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Comic Blog


Montag, 09. März 2009

Ethan Ringler 3 – Unsichtbare Schatten

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:44

Ethan Ringler 3 - Unsichtbare SchattenDie Bundespolizei hat die Falle ausgelegt. Die Männer sind postiert. Jetzt müssen die Schmuggler nur noch festgenommen werden. Das ist ein Kinderspiel. Ethan traut der Angelegenheit nicht. Sollte den Einsatzleuten ein Fehler unterlaufen, könnte seine Tarnung auffliegen. Diese Tarnung ist wichtiger denn je. Ethan genießt inzwischen ein großes Vertrauen im Kreise seines Chefs Van Rhinelander. Mehr noch: Ethan fühlt sich in Gesellschaft dieser Männer immer wohler.

Der Wilde Westen will nicht mehr wild sein. Das schließt den gesamten nordamerikanischen Kontinent mit ein. Neue Technik bedeutet Zukunft. Ethans Chef, Van Rhinelander, will diese Zukunft mit der Entwicklung eines autonomen Wagens ohne Pferde mitgestalten. Denis-Pierre Filippi erzählt mit einem Augenzwinkern, wie schwierig sich derlei Entwicklungen getan haben und wie sehr das Fortschrittsdenken von Unternehmern und Erfindern immer wieder auf eine sehr große Geduldsprobe gestellt wurde. Der Spott, hier von den Journalisten, darf dabei nicht vergessen werden. Doch es ist nicht nur eine schief gelaufene Premiere eines Automobils, die der Leser hier bestaunen kann. Filippi beschreibt den Zwiespalt zwischen einer echten unternehmerischen Tätigkeit und Gaunerei. Besser gesagt: organisiertem Verbrechen.

Nachdem der Leser bisher die vermeintliche Sicherheit des alten New Yorks kennen gelernt hat, brechen die Männer rund um Van Rhinelander auf in das Hinterland. Und hier, abseits einer vorsintflutlichen New Yorks, dem jedoch schon viele moderne Merkmale anhaften, ist der Wilde Westen, ebenfalls mit allen Merkmalen, allerdings den altmodischen. Mitten im Nirgendwo plant Van Rhinelander eine Fabrik. Zwei Standorte sind zur Auswahl auserkoren. Der Plan wurde bekannt. Wer das Auswahlverfahren mit dem heutiger Szenarien vergleicht, wird keinerlei Parallelen feststellen. Hier ist man seitens der Einwohner bereit, sich mit Mord und Totschlag für eine Standortentscheidung stark zu machen.

Innerhalb dieser Rahmenbedingungen bewegt sich der junge Ethan Ringler. Seine Erfahrungen, die bisher für einen jungen Mann seines Alters außergewöhnlich gefährlich waren, wenden sich nun auch etwas schöneren Angelegenheiten zu: Liebe und Freundschaft. Filippi hat seinen Helden mit einem gesunden Misstrauen ausgestattet. Für einen Menschen in seiner Position, der als Doppelagent beschrieben werden kann, ist dies auch notwendig. Jedoch hat er sich mit dieser Einstellung sehr von seinem Umfeld ausgegrenzt. Er ist der junge Mann, der für seinen Mut bewundert wird, für seine Schussfertigkeit, auch für seine Loyalität, aber sicherlich nicht für seine überbordende Herzlichkeit.

Ethan lässt sich zaghaft auf die Liebe ein, ebenso auf die Freundschaft. Andere müssen vor erkennen, auf welch menschlichen Pfade er sich begibt.
Ethan findet gerade einen Freund. Vielleicht seinen ersten. Ich respektiere das. Und Sie sollten das auch tun.
Missgunst findet sich selbst auf diesem Terrain. Autor Denis-Pierre Filippi belässt es nicht bei den eher unpersönlichen Begebenheiten des Verbrechens, sondern er gräbt tiefer als zuvor im Charakter seines Helden, entblößt, macht ihn viel menschlicher und sympathischer. Aber Autoren sind auch gemein zu ihren Helden. Filippi macht da keine Ausnahme. Ist der Held erst einmal sympathisch, lässt es sich für den Leser viel leichter mit ihm leiden. Und Filippi erreicht genau das. Da sich die Geschichte im wilderen Westen bewegt, geht er dafür, wie kann es anders sein, über Leichen.

Gilles Mezzomo zeichnet mit dem gewohnten leichten Strich. In jugendlichen Gesichtern findet er nicht immer die nötigen Unterscheidungsmerkmale, bei einprägsameren Charakteren wie Van Rhinelander und einigen seiner Gehilfen aber finden sich sehr urige Typen, die weit von einem Dutzendgesicht entfernt sind. Angesiedelt ist dieser dritte Teil der Handlung im Winter. Damals wie heute ist der Winter eine Herausforderung, hier gleichzeitig für Mensch und Tier. Eine dichte und unberührte Schneedecke liegt über dem Land. Mezzomo macht daraus etwas unwirtliches und unwirkliches. Diese kleine Ortschaft mit ihren Holzbaracken und roh gezimmerten Häusern wirkt in dieser natürlichen Umgebung wie ein Fremdkörper. Mezzomo lässt diese Atmosphäre in Unsichtbare Schatten sehr schön erlebbar werden.

Mit einer gut gegliederten und schön geschilderten Geschichte gelangt der dritte Band auf den ersten Platz. Die Titelfigur Ethan Ringler lässt den Leser an sich heran, er wirkt sympathischer als bisher. Filippi und Mezzomo liefern hier ihr Gesellenstück am Rande zur Meisterschaft ab. 🙂

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Sonntag, 08. März 2009

Blueberry 45 – 100 Dollar für den Tod

Filed under: Abenteuer,Western — Michael um 15:00

Blueberry 45 - Die Jugend von Blueberry - 100 Dollar für den TodDer kleine Trupp der blau uniformierten Unionstruppen bewegt sich vorsichtig mit Ross, Reitern, Fußtruppen und Planwagen über die offene Ebene. Sie sind vorsichtig und halten Ausschau. Den Hinterhalt der Konföderierten übersehen sie. Kurz darauf krachen die Gewehre und Pistolen auf beiden Seiten des Weges. Die Unionssoldaten wehren sich, verschanzen sich und wagen einen Ausfall. Am Ende bedecken Leichen die Ebene.

