, wirken Kreuz und Pflock in dieser Zeitperiode immer noch.
Diese Episode ist eher ein Ausreißer, da sich Andrax darüber hinaus klassisch an sein Genre hält.
Wie es sich gehört, ist die Erforschung von Geheimnissen ein zentrales Merkmal. Sehr schön sind die unterschiedlichen außerirdischen Einflüsse. Einmal taugen die Menschen nur als Vorrat und müssen sich gegen die Knute von unbarmherzigen Robotern anstemmen. In der Superstadt ist es ebenfalls ein außerirdisches Raumschiff, das zur Erschaffung einer perfekten Gesellschaft dient. Hier wird weitaus undurchsichtiger zu Werke gegangen. Mit der Aufdeckung des Geheimnisses geht auch der Untergang und Wahnsinn einher.
All diese Geschichten sind überaus unterhaltsam und spannend in bester Pulp-Tradition. Die Monster sind grausig, die Frauen wunderschön. Die Männer sind stark, muskulös, aber auch alt und weise, manchmal verkrüppelt, durchtrieben, brutal. Bleiben die Frauen eher eindimensional, sind die Männer in allen Bandbreiten vorhanden.
Andrax, die Titelfigur, ist dabei kein Übermensch. Als solcher würde er auch nicht zum Mitfiebern taugen. Andrax, der ehemalige Wettkampfsportler, kann es nicht alleine schaffen. Deshalb wird ihm schnell ein Freund zur Seite gestellt. Anfänglich ist Holernes ein Barbar, aber Holernes lernt schnell und wird dank seines intuitiven Verhaltens ein wichtiger Begleiter – und jemand, der den Hochmut von Andrax manchesmal bremsen kann.
Andrax nimmt es für sich Anspruch, eine realistisch anmutende Comic-Serie zu sein. Dafür wurde mit dem Zeichner Jordi Bernet der perfekte Zeichner gesucht und gefunden. Die Führung des Tuschestrichs ist exzellent. Mit Licht und Schatten, feinen und groben Strichen vermittelt Bernet eine gute Sicht auf Vorder- und Hintergründe und schafft eine plastische Ansicht, einen filmischen Effekt. Fast entsteht eine Sicht wie auf eine alte Fernsehserie – die damals wie heute immer noch fesselt.
Fans des Endzeit-Genres aufgepasst: Andrax ist wieder da! In guter Aufmachung, aufregend erzählt, mit tollen Zeichnungen, die immer noch modern zu nennen sind, so präsentiert sich Andrax im neuen Jahrtausend nach jahrzehntelanger Abwesenheit und ist noch so gut, als sei er nie weg gewesen. 😀
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Montag, 26. November 2007
Das Böse ist unter uns. Besser kann es der Klappentext nicht beschreiben. Die neue Gruppierung die zum Fang von nicht registrierten Helden benutzt wird hat einige Schurken des übelsten Abschaums versammelt, den es im Marvel-Universum gibt.
Norman Osborn, besser bekannt als Grüner Kobold, Venom, Radioactive Man, Swordsman, Moonstone, Songbird, Pennance und Bullseye bilden die neuen Thunderbolts, jenes Team, das schon immer eine Berg- und Talfahrt mitmachte.
Jetzt sind sie die offizielle Eingreiftruppe. Wer da draußen auf eigene Faust Verbrecher dingfest machen will, verhält sich gesetzeswidrig und kann verhaftet werden.
Doch Warren Ellis, Comic-Autor für die eher düsteren und härteren Themen, führt dem Leser vor Augen, was geschehen kann, wenn eine Horde von Irren eine Art Polizeigewalt erhält.
Der ganze Einsatz dieser Wahnsinnigen ist äußerst unlogisch und widerspricht vollkommen den Grundgedanken, die Iron Man zu seiner Kampagne getrieben haben. Auch die Rolle des überaus intelligenten Reed Richards alias Mr Fantastic erscheint merkwürdig, da er einer der Mitinitiatoren dieses seltsamen Programms ist. Wie jemand wie Norman Osborn ausgerechnet zum Anführer dieses Teams auserkoren werden konnte, erscheint ebenso schleierhaft.
Natürlich ist diese Gruppe durch vielfältige Überwachungsmaßnahmen gesichert. Auf mikroskopischer Basis wurden die Verbrecher mit Naniten versehen. Diese Miniroboter treten in Aktion, wenn sich eines dieser Monstren gegen die Befehle verhält. Weitere Maßnahmen runden das Sicherheitspaket ab.
Man muss es Warren Ellis’ Phantasie zugute halten, dass er diese unwirkliche Szenario auf hervorragende Weise angeht. Die Vorstellung der einzelnen Charaktere in Form von Verhören, allen voran Norman Osborn, und durch diverse Einsätze ist über alle Maßen spannend.
Einen guten Teil des Lobes für diese vortreffliche (Anti-)Superheldengeschichte kann der Zeichner Mike Deodato Jr. für sich verbuchen. Die Zeichnungen sind sehr realistisch angelegt und zu jedem Zeitpunkt brillant. Selbst die kleinsten Momente werden noch mit dem notwendigen Aufwand bearbeitet und sei es das kleine Versteck von American Eagle.
