Montag, 12. Januar 2009
Ethan Ringler, erst vor kurzer Zeit in der neuen Welt angekommen, hat sich schnell, viel schneller als erwartet, in seine neue Rolle eingefügt. Ethan, auf der Suche nach seiner indianischen Abstammung, arbeitet Undercover bei dem zwielichtigen Van Rhinelander, einem Mann mit vielen dubiosen Verbindungen. Vordergründig als Leibwächter angestellt – seine Fertigkeiten mit zwei außergewöhnlichen Pistolen prädestinieren ihn dazu – arbeitet er in Wirklichkeit für die Bundespolizei. Doch irgendwie ist es für Ethan – aller Ernsthaftigkeit der Ereignisse zum Trotz – eine Art unwirkliches Spiel.
Sind seine Aufgaben bisher schon sehr aufregend gewesen, ist sein Umfeld ganz anders als jenes, in dem er aufgewachsen ist, so bringen die neuesten Verwicklungen erst das richtige Abenteuer – und auch einen Schritt näher an seine Herkunft heran. Es ist die Zeit der Umbrüche. Eine Forschung der Vettern Benz wird zum Zankapfel zwischen dubiosen Elementen der New Yorker Gesellschaft. Ethan ist in diese Auseinandersetzungen verstrickt und hat Glück. Ein Auftrag macht es erforderlich, dass er die Bekanntschaft mit Lautlose Feder macht. Der Indianer, der in den Armenvierteln außerhalb New Yorks lebt, ist bekannt für seine lautlose Art des Stehlens und Tötens. In ihm findet Ethan zum ersten Mal jemanden, der ihm etwas über sein Volk erzählen kann: die Nebelmänner.
In der zweiten Episode aus dem Leben von Ethan Ringler, oder auch Tecumska, wie er später heißen wird, finden sich erste Spuren zu seiner wahren Identität und Zugehörigkeit. Autor Denis-Pierre Filippi beschreitet mit seiner Erzählung verschiedene Wege, man könnte auch sagen, er bedient verschiedene Themen.
Die Kriminalität im vergangenen New York ist nur einer dieser Handlungsstränge. Neben der gesellschaftlichen Struktur, die hier sehr gut verwoben wurde, kreuzen sich natürlich Kriminalität und Wirtschaft. Wichtige Pläne, von einem Erfinder erstellt, wurden gestohlen. Obwohl hier eine eindeutige Straftat vorliegt, denkt der Geschädigte, Van Rhinelander, nicht daran, die Polizei einzuschalten. Die Verstrickungen im alten New York reichen bis in die Verwaltungsetagen der Stadt. Einen ehrlichen Cop zu finden, ist alles andere als leicht.
Ethan Ringler muss die Erfahrung machen, dass seine Nabelschnur nach Europa noch nicht so ganz abgeschnitten ist und sein Name, den er verwendet, Assoziationen weckt, die ihm ganz und gar nicht gefallen. Hier kann er sich noch herausreden, aber es ist spannend, ob ihm das auch weiterhin gelingt. Immerhin – und hier kommen die Exotik, das Fremde, das Andere ins Spiel – lenken ihn neue Informationen ab. Ethan, der ein Magnet für die Frauen ist, ohne es zu wollen, hat noch lange nicht seinen indianischen Scharfblick entdeckt. Von Lautlose Feder kann er noch viel lernen. Ethans neuer Bekannter dürfte darüber hinaus die coolste Figur dieser Geschichte sein.
Ist der Leser zu Beginn vielleicht geneigt, Mitleid mit Lautlose Feder zu empfinden, da dieser in einem Slum zu Hause ist, ändert sich diese Einstellung während des ersten Auftrags. Der Indianer mag kein Gentleman-Einbrecher sein (obwohl er einen Zylinder trägt), aber er versteht sein Handwerk. Außerdem weiß er sich zu wehren. Von Gilles Mezzomo wird die Szenerie in sehr schnörkellosen Bildern umgesetzt. Wie viel Arbeit und handwerkliches Geschick in den Bildern liegen, mag der Leser an den Skizzen im Vorfeld der Handlung ablesen. Auf mehreren Seiten finden sich Charakter-, Haltungs- und Umgebungsstudien, die einen schönen Einblick in Mezzomos Talent geben. Darüber hinaus wird erkennbar, wie wenig notwendig ist, um den Eindruck eines Gegenstands, eines Kleidungsstücks oder auch einer veränderten Mimik zu erzielen.
Ähnliche Zeichnungen lassen sich auch in Anleitungen zum Zeichnen finden. Doch dort ist gemeinhin auch Schluss. Entwürfe und Skizzen werden hier weiterverfolgt und farblich umgesetzt. Die Tuscheüberzeichnung vereinfacht die Bilder zusätzlich, reduziert die benötigten Striche weiter. Der Farbauftrag von Nadine Thomas imitiert einen natürlichen Farbauftrag, ähnlich schnörkellos.
Die Bilder treiben die Handlung voran, sie laden nicht (immer) zum Verweilen ein. Filippi erzählt filmischer als im ersten Teil, die Szenen sind stark auf den Punkt konzentriert. Mezzomo stützt durch seinen grafischen Ausdruck diese Erzählweise, so dass ein sehr flüssig zu lesendes und in vielen Abschnitten hochspannendes Abenteuer entsteht. 🙂
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Freitag, 09. Januar 2009
Ein ganz normaler Tag für einen Mann, der nur seinen Job macht. Die Straßen sind voller Autos, die Bürgersteige voller Menschen und so mancher Mensch ist auch schon voll. Oder voll zu Gange. In dieser Stadt ist alles möglich. Nixon, ein Steuereintreiber, weiß das. Er macht seinen Job, nötigenfalls mit Waffengewalt – eigentlich immer mit Waffengewalt. Aber Nixon hat ein Geheimnis, eines, das selbst er nicht kennt. Und für kurze Zeit gerät eine Lawine ins Rollen, die selbst die Verantwortlichen im Hintergrund zu Überrollen droht.
