Sonntag, 27. April 2008
Die kleine Händlermaus zieht ihren Handkarren einsam durch den tiefen Wald. Sie müht sich über Stock und Stein, unverzagt, aber angestrengt. Unter einem Baum legt sie eine Rast ein, ruht sich aus – bis ein dunkler Schatten über sie fällt.
Mouse Guard – Herbst 1152 entwirft eine kleine, eine etwas andere Welt. Die Kleinen in dieser Welt sind beständig bedroht von den Großen. Aber die Mäuse haben einen Vorteil. Sie können denken, organisieren, sich verteidigen und verstecken. David Peterson entwirft eine mittelalterliche Geschichte, die zunächst einen recht einfachen Eindruck macht, ihre Komplexität jedoch nach und nach enthüllt.
Der Leser taucht in diese Welt an der Seite der Mauswächter Lieam, Kenzie und Saxon ein. Bewehrt mit Umhang, Schwert und Kampfstab begleiten wir sie bei der Auflösung eines Verbrechens. Auf den ersten, flüchtigen Blick ist es eine putzige Spurensuche mit kleinen süß anzuschauenden Mäusen. Auf den zweiten, besseren Blick handelt es sich um eine ernste Geschichte, die ihre kleinen Helden ebenfalls sehr ernst nimmt.
Der Auftakt, Im Bauch der Bestie, erinnert an alte Filme eines Ray Harryhausen, wenn riesige Monster sich winzigen Gegnern zum Kampf stellen. Der spätere Kampf gegen die Krabben mag diesen Eindruck noch verstärken – oder den Fan von fantastischen Geschichten auch an eine Episode aus der Dunklen Turm-Saga von Stephen King erinnern.
Es sollte spätestens nach der Lektüre dieser beiden Szenen deutlich sein, dass hier gar nichts putzig ist. Diese Begegnungen, bei denen man fast einen dramatischen Soundtrack vermisst, wirken gespenstisch echt. So spielt sich der Kampf in einer seltsamen Lautlosigkeit ab. David Petersen verzichtet sogar auf jegliche Geräusche oder Worte in geschriebener Form. Die Großaufnahme eines finster verzogenen Mausgesichts und die anschließende Auseinandersetzung zeigen exzellent, wozu diese Mouse Guards in der Lage sind.
Langsam wächst die Vorstellungskraft, wie sich der von den Mäusen nur erwähnte Krieg gegen die Wiesel abgespielt haben muss. Verbissen, brutal, kompromisslos.
Und in der Tat wachsen sich die Ereignisse um den Verrat um die Mausniederlassung Lockhaven zu einem handfesten dramatischen Abenteuer aus.
Eine Armee zieht aus durch den herbstlichen Regen, Krieger greifen an, Bogenschützen verteidigen sich, Maus gegen Maus. David Petersen pflegt einen illustrativen Zeichenstil, cover-artig, wie als Ergänzung zu einem komplexeren Jugendroman. In begleitenden Texten klingt diese Machart beinahe wie eine Art Gegenstück zum Mainstream (den es zweifellos gibt) oder ein Vorwurf.
Aber der Comic ist frei in seiner darstellenden Form, wie unzählige Werke in der Vergangenheit bewiesen haben. Er weist eine noch größere erzählerische Vielfalt als der Roman auf, da ein Comic auf mehr Ebenen funktionieren kann.
Die grafische Darstellung mag an ein Bilderbuch erinnern, auch seine reine Form hebt es schon aus der Masse heraus. Doch gerade diese Andersartigkeit birgt schon Spannung, denn der Leser kann mit keinerlei Erwartungshaltung an dieses Werk herangehen und muss sich überraschen lassen.
Und er wird zweifellos positiv überrascht – sofern er sich auf eine Geschichte mit tierischen Protagonisten einzulassen vermag. Allerdings sollte er sich von den Beispielen einer disneyschen Tierwelt im Stile von Bernard & Bianca freimachen.
Auf 3-5 Bildern pro Seite erzählt David Peterson seine Geschichte. (Manchmal nutzt er die zur Verfügung stehende Fläche auch nur für 2 Bilder.) Er nimmt sich viel Platz. Dadurch kann das Auge auf den Bildern ruhen.
Trotz einer mitunter sehr gelungenen und mitreißenden Action entsteht für den Leser keine Hektik wie bei anderen Veröffentlichungen, bei denen eine videoclip-überfrachtete Optik an der Tagesordnung ist.
Der Farbauftrag ist leicht, eine Mischung aus Aquarell-Effekt und extrem feinen Airbrush. Die Ansicht ist dadurch dergestalt, dass man den Eindruck hat, durch ein Vergrößerungsglas auf diese kleine Welt zu schauen. Tusche, reines Schwarz wird bei Figuren hauptsächlich für Außenlinien benutzt. Für Schatten findet es sich hauptsächlich bei Gegenständen und Hintergründen.
Der Wechsel zwischen heiteren Herbstfarben und der rötlichen Düsternis eines Regens im Wald oder eines finsteren Gewölbes sorgt für noch größeren dramatischen Ausdruck.
Eine wunderschöne (im Sinne des Verlagsgeschäfts auch mutige) Idee, eine feine, abenteuerliche Geschichte, die mitreißt und sich dem comic-gewohnten Leser auf ruhige und besonnene Art erschließt. Mouse Guard hat es verdient in ebensolcher Ruhe gelesen, angeschaut und genossen zu werden. 😀
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Samstag, 26. April 2008
Kauf’ smart! Kauf’ im S-Mart! – Nun, Ash hat bei seinem Sturz aus großer Höhe im Augenblick andere Probleme als über seinen alten Job nachzudenken. Im Vergleich zu seinen sonstigen wilden Aktionen tat Ash nichts Aufregendes. Er ging nur ins Licht. Um in einer Welt zu landen, die dem Untergang geweiht ist.
