Dienstag, 13. August 2013
Als Neuling, selbst in einer bewachten Umgebung, hat man es nicht leicht. Selbst wer frei ist, führt ein Leben wie im Gefängnis. Bewacht zu sein, bedeutet nicht, beschützt zu sein. So wird die junge Ellie kurz nach ihrer Ankunft bereits verprügelt. Aber aufgeben will sie nicht. Der Junge ist viel größer, er ist kräftiger und er hat keinerlei Probleme damit, ein Mädchen zu schlagen. Nachdem sich Menschen in monströse Kreaturen verwandeln, ist die Moral bei den nichtinfizierten Menschen zu einem großen Teil auf der Strecke geblieben. Aber ein paar Menschen gibt es immer noch, die den Versuch wagen, einander beizustehen. So lernt Ellie Riley kennen. Und mögen.
Wer hier einen lustlosen Lizenzcomic erwartet, wird bitter enttäuscht. So schrieb es Sarah Burrini und trifft damit den Nagel auf den Kopf. THE LAST OF US mit dem Untertitel American Dreams steht auch ohne Computerspiel, dem es hier die Vorgeschichte bietet, sehr gut alleine auf beiden imaginären Beinen. Wer sich den Zeichenstil von Faith Erin Hicks, hier auch als Co-Autorin tätig, anschaut, wird in meinen Augen keinen Indie-Comic-Stil vorfinden. Vielmehr mischt sich in die amerikanische Comic-Szene eine Zeichnerin, die stilistisch sofort in der europäischen Graphic Novel durchstarten könnte. Auf Augenhöhe mit kontinentalen Zeichnern wie Frederik Peeters (RG – Verdeckter Einsatz in Paris) und Fane & Jim (Sonnenfinsternis) ist durch Faith Erin Hicks ein Comic entstanden, in dem sich der Horror schleichend einstellt.
Im Vordergrund steht nicht die Katastrophe, die vor 19 Jahren (zur Startzeit der Geschichte) eingetreten ist. Zwei Mädchen weisen den Leser in diese Welt ein. Die alte Zivilisation ist komplett verschwunden. Es gibt Relikte, mehr nicht. Die beiden sind in einem Alter, in dem sie nie eine gewisse Normalität kennen gelernt haben. Dank Faith Erin Hicks‘ Zeichenstil finden sich auch ein paar Mangatechniken im Comic. Es ist eine feine Mixtur, die sich hier zu einem sehr eigenständigen Stil verbindet. So sind die Bewegungsabläufe in hektischen Situationen deutlich angelehnt, aber insgesamt fetter ausgeführt. Mit einer lockeren Tuschearbeit, die auch einem Klaus Janson (einem Inker, der häufig an der Seite von John Romita Jr. arbeitet) zu Gesicht stehen könnte, finden sich zusätzlich auch amerikanische Einflüsse.
Die Mädchen besitzen rundliche, offene Gesichter und unterscheiden sich mehr durch Haarfarbe und Kleidung als durch ihre Physiognomie. Gleichzeitig aber ist ihr Auftreten für den Leser sehr sympathisch. Es ist nicht schwer, für die beiden Mitgefühl zu entwickeln. Und der Horror? So könnte die Frage lauten. Es gibt keine riesigen Horden. Sie tauchen vereinzelt auf, diese Untoten, wahnsinnig geworden durch eine Infektion, mehr oder minder missgestaltet in frühen Stadien der Verwandlung. Von den späteren Stadien, wie sie der Spieler in The Last Of Us antrifft, findet sich hier nichts. So ist der Schrecken vergleichbar mit Szenarien wie 28 Days Later. Schnell zuschlagender Horror, der gerade durch seine menschliche Erscheinung in die Magengrube trifft.
Die Titelbilder, der hier zusammengefassten Hefte, gemalt von Julian Totino Tedesco verdienen eine gesonderte Erwähnung. Sie mögen am Rechner entstanden sein (oder tatsächlich am Zeichentisch mit echten Farben) oder auch nicht. Das Endergebnis hat es künstlerisch in sich und hebt sich auch erfreulich von anderen Publikationen ab. Eines der vier Bilder ziert auch den Titel des vorliegenden Sammelbandes. Ein intuitive Farbgebung, das Spiel mit richtungsweisenden Farben, die Stimmungen vorgeben und auf eine unterschwellige Bedrohung setzen, auch Theatralik, wie die Positionierung der Figuren beweist. Mehr als üblich erinnern die Bilder an Szenenfotos, wie sie gerne auch als Werbung für kommende Theaterstücke verwendet werden, so dass mehr als nur eine Szene eingefangen wird.