An der Darstellung des Auftritts von Stan Lee scheint Deodato seine helle Freude gehabt zu haben. Die angebotenen Verkleidungen potentieller Heldenfiguren sind ein ziemlicher Jux. Darüber hinaus ist die Namensgebung und die Verkleidung von Helden wie von Schurken ein Thema in dieser Ausgabe. Wie American Eagle sich über eine alte Verkleidung beklagt, in der er aussah wie einer der Village People oder die Erläuterung des kleinen Helden Steel Spider, der wie eine Mischung aus Doc Ock und Spider-Man erscheint, das rüttelt, wie die gesamte Handlung, an den Grundfesten des Marvel-Universums – wie letztlich die gesamten Ereignisse der letzten Zeit. So gesehen ist diese Fortführung die logische Konsequenz (und trotzdem nicht unbedingt logisch, aber im Sinne der Unterhaltung hinnehmbar).
Deodato bedient sich auch wieder eines Schauspielers (wie es so mancher Zeichner schon getan hat, man denke nur an Samuel L. Jackson als Nick Fury bei den Ultimativen). Hier dürfen wir Tommy Lee Jones als Norman Osborn bewundern. Optisch wie auch vom beeindruckenden schauspielerischen Naturell wäre Jones eine sehr gute Wahl auch für die Kino-Fassung von Spider-Man gewesen. Wie schon in den ganz alten Geschichten, als Osborn sein Gedächtnis verloren hatte, darf der Leser beobachten, wie sich langsam der alte Wahn um Spider-Man wieder in seine Gedanken einschleicht und ihn als Anführer der Thunderbolts untragbar macht – nicht zuletzt dank der nicht weniger psychotischen Moonstone, die Osborns Medikamente manipuliert.
Bei all den Schurken dürfen auch die Helden nicht vergessen werden. Nicht alle sind registriert. Viele kleinere haben sich dem Gesetzt entzogen, einige auch deshalb, weil sie seit Jahren nicht mehr aktiv waren.
An den Beispielen von Jack Flag, Steel Spider und American Eagle oder Jillian Woods alias Shadowwoman wird der verzweifelte Kampf gegen die Unholde gezeigt. Ellis ist gnädig. Zwar leiden die Helden Höllenqualen, aber zumindest dürfen seine Helden auch austeilen. Am Ende ist nichts mehr so, wie es war – nachdem die Thunderbolts in der Öffentlichkeit mehrmals ihr wahres Gesicht offenbart haben. Die Hülle bröckelt, denn eine einhundertprozentige Kontrolle dieser Kreaturen ist nicht möglich. Wie auch, wenn sie sich nicht einmal selber unter Kontrolle haben?
Wenn ein Wahnsinn in Superhelden-Comics Methode hatte, dann hier! Wenn Schurken als Waffe für das Gute eingesetzt werden, kann das nur schief gehen. Wie sehr, dass zeigen Warren Ellis und Mike Deodato Jr. beinahe genüsslich und mit allen Konsequenzen mit dieser Geschichte innerhalb des normalen Marvel-Universums, die ihren ganz eigenen Weg beschreitet. 😀
Sonntag, 25. November 2007
Als die US-amerikanischen Truppen den Irak, genauer, das Herz des Landes, die Hauptstadt Bagdad angreifen, kommt auch der örtliche Zoo zu Schaden. Bomben schlagen nahe der Gehege ein. Vielen Tieren gelingt die unerwartete Flucht, darunter auch vier Löwen. Plötzlich sind sie wieder in Freiheit.
Aber ist diese Freiheit auch gut für sie?
Inmitten der zerstörten Stadt gibt es keinen Menschen mehr, der für sie sorgt. Nahrung findet sich auch in anderer Form nicht. So bleibt den Vieren keine andere Wahl, als ihr Heil auf ihrer Wanderschaft hinaus aus den Schuttbergen zu finden.
Die ersten Schritte sind alles andere als einfach, denn auch die anderen Tiere haben die Vorzüge der Freiheit erkannt. Nicht allen ist das Glück beschieden. Eine Giraffe, die eben noch die Freiheit voller Glück begrüßt, wird im nächsten Augenblick von einer Granate dahingerafft. Eine Affenbande nutzt ihre Freiheit, um den kleinen Ali, den Nachwuchs unter den Vieren, zu entführen. Zill, der Kater, und Noor, seine Gefährtin, haben keine Chance rechtzeitig bei ihrem Sohn zu sein. Aber Safa, die alte einäugige Katze, findet einen Weg. Schnell macht sie den Affen begreiflich, wer in der Nahrungskette immer noch das Sagen hat.
Fremde Tiere sind nicht die einzige Gefahr. Auch der herannahende Feind wie auch die Verteidiger – eine Wasserschildkröte nennt sie ebenfalls eine Art von Löwen, in Wahrheit sind es Panzer – sind eine ständige Bedrohung. Damit nicht genug. Diese Welt ist selbst Safa vollkommen fremd. In ihren frühen Jahren hatte sie noch die Savannen erlebt – mit all ihren Vor- und Nachteilen, denn die Verletzungen von einst trägt sie heute noch als Narben. Beinahe schüchtern und sehr vorsichtig ziehen sie durch die Straßen, durch das Chaos und die Zerstörung, nicht wissend, wo sie auskommen werden.
