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Comic Blog


Samstag, 27. Dezember 2008

Artemis Fowl – Der Comic

Filed under: Mystery — Michael um 21:03

Artemis Fowl - Der ComicBei Artemis Fowl könnte es sich um das intelligenteste Lebewesen der Welt handeln. Leider hat ihm das Schicksal übel mitgespielt. Seine Mutter trauert dem verlorenen Ehemann hinterher, Artemis’ Vater, und hat darüber eine leicht verschobene Sichtweise auf die Realität erhalten – milde ausgedrückt. Das Familienerbe ist auch nicht mehr das, was es war. Artemis muss dringend Geld zur Erhaltung des Landsitzes verdienen. Es stört nicht weiter, dass Artemis erst 12 Jahre alt ist, denn er hat tatkräftige und loyale Unterstützung in Butler, seinen Leibwächter und Diener.

Aber wie könnte Artemis an das benötigte Geld kommen? Ein Hinweis auf die magische Welt hilft ihm weiter. Er will die Elfen bestehlen und ersinnt dazu einen waghalsigen und doch sehr durchdachten Plan. Bei aller Planung ist das Vorhaben alles andere als ungefährlich. Die Elfen dieser Zeit verlassen sich nicht nur auf Magie, sondern auch auf >Hightech. Mit großer Wachsamkeit verfolgen sie das Verhalten anderer magischer Gestalten und ahnden Fehlverhalten umgehend, da die Menschen nicht auf ihre letzten einsamen und sorgsam verborgenen Enklaven aufmerksam werden sollen. Aber das ist leichter gesagt, als getan, denn nicht jedes magische Lebewesen will sich etwas von den Elfen sagen lassen.

Mit den Geschichten um Artemis Fowl ist Eoin Colfer etwas gelungen, was sich schon viele Autoren vorgenommen haben, aber nur in wenigen Fällen so richtig gut gelungen ist. Elfen, Zwerge, Trolle, sogar Zentauren sind hier zu finden. Colfer hat seine magischen Figuren nicht nur in die Gegenwart geschickt, er hat es auch nicht versäumt, diese Figuren seiner ganz persönlich kreierten Welt anzupassen. Gänzlich löst er sich natürlich nicht von den Vorgaben. Aber die Trolle sind furchtbarer, die Zwerge eher eine Mischung aus Hamster und Maulwurf und die Elfen sind eher ein wenig bienig, insektenartig, weniger die langbeinigen Geschöpfe, wie sie sonst bekannt sind.

Spuck den Gefangenen aus!

Andrew Donkin hat Colfer bei der Comic-Umsetzung tatkräftig unterstützt, legt aber ein Hauptaugenmerk auf die unheimlichen Aspekte der Geschichte und lässt den Humor zumeist außen vor. Bei manchen Charakteren kann er Colfers Witz nicht ganz abschalten. Mulch Diggums, der Zwerg, der in der Not benötigt wird, ist das beste Beispiel hierfür. Obiges Zitat steht für eine besondere Art der Verteidigung von Diggums. Manchmal ist es einfach das leichteste seine Feinde zu fressen – oder wenigstens teilweise.

Anleihen aus HdR & Co. werden keine genommen, das ist auch nicht notwendig, bieten doch real existierende Mythen genügend Grundlagen, um die Welt dieser magischen Geschöpfe zu gestalten. Zur Fremdartigkeit der Figuren – die selbst bei Artemis Fowl und seiner Leibwächter Butler zu finden ist – gesellen sich noch exotische Orte, entweder im wahrsten Sinne des Wortes oder doch wenigstens geisterhaft verwunschen wie das Anwesen von Artemis oder die Heimstatt der Elfen. Da die Welt recht komplex ist – und sicherlich in der Romanvorlage zum Comic viel detailfreudiger geschildert werden kann – werden die einzelnen Kapitel von Steckbriefen eingeleitet, die wichtige Bestandteile (wie eben Charaktere oder auch Gegenstände) noch einmal kurz inhaltlich umreißt.

Für die grafische Umsetzung wurden ganz bewusst filmische Effekte gewählt. Giovanni Rigano zeichnet leicht mangaesk aussehende Figuren. Die Zeichnungen wirken auf den ersten Blick schlicht, sind aber jedes Mal sehr exakt aus dem gewählten Blickwinkel getroffen und nichts wird dem Zufall überlassen. Ähnlich wie ein Guy Davis überlässt Rigano seinem Koloristen Paolo Ramanna einen großen Teil der Arbeit. Und hier kann Ramanna gar nicht genug gelobt werden. Denn er schafft aus den Bildern tatsächlich kleine filmische Bilder, die geradewegs aus einem Zeichentrickfilm entnommen sein können.

Ramanna arbeitet mit sehr feinen Farbübergängen, leichten Unschärfen – zur Unterstützung des Filmeffekts – und verwendet meistens sehr düstere Farbspiele. Dadurch kann schöne Kontraste einsetzen und mit Beleuchtungen experimentieren – eigentlich das falsche Wort dafür, denn zweifellos weiß er ganz genau, was er macht. Da Technik und Magie in dieser Geschichte ein Stelldichein haben, nutzt Ramanna jede Gelegenheit, um bei Eindrücke miteinander effektreich zu verbinden. Monitore, Nachtsichtgeräte und andere optische Hilfen ermöglichen verschiedene Sichtweisen, die den Leser auch stets den Blickwinkel eines bestimmten Charakters einnehmen lassen.

Als eigenständiges Werk konzipiert kann es völlig als tolle, etwas andere Fantasy-Geschichte überzeugen. Die Bilder sind wunderbar geworden und fangen die Atmosphäre dieser ganz eigenen Welt perfekt ein. Artemis Fowl verweigert sich in weiten Teilen einem Vergleich, was die Handlung unvorhersehbar macht und die Spannung auf die Spitze treibt. Erste Klasse! 🙂

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Dienstag, 23. Dezember 2008

Cubitus 18 – Wahre Flunkergeschichten

Filed under: Cartoon — Michael um 22:15

Cubitus 18 - Wahre FlunkergeschichtenJa, wer kommt denn da zu Besuch? Wer hätte gedacht, dass Cubitus und Boje einmal ihren Vater kennenlernen würden? Dupa wird freundlich empfangen und kann sich über die außerordentliche Gastfreundschaft der beiden urigen Typen freuen. Denn diese ist nicht nur formvollendet, sondern auch noch mit einem exquisiten Geschmack gesegnet. Dupa lässt es sich gut ergehen, wankt später nach Hause (ein edles Tröpfchen zuviel) und schläft den Schlaf des Zeichners, der den nächsten Arbeitstag kaum erwarten kann.

