Sonntag, 22. Februar 2009
Im Wald hat etwas überlebt, das es nicht mehr geben sollte. – Und wenn es nach den offiziellen Behörden geht, hat auch nichts überlebt. Deshalb hat das Massaker an der kleinen Familie auch nie stattgefunden. Der Vater ist tot, die Mutter entführt. Was der überlebende Junge auch gesehen haben mag, er ist ein Junge, wer wird einem kleinen Kind schon seine Alpträume glauben? Die Jahre vergehen. Der Junge wird erwachsen. Die Zeit bedeckt seine Erinnerungen, aber sie vergräbt sie nicht. Billy kann die immer neu hervorbrechenden Bilder nicht unterdrücken. Letztlich gibt es für ihn nur einen Ausweg, um dieses Drama ein für alle Mal zu beenden. Er muss dahin zurück, wo alles geschah.
Und Billy muss sich außerdem beeilen. Die Mordtaten mehren sich. Der Mörder geht mit äußerster Brutalität vor und scheint auch vor den seltsamsten Untaten nicht zurückzuschrecken. Als ein Autofahrer auf der Landstraße mit dem Kadaver eines Bären beworfen wird, nimmt das Unheil mit erhöhter Geschwindigkeit seinen Lauf.
Gleich drei namhafte, mit dem Grauen äußerst vertraute Künstler haben sich hier zur Erzählung eines der amerikanischen Mythen überhaupt zusammengetan: Steve Niles, Rob Zombie und Richard Corben. Steve Niles konnte dem Vampirgenre mit seinem 30 Days of Night einen neuen Schub geben. Rob Zombie liebt die Freakshow auf der Leinwand, wie er mit Haus der 1000 Leichen, The Devil’s Rejects und natürlich der Neuverfilmung von Halloween. Richard Corben liebt das Horror-Genre ebenso, aber seine Welt sind die Comics. Dort bewegt er sich allerdings gerne in verschiedenen Genres, wie mit Beiträgen zu Aliens oder Edgar Allan Poe zeigen konnte.
Nun also haben die Herren sich den Bigfoot vorgenommen. Gleich auf dem ersten Titelbild der US-Ausgabe hat Richard Corben ein Standbild eines so genannten Beweisfilms umgesetzt. Der Bigfoot, ein affenähnliches Wesen aus den kanadischen Wäldern, rennt darauf vor seinem Betrachter davon – noch einmal Glück gehabt, kann man da nur sagen. Corben entwirft einen bösen King Kong, etwas kleiner, aber durch und durch blutrünstig. Diese Kreatur, so behaart sie sein mag und so gorillaähnlich sie auch ausschauen mag, ist doch eher eine Art Urzeitmensch. Mehr noch: Er tötet, um zu fressen. Meistens jedenfalls. Nichts dürfte die Phantasie eines Lesers oder eines Zuschauers mehr anregen, als der Umstand, dass die Opfer einer Geschichte in Gefahr geraten können gefressen zu werden.
Der Trick ist nicht neu, doch er wirkt immer wieder. Die Bilder strahlen eine sehr dichte Atmosphäre aus, nicht zuletzt, weil einige Szenen bombastisch gut geworden sind. Es ist Richard Corben zu verdanken, dass man regelrecht auf das Monster wartet. Aber es ist kein Monster geworden, mit dem zu irgendeinem Zeitpunkt Mitleid zu empfinden ist. Zu groß ist die Bösartigkeit, mit der das Vieh zu Werke geht. Dieser Bigfoot ist nicht einfach nur auf der Jagd, denn er scheint sich auf Menschenfleisch spezialisiert zu werden. Andernfalls wäre es nicht zu verstehen, warum er einen 400 kg schweren Bären verschmäht.
Die Bilder, die Corben schafft, sind eindeutig nichts für zartbesaitete oder gar feinsinnige Gemüter – das sollte man von einer Geschichte, an der Rob Zombie beteiligt ist, auch nicht erwarten. Ein ganz klein wenig fühlt man sich als Leser im Kern an Der Geist und die Dunkelheit erinnert. Die Stimmung ist zuweilen ähnlich, was auch damit zusammenhängt, dass das Land eine wichtige Rolle in diesem Horrordrama spielt. Die Wälder sind unergründlich, unerschlossen und düster. Das Grauen nähert sich lautlos und es wird, wie das Titelbild des vorliegenden Bandes zeigt, von Corben unnachahmlich auf Papier gebannt.
Aber Corben leistet sich auch Ausrutscher. Manchmal verrutschen seine Figuren ins Lächerliche, erinnern sie an die allseits beliebten Wackelköpfe, wenn die Proportionen nicht mehr so stimmen, wie sie sollten. Das sind die Momente, in die Atmosphäre kurz zerstört wird und verfliegt. Vielleicht ist das ein Trick von Corben, denn in den folgenden Szenen kehrt das Grauen mit noch größerer zur Schau gestellter Macht zurück.
Ein sehr gelungenes Horrorvergnügen in stimmungsvollen Bildern. Wer schon etwas von Steve Niles las oder von Rob Zombie sah, weiß, was ihn erwartet. Alle anderen, die eher einen sanften Grusel bevorzugen, sollten erst einmal einen Blick in die Leseprobe riskieren. 🙂
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Freitag, 20. Februar 2009
Cubitus ist nicht der faulste Hund im Universum, aber sicherlich einer derjenigen, die furchtbar schwer zu wecken sind. Wie gut, dass sich sein Herrchen darauf eingestellt hat. Ein leichter Donner aus einer überdimensionierten HiFi-Anlage hat noch jeden Hund geweckt. Herrchen hat es aber auch nicht leicht mit Cubitus. Da kidnappt der Hund doch tatsächlich die Zervelatwurst aus dem Kühlschrank und fordert zwei weitere als Lösegeld. Gar keine Frage, dass Herrchen schnell weiß, wo der Hase – Verzeihung – natürlich, wo der Hund lang läuft. Essen ist ein zentrales Thema im Leben von Cubitus. Eines, das ihm Freude macht, aber auch ständig in Schwierigkeiten bringt.
Keine Frage, Cubitus weiß auch, dass Essen nicht nur Leib und Seele zusammenhält, sondern auch als Köder dient. So wird ein Angelausflug nicht lustig, er ist auch von unterschiedlichem Erfolg gekrönt. Ein Kaviartoast mag die Fische anlocken, ein überdimensionierter Räucherschinken macht da schon mehr Probleme. Aber zu jeder Zeit bleibt er bei all seinen Bemühungen liebenswert.
