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Comic Blog


Mittwoch, 26. Oktober 2011

Lanfeust von Troy 9 – Cixis Geheimnis 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:19

Lanfeust von Troy 9 - Cixis Geheimnis 1Lanfeust ist fort und Cixi ist völlig auf sich allein gestellt. Sie will zurück nach Eckmül und macht sich auf den Weg. Alsbald stellt sie fest, dass eine Seefahrt für sie alles andere als lustig ist. Eine Frau ist außerdem an Bord eines Schiffes nicht gerne gesehen, auch als Passagierin nicht. Aber es kann immer noch schlimmer kommen: Cixi, die sich von Übelkeit geplagt über die Reling beugt, wird Zeuge, wie kurz darauf Piraten gesichtet werden. Die Schiffsbesatzung bewahrt zunächst die Ruhe, schließlich sind die Matrosen auf dem mit einem Totenkopf beflaggten Schiff allesamt Frauen. Die Geringschätzung bleibt den Seeleuten schnell im Hals stecken, denn die Frauen machen keine Gefangenen.

Zurück auf Troy, ohne Lanfeust. Dieser ist weit weg. In drei Teilen darf der Leser nun erfahren, was Cixi in Abwesenheit der Gruppe widerfuhr, bis sie mit den bekannten Helden wieder in Eckmül zusammentraf. Eigentlich muss man für den Einstieg in diese Geschichte nur ein kleiner Fantasy-Fan sein. Man braucht weder Lanfeust von Troy zu kennen, noch ist eine Kenntnis des Universums von Troy Pflicht. Cixi besitzt genügend charakterliche Stärke, um sich hier alleine zu präsentieren. In einer neuen Umgebung, einem neuen Beruf (als Piratin) beginnt sie am unteren Ende der Karriereleiter und arbeitet sich langsam empor. Nicht nur zur Freude aller Beteiligten.

Piratinnen: In der Realität wie auch in der Unterhaltung kamen sie vor, doch als alleinige Besatzung eines Schiffes sind sie wohl eher selten anzutreffen.Christophe Arleston schließt die bisherige Handlungslücke von Lanfeust von Troy auf elegante Art und gibt seiner Cixi auf sehr unterhaltsame, auch komische Weise Raum zur Entfaltung. Das Piratenschiff, unter Geleitschutz zweier gigantischer Meeresschildkröten stehend, ist ein eigener kleiner Mikrokosmos, in dem Arleston süffisant mit allen Klischees des Piratentums spielt und seine eigenen Ideen großzügig hinzufügt.

Olivier Vatine zeichnet mit ausdrucksstarken Umrissen, liebt das Spiel mit unterschiedlichen Strichstärken und reduziert Linien im Inneren von Körpern gerne auf ein Minimum. Heraus kommen Figuren, die wie nachgezeichnete Charaktere von dreidimensional konstruierten Gestalten wirken, sehr präzise, eindrücklich und (gerade bei männlichen Figuren) auch manchmal ziemlich skurril. Mit den Riesenschildkröten, den Törtels, wie auch mit den Riesenfledermäusen, den Römps, gestaltet Vatine nicht nur Kinderträume, sondern verbeugt sich auch vor den alten Monsterfilmen und Kreationen eines Ray Harryhausen.

Vatine gelingt in seinen Zeichnungen eine Mixtur aus Realismus und Cartoon, wie es sich nicht erst in moderner Zeit herausgebildet hat. Er wandelt auf den Spuren eines Pierre Serron, Jije oder auch eines Roger Leloup (Yoko Tsuno). So sticht hier weniger die Technik der Welt von Troy hervor, als vielmehr ihre Urtümlichkeit, die sich in der Tierwelt wie auch in der Ausstattung von Mensch und Material zeigt. Vatine kann hier dank der Vorgaben von Arleston mit einem wunderbar phantastischen Finale aufwarten, das einzig noch eine etwas längere Sequenz verdient hätte (alleine, damit der Leser noch mehr davon hat).

Der erste von drei Teilen, der Cixis Zwischenerlebnisse schildert, ohne dass bisherige Ereignisse bekannt sein müssen. Sehr unterhaltsame Fantasy, mit sorgfältig eingebauten Pointen und auch besonders phantastischen Einlagen. Arleston erweitert das Troy-Universum perfekt mit Witz und Fantasie. Das offene Ende lässt für die beiden Fortsetzungen noch einiges erwarten. 🙂

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Schmetterlingsnetzwerk 2 – Herr Mond

Filed under: Thriller — Michael um 10:46

Schmetterlingsnetzwerk 2 - Herr MondEustache und Mücke haben überlebt. Wie hoch der Glücksfaktor dieses Entkommens war, zeigt sich bei ihrer Flucht und dem anschließenden Versteckspiel. Der Feind scheint seine Augen und Ohren überall zu haben. Ihr Überleben kann nur gelingen, falls sie die Stadt verlassen können. Je besser die finanzielle Lage für solch eine Flucht ist, umso besser ist es auch. Nur haben Eustache und Mücke dieses Geld nicht. Wie gut, dass sie Diebe sind. Und genau das ist ihr Problem, denn gegen die Brutalität und Skrupellosigkeit ihrer Gegner haben sie keine Chance. Zunächst jedenfalls.

Der zweite Teil von Schmetterlingsnetzwerk lebt von einer noch besseren Darstellung seiner Charaktere. Die beiden Diebe Eustache und Mücke sowie die Prostituierte Zibeline sind sehr unterschiedliche Figuren. Sie sind keineswegs eine eingeschworene Gemeinschaft. Liebe wird nicht erwidert, noch scheint Dankbarkeit ein Grund für Zuneigung zu sein. Für Mücke ist die fremde Frau einfach nur ein Störfaktor. Der lange Dieb (Eustache) und der zwergwüchsige Dieb (Mücke) besitzen außerdem eine vollkommen andere Gefühlslage. Besticht Eustache noch durch einen gewissen Optimismus, hat Mücke sich eher mehr als weniger dem Schwermut (zuweilen auch dem Alkohol) ergeben.