Die Löwen von Bagdad basiert nach Aussage der Macher auf einer wahren Begebenheit. Während der Angriffe auf die irakische Hauptstadt entkamen tatsächlich vier Löwen dem örtlichen Tierpark. Autor Brian K. Vaughan, durch seine schriftstellerischen Erfolge innerhalb des Mediums inzwischen eine feste Größe, setzt diese vier sehr unterschiedlichen Charaktere in einer zerstörten Stadt in Szene. So schafft er eine Aussage, geradezu grauenhaft verständlich und eindringlich, wie es nur Szenarien mit Tieren vermögen.
Seit den Tagen der Fabel ist der erzählerische Weg über das Tier ein guter Weg, um eine Aussage unaufdringlich zu verpacken. Durch die Augen der Löwen erfährt der Leser eine Welt, welche die unsrige ist und dennoch absolut fremd erscheint. Dazu hat Vaughan vier Charaktere gewählt, die sehr unterschiedliche Lebenserfahrungen aufweisen. Während Safa noch weiß, was Freiheit bedeutet, auch welche Qual damit verbunden sein kann, sieht der kleine Ali die Welt mit den Augen eines neugierigen Kindes. Zill und Noor sind eher skeptisch, aber auch realistisch genug, um zu wissen, dass es nicht genügt, in den Ruinen abzuwarten, ob sich vielleicht neue Pfleger im Zoo einfinden.
Wir sind frei geboren. Hast du das nicht immer gesagt? Es ist die Gefangenschaft, die man lernen muss.
Diese Gefangenschaft haben die Tiere sehr verinnerlicht. Sie ist ein Teil von ihnen geworden, obwohl alte Instinkte immer noch lebendig sind. Aber mit der Gefangenschaft hielt auch eine trügerische Sicherheit Einkehr. Begrenzter Lebensraum wurde gegen ein sicheres Leben getauscht. – Wie falsch sie damit lagen, widerlegt Vaughan auf der kurzen Reise der Löwen. Im Palast, in der sich die herrschende Kaste einer scheinbar unerschöpflichen Dekadenz hingab, treffen sie auf einen der ihren, Rashid. Angekettet, abgemagert und vergessen, stirbt der einst stattliche Löwe vor ihren Augen und straft damit ihre bisherige Ansicht lügen, dass die Menschen sie zwar gefangen hielten, aber wenigstens pflegten.
Und eine weitere Ansicht wird zu Fall gebracht. Mit ihrer Kraft und ihren Fähigkeiten stehen sie auch nicht an der Spitze der Nahrungskette. Aus der ohnehin dramatischen Flucht wird ein schierer Kampf um das Überleben.
Diese Dramatik, die auch dank der grafischen Fähigkeiten und Umsetzungen von Niko Henrichon das Herz des Lesers trifft, spitzt sich von Seite zu Seite immer mehr zu. Gegen nimmt einen die Löwenfamilie richtig mit auf die Reise, die stetig hoffnungsloser und trauriger wird – nicht zu vergessen, dass sich die Tiere in den Ruinen der Menschen bewegen.
Henrichon pflegt einen sehr feinen und lockeren Strich. Durch die Kolorierung entstehen sehr komplexe Bilder mit einem orangefarbenen Grundton, der nur selten vom tröstenden Grün einer Oase durchbrochen wird – hier finden sich auch die friedvollen Momente, wenn Zill und Noor einmal allein miteinander sein können. Das Palastinnere erdrückt mit einem eiskalten Blaugrau und kündigt die nächste Bedrohung an. – Immerhin eine Bedrohung, die eine Gestalt hat und fassbar ist. Es ist ein gelungenes Symbol, dass ausgerechnet blütenweiße Pferde diese Bedrohung aus der Welt schaffen.
Die Wahl der Bilder, der Szenen, der Charaktere, der Ansichten, nichts wird in dieser Geschichte dem Zufall überlassen. Brian K. Vaughan, Autor von Ex machina und Y – The last man unterstreicht mit dieser Geschichte nicht nur seine Vielfältigkeit, sondern auch seine Fähigkeit eine Geschichte mit einer hohen Erzähltiefe zu schreiben. Dank des Zeichners Niko Henrichon ist eine traurig schöne wie auch beeindruckende und für das Comic-Genre außergewöhnliche Geschichte entstanden. 😀
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Samstag, 24. November 2007
Als die Witchblade ihren ersten Auftritt hatte, ahnte wohl noch niemand, welch lange Geschichte diese Waffe bereits hatte, welch langen Weg diese überirdische Krallenhand zurückgelegt hatte, bis sie zu Sara Pezzini fand. Der vorliegende Band ist bemüht, all die Trägerinnen aufzulisten, denen die Witchblade ihre Gunst schenkte.
Mit Bearers of the blade findet sich ein ähnliches Übersichtswerk, wie es das Book of souls seinerzeit für Spawn gewesen ist. Ähnlich, denn hier geht es um die Trägerinnen der Witchblade und nicht um all jene Figuren, die einmal in der Reihe auftraten.
Die Geschichten um jene archaische und mythische Waffe, einer Mischung aus der Dunkelheit der Darkness und dem Licht der Angelus finden sich nicht nur in der Hauptserie, sondern auch zahlreiche Einzelerscheinungen und Mini-Serien. Erstere fanden ihre Erscheinungsweise in der Reihe Tales of the Witchblade. Unter letzteren sticht sicherlich der Dreiteiler Obakemono heraus, jene Saga um die Witchblade mit einer japanischen Trägerin. Sogar in eine alternative Realität verschlug es die magische Waffe, nachzulesen in Witchblade Infinity.