Debakel ohne Makel lautet die Überschrift des 19. Bandes mit den Abenteuern des kugeligen weißen Kuschelhundes. Cubitus will – und das muss hier einmal mit allem Nachdruck angeführt werden – stets das Beste, nur er hat nicht immer das beste Händchen dafür. Anders gesagt: Cubitus ist ein Tolpatsch. Dupa hat sich für seinen Wunderhund einige haarsträubende Situationen ausgedacht. Korpulent mit Talent bringt es ans Tageslicht. Cubitus ist ein Zauberer, wenn auch ein mäßig begabter, wie es sich bald zeigt. Das Bild, auf dem ein Cubitus zu sehen ist, der sich abmüht, alle seine Zauberkaninchen einzufangen, hat einen hohen Knuffig-Faktor.
Ich ködere mit in Milch getunktem Brot und ich nehme, was hier so vorbeischwimmt.
Ich ködere mit in Bordeaux (Jahrgang 1961) getunktem Kaviartoast und ich kriege alles, was ich will.
Worthumor steht hier wunderbar gleichbedeutend neben Humor ohne Worte. Sicherlich ist hier nicht alles mit Weisheit getränkt, wie diese kleine Wortspielerei der Angler, aber ein wenig Lebensklugheit findet sich immer wieder einmal in den Einseitern, die abschnittsweise aus Cubitus’ Leben erzählen. Welche Wirkung ein feiner Anzug und das Wort Liebe haben kann, zeigt sich in dem Sketch Kurze Rede mit einer wundervollen kleinen Pointe.
Sketch? Ja, nicht alles ist gleich humoristisch, nicht jede Seite ist von Dupa als Brüller ausgelegt. Der Leser sollte nicht dieser Annahme verfallen und so einen Fehler begehen. Dupa verlässt sich bei seinen Erzählungen auch auf die kleinen Momente. Er sucht das Schmunzeln bei seinen Lesern, vielleicht auch ein glückliches Lächeln, das neben einem schadenfrohen Grinsen natürlich auch seine Berechtigung hat. – Schade nur, dass es diesmal nur einen kleinen Ausflug in den Wilden Westen gibt. Der Maulwurf, der hier als Indianer auftritt, könnte ein heimlicher Star werden. Ganz besonders, da die Schnecke in diesem Band eindeutig zu kurz kommt.
Keine Vorkenntnisse vonnöten: Einfach loslesen, laut lachen, leise schmunzeln, Spaß haben. Hier ist einfach für jeden etwas dabei, von der albernen Slapstick bis zur kleinen Lebensweisheit in humorvoller Verpackung. Cubitus ist jung und bleibt jung: Zeitloser Humor. 🙂
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Alix Yin Fus Schicksal entscheidet sich. Wie wird sie dem Großen Steuermann dienen? Als Stechfliege? Oder als Honigfliege? Rein optisch sind ihre Fähigkeiten klar definiert, doch Alix hat gar nichts mit einem erotischen Dienst für den Großen Steuermann im Sinn. Ihr Vorgesetzter lässt sich durch ein paar Schläge gern überzeugen. Alix wird eine Stechfliege, eine Mörderin im Dienste des Großen Steuermanns. Ihr erster Einsatzort ist San Francisco. Alix’ Vorgesetzter Hsu Hsieh bringt sie höchstpersönlich über den großen Teich und übergibt sie in die Obhut des Dreifarbigen Drachen.
Alix ist erstaunt, es mit einer Langnase zu tun zu haben, die für den Kommunismus einsteht. Doch Rousseau, ein gebürtiger Franzose, hat sich an das Geschäft gewöhnt. Widrigkeiten gehören dazu. Wenn Alix diejenige sein soll, die auszubilden ist, wird er seine Aufgabe erfüllen. Kaum hat Alix an seinem Tisch Platz genommen, hat sie auch schon ihre erste Bewährungsprobe zu erfüllen: Einen Mord auf offener Straße.
Didier Conrad nimmt den Ball alleine auf und schickt seine Alix ins Land der Kapitalisten. In San Francisco herrschen noch nicht jene Tage, in denen man die Stadt besser mit einigen Blumen im Haar betritt. Es ist Feindesland. Alix darf niemandem trauen, erst recht keinen Chinesen, denn diese sind die schlimmsten Kapitalisten von allen. Ihr Auslandseinsatz gestaltet sich sehr bald schon gefährlicher als ihre vorherigen Aufgaben. Rousseau, der Franzose, ist ein strenger Lehrer, aber Alix muss feststellen, dass sie nicht die eiskalte Mörderin ist, wie es der Große Steuermann von ihr verlangt.
Oder besser, wie es seine ihm dienenden Untergebenen verlangen. Wie überall sonst werden Gunst und Missgunst verteilt, sind persönliche Vorteilsnahmen im Kommunismus ebenso präsent wie anderswo auch. Ausgerechnet Rousseau, der als Langnase eigentlich jegliches chinesische Klischee erfüllen sollte, stellt sich als würdige Stechfliege heraus, die ihrem Auftrag ohne Wenn und Aber nachkommt.
Die Zeichnungen mögen täuschen, aber die Geschichte um Die weiße Tigerin nimmt sich ziemlich ernst. Nicht nur Mord und Totschlag, die berühmten Geheimdienstaktivitäten der 50er Jahre bzw. des Kalten Krieges, auch alte Gräueltaten kommen ans Licht und erschüttern insbesondere Alix, die sich hier verstärkt mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss, als es für zu wählen heißt. Entweder nimmt sie Rache am Mörder ihrer Mutter oder sie dient dem Großen Steuermann wortgetreu.
Conrad bleibt natürlich nicht vollständig ernst. Eine Figur wie Rousseau karikiert einen Schauspieler wie Jean Reno. Chinesische Weisheiten lassen allerhand Spielraum zur Interpretation (um die Wahrheit zu sagen, habe ich kaum eine davon verstanden) aber gerade das macht den humoristischen Reiz aus. Hier stehen kleine Albernheiten, leicht erotische Verspieltheiten neben vielerlei knallharten Agentenszenen, die auch in einem ganz normalen Action-Film denkbar wären. Conrad gestaltet eine sehr liebenswerte Hauptfigur, die sich lange weigern kann, die Fünfte Glückseligkeit anzuwenden.
