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Comic Blog


Freitag, 03. Januar 2020

MILES MORALES: SPIDER-MAN 1

Filed under: Superhelden — Michael um 18:29

MILES MORALES: SPIDER-MAN 1, TAGEBUCH EINES JUNGEN HELDENEin jugendlicher SUPERHELD hat es alles andere als leicht. Der Alltag eines Schülers ist schon streßig. Schlägt man sich dann noch die Nächte um die Ohren, um irgendwelchen Ganoven SUPERSCHURKEN die Flötentöne beizubringen, stellt sich irgendwann, meist sehr schnell, ein ziemlicher Erschöpfungszustand ein. SPIDER-MAN alias PETER PARKER konnte ein Lied davon singen. Und bei MILES MORALES, ebenfalls ein SPIDER-MAN, sieht es nicht besser aus. Außerdem, da lange nicht so erfahren wie die übrigen SUEPERHELDEN, sammelt der Junge täglich neue Eindrücke, die irgendwie verarbeitet werden wollen. Zeit für ein TAGEBUCH!

Eigentlich als Schulprojekt gedacht, eröffnet sich für MILES MORALES so eine Möglichkeit, seine neuesten Erfahrungen zu verarbeiten. Zwar werden diese Gedanken (auch ein Teil des Schulprojekts) niemals von einem anderen Menschen gelesen werden, aber immerhin kann er sich so alles einmal von der Seele schreiben. Und das ist nicht eben wenig.

RHINO, eine KINDERARMEE, CAPTAIN AMERICA, STARLING, TOMBSTONE sind ein paar Begegnungen, mit denen sich MILES MORALES alias SPIDER-MAN herumschlagen muss. Und natürlich LYLE DUTCHER nicht zu vergessen. Der KONREKTOR hat es ebenso auf MILES MORALES abgesehen. Schüler, die zu spät und übermüdet in der Schule erscheinen, sind für den Pädagogen ein rotes Tuch. Hier mag sich Autor SALADIN AHMED ein wenig an die Filmlegende FERRIS BUELLER erinnert haben (auch diesem Schüler hing ständig eine schulische Nemesis im Nacken). Aber SCHULE ist SCHULE und SUPERSCHUKREN sind SUPERSCHURKEN.

Bei letzteren hat sich SALADIN AHMED ein ungewöhnliches MARVEL TEAM-UP einfallen lassen. RHINO kämpft an der Seite von SPIDER-MAN. Das würfelt nicht nur sehr verschiedene Fähigkeiten zusammen, es mischt auch zwei sehr unterschiedliche Generationen. Das äußert sich nicht nur in den Ausdrucksweisen der beiden. Binnen kurzer Zeit wird das Duo auch noch zum Trio um CAPTAIN AMERICA komplettiert. Kling zuerst schräg, funktioniert aber sehr gut.

MILES MORALES setzt als SPIDER-MAN einen neuen Startpunkt. PETER PARKER ist mit den Jahren an Erfahrung gealtert, längst aus der Schule heraus, arbeitete als Lehrer, wurde von DR. OCTOPUS ersetzt und erlebte vieles mehr. Mit MILES MORALES konnte noch einmal bei Null angefangen werden, in einem neuen Jahrtausend und den Erfahrungen, die Jugendliche in diesem Jahrtausend (den ersten beiden Jahrzehnten) nun einmal machen. Das ist, stellt man Vergleiche an mit jenen Zeiten, als SPIDER-MAN noch von JOHN ROMITA (Senior) gezeichnet wurde, nicht mehr ganz so bierernst wie damals. Durch Zeichner (und Tuscher) JAVIER GARRÓN wird dies umso deutlicher.

Der Comic-Künstler zeichnet sehr gut, sehr sauber, aber auch verspielter und rückt damit mehr in die Nähe eines Künstlers wie ED MCGUINNESS, der ebenfalls im MARVEL-UNIVERSUM als Zeichner unterwegs ist, hierzulande aber bekannter für seine Arbeiten für SUPERMAN, BATMAN und Konsorten sein dürfte. JAVIER GARRÓN kommt eine spezielle Aufgabe zu. Während sich viele Zeichner auf besondere Ereignisse auf den Superheldenschlachtfeldern, im Weltall oder an anderen ungewöhnlichen Orten konzentrieren können, darf JAVIER GARRÓN, wie bei SPIDER-MAN zu erwarten, auch die private Seite eines Superhelden abdecken. Und das bedeutet: SCHULE. Unterricht, Freunde, Rivalen, Liebe, Lehrer. Das volle Paket also. Die private Seite tritt selbstredend etwas kürzer als die nächtlichen Abenteuer des vornehmlich schwarz gewandeten SPIDER-MAN. Die Leser sollen schließlich keine Comic-Folgen von BEVERLY HILLS 90210 vorgesetzt bekommen.

Es hat Drama, wie nicht anders zu erwarten ist, wenn Kinder entführt werden. Es hat Witz, durch das Zusammentreffen von RHINO und SPIDER-MAN sehr schön umgesetzt. Es hat Action satt, nicht zuletzt durch Feinde wie TOMBSTONE, der nun mal gar keiner ist, der Gefangene macht. Es hat neue interessante Figuren wie STARLING, die wie eine junge, frische Version des VULTURE daher kommt, so dass SPIDER-MAN seine eigenen Erfahrungen mit einem Geflügelgegner machen darf. Es hat einen starken Autoren wie SALADIN AHMED und einen nicht minder tollen Illustratoren wie JAVIER GARRÓN, dessen Arbeit durch einen Koloristen wie DAVID CURIEL regelrecht geadelt wird. Top! 🙂

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Sonntag, 15. Dezember 2019

DER PLANET DER SUPERMEN

Filed under: Superhelden — Michael um 18:59

DER PLANET DER SUPERMENWer sind die drei SUPERMEN, die plötzlich auf der Erde auftauchen, offenkundig mit einem Raumschiff angereist? Zunächst bleibt ihre Ankunft rätselhaft, doch sie sind nicht feindselig, sondern geben sich eher als Hilfstruppen SUPERMANS, denn selbst der schnellste Superheld kann nicht an jedem Brennpunkt auf der Erde zur selben Zeit sein. Außerdem gibt es da noch ein anderes Problem, weniger terrestrisch, als vielmehr extraterrestrisch, auf dem Planeten NIBIRU, wo die ehemaligen KANDORIANER NEW KRYPTON gegründet haben. Kaum bauten sie ihr Paradies, griff der Feind in Gestalt von APOKOLIPS an…

NEAL ADAMS, ein Urgestein des amerikanischen Superheldencomics, gibt sich mit DER PLANET DER SUPERMEN einmal mehr die Ehre. Der Zeichner, Jahrgang 1941, kann auf eine lange Karriere zurückblicken. Maßgeblich mitgeprägt haben seine Arbeiten das DC-Universum. Sein BATMAN ist auch heute noch eine gern gelesene Legende. Gemeinsam mit TONY BEDARD hat er DER PLANET DER SUPERMEN geschrieben. TONY BEDARD fiel hierzulande mit seinen Arbeiten zu CROSSGEN auf (NEGATION). Comics sind manchmal auch Familiensache, deshalb ist ein Sohn von NEAL ADAMS, JOSH, als Tuscher dabei.

