Dienstag, 14. August 2007
Er ist ein Mörder. Töten ist sein Beruf. Er geht ohne Mitleid ans Werk. Trotzdem gibt es diesen Alptraum. Sie beobachten ihn. Sie sehen, wie er tötet. Beobachtet zu werden, wie er arbeitet, ist für ihn furchtbar. Nun ist er an Bord eines Raumschiffs. – Aber er ist nicht der einzige Killer an Bord.
Das Ungeheuer an Bord ist nicht menschlich, und es ist riesig. Niemand hat es genau gesehen, aber alle wissen, was es ausrichten kann. Frank will es wissen. Alleine – denn alleine kann er am meisten ausrichten – macht er sich auf die Suche. Er so oft getötet, warum nicht auch ein Monster?
Sie greifen an! Mein Gott! Sie greifen an. Sie sind überall!
So schnell wie der Kampf begann, endet er auch. Charlie weckt seinen Vater, damit dieser eine Runde Baseball mit ihm spielt. Baseball ist harmlos, gäbe es nicht die Nachbarn, die sich über eine harmlose Runde Baseball aufregen und sich plötzlich in eine monströse Kreatur verwandeln und den eigenen Sohn bedrohen. Wieder wacht er in seiner Pilotenliege auf. Hat er geträumt? Und falls ja, wie kann ihm solch ein Traum einfallen?
Das Pärchen nähert sich dem abgestürzten Fluggerät. Sie hat furchtbare Angst, aber er will unbedingt sehen, was sich im Inneren verbirgt.
Und tatsächlich: Ein riesenhafter außerirdischer Pilot liegt regungslos vor den Steuereinheiten. Zuerst gibt es ein Missverständnis. Obwohl er von humanoider Gestalt ist, scheint er kein richtiges Gesicht zu besitzen. Eine Untersuchung führt ein anderes Ergebnis zutage. Ein spinnenartiges Wesen hatte sich auf dem Gesicht des Fremden festgesaugt. Nun scheint es tot zu sein und lässt sich ohne Gegenwehr abheben. Allerdings ist das wirkliche Antlitz des Besuchers nicht weniger furchteinflößend. Da geschieht das Unfassbare!
Die Flucht aus dem infizierten Raumschiff scheint die einzige vernünftige Lösung zu sein. Leider ist das Kapitän des Schiffes nicht mehr Herr seiner Sinne. Der Gehilfe, dem er erlaubt ihn zu begleiten, wird sich bald der Tatsache bewusst, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann er selbst zum Ziel des Wahnsinnigen wird. Die Lage verbessert sich nicht durch die lebensfeindliche Umgebung, in der sie nach ihrem Absturz gestrandet sind.
Die vier Geschichten im vorliegenden ersten Band der neuen Aliens-Reihe nehmen den Leser mit auf einen Horrortrip durch sehr unterschiedliche Szenarios von einigen der bekanntesten Autoren und Zeichnern der Comic-Szene. David Lloyd (V wie Vendetta, Kickback), Guy Davis (B.U.A.P.), John Byrne (Die Fantastischen Vier), Mike Mignola (Hellboy) und Dave Gibbons (Watchmen) nahmen die Gelegenheit wahr, um sich im Universum der Filmmonster nach einem Design von H.R. Giger zu verewigen.
Bis auf die fast schon nostalgisch zu nennende Geschichte von John Byrne hat es alle anderen Szenarien in die Zukunft verschlagen. Es kann in diesem Band nur persönliche Favoriten geben, denn jede Geschichte für sich selbst genommen, kann begeistern und ist gemäß ihrer Länge für eine gehörige Portion Spannung gut.
Earth Angel ist wegen ihres nostalgischen Ausflugs in die goldenen Horror-40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ein tolles Kleinod. Byrne zeigt die Bergung eines Außerirdischen aus seinem abgestürzten Raumschiff und hält sich nicht lange mit Erklärungsversuchen auf. Die Aliens sind da und gehen bald auf Jagd. Gemäß des ungeschriebenen Gesetzes, dass Aliens auch stets ein Stück ihres Aussehens aus ihrem Wirt beziehen, hat dieses ganz besondere Alien auch eine ungewöhnliche Stirnpartie. Der Außerirdische konnte sich leider nicht mehr sehr gut artikulieren, bevor das Alien-Jungtier seinen Brutkasten verließ. Damit nicht genug. Diese neue Alien-Gattung ist riesig im Vergleich zu ihren filmischen Vorbildern (von einer Königin einmal abgesehen). Sein Körperbau ist langgliedrig, spinnenhaft. Byrne lässt es aus der Deckung heraus angreifen, in einen plötzlichen Lichtstrahl getaucht, ganz so in der Art, wie der Leser es vielleicht einst in der ersten Verfilmung von Ridley Scott kennen lernte.
Erlösung ist für den Überlebenden der Absturzkatastrophe scheinbar in weite Ferne gerückt. Gibbons gönnt seinem Kämpfer gegen die Monster nicht einmal eine gewohnte Umgebung, sondern lässt ihn auf einem unwirtlichen Planeten stranden. Allein mit sich und seinem Glauben kommt er in Etappen hinter das Geheimnis dieses Absturzes. Mike Mignolas Bilder erschaffen eine fremdartige Welt in düsterem Schwarzweiß. Wie er seine Technik nutzt, um die Aliens in Szene zu setzen, hat schon Storyboard-Charakter. Drastisch führen die beiden Macher dem Leser die Erbarmungslosigkeit der Aliens vor Augen. Der Überfall der Aliens auf die ansässigen Ureinwohner ist blanker Horror, die abschließende Szene ist äußerst rasant – und sehr schlüssig. Gibbons und Mignola haben eine der rundesten Geschichten dieses Bandes geschrieben und gezeichnet.
Ebenso wenig wie die beiden Comic-Autoren so gönnt auch David Lloyd seinem Protagonisten in Glaskorridor nichts. Ein Killer hat keine Gnade zu erwarten. So gesehen, ist die Geschichte ein wenig vorhersehbar, aber dafür nicht weniger spannend, da man nicht erahnen kann, wie es passieren wird. Mit dieser Frage schafft es Lloyd, den Leser bis zum Ende zu fesseln – und er festigt mit dieser Geschichte einmal mehr seine Qualitäten als Schwarzweiß-Zeichner.