Michel Blanc-Dumont ist ein Figuren-Architekt. Zufälle sind in seinen Zeichnungen ausgeschlossen. Die Geschichte aus der Zeit der Jugend von Blueberry beginnt mit einem Scharmützel zwischen Konföderierten, Südstaatlern, und Unionstruppen, Nordstaatlern. Blanc-Dumont gestaltet die Szene auf den ersten drei Seiten wortlos. Das mag natürlich auf das Skript von Autor Francois Corteggiani zurückgehen, aber letztlich spielt das für den Leser keine Rolle. Wortlos, filmisch gesprochen tonlos, zieht die Szene an einem vorüber. Man erwartet die Schmerzens- und die Todesschreie zu hören, doch sie bleiben aus.

Ob Jean Giraud oder Colin Wilson, die beiden künstlerischen Vorgänger von Michel Blanc-Dumont, keiner der beiden arbeitet mit dieser geradezu sezierenden Gründlichkeit, wie Blanc-Dumont sie an den Tag legt. Auch Giraud, der als Moebius einen viel feineren Strich fährt, erreicht nicht diese Zerbrechlichkeit der Grafiken. Blanc-Dumont verweigert sich auch der Karikatur, wie sie ein Giraud manchmal in Ansätzen verwendet, um eine optische Aussage über eine seiner Figuren zu treffen. Hier versteinert Blanc-Dumont seine Charaktere eher, engt sie ein, macht manchmal Büsten aus ihnen und verwendet gerne einen gut getroffenen Blickwinkel mehrmals.

Der Steifheit mancher Eindrücke steht die Detailfreude und der Eindruck einer möglichst anatomisch und historisch genauen Darstellung entgegen. Blanc-Dumot könnte die Bilder von alten Fotografien abgemalt haben. Menschen und Landschaft stehen hier im Vordergrund. Für Städte oder kleinere Ortschaften gibt die Geschichte keine Spielorte her.
Schattierungen werden beinahe ausschließlich über Tusche erreicht, kaum über die Kolorierung. Die so sehr plan aufgetragene Farbe trägt zur Künstlichkeit der Bilder bei. Die sehr genaue Zeichnung Blanc-Dumonts zieht das Auge heran, die Kolorierung von Claudine Blanc-Dumont stößt es wieder ein Stück zurück, hält den Leser auf einem Zuschauerplatz. Bei Jean Giraud war der Leser stärker eingebunden.

Eine Stimme aus dem Off klärt schließlich über das eingangs erwähnte Scharmützel, die Schlacht am Cumberland River, auf. Es ist eine jener ungezählten Schlachten, die neben den klangvolleren Begebenheiten historisch verblassen, obwohl sie ebenso viel Leid brachten.

Aber was geschah danach?

Egal, wer eine Schlacht gewinnt, ob beide Seiten verlieren oder sich zurückziehen, jemand muss ein Schlachtfeld aufräumen. Es sind gerade diese Arbeiten, die mit Tapferkeit nichts zu tun haben, die den Einsatz für Blueberry bedeuten. Zusammen mit seiner Einheit erreicht er den Schauplatz des Geschehens. Es werden Gräber ausgehoben und die Leichen vom Schlachtfeld getragen. Doch diesmal sind nicht alle tot. Corteggiani benutzt die indianischen Helfer auf beiden Seiten als Bindeglied zwischen den beiden verfeindeten Seiten. Beide Seiten nutzen sie, in Wahrheit arbeiten sie nur für sich.

Corteggiani führt den Leser gerne in die Irre. Zu Beginn weiß man nicht, wo die Geschichte münden wird. Als man es zu wissen glaubt, schlägt Corteggiani einen unerwarteten Haken und alles ist wieder offen. Wie das Ende, denn leider muss sich der Leser bis zur Fortsetzung gedulden, um das Ende zu erfahren.

Ein dunkles Kapitel abseits der großen Ereignisse im amerikanischen Bürgerkrieg. An der Seite von Sergeant Grayson, Blueberrys indianischem Freund, deckt der junge Abenteurer eine Verschwörung auf. Tragisch, geheimnisvoll, spannend, anders erzählt als gewöhnlich. Aber neue Besen kehren auch gut. 🙂

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Samstag, 07. März 2009

Alim der Gerber

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:20

Der Drachen fliegt. Die kleine Bul ist glücklich und zieht das viereckige Flugobjekt über den Strand. Leider bemerkt sie nicht den Kommissar Janissaire, der ihre Vergnügung mit großem Zorn verfolgt. Es darf nichts fliegen, was der Mensch geschaffen hat. Das ist Gotteslästerung. Schnell hat er das vierjährige Mädchen am Ohr gepackt. Der Kommissar hat ein gewichtiges Wort mit Buls Vater Alim zu wechseln. Genauer: Buls Vater kann etwas erleben!

Alim der Gerber könnte optisch geradewegs den berühmten Ghibli Studios entsprungen sein. Das Figurendesign einiger Menschen aus Bramhalem, jener Fantasy-Stadt aus dem Reich Jesameth, von Zeichnerin Virginie Augustin deckt sich sehr gut mit den Figuren aus der bekannten Anime-Schmiede. Allerdings legt sie diese grafische Gewichtung nur auf die hauptsächlichen Figuren. Nebencharaktere oder auch Statisten sind durchaus echter gestaltet. Ein sehr gutes Beispiel sind die gefangenen Barbaren. Augustin schafft so nicht nur sehr gute optische Abgrenzungen mit einem hohen Wiedererkennungswert, sondern auch eine große Vielfalt.

Alim und seine Tochter Bul sind ein gestalterisches Traumpaar. Unverwechselbar kommen sie für den Leser daher. Er, groß, dürr mit schmalem Gesicht und einem häufig verwirrten, manchmal auch ängstlichem Ausdruck. Bul ist die Kleine mit rundem Gesicht, die, würde man nicht die Ghibli Studios zum Vergleich anführen, auch eine Schwester von Lilo aus dem Film und der Serie Lilo und Stitch sein könnte.

Das Reich Jesameth präsentiert sich als optische, wie auch erzählte, Mixtur aus indischen, tibetischen und allgemeinen orientalischen Einflüssen. Direkt am Meer gelegen bringt es auch noch die Prise Exotik einer Hafenstadt mit sich. Eine Legende liegt dem Reich zugrunde, die Legende von Jesameth. Einst brach der mystische Krieger über das Meer auf, um die Götter zu finden, die ihre Waisenkinder, die Menschen, offensichtlich verlassen hatten. Jesameth fand die erstaunten Götter und rang ihnen eine Verbesserung menschlichen Lebens ab. So sagen es jedenfalls die Legenden.