Außerdem ist die Witchblade eine geeignete Crossover-Figur. Natürlich agierte sie innerhalb des eigenen Universums an der Seite der Darkness. Sara Pezzini musste sich aber auch zusammen mit Jackie Estacado mit Aliens und Predatoren im allseits beliebten Overkill-Mehrteiler auseinandersetzen. Neben der Königin der Schatzjägerinnen Lara Croft alias Tombraider hatte sie eine bedeutsame Begegnung mit der ägyptischen Göttin Bastet, die noch eine Rechnung mit der Witchblade zu begleichen hatte. Die Justice Leaque of America biss sich außerdem an der Witchblade beinahe die Zähne aus. Eine neue Zeichentrick-Variante, im Japan der Zukunft, wird auch nicht vergessen.
Die Waffe wandelte unter Piraten, im alten Ägypten, in der Steinzeit, im Mittelalter – sogar an der Seite eines Spawn, im Wilden Westen oder in der Zukunft. In der alternativen Realität verschlug es sie sogar in die Hände einer Prostituierten.
Faszinierend, natürlich aus einer rein subjektiven Sicht, sind die Ausflüge der Witchblade in einen asiatischen Erzählraum. China ist hier sehr wirkungsvoll, zumal sie hier in Form von Leung Lin Yao auch die Macht über einen Drachen gewinnt. Wie sich das Design der Witchblade auch der jeweiligen Kultur anpasst, lässt sich besonders gut an Shiori-Sama sehen. Zeichner Billy Tan schafft in Obakemono eine der optisch schönsten Varianten der Witchblade.
Die Autoren verarbeiteten die Witchblade sogar in der Historie, indem sie die heilige Johanna von Orleans zu einer ihrer Trägerinnen machten. Die Notwendigkeit der Vermischung von historischen Ereignissen mit der Comic-Gestalt mag nicht bei jedem Gefallen finden, besonders dann nicht, wenn die Witchblade auch in Stalingrad zum Einsatz kommt, da sich bestimmt genügend Szenarien erfinden lassen, in denen die Waffe zum Tragen kommen kann.
In dieser Aufzählung der Träger dürfen natürlich auch Kenneth Irons und Ian Nottingham nicht fehlen, die einzigen männlichen Träger der Waffe, die ansonsten ausschließlich Frauen vorbehalten ist.
Da die Witchblade nach Belieben ihre Trägerinnen wählt – und es immer noch nicht geklärt scheint, wie das geschieht – dürfte sich die Reihe noch lange fortsetzen, denn letztlich kann es eine Begrenzung nur durch die Phantasie der Macher geben.
Eine Raumstation am Rande des Batai-Imperiums. Hier ist nichts los. Aber auch gar nichts. Deshalb heißt das vorherrschende Gefühl auch Langeweile – die mit dem Alarmsignal im nächsten Augenblick schlagartig verfliegt. Aus der Tiefe des Raums befinden sich plötzlich fremde Raumschiffe auf Angriffskurs.
Andernorts weiß man nichts über die riesige Schlacht, de sich im lautlosen Weltraum abspielt. Die drei Frauen, der Rest der Cyberforce, hat eher eine kleine Feier im Sinn und ergeht sich in Erinnerungen an bessere Zeiten. Ein alter Wein, eine gelöste Atmosphäre täuscht nur darüber hinweg, dass es sich bei diesem Treffen um eine Falle handelt.
Und der Feind kommt! Schneller und stärker, als es den drei Freundinnen lieb ist.
Mit Cyberforce ist Pat Lee wieder zurück. Der Mann, der daran beteiligt war, dass Projekte wie Warlands und Neon Cyber entstanden. Oder Crossover wie Wolverine / Punisher. Und lange bevor der Transformers-Film das Kino mit Bombast-Action unsicher machte, machten Dreamwave Comics aus diesem Thema eine gelungene Scifi-Comic-Reihe.
In der Serie Cyberforce für die Gestaltung und Zeichnung der Figuren verantwortlich. Seine leicht verwackelten Gesichter und die überirdisch gestreckten und proportionierten Gestalten sind sein stilistischer Fingerabdruck. Unübersehbar ist der Einfluss von Manga-Techniken – die bei der Gestaltung der eingangs erwähnten Raumschiffe sehr hilfreich sind. Eine Doppelseite zeigt einen Abschnitt der Raumschlacht, vollkommen ohne Worte, und, wie es bei Pat Lee häufig der Film ist, wie in einem Fall arrangiert.
Hat Lee den Part des Vordergrunds übernommen und liefert eine schöne Arbeit ab, hat Alex Milne mit den Hintergrund alle Hände voll zu tun. Reine Hintergrundzeichner finden sich in Heft-Reihen nicht besonders oft, doch das Konzept geht auf und das Ergebnis ist sehr überzeugend.
Im Zusammenspiel mit dem kolorierenden Studio Dream Engine Colors entsteht eine für eine Heft-Serie wirklich aufwendige Gestaltung. Einerseits durch die Hintergründe organisch anmutend und mit einer großen Bildtiefe versehen, entsteht durch die getuschten Außenlinien der Figuren ein zusätzlicher feiner Kontrast.