Ash hat schon viel gesehen. Untote Kreaturen, die eine mittelalterliche Burg angriffen, Dämonen, mit einem höllischen Spaß an der Gewalt … Aber merkwürdige Kostümierte, die sich mitten auf der Straße prügeln und dabei ansehnlich artistische Kapriolen auf den Asphalt legen – das gab’s noch nicht!
Ash amüsiert sich sehr über diese kostümierten Idioten. Das beruht jedoch auf Gegenseitigkeit, denn seine warnenden Worte über Untote und magische Bücher lassen die Rächer mehr als nur schmunzeln. Spider-Man verspricht den seltsamen Mann mit der Kettensäge im Gepäck aus dem Weg zu schaffen. Doch zu spät.
Der verseuchte Sentry hat diese Welt erreicht. Die ersten Opfer sind bereits zu beklagen. Die lawinenartige Geschwindigkeit, mit der sich die Seuche ausbreiten wird, nimmt langsam Fahrt auf. Spidey gibt sein Bestes, aber das ist nicht genug.
Nach dem großen (und außergewöhnlichen) Erfolg der Marvel Zombies, die sich erfolglos mit den Ultimativen Fantastischen Vier angelegt haben, findet sich mit der Army Of Darkness nun ein neuer Gegner, der im Fun-Splatter-Genre Kultstatus genießt.
Genauer gesagt, hat die Armee der Finsternis diesen Kultstatus nur einem zu verdanken, nämlich Ash, dem ganz normalen Verkäufer aus dem S-Mart.
Sam Raimi brachte die Tanz der Teufel-Reihe ins Rollen, mit der Army als letztem Ableger und brachte dem Comic-Fan ebenso die hervorragende Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire in der Hauptrolle. So schließt sich der Kreis ein wenig.
Selbstverständlich ist Ash bemüht, die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Für ihn bedeutet dies, das Necronomicon zu finden, das bösartige Buch, das ihm schon einmal allergrößte Schwierigkeiten bereitet hat – nun, hätte er den Spruch Klaatu Barada Nikto richtig aufgesagt, wäre das nicht passiert. Leider ist nicht der gute Dr. Strange im Besitz des Buches, sondern ein anderer Magier, der mit dem frechen Mundwerk von Ash so gar nichts anfangen kann: Dr. Doom.
Willkommen in Latveria!
Die Seuche hat schon das beschauliche Land erreicht, nachdem ein verseuchter Quicksilver die Krankheit über die ganze Welt getragen hat.
John Layman bleibt in der Tradition von Robert Kirkman (hier als Berater tätig) und nimmt die Marvel Zombies nicht allzu ernst. Da lacht der pechschwarze Witz aus einem Kurzauftritt einer unbekannten Heldengruppe, aus einem verpackten Ash, der sich mühsam wie eine Raupe fortbewegen kann oder einer Zombie-Ente, die sich über einen unaufmerksamen Ash hermacht.
Ernsthafter umgesetzt werden die Bilder von Fabiano Silva Neves, Fernando Blanco und Sean Philips. Eine möglichst realitätsnahe Darstellung wird während der gesamten Geschichte aufrecht erhalten – einzige Ausnahme: Der Schluss. Hier wird die Handlung derart abstrus, auch für Ash selbst, so dass die grafische Umsetzung dieser Tatsache auch folgt und beinahe ein wenig mad-haft, cartoony zu nennen ist.
June Chung verleiht den Bildern durch ihre Farbgebung eine sehr gute Plastizität.
Die eigentliche Konfrontation zwischen den Marvel Zombies und der Army Of Darkness fällt vergleichsweise kurz aus (aber heftig). Das Necronomicon erledigt seine Arbeit und ist damit sogar auf zweierlei Arten hilfreich. Im zweiten Fall auf für das Buch schreckliche Weise. Hier kommt Laymans schwarzer wie auch etwas alberner Humor zum Vorschein.
Ein kurzweiliger Zombie-Spaß-Knaller mit einer außerordentlich heftigen Cover-Galerie von Arthur Suydam im Anhang, die nichts von dem Witz verrät, den der Leser im Inneren zu erwarten hat. 🙂
Freitag, 25. April 2008
Im Zwielicht sorgen sich die Männer um ihre fehlenden Begleiter, nicht ahnend, dass sich in wenigen Augenblicken in der Gasse vor ihrem Haus ein tödlicher Kampf abspielen wird.
Der Kampf ist ein gefährliches Ballett in der Enge der Straße. Zuerst scheinen die Angreifer in der Überzahl zu sein und fähig, den einsamen Passanten vor dem Haus stellen zu können. Doch als der Mann unvermittelt vier bewaffnete Arme unter seinem Mantel hervorzieht, ändert sich das Kräfteverhältnis schlagartig.
Der Gegner scheint unbesiegbar zu sein. Eine Kopfverletzung nimmt er überhaupt nicht wahr. Wie gut, dass wenigstens der Anführer der Angreifer weiß, wie er den Fremden außer Gefecht setzen kann.
Zuvor in den Alpen hatten die Angreifer nicht ganz so viel Glück und Sachverstand. Ihr überstürztes Vorgehen ließ sie in eine Falle tappen, die alle im Inferno einer riesigen Explosion umkommen ließ. Wenig später nutzen die überlebenden Flüchtlinge die Gelegenheit, um einen vor 20 Jahren verstorbenen Arzt wieder zum Leben zu erwecken. Aber Meister Paracelsus ist alles andere als dankbar darüber.
In wessen Besitz war das uralte Labor mit seinen unzähligen Ebenen? Wer hat all diese überaus gelehrten Aufzeichnungen hinterlassen?
Diese kleine Rätsel zu lüften, wird den Lesern überlassen, sollte jedoch angesichts der Hinweise leicht erkennbar sein. Immer wieder wird dieser alte Meister in Geschichten verwendet, so auch in dem Blockbuster und Bestseller von Dan Brown namens Sakrileg. Hier ist der alte Meister, obwohl nicht selber auftretend, zeitgemäßer eingebunden. Das Genie, dessen Talente und Wissbegier mannigfaltig waren, bildet hier eine Erklärung, wie diese Geschichte ihren Anfang nehmen konnte.
