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Comic Blog


Freitag, 14. Oktober 2011

Das Testament des Captain Crown 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:26

Das Testament des Captain Crown 1 - Fünf HurenkinderCaptain Crown ist tot. Aber wer hat ihn umgebracht? Der Mörder war dreist und entführte einen erfahrenen Seebären und tollkühnen Piraten aus der Mitte seiner Mannschaft und meuchelte ihn abseitig im Landesinneren einer Insel. Red, ein getreuer erster Offizier, kennt den letzten Willen des Captains. Auch in ihm kreist ein Gedanke: War es der Leibhaftige selbst, der den Captain holte? Nein, nicht nur das: War der Teufel derjenige, der den Captain bis aufs Blut folterte, bevor dieser das Zeitliche segnete? Red weiß es nicht. Aber er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den letzten Wunsch des Captains zu erfüllen und die fünf Kinder zur Testamentseröffnung zusammen zu bringen.

Allein diese Aufgabe ist leichter gestellt, als ausgeführt, sind diese Kinder, die Nachkommen, doch scheinbar über die Karibik verstreut: Eine junge Frau, die sich mehr schlecht als recht durchschlägt. Ein junger Mann, der einem Beruf nachgeht, der für einen Sohn eines Piraten eher ungewöhnlich ist. Ein Tunichtgut, der sich weder aus Leben noch Tod viel zu machen scheint. Und es existieren noch zwei weitere Kinder. Jeder für sich ist eine Art Puzzleteil auf dem Weg zu einem riesigen Schatz.

Schatzsuche, Rätsel, kriminalistisches Verwirrspiel. Mit dieser Mixtur, die in ein spannendes Piratenabenteuer mündet, beglücken Tristan Roulot und Patrick Henaff all jene Leser, die auf der Suche nach echten Abenteuern in der Karibik sind. Das bedeutet: Ohne Spaß, dafür mit mehr Halsabschneidern. Fünf Hurenkinder lautet der Untertitel des ersten Bandes dieses Zweiteilers. Im 17. Jahrhundert sind in diesem Teil der Welt die Piraten zahlreich, die Begehrlichkeiten hoch. Niemand gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot, einen ausgewachsenen Schatz noch weniger.

Tristan Roulot führt hier fünf Nachkommen zusammen, die letztlich wie die Nachkommen des Teufels selbst wirken, so unschuldig der oder andere auf den ersten Blick auch daher kommen mag. Anfangs ist es ein Verwirrspiel. Die einzelnen Charaktere werden vorgestellt. Sympathische Anklänge gibt es zwar, doch so richtig durchsetzen kann sich auf diesem Gebiet niemand der fünf. Gauner werden zu Opfern, Opfer zu Ganoven. Roulot gelingen einige Male Wendungen, die überraschend auftauchen und bereits entstandene Meinungen des Leser wieder einreißen.

Die Ausgangssituation ist klassisch, setzt aber noch einen drauf. Ein Schatz wird gesucht, aber nicht irgendein Schatz. Crown war es gelungen ein ganz besonderes Schiff zu kapern und zu verstecken. Tristan Roulot, der mit diesem Schatz die Dimensionen einer Schatzinsel sprengt, kehrt auf der anderen Seite mit seiner Konstellation der fünf Erben zu einer Art Shakespeare-Drama in Comic-Form zurück.

Grafisch steht ihm dafür Patrick Henaff zur Seite, der die Figuren mitunter überzeichnet, auch konstruiert und so einige sehr interessante Ganoven des Meeres kreiert. Auch kleinere Nebenfiguren, wie jene, die eine merkwürdige und sicherlich nicht hilfreiche Operation über sich ergehen lassen musste und nun unter starken Kopfschmerzen leidet, fördern die Atmosphäre der Handlung. Henaff springt nach den Vorgaben Roulots aus der Enge des Schiffsdecks in die Breite vergangener Erlebnisse, bevor die großen Kämpfe auch die Gegenwart einholen, die zu einer Piratengeschichte gehörenden Breitseiten inklusive. Dünne Linien, feine Schattenschraffuren wechseln sich mit hart abgegrenzten, mitunter auch großflächig angelegten Schatten ab. Hierbei folgt auch die Handlung einer sorgfältigen Aufteilung von Tagesszenen und nächtlichen Sequenzen.