Jeder krallenbewehrte Held (oder auch Schurke) muss sich mit dem Standard dieser Charaktere messen, der da Wolverine heißt. Ähnlichkeiten zu dieser Heldenfigur hat der hier auftretende Robert Bearclaw nicht. Das Cyberwesen, das durch eine außerirdische DNS umgestaltet wurde, erinnert vielmehr an eine abgewandelte Version des Freaks aller Freaks namens Lobo. Viel lässt sich von Roberts Charakter in diesem Band nicht ablesen, außer, dass er zum Feind seiner ehemaligen Kameradinnen geworden ist und diese wohl lieber als alles andere töten möchte – wie es in einem Crossover der Cyberforce mit der Justice Leaque of America auch deutlich zum Ausdruck kommt.
Fakt ist in jedem Fall, dass die drei Frauen gegen seine mutierten Fähigkeiten keine Chance zu haben scheinen, weshalb der Schluss eine ziemliche Überraschung ist.
Zwei Handlungsstränge bleiben offen zurück. Ersterer, jener der Raumschlacht, wird hoffentlich seine Auflösung finden (mit noch beeindruckenderen Szenen). Das Rätsel zum guten Schluss verlangt nach mehr.
Ein für eine Heft-Serie richtig guter und sehr aufwendiger Auftakt im Genre Scifi-Action, von dem zu hoffen bleibt, dass die eigene Steilvorlage auch wieder aufgenommen werden kann.
Freitag, 23. November 2007
1890. Ombeline arbeitet in einem zweifelhaften Etablissement von Madame Couradille. Sie ist vierzehn und ein halbes Jahr alt. Obwohl sie noch ein Kind ist, weckt sie die Begierde des örtlichen Kommandanten, der das Mädchen zu sich rufen lässt.
Grayson ist ein ungeschlachter Mann, der sich einen Dreck um die Gefühle anderer Menschen schert. Er zahlt und er bekommt seinen Willen. So glaubt er. Zwar bereitet Madame Couradille das Mädchen auf die Begegnung vor, aber Ombeline ist alles andere als willens, sich mit diesem widerlichen Mann einzulassen – ganz gleich, ob er bereits ihre Mutter kannte oder nicht. Ombeline beschließt die Flucht. Doch das ist leichter beschlossen als getan.
Trotzdem kann sie zwei Freundinnen zur Flucht überreden. Die drei Mädchen haben einen ungünstigen Zeitpunkt für ihren Ausbruchsversuch gewählt. Über der Stadt ballen sich düstere Wolken zusammen. Entgegen der normalen Erwartung einer Hafenstadt bestehen diese Wolken aber aus aggressiven Möwen, die sehr bald schon die Menschen attackieren. Es herrscht eine endzeitliche Stimmung. Die Menschen wehren sich, so gut sie können. Aber gegen Lebewesen, die keinerlei Wert auf ihr eigenes Leben zu legen scheinen, fällt es außerordentlich schwer sich zu wehren. Außerdem greifen die Tiere sogar Gebäude an, bringen Kamine und Dächer zum Einsturz.
Aus den drei Flüchtlingen werden ganz schnell zwei. Die Vögel, zunächst Bedrohung, verhelfen ihnen auch zur weiteren Flucht, wenngleich auch ungewollt. In dem Chaos dringen die Mädchen bis zum Friedhof vor. Es wird ihnen nur eine kurze Zeitspanne zum Ausruhen gewährt. Alsbald geschieht etwas vollkommen Unerwartetes für alle Beteiligten. Die Stimmung in der Stadt schlägt erneut um, denn diesmal gibt es einen Feind, der sich real bekämpfen lässt.
Albatros empfängt den Leser mit einem etwas surrealen Szenario. Vieles ist dem historisch Interessierten bekannt, sei es aus Dokumentationen, Romanen oder Filmen. Und doch wirkt es durch die Bedrohung durch die Möwen wie eine Szenerie aus einer anderen Welt. Die Autorin Daphne du Maurier bescherte uns mit ihrer Kurzgeschichte ein ähnliches Szenario, das später von Alfred Hitchcock unter dem einprägsamen Titel Die Vögel verfilmt wurde. Mittels dieses simplen und doch ungeheuer effektvollen Kniffs wird aus einer gewöhnlichen Welt oder Umgebung wie dieser Hafenstadt eine ganz eigene gruselige und auch furchtbare Welt. Wo die Vögel auftauchen, hinterlassen sie Tod und Zerstörung. Und niemand vermag zu diesem Zeitpunkt zu sagen, wieso.
Autor und Zeichner Vincent, der mit dieser Reihe sein Debüt vorlegt, schickt den Leser gleich zu Beginn in die bedrohliche und unheimliche Atmosphäre hinein. Die Seevögel, von den Einheimischen Seelen genannt, eigentlich durch ihre Herkunft aus den Wolken als himmlich geadelt, verwandeln sich in Monstren, denen innerhalb von drei Tagen sechs Menschen zum Opfer fallen.
Geschickt setzt Vincent dem grausamen Auftakt die Dekadenz der Stadt wie auch der Obrigkeit gegenüber. Andernorts sterben die Menschen, im Etablissement der Madame Couradille wird gefeiert. Mehr noch. Die Feiern sind nur die Spitze einer gesellschaftlichen Verkommenheit. In diesem Sündenpfuhl lehnt sich ein Mädchen gegen sein Schicksal auf, während von oben die Rache über die Stadt hernieder geht.