Die Hinweise auf diese Person sind eindeutig. Eigentlich sollte der Leser das Bild, mit dem die Hinweise beginnen, sofort wieder erkennen. Schon das Gebäude, in dem es hängt, die Santa Maria delle Grazie, ist perfekt von Anthony Jean wiedergegeben und zeigt bereits in diesen relativ kleinen Bildern, wie viel grafischen Aufwand Jean in dieser Ausgabe betrieben hat.
Mathieu Gabella und Anthony Jean stürzen sich weiter in die Vergangenheit hinter den offiziellen Kulissen und krempeln die gewöhnliche Fantasy erfrischend neu um.
Das Auffälligste sind natürlich die Primordialen, Kreaturen aus Muskeln und Knochen, die dem Begriff Körperwelten eine neue Dimension verleihen. Primordiale sind nicht auf ein Aussehen, einen Körperbau beschränkt. Zwar scheinen sie eine bevorzugte körperliche Form zu haben, aber sie sind wandelbar, so zum Beispiel vom Zweibeiner zum Vierbeiner. Die Kommunikation mit ihnen verläuft über das Ausscheiden von Körpersäften, wofür den Menschen mittels eines kleinen Wesens spezielle Drüsen eingesetzt werden.
Das hört sich zuerst merkwürdig an – und es bleibt auch seltsam – sorgt aber in der Umsetzung für ungewöhnliche Szenen. Durch die Körpersäfte, Speichel, findet ein geistiger Austausch statt. Für den Ungeübten sind es ungeheure Bilder, die von den Primordialen übertragen werden.
Und für den Leser sind es ebenfalls ungeheure Bilder. Diese Wesen, Grundlagen für mythische Gestalten wie Zerberus, den Minotaurus, Zentauren und andere, sind aufwändig von Anthony Jean gezeichnet. Ein Paradebeispiel in diesem Band ist das Auftauchen des Kraken, ein schierer Wust an muskelartigen Fangarmen und Knochenfragmenten, in deren Zentrum ein über die Maßen aufgerissenes und zahnbewehrtes Maul sitzt.
In der düsterbraunen, teils goldfarben leuchtenden und glosenden Atmosphäre passen sich diese Kreaturen perfekt ein. Dieses Zeitalter verändert den Menschen. Mathieu Gabella erzählt seine Geschichte sehr verschachtelt. Im ersten Teil war es noch rätselhafter. Als Leser wandelte man auf den Erkenntnissen des Ambrosius Paré, der selbst nach und nach Einblick in das Geschehen erhält. In der zweiten Folge ist der Erzählstrang ungleich geradliniger, auch schneller vom Leser (also von mir) erfassbar.
Ein Blick auf die vergangene Zeit des 16. Jahrhunderts, mit dem Blick eines Menschen, der noch das Phantastische erkennt, wunderbar illustriert, spannend, aber nicht immer leichtgängig erzählt. Nach einer ausgewogenen Mischung aus Erzählung und Aktion komplettieren ein Making Of und Zusatzinformationen diesen tollen Band. 😀
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Donnerstag, 24. April 2008
Das Spiel ist nicht irgendein Spiel. Es ist das uramerikanische Spiel der Spiele: Baseball. Nichts ist amerikanischer und nichts kann ein Europäer weniger nachvollziehen als die amerikanische Begeisterung für Baseball. Sogar Torpedo ist dem Spiel verfallen – auf seine Art.
Torpedo und sein Gehilfe Rascal nehmen eine Bar auseinander. Während im Hintergrund eine Sportübertragung läuft, haben sich die beiden Killer ihre beste Baseballkleidung angezogen und statten einem widerspenstigen Kneipenwirt einen folgenschweren Besuch ab.
Torpedo einen Schurken zu nennen, wäre weit untertrieben. Der Archetyp eines völlig missratenen Menschen (bis auf einige wenige Ausnahmen) erlebt in dieser 4. Ausgabe der Reihe, wie es ist, wenn man selber auf der Abschussliste steht und nur haarscharf seinem Schicksal entkommt.
Der Killer hat mehrfach bewiesen, dass er ein heterosexueller Mann ist. In der ersten Geschichte Die Kehrseite des Goldstücks spielt Enrique Sánchez Abulí auf der Klaviatur der Urängste dieser Sorte Mann, einer Sorte, die sich außerdem noch für besonders männlich hält. Die Auflösung, die Pointe ist wieder typisch Abulí, so dass der Leser sich entscheiden kann, ob er Mitleid haben oder lachend zusammenbrechen soll.
Die Darstellung der Jazz-Musiker ist ein wenig stereotyp, sehr klischeehaft, aber Abulí und sein Zeichner Jordi Bernet sind weit davon entfernt, ein realistisches Bild der Zeit abzugeben. Außerdem ist Torpedo derart böse, gemein, zynisch, brutal, sadistisch und eigentlich alles, was ein Gangster in einer Person vereinen kann – nicht zwangsläufig muss – so dass man ihm als Leser auch nur alles erdenklich Schlechte wünschen kann. Aber irgendwie hat er dann das Quentchen Glück, um nicht immer ganz heil, so doch wenigstens nur angekratzt aus der jeweiligen Situation herauszukommen.
So manche Szene oder Geschichte in Torpedo erinnert zuweilen an Vorlagen aus Film oder Roman. So kann sich der Leser (in diesem Falle ich) auch diesmal nicht so ganz des Eindrucks erwehren, hier oder da die eine oder andere Anspielungen oder Hommage zu entdecken. In Die Friedenstaube schaffen Torpedo und sein Sidekick mit hinterhältigen Schießereien Klarheit. Leider sieht man hierbei keine Zeugen wegrennen, ansonsten wäre dies ein guter Hinweis auf Manche mögen’s heiß. Der Killer-Job, den die beiden Mörder auf der Hochhausbaustelle auf den Stahlträgern zu verrichten haben, erinnert in seiner komödienartigen Erzählweise an The Riveter (dt.: Donald, die Niete, 1940). Dort raubte Donald Duck mit seinen überaus schlechten Fähigkeiten als Nieter auf einer Hochhausbaustelle seinem Vorgesetzten Kater Karlo den letzten Nerv.