Der Zeichenstil von NEAL ADAMS wird gerne als dynmisch bezeichnet. Man könnte noch die Attribute kraftvoll, theatralisch hinzufügen. Er lässt SUPERMAN teilweise wie auf einer Bühne agieren. Nicht nur der Held posiert. Freunde und Feinde erhalten jeweils einen ordentlichen Auftritt. Letztere gehören hier zu den ganz großen Gegnern. Einerseits LEX LUTHOR, andererseits DARKSEID von APOKOLIPS. Diese abgründige Gesellschaft setzt nicht auf Raumschiffe zur Fortbewegung, sondern benutzt für längere Strecken SCHALLRÖHREN, dem BEAMEN recht verwandt, mit dem Unterschied, dass gleich ganze Armeen in einem Rutsch durch diese TUNNEL geschickt werden können. Für NEAL ADAMS bedeutet das, die Angreifer wie nach dem Aufziehen eines Theatervorhangs in Stellung bringen zu können.

Unverkennbarer Stil: NEAL ADAMS. Der Künstler ist sehr lange im Geschäft, und er kann es noch. Heutzutage gibt es eine neue Generation, die sehr fein arbeitet. MIKE MGNOLA war so jemand, als er noch DC-Abenteuer mit der JUSTICE LEAGUE zeichnete. Jünger noch im Geschäft, gehört ein JIM CHEUNG ebenfalls dazu (machte in diesem Jahr hier mit dem Neustart der JUSTICE LEAGUE auf sich aufmerksam). Dagegen ist NEAL ADAMS gröber, es wird organischer getuscht, mit waghalsigem Strich, weniger, wie bei den genannten Künstlern, mit einem Fineliner. NEAL ADAMS beansprucht die Seiten großflächig, mit einzelnen Bildern, halbseitig, meist mit 3-5 Bildern. Das funktioniert, wenn man künstlerisch an der Story beteiligt ist. In jedem Fall fliegt einem optisch die ACTION gut um die Ohren und SUPERMAN wird optimal in Szene gesetzt.

Der FAN des SUPERMAN-Universums, genauer der Ganoven von APOKOLIPS, kann sich auf das Wiedersehen mit einer Reihe von bekannten Gesichtern freuen. Als die JUSTICE LEAGUE hierzulande noch GERECHTIGKEITSLIGA hieß, kam es zu einer der frühen Konfrontationen mit diesen Schurken. Bereits damals lernte der Leser hier ORION DEN JÄGER kennen, DARKSEIDS Sohn, der dank seiner Erziehung bei den NEW GODS aber zu einem guten Charakter heranwuchs. Bei Figuren wie KALIBAK oder GRANNY GOODNESS ist allerdings Hopfen und Malz verloren. Waren böse, bleiben böse!

TONY BEDARD und NEAL ADAMS haben eine Geschichte zu Papier gebracht, in der es richtiggehend kracht. Da wird einiges vorausgesetzt, klar! LEX LUTHOR, Erzfeind von SUPERMAN? Doch, sollte man wissen. DARKSEID, der übermächtige Tyrann eines Planeten, der eher als Kreuzung aus Abfallentsorgung und radioaktiver Mülldeponie daher kommt? Sollte man kennen. Es gibt keine gesonderte Einführung in die Hintergründe. Die Verbindung von LOIS LANE zu SUPERMAN? Wer das nicht weiß, der hat, auch was das Pantoffelkino anbelangt, jahrzehntelang hinter dem Mond gelebt. Aber sitzt das Grundwissen gibt es nur noch ein wenig von KANDOR aufzusatteln, jenen Kryptoniern, die lange Zeit in besagter Flaschenstadt in der FESTUNG DER EINSAMKEIT in ziemlicher Sicherheit zubrachten und nun einen richtigen Planeten bevölkern, der von APOKOLIPS fortwährend angegriffen wird.

Wer nun glaubt, dann gäbe es gar nichts mehr zu entdecken, der täuscht sich gewaltig. Denn TONY BEDARD und NEAL ADAMS haben sich einen schönen Clou des Abenteuers einfallen lassen. Hier wird ein neues Licht auf die Verhältnisse der ERDE, NEW GENESIS (der Heimat der NEW GODS) und APOKOLIPS geworfen.

Wer kann, der kann! Das trifft auf NEAL ADAMS zu, der hier ein abgefahrenes Meisterstück abliefert. Einfach im guten Geist der 1970er, 1980er Jahre, vor dem Wandel der Comics zu mehr Ernsthaftigkeit. Hier verteidigt SUPERMAN ganze Welten, liefert eine tolle ONE-MAN-SHOW mit einprägsamen Bildern, freakigen Schurken, klassischem Artwork. Top! Nicht nur für NEAL ADAMS FANS! 🙂

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Donnerstag, 05. Dezember 2019

WAYNE SHELTON Gesamtausgabe 3

Filed under: Thriller — Michael um 18:20

WAYNE SHLETON Gesamtausgabe 3HONESTY GOODNESS erhält einen ungewöhnlichen Auftrag. Zwei Gesandte des GROSSHERZOGTUMS WÜRTENHEIM stellen sich ihr kurz nach einem ihrer Bühnenauftritte vor. Ihr Anliegen ist einfach, aber nicht alltäglich. HONESTY will diese Aufgabe nicht ohne Rückversicherung bewältigen und kontaktiert ihren alten Freund WAYNE SHELTON in NEW YORK. Der ist knapp bei Kasse und, ganz ehrlich, wenn HONESTY ruft, ist er immer zur Stelle. Kurz darauf sitzt er im Flieger nach BRÜSSEL, mitten hinein in ein intrigenreiches Abenteuer.

Aber zuvor: WAYNE SHELTON auf den Spuren von INDIANA JONES. Letzterer jagte die BUNDESLADE und den HEILIGEN GRAL. Ersterer wird zum Beschützer der HEILIGEN LANZE. Drei Abenteuer sind in der 3 Gesamtausgabe der Reihe vertreten. Die Doppelfolge zu Beginn, geschrieben von THIERRY CAILLETEAU, betitelt mit DIE HEILIGE LANZE und DIE NACHT DER ADLER lässt den Mystik-Fan schon erahnen, wohin die Reise geht. Neben der BUNDESLADE, dem HEILIGEN GRAL und dem TURINER GRABTUCH gehört die HEILIGE LANZE wohl zu DEN christlichen Artefakten, um die gehörig Wind veranstaltet wird.

Kurz zur Erläuterung: Gemäß der biblischen Legende soll die HEILIGE LANZE JESUS CHRISTUS am KREUZ von einem RÖMER in den Körper gebohrt worden sein. Auf diese Weise, und durch das an der Lanze befindliche Blut des ERLÖSERS, werden der antiken Waffe nun Kräfte nachgesagt, die, im günstigsten Fall, dazu verwendet werden können, die Auferstehung eines Normalsterblichen auf den Weg zu bringen.

So weit, so magisch, so wundertätig. WAYNE SHELTON kommt eher zufällig mit dieser Materie in Berührung. Ein alter Freund, ROCH, ein ehemaliger Frauenheld, meldet sich und benötigt die Hilfe des immer noch als Söldner arbeitenden WAYNE SHELTON. Aber ROCH ist nicht mehr der alte, denn er hat seinem früheren Leben abgeschworen und ist Mönch geworden. Sein Orden hat sich dem Schutz des Artefakts, der HEILIGEN LANZE, verschrieben, jedenfalls bis zu jenem Tag, als eine faschistische Gruppe die Klinge in ihren Besitz bringen will.

