Mittwoch, 12. Januar 2011
3000 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Tauchboot gleitet durch die ewige Nacht, in einer Tiefe, in der es zwar Leben gibt, aber die Scheinwerfer nur trostlose Gesteinformationen aus der Finsternis reißen. Bis sich das Bild plötzlich ändert und sich eine Leiche in das Blickfeld der Tauchmannschaft schiebt. Wenig später werden die Vermutungen zur Gewissheit. Golden City, dieses Wunderwerk der Technik, diese gigantische künstliche Enklave der Megareichen dieses Planeten Erde, ist auf den Grund des Meeres gesunken. Ein riesiges Loch klafft in der Hülle, Leichen steigen daraus empor und werden in der Tiefsee von den Strömungen erfasst und davon getragen. Golden City ist gefunden, doch damit fangen die Schwierigkeiten erst an.
Niemand oberhalb der Wasseroberfläche kann sich vorstellen, dass keiner von den an Bord wohnenden Menschen überlebt haben soll. Zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen sollten im Falle eines Sinkens für abgesicherte Bereiche sorgen. Und so geht das Projekt in die nächste Phase und ein Rettungsteam macht sich auf den Weg in die Tiefe.
In der 8. Folge der Science Fiction Reihe um Golden City ist das Unglaubliche geschehen. Autor Daniel Pecqueur hat mit Golden City eine Serie geschaffen, die einen Abriss einer menschlichen Gesellschaft zeigt, um die es alles anderes als gut bestellt ist. Dabei begibt sich Golden City aber nicht wie in postapokalyptischen Szenarien auf absolut zerstörten Boden, sondern bewegt sich mitten auf der Reise in den Abgrund, um im vorliegenden Bild zu bleiben. Golden City ist ein Sinnbild für die eine Waagschale, die Armen, die Gangster, auch jene, die in den Lagunenstädten leben, bilden die andere Waagschale.
Bildete bis Ausgabe 6 das Schicksal um den Millionär Harrison Banks den Kern der Handlung, hat sich die Geschichte nun zu denen hin verschoben, die ihm im ersten Zyklus tatkräftig und unerwartet unterstützten: Kinder und Jugendliche, Waisen, die zusammen nicht nur eine Familie, sondern auch eine schlagkräftige kleine Truppe bildeten. Während der Leser nun in der Rückschau das Schicksal von Golden City mitverfolgt, versucht ein Duo in der Gegenwart ein Paar entführte Kinder zu retten.
Die Zweiteilung der Geschichte hält für jeden etwas bereit. Dank der Bilder Nicolas Malfin ist der Teil um die Bergung von Golden City sehr technisiert, entsprechend fallen die Bilder äußerst exakt aus und sind für Fans von Tech SciFi besonders interessant. Einerseits wird auf Realismus geachtet, andererseits kann der Leser Bergungsroboter bei der Arbeit betrachten, eine Art Zwischenstadium von Drohnen und Avataren.
Der andere Teil entwickelt sich zu einem beinharten Befreiungsthriller, rasant und packend inszeniert, mit allem was ein Action-Thriller braucht. Auf den Euromanga-Stil aufsetzend sorgt Pierre Schelle für ein Feuerwerk. Hier ist Bunt Programm. Die Farbpalette strahlt, das knallt mitsamt der Handlung so richtig schön ins Auge, wie in den vorherigen Abenteuer ein Zeichentrickfilm auf Papier.
Ein spannendes Science Fiction Abenteuer mit sympathischen Charakteren und eigentlich gleich zwei packenden Handlungsfäden. Fans der Serie sollten dran bleiben. Interessierte SciFi-Fans sollten einen Blick riskieren. Die Kenntnis wenigstens des 7. Bandes ist Pflicht. 🙂
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Sonntag, 09. Januar 2011
Ein Nestor kriecht an den Strand. Die walähnliche Meereskreatur mit dünnen Armen bleibt schließlich liegen, erschöpft. Bald stirbt sie. Die Jugendlichen, die zusammen mit ihrem Lehrer aus der nahegelegenen Schule herbeieilen, sind fasziniert und schockiert gleichermaßen. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie nicht, dass sich mit diesem Ereignis Umwälzungen ankündigen, die für die gesamte Planetenbevölkerung Auswirkungen haben werden.
Ein fremder Planet namens Aldebaran. Mit viel kleineren Landmassen als auf der Erde, einer ähnlichen Pflanzenwelt, aber weitaus seltsameren Tieren und einem Bewohner, der rätselhafter ist alles andere, dem die Menschen bisher begegneten. Autor und Zeichner LEO begann mit seiner Reihe ALDEBARAN eine Zukunftsbeschreibung, die weitab von anderen Science Fiction Geschichten mit Ruhe, sehr viel Aufmerksamkeit und einer intelligenten Handlung zu Werke geht. 1993 beendet Leo den ersten Band des fünfteiligen Zyklus Aldebaran, dem noch die Zyklen Betelgeuze und Antares folgen sollten.