Eric Corbeyran und Cecil teilen sich die Autorenschaft an dieser Reihe, die in eine Zeit entführt, die optisch vor dem Ersten Weltkrieg angesiedelt ist. Kleine Nachrichtenplakate künden außerdem von einem drohenden Grenzkrieg. Die Stadt mit ihrem güldenen Licht ist der heimliche Nebendarsteller. Immer glänzt sie metallen, erstrahlt kupferfarben, wie die kleine Schwester von Metropolis, kein urbaner Dschungel, mehr ein Schloss mit tausend Schlössern. Diese Umgebung verheißt eine gewisse Magie. Doch so schön sie ausschaut, so lauert doch hinter diesen prächtigen Kulissen etwas sehr, sehr Böses.

Eric Corbeyran und Cecil haben ihre Helden in einen Kriminalfall geschickt, der sie mit der Herstellung von Snuff-Videos in Verbindung kommen ließ, will man die moderne Bezeichnung dieser düsteren Legende nutzen, da hier natürlich noch die guten alten Filmrollen zum Einsatz kommen (noch dazu als Stummfilm). Im Ergebnis bleibt es jedoch das Gleiche: Zur Unterhaltung zahlender Kunden wird Folter und Mord an Frauen auf Film gebannt. Es ist eine Welt, die in ihrer Düsternis auch einem Autoren wie James Ellroy eingefallen sein könnte. In dieser Welt existiert keine weiße Weste, auch bei der Polizei nicht.

In dieser Welt, die gegen den Strich dieser Düsternis gestaltet ist, die optisch mehr die Heiterkeit eines Verneschen Abenteuers besitzt, existieren nur wenige Lichtblicke, die meist durch Aufopferung zustande kommen. Mitgefühl und Beistand sind noch nicht tot. Aber sie sind schwer zu finden, denn wer andere beschützt, riskiert hier sein Leben. Diese Aussage irritiert umso mehr, da die Figuren einen leichten Knuffigkeitsfaktor besitzen. Nicht nur der kleine Mücke, auch der Drahtzieher im Hintergrund strahlen diese Tendenz aus. DerBaron, der eigentliche Feind der beiden Diebe, könnte, hätte er weiße Haare, sogleich als Weihnachtsmann auftreten. Es ist dieses Sich-Entziehen gängiger Klischees, das bewusste Entgegenstellen unerwarteter Bilder, die die Spannung im zweiten Teil untermauern.

Sehr finster, noch spannender als der erste Teil mit zwei ausgezeichneten Hauptfiguren, einer ungewöhnlichen Freundschaft vor einer tollen Kulisse. Sehr gut. 🙂

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Die Legende von Malemort 5

Filed under: Mystery — Michael um 10:44

Die Legende von Malemort 5 - Die Ankunft des TeufelsEin verwunschener Wald, der es in sich hat: Die Inquissition ist den Flüchtigen auf der Spur, ungeachtet der Tatsache, dass es sich bei einem von ihnen um einen Vampir handelt. Graf Colbus de Malemort ist leider von der Gruppe der Flüchtigen getrennt und in eine Falle getappt, die er zunächst nicht erkennt, da es ihm nicht in den Sinn kommt, dass ausgerechnet sein alter Mentor ein falsches Spiel mit ihm treibt. Derweil ist das restliche Trio, die junge Anthea eingeschlossen, damit beschäftigt in der lebensfeindlichen Umgebung des sumpfigen Waldes zu überleben. Irgend jemand, der sie beobachtet, ist noch da draußen. Und tatsächlich: Ein riesiger Schwarm Fledermäuse verdunkelt plötzlich den Himmel. Die Jagd hat begonnen.

Zu gut für einen Vampir: Immerhin ist Colbus de Malemort ein Graf. Als Kreatur der Finsternis ist er sich seines Blutdurstes bewusst, seiner Unsterblichkeit und auch seiner zwangläufigen Einsamkeit. Eric Stalner, Autor und Zeichner, hat diese Zweispalt seines Grafen schön herausgearbeitet. Und noch mehr: Denn dieser Vampir ist nicht die einzige einsame Kreatur in dieser Welt. Die Geschichte, die hier im Prinzip mit dem fünften Teil seinen Abschluss findet, ist erfrischend gegen den Strich gebürstet. Einerseits finden sich hier keine Milchbubivampire, andererseits hat sich Stalner auch erfreulich weit vom Ur-Grafen entfernt.

Die Zivilisation in dieser mittelalterlichen Welt ist auf ihre Weise existent, doch keinesfalls mit unserer zu vergleichen. Die Gewalt des Stärkeren obsiegt. Die offizielle gute Seite, wie durch die Kirche und ihre Inquisition verkörpert, ist nicht zwangsläufig gut. Die vermeintlichen Diener des Bösen sind in der Lage, ihren Weg selbst zu wählen. Interessant ist die Aussage eines Vampirs, man habe ein Leben abseits der Eitelkeiten gewählt und in der Nacht den Frieden gefunden. Es ist ein blutiger Frieden, denn bei aller Romantik ist , der vampirische Freund des Grafen Colbus, jederzeit bereit seinen bluttriefenden Neigungen nachzugehen.