Anders, unvorhersehbar, interessant durch die unterschiedlichen Charaktere der Hurenkinder, die sich doch in einem Punkt einig sind: In ihrer Gier. Spannend erzählt, stilistisch eigen gezeichnet. Ein starker erster Teil eines Zweiteilers. 🙂

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Donnerstag, 13. Oktober 2011

DEDE 2 – Verlieren Sie nicht den Kopf

Filed under: Thriller — Michael um 19:21

DEDE 2 - Verlieren Sie nicht den KopfDie winzige Stadt hat nicht viel zu bieten. Sie strahlt eine urzeitliche Gemütlichkeit aus. Industrie gibt es keine. Die Menschen hier, wollen sie etwas Geld verdienen, dann woanders oder sie verlassen sich auf die Touristen, die immer häufiger ausbleiben: Wegen der Leichenteile. Dede verschlägt es in diesen kleinen Ort. Ein Polizist namens Seivert hat ihn angefordert. Die richtige, großstädtische Polizei hat noch keine Zeit für diesen Fall. Deshalb hat Seivert auf eigene Faust einen Ermittler beschafft. Vielleicht kann Detektiv Deschamps, kurz Dede, Licht ins Dunkel bringen oder besser: Aus vielen Teilen ein Ganzes machen.

Seivert begrüßt den Detektiven zunächst ruppig. Ein Blick ins Eisfach zeigt Dede, dass dieser Fall alles andere als einfach werden wird. Die Leichenteile wurden nicht nur abgetrennt, der Mörder hat sie auch mit merkwürdigen Symbolen versehen. Dede beginnt mit seinen Ermittlungen. Das Geld stimmt und nach eigenem Bekunden würde er dafür sogar Jack the Ripper aufspüren. Dede würde sich selbst niemals eingestehen, dass in der Nacht, inmitten der kleinen Gassen, auf der Suche nach einem Täter, der seine Opfer zerstückelt, seine Nerven blank liegen. Und so genügt schon eine streunende Katze, um ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Zweiter Fall: Ab in die Provinz, wo die Sonne lacht. Der von Frank Erik Weißmüller, kurz Erik, geschaffene Detektiv Deschamps, kurz Dede, ist wieder da. Dieser Fall ist furchtbarer als sein erster, der ihn auf die Spur von gemeuchelten alten Damen brachte. Hier lässt sich zunächst nicht einmal bestimmen, wer das Opfer ist. Ob es gar mehrere sind? Mann oder Frau? Die Ortschaft, ein von einer hohen Mauer umgebenes Dorf, auf einer Klippe stehend, mit nur einem Zugang, ist ein perfekter Platz für ein Verbrechen. Derart isoliert liefert sie Raum für die gute alte Ermittlungsarbeit, bei der die Leute noch selbstständig befragt werden müssen und nicht jeder gleich freundlich auf einen unbequemen Ermittler von außerhalb reagiert.

Erik zeichnet seine Bilder streng mit Tuschestift nach, sehr architektonisch, Figuren wirken exakt aufgeteilt. Der Stil ist eigen, wiedererkennbar auf den ersten Blick, auch karikierend. Schattierungen werden meist nur in einer Abstufung dargestellt und die jeweilige Form mit einer dünnen, abgerundeten Linie abgegrenzt. Insgesamt ist es ein kühler Zeichenstil, der durch die Farbgebung noch verstärkt wird. Warme Farben sucht man als Leser hier vergeblich.

Manche Charaktere werden mit großer Sorgfalt ins Rampenlicht gezogen. Der grantige Dorfpolizist Seivert, dessen Grinsen immer derart grimmig ist, als wolle er in der nächsten Sekunde zubeißen. Die Dorfverführerin, ihres Zeichens Immobilienmaklerin, die, von der Hitze des Tages getrieben im schwarzen Bikini und einem Hauch von Nichts herumläuft. Sie sind Stationen auf der Suche nach einem Mörder, mit dem sich Dede einen aberwitzigen Zweikampf liefert.

Die Figur des Dede selbst ist eine inzwischen gut gewachsene auch in sich ruhende Figur des jungen, aber auch leicht missmutigen Ermittlers, dem entgegen seines Alters niemand mehr etwas vormachen kann. Zwar spielt er hin und wieder den über die Maßen Bestürzten, wenn es darauf ankommt, behält er meist die Nerven und lässt sich nicht beirren, sehr zum Missfallen der Drahtzieher im Hintergrund.