Einen puren Albtraum hat Guy Davis inszeniert, anders lässt es sich wirklich nicht nennen. Koloriert, wie in B.U.A.P., hat Davis einen vortrefflichen Stil gefunden. In Schwarzweiß und im direkten Vergleich zu Lloyd oder Mignola kann sein skizzenhafter Stil vielleicht nicht jedem Comic-Fan schnell gefallen. Hierbei muss jedoch beachtet werden, wie Davis seine Technik einsetzt und beinahe etwas von einer Gerichtszeichnung hat. Diese Momentaufnahmen des Horrors schaffen es auf ihre besondere Art eine besonders dichte Gruselatmosphäre aufzubauen.
Vier sehr unterschiedliche Geschichten, unter denen für jeden Horror- und SciFi-Fan etwas dabei sein dürfte. Fans der Aliens werden mit diesem Nachschub an spannenden Handlungen etwas weniger ungeduldig auf die nächste Verfilmung warten können. 😀
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Auf der Buchmesse in Frankfurt a.M. wird auch der Splitter-Verlag mit seinem Programm vertreten sein. Vom 10. bis zum 14. Oktober wird Splitter am Stand 826 (im Comic-Zentrum) in Gang H in Halle 3.0 vertreten sein.
Mit dabei: Kai Meyer, Yann Krehl, Ralf Schlüter, Dirk Schulz , Horst Gotta, Robert Feldhoff
Geplant sind die Vorstellungen neuer Projekte, Previews kommender Erscheinungen. Spezielle Leseproben werden von den Künstlern eigens signiert.
Mehr unter www.buchmesse.de
Quelle: Splitter Newsletter
Vom 7. September bis zum 9. September werden deutsche Stars aus der Manga-Szene auf der Connichi in Kassel mit Signierstunden vertreten sein: Alexandra Völker (Catwalk), Diana Liesaus (Musouka) und DuO (Indépendent).
Sie sind am Stand der EMA, Kongress Palais Kassel – Stadthalle, Friedrich-Ebert-Str. 152, 34119 Kassel.
Die Daten im Einzelnen:
Alexandra Völker:
Freitag, 07.09.2007, 14-16 Uhr und 17-19 Uhr
Samstag, 08.09.2007, 11-13 Uhr und 15-17 Uhr
Sonntag, 09.09.2007, 11-13 Uhr
Diana Liesaus:
Samstag, 08.09.2007, 11-13 Uhr und 15-17 Uhr
Sonntag, 09.09.2007, 11-13 Uhr
DuO:
Freitag, 07.09.2007, 18-19 Uhr
Samstag, 08.09.2007, 11-13 Uhr und 15-17 Uhr
Quelle: EMA Presseinformation
Freitag, 10. August 2007
In regnerischer Nacht bahnen sich zwei Männer, eine Frau und zwei Suchhunde ihren Weg durch das Unterholz. Ein Mädchen ist aus dem Ferienlager verschwunden. Sie müssen sich beeilen, denn sollte das Kind verschwunden bleiben, droht ihrem weiteren Plan eine Katastrophe.
Die drei haben großes Glück. Die Spur führt sie zu einem älteren Mann, der sie bereits mit vorgehaltener Waffe erwartet. Er und seine Frau haben das Kind zufällig gefunden und in die Sicherheit ihrer Waldhütte gebracht. Ein Anruf der kleinen Wendy bei ihren Eltern lässt auch zu Hause in weiter Ferne die Sorgen vergehen – so hat es jedenfalls den Anschein.
In Chicago hat ein ziemlich bekannter weiblicher Cop einen Termin, der ihr nicht besonders gefällt. Der Polizeidienst kann sehr stressig sein, doch bei der psychologischen Aufsicht der Polizei ist man der Ansicht, dass Rubine noch mehr Ärger durch den Dienst hat. Als Frau ist sie zusätzlichem Beschuss ausgesetzt – echtem Beschuss ebenso wie Ärger durch Kollegen. Die Psychologin glaubt, mit ihrer Analyse richtig zu liegen. Allerdings bleibt Rubine stets Herrin der Lage, wie sie wenig später unter Beweis stellen kann. Große wie kleine Gangster scheinen in der langbeinigen gut gebauten Rothaarigen keine Gefahr zu sehen, weshalb der Überraschungseffekt stets auf ihrer Seite ist.
Trotzdem: Die Anordnung lautet Urlaub. Kurz darauf findet sich Rubine in ihrem Heimatort fernab der Großstadt wieder, inmitten ihrer lieben Eltern und kurz vor ihrem nächsten Fall.
In Beau Vallon, Rubines Geburtsort, wird soeben ein Fall vor Gericht verhandelt, der landesweites Interesse hervorgerufen hat. Der Tabakfabrikant Morton Hugues wird von mehreren Witwen angeklagt, deren Männer Raucher waren. Bisher scheint Hugues viel Glück zu haben. Die Zeugenaussagen langweilen die Jury eher und nützen der Anklage nicht viel. Aber etwas stimmt nicht. Hugues scheint sich nicht mit einem fairen Prozess abfinden zu wollen und hat eigene Maßnahmen getroffen.
Für Rubine werden es in ihrem 7. Fall Gefährliche Ferien, denn ein Cop ist niemals außer Dienst. Sehr bald nach ihrer Ankunft ist sie wieder mitten drin, dabei hat sie tatsächlich versucht, sich aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Der Prozess, in dessen Jury viele Bekannte von ihr zu finden sind, mag zwar Aufsehen erregen, doch wirklich interessant wirkt er auf sie nicht.
Der Ausgangspunkt, den Francois Walthéry (Zeichner) und Mythic (Autor) hier gewählt haben, ist erst nach einiger Eingewöhnung und Prominenz einer Figur möglich. Die Leser konnten Rubine in den vorhergehenden Abenteuern gut kennenlernen, aber auch die Macher selbst konnten enger mit ihrem eigens erfundenen Charakter verwachsen.
So ist die sehr entspannte Erzählweise des vorliegenden Bandes erklärbar. Rubines Charakteristika sind schnell in zwei Schlüsselszenen erläutert. Besonders einprägsam ist die Szene in der Imbiss-Bar. Fans einschlägiger Filme (hier besonders: Dirty Harry) werden schöne Vergleiche anstellen können. Rubine ist mindestens ebenso cool wie ihr filmisches Vorbild.
Grafisch hat sich etwas getan. Im Vergleich zur ersten Ausgabe sind die Zeichnungen viel feiner geworden. Machten die Bilder in Hackerjagd einen etwas groben Eindruck, ist es in der vorliegenden Ausgabe eher zerbrechlich. Beide Zeichenstile, obwohl vom gleichen Team mit Dragan de Lazare als Co-Zeichner, haben sicherlich ihre Berechtigung. Die vorliegende Arbeit gefällt mir allerdings besser.