Feine Linien, sehr dünn, sehr exakt mit dem Tuschestift gezeichnet rahmen Grafiken, die nur sehr zart koloriert sind. Kolorist Jean-Jacques Chagnaud hält mit seiner Arbeit die Balance zum Zeichenstil von Eric Stalner. Dieser erfreut den Leser manchmal mit ganzseitigen Übersichten, die durch einige wenige kleinere Ansichten aus anderen Perspektiven aufgelockert werden. So imitiert er die Kamerafahrt, lässt den Blick ein wenig tanzen und gestaltet die Atmosphäre noch dichter, als sie ohnehin von Beginn an der Reihe ist.

Die gesamte Art der Erzählung, optisch und textlich, lässt ein Gefühl einer dunklen Fantasy-Geschichte aufkommen, die sehr französisch (vermutlich aus der Sicht eines Deutschen) ist. Hier scheinen die Wälder und Burgen finsterer, die Täler tiefer, die Monster monströser und schwerer einzuordnen. Allerdings entstehen durch die Ansichten des Sumpfgebietes auch Assoziationen zu Sumpfgebieten in den Vereinigten Staaten. Dieser Sumpf ist mehr ein verwunschener Urwald. Stalner fügt sogar eine Art Piranha-Element ein.

Ein sehr dichter Abschluss mit einer ungewöhnlichen Mixtur aus Vampirsaga und dunkler Fantasy. Abseits von Lestat Edward befindet sich diese Geschichte, die auch Elemente von Hexerei, Inquisition und romantischen Horror in sich vereint. Anders gesagt: Fats schon eine opulente Hammer-Produktion. 🙂

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Freitag, 21. Oktober 2011

Annas Paradies 1

Filed under: Mystery — Michael um 20:16

Annas Paradies 1 - Von Dieben und Schmugglern1946. Der Krieg ist beendet. Aber noch immer hat Europa mit den Auswirkungen zu kämpfen. So mancher, der im Krieg seinen Vorteil gesucht hat, ist nun selbst auf der Flucht. Und so mancher versucht mit Fluchthilfe etwas Geld zu verdienen. Viktor ist so jemand. Die kleine Familie, die aus dem Kleinen Paradies flüchtet, einem Viertel, dessen Häuser von den Bombenangriffen der Alliierten verschont geblieben ist, hat alles zusammengerafft, was sie an Wertsachen besitzt. Die Frisur des Vaters lassen keinen Zweifel daran, an wen er seine Sympathien im Krieg heftete. Viktor, der diese Flucht halbherzig organisierte, erkennt zu spät, dass sie in eine Falle laufen. Die anschließende Katastrophe kann er nicht mehr verhindern.

Die Engel sind unter uns: Aber warum? Die Antwort, eine unheimliche und spannende dazu, gibt der Auftakt der neuen Reihe Annas Paradies. In einer Welt nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich inmitten eines Trümmerfeldes ein kleines Viertel halten können. Hier gingen seltsamerweise keine Bomben nieder. Ein Paradies ist es dennoch nicht. Die Bewohner haben wie alle anderen auch unter dem Mangel zu leiden. Notdürftig halten die Menschen das alltägliche Leben aufrecht. Daniel Schreiber beginnt sein Debüt-Album mit dem gebotenen Ernst. Seine Figur Viktor, der als Lebensmittelhändler arbeitet, sieht sich plötzlich in der Verantwortlichkeit einem kleinen Mädchen gegenüber, dessen Eltern auf der Flucht erschossen worden sind.

Daniel Schreiber malt ein graues Bild jener Tage. Auf der Seite der Verlierer gibt es jene, die darunter litten und jene, die wirklich verloren haben und nun eine Strafe befürchten müssen, wie auch immer gearteter Natur. Doch es gibt auch jene auf der Seite der Alliierten, die wahre Halsabschneider sind und die ihren Vorteil im Sieg über den Feind suchen. Viktor und Oma Lotte, die das kleine Mädchen Lena aufgenommen hat, gehören zu denen, die überlebt haben und nun einen Neuanfang versuchen. So weit, so realistisch. Dann kommt Anna.

In diese halb zerstörte Welt fällt ein Mädchen: Vom Himmel herab. Viktor ist derjenige, der sie findet. Ist die Welt in Trümmern höchst realistisch gezeichnet, sind die Figuren viel märchenhafter skizziert. Gesichter mit ausdrucksstarken Augen, Körper, die den Charakter unterstreichen: Markant, bullig, zerbrechlich, gemütlich. Ist Viktor ein Bär, gutmütig, ist Oma Lotte eine Figur mit Hochfrisur, die den weisen Aspekt einbringt. Die Farbe wirkt mit feinen Aquarellfarben aufgetragen, Bleistift scheint durch. So entsteht ein schöner organischer Charakter der Bilder, echt, greifbar, wärmer, ein Eindruck, den moderne Computerkolorierungen vermissen lassen.

Die herzlich anmutende Machart zeigt eine zunehmend düster werdende Geschichte, denn (wie es so schön heißt) ein Engel bleibt selten allein: Anna ist auf der Flucht. Nach anfänglicher zögerlicher Begegnung kann Anna auch ihre Macht zeigen. Mehr noch: Ein Engel hat auf der Erde nichts verloren, selbst wenn er alles daran setzt, auf der Erde bleiben zu können. Die Figur der Anna reiht sich in jene Engel ein, die moderner gezeigt werden. Sie sind Zweifler, gegen die Menschen, vielleicht sogar von Gott abgekehrt. Anna ist eine Figur, die an ihrem Dasein innerlich zerbrochen ist und nur langsam wieder zu sich findet. Diese Figur hätte in jeder erzählten Epoche Wirkung gezeigt.