Eine gelungene und stimmige zweite Episode um Dede, den es diesmal in die Provinz verschlägt und in mörderisches Komplott: Ein mysteriöser Kriminalfall, mit einer gesunden Portion schwarzen Humors erzählt. 🙂

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Mittwoch, 12. Oktober 2011

Rubine 11 – Klassenfoto

Filed under: Thriller — Michael um 16:28

Rubine 11 - KlassenfotoAffären können böse enden. Frauen lassen sich mit mächtigen Männern ein, in der Hoffnung, die nächste Ehefrau zu werden. Manche greifen zu bösen Tricks oder auch wenig durchdachten Tricks, denn nicht jeder mächtige Mann wird für ein uneheliches Kind hinter den Kulissen bezahlen. Manche wollen es erst gar nicht so weit kommen lassen. Laureen hat die falschen Worte gewählt, als sie ihrem Liebhaber bedeutet, ein wenig schwanger zu sein. Jemand, der es in den Vereinigten Staaten in der Politik zu etwas bringen will, braucht eine nach außen hin weiße Weste. Ein uneheliches Kind, so neuzeitlich dies auch ist, kann eine Politikerkarriere beenden, noch bevor sie begonnen hat.

Beweise: Mit der Einführung von Videoaufnahmen für jedermann, leichter zu handhaben als Super-8 und mit schnelleren Ergebnissen, erhöhte sich nicht nur die Masse des gespeicherten Bildmaterials. Es erhöhte sich auch die Anzahl von gespeicherten Erinnerungen, für die es in früheren Jahren Zeugen gebraucht hätte. Inzwischen genügt ein kleiner Filmschnipsel, um eine Erpressung möglich zu machen. Nicht alle Jugendtage sind unschuldig und so wird aus einem Klassenausflug ein Drama, das sehr bald eine Brücke in die Gegenwart schlägt und dort noch mehr Unheil heraufbeschwört.

Cartoony gezeichnet, ernsthaft erzählt. Im Stile amerikanischer Krimiserien bereitet das hier vertretene Comic-Team für RUBINE einen Fall vor, der es in sich hat. Die Hauptfigur der Reihe, Rubine, eine erfahrene Polizistin aus Chicago, kommt zunächst eher beiläufig ins Spiel. Im Gegensatz zu den Gaunern und Ganoven, die das Dunkel und das Zwielicht suchen, steht sie zu Beginn im Rampenlicht und wird in einer Dokumentarreihe des amerikanischen Fernsehens im Einsatz gezeigt. Hier wird von Mythic und Francois Walthery die Medienlandschaft gehörig durch den Kakao gezogen. Wenn Rubine und ihre Kollegin den Einsatz wiederholen müssen (mit Einverständnis des Festgenommenen, versteht sich), weil nicht alles richtig im Kasten war, dann ist selbst die gute alte Polizeiarbeit auf einem Tiefpunkt angelangt.

Aber Rubine hatte es schon immer mehr mit Mord: Und davon gibt es bald mehr als genug. Ein Klassenfoto zeigt eine heiße Spur auf. Ein paar der abgebildeten Schüler sind bereits tot. Vier von ihnen starben innerhalb von zwei Wochen und der Mörder ist noch lange nicht fertig. strong>Mythic und Francois Walthery lassen den Leser schmoren, der hier sehr viel mehr weiß, als Rubine, die noch die Hinweise sortiert und erst langsam Fahrt aufnimmt. Dafür verfolgt der Leser einen Mörder, der mit seiner Kaltblütigkeit in dieser grafischen Form seinesgleichen sucht.

Denn Bruno di Sano zeichnet im Stile des Cartoons. Beispiele wie Inspektor Canardo oder Natascha zeigen ähnliche Mischungen aus Ernsthaftigkeit und Komik, obwohl Di Sano hier wenig, sehr Platz für komische Darstellungen hat. Seine Konstruktionen von Charakteren sind einfach gehalten, aber stets in der Hauptsache individuell und sofort wieder erkennbar. Da es sich stellenweise um beinharte Kriminalfälle handelt, sind auch Geschichten, die Platz brauchen. Di Sano kann nicht experimentieren. Er muss seine Bilder unterbringen. Rollt die Handlung erst einmal ist ein Mord in zwei bis drei Seiten erzählt. Die Einleitung, beides tragische Geschichten für sich genommen, nehmen deutlich mehr Raum ein und tragen sehr zur Atmosphäre bei.

Ein Auftakt: Mythic und Francois Walthery lassen sich ordentlich Zeit, um diesen Fall zu entwickeln. Gleichzeitig ist es eine äußerst harte Nuss für Rubine, die es mit einem der kaltblütigsten Killer dieser Reihe zu tun bekommt. 🙂

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SPOON & WHITE 6 – XXL

Filed under: Cartoon — Michael um 9:58

SPOON & WHITE 6 - XXLSpoon ist klein und gemein. Sein Hang zu Feuerwaffen ist bei ihm ebenso stark ausgeprägt wie bei seinem Idol Dirty Harry. White, sein weitaus größerer Kollege, ist nicht weniger ungern bewaffnet, liebt insgesamt aber eleganter. Gott sei Dank, beide sind Cops. Ihr neuer Auftrag fällt zwar in die Arbeitszeit, allerdings ist der Auftrag trotzdem von einer gewissen Brisanz. Ein neues Schlankheitsmittel verspricht die Lösung für alle Übergewichtigen zu sein. Entsprechend groß ist der Andrang vor dem Kaufhaus. Die Chancen für Spoon & White, sich gegen diese Menschenmassen überhaupt durchzusetzen, sind überaus gering. Genauer gesagt: Ein Schneeball hätte bessere Chancen durch die Hölle zu kommen.