So wie Dupa in das Reich seiner Phantasie eintauchte, so verspielt malt sich auch Cubitus seine eigenen Gedanken aus. Wer wollte nicht schon einmal ein Lexikon zum Thema Sport im Stile eines Cubitus sehen. Sportarten wie Boxen, Fechten oder auch Turnen erhalten auf die Art eine völlig neue Interpretation. Überhaupt drängt Cubitus auf Neuinterpretationen. Seine kleine historische Episode entführt in den Wilden Westen, der dank einer Calamity Jane besonders wild war. Er setzt sich mit der Tücke des Objekts in Form eines Marmeladenglases auseinander. Obwohl hier bereits unter Lebensgefahr agiert wird, folgt die wirkliche Gefahr erst noch: in Form eines Eintreibers für Hundesteuern.

Wahre Flunkergeschichten oder: Wie Cubitus die Welt sieht. Nun, dieser weiße kugelrunde Kuschelhund hat seine ganz persönlichen Ansichten. Da macht ihm auch niemand etwas vor und es kann ihm auch niemand etwas ausreden. Cubitus ist Cubitus und hat Flausen im Kopf. Aber seien wir ehrlich: Gott sei Dank ist das so!

Apropos Flausen im Kopf. Dupa, Erzähler und Zeichner der Episoden um Cubitus, kann es sich nicht nehmen lassen und absolviert kleine Gastauftritte. Der Schöpfer tritt seinen Geschöpfen gegenüber. Rein äußerlich bringt sich Dupa in Form eines kleinen Bruders von Percy Pickwick zu Papier. Mit großem Schnäuzer und dunkler Brille ist er denn eher Spielball als Darsteller – Dupa hat seine eigenen Geschöpfe nicht im Griff. Und das ist gut so, möchte man als Leser wieder einmal rufen, denn die Art der kleinen Episoden in diesem Band ist sehr unterschiedlich und damit abwechslungsreich geraten.

Manchmal sind es kleine Beschreibungen – wie im Falle der Lexikaeinträge – mal wird eine Handlung von Hinweisen untermalt, die von Dupa höchstpersönlich stammen. – Ja, ich weiß, alle Hinweise stammen von Dupa, aber macht er eben selber … Ach, Ihr wisst schon. Insgesamt lässt es sich streiten, was hier nun besonders lustig ist oder welche Pointe besonders sitzt. Lustig bis urkomisch ist alles. Persönlich gefallen mir Cubitus‘ Ausreißer in andere Welten oder auch Rollen am besten. Wenn er als Sportler bei den Olympischen Spielen vertreten ist, erwachen kleine Erinnerungen an einen anderen berühmten Hund (sagt mir nicht, Goofy ist kein Hund), der seinen Sportsgeist übte.

Optisch lässt Dupa seine Figuren gerne wie auf einer Bühne agieren. Hin und wieder gewinnt man als Leser auch den Eindruck eines Boulevardstücks. Es fehlt nur noch ein begrenzender Vorhang. Sobald die Steuerbeamten die Szenerie betreten, sollte jedem Leser klar sein, wie dieser Eindruck entsteht. Dupas Version der grauen Herren, die von Boje Hundesteuer eintreiben wollen, ist garstig und kleingeistig, eigentlich so, wie sich jeder so gerne einen Steuerbeamten vorstellt. Außerdem legen ihre gebogenen Geiernasen nahe, Dupa habe sie mit den berühmt berüchtigten Aasgeiern in Verbindung bringen wollen.

Die Devise: Niemals aufgeben, auch wenn’s weh tut. Cubitus ist ein Stehaufmännchen. Was muss er nicht alles in sehr halsbrecherischer Manier durchleben. Klar, er teilt auch aus (arme Katze Paustian), aber nicht gerade selten geht es ihm selbst an den Kragen. Das ist von Dupa wunderbar leicht und klassisch cartoon gezeichnet. Die Action steht ein wenig mehr im Vordergrund, kein Wunder, denn wenn es um Sport geht, muss auch ein Vielfraß und Langschläfer wie Cubitus aktiv werden.

Cubitus als Pferd, als Sportler, als Kommentator, als gemeiner Hund, als Naschkatze … Cubitus dreht hier so richtig auf, ist vielseitiger und lässt es mit seinen Wahren Flunkergeschichten so richtig krachen. Mehr davon! 🙂

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Samstag, 20. Dezember 2008

Bart Simpson 40

Filed under: Cartoon — Michael um 19:11

Bart Simpson 40So mancher Comic-Fan hat vielleicht schon einmal davon geträumt: er schlendert über eine Comic-Con, begegnet dem Verleger seines Vertrauens und präsentiert eine vollkommen neue Idee oder auch eine zu einer bestehenden Serie. Die Idee wird genommen, gedruckt und wird ein Riesenerfolg … So wie die Simpsons vielleicht. Das gibt es natürlich nur im Traum. Oder im Comic. Im Bart Simpson-Comic. Bart hat so eine tolle Idee zu Radioactive Man. Er hofft, der Comic-Typ werde ihn den verantwortlichen Redakteuren vorstellen. Falsch gedacht.

Doch wie es der Zufall will – war ja klar – gerät das Manuskript in die Hände der Redakteure, die sogleich außer sich sind und eine Wiedergeburt des Genres vor Augen haben. Unfassbar, nicht wahr? Aber es kommt noch besser …

Diese Odysee durch das Haifischbecken des Comic-Geschäfts soll hier nicht weiter gelüftet werden. Jedenfalls muss selbst der hochnäsige Comic-Typ feststellen, dass Barts Manuskript perfekt ist, in jeder nur erdenklichen Hinsicht. Bart lernt die Härten der Prominenz kennen. Plötzlich ist er nicht mehr Bart Simpson, sondern B.S.. Der einzige Fehler der Geschichte namens Zugetextet ist ihre Kürze. Dafür werden die Fans nicht lange auf die Folter gespannt. Schnell geht es in die nächste Genre-Persiflage – eigentlich sind die Simpsons eine komplette Persiflage, oder? Man weiß es nicht genau.

Jedenfalls sehen wir Bart bald in der Angriff der 20-Meter-Maggie. Unfassbar, oder? Aber es ist ein ziemlicher Brüller, wenn Groß-Maggie im Stile der Fortsetzung von Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft auf die Menschheit, Verzeihung, die Gelblinge von Springfield losgelassen wird.