Die Basis dieser Geschichte, der gesamten von Autor Wilfrid Lupano geschaffenen Welt, reißt selbiger Autor im nächsten Augenblick ein. Ausgerechnet jene, die Kastenlosen und Unberührbaren sind es, die das System einzureißen drohen. Dies kann natürlich nur unter der Vorraussetzung gelingen, dass ihnen auch jemand zuhört. Der Wärter, dem Pepeh, Alims Schwiegervater, eine kleine Geisterschau bietet, um seine Verwandten zu befreien, ist eher bereit, dem Humbug zu glauben, den Pepeh veranstaltet hat, als die tatsächliche Wahrheit zu erkennen, selbst wenn sie direkt vor ihm liegt. Es ist die Religion, die hier die Oberhand hat und die das Gute bringen sollte, einer Gesellschaft aber nur Fesseln anlegt. Alim und seine Verwandten bleibt nur die Flucht.

Lupano hat eine Abenteuergeschichte geschrieben, die ein wenig nostalgisch anmutet. Es weht ein Hauch des Diebs von Bagdad oder Kim – Geheimdienst in Indien hindurch. Auch wenn letzteres Beispiel natürlich in einer neueren Zeitperiode handelt. Es ist nicht so modern zu nennen wie andere Fantasy-Geschichten, die sich gerne an das Schlepptau eines HdR-Universums hängen. Die Phantastik ist unterschwellig. Sie äußert sich in der Gestaltung und vielen Kleinigkeiten, die hauptsächlich optisch auffallen. Es sind die Prozessionen, die Tiere wie die Killersirenen, die zwar nur eine kleine Nebenrolle haben, aber dennoch nicht unwesentlich zum Verlauf der Handlung beitragen. In einer der schönsten Szenen erzählt Pepeh seiner Enkelin die berühmte Legende von Jesameth, die diese Kultur erst möglich gemacht hat. Obwohl er sie nur mittels eines Schattenspiels erzählt, ist sie eine der atmosphärisch dichtesten Bestandteile der Handlung.

Viele Fragen bleiben offen. Woher kommen die Barbaren, die eingangs gezeigt werden? Wohin wollte Jesameth eigentlich genau, als er über das Meer zu seiner Reise aufbrach? Woher kommt die Angst vor dem Spiel mit den Elementen? Warum darf nichts von Menschenhand Geschaffene fliegen oder schwimmen? …
Wilfrid Lupano streut noch einige Rätsel aus, die es in den Fortsetzungen zu lüften gilt und die der Geschichte zusätzliches Volumen verleihen.

Ein dichter Auftakt mit überaus sympathischen Charakteren. Eine Geschichte, die von Wilfrid Lupano für die ganze Familie erzählt und von Virginie Augstin gezeichnet wird. Besonders von letzterer ist zu hoffen, dass es mit ihren zeichnerischen Qualitäten nicht bei dieser Serie bleiben wird. Top. 🙂

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Freitag, 06. März 2009

Sleeper 2

Filed under: Thriller — Michael um 11:33

Das Zeichen sollte nicht da sein. Es sollte aus einem ganz einfachen Grunde nicht da sein: Derjenige, der es verwenden könnte, befindet sich nicht in der besten Verfassung. So kann Holden Carver nicht glauben, dass hinter der Kontaktaufnahme, auf die dieses Zeichen hinweisen soll, etwas Gutes steckt. Doch ein Merkmal eines Agenten ist seine Neugier. Holden bleibt nichts anderes übrig, als nachzuforschen. Er folgt den Spuren und versucht herauszufinden, wer der Mann ist, den er durch das Nachtsichtgerät beobachtet hat. Genau das bringt ihn beinahe in arge Schwierigkeiten.

Irgendwann kommt der Tag, an dem ein Unvercover-Agent aussteigen will. Doch dann ist guter Rat teuer, denn je nach Dauer des Untergrundaufenthaltes kann die Rückkehr nicht nur schwierig, sondern lebensgefährlich werden. Ed Brubaker beschreibt das Leben von Holden Carver in einer der effizientesten Verbrecherorganisationen der Welt. Ihr Kopf ist der intelligenteste Mensch, der jemals gelebt hat und derart gefährlich, dass seiner Schöpfer ihn für den Rest des Lebens eingesperrt lassen wollten. Superhelden können jederzeit eingreifen und Schwierigkeiten machen. Darüber hinaus hat Carver einen Freund gewonnen, der ein wahrer Schlächter ist. Und seine Freundin hat durchaus auch ihren Spaß an der Gewalt. Wie kann ein Mann dieser Umgebung entkommen, in der er, es ist für Carver sehr unheimlich, sich dies eingestehen zu müssen, sich auf gewisse Art heimisch fühlt.

Dieses Dilemma wird von Brubaker sehr strukturiert erzählt. Als Leser erwartet man von diesem versierten Autor Überraschungen und bekommt sie. Brubaker lässt sich Zeit. Ein Charakter wie Holden Carver ist vorsichtig, misstrauisch und tappt nicht gleich in die nächstbeste Falle hinein. Er macht sich vorher ein Bild, sondiert, schätzt Risiken ab. Holden ist ein sehr tief angelegter Charakter, bei dem der Leser aufpassen muss. Holden bewegt sich in zwei Welten, körperlich wie geistig. Er ist als Figur konzipiert, die ständig neben sich zu stehen scheint und das nächste Verhalten abwägt. Mit der Zeit entsteht Mitleid, Sympathie, nur um bald wieder umgeschmissen zu werden, wenn Holden auf professionelle und kaltblütige Weise seinem Job nachgeht.

In dem Augenblick, in dem der Leser glaubt, er habe es doch eher mit einer normalen Agentengeschichte zu tun, kommen die außergewöhnlichen Fähigkeiten wie auch die Superhelden ins Spiel. Auf einem Schrottplatz kommt es zu einem gnadenlosen Kampf.
Okay, wer bitte ist denn der Trottel?
Superhelden: Es gibt sie. Sie mögen Namen haben, aber sie haben für Carver keinerlei Stellenwert. Ein kostümierter Trottel ist so gut oder schlecht wie jeder andere. Der Umgang mit dem Thema Superheld ist nicht die neueste Art, aber selten genug, um immer noch frisch zu sein. Ein Superheld macht den Normalo misstrauisch. Er kann etwas, das andere nicht können. Marvel kreierte daraus den Civil War. Hier ist es nicht ganz so dramatisch, denn hier sind Helden überwiegend lästig.

