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Comic Blog


Samstag, 12. April 2008

Whiteout 2 – Melt

Filed under: Thriller — Michael um 18:19

Whiteout 2 - MeltDie Antarktis. Eine entmilitarisierte Zone. Eigentlich. Offiziell. Hinter so manchem Deckmantel, so mancher Tür, die angeblich zu einer Forschungseinrichtung führt, sieht es anders aus. In der Antarktis war der Krieg schon immer kalt.
Als US-Marshal Carrie Stetko ihren Urlaub in der Wärme Neuseelands genießt, ahnt sie noch nicht, wie schnell sie wieder im ewigen Eis unterwegs sein wird. Ihr neuer Fall ist nicht nur spektakulärer als der letzte, sondern er bringt ihr auch eine einzigartige Gelegenheit. Erledigt sie alles zur Zufriedenheit, kann sie runter von diesem verdammten Eisklumpen!

Die Antarktis ist eine fremde Welt, ein Stück außerirdischen Lebensraumes, allerdings ist die Definition von Lebensraum hier völlig anders zu interpretieren. Der Schwerpunkt liegt auf Raum und die Aufgabe, die Carrie in dieser eisigen Einöde zufällt, ist keine geringere als die, einige Atomsprengköpfe wiederzubeschaffen. Diesmal wartet nicht kriminalistische Kleinarbeit auf die resolute Polizistin, sondern eine handfeste Jagd, an deren Ende nicht nur skrupellose Verbrecher, sondern auch ehemalige Angehörige einer russischen Spezialeinheit warten.

Zieht man die Spannung in Betracht, mit der dieser Thriller aufwarten kann, dann geht es in der Tat heiß her. Insofern ist der Untertitel Melt gut gewählt.
War der erste Teil von Whiteout trotz seines entlegenen Szenarios nichts für klaustrophobische Gemüter, gehen Greg Rucka und Steve Lieber nun den entgegen gesetzten Weg und verlieren sich in der Weite der Antarktis.

Die weiten Flächen mögen gefahrlos wirken – sieht man einmal von den unendlich erscheinenden Flächen ab – doch in Wahrheit kann jeder Schritt den Tod bedeuten. Dies müssen auch die ehemaligen Speznaz-Kämpfer sehr schnell feststellen, die sich eigentlich als Herren der Lage wähnten. Dass diese Kämpfer aber auch von anderem Kaliber sind als einfache Mörder, auch das muss Carrie bald in ihr Tagebuch schreiben.

Greg Rucka spielt mit dem Genre. Besonders für Thriller-Freunde ist sehr schön, wie Rucka Altbewährtes neu mischt, Gegensätze aufbaut oder auch Bekanntes auf den Kopf stellt. Eine Beamtin im Rang eines US Marshals am Ende der Welt, eher klein, von ihrem Job angenervt, übernimmt die Ermittlungen in einem Fall, der internationale Ausmaße hat. Sie ist der Jäger. Das Wild sind schwer bewaffnete Soldaten, ausgebildete Kämpfer, die keine Skrupel haben, ihre eigenen Leute zu töten. Wie in einem Western ist das Land der zweite Gegner.
Unwillkürlich erinnert man sich als Leser vielleicht an Szenarien wie Der schwarze Falke oder Eisstation Zebra. In beiden Filmen spielt die Landschaft eine große Rolle. John Wayne ist zwar nicht Carrie, aber auch sie ist auf der Suche. Sie drang gemeinsam mit anderen Menschen in diese Lebensfeindliche Welt vor, am Ende geht sie allein ins Nirgendwo, wie ein Sheriff, der seine Aufgabe erfüllt hat und erst wieder gebraucht wird, wenn es Ärger gibt.

Altmeister Alistair MacLean schrieb die Vorlage für Eisstation Zebra, eine Agentenhatz an den Nordpol, wo ein russischer Spionagesatellit abgestürzt ist. Zieht man als Leser Parallelen zur Geschichte von Greg Rucka, ließe sich behaupten, dass Rucka in die Fußstapfen eines Großen tritt und das altmodische Thriller-Abenteuer zurückbringt. Dieses besitzt zwar Action, ist aber in erster Linie elegant inszeniert und erzählt.

Die Antarktis ist nicht schwarzweiß, aber sie dürfte dennoch eine Welt sein mit ganz eigenen Farbeindrücken. Wieder hatte Steve Lieber die Aufgabe diese Welt zu Papier zu bringen.
In feinen Einleitungen kommt, um es so auszudrücken, auch die Antarktis persönlich zu Wort, indem von ihrer Historie erzählt wird, genauer von den Momenten, in denen der Mensch versuchte sie zu erobern, sich an ihr zu messen. Fast wünschte man sich, der spannende Beginn um das Wettrennen zwischen Amundsen und Scott würde noch ausführlicher erzählt. – Vielleicht auch ein neuer Ansatz, um echte Geschichte noch interessanter zu machen.

Das wirklich Schöne – auch insgesamt – ist der Mut, mit dem Lieber zu Werke geht. Er schießt sich nicht auf eine bestimmte Technik ein. Er probiert weiter aus, so wie er es schon im ersten Teil tat. Auch der Erfolg hat ihn von dieser Vorgehensweise nicht abbringen können. Daher lässt sich auch nie sagen, was einen auf der nächsten Seite erwarten wird. Sind es Rasterfolien, feine Tuscheschraffuren oder grobe Pinselstriche, wurde mit dem Bleistift oder mit Kohle über die Zeichnung gerieben oder setzt er nun fette Schwarzflächen und rasante Bewegungsstriche ein. Steve Lieber zeichnet, wie es seiner Meinung nach gerade passt. Das Auge muss sich immer wieder neu einfinden – so wird die Zeichentechnik letztlich, wie es die Beleuchtung in einem Film erreichen kann, zum spannungssteigernden Element.

Auch in der Fortsetzung können sich Greg Rucka und Steve Lieber noch einmal steigern, indem sie das bisherige Konzept auf den Kopf stellen und ihre Arbeitsweise verfeinern. Kampf gegen die Elemente, gegen Terroristen, gegen sich selbst – Carrie Stetko dürfte eine der gelungensten Frauenfiguren im Thriller-Genre der letzten Jahre sein. 🙂

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Star Wars Legacy 3 – Die Klauen des Drachen

Filed under: SciFi — Michael um 15:29

Star Wars Legacy 3 - Die Klauen des DrachenDarth Krayt, der Sith-Lord und neue Imperator hat ein seltsames Interesse an einem jungen Mann, einem ehemaligen Jedi-Anwärter namens Cade Skywalker. Cade ist verbittert über den Tod seines Vaters, der von einem Sith getötet wurde. Cade fristet sein Leben abseits der Legalität, bis zu dem Tag, an dem er den Fängen von Darth Krayt nicht länger entkommen kann.
Ist es das schlechte Gewissen oder einfach der Grundsatz von Cade, der ihn in die Höhle des Löwen führt: Niemand stirbt für mich. Cade bemüht sich, dass wenigstens diese Leitschnur erhalten bleibt. Leider scheinen die Schwierigkeiten dazu, unüberwindbar zu sein.