Rein optisch sind die Bilder der ersten Geschichte von James Lloyd von Steve Steere Jr. sehr zerbrechlich getuscht und wirken viel echter als in neueren Produktionen, in denen die Linien mit einem Vektor-Programm gezogen worden zu sein scheinen. Ob nun sehr regelmäßig oder ein wenig neben der Spur wie auch in der folgenden Geschichte um die kleine Maggie, dem Humor tut das keinen Abbruch. Man muss sich wirklich fragen, was trashiger ist, Maggies Angriff auf riesigen Stummelbeinchen oder der wirkliche Angriff der 20-Meter-Frau aus den 50er Jahren.

Ein locker schnelles Vergnügen, in der die Simpsons-Kinder die Hauptrollen spielen und auch mal sehr gut ohne die Eltern auskommen. Wer es als Fan also ertragen kann, wenn Homer von Sicherheitspersonal abgewimmelt wird und ansonsten gar nichts zu vermelden hat, kann hier einen schönen humoristischen Bauchplatscher machen. 🙂

Freitag, 19. Dezember 2008

Die Kaste der Meta-Barone 2

Filed under: SciFi — Michael um 17:03

Die Kaste der Meta-Barone 2 - Aghnar und OdaOthon und Honorata haben den Sohn, den sie sich immer wünschten: Aghnar. Doch bevor die kleine Familie in Frieden leben kann, muss sie sich einer letzten Bedrohung stellen. Aghnar, noch ein Kind, muss sich den Huren-Nonnen der Shabda-Oud zum Kampf stellen. Der Junge kann den Kampf nur mit der mentalen Hilfe seiner Mutter bestehen. In einem geistigen Duell kann es nur einen Sieger geben. Und mehr noch: Othons Aufgabe ist es, den Cyborg-Wal, ein riesiges Ungetüm, das die Huren-Nonnen durch das All transportiert, zu vernichten. Doch ein Wesen, welches in der Lage ist, Planeten zu vernichten, ist auch für einen Meta-Baron ein besonderer Gegner. Damit fängt die Geschichte aber erst an.

Denn Aghnar kann nur Meta-Baron werden, wenn er seinen Vater tötet. So ist es (jüngste) Tradition: Wäre ich doch ein Tautropfen … Ich könnte Zuflucht suchen auf einem Grashalm … So spricht Aghnar nach der unausweichlichen Tragödie. Doch für den jungen Mann bleibt noch eine Aufgabe. Nachdem er Vater und Mutter verloren hat, muss er noch einen Kampf führen, einen Kampf der Rache gegen die Hexen, die seine Familie ins Unheil stürzten. Aber wie?

Wenn die Geschichte über die Kaste der Meta-Barone nicht eine Geschichte voller Leid, Qualen und auch großem Mut wäre, würde dem Leser etwas entgehen. So könnte Alexandro Jodorowsky gedacht haben, als er sich an die Fortsetzung der Kaste der Meta-Barone setzte und seine Protagonisten erneut durch die sprichwörtliche Hölle schickte.

Jodorowsky schickt seinen Helden Aghnar auf einen Planeten der fliegenden Affen. Die grafische Lösung dieser fremdartigen Welt ist ein optischer Augenschmaus, aber brutal zu nennen. Das bleibt jedoch nicht aus, denn die Meta-Barone sind Krieger, die besten, die es gibt. So erhebt sich Aghnar alsbald zum Herrscher dieser Affen, die in ihm die Erfüllung einer Prophezeiung sehen. Sie verehren ihn als Kioka, den kleinen weißen Affen. Allein dieser kleine Abschnitt der Geschichte ist ein Kunstwerk. Jede einzelne Seite könnte zum Gemälde taugen – und je weiter die Geschichte fortschreitet, je phantastischer werden die Bilder, im wahrsten Sinne des Wortes.

Juan Gimenez, der Grafiker dieser Geschichten, verfügt über ein herausragendes Geschick, mit natürlich aufgetragenen Farben zu arbeiten. Er wandelt zusammen mit dem Leser durch verschiedene Farbstimmungen. Ton in Ton in kühlem Blau, auch möglichst farbenfroh, mit fleischigen Hauttönen oder auch in sanftes Ocker getauchte Oberflächen. Massenansammlungen, sehr detailreiche Bilder, Nahaufnahmen beherrscht Gimenez ungeheuer gut. Sein Steckenpferd, dort, wo er der Phantasie freien Lauf lassen kann, sind fremde Kreaturen.

Beispielhaft hierfür und sehr beeindruckend sind die schwebenden Affen wie auch die Cyborg-Wale, die allein durch die Größe ungeheuerlich wirken und die Art ihrer Konzeption. Denn sie schweben durch das All, erinnern an Exogorthen, jene im All lebenden Kreaturen, in denen sich der Millennium Falcon versteckte. Mit ihren Flossen auf dem Rücken, am Bauch und Schwanz haben sie Merkmale eines Orcas, wirken jedoch schlanker und mit ihrem Gebiss weitaus gefährlicher als ein Exogorth.

Gimenez liebt außerdem Matsch, Dreck, Eingeweide und andere Scheußlichkeiten, mit denen es sich grafisch trefflich spielen lässt. So manche Exlosion mit Blut und Innereien, so manches Aufspritzen von Schlamm kündet genau davon. Allerdings weiß Gimenez dies auch außerordentlich in Szene zu setzen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Gimenez gerne einmal ins Splatter-Genre abdriftet, wenn es die Handlung zulässt. Dabei belässt er es natürlich nicht. Gigantoplastische Szenen, auf die er sich so gut versteht, gibt es hier leider seltener, da der Schwerpunkt auf den tragischen Ereignissen rund um Aghnar liegt. Aber in den wenigen Spektakelbildern, auf Schlachtfeldern und dichten Gewimmeln von kämpfenden Raumschiffen, wird einmal mehr deutlich, wie cineastisch Gimenez einen Blick auf das Geschehen umzusetzen vermag – und wie großartig er darin ist.