Grafisch wirft sich wieder Sean Phillips in die Schranken. Sein schnörkelloser, harter, aber auch zu jeder Zeit treffender Strich macht aus Sleeper ein schnelles, filmisches Leseerlebnis – wäre da nicht der Text, der diese Geschwindigkeit ein wenig ausbremst. Durch Phillips erhält Carver ein echtes Gesicht, denn der Zeichner gehört nicht zu den Künstlern, die zwar gut zeichnen, aber irgendwie immer den gleichen Kopf und die gleiche Statur auf das Papier bringen. Die Bilder werden so authentischer. Aber er kann auch anders, wie er mit den Rückblicken aus den Vergangenheiten von Tao und Genocide beweist.

Hier bricht er aus dem harten skizzierten Strich aus, zeichnet feiner, beinahe wie es ein Guy Davis oder ein Gabriel Ba tun würde. Plötzlich ist auch weitaus mehr Farbe im Spiel, die Vergangenheit ist heller, bunter, lebendiger als die Gegenwart, die sehr bald schon eine völlig andere Richtung nimmt, als es der Leser nach der Hälfte der Handlung hätte erwarten können.

So können Agententhriller sein: Übermenschliche Fähigkeiten bringen ein unerwartetes und unvorhersehbares Element in die Geschichte ein. Der Held, Holden Carver, wächst nur schwer ans Herz des Lesers, aber schließlich reißt er mit und man wünscht ihm alles Gute, doch Ed Brubaker hat Schlimmeres mit ihm vor. Richtig spannend! Was will man mehr? 🙂

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Mittwoch, 04. März 2009

The Spirit 3

Filed under: Thriller — Michael um 19:22

Die alte Frau sucht einen Familienschatz. Natürlich ist der Spirit sofort bereit der alten Einwanderin zu helfen. Er spürt das Grab auf, in dem die Kostbarkeiten versteckt sein sollen. Doch darin befindet sich nur eine gerahmte Fotografie. Hier fällt die Klärung des Falles leicht. Bei einem Diamantentausch hingegen, der den Spirit nicht nur nach Frankreich, sondern auch noch zu einer Miss-Wahl führt, wird es schon schwieriger – und dank der vielen jungen Frauen für den Spirit auch etwas ablenkender.

Einige sehr gute wie auch namhafte Comic-Künstler geben sich hier ein Stelldichein. Die Figur des Spirit von Will Eisner wurde bereits pünktlich zur Realverfilmung auch in Comic-Form von Darwyn Cooke zum Leben erweckt. Cooke schaffte mit seinem trickfilmähnlichen Stil etwas eigenes innerhalb des Spirit-Universums, aber er hielt auch den Geist der Originalserie am Leben. Nachdem es schon Gastzeichner in den ersten beiden Sammelbänden gegeben hat, sind es nun komplett andere, die Cookes Handschuh aufgenommen haben und den Spirit fortführen.

Mit dabei sind so illustre Namen wie Paul Smith und Eduardo Risso. Risso wird manchem Leser von 100 Bullets her bekannt sein, vielleicht auch von Vampire Boy. Rissos Arbeiten entbehren nicht einer gewissen Komik, doch hier darf er sich besonders von seiner humorvollen Seite zeigen. In der leider nur kleinen an Halloween handelnden Geschichte fühlt man sich an die Panzerknacker erinnert, die bewusst das Kostüm wechseln, nur um dadurch erst recht in Schwierigkeiten zu kommen. Zu viel zu erzählen, hieße, zu viel zu verraten. Der Auftakt ist, so viel sei gesagt, ein Appetithäppchen, der für die Folgegeschichten in diesem Band einiges verspricht. Erfreulicherweise übertreffen die nachfolgenden Fälle des Spirits das Intro. (Das hat fast etwas von der Konzeption der Intros in früheren James-Bond-Filmen.)

Mike Ploog fährt eine gute Mischung aus realistischem und karikierendem Strich. Den Spirit lässt er sehr schlicht und echter erscheinen (die wohl am jüngsten aussehende Form von Denny Colt alias Spirit in diesem Band) als die anderen Figuren. Die klassische Frage nach dem Bösewicht wird auf originelle Art von Sergio Aragones und Mark Evanier gestellt. Wo sie zunächst eisnerisch klassisch bleiben, trumpfen sie zusammen mit anderen Erzähler später schon einfallsreicher auf. Gail Simone, manchen Lesern von den Birds of Prey her bekannt, erzählt ihre Geschichte gänzlich ohne Text und setzt selbst in den Sprechblasen auf Symbolik. Das ist zwar etwas einsilbig, aber immer noch in höchstem Maße verständlich. Ein geglücktes Experiment, doch es sollte dabei bleiben.

Die Hauptarbeit des Erzählens übernehmen Sergio Aragones und Mark Evanier. Ihre Geschichten Double für einen Mord und Curse of the mummies sind fein ausgedacht und in jeder Szene auf den Punkt gebracht. Der Spirit wird in die Welt von Hollywood verschlagen. In bester Manier durchstreift Denny Colt die Studios auf der Suche nach Informationen und hört doch nur den Klatsch und Tratsch, wie er in Hollywood wohl an der Tagesordnung ist. Nebenbei wird er Double für El Negro, einen Zorro Verschnitt, in ein gewöhnungsbedürftiges dunkles Lila gekleidet. Während der echte Darsteller die Küsse absahnt, bekommt der Spirit nur die Schläge. Abschließend fahren Aragones und Evanier noch den Octopus auf. Es sind Kleinigkeiten, die in diesem von Paul Smith gezeichneten Abenteuern zu begeistern wissen. So ist zum Beispiel das Mummies r us eine Fundgrube für schräge Geschenke. Mumienlampen sind noch das Harmloseste. Eine Mumie zum Aufziehen (mit entsprechendem Schlüssel aus dem Rücken ragend) bietet da schon mehr. Für den kleinen Geldbeutel gibt es Hundemumien. Smiths ebenso schräger und sehr prägnant ausgeführter Cartoony-Zeichenstil passt hier wie die berühmte Faust aufs Auge.

Eine Seefahrt, die ist lustig, nur nicht für den Spirit. In einer heftlangen Geschichte zeichnet sich Aluir Amancio in die Herzen der Spirit-Leser. Einerseits gibt er den Charakteren rund um Denny Colt ein sehr gutes Erscheinungsbild, andererseits wirken seine Grafiken geradeso, als sei er bei Altmeister Berny Wrightson in die Lehre gegangen und habe seinen Abschluss mit Summa cum Laude gemacht.

Noch ein Wort zu den Koloristen: Toll! – nein, Spaß beiseite. Herausragend zeigen hier einmal mehr Dave Stewart und Lee Loughridge, wie viel ein guter Kolorist noch aus einer bereits guten Vorlage herauszuholen vermag.

