Mittwoch, 22. Dezember 2010
Was immer hinter den Spiegel sein mag, es ist nicht gut für Menschen. Wo immer Menschen auf dieses Etwas trafen, hat es für einige Beteiligte einen unschönen Effekt zur Folge gehabt. Der daraus entstandene Schrecken hat leider nicht zur Lösung der weltweiten Vorfälle beigetragen. Ganz im Gegenteil. Es hat die Verwirrung nur verstärkt, allerdings zeigt sich, dass es möglicherweise jemanden (oder wie gesagt etwas) gibt, dem sich die Schuld für all die Todesopfer und Unfälle der letzten Zeit zuschieben lässt. Möglicherweise. Denn vielleicht handelt es sich doch nur um eine globale Paranoia.
Eine riesige Verschwörung oder nicht? Die Anzeichen häufen sich, dass es sich um echte Vorfälle unter außerirdischem Einfluss handelt. Doch ein Muster ist immer noch nicht erkennbar. Gemeinerweise streut Christophe Bec, der Autor, weitere Details ein, springt in den Jahrhunderten umher, von einem Land ins nächste, verwirrt einerseits, entwickelt aber auch eine Spur, die vom Leser verfolgt werden kann, wenn auch zaghaft. Nachdem der Leser der Handlung in einer nahen Zukunft folgt, beginnt die Geschichte diesmal ungewöhnlich früh, im Jahre 73000 vor Christus.
Sind es diese Sprünge, die manchmal kurios wirken, vielleicht auch ein wenig ärgern, weil sie ständig wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser sind, so sind es auch diese Sprünge, die das Tempo bestimmen, es anziehen, verzögern und in den Bann der Geschichte ziehen. Denn Christophe Bec hat es geschafft, eine nächste Ebene zu erreichen, in der man an der Seite einer Figur wie Kellie Lambert oder Mr. Spaulding steht, die versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen. Das erfordert auch den Willen zum Lesen, denn Bec zählt eine Menge Fakten auf, die wie Puzzleteile ins Spiel gebracht werden. In anderen Science Fiction Szenarien würde allein eins dieser Puzzleteile Ausgangspunkt einer Handlung sein. Bec hält sich nicht mit einem Wenig ist mehr Gedanken auf.
Grafisch wird die Geschichte in glasklaren Bildern dargestellt. Durch den neuen Zeichnermitstreiter Alessandro Bocci an der Seite von Christophe Bec, der in den beiden ersten Episoden allein tätig war, sind die Bilder etwas weicher geworden. Zwar ist es immer noch ungeheuer klar konturiert, aber auch realistischer, weniger konstruiert, eine Eigenart, von der sich Bec bei allen Qualitäten auch nicht freisprechen kann. Der Leser darf sich auf, im wahrsten Sinne, großartige Augenblicke freuen.
Der Golfer, der nach einem Flugzeugabsturz das Wrack eines UFOs auf einer abgelegenen Insel fand, kann sich Zugang verschaffen. Dieser Moment, wie auch die erwähnten kleinen Momente, Puzzleteile, stellen stets etwas Besonderes dar, da sie auch raumgreifender sind. Bereits in der ersten Nebengeschichte erwartet den Leser eine Doppelseite, deren Eindruck ohne jegliche Erläuterung stehen bleiben kann. (Man würde sich wünschen, jemand würde es einmal wagen, eine komplette Geschichte in dieser Art zu erzählen. Auf Doppelseiten, mit diesem Aufwand, ohne Worte.)
So zwiespältig man den einzelnen Puzzleteilen auch gegenüber stehen mag, so faszinierend sind sie optisch, da der Leser wirklich etwas geboten bekommt. Steinzeit, die frühen Jahre der Eroberung des Weltraums oder Szenen, die geradewegs aus der Twilight Zone stammen könnten. Hier kann jeder für sich selbst entscheiden, welches ihm grafisch am besten gefällt. Toll sind sie, das lässt sich nicht anders sagen, alle.
Für Freunde von Geschichten über Verschwörungstheorien, über Götter aus dem All, all jene Theorien, die immer wieder die Phantasie anheizen. Christophe Bec hat eine neue Stufe seiner Geschichte erreicht, aber wie das Ende aussehen wird, ist immer noch ungewiss. Grafisch top. 🙂
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Dienstag, 21. Dezember 2010
Diese Söldner führen nichts Gutes im Schilde. Trotzdem führt sie Mariotte, die eben noch von den anderen Gedemütigte, sie auf den rechten Weg und ebnet ihr Leben für das Verderben. In ihrer jugendlichen Einfalt mag sie nicht so recht begreifen, etwas Schlimmes getan zu haben. Das ändert sich, als sie das Dorf betritt. Die Söldner haben ganze Arbeit geleistet. Alles ist zerstört. Die Leute sind tot, regelrecht abgeschlachtet, die Frauen vorher vergewaltigt. Nur einer hat überlebt, einer, dem es Mariotte am wenigsten gönnt: Anicet. Und doch wird sie sich ausgerechnet mit ihm über eine lange Zeit hin zusammenraufen müssen.