Die Anspielungen mögen vielleicht nicht stimmen, Tatsache ist auf jeden Fall, dass Abulí mit der gleichen Form der Slapstick spielt, die auch in alten Disney-Zeichentrickfilmen der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts zu finden ist. (In der Episode Wer hat Angst vorm bösen Wolf ist die Anspielung offensichtlich, denn Bernet verwendet sogar den bösen Wolf in der Form, wie er bei Disney hinter den drei kleinen Schweinchen hinterher war.)
Missverständnisse, Ausflüge in die Kindheit und Jugend von Torpedo sowie die Fähigkeit über die Fehler derer zu stolpern, die er gerade noch belächelt hat, das machen die Episoden in diesem Band aus. Abulís Fähigkeit, den Werdegang von Torpedo zu erzählen, wie auch die Fähigkeit von Bernet genau diese Kindheitstage in Szene zu setzen, machen aus den Erinnerungen ganz besondere kleine Episoden.
Bernet arbeitet gerne mit Gesichtsausdrücken, von denen ihm die Geschichten viele vorschreiben. Auch Torpedo schafft es nicht auf dem elektrischen Stuhl die Ruhe zu bewahren. Der große böse Wolf bereitet ihm ähnliche Angst, bis sie wieder hinter den zusammengekniffenen Clint Eastwood-Augen verschwindet. Arroganz prägt Torpedos Mimik für gewöhnlich, aber manchmal blitzt auch ein Wolf hindurch, eine Fratze, der nur noch lange Eckzähne fehlen, um einem gewissen Dracula-Darsteller zu ähneln.
Sehr unterschiedliche Abenteuer des fiesesten Halunken der Comic-Geschichte, mit einem sehr erwachsenen, aber auch beständig bitterbösen Humor erzählt, gewohnt gut gezeichnet und einmal, ein einziges Mal zeigt Torpedo diesen berühmten Funken Mitleid – der aber im Sinne nachfolgender Episoden nicht lange anhält. Eine pechschwarze Film noir-Wiederbelebung zwischen Comic-Seiten, auf seine Art einfach nur gut. 😀
Torpedo 4 – Geld ist nicht alles: Bei Amazon bestellen
Die zauberhafte Nacht verwandelt sich plötzlich in eine aufregende Nacht, als Fix und Foxi beobachten, wie Lupo aus einer miesen Spelunke hinausgeschmissen wird. Schnell ist klar: Lupo hat sich mal wieder in ordentliche Schwierigkeiten gebracht.
Und natürlich hat dieser alte Nörgler kein Interesse daran, dass ihm bei seinen Problemen geholfen wird. Wie gut für Lupo, dass Fix und Foxi sich durch sein grantiges Verhalten nicht aus der Ruhe bringen und noch weniger von ihrer Hilfsbereitschaft abbringen lassen. Außerdem ist da noch Rufus. Er kennt sich mit Magie aus – und das ist auch bitter nötig.
Die Puppe, die Lupinchen auf dem Dachboden von Oma Eusebia findet, sieht sehr traurig aus. Das unglücklich drei schauende Spielzeug stammt aus Amerika. Vor langer Zeit brachte eine Verwandte die Puppe mit. Lupinchen mag sich nicht mehr von der Puppe trennen. Und was für eine Aufregung: Vom Winde verweht findet sich Lupinchen fern der Heimat vor einem riesigen Landhaus wieder, in einer Geschichte, die dem Leser seltsam vertraut vorkommt.
Derweil haben die Peppercorns viel realere Probleme. Eine Renovierung steht auf dem Plan. Mama will einen Tapetenwechsel. Leider hat so jeder aus der Familie seine ganz eigenen Vorstellungen, wie eine Renovierung zu erfolgen hat.
Das Titelbild der 4. Fix & Foxi Ausgabe ziert die beiden schlauen Füchse und Lupo in dramatischer Ninja-Verkleidung, passend zu den Ninja-Sternen, die der Ausgabe beiliegen.
Auch in der ersten Geschichte kommen derlei Sterne zum Einsatz, als Rufus gegen einen Dschinn antritt und diesen in die Flucht schlägt. Der Leser mit Zauber-Erfahrung aus allerlei aktuellen Geschichten weiß sofort, dass ein Zauberbuch hauptsächlich Ärger bringen kann. So ist denn die Geschichte aus der Feder von Jürgen Seitz flott erzählt und bringt den kleinen Abenteurern einige Fallstricke ein, die sie mit der gewohnten Schläue bewältigen.
Weitaus knuffiger ist der Ausflug von Lupinchen in einen der großen Klassiker der Weltliteratur: Vom Winde verweht. Die verzogene Scarlett will ihre alte Puppe nicht zurückhaben, so findet das ungeliebte Spielzeug bald ein neues Zuhause. Lup de Lup (ein geschniegelter Lupo mit ein paar Manieren) macht es Lupinchen jedoch nicht einfach. – Wie gut, dass es Mami, die dem alten Miesepeter zeigt, was Manieren sind.
Eine schöne kleine Comic-Verbeugung vor dem Roman und dem noch bekannteren Film.
Bevor sich Fax mit dem Thema Frau im Haus auseinandersetzen muss, stehen noch allerhand Informationen und Spiele auf dem Programm.
Wer sind die echten Vorbilder der Superhelden? Wie wählen eigentlich die Amerikaner ihren Präsidenten? Mit den Spiderwicks hat ein weiterer Jugendroman seinen Weg in die Kinos gefunden und wird hier vorgestellt, verknüpft mit einem Gewinnspiel, von denen es für die Leser noch eine ganze Reihe mit vielen interessanten Preisen gibt.
Wird Fax den tückischen Kampf gegen die Frau im Haus, im Form von Oma Eusebia oder einem Roboter-Hausmädchen gewinnen? Diese und andere Fragen werden auf humorvolle und auch informative Weise für den jungen Leser beantwortet.