Grafisch wird der klassische frankobelgische Cartoon-Weg weiterbeschritten. Stark angedeutete und reduzierte Figuren stehen neben einer sehr schön ausgearbeiteten Kulisse nebst Fahrzeugen und Ausstattung. Die prachtvollen Farben auf dem in Posterqualität gestalteten Titelbild geben ein leicht falsches Bild. So düster die Geschichte überwiegend ist, so sind es auch die farblichen Stimmungen. Seitengassen, Spelunken, Hinterzimmer, eine gefährliche Nacht am Strand bilden einen starken Gegensatz zu den lichten Momenten. Aber jegliche Farbstimmung ist stets kräftig und mitreißend.
Weitaus weniger Komödie als knallharter Agententhriller mit einer sehr sympathischen Hauptfigur. Zeichner Didier Conrad hat die alleinige Umsetzung der weißen Tigerin übernommen und führt die Geschichte auch ohne Yann sogar sehr spannend fort. 🙂
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Dienstag, 17. Februar 2009
Graustreif hat seine Heimat verloren. Er konnte die Entführung einiger seiner Artgenossen verhindern, dabei geriet er selber in Gefangenschaft. Der Katzenkrieger, die Freiheit gewöhnt, findet sich plötzlich in einem fremden Haus wieder, inmitten einer menschlichen Ortschaft und alles ist so anders, als er es von Geburt an her kennt: Sogar die Katzen. Die Welt mag anders sein, aber ganz so schlecht ist es nicht. Gut, das Essen, das sie ihm vorsetzen ist grauenhaft, doch es ist warm und kuschelig, während es draußen bitterböse regnet. Die Zweibeiner um ihn herum, zwei ältere und zwei jüngere, scheinen ihn zu mögen. Sie kraulen ihn und er lässt es genießerisch zu. Schließlich wird der Freiheitsdrang zu gewaltig.
Bei der nächsten Gelegenheit ist Graustreif durch die offene Tür entkommen. Und wie es auf einmal riecht! Und all die fremden Geräusche! Graustreif kann nicht anders. Ein wenig beschämend ist es zwar für einen Katzenkrieger, aber er flüchtet sich lieber in die Umarmung eines Zweibeiners. Am nächsten Tag versucht er es erneut.
Erin Hunter: Nicht eine, nicht zwei, nein, gleich drei Autorinnen teilen sich dieses Pseudonym. Cherith Baldry, Kate Cary und Victoria Holmes haben das Universum erfunden, in dem sich verschiedene Katzenclans ein Gebiet in einem Wäldchen teilen. Auf dem englischen Buchmarkt gibt es bislang 17 Romane, aufgeteilt auf drei verschiedene Zyklen.
Der Einstieg erfolgt in aller Kürze. Graustreif wird seiner Heimat entrissen und so erwacht er zunächst in einer für den Leser vertrauten Welt, einem beschaulichen Vorort der Menschen – oder der Zweibeiner, wie Graustreif, ein gestandener Kater, sie nennt.
Die Zweibeiner haben nichts zu sagen in dieser Geschichte und falls doch, werden sie nicht verstanden. Durch die Augen von Graustreif erfährt der (junge) Leser die Fremdartigkeit dieser Umgebung. Die Umzäunungen, die fein gepflanzten Beete, die künstliche Bewässerung und kurz geschnittene Rasen laden nicht den freiheitsliebenden Graustreif nicht gerade zur Entdeckertour ein. Zu allem Überfluss erheben andere Kater – gewöhnliche und verwöhnte Hauskater – auch noch Anspruch auf verschiedene Reviere. Das ist mit leichter Hand von David Jolley geschildert, der die Manga-Adaption von Erin Hunter übernommen hat.
Katzengeschichten sind keine Neuigkeit auf dem Buchmarkt, spätestens Felidae von Akif Pirincci machte diese Hauptdarsteller auch in Deutschland populär. Sein Katzenkrimi schaffte es sogar auf die Leinwand und in den Comic. Weitaus weniger brutal und sehr schön für Kinder, sogar zu Herzen gehend ist der vorliegende erste Band der Warrior Cats mit dem Titel Der verlorene Krieger. Einfach und unterhaltsam erzählt erlebt der Leser die schlichte Sicht der Katzen ohne besondere Fantasy-Elemente, wie sie manchmal in die Vermenschlichung von Tiergeschichten Einzug halten. Hier wird Wert auf eine möglichst unverfälschte Katzenwelt gelegt – sofern das machbar ist, versteht sich.
Denn so ganz kann natürlich nicht auf eine Vermenschlichung verzichtet werden. Die Katzen verständigen sich mit ihren eigenen Worten und so ganz weit weg ist diese Kommunikation von jener der Zweibeiner dann doch nicht.
Die grafische Gestaltung von James L. Barry folgt dem Manga, genauer dem Manhwa, da hier eine europäische Leserichtung eingehalten wird. Schwarzweiß, mit nur wenigen Graustufen ausgeführt, ist die Optik geradlinig, schnörkellos und ohne Überraschungen. Hier ist eindeutig ein jüngeres Publikum die Zielgruppe, die sich von überbordenden Bildern nicht beeindrucken lassen würde. Die Geschichte soll schnell und zügig erzählt werden, ohne Ablenkungen mit unnützen Details. Die Katzen sind liebenswürdig gezeichnet, kindlich, aber ohne Disney-Charme, der einem zu Katzen nach den berühmten Aristocats zwangsläufig auch einfällt. Das gelingt trefflich und entwickelt sich für Graustreif versöhnlich, da er eine neue Freundin findet.
Eine leichte Kinderlektüre, ein wenig geheimnisvoll, ordentlich spannend, leichtfüßig gezeichnet und erfolgreich, wie die sechs englischen original Manga-Bände zeigen.
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Sonntag, 15. Februar 2009
Ganz in weiß, angetan mit einem Schutzhelm und einer kleinen Kompanie Superman-Roboter hinterdrein, rückt der Stählerne zu einem seiner finalen Kämpfe aus. Im All wartet der Feind mit tödlichen roten Sonnenstrahlen. Der Kampf ist hart, die Verluste unter den Robotern hoch. Aber Superman gibt nicht auf, obwohl sogar ein liebgewonnener Freund die Gegenwehr mit Leben bezahlen muss. Es bleibt keine zeit zur Trauer, denn am Boden wartet schon der nächste Feind: Lex Luthor.