Gewalt. Gewaltsamer. Am gewaltsamsten. So ungefähr könnte es sich Frank Miller gedacht haben, als er die Geschichte um Mr. Nixon in Angriff nahm. Obwohl das nicht so ganz stimmen kann. Wer sich andere Werke von Miller betrachtet, findet bei ihm immer Gewalt als Stilmittel, meist völlig überzogen, aber nicht gleichzusetzen mit ästhetisch. Miller-Fans werden den Dark Knight kennen, 300 oder auch Sin City. Die eheste Verwandtschaft zum vorliegenden Hard Boiled findet sich wohl in der Comic-Umsetzung von Robocop – Dark Side, der sich Steven Grant annahm und so aus der Geschichte von Frank Miller (Co-Autor des Drehbuchs von Robocop 2) etwas sehr eigenständiges schuf.
Interessanter ist die grafische Verwandtschaft der beiden Geschichten. Geof Darrow hat in dem 1990 geschaffenen Comic eine über die Maßen hohe Detailverliebtheit, wie sie der Leser sicherlich nur selten findet – oder eben in der erwähnten Robocop-Geschichte, gezeichnet von Juan José Ryp. Wenn in beiden Szenarien die Autos aufeinanderkrachen, Kugeln zerfetzen und zersplittern, was so alles zu zerfetzen und zersplittern ist, könnten die beiden Zeichner Brüder im Geiste sein.
Darrow geht allerdings noch einen Schritt weiter. In Szenen, in denen sich Sex und Gewalt Hand in Hand mitunter zeigen, kreiert er regelrechte Suchbilder auf Doppelseiten. Innerhalb der eigentlichen Geschichten kann der Leser nun Mini-Szenarien entdecken, einen tiefschwarzen Humor oder auch eine überspitzte, satirische Voraussicht. Der Welt, wie sie Darrow und Miller zeigen ist nichts heilig. Zurückhaltung ist out, Privatsphäre ist ein Fremdwort. Jeder macht alles, wo er will. Nebenbei ist alles größer, schneller sowieso, bulliger, gewaltiger, voller, nur nicht unbedingt schöner.
Geof Darrow erweckt einen Steuerfahnder zum Leben, der eigentlich ein Roboter mit einer fleischlichen Hülle ist. Die zeitliche Entstehung der Geschichte passt in jene Zeit, als der Terminator durch die Verfilmungen von 1984 und 1991 in aller Munde war. So passt es auch jetzt wieder thematisch, parallel zu einer erfolgreichen Fernsehserie und einer neuen Kinoverfilmung des Terminators. Vieles fließt in diese Geschichte Nixons ein, der Figur, die sich weigert, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Nach einem furchtbaren Kampf der Hülle beraubt, auf das Metallskelett hin entblößt, will er die Tatsache seines Daseins immer noch nicht wahrhaben. Sein Unglauben gipfelt in einer drastischen Verweigerung eines metallenen Stelldicheins unter Robotern auf einem Schrottplatz.
So beharrt Nixon auf seine Menschlichkeit, ist jedoch meilenweit davon entfernt, sich auch so zu verhalten. Wie sehr er auch die Körperteile anderer während seines Arbeitstages verteilt, so kommt ihm zu keinem Zeitpunkt in den Sinn, dass daran irgendetwas falsch sein könnte. Was Darrow alles zu zeichnen hat, um Nixon vom Gegenteil zu überzeugen, ist Wahnsinn mit Methode und optisch nichts für zartbesaitete Gemüter. Wer sich allerdings in Themen wie Blade Runner, Cyber Punk, dem erwähnten Terminator oder anderen futuristischen Action-Krachern zuhause fühlt, den kann auch hier nichts aus der Ruhe bringen – allenfalls zum Lachen.
Die Bilder mögen auf eine sehr einfache Weise von Claude legirs koloriert sein, aber das genügt auch angesichts der übrigen Bildgewalt und des beständig durchblitzenden schwarzen Humors. Die Abarten und Spielformen menschlicher Verhaltensweisen, die Darrow ganz genüsslich und in penibler Klein(st)arbeit zu Papier gebracht hat, ist mittlerweile nicht nur ein Angriff auf den American Way of Life. Beispielhaft ist die Gigantomanie, die in einem Supermarkt zu sehen ist. Wenn Bierdosen in Regentonnengröße oder Paprikaschoten in der Größe eines Outdoor-Rucksacks verkauft werden, dann ist das nur die Spitze des Eisbergs. Da nicht nur die Bilder für Überraschungen sorgen, sondern auch Millers Geschichte, ist es kein Wunder, dass in dieser Rebellion der Maschinen jene, die zu viel Fragen stellen, auch schon mal die Toilette heruntergespült werden – im wahrsten Sinne des Wortes.
Bitterböser Humor, Gewalt im Quadrat, ein SciFi-Totentanz, eine Abrechnung mit dem System – nicht jedem wird eine Gewaltorgie wie diese gefallen, nicht jeder wird sie so auffassen, wie sie (vermutlich) aufgefasst werden soll. Wer Miller noch nie mochte: Finger weg. Wer Miller nur mag: Vorsicht. Wer ihn verehrt: Zugreifen! – Und wer Gewalt in Comics verkraften kann und einmal grafische Kleinstarbeit in Perfektion sehen möchte: Unbedingt reinschauen. 🙂
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Mittwoch, 07. Januar 2009
In Afrika laufen die Fäden zusammen. Morea, ihr ritterlicher Mentor Terkio, Theo McMullen, der Morea mehr als nur beruflich zugetan ist und Am’nta, die sich als zuverlässige Freundin erwiesen hat, nehmen die scheinbar harmlose Reise auf die andere Seite des Globus auf sich. Aber sie werden bereits erwartet. Als das Privatflugzeug, mit dem sie reisen, über der afrikanischen Savanne abgeschossen wird, kann Morea einmal mehr ihre Unsterblichkeit unter Beweis stellen.