Die neuen Charaktere, denen Rubine in ihrer Heimat begegnet, sehen mehr aus wie sehr gelungene Karikaturen. Das beginnt bei dem älteren Ehepaar, das in den Wäldern lebt, und endet bei dem Industriellen und seinem Sicherheitsbeauftragten. Besonders letzterer könnte James Coburn als Vorlage gehabt haben.
Die Art und Weise dieser grafischen Darstellung erinnert an Ausgaben von Asterix oder Lucky Luke, in denen auch bekannte Gesichter ihren Gastauftritt hatten. Es wäre also nicht ungewöhnlich, wenn auch Walthéry und Mythic (alias Smit Le Bénédicte) diesen Weg beschritten.
Rubine erscheint in dieser Folge sehr sympathisch. Der Wandel, zu dem sie gezwungen ist, trägt sehr zur Handlung bei. Ihre Mutter weiß nichts von ihrem wahren Beruf. Für sie arbeitet ihre Tochter in der Werbung und nicht in der gefährlichen Welt der Verbrechensbekämpfung. Rubine macht in einem Kleid eine völlig andere Figur, was sie nicht daran hindert, ihre Berufung auszuüben. Die kleinen Szenen am Rande – so trifft Rubine eine alte Jugendliebe wieder – lassen eine sehr dichte Handlung entstehen, die man als Leser von einem Cartoon-Krimi vielleicht nicht erwartet hätte.
Spaß und Spannung in schöner Cartoon-Kultur. Rubine hat sich gemausert! Die vielfältige Geschichte lässt keine Unterhaltungswünsche offen. 🙂
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Die Nachricht vom Tode des Imperators hat bei einigen Sternsystemen, die sich dem Joch des Imperiums unterworfen hatten, offene Revolten ausgelöst. Auch wichtige Systeme, die zur Produktion des militärischen Nachschubs dienen, gehören dazu. Die Diener des Herrschers unternehmen alles, um die rebellischen Planeten wieder zu unterwerfen.
Auf dem Planeten Balmorra ist man allerdings zuversichtlich, mit jedem Angriff der imperialen Streitkräfte fertig zu werden. Schließlich wurden hier wichtige militärische Neuentwicklungen entworfen und hergestellt. Genau zu dem Zeitpunkt, als die Angriffsstreitkräfte aus dem Hyperraum treten, stehen neueste Kampfdroiden zur Abwehr jedes Bodenangriffs bereit.
Diejenigen, die sich mit dem Tod des Imperators zufrieden geben, haben sich jedoch zu früh gefreut. Vollstrecker Sedriss, die rechte Hand des Imperators, ist weiterhin darauf bedacht, den Willen seines Herren erbarmungslos durchzusetzen. Auf dem Planeten Balmorra jedoch holt er sich eine blutige Nase. Die neueste Entwicklung aus den ansässigen Fabriken ist den angreifenden Truppen der Imperialen weit überlegen und fegt sie hinweg.
Sedriss muss sich fügen und erzielt so einen Teilerfolg. Zurück im Zentrum der imperialen Macht erlebt er, wie einige frühere Anhänger des Imperators die letzten verbliebenen Klone Palpatines vernichten. Das Ende des Imperiums scheint besiegelt. Doch es wartet noch eine Überraschung auf Sedriss.
Luke Skywalker ist nach dem Ableben des Imperators nicht untätig gewesen. Als letzter Jedi-Meister hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den alten Orden neu erstehen zu lassen. Mit Kam Sollusar findet er nicht nur einen Jedi, sondern auch einen starken neuen Verbündeten an seiner Seite. Die Suche geht weiter. Einen Hinweis liefert das Jedi-Holocron, das Luke dem Imperator abgenommen hat. Zu den Hochzeiten der Jedi-Kultur war der Planet Ossus ein kulturelles Zentrum des Ordens. In den Ruinen, die der längst vergangene Krieg gegen die Sith übrig gelassen hat, wollen sie nach Anzeichen weiterer Jedi oder potentieller Anwärter suchen. Bereits kurz nach der Landung auf Ossus geraten sie in Schwierigkeiten, die sie sich auf diesem verlassenen Planeten niemals hätten träumen lassen.
Star Wars Essentials greift mit seiner zweiten Folge den Klassiker um Das dunkle Imperium wieder auf. Die Fortsetzung wurde von Tom Veitch geschrieben und wieder von Cam Kennedy gezeichnet. Mit Emperor’s End findet sich außerdem der tatsächliche Abschluss der Geschichte, der von Jim Baikie gestaltet wurde.
Tom Veitch wusste damals einiges noch nicht, was Star Wars Fans heute wissen und was dank gut strukturierter Erzählstränge Eingang in das Universum des George Lucas gefunden hat. Daraus ergeben sich kleine Fehltritte, über die man auch als Fan eher hinwegsehen kann. Als Beispiel mögen die Rekrutierungen der Jedi und Dunklen Jedi dienen, die hier ziemlich schnell erfolgen. Eine genauere Unterweisung, besonders bei den Sith, scheint nicht nötig zu sein.
Cam Kennedys Figuren zeichnen sich durch sehr kantige Züge aus, Frauen wie Männer. Seine außerirdischen Gestalten haben manchmal einen gruseligen Zug. Ein Blick auf die alte Jedi, die Leia aufspüren will, bestätigt diese Ansicht. Vima hat etwas zombiehaftes. Ein Vergleich mit aktuellen Produktionen des Genres bestätigt das. Die markanten Züge, die er seinen Helden angedeihen lässt, machen sie schnell unverwechselbar. Er hält sich nicht lange mit Ähnlichkeiten zu den tatsächlichen Schauspielern der ersten verfilmten Trilogie auf. Sicherlich ist die Anlehnung offensichtlich, aber er übertreibt es nicht. Kennedy drückt den Figuren seinen eigenen Stempel auf – vollkommen zu Recht. Immerhin ist der Krieg der Sterne fortgeschritten in dieser Phase. Die Zwillinge von Han und Leia sind bereits auf der Welt, Leia ist außerdem hochschwanger – ein interessanter Aspekt sie in dieser Form, im wahrsten Sinne des Wortes, agieren zu lassen. Das gibt der Jagd des Imperators auf die Jedi-Kinder eine zusätzliche Dramatik.
Kennedy scheint sich so richtig austoben zu können, wenn es um die Gestaltung von Technik und Ausstattung geht. Die verschiedenen Raumschiffklassen, die besonders eckig geraten sind, mögen noch relativ einfach zu zeichnen sein. Bei Schiffen wie dem Millennium Falcon oder der Slave One mit ihren sehr ungewöhnlichen Formen ist es weitaus schwieriger.