Die Menschheit hat sich den Planeten Aldebaran für die Besiedlung zwar ausgesucht, doch das Abreißen jeglicher Kommunikation dorthin wie auch des Nachschubes war nicht eingeplant. So hat sich eine Gesellschaft entwickelt, die in gewisser Weise um Fortschrittlichkeit bemüht ist, aber lange nicht die Möglichkeiten einer Erdzivilisation besitzt. Das Grundniveau bildet eine Technik des 19. und 20. Jahrhunderts, manchmal auch nur behelfsweise. Das Meer wird befahren, in der Luft finden sich allenfalls Zeppeline. Die Herrschaftsstruktur besitzt dikatorische Züge, doch je weiter man vom Kern der Zivilisation entfernt lebt, desto geringer ist sein Einfluss.
Nachdem die Menschen sich an das einfache Leben auf Aldebaran gewöhnt haben, Kindern aufwachsen, die gar nichts anderes kennen, geschieht etwas: Sehr geschickt lässt Leo dieses sehr zerbrechlich wirkende Zivilisationsgebilde wackeln. An der Seite der beiden jungen Leute, Marc und Kim schleicht sich ein Umbruch in diese Welt ein. Für den Leser bedeutet das, ein spannendes, sich mit sehr viel Ruhe aufbauendes Abenteuer zu verfolgen. Andererseits ist es die Entdeckung einer ganzen Welt. Durch die Augen der beiden Jugendlichen, die hier im Laufe der Handlung (über Jahre hin) erwachsen werden, entfaltet sich eine Science Fiction Geschichte, in deren Kern eine ungewöhnliche Figur wartet: die Mantrisse.
Der Genre-Fan hat häufiger Außerirdische in Science Fiction Geschichten kennengelernt, aber selten eine, die sich so sehr einer Beschreibung entzieht. Mit der Mantrisse ist Leo eine faszinierende Figur gelungen. Zwar gibt er dieser Intelligenz ein Äußeres, doch dieses ist immer anders und neu. Und einfallsreich. Diese Intelligenz entzieht sich durch außergewöhnliche Formen, durch seltsames undefinierbares Verhalten einer Definition, obwohl Leo es so erzählt, dass die Beobachter in der Geschichte wie auch der Leser eine Ahnung bekommen.
Leo zeichnet in einfachen und architektonischen Formen, eine Ausprägung der klaren Linie, die sich insbesondere in den Kreaturen äußert, die auf den ersten Blick zu einfach scheinen, verglichen mit irdischen Tieren aber sehr konstruiert sind und einen praktikablen Eindruck machen. Hinzu kommt sehr häufig ihre Schönheit. Insbesondere die Seetiere und die Luftkreaturen können begeistern und sind Ausdruck einer Gesamtkonzeption, die auch optisch von Anfang bis Ende in sich absolut stimmig ist. Die Kerncharaktere, heranwachsend, wie auch jene mit einem ganz besonderen Hintergrund, wissen den Leser immer mehr für sich zu vereinnahmen.
Eine grandiose Geschichte, fein und genau konsturiert, auf der Ebene der Charaktere wie auch der vorgestellten Welt. Grafisch sehr schön, stilistisch eigenständig umgesetzt. Leo hat einen Comic-Maßstab für das Genre gesetzt. 🙂
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Freitag, 07. Januar 2011
Das Feuer kam vom Himmel. Niemand hatte es vorher geehen. Die Bauern auf dem Feld wurden völlig überrascht. Die Jäger konnten sich nur in Sicherheit bringen. Jetzt, lange Zeit danach, versinkt das Land in Feuer und Asche. Doch die Menschen wollen nicht aufgeben. Es wird nach Auswegen gesucht, auch nach Hilfen, Truppenverstärkungen von außerhalb, aber es wird Zeit vergehen, bis diese Hilfe eintrifft. Zeit, von der fraglich ist, ob sie noch zur Verfügung steht. Vielleicht geht schon sehr bald alles zugrunde.
Ein Land, beherrscht von Drachen, am Rande des Untergangs. Inzwischen nimmt sich Christophe Bec mehr Zeit, um eine Geschichte aufzubauen. Man ahnt natürlich, wohin die Reise geht, doch irgendwie entwickelt es sich zögerlich und legt auf eine Abbildung und Beschreibung der vorliegenden phantastischen Welt mehr Wert als auf ein straffes Voranschreiten der Handlung. Christophe Bec wäre nicht Christophe Bec, würde er nicht kräftig zitieren. Dies schlägt sich auch in den Bildern von Iko nieder, der entsprechende Genre-Vertreter gut zu kennen scheint.
Ein Land, abgeschnitten von der Welt, vom Feuer geknechtet. Die Ausgangssituation erinnert stark an Feuer und Eis, einem Zeichentrick-Fantasy-Klassiker von Ralph Bakshi. Nur ist Feuer nicht die Heimstatt, sondern die Bedrohung. Eine weiße Festung, optisch angelehnt an Minas Tirith aus der HdR-Verfilmung von Peter Jackson, thront an einem gigantischen Hang, geradezu umzingelt von Vulkanen und Lavaströmen.
In der Einleitung wird gezeigt, wie das feurige Übel in die Welt kam. In der Folge erfährt der Leser, was sich hinter diesem Übel verbirgt. Bereits früh wird von den Kreaturen gesprochen, die sich nach einem gigantischen Kampf gegen einen Auserwählten verschwanden. Man glaubte sie besiegt zu haben oder wenigstens für immer vertrieben. Wie so häufig bei derlei Legenden war das ein Trugschluss.