Superman ist tot. Es lebe Superman. Nach all den verschiedenen alternativen Erzählungen zu bestehenden Superhelden oder zu ganzen Comic-Universen dürfte die sechsteilige All Star Superman-Saga zu den eigenständigsten gehören. In sich geschlossen bietet die kleine Reihe viel Neues und kreiert den Stählernen auf eine vielschichtige Art neu. Bereits sehr früh wurde das Schicksal Supermans festgelegt: Tod. Unabwendbar, unheilbar. Aber es blieb genügend Zeit, um den Nachlass zu regeln und Abschied zu nehmen.
Grant Morrison beschritt dazu sehr eigenwillige Wege. Einerseits griff er alte Bestandteile auf und krempelte sie auf eine beinahe wahnwitzige Weise um – mit der Betonung auf witzig – andererseits setzte er neue Akzente, so dass sich unumwunden behaupten lässt, dieser Superman ist Morrisons Superman.
Unverzichtbar in allen Superman-Alternativen ist Lex Luthor. Auch Morrison kommt nicht ohne ihn aus, entwirft ihn aber deutlich psychopathischer als in manch anderer Episode. Beziehen wir uns nur auf den Luthor in dieser letzten Folge, dürfte der Einsteiger sich an einen Horror-Thriller erinnert fühlen. Lex Luthor landet auf dem elektrischen Stuhl, hat die Wahl eines letzten Drinks, verwünscht den Priester, wird hingerichtet, stirbt aber nicht, sondern lacht die Anwesenden aus, bevor er sich befreit und sie eigenhändig tötet.
Als würde ein menschlicher Psychopath nicht ausreichen, muss Superman auch noch gegen Solaris antreten, eine hochentwickelte Maschine in Form einer roten Sonne. Dieser Kampf wie auch jener gegen Lex Luthor werden von Morrison als präzise geführte Schläge beschrieben, die letztlich doch in eine emotionale Endphase münden. Superman erfüllt seinen Job, aber Begeisterung ist nicht mehr dabei. Supermans Körper läuft sozusagen nur noch auf Reserve, sein Leben befindet sich in der Verlängerung. Für Morrison gibt es auch im letzten Akt des Comic-Dramas kein Umdenken mehr. Superman sollte sterben – und er stirbt.
Sicherlich könnte jeder halbwegs versierte Comic-Autor das Schiff auch wieder aus dem Hafen bringen. Ein entsprechender Mut machender Epilog existiert, doch eine Fortsetzung wäre mit Superman nicht denkbar. – Ohne Superman schon. Man darf sich überraschen lassen, ob ein solches Experiment einmal gewagt werden wird. Denn schließlich traf Superman zukünftige Varianten seiner selbst.
Mit dem Ende dieser kleinen Reihe muss sich der Leser auch von Frank Quitely verabschieden. Einfach, einfacher, Quitely, auch eine Spur Moebius, ganz wie man will. Quitely frönt regelrecht einer Vereinfachung. Dazu haben seine Bilder weiterhin einen wahnsinnig zerbrechlichen Charakter. Es gibt den einen oder anderen Schattierungsstrich und die Knitterfalte, doch in der Hauptsache kommt Quitely ohne umständliches Drumherumgekrackel aus.
Jamie Grant, der dritte Künstler im Bunde, hat einen maßgeblichen Anteil am Erfolg der Optik. Getuscht wurde hier von ihm rein digital. Obendrein ist er für die Kolorierung verantwortlich. Er nutzt einen Quitely-Trick, denn Quitely besitzt den Mut zur Lücke, indem er auf überflüssige Ausstattung verzichtet und seinen Figuren viel Platz lässt. Grant greift diese Lücken auf, gibt ihnen eine samtweiche, aber auch stets leicht körnige Farbgebung, so dass selbst auf der einfarbigsten Großfläche Unregelmäßigkeiten zu finden sind. So wird der erste Eindruck von Schlichtheit durchbrochen und weicht einer schönen Plastizität der Bilder.
Grafisch gnadenlos toll, fast schon zu schön für eine Heft-Comic-Reihe. Ein würdiger, fein strukturierter, aber auch trauriger Abschluss des Sechsteilers (in den USA 12 Ausgaben). Perfekte Superhelden-Unterhaltung. 🙂
Freitag, 13. Februar 2009
Der Priester hat seine Arbeit vollbracht. Die Schläferin, die Vampirin, die nächtens die Lebenden terrorisierte, ist nun endgültig tot. Ihr Kopf wurde vom Rumpf getrennt, wie es für die Vernichtung eines Vampirs vorgeschrieben ist. Aber der Priester hat ihren Meister vergessen, den, der die Schläferin erschaffen hat. Kurz darauf schlagen sich messerscharfe Zähne in den Hals des Priesters, der panisch reagiert und mit seinem Kreuz zusticht. In dieser Welt des Schreckens sind Vampire allerdings noch das kleinste Übel. Viel schlimmer ist der Mensch, der mordet und meuchelt und der dennoch immer wieder auf das Fürchterlichste lächelt.
Obwohl er nur 40 Jahre alt wurde, hat Edgar Allan Poe mit seinen Geschichten Vorreiter für unheimliche und hintergründige Handlungen gespielt. Der von 1809 bis 1849 lebende Autor schrieb Geschichten wie Der Goldkäfer oder Der Doppelmord in der Rue Morgue. Filme nach seinen Themen katapultierten den Filmschauspieler Vincent Price in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. So erfreuten sich plötzlich Das Pendel des Todes, Der Untergang des Hauses Usher, Die Maske des Roten Todes oder auch Der Rabe wieder einer größeren Beliebtheit. Dieses Gedicht von Poe diente als Vorlage zur Verfilmung unter dem Titel Der Rabe – Duell der Zauberer. Der Film mit Vincent Price, Peter Lorre und Boris Karloff war eine grandiose Komödie.
Im vorliegenden Band interpretiert Autor Rich Margopoulos die Textvorlagen von Edgar Allan Poe weniger humorvoll. Der Rabe weist in der Interpretation den Weg zu einer alten Schuld. Ist das Gedicht in seiner Urform bereits düster, schwarz umwölkt, erdrückt der Verlust den Erzähler, kann Margopoulos dies in seiner Umsetzung noch eindeutiger festlegen. Der Rabe wird zum Todesboten – ein Motiv, das James O’Barr mit seiner Geschichte The Crow wieder aufgriff.