Der Mann mit der Augenbinde erträgt seinen eigenen Anblick nicht mehr. Voller Verzweiflung zerschlägt er den Spiegel. Trost liegt im Suff, während das kleine Mädchen in seiner Wohnung vergeht. Wärme. Gäbe es sie doch in diesem Zuhause. Doch, wenn es nicht wärmt, dann soll es wenigstens brennen.
Wo es brennt, gibt es auch Asche. In der Episode gleichen Namens werden die Texte in die Bilder eingearbeitet. Ein kaligrafischer Effekt entsteht, wenn die Buchstaben auf geöffneten Pergamentrollen zu lesen sind oder wie in Liebeszauber streng zum Aufbau eines Bildes herangezogen werden und in ihm aufgehen.
Was kann alles aus einem Song-Text werden? Wie ist er interpretierbar? Kann er überhaupt in Bilder übersetzt werden, die sich grafisch umsetzen lassen?
Ein Song-Text kann Anstoß sein, gedanklich, emotional. Subway to Sally haben bewiesen, dass sie darin zu Virtuosen geworden sind. Düster lautet die Überschrift zu diesen Texten, die sich in den Bildumsetzungen zahlreicher Künstler widerspiegelt. Und bei aller Düsternis sind sie häufig auf abgrundtief traurig. Sie zeigen aber keine künstliche, aufgesetzte Traurigkeit auf. Es ist die Traurigkeit der Schwachen, die einen Ausweg suchen, aber ihn nicht finden und eine Lösung finden, die zerstörerisch ist.
Feuerkind erlaubt eine solche Interpretation. Am Ende steht das wärmende Feuer, die einzige Wärme, die das Kind jemals erfahren wird.
Die Inspirationen zu den Texten sind vielfältig. Sogar Ken Follett bietet mit seinen Säulen der Erde eine Quelle. Mittelalterlich wird es, wenn der Tod eines Mannes am Galgen beschrieben wird, eines Mannes, der seinen Henkern und den Schaulustigen ins Gesicht lacht. Diese Geschichte, Unterm Galgen, dem gesamten Buch voran gestellt, gibt sich grafisch zerrissen
Unter dem Galgen geht es auch sogleich weiter mit der Henkersbraut. Ein Henker konnte eine Frau begnadigen, indem er sie zur Frau nahm. Im Text herrscht eher Hohn über die falsche Hoffnung vor. Grafisch erzählt die Bilderfolge das Schicksal der, was sie sich zu Schulden kommen ließ und wie trügerisch letztlich der Gedanke ans Überleben ist. Mit Macht hoch die Tür, das Tor mach weit öffnet sich schließlich die Falltür des Galgens. So wird die Braut dem Tod übergeben, von Dämonen und Blumen umkränzt, Frieden herrscht, wenn das Leid vorbei ist.
So fern und vergangen die Einstiegsgeschichten anmuten, so aktuell werden die Themen weiterer bebilderter Songtexte. Neben dem erwähnten Feuerkind finden sich auch bestechende Geschichten wie Element des Verbrechens, Kleine Schwester, Die Trommel oder Kleid aus Rosen.
Ist das Kleid aus Rosen eher leicht gezeichnet, mit einem beinahe heiteren Ausdruck, der dem Text völlig entgegensteht, hat auch Die Trommel das Thema Verführung. Zwar nicht hin zu einer einzelnen Person über die Brücke vorgetäuschter Liebe, sondern durch den Zwang der Masse, wenn die Jungs Krieg spielen. Das Szenario mag an das Hurra erinnern, das die Männer zu Beginn des 1. Weltkriegs schmetterten, weil sie nichts von den Schrecken der Schützengräben erahnen konnten und das sie alsbald einholte. Am Ende steht einfach erzählt in Wort und Bild nur die Erinnerung an den toten Freund, der wegen nichts starb.
Die Reisen ins Innere nehmen den Leser grafisch äußerst anschaulich in Kleine Schwester oder Auf Kiel mit.
Harte, schnelle, breite Striche, mitunter grau weich aquarelliert ziehen den Leser in einen geistigen Alptraum voller Freaks, die den Fluchtweg abschneiden. Dem gegenüber stehen Bilder, einfach, leicht und offen mit Rot als Kontrastfarbe in einer schlichten (und wahren) Einsicht über erfüllte Sehnsüchte. Was wird, wenn die Reise vorüber, das Ziel erreicht ist?
Nägel im Kopf gehört erzählerisch wie optisch zu den drastischsten Episoden dieses Bandes. Ganzseitige Bilder, mit einer sehr feinen Schraffurtechnik ausgeführt, zeigen Angst. Keine bestimmte Angst, sondern die Angst, die zu einem Ringelreihen mit sich selbst führt, keinen Ausweg mehr lässt und den Menschen in eine monströse und einsame Kreatur verwandelt.
Nichts für dunkle Tage oder ein frustriertes Gemüt. Bilder und Texte von inneren Abgründen, sehr aufrichtig, mitunter auch drastisch, manchmal geheimnisvoll und mehrdeutig. Ein gelungenes Experiment, das zeigt, wie Lyrics und grafische Kunst zueinander finden können.
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Dienstag, 22. April 2008
Wer ist der Mann im Hintergrund? Wer wagt es, Regierungen zu erpressen? Wer ist derjenige, der sich selbst Gelber Schatten nennt? Für Bob Morane wird die Antwort auf diese Frage bald überlebensnotwendig.
Es beginnt mit einem Mann auf einer Parkbank. Auf den ersten Blick scheint er zu schlafen. Die Polizisten, die ihn zu wecken versuchen, entdecken nicht nur seine scheinbare Leblosigkeit, sondern auch ein merkwürdiges Zeichen auf seiner Stirn. Der beiliegende Drohbrief wurde durch den Erpresser mit Der gelbe Schatten unterschrieben.