WAYNE SHELTON bedeutet ACTION und einen interessanten, spannenden, teils amüsanten Umgang mit seinen Figuren. THIERRY CAILLETEAU legt großen Wert auf die Spannung, kann aber auch ein paar kleine Witze einstreuen. Ein amerikanischer Soldat, der wegen einer Detonation nicht mehr richtig hören kann. Ein WAYNE SHELTON, der in einer Standardsituation plötzlich eine Absage erhält und daraus mit leicht angeknackstem Ego hervorgeht. Wer hätte das gedacht? Am allerwenigsten jedenfalls der Held selbst. ARGENTINIEN wird zum Schauplatz eines Showdowns, der sich gewaschen hat und, wie WAYNE SHELTON selbst feststellt, an einem Ort stattfindet, der in dieser Umgebung höchst seltsam anmutet.

Wer Comic-Thriller mag, kennt die gängigen Serienhelden und WAYNE SHELTON reserviert sich hiermit einmal mehr einen Platz auf dem Dreiertreppchen. THIERRY CAILLETEAU hat sich für seine Doppelfolge einiges einfallen lassen. Für den Leser bedeutet das eine schöne Zahl toller wie auch skurriler Kulissen, ein paar Rückblenden in die historische Vergangenheit (rein fiktiv selbstverständlich) und einer klasse durchgeplanten Handlung, die in eine Jagd von der einen Seite des Globus auf die andere mündet.

Illustrator CHRISTIAN DENAYER steht mit seiner Technik für puren Realismus. Schöne Blickwinkel sorgen für ein feines Kintopperlebnis. Bezeichnend hierfür sind nicht unbedingt die Actionmassenszenen, sondern auch die kleineren Ereignisse wie die Eingangssequenz in BUENOS AIRES. Zuerst herrscht noch Urlaubsatmosphäre vor, dann wird daraus ein klassisches Agentenszenario. Darüber hinaus gewinnt man den Eindruck, dass die Schauplätze besonders kontrastreich aufeinander abgestimmt wurden. Hilfreich hierbei sind nicht nur die Illustrationen, sondern ganz ausdrücklich die Kolorierung von BERTRAND DENOULET. Düsternis und feuerrotes Ambiente stehen für Chaos-Action und Weltuntergangsstimmung. Und das ist im Finale der Doppelfolge durchaus wörtlich zu nehmen. Wer allerdings nun annehmen mag, dass blauer Himmel für friedliche Sequenzen steht, wird eines Besseren belehrt. In paradiesischem Licht fliegen die Kugeln genauso gut.

Im Abenteuer IHRE HOHEIT HONESTY kehrt JEAN VAN HAMME als Szenarist zurück. Eine kleine Abkehr von den Weltumrundungen findet statt, denn als Ausgangspunkt des Geschehens wählt JEAN VAN HAMME die Weltstadt des europäischen Comics: BRÜSSEL. Da hat freilich auch das MANNEKEN PIS seinen Auftritt. Die Geschichte ist eindeutig mehr auf die üblichen WAYNE SHELTON Abenteuer zugeschnitten, aber am Ende fast eine kleine Hommage auf DER GEFANGENE VON ZENDA oder eine Passage in DAS GROSSE RENNEN RUND UM DIE WELT. Alles endet schließlich in einem Land von der Größe Liechtensteins. JEAN VAN HAMME führt WAYNE SHELTON nicht in die Weite, eher in einen Trichter, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

Zwei Autoren, ein Held, WAYNE SHELTON. Ein alternder Held außerdem. Nicht nur einmal muss der Söldner sich Kommentare zu seinem Alter gefallen lassen, höchst ungern noch dazu. Dank der Autoren, THIERRY CAILLETEAU und JEAN VAN HAMME, kommt das Abenteuer recht unterschiedlich, sehr spannend, mit einer Reihe von Anspielungen daher. Und durchweg erste Sahne illustriert von CHRISTIAN DENAYER, der es versteht, mit seinem Realismus Thrillerszenen geradezu filmisch zu präsentieren. Ein guter Band auch für Neueinsteiger, denn Vorwissen von vorangegangenen Abenteuern ist nicht erforderlich. 🙂

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Samstag, 23. November 2019

BRUNO BRAZIL – DIE NEUEN ABENTEUER 1

Filed under: Thriller — Michael um 18:12

BRUNO BRAZIL – DIE NEUEN ABENTEUER – BLACK PROGRAM – TEIL 1BRUNO BRAZIL hat es nicht leicht gehabt. Der Agent des KOMMANDO KAIMAN, einer Spezialeinheit, hat eine Reihe von Kollegen im Einsatz verloren, darunter seinen kleinen Bruder Billy. Kein Wunder also, dass sich unter seiner kühlen Miene einiges angestaut hat. Aber die zur Trauerbewältigung begonnene Therapie will keine Abhilfe schaffen. Zu nah ist BRUNO BRAZIL an seinem bisherigen Geschäft, zu sehr zwingen die neuen Ereignisse die alten Erinnerungen und den Schmerz zurück ins Bewusstsein. Denn Menschen aus BRUNO BRAZILS Vergangenheit werden von unidentifizierten Angreifern getötet. BRUNO BRAZIL besinnt sich auf alte Freunde und stellt ein neues Team zusammen.

DIE NEUEN ABENTEUER von BRUNO BRAZIL. GREG als Autor und WILLIAM VANCE als Zeichner waren die Macher der ursprünglichen Serie um den Agenten, der nicht der ganz so glanzvolle und fehlerfreie Agent war wie sein berühmtes britisches Pendant. In der zweiten Hälfte der 1970er endeten bislang die Abenteuer, nicht zuletzt durch die starken Verluste des ersten KOMMANDO KAIMAN bedingt. Nun aber, im Jahre 2019, haben Szenarist LAURENT-FRÉDÉRIC BOLLÉE und Zeichner PHILIPPE AYMOND sich des Kult-Agenten angenommen und die Geschichte fortgeführt. Es wurde nicht modernisiert, sondern wir befinden uns an der Seite von BRUNO BRAZIL weiterhin in den 1970er Jahren.

Gleich das Titelbild gibt uns den Hinweis auf die zeitliche Einordnung. BRUNO BRAZIL steht vor einem MATRA SIMCA BAGHEERA – das ist ein Automobil. Heutzutage muss man diese Zusatzbemerkung bei dieser Marke und diesem besonderen Modell hinzufügen. Damals schon selten, dürfte es heute eine BEGEGNUNG DER DRITTEN ART sein, diesen Sportwagen noch einmal auf der Straße zu sehen. Im Hintergrund findet sich BRUNOS Agentenkollege und Kumpel GAUCHO. Und noch weiter im Hintergrund, groß am nächtlichen Himmel angelegt, der große Unbekannte, der Drahtzieher hinter MORD und ENTFÜHRUNG des vorliegenden ersten Teils des Thrillers BLACK PROGRAM.