Nimmt man das fliegende Schiff hinzu, das Ombeline die endgültige Flucht aus der Stadt ermöglicht, fühlt man sich in der Grundkonzeption an die biblische Geschichte von Sodom und Gomorra erinnert.
Aber Vincent belässt es nicht bei der Flucht. Für die kleine Ombeline ist es zu früh, um sich in Sicherheit zu wiegen. Mit der halsbrecherischen Fahrt des Ballonschiffs kommt sogar eine Art Jules Verne-Element mit hinzu. So lässt es sich unter dem Strich behaupten, dass Albatros ein Beispiel für gute, klassische Erzählkunst in bester französischer Tradition ist.
Grafisch führt Vincent einen Charakterstrich. Jede Figur erhält ihr persönliches Aussehen, trägt ihr zwar Herz nicht auf der Zunge, so doch wenigstens im Gesicht.
Kommandant Grayson ist richtig schmierig. Ombeline blickt unschuldig aus ihren großen Kulleraugen. Madame Couradille ist knochig streng, eine knurrige alte Hexe, wie sie mancher Leser vielleicht schon selbst als Kind in Märchen fürchten gelernt hat.
Die Stadt ist trübe und dunkel, durchsetzt mit engen Gassen und Pflastersteinen. In dieser Stadt ist die Kleidung von Ombeline ein bunter Farbklecks und ihr mutiges Verhalten ein Lichtblick. Vincent positioniert sie als ein Wesen, das einfach nicht in diese Stadt gehört – allerdings bleibt es auch fraglich, ob sie an Bord dieses merkwürdigen Schiffes gehört.
Aber irgendwie ist es für die gute Ombeline wie für andere bekannte Flüchtlinge: Etwas Besseres als den Tod wird sie überall finden. Und so lässt Vincent sie auch agieren und empfinden.
Vincent gestaltet mit Ombeline eine mutige kleine Heldin, wie auch einen äußerst sympathischen Charakter, mit dem man als Leser einfach mitfiebern muss. Eine schöne gruselige, klassische wie auch herzliche Erzählung im Stile von Abenteuern, in deren Mittelpunkt ein Kind steht. Märchenhaft, grausam, mit vielen spannenden Situationen und ständig neuen Rätseln, die hoffentlich in den beiden Folgebänden aufgelöst werden. 😀
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Donnerstag, 22. November 2007
Im Großen Nichts ist nichts. Dunkelheit, vielleicht ein paar Felsbrocken, aber ansonsten eigentlich nichts. Na, vielleicht sind da noch die Wolochs. Lebende Steine, die ihre eigene Auffassung vom Gang der Dinge haben.
Aber alles können die Wolochs auch nicht unternehmen, vielleicht sind sie sich bei all ihrer Macht auch zu fein dafür. Aus diesem Grund holen sich die riesigen Steine auch Verstärkung: Gauner und Verbrecher – das Triumvirat des Planeten Rubanis. Valerian und Veronique sind mal wieder in den größten Schwierigkeiten – denen sie jedoch mit dem gewohnten Optimismus und Mut begegnen.
Man könnte sagen, es ist der Käfer der Science Fiction: Es läuft und läuft und läuft … Valerian und Veronique sind einfach zeitlos. Dank einer äußerst phantasievollen Geschichte, einer Konzeption, die unerwartete Wendungen aller Art zulässt, wandeln die beiden auf im wahrsten Sinnes des Wortes phantastischen und spannenden Pfaden.
Valerian und Veronique haben im Laufe ihrer Abenteuer nicht nur viel erlebt, sondern sie haben auch viele Begegnungen gehabt und einige Freunde gewonnen. Diese Freunde (und auch kleinen Kreaturen) sorgen mit ihren Fähigkeiten wie auch ihrer Sorge um die beiden Helden für die eine oder andere gelungene (und spaßige) Wendung.
Ein Höhepunkt dieser vielen Helfer ist ausgerechnet eines der kleinsten Wesen. Das Tschung, das mit einem Tchip durch die Gegend saust und über ziemlich ungewöhnliche Fähigkeiten für seine handtellergroße Größe verfügt.
Pierre Christin setzt diesen kleinen Flieger sehr pointiert ein, passend zum richtigen Zeitpunkt, aber auch mit leichter Hand erzählt. Und damit findet sich ein gutes Beispiel für die gesamte Konzeption der Geschichte.
Der Auftakt des vorliegenden Bandes lässt sich auf sehr schöne Art Zeit und stellt seine Akteure auf eindringliche Art vor. Jeder an Bord des Schiffes soll seine Vorstellung einer perfekten Welt zum Besten geben. So wird auf sehr simple wie auch grafisch kurze Weise auch gleichzeitig eine Charakterzeichnung vorgelegt. Fein ist die zeichnerische Umsetzung zwischen den normalen Bildern und der Gedankenwelt der Reisenden. Durch den Kontrast der einzelnen Ideen entsteht eine Mini-Geschichte in der Geschichte – und gleichzeitig ein Ausblick auf die unbändige Phantasie der Macher. Letztlich entsteht der Wunsch des Lesers, die gezeigten Ideen eines Tages auch ausführlicher umgesetzt zu sehen.