In beiden Fällen behilft sich Kennedy mit geschickt verwendeten Schattierungen. Das macht es nicht viel einfacher, verhilft aber zusätzlich zu wunderbar realistisch anmutenden Effekten. Sicherlich ist Kennedy ein Künstler, der auch in reinem Schwarzweiß wunderbare Bilder schaffen könnte.
Interessant – nicht nur für Star Wars Fans – sind bestimmt auch die sehr unterschiedlichen technischen Entwicklungen. Die neuen Kampfdroiden, die zuerst von abtrünnigen imperialen Kräften, später von den Rebellen selbst eingesetzt werden, haben etwas krabbenartiges, monströses, tierisches. So gesehen, wird die Tradition der Kampfläufer fortgesetzt, aber auch noch einmal getoppt. Auf imperialer Seite beeindruckt natürlich die neue Superwaffe.
Wunderbar. Wieso ist uns das nicht viel früher eingefallen? So der Kommentar des Imperators zur Technik seines neuen Galaxisgeschützes. Die Frage ist berechtigt. Wie wirksam dieses Ungetüm von Waffe ist, zeigt sich bald auf unheilvolle –grafisch beeindruckend gelöste – Weise.
Die Kolorierung fällt wie im ersten Teil des Dunklen Imperiums in einer beinahe abstrakten Aquarelltechnik aus. In Emperor’s End soll diese Optik weitergeführt werden, doch Jim Baikie gelingt es nicht zur Gänze. Es ist zweifellos schön und man könnte sich wünschen, dass so manches Album in diesem Stil und mit diesen Fertigkeiten gestaltet wäre, doch mit der Eleganz von Kennedy kann Baikie nicht mithalten.
Ein Blick zurück zu einer der gelungensten Star Wars Veröffentlichungen: Wer die zweite Folge von Das dunkle Imperium verpasst hat, kann sich diesen Klassiker bedenkenlos zulegen. Optisch kann sich die Arbeit von Kennedy immer noch mit aktuellen Comics messen. 😀
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Dienstag, 07. August 2007
Der Imperator betrachtet die Oberfläche des Planeten Coruscant, der ihm nun untertan ist. Leise gesellt sich Lord Vader zu ihm. Die Tatsache, dass Sklaven für das neue Imperium arbeiten, nagt an ihm. Ein kleiner Teil, die Erinnerung an Anakin Skywalker, hat nicht vergessen, dass er selbst einst ein Sklave war.
Der Imperator gibt sich nicht die größte Mühe, seine Bedenken zu zerstreuen. Die Halbherzigkeit nützt am Ende auch nicht viel. Einsam bleibt Vader mit seinen Gedanken zurück.
Dass Jennir befindet sich mit seinem Freund und Kampfgefährten Bomo Greenbark weiterhin auf der Flucht. Sie haben Unterschlupf auf einem Raumfrachter gefunden, auf dem sich viele Individuen verschiedenster Rassen befinden, die sich so weit wie möglich von den imperialen Streitkräften entfernen möchten. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft allerdings eine große Lücke. Bomo hat es sich in den Kopf gesetzt, seine Familie, die von den imperialen Truppen verschleppt wurde, zu befreien. Mit allem Nachdruck versucht er seine Pläne bei den anderen Schiffkameraden durchzusetzen.
Der Plan ist gefährlich, dennoch machen sich die Zufallsgefährten auf den halsbrecherischen Weg in das Handelszentrum für Sklaven auf dem Planeten Orvax.
Wer andere verrät, verrät nur sich selbst.
Diese letzten Worte halten Anakin Skywalker nicht auf. Der tödliche Schlag mit dem Lichtschwert folgt ohne Gnade. Jahre später, sind die Kämpfe, die auf diesen verhängnisvollen Tag folgten, immer noch nicht abgeflaut. Unaufhaltsam nähern sich die gewaltigen Kampffahrzeuge des Imperiums den ungenügenden Sperren der Aufständischen. Die Räder der riesigen Kampfmaschine sind das letzte, was Wyl Tarson sieht, bevor sich seine Welt verändert.
Jetzt ist Tarson auf der Flucht und irgendetwas läuft verdammt falsch. Was ist geschehen? Was haben diese Bilder zu bedeuten, die sich in seine Träume und Erinnerungen schleichen? Je mehr Zeit vergeht, umso tiefer schlittert Tarson in einen Auftrag, der zum gefährlichsten und seltsamsten seines Lebens wird.
In Ausgabe Star Wars 63 ist die lang ersehnte Fortsetzung von Dark Times zu lesen. Mit Doug Wheatley bewegt sich ein Zeichner auf dem Star Wars Territorium, der, so hat es jedenfalls den Anschein, mit dieser Arbeit zu Hause angekommen ist.
Im direkten Vergleich mit Michael Lacombe, der den nachfolgenden Episodenauftakt Rebellion gestaltet, kann er sein Ausnahmetalent zusätzlich unter Beweis stellen. Die großartigen Bilder sind aber auch Ronda Pattison zu verdanken, die mit ihrer Kolorierung phantastische Grafiken fremder Kreaturen schafft. Besonders in den späteren Szenen, die in den Straßen des Planeten Orvax angesiedelt sind, bekommt sie sehr viel Arbeit. – Vor diesem Hintergrund ist die Verzögerung der deutschen Veröffentlichung verständlich, denn die grafische Umsetzung von Dark Times ist außerordentlich arbeitsintensiv und keineswegs der Normalfall im Bereich regelmäßig erscheinender Comic-Reihen.
Die Figur des Dass Jennir, jenes Jedi-Kommandanten, der durch den Befehl 66 erfahren musste, wie sich seine eigenen Soldaten gegen ihn stellten, kämpft inzwischen Seite an Seite mit einem Wesen, das ursprünglich sein Feind war. Der Jedi mit den langen weißen Haaren verfügt über ein ähnliches Potential wie andere Jedi, die in Comics in dieses Universum eingefügt wurden. Quinlan Vos, in den Comics eine starke Figur, wurde ähnlich gut ausgearbeitet wie Qui Gon Jin, vielleicht sogar besser, denn in den Comics gibt es viel mehr Zeit für die Entwicklung von Charakteren. Mit Dass Jennir könnte ein ähnlich interessanter Charakter entstehen. War Vos mehr ein düsterer und zerrissener Held, erinnert Jennir mehr an einen Elfen – nicht nur äußerlich.