Die Geschichte spielt auf zwei Ebenen, auf jener des Landes und seiner Ereignisse und auf jener der Entwicklung eines ganz besonderen Jungen, dessen Fähigkeiten ihn dazu prädestinieren, der Erlöser dieses geknechteten und dem Untergang geweihten Landes zu werden. Christophe Bec nimmt sich einige Anleihen bei anderen Geschichten, insbesondere Kinofilmen heraus, die sehr, sehr leicht wieder erkennbar sind. (Wie Alien hier hinein passt, muss jeder selber sehen. Aber es funktioniert und macht neugierig.)
Auf Seiten der Ereignisse auf Landesebene findet sich ein Zitat auf King Arthur. Ein Wettstreit erscheint wie eine Hommage auf Robin Hood. Auffälliger sind allerdings die optischen Hinweise, die unzweifelhaft vorhanden sind. Bekannte Gesichter wie jenes von Ralf Möller oder Vincent Cassel sind sehr leicht zu erkennen. Monster, die ganz offensichtlich dem Godzilla von Roland Emmerich nachempfunden sind, oder eine Statue, deren Optik Hellboy 2 entlehnt scheint, zeigen Kenntnis und Spaß an der Materie, aber auch, und das ist noch viel wichtiger, ein ungeheuer zielsicheres Können.
Denn was Iko hier grafisch abliefert, ist einsame Spitze. Das ist hoher ausgefeilter Realismus, sicherlich auch mit einer starken Theatralik. Wut, Unglaube, Freude, Verzweiflung und viele Gemütsverfassungen mehr lassen sich ganz toll hier ablesen, ein Umstand, der gar nicht so selbstverständlich ist. Dieser Ausdruck ist auch ein Punkt, warum diese Geschichte trotz aller Anleihen funktioniert. Aus diesen Gesichtern entstehen Charaktere, die ihrerseits etwas Eigenes kreieren.
Ein toll gezeichnetes wie auch koloriertes Fantasy-Vergnügen. Die Handlung von Christophe Bec verwendet wieder viel Anleihen, die zu suchen und zu finden, dem Genre-Fan nicht schwer fallen, aber immerhin an mancher Stelle überraschen sollte. 🙂
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Mittwoch, 05. Januar 2011
Die Station soll ihren ursprünglichen Betrieb wieder aufnehmen. Ziel: Die Auswilderung von Orang-Utans. Chris kam mit sehr hohen Ambitionen in das Land. Die Ruine, die nach dem Überfall durch Rebellen, übrig geblieben ist, mindert seinen Enthusiasmus ziemlich. Aber Chris lässt sich nicht bange machen. Zusammen mit einem Freund macht er sich an die Umbaumaßnahmen. Das läuft nicht reibungslos. Kleine räuberische Makakenäffchen machen ihm das Leben schwer. Immer noch streifen Rebellen schwer bewaffnet durch den Dschungel. Ein Hausschwein hat ihn zu seinem besten Freund erkoren und folgt ihm auf Schritt und Tritt. Doch schließlich scheint alles so weit zu sein für den Neubetrieb der Station. Da fangen die Schwierigkeiten erst an.
Richard Marazano, Autor der neuen Reihe um die Eco Warriors, entwirft ein für Comics ungewöhnliches Szenario, nah an der Realität und mit sehr bodenständigen wie auch ernsten Problemen. Das Auswildern von Orang-Utans hat sich als wichtige Stütze im Kampf gegen die Ausrottung der Menschenaffen bewährt. Marazano zeigt hingegen auch, wie schwierig diese Aufgabe ist, wie langwierig und wie sehr in Einzelfällen auf bestimmte Tiere eingegangen werden muss.
Chris, die Hauptfigur, ist ein sehr engagierter junger Mann, kein Schlipsträger, manchmal etwas tolpatschig, auch tatkräftig, sogar geduldig, aber nicht immer vom Glück verfolgt. Neben seiner Arbeit versucht er noch ein wenig sich zu verlieben und eine alte Liebe zu vergessen. In den Wirren, die Marazano beschreibt, werden zwei Gefahrenquellen immer akuter. Besonders handfest sind die Rebellen, die gänzlich ohne Skrupel gegen Mensch und Tier agieren.
Realistischer Zeichenstil für eine realistische Geschichte. Die Strichführung ist bemerkenswert einfach. Chris Lamquet (hierzulande u.a. durch Alvin Norge bekannt) zeichnet mit schnellen Strichen, meist in einer Stärke, ganz selten nur etwas fetter oder mit flächigem Tuscheauftrag. Dabei ist er absolut treffsicher. Die Bilder könnten sich um durchgepauste Fotografien handeln. Die einzelnen Charaktere unterscheiden sich deshalb hervorragend, die Orang-Utans sind schön getroffen (und bieten durch ihr Verhalten auch die Grundlagen feiner Szenen).
Lamquet unterscheidet zwischen Figuren und Hintergrund. Sind die Figuren meistens sehr einfach koloriert und kommen mit einer Schattierung aus (oder mit einer Lichtfarbe und einem geringen Verlauf), ist der Aufwand bei den Hintergründen etwas größer. Das schafft mehr Tiefe, wirkt plastischer und erhöht auch den Effekt der durchgepausten Fotografie. Allerdings verliert sich Lamquet auch nicht allzu sehr in farblichen Details, da gerade in Bildern mit Dschungelkulisse ein gewisser Wuselfaktor den Gesamteindruck stören könnte.