Bob Morane erinnert sich. Vor geraumer Zeit rettete er einem Mann namens Ming das Leben, indem er einen Armstumpf behandelte und den Fremden so vor dem Verbluten bewahrte. Die Nachforschungen gestalten sich schwierig. Gedungene Mörder, die Dacoiten, sind ihnen, Bob und seinem Freund Bill, immer wieder dicht auf den Fersen. Aber schließlich offenbart sich der Mann im Hintergrund, sicher darüber, immer einen Schritt voraus zu sein.
Das Verbrechergenie! Der wahnsinnige Mörder. Edgar Wallace kannte sie, Ian Fleming ließ sie erst recht gegen Mr. Bond antreten. Fantomas, Goldfinger, Dr. Mabuse und viele andere – Der Gelbe Schatten befindet sich in guter Gesellschaft. Allerdings dienen seine Motive nicht der persönlichen Bereicherung, jedenfalls nicht nur. Vordergründig hat der Gelbe Schatten das Wohl einer besseren Welt im Sinn. Leider geht er dafür über Leichen.
Zwei, die sich ihm in den Weg stellen, sind Bob Morane und sein Freund Bill Ballantine. Dieses Unterfangen ist jedoch alles andere als leicht. Denn ihr Gegner versteht es immer wieder, andere nach vorne zu schicken, an den Strippen zu ziehen, so dass es mitunter dauert, bevor Bob und Bill überhaupt sicher sein können, es mit dem Gelben Schatten zu tun zu haben.
Henri Vernes tanzt in diesen Augenblicken auf der Spannungsklaviatur meisterlich und spannt die Nerven des Lesers bis zur Elastizität von Drahtseilen an.
Das beste Beispiel für diese meisterliche Erzählweise ist die Geschichte um Bill Ballantines privaten Rachefeldzug gegen den Gelben Schatten.
Ballantine lässt sich auf ein aussichtsloses Unterfangen ein. Da er seinen Freund Bob tot glaubt, reist er allein nach Birma und macht sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Verbrecher hinter dem seltsamen Pseudonym.
Vernes lässt den guten Bill mit dem Kopf durch die Wand gehen, einiges einstecken und auch viel Glück haben. Es ist erfrischend und mutig von Vernes, dass er eine Geschichte fast ohne Bob Morane bestreitet und den Sidekick an die vorderste Front schickt.
Coria löst hier Vance als Zeichner ab. Stilistisch liegen die beiden Künstler nahe beieinander. Corias Figuren wirken jedoch etwas weicher, nicht so kantig und hart.
Corias Bilder wirken am besten mit Hintergründen, von denen es reichlich gibt dank vielfältiger Schauplätze, die ein Markenzeichen dieser Comic-Reihe sind. Somit reiht sich Bob Morane nahtlos in andere internationale Thriller-Serien ein. London im Regen, Hinterhöfe, das strahlende Paris, die Dschungel von Birma, Kämpfe in düsteren Gassen, Explosionen und Verfolgungsjagden durch finstere Tunnel, gehetzt von kleinwüchsigen Eingeborenen mit Giftpfeilen. Die Auswahl der Situationen ist vielfältig. Vernes Erfindungsreichtum stellt Coria vor immer neue Herausforderungen.
Das phantastische Element, auch ein Merkmal von Vernes Erzählungen, fehlt auch hier nicht, ist aber auch nicht so offensichtlich eingesetzt – obwohl der Gelbe Schatten alle Merkmale eines Superverbrechers trägt.
Einer der kuriosesten Gegenstände ist eine mechanische Hand, eine Art monströses eiskalten Händchen. Mit dieser Hand hat Bob Morane kein leichtes Spiel. Sie dient hier als Indiz für die unerschöpfliche kriminelle Energie, mit der Ming, der Gelbe Schatten, zu Werke geht.
Absolute spannungsgeladene Kurzweil rund um den Globus. Endlich hat Bill Ballantine, Bobs Freund, seinen sehr gelungenen Solo-Auftritt. Wer Abenteuer und Thriller in bester Inszenierung sucht, findet hier die richtige Unterhaltung. 🙂
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Sonntag, 20. April 2008
Der Soldat der Zukunft geht oder hüpft auf vier Pfoten. Er ist absolut gehorsam und ist streng auf unterschiedliche Einsatzbereiche gedrillt. Der Soldat der Zukunft ist nicht freiwillig in die Armee eingetreten, aber er versieht seinen Dienst ohne zu fragen. Doch wenn man ihn demobilisieren will, verweigert er den Befehl – aus reinem Überlebensinstinkt.
Nachdem 1, 2 und 3 erfolgreich ihren Kampfwert im Einsatz gegen Westentaschendiktatoren unter Beweis gestellt haben, sollen sie nun in dem Ruhestand überführt werden. Im Klartext heißt das: Getötet.
Die Geschichte von Grant Morrison ist starker Tobak. Möglicherweise inspiriert von allerlei Verschwörungstheorien, die in den USA kursieren wie auch den technischen Entwicklungen und vorausschauenden Ideen, schickt Morrison ein ungewöhnliches Trio auf das Schlachtfeld der Gegenwart und erzählt eine neue Variante von Die Hunde sind los.
Hier wie dort sind Tiere auf der Flucht. Hier wie dort wurden sie benutzt und hier wie dort wollen sie einfach nur nach Hause. Bei Morrison waren sie einmal einfache Haustiere, nun sind sie Killermaschinen, so genannte Biorgs.
Bandit (der Hund), Tinker (die Katze) und Pirate (das Kaninchen) sind entlaufene Tiere. Hierbei handelt es sich wohl um den einzigen Denkfehler, den Morrison begeht. Warum sollte eine streng geheime Forschungseinrichtung entlaufene (oder eingefangene) Tiere zu Versuchszwecken verwenden und damit unnötig Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn es bei Etats in Millionenhöhe die Tiere speziell züchten könnte?
Allerdings wird dies auch gleichzeitig zum Motivator für die Tiere. Sie hatten ein Heim und wollen es zurück haben, wollen dorthin, wo sie sich einmal wohl fühlten.