Ein auf den Punkt treffender Comic zum Spiel, der vollkommen alleine, ohne Vorwissen (oder Nachwissen) genossen werden kann. Faith Erin Hicks, Zeichnerin und Co-Autorin, sollte in der Comic-Szene im Blick behalten werden. Mehr als nur Horror und Endzeitszenario, auch eine sehr gute Geschichte mit fein konstruierten Charakteren. 🙂
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Donnerstag, 08. August 2013
Die Marmeladen. Eine Ansammlung schönster Inseln in hochblauem Meer, tropisch, paradiesisch für jene, die es sich leisten können. Oder eingeladen werden. Nur sind die Zustände auf dem Eiland alles andere als paradiesisch. Ohne Geld geht hier gar nichts. Nur mit viel Geld geht hier was. Eine privatisierte Polizei will erst bezahlt sein, bevor sie eingreift. Spirou fackelt nicht lange, er eilt dem Mann, der von drei anderen auf offener Straße verprügelt wird, tatkräftig zur Hilfe. Damit gewinnt er einen neuen Freund, den er auch schon bald dringend brauchen wird.
Mein Leben gehört mir. Das dachte Spirou bisher. Er hat von seinem Einkommen großzügig viel verteilt. Er braucht halt nicht viel. Fantasio hat von seinem Anteil das Magazin auf Hochtouren gebracht. Jetzt kann endlich mal aus dem Vollen geschöpft werden. Schade nur, dass alle nur noch zur Unterhaltung der Viper da sind und diese sich bequemt mit ihnen zu machen, was sie will. Geld regiert die Welt. Autor Fabien Vehlmann vermischt Fiktion und Realität, bringt das große Geld ins Spiel, das sich so viele Menschen wünschen, aus den unterschiedlichsten Motiven heraus und plötzlich wird aus einem wackeren Comic-Helden und Abenteurer eine Marionette im Dienste eines Superreichen, der mit Leben spielt, als säße er an einem Schachbrett, auf dem einfach alle Bauern sind.
Das ist ausgesprochen satirisch, denn Spirou ist nicht die einzige Comic-Figur, die hier exemplarisch vorgeführt wird. Er kann sich nur am besten wehren. Allerdings muss auch er sich dem Druck beugen, denn der ist immens. In einem überzogen agierenden Konzern (vielleicht) herrschen mafiöse Strukturen (nur ohne Waffen, aber mit Ausbildungen in waffenloser Selbstverteidigung) und gilt das Individuum nichts mehr, weil jeder eine Schwachstelle hat, über die erpressbar ist. Fabien Fehlmann arbeitet mit fein inszenierten Albernheiten und präsentiert fast ein zyklotropisches Untergangsszenario, nur ohne Zyklotrop. Interessant, wie es letztlich nur mit Menschen gelingt, sich aus der Schlinge zu ziehen, die sich noch nichts ins Netz der Erwachsenenwelt begeben haben: Kinder. Sie bleiben bislang unbeobachtet.
Yoann pflegt des klassischen Cartoonstrich eines Andre Franquin, transportiert ihn vielleicht etwas lässiger im Ausdruck in die Gegenwart. Da fetzt die Tusche auch mal ein wenig aus dem Strich, mal dicker, mal dünner in der Linie, dadurch werden die Figuren aber auch etwas wilder und frischer. Andere Figuren haben sich hin zu eher statischen, sehr konstruierten Gestalten entwickelt, Spirou + Fantasio holen einen vergangenen, einen guten Stil zurück. Es liegt eine skizzenhafte Geschwindigkeit in den Grafiken, die auch etwas riskiert, sich etwas traut und damit über die ganze Strecke des Albums nur gewinnt. Allerdings ist dieser Gewinn, diese Einschränkung sei gestattet, hauptsächlich dort, wo altbekannte Charaktere auftreten oder solche, die an frühere Bekannte angelehnt sind.
Bei den Neuen überzeugen Gus Löwenherz und Miss Jones. Beide könnten gegenteiliger nicht sein. Ersterer ist der Typ des alten Ermittlers, ein wenig Maigret, Trenchcoat, gemütlich, faltig wie Bogart. Letztere ist der neue moderne Frauentyp, wie er propagiert wird. Groß, schlank sportlich, intelligent, blond und kurzhaarig mit rundem Gesicht und energischem Auftreten, dem kein Kraut (und auch kein Spirou) gewachsen scheint.