Spoon & White sind keine Aufgeber. Allen Widrigkeiten zum Trotz, stehen die Chancen auch schlecht (und sie stehen stellenweise verdammt schlecht), hängen die beiden Polizisten sich voll rein. Das mag auch an ihrem Vorgesetzten liegen, der eine eindeutige Warnung ausgesprochen hat. Man könnte es auch eine Drohung nennen. Selbst stark übergewichtig hat er sie vor die Wahl gestellt: Entweder sie schaffen die Schlankheitspillen heran oder es gibt eine Strafversetzung nach Alaska.

Jean Leturgie und Yann, Experten in Sachen Komödie im Comic, schicken die beiden recht unterschiedlichen Polizisten (außer im Bezug auf das Thema Frauen) in ein Abenteuer, das auf der Jagd nach Schlankheitspillen beginnt und im Indianerterritorium endet. Die Handlung für sich genommen ist ein typischer Funny, der dadurch noch gewinnt, wenn man als Leser in Sachen Comic und Popkultur noch ein wenig bewandert ist, insbesondere die Kenntnis einiger Filme und Schauspieler wäre sinnvoll.

Der kleine Spoon (engl.: Löffel) mit seinem Hang zur Schauspielerlegende Clint Eastwood wurde bereits erwähnt. Der Gastauftritt des mürrischen Westernhelden ist schnell entdeckt. Auch Obelix sollte Comic-Freunden zügig auffallen. Mit Jeff Bridges und John Goodman ist es schon etwas schwieriger. Spoon muss sich ausgerechnet mit der von Goodman gespielten Figur des Walter Sobchak anlegen, einem Vietnam-Veteranen, der ein noch größeres Waffenarsenal mit sich herumschleppt als der kleine Polizist.

Spoon & White bedeutet: Geschwindigkeit. Pausen sind nur zum Verschnaufen da und lockern diese noch durch Schmunzler auf. Insider-Gags lösen sich mit purer Slapstick ab. Man fühlt sich sogar an einen alten Witz erinnert, den Adriano Celentano in Gib dem Affen Zucker erzählte: Was macht ein drei Kilogramm schwerer Spatz auf einem Ast? Aber es reicht schon für ein Augenzwinkern, wenn sich Spoon mit einem übergewichtigen Mann in einem gelben Trainingsanzug anlegt, auf dessen Brust die Worte Kill Boule eingestickt sind.

Man merkt: White ist zwar auch ein Humorträger, deutlich beliebter bei den Autoren ist allerdings Spoon, der mit einer stets in die Luft gehenden Mentalität im Sinne eines Louis de Funes in Szene gesetzt wird. Simon Leturgie, der Zeichner, tobt sich mit schnellem, karikierendem Strich aus und scheint es geliebt zu haben, all die kleinen und großen Anspielungen unterzubringen. Wenn erst einmal die finale Verfolgungsjagd eingeläutet wird, bleibt kein Auge trocken.

Hier passt der Humor von Anfang bis Ende: Modern bis traditionell, von feinen humoristischen Einfällen bis hin zu äußerst rabiaten Krachern. Political Correctness sucht man hier außerdem vergeblich. Aber am Ende bekommt jeder sein Fett weg, auch Spoon & White. 🙂

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Dienstag, 11. Oktober 2011

ARAWN 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:42

ARAWN 3- Die Schlacht von Cad GoddunBran ist gewalttätig, auch brutal, immer bereit, seine Interessen mit dem Schwert zu verteidigen. Doch zuvor muss er ein Schwert haben. Natürlich kann ein Krieger, der sich zu Höherem berufen fühlt, nicht mit irgendeinem Schwert kämpfen. Die Klinge der Nacht ist ein solch besonderes Schwert, aber wer es besitzen will, darf sich nicht wundern, wenn der rechtmäßige Träger, obwohl seit langem verstorben, es verteidigt und bemüht ist, den Dieb zu töten. Bran mag zwar die Gewalt zur Lösung von Problemen vorziehen, aber er ist nicht dumm. Und so gelangt er relativ mühelos in den Besitz dieser ungewöhnlichen Waffe.