Ein sehr schön gestalteter Serienauftakt, sehr ansprechend und warmherzig wie auch intensiv gestaltet, der Geschichte entsprechend. Einnehmende Charaktere runden die Handlung ab, deren Mystery-Faktor von Seite zu Seite wächst. Sehr schön. 🙂

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Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 8

Filed under: Abenteuer — Michael um 9:39

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 8 - Der Spion, der vom Himmel kamEine Waffenlieferung mit einem Flugzeug, das so voller Treibstoff ist, um die Strecke überhaupt zu schaffen, dass Dämpfe die Maschine durchziehen und der kleinste Funke alle an Bord in die Luft jagen kann: Das ist ein Himmelfahrtskommando. Also genau der richtige Job für Tanguy und Laverdure. Ganz nebenbei soll eine Geisel befreit und Söldner für ihren Auftrag abgesetzt und wieder abgeholt werden. Nur ein minutiöser Ablauf des Auftrags kann für seinen Erfolg garantieren. Aber es war abzusehen, dass es so nicht ablaufen würde und Tanguy und Laverdure müssen sich wieder einiges einfallen lassen, damit alle Beteiligten mit heiler Haut dem Schlamassel entkommen können.

Neuer Zeichner: Nach Jije folgt der dritte Künstler, der dieser Reihe ein Gesicht gibt. Der ungemein kreative und im Comic-Fach immens erfolgreiche Jije starb während der Arbeit an einem neuen Album der Abenteuer von Tanguy und Laverdure. Der ebenfalls lang gediente und erfahrene Zeichner Patrice Serres übernahm die Arbeit und drückte der Reihe optisch seinen eigenen Stempel auf. Einerseits vereinfachte er die Figuren und arbeitete deutliche Merkmale der Gesichter stärker heraus, andererseits ist seine Arbeit aus heutiger Sicht fast schon ein Übergang der Generationen. Es finden sich die flüchtigen Merkmale eines Hugo Pratt (Corto Maltese) wie auch die Zeichentricktechnik eines Darwyn Cooke (die neuen Abenteuer von The Spirit).

Von den Vereinfachungen der Figuren bleibt alles andere unberührt. Flugzeuge, technische Ausrüstungen, die Kulissen sind allesamt mit der gleichen starken Energie und dem Hang zum Perfektionismus dargestellt, wie Uderzo und Jije es bis hierhin praktizierten.

Nicht mehr im Staatsdienst. Bereits im 7. Sammelband verabschiedeten sich Tanguy und Laverdure zwangsweise aus dem Dienst des Staates, genauer der Luftwaffe. Nach einigen Versuchen, in Fluggesellschaften unterzukommen, landeten sie bei Delta Airways. Diese Fluggesellschaft nimmt zwielichtige Transportaufträge entgegen, für Mensch und Material. Letztlich sind Tanguy und Laverdure so doch inmitten von Geheimdienstoperationen angekommen, ein Umstand, den sie eigentlich hatten vermeiden wollen. Doch die beiden Männer sind Piloten, am Himmel zu Hause, so war die Anstellung aus der Not geboren. Allerdings, so zeigt es sich auch, ist Tanguy ein Mann, der, sobald er bemerkt, dass er ausgenutzt, vielleicht sogar betrogen wird, auch die Konsequenzen zieht. Wenn man ihn lässt.

Jean-Michel Charlier ist wieder einmal nahe der Sphären von Superagenten, aber auch in die Richtung von Söldnermissionen unterwegs, wie sie einmal in Roman und Film äußerst populär waren. Tanguy und Laverdure sind keine Wildgänse, aber ihre Abenteuer sind nicht weniger nervenaufreibend und gefährlich. Die Mission allein ist es nicht: Charlier baut auch eine Art Countdown ein, indem er durch den verbrauchten Treibstoff der kreisenden Maschine mit Tanguy und Laverdure an Bord ein zeitliches Element einbaut. Diese zeitliche Beschränkung gilt zwar für viele Einsätze der beiden Piloten, aber selten wurde eine derartige Betonung darauf gelegt.

So ticken die beiden ersten Abenteuer in diesem Band, Operation Freiheit und Tödliche Mission, wie ein Uhrwerk vor den Augen des Lesers ab. Mögliche, sich abzeichnende Unfälle mit dem Flugzeug (kein rechtzeitiger Start oder die rasende Fahrt in Richtung Abgrund) lockern die Handlung nicht nur auf, bei Charlier weiß man nie, wie er sich entscheidet, diese Elemente einzusetzen: Lässt er das Flugzeug steigen oder schickt er seine Helden in den Abgrund? Am Ende ist es dann ein Hubschrauber (kommt eher selten in der Reihe vor), der das Werkzeug für eine gelungene Flucht wird.

Der Spion, der vom Himmel kam, das dritte Abenteuer in diesem Band, Auftakt zu einer mehrteiligen Handlung, verstrickt die beiden Piloten vollends in Geheimdienstaktivitäten in einem kleinen afrikanischen, von einem Despoten beherrschten Land. Bevor Satelliten die Geheimnisse der Welt erkundeten lassen sich die Geheimdienste hier noch einiges einfallen, um an Informationen zu kommen. Leider riskieren sie dabei auch gerne das Leben zweier Top-Piloten.

Ein neuer Zeichner, ein neues Gesamtbild, aber auch zwei besonders packende Abenteuer, die eine Triologie beschließen. Das dritte Abenteuer startet eine nicht minder spannende Handlung. Jean-Michel Charlier zieht als versierter Thriller-Autor alle Register seines Könnens. Erste Klasse. 🙂

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Montag, 17. Oktober 2011

Der schreckliche Papst 2 – Julius II.

Filed under: Thriller — Michael um 18:54

Der schreckliche Papst 2 - Julius II.Julius II. glaubt, Gott sei grausam. Rache ist der Beweggrund für eine Grausamkeit, die seiner Meinung nach der von Gott in nichts nachstehen soll. Der Geliebte des Papstes wurde getötet. Doch es war kein leichter Tod, noch war es einer, der zufällig geschah. Die Feinde des Papstes wollten einen der mächtigsten Männer in Europa treffen und ahnten nicht, welche Lawine sie damit lostraten und wie sehr sie den Mann auf den Throne Petri unterschätzten.