Abwechslungsreiche Hintergründe und Örtlichkeiten (ein Schiffsfriedhof in einem Vulkankrater) sorgen für stets anregende Bildsequenzen. Ein redaktioneller Teil wartet mit Skizzen zum Album, Titelbildern wie auch ein paar schön ausgeführten gemäldeartigen Grafiken auf. Ein Poster hiervon würde sich gut an jeder Wand eines Spirou-Fans machen. Ein Titelbild im Stile eines bekannten Schokoriegels ist eine tolle Verbeugung vor der Langlebigkeit einer jung gebliebenen Comic-Figur.
Das Ende ist ein neuer Anfang? Auf den letzten Bildern hat der Leser gleich einen Ausblick auf die sich ankündigende Fortsetzung. Spirou wird in bester Fortsetzungsmanier wieder verlangt. Bleibt stark zu hoffen, dass er auch den nächsten Fall übernimmt, denn das Duo Vehlmann und Yoann hat den Geist der Serie erfasst. 🙂
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Dienstag, 06. August 2013
Er ist gerade in Papeete gelandet. Er wird nur nach dem Namen gefragt. Und er hätte besser nicht Ja gesagt. Dann wäre ihm die Tracht Prügel, die eigentlich für seinen Vater gedacht war, erspart geblieben. Am besten wäre er gar nicht erst auf die Idee gekommen, diese Reise zu übernehmen. Am besten hielte er sich von allen Frauen, besonders den freizügigen, fern. Von eifersüchtigen Ehemännern, ob berechtigt oder unberechtigt, natürlich auch. Ach, am besten wäre er erst gar nicht Taucher geworden, dann wäre ihm so mancher Ärger erspart geblieben. Aber dann wäre auch nicht das Prickeln da, im Angesicht der Gefahr, wenn sich etwas aus der Dunkelheit schält, auch nicht die wenigen Freunde und dieses verdammt tolle Haus, in dem er sich doch so selten aufhält.
Der Narwal ist ein ungewöhnlicher Mann. Er begibt sich in die irrsinnigsten Situationen, riskiert Kopf und Kragen und lässt es noch zu, von seinem Vater einen Schwinger einzufangen. Robert Narwal taucht überall, wo Wasser ist, selbst in der Wüste, wenn es sein muss. Olivier Supiot hat sich für seine Kurzgeschichten eine starke Figur ausgedacht. Ein kompromissloser Abenteurer und Profi, dem Alkohol und Frauen nicht abgeneigt, mit pechschwarzem Haar und abstehenden Ohren und jemand, der Humor hat und sich selbst nicht immer ganz so ernst nimmt. Und ein echtes Überlebenswunder.
Das Album Der Narwal mit dem Untertitel Der Mann aus der Tiefe bildet keine durchlaufende Geschichte ab, vielmehr erzählt Olivier Supiot in Episoden, die, aneinandergereiht, binnen kurzem ein Gesamtbild der Person Narwal ergeben. Ein paar Figuren kehren wieder. Prägend in dieser Form ist Napoleon Narwal, Roberts Vater, die sich beide zueinander verhalten wie ein alter zu einem jungen Robert Wagner. Mit der grafischen Stilistik befindet sich Boris Beuzelin in guter Gesellschaft zu Künstlern wie Mike Mignola und Guy Davis, wirkt also eher amerikanisch als europäisch. Das sind einfache Linien, auch mal fette schwarze Schatten, in jedem Fall klare Bilder, die ihre Wirkung auch aus einem gesamten Seitenaufbau erzielen, der sehr künstlerisch aussieht.
Die Erzählweise und die Bildtechnik greifen Hand in Hand. Einerseits ist es durchaus ein wenig an Pulp angelehnt, da es einem groschenromanähnlichen Muster folgt. Andererseits besitzt es auch literarische Tiefe, da es auch mit der Schnoddrigkeit von Nick Adams Stories daherkommt, den berühmten Subtext hat und gleichzeitig Themen anpackt, die phantastisch, kriminalistisch, einfallsreich und auch zeitweilig kritisch sind. Der Narwal, ein junger Mann mit quadratischem Gesicht, den bereits erwähnten abstehenden Ohren und einem Haarschopf, der ihm wie eine schwarze Mütze zu Berge steht, ist ein Produkt eines feinen frankophonen Erzählers, der, so scheint es, jedes Bild, jeden noch so kleinen Text auf das Nötigste reduziert hat. Im Endergebnis sind sehr dichte Kurzgeschichten entstanden, denen ganz einfach nichts fehlt. Oder: Hier ist weniger tatsächlich noch viel mehr.