Humor, hinter- wie auch vordergründig, ist Trumpf in der 20. Ausgabe von Valerian und Veronique. Wer die Crew des Expeditionsschiffes genau betrachtet, wird bereits optisch mit der Nase darauf gestoßen. Liest man den Namen, kann es keinen Zweifel mehr geben: Leutnant Molto Cortese.
Die extraterrestrische Variante des berühmten Comic-Abenteurers Corto Maltese dürfte die wohl deutlichste und auch liebevollste Verbeugung vor einer der klassischsten Figuren des europäischen Comics sein. Jean-Claude Mézières, Zeichner dieses wundervollen Science Fiction-Erlebnisses, lässt aber auch kein Detail aus, um dem Außerirdischen mit der kamelartigen Stupsnase die nötige optische Ähnlichkeit zu verleihen.
Die Wolochs, die dem Band den Titel verleihen, erinnern an eine andere Begebenheit der Science Fiction Klassiker. 2001 und 2010, die dank Stanley Kubrick und Arthur C. Clarke das Licht der Scifi-Welt erblickten, enthielten mit dem schwarzen Monolithen wohl den bekanntesten Steinklotz seit dem Hinkelstein.
Die Wolochs besitzen ein Bewusstsein. Ihr Wille wird von einer Horde Verbrecher gedeutet, und überall in der Galaxis haben sie zwielichtige Gestalten auf ihre Seite gebracht. Was oder wer ihnen nicht gehorcht, wird im wahrsten Sinne des Wortes platt gemacht. Diese dunkle, düstere Unbarmherzigkeit bringt plötzlich ein hartes mitreißendes Element in die Geschichte ein. Trotz des Humors ist das Abenteuer auf diese Weise packend und unheimlich.
Kämpfe und Verfolgungsjagden runden das Abenteuer mit der nötigen Rasanz ab.
Grafisch gehen der Zeichner Jean-Claude Mézières und der Co-Kolorist E. Tranlé einen sehr eigenen, fast schon altmodischen Weg. Da wird skizziert, gestrichelt, mit der Oberflächenstruktur gespielt. Vollflächig farbig gemalt und schattiert, da werden fette Außenlinien getuscht und sehr grelle Farben gegensätzlich arrangiert. Ob Breitwand- oder Hochformat von Bildern, insgesamt erhält der Leser einen tollen organischen Eindruck, ein wenig experimentell vielleicht aus der doch sonst so technischen Sicht, in der Comics heute entstehen.
Aber in jeder Hinsicht liebevoll gemacht.
Ein feines Abenteuer mit allem, was das Leserherz begehrt. Eine reichhaltige Phantasie der Macher lässt wie in den vorhergehenden Episoden auch diese wieder zu einem Erlebnis werden, in das man sich als Leser einfach fallen lassen kann. 😀
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Dienstag, 20. November 2007
Die Schlacht zwischen den beiden Schiffen ist erbarmungslos. Kanonen donnern, Piraten machen sich zum Entern bereit. Und klein, sehr klein neben den hölzernen Ungetümen rennt ein Mädchen namens Jolly über das Wasser, um ihren Beitrag zum Kampf zu leisten.
Ihre Bemühungen, wie auch die Überraschung der feindlichen Seeleute über die Quappe, tragen zu einem schnellen Sieg bei. Allerdings ist die Freude über diesen Sieg nur von kurzer Dauer. Die Piraten sind in eine Falle gegangen. Im letzten Augenblick gelingt Jolly die Flucht, nicht wissend, was aus ihren Kameraden wird.
Wenig später, aus ihrer Sicht, wacht Jolly in einem ihr unbekannten Bett auf und muss feststellen, dass sie auf einer unbekannten und abgelegenen Insel gestrandet ist. In der Obhut des Jungen namens Munk und seiner Eltern verbrachte sie die letzten drei Tage in tiefem Schlaf – dem Tode nahe und nur gerettet durch ein Gegengift. Denn die Falle, die sie und ihre Kameraden an Bord des geenterten Schiffes erwartete, bestand aus einer Ansammlung von Giftspinnen, deren Biss ohne Gegenmittel tödlich ist.
Nachdem Jolly sich zurecht gefunden hat, beginnt sie das Leben auf der Insel zu genießen. Sie erfährt viel Neues: über Muschelmagie, Geisterhändler und, besonders wichtig für sie wie auch für Munk, über die Quappen und wie sie entstanden. Außerdem ist Jolly endlich nicht mehr alleine mit ihren Fähigkeiten, denn Munk, der im gleichen Alter wie sie ist, verfügt ebenfalls über die Fähigkeit über das Wasser zu laufen. Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein. Das ändert sich jedoch mit dem Erscheinen des Geisterhändlers. Die Neugier der beiden Kinder bringt sie in noch größere Schwierigkeiten, als sie ahnen konnten.
Kai Meyer gehört inzwischen zu den bekanntesten Autoren, die sich mit phantastischer Literatur für Jugendliche und Kinder (und jung gebliebene Erwachsene) einen Namen gemacht haben. Seine Wellenläufer-Trilogie gehört kann dank seines Erfolges inzwischen zu einem modernen Jugendbuch-Klassiker gezählt werden.