Es ist die alte Geschichte. Ein Fanatiker glaubt mit Waffengewalt könne er den Schwarzen Afrika zurückerobern, nicht nur ein Land, sondern gleich mehrere. Ein geheimnisvoller Mann, der sich hinter einer Maske versteckt, paktiert dazu mit einem Weißen, der nicht nur in einer entsprechend mächtigen Position ist, sondern der außerdem noch Waffen beschaffen kann. Mupata, so der Name des Maskierten, ist sich bewusst, dass er einen Pakt mit dem Teufel eingeht, aber er ist überzeugt, diesen weißen Teufel nach seinem Willen lenken zu können.
Der Hauptunterschied zwischen Regierungstruppen und einer Rebellenarmee ist häufig nur eine Frage des Zeitpunkts. So wird für stetige Abwechslung gesorgt.
Die beiden Autoren Christophe Arleston und Dominique Latil sehen schwarz für die Zukunft Afrikas, im sprichwörtlichen wie auch im wahrsten Sinne des Wortes. In einer Zukunft, in der Kuba zu einem der Haupthandelszentren des Planeten aufgestiegen ist, fristet der afrikanische Kontinent immer noch ein Schattendasein hinter den übrigen Weltmächten. Tradition steht hier neben Armut und ständigen Kämpfen um die Vorherrschaft. Einzig – zumindest optisch – der Reichtum einer großartigen Natur scheint sich auch erhalten, wenn nicht verbessert zu haben.
Nach einem Serienauftakt, der die weltweiten Verstrickungen der Drachen und Engel zum Thema hatte, ihre jahrhundertelange Rivalität, ihre Kämpfe, direkt wie indirekt, ist dieser Konflikt hier ein wenig in den Hintergrund gerückt. Nachdem die Nachschublinien der Engel (die alles andere als Engel sind), wenn man es so ausdrücken will, abgeschnitten wurden, müssen sich die Drachen nun mit den Lakaien der Engel auseinandersetzen. Diese sind, wie Morea als Erbin eines mächtigen Finanzimperiums feststellen muss, sogar im Unternehmen zu finden. Der Preis ist nicht Geld oder Macht, nein, er lautet: Unsterblichkeit.
Die Jagd durch Afrika, dem Verräter hinterher, wird zu einer Abrechnung, die bereits fällig war. Christophe Arleston und Dominique Latil gestalten diese Abrechnung mit dem Aufwand eines Action-Films, aber sie vergessen auch nicht die humoristische Seite. Während in Afrika noch gekämpft wird – nein, wird auf Kuba nicht gespült oder wieder gefeiert – geht Moreas weibliche Konkurrenz auf Kuba eher subtil zu Werke und verschafft sich ganz im Sinne eines Vorbilds wie Sharon Stone in Basic Instinct männliche Hilfe, um ihre Machtübernahme heimlich still und leise über die Bühne zu bringen.
Neben der spannenden und zeitweise witzigen Geschichte hat sich grafisch einiges getan. Vergleicht man Band 1 und Band 5 miteinander, sind die zeichnerischen Fähigkeiten von Thierry Labrosse deutlich gereift. Die Strichführung ist glatter, stärker, man könnte sagen genauer und praller geworden. Zuvor war es skizzenhafter, als seien die Bleistiftstriche nur grob nachgezeichnet worden. Hier nun ist die Tuschenachzeichnung exakter und auf dem Punkt. Labrosse experimentiert ein wenig mehr mit Körperlichkeiten und ihren Perspektiven, wodurch sich bei den Bildern noch der Eindruck einer Kameraführung verstärkt. Auch bei den Gesichtern fallen einzelne Partien einfach voluminöser aus. Augen, Mund und Kinn werden mehr betont. Die Gesichter sind so energischer, wirken ausdrucksstärker – was aber auch auf die leicht geänderte Strichführung zurückzuführen ist.
Insgesamt hatten die grafischen Beteiligten – Labrosse hat sich die Farbgebung mit Christian Goussale geteilt – anscheinend Lust, es so richtig knallen zu lassen. Denn hier zeigt sich der nächste Unterschied zum Serienauftakt. Die Farbgebung ist aufwändiger geworden. Licht und Schatten wurden mehr herausgearbeitet, es findet sich der oder andere gewagte Wischer, so dass eine viel größere Plastizität stattfindet. Optisch also, auch durch die gewählten sehr strahlenden Farben, ein richtiges Bonbon.
Ein rasanter Abschluss dieses Zyklus. Toll gezeichnet und grafisch weitergeführt bietet dieses Abenteuer alles, was das Comic-Herz begehrt: Packende Handlung, sympathische Helden, fiese Bösewichte, technische Finessen, schöne Frauen, gut gewählte Spielorte, ein wenig Romantik, Humor natürlich, aber vor allem eine Spannungsschraube, die bis zum Schluss weiter angedreht wird. 🙂
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Montag, 05. Januar 2009
Die Ereignisse nehmen ohne Cade Skywalker ihren Fortgang. Bei seiner Flucht hat er tiefe Wunden hinterlassen, nicht nur körperlich. Stolz wie auch Selbstachtung wurden angekratzt, ein Umstand, den ein Sith nie zugeben würde, aber das Verhalten aller Beteiligten spricht Bände. Sie sind eben nicht unbezwingbar, auch wenn sie sich gerne mit diesem Mythos umgeben. Die Macht hat anderen Kräften den Vorzug gegeben. Die Sith herrschen nun über das Imperium, oder vielmehr das, was davon noch übrig ist. Es gibt Rebellen, die den Sturz des Systems wollen und es gibt ehemalige Imperiale, die ein Imperium ohne Sith wollen. Manchmal ist der Feind meines Feindes mein Freund – oder wenigstens ein zeitweiliger Verbündeter.