Bestürzend, beunruhigend … wird The Atlanta Journal Constitution zitiert. Das lässt sich unterstreichen. Wenn Haustiere zu Waffen werden, wenn aus einem ehemals friedlichen Kaninchen ein Bombenleger wird, dann handelt es sich auch wirklich um eine (Zitat) provokante Erzählung. Aber wie die Los Angeles City Beat zitiert wird: WE3 hat alle Elemente eines Blockbusters. – Blockbuster sind nur ganz selten mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen und angesichts der Brutalität dieser Erzählung würde es darauf hinauslaufen.
Frank Quitely (All Star Superman) zeichnet die Gewalt und ihre Auswüchse, die Experimente, den Auftrag zu Beginn wie auch während der Flucht mit allen notwendigen Details. Das ist manchmal des Guten zuviel und mitunter überflüssig. Ein Kaninchen zur Kampfmaschine zu machen ist Aussage genug. So manche Ansicht von Blutspritzern, -fontänen und Gedärm ist da überflüssig und schmälert die insgesamt verdammt gute Geschichte.
Das Design der Biorgs sieht einmal völlig anders aus als die sonstigen Kampfmaschinen, die einem Leser oder Zuschauer in Science Fiction Thrillern begegnen mögen. Wie aufgeplatzte Eierschalen in beruhigenden Farben wirken die Körperpanzer dieser ehemaligen Haustiere, verniedlichen eher, als bedrohlich zu wirken.
Gegensätzliche Charaktere bei den Forschern werden auf zwei Arten dargestellt. Die Ärztin, die für das Training der Tiere verantwortlich war, lernt der Leser in voller Größe kennen. Der Mann, der die Ratten trainiert, zeigt nie mehr als sein wölfisches Grinsen, ganz besonders dann, wenn irgendeine sadistische Anwandlung ausgelebt werden muss. So gesehen bedient sich die Geschichte auch deutlicher Polarisierungen, das ist aber für eine Geschichte, die nur drei Ausgaben Zeit hatte (hier im Sammelband zusammengefasst), wohl auch notwendig.
Etwas Besseres als den Tod findest du überall.
Es dauert eine ganze Weile, bevor sich das Zitat aus den Bremer Stadtmusikanten auch für die tierischen Helden dieser Geschichte bewahrheiten kann – beinahe jedenfalls. Vorher stehen eine wilde und sehr ungewöhnliche Flucht, einige sehr ungewöhnliche Einfälle, die WE3 zu etwas Neuem machen und grafisch tolle Bilder, nicht zuletzt wegen des für die Farben (und die Reinzeichnung) verantwortlichen Jamie Grant.
Eine immer im perfekten Tempo erzählte Geschichte von Morrison, abgerundet durch tolles Design und sehr aussagekräftige Zeichnungen von Quitely plus einem für Comics ungewöhnlichen Thema lassen WE3 aus der Masse der Veröffentlichungen mehr als nur positiv herausragen. 😀
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Samstag, 19. April 2008
Leela, Fry und Bender sollen sparen! Ausgerechnet. Entsprechend groß fällt die Verzweiflung und die Entrüstung der drei Freunde aus. In Wahrheit wartet ein Auftrag auf die drei etwas albernen Abenteuer – ein Abenteuer, das sie Einen Kopf kürzer macht. Mehr oder weniger. Eher etwas mehr als weniger.
Die Flaschenstadt erhält durch ihre Scheiben nicht mehr genug Licht. Deshalb sollen unsere Freunde ein Reinigungsmittel liefern. Die Reise dorthin gestaltet sich wie ein Aufenthalt auf einer riesigen Rutsche. Mit ihrer Ankunft jedoch bricht bald das pure Chaos aus.
Die berühmte Flaschenstadt Kandor, das verkleinerte Städtchen mit den wohl letzten Volksanhörigen Supermans, dürfte wohl auch eine der merkwürdigsten Ideen um Superman sein, die sich jemals ein Autor ausgedacht hat – sieht man einmal von Bizarro oder Mxyzptlk ab.
Keine Frage, dass sich die Macher von Futurama dieser Flasche mit Stadt darin einmal annehmen würden.
Dieser Band ist ein gutes Beispiel dafür, wie merkwürdig so manche Science Fiction-Idee ist, wenn es nicht viel braucht, um diese durch den sprichwörtlichen Kakao zu ziehen. Der inzwischen berühmte Klassiker Flucht ins 23. Jahrhundert (Original: Logan’s Run) mit Michael York, Jenny Agutter und Peter Ustinov passt in die merkwürdigen Utopien der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Und er passt in die glitzernd kitschigen Ansichten, die man in jenen Tagen von der Zukunft hatte. Mit 30 hat man den letzten Gang anzutreten – von dem jeder glaubt, es handele sich um einen Weg zur Wiedergeburt. Das Leben findet unter einer Kuppel statt, kein Wunder also, dass Ian Boothby, der Autor, auf die Idee kam, Flaschenstadt und Flucht miteinander zu vermischen.
Die Riten in der Flaschenstadt entsprechen genau jenem Filmklassiker. Nachdem Leela, Fry und Bender dies aufgeklärt haben, geht es alsbald drunter und drüber. Polizisten, durch Judge Dredd inspiriert, sorgen für Ordnung – naja, beinahe jedenfalls. Ein rosafarbener Elefant namens Horton hört ein Hilfe aus der Flaschenstadt und unsere drei Helden sehen sich wenig später einer Welt gegenüber, in der alles irgendwie viel größer ist – wie in dem Film Die unglaubliche Geschichte des Mr. C von Jack Arnold. Dieser Hinweis bleibt in den Erklärungen, die sich zu den Hintergründen der Handlung immer in den Comics finden allerdings aus. Vielleicht liegt es daran, dass der jugendliche Leser wohl nichts mit dem Original anzufangen wüsste, ist es doch von 1957 und außerdem noch in schwarzweiß gedreht.
Vom Kampf gegen Flöhe (Mr. C trat gegen eine Spinne an) geht es weiter per Greyhound. In diesem Fall ist nicht die amerikanische Buslinie gemeint, sondern tatsächlich ein entsprechender Hund.