In den Fängen von Darth Krayt offenbaren sich Cade viele neue Details über den Sith Orden, der nicht mehr so ist, wie die Jedi lange Zeit glaubten. Darth Krayt schaffte die Grundregel eines Meisters und eines Schülers ab. Er scharte tatsächlich einen Orden um sich. Während die Galaxie sich erneut einer Bedrohung von außen erwehren muss, formieren sich die Sith heimlich und warten den günstigsten Moment ab.
Nach und nach erfährt Cade, dass Krayt ein Jedi war, einer, der noch die Klonkriege erlebte, bevor der Niedergang der Republik endgültig einsetzte. Und er erfährt, warum Krayt ihn braucht.

Ein Katz- und Mausspiel beginnt. Ist Cade nun wirklich ein Mann, in dessen Kern ein potentieller Sith verborgen ist? Oder ist er nur ein Schauspieler, der Darth Krayt zu täuschen versucht? Cade unterschätzt den Willen von Krayt. Denn um die Heilkräfte von Cade unter Kontrolle zu bekommen, ist er bereit den letzten aus der Linie der Skywalker mit allen Mitteln zu brechen – oder zu töten.

Geheimnisse werden offenbart und nicht nur ein einzelnes, kleines, sondern direkt eine ganze Reihe von Rätseln um Darth Krayt, wie auch um Cade Skywalker selbst.
Die Entstehung von Darth Krayt ist viel dramatischer, vielfältiger, als es bei Darth Vader je der Fall gewesen wäre. Es mag überladen sein, sogar im Sinne von Star Wars etwas überladen oder auch unrealistisch, aber man sollte den Autoren John Ostrander und Jan Duursema nicht vorwerfen, dass sie aus dem reichhaltigen Fundus dieses Universums schöpfen.

Nach den Special Editions und den ersten Romanreihen ist klar, dass Vielfalt stets im Sinne des Erfinders George Lucas gewesen ist.
Darth Maul Tätowierungen auf roter Haut ziehen sich durch die Neuerscheinung des Sith-Ordens, der hier weitaus monströser daher kommt, als die bisher bekannten Sith-Lords. Auf der anderen Seite degradiert ein Cade Skywalker die Jedi in dieser Geschichte zu Nebendarstellern. Selber sehr machtvoll kennt Cade nur eine Seite, weder hell noch dunkel, nur seine eigene. Mit diesem Prinzip fährt er in dieser Geschichte auch am besten, denn letztlich versucht ihn nur jeder zu vereinnahmen.
Als Leser wird ersichtlich, dass die alten Konzepte Vergangenheit sind.

Der Sith-Orden ist nicht mehr so, wie er einst war. Die Jedi sind nur noch ein Abklatsch ihrer selbst. Die Grand Moffs sind Waschlappen angesichts der neuen herrschenden Kaste, der Sith. Darth Krayt, so muss der Leser nun erfahren, hat all die Stacheln, die sein Äußeres so gruselig aussehen lassen, nicht aus Spaß. Zum Teil wachsen diese Stacheln aus ihm selbst heraus, ein Vermächtnis einer Begegnung mit den Yuuzhan Vong. Zu diesem Volk kann man als Star Wars Fan ein gespaltenes Verhältnis haben, weil sie irgendwie aufgepfropft wirken, eine Krieg der Sterne-Variation der Borg.
Zur Beruhigung des Lesers fällt die Episode um die Yuuzhan Vong eher kurz aus, wichtig ist einzig, dass Darth Krayt in ihrer Gefangenschaft eine Vision über sein späteres Leben erfährt.

Fällt diese Episode auch eher kurz aus, reicht die Motivation aus dieser Zeit bis in die Gegenwart von Star Wars Legacy. Die Korallensamen, mit den Krayt in der Gefangenschaft infiziert wurde, nagen immer noch an ihm. Seine Kräfte vermögen ihr Wachstum kaum noch aufzuhalten. Einzig Cade Skywalker mit seinen Heilkräften könnte als Sith etwas ausrichten.
Cade, der, auch gezeichnet, zwar ein junger Held ist, aber eher an einen verbitterten Han Solo erinnert, als an einen zielstrebigen Luke Skywalker, bestreitet seinen Kampf auf sehr eigensinnige Weise. Seine Freunde sind zwar zur Rettung zur Stelle, doch damit konnte er letztlich nicht rechnen.

Jan Duursema schafft dank der Tusche-Zuarbeit von Dan Parsons und der Farbgebung von Brad Anderson einen weiteren sehr kraftvoll aussehenden Abschnitt der Legacy-Saga. Bekannte Flecken aus der Saga wie Tatooine tauchen in Erinnerungen auf. Obi-Wan Kenobi hat seine Begegnung mit Darth Krayt, als dieser abtrünnig durch die Wüsten streift. Alte Tempelanlagen der Jedi, die Versammlung der Moffs, an der auch ein blauhäutiger Moff mit roten Augen teilnimmt. Eine Crew, die ihren Freund retten will, Frauen, die eine Spur zu gut aussehen.

Die Bilder sind auf jeder Seite perfekt. Einzig über das Design ließe sich streiten. Die neuen imperialen Jäger haben jede Stromlinienförmigkeit und somit auch ihr bedrohliches Äußeres verloren. Der weibliche Hutt erinnert ein wenig an die weibliche Version eines Gremlins (wie er im Hochzeitskleid in Teil 2 zu sehen war). Aber das sind letztlich Kleinigkeiten und absolute Geschmackssache.

Ein gelungener, sehr spannend geschriebener Abschluss eines Abschnitts der Legacy-Saga – nicht das Ende, denn obwohl viele Fragen beantwortet wurden, sind noch einige Rätsel (bewusst) ungelöst geblieben. Grafisch wie auch seine beiden Vorgänger: Top! 🙂

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Freitag, 11. April 2008

Spirou + Fantasio – Die Sümpfe der Zeit

Filed under: Cartoon — Michael um 18:15

Spirou + Fantasio Spezial - Die Sümpfe der ZeitDas ist nicht ihr Paris. Dieses Paris ist ungeheuer schmutzig, düster, auch brutal. Die drei Freunde Spirou, Fantasio und Graf von Rummelsdorf fallen hier auf wie bunte Hunde. Leider sind sie nicht ganz freiwillig hier gelandet. Zyklotrop, der alte Gauner, hat wieder einmal alles vermasselt und schafft es nicht alleine, in die Gegenwart zurückzukommen.
Der erste Teil der Rettungsaktion gestaltet sich relativ einfach. Das Gerät zur Zeitreise ist schnell gefunden und die Apparatur wird auf einfache Weise in Gang gesetzt.