Die Feinde des herrschenden Imperiums haben sich einen neuen Schachzug ausgedacht. Es gilt, das Prestige des Feindes zu beschädigen. Was wäre naheliegender als den neuen Supersternzerstörer, der noch in der Werft um den Planeten Mon Calamari andockt und noch nicht bewaffnet ist, zu stehlen. Ein halsbrecherisches Unterfangen nimmt seinen Lauf. Die Rebellen haben mit Gegenwehr gerechnet. Sie haben mit Vergeltung gerechnet. Aber mit der absolut von Hass und Lebensverachtung durchdrungenen Einstellung der Sith hat niemand, auf keiner Seite gerechnet – außer die Sith selbst.
Die Sith müssen zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Das kratzt, wie man landläufig sagt, an ihrem Ego und hat für so manchen Beteiligten schlimmste Konsequenzen zur Folge. In bester Sith-Manier – also so, wie es schon ein Imperator Palpatine es vormachte – wird ein ganzes Volk für den Aufstand und den Verrat einiger weniger bestraft.
John Ostrander, Autor der vierten Episode von Legacy, jener Geschichte aus dem Star Wars-Universum lange nach Luke Skywalker und seinen Freunden, beschäftigt sich hier mit Geschehnissen außerhalb des Szenarios um die Erben Skywalkers. Wie der Fan es aus der alten Zeit der klassischen Episoden her kennt (Episode IV bis VI), bäumen sich die Unbeugsamen wieder gegen das Regime auf, greifen an, versetzen Nadelstiche … und mehr ist es letztlich nicht. Das neue Imperium hat nicht einen Sith, es hat deren mehrere, wird sogar auf dem imperialen Thron von einem geführt. Darth Krayt, Imperator, muss seine Macht allzu sehr auf die Stabilisierung seines Körpers konzentrieren, um wirklich zu allen Zeiten an allen Brandherden präsent zu sein.
Sehr schön zeigt Ostrander, dass Gefühlskälte noch lange kein Ersatz für eine analytische Vorgehensweise ist. Die Impulsivität dieser Anhänger der dunklen Seite, optisch allesamt Kinder eines Darth Maul, zerrt allseits an den Nerven. Die Stimmung unter den Sith ist stets gereizt, kein Wunder, da es für Versagen eigentlich nur eine Strafe gibt. Eigentlich? Darth Wyrrlok (siehe Coverabbildung) ist besonnen genug, um den Verlust von Mitteln zu erkennen, die an anderer Stelle noch nützlich sein können. Durch seine Fürsprache werden zwei Sith vor dem Tod bewahrt. So entsteht der Eindruck – nimmt man die anderen Sith hinzu – dass sich die Meute rund um Darth Krayt wie einzelne Wesenheiten benimmt, jeweils für eine Charaktereigenschaft stehend.
Optisch geht die Umsetzung der einzelnen Kapitel unterschiedliche Wege. Generell sind die Grafiken sehr gelungen. Hier wird schon lange nichts mehr dem Zufall überlassen. Im letzten Drittel befindet sich allerdings ein kurzer Einschub – zu kurz, leider – der anders ist, eine Spur kreativer und eigenständiger. Er hat ein wenig Guy Davis, ist ein wenig karikiert, aber sehr dynamisch, fast schon ein wenig an die aktuelle Zeichentrickserie rund um die Klonkriege angelehnt. (Leider lassen sich über den Zeichner keine Aussagen treffen, da hier wohl zu Beginn Informationen nicht vorhanden sind.)
Besonders hervorzuheben ist noch die abschließende Episode, die losgelöst von der Hauptgeschichte zu betrachten ist und unabhängig davon gelesen werden kann. Darth Wyyrlok begegnet einem sehr alten Sith. Wie schon in der Begegnung zwischen Darth Vader und Darth Maul geht es auch hier zur Sache. Die optische Faszination wird vor allem durch die verschiedenen Erscheinungen und unterschiedlichen Kampfweisen der beiden Sith hervorgerufen. Sehr spannend und gleichzeitig ein kleiner Blick hinter die Kulissen der Geschichte der Sith (so hat es tatsächlich einer geschafft, den Tod zu besiegen).
Ein Zwischenspiel, in dem die Sith eine wichtige, aber nicht unbedingt die Hauptrolle spielen. Auch dieser zeitliche Abschnitt hat seine Helden am Rande. Hier dürfen sie in den Vordergrund treten. Grafisch wie gewohnt top, bietet der vierte Teil von Legacy noch ein paar neue Einblicke in das Gefüge der Sith. 🙂
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Sonntag, 04. Januar 2009
Die Kinder sind allein. Immer noch. Dodji, derjenige, der viel zu erwachsen für sein Alter ist. Terry, der kleinste von ihnen, der gar nicht genug Spielzeug sammeln kann, da ihn kein Erwachsener mehr daran hindert. Leila, die versucht, sich zusammenzureißen. Yvan, der nicht aufgibt und eine Telefonnummer nach der anderen ausprobiert und schließlich Camilla, ein wenig schüchtern und mit einem großen Herzen versehen. Sie haben Zuflucht in einem Hotel gesucht. Fünf Kinder können in diesem palastartigen Haus schalten und walten, wie sie wollen. Und obwohl sie auch einsam sind, genießen sie die Situation ein wenig.