Dieser Krieg, sagt man, dauerte hundert Jahre. Mit diesen Worten begann Francois Bourgeon (Reisende im Wind) eine der eindringlichsten Mittelaltererzählungen, die es im Bereich des Comics gibt. In 1. Band der Gefährten der Dämmerung finden sich die Leser zusammen mit den drei Hauptfiguren Im Zauber des Nebelwaldes wieder. Nach einer Einleitung, die es in sich hat, wird aus der doch recht realistischen Schilderung eines mittelalterlichen Kriegsschauplatzes ein mythisch anmutendes Fantasy-Abenteuer, das geschickt mit Legenden und Aberglauben spielt.
Doch vorab, vor der Hölle des Alptraums, steht die Hölle des Krieges. Soldaten, gelangweilt von der Vernichtung, mit grausamem Hass versehen und der Lust zum Quälen, ziehen durch die Lande und nehmen sich, was sie gerade brauchen. Das rothaarige Mädchen entgeht ihnen durch Glück und Dreistheit und legt damit gleichzeitig den Grundstein für ihr weiteres Leben. Francois Bourgeon stellt zwei Begegnungen einander gegenüber. Mariotte sah das Leben bisher spielerisch, ebenso ging Anicet, ein Dorfjunge, mit seinem Leben um. Ein Überfall ändert alles. Fast jedenfalls, denn Francois Bourgeon geht mit dem Ausbau seiner Helden-Konfiguration noch einen Schritt weiter. Er stellt ihnen einen Ritter an die Seite, der zunächst seinen Namen verschweigt. Dafür spricht sein entstelltes Gesicht Bände.
Gemäß des Sprichworts, das besagt, bei dreien seien einer zuviel, dauert es auch hier, bis die sehr ungleichen Reisegefährten sich einigermaßen zusammengerauft haben. Als es dann soweit ist, vollzieht Francois Bourgeon einen Schwenk. Die kleinen Kreaturen, auf die im Anhang ausführlicher eingegangen wird (und die von Bourgeon als Skulturenköpfe nachgebildet worden sind), sind von alten Quellen inspiriert. Es ist interessant, wie Bourgeon mit den Erwartungen spielt und diesen völlig zuwider handelt. Denn mit dem Abenteuer im Abenteuer, mit einer solchen Begegnung, konnte der Leser nach derart handfestem Mittelalterdrama nicht rechnen.
Grafisch überlässt Francois Bourgeon nichts dem Zufall, wie seine Entwurfszeichnungen aus dem Anhang beweisen. Wie bereits bei seiner Serie Reisende im Wind tüftelt er die Accessoires bis ins kleinste Detail aus. Selbst die Sättel der Pferde, das Zaumzeug, die Ausstattung erhalten ureigenes Äußeres. Insgesamt, das zeigt sich nicht nur im Anhang (versteht sich von selbst), präsentiert sich Die Gefährten der Dämmerung als die Arbeit eines Perfektionisten. Das wird bereits nach der ersten Folge klar (obwohl er diese mit der dritten Episode noch einmal in den Schatten stellt). Aber der Perfektionist Bourgeon ist auch ein knallharter Realist (den Romantiker gibt es auch, aber selten).
Die Rückblicke des Ritters lassen dem Auge genug Raum, um die eigene Phantasie anzuwerfen und die Schatten mit Licht zu füllen. Sofern man das will, denn eigentlich reicht das, was noch so zu sehen ist, vollkommen aus, um die Schrecken dieses Krieges (oder besser: dieses historischen Durcheinanders, das es war) zu begreifen. Bourgeon malt mit dünnen Strichen, markiert äußere Begrenzungen, konstruiert Frisuren und Faltenwürfe und füllt die Flächen mit sanften Farbaufträgen, stimmungsvoll und treffsicher. Eine Schönheit, die der Handlung manchmal entgegensteht.
Ein wunderbarer Auftakt einer Trilogie, sehr intensiv erzählt, mit einem ungewöhnlichen Trio im Mittelpunkt und einer Handlung, die im Verlauf immer magischer wird. 🙂
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Donnerstag, 16. Dezember 2010
Geheimnisvoll: Loyalität hält nur bis zu einem gewissen Grad. Der Mann, der sich entscheidet gegen seine Prinzipien zu handeln, tut dies nur aus einem Grund. Er will das Leben seiner Tochter retten. Der Leidtragende ist Largo Winch, doch zunächst weiß er davon nichts. Im November 2008 noch hat sich Largo mit der internationalen Wirtschaftskrise beschäftig, aus der die Gruppe W relativ unbeschadet hervorgegangen ist. Largo hat die Zügel angezogen, allerdings dort, wo es keiner vorhergesehen hat. Die Gehälter der Direktoren wurden um Millionen gekürzt, um anderswo Gewinn versprechende Projekte zu fördern. Sehr gern gibt er den Journalisten darüber Auskunft. Der Milliardär in Jeans schwimmt weiterhin obenauf, lässig, freundlich, sympathisch.
Aber wie der Leser weiß: Für Largo Winch sind Freudenphasen nur die Ruhe vor dem Sturm. Und der kommt! Eine Hochzeit wiegt den Leser und natürlich Largo zunächst noch in Sicherheit. Der Hafen der Ehe, den Largo sich noch standhaft weigert einzulaufen, ist das freudige Ereignis, das einer Mitarbeiterverabschiedung vorausgeht, die in einem furchtbaren Desaster endet. Ein Mord geschieht und Largo gerät wieder einmal in die sprichwörtliche Schusslinie.