Aber leider sind nicht alle Teilnehmer der Expedition sehr vernunftbegabt – nein, das geht nicht gegen Fantasio. Pips ist der Schlingel, der sie alle in Schwierigkeiten bringt. Doch wie es sich für einen Freund gehört, selbst für ein Eichhörnchen, darf nichts unversucht bleiben, um zu helfen. Allerdings ist das für ein kleines Tier, das der menschlichen Sprache nicht mächtig ist, ungeheuer schwierig. Zumal es aussieht, als ob Pips für die drei verbliebenen Freunde (und Zyklotrop) die einzige Chance sei, damit sie wieder nach Hause zurückkehren können.

Eine Reise in die Vergangenheit. An der Seite von Graf von Rummelsdorf ist alles möglich. Mit Frank Le Gall hat sich hat sich ein Autor und Zeichner der beiden Comic-Freunde angenommen und sie durch Die Sümpfe der Zeit geschickt. Im Stile der Anfangstage der beiden Abenteurer, wie Jijé alias Joseph Gillain sie zeichnete, erleben sie eine spannende Zeitreise, in der ursprünglich auch Jack the Ripper hätte auftauchen können.

Vollkommen unerwartet erreicht die Freunde eine Nachricht aus der Vergangenheit. Eingemauert, stets beschützt durch die Generationen einer Gastronomenfamilie, gerät ein Buch ans Tageslicht, das verrät, was aus Zyklotrop geworden ist. Gefangen in der Vergangenheit harrt er auf seine Rettung – und erinnert so ein wenig an die Schlusssequenz aus Zurück in die Zukunft 2, in der Marty McFly eine Nachricht vom Doc aus der Zeit des Wilden Westens erhält.
Der Westen ist es nicht, den die Freunde bereisen werden, sondern das alte Paris. Optisch bekommt der Leser leider nicht soviel davon zu sehen, wie er gerne hätte, allerdings muss man auch zugute halten, dass das moderne Paris häufig genug zu sehen war und sehr viel alte Bausubstanz erhalten geblieben ist.
So wird das Altertümliche weniger aus der Umgebung als vielmehr aus dem Szenario und seinen Texten gewonnen.

Das Argot, eine Art Geheimsprache der ärmeren Schichten des alten Paris, findet seine Entsprechung im Rotwelschen in diesem Band. Dieser Jargon des Deutschen, der regional sehr unterschiedlich ausfallen kann, wird im Anhang auch als die Sprache der Ausgegrenzten bezeichnet, jener, die manchmal auch ein bißchen Dreck am Stecken haben. So trägt denn der Text, der Dialog zwischen den zwielichtigen Parisern – die nur im Spiel sind, weil Zyklotrop sich erneut mit den falschen Leuten eingelassen hat – dazu bei, eine gewisse Exotik, Fremdartigkeit aufkommen zu lassen.

Die Farben in den einfach gehaltenen Zeichnungen sind sehr gedeckt, wirken manchmal beinahe unbunt, aber sie tragen nur jenen alten Tagen Rechnung, in denen Paris (die Städte vielerorts) eher schmuddelig und ungepflegt waren, als Armut keine Ausnahme, sondern der Normalzustand war.
Wie eingangs erwähnt, folgt Le Gall dem Stile eines Jijé. Er nimmt sich jedoch ein wenig zu sehr zurück. Betrachtet man sich als Leser die beiden Bleistiftskizzen im Anhang, wird deutlich wie viel mehr Le Gall kann – besonders in der Skizze, in der Von Rummelsdorf und Zyklotrop zu sehen sind, wie sie gemeinsam an der Seine spazieren gehen. So aber ist ein nostalgisch schöner Comic-Band gelungen, der insbesondere atmosphärisch gut das alte Paris einfängt.

Ein kurzweiliges Zeitreiseabenteuer, anders im Zeichenstil als in der regulären Serie, aber mit dem gewohnten Humor zwischen feinem Witz und Slapstick. 🙂

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Mittwoch, 09. April 2008

Simpsons Comics 138

Filed under: Cartoon — Michael um 19:07

Simpsons Comics 138Das kleine Motorschiff kreuzt über die ruhige See. Am Heck müht sich ein genervter Homer Simpson mit seiner Angel ab. Für Homer Simpson und den alten Van Houten sollte es eigentlich ein Tag sein, an dem sie mehr Zeit für ihre Söhne Bart und Milhouse haben. Aber irgendwie entwickelt sich die kleine Bootsfahrt zu einem gehörigen Schuss in den Ofen.
Homer fängt rein gar nichts in dem Gebiet, in dem das Schiff kreuzt. Van Houten muss sich andauernd übergeben, ein Umstand, der es für Milhouse wenig interessant macht, sich mit seinem alten Herrn zu unterhalten. Einzig Bart hat seinen Spaß. Einerseits kann er seinen Vater mal wieder auf den Arm nehmen, andererseits wird ihm inmitten dieser ulkigen Typen keine Minute langweilig.

In der 138. Ausgabe der Simpsons Comics kann der Leser noch vor Öffnung des Heftes erahnen, wohin es die gelben Männleins diesmal verschlägt. Die Episode heißt nicht umsonst Der kahle Mann und das Meer in Anspielung an den Klassiker von Hemingway Der alte Mann und das Meer. Und wer von dem Cover schockiert sein mag: Keine Bange, Homer wird seine Marge nicht auffressen, auch wenn es in dieser Parodie des Posters zum Film Der weiße Hai so ausschauen mag.

Homers Herausforderung, an die Meeresoberfläche gerichtet, wird leider nicht besonders ernst genommen, weder über noch unter der Wasseroberfläche:
Hört ihr, Fische? Ich werde euch fangen!
Aufgeheitert durch den Kapitän, der Mut zu machen versucht (Captain McCallister sagt, das Meer sei ein gemeines Flittchen.), praktizieren zwei Väter vor ihren Söhnen das alte Spiel, bloß nicht allzu dumm in einer echten Männerangelegenheit dazustehen. Leider fängt der eine keine Fische, während der andere dauernd dieselben füttert, oral wie auch mit dem Ködereimer. Aber die Fans von Homer Simpson wissen: So schnell gibt ein Simpson nicht auf.