Neben den Spannungselementen wird BRUNO BRAZIL zutiefst menschlich von LAURENT-FRÉDÉRIC BOLLÉE präsentiert. Ein Mann, der eben nicht nur ein Agent ist, der sich mit internationalen Verwicklungen und Brutalitäten herumschlägt. Sondern auch ein Ehemann und Familienvater eines Sohnes, der sich in, wie es oft so schön heißt, einem schwierigen Alter befindet. BRUNO BRAZILS familiäre Abwesenheit sorgt kaum für eine Lösung. Aber es bleibt keine Wahl. In den VEREINIGTEN STAATEN und in NEUSEELAND wollen Rätsel gelöst und Helfer rekrutiert werden. LAURENT-FRÉDÉRIC BOLLÉE stellt neben BRUNO BRAZIL ein Team zusammen, das sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Körperliche Verstümmelungen sind äußerliche Kennzeichen von im Kern angeknacksten Charakteren.

PHILIPPE AYMOND hat den Zeichenstift in die Hand und das Erbe von WILLIAM VANCE übernommen. Selbstverständlich war WILLIAM VANCE ein Meister seines Fachs und er hat in verschiedenen Genres brilliert. Aber der 2019er Neustart von PHILIPPE AYMOND gefällt mir besser als das Original. Die Zeichnungen sind differenzierter, Charaktere deutlich unterschiedlicher, trotzdem, im direkten Vergleich, kann PHILIPPE AYMOND kaum leugnen einen Blick auf das Original geworfen zu haben. Die Verwandschaft in der Stilistik ist vorhanden, aber PHILIPPE AYMOND ist weit davon entfernt, WILLIAM VANCE nachahmen zu wollen.

Es ist spannend, wie BRUNO BRAZIL seine Team-Mitglieder findet. Als Leser vermisst man die mehrere Alben umfassende Vorgeschichte der Charaktere nicht. Hier werden allesamt gut vorgestellt, sehr unterschiedlich, aber jeder auf seine Art tough. Gefühle werden gern maskiert, Verletzungen gerne versteckt, was nicht immer möglich ist, wie bei WHIP RAFALE, die querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt. Nur gegenüber BRUNO BRAZIL wird der Schmerz rausgelassen, sozusagen auf Augenhöhe mit jemandem, der mitreden kann. Über ACTION braucht sich der Leser neben der sorgfältigen Charakterskizzierung nicht zu beklagen. Die Anschläge und Katastrophen wachsen stetig und hält sich der GEGENSPIELER auch verborgen, lässt seine Kaltblütigkeit keinen Zweifel an seiner Gefährlichkeit. Diesem Feind ist es gleich, über wie viele Leichen er gehen muss.

BRUNO BRAZIL ist wieder da. Er hat seinen Neustart bravorös geschafft. Die Atmosphäre passt zu den 1970ern. Die Erzählweise greift das Gefühl der originalen Vorlage aus eben jenem Jahrzehnt auf. Aber sie webt geschickt neuere Erzähltechniken und Lesegewohnheiten ein. Unteschiedlichste Schauplätze sorgen für Überraschungen und treiben die Spannung in schönen Bögen stets aufs Neue auf die Spitze. Wer klassische Agententhriller mag, technisch perfekt illustriert, ist bei dem neuen BRUNO BRAZIL bestens aufgehoben. 🙂

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Samstag, 16. November 2019

ISOLA – BAND 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:58

ISOLA - BAND 1CAPTAIN ROOK treibt eine schier unmöglich scheinende Mission voran. Sie will einen TIGER zur geheimnisvollen ISOLA bringen. Doch der Weg führt ausschließlich durch gefährliche Gebiete. Jäger wollen den TIGER zur Strecke bringen. Monster, Kreaturen halb Mensch, halb Tier können das Ende bedeuten. Nahrung und Wasser sind knapp. Visionen täuschen die Reisenden. Und darüber hinaus birgt der TIGER ein Geheimnis, denn die Großkatze ist alles andere als ein Tier. In Wahrheit ist ihr Name OLWYN, und sie ist eine KÖNIGIN.

Zwei sehr unterschiedliche Reisegefährten auf der Flucht in einer Welt, in der sich ein Krieg ankündigt. BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL haben ihr eigenes FANTASY-Reich erschaffen. Diese neue Welt erschließt sich dem Leser nur langsam. Einerseits scheinen sich hier Geheimnisse zu bündeln, andererseits schleppen beide Reisegefährten, CAPTAIN ROOK wie auch KÖNIGIN OLWYN, ihre unausgesprochenen Sünden mit sich herum. Rückblenden und Visionen künden davon, wie das Gewissen der beiden ungleichen Charaktere arbeitet. Die Reise von CAPTAIN ROOK und OLWYN wird jäh unterbrochen, als sich MORO, ein wunderlicher Greis, einmischt und OLWYN auf einen neuen Pfad führt.

Grafisch großes KINO, die Erzählung von asiatischer Rätselhaftigkeit. Wer als Comic-Leser sich ein wenig in Animes umgeschaut hat, wird vielleicht einmal auf PRINZESSIN MONONOKE gestoßen sein. Hier wird der Leser eine der Natur auf ähnliche Weise verbundene Kultur vorfinden. Denn die Natur mit ihren Lichtern, den mystisch zu nennenden Farben, die über den kompletten Handlungsstrang hinweg ein Flair eines durch bunte Fenster erleuchteten Tempels ist ein wichtiger Akteur in ISOLA.

Figürlich finden sich Parallelen zu weiteren Klassikern wie FEUER UND EIS sowie DER HERR DER RINGE von RALPH BAKSHI. Damals wurden die Szenen mit Schauspielern gestellt und später wurden diese für einen vollkommen naturalistischen Effekt überzeichnet. Mit den von KARL KERSCHL gestalteten Charakteren könnte es sich optisch ähnlich verhalten (was aber nicht die Arbeitsweise war). Darüber hinaus ergibt sich durch manche Schattierung nicht nur ein schöner räumlicher Effekt, sondern auch Eindruck, die Bilder entstammten einem Zeichentrickfilm der neueren Generation. Hart am Realismus, ein paar Prozentpunkte weniger, werden sich hier Leser wiederfinden können, die COMICS wie das Steinzeitabenteuer MEZOLITH von ADAM BROCKBANK und BEN HAGGARTY mochten.

KARL KERSCHL hat sich bislang auf dem Gebiet der Superhelden-Comics einen Namen gemacht (SUPERMAN, FLASH, TEEN TITANS). Wer sich dortige Bilder anschaut, findet eine leichte Verwandtschaft zu CORY WALKER (INVINCIBLE). In diesem Band, ISOLA, hat sich KARL KERSCHL grafisch gesteigert, hinzu kommt, dass in der Kolorationszusammenarbeit mit MSASSYK farbliche Meisterwerke entstanden sind. Jede Seite hat Titelbildqualität, ohne Abstriche. Jeder Seitenaufbau (hier und da auch eine Doppelseite) ist auf den Punkt genau nach Stimmung und Dramaturgie durchkomponiert. Die Wirkung wird selbstverständlich immer größer, je mehr uns die von BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL erfundenen Charaktere an sich heranlassen.