Eine ungewöhnliche Abwechslung: Vom Meer in die Kanalisation, in dunkle Gefilde, auch an Land in einer Geistergeschichte, auf dem Ozean in eine Geiselnahme. Das hat, will man eine Mischung ausmachen, etwas vom Lebensgefühl eines Nestor Burma und von den Abenteuern eines Largo Winch. Die Atmosphäre um diesen teils knurrigen jungen Mann ist sofort aufgeheizt, wenn er die bildhafte Bühne betritt. Meistens können ihn die anderen nicht leiden und Der Narwal ist gezwungen, sich nicht nur gegen widrige Umstände zu behaupten.
Eine Mischung aus Abenteuern, Thrillern und Kriminalgeschichten. Aus einer Vielzahl der Erzählungen hier würden andere Romane oder Filme machen. Olivier Supiot ist ein Meister der Reduzierung. Er überlässt es dem Leser, die Lücken im Geiste zu füllen. Am Ende ist die Handlung gefüllt viel größer. Klasse. Die Zeichnung sind eigen, künstlerisch, flott und fügen sich dem großen Ganzen. 🙂
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Montag, 05. August 2013
Wenn die Toten auf die Erde zurückkehren, dann ist nicht immer die Hölle voll. Manchmal steckt einfach schwarze Magie dahinter. In vergangenen Zeiten mag an dergleichen geglaubt haben, im finsteren Mittelalter, wie es die Bezeichnung schon sagt. Doch in heutiger Zeit, mit überragender Technik, ist dergleichen nur Humbug. Davon sind auch die amerikanischen Soldaten überzeugt. Beste Ausrüstung, Schnellfeuerwaffen und Unterstützung durch eine perfekte Logistik machen die amerikanische Armee unaufhaltsam. Doch auch Technik kann versagen. So stürzt ein Hubschrauber ab und schon stecken die Soldaten mitten im Schlamassel. Als sie auf Gotteskrieger stoßen, aber kein richtiger Angriff erfolgt, werden sie zunächst stutzig. Als der Feind selbst von jemand anderem niedergemetzelt worden zu sein scheint, werden sie nervös. Als sie ein Gegner attackiert, der von Kugeln nicht aufgehalten werden kann, bekommen die im Kampf erfahrenen Profis zum ersten Mal Angst.
Garth Ennis ist spätestens seit seinen Preacher-Comics ein Garant für schaurig andere Geschichten. Mike Wolfer hat die Idee dieser Comic-Größe aufgegriffen und folgt seinem Interesse für Untoten-Geschichten und Horroratmosphäre. Die ausgewählte Umgebung erinnert, wie auch die Gestaltung der untoten Gegner, an alte spanische Horrorfilme. Hier geht es, gemäß der von Garth Ennis angewandten Techniken, sofort handfest zur Sache. Keine lange Einleitung hält hier auf, des Rätsels Lösung wird Schritt für Schritt präsentiert. Für die Akteure ist es nur bedingt hilfreich, denn ungefährlicher wird es nicht, allenfalls wird es für sie ein wenig berechenbarer.
Neben einem Handlungsverlauf, der grundsätzlich den Überlebenskampf eines verlorenen Trupps hinter den feindlichen Linien aufzeigt (mit Zombies), der außerdem sehr geradlinig verläuft, ist die Action auch gemäß heutiger Standards extrem blutig und kann sich mit jedem Horrorfilm messen. Es gibt eine Szene, auf die auch im Sinne jeglichen Unterhaltungshorrors hätte verzichtet werden können und es verwundert ein wenig, wie diese auch jenseits des Atlantiks so einfach erscheinen konnte. Mike Wolfer bietet darüber hinaus so einiges, was im Bereich des Splatters machbar ist, nicht immer auf die Leinwand kommt und so durch seinen Einfallsreichtum auch ein paar ungläubige Momente bietet. Diese allerdings neigen derart zur Übertreibung, dass der in diesen Dingen versierte Leser, vermutlich auch schmunzeln muss.