Auf offener See, wo die Wellen noch höher sind, werden auch die Gags noch zahlreicher und die Anspielungen auf diverse Geschichten und Personen noch deutlicher. Ähnlich wie der Fischer Santiago in Der alte Mann und das Meer gibt auch Homer seinen Kampf mit den Elementen nicht auf. Schließlich beißt doch einer an und mit diesem Fang kommen, wie hätte es anders sein können, nachdem mit derart viel Blutfischsuppe angeködert wurde, die Haie.
Dass ausgerechnet die Zusammenarbeit von Homer und Bart die beiden Van Houtens einander wieder näher bringt, ist eine ziemliche Überraschung. Im gemeinsamen Kampf, vier Mann gegen einen Fisch, schließlich gegen drei Haie sind schließlich alle Beteiligten auf einer Wellenlänge.

Die Anspielungen fallen in dieser Ausgabe etwas geringer aus, als es der Leser gewohnt sein mag. Auch dürften diese Anspielungen und Seitenhiebe als deutliches Beispiel dafür gelten, dass die Simpsons auch ein älteres Publikum ins Auge fassen, denn bei den jüngeren Lesern dürften Geschichten von Hemingway wohl kaum auf Interesse stoßen.
Der Humor entsteht hier in erster Linie aus der Situationskomik, Homers Einbildungskraft sowie dem Geschehen zwischen Vätern und Söhnen.

Ein solider Simpsons Comic mit gewohntem Witz, bei dem Homer überaus menschlich daher kommt und sich die Simpsons Männer außerordentlich gut vertragen. 🙂

Montag, 07. April 2008

Storm – Die tiefe Welt

Filed under: SciFi — Michael um 21:32

Storm 1 - Die tiefe WeltDie Verabschiedung ist herzlich, die Sorge ernst gemeint, als der Weltraumpilot Storm die Kontrolle über sein Schiff verliert und mit ihm hilflos im großen Sturm des roten Flecks auf dem Planeten Jupiter daher trudelt. Wenig später geht die Verbindung zur Raumstation verloren.
Plötzlich endet die enorme Beschleunigung, die Storm bewusstlos werden ließ. Zu seinem Erstaunen ist der rote Fleck wie auch die Raumstation verschwunden. Storm setzt Kurs auf die Erde. Die automatische Steuerung übernimmt den Rest. Doch die Landung auf dem Kennedy Space Center gerät zum Fiasko. Florida, einst heiß und tropisch, liegt unter einer Schneedecke begraben.

Der Silbermann führte einen Aufstand der Menschen gegen die Fischwesen an. Commander Grek konnte schließlich über Kundar, das Fischwesen mit dem Gesicht eines Feuerfischs siegen. – Mehr oder weniger jedenfalls.
Das war ein Anfang, aber nicht der Anfang. Das Grundkonzept von Storm ist aber bereits erkennbar. Für eine Serie konnte Commander Grek nicht taugen. Am Ende war er zu einem Mischwesen geworden, einem Mittler zwischen den Völkern.

Die Geschichte um Storm beginnt in der Welt einer raumfahrenden Menschheit. Bereits nach dem kurzen Einstieg möchte man mehr über diese Welt erfahren. Leider kommt es nicht dazu. Allerdings, im weiteren Verlauf, erhält der Leser später einen kleinen Überblick über die Geschichte eines Teils der Menschheit. Der Mandroid erläutert Storm und Rothaar, Storms neuer Begleiterin, das Schicksal dieser merkwürdigen Welt.
Es ist eine klassische Science Fiction Abenteuergeschichte, die den Leser mit auf eine Reise nimmt. Philip „Saul“ Dunn erzählt im Stile einer Endlosgeschichte und schlägt immer wieder neue Haken. Nachdem die Handlung zuerst im Weltall beginnt und später auf die eisigen Höhen eines Hochplateaus wechselt, findet sich der Held in der tiefen Welt wieder. An dieser Stelle fällt der Startschuss zu einer Handlung, in der von da an alles möglich ist.

Storm erlebt mit seiner Neuauflage auch eine optische Überarbeitung, die nach all den Jahren aufzeigt, was in Don Lawrence alles drin steckte. In älteren Ausgaben war seine Farbtechnik bereits bewundernswert und vorbildhaft, in dieser Neubearbeitung lassen sich durch das erneute Einscannen der Originalvorlagen und der Anwendung eines frequenzmodulierten Rasters im Druck völlig neue Einsichten über die Techniken von Don Lawrence gewinnen.
Jeder einzelne Farbauftrag, jeder Strich, genauer jedes Strichlein ist erkennbar und zeigt, wie der Altmeister in seinen jungen Jahren zu Werke ging.

Wer sich die Fülle dieser kleinen Striche genauer ansieht, kann sich wenigstens ausmalen, dass in einer einzelnen Seite von der Bleistiftskizze bis zum fertigen Farbbild sehr viel Arbeit steckt. In einem Interview von 1986 zu Storm (im Band Vandal der Zerstörer) äußerte sich Lawrence zu seiner Arbeit und erwähnte, dass ihn das Kolorieren eher langweilt. Sollte das tatsächlich der Fall gewesen sein, dürfte er nicht nur zu den akribischsten, sondern auch zu den diszipliniertesten Künstlern im Comic-Genre gehört haben.

Architektonisch gibt es keine großen Herausforderungen in diesem Band. Landschaftlich jedoch versteht Lawrence sich auf die verschiedensten Bereiche. Dschungel und die anschließenden Wassermassen dürften ihn – um aus dem alten Interview zu schöpfen – in der Tat sehr gelangweilt haben, denn was sich dem Auge hier bietet, ist sehr viel Arbeit.
Die Gestaltung der einzelnen Kleidungen, der Geräte und Waffen ist ein Zeichen ihrer Zeit. Bereits in Trigan konnten die eher schlichten Fahrzeuge begutachtet werden, die optisch den Eindruck vermittelten, einem Zweck zu dienen. Irgendwie konnte stets das Grundprinzip Starfighter angewendet werden: Es muss fliegen und sollte nach Möglichkeit nicht herunterfallen. Lange Röhren mit Stummelflügeln, praktische Konstruktionen, die nie einen Design-Preis gewinnen würden, zogen sich durch das alte Reich. Diese Linie zog sich erst einmal in Storm fort. Wer Storms Schiff oder die kleine Personenbahn betrachtet, versteht sehr schnell, was gemeint ist. Diese Einfachheit setzte sich auch in der Kleidung fort. Beispielhaft hierfür sind die Anzüge der Wachen auf der großen Mauer.