Die Verbindung zwischen CAPTAIN ROOK und OLWYN ist zu Beginn seltsam. Auf die üblichen einleitenden Erläuterungen wird verzichtet. Der Leser soll und muss sich vertrauensvoll auf das Geschehen einlassen. In Zeiten, in denen Trailer schon die Handlung ganzer Filme vorweg nehmen, ein Spoiler-Alarm den nächsten ablöst, ist das ungewohnt und verlangt Geduld. Aber, das sei verraten, der Leser sollte diese Geduld aufbringen, denn es lohnt sich. So wartet zum Schluss eine ungewöhnliche Belohnung (die einige Fragen zusätzlich klärt). Zunächst setzen die beiden Erfinder von ISOLA auf Effekte, die den Leser zur Aufmerksamkeit erziehen sollen. CAPTAIN ROOK und OLWYN stoßen auf einen toten Körper (es einfach nur Leiche zu nennen, wäre untertrieben). Das geschieht nach einem recht kurzen, märchenhaften Beginn. Spätestens hier sollte die Faszination für ISOLA beginnen, denn man ahnt nun, dass in ISOLA etwas gewaltig anders ist als in sonstiger MAGIE-UND-SCHWERT-FANTASY.

Mystisch, asiatisch, märchenhaft. Das ist ISOLA. Einflüsse sind sicherlich erkennbar, darüber hinaus begibt sich ISOLA von BRENDEN FLETCHER und KARL KERSCHL auf einen sehr eigenständigen Pfad. ISOLA konzentriert sich sehr auf seine beiden Hauptfiguren und erzählt nur wenig vom großen Ganzen der hier vorliegenden Welt. Es wird also sehr emotional, zwischen Freund und Freund, außerdem zwischen Freund und Feind. Auf geopolitische Eigenarten dieses Fantasy-Universums wird weitestgehend verzichtet. Nur das in dieser Hinsicht für die Handlung absolut Nötigste wird dem Leser mitgeteilt. Genial und technisch perfekt illustriert. Klasse. 🙂

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Oder bei Cross Cult.

Links:

THE ABOMINABLE CHARLES CHRISTOPHER
KARLKERSCHL.COM

FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSEL

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:45

FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSELDie Geschwister JULIAN, DICK und ANNE sollen ihre Ferien bei den KIRRINS, TANTE FANNY und ONKEL QUENTIN verbringen. Außerdem ist da noch GEORGINA, die Tochter der KIRRINS, die es aber überhaupt nicht mag, wie ein Mädchen behandelt zu werden und lieber GEORGE gerufen wird, wie ein Junge eben. Sie ist ein ziemlicher Wildfang und kann eigentlich mit ihren beiden Cousins und der Cousine nicht viel anfangen. Lieber hätte sie die Ferien allein verbracht. Aber die Verwandten sind doch ganz anders als befürchtet. Bald schon ERFORSCHEN die FÜNF FREUNDE mit dem fünften im Bunde, TIMMY dem HUND, die SCHATZINSEL, ein kleines Eiland unweit der Küste.

Die FÜNF FREUNDE sind eines der Phänomene der Jugend- und Kinderliteratur. Über die eigentlichen 21 Bände hinaus, die ENID BLYTON, die Autorin der Romane, geschrieben hat, erschienen noch über 90 Geschichten aus der Feder anderer Autorinnen. NATAËL hat sich den allerersten Roman, das Auftaktabenteuer der FÜNF FREUNDE vorgenommen und dieses für das Medium Comic adaptiert. Er bearbeitete den Originaltext, während sein Sohn BEJÁ die Zeichnungen übernahm. Dabei wurde das Zeitkolorit nicht verlassen. Denn FÜNF FREUNDE ERFORSCHEN DIE SCHATZINSEL wurde 1942 erstmals veröffentlicht.

Vater und Sohn haben bereits häufiger zusammengearbeitet, aber die Szenarien hatten meist einen erwachsenen Charakter. Die Zielgruppe hierbei sind entweder Kinder oder Nostalgiker. Oder eine Mixtur aus beidem. So wie ich. Jedenfalls in mancherlei Hinsicht. Die FÜNF FREUNDE befeuerten ihre Popularität hierzulande gegen Ende der 1970er Jahre mit einer englischen Fernsehserie. Im zweiten Schwung übernahmen die Originalsynchronsprecher der vier Kinder auch die Hauptrollen in einer hierzulande sehr erfolgreichen Hörspielserie der FÜNF FREUNDE (für die Dauer der Folgen, die den Originalabenteuern von ENID BLYTON zugrunde lagen).

Die FÜNF FREUNDE sind in einer Zeit unterwegs, als Kinder sich in ihrer Freizeit in der freien Natur herumtrieben, ohne Mobilfunk, keinen Fernsehnachmittagen oder anderen Segnungen technischen Fortschritts. Hier wird oft kampiert, im Freien oder auf Bauernhöfen übernachtet, gewandert oder mit dem Fahrrad die Gegend erkundet. Eigentlich haben diese Kinder sehr viele Freiheiten. Die FÜNF FREUNDE sind natürlich kindlich, aber auch sehr verantwortungsbewusst. Da fahren sie, so wie hier, schon einmal mit einem Ruderboot auf die offene See zur SCHATZINSEL hinaus, allein und ohne Erwachsenenbegleitung.

BEJÁ zeichnet die berühmte klare Linie, wenngleich die menschlichen Figuren etwas realistischer ausschauen als vielleicht bei einem berühmteren Vertreter dieser Technik wie TIM UND STRUPPI. Die Zeichnungen passen zur dargestellten Zeit, wirken sogar teils als seien sie damals entstanden, also ein schönes organisches Zusammenwirken von Handlung und Bildern. Es gibt Halunken bei den FÜNF FREUNDEN, immer wieder und nicht zu knapp. Hier sind es gleich zwei, deren Auftreten fast schon komödiantisch ist, selbst nach heutigen Maßstäben. PHIL und MIKE haben sich optisch aneinander angeglichen, in Kleidung, Frisur und Auftreten. Heißt, die Bösewichte agieren zielbewusst, sind schon höchst kriminell, aber ihnen wurde, auch optisch ein wenig der Zahn gezogen.

Ein Klassiker in neuer Aufmachung, eng am Original angelehnt. Die Erzählung besitzt ihre nostalgische Spannung, ein Flair der Vergangenheit, auch und besonders durch BEJÁS Zeichnungen. Rätsel werden gelöst, ein Schatz gefunden. Kinder lernen, sich aufeinander zu verlassen. Gauner werden geschnappt. Ein rundum feines Abenteuer für Kinder. Zeitlos gut. 🙂

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Link: deutschlandfunkkultur.de – Zum 50. Todestag von Enid Blyton

Dienstag, 12. November 2019

THE WALKING DEAD 32 – RUHE IN FRIEDEN

Filed under: Horror — Michael um 11:14

THE WALKING DEAD 32 - RUHE IN FRIEDENDWIGHT ist tot. Und RICK GRIMES wird als Retter der GOUVERNEURIN gefeiert. Zu sehr gefeiert, wie manche finden. Denn ein Retter wird in der GEMEINSCHAFT nicht gebraucht. Die GEMEINSCHAFT, beschützt durch eine gepanzerte Polizeitruppe, ist eine von mehreren Gruppen, denen RICKS LEUTE in den vergangenen Jahren begegnet sind. Die Strukturen beschwören eine vergangene Zeit herauf. Mit vielen guten Eigenschaften und ebensolchen schlechten Eigenschaften. Letztere sind es, die das Gefüge ins Wanken bringen. Denn so mancher ist unzufrieden mit einer Führung, die eine elitäre Hierarchie anstrebt. Wird RICK GRIMES als doch noch zum Retter? Oder wird er derjenige sein, der das Pulverfass zur Explosion bringt?