Unerschöpfliche Ideen: Gespeist von der Fülle realer Ereignisse, findet Jean van Hamme immer neue Themen in den Bereichen Thriller und Wirtschaftskrimi, um seinen Helden, den erwachsen gewordenen Sonnyboy mit dem jungenhaften Charme, Largo Winch um die Welt zu schicken. Unterschiedliche Orte in den USA, Schweiz und der Türkei nehmen den Leser mit auf eine Reise rund um den Globus. Doch zuerst: Lesen. Die Geschichte mit beginnt mit einem einseitigen Schreiben an die Mitarbeiter der Gruppe W. In aller Kürze wird das Zerplatzen der Immobilienblase erläutert und somit der Startschuss der weltweiten Wirtschaftskrise und die Vernetzung der Unternehmen bis in den hintersten Winkel der Welt.
Aus dem Abenteurer ist ein verantwortungsbewusster Unternehmer geworden. Meistens. Sein Interview mit den Journalisten von Newsweek ist die nächste Überraschung in einem Comic. Auf drei Seiten darf der Leser über die Gruppe W Einzelheiten erfahren, weniger aus dem Privatleben von Largo selbst, obwohl die Journalisten natürlich hier nachbohren. So lässt sich sagen, dass innerhalb von vier Seiten der Leser am Start ist und so auch Neueinsteiger ohne Probleme der Handlung folgen und spannend unterhalten werden können. Allerdings ist die Kenntnis der ersten 16 Bände absolut empfehlenswert, denn der vorliegende Band ist ein sehr gutes Beispiel für die konsequente Erzählweise van Hammes.
Philippe Francq hat diesmal nicht ganz so exotische Orte zu zeichnen, wie es schon der Fall war. Dafür ist es jedoch abwechslungsreich. Die amerikanischen Oberen Zehntausend geraten ins Blickfeld, ebenso wie die Schweizer Unterwelt und die nächtlichen Gassen der türkischen Stadt Trabzon. Francq, ein Vertreter der hoch realistischen Zeichnungen, überzeugt weiterhin mit seinen kantigen Charakteren, die er aus dem FF beherrscht. Fans der Reihe können sich auf Ovronnaz freuen, einen wunderbaren Nebencharakter, wie auch auf ein Bild einer bis über beide Wangen strahlenden Silky. Ein Gefühlsausbruch, der in dieser Intensität bei der sonst so coolen Asiatin selten zu sehen ist.
Ein neuer Versuch den smarten Milliardär mit dem großen Herzen zu hintergehen: Jean van Hamme erspart seinem Helden nichts und findet immer neue Wege, den Leser mit einem spannenden Thriller zu unterhalten. Philippe Francq weiß besonders durch die schönen Kontraste zu begeistern (knuddelige Bergwelt, saubere Schweiz, finstere Hafenstadt) und verschafft dem Leser einen filmischen Eindruck.
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Oder Schreiber und Leser.
Link: Ein Einblick in die Reihe. Band 1 von Largo Winch online.
Die Kinder sollen lernen, aber bitte etwas vernünftiges. Der Mönch kommt dazu eigens in das Haus der Familie und gibt ihnen Unterricht. Marie unterdessen erhält bereits Unterricht von ihrem Patenonkel, allerdings im Fechten. Die Mutter hat ihre Probleme damit, doch soll sich dereinst zeigen, dass nicht nur Lesen und Schreiben Marie weiterhelfen werden, sondern auch Fähigkeit ein Schwert zu führen. Viele Jahre später: Die Spur führt nach Mailand. Oberflächlich betrachtet, ist es eine heitere Stadt. Ein Maskenball lockt. Doch hinter den Kulissen gärt es. Die Macht Frankreichs hat Italien brüskiert. Franzosen sind ein Ärgernis für die Bevölkerung. Wie gut, dass Marie und ihr Begleiter William, sich bestens zu behaupten wissen.
Verborgen hinter Masken versuchen die beiden Freunde ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen. Aber auch das ist wieder einmal leichter gesagt, als getan. Denn aus einem heiteren Maskenball wird schnell eine Situation, die keiner von beiden vorausgesehen hat.
Überraschungen: Das Autorenduo AnGe und der Zeichner Thierry Demarez können auch in der zweiten Folge von Maries Drachen begeistern. Mit dem Szenario in Mailand und der darauf folgenden Flucht (das darf ruhig verraten werden, denn die beiden Helden machen sich nie beliebt genug, um irgendwo lange zu bleiben) entsteht bereits ein sehr dichter erster Handlungsteil. Das Fest und seine Nebenschauplätze sind prachtvoll gestaltet. Der Wechsel zwischen Heiterkeit und den anschließenden Grauen, auch der kleine eingeflochtene Flirt sind nicht nur hervorragend gezeichnet, sondern auch mit dem richtigen Tempo erzählt und ausgewogen. Der Abschluss der Sequenz stellt eine ziemliche (wenn auch brutale) überraschung dar, die man als Leser aus einem Finale her gewohnt ist.