Grafisch hat Mike Wolfer auch den Zeichenstift übernommen. Dünnste Striche formen wiedererkennbare Charaktere, die jedoch selten sehr starke Emotionen zeigen und den Leser so auf Abstand halten. In den sehr stark mit Action angereicherten Szenen, auch der Bildaufteilung, die manchmal Collagetechniken nutzt, dem Wechsel von Perspektiven kann Mike Wolfer überzeugen. Hier finden sich viele Parallelen zu Kamerafahrten, wie sie der Fan von Splatter-Filmen auch aus dem Kino kennt. Digikore Studios, verantwortlich für die Kolorierung, arbeiten bei Landschaften und natürlichen Strukturen gerne mit schattierten Füllmustern und bleiben im Bereich der Figuren bei den klassischen Verläufen oder auch leichten Brushtechniken. Die Farbgebung sorgt letztlich für das Volumen der Szenen.
Beinharter Horror, kompromisslos in Ausführung und Thematik, von Garth Ennis erdacht, von Mike Wolfer zu Ende gebracht. Amerikanisches Trauma wird mit Horror zusammengeführt, keine neue Idee, aber sicher in dieser Ausführung auf der Basis von ziemlich aktuellen Ereignissen, Kriegen eher seltener anzutreffen. 🙂
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Links: mikewolfer.tumblr.com
Freitag, 02. August 2013
Auch 1922 war Gotham City schon eine dunkle Stadt. Der Mann der dort, nur mit einem Nachthemd bekleidet, durch die nächtlichen Straßen läuft, wird von einer höllischen Angst getrieben. Der erste Polizist, der ihn aufhalten, erkennt den Mann zunächst nicht. Die Verwunderung ist groß, als der andere Ordnungshüter ihn darüber aufklärt, er habe es mit Alan Wayne zu tun, dem Mann, der die halbe Stadt habe bauen lassen. Von dem großartigen Bauunternehmer ist in diesem zitternden und paranoiden Häuflein Elend, das im Griff des Polizisten hängt, nichts mehr übrig geblieben. Kurz darauf ist der Mann verschwunden.
Es gibt bereits eine lebende Legende in Gotham City: Batman. Aber, der Rat der Eulen? Das ist doch ein Ammenmärchen. Wer soll den Geschichten über die geheimnisvollen Kräfte im Hintergrund glauben, die an Gothams Strippen ziehen wie an einer Marionette? Die Figur des Batman hat sich schon häufiger Bedrohungen stellen müssen, die augenscheinlich mächtiger waren als sie. Eine Legende in dieser Form ist eher selten. Scott Snyder ist ein Autor, der sich mit düsteren Stoffen auskennt, wie seine Zusammenarbeit mit Stephen King (American Vampire) beweist und weitere Batman-Geschichten zeigen. Hier stellt er Batman in der dunklen, wenig lebenswerten, weil vom Verbrechen zerfressenen Stadt gleich mehrere Rätsel gegenüber und eines davon führt tief in die Familiengeschichte von Bruce Wayne, Batmans zivilem Ich.
Es beginnt mit einem Knaller, bei dem sich Batman-Fans, die nicht nur lesen, sondern auch Computerspiele um den dunklen Ritter zocken, sicherlich freuen wird. Arkham hat Ausgang und Batman schafft den wilden Haufen wieder zurück in seine Zellen. Und wild ist der Haufen dank Greg Capullo, der sich mit Spawn und Haunt einen Namen im Horror-Comic-Genre machte. Der Unterschied zu besagten Publikationen ist deutlich. Greg Capullo nimmt sich ein Stück weit zurück, lässt seine Striche oder auch die Seitenkompositionen weniger ausufern, gibt sich selber mehr Raum, während er früher dichter zeichnete, jeden Platz an sich zu raffen schien. Bruce Wayne und Batman sind luftiger arrangiert, aber er bleibt, besonders in den dunklen Szenen, ein Greg Capullo, wie man ihn als Fan kennt und zweifellos auch lieben gelernt hat, denn anders ist sein Erfolg kaum zu begründen.