Gefahren sind vorhanden, aber die Kinder haben schon gelernt, damit umzugehen. Die freilaufenden Tiere, aus einem ehemaligen Zirkus entkommen, wurden mit Sperren daran gehindert, in die Nähe des Hotels zu kommen. Ein Wettrennen mit einem Nashorn, was an einer solchen Sperre aufgehalten wird, ist eher aufregend als furchtbar. Eines Tages allerdings, aus einer Spiellaune heraus, begehen sie einen Fehler. Es ist nur ein Schuss, aber dieser geht in die falsche Richtung. Plötzlich haben die fünf Freunde einen Gegner, mit dem sie nicht gerechnet haben.
Der Mensch gewöhnt sich an eine Situation und er lernt, sich zurecht zu finden und das Beste aus einer Lage zu machen. Überleben lautet die oberste Priorität der fünf kleinen Helden wider Willen. Das haben sie bisher gemeistert, aber ihre Gegner waren auch nur Tiere. Jetzt tritt ein Mensch gegen sie an: Der Herr der Messer. Seine Motive … Es sind keine erkennbar, wenigstens für die Kinder nicht (für den Leser schon), die sich zum ersten Mal in ihrem Leben gegen jemanden wehren müssen, der sie töten will.
Fabien Vehlmanns Szenario läuft eigentlich der künstlerischen Gestaltung etwas entgegen. Der Humor bricht hier nur zeitweise wie in einem Cartoon durch. Der Grundgedanke – hier noch stärker als im ersten Band – ist sehr ernsthaft angelegt und könnte, entsprechend gezeichnet ein noch breiteres Publikum ansprechen. Vorbehalte könnten durch den Cartoon-Look entstehen, so dass nicht angenommen wird, es handele sich um eine erwachsene Geschichte, sondern vielmehr um ein Kinderabenteuer mit Paris als großem verwaisten Spielplatz.
Dem ist aber nicht so. Vehlmann nimmt sich der eigenverantwortlichen Kinder an, die vermehrt auf sich gestellt sind, die vernünftiges Handeln entwickeln müssen. Dodji, der älteste der Gruppe, aus dem Waisenhaus stammend, ist das Paradebeispiel, fast schon vernünftiger als so mancher Erwachsene in dieser Situation. Die Unvernunft seiner Gefährten ärgert ihn, verlasst ihn beinahe, die anderen zu verlassen und sein Glück alleine zu versuchen. So ist es denn auch wirklich diese Unvernunft, die die Gruppe erst in die Schwierigkeiten bringt, die zum Ende des Bandes aufgeklärt werden.
Der Zeichenstil von Bruno Gazotti soll nicht schlechtgeredet werden, ganz im Gegenteil, doch er kann – muss nicht – Missverständnisse produzieren und so Leser außen vorhalten, die sich ansonsten für diese spannende Geschichte interessieren würden. Vielleicht kann der Ausdruck der Figuren hier durch den Zeichenstil noch besser transportiert werden. Cartoon-ähnliche Mimiken erlauben ganz andere, auch deutlichere Ausdrücke, als es Realzeichnungen in Comics gemeinhin vermögen. Der Strich sitzt in jedem Bild auf dem Punkt. Gazotti wäre mit seiner Technik auch ein guter Zeichner für Klassiker wie Spirou + Fantasio oder Lucky Luke.
Der Herr der Messer betritt das Szenario optisch wie einer der vielen Slasher-Gestalten, eine vermummte Gestalt im Kerzenschein, die eine Tür zu einem einzelnen Zimmer öffnet. In einem Film würde nur allzu deutlich, was sich hier anbahnt, denn Boden und Wände sind über und über mit Hieb- und Stichwaffen ausgelegt und behängt. Für einen Comic in dieser Optik will man diesen Gedankengang als Leser zuerst nicht wahrhaben. Und doch sehen sich die Kinder bald einem erbarmungslosen Killer gegenüber … Oder doch nicht?
Noch größere Spannung als im ersten Band, eine erwachsene Geschichte im Cartoon-Gewand, ungewöhnlich, gruselig, mit sympathischen Hauptfiguren, die einem noch ein wenig mehr ans Herz wachsen als zuvor.
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Samstag, 03. Januar 2009
Alix Yin Fu wähnte sich gerade noch in einer guten Ausgangsposition. Sie hat die Atombombe gefunden, der dumme Engländer Sir Francis liegt bewusstlos zu ihren Füßen. Sie hat ihre Aufgabe als chinesische Agentin perfekt erfüllt. Der Erfolg macht sie einen Moment unaufmerksam. Und schon ist sie es, die bewusstlos ist. Kurz darauf liegt sie auch noch gefesselt auf dem Bett des Engländers. Alix macht sich berechtigte Sorgen, um ihre Jungfräulichkeit – doch auch nicht allzu lange, denn noch ein wenig später kommt jemand hinzu, der alles ändert: Sir Francis’ Mutter.
Hongkong ist hier der Tummelplatz der Weltmächte – und solcher, die sich dafür halten. Die Engländer, die Chinesen und natürlich die Amerikaner kennen nur ein Ziel: Den Fund der verlorenen Atombombe. Gerät sie in die falschen Hände könnte es zu einer Katastrophe kommen. Leider sind alle Beteiligten irgendwie neben der Spur, wie es so schön heißt, weshalb die Atombombe zu einer Art Wanderpokal wird, der sich mal hier oder mal dort befindet, nur nicht in den Händen, in denen er eigentlich gehört.
Yann und Conrad haben nach einem sehr spaßigen Auftakt über die chinesische Agentin Alix Yin Fu die Humorschraube noch weiter angedreht. In diesem Band wandeln sie auf den schwarzhumorigen Spuren eines Alfred Hitchcock, dem es auch trefflich gelang, Spannung mit Witz zu verbinden. Sex und Tod, durchaus legitime Mittel im Agentenkrieg, werden hier recht überzogen. James Bond, zwar auch ein Agent im Geheimdienst ihrer Majestät, hätte mit seinem Sexappeal ziemlich das Nachsehen, da er bei weitem nicht der einzige ist, der dieses Blatt ausspielt.