Die Legende um die Meta-Barone wird immer trauriger und tragischer. So sehr sie sich auch bemühen, die wahre Liebe zu genießen, ist ihnen kaum gegönnt. Das Schicksal des vollendeten Kriegers hat ihnen auch endlose Sorgen und Leid auferlegt. Jodorowsky und Gimenez gehen mit Aghnar noch gnadenloser um als mit seinem Vater Othon. Eine grandiose, nicht immer unblutige, Weltraum- und Familiensaga findet ihre ungeheuer spannende Fortsetzung. 🙂

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Donnerstag, 18. Dezember 2008

W.E.S.T. 4 – Der 46. Staat

Filed under: Abenteuer — Michael um 15:11

W.E.S.T. 4 - Der 46. StaatMan stelle sich vor: Der Sargdeckel schließt sich. Man sieht durch eine kleine Glasscheibe hinaus, sieht die Erde sich über den Deckel ergießen, bis es finster wird. Mit der Dunkelheit kommen die Alpträume, die man in völliger Bewegungslosigkeit ertragen muss – immer und immer wieder. Kathryn Lennox ist in die Falle des aufwieglerischen Islero geraten. Dieser El Santero, bewandert in den alten Künsten, entführt seine Opfer und erschafft Zombies aus ihnen, wandelnde Tote, lebendig im Körper, geistig nur noch ihm zu Diensten. Nur der Tod des Santero kann den Fluch brechen.

W.E.S.T., das Weird Enforcement Special Team, befindet sich inmitten eines Unabhängigkeitskampfes. Eigentlich sollte das Team um Morton Chapel den Konflikt mit dem unbekannten Santero lösen, in Wahrheit werden sie ziemlich an der Nase herumgeführt und geraten in höchste Bedrängnis. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitung zur Angliederung Kubas an die Vereinigten Staaten unbeirrt weiter. Die Ängste der Aufständischen sind also keinesfalls Hirngespinste. Wie ernst es jedoch wirklich ist, können sie nicht einmal erahnen.

In der abschließenden Episode aus dem zweiten Zyklus von W.E.S.T. verhärten sich die Fronten und die Vorgehensweisen – auf beiden Seiten – werden rabiater. Das Titelbild der Geschichte um den 46. Staat, zu dem es so nie kam, verrät hier einiges. Morton Chapel, der Team-Leiter, muss seine Gentleman-Natur beiseite schieben, um seines und das Überleben seines Teams gewährleisten zu können. Xavier Dorison und Fabien Nury lassen ihre Hauptfiguren auf einem Drahtseil balancieren. Obwohl Chapel in der Lage ist, das Geheimnis um Islero zu lüften, hat man als Leser den Eindruck, dass alles nur noch um Haaresbreite gut geht – und manchmal eben auch nicht.

Mit dieser Technik halten die beiden Erzähler ihre Leser in atemloser Spannung. Kleine und große Dramen lösen einander ab. Joey Bishop gesteht der komatösen Kathryn Lennox seine Liebe. Islero erlebt, wie Männer vor einem Erschießungskommado gestehen, er zu sein, nur um das Idol des Widerstands zu schützen. Selbst ein Kind bleibt nicht verschont. Colonel Weyler kennt kein Erbarmen. Auf Kuba herrscht Krieg ohne Kriegserklärung. Vordergründig geht es um Macht, hintergründig um Geld und den Einfluss der United Fruit Company.

All diese Bestandteile werden sehr sorgsam und gut aufeinander aufbauend zusammengestellt. Wie auf einer Leiter bildet hier jedes Detail eine Sprosse bis hin zum unvermeidlichen Höhepunkt – der wahrscheinlich anders ausfällt, als es mancher Leser zu Beginn gedacht haben mag. Stück für Stück schieben die Autoren die Hatz auf Islero zurück und stellen den Freiheitskampf Kubas in den Vordergrund.

Christian Rossi, der bereits zuvor eine tolle Arbeit als Zeichner und Kolorist ablieferte, ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern steigert sich noch einmal – ein persönlicher Eindruck, der von den außerordentlich dramatischen und sehr menschlich dargestellten Ereignissen gestützt wird. Es sind zahlreiche Momente, die den Leser in seinen Bann ziehen, vornehmlich solche, in denen Menschen vor einer Entscheidung stehen – oder schlichtweg rot sehen.

Dieser Effekt wird von Christian Rossi bei Islero eingesetzt, in jener beschriebenen Szene, in der sich die zum Tode Verurteilten für ihn aufopfern. Und er verwendet bei Bart Rumble, einem Agenten des Teams, einen ähnlichen Effekt. In der wie zuvor verwendeten Farbpalette von braun, orange, blau und grau sowie einigen Zwischentönen stechen die roten Farbtupfer hervor, mögen sie noch so klein sein. Der Anstrich wirkt nach wie vor wie aus dokumentarischen Aufnahmen entnommen, macht das Eintauchen in die Geschichte natürlicher. Farbaufnahmen wären hier fehl am Platz, würden den Eindruck trüben, der Abstand und gleichzeitig auch Nähe gestattet. Eine Geschichte aus vergangener Zeit kann nicht mit modernen Worten erzählt werden. Christian Rossi hält sich mit seiner farblichen Interpretation auch im übertragenen Sinn daran.

Ein gelungener zweiter Teil dieser Geschichte um Kuba. Die bisherigen dramatischen Fäden werden mit erhöhter Geschwindigkeit fortgeführt. In jeder Hinsicht ist diese Ausgabe von W.E.S.T. eine tolle Abenteuergeschichte, die sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann. 🙂

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Mittwoch, 17. Dezember 2008

Battle Royale 1

Filed under: Thriller — Michael um 19:50

Battle Royale 1Ein Jugendlicher hat es nicht leicht. Er muss mit den üblichen Verwirrungen des Heranwachsens kämpfen, sich für das Leben orientieren – in einem totalitären Staat sind all diese Aspekte noch viel schwieriger zu bewerkstelligen. Jugendliche Rebellen müssen gebändigt werden, sie müssen stets auf das Schlimmste gefasst sein. Wer nicht artig ist, kommt ins Programm. Keiner kann vorhersagen, wann und ob überhaupt es ihn treffen wird. Niemand ist gefeit. Es ist ganz gleich, ob jemand aus armen oder reichen Verhältnissen kommt. Es interessiert nicht, ob die Eltern einflussreich sind oder nicht. Es kann jeden treffen und wer sich beschwert, hat mit Sanktionen zu rechnen – milde ausgedrückt.