Nichts gegen Darwyn Cooke, aber mit Paul Smith und Aluir Amancio macht der Spirit noch mal so viel Spaß. Hauptsächlich spaßige Episoden, sehr schön mit Respekt vor dem Spirit und Will Eisner erzählt. Der Spirit passt immer noch in die Zeit, dank Aragones und Evanier. 🙂

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Freitag, 27. Februar 2009

Fantastic Four 1 – Einzigartig

Filed under: Superhelden — Michael um 16:28

Fantastic Four 1 - EinzigartigDie Erde steht kurz vor ihrem Untergang. Derlei Unkenrufe sind keine Neuigkeit. Allerdings haben die Forschungen von Alyssa Castle, einer ehemaligen Freundin von Reed Richards, ergeben, dass die Welt höchstens noch zehn Jahre Zeit hat. An eine Rettung wird gar nicht erst gedacht. Im Gegenteil, die Menschen sollen in eine neue, eine bessere Welt geführt werden. Eine Welt, die unter Kontrolle ist. Die Einheit der Fantastischen Vier ist unterdessen etwas gefährdet. Johnny weiß nicht so recht, was er will. Neuerdings steht eine Karriere als Rockstar auf dem Programm. Sue plant eine Superheldinnengruppe. Reed ist sowieso mit dem Kopf in den Wolken – oder einer anderen Dimension. Einzig Ben scheint auf dem Boden der Tatsachen geblieben zu sein.

Da das Familienleben und die Ehe von Reed und Sue momentan auf wackeligen Füßen stehen, kommt der Besuch von einer Ex von Reed im falschesten Augenblick. Aber die Probleme, die nun auftauchen, schmieden die Superheldenfamilie schlechthin auch wieder zusammen, denn Erde 2, so der Name der Zuflucht der Menschheit, ist alles andere als perfekt. Cap, der als Überpolizist geplant war, schafft den Übergang zur echten Erde. Und er beginnt sofort mit der Erfüllung seiner Aufgabe: Abschaffung aller Waffen – und ihrer Träger.

Mark Millar und Bryan Hitch, das Traumduo der Ultimativen, hat eine weitere Reihe unter seine Fittiche genommen, die königliche Familie der Superhelden: die Fantastischen Vier. Na, gut, sie nennen sich jetzt auch auf dem deutschen Markt die Fantastic Four. Es mag als Logo besser aussehen, der Klang hingegen ist nicht besser. Sei’s drum, Hauptsache Millar und Hitch sind dabei. Damit ist das Ultimative auch im Normalen angekommen. Oder sollte man sagen das Superlative?

Superlativ waren die Fantastischen Vier schon immer. Sie haben neues Terrain erschlossen und sich mit Gegnern angelegt, die ziemlich viele andere Superhelden in einen Sack gesteckt hätten. Galactus ist ein gutes Stichwort in dieser Hinsicht. Mark Millar nimmt den Leser mit auf die Reise auf eine nachgebaute Erde im Maßstab 1:1 – samt Mond. Wer bisher glaubte, der Todesstern sei in Sachen Größe das Maß aller Dinge, sieht sich ziemlich getäuscht. Bryan Hitch, der im Ultimativen Universum schon viele herausfordernde Aufgaben hatte, erhält hier eine Spielwiese der besonderen Art. Denn die Nachbauten orientieren sich nicht nur an den natürlichen Oberflächen, sie bauen und bilden schlichtweg alles nach. Und das schließt sämtliche Gebäude mit ein.

Die wissenschaftliche Komponente der Fantastischen Vier ist eine Seite der Medaille. Hier wurde schon immer gerne mit besonders großen Bauklötzen hantiert. Die Action ist die andere Seite. Jetzt geht’s rund, der Kampfruf von Ben Grimm ist keine Übertreibung, ganz im Gegenteil. So bildet denn die Unterschiedlichkeit der Charaktere der Fantastischen Vier eine Voraussetzung für haarsträubende Bilder, bei denen selbst einem in Sachen Action verwöhnten Leser das Wasser im sprichwörtlichen Munde zusammenläuft.

Johnny Storm, immer mit dem Herzen bei den Frauen, schlägt sich zuerst mit einer Diebin, dann liebt er sie. Ersteres geht im großen Stil vonstatten. Der erste Auftritt der F4 auf der Brücke im ersten Kinofilm war vergleichsweise lahm choreographiert. Nun gut, Mark Millar muss in Sachen Kosten auch keinerlei Rücksichten nehmen. Hitch muss es nur zeichnen können. Diese Aufgabe löst der Künstler bravourös. Und noch mehr, denn mit Cap, einem überdimensionalen Roboter mit Captain America-Design, hat er einen Koloss zu animieren, der einen zeitgleichen Angriff von 40 ausgesuchten Helden locker wegsteckt. Da hilft – wie könnte es anders sein – schließlich eine Erfindung von Reed Richards.

Auf Humor können die Fantastischen Vier nie ganz verzichten. Dieses Element gehört einfach dazu, wird von Millar aber sparsam eingesetzt. Reeds Vortrag vor einer Schulklasse ist eines dieser Beispiele. Andererseits ist es aber auch Vorbereitung zum Auftritt eines neuen Giganten, des Anti-Galactus. Optimus Prime und Megatron, zieht euch warm an, denn dieser Anti-Galactus kann euch bequem über die Köpfe streicheln. Am Design dieses Kampfroboters konnte sich Hitch richtig austoben und es ist zweifelsfrei eine Augenweide geworden.

Ein schöner, in sich abgeschlossener Neustart in einer Top grafischen Gestaltung, die der Leser bei diesen Superhelden auch erwarten darf. Millar und Hitch könnten aus den Fantastic Four etwas besonderes machen. Der Anfang dafür ist gemacht.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Die Gilde 2 – Lucius

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:28

Die Gilde 2 - LuciusAstraban hat es nicht leicht. Aber er ist es auch selbst schuld. In der Gesellschaft halbseidener Gestalten und Gesindel sind Schwierigkeiten geradezu vorhersagbar. Er erfüllt seine Aufgabe im Stadion nicht zur Zufriedenheit seines Herrn Braezel und schon ist dieser um über 17.000 Goldstücke ärmer – und Astraban ist seine Anstellung los. Allein und auf sich gestellt, ist Astraban bald ganz unten. Er bettelt und ernährt sich von Abfällen. Jedermann scheint ganz genau zu wissen, welche Feinde er sich gemacht hat und will nichts mit ihm zu tun haben.

