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Comic Blog


Mittwoch, 25. März 2015

Perico

Filed under: Thriller — Michael um 9:13

PericoAuf Kuba herrscht das Verbrechen, die Korruption. Das Land ist im Wandel. Ein paar Menschen wie Fidel Castro stellen sich dem Regime um Machthaber Bastita entgegen. Das Leben geht noch seinen gewohnten Gang in Havanna. Noch. Denn die Schlinge zieht sich langsam um jene zu, die nicht an einen Erfolg der Revolutionäre glauben. Bald schon lassen sich Batistas Soldaten von den unterlegenen Rebellen vorführen. Das organisierte Verbrechen sieht seine Möglichkeiten schwinden. Als eine größere Summe außer Landes in die Vereinigten Staaten gebracht werden soll, greifen andere zu und eine lange Jagd auf die Diebe beginnt.

Regis Hautiere schreibt über den Lebensabschnitt eines jungen Kubaners, der seine Gelegenheit ergreift. Der junge Mann namens Joaquin Lima handelt nicht gänzlich uneigennützig, sondern wird auch durch die Umstände in die Angelegenheit verwickelt, hinein getrieben. Familie und Liebe sind die anfänglichen Motivationen. Der daraus erwachsende Wunsch nach einem ganz anderen, einem neuen, in jedem Fall besseren Leben wird zur künftigen Triebfeder. Und je stärker diese drückt, desto eher ist Joaquin bereit, seine Chance mit allen Mitteln zu verteidigen.

Kann man glücklich sein, ohne es zu wissen? Es ist ein spannender Lebensabschnitt, voller Gefahren für das Leben, aber es kommt der Zeitpunkt, an dem sich Joaquin nicht nur darüber wundert, was das Leben mit ihm vorhat. Ausgerechnet seine Schutzbefohlene bringt ihm diese Idee nahe. Regis Hautiere liebt, nimmt man seine Publikationen in Augenschein, das Wandern zwischen verschiedensten Themen. Heraus stechen aber historische Themen, die es ihm besonders angetan haben. Hier hat er sich ganz der Schwarzen Serie verschrieben. Der Ausweg ist die Flucht nach vorn.

Die Hauptfigur Joaquin Lima bleibt seltsam ruhig und gefasst, überlegt, neigt nur selten zu Gefühlsausbrüchen. Welche Folgen unbedachtes Handeln haben kann, hat er am Tod des Bruders erfahren. Ihm gegenüber steht die weibliche Hauptfigur, nicht weniger jung als er, Elena (bzw. Livia), die ihre Benommenheit schnell ablegt und dann ihren Gefühlen folgt, gedankenlos oft, wie jemand, der etwas nachzuholen hat (was auch stimmt). Regis Hautiere lässt hier ein Duo aus Feuer und Wasser gemeinsam fliehen. Dem Leser ist binnen kurzem klar, dass eine solche Konstellation zwangsläufig furchtbare Konsequenzen haben muss. Aber das gehört zur Schwarzen Serie dazu, deren emotionale Grundhaltung Hautiere gekonnt einfängt.

Es schleicht sich nicht nur Mitgefühl für die Hauptfiguren ein. Auch das toll gesäte Misstrauen ist der Erzählkunst von Regis Hautiere zugute zu halten. Man schlägt sich schnell auf die Seite von Joaquin und möchte ihm bei mehrfacher Gelegenheit zurufen, diesem oder jenem Menschen nicht zu vertrauen, könnte dieser sich doch schon bald als Halunke entpuppen.

Philippe Berthet ist mit seiner klaren Linie, seinen wunderbar exakt gezeichneten Charakteren und Kulissen, spätestens seit Poison Ivy hierzulande bekannt. Sein Hang zu Pin-ups setzt sich auch in Perico fort. Mit der Figur der Livia liefert Berthet eine klassische Femme Fatale ab. So muss das Titelbild zunächst erschrecken, denn eine schöne Frau wird eigentlich nicht mit einer Blutfontäne in Verbindung gebracht. Und so tappt der Leser in die Femme-Fatale-Falle, die auch so manchem Gangsterdarsteller in der Schwarzen Serie zum Verhängnis wurde.

Eine düstere Geschichte, die mit sommerlicher Farbenfrohheit über die Ernsthaftigkeit und Dramatik kurz hinweg täuschen lässt. Gangsterballade und schöner Einblick in eine Wendezeit des letzten Jahrhunderts, gut vermischt mit einer ordentlichen Portion vergangenem Lebensgefühls. Berthet und Hautiere ist hier ein tiefgehender und erlebnisreicher Thriller-Comic gelungen. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

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