Weltretter, ernüchtert, aber auch nicht gewillt aufzugeben: Die Eco Warriors zeigen einen Neuanfang, spannend inszeniert, realistisch und technisch sauber gezeichnet, gänzlich unromantisch, atmosphärisch dicht und in manchen Szenen mitreißend. Sympathisch erzählt. 🙂
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Montag, 03. Januar 2011
Das kleine Mädchen am Flughafen, neben ihrer Mutter auf der Bank sitzend, soll übersetzen. Ob sie Drogen bei sich haben? Das kleine Mädchen weiß weder mit dem Begriff noch mit der Situation viel anzufangen. Die Beamten suchen Streit und nehmen ihren großen Bruder in die Mangel. Chloe lernt Leila, so der Name der kleinen Einwanderin, kurz darauf kennen. Chloe nimmt das Leben leicht. Sie will tanzen und nur tanzen. Und sie kann es. Beim Tanzen vergisst sie alles um sich herum. Ihre Leidenschaft und ihr Können bleiben nicht unbemerkt und bald schon übt sie professionell. Agnes, die eigentlich von Hause aus einen viel besseren Start ins Leben mitbekommen hat, schlägt sich mehr oder weniger alleine durch. Ihre Eltern haben Besseres zu tun, als ein Kind aufzuziehen oder zu erziehen.
Kindheit und Jugend könnten so schön sein. Gäbe es nicht die Eltern, die Schule, unterschiedliche soziale und religiöse Hintergründe, später die Liebe, all die damit verbundenen Irrungen und Wirrungen … Aufzuwachsen war nie einfach. Heute ist es in mancherlei Hinsicht einfacher, in anderen Belangen schwieriger. Sophie Michel beschreibt eine Geschichte über eine langjährige Freundschaft dreier recht verschiedener Mädchen, die gerade deshalb wie Puzzleteile zusammenpassen und wie geschaffen füreinander sind. Das macht es nicht einfacher für die drei Mädchen, aber wenigstens etwas leichter.
Chloe kommt in Frankreich zur Welt, einen Vater hat sie aber nicht. Leila kommt als kleines Mädchen zusammen mit ihren arabischen Eltern in dieses ferne Land. Agnes hat Eltern, diese interessieren sich jedoch kaum für sie und lassen das Kindermädchen all die Arbeit machen.
Schrittweise, an bestimmten wichtigen Punkten im Leben der drei Mädchen, enthüllt sich ein Lebenslauf, der auf den ersten Blick gewöhnlich scheint und doch immer spannender wird. Sophie Michel gelingt es sehr schnell, dass der Leser Zuneigung zu den Mädchen fasst. Es beginnt mit der Geburt der drei, im Alter von fünf Jahren trifft man sie schließlich wieder. Leilas Familie wird bei ihrer Einreise angefeindet, Chloe zeigt ihr Talent und ihre Freude am Tanz, Agnes ist ein höchst einsames Kind.
Emmanuel Lepage zeichnet und malt die drei Mädchen und schließlich jungen Frauen sehr ausdrucksstark mit viel Charakter und Herz. Die drei kleinen Mädchen sind nicht von Beginn an ein Herz und eine Seele. Das Zusammenraufen, viele kleine Szenen (Chloe, die Leila mit der Aussprache hilft, Agnes‘ Kampf gegen die Einsamkeit, schöne Tanzszenen u.a.) fügen sich zu einem großen Ganzen in sanften Farben ausgeführt. Die Qualität des Titelbildes findet sich auf der kompletten Strecke des Comic-Buches wieder (satte 144 Seiten inkl. Skizzenanhang).
Leichte, wenige Umrisse und innerhalb der Figuren oder auch Gegenstände nur wenige Striche bauen ein räumliches Miteinander auf. Ein lasierender Farbauftrag sorgt für Tiefe. Dabei arbeitet Lepage einerseits mit echten Farben, bei Tageslicht, er inszeniert aber auch gerne mit künstlichem Licht und nur wenigen Lichtquellen und experimentiert mit Farbräumen, schafft Atmosphäre, manchmal auch widersprüchlich zur Handlung. Das verstärkt mitunter die Dramatik, in heiteren wie auch sehr traurigen Szenen.
Die Mischtechnik aus Bleistift, Aquarell (und Tusche?) funktioniert stets hervorragend in vereinfachten wie auch sehr komplexen Darstellungen. Die besten Momente sind jene, die ohne Worte auskommen und das Bild (oder die Sequenz) alleine auf den Betrachter wirken kann.
Sophie Michel spannt den Bogen so weit, bis sich der Kreis wieder schließt. Die einstigen Mädchen werden selber Mütter. Es sind in diesen Zeiten gewöhnliche Lebensläufe, auch sehr interessante und mitreißende, obwohl die Hautfiguren dies vermutlich nicht so empfinden würden.
Erzählung mit liebenswerten Hauptdarstellerinnen, unterhaltsam, ehrlich, niemals aufgesetzt wirkend und mit viel Feingefühl erzählt und gezeichnet. Ein auf Realität bedachter Comic abseits von Fantasy und Co. Sehr schön. 🙂
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Die amerikanischen Soldaten des Einsatzkommandos fühlen sich im Stich gelassen. Ihre Aufgabe, so glauben es die meisten, wird ein Himmelfahrtskommando. Die Gegenwehr der deutschen Soldaten ist tatsächlich fürchterlich, doch plötzlich durchbricht ein einzelner Mann mit einem Bomber die feindliche Gegenwehr. Das Gefecht verläuft hart, aber erfolgreich, bis der Feind zu einem verzweifelten Schlag ausholt und eine Atomrakete, die allererste überhaupt, startet. Captain America, trainiert für scheinbar ausweglose Situationen, zögert nicht und auf halsbrecherische Weise auf die in den Himmel rasende Rakete gelangen.