Andere Gegner agieren offener, mit Pfeil und Bogen, nicht mit gemeinen, hinterhältigen Meuchelmördern. Der Papst weiß, dass er nicht nur auf die politischen Mittel des Hofes, der Ränke und der Intrigen setzen kann. Auf dem Gebiet der Machtpolitik müssen alle Mittel ausgeschöpft werden. Dazu gehört es auch, Diplomaten ins Feld und zum Feind zu schicken. Doch der Botschafter war in früher Zeit ein undankbarer Beruf, da er von sehr kurzer Dauer sein konnte: Von sehr kurzer Dauer, wie die von Julius II. ausgeschickten Kardinäle bald feststellen müssen.

Wer das Verhältnis von Papst Julius II. und Michelangelo in diesem Band betrachtet und es mit der filmischen Umsetzung Inferno und Ekstase von 1965 mit Charlton Heston und Rex Harrison vergleicht, erkennt gleich, was Autor Alejandro Jodorowsky aus den beiden real existierenden Vorbildern gemacht hat: Der Papst Julius II. ist ein machtgieriges, brutales und sexbesessenes Monster, dem kaum noch Menschlichkeit anhaftet (wie übrigens sehr wenigen Charakteren in dieser Geschichte). Michelangelo ist zwar ein begnadeter Künstler, mutiert jedoch in Gegenwart des Papstes zu einem debilen Knecht, der vor Leidenschaft zum gealterten Julius II. kaum noch aus dem Bett kommt.

Jodorowsky schmeckt die Geschichte mit einer Prise Magie ab. Allerdings ist es auch eine Magie, die in jenen Tagen nicht unüblich war und so wird Julius II. durch einen Liebestrank verblendet und letztlich durch diesen zu mörderischer Rache getrieben. Der Papst ein Monster? Nimmt man Jodorowsky diese Figur ab, ist es nur ein Mann, der es auf den päpstlichen Thron geschafft hat und dem es gelungen ist, anderen mit ähnlichen Charaktereigenschaften zuvor zu kommen. Angeleitet von einem Machiavelli, der sich im Bordell über seine Erfolge auslässt, führt der Papst Kriege gegen Feinde, die sich von seinem Amt nicht blenden lassen.

Theo, der schon die historische Reihe Der thönerne Thron gestaltet, kann sich hier einmal mehr als Künstler für realistisch gezeichnete geschichtlicher Szenarien etablieren. Es erwacht eine Zeit zum Leben, die nur oberflächlich betrachtet schön war. Wer bei Michelangelo an die Sixtinische Kapelle denkt und eine Schlussfolgerung auf ein entsprechend schönes Szenario zieht, wird getäuscht. Hier geht es zu Sache: Brutal, sexuell, gemein und alptraumartig. Aber es ist auch überzogen. Theo arbeitet mit einem Szenaristen zusammen, der die Karikatur, das Überzeichnete, in seinen Geschichten liebt.

Julius II. führt seinen Untergebenen ihre Machtlosigkeit vor, indem er ein Päpstin krönen will, Michelangelo in aller Öffentlichkeit küsst. Den Leser selbst führen Jodorowsky und Theo vor, wenn sie die bekannte Szene von Gott und Adam an der Decke der Sixtinischen Kapelle durch Julius II. und Michelangelo im päpstlichen Bett nachbilden. Besonders katholische Leser sollten gar nicht erst in diesen Band schauen. Jodorowsky mag vielleicht Gott, die Kirche hingegen wird bei ihm zum Horrorkabinett. Theos Bilder hierzu sind einfach toll. Man mag das Motiv gering schätzen, die Technik ist jedoch großartig. Da der Künstler noch am Beginn seiner Karriere steht, wird von hoffentlich noch einiges zu sehen sein.

Theo gelingt das Kunststück, Gesichter zum Leben zu erwecken, die einem in Museen von den Gemälden alter Meister her anschauen. Solche Gestalten, die sich zum eigenen Ruhm portraitieren ließen, zeigen hier, wie sie ihren Reichtum erwarben (das gilt natürlich nicht für alle). Es liegt eine gewisse Degeneriertheit in diesen Charakterbildern. Seltsamerweise ist Julius II. von dieser äußerlichen Sichtbarkeit seiner Fehler ausgenommen. Seine Gestalt würde sich auch in einer Piratenmontur gut ausnehmen. Passender ist es denn auch die Form des Ritters, in der sich der Papst hier auch präsentiert und sich nicht scheut, in der vordersten Reihe anzutreten und zu kämpfen: Ohne Rücksicht auf sich selbst, auf andere sowieso. Bei aller Brutalität gibt es auch eine Komik, die an Monty Python erinnert, furchtbar eigentlich und doch legt es Jodorowsky darauf an, Lacher zu produzieren.

Jodorowsky nimmt kein Blatt vor den Mund. Stärker und härter noch als der heilige Schweinehund, brutal, zynisch, kurz ein Jodorowsky, der diese kirchliche Epoche mit wahrer Wonne zu einer Achterbahnfahrt der Perversion macht. Das ist hoch spannend und dank Theo vorzüglich gezeichnet. 🙂

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Sonntag, 16. Oktober 2011

Luc Orient Gesamtausgabe 3

Filed under: SciFi — Michael um 16:00

Luc Orient Gesamtausgabe 3Die Welt wird untergehen! Es wird nicht geschehen, wie es von vielen Menschen befürchtet wird, aus eigenem Antrieb, wegen Krieg oder Umweltverschmutzung: Nein, ein Außerirdischer hat entschieden, dass die Menschheit nicht auf den richtigen Weg zu bringen ist und eine Gefahr darstellt. Die vollständige Vernichtung scheint die einzige Lösung zu sein. Da der Erpresser weltweit zuschlägt und der Menschheit ein Ultimatum stellt, haben es Luc Orient und seine Freunde schwer, dem Unbekannten, der sich selbst Zerstörer nennt, zu begegnen. Wie ernst der Fremde seine Drohung meint, zeigt sich schnell, wenn Die letzten 24 Stunden der Erde anbrechen.