Ronan Le Breton, der Autor dieser epischen Fantasy-Handlung, lässt das Schwert alsbald in einem Kampf zum Einsatz kommen, der mit solcher Macht auf beiden Seiten ausgefochten wird, dass die wundersame Kraft notwendig ist. Denn Arawn, der die Waffe inzwischen führt, begegnet Math, ebenfalls mit einer magischen Waffe ausgerüstet. Gemeinsam bestreiten sie einen Kampf vor einer Kulisse aus riesigen, lebendig gewordenen Bäumen und sich wehrenden untoten Kriegern, die geradewegs aus der Hölle gekommen scheinen. Sebastien Grenier nutzt die lange Sequenz der Schlacht von Cad Goddun, um es so richtig krachen zu lassen.

Der Hauptzweikampf, der hier gezeigt wird und der zwei Titanen aufeinanderprallen lässt, ist beeindruckend inszeniert. Es ist ein göttliches Gemetzel mit Kraftprotzen, die beide keine Sympathie verdienen. Das gleiche Kräftemessen mündet schließlich in eine Pattsituation, während im Hintergrund ein geheimnisvoller Blutkessel seine Pläne schmiedet. Einen Kessel zu einer Ränke schmiedenden Kreatur zu machen, ist gewagt, funktioniert allerdings auf seltsame Weise. Ein großes bauchiges Gefäß, ein Hexenkessel, wuchtig, mit unheiligen Zeichen verziert, ist das Sprachrohr einer anderen Welt und eigentlich recht hilflos. Dennoch gelingt es Sebastien Grenier mit seiner naturalistisch angelegten Maltechnik, dem Kessel einen Charakter zu geben.

Mit deckenden Farben, mal sehr grob aufgetragen, mal außerordentlich fein gemalt, entstehen durch Greniers Technik Grafiken zwischen Gemälde und Feuerwerk. Es ist schwer zu entscheiden, welche Grundstimmungen hierbei besser gefallen. Denn Arawn ist gerade im dritten Teil nicht nur Schlachtengemälde, sondern besitzt auch ruhige, unheimliche sowie mysteriöse Momente. Im zweiten Teil, wenn es an dem Leser ist, sich von den Aufregungen zuvor zu verschnaufen, gelingt es Grenier mit einer schmeichelnden, manchmal auch leicht kaschierenden Technik urwüchsige Highlands auf das Papier zu zaubern. Kleinigkeiten erwecken die Ansichten zum Leben, so eine Möwe, die zwar nur klein abgebildet ist, aber außerordentlich niederträchtig wirkt.

Das gesamte Land ist ein verwunschener Traum. Es zur Gänze einen Alptraum zu nennen, wäre falsch. So hat auch dieses scheinbar von Göttern erschütterte Land seine schönen Seiten. Doch allzu viele Sümpfe, Klippen, Abgründe und Nebel beherrschen dieses Land, an dessen Küsten sich die Wellen bedrohlich brechen. Kurzum: Die Atmosphäre ist mit hoher Intensität phantastisch gut eingefangen.

Schwermetall: Immer noch und noch besser. Die Figuren sind von Le Breton ausgezeichnet charakterisiert und trotz einer Vielzahl von Auseinandersetzungen bleibt genügend Zeit, diese auszubauen. Grenier etabliert sich als Künstler für barbarische Stimmungen. Für Fans harter und dunkler Fantasy perfekt. 🙂

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Montag, 10. Oktober 2011

GIPSY 1 – Der Stern des Zigeuners

Filed under: SciFi — Michael um 18:58

GIPSY 1 - Der Stern des ZigeunersTsagoi ist nicht gern gesehen. Aber Tsagoi ist charakterstark, denn er ist nirgends so recht gern gesehen. Die Fahrer der Lastwagen machen sich das Leben gegenseitig so schwer es eben geht. Nur Tsagoi wollen sie es noch ein wenig schwerer machen. Sicher, für Tsagoi geht es einmal mehr um Leben und Tod, doch da kennt er bereits seit frühester Jugend. Irgend so ein Großmaul mit abgerichteten Hunden macht ihm auch keine Angst. Allerdings weiß Tsagoi auch, wann es besser ist, die Beine unter den Arm zu nehmen. Dies macht umso mehr Sinn, wenn es gilt, die kleine Schwester, die das harte Truckerleben überhaupt nicht kennt, nicht nur sprichwörtlich aus der Schussbahn zu holen.