Eben noch saß die Schulklasse im Bus, nun findet sie sich in einem Klassenraum wieder. Soldaten sichern den Raum ab, ein Klassenlehrer erörtert ihnen die neuen Spielregeln. Mehrere Tage lang wird die Klasse 3b am Programm teilnehmen. 42 Schüler werden sich solange gegenseitig töten, bis nur noch einer von ihnen übrig ist. Jeder wird mit Ausrüstungsgegenständen versorgt, die ein Überleben ermöglichen. Ein Einteilung des Spielfeldes, einer Insel, in Planquadrate soll dafür sorgen, dass die Spieler sich bewegen. Von Zeit zu Zeit wird ein Planquadrat zur verbotenen Zone erklärt. Wer sich nach Ablauf einer bestimmten Frist noch auf dem Gelände befindet, stirbt.

Die Regeln sind einfach – aber nicht alle halten sich daran. Koushun Takami schrieb die Romanvorlage zu diesem Manga, dessen erster Teil in dieser Form neu erscheint und über 600 Seiten umfasst. Battle Royale kann inzwischen auch auf eine Verfilmung nebst Fortsetzung zurückblicken. So weit, so erfolgreich. Koushun Takami wendet einen sehr schönen erzählerischen Trick an. 42 Charaktere erlauben ihm 42 Geschichten in der Geschichte zu erzählen. Außerdem arbeitet er noch auf mehreren Zeitebenen, zögert auch nicht in die Grundschulzeit der Jugendlichen einen Abstecher zu machen. Dadurch ergeben sich unendliche Möglichkeiten zur Vermittlung von Informationen, die gerade immer so eingestreut werden können, wie es spannend und sinnvoll erscheint.

Selbstverständlich gibt es einige Figuren, die besonders in den Vordergrund gestellt werden. Ihre Charaktere sind sehr verschieden, ihre Verhaltensweisen während des Programms sind es noch mehr. Einige wollen sich dem Programm widersetzen, wollen zusammenarbeiten, andere entziehen sich durch Selbstmord oder fallen durch ihre Panik jenen zum Opfer, die das Programm aktiv gewinnen wollen. Zu allen Zeiten werden sie überwacht und bald müssen viele einsehen, dass das Programm nicht (so einfach) zu überlisten ist.

Koushun Takami wartet mit den verschiedensten Überraschungen auf – die hier natürlich nicht vorweg genommen werden sollen. Aber ihre Einbindung sitzt in dieser Manga-Umsetzung auf den Punkt genau. Gleich zu Beginn wird dem Leser die Siegerin eines Programms präsentiert. Zwei kleine Jungen (spätere Teilnehmer des Programms) und ihre Betreuerin erleben die Präsentation live über das staatliche Fernsehen. Bereits dieser erste Schockeffekt stimmt. Der Leser beginnt zu fürchten, was ihn erwartet.

Masayuki Taguchi, Zeichner dieses Mammutwerks, übernimmt nicht nur eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, er löst sie auch mit einer hervorragenden Technik. Für rund 42 Figuren eine gewisse Individualität herauszuarbeiten, ist nicht leicht. Es wird auch für Masayuki Taguchi kaum einfacher durch die Tatsache, dass ein paar Figuren nur Bauernopfer der Geschichte sind und mehr beiläufig zum Drama der Handlung beitragen. Andere Charaktere werden viel deutlicher vorgestellt, bevor sie auf die eine oder andere Art zu Tode kommen oder selber zum Täter werden.

Es sind keine Monster, die Masayuki Taguchi zu zeichnen hat – sieht man einmal vom Klassenlehrer ab, dessen Gesicht Bände spricht – sondern Menschen, denen ihr Charakter äußerlich nicht anzumerken ist. Masayuki Taguchi versteckt die Guten wie die Schlechten. Manga-Gesichter sind immer etwas glatter, einander ähnlich, dennoch gelingt es Masayuki Taguchi hier viele Unterschiede herauszuarbeiten, sehr viele sogar. Die Strichführung ist schlicht perfekt und bisweilen mit großem Aufwand umgesetzt.

Sehr klein dimensionierte Seitenaufteilungen mit vielen Bildern und ganzseitige Darstellungen wetteifern miteinander. So züchtig, charmant, ja auch romantisch manche Szene gerät, so heftig und deftig ist manch andere Szene in der Darstellung von Gewalt und Sex. Es sind diese sehr stark ausschlagenden Waagschalen, die den Leser immer wieder aufs Neue zu schockieren vermögen. Beide, Masayuki Taguchi wie auch Koushun Takami, wiegen den Leser immer wieder in Sicherheit, dass dieser versucht ist zu glauben, es werde schon nicht so schlimm werden – nur um die Vorstellungsmöglichkeit des Lesers beim nächsten Mal erzählerisch wie optisch zu übertreffen.

Ein dramatischer Knaller mit sehr echten Charakteren. Koushun Takami versteht sich ungeheuer gut auf Charakterstudien und nutzt das vielfältige Szenario, um möglichst viele Charaktere zu versammeln und gegeneinander ins Rennen zu schicken. Die Mixtur aus gegenwärtigen Ereignissen und Rückblicken sowie die exzellente grafische Gestaltung macht diesen ersten Teil von Battle Royale zu einer sehr spannenden Lektüre. 🙂

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Dienstag, 16. Dezember 2008

Dame sticht

Filed under: Thriller — Michael um 18:33

Ein Fall für Inspektor Canardo 17 - Dame stichtEigentlich ist die Stadt mit genügend Schwierigkeiten beschäftigt. Die Kommunalwahlen stehen kurz bevor und da will man sich doch auf die wichtigen Dinge des Lebens besinnen: Politik, Ordnung, gesunder Lebenswandel – und keinesfalls auf Mord. Canardo hatte sich zwischenzeitlich auf eine einfache Überwachung einer untreuen Ehefrau gefreut – na, er hatte sich darauf eingestellt. Canardo freut sich nicht mehr auf besonders viele Dinge. Er ist eigentlich nur erfreut, wenn etwas geschieht, das ihn aus diesem doch sehr langweiligen Trott herausreißt. So etwas wie Mord zum Beispiel.

Kommissar Garenni, langohrig, stets ein wenig hektisch, ein wenig ängstlich und überfordert (ganz besonders gegenüber seiner Frau), freut sich über Canardos Mithilfe, der auch gleich mit seiner allseits beliebten schnoddrigen Art zu Werke geht. Der Mord, so zeigt es sich schnell, ist recht unspektakulär. Keine Spuren eine Kampfes, nur eine Tote mit einem sauberen Einschußloch im Rücken. Sicherlich, die Tote ging dem horizontalen Gewerbe nach, doch ansonsten lebte sie sehr ruhig. Der Täter hat die Wohnung ordentlich zurückgelassen – bis auf ein verwüstetes Regal, in dem die Tote eine Sammlung von Pornofilmen aufbewahrte. Doch hier versiegt die Spur zunächst.