Fremde Welten hier auf der Erde: Professor Kala hat es in zu Forschungszwecken in die Berge verschlagen. Kurz darauf muss Luc Orient eingreifen. Kala ist verschwunden. Ausgerechnet Ameisensäure führt die Suchenden auf eine unglaubliche Fährte. Inmitten eines Urlaubsparadieses für Skifahrer machen sie eine Entdeckung, die gleichzeitig einen Teil der menschlichen Geschichte neu schreibt.

Ideenreichtum: Wenn Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner) erzählen, dann darf sich der Leser entspannt zurücklehnen und diese wahnsinnig tollen Einfälle genießen. 1975 entstand Die letzten 24 Stunden der Erde, sicherlich eine Hommage an Der Tag, an dem die Erde stillstand (die alte Version mit Michael Rennie), dennoch erinnert sie durch die Vorgehensweise des Zerstörers an die neue Version mit Keanu Reaves. Mit der Geschichte um eine vergangene Zivilisation, dem Konstrukt eines Bewahrers oder besonderen Beschützers, wandelten sie mit der Geschichte In den Fängen der Ameisenmenschen auf der Linie einiger Star-Trek-Folgen, in denen sich ein mächtiges Wesen der Ordnung eines kleinen Volkes annimmt.

Der Sprung in die Vergangenheit führt den franko-belgischen Flash Fordon auf die Spuren von Klassikern wie Die vergessene Welt von Arthur Conan Doyle. In solchen Welten ist alles möglich. Längst ausgestorbene Tiere geben sich die imaginäre Klinke in die Hand. Gefahren lauern allerorten und der Weg der Helden führt mittendurch. Greg und Paape engen sich nicht ein. Ob streng konstruiert, frei von der Leber weg erzählt oder mit einem locker-flockigen Action-Abenteuer: Die beiden Comic-Macher legten ihrem Helden kein Korsett. Immer wieder anders, immer wieder neu, hieß die Devise. Und so kam es zu einer Episode, die in dieser Vielfalt der Ideen einen vorläufigen Richtungswechsel der Reihe einschlug.

Das Kristalltor: So lautet der Titel des vierten Albums in dieser dritten Sammelausgabe. Luc Orient erhält nicht nur Mitstreiter aus der Vergangenheit, ihn verschlägt es auch noch in eine Zukunft, während seine einstigen Gefährten den normalen Lebensweg beschritten haben und nun alt sind. Neue Außerirdische, ganz anders als jene, die Luc Orient auf Terango kennenlernte werden zu neuen Freunden. Natürlich gestaltet sich diese Annäherung bei weitem nicht so einfach. Die Strichführung von Eddy Paape macht aus diesem Zeitabschnitt der Luc-Orient-Abenteuer schon wieder modern ausschauende SciFi-Geschichten, die ebenso gut neu erschienen sein könnten, hätten nicht die Handlungen einen gewissen Retro-Charme und wären sie nicht so oft von anderen in der Folge kopiert worden.

Sehr abwechslungsreich, mit sehr hohem Einfallsreichtum, voller Überraschungen und mit feinen Zeichnungen inszeniert: Allein durch diese vier Geschichten ist der Erfolg der gesamten Reihe erklärbar. Greg und Paape waren in der Tat ein Traum-Comic-Duo. 🙂

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Freitag, 14. Oktober 2011

Das Testament des Captain Crown 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:26

Das Testament des Captain Crown 1 - Fünf HurenkinderCaptain Crown ist tot. Aber wer hat ihn umgebracht? Der Mörder war dreist und entführte einen erfahrenen Seebären und tollkühnen Piraten aus der Mitte seiner Mannschaft und meuchelte ihn abseitig im Landesinneren einer Insel. Red, ein getreuer erster Offizier, kennt den letzten Willen des Captains. Auch in ihm kreist ein Gedanke: War es der Leibhaftige selbst, der den Captain holte? Nein, nicht nur das: War der Teufel derjenige, der den Captain bis aufs Blut folterte, bevor dieser das Zeitliche segnete? Red weiß es nicht. Aber er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den letzten Wunsch des Captains zu erfüllen und die fünf Kinder zur Testamentseröffnung zusammen zu bringen.

Allein diese Aufgabe ist leichter gestellt, als ausgeführt, sind diese Kinder, die Nachkommen, doch scheinbar über die Karibik verstreut: Eine junge Frau, die sich mehr schlecht als recht durchschlägt. Ein junger Mann, der einem Beruf nachgeht, der für einen Sohn eines Piraten eher ungewöhnlich ist. Ein Tunichtgut, der sich weder aus Leben noch Tod viel zu machen scheint. Und es existieren noch zwei weitere Kinder. Jeder für sich ist eine Art Puzzleteil auf dem Weg zu einem riesigen Schatz.

Schatzsuche, Rätsel, kriminalistisches Verwirrspiel. Mit dieser Mixtur, die in ein spannendes Piratenabenteuer mündet, beglücken Tristan Roulot und Patrick Henaff all jene Leser, die auf der Suche nach echten Abenteuern in der Karibik sind. Das bedeutet: Ohne Spaß, dafür mit mehr Halsabschneidern. Fünf Hurenkinder lautet der Untertitel des ersten Bandes dieses Zweiteilers. Im 17. Jahrhundert sind in diesem Teil der Welt die Piraten zahlreich, die Begehrlichkeiten hoch. Niemand gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot, einen ausgewachsenen Schatz noch weniger.