Seltsamerweise – und hier muss der Trick verborgen liegen – kommt nicht der Eindruck auf, dass man als Leser etwas vermissen muss. Ganz offensichtlich funktionieren all die Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände ganz hervorragend. Bewundert habe ich stets die Schwerter, die so gar nichts von der Eleganz in anderen Bildproduktionen haben, sondern vielmehr ungeschlacht und grob durch ihre sehr breiten Klingen erscheinen. Aber auch hier gilt: Funktion vor Aussehen. Mit ihren schartigen Schneiden komplettieren sie nur eine dicht ineinander verwoben entworfene Welt.

Ein Neubeginn, auf den die Fans lange warten mussten, in einer Qualität, die es bisher so nicht von Storm zu sehen gab. Ein sorgfältiger Anhang mit weiteren Informationen und Grafiken von Lawrence – besonders sehenswert alternative Cover- und Posteransichten – setzen dieser Neuausgabe der Collectors Edition das Sahnehäubchen auf. 😀

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Sonntag, 06. April 2008

WildC.A.T.S: Heimkehr nach Khera

Filed under: Superhelden — Michael um 20:04

WildC.A.T.S.: Heimkehr nach KheraKhera! Endlich daheim! Dumm nur, wenn einem die Heimat so fremd ist. Fremder noch als das Asyl auf der Erde, dem man so lange Zeit ausgeliefert war. Dieses Gefühl beschleicht die WildC.A.T.S. nicht nur. Es springt sie regelrecht an!
Die, die einmal die WildC.A.T.S. haben noch mehr zu tun, als mit ihrer Heimat fertig zu werden. Zwar haben sie endlich den Weg nach Hause gefunden, leider müssen sie aber auch feststellen, dass sie vergessen wurden. Niemand hat auch nur im mindesten daran gedacht, ihnen mitzuteilen, dass der Krieg gegen die Daemoniten vorüber ist.

Auf der Erde ist es auch nicht einfach. Das Ersatz-Team funktioniert noch lange nicht mit der gleichen Verbundenheit der alten WildC.A.T.S.
Ladytron ist eher ein Punk als ein Superheld. Sie ist jemand, für den die Action im Vordergrund steht. Ihre Integration stellt eine große Herausforderung für ihre neuen Team-Mitglieder dar. Bisherige Simulationen waren ein Flop. Nach der 17. Variante, an deren Ende Tao wieder einmal von ihr getötet wurde, startet das Programm erneut.

Zwei Erzählebenen, eine Unmenge von Helden und auch Feinden machen es dem Einsteiger in das Wildstorm-Universum nicht gerade leicht, der Geschichte zu folgen.

Alan Moore ist der Autor hinter den WildC.A.T.S.. Der Autor selbst ist durch seine sehr bekannten Veröffentlichungen eine Größe im Comic-Geschäft. Aus seiner Feder stammen Geschichten wie V wie Vendetta, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen und das sehr ausdrucksstarke From Hell. Die WildC.A.T.S. sind etwas seichter, leichtere Kost, aber Moore versäumt es nicht, zu erzählen. Sehr viele Informationen prasseln auf den Leser ein. Zahlreiche Figuren werden vorgestellt, deren Relevanz für die Geschichte sich mit vielen anderen deckt. Das ist ein ungewöhnliches Konzept. Wer einen Vergleich anstellen möchte, kann diesen zur JLA ziehen. Hier herrscht eine ähnliche Fülle der Charaktere.

Der Erfolg der WildC.A.T.S. war groß genug, um mit den Alteingesessenen der Branche ein Stelldichein zu haben, so mit der erwähnten JLA, den X-Men oder auch Spawn.

Wir begegnen den WildC.A.T.S. in einer Umbruchphase. Auf Khera heißt es für jeden der Neuankömmlinge sich neu einzufinden. Dabei geht jedes Mitglied seinen Wurzeln nach, frischt alte Kontakte auf oder schafft neue. Das gestaltet sich teilweise schwierig, denn die kulturellen Identitäten sind kaum vorhanden, so dass mitunter sehr stark ins berühmte Fettnäpfchen getreten wird.
Moores Erzählweise ist geschickt gewählt, zeigt sie doch die verschiedenen Kulturen auf dem fremden Planeten, offenbart gleichzeitig die Fertigkeiten der einzelnen Charaktere und stellt sie vor eine neue Aufgabe.
Dieser Erzählstrang ist der elegantere.

Auf der Erde hingegen ist die Geschichte über die Zurückgebliebenen deutlich komplizierter, da hier mehr Wert auf Wiedererkennung gelegt wird. Allerdings sind die Figuren – ein großes Plus von Moore – gleich von Beginn an durch eine gute Wahl von Details derart vielschichtig, dass bei all der anfänglichen Verwirrung keine Langeweile. Exemplarisch hierfür ist eine Figur wie Tao, ein Name der als Abkürzung für taktisch angereicherter Organismus steht. Tao ist geheimnisvoll, wägt ab, seziert im Geiste und legt nie das gesamte Ausmaß seiner geistigen Fähigkeiten offen.

Grafisch wurde einige Ausnahmetalente für die WildC.A.T.S. an den Zeichentisch geholt. Beispielhaft sind sicherlich Travis Charest, der bei Jim Lee in die Lehre gegangen sein könnte. Zeichner wie Dave Johnson und Kevin Nowlan pflegen einen ähnlich grafisch zerbrechlichen Stil wie ein Leinil Francis Yu. Die sorgfältige Kolorierung drängt sich nicht in den Vordergrund, ist schlicht, setzt ins rechte Licht, aber ist nicht sehr experimentierfreudig.

Insgesamt stellen sich sehr kraftvoll aussehende Bilder dem Leser vor. Wer die Daemoniten erblickt, mag sich an jene Wesen erinnert fühlen, wie sie auch der Negation im vergangenen Crossgen-Universum dienten.
Interessant ist auch der Wandel in den Erzählbögen. Am Ende ist der komplizierter ausschauende Strang der (rein subjektiv) gelungenere, während die Geschichte auf Khera spielend an Tempo verliert und weniger leicht zu verfolgen wird.