Die Interpretationen stehen Seite an Seite mit den alten Texten und entlocken ihnen neue Bedeutungen oder transportieren sie in die Neuzeit. Der Sieger Wurm, thematisch auch von Mike Mignola mit seinem Hellboy aufgegriffen worde, wird hier zu apokalyptischen Grauen in der Zukunft, fast einer Art neuen Form des Soylent Green. Die Würmer haben den Sieg davongetragen. Am Ende sind sie es, die mit Menschen gefüttert werden, damit eine bestimmte Kolonie von Menschen überleben kann. Der Mensch frisst sich über einen Umweg selbst.
Damit dieser Horrorverbund gelingen kann, wurde ein Künstler verpflichtet, der seit langem ein Garant für den gepflegten Grusel, aber auch für den knallharten Horror ist: Richard Corben. 1940 geboren, aber noch lange nicht zum alten Eisen gehörend, greift mit Freude die Vorlagen von Margopoulos auf und verknüpft die alten Texte mit Gewalt, aber auch Gesellschaftskritik oder gesellschaftlichen Einsichten. Mit zweierlei Techniken geht Corben ans Werk. Auf Farbe, wie bei seinem Cover zu Bat out of hell von Meat Loaf, mit dem er ein noch größeres Publikum erreichte, verzichtet er vollkommen. Er setzt auf Licht und Schatten. In manchen Geschichten verwendet er ein plakatives Helldunkel, gestützt von einigen bewusst gesetzten Grautönen. Andere Geschichten, die optisch so auch viel atmosphärischer werden, arbeitet er feinsäuberlich in Graustufen aus und gibt ihnen einen metallischen Glanz, aber auch eine höhere Räumlichkeit.
Corbens Figuren haben zuweilen die Eigenschaft, ins Lächerliche abzudriften. Sie karikieren, wenn die Köpfe viel zu groß geraten und der gesamte Körperbau mehr der von Marionetten ist. Eigentlich sollte derlei Gestaltung einer Geschichte die Schärfe nehmen, da sie dadurch der Realität noch mehr entrückt wird. Das ist bei Corben aber nicht der Fall. Corben lässt einen Rausch entstehen. Seine Bilder entführen den Leser so, als habe eine Reizüberflutung stattgefunden oder das Gehirn könne die Informationen nicht mehr zur Gänze sinnvoll verarbeiten. Man muss sich darauf einlassen können oder es optisch mögen, allenfalls werden die Bilder ihre Kraft nicht entfalten können.
Eine Fahrt mit der guten alten Geisterbahn nach einem Schlag auf den Kopf: Rich Margopoulos und Richard Corben nehmen den Leser mit ihren Interpretationen von Edgar Allan Poe Themen auf einen Horrortaumel mit. Das Ziel der Reise ist der menschliche Abgrund und der ist, will man diesem Trio glauben, verdammt tief. 🙂
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Donnerstag, 12. Februar 2009
Der Planet Kiros wollte den Krieg nicht. Er bekam ihn trotzdem. Kiurz nachdem der örtliche Gouverneur mit Yoda über die Hilflosigkeit seines Volkes in diesem Konflikt gesprochen hat, landet Count Dooku mit seinen Droideneinheiten. Unter der Vorspiegelung einer friedlichen Besetzung Kiros’ will er ein Bollwerk gegen die vorrückenden republikanischen Einheiten schaffen. 19 Umkreisungen später ist der Krieg auch auf Kiros in vollem Gange. Der Versuch, eine Neutralität zu wahren, hat nichts genützt. Geradezu spielerisch gehen die Klontruppen gegen die Droiden vor. Sie vergeben sich gegenseitig Punkte für Abschüsse. Wie ernst die Lage wirklich ist, erfahren sie durch den Erhalt einer Bombendrohung.
General Kenobi hat einen Punkt erreicht, ab dem er mit Bedacht vorgehen muss. Die Togruta, die Bewohner von Kiros, sind verschwunden. Die Drohung nicht ernst zu nehmen, hieße, ein allzu großes Risiko für Leib und Leben der Togruta einzugehen. Während Kenobi Zeit herausschindet, suchen Anakin, die Padawan Ahsoka und R2-D2 nach den versteckten Bomben.
Mit diesem Handlungsauftakt folgt Henry Gilroy der Zeichentrick- und Animationsfortführung des Star Wars Themas. Vor geraumer Zeit sorgte die kleine Zeichentrickserie zu den Clone Wars für Aufregung. Endlich gab es neues Handlungsfutter. Aus der Zeichentrickserie wurde ein Animationskinofilm und eine –serie. Die optische Grundkonzeption wurde beibehalten, lediglich setzte man bei der Umsetzung verstärkt auf einen CGI-Ausdruck. Durch die verschiedenen Serienbestandteile ist zwischen den Ereignissen von Episode II und Episode III bald sehr viel mehr los, als es zwischen der Rache der Sith und einer neuen Hoffnung ist.
Die 72. Ausgabe der Star Wars Comic-Reihe greift die Clone Wars auf und erzählt von den Auseinandersetzungen im Kiros System und dem Schicksal der dortigen Togruta Kolonie. Henry Gilroy schrieb das Skript zum Comic. Es fasst die ersten beiden Ausgaben der US-amerikanischen Clone Wars Reihe zusammen. Gilroy ist versiert in der Zeichentrickunterhaltung wie auch in der Unterhaltung von Kindern. Er arbeitete u.a. mit an den Serien Jackie Chan Adventures, Batman, Bionicle, Transformers Animated und natürlich auch am Clone Wars Kinofilm. Gilroy kennt die Regeln der Erzählung. So sät er zunächst Hoffnung, um sie sogleich wieder zu nehmen.
Dem Gespräch mit Yoda folgt die Landung von Count Dooku und seinen Truppen auf dem Fuße. Die Kämpfe, die kurz darauf zu sehen sind, hat der Fan so ähnlich schon in der originalen Zeichentrickserie bestaunen können. Das spannungsverschärfende Stichwort in dieser Geschichte lautet: Bomben. Gilroy setzt die Handlung unter Zeitdruck. Außerdem stimmt Obi-Wan Kenobi einem Zweikampf zu, bei dem er auf seine Jedi-Fähigkeiten verzichten will.