Sokal schickt seinen Ermittler Canardo mitten hinein in den Kleinstadtmief, mitten unter die Menschen mit ihren kleinen und großen Sehnsüchten, hinter die Fassaden. Ein Mord im Milieu ist da zwar zuerst etwas anrüchig, aber auch nicht besonders aus dem Rahmen fallend.

Wenn Sie wissen, was er suchte, haben Sie das Motiv. Viel Spaß noch, Herr Kommissar. Bis dann.

Mit dieser allgemein bekannten Aufgabe für Ermittler verabschiedet sich Canardo in die Nacht. Und hier geht es erst so richtig los. Aus einem Mord werden mehrere. Allein das strengt Canardos Gehirn mächtig an, bringt Garenni in noch größere Schwierigkeiten mit Zwangsversetzung. Nebenbei läuft noch die Observierung der Frau des bekannten Politikers Dubonot, der auf eine Wiederwahl spekuliert. Dubonot ist der festen Überzeugung, dass er von seiner Frau betrogen wird. Nur kann Canardo keinen Liebhaber ausfindig machen. Trotzdem stimmt etwas nicht mit Madame Dubonot. Nein, etwas stimmt ganz und gar nicht.

In einer tierfigürlichen Welt, einer Karikatur jener Happy-Gestalten, wie sie sich bei Onkel Disney & Co finden, herrschen dank Sokal zwei Charakteristika vor: Die Ernsthaftigkeit eines freitäglichen Abendkrimis im Stile eines Alten und die hintergründige Ironie eines Raymond Chandler. Aber Sokal hat mit Canardo einen Helden geschaffen, der sich zwar bemüht, einer Figur wie dem Detektiv Philip Marlowe nahe zu kommen, es aber nicht schafft. Denn ein Mord wirft Canardo immer noch ein wenig aus der Bahn, zerrüttet sein Weltbild, obwohl er sich doch immer mannhaft klar zu werden versucht, dass Mörder eben Mörder sind und das ist eben so, wie es ist. Also, cool bleiben.

Der Witz stellt sich hier – nicht zuletzt wegen der Charakterzeichnungen – auf leisen Sohlen ein. Ein besonderes Merkmal findet sich immer in einer Figur oder einer Szene, so dass eine weitere Zwiebelhaut abgeschält wird.. Sokal ist es durchaus ernst mit seinen Geschichten. So verzichtet er weitgehend auf Bonbonfarben, die sonst stets mit Figuren, die Tierköpfe haben, einher gehen. Die Strichführung ist passend und üblich, doch die Farben sind gedeckt, mit einem Stich ins Gräuliche, ins Vorstädtische möchte man meinen. Jedenfalls kehrt Sokal so ein Stück Atmosphäre in den Vordergrund, der wichtig ist für die ständige Bedrohung, der sich die Menschen hier ständig ausgesetzt sehen – im Kleinen wie im Großen.

Eine weitere bittere Pille für Canardo, für ihn schwer zu schlucken, da er doch weit menschlicher ist, als er sich selbst eingestehen will. Ein leiser Krimi mit vielen humoristischen Untertönen und ein wenig Gesellschaftskritik – ohne die ein Krimi kaum auskommt. Spannend nachdenkliche Unterhaltung, für Fans von Canardo unverzichtbar.

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Samstag, 13. Dezember 2008

Fee

Filed under: Mystery — Michael um 16:23

FeeEs gab eine bessere Zeit – jedenfalls in den kleinen Dingen. Sie war schön, als die kleinen künstlichen Wesen unter sich waren, an der Seite ihres Meisters, Mister Sir Crumpett’s. Sie waren gesellig und vorwitzig, ein wenig schlau, nicht immer komplett und in den seltensten Fällen neu. Sie wurden gewarnt vor der Welt da draußen, vor den Menschen. Wenn ihr einen Menschen seht, so hieß es, dann lauft weg! Mister Sir Crumpett’s meinte es ernst und er wusste, wovon er sprach. Inzwischen forschte er an einem ganz persönlichen Projekt, abgeschieden von allem, wünschte er auch nicht von seinen Geschöpfen gestört zu werden, denn er suchte die Feenaugen.

Dieser ganz besondere Glanz, dieses besondere Leben in einer Puppe, wie lange suchte er schon danach? Und plötzlich, eines Tages machte ihn ausgerechnet eine Puppe namens Jam auf das Feenauge aufmerksam. Er musste nichts anderes tun, als die Fee fertig zu stellen. – Leider tritt nun das ein, wovor er seine Figuren immer gewarnt hat. Die Menschen greifen an. Drinnen, in diesem gewaltigen Haus, herrschte bisher Frieden. Dieser wird nun durch das brutale Eindringen der Menschen gebrochen.

Fee ist ein Märchen. Es ist traurig. Es bezeugt den Niedergang der Menschen, seiner edelsten Eigenschaften, die schließlich nur noch bei Puppen zu finden sein sollen. Und so ist es Jam, die Hauptfigur, die die Zeiten überdauert, wartet und sucht. Téhy, bereits hierzulande bekannt durch Yiu und Der Engel und der Drache, erweitert mit dieser Geschichte die Palette der unterschiedlichen Genre-Pfade, die er beschreitet. Mit Fee erfindet er seine Erzählweise neu, kombiniert und experimentiert.

Es beginnt in der Gegenwart, einer Gegenwart, die wir so nicht kennen, aber deren Szenario eine gewisse Verwandtschaft zu mancher Einbrecherhandlung nicht verleugnen kann. Hier lernt der Leser Jam kennen und weiß sogleich: Dieser junge Mann riskiert alles für seine Liebe, mehr noch, der Leser bekommt sogar gleich den Beweis geliefert, denn Jam verliert einen Arm …
An dieser Stelle fängt es an kurios zu werden. Im bloß liegenden Armgelenk wird eine Apparatur sichtbar. Schmerzen kennt Jam offensichtlich nicht. Außerdem schlägt die Figur seines Verlangens die Augen auf, bewegt sich – dabei besitzt sie keinerlei Mund.

Téhy macht es dem Leser schwer. Die Hauptakteure sind Puppen, engelsgleich zu nennen, aber letztlich Puppen. Der Mensch ist das Monster, personifiziert durch eine regelrechte Ausgeburt des Schlechten, dem nichts mehr heilig ist und der seinen ureigenen Auftrag darin zu sehen scheint, alles Schöne zu zerstören oder wenigstens zu besudeln. Die Probleme dieser Helden der Geschichte sind ähnlich weit weg vom Leser, wie es jene aus Blade Runner sind. Wen kümmern die Schwierigkeiten von künstlichen Wesen?