Rein optisch verfügt er über einen hohen Wiedererkennungswert. Bei seinen Angriffen wehen die Haare, das Gesicht wurde markant gestaltet. Ihm zur Seite ist nicht nur Bomo eine herausragende Figur, angelehnt an einen intelligenten Triceratops, sondern auch Mezgraf, eine Art aufrecht gehender weißer Tiger, eine katzenartige Rasse, mit der Han Solo auch schon Bekanntschaft machte. Die Szenen, die sich folgend entwickeln, sind SciFi-Fantasy im besten Sinne von Star Wars, wie es auch aus diversen Romanen her bekannt ist.
Ein gelungener zweiter Teil von Dark Times. Die erste Episode von Rebellion in diesem Band macht aus der 63. Ausgabe der deutschen Star Wars Reihe wieder ein Sahnehäubchen des Space Opera Genres. 🙂
Der Schlüssel zum Überleben der Männer muss schnell gefunden werden, sonst können die letzten beiden männlichen Wesen, die die Katastrophe überlebt haben, ein Mensch und ein Äffchen, möglicherweise bald sterben. Außerdem muss das Leben des ersten männlichen Babys nach der Katastrophe bewahrt werden – ist es doch der erste Hoffnungsfunke auf eine bessere Zukunft.
Yorick Brown sucht Zuflucht in einer Kirche. Hier, so glaubt er, kann ihm nichts geschehen. Als letzter (erwachsener) Mann auf Erden ist er keineswegs in Sicherheit. Bisher haben viele Frauen ihn umbringen wollen, eine davon war seine eigene Schwester. In der Kirche wird er allerdings schon erwartet. Eine junge Frau hat die Kirche zu ihrem Versteck erkoren und ist bereit, diese zu verteidigen.
Yoricks Tarnung fällt. Und mit ihr fallen bald auch alle anderen Schranken. Yorick hatte seiner Verlobten, die in Australien weilt, eigentlich treu bleiben wollen, aber er ist auch nur ein Mann, wenn auch der letzte. Die junge Frau, Beth, ist ihm nicht böse deswegen, überhaupt nicht. Doch Yorick behält Recht. Wer sich mit ihm einlässt, bekommt häufig ungewollte Probleme. Bald schon brechen wieder Amazonen in sein Leben ein und bedrohen Beth. Wie gut, dass Yorick noch ein paar Tricks als Illusionist parat hat.
Es war einmal ein Mädchen namens Hero!
Hero hat sich immer zu starken Frauen hingezogen gefühlt, immer auf der Suche nach einem Vorbild. Sie verschiedene Stationen hin zur Erwachsenen durchlaufen, erster Sex, die große Liebe, ein erfüllender Beruf – und schließlich die Katastrophe. Mit dem Untergang der Männer starb auch der Mann, der ihr alles bedeutet hatte. Nach der Katastrophe war sie richtungslos, ohne Ziel, verzweifelt. Schließlich traf sie auf Victoria, die fehlgeleitete Anführerin der Amazonen, die durch ihren Hass auf Männer völlig verblendet war. Hero, die ihre Mutter suchte, fand einen Ersatz und verlor sich in einer Ideologie, die nie die ihre gewesen war. Das Unheil nahm seinen Lauf.
Inzwischen ist Hero wieder auf der Suche nach Yorick, ihrem kleinen Bruder. Ihre richtige Mutter hat ihr den Auftrag gegeben, ihn zu finden. Noch ist Hero nicht geheilt. Immer noch bricht die hasserfüllte Stimme in ihr hervor, die ihr befiehlt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Feinde vorzugehen. Bald erreicht sie Kalifornien. Hier findet sie sich bald in einer Auseinandersetzung ehemaliger Agentinnen wieder.
Damit nicht genug: Yorick hat Anzeichen einer schweren Krankheit. Ist er infiziert? Holt ihn die Seuche am Ende doch ein?
Y – The Last Man geht in die 5. Runde. Der Ring der Wahrheit gibt viele Geheimnisse preis, lüftet einige Rätsel und ganz besonders das wichtigste überhaupt. Wie konnten ausgerechnet Yorick und sein kleines Äffchen die Seuche überleben, die auf einen Schlag ohne jede zeitliche Verzögerung alle männlichen Lebewesen des Planeten Erde ausgerottet hat?
Bist du da, Gott?
Mit dieser Frage betritt Yorick die Kirche. Autor Brian K. Vaughan lässt den jungen Mann nicht seinen Humor verlieren. Mit Yorick Brown hat Vaughan einen Helden geschaffen, der überaus sympathisch seinen Mann in dieser lebensfeindlich gewordenen Welt steht. Eine Regierung hat die USA zwar noch zu bieten, aber der Arm der Macht ist kurz geworden. Die Handlung verfolgt eine ausgewogene Mischung aus Einzelschicksalen, die beständig dabei sind und neu hinzukommen. Kleine Ausblicke zeigen oder lassen ahnen, was andernorts auf der Welt vorgeht.
Vaughan kann auch gemein genannt werden. Gerade mit diesen Ausblicken schürt er die Phantasie des Lesers. Beth (Yoricks Verlobte, die den gleichen Namen trägt wie die junge Frau, die Yorick in der Kirche kennenlernt) hat ihr Leben im Outback nicht aufgegeben. Ihre Forschungen führen sie weit in die Wildnis, wo sie auf einen Stamm ausschließlich weiblicher Aborigines trifft. In einem bedrohlichen Moment lässt Vaughan den Leser mit dieser Szene alleine zurück – und so auf den sprichwörtlichen glühenden Kohlen sitzen. Diesen kleinen Trick wendet er nicht gerade selten an, aber immer mit großem Erfolg.
Ungeheuer spannend sind die verschiedenen Gruppierungen geschildert, die kaum zu durchschauen sind und deren Bestreben erst ganz langsam deutlicher wird. So verhält es sich mit den Angehörigen des Culper Rings wie auch mit der japanischen Agentin, die schließlich … aber das soll nicht verraten werden.
Es lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass Vaughan völlig zu Recht einen Preis (Eisner Award) für diese Serie bekommen hat, die das herkömmliche Endzeit-Szenario in einem neuen Licht zeigt.