Bis auf … Es gibt auch jene, die sich Astrabans Schulden zunutze machen wollen. Und sein Talent, denn Astraban versteht sich auf Alchemie. Die Saison des Fightballs (einer Form von Rugby) nähert sich dem Ende. So manch einer möchte noch ein paar Wetten gewinnen, am liebsten solche, deren Ausgang gewiss ist. Was läge da näher, wenn Astraban den einen oder anderen Spieler mit einem kleinen Stärkungsmittelchen versorgt und so der richtigen Mannschaft zum Sieg verhilft.

Disney ohne Disney funktioniert auch. In einer Zeit, in der ein abendfüllender Zeichentrickfilm der klassischen Art wohl nie wieder auf die Leinwand kommen wird, nehmen zwei Künstler den Ball auf und erzählen von der Gilde. Wie einst im Disney-Trickfilm Robin Hood oder im Filmausschnitt des verrückten Fußballspiels der Tiere, das manchmal bei Weltmeisterschaften gerne übertragen wurde, bilden auch hier die Tiergestalten in bester klassischer Manier das zentrale Gestaltungsmittel.

Kernfigur ist Astraban, wölfisch, vielleicht auch hündisch entworfen. In seinem Gesicht mit den großen Augen und der großen Nase blitzt das sympathische Phantom eines Balu aus dem Dschungelbuch durch. Miroslav Dragan beschreibt einen Helden, der sich auf das Beste bemüht und das Schlechteste erntet. Vom Regen in die Traufe, dieses Sprichwort wäre in diesem Zusammenhang eine starke Untertreibung. Aber eine Frau hat ihn gewissermaßen mit in dieses Schlamassel befördert, eine andere Frau hilft ihm zunächst … und dann wird das Schlamassel nur noch größer. Dragan spielt mit dem Leser, indem er ihn noch glauben lässt, es könne nicht schlimmer kommen.

Die Ausgestaltung der Kleidung, der Umgebung und der Lebensart ist mittelalterlich, mit einer Prise Renaissance. Die Stadt, in der Astraban lebt, hat die Atmosphäre einer Hafenstadt, in der die Docks die verrufene Gegend schlechthin ist. Viel Holz wurde verbaut, Fachwerkhäuser mit spitzen Giebeln sorgen für viel Flair. Tageszeiten und Wetterumbrüche werden von den Machern sorgfältig zur Inszenierung eingesetzt. Gerade noch erlebt der Leser einen unangenehmen Wolkenbruch, da schwenkt die Geschichte in die feinen Gemächer eines ebenso unangenehmen Schurkens.

Fightball, die Rugby-Variante, reiht sich in die großen Spiele des Comics und Trickfilms, wie sie im erwähnten Fußballspiel der Tiere zu finden sind, in Asterix bei den Briten, aber auch – vergleicht man den Gewaltfaktor – in Blood Bowl. Leider wird das Spiel viel zu sehr am Rande gezeigt und erwähnt. Es hätte für die Geschichte durchaus noch tragfähiger werden können.

Apropos Trickfilm: Wohin Die Gilde optisch tendiert, daran lässt sie keinerlei Zweifel. Wie in Kameraeinstellungen arbeitet Oscar Martin, der als Zeichner und Kolorist zuständig ist, mit weichfarbigen oder auch weichgezeichneten Hintergründen. Das Geschehen im Vordergrund setzt sich so noch schärfer ab und der Blick wird noch genauer gelenkt, als es in den hier normal aufgebauten Bildern ohnehin schon der Fall ist. Rein schwarze Außenlinien sind selten und auch nie sklavisch durchgezogen. Mehr wirken sie wie Pinselstriche, mit gewischten Unterbrechungen. Zur besseren Verschmelzung von Vorder- und Hintergrund wählt Martin dunkelbraune Linien. Das schwächt optische Brüche ab und schafft ein gleichmäßiger wirkendes Gesamtbild.

Wer Tiercharaktere in vernunftbegabten Rollen mag – wie im Disney-Klassiker Robin Hood – und einen ordentlichen Schuss Mittelalter und Fantasy vertragen kann, all das fein erzählt und in wirklich bester Disney-Qualität gezeichnet (ohne aus dem bekannten Hause zu sein) und koloriert, der findet mit den ersten beiden Bänden der Reihe ein verdammt schwungvolles Abenteuer vor. 🙂

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Der Feind 3 – Dämon

Filed under: Mystery — Michael um 15:25

Der Feind 3 - DämonDie Verhandlung ist vorüber. Im Eilverfahren wurde Yasmine zu 30 Jahren Haft im Gefängnis von Catalina verurteilt. Die Serienmörderin, für die sie alle halten, wird auf schnellstem Weg in das Gefängnis eingeliefert. Dort herrschen ganz eigene Gesetze. Die Aufseherin hat ihre Schäfchen fest im Griff. Wer ihr nicht zu Willen ist, muss mit dem Schlimmsten rechnen – wie Yasmine sehr bald schon feststellen muss, als sie sich in einer schmierigen Einzelzelle wiederfindet, nackt und gefesselt. Doch das ist erst der Anfang.

Ihre wenigen Freunde draußen in der richtigen Welt machen sich weiterhin Sorgen um sie und suchen nach einer Lösung. Die dämonischen Kräfte haben Yasmine auch noch nicht aufgegeben. Ebenso wenig wollen Yasmines Eltern von ihrer Tochter lassen. Yasmines Vater verwildert zusehends auf der Suche nach seiner Tochter und Yasmines Mutter … hat so ihre eigene Art entwickelt, der Tochter zu helfen.

Der Teufel ist los! So ließe sich noch ein Untertitel einfügen. Die Geschichte, von Thierry Robberecht textlich betreut, geht mit dem Band Dämon in ihre dritte und abschließende Runde. Der Teufel, die Dämonen, die Geister treten in vielerlei Gestalt auf, häufig menschlich und manchmal sind sie auch nur einfache Menschen, allerdings mit einem teuflischen und rachesüchtigen Gemüt.

Der Leser trifft die Heldin im Gefängnis wieder. Mitunter finden sich Geschichten, in denen verdächtige oder auch verurteilte Mörder noch eine Lösung zu ihren Gunsten finden und so dem Gefängnis entgehen. Robberecht hat seiner Heldin Ärger versprochen und hält dieses Versprechen auch ein. Das Gefängnis – leider etwas klischeehaft, privatfernsehensoftpornomäßig geschildert – ist da nur der Anfang.
Auf den Nebenschauplätzen weiß Robberecht eher zu überraschen. Die kleine Deborah, 5 Jahre alt, niedlich anzusehen und stets mit einem Stofftier unterwegs, mit blutverschmiertem Nachthemd gefunden. Das Mädchen hält sich für die inhaftierte Yasmine Giggs. Der Exorzismus, der nun folgt, bleibt textlich unkommentiert. Es ist diese Form des Erzählens, die den meisten Eindruck hinterlässt. Robberecht kann so sehr pointiert und sogar beklemmend erzählen.