Anspielungen gibt es eine ganze Reihe, manchmal auch sehr versteckt, so dass der Leser zweimal hinschauen muss.
Am Ende dieser von Mike Kazaleh versiert gezeichneten Episode steht gar eine Kriegserklärung und die Suche nach einer neuen Heimat für die Bewohner der Flaschenstadt. Aber wo mag eine ganze Stadtbevölkerung unterzubringen sein? Bei den Immobilienpreisen heutzu… in der Zukunft natürlich.
Ein Haufen Gags am laufenden Band. Am meisten dürften diesmal aber jene davon haben, die besagte Filme gesehen haben und die ganzen Anspielungen einordnen können. 🙂
Freitag, 18. April 2008
Eine geheime Absprache. Der Auftraggeber bleibt im Zwielicht sitzen. Sein Name ist Mr. Brown. Mr. Haynes ist dem Auftrag nicht abgeneigt. Schon gar nicht, wenn 500.000 Pfund Sterling als Entlohnung winken.
Kurze Zeit später in Venedig. Es ist Mitte September und ein Mann wird in der Nacht durch die engen Gassen gejagt. Schließlich sieht er für sich keine andere Chance, als die Kanäle schwimmend zu durchqueren. Doch mit der Hartnäckigkeit der Verfolger hat er nicht gerechnet. Ohne eine Ahnung der Geschehnisse zu haben, die bald einen spürbaren Einfluss auf seine Leben nehmen werden, vertreibt sich Largo Winch derweil die Zeit in Paris.
Der Liebe wegen. Natürlich. Was sonst? Largo war schon immer ein Hans Dampf in allen Gassen, mit und ohne Geld. Allerdings ist die junge Frau, Charity, an seiner Seite nicht an einem Milliardär interessiert. Wenn das Geld ruft, ist für Unbeschwertheit kein Platz mehr im Leben. Schweren Herzens lässt sie Largo ziehen. Bei ihrer Freundin in Venedig findet sie eher die Sorglosigkeit einer Beziehung, wie sie sich es wünscht. Dort wartet aber auch die Gefahr – wie gut, dass Largo Winch mit all seinem Geld noch nützlich für sie sein kann. Andernfalls könnte es ihm kaum gelingen, so schnell zur Stelle zu sein.
Ah, Venedig! Schon Indiana Jones konnte der magischen Anziehung der alten Lagunenstadt nicht widerstehen.
Venedig sehen … ist der Auftakt eines Zweiteilers aus dem Leben des jungen Milliardärs, der wieder einmal von seiner Vergangenheit eingeholt wird. So mancher Leser wird diesen Spruch kennen. Entgegen der Annahme, es könnte erst im zweiten Teil mit dem Titel … und sterben gestorben werden, sieht sich der Leser schnell (positiv) getäuscht.
Jean van Hamme beginnt rätselhaft und steigt sogleich auf Action um. Aus einem konspirativen Treffen erfolgt ein Schwenk auf das nächtliche Venedig, der Dank Zeichner Philippe Francq auch hervorragend gelingt.
Van Hamme und Francq arbeiten mit zwei sehr schönen Erzählertricks in diesem Band. Der eine trägt die Überschrift Kulisse, der andere lautet Nebencharaktere. Venedig, Paris und New York ergeben wunderbare Gegensätze. Die kahlen Büroräume und die Straßenschluchten der amerikanischen Millionenstadt stehen im krassen Gegensatz zur klassischen Architektur mit all ihrer feinen Facetten.
In beiden Städten wimmelt plötzlich die Action, für New York nicht ungewohnt, für Venedig schon eher. Der Kontrast zwischen der Gemächlichkeit der Gondelfahrten und rasanter Verfolgungsjagden funktionierte bereits im James Bond-Abenteuer Moonraker und in diesem Largo Winch-Abenteuer geht es nicht weniger spannend zu.
Zu Lande, zu Wasser und in der Luft – Van Hamme weiß nicht nur, was seine Leser wünschen, er weiß diese Effekte auch mit bester Effizienz einzusetzen. So wird der Markusplatz zum Schauplatz einer Entführung per Hubschrauber, fliegt den Cops in New York ein Rasenmäher auf das Autodach, bevor eine der ungewöhnlichsten Todesszenen zu sehen ist, die es wohl jemals in einem Krimi oder Thriller- Abenteuer zu sehen gab.
Francq nutzt die Kulissen zum Einsatz verschiedener Figuren, die dem Hauptcharakter, Largo Winch, diesmal ein wenig den Rang ablaufen – das ist jedoch kein Nachteil, denn ein guter Hauptdarsteller kann nur sein Bestes geben, wenn das Umfeld stimmt.
Hier greifen ihm Domenica Leone und Brenda Cavanaugh unter die Arme. Diese beiden Frauen könnten äußerlich kaum gegensätzlicher sein. Erstere ist eine Italienerin, künstlerisch ausdrucksstark, leidenschaftlich und schön. Letztere ist Amerikanerin, etwas übergewichtig, Sekretärin – aber in beiden Fällen handelt es sich um sehr starke Frauen, die viel für das, was sie für richtig halten, riskieren. Domenica handelt aus Überzeugung, aus der Erfahrung ihres bisherigen Lebens heraus, Brenda handelt aus der Not heraus. Brenda liefert den Mitleidsfaktor, mit ihr bangt man, während man Domenica alles sofort zutraut.
Ebenfalls nicht unwichtig ist Largos neuer Butler Tyler. Einerseits ist sein Auftauchen für Largo eine Überraschung, andererseits sorgt er für eine Prise Humor, die allein seiner englischen Haltung entspringt. Mit seinem energischen Engagement sorgt er für eine sehr unerwartete Überraschung auf Seiten des Lesers.
Eine technisch sehr schöne Umsetzung von Philippe Francq mit sehr vielen Sehenswürdigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes. Dank der gut gewählten Schauplätze und der diesmal herausragend guten Nebencharaktere ein richtiges Spitzenabenteuer um Largo Winch.
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