Die Gründung der Ultimativen verläuft in der Zeichentrickumsetzung anders als bekannt, aber spannend bleibt es. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs verschwindet Captain America nach einem heroischen Einsatz. Nach der Explosion einer Rakete, abgeschossen von deutschen Soldaten, initiiert von außerirdischen Intriganten, scheint der Held der US-Armee to zu sein. Erst viele Jahre später findet ihn ein U-Boot tief im Eis vergraben. Nick Fury, Leiter von SHIELD, hat eine ganz besondere Aufgabe für den einstigen Supersoldaten. Nachdem eine Neuauflage des Supersoldatenprogramms kläglich gescheitert ist, soll die Urversion für eine Wiederbelebung der Forschungen sorgen.
Dieses Team mag sich nicht. Tony Stark ist ein Frauenheld und Einzelgänger. Letzteres behält er in seiner Funktion als Iron Man zunächst bei. Hank Pym, der Giant Man, ist ein feindseliger, arroganter Wissenschaftler, der am liebsten jedem Mann ins Gesicht springen möchte, der seine Janet, die Wasp, von der Seite her ansieht. Dr. Banner leidet unter seinem Versagen in der Form des Hulk, dessen wütende Seite er unbedingt in den Griff bekommen möchte. Und Thor? Der hat mit der Rettung der Erde an der Seite von Umweltaktivisten genug zu tun. Mit irdischen Auseinandersetzungen will er nichts zu tun haben.
So ist es nur folgerichtig, dass sich Nick Fury und die Black Widow um Steve Rogers alias Captain America bemühen. Die Gruppe braucht einen Anführer mit Herz und Verstand. Doch alle Theorie ist meist grau und so bringt Cap anfangs nicht den gewünschten Erfolg. Eine Bedrohung muss her: War es in den Comics zuerst der Hulk, der das Team so richtig zusammenschweißte, sind es hier Außerirdische, die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg erneut zuschlagen.
Die Charakterzeichnungen stimmen mit der Comic-Vorlage recht gut überein, sind sicherlich einfacher gehalten, da nicht die nötige Zeit besteht, um jeden Aspekt ausführlich zu schildern. Einzig Dr. Banner erhält etwas mehr Raum, damit seine Seelenqual deutlicher wird. Die Ultimativen, oder auch Ultimate Avengers, sind zu Beginn ihrer Karriere eine weniger popkulturelle Gruppe als es die Ur-Rächer waren. Grafisch orientieren sie sich an der Comic-Reihe aus dem Ultimativen Universum, sind aber insgesamt leichter, etwas unechter als das Original, das sich mit seinen Bildern sehr stark in die Realität einfügte und so einen neue Messlatte auflegte.
Der Kampf, der die Gruppe zusammenbringen soll, ist nichts gegen den Kampf, der folgt. Die Rächer gegen den Hulk, das ist das, was die Fans sehen wollen und diesen bekommen sie auch geboten. Einerseits ist es eine gute Machtdemonstration des Hulk, der mit seiner Unberechenbarkeit schon für ein paar Events gut war, andererseits schmiedet ausgerechnet diese Konfrontation erst zusammen. Und auch hier gilt: Wer den völlig irren Hulk aus den Comics erwartet, wird enttäuscht, denn hier wurde einiges zurückgefahren.
Schöne Umsetzung, aber von der Vorlage abweichend, auf jeden Fall gut, um die Wartezeit bis zum Realfilm 2012 zu überbrücken. (Auf jeden Fall gibt es hier eine bessere Black Widow als in IRON MAN 2.) 🙂
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Donnerstag, 30. Dezember 2010
Ein Marmorblock versperrt den Weg. Ulysses und Aurora, beides Zentauren, blauhäutig und schnell unterwegs, stutzen einen Moment. Dann wird Ulysses ärgerlich und versetzt dem Stein einen Fausthieb. Das ist für ihn seltsamerweise weniger schmerzhaft als für Zeus, der sich in Gestalt des Steins zu erkennen gibt. Ein Auftrag wartet auf die zwei Freunde. Damit die damit einhergehende Reise schneller geht, steht ein Tor bereit, ein Dimensionstor, ein mythisches … jedenfalls haben die kleinen Torwächter einen Heidenspaß dabei. Während diese sich eins grinsen, kracht es bei den Minis in ihrer Stadt Eslapion 2 mit Posaunengetöse. Und was zunächst für den Teufel, im besten Fall für Halluzinationen gehalten wird, entpuppt sich als merkwürdige Gäste.
Die Minimenschen haben ungewöhnlichen Besuch: Zentauren. Ulysses und Aurora, so die Namen des Zentaurenpärchens, war nicht der gleiche Erfolg beschieden wie den Minimenschen, obwohl ihr Gastauftritt in der ungleich erfolgreicheren Serie sie einem breiteren Publikum bekannt machte. Umgekehrt hat ihr Auftritt der Geschichte Der Goldvulkan in keiner Weise geschadet. Es wird sehr mythologisch einerseits, andererseits treffen die Minis auch auf nur wenig größere Menschen: Pygmäen. Doch bei diesen hat die Größe wenigstens ihre Richtigkeit.