Abseits von DC und Marvel gibt es noch andere, ungewöhnliche Helden. Es lohnt sich für den Superhelden-Fan, diese zu erkunden, denn mit neuen Fähigkeiten und neuen Welten kommen auch abgewandelte Erzählformen, die nicht so eingängig sind, dafür aber umso nachhaltiger faszinieren. 🙂

Samstag, 05. April 2008

Hellboy 2 – Neuer Trailer

Filed under: Comics im Film — Michael um 14:48

Hellboy 2 - TrailerAuf Yahoo findet sich ein neuer Trailer zur 2. Verfilmung von Hellboy. Im Trailer werden einige Aspekte rund um die Geschichte klarer. Für jeden ersichtlich treten nun Krieger der Golden Army in Erscheinung und lassen die Bedrohung greifbarer werden. Die Bilder sind phantastischer als im ersten Teil. Fast wirkt es, als würde Guillermo Del Toro Anteile seines Pans Labyrinth und Inspirationen von Clive Barkers Cabal – Die Brut der Nacht einfließen lassen.
Die Umsetzung scheint jedenfalls wieder treffend zu werden – und falls jemals ein Schauspieler für eine Rolle geboren worden ist, (wenn man von Pierre Brice als Winnetou absieht) dann ist es Ron Perlman als Hellboy. Leider kommt die neue Verstärkung im Trailer noch etwas zu kurz. – Aber man soll als Fan nicht undankbar sein. Zum Teil sind die Trailervorschauen derart umfangreich geworden, dass so mancher Kinofilm kaum noch Überraschungen bietet. Auf jeden Fall scheint es ein Film zu werden, der durch seine Bilderwucht einfach auf die Leinwand gehört.
Zum Trailer auf Yahoo.

Freitag, 04. April 2008

Lucky Luke – Die Gesamtausgabe 1999 – 2002

Filed under: Cartoon — Michael um 18:27

Lucky Luke - Die Gesamtausgabe 1999 - 2002Die Daltons kommen gerade erst wieder im Gefängnis an. Doch es dauert nicht lange, da fühlen sich Joe Daltons Nerven vom scheinbar ewigen Predigen des falschen Propheten etwas überstrapaziert. Wie es Joes Art ist, lässt ein Wutausbruch nicht lange auf sich warten. Aber Joe ist auch ein gewieftes Kerlchen und bald, sehr bald, nimmt ein neuer Ausbruchsplan Gestalt an.
Zuvor müssen einige Gefängnisinsassen, und die übrigen Dalton-Brüder ganz besonders, zu ihrem Erstaunen feststellen, dass die Worte des Propheten bei einigen auf fruchtbaren Boden zu fallen scheinen. Wenn Averell Dalton nichts mehr essen will, dann ist etwas faul im Knast.

Die Abenteuer mit dem falschen Prediger liegen noch nicht lange hinter Lucky Luke, da hat er bereits wieder eine Begegnung der besonderen Art. Diesmal jedoch lernt er einen Mann kennen, der ganz auf seiner Linie liegt. Frederic Remington ist von Zuhause wieder einmal auf und davon und malt seinen Wilden Westen. Remington, kurz Fred, ist ein Genussmensch. Er liebt seiner Malerei, er liebt eine zünftige Mahlzeit, Whisky und zuweilen auch eine gute Schlägerei.
Während seiner Ausflüge lebt er jedoch alles andere als ungefährlich. Aus diesem Grund stellt man ihm einen Mann zur Seite, der schneller schießen kann als sein Schatten: Lucky Luke.
Damit beginnt für den einsamen Cowboy wohl eines seiner vergnüglichsten Abenteuer.

Der Wilde Westen ist bereits zu seinem eigenen Mythos geworden, als Lucky Luke die Einladung erhält, an einer Wildwestshow unter der Leitung des berühmten William Cody teilzunehmen, der noch berühmter unter dem Namen Buffalo Bill ist. Aber für Luke ist das alles ein riesiger Zirkus, was es in Wahrheit auch größtenteils ist. Und es ist auch das berühmte Showbusiness. Alles ist irgendwie überzogen, Berühmtheiten kommen und vergehen in Windeseile. So werden auch jene verehrt, die in den Knast gehören (wo sie auch gerade sind) – die Daltons nämlich. Denn nachdem vier Doubles ihre Rolle in der Wildwestshow übernommen haben, erhalten die echten Daltons plötzlich eine Anerkennung, die sie nur zu einem nutzen: zur Flucht.

Der Prophet, Der Kunstmaler und Eine Wildwest Legende sind die letzten Abenteuer, an die Morris Hand anlegte, bevor er im Jahre 2001 überraschend starb. Bis ins hohe Alter hat er an seinem Lucky Luke gearbeitet, der inzwischen schon Generationen mit seinem Humor begleitet hat.

Die letzten drei Bände, die in der Gesamtausgabe 1999-2002 versammelt sind, beschäftigen sich mit drei Themen. Ersteres, Der Prophet, hat einen oberflächlichen Humor und zeigt dem Leser einen Prediger, der einen Haufen Unsinn daher redet und dem es tatsächlich gelingt, mit seinem Geschwätz einige leichgläubige Geister zu beeindrucken. Darunter sind auch Averell Dalton und Rantanplan, der Hund, der im Gefängnis … Nun, was er eigentlich im Gefängnis macht, weiß niemand so genau.
Paradise Gulch, in dem sich der Prediger und die Daltons kurzzeitig niederlassen, wirkt sehr unamerikanisch – und auch wieder nicht. Denn nirgends auf Welt gibt es wohl eine derartige Religionsvielfalt mit unzähligen Glaubensnuancen wie in den Vereinigten Staaten. Patrick Nordmann trifft im Szenario dort mit seiner Satire, wo es treffen soll, bei den falschen Heiligen, die schon ein Steve Martin aufs Korn nahm.
Der geläufige Humor bleibt nicht außen vor. Im Gegenteil sind die Daltons sehr zentral in der Geschichte platziert – und auch deplatziert. Denn wie raubt ein ehrenwerter Bandit eine Bank aus, wenn es am Ort keine einzige Bank gibt? Und kein Geld? Allein aus dieser Konstellation scheint die Geschichte ganz automatisch ihren Lauf zu nehmen.

Mit Frederic Remington und Buffalo Bill wurden zwei amerikanische Prominente ausgewählt, die beide auf ihre Art zur Bildung der Legenden über die Romantik des amerikanischen Westens beigetragen haben.
Remingtons Bilder zeigen Szenen des Lebens, des Kampfes, die zeigen Charaktere, die den Weiten des Westens gelebt haben. Er unterschied nicht zwischen den Hautfarben. Seine Bilder werteten nicht. Mit einem lebhaften und das Leben liebenden eigenen Charakter ausgestattet verschwindet Remington zeitweise in der Prärie, bevor wieder in die Zivilisation zurückkehrt.
Bob de Groot beschreibt einen Mann, überzogen zwar, aber einen Künstler, der selber mit seiner Lebensart ins Bild passt und die gängigen Künstlerklischees bedient. Dank dieser Figur entsteht eine tolle Komödie, bevor Patrick Nordmann wieder die Schreibmaschinentastatur übernimmt und die nächste Wildwest Legende in den Mittelpunkt stellt.