Als Zeichnerin ist wieder Pia Guerra zuständig. Was bereits in der vierten Ausgabe sehr auffiel, ist mit der fünften Ausgabe beweisfähig geworden. Guerra hat ihre Fähigkeiten geschärft und zeichnet besser. Als Tuscher ist immer noch José Marzán Jr. am Werk, doch er findet mittlerweile bessere Vorlagen vor. Guerra erprobt sich in unterschiedlichen (und auch nicht immer einfachen) Perspektiven. Vielleicht hat Vaughan auch seine Vorgaben ein wenig verändert, um eine spätere Verfilmung bereits optisch zu erproben. (Wie es heißt, arbeitet er an einer Drehbuchumsetzung – die dank der Masse des Materials sehr lang ausfallen muss.)
Die fünfte Ausgabe des Last Man lüftet ein wichtiges Geheimnis und gibt der Geschichte eine vollkommen neue Wendung. Die Reise von Yorick und seinen beiden Begleiterinnen ist noch lange nicht zu Ende. Jetzt geht die Fahrt an ferne Ufer. – Spannung pur mit hohem Einfallsreichtum gepaart: Spitze! 😀
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Sonntag, 05. August 2007
Abigail hat es sich in ihrem Stuhl gemütlich gemacht. Neben ihr wacht ihr Retter Captain Stark auf seinem Hengst, regungslos wie ein Reiterstandbild. Für ihren Bruder Captain Stilman ist dieses Bild unerträglich. Ein richtiger Mann muss her! Im Hauptquartier von General Grant, wo alle wichtigen Offiziere versammelt sind, wird sich bestimmt der Zukünftige für Abigail finden lassen.
Die blauen Boys, Sergeant Chesterfield und Korporal Blutch, die sich eben noch über die Szene furchtbar amüsiert haben, erhalten den scheinbar einfachen Auftrag, Abigail in das Lager von General Grant zu bringen.
General Grant, der ganz andere Angelegenheiten hat, um die er sich kümmern muss, gerät dennoch in einen Lachanfall, als Chesterfield ihm den Auftrag von Captain Stilman erläutert.
Grants Adjutant erhält den ehrenvollen Auftrag, Abigail die versammelten Offiziere zu zeigen. Es zeigt sich, dass ein Aufenthalt in einem Lager der Nordstaaten auch ohne Feinde sehr gefährlich sein kann. Grant hat seine Führungsoffiziere nicht ohne Grund zusammengerufen. Einige Exemplare dieser Männer richten nämlich mehr Schaden unter seinen Soldaten an als der Feind. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben. Entlassungen stehen an.
Das geht leider nicht reibungslos vonstatten. Wie gut, dass Chesterfield und Blutch in der Nähe sind und das Schlimmste verhüten können.
Während der Adjutant sich – nicht ganz uneigennützig – um Abigail kümmert und sie mit seiner Schwester bekannt macht, fällt Chesterfield aus allen Wolken. Denn Amelie, die Schwester des Adjutanten, wird von dem Sergeant auf das Heftigste angehimmelt. Blutch glaubt, eine unglückliche Liebe sei das Schlimmste, was ihnen noch im Camp passieren kann – doch da täuscht er sich gewaltig.
Die blauen Boys … haben den Blues erzählt das 25. Abenteuer. Chesterfield und Blutch werden in dieser Folge zu Mittelsmännern der Liebe – auf Befehl natürlich, beileibe nicht freiwillig. In der ohnehin schon erfolgreichen Reihe um die beiden Soldaten im amerikanischen Bürgerkrieg ist Texter Raoul Cauvin ein weiterer komödiantischer Höhepunkt gelungen. Gleich der Auftakt, von Willy Lambil urkomisch in Szene gesetzt, zieht den Leser trefflich in die Handlung hinein.
Den ersten Satz von Captain Stilman kann der Leser überhaupt nicht unterstreichen.
Abigail, jetzt reicht’s! Diese Komödie dauert schon viel zu lange!
Im Gegenteil dauert diese Komödie leider nicht lange genug!
Meine Herren! Der Mann ist tot!
Wenn die Herren Offiziere durchdrehen, kann das für die Unteroffiziere und die Mannschaften schon für mehr als einen Lacher gut sein – sofern sie nicht selber darunter zu leiden haben. Blutch, der sein Leben zweimal für einen Trick riskiert hat, schüttet sich jedenfalls herzhaft aus vor Lachen. Dieser Heiterkeitsausbruch führt dann auch zur Ermahnung Lieutenant Appletown. Aber Action und eine Prise Galgenhumor ist nur eine Seite der Medaille.
Daneben ist es die Liebe, die im Vordergrund dieser feinen Western-Komödie steht. Der Titel ist etwas irreführend, denn eigentlich hat von den beiden blauen Boys nur einer den Blues. Als er erfährt, dass Appletowns Schwester nach dem Willen ihres Bruders einen Offizier heiraten soll, ist die Stimmung natürlich auf dem Tiefpunkt. Eine solche Ausgangssituation ist perfekt für eine Komödie.
Es ist nichts Neues, dass richtige Mannsbilder im Beisein ihrer Angebeteten zu wahrhaften Tolpatschen werden, die kein vernünftiges Wort mehr herausbekommen. Doch jeder Mann, der in dieser Situation gewesen ist, wird sich köstlich über Chesterfields Gefühlswelt amüsieren.
Hintergrund dieser Komödie ist der amerikanische Bürgerkrieg. Vor dieser Kulisse scheint es sehr schwierig zu sein, eine lustige Geschichte zu inszenieren. Auch geht es hier nicht ohne Tote ab. Es existiert kein Wissen darüber, ob Cauvin sich an klassischen Vorlagen wie Vom Winde verweht oder Fackeln im Sturm) orientiert hat. Ansätze dieser Geschichten, Gesichtspunkte finden sich allerdings hier, denn auch dort ging es nicht ohne Humor, wie auch Freundschaft ein wichtiges Thema war. Einerseits sind die Frotzeleien zwischen Chesterfield und Blutch eine Quelle ständiger kleiner Witze, andererseits sind es die kriegsgeschädigten Offiziere, die hier für so manchen Ulk gut sind. Man muss es als Slapstick auffassen und darf keinesfalls mit einen starken Bierernst an die Geschichte herangehen. Auf diese Art kann man nur Spaß an der Ausgabe haben.
Ungeheuer souverän gezeichnet von Willy Lambil, von Raoul Cauvin locker und mit (z.T. schwarzem) Humor erzählt, so reiht sich in der 25. Ausgabe der blauen Boys Spaß und Abenteuer aneinander. 😀
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Samstag, 04. August 2007
Lucky Luke hat einen Termin bei Mr. John. Nach einem unendlich erscheinenden Marsch durch das Herrenhaus ist Lucky bei dem reichen Mann angelangt. Die Aufgabe sieht einfach aus: Lucky soll Mr. Johns Stieftochter Gisela dabei helfen, eine starke Amerikanerin und fürsorgliche Mutter zu werden.