Der zweite Teil der Handlung, erzählt vor einer herbstlich leuchtenden Landschaft, wirkt nur auf den ersten Blick friedvoller. Das Drama ist mehr nach innen gekehrt. Das Furchtbare geschieht, obwohl vorher noch gesagt wurde, es werde nicht geschehen. Dem Leser, der hier mehr weiß als Marie, bleibt es erspart, dabei zuzuschauen. Die Szene wird rechtzeitig beendet. Härte ja, mittelalterlich eben, als ein Leben nicht sehr viel galt, aber nicht unbedingt in letzter Konsequenz. AnGe wissen, was sie dem Leser zumuten dürfen und wollen, wo Grenzen liegen und wo die Phantasie des Lesers den Rest erledigt.
Thierry Demarez zeichnet ultrafein, eine Fähigkeit, die ihm besonders in der zweiten Hälfte zugute kommt, da die Dichte der Handlung auch eine Verkleinerung der Bilder mit sich bringt. Demarez beherrscht das Surreale des ersten Teils sehr schön. Wenn Marie und William in Verkleidung gegen fremde Wesen antreten, Zeugen eines grausamen Rituals werden, hat das vor der Kulisse eines mittelalterlichen Mailands, vor und in Palästen etwas von der Inszenierung einer Edgar Allen Poe Geschichte
Die Kreaturen selbst, mit denen sich Marie immer wieder herumschlagen muss, zeigen einen interessanten Gegensatz. Wölfisch einerseits, an Grimmsche Märchen erinnernd, furchtbar missgestaltet, schleimig, eher der Schaffenskraft eines H.R. Giger entsprungen.
Weiterhin sehr spannend, eine gelungene Mischung aus Mittelalterabenteuer und Mystery-Thriller, sehr ausgewogen erzählt, dank schöner Handlungsorte abwechslungsreich gestaltet. Auf die Fortsetzung darf man sehr gespannt sein. 🙂
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Dienstag, 14. Dezember 2010
Der Gang in den Wald ist für die zwölfjährige Marie bis zu jenem Moment ein schöner Tag, in dem sie die Schatten der Bäume betritt. Zuvor wurde noch gefeiert. Ein ganzes Dorf war auf den Beinen. Als Marie, allein mit einem großen Schwert bewaffnet, die Wildnis betritt, ändert sich alles. Wahrhaftig alles. Viele Jahre später ist aus Marie eine kämpferische junge Frau geworden, die es meisterhaft versteht, sich ihrer Haut zu erwehren. Mit diesen Fertigkeiten ist es denn auch kein Wunder, dass sie sich als Söldnerin, Kundschafterin, als begleitende Kriegerin verkauft, aber immer auch von dem Gedanken beseelt, vielleicht doch noch eines Tages ihre lange verschollenen Geschwister wiederzufinden.
AnGe, das Autorenduo, gehören zweifellos zu den Vielschaffenden auf dem Comic-Sektor. Die langlebige, wie auch inzwischen umfangreiche Reihe Die Legende der Drachenritter stammt aus ihrer Feder. Der Vierteiler Das verlorene Paradies war mystisch fantastisch, die Trilogie um Belladonna entführte auf sehr unterhaltsame Art in das Zeitalter der Musketiere. Hier entführen die beiden Autoren den Leser in eine Welt, die bekannt erscheint, aber dennoch anders ist. Ein Kaiser herrscht über Frankreich, dabei lautet eine seltsame Aussage eines Mönchs: Es gibt kein französisches Reich.
Auch die Namen, die ein ganzer Kreis von Mönchen ruft, sind unbekannt. Trotzdem klingen sie nicht richtig fremd. Dieses Geheimnis bildet den Sockel der Geschichte, in der sich vordergründig eine junge Frau mit aller Macht auf der Suche nach den wenigen Verbliebenen ihrer Familie befindet. AnGe haben aus Marie eine starke Frau, gemacht, die sich vom Leben nimmt, was sie braucht, in jeder Beziehung. Einen Freund lässt sie zu, eine tiefe Freundschaft, die sie nicht durch Liebe oder gar Leidenschaft zerstören will.
Es ist eine klassische Quest, nicht nur für die handelnden Charaktere, sondern ebenso für den Leser, der den Hauptfiguren nur um Haaresbreite voraus ist. Handlungsorte, Ausstattung und die Entwürfe der verschiedenen Figuren wirken dank der Fertigkeiten von Künstler Thierry Demarez stets einzigartig und prägnant (und sicherlich nicht gänzlich uninspiriert, betrachtet man das tragische Ereignis in Maries Leben und vergleicht es mit der ersten Verfilmung von Conan). Demarez arbeitet mit höchst feinen Strichen. Müssen schwarze Flächen größer sein, wird gerne und viel schraffiert, denn eine andere Strichstärke setzt Demarez nicht ein.
Der Zeichner ist ein Vertreter des Realismus. Die hier auftauchenden Figuren könnten reale Vorbilder haben und bestechen durch ihre Unterschiedlichkeit, ein Umstand, mit dem nicht jeder Zeichner aufwarten kann. Nur selten verrutscht ein Strich, die Seiten sind meistens in ihrer Gesamtheit brillant und wunderbar zu betrachten. Sie vermitteln die notwendige Atmosphäre sehr intensiv und schaffen so ein tolles mittelalterliches Lesevergnügen.