Eigentlich niemanden, weshalb die Geschichte eher als ein Gleichnis aufzufassen ist und gleichzeitig zu jenen gehört, die häufiger gelesen werden können. Jedes neue Lesen dürfte – auch je nach Stimmungslage – weitere Interpretationen zutage fördern und neue Geheimnisse aufdecken. Die Geschichte romantisiert die Liebe und mag auch an Märchen wie Dornröschen erinnern. Jam ist auf der Suche nach der eingeschläferten Liebe, bricht diese eiskalte Barriere auf, kämpft gegen den Bösewicht und schließlich …

Würde ein Italiener ein romantischeres Ende gefunden haben? Schwer, diese Frage zu beantworten, eigentlich auch unnötig, bleibt zu sagen, dass es traurig ist und die Tatsache dieser Emotion ist am Ende ein gutes Ergebnis und eine gute Note für den Erzähler. Nur für den Erzähler? Nein, denn Béatrice Tillier hat mit ihren Vorgaben für die ersten beiden Teile dieser hier zusammengefassten Trilogie eine, man könnte sagen, hauchzarte Atmosphäre geschaffen. Hier atmet die Optik des Jugendstils durch, finden sich Anleihen eines Toulouse-Lautrec, leuchten die Farben eines Moulin Rouge, einfache, kräftige und doch auch verschnörkelte Formen einer Aubrey Beardsley ziehen sich meisterhaft durch die ersten beiden Bände und werden im dritten Band von Frank Leclercq aufgegriffen und fortgeführt. Schlägt man die Seiten auf, ist es ein wenig wie das Betreten eines Louvre, einer schönen musealen Umgebung, in der aber auch durch die Gestaltung ein venezianischer Hauch zu finden ist, figürlich ebenso wie farblich.

Erzähler wie Künstler eifern auf prächtige Weise alten Mythen nach, präsentieren sie anders, erkennbar, verfremdet und in manchen Aspekten neu. Der Leser muss sich auf die Geschichte richtig einlassen, ihre Romantik, Freundlichkeit, aber auch auf ihre Brutalität. Ein Ausnahmealbum im Genre Fantasy in jeder Hinsicht. 🙂

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Donnerstag, 11. Dezember 2008

Starcraft – Frontline 1

Filed under: SciFi — Michael um 19:41

Starcraft - Frontline 1Drei Völker. Ein jedes bereitet sich auf seine Art auf die kommenden Schlachten vor. Bei den Zerg gehen die Stärksten in den Kampf. Bei den Protoss ist die Ehre eine große Antriebsfeder. Bei den Menschen ist es der schiere Wille zum Überleben. Der Autor Josh Elder entführt den Leser in der Auftaktgeschichte einer kleinen Sammlung in diese Vorbereitungen und die anschließenden nicht zu verhindernden Kämpfe. All drei Gruppierungen marschieren mit großer Unausweichlichkeit, mit Siegeswillen, sogar trotz in die nächsten Kämpfe – die, der Fan weiß es längst, auf dem Universum eines Echtzeitstrategiespiels beruhen, das eine riesige Fan-Gemeinde weltweit für sich gewinnen konnte.

Und bald wird der Schwarm alles sein. Dann wird jede lebende Kreatur im Universum vor der Königin der Klingen niederknien – oder sterben.

Aus der Sicht der Menschen könnten die Zerg die größeren Feinde sein, aber letztlich ist der Mensch des Menschen Wolf, wie auch die Geschichte von Richard A. Knaak mit dem Titel Donnergott beweist. Wie aus den Plots einiger Militärabenteuer her bekannt, machen sich auch hier ein paar Soldaten aus dem Staub, um während der kriegerischen Wirren in die eigene Tasche zu wirtschaften. In der Geschichte zuvor, Warum wir kämpfen, illustrierte Ramanda Kamarga mit exaktem Strich sehr fein und aus den wahnwitzigsten Perspektiven sowie mit vielerlei Details. Dank der sehr guten Tuschearbeit von verschiedenen Inkern ist so eine Handlung entstanden, die den Geist von Starcraft hervorragend einfängt.

Die Zeichnungen von Donnergott nehmen den Leser auf eine Reise mit Thor, einem neuen Kampffahrzeug (etwas untertrieben ausgedrückt) aus Starcraft 2. Wo Thor hinlangt, wächst kein Gras mehr. Naohiro Washio, Zeichner und Tuscher in Personalunion, arbeitet deutlich unruhiger als sein Vorgänger Kamarga, dafür ist das Szenario keineswegs weniger nervenaufreibend gelungen. Allerdings muss sich Knaak den kleinen Vorwurf gefallen lassen, vielleicht ein wenig von einer Alien-Geschichte (Ankunft + Abgang, jener Geschichte um die große Pyramide) inspiriert worden zu sein. Interessanterweise funktionieren solche Geschichten immer, besonders, wenn die Hauptfigur ein richtiger Schurke ist – so wie hier.

Deutlich aufwendiger gezeichnet und spannender inszeniert ist die Geschichte Kriegswaffe. Fans dürfen sich auf den Überfall einer Horde Zerg freuen. In bester Zehn kleine Negerlein-Manier wird eine flüchtige Gruppe Menschen immer weiter dezimiert, bis klar ist, wer überhaupt für das außergewöhnlich zudringliche Verhalten der Zerg verantwortlich ist. In ungeheuer feinen Grauabstufungen ist dieses Abenteuer ein kleiner Augenschmaus. Hector Sevillas Bilder könnten Schwarzweißstandfotos aus einem Anime sein. Zahlreiche Effekte sorgen für den Eindruck von Rasanz und Hochgeschwindigkeit. Die beiden Autoren Paul Benjamin und Dave Shramek haben überdies für einige gute Charaktere gesorgt, mit denen es sich gut mitfiebern lässt.

Abschließend trifft der Leser auf den ersten Teil von Der Schutzpanzer, wieder mit starker Manga-Optik – die Geschichte wird aber wie alle anderen in diesem Band in deutscher Leserichtung genossen – und mit weiteren neuen Fahrzeugen. Der Wiking, noch eine Neuentwicklung, fliegend und landungsfähig, in beiden Zuständen schussbereit, liefert sich ein tödliches Duell. In dieser rein unter Menschen ausgetragenen Konfrontation steht die Action absolut im Vordergrund. Glasklare Bilder von Jesse Elliott sorgen für die entsprechenden achterbahnähnlichen Eindrücke.