Die Bilder sind grafisch an die Optik der Clone Wars Reihe angelehnt, entsprechen aber eher der ursprünglichen Zeichentrickserie. Scott Hepburn orientiert sich nicht so stark an dieser Optik wie sein Nachfolger Ramon K. Perez in der zweiten Episode. Wegen ihres größeren Realismus wirken Hepburns Bilder besser. Dan Parsons tuscht die erste Episode auch deutlich kräftiger als die zweite. Insgesamt ist die Umsetzung der Zeichentrickvorlage für beide Zeichner aber offensichtlich schwierig. Die kantigen Formen lassen es nicht zu, dass alle möglichen Perspektiven genutzt werden können, denn es würde einfach nicht wirken. In einem Film kann eine Bewegung über eine seltsame Optik hinwegtäuschen, hier ist das nicht möglich.
Nichtsdestotrotz hat der vorliegende Band einiges zu bieten, besonders als sich die Handlung in den Weltraum verlegt. Für den kleinen Star Wars Hunger zwischendurch, leicht verdaulich und lecker. 🙂
Dienstag, 10. Februar 2009
Die Planetenoberfläche ist zerfurcht, voller Matsch. Es regnet unaufhörlich. Dennoch setzen die Klontruppen unter dem Befehl von General Kenobi ihren Vormarsch fort. Aber Alto Stratus, der Oberbefehlshaber der Separatistentruppen von Jabiim, macht es den Klontruppen nicht leicht. Zu tiefe Wunden haben die Versäumnisse der Republik bei den Bewohnern von Jabiim hinterlassen, um noch auf Hilfe zu hoffen. Lieber streben sie die Unabhängigkeit an. Die Angriffe der Aufständischen haben die Reihen der Klontruppen weit auseinander gezogen und geschwächt. Entgegen des Rats seiner Soldaten hat sich Kenobi in die Falle locken lassen. Plötzlich kommt ein Funkspruch Anakins. Der Feind greift das Hauptlager an!
Die Verluste werden immer höher. Beide Feindparteien werden sich auf dem Schlachtfeld immer ähnlicher. Die Lage wird für beide Seiten immer verzweifelter. Die Jedi, besonders die Padawane werden in eine Situation getrieben, die sie an den Grundsätzen des Ordens zweifeln lässt. Bald schon sind sie bereit aufzugeben – alles, nicht nur den Kampf, sondern auch ihr Leben. Zu allem Überfluss ruft der Oberste Kanzler die verbliebenen Truppen zur Evakuierung auf.
Tag auf Tag lässt Autor Haden Blackman auf die Jedi und ihre Soldaten wie Hammerschläge niedergehen. Der nächste Tag ist schlimmer als der vorherige. Es werden keine Siege errungen, dafür sind sie zu teuer erkauft. Die einstige Euphorie, das Wissen um die Richtigkeit des eigenen Tuns ist einem bloßen Kämpfen um Leid und Leben gewichen. Selten war im Action-geladenen Clone Wars-Umfeld die Stimmung derart trostlos.
Diese Stimmung gipfelt im Tod dreier junger Jedis. Zwei von ihnen sterben mehr oder minder freiwillig unter dem Einschlag einer Raketensalve. Er ist zu kraftlos, um die Salve abzuwehren, sie will ihn nicht alleine sterben lassen, obwohl er ihr die Möglichkeit zur Flucht verschafft hätte. Eine dritte Jedi stirbt, als sie Rache nehmen will für all das Leid und Grauen, dass sie während der Kämpfe miterleben musste. Wie in einem Szenario von Hermann Melville reißt auch hier der Feind seinen Widersacher mit in den Tod.
Als Zeichner für dieses Kriegsdrama inmitten sonst eher oberflächlichen Gesamtszenarios zwischen Episode III und Episode IV konnte Brian Ching gewonnen werden. Ching wurde mit seinen Arbeiten an Tomb Raider, Witchblade oder auch der Magdalena bekannt. Auch im Star Wars-Universum hat er bisher einige bemerkenswerte Arbeiten abgeliefert.
Brian Ching gehört zu der Sorte Zeichner, die sich dem Realismus verschrieben haben. Seine Menschen sind zwar ein wenig überirdisch, aber damit reiht er sich hinter Größen wie Dan Jurgens, Jim Lee, Terry Dodson oder Michael Turner ein. Ching hat immer ein wenig Grundähnlichkeit in seinen Figuren, eine Schwäche, die vielen guten Zeichnern zueigen zu sein scheint. Dies lässt aber vielleicht auch mit dem zeichnerischen Alltag erklären. Im Tagesgeschäft verhelfen Grundformen und –stile zu einer schnelleren Umsetzung. Und wenn diese so toll und exakt ausfallen wie bei Ching, mag man als Leser eine solch kleine Schwäche gerne verzeihen.
An der Art und Weise und der daraus resultierenden Wirkung, wie Ching diesen Kriegsschauplatz optisch aufbereitet, erkennt man als Leser schnell den Unterschied zu bisherigen Star Wars Veröffentlichungen. Diese waren nicht gewaltfrei – schon gar nicht jene Geschichten zum Thema Clone Wars – doch hier wirkt die Gewalt echter, soweit sich das von einem Space Opera Szenario sagen lässt. Der Fan mag sich ein wenig aufgrund der Härte an den Roman Mace Windu und die Armee der Klone erinnert fühlen.
Optisch nicht weniger gelungen die von Jan Duursema gezeichnete Abschlussepisode, die allerdings mit dem Letzten Gefecht um Jabiim nichts mehr zu tun hat. John Ostrander schickt seinen Helden Anakin Skywalker auf den Planeten Aargonar. In der Episode Der Sturm vor dem Sturm steht ihm ausgerechnet ein Jedi-Meister aus dem Volk der Tusken zur Seite. Anakin, der diesem Volk immer noch den Tod seiner Mutter anlastet, macht es sich nicht leicht an der Seite von A’Sharad Hett.
Duursema zeichnet diese kleine Geschichte mit der von ihm gewohnten Akribie. Er legt wie Ching einen hohen Wert auf den Realismus seiner Zeichnungen. Auf seine besitzen eine große Sogkraft, stets sind die Seiten optisch sehr ausgewogen und zeugen von einer tollen Sichtführung des Lesers.