Nah an der Fantasy, aber nur mit einem Schritt die Grenze zwischen Mittelalterepos und Phantastik überschreitend. Technisch versiert und optisch höchst ansprechend gestaltet ist der Auftakt von Maries Drachen mit einer Spur Mystik, nicht wenig Aktion und schönen Schauplätzen eine sehr dich erzählte Geschichte, in der AnGe eine ihrer bislang besten Geschichten vorlegen. 🙂
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Die Zauberin Turabah richtete vor vielen, vielen Jahren einen Wunsch an einen Djinn: Sie wollte ihre Jugend zurück. Sie, die sie nun alles besaß, Reichtum und Macht, wollte wieder jung und schön sein. Gesagt, getan, doch ein Wunsch an einen Djinn will wohlüberlegt sein. Und so wurde Turabah jünger, sehr langsam zwar, aber jünger. Bis sie ihr Wunschalter erreichte. Und sie wurde jünger. Und jünger. Als sie ihr Mädchenalter zurückhatte, musste sie erkennen, von dem Djinn hereingelegt worden zu sein. Und so zeigte sich eine der vielen Weisheiten des Morgenlands: Es ist nie gut, eine Zauberin hereinzulegen. Das gilt auch für einen Djinn.
Sinbad hat erst einmal ganz andere Dinge im Kopf. Immer noch treibt ihn seine Suche nach seiner Herkunft um. Allein aus diesem Grund geht er einen Handel mit dem berühmten Gauner Ali-Baba, einem Zyklopen, ein, dessen einziger Lebenszweck die Füllung seiner nicht minder berühmten Schatzhöhle ist. Für Sinbad wird dieses Abenteuer zu einem Kesseltreiben. Allseits warten nur Feinde und Verrat auf ihn, einzig auf seine getreue Azna, eine weiße Pantherdame, die sich zuweilen in eine Menschenfrau verwandelt, kann er sich uneingeschränkt verlassen.
Sinbad, der Tausendsassa: Schon oft trieb der Abenteurer und Seefahrer sein Unwesen, aber selten war es so schön wie hier. Den Autoren, allen voran Christophe Arleston (in Koopartion mit Audrey Alwett), mag vorgeworfen werden, sich an eine Figur zu wagen, bekannte Versatzstücke zu nehmen und diese neu zu mischen. Völlig falsch. Arleston und Alwett haben ihren Sinbad neu erfunden und aus ihm einen höchst liebenswerten, wie auch sehr einfallsreichen Gauner gemacht.
An dieser Stelle findet sich bereits das Geheimrezept: Selten war ein Tausendsassa (und in gewisser Weise auch Tunichtgut) sympathischer als hier. Sinbad wurschtelt sich durch, muss sehr viel einstecken, gibt aber nie auf und hat eine gehörige Doppelportion Humor, um alle Widrigkeiten zu überstehen. Pierre Alary hat einen schlanken Seemann gestaltet, mit länglichem Gesicht, ein wenig verschlagen wirkend, aber mit disneyschem Charme grinsend. Sein Auftritt als Haremsfriseur ist Slapstick pur und von Alary auch mit der entsprechenden Geschwindigkeit gestaltet.
Spaß: Ja! Aber nicht ohne die ebenso große Portion Spannung in der anderen Waagschale. Gaunereien machen erst mit Humor so richtig Spaß. Aber ohne die Spannung, auch ohne die Möglichkeit, dass es den Hauptfiguren vielleicht doch noch an den Kragen geht, ist es auch nur halb so unterhaltend. Arleston, Alwett und Alary (allein schon namentlich ein gutes Team, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen) halten hier die perfekte Balance.
Pierre Alary zeichnet schmissig, hier dürfen Pinsel und Feder tanzen, mit feinen und mit satten Strichen, auf dem Punkt, aber auch ein wenig improvisiert wirkend, künstlerisch statt künstlich. Mittels kräftigen, poppigen Farben entsteht so ein tolles Abenteuer aus 1001 Nacht.
Das passt von Anfang bis Ende: Wer die ersten Teile verpasst hat und richtig schöne Comic-Abenteuer mag, mit französischem Slapstick-Humor, mit Spannung, Zaubereien und extra fiesen Bösewichtern und einem Djinn, der so ganz anders als ein Dschinni ist, sollte einen Blick in diesen nun abgeschlossenen Dreiteiler werfen. 🙂
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Freitag, 10. Dezember 2010
Ein Planwagen ist nicht für ein Rennen geschaffen, wie die Krieger sehr schnell erkennen müssen. Sie stellen sich der folgenden Übermacht und schlagen sich wacker. Es wird ein Kampf auf Leben und Tod, der doch nur ein Vorgeplänkel auf das ist, was alsbald auf Roland und seine Weggefährten wartet. Alpträume plagen Roland. Voller Schrecken erwacht er, die Furcht abschüttelnd, aber die Reise geht weiter und damit kommen neue Schwierigkeiten, neue Gefahren und … ein alter Feind!
Das Heilige Land ruft: Roland, den ungestümen Ritter verschlägt es auf eine heikle und sehr gefährliche Mission ins ferne Jerusalem. Autor und Zeichner Francois Craenhals nimmt sich in einer sich über zwei Alben erstreckenden Geschichte einem der großen Ziele damaliger Ritterschaft an. Doch nicht ein Kreuzzug ist es, der Roland, die Hauptfigur in die Wüste führt, sondern das Geleit einer Truhe und seines Besitzers. Doch die Völker der Wüste können diebisch sein und nicht nur das: Roland hat sich in seinem jungen Leben viele Feinde gemacht, die er nun in ihrem selbst gewählten Exil wieder trifft.