Buffalo Bill alias William F. Cody dient zur Skizzierung eines Showbusiness, wie es anscheinend nur Amerikaner erfinden konnten. Laut und grell, mit richtigen Promis oder B- und C-Promis, mit Managern und Agenten und Künstlern, die eigentlich gar nichts können. Dies wird besonders schön persifliert, wenn ein Pferd seinen Kopf von selbst unter das herabfallende Lasso hält, um gefangen zu werden. – Was soll es auch anderes machen, wenn Joe Dalton das Lasso kerzengerade nach oben wirft? Dort sind eben keine Mustangs.

Morris schickt seine vier Banditen ganz in Weiß auf die Bühne, ähnlich wie er es Lucky Luke und dem weißen Reiter tat und entwirft zuletzt noch eine kleine Hommage an das eigene Schaffen. So schließt sich letztlich der Kreis.

Zum guten Schluss von Morris’ Werk noch ein gelungener Blick auf den Wilden Westen, als er so langsam begann, nicht mehr ganz so wild zu sein. Patrick Nordmann und Bob de Groot bieten Humor, Satire und Slapstick – ganz so wie in den guten alten Zeiten von Lucky Luke. 🙂

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Mittwoch, 02. April 2008

Point Blank

Filed under: Thriller — Michael um 19:47

Point BlankDer Tod macht keinen Spaß. Ganz besonders nicht, wenn man ihm in einem düsteren matschigen Hinterhof begegnet, kniend, mit dem Lauf einer Waffe am Kopf. Die Augen sind geschlossen, als der Schuss knallt. Warum soll man dem Tod sehenden Auges begegnen, wenn der Abgang schon so deprimierend ist?
Dabei hatte alles so einfach begonnen. Ein alter Freund wollte nur, dass Cole ihm den Rücken freihält. Lynch, ein Kumpel, mit einem Plan – und plötzlich mit Fähigkeiten ausgestattet, die so keinen Sinn zu machen scheinen. Warum hat Lynch seine Kräfte verstärken lassen? Wer ist so wichtig und gefährlich, dass Lynch auf ihn Jagd machen, ihn ausschalten muss?

Point Blank ist nicht nur der Name des vorliegenden Comics, sondern auch der eines Film-Klassikers mit Lee Marvin. Kompromisslosigkeit ist beiden Thrillern zueigen. Ähnlich wie Walker alias Lee Marvin folgt auch Cole Cash unbeirrt der Spur, angespornt einzig vom Rachegedanken. Wer verübte den Anschlag auf seinen Freund Lynch?

Ed Brubaker kennt sich in der alten Comic-Szene ebenso aus, wie er auch Anteil an den neuen Universen hat. Ein umfangreicher Informationsteil im Anhang des Comics beschreibt die Entstehung des Wildstorm-Universums, in der Superhelden existieren, die deutliche Anleihen an bekannten Charakteren genommen haben, aber auch eindeutig realistischer zu sein versuchen – ja, sogar ein wenig parodistischer.
Der Superheld ist zur Bedrohung geworden, auch bei Marvel und D.C., sicherlich eine Folge jener kleinen Revolution, die mit den stärker werdenden kleinen Labels der letzten Jahre einherging. Im vorliegenden Band schwebt diese Bedrohung immer über dieser düsteren Welt, sind Geheimdienste und dunkle Mächte am Werk.

Cole Cash will es nicht einsehen, aber auf seine Art ist er ein Spielball. Tao, das Supergehirn, jener hyperintelligente Psychopath, hat seine Fäden so geschickt gesponnen, dass Cole Cash nichts anderes machen kann, als darüber zu stolpern. Autor Ed Brubaker kennt sein Metier. Bei Superhelden wie auch Thrillern ist er Zuhause, wie er mit Captain America, aber auch Gotham Central oder Criminal beweisen konnte. Aber er kennt noch mehr. Denn je weiter die Figur Cole Cash sich in dieser Geschichte verliert, wird die Erinnerung an einen Mystery-Thriller wie Angel Heart wach.

Mehr soll nicht verraten werden, um die Pointe nicht vorwegzunehmen, aber das Schema der Geschichte ist ähnlich. Auch soll dieser Vergleich kein Vorwurf sein, denn die Grundidee trägt auch Point Blank und passt zu einer Rachegeschichte, die wohl zu den klassischsten Handlungen im amerikanischen Thriller-Genre gehört. Eine wichtige Besonderheit dieser Geschichte ist die Normalität, mit der über die Helden und die Schurken erzählt wird. Die kleine Bar, in der die Kostümierten verkehren und sich selbst irgendwie zum Narren machen wie auch der Gauner-Laden, in dem ehemalige Heldinnen wie Kenesha, die frühere Savant, auf der Suche nach einer schnellen Nummer sind. Diese Beispiele reißen den Helden auf menschliches Niveau herunter, sogar noch darunter, denn die Allmacht dieser Charaktere wird von selbigen letztlich mit Füßen getreten.

Für die grafische Umsetzung dieser Schmutzigkeit, dieser allgegenwärtigen Verkommenheit, dieser Hoffnungslosigkeit all dieser Underdogs wurde mit Colin Wilson eine perfekte Wahl getroffen. Mit der Jugend von Blueberry konnte er bereits Erfahrung mit Geschichten sammeln, die tough guys im Mittelpunkt des Geschehens haben. Wer den Zeichenstil von Wilson betrachtet, könnte dem Glauben verfallen, dass der Künstler mit dieser Art der Bilder zur jüngeren Generation gehört. Aber weit gefehlt. Wilson hat inzwischen nicht nur einige Lebensjahre gesammelt, sondern auch reichlich Erfahrung.
Wer die Bilder in ihrer Machart beschreiben möchte, könnte sie eine Mischung aus altem Jean Giraud und jungem Eduardo Risso nennen. Wilson könnte tatsächlich ein gestalterischer Erbe von Giraud sein. Seine Männer sind kernig, seine Frauen glatt und attraktiv. Aber da ist manchmal auch ein wenig Risso. Es sind geschwungene, leicht abstrahierte Ansichten, besonders dort, wo die Gesichter entweder grobschlächtiger oder einfacher sind, mit rasierten, sauberen Zügen.

Wilsons Grafiken benötigen keine aufwendige Kolorierung. Wieder einmal ist ein Rückschritt von jenen überbordenden Kolorierungen festzustellen, die sich im Zuge des Computers immer weiter gegenseitig übertrumpft haben. Grafik vor Geschichte schien es zu heißen. Inzwischen stehen Grafik und Geschichte häufig wieder gleichberechtigt nebeneinander. Eine glanzvolle Kolorierung erfolgt nur noch da, wo es Sinn macht. Hier gibt Janet Gale einer Gangster-Unterwelt ihr Licht und ihre Farben. Sie macht dies verhalten und gibt den Farben dort Gewicht, wo es gebraucht wird. Ein Schuss blitzt, Blut tropft rot auf einer grauen Wand, die Tiefe ist schwarz, gähnend, die Nacht eine stete Dämmerung, auf der kein Morgen folgen wird – mit einem Wort ist die Kolorierung atmosphärisch zu nennen. Es ist perfekt so, wie es ist.