Das letzte Gefecht um Jabiim bringt einen sehr düsteren Realismus in die Space Opera zurück. Wer ein hartes Science Fiction Abenteuer bevorzugt oder sehen will, wozu Star Wars erzählerisch auch fähig ist, sollte einen Blick riskieren. 🙂
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Sonntag, 08. Februar 2009
Spider-Man ist der Star im Ring. Keiner der anderen Wrestler kann ihm das Wasser reichen. Der junge Peter Parker glaubt nicht, dass es noch besser werden kann. Er hat Geld und Anerkennung. Das Publikum liebt ihn. – Aber das war nicht immer so. Es gab eine Zeit, da war Peter Parker, der Junge hinter der roten Maske mit der dunklen Augenumrandung einer der größten Verlierer seiner Schule. Immer musste er als Prügelknabe herhalten. Besonders Flash Thompson machte ihm das Leben schwer. Bis die Spinne kam. Dann änderte sich alles. Beinahe jedenfalls.
Peter Parker genoss seine neuen Fähigkeiten, aber er hängte sie nicht an die große Glocke. Es genügte zuerst, Flash aus dem Weg gehen zu können. Doch dann wollte Peter mehr. Er wollte das, was alle Jungs seines Alters wollen. Ein vorzeigbares Auto, um Mädchen zu beeindrucken. Und natürlich, um sie abzuschleppen. Ein Kampf mit einem Wrestler versprach ein Preisgeld, das die Lösung seiner Probleme sein konnte. So rutschte Peter in ein Milieu hinein, von dem er vorher nicht einmal geträumt hatte. Schlimmer noch, plötzlich hatte er auf eine gewisse Art mit dem organisierten Verbrechen zu tun.
David Lapham unternimmt den Versuch einer Neuerzählung. Was wäre wenn ist seit längerem ein beliebtes Mittel, um bestehenden Szenarien oder Figuren einen neuen ungewohnten Anstrich zu verpassen. Superman – Birthright war ein derartiger Versuch, das Ultimative Universum ist ein weiterer, noch umfangreicherer Schritt in diese Richtung. Diese Spider-Man-Variante löst sich von allen Richtungen, in die inzwischen erzählt wird – und die aus Lesersicht mittlerweile sehr unübersichtlich geworden sind – und beginnt ganz einfach von vorne. David Lapham verfolgt eine ganz einfache Frage: Hätte Peter Parker Geschmack am Wrestling gefunden, was hätte aus ihm werden können?
Wirft man einen Blick auf den Auftakt der Geschichte, ist die Antwort einfach: Ein ziemlich arroganter, eingebildeter junger Schnösel, der sich von einer ältlichen Frau bequatschen lässt, weil er mehr Augen für ihr Décolleté hat, als Ohren für ihre Worte.
Das Leben ist nicht toll. Nein, kein Zuckerschlecken. Aber es wird besser. Es wird immer besser.
Die Erfolge, die Lapham seinem jungen Helden angedeihen lässt, sind ihm aus den Rückblenden her zu gönnen. Sehr schnell ist man als Leser allerdings hin und her gerissen, denn die berühmten Worte von Onkel Ben (Aus großer Kraft …) führen bei Peter zu keiner großen Verantwortung. Dennoch – oder vielleicht genau deswegen – schießt sich der Daily Bugle auf Spider-Man ein. Ein Mensch mit derartigen Fähigkeiten kann nicht einfach nur ein Wrestler sein. Die Wende kommt durch ein einschneidendes Erlebnis mit den Fantastischen Vier, genauer dem Ding alias Ben Grimm. Erst dann beginnt sehr langsam aus Peter das zu werden, was der Leser auch aus anderen Universen her kennt. Aber leicht macht es Lapham seinem deshalb noch lange nicht.
Tony Harris, den Zeichner, kennen eingefleischte Comic-Fans vielleicht von seinen Arbeiten aus der Serie Ex Machina. Dort hat er durch seinen sehr realistischen und gleichzeitig verspielten Zeichenstil beeindruckt. Zu Beginn muss Harris seinen Schützling durch zwei Welten, durch ein Doppelleben führen. An der Schule ist er der schmale Junge. Wer sich die Optik betrachtet und Film-Fan ist, wird vielleicht eine gewisse Parallele zu George McFly und Biff Tannen festellen. Peter Parker und Flash Thompson geben hier ein ähnliches Bild ab. Der Vergleich mit den 50er Jahren wird umso deutlicher, wenn eine ganz bestimmte Szene herangezogen wird. Peter und Flash liefern sich ein Straßenrennen, bei dem Peter seinen Spinnensinn als Joker benutzt.
Neben packenden Sequenzen im Ring und mit den Fantastischen Vier als Nebendarstellern darf sich Harris auch mit der Maskerade von Peter befassen. Die Verkleidung entsteht nicht durch einen Geistesblitz, sondern folgt verschiedenen Stadien (sogar mit einer merkwürdigen Augenumrandung), bis das bekannte Erscheinungsbild erreicht ist. Insgesamt ist es Harris zu verdanken, dass dieses Spiel mit einer Alternativwelt so gut gelingt. Sein Peter Parker, auch sein Spider-Man ist mit einer so schönen Anteilnahme an der Figur und einer hohen Präzision zu Papier gebracht, dass auch diese Version schlichtweg funktioniert. (Auch weil der Leser viel länger etwas von Onkel Ben hat.)
Farblich ist Schwarz nur als dunkelste Druckfarbe zu finden, wenn es auch Sinn macht. Kolorist J.D. Mettler scheut sich nicht, die getuschten Flächen und Linien seines Kollegen Jim Clark anders einzufärben, so dass eine bessere optische Anpassung an Schattierungen entsteht. Eine deutlich höhere Räumlichkeit ist das Ergebnis. Die Kolorierung allgemein schlicht zu nennen, wäre falsch. Tatsache ist aber, dass die exakte Zeichenweise von Harris mit viel weniger Schattierungsstufen auskommt. Wo es wirklich rundgeht – wie das Ding immer sagt – ist während des Auftritts Ben Grimms zu sehen. Zeichnung und Farbe lassen die Figur viel klobiger aussehen als gewöhnlich, obwohl sie tatsächlich schlanker ist als so manche andere Darstellung dieses Charakters.