1992 glaubte man noch, das Ozonloch werde einmal die Bedrohung für die Menschheit sein. In Gipsy wurde dieser Faden weitergesponnen. Längst ist das Ozonloch gigantisch. Die Folge: Flugverkehr findet so gut wie keiner mehr statt. Lastkraftwagen haben den Transportverkehr erobert. Eine der gefährlichsten Routen, Hauptadern könnte man sagen, ist die C3C, die Circumpolar 3 Continental. Diese hat besonders schwierige Abschnitte, hoch oben im Norden gelegen. Die Routen führen durch das ewige Eis, werden stellenwesie von Banditen belagert und sind doch heiß umkämpft, denn je höher die Gefahr, desto größer der Ertrag.

Thierry Smolderen beschreibt einen abenteuerlichen Auftakt, indem er dem Leser gleich zwei Charaktere vorstellt: Tsagoi ist bereits als Junge knallhart, lässt sich nichts bieten und ist nicht zimperlich in der Wahl der Mittel. Oblivia, die kleine Schwester, für die er eine Verantwortung verspürt, die als ehrlich, aber auch mürrisch, zerknirscht beschrieben werden kann. Während Tsagoi auf der Straße seinen Weg geht, wächst Oblivia in einem Internat heran. In dieser sauberen Umgebung, die Tsagoi seiner Schwester gewünscht hat, fernab des wahren, schlechten Lebens, unterliegt Oblivia einer Täuschung. Ihre Herkunft wird sie den anderen immer entfremden, deren Nasen noch höher getragen werden als jene von Oblivia, die sich über die üblen Manieren und das Macho-Gehabe des großen Bruders sehr aufregt.

Aus dem Jungen ist ein Mann geworden, der sich noch weniger bieten lässt, da jede Herausforderung für ihn mit dem Tode enden kann. Aus Tsagois Leben ist ein Spiel um Alles oder Nichts geworden. Die Schilderungen von Thierry Smolderen sind von der ersten Seite an höchst intensiv und mitreißend. Die sechsteilige Geschichte bedient sich nicht nur einer asiatisch anmutenden Grafik, sie verwendet auch jene außergewöhnliche Erzähltechnik, die kaum Zeit zum Luftholen lässt.

Bevor sich Zeichner Enrico Marini historischen Themen widmete (Der Skorpion), Die Adler Roms), arbeitete er stilistisch in einer Form, die Fans von Mangas, besser noch von Katsuhiro Otomo (Akira) sehr bekannt finden werden. Marini verwendet selbstverständlich die westliche Leserichtung, aber darüber hinaus könnte er ein Schüler von Katsuhiro Otomo gewesen sein. Zweifellos aber ist er ein Freund dieser künstlerischen Comic-Ausrichtung. Das Titelbild ist hier etwas feiner ausgearbeitet als die eigentlichen Comic-Seiten, hat er hier eine Technik gewählt die deutlich gemäldeartiger ist.

Im Innenteil jedoch wird Wert auf optische Geschwindigkeit gelegt. Dies betrifft nicht nur einen manchmal schnell wirkenden, skizzenartigen Stil, wie er von Mangas sattsam bekannt ist, auch entsprechende Kameraeinstellungen finden sich. Der Blick ist entweder nahe dabei oder befindet sich im Schlepptau eines Objekts. Das können angreifende Hunde sein oder auch, weitaus häufiger, Lastkraftwagen, die sich in bester Mad-Max-Manier harte Rennen liefern, bei dem nicht nur die Fahrzeuge auf der Strecke bleiben.

Die Jagd beginnt: Waffen für Sibirien. In der politischen Ordnung der von Smolderen beschriebenen Welt hat sich einiges getan. Das mutet seltsam an, aber es ist auch nicht so verrückt, dass es vom Standpunkt der 90er Jahre nicht ins Auge zu fassen wäre. Die Verfolgungsjagd durch das inzwischen ewige Eis ist nicht einmal der Wahnwitz an dieser Jagd. Hatte das Wagenrennen einen gewissen Anklang von Mad Max, kommt mit dem Auftauchen mongolischer Wegelagerer echte Heavy-Metal-Stimmung auf. Zu diesem Zeitpunkt heißt es dann nur noch: Anschnallen!