Nach einer Laufzeit von 16 Jahren, 193 Heften in den USA, hierzulande in 32 Hardcover-Bänden zusammengefasst, ist die Comic-Serie THE WALKING DEAD nun zu Ende erzählt. In einem recht emotionalen Beitrag beschreibt Autor ROBERT KIRKMAN, wie es ihm dabei ergangen ist. Und natürlich wächst einem eine Tätigkeit, in der viel Leidenschaft steckt, ans Herz. Entsprechend groß ist die Lücke, wenn diese Arbeit ihren Schlussakkord findet. ROBERT KIRKMAN hat das Kunststück fertig gebracht, Figuren in einer apokalyptischen Welt mit Leben zu füllen. 16 Jahre lang durfte der Leser sie bei ihren Erfahrungen begleiten. Er durfte sehen, wie sie es schafften zu überleben. Er sah, wie sie litten, sich aufrappelten, weitergingen, eine Gemeinschaft schmiedeten.

In 16 Jahren sind viele Charaktere zu entdecken gewesen. Viele dieser Figuren haben es nicht bis zum Schluss geschafft. Aber so mancher erlebt das Finale, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise. RICK GRIMES hat die Geschichte lange Zeit getragen. Mit ihm begann es, einem Unfall während eines Schusswechsels, einem Koma und einem sehr bitteren Erwachen. Bis dahin benötigte ROBERT KIRKMAN lediglich eine einzige Seite zur Einleitung. Später, als die Serie höchst erfolgreich war, ließ sich der Autor mehr Zeit für seine Erzählung. Aber ROBERT KIRKMAN konnte damals kaum ahnen, was aus der Serie einmal werden würde. Ebenso wenig wie Zeichner CHARLIE ADLARD ahnen konnte, dass der Arbeitsdruck einmal so groß werden würde, dass neben CLIFF RATHBURN, dem Verantwortlichen für die Graustufen, auch STEFANO GAUDIANO als Tuscher zum Team stoßen würde.

Der ehemalige COP aus Band 1, mit dem Untertitel GUTE ALTE ZEIT, hat es also in Band 32, mit dem Untertitel RUHE IN FRIEDEN, geschafft. Eine fehlende rechte Hand ist nur einer der Verluste, die diese Figur auf ihrer Reise erdulden, ertragen musste. Aus dem einfachen Polizisten wurde ein Anführer gegen diktatorische Feinde und Psychopathen wie den GOUVERNEUR, NEGAN, die FLÜSTERER. Nun aber das Ende mit einer letzten Konfrontation, der GEMEINSCHAFT, geführt von der GOUVERNEURIN MILTON. Viel Normalität, vieles von der GUTEN ALTEN ZEIT hat sich wieder in den Alltag der Überlebenden eingeschlichen. Und das hat sie unvorsichtig und träge gemacht. Zu träge zu erkennen, dass ein Regime viele Gesichter tragen kann, sogar harmlose und wortgewandte.

Oft wurde RICK GRIMES nicht nur als Anführer, sondern auch als Retter angesehen. Irgendwann sah er sich selbst als solcher, bis er begriff, dass er nicht alle Antworten auf sämtliche Fragen hat. Als nun in der GEMEINSCHAFT ein Konflikt schwelt, ein Aufstand sogar, lehnt er eine Führerschaft ausdrücklich ab. Auch versucht er jegliche Gewalt zu verhindern. Sein Gewissen lastet inzwischen schwer und der alte Weg, Hindernisse, Menschen, einfach aus dem Weg zu räumen, ist ihm unmöglich geworden. Wer als Leser diesen Charakter über 16 Jahre verfolgt hat, kann den Wandel nachvollziehen. Aber ebenso gut den von Figuren wie CARL GRIMES, RICKS SOHN, oder MICHONNE, die zuletzt einige glückliche Momente erleben durfte.

Die Serie darf durchaus unter dem Genre APOKALYPTISCHER WESTERN eingeordnet werden. Als Beleg mag der lange Epilog gelten, der eine Zeit nach den großen Umwälzungen zeigt. Die Vereinigten Staaten beruhigen sich (was andernorts passiert ist, erfährt der Leser nie). Es gibt ein neues politisches System, dem vorhergehenden angelehnt. Eine neue Rechtsprechung sorgt für Ordnung, nicht immer zu jedermanns Freude und ist mit einer Logik behaftet, die vor Jahren (im Sinne der Zeiteinteilung in THE WALKING DEAD) noch nicht funktioniert hätte. Die Zivilisation breitet sich aus und längst ist nicht alles wieder zusammengewachsen. Untote besitzen inzwischen Seltenheitswert. Insbesondere am Beispiel von CARL GRIMES, erwachsen und mit eigener Familie, wird das neue, alte Leben gezeigt, mit kleinen Städten, Farmen, einem Land, das sich ohne menschliche Einflüsse gehörig erholt hat. Die Parallelen zur amerikanischen PIONIERZEIT sind offensichtlich.

Der lange Abschied im letzten Teil von THE WALKING DEAD versöhnt mit dem Ende der Reihe. Für die überlebenden Charaktere geht ein Leidensweg zu Ende. Andere büßen weiterhin ihre Untaten oder sind in gnädige Vergessenheit geraten, so wie zum Beispiel NEGAN. ROBERT KIRKMAN hat eine bombastische Serie hingelegt, höchst erfolgreich als Comic, ebenso als Fernsehserie, die inzwischen ein zweites Spin-off nach FEAR THE WALKING DEAD erhält. Der Nachschub an Untoten geht für die Zuschauer vorerst nicht aus. Und sollte es einen HORROR-FAN geben, der die Comics nicht kennt, vielleicht nur aufs Pantoffelkino gesetzt hat, sollte vielleicht doch zum Comic greifen, denn ROBERT KIRKMAN hat die Comics anders erzählt als die Fernsehserie. Manches ist ähnlich, aber es dürfte für Neuleser viele Überraschungen parat halten. 🙂

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Montag, 23. September 2019

ALPHATIERE – DER MINISTER UND DER SPION

Filed under: Thriller — Michael um 9:31

ALPHATIERE - DER MINISTER UND DER SPIONJACQUES DUFELL war vor 20 Jahren jemand, der sich noch keinen Namen gemacht hatte und sein Leben riskierte, um seine Karriere voranzutreiben. Inmitten der Wirren eines gerade für Europäer höchst gefährlichen BEIRUT würde der EHRGEIZ den noch jungen Abgeordneten JACQUES DUFELL beinahe in den Tod dirigiert haben. Ein weiterer junger Mann, Angehöriger des FRANZÖSISCHEN GEHEIMDIENSTES, CHARLES WEBER, erhält die Gelegenheit, diesem Politiker das Leben zu retten. Und damit nicht genug. Die Wege der beiden Männer werden sich noch öfter kreuzen. Nicht unbedingt zur Freude von CHARLES WEBER.