Die Geschichte lebt von ihren Gegensätzen. Plötzlich tauchen in der futuristischen Stadt der Minis Zentauren auf. Diese sind auch noch nackt. Folglich werden sie von auf die Moral bedachte Damen auch eingekleidet. Das ist zwar nicht anstößig, dafür aber umso komischer. Phantastisch geht es weiter und die Gruppe um den Abenteurer Renaud (den Mini schlechthin) landet im tiefen Afrika. Pierre Seron schaltet um auf ein klassisches Abenteuer. Gauner müssen bekämpft, Sklaven müssen befreit werden.
Ungewöhnlicher sind das erste und dritte Abenteuer dieses inzwischen 9. Sammelbandes der Gesamtausgabe. In Der Letzte der Minimenschen und Renaud geht in die Luft mag es dem Leser so vorkommen, als wolle der Autor und Zeichner Seron seinen Kreationen an den Kragen. Interessanterweise ist der Leser hier stellvertretend mit einer kleinen Figur vertreten, die ihren Unmut über die Entwicklung der Handlung gerne einwirft und auch nicht zimperlich ist.
Die Minis sterben, einer nach dem anderen. Und ein kleiner Mann sieht rot. Ein Pistölchen vermag gegen die Großen nicht viel auszurichten. Renaud geht mit der Panzerfaust gegen die bösen Buben vor. Da reißt nicht nur der stellvertretende Leser die Augen auf und wundert sich. Aber nach einer Weile ist klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht (zumal es ja Folgeabenteuer gibt) und auch die zwischendurch eingeblendete Werbung (auch mit Hinweisen auf Zentauren) zeugt von etwas sehr Seltsamen.
In Renaud geht in die Luft geht Seron anders vor. Renaud, zuvor noch der Letzte der Minis, wird zum Spielball der Willkür seines Herren, Seron nämlich. Helden müssen leiden, so heißt es, doch was Seron seinem Renaud hier antut, das ist Tortur pur. Oder, um es mit den Worten des immer wieder eingeblendeten kleinen Lesers zu sagen: Seron, du bist gemein!
Ungewöhnlich und ungewöhnlich gemein: Pierre Seron verlässt ein wenig angestammte Pfade. Er quält seine Hauptfiguren und parodiert das Abenteuer-Genre, indem er wirklich eine Falle, einen Fettnapf, eine gefährliche Situation nach der anderen kreiert. Einzig in der mittleren Episode geht es etwas beschaulicher, aber nicht weniger aufregend zu. 🙂
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Einen Menschen zu töten, das stand nicht auf dem Lehrplan. So ist den der leichthin ausgesprochene Befehl, eben dieses zu tun, zunächst erschütternd. Jenes kurze Zögern ermöglicht es den flüchtigen Dieben beinahe, mit der Beute zu verschwinden. Nach diesem Intermezzo, dass den Neulingen der Geheimorganisation bedeutet, dass Gehorchen in diesem System unbedingt verlangt wird, wartet eine Aufgabe. Helena, ein weiblicher Kapitän im Dienst der Geheimgesellschaft treibt ihre Schützlinge unnachgiebig an. Zu diesem Zeitpunkt kann keiner der jungen Leute ahnen, dass all diese Strapazen nichts im Vergleich zu jenen Ereignissen sein werden, die in naher Zukunft vor ihnen liegen.
Die Organisation Alkibiades, jene Geheimgesellschaft, die am Rande des Staates operiert, ist mysteriös, verschachtelt und uneinig. Mit Der Rivale wird offenbar, dass es im Verbund dieser Organisation, die sich wie ein Verband eines Kapitän Nemo ausnimmt, welche gibt, die nicht nach der Vermehrung von Wissen streben und sich den Wissenschaften verschrieben haben. Anderen geht es schlicht um die Vermehrung von Reichtum. So ist ein Splittergruppe entstanden, die den Neulingen an Bord der Alkibiades 2 ebenso feindlich gesonnen ist, wie die eigene einheimische Marine.
Willkomen an Bord! Aber es ist kein herzliches Willkommen. Wo in der Geheimgesellschaft gehobelt wird, fallen Späne und zwar nicht zu knapp. Das Individuum zählt nichts. Der Einzelne schenkt sich nichts und gönnt den anderen auch nichts. Die Neulinge, Curtis, Maryline, Mike, Lydia, Peter müssen das erst begreifen lernen. Und die Lektionen sind hart.
Schatzinseln und Kannibalen! Bevor Autor Denis Filippi seine Helden auf große Fahrt schickt, sorgt ein Verräter und Dieb aus den eigenen Reihen erst einmal für jede Menge Verwirrung. Diese könnte sich auch auf den Leser übertragen, da Filippi äußerst kühl erzählt und diese Kühle ein starker Bestandteil der bisherigen Ereignisse ist. Die jungen Helden, in gewisser Weise eine Gruppe von Analytikern, versuchen sich ein Herz zu bewahren in ihrer neuen Aufgabe. Leicht gemacht, wird ihnen das keineswegs. Als Filippi einen der ihren sogar sterben lässt, bleibt keine Zeit zum Trauern. Im Gegenteil, nun wird es erst richtig ernst.