Zuerst kann sich der allseits beliebte Cowboy wenig unter der Aufgabe vorstellen. Doch schließlich ist es eindeutig. In Gisela soll der Pioniergeist und die Durchsetzungsfreudigkeit der ersten Siedlerinnen geweckt werden. Eine Reise durch die Prärie soll diese Aufgabenstellung bewältigen. Lucky Luke denkt sich eine Reihe von Situationen aus, wie sie im Wilden Westen üblich sind.
Auf Gisela warten die widrigen Wetterverhältnisse des Westens, Indianer- und Raubüberfälle und Kneipenschlägereien. Lucky Luke ist sehr beeindruckt, dass Gisela in all den Situationen sehr beherzt auftritt und so manchen gestandenen Mann in seine Schranken weist. Bis es zu einem Zwischenfall kommt.
Nach dem Alibi wartet bald auf Lucky Luke noch ein viel größeres Abenteuer: Der Pony-Express!
Lange Zeit war der Postweg quer durch die Vereinigten Staaten eine äußerst gefährliche und ganz besonders unsichere Angelegenheit. Hühnereier einmal von Küste zu Küste geschickt kamen entweder überhaupt nicht oder bereits als Küken auf der anderen Seite an. Endlich entschließt sich der Senat, etwas gegen zu unternehmen. Die ersten Versuche sind nicht sehr viel versprechend. Ein findiger Geschäftsmann namens W.H. Russel gründet eine Pony-Express-Unternehmung. Entgegen aller Sabotageversuche seitens der Pacific Railway Company wagt er den Postweg quer über den Kontinent. Doch zuvor müssen erst einmal fähige Reiter gefunden werden.
Lucky Luke übernimmt die Auswahl der geeigneten Männer und trainiert sie. Die Vorbereitungen sind schwer, für die Männer wie auch für die Pferde – hier gibt Jolly Jumper seine Erfahrungen weiter. Bald schon ist der große Tag da. Von da an geht leider alles schief.
Wenn ein Verbrecher sich nicht mehr an seine Taten erinnert, kann er dann überhaupt dafür bestraft werden? Die Daltons ersinnen einen genialen Plan. Ein vorgetäuschter Gedächtnisschwund soll ihnen dabei helfen, die vergitterte Luft des Gefängnisses hinter sich zu lassen. Aber vor der Entlassung hat der Gouverneur den Entlassungstest gesetzt. Lucky Luke bekommt einen heiklen Auftrag. Er soll beweisen, dass die Daltons wirklich ihr Gedächtnis verloren haben – ein Umstand, den er einfach nicht glauben will.
Nach einigen kürzeren Episoden wie Das Alibi, Athletic City, Ole Daltonitos und Ein Pferd verschwindet fasst der vorliegende Sammelband noch die beiden Alben Der Pony-Express und Gedächtnisschwund zusammen. In den Jahren 1987 bis 1991 erschienen diese Geschichten, immer noch unter der Federführung von Morris, in denen es einige schöne Begegnungen mit Lucky Luke und den Daltons gibt.
Vielfalt ist das Motto der Geschichten, die unter der Episode Das Alibi in einem Album erschienen. Das Alibi bringt Lucky wieder einmal mit Frauen in Kontakt. Nach seiner Verlobten oder Calamity Jane sollte es sich eigentlich um eine leichte Aufgabe handeln – doch weit gefehlt! Wieder wird es kompliziert, denn aus einer Show wird ein Entführungsfall, für den Lucky seine erprobte Spürnase benötigt.
Claude Guylouis zeigt eine Frau, die weitaus tougher ist, als es die Männer erwarten – und auch vertragen können. Natürlich sind sie im Sinne einer Komödie hinterher richtig stolz auf sie. Wie brav sich ein Indianer verarzten lässt, weil er weweh hat, ist ein echter Brüller.
Nicht weniger heiter sind die Erfahrungen der Daltons in Mexiko. Besser aber noch wird es, wenn sich Lucky Luke auf ein anderes Pferd einstellen soll. Hier muss er sehr schnell feststellen, dass Jolly Jumper nicht das einzige Pferd mit einer Persönlichkeit und außergewöhnlichen Fähigkeiten ist. Nichts jedes Pferd kommt auf Pfiff oder schlägt den einsamen Cowboy beim Schach. Jollys Kollegen machen dem Schimmel mit der gelben Mähne in Sachen Lacher echte Konkurrenz.
Aufwendiger wird das Abenteuer um den legendären Pony-Express. Sehr schön teilen X. Fauche und J. Leturgie die Geschichte in verschiedene Stränge auf.
Die Aufgabenstellung: Schaffung des Pony-Express. Die Lösung: Anwerbung von Reitern und Pferden, anschließend ihr Training. Die Stolpersteine: Die konkurrierende Eisenbahnlinie, aber auch die Reiter und Pferde 🙂 Der Start: Als erster reitet Lucky Luke und bald wird klar, dass er alleine die gesamte Strecke bewältigen muss. Hier wird deutlich: Lucky Luke schießt nicht nur schneller als sein Schatten, Jolly Jumper läuft auch schneller als sein Schatten. Der Aufbau der Geschichte, die Witze die wunderbar aufgebaut sind und stets zum richtigen Zeitpunkt angewendet werden, deuten ein richtig tolles erzählerisches Talent an. Fauche und Leturgie zeigen, welcher Kunstfertigkeit es bedarf, einen Leser zum Lachen zu bringen und mit welchen Tricks und Kniffen dies erreicht werden kann.
Abschließend rücken die Daltons noch einmal in den Mittelpunkt. Das Gauner-Quartett leidet plötzlich an Gedächtnisschwund. Das ist immer eine gute Grundlage für eine Komödie, wie bereits das berühmte Mein Herr? aus dem Asterix Band Kampf der Häuptlinge zeigt. Dort wie hier sind es zuweilen Schläge auf den Kopf, die eine regelrechte Gag-Lawine in Gang setzen. Herzstück dieser Gags ist häufig Averell, der längste und gefräßigste der Brüder.
Über allem arbeitet Morris mit gewohnt leichter Hand. Das ist toll anzuschauen. Stammleser können gar nicht anders, als dank der Fertigkeiten dieses Zeichners ein Lucky Luke Album bereits mit einem Lächeln aufzuschlagen.