Alberto Pagliaro ist als Zeichner ein Minimalist. Die Formen sind immer etwas eckig, kantig gezeichnet, beinahe ruppig auf das Papier geworfen. Nach der Skizzenphase setzt er konsequent auf einfache Außenlinien, gerade einmal so viel wie nötig ist, um eine Figur zu komplettieren. Bei Erwachsenen setzt er gerne auf Realismus mit einer Spur Karikatur, wenn diese älter sind. Bei Kindern – wie im Fall der kleinen Deborah – spielt Pagliaro und lässt eine Mischung aus Japan-Horror und Chucky durchblitzen.

Dank des Koloristen Cosimo Lorenzo Pancini gewinnen die Bilder sehr an Volumen. Dabei werden die verschiedensten Techniken im Sinne eines zu erreichenden Ergebnisses zusammengeworfen. Buntstift, Kreidestrukutren, Airbrush, Verläufe, Texturen und Lichteffekte bilden schließlich ein Ganzes, in dem die einzelnen Techniken sehr gut verschmelzen. Manchmal entsteht der Eindruck eines Bilderbuches, dann wieder der eines Trickfilms, sogar der Manga-Stil wird zitiert. Der Trickfilm wird bei der Flucht aus dem Gefängnis nachgeahmt. Der Manga findet sich bei den Auftritten der kleinen Deborah.

Die Figuren agieren durch die Optik ein wenig wie auf einer Theaterbühne. Diese Ähnlichkeit wird besonders bei Innenräumen deutlich. Insgesamt hält Pancini die Bühne eher düster. Einen Lichtblick im wahrsten Sinne des Wortes bietet allein die Ansicht eines Kinderzimmers – ein Lichtblick, der durch die Handlung wieder ausgehebelt wird.

Ein dunkler, unheimlicher wie auch mysteriöser Abschluss. Hier ist die Kenntnis der beiden Vorgängerbände ein Muss. Erfreulich ist aber, dass die Horror-Geschichte innerhalb einer Trilogie abgeschlossen wurde. Wer Gefallen an jüngeren Horror-Filmen im Stile von Die Prophezeiung hatte oder Romane wie Unheiliges Feuer von Whitley Strieber mag, der wird sich bei Der Feind sicher auch gut unterhalten fühlen. 🙂

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Dienstag, 24. Februar 2009

Silbermond über Providence 2 – Wiedergeburt

Filed under: Mystery — Michael um 21:34

Sildermond über Providence 2 - WiedergeburtAufpassen sollen sie, die beiden Männer. Sie haben keine Angst in der Dunkelheit. Warum auch? Sie sind bewaffnet. Sie haben einen gefährlichen Hund dabei. Ungeheuer sind doch nur Ammenmärchen. Oder Indianermärchen. In jedem Fall sind sie nichts, was einem gestandenen Mann, der im Westen aufgewachsen ist, Angst einjagen sollte. Alles läuft gut auf der Wache. Wenn nur dieser blöde Hund nicht so ziehen würde … Das treue Tier ist allerdings vollkommen unschuldig, denn es befindet sich in den Pranken eines riesenhaften Wesens mit gigantischen Hauern im aufgerissenen Maul. Trotzdem lassen sich die Männer nicht beirren und schießen.

Monster! Ein gutes Monster … Nein, nein, ein gutes Monster ist in diesem Fall kein totes Monster, sondern ein beeindruckendes Monster. Monster sind im Comic wie auch im Zeichentrick zu einer Art Königsdisziplin geworden. Ein gutes Monster muss gut gestaltet sein. Es muss dem Thema gut angepasst sein. Es muss gruselig, unheimlich sein, mysteriös vielleicht auch. Es muss aus dem Rahmen fallen, überraschen. Eric Herenguel war gezwungen, mit seinen Monstern eine Besonderheit zu schaffen. Monster und Western vertragen sich gewöhnlich schlecht, jedenfalls sind die Beispiele in dieser Hinsicht eher spärlich gesät.

Im zweiten und abschließenden Band der Geschehnisse während der Zeit des Silbermonds über Providence steigt der Leser bereits mit der Kenntnis um die seltsamen und furchtbaren Monster in den Wäldern rund um die kleine Westernstadt ein. Der Werwolf lässt sich gleich zu Beginn wieder blicken. Bei dieser Figur von einem Werwolf zu sprechen, ist nicht einfach, denn er ist sehr überproportioniert und stellt selbst solche Kreaturen aus einem Action-Kracher wie Van Helsing in den sprichwörtlichen Schatten. Herenguel zeichnet seinen Werwolf mit solchen Ausmaßen, dass die von ihm gezeichneten erwachsenen Männer gerade einmal die Höhe eines Beins dieser Kreatur erreichen. Mit den behaarten Muskelpaketen könnte das Monster gegen einen Hulk antreten.

Interessanterweise ist das rein gar nichts gegen die andere Kreatur, die sich Herenguel ausgedacht hat. Noch größer und wuchtiger wirkt sie, wie aus einem Alptraum entsprungen. Hat der Werwolf einen Schädel, der mehr einem mutierten Wildschweinschädel gleicht, so wartet das führende Monster mit einer Art Elchkopf auf, der allerdings im Vergleich zum Körper recht klein gerät, sieht man einmal von dem ausladenden Geweih ab – das nimmt jedoch nichts von seiner beängstigenden Wirkung. Außerdem wird es von einer Rotte rattenähnlicher Wesen umgeben, die eine verkleinerte Version der zombiefizierten Dobermänner aus Resident Evil sein könnten.

Monster sind Monster und sie tragen ihren Teil zur Atmosphäre der Geschichte bei. Geister können das Tüpfelchen auf dem I sein. Der Geist des kleinen Mädchens in dieser Geschichte erinnert an die Darstellungen in japanischen Gruselfilmen, wie überhaupt die gesamte Optik thematisch eine Art Grusel-Eastern trifft Action-Western sein könnte. Mit einer begrenzten, aber nichtsdestoweniger effektvollen Farbpalette schafft Herenguel ein wunderbar stimmiges und auch stilvolles Ambiente – sofern sich dieser Ausdruck auf einer sorgfältig inszenierte Optik anwenden lässt. Hinzu kommt, dass er mit den Farben täuscht. Die Dunkelheit verspricht nicht automatisch das Grauen und helles Licht bringt nicht gleichzeitig Trost und Hoffnung mit sich. Das Titelbild ist die regelrechte Überschrift für Herenguels Gestaltungstrick. Eine schöne Vegetation wirkt paradiesisch, doch der Blick der jungen Frau mit den Revolvern erzählt das genaue Gegenteil.