Es heißt ALPHATIERE und nicht, wie sich angesichts des Titelbildes annehmen ließe, ALPHAMÄNNCHEN, denn ersteres gibt das Tierreich schon lange her. Außerdem hat sich diese Spezies auch bei den Menschen in beiden Geschlechtern weit verbreitet. Deshalb sind die beiden besonders gezeigten Männer auf dem Titelbild des Bandes ALPHATIERE (mit dem Untertitel DER MINISTER UND SEIN SPION) nur zwei eines Trios um nichts weniger als im Ringen um die französische Präsidentschaft.

Zuerst zum Thema: HOCHPOLITIK und INTRIGEN. STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET nehmen sich hier eines Themengebietes an, das seit Jahrzehnten immer so schön aus FRANKREICH hier nach DEUTSCHLAND herüberschwappt. Man hat die Skandale und Skandälchen aus der Ferne mit gewisser Häme beobachten könnten. Deshalb ist man sofort bei den beiden AUTOREN, die hier hinter den KULISSEN DER MACHT einsteigen und sozusagen einen ERMITTLER mitten zwischen die Fronten katapultieren.

In der Politik, besonders im Wahlkampf, geht es um VERNICHTUNG DES GEGNERS. STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET bringen es klar auf den Punkt. Unverschlüsselt äußern sich die Feinde auf dem politischen Parkett. Der Kontrahent darf und soll nie wieder einen Fuß auf den Boden der politischen Bühne bringen. Jemand wie CHARLES WEBER bewegt sich mitten durch diesen Dschungel und droht aufgerieben zu werden. Jede Schwäche wird ausgenutzt, jeder Schritt beobachtet. Selbst vor MORD wird nicht zurückgeschreckt.

Da STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET sehr auf ihre Charaktere eingehen, ihnen Tiefe geben, sie mit einer Vielzahl von Stärken und Schwächen ausstatten, eröffnet sich bald ein dichter Reigen. Und Beziehungen sind der Hauptbestandteil dieser gesammelten Schwächen. Die beiden Autoren haben einen packenden Thriller geschrieben, bei dem es schwer fällt, sich auf eine Seite zu schlagen. Allenfalls begreift man die Notwendigkeiten, die alle antreiben. Wie in moderneren (oder der schmutzigen Sorte und mit zwielichtigen Helden ausgestattet) Thrillern neuerdings gerne gesehen, hat einfach jeder DRECK AM STECKEN.

Der Comic-Künstler JEF, verantwortlich für Zeichnungen und Kolorierung, hat sein Talent in verschiedenen Genres bewiesen (wie z.B. WESTERN oder BIOGRAPHIE), farbig oder rein schwarzweiß. Ein politischer THRILLER ist für seinen akribischen Zeichenstil wie geschaffen. In der französischen Unterhaltung, auf der großen Kinoleinwand tauchen öfters gegen den Strich gebürstete TYPEN auf. JEF gelingt es, solchen TYPEN unverwechselbare Gesichter zu geben. Ist die Figur des CHARLES WEBER noch etwas heldisch glatt, ist der Politiker JACQUES DUFELL (im Zentrum des Titelbildes zu sehen) eine kantige Gestalt, mit einem gelebten Gesicht ausgestattet.

Und GELEBT ist das Stichwort, um JEFs Bilder zu umschreiben. Lebensechte Gesichter werden von ihm mit einer fast dokumentarisch düsteren Farbgebung vermischt. Sonnenlicht, sofern es eine Rolle spielt, ist hier eher fahl zu nennen. Oftmals drängt sich ein grau getöntes Grün in den Vordergrund oder ein aggressiv dunkles Rot unterstreicht die kommende Bedrohung.

ALPHATIERE vereint die beiden Teile DER MINISTER UND DER SPION sowie HOCHVERRAT in einem Band. Der THRILLER, geschrieben von STEPHEN DESBERG und CLAUDE MONIQUET, gezeichnet und koloriert von JEF, zeigt keine auf Hochglanz gestriegelte Geschichte, sondern malt POLITIK und seine Macher als die überaus schmutzige Seite der Gesellschaft. Wer hier das GUTE sucht, ist auf dem völlig falschen Dampfer und als Gewinner kann sich letztlich niemand bezeichnen. Dunkel, realistisch, gemein, Top illustriert. Freunde des modernen THRILLERS: zugreifen! 🙂

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Donnerstag, 12. September 2019

DEIN TOD MEIN KUNSTWERK

Filed under: Thriller — Michael um 10:04

DEIN TOD MEIN KUNSTWERKPHILIPP MARTIN, ein Polizist aus PARIS kehrt einmal mehr nach BARCELONA zurück, in jene Stadt, die ihn einfach nicht loslassen will. Mit ihr verbindet er die Liebe seines Lebens. Die ihn so viel gekostet hat. Sein neuerlicher Besuch verbindet sich nun mit einem Mordfall. Je mehr er sich darin verwickeln lässt, umso persönlicher wird die Angelegenheit. Denn sein Gegner ist einer der gefährlichsten Kriminellen von BARCELONA. Unter der Beobachtung der örtlichen Polizei begibt sich MARTIN an seine eigenen Nachforschungen und erfährt mehr, als ihm eigentlich lieb ist.

PHILIPPE BERTHET ist zurück. In den letzten Jahren hat sich der Comic-Künstler mit der sehr klaren Linie hierzulande mit diversen Veröffentlichungen bekannt gemacht. Vorneweg die Kriegsabenteuer um POISON IVY, später vermehrt mit Einzeltiteln wie PERICO, DEIN VERBRECHEN oder MOTOR CITY, allesamt Geschichten, die in den Genres Krimi und Thriller anzusiedeln sind. So verhält es sich auch mit dem aktuellen Band, DEIN TOD MEIN KUNSTWERK, dessen Format nach den drei genannten Titeln nicht mehr als Buchformat daher kommt, sondern als großformatiges Album.

BARCELONA ist die heimliche Nebendarstellerin der Handlung. Die stark bevölkerte Stadt, die es tatsächlich schafft, immer noch kleine einsame Winkel zu besitzen, während einen Straßenzug weiter schon das Leben mit voller Lautsärke brummt. Autor RAULE thematisiert dieses für diese Großstadt äußerst wichtige Detail in einer schönen Szene, als sich die Hauptfigur PHILIPP MARTIN bereits tief in die Geschichte verstrickt hat. PHILIPPE BERTHET erhält als Zeichner die Gelegenheit, sich einige Standorte innerhalb BARCELONAS stellvertretend als Handlungsschauplätze herauspicken zu können. So auch die SEILBAHN, über die Thrillerfreunde natürlich spätestens seit ALISTAIR MACLEAN (AGENTEN STERBEN EINSAM) und JAMES BOND (MOONRAKER) wissen, dass sich hieraus schöne Action-Szenarien ergeben können.

Gleich das erste Bild zeigt, wie die Geschichte sich dem Leser (wie auch der Hauptfigur) präsentieren wird, nämlich als LABYRINTH. Stellvertretend für das Gesamtwerk haben RAULE und PHILIPPE BERTHET das LABYRINTH VON HORTA als einen der zentralen Plätze der Handlung auserkoren. Die Rätselhaftigkeit wird natürlich noch vom Titelbild gesteigert. Hier finden sich gleich zwei treibende Kräfte der Handlung. Der Bösewicht, über und über tätowiert, und das Opfer, über das es zwar eine Menge Enthüllungen gibt, aber trotzdem bleiben ein paar Rätsel übrig.