Francois Craenhals hat sich viel einfallen lassen: Bereits in der ersten Episode, Der Schatz der Weisen, kann er nicht nur mit einem neuen exotischen Ort (Konstantinopel) aufwarten, er hält für den Leser auch eine höchst spannende Verfolgungsjagd bereit, die zeigt, dass so manche Szene, die im Wilden Westen an der Tagesordnung ist, auch im Mittelalter mit Rittern hervorragend funktioniert. Mit der damaligen Weltstadt Konstantinopel halten auch neue Ideen Einzug. Falsche Mumien sind nur ein Teil dieser spannungsgeladenen Handlung. Mit Der Zauber der Wüste geht die Reise in Richtung Jerusalem weiter, urwüchsiger diesmal, auch fremder, denn die Tücken und die Völker der Wüste warten auf Roland. Dieser Landstrich selbst wird zur Bedrohung, vollkommen anders als es die Hauptfigur wie auch der Leser hier gewöhnt ist.
Es wird wunderlicher, geheimnisvoller, sicherlich auch unter dem Einfluss von 1001 Nacht, aber immer noch abenteuerlich. Craenhals präsentiert den jungen Helden auch als jemanden, der sich in eine andere Frau verguckt, obwohl am Hofe des Königs Artus mit Gwendoline eine junge Frau wartet, die alles für ihren Recken tun würde. Der Reiz des vorliegenden Sammelbandes entsteht durch den Gegensatz der Orte, die Francois Craenhals mit Akribie zu Papier bringt. Hügelige Landschaft, die erwähnte exotische Weltstadt, die karge Wüste, die mit ihren Sandstürmen selbst zum Leben zu erwachen scheint. Später folgt wieder saftig grünes Land und als hervorragender Hintergrund ein tückischer Sumpf, in dem allerhand Überraschungen warten.
Stehen die ersten beiden Episoden in Verbindung, wird mit Der Hüne von Worms ein Einzelabenteuer erzählt, in dem Roland einmal mehr um seine Wahlheimat streiten muss. Francois Craenhals, der einen König Artus mit mehr Ecken und Kanten darstellt, als es ein Hal Foster getan hat, wirft einen Ritter Roland in ein Abenteuer, in der sein Held keinerlei Rückhalt mehr zu haben scheint (bis auf einige wenige Freunde). Der Hüne von Worms, ein gigantischer Fiesling, fast an einen James Bond Gegner erinnernd (Curd Jürgens) dürfte zu den seltsamsten Feinden Rolands gehören. Hat Craenhals in der Epsiode Der Schatz des Weisen mit dem Zwerg Huon eine Feindfigur im Einsatz, der nach Größe und Aussehen bereits verschlagen wirkt, agiert der Hüne eher gegen seine Erscheinung und wird so zur Überraschung.
Weiterhin fein gezeichnet, straff erzählte Abenteuer mit spannenden Wendungen und Gegnern, die bekommen, was sie verdienen, nachdem sie Roland derart zugesetzt haben. Sogar ein König Artus bekommt auf eine gewisse Art sein Fett weg. Wer nach schöner und guter Ritterunterhaltung sucht, wird hier fündig. Wer Spaß an den beiden ersten Bänden hatte, kommt an diesem ohnehin nicht vorbei. 🙂
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Mittwoch, 08. Dezember 2010
Der Warlord hat sich eingerichtet: Kein Krieg, kein Befreiungskampf in Sicht. Da bleibt nur eine zünftige Kneipenschlägerei. Die Freude darüber währt nur kurz. Aber der ehemalige Airforce-Pilot Travis Morgan muss sich keine Sorgen machen: Männer wie er können der Gefahr einfach nicht entgehen. Skartaris, so der Name jener Welt, die fern von fremden Blicken in der Erde verborgen liegt, ist ein gefährlicher Ort. Und Gegner, die einen Kampf gegen den Warlord verloren, können (sofern sie überlebten) die Schmach so schnell nicht vergessen. So sollte es zwar nur eine einfache Reise für Travis und seine beiden Gefährten, Machiste und Mariah, werden. Doch plötzlich finden sie sich in einer Jagd wieder und Travis ist das Ziel. Stryker, ein Mann von der Oberwelt, will Rache.
Mike Grell setzt seinen Helden nicht nur normalen Feinden aus. Er geht noch einen Schritt weiter. Mit dem Tod in Person steht dem Warlord ein Gegner gegenüber, dem er früher oder später erliegen wird. Die Saga um den Krieger aus der Oberwelt geht weiter. Die beiden ersten Geschichten mögen neuen Lesern als Einleitung dienen. Hier wird der Charakter des Travis Morgan sehr gut vorgestellt. Seine beiden Mitstreiter, Machiste und Mariah, erzählen Geschichten aus der Vergangenheit, die zeigen, dass es sich bei dem Warlord nicht nur um einen Krieger, sondern um einen Mann mit Herz handelt, der sehr wohl auf das Schwert verzichten kann, wenn es dereinst nicht mehr gebraucht werden wird. Vorerst ist das jedoch nicht der Fall.