Eric Herenguel versteht sich ebenso gut auf die Gestaltung der Beziehung zwischen Sheriff Stuart und Cathy, der jungen zugereisten Frau, deren Motive einige Zeit schleierhaft waren. Die beiden bilden ein außergewöhnliches Ermittlungsduo, in dem die Frau die etwas gewitztere, vielleicht sogar diejenige mit dem besseren Durchblick ist. Daneben besteht die tragische Beziehung zweier Brüder und am Ende ein nicht unerhebliches Geheimnis, das auch einem Dan Brown zu Gesicht gestanden hätte – jedenfalls hätte er die Lösung sicherlich ähnlich aufgebaut.

Ein Genre-Mix, sehr wohltuend gemischt, hochgradig spannend erzählt und vom Autor in Personalunion auf sehr eigenständige wie auch sanfte Weise in Szene gesetzt. Ebenfalls ein großes Plus: Die Geschichte ist in diesen zwei Bänden abgeschlossen. 🙂

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Montag, 23. Februar 2009

Belladonna 1 – Marie

Filed under: Abenteuer — Michael um 21:15

Belladonna 1 - MarieParis im Jahre 1680. Der König stolziert mit der ihm eigenen von Standes wegen angeborenen Arroganz durch den Palast unter die versammelten Gäste. Der Attentäter, der in seinem Versteck nur auf diesen Moment gewartet hat, entgeht den angetretenen Sicherheitskräften. Allen? Nein, nicht allen! Ausgerechnet eine Nonne rettet dem erstaunten Monarchen das Leben. Mehr noch: Sie macht sich an die Verfolgung des gedungenen Mörders. Da die schwarze Ordenskleidung dabei nur hinderlich ist, wirft die junge Frau diese bei ihrer Verfolgung ab. Kurz darauf hat sie den Attentäter eingeholt und gestellt. Der Feind hat seine Gefährlichkeit bewiesen, doch er weiß bisher nicht, über welch außerordentlichen Talente die junge Frau verfügt, die mit blank gezogenem Degen vor ihm steht.

Gibt es jemanden, der dem guten alten Mantel- und Degen-Genre hinterher trauert? Bis zum nächsten guten Roman oder auch Film mag es noch eine Weile hin sein, aber der vorliegende erste Band der Reihe Belladonna könnte für den Fan von zünftigen Fechtszenen und abenteuerlichen Verwicklungen genau die richtige Überbrückung darstellen – wenn es nicht sogar ein echtes Zuckerstückchen ist, das es nicht nötig hat zu etwas anderem überzuleiten.

Wenn man wie ich zu denjenigen gehört, die nach Filmen wie Die drei Musketiere mit Gene Kelly oder Scaramouche mit Stewart Granger keinen anderen neuzeitlichen Mantel- und Degen-Film mehr wahrgenommen haben, wird mit Belladonna positiv überrascht werden. Ich bin mir nicht sicher, ob es als Film funktionieren würde, als Comic funktioniert es hervorragend. Geheimdienste haben in Geschichten seit längerem wieder Hochkonjunktur. Darin eingeschlossen sind natürlich auch Geheimbünde jedweder Art, Hauptsache geheim. In Van Helsing durfte der Fan phantastischer Abenteuer einen Geheimdienst des Vatikans kennen lernen, hier ist es Verbund zum Schutze des französischen Königshauses.

Aber nicht ein Mann ist die Hauptperson, sondern eine Frau. Das Autorenduo AnGE legt in Marie, deren Codename Belladonna alles hinein, was Sympathien wecken kann. Sie kommt in ihrer Selbstständigkeit einer modernen jungen Frau sehr nahe. Darüber hinaus verfügt sie über kämpferische und artistische Fähigkeiten, die wiederum bei männlichen Lesern für glänzende Augen sorgen. Frauen, die sich schlagen können wie Kerle – ein Phänomen, das in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist: Aber es funktioniert.

Bei diesen Zutaten belassen es AnGe jedoch nicht. Hinzu kommt die Kostümpracht jener Zeit. Musketiere, Adelige, Perücken, ausgefallene Kleider und eine Farbenpracht, die heutzutage ihresgleichen sucht. Daneben brilliert Paris als ausgezeichnete Nebendarstellerin, ein wenig dreckig sicherlich, doch selbst im Morast der Seitenstraßen und Gassen immer noch faszinierend. Und auch das ist ein Thema: Die Schattenseiten jener Zeit werden nicht außer Acht gelassen. Im Untergrund der Stadt regieren andere, unerkannt und mächtig, sehr zum Leidwesen der Ordnungshüter. So erwecken AnGe den Geist von Klassikern wie Cartouche, der Bandit mit Jean-Paul Belmondo. Es funktioniert, weil sich Belladonna an derlei Vorbilder anlehnt, aber sehr viel Eigenständigkeit produziert, was schlichtweg auf die moderne Konzeption seiner Hauptfigur zurückzuführen ist.

Es gibt allerdings noch einen Grund, warum die Geschichte funktioniert. Dieser lässt sich in einem Namen zusammenfassen: Pierre Alary. Alary konnte bereits mit seiner SinBad-Version überzeugen. Das Skizzenhafte, das Karikierende, der scheinbar schnelle Strich ergeben einen sehr eigenen grafischen Stil mit einem hohen Wiedererkennungswert. Das Schöne an diesem Stil, der auch recht cartoony ausschaut, ist die Vielseitigkeit.

Alary gelingt es, sehr viel Ausdruck in Gesichter hineinzulegen. Gerade durch die leichte Karikatur, die seinen Zeichnungen zugrunde liegt, gelingt dies leichter und vielfältiger, man könnte auch sagen, eindeutiger. Ruhige Szenen laden zum Verweilen, zum Begutachten ein, schnelle Action-Szenen lassen das Auge springen, zwingen zum filmischen Lesen.

Eine Wiedergeburt des Mantel- und Degen-Films – allerdings nur im Comic. Aber man soll nicht undankbar sein. Mit dem Besten des Klassischen und des Modernen ausgestattet trifft das künstlerische Team ins Schwarze und beschert den Lesern eine schwungvolle erzählte und inszenierte Abenteuergeschichte. 🙂

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