Ich behaupte gerne, Geschichten dieser Art seien nur den Franzosen zu eigen. Hier stimmt es nicht, denn Autor RAULE ist Spanier und entstammt aus BARCELONA (damit eigentlich genauer gesagt Katalane). Im Vorwort bekundet er seiner Heimatstadt seine Liebe (die ist im vorliegenden Band unübersehbar) und seinen Respekt vor einem Comic-Altmeister wie PHILIPPE BERTHET. Diesem schreibt er ein BARCELONA, wie es der Tourist nicht kennt (aber in der Handlung einige KOMPARSEN stellvertretend für alle anderen Toruisten kennenlernen) und wie es der Tourist kennen kann, wenn er nur aufmerksam genug ist. Dazu gehören natürlich auch all die kleinen Balkone, die in den Seitenstraßen in den Luftraum über den Spaziergängern hineinragen.

Kunst spielt eine Rolle in dieser Handlung. Sie ist sogar eine treibende Kraft. Sie trägt Kunst im Titel. Das Opfer beschäftigte sich mit Kunst. Und kann auch Anstöße geben, einmal in Kunstgeschichte hineinzuschnuppern, denn die Tote beschäftigte sich mit CARLOS CASAGEMAS, dessen Leben fast wie eine von ERNEST HEMINGWAY erdachte Nebenfigur aus FIESTA daher kommt. Ohne CASAGEMAS, eine tragische Figur, malender Künstler und Freund von PICASSO, würde es die Handlung so nicht geben.

Wer Thriller im Medium Comic mag, liegt bei PHILIPPE BERTHET kaum falsch. Dieser Comiczeichner beschäftigt sich mit feineren Stoffen, gut herausgearbeiteten Charakteren vor interessanten Schauplätzen. So verhält es sich auch hier, mit einer der spannendsten Großstädte Europas als Hintergrund. RAULE entspinnt die Geschichte mit Bedacht, legt großen Wert auf echte Figuren und nachvollziehbare Motive, die den Leser mit Leichtigkeit auf Entdeckungstour durch die Handlung mitnehmen. Ein Thriller, der gleichzeitig Drama und Tragödie ist (aber welcher gute Thriller ist das nicht?). Sehr gut! 🙂

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Bisherige Rezensionen im Comicblog zu Arbeiten von PHILIPPE BERTHET:

MOTOR CITY
DEIN VERBRECHEN
PERICO

STAR WARS – POE DAMERON 5 – DAS ERWACHEN

Filed under: SciFi — Michael um 9:45

STAR WARS – POE DAMERON 5 – DAS ERWACHENDIE SCHLACHT VON CRAIT: Ein Heer Kampfläufer der ERSTEN ORDNUNG begegnet den Widerständlern rund um GENERAL ORGANA zu dem Kampf, der über die Zukunft der Galaxis entscheiden soll. Der Ausgang der Ereignisse ermuntert den Widerstand keineswegs zu weiteren Auseinandersetzungen. POE DAMERON befindet sich mit ein paar Gefährten im MILLENNIUM FALCON auf der Flucht und führt sich vor Augen, was bislang alles geschah und andernorts ohne seine Hilfe geschieht. Schlimmer noch! Seine Kameraden von der SCHWARZEN STAFFEL schweben in Lebensgefahr und genau jetzt kann er nichts unternehmen, um ihnen beizustehen.

Und diese Hilflosigkeit ist das Einzige, das man als Leser diesem Abenteuerabend rund um die Geschehnisse aus DAS ERWACHEN DER MACHT und DIE LETZTEN JEDI vorwerfen kann. POE DAMERON steht nicht im Mittelpunkt und ist in der Haupthandlungslinie zum Nebendarsteller degradiert. Das schadet keineswegs, weil seine Kameraden der SCHWARZEN STAFFEL, denen ein guter Teil der Handlung zur Verfügung steht, dies charakterlich sehr toll auffangen. Autor CHARLES SOULLE beschreibt diese Helden ähnlich leidenschaftlich, wie es den Autoren (meist MICHAEL STACKPOLE) in der Romanreihe rund um die legendäre X-WING-SONDERSTAFFEL unter WEDGE ANTILLES gelang.

Die Besonderheit der Bilder (abgesehen von jenen im anhängigen POE DAMERON ANNUAL von NIK VIRELLA) liegt in der Imitation eines Fotorealismus. Ganz erreichen die Grafiken von ANGEL UNZUETA diesen Status nicht, aber sie sind nah dran. Das liegt natürlich nicht nur an der übergenauen Art des Zeichnens von ANGEL UNZUETA, sondern hat natürlich viel mit den beiden Koloristen ARIF PRIANTO und RACHELLE ROSENBERG zu tun (letztere hat in einer Episode den Computerkolorierung übernommen). Unter dem Strich werden hier in einer Comic-Veröffentlichung im Heftformat zwar nicht alle Möglichkeiten der computergestützten Farbgebung ausgenutzt, aber immerhin verdammt viele.

Entsprechend ansprechend fällt das Ergebnis aus. Der Leser eines STAR-WARS-Abenteuers, der vermutlich auch Kinogänger ist und Kenntnis von den letzten beiden Kinofilmen besitzt, wird jeden seiner Lieblingscharaktere auf den ersten Blick wiedererkennen. Aus jedem Winkel muss hier mit reichlich Mustermaterial gearbeitet worden sein. Darüber hinaus besitzt jeder der Piloten der SCHWARZEN STAFFEL außerordentlichen Wiedererkennungswert, charakterlich wunderbar durchmischt, was sich selbstverständlich erst richtig bemerkbar macht, wenn die Figuren nicht im Cockpit sitzen.

Bezeichnend hierfür ist die Episode auf PASTORIA, einem Planeten der fliegenden Städte. Ebenso bezeichnend ist sie für die Schwierigkeiten, die der SCHWARZEN STAFFEL von CHARLES SOULLE bereitet werden, der die Serie von Folge 1 an als Autor betreut. Allein in dieser Sequenz wimmelt es von Überraschungen, Intrigen, Action. Im weiteren Verlauf erlebt der Leser Luftschlachten und Raumkämpfe, die sich mit allem messen können, was die beiden neueren Kinofilme bisher zu bieten hatten. Was im ersten Drittel der Handlung erzähltechnisch noch etwas abgehackt war, wird hier flüssig dargeboten und hat Drama, Drama, Drama (ja, 3 x).

Jawohl, klasse, POE DAMERON ist einerseits ein guter HAN SOLO Nachfolger, gleichzeitig ist er durch die Klasse und Menge seiner Kameraden noch eine Spur besser aufgestellt. Die Nebenfiguren dürfen sich hier aufs Beste profilieren. Toll illustriert von ANGEL UNZUETA (stark koloriert überwiegend von ARIF PRIANTO). Die Illustrationen von NIK VIRELLA (Farben: JORDAN BOYD) im anhängigen ANNUAL sind schön, liegen aber nicht auf Augenhöhe mit dem anderen Grafikteam. Trotzdem ein Erste-Sahne-Gesamtpaket! 🙂

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Bisherige POE DAMERON Rezensionen im Comicblog:

STAR WARS – POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHT
STAR WARS – POE DAMERON 2 – INMITTEN DES STURMS
STAR WARS – POE DAMERON 1 – SCHWARZE STAFFEL