Nun liegt die Comic-Umsetzung dieses Werkes vor, dass wegen der guten Aufbereitung durch Yann Krehl ohne jegliche Vorkenntnisse der literarischen Vorlage genossen werden kann. Aus einem Piratenszenario wird in Windeseile ein spannendes Fantasy-Abenteuer, in der Muschelmagie noch der (für Jolly und Munk) harmloseste Einfall ist. Geister, die auf Feldern arbeiten, weil sie dankbar für eine Aufgabe sind. Klabautermänner, finstere Bedrohungen aus der Tiefe des Meeres. Matrosen, die das Gesicht eines Hundes haben. Und ein sehr ausgefallener Holzwurm – mit einer sehr großen Klappe.
Die Zeichnungen von Christian Nauck machen zuerst einen schlichten Eindruck – ein Eindruck, der absolut täuscht. Die Entwurfsskizzen im Anhang geben eine (leider) nur sehr geringe Vorstellung von der Entwicklungsarbeit, die in diesen Figuren steckt. (Es wäre schön gewesen, mehr der Entwicklungszeichnungen zu sehen, das die Wirkung hier bereits ziemlich toll ist.) Nauck beschränkt sich in der Endversion seiner Darstellungen auf sehr wenige, auf die nötigen Striche. So wirken die Zeichnungen beinahe zerbrechlich und auch sehr schön. Eine sehr leichte Erscheinung einer Comic-Figur wie hier kann eine Menge Arbeit bedeuten. Die Vielfalt der Figuren und Kreaturen in dieser Geschichte offenbart bereits nach wenigen Seiten, wie aufwendig diese Comic-Umsetzung geworden ist.
Einige Figuren wurden von Nauck nach Vorgabe der Geschichte mit besonderer Sorgfalt umgesetzt. Dazu gehören nicht nur Jolly und Munk, sondern auch der Geisterhändler. Faszinierend sind natürlich die fremdartigen Kreaturen wie auch die Monster. Der Kampf gegen Acherus ist beeindruckend gruselig – und letztlich sicher einer der ungewöhnlichsten Kämpfe in einer Fantasy-Geschichte. Der erwähnte Holzwurm dürfte wohl zu den merkwürdigsten intelligenten Wesen in einer Comic-Geschichte gehören, die jemals das Licht einer Comic-Seite erblickt haben. Für den Leser ist es toll, trotz all dieser wunderbaren Einfälle, Joly zu erleben, wie sie nach all ihren Erfahrungen angesichts eines steuernden und sprechenden Hundes sprachlos ist.
Zu einem echten Erlebnis werden die Bilder durch den für die Kolorierung verantwortlichen Sven Strangmeyer, der mit einer sehr schönen Behutsamkeit zu Werke geht. Plastisch und strahlend wird diese phantasievolle Piratenwelt lebendig. Anders lässt es sich nicht sagen, denn die Farbverläufe sind sehr weich ineinander übergehend. Farbthemen heben die Grundstimmungen von Szenen hervor und ziehen den Leser beim Betrachten der Bilder Seite für Seite in die geschichte hinein und fesseln bis zum Schluss.
Ein packendes Jugendabenteuer für Junggebliebene aller Altersstufen, sorgsam und mit viel Liebe zum Detail und zu den auftretenden Figuren in Szene gesetzt. Hier hat sich mit Christian Nauck und Sven Strangmeyer ein künstlerisches Duo gefunden, das eine perfekt aufeinander abgestimmte Arbeit abliefert. Beste Comic-Unterhaltung. 😀
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Sonntag, 18. November 2007
Nun hat auch Bruce Campbell seinen eigenen Comic (mehr noch). Der Dieb aus Xena, der Mann, der uns den Tanz der Teufel nahebrachte, der Mann mit den Gastauftritten in der Spider-Man-Trilogie ist nun der Bruce, der den Monstern im Comic Saures gibt. Näheres unter: My name is Bruce.
Um bei Bruce zu bleiben: In seiner Rolle als Ash aus der erwähnten Tanz der Teufel-Reihe agiert er zusammen mit den beiden Horror-Giganten Freddy und Jason. Ausgehend vom Finale des Kino-Crossovers der beiden Slasher geht es direkt richtig zur Sache – was man nach Ansicht des Covers von Comic-Künstler J. Scott Campbell nicht unbedingt hätte vermuten können, waren doch Produktionen wie Danger Girls eher ein wenig weichgespült. Einen guten Eindruck des Projekts kann man sich über FREDDY VS. JASON VS. ASH #1 verschaffen.
Um im Genre zu bleiben, finden sich unter The Dark Tower auf marvel.com viele neue Eindrücke des ungewöhnlichen (aber gelungenen) Konzepts der Umsetzung zur Fantasy-Saga aus der Feder von Altmeister Stephen King, dessen Verfilmungen nicht abzureißen scheinen (jüngst: The Mist, dt.: Der Nebel).
Comics im Film, Film im Comic: Die beiden Medien scheinen sich inzwischen mehr als nur gut zu vertragen. So gibt es auch die aktuelle Serie Heroes mittlerweile als Comic-Umsetzung. Der erste Eindruck ist nicht schlecht. Vielleicht schafft sie es ja auf den deutschen Comic-Markt. Für die Cover haben sich jedenfalls Alex Ross und Jim Lee gefunden. Das zeugt (häufig) von einem ambitionierten Projekt.