Ein Fest für Starcraft-Fans, die ein wenig Futter für ihre Phantasie abseits des Spiels benötigen. Beinharte Military-SF für alle, die es kaum erwarten können, die neuen Gerätschaften live zu benutzen. Gut erzählt und gezeichnet für jene, die allgemein das Genre mögen. 🙂

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Dienstag, 09. Dezember 2008

Buffy – The Vampire Slayer 3 – Wölfe!

Filed under: Mystery — Michael um 19:04

Buffy - The Vampire Slayer 3 - Wölfe!Plötzlich können Vampire so verrückte Sachen: Sie können sich in einen Wolf verwandeln oder werden zu Nebel und solche Sachen! Das konnten die doch sonst nie?! Doch! Einer konnte. Ein ziemlich süß sabbelnder und extrem snobistischer Dracula konnte. Aber der hat sich ziemlich aus dem Geschäft zurückgezogen und will eigentlich nur seine Ruhe haben. Leider haben es ein paar Vampirchen – im Vergleich zu ihm – gewagt, ihm seine Fähigkeiten zu rauben und selbst einzusetzen. Wo kommen wir da hin? Wenn das jeder machen würde?

Apropos jeder. Oder jede. Buffy wechselt die Seiten oder Ufer, hüpft mal eben hinüber, aber lesbisch ist sie trotzdem nicht – betont sie. Xander ist die Definition dessen, was er bei einem Besuch von Buffys Zimmer entdecken muss, ziemlich gleichgültig. Er beschließt sofort, auf seinem verbliebenen Auge blind zu werden – das gelingt ihm natürlich nicht. Darüber hinaus haben die Jägerinnen auch ganz andere Sorgen als Buffys sexuelle Neuorientierung. Die Spur führt nach Japan, in das Land einiger besonders trashiger Filme. Und so kommt, was kommen muss: Dawn kommt nach Tokio und greift in den Kampf gegen die Vampire ein. Doch, halt! Was ist das? Eine riesenhafte Mecha-Dwan stellt sich ihr in den Weg – sogar mit Echsenschwanz.

Joss Whedon dreht auf! Dort, wo er sich im Fernsehen noch zurückhalten musste, aus vielerlei Gründen, kann er nun seiner Phantasie freien Lauf lassen – grenzenlos, so möchte man behaupten. Das ist angesichts der Fülle der Informationen und der Verwicklungen, all der Figuren – eine Armee von Jägerinnen bringt einiges zusammen – manchmal etwas verwirrend und nicht so gekonnt erzählt, wie es der Fan aus der Serie her kennen mag. Im Zweifelsfall kann Whedon aber dafür immer noch die Schuld auf seinen Co-Autor Drew Goddard schieben, der dann für ihn über das Ziel hinausgeschossen ist.

Die Beschreibung, oder besser, die kurze Zusammenfassung zu Beginn macht deutlich, dass es hier richtig und mit viel Aufwand zur Sache geht. Derlei hat man in dieser Größenordnung wohl nur sehen können, als sich Sunnydale in einem einzigen riesigen Loch in die ewigen Jagdgründe verabschiedete. Dabei fängt es vergleichsweise harmlos an. Jedenfalls ist so harmlos, wie sonst auch. Gegner geben sich ein Stelldichein, Xander hat Probleme mit Frauen, Buffy hat Probleme mit Frauen, Wölfe greifen an und Vampire glauben sich einfach alles erlauben zu können. Scheinbar glaubte Joss Whedon das Ende der Fahnenstange solcher Handlungen erreicht und gedachte einmal mehr so richtig zu klotzen.

Das brachte zweierlei: Eine Materialschlacht und einen sehr ironisch gefärbten Humor – und ein Drama, eher am Rande, aber immerhin. Bei letzterem ist es sehr schade, dass Whredon manchen seiner Figuren scheinbar nichts gönnen mag. Mehr sei nicht verraten.

Der Humor vereinigt sich in der Hauptsache auf Dracula. Dieser Herr der Nacht kommt hier einigermaßen snobistisch, arrogant, very british, wie eine Persiflage auf die Rolle, die einst Gary Oldman in Bram Stoker’s Dracula spielte. Er zeigt sich aber auch in Dawn, die den Vampiren wie Godzilla das Fürchten lehrt. Und Joss Whedon wäre nicht dieser Erfolgsautor, wenn er sich mit einer einmal eingeschwenkten Richtung begnügen würde. Im nächsten Moment schlägt er mit der großen Keule zu – bildlich gesprochen natürlich. Das Lachen erstickt sofort.

Die Zeichner Georges Jeanty und Paul Lee stützen die humorvolle Note, den spaßigen Unterton, der sich hier häufig in der Erzählung findet. Doch, wenn es kracht, dann kracht’s und die Bilder stehen einer Blutfülle, wie sie der Vampir-Fan vielleicht aus Crimson her kennt, in nichts nach. – Und jene, die mit diesem Beispiel nichts anfangen können, sollen sich einfach eine recht große Menge des roten Lebenssaftes vorstellen. Das funktioniert auch.
Teilweise sind die bekannten Akteure sehr gut getroffen, in einem comic-haften Zeichenstil zwar, aber sehr gut erkennbar. Hier liegt auch das Hauptaugenmerk. Eine klassische saubere Tuscheführung, außen sehr fett, innen eher zerbrechlich ist das zentrale Gestaltungselement. Die Kolorierung durch Michelle Madsen ist ordentlich, aber austauschbar. Andy Owens hat seiner Aufbereitung der Zeichnungen und seiner Tuscheführung einen hohen Anteil am guten Gelingen der Bilder. Wo dies nicht gelingt, mag es den beiden Zeichnern anzukreiden sein, die sich allerdings nur äußerst wenige Fehlgriffe erlauben.

Versiert in Szene gesetzt und mit einem Augenzwinkern (oder auch mehreren) von Joss Whedon und Drew Goddard erzählt. Spannende Kost um die bekannteste Vampirjägerin der Welt, die es hoffentlich noch einmal in die Kinos schafft für das absolute Hypersuperduperfinale, das sich jeder Fan erhofft. Der Fan liegt hier richtig, Vampirsüchtige auch und diejenigen, die es nicht bis zur deutschen Ausgabe der Angel-Comic-Reihe aushalten können, sowieso. 🙂

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