Denn Mike Grell trifft seinen Helden da, wo es viele Helden schmerzt: Bei der Familie. Travis Morgan hatte genügend Zeit in der geheimnisvollen Welt Skartaris, um Nachkommen zu zeugen. So erfährt er völlig unerwartet von seinem Spross und ist zunächst glücklich. Dem Helden bleibt kaum Zeit. Gemäß der Gesetze des Heft-Comics, in dem es weitergehen muss und eine Verschnaufpause nur eine geringe Bilderzahl dauert, wartet schon die nächste Gefahren. Und die haben es in sich. Zerstörerische Strahlen, fremdartige Wesen von anderen Planeten und Tiermonster bilden nur den strikten Pfad zu einem alten Feind, der Travis da packt, wo es, wie erwähnt, besonders schrecklich ist. In diesem Fall wird der Sohn zum Druckmittel (und mehr).
Nicht nur den rasanten Zeichnungen, die Geschwindigkeit und Energie vermitteln, ist es geschuldet, dass der Warlord eine kurzweilige Fantasy-Unterhaltung ist. Starke Männer, schöne Frauen stehen gemeinen Schurken gegenüber. Mike Grell kennt Anatomie und Gesichter, Perspektiven und Kamerafahrten aus dem FF. Das erinnert zuweilen an die Aufbereitung einer Fernsehfolge, sehr streng strukturiert, auch optisch, mit genau gesetzten Höhepunkten und Wendungen. Es ist eine alte Schule, die einer klaren Linie folgt, auch in Fällen, in denen die Handlung sich über mehrere Hefte erstreckt. Grell begeht nicht den Fehler sich in übermäßig vielen Einzelheiten zu verstricken. Die Einführung ist schnell erbracht und ebenso zügig zeigt sich, dass er damit auszukommen versteht. Wo sich ein Detail erledigt (so auch, weil der Warlord wieder einen Feind niedergerungen hat), wird alsbald ein neues eingefügt.
Die Bilder präsentieren sich in einer reinen Schwarzweißfassung. Präsentation ist als Begriff genau richtig gewählt, denn Grell präsentiert wirklich. In so mancher Szene kann der Leser sich eine Fanfare im Hintergrund vorstellen oder einen Paukenschlag, wenn das Übel einen neuen Weg gefunden hat, um dem Warlord zu schaden. Die Reihe kann durchaus zu denen gezählt werden, die bis heute (vergleicht man Bildaufbauten und Seiteneinteilungen) immer noch Vorbildcharakter hat, den aktuell aktive Zeichner nicht leugnen können.
Auch in der zweiten Folge ein Fantasy-Knaller: Infolge seiner Geschichte durchaus dramatischer als der erste Teil, da Mike Grell seinem Helden noch tiefere Abgründe in den Weg legt. Klasse. 🙂
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Dienstag, 07. Dezember 2010
Die klare Linie: Viel gerühmt, der einfache Strich, aussagekräftig, sauber, scheinbar einfach. Bei genauer Betrachtung aber kein Comic-Phänomen, sondern auch in der Kunst zu finden. Leichter Aufbau, etwas, an dem sich das Auge gut orientieren kann. Die Ligne Claire, so der etwas kunstvoller klingende Ausdruck, für diese Technik, wirkt zunächst einschränkend. Umso mehr überraschen ihre verschiedenen Ausdrucksformen und ihre Weiterentwicklungen. Allein aus diesem Artikel, einem von vielen im vorliegenden Comic Jahrbuch 2011, wird deutlich, wie nah der Comic nicht nur an der Kunst ist, sondern wie stark er inzwischen eine mediale Brücke bildet, hin zu den verschiedensten Medien, alten wie auch höchst modernen.
Comic ist Vielfalt. Für jeden ist etwas dabei. Längst hat sich der Comic von den Vorurteilen derer abgesetzt, die ihn immer noch in der Kinderecke sehen. Die Erstellung eines Comics erfordert Denkprozesse, Können, Arbeitseifer und auch Enthusiasmus. Comics können der Erziehung dienen, dem Spaß, zum Nachdenken anregen und vieles mehr. Im aktuellen Comic-Jahrbuch 2011 finden sich massig Berichte und Stimmen zum Thema.
Für den Comic-Fan, der an Hintergrundberichten interessiert ist, vielleicht auch einmal in andere Bereiche hineinschnuppern will, finden sich durch die abgedruckten Interviews Antworten aus erster Hand. Deutsche Zeichner wie Martin Frei (Asanghia, Kommissar Eisele), Ulf K. und Burkhard Fritsche berichten vom Arbeitsalltag, Ideen, neue Projekten und Umsetzungen. Insgesamt ist die Spannweite deutschsprachiger Produktionen weit. Der Cartoon ist dabei, das Fantasy-Projekt wie auch die dramatische Reiseerzählung Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens. Aber Comic-Begeisterung beginnt meist früh: Beim Comic für Kinder.
Auch dieses Thema wird nicht ausgelassen. Was gab es einstmals? Wie sind Comics für Kids heute? Was hat sich über die Jahrzehnte hin gehalten? An vielen Stellen zeigt sich, dass Comics auch Zeitdokumente sein können, zurückblicken, aufzeigen, vorausschauen oder auch eine andere Seite abbilden, wie es eine Reihe wie Perry – Unser Mann im All macht und sich dem wohl langlebigsten und größten deutschen SciFi-Export widmet. Der Comic als Wirtschaftsfaktor wird nicht vergessen. Die Comic-Märkte in den USA wie auch in Spanien werden beleuchtet. Ein Blick auf den europäisch sehr wichtigen frankobelgischen Markt gibt interessante Einblicke.