Alix, eigentlich sehr freizügig gekleidet, legt auf diese Karte überhaupt keinen Wert. Im Gegenteil ist es für sie viel erstrebenswerter – weil für ihre Karriere von Vorteil – eine Jungflau zu bleiben. Nachdem sich die Mutter von Sir Francis durch eine chinesische Bedienstete davon überzeugt hat, dass dieses fremde Mädchen nichts mit ihrem Sohn hatte, greift sie selbst in den Fall ein.
Mutter! Mutter! Was hast du? Sag doch was, bitte!
Ihh … Ihh … I … Idiot!
Francis’ Mutter, eigentlich eher eine Frau, die das Heft in einer Beziehung in der Hand hält, gerät ausgerechnet durch ihren Sohn doch noch in eine Situation, in der ihr die Zügel zu entgleiten drohen. Als Leser mag man sich in diesem Moment über den Witz dieser Situation kringeln (oder auch wundern), die nächste Blutspur wartet schon auf der nächsten Seite, um die Spannung weiter anzutreiben.
Grafisch wird ein einfacher Cartoon-Weg beschritten, der aber nur derart schlicht gegangen werden kann, wenn diese Technik auch beherrscht wird. Es gibt durchaus Beispiele anderer Zeichner, wo es nicht funktioniert. Didier Conrad beherrscht den leicht ausschauenden Strich perfekt. Es zeigt sich, dass für eine solche Szenerie keine aufwändigen Bilder notwendig sind, aber das wenige, was zum Aufbau der Grafiken nötig ist, muss sitzen.
So springt Conrad ein wenig. Er hält Gesichter und Körper schlichter, besinnt sich aber bei der Umsetzung von Ausstattung – Fahrzeuge, Architektur, Waffen etc. – auf eine größere Genauigkeit, auf mehr Realismus. Gesichter karikiert er gerne, auch auf die Art, wie es ein Hergé oder ein Marc Sleen machte. Ausgerichtet sind die Bilder, wie auch die Erzählung auf ein erwachseneres Publikum, das auch mit den etwas derberen Scherzen umzugehen weiß – von den sehr schwarzhumorigen Witzen ganz zu schweigen.
Eine gelungene Fortsetzung zu Im Geheimdienst des großen Steuermanns, besser noch als der Auftakt, mit einer höheren Geschwindigkeit erzählt, trefflich gezeichnet. Ein gelungener Agentenspaß aus der Zeit, als der Kalte Krieg seine Hochzeit erlebte. 🙂
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Oder bei Schreiber & Leser.
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Im Fegefeuer ist alles anders. Es brennt zum Beispiel nichts. Alles ist irgendwie klapprig. Kein Wunder, sind doch alle, die hier ankommen, ihrer Knochen verlustig gegangen und fristen nun ihr fleisch- und glückloses Dasein in einer Art Pseudogesellschaft, die kaum mit solchen vergleichbar sind, wie sie die Elenden noch von der Erde her kannten. Als ein ganz besonderer Neuankömmling – er erhält den neuen Namen Mardi-Gras Aschermittoch – diese Welt betritt, schöpfen einige Bewohner Hoffnung. Denn dieses Skelett war in seinem früheren Leben ein Kartograph. Mit seiner Hilfe sollte es endlich gelingen eine Karte dieser Welt zu erstellen – und vielleicht einen Ausweg zu finden.
Doch in einer Welt, in der ein Schluck Kaffee eine der höchsten Wonnen bedeutet, sind noch viele andere Aspekte zu beachten. Die Machtverhältnisse sind merkwürdig, ihre Beweggründe nicht immer zu verstehen. Hinzu kommt eine gewisse Beschaffungsschwierigkeit. Zwar kommen immer wieder einige Teile zusammen mit Neuankömmlingen von anderen Seite her durch, nur nicht immer das, was gerade gebraucht wird. Mardi-Gras’ Aufgabenstellung scheint unmöglich zu erfüllen sein.
Eine Karte fertigt man an, um die Topographie und alle Koordinaten zu erfassen, mit Hilfe von Luftbildern. Ganz zu schweigen von Ihren Beschaffungsmethoden! Sie sind wie dieses Teleskop … Reichlich abwegig!! Und was ist mit Papier, Feder, Stuhl, Schreibtisch? Sie haben gar nichts!
Schließlich willigt Mardi-Gras doch ein. Denn es geht um seine Seele. Aber selbst seine sehr eingeschränkte Physiognomie macht keinen Hehl aus der Tatsache, dass er vollkommen illusionslos an seine Arbeit herangeht. Éric Liberge führt den Leser nach dem Auftakt im ersten Teil noch tiefer in diese fremdartige Welt der Toten – oder sollte man sagen: der Verdammten – die in mancherlei Szenen recht tiefsinnig ist und sich allein dadurch schon von anderen Geschichten abhebt.
Geschmack! Ob es Teufelswerk ist, auf die eine oder andere Weise Zugang zu den schönsten Leckereien zu haben, aber den Geschmack aus seiner Erinnerung zu ziehen? Verzweiflung ist vielfach die Antwort. Manchmal entzieht sich der Mensch – oder das, was aus ihm geworden ist – aber durch schiere Ignoranz. Würde es Sand zwischen Planeten geben, würde er seinen Kopf hineinstecken. Wenn ich es nicht sehe, sieht es mich auch nicht. Mit Mardi-Gras hat Éric Liberge jedoch einen aufmüpfigen Charakter geschaffen, der angesichts dieser Mentalität in eine erfrischende Wut gerät. Allerdings auch eine, die ihn Hals über Kopf losrennen lässt. Der Ärger ist, der Leser kann es sich denken, durch diese beiden Extreme vorprogrammiert.