Tristan Roulot führt hier fünf Nachkommen zusammen, die letztlich wie die Nachkommen des Teufels selbst wirken, so unschuldig der oder andere auf den ersten Blick auch daher kommen mag. Anfangs ist es ein Verwirrspiel. Die einzelnen Charaktere werden vorgestellt. Sympathische Anklänge gibt es zwar, doch so richtig durchsetzen kann sich auf diesem Gebiet niemand der fünf. Gauner werden zu Opfern, Opfer zu Ganoven. Roulot gelingen einige Male Wendungen, die überraschend auftauchen und bereits entstandene Meinungen des Leser wieder einreißen.

Die Ausgangssituation ist klassisch, setzt aber noch einen drauf. Ein Schatz wird gesucht, aber nicht irgendein Schatz. Crown war es gelungen ein ganz besonderes Schiff zu kapern und zu verstecken. Tristan Roulot, der mit diesem Schatz die Dimensionen einer Schatzinsel sprengt, kehrt auf der anderen Seite mit seiner Konstellation der fünf Erben zu einer Art Shakespeare-Drama in Comic-Form zurück.

Grafisch steht ihm dafür Patrick Henaff zur Seite, der die Figuren mitunter überzeichnet, auch konstruiert und so einige sehr interessante Ganoven des Meeres kreiert. Auch kleinere Nebenfiguren, wie jene, die eine merkwürdige und sicherlich nicht hilfreiche Operation über sich ergehen lassen musste und nun unter starken Kopfschmerzen leidet, fördern die Atmosphäre der Handlung. Henaff springt nach den Vorgaben Roulots aus der Enge des Schiffsdecks in die Breite vergangener Erlebnisse, bevor die großen Kämpfe auch die Gegenwart einholen, die zu einer Piratengeschichte gehörenden Breitseiten inklusive. Dünne Linien, feine Schattenschraffuren wechseln sich mit hart abgegrenzten, mitunter auch großflächig angelegten Schatten ab. Hierbei folgt auch die Handlung einer sorgfältigen Aufteilung von Tagesszenen und nächtlichen Sequenzen.

Anders, unvorhersehbar, interessant durch die unterschiedlichen Charaktere der Hurenkinder, die sich doch in einem Punkt einig sind: In ihrer Gier. Spannend erzählt, stilistisch eigen gezeichnet. Ein starker erster Teil eines Zweiteilers. 🙂

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Donnerstag, 13. Oktober 2011

DEDE 2 – Verlieren Sie nicht den Kopf

Filed under: Thriller — Michael um 19:21

DEDE 2 - Verlieren Sie nicht den KopfDie winzige Stadt hat nicht viel zu bieten. Sie strahlt eine urzeitliche Gemütlichkeit aus. Industrie gibt es keine. Die Menschen hier, wollen sie etwas Geld verdienen, dann woanders oder sie verlassen sich auf die Touristen, die immer häufiger ausbleiben: Wegen der Leichenteile. Dede verschlägt es in diesen kleinen Ort. Ein Polizist namens Seivert hat ihn angefordert. Die richtige, großstädtische Polizei hat noch keine Zeit für diesen Fall. Deshalb hat Seivert auf eigene Faust einen Ermittler beschafft. Vielleicht kann Detektiv Deschamps, kurz Dede, Licht ins Dunkel bringen oder besser: Aus vielen Teilen ein Ganzes machen.

Seivert begrüßt den Detektiven zunächst ruppig. Ein Blick ins Eisfach zeigt Dede, dass dieser Fall alles andere als einfach werden wird. Die Leichenteile wurden nicht nur abgetrennt, der Mörder hat sie auch mit merkwürdigen Symbolen versehen. Dede beginnt mit seinen Ermittlungen. Das Geld stimmt und nach eigenem Bekunden würde er dafür sogar Jack the Ripper aufspüren. Dede würde sich selbst niemals eingestehen, dass in der Nacht, inmitten der kleinen Gassen, auf der Suche nach einem Täter, der seine Opfer zerstückelt, seine Nerven blank liegen. Und so genügt schon eine streunende Katze, um ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen.

Zweiter Fall: Ab in die Provinz, wo die Sonne lacht. Der von Frank Erik Weißmüller, kurz Erik, geschaffene Detektiv Deschamps, kurz Dede, ist wieder da. Dieser Fall ist furchtbarer als sein erster, der ihn auf die Spur von gemeuchelten alten Damen brachte. Hier lässt sich zunächst nicht einmal bestimmen, wer das Opfer ist. Ob es gar mehrere sind? Mann oder Frau? Die Ortschaft, ein von einer hohen Mauer umgebenes Dorf, auf einer Klippe stehend, mit nur einem Zugang, ist ein perfekter Platz für ein Verbrechen. Derart isoliert liefert sie Raum für die gute alte Ermittlungsarbeit, bei der die Leute noch selbstständig befragt werden müssen und nicht jeder gleich freundlich auf einen unbequemen Ermittler von außerhalb reagiert.

Erik zeichnet seine Bilder streng mit Tuschestift nach, sehr architektonisch, Figuren wirken exakt aufgeteilt. Der Stil ist eigen, wiedererkennbar auf den ersten Blick, auch karikierend. Schattierungen werden meist nur in einer Abstufung dargestellt und die jeweilige Form mit einer dünnen, abgerundeten Linie abgegrenzt. Insgesamt ist es ein kühler Zeichenstil, der durch die Farbgebung noch verstärkt wird. Warme Farben sucht man als Leser hier vergeblich.