Sicher haben Comic-Verfilmungen, auch Zeichentrickumsetzungen für Aufmerksamkeit des Mediums sorgen können. Ein Höhepunkt, an dem sich viele in diesem Jahr verlagsseitig beteiligten, war der Gratis-Comic-Tag. Comic kann nicht nur unterhalten oder bilden, er kann überhaupt erst einmal zum Lesen animieren. Oder sogar: Über den Comic zum Schreiben kommen, wie eine Ausschreibung des Landes Sachsen zeigt. Erst die kleinen Häppchen, dann die große Mahlzeit. Dabei geht Comic auch den umgekehrten Weg, indem er Literaturklassiker adaptiert.
Ein thematischer Rundumschlag im besten Sinne: Ein Blick hinter die weite Kulisse des Comic-Schaffens und der Comic-Schaffenden. Interessant, ernüchternd auch, Erinnerungen wach rufend oder auch an Klassiker erinnernd. Wo gibt es Ursprünge? Wo geht es mit dem Comic hin? Für alle, die wissen wollen, was hinter den Sprechblasen so alles steckt, eine perfekte Lektüre. 🙂
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Lex Luthor wird Präsident der Vereinigten Staaten: Was für viele Bürger eine Rettung bedeutet, da sich vieles zum Guten hin bessert, ist für Superman eine grauenhafte Tatsache. Sein Erzfeind sitzt, frei gewählt, im Weißen Haus. Superman macht aus seinem Misstrauen keinen Hehl. Lex Luthor hält seinerseits nicht viel von Superhelden, fordert sie aber auf, am Aufbau des Landes mitzuarbeiten. Und tatsächlich findet sich ein Team: Power Girl, Major Force, Black Lightning, Katana und Captain Atom kämpfen fortan für die USA. Sogar ein Metallo engagiert sich an der Seite des Präsidenten. Allzu schnell jedoch zeigt Luthor sein wahres Gesicht und lockt Superman in eine Falle. Aber der Mann aus Stahl ist nicht allein. Ein guter Freund wacht über ihn: Batman. Das macht ihre Aufgabe allerdings nicht viel einfacher.
Basierend auf einem Comic von Jeph Loeb und Ed McGuinness darf der Comic-Fan sich nun an der Verfilmung der Public Enemies erfreuen. In den USA wird jene über sich mehrere Comic-Bände erstreckenden Superhelden-Geschichten auch mit dem Begriff Graphic Novel überschrieben (hierzulande irgendwie nicht denkbar, schade eigentlich). Wie auch immer man das Ganze betiteln mag, Loeb und McGuinness haben hier mächtig aufgetischt: Zwei gegen alle. Superman und Batman werden hier schließlich zu Staatsfeinden, Superman wird sogar wegen Mordes gesucht. Es gibt sicherlich Anpassungen ans filmische Medium, da auch nicht sämtliche Aspekte des Comic-Events übernommen werden konnten. Unter dem Strich bleibt aber weiterhin ein spannendes Superhelden-Großereignis.
Nicht nur das erwähnte Team tritt gegen die beiden Helden an. Black Lightning und Katana, ausgerechnet jene, die einmal zum Außenseiter-Team von Batman gehörten, jagen diesen nun. Wenigstens ist Power Girl etwas nachdenklicher und stellt für sich fest, dass Superman niemals ein Mörder sein kann. Das ändert nichts daran, dass sich so manche Schurken das Kopfgeld, das Luthor auf Superman ausgesetzt hat, holen wollen. Daraus ergeben sich kuriose Team-Ups, so auch ein Mongul und ein Solomon Grundy, die dem Stählernen und dem Dunklen Ritter gemeinsam das Leben schwer machen.
Die Umsetzung ist flott, hält den roten Faden der Comic-Vorlage konsequent durch und darf sich auch der Synchronstimmen erfreuen, die der Fan bereits aus den Animated Series der beiden Recken her kennt. Eberhard Haar (Batman) und Ingo Albrecht (Superman) füllen die Helden stimmlich toll aus, tief, prägnant und, wie sie es zuvor schon in einem Dreifolgenspezial der Superman-Serie bewiesen haben, sehr gut harmonierend.
Die Kämpfe stehen selbstverständlich im Vordergrund. Neben klassischen Auseinandersetzungen (Superman/Metallo) finden sich auch neue Paarungen, insbesondere wenn Superman und Batman gegen die vermeintlich Guten antreten müssen. Wenn ein fieser Major Force ins Geschehen eingreift, dann kracht es nur noch. Das Finale könnte unter der Überschrift Groß, grüner, schneller laufen. Zwar glaubt man zu keiner Zeit, dass Batman wirklich sterben muss (naja, vielleicht doch, wie man inzwischen weiß), aber dramatisch ist es allemal. Bei 64 Minuten Laufzeit kommen keine Längen auf.
Grafisch angelehnt an die Vorlagen eines Ed McGuinness und sehr gut der Handlungslinie von Jeph Loeb folgend. Action satt, mit einem besonders fiesen Lex Luthor. Sehr gute Stimmen (auf Deutsch wie auch im englischen Original) runden das Comic-Erlebnis ab. 🙂
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