Ein Knaller! Stellt sich eigentlich nur die Frage: Warum erst jetzt? Der erste Teil von Gipsy hat alles, was einen guten Action-Knaller im Comic ausmacht, gekrönt von einem zwar knallharten, aber auch rotzfrechen und irgendwie liebenswerten Helden. Klasse! 🙂

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Samstag, 08. Oktober 2011

OKKO 3 – Das Buch der Luft

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:50

OKKO 3 - Das Buch der LuftDer Junge verbrachte in der Vergangenheit Zeit mit seinem Vater auf einer Brücke. Der Junge ließ Drachen steigen und der Vater tat, was Wegelagerer eben so tun. Allerdings tun sie dies auch nur so lange, bis sie auf jemanden treffen, der das Schwert besser beherrscht als sie. Viele Jahre wartet der Junge auf die Rückkehr des fremden Kriegers. Er wird erwachsen. Nichts lässt darauf schließen, dass sich der Wunsch des zum Manne gereiften Magato jemals erfüllen wird. Doch das Leben beschreitet seltsame Weg und eines Tages verschlägt es den Ronin, den herrenlosen Krieger, Okko und seine Gefährten erneut in jene Gegend. Magato scheint am Ziel zu sein, gäbe es nicht noch einen anderen Kämpfer, der zuvor einen Kampf mit Okko auszufechten hat.

Obwohl es sich um den dritten Band der Reihe handelt, die Figuren bereits eingeführt sind, ist keine Vorkenntnis für Neuleser erforderlich. Hub, Zeichner und Autor, hat die Handlung wie einen Neueinstieg angelegt. Es beginnt als Geschichte über eine lang erwartete Rache und mündet in einen Kampf gegen einen bösen Geist. Damit könnte die Handlung gut ausgefüllt sein und Hub hätte sicherlich auch seine Leserschaft erreicht, doch entpuppt sich dieser Aufbau nur als Vorgeplänkel zur Verteidigung eines Freundes. Gegen jede Chance stellt sich Okko einem Gegner, den er nicht mit der gewohnten Beiläufigkeit bekämpfen kann.

Okko: Im Kaiserreich Pajan angesiedelt dürften sich zunächst Leser in dieser Geschichte gut aufgehoben fühlen, die fernöstlich anmutende Fantasy-Abenteuer mögen und auch die leiseren Zwischentöne einer solchen Handlung mitnehmen. Denn gerade der dritte Band der Reihe, Das Buch der Luft, besticht in der ersten Hälfte durch phantastische Eindrücke, die ein wenig an moderne Gruselstreifen erinnern, die aber letztlich auf einen Poltergeist zurückgehen. Auch Besessenheit ist ein Thema, Geister komplettieren die Show. Letztlich geht die Handlung von der Enge, dem Palast, in die Weite, in einen geradezu episch angelegten Kampfe, der sozusagen über zwei Runden geht. Dann kann selbst die Natur nicht mehr zurückstehen und glänzt mit grandiosen Aussichten.

Hub, Szenarist und Zeichner (im Bereich Storyboard verstärkt durch Emmanuel Michalak, bei Farben durch Li), lässt seiner Titelfigur Okko nicht die alleinige Aufmerksamkeit zukommen. Der herrenlose Krieger mit dem kantigen Kinn, der mürrischen Miene definiert sich auch durch seine Freunde, die ebenfalls charakterstark sind und keinesfalls als strahlende Helden auftreten. Hier folgen sie Okko, der wie seine Gefährten respektiert wird, sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Grafisch sieht das ganz anders aus.

Ein Merkmal der Bilder von Hub ist ihr besonders feiner Aufbau. Die Striche sind grundsätzlich sehr dünn ausgeführt, fast etwas karikierend. Zugleich ist es eine Comic-Variante asiatischer Tuschezeichnungen in Kombination mit Bewegungsdarstellungen, wie sie aus dem Manga her bekannt sind. Daraus entsteht ein sehr eigener, eingängiger Stil, der hier auch durch seinen farblichen Ausdruck (passend zur Handlung) mitunter sehr düster, unheimlich ausfällt. Die Stimmung baut sich langsam auf, verdichtet sich in Okkos Kampf. Hier findet sich eine Tendenz, die atmosphärisch an langsam und bedächtig erzählte Western eines Sergio Leone erinnern. Okkos Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Feind wird von Hub regelrecht zelebriert und mit einem mythischen Anstrich versehen.