Manche Charaktere werden mit großer Sorgfalt ins Rampenlicht gezogen. Der grantige Dorfpolizist Seivert, dessen Grinsen immer derart grimmig ist, als wolle er in der nächsten Sekunde zubeißen. Die Dorfverführerin, ihres Zeichens Immobilienmaklerin, die, von der Hitze des Tages getrieben im schwarzen Bikini und einem Hauch von Nichts herumläuft. Sie sind Stationen auf der Suche nach einem Mörder, mit dem sich Dede einen aberwitzigen Zweikampf liefert.

Die Figur des Dede selbst ist eine inzwischen gut gewachsene auch in sich ruhende Figur des jungen, aber auch leicht missmutigen Ermittlers, dem entgegen seines Alters niemand mehr etwas vormachen kann. Zwar spielt er hin und wieder den über die Maßen Bestürzten, wenn es darauf ankommt, behält er meist die Nerven und lässt sich nicht beirren, sehr zum Missfallen der Drahtzieher im Hintergrund.

Eine gelungene und stimmige zweite Episode um Dede, den es diesmal in die Provinz verschlägt und in mörderisches Komplott: Ein mysteriöser Kriminalfall, mit einer gesunden Portion schwarzen Humors erzählt. 🙂

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Mittwoch, 12. Oktober 2011

Rubine 11 – Klassenfoto

Filed under: Thriller — Michael um 16:28

Rubine 11 - KlassenfotoAffären können böse enden. Frauen lassen sich mit mächtigen Männern ein, in der Hoffnung, die nächste Ehefrau zu werden. Manche greifen zu bösen Tricks oder auch wenig durchdachten Tricks, denn nicht jeder mächtige Mann wird für ein uneheliches Kind hinter den Kulissen bezahlen. Manche wollen es erst gar nicht so weit kommen lassen. Laureen hat die falschen Worte gewählt, als sie ihrem Liebhaber bedeutet, ein wenig schwanger zu sein. Jemand, der es in den Vereinigten Staaten in der Politik zu etwas bringen will, braucht eine nach außen hin weiße Weste. Ein uneheliches Kind, so neuzeitlich dies auch ist, kann eine Politikerkarriere beenden, noch bevor sie begonnen hat.

Beweise: Mit der Einführung von Videoaufnahmen für jedermann, leichter zu handhaben als Super-8 und mit schnelleren Ergebnissen, erhöhte sich nicht nur die Masse des gespeicherten Bildmaterials. Es erhöhte sich auch die Anzahl von gespeicherten Erinnerungen, für die es in früheren Jahren Zeugen gebraucht hätte. Inzwischen genügt ein kleiner Filmschnipsel, um eine Erpressung möglich zu machen. Nicht alle Jugendtage sind unschuldig und so wird aus einem Klassenausflug ein Drama, das sehr bald eine Brücke in die Gegenwart schlägt und dort noch mehr Unheil heraufbeschwört.

Cartoony gezeichnet, ernsthaft erzählt. Im Stile amerikanischer Krimiserien bereitet das hier vertretene Comic-Team für RUBINE einen Fall vor, der es in sich hat. Die Hauptfigur der Reihe, Rubine, eine erfahrene Polizistin aus Chicago, kommt zunächst eher beiläufig ins Spiel. Im Gegensatz zu den Gaunern und Ganoven, die das Dunkel und das Zwielicht suchen, steht sie zu Beginn im Rampenlicht und wird in einer Dokumentarreihe des amerikanischen Fernsehens im Einsatz gezeigt. Hier wird von Mythic und Francois Walthery die Medienlandschaft gehörig durch den Kakao gezogen. Wenn Rubine und ihre Kollegin den Einsatz wiederholen müssen (mit Einverständnis des Festgenommenen, versteht sich), weil nicht alles richtig im Kasten war, dann ist selbst die gute alte Polizeiarbeit auf einem Tiefpunkt angelangt.

Aber Rubine hatte es schon immer mehr mit Mord: Und davon gibt es bald mehr als genug. Ein Klassenfoto zeigt eine heiße Spur auf. Ein paar der abgebildeten Schüler sind bereits tot. Vier von ihnen starben innerhalb von zwei Wochen und der Mörder ist noch lange nicht fertig. strong>Mythic und Francois Walthery lassen den Leser schmoren, der hier sehr viel mehr weiß, als Rubine, die noch die Hinweise sortiert und erst langsam Fahrt aufnimmt. Dafür verfolgt der Leser einen Mörder, der mit seiner Kaltblütigkeit in dieser grafischen Form seinesgleichen sucht.

Denn Bruno di Sano zeichnet im Stile des Cartoons. Beispiele wie Inspektor Canardo oder Natascha zeigen ähnliche Mischungen aus Ernsthaftigkeit und Komik, obwohl Di Sano hier wenig, sehr Platz für komische Darstellungen hat. Seine Konstruktionen von Charakteren sind einfach gehalten, aber stets in der Hauptsache individuell und sofort wieder erkennbar. Da es sich stellenweise um beinharte Kriminalfälle handelt, sind auch Geschichten, die Platz brauchen. Di Sano kann nicht experimentieren. Er muss seine Bilder unterbringen. Rollt die Handlung erst einmal ist ein Mord in zwei bis drei Seiten erzählt. Die Einleitung, beides tragische Geschichten für sich genommen, nehmen deutlich mehr Raum ein und tragen sehr zur Atmosphäre bei.

Ein Auftakt: Mythic und Francois Walthery lassen sich ordentlich Zeit, um diesen Fall zu entwickeln. Gleichzeitig ist es eine äußerst harte Nuss für Rubine, die es mit einem der kaltblütigsten Killer dieser Reihe zu tun bekommt. 🙂

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