Ist die Handlung als solche erfrischend anders, spannend auf ihre dramatische und auch traurige Art, aber auch aufregend, da man als Leser an der Seite von Mardi-Gras auf Entdeckungstour ist, sind die Zeichnungen erst recht sehr ungewöhnlich.
Die Bilder sind, nicht zuletzt durch die skelettartigen Akteure bedingt, sehr feingliedrig aufgebaut. Die vorherrschende Stimmung ist dunkel. Es ist eine Welt des stetigen Verfalls und Untergangs. Wunden schließen sich nicht, nichts heilt. Skelette, die Knochen einbüßen mussten, sehen sich gezwungen, sich mit anderen Materialien zu reparieren. Die optischen Eindrücke, die Éric Liberge hieraus kreiert, sind schlichtweg phantastisch zu nennen. Das betrifft einerseits die grafische Technik, andererseits das Endergebnis. Manche Ausblicke, halb- oder auch ganzseitig, die einfach in ihrer Ausführung wirken, zeugen von großem handwerklichen Können.
Tumultartige Versammlungen der Skelette, Verkleidungen, Schiffe, die über schartig aussehenden Oberflächen schweben, verdeutlichen das optische Ende aller Tage, wie es die Nennung eines Infernos in den Köpfen des Lesers hervorruft. Das liegt auch an der vorherrschenden der beschriebenen Welt. Alles ist hier altertümlich, ein weiterer Garant für eine gruselige Atmosphäre, für eine Gespenstergeschichte im Sinne eines Wilhelm Hauff oder Oscar Wilde. Modernes sucht der Leser hier vergebens. Das modernste – oder eines der modernsten – Instrument dürfte ein Sextant sein. Éric Liberge gelingt das grafische Kunststück, mit vereinzelten Skeletten Sympathien beim Leser zu wecken, nicht zuletzt mit Mardi-Gras Aschermittwoch persönlich.
Eine spannende, dramatische, fast schon philosophisch zu nennende Fortsetzung. Ein wenig verzwickt vielleicht, nicht immer eingängig auf den ersten Blick, aber Leser sollen und wollen auch mal gefordert werden. Sehr anders und sehr gut. 🙂
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Dienstag, 30. Dezember 2008
Die Welt leidet an der Überbevölkerung. Aus diesem Grund werden in regelmäßigen Abständen einige Mitbürger ausgesondert. Es existieren hierfür keine Vorgaben. Es kann jeden treffen, arm oder reich, alt oder jung, das Los entscheidet. Für diese Fälle gibt es die Frettchen. Die Frettchen erhalten ihre Zielvorgabe, kurz darauf wird das Ziel von ihnen liquidiert. Ein Frettchen ist das beste von allen. Dies ist seine Geschichte in den Chroniken von Centrum. Jules, sein Wohnungscomputer, gibt ihm die nötigen Informationen und schickt ihn quer durch die Stadt. Stadt? Centrum ist weit mehr als das. Es ist ein chaotisches Sammelbecken.
Der Großteil der Bevölkerung lebt im Dreck, im ewig andauernden Regen, im Zwielicht, im Smog. Der restliche sehr, sehr kleine Teil lebt im wahrsten Sinne unter einer Schutzglocke, beschützt von allerbester Technik – doch auch sie sind vor Frettchen von der Volkskontrolle nicht gefeit. Für diese sind Aufträge unter der Glocke die Sahnehäubchen. Neben frischer Luft gibt es dort sogar Bäume, Tiere und klares Wasser. In einem sind sich beide Zonen, die der armen und die der reichen Bevölkerung, allerdings gleich. In beiden gibt es bisweilen Ziele, die sich der Liquidierung entziehen wollen – oder sich sogar wehren.
Jean-Pierre Andrevon schrieb selbst die Romanvorlage zur seiner Comic-Umsetzung und schlägt mit seiner Handlung ganz eindeutig eine Richtung ein, wie es sie schon in Blade Runner gab. Ridley Scott hat mit seiner Verfilmung einer Geschichte von Philip K. Dick einen optischen Grundstein und ein emotionales Fundament für ähnlich gelagerte Zukunftsaussichten geschaffen. Und so könnten sich Die Chroniken von Centrum beinahe nahtlos in jene Vorgaben einfügen.
Gleichwohl gibt es natürlich auch andere Blickwinkel. Der Umgang mit der Überbevölkerung könnte als Verbeugung vor anderen Klassikern des Genres wie Soylent Green verstanden werden. Die Jagd auf Menschen – auch den sportlichen Charakter des Jobs, den das Frettchen empfindet – erinnert zuweilen an Themen wie The 10th Victim (sicherlich auch eine Inspiration für Running Man). Der Lebensüberdruss ist hier allerorten spürbar. Wenn jemand einen Goldfisch als Haustier schon für etwas ganz besonderes hält, Menschen hingegen gnadenlos richtet, dann ist etwas faul im Staate Dänemark.
Es fällt schwer, Sympathie für die Hauptfigur zu empfinden – zumindest anfänglich – da er sich einem normalen Leben völlig verschließt. Erst im Verlauf der Geschichte, wenn er doch wieder (wie es sich herausstellt) von der Liebe eingeholt wird, kann auch der Leser mitleiden, denn das Quäntchen Hoffnung in dieser Welt kann einfach nicht überleben.
Grafisch findet sich der Betrachter hier auf den Spuren des Euro-Mangas wieder, zum Beispiel in der Form von Kazandou. Aber die zeichnerische Stil wirkt auch an Zeichner wie Scott Kolins angelehnt, den der Rächer-Fan in einigen Episoden rund um Captain America bewundern durfte. Auch die eher weiche Grafik eines Mike Wieringo (u.a. Die Fantastischen Vier) ist zu finden. Afif Khaled zeichnet die Bilder des Centrums ebenso zerbrechlich, aber auch kantiger, zerbrochener, was durchaus auch als stilistisches Mittel passt. Dieser sehr offene grafische Stil der feinen Zeichnung lässt dem Kolorieren alle Möglichkeiten.