Als Krönung finden sich im vorliegenden Band die Cover zu den Einzelausgaben einerseits von Wilson selbst, andererseits von Simon Bisley, dessen Bilder aus der gleichen Schule zu kommen scheinen wie die eines Glenn Fabry. Immer etwas anarchistisch, aber auch stets auf einem technisch perfekten Niveau.

Eine Gangstergeschichte mit einem knallharten Hauptcharakter, der einem ganz eigenen Ethos folgt: Man verarscht Cole Cash nicht. Wer es dennoch versucht, hat nur eine Strafe verdient. Brubaker und Wilson nehmen ihre Leser mit auf einen klassisch spannenden Thriller-Trip. So, wie es sich gehört! Cool. 🙂

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Lucky Luke – Daisy Town

Filed under: Comics im Film — Michael um 16:48

Lucky Luke - Der neue Mann in Daisy TownEs ist keine leichte Zeit im Wilden Westen, aber immerhin haben die Bleichgesichter mit den Rothäuten einen Frieden besiegelt – einen äußerst wackeligen Frieden. Die Bewohner von Daisy Town geben sich die größte Mühe zur Einhaltung dieses Friedens, aber ein Quertreiber wie Joe Dalton könnte alles zunichte machen.
Daisy Town war zu Beginn ein feines kleines Städtchen. In mühevoller Kleinarbeit haben die Einwohner ihre Ortschaft mitten in der Prärie erbaut. Als irgendwann das Verbrechen Einzug hielt und die Tunichtgute jedem Sheriff den Garaus machten, konnte nur noch einer helfen: Lucky Luke.

Seit Lucky Luke Sheriff ist, ist vieles besser geworden, ruhiger – aber auch langweiliger. Nichts geschieht mehr. Gesetzlose landen entweder hinter Gittern oder werden aus dem Ort geworfen. Selbst der einfache Bürger, der sich anfangs über Luke rigoroses Eingreifen freute, empfindet ein wenig Grimm bei seinem allzu ruhigen Städtchen.
Eines Tages tauchen alte Bekannte auf, vier Brüder, welche die meisten nur schlicht als die Daltons kennen. Lucky Luke kann nichts unternehmen, denn da die Gefängnisse überfüllt sind, haben ein paar Übeltäter ihren Platz in den Zellen für die Nachkömmlinge räumen müssen. – Und wer hat den Strafvollzugsbehörden diesen Nachschub beschafft? Lucky Luke!
So muss sich der gute Lucky eine andere Möglichkeit ausdenken, um mit der Situation fertig zu werden.

1991 erweckte Terence Hill, absolut Komödien- und Western-erfahren, einen Comic-Helden für die Leinwand zum Leben, der zu den langjährigsten Begleitern vieler Comic-Fans gehört: Lucky Luke.
Überschattet vom Tode von Terence Hills Sohn Ross entstand dennoch eine feine Produktion, deren Handlung sich auf die Comic-Vorlage Daisy Town stützt, die als Band 40 der langen Reihe erschien, die inzwischen über 80 Ausgaben umfasst.

Terence Hill versucht gar nicht erst optisch dem zeichnerischen Original nachzueifern. Mit Staubmantel eher klassischen Western-Outfit verleiht er der Figur weitaus mehr Ernsthaftigkeit als in jüngeren Produktionen zu sehen. Diese Ernsthaftigkeit gibt der Figur viel mehr Volumen, denn an ihrer Seite bleibt so viel mehr Platz für die eigentlichen Komödianten – ganz so wie im gezeichneten Original.

Ganz vorneweg ist hier natürlich Jolly Jumper zu nennen. Durch die Synchronstimme von Wolfgang Völz, knotterig, knurrig, nordisch angehaucht, lebt der weiße Hengst so richtig auf und seine Kunststückchen kommen so richtig zur Geltung. (Wer sich unter der Stimme von Wolfgang Völz nichts vorstellen kann, sollte einmal an Käpt’n Blaubär denken, dem Völz durch seine Stimme auch Charakter verleiht.)
Ebenso wichtig ist Ron Carey in der Rolle von Joe Dalton. Nicht ganz so klein, nicht ganz so schlank, verkörpert Carey den Revolverhelden mit der nötigen Arroganz und den nötigen Wutausbrüchen. Zu Beginn der Dreharbeiten konnte Carey auf ein lange Schauspielkarriere zurückblicken und unterstreicht mit seinem Können das, was auf die gesamte Produktion zutrifft: der nötige Ernst.

Als Zuschauer fällt es immer schwer über Figuren zu lachen, die von Schauspielern verkörpert werden, die ihre Rolle nicht ernst nehmen. Das trifft auf Komödien zu, mehr noch auf Comic-Verfilmungen.
Carey tritt in der besten Schauspieltradition eines vergleichbaren Bob Hoskins an, von ähnlicher Gestalt, mit einem ähnlich verschmitzten Lächeln und mit ähnlicher Energie. Wenn Joe Dalton (Carey) endlich alle hinter sich glaubt, seinen Plan aufgehen sieht und schließlich mit seinen Brüdern allein vor den Einwohnern steht und sich die Indianer die ganze Szenerie nur kopfschüttelnd anschauen, dann entsteht richtiges, echtes Lucky Luke-Gefühl.

Fritz Sperberg gibt einen herrlich überdrehten Averell Dalton, der mit seiner phantasievollen Kriegsbemalung nicht nur die Indianer überrascht. Oldtimer kann das Lachen nicht lassen, wenn in Daisy Town wieder ein Halunke dingfest gemacht wird. Nichts wurde vergessen. Gleich zu Beginn kann man Luckys Training beobachten. Immer schneller wird er, bis es ihm endlich gelingt, schneller zu ziehen als sein Schatten. Und wenn die einzelnen Stämme untereinander wild per Rauchzeichen kommunizieren, spätestens dann schwankt man als Zuschauer und Lucky Luke-Fan zwischen Schmunzeln und Brüllen.

Als besonderes Bonbon steuert Roger Miller den Titelsong bei. Bekannt wurde Miller durch seinen unsterblichen Song King of the road. Hier singt er Lucky Luke rides again.

Ein guter Lucky Luke, ein wunderbar trainiertes Pferd in der Rolle seines Lebens, Humor, wie ihn Morris mochte und selber umgesetzt hat, ein Spaß für die ganze Familie, für Lucky Luke-Fans insbesondere. 🙂

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