Zwei tolle Alben und diverse Kurzgeschichten brennen ein neues Gag-Feuerwerk ab. Ein echter Höhepunkt ist Der Pony-Express, allein dafür lohnt sich schon die Anschaffung dieses schönen Sammelbandes. 😀
Lucky Luke, Die Gesamtausgabe 1987, 1991: Bei Amazon bestellen
Donnerstag, 02. August 2007
Was ist nur aus dem guten alten Wilden Westen geworden? Spirou und sein Freund Fantasio sollen genau das in Erfahrung bringen. Doch in den Vereinigten Staaten angekommen scheint es von der Wildwest-Romantik keine Spur mehr zu geben.
Ein findiger Mann, der die enttäuschten Gespräche der beiden belauscht, fasst einen Plan. Die beiden jungen Männer wollen den Wilden Westen kennen lernen? Sie sollen ihn bekommen! Gleich am nächsten Tag bringt eine althergebrachte Postkutsche die beiden Freunde in die Prärie. Nicht lange danach wartet schon der erste Überfallversuch auf sie. Ehe sich die beiden versehen, haben sie mehr vom Wilden Westen, als ihnen lieb ist.
Wie bringt man einen Leser dazu, sich zu bewegen? Eines Abends kommt Spirou nach getaner Arbeit nach Hause. Er sehnt sich nur nach Gemütlichkeit, doch wenig später hängt er schwebend unter der Decke seines Wohnzimmers. Fantasio, wütend darüber, an diesem Abend gestört zu werden (weil eine Halskrause seinen schmerzenden Hals nur ungenügend schützt), macht sich auf den Weg, um Spirou zu helfen. Bei diesem Problem ist er allerdings auch machtlos.
Kurzzeitig scheint wenig später alles wieder in Ordnung zu sein, doch mitten in der Nacht geschieht es: Spirou schwebt schlafend an die Decke.
Spirou und die Froschmänner ist ein Abenteuer, das die beiden Freunde an die Küste führt. Fantasio gibt den forschen Kapitän und Steuermann. Ihre erste Küstenrundfahrt bringt sie prompt in Schwierigkeiten. In einer abgelegenen Bucht versagt plötzlich der Motor. Die Lady, die ihnen als Fahrgast vertraute, ist maßlos von den Fertigkeiten der beiden Freunde enttäuscht. Auch Fantasios loses Mundwerk stößt bei ihr auf keinerlei Begeisterung. Mit ihrer Schlagfertigkeit hat Fantasio nicht gerechnet.
Schmuggel beschäftigt die beiden Freunde im Rahmen einer Reportage über Rauschgifttransporte, die regelmäßig von dubiosen Figuren über die Grenze vorgenommen werden. Spirou und Fantasio machen sich ans Werk. Aber bei der Polizei ist man überhaupt nicht begeistert von ihrer Tatkraft. In zwei Tagen wollen die beiden den Fall gelöst haben, an dem die Polizei sich die Zähne ausgebissen hat? Das kann nicht sein!
Spirou im Wilden Westen ist eine Reise zurück in der Zeit, als eines der bekanntesten Duos – nein, Trios, denn Pips war auch schon dabei – also, Trios noch in den Anfängen steckte, aber nicht weniger aufregende Abenteuer erlebte als heutzutage. In frischer Farboptik darf der Leser die Anfänge von Fantasio miterleben, der von Zeichner Joseph Gillain aus der Taufe gehoben wurde. Zwischen 1940 und 1946 betreute er die Reihe um die beiden ungleichen Helden (um die drei natürlich). Die Bilder wurden erneut mit dem Computer bearbeitet, so dass die Farben frisch und extrabunt erstrahlen.
Wer sich ein wenig in den Zeichnungen der 40er Jahre auskennt, kann sich ein sehr gutes Bild davon machen, wie die Bilder von Spirou und Fantasio zu jener Zeit aussahen. Das Grundkonzept ist heute noch erkennbar, natürlich auch durch die spätere Betreuung durch Franquin. Gillain oder auch Jijé, wie der Zeichner in Kurzform genannt wird, gibt den beiden Helden eine deutlich kompaktere, massigere Form. Ihre Gliedmaßen sind nicht derartig spindeldürr, wie es von Franquin bekannt ist. Hals und Kopf machen bei Gillain manchmal den Eindruck, als gingen sie nahtlos ineinander über. Diese Unausgewogenheit wurde in späteren Jahren komplett entfernt. Aber vor den Zeichnungen der Zeit treffen die Bilder von Gillain voll ins Schwarze.
Der Aufbau der Seiten ist häufig klassisch durchstrukturiert mit drei oder vier Bilder pro Zeile und fünf Zeilen pro Seite. Das Format ist dem der üblichen Zeitungsstrips sehr ähnlich. Wer es einmal genau beobachtet, wird sehen, dass es am Ende jeder Zeilenfolge einen kleinen Clou, einen kleinen logischen oder witzigen Schluss. So erzählen zu können, ist eine kleine Kunst, weil es stets eine hohe Aufmerksamkeit des Autors erfordert. So betrachtet, ist Spirou im Wilden Westen nicht nur die Neuauflage eines Klassikers, sondern auch ein Lehrstück über die Grundlagen der (französisch-belgischen) Komödie.
Dieser Humor findet sich später nicht nur in den guten alten Louis de Funès-Filmen, sondern scheint immer noch die Vorgabe der Abenteuer von Spirou + Fantasio zu sein. – Vielleicht es sogar das Geheimnis ihres Erfolgs. Humor ist manchmal gleichbedeutend mit Slapstick. Wenn sich der Beiwagen des Motorrades löst, der Kommissar wild protestierend mit dem Helm auf dem Kopf in die Büsche schießt, dann ist das immer für ein Schmunzeln gut.
(Der Angler, dem hier ein Modellflugzeug an den Haken gerät, könnte ein Vorläufer von Rummelsdorf gewesen sein.)
Neben dem Humor finden sich natürlich auch Spannung und Rätsel. Besonders in den Folgen über den Wilden Westen, in den Abenteuern um die Froschmänner und den Schmuggel wird dies deutlich. Der Aufbau, der sich später auf Albenlänge findet, ist hier bereits in allen Einzelheiten vorhanden.
Spaß und Spannung am laufenden Band in diesen vier Episoden des vorliegenden Bandes. Spirou im Wilden Westen, das ist Cartoon-Unterhaltung in Reinkultur. Es hat den Anschein, als hätten alle die danach kamen, nur von den beiden Helden abgeschaut und Variationen abgeliefert. Fans kommen an den Urvätern der Cartoon-Abenteuer-Comedy nicht vorbei. 🙂
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