Wer romantische Gefühle mit einer Schatzinsel verbindet, sollte diese beim Besuch dieser hier geschilderten Insel getrost vergessen. Bereits das Titelbild zegt einen monströsen Eingeborenenkopf. Der Aufbau erinnert eher an einen Neandertaler, das Furcht einflößende Gebiss, die Tätowierungen und die mit Holzsplittern ausgeführten Piercings sind nur eine Andeutung dessen, welche Grausamkeiten auf die Seefahrer warten. Dass die Geschichte funktioniert, ist vor allem Eric Liberge zu verdanken, der tolle Grafiken auch im zweiten Teil der Reihe abliefert.
Die farbliche Grundtendenz ist düster, die Figuren etwas statuettenhaft, doch die Ausstattung, die Hintergründe, die opulente Technik, mit der die Bilder zu Papier gebracht worden sind, erschaffen ein Zeitalter und ein Abenteuer, wie es optisch dichter kaum sein könnte. Ausgeklügelte Maschinen und Waffen, genauestens gezeichnete Kleidung, die später insbesondere bei eindrucksvollen Tauchanzügen zu Buche schlägt, sorgen für Hingucker. Feine, sehr dünne Striche sorgen für einen Radierungseffekt, manchmal konstruiert, auch zusammengesetzt wirkend, aber immer wohl überlegt, scheinbar auf den Millimeter genau passend gemacht.
Mit der Sequenz der Kannibalenhatz hat sich Liberge ein eigenes Meilensteinchen erarbeitet, enorm gruselig und dunkel, fast so, als hätten Bram Stoker und Jules Verne überlegt, wie sie ihren Leser besonders viel Angst einjagen könnten.
Spannend, unvorhersehbar, mit einer Erzählweise, die eigene Wege geht und vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Wer sich allerdings darauf einlässt, erlebt an der Seite der Neulinge immer weitere Rätsel, deren Lösung bisher noch nicht ersichtlich ist, obwohl sich ein paar Hinweise ergeben. 🙂
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Montag, 27. Dezember 2010
Die Anlage, aus sehr altem Beton, wirkt nicht, als ssei sie hier am rechten Ort. Teddy, Jeffs Detektivkollege, ist zum ersten Mal richtig sprachlos. Genauer: Er wird sprachlos gemacht. Jeff, der seinen Freund, bereits nach kurzer Zeit sucht, findet ihn nicht nur recht schnell, sondern er sieht auch noch gleich doppelt. Wenn auch nur kurz. Rätsel folgt auf Rätsel, bis sich Jeff Jordan in der Höhle des Löwen wiederfindet. Sodann steht sein Schicksal auf des Messers Schneide.
Neuer Zeichner, gleiches Herz. Durch Verlagsumstrukturierungen fehlte Maurice Tillieux schlicht die Zeit, um Jeff Jordan auch grafisch zu betreuen. Ein neuer Zeichner musste her, während Tillieux sich fortan nur noch als Szenarist betätigte. Gleichzeitig zeigte er aber hier nach wie vor einen solchen Ideereichtum, dass er ohne Zweifel als Meister der Kettenreaktion betitelt werden darf.
Mit gleich vier Alben verabschiedet sich Jeff Jordan. Das ist die schlechte Nachricht. Nach Band 4 der Gesamtausgabe gibt es kein weiteres Material über dem smarten Detektiven und seinen glatzköpfigen Freund Teddy mit dem überschäumenden Humor. Aber dafür, ein sehr großes Trostpflaster, haben es die letzten hier abgedruckten Episoden in sich. Diamanten! wartet nicht nur mit einer beeindruckenden Verfolgungsjagd über den Dächern von Paris auf, es nimmt auch ein paar Stunts, die der Cineast (und Fernsehzuschauer) erst in den letzten Jahren bestaunen durfte, um Jahrzehnte vorweg.
Die Falle, der Ausgangspunkt dieser spektakulären Angelegenheit, wird auf dem Parkdeck eines Hauses gestellt. Nachdem die Polizei den einzige Zugang blockiert, geht die folgende Jagd über die Dächer. Mit dem Auto! Das hat Rasanz allererster Güte und würde jedem Bond-Film zur Ehre gereichen (eine Szene erinnert stark an Der Morgen stirbt nie). Die Art und Weise, wie fast beiläufig der Humor eingebaut wird, betont das ungeheure Talent von Maurice Tillieux.
Dieser hat nun den Zeichenstift an Roland Goossens, kurz Gos, abgegeben. Der Leser bemerkt davon nichts. Variationen könnten auch eine minimale Weiterentwicklung von Tillieux sein. Tillieux und Gos müssen Autos geliebt haben, denn diese (und eine präzise abgebildete Architektur) sorgen dafür, dass Jeff Jordan auch zu einem Zeitdokument wird. Geht es in der ersten Episode (von 1970) noch sehr schnell voran, ist das Abenteuer um Die unheimlichen Doppelgänger gemächlicher, aber auch unheimlicher. In einem alten Bunker, auf einem Friedhof beschwören die beiden Comic-Macher seltsame Experimente, ein wenig trashig, doch stets humorvoll.