Eastern trifft Western trifft asiatisches Gruselflair: Der dritte Teil von Okko weiß mit unterschiedlichen Stilmitteln zu spielen und verbindet diese zu einer Mixtur, die den Leser besonders in der zweiten Hälfte des Bandes packend zu binden versteht. Optisch in gewohnter Perfektion und ganz eigenem Strich ausgeführt, bietet der dritte Band der Reihe sehr gute Unterhaltung, nicht nur für jene, die sich für asiatische Ritterabenteuer interessieren. 🙂

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Montag, 03. Oktober 2011

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 7

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:47

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 7 - Das geheimnisvolle GeschwaderAzraf, der kleine Flieger, der sich in der Staffel von Tanguy und Laverdure seine Flügel verdiente, ist inzwischen Emir eines Wüstenstaates. Die Freunde haben sich aus den Augen verloren. Als das Schicksal von Azrafs Herrschaft auf des Messers Schneide steht, erfüllt Frankreich einen geheimen Beistandspakt und schickt die beiden Toppiloten in den Nahen Osten. Ausgerüstet mit zwei modernen Mirage fliegen Tanguy und Laverdure los und leisten Geleitschutz für eine Passagiermaschine, die französische Staatsbürger aus dem in einen Bürgerkrieg versunkenen Staat herausbringen soll.

Die Rebellen verfügen über Jagdmaschinen, altmodische zwar, doch haben die regulären Streitkräfte keinerlei Luftwaffe entgegenzusetzen. Ohnmächtig müssen Tanguy und Laverdure die Angriffe aus der Luft mitansehen. Schließlich lassen sie alle Diplomatie und alle Befehle fahren und mischen sich ein.

Nach einer kürzeren Geschichte, Die Wüstenspione, bleiben die Helden in der Wüste. In Mission Letzte Chance und Die verschollene DC-8 können die von Jean-Michel Charlier (Autor) und Jije (Zeichner) betreuten Helden eher selten auf ihre Mirage-Jagdmaschinen zurückgreifen. Am Boden, in einer ungewohnten Propellermaschine (eine DO-28) geraten die beiden Piloten in Situationen, denen sie zunächst ausgesetzt sind, ohne wirklich eingreifen zu können. Später dann helfen nur List und Tücke gegen einen Feind, der sich nicht scheut, Geiseln zu nehmen und diese als Druckmittel einzusetzen.

Jean-Michel Charlier, einer der versiertesten Comic-Autoren, jagt die beiden Helden durch einen regelrechten Parcours. Hier ist alles vertreten, was Action-Freunde später in Kinofilmen, in Romanen oder Fernsehserien erleben durften. Die Realität hat die Handlung längst eingeholt, nicht in allen Einzelheiten, versteht sich. Jije, der den ursprünglichen Zeichner Albert Uderzo als Stammzeichner bereits seit einigen Ausgaben abgelöst hat, schwingt den Tuschestrich teilweise sehr intuitiv, man könnte auch sagen, etwas nachlässig. Die schnelle Skizze gehört durchaus zu Jijes Ausdruck und es wäre auch nicht weiter erwähnenswert, würde nicht ein auffälliger Stilwechsel in der nachfolgenden Geschichte stattfinden.

Das geheimnisvolle Geschwader, hier auch titelgebend für den gesamten Sammelband, erinnert im Strich mehr an Victor Hubinon und dessen Nachfolgezeichner Francis Bergese für die Reihe Buck Danny. Charlier, der auch an dieser Fliegerserie beteiligt war (allerdings über amerikanische Flieger, nicht französische), nutzt das dritte Albenabenteuer in diesem Band auch als Auftakt eines weiteren Mehrteilers. Nach einer hohen Ernsthaftigkeit des letzten Abenteuers ist erst einmal wieder der Humor Trumpf. Natürlich muss Laverdure dazu an die Front, die Front der Liebe nämlich. Hier präsentiert sich beste französische Komödie, ein wenig albern vielleicht, wie es ältere Leser von einem Louis de Funes her kennen.

Nachdem in letzter Instanz nicht geklärt werden kann, wie viele Frauen sich nun als Verlobte von Laverdure bezeichnen, wird es wieder handfester und der Strich, wie bereits angedeutet, anders. Jije zeichnet deutlich genauer und feiner, etwas puppiger, idealisierter. Der Leser darf in einer kleinen Episode Laverdure als Staubsaugervertreter bewundern, bevor die beiden aus der französischen Armee entlassenen Helden einen neuen Job finden, der ihren Fähigkeiten angemessen ist. Charlier baut die Geschichte um die neue Festanstellung bei einer obskuren Fluggesellschaft geheimnisvoll auf, im Stile eines Thrillers, mit Söldnern, Verschwörungsanklängen, bevor es wieder hinüber nach Afrika geht.

Eine kurzweilige Kurzgeschichte, ein sehr spannendes Abenteuer mit reichlich Action über zwei Alben gespannt und ein Auftakt mit leiseren Takten im dritten hier versammelten Album. Charlier wusste genau, wie der Leser mitgerissen werden kann. Und Jije kann, ganz gleich wie er stilistisch arbeitet, in jedem Abenteuer die Handlung mit cineastischem Auge einfangen. 🙂

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