Eine gelungene und sehr schön anzuschauende alternative Welt von Spider-Man. David Lapham stellt Peter Parker vor neue Herausforderungen, indem er ihm altbekannte Wendungen vorenthält. Top gezeichnet von Tony Harris. 🙂
Mittwoch, 04. Februar 2009
Die Zeiten haben sich geändert und es besteht für die Menschen keinerlei Veranlassung mehr mit Hochmut ihren Weg zu beschreiten. Nach ihrer verhängnisvollen Niederlage gegen die Drekkars und die Drachen blieb es lange Zeit still. Einzig der Zwist untereinander zerriss den Frieden. Doch nun naht eine neuerliche Zeitenwende, die niemand vorhergesehen hat. Kiriel ist ein Ritter, Waffenmeister des Königs Garantiel von Anoroer, aber er ist nicht von Adel. Der König indes lässt ihm eine große Ehre zuteil werden. Er will Kiriel mit seiner Tochter verheiraten. Am Tag der Hochzeit spricht Kiriel bei seinem Freund Delorn vor. Unter einem Vorwand lockt er den Freund auf die königliche Burg, denn er braucht noch einen Trauzeugen.
Die Hochzeit steht unter keinem guten Stern. Im Reich brodelt es. Waffenlieferungen werden abgefangen. Immer wieder dreist zuschlagende Räuber erschweren die Herrschaft des Königs. Kiriel gerät in eine Gesellschaft, die seiner zwar nicht adligen so doch edlen Gesinnung zuwider läuft. Die ihm versprochene Prinzessin Lerine ist in wilder Leidenschaft entbrannt, allerdings gilt diese ihrem Bruder Tarquain. Die Ehe kommt einerseits ungelegen, andererseits auch willkommen, denn ein aus einem geschwisterlichen Verhältnis entstammender Bastard würde einen Skandal verursachen. Was wäre besser, als das Kind jemand anderem unterzuschieben.
Kiriel weiß zu seinem eigenen Wohl von all dem nichts. Kurz darauf verlässt er mit seiner Braut die königliche Burg, ohne zu ahnen, dass sein Schicksal ihn auf das Furchtbarste prüfen wird.
Eine neue Fantasy-Welt, eine große und sehr fein ausgearbeitete Welt erschließt sich dem Leser mit dem Auftakt der Reihe Söldner. Wir befinden uns im Anschluss großer Umwälzungen in der örtlichen Geschichte. Einst standen Menschen und Riesen Seite an Seite gegen Drachen und Drekkars. Letztere sind mythologisch aus der Vereinigung von Mensch und Drache entstanden.
Die Zeiten der Kämpfe, insbesondere jener berühmten Schlacht zwischen den beiden verfeindeten Seiten, sind lange vorüber. Seither halten die Drekkars einen wichtigen Verbindungspass. Und seither gibt es auch keine Riesen mehr, denn sie starben alle durch einen feigen Hinterhalt der Drachen.
Fabrice David entführt den Leser erst nach einer Einführung in diese ähnliche und doch fremde Welt. Der Auszug des Liedes von Afenor erinnert an Lieder, wie sie irdisch auch in Form des Roland-Liedes zu finden sind. Derlei reale Vorlagenformen werden in Fantasy-Abenteuer gerne aufgegriffen und zur Ausschmückung einer Hintergrundgeschichte genutzt. Aber die Bearbeitung dieses Hintergrundes geht noch weiter. Neben dem Text ist hier die Optik außerordentlich wichtig. Kartenmaterial liefert einen wirklich wunderschönen Überblick über die Ländereien. Die Landschaften wie auch die Gebäude und die Kulissen sind toll gestaltet. Sehr urwüchsig und gebirgig fühlt man sich sofort in alpenländische Regionen versetzt, vielleicht auch in die Nähe der Pyrenäen.
Söldner führen Krieg. In einem mittelalterlich angesiedelten Ambiente kommen wunderbar und aufwändig gezeichnete Rüstungen und Waffen zum Einsatz. Eric Bourgier, der hier in Personalunion zeichnet und koloriert, legt einen ungeheuren Wert auf die exakte Darstellung der jeweiligen Kampfkleidungen. Besonders reizvoll sind in diesen im höchstem Realismus gezeichneten Bildern die Rüstungen der Drekkars. Beruhen die Kleidungsstücke der Ritter um Kiriel auf europäischen Vorbildern, waren bei den Drekkars eindeutig asiatische, genauer japanische Motive der Hintergrund.
Die Gesichtsmasken der Drekkars imitieren die Fratzen eines Drachen. Ihre unheimliche Wirkung mit den durchblitzenden Augen ist höchst dramatisch und ganz bewusst so in Szene gesetzt. Die ersten Kampfhandlungen sind kurz, aber deshalb nicht weniger erschütternd. Szenisch wird wenig gekämpft, dafür ist die Wirkung umso größer. Das Aufeinandertreffen von Prinz Tarquain mit einem Drachen ist auf einer Doppelseite zu bestaunen und entsprechend beeindruckend vor einer Gebirgskulisse inszeniert.
Farblich bewegt Bourgier in Sepiatönen, hellem und dunklem Braun und all den Zwischentönen. Aquarelliert aufgetragen ergeben sich sehr weiche, beinahe traumartige Eindrücke. An dieser Grenze zum Schwarzweißen entsteht ein altertümlicher Eindruck, der den Blick auf eine vergangene, im wahrsten Sinne des Wortes sagenhafte Epoche verstärkt.
Bourgier zeichnet stilistisch durchaus eigenständig, doch seine Frauen (von denen in der Geschichte recht wenig auftreten) erinnern mit ihren breiten Wangenknochen, den schmal geschlitzten Augen und den stark ausgeprägten Lippen stark an Darstellungen von Hermann oder auch Philippe Francq.
Ein sehr sorgsamer Auftakt einer stimmungsvollen Fantasy-Geschichte, die sich um viel Realismus bemüht. Dieser Ansatz gelingt. Fast könnte man die Geschichte in ihrer Aufmachung als tatsächlich irdische Legende oder Sage verstehen – jedenfalls empfehlen sich die beiden Macher Fabrice David und Eric Bourgier mit dieser Arbeit geradezu dafür. Wer eine sehr behutsam und auch klassisch erzählte Abenteuergeschichte lesen mag, sollte einen Blick riskieren. 🙂
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