Dieser Humor steht in Jagd auf eine Schallplatte vollends im Vordergrund. Wieder schlägt der Meister der Kettenreaktion zu. Eine simple Vertauschung, ein beliebter Start in einer Slapstickkomödie, führt schließlich zu einer blendenden Hatz über einen Campingplatz. Sehr ausgefeilt gezeichnet, in kleinen Kreise angelegt, in denen immer eines zum nächsten führt, muss man hier einfach weiterlesen, da die Geschichte einen genialen Fluss besitzt.
Das verschwundene U-Boot ist ein klassischer Aufklärungsfall, wieder mehr auf Spannung bedacht, mit einigen unheimlichen Elementen und fast möchte man meinen, dass es Jeff Jordan hier an den Kragen hätte gehen sollen. Kurzgeschichten runden den vorliegenden letzten Band der Gesamtausgabe ab.
Ein tolles Team: Maurice Tillieux und Roland Goossens (Gos) ergänzen sich als Autor und Zeichner hervorragend. Ein gelungener Abschluss, ein hervorragender Cartoon, mit allem, was diese Sparte im Bereich Comic so anziehend und abwechslungsreich macht. Spitze. 🙂
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Donnerstag, 23. Dezember 2010
Der alte Mann lässt halten. Es ist ein schöner Tag für einen Spaziergang. Einen letzten Spaziergang. Ein großes Erbe wartet. Als die Witwe bei der Testamentseröffnung an der Seite ihrer beiden Enkelkinder den Worten des Testamentsvollstreckers lauscht, ahnt sie vielleicht schon, was auf die beiden minderjährigen Racker zukommen wird. Die Kinder, ein Geschwisterpaar aus Mädchen und Junge, können mit diesem Land nichts anfangen. Aufgewachsen fern von Opas Heimat sollen sie diese wenigstens nach seinem Tode kennenlernen, denn sonst gibt es kein Erbe. Also machen sich die beiden missratenen Sprösslinge an Carnados Seite auf, um Opas Asche in Belgien zu verstreuen.
Der wilde Norden heißt Belgien. Und was für ein Land das ist: Gangster warten an jeder Ecke. Einige Gegenden sind völlig heruntergekommen. Der europäisch allseits bekannte inländische Streit kocht immer wieder hoch und über. Mittendrin soll Canardo zwei völlig hochnäsige und verzogene Gören über verschiedene Stationen zu ihrem Ziel bringen, allein, um das Testament eines alten Mannes zu erfüllen, der zu allem Überfluss ein erfolgreicher Gangster gewesen ist. Der Umstand, eine Nanny bei sich zu haben, die nicht nur auf die Kinder aufpasst, sondern auch eine gewisse Anziehungskraft an ihm entdeckt, macht es zeitweise angenehmer, aber nicht einfacher.
Sokal schickt seinen Inspektor Canardo, den ehemaligen Polizisten und jetzigen Detektiven, auf eine Horrortour sondergleichen. Diese ist nämlich mit einer solch großen Portion schwarzen Humors gewürzt, dass es auf jeder Seite nur so kracht. Sokal hat bisher gute Bände abgeliefert, nicht wenige davon waren auch sehr gut, doch dann kommt plötzlich einer, dessen Handlung noch eine Spur besser ist, noch komischer, noch gemeiner. Und das ist Opas Asche.
Canardo muss sich eher selten mit Kindern auseinandersetzen und jene, die er hier befördern muss, weil ihr Chauffeur bedauerlicherweise in die Luft geflogen ist, sind keine Zierde für ihr Alter. Eigentlich sind sie für gar nichts eine Zierde. In gewohnt tierischer Manier zeichnet Sokal seine fiesen Enten, deren Abgründe nur ein einziges Mal an anderer Stelle noch tiefer ausgeschachtet werden, als das Reisequartett nach Aussage der Nanny in einem Disneyland für Kinderschänder landet (eine Sorte Hinterwäldler, die der Leser sonst nur in besonders harten Horrorfilmen antrifft). Sokal arbeitet sich durch die Verbrecherszene, die seinen beiden kleinen Helden ein Angebot machen wollen, das diese nicht ablehnen können.
Die Linienführung ist straff und versiert, was kein Wunder ist, da die sehr erfolgreiche Serie nun in die 19. Folge geht. Canardos wulstiger Schnabel und sein gelangweilter Blick, der sich nur dann ändert, wenn ihn etwas vollkommen überrascht (was einige Male vorkommt) sind ein Markenzeichen und ein guter Transport von der allseits beliebten (wenn auch vergangenen) schwarzen Serie ins Medium Comic. Sokal benutzt Tiere und Körper, um Charaktere gleich offensichtlicher zu machen. Kinderschänder sind Schweine, Mafiosi sind ebenfalls Schweine, Bulldoggen, der Dorftrottel wird zum sabbernden Erpel.
Eine Grundtönung und eine Schattierung geben den Bildern zumeist Fülle. Mehr braucht es auch nicht. Bei der Jagd durch Belgien, zwischen Abraumhalden, Brüssel und Provinz zieht sehr oft die Geschwindigkeit an. Sokal macht aus Belgien ein Gangstertown, eher düster als bunt.
Schwankend zwischen Lachen und Schmunzeln zündet die 19. Folge von Canardo an jeder Ecke. Fans der Ente im Trenchcoat kommen an dieser Episode nicht vorbei. Wer Fan werden will, sollte einen Blick riskieren. Vorkenntnisse anderer Bände sind nicht erforderlich. 🙂
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