Khaled selbst auch diese Arbeit übernommen und beweist sehr schnell, warum er sich bei den Zeichnungen vergleichsweise zurückhält. Er scheint nahezu alles zu nutzen, was ein Computer in Sachen Kolorierung erst möglich gemacht hat. Dabei bleibt er weitgehend düster und bewegt sich je nach Grundstimmung einer Szene immer in einer eng umgrenzten Farbpalette. Der entstehende Eindruck – auch hervorgerufen durch teilweise hart abgegrenzte Farbabstufungen – ist filmisch, vergleichbar mit einem besseren Anime.
Nicht das neueste Grundszenario, aber mit einigen neuen Ideen, allemal spannend, für SciFi-Fans ein wenig wie ein Besuch in der Nachbarschaft. Die grafische Umsetzung ist gelungen, teilweise beeindruckend, ganz besonders, wenn Khaled sein Augenmerk auf Umgebungen richtet. 🙂
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Sonntag, 28. Dezember 2008
Eine Sportübertragung im Fernsehen – genauer ein Endspiel der Computerspieler – und eine Platte mit fettigem Essen, eine Flasche Bier, was will der Mensch, Verzeihung, der Homer mehr? Vielleicht ein neues verbessertes Bier? Als Homer die Reklame zum neuen verbesserten Duff im Fernsehen sieht, ist es jedenfalls gleich um ihn geschehen. Was könnte schöner sein als eine verbesserte Variante seines heiß und innig geliebten Getränks?
Sogleich macht er sich auf den Weg, den neuen Nektar auszuprobieren, der angeblich – so der Werbespruch – auf kaltem Feuer gebraut worden sein soll. Doch wie Lisa so treffend feststellt: Das ergibt keinen Sinn. Bald muss auch Homer einsehen, dass eine Verbesserung eines Produktes nicht unbedingt eine wirkliche Verbesserung sein muss. Das neue verbesserte Duff schmeckt grauenhaft.
Was tun? Heißt es nicht, dass der Verbraucher eine gewisse Macht besitzt? Bei der nächsten Sitzung der Duffco-Aktionäre macht sich Homer daran, diese These auf die Probe zu stellen. Und …
Bier!!! Das Getränk des Mannes, nicht Whisky, schon gar nicht Wein, nein, Bier! Dunkles, helles, irgendwelche farblichen Zwischentöne – nur nicht mit Limonade gemischt oder gar flavoured mit irgendeinem Knös – Hauptsache, Bier!!! Diese Vorstellung ist nicht amerikanisch, sie ist mannisch (vielleicht auch manchmal manisch, wer weiß?) Und doch gibt es immer wieder einmal irgendwelche besonderen Ultraschlauen, die meinen, sie hätten den besseren Geschmackssinn und müssten etwas besonders gutes noch besser machen.
Das kann ja nur schief gehen. Homers zarter Geschmackssinn verträgt diese Neuerung jedenfalls nicht: Das kann kein Duff sein! Das schmeckt ja wie Spucke!
So wird dank Erzähler Chuck Dixon aus einer Geschmacksverbesserung eine Odysse um die Welt. Vier Männer, beseelt vom Gedanken auf eine bessere Bierzukunft, machen sich auf, um den wahren Vater von Duff zu finden, der von den neuen Firmenchefs gefeuert wurde. Aus Homer wird Primat der Karibik und gleichzeitig entsteht so ein albernes Feuerwerk, wie es lange nicht mehr bei den Simpsons zu lesen war – ja, es gibt noch Steigerungen!
John Costanza scheint dieses Abenteuer sehr gemocht zu haben. Darf er doch Homer auf Indiana Jones’ Spuren schicken und kleine Männer mit Speeren auftreten lassen, deren Auftritt an die Ewoks erinnert. Da man gerade auf einer Insel ist, kann in einer weiteren Anspielung auch gleich Lost herangezogen werden. Zeichnerisch gibt es (wieder einmal) nichts zu bemängeln. Die Simpsons schauen aus wie immer. Als Leser fühlt man sich wie zuhause.
Mehr Action, mehr Anspielungen, weniger Bier: Ein neuer kleiner Höhepunkt der Reihe. Wenn Homer eine Reise tut – auch noch für einen guten Zweck: Bier – dann möge das Chaos zu uns kommen. Perfekter Spaß aus dem Hause Groening. 🙂
Hugh Jackman kehrt endlich wieder in seiner besten Rolle auf die Leinwand zurück: Wolverine! Das wird natürlich Marvel-Fans ganz besonders freuen – so wie mich – aber auch solche, die sich alleine mit den drei vorhergehenden X-Men-Filmen anfreunden konnten. Jetzt ist der Trailer zur Wolverine-Verfilmung online. Neben der Entstehungsgeschichte dieser faszinierenden Figur – ganz gleich, ob sie dem Superhelden-Genre entspringt oder nicht – finden sich auch eine Reihe von altbekannten Gesichtern (aus den Comics) sowie ein paar neue, auf die man als Fan schon gewartet hat.
Trailer auf Youtube
X-Men Origins: Wolverine auf IMDB
Gespannt sein darf man, denke ich, auf Liev Schreiber, der bereits in Kate und Leopold an der Seite von Hugh Jackman spielte, diesem aber hier als Sabretooth gegenüber steht und Genre-Fans vielleicht schon aus Scream 2 und 3 und der Neuverfilmung von Das Omen her bekannt ist. Vielverprechend ist es allemal. Wenn die Qualität der X-Men-Filme erreicht wird, kann es nur gut werden. 🙂