Die Gegner Batmans sind hier weniger ausgefallen als jene von Spawn, dafür sind sie nicht weniger gefährlich und erinnern daran, wie ein Batman als Eulenmann hätte werden können. Batman, der seit längerem optisch auf den vorgegebenen Spuren eines Frank Miller wandelt, schmutziger, gemeiner, muskulöser, so dass von Wayne zum Fledermausmann eine echte Verwandlung eintritt, tritt so auch auf Augenhöhe gegen seinen neuen Feind an, der nur die Speerspitze einer gesammelten Riege von Gegnern bildet, die allerdings niemals selbst Hand anlegen würden.
Ein Markenzeichen von Greg Capullo ist eine überaus feine Strichtechnik mit leichter bis hin zu starker Abstraktion, die hier allerdings in den Hintergrund rückt. In Spawn war er eindeutig experimenteller. So rückt er in seinem reduzierten Stil mehr in die Nähe eines Eduardo Risso (100 Bullets). Capullo arbeitet jedoch mehr organisch, weniger architektonisch. In Capullos Bildern ist die Bewegung spürbarer, seine Gesichter besitzen einen Hauch mehr Leben. Insgesamt kann er mit dieser Stilrichtung völlig überzeugen, die gerade in den Batman-Sequenzen mit der erforderlichen Härte und Düsternis aufwarten, die der Comic-Fan inzwischen erwartet, auch erwarten darf, nach diversen Kinohöhepunkten, deren Stilistik ihren Weg zwischen die Comicseiten gefunden hat (und nicht anders herum).
Eine starke Geschichte, ein sehr ursprünglicher Batman mit einem zünftigen Gegner, der mit der richtigen Mischung aus Rätsel und Aktion daherkommt. Snyder und Capullo etablieren sich hier als ordentliches Team für den Dunklen Ritter. Wenn Snyder noch mehr von solchen Szenarien schafft, dann nur her damit. 🙂
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Mittwoch, 31. Juli 2013
Ein guter Tag. Ein guter Tag, um den Jungen das Leben zu zeigen, wie man es genießt. Wie man jagt. Wie man sich an einem heißen Tag ein kühles Bad gönnt. Die Jungen sind allerdings von der Unzivilisiertheit der ländlichen Umgebung gar nicht begeistert. Widerwillig halten sie sich am Fluss auf und warten auf die Rückkehr ihres erwachsenen Begleiters. Schreie, ausgestoßen in höchster Not, locken die Jungen schließlich doch in den Fluss. Bevor sie die Biegung des Stroms erreichen, hinter der sie ihren Begleiter vermuten, stehen sie plötzlich in rot verfärbtem Wasser. Blut!
Cäsar ist tot. Es lebe Cäsar. Augustus ist der erste Kaiser des römischen Kaisers, doch noch ist da Leben noch nicht so geordnet, wie es der mächtige Herrscher gerne hätte. Alte Wegbegleiter sterben unter ungeklärten Umständen. Der Adler, das Zeichen Roms, wird zum Unheilsbringer. Wenn das göttliche Tier, das Zeichen der Macht Jupiters, sich gegen die Mächtigen Roms stellt, jene, die für den Aufstieg des neuen Kaisers mitverantwortlich waren, wie lange kann sich Augustus dann an der Macht halten? Nach Jacques Martin, dem ursprünglichen Künstler hinter der Figur des ALIX, die zu den langlebigsten Comic-Reihen überhaupt gehört, entstand dieser neue Handlungsstrang, der sich mit der Senatorenzeit der Figur befasst. Gleich tritt der Jugendbuchcharakter in den Hintergrund und eine detektivische Handlung im Stile von S.P.Q.R. von John Maddox Roberts oder den Romgeschichten von Steven Saylor tritt in den Vordergrund.
Thierry Demarez geht die Lösung der Darstellung des römischen Reiches filmisch an. Nicht zum ersten Mal stehen Figuren wie der blinde Mönch Jorge de Burgos (aus Der Name der Rose) Pate für einen Comic, hier für den blinden obersten Auguren Roms. Nuancen in den Gesichtsausdrücken machen aus den Figuren echte Charaktere, so echt, dass man sich gewünscht hätte, einem Agrippa zum Beispiel wäre eine größere Rolle zugefallen. Historisch bedingt muss der Leser darauf verzichten. Allerdings sei auch darauf hingewiesen, wie versiert Demarez Quellen nutzt und ein Agrippa im Comic dem Agrippa, wie der historisch Interessierte ihn von alten Büsten her kennen mag, nachempfunden ist.
Die Figuren des Alix und des Augustus wirken lang gediente englische Schauspieler, enorm präsent in ihren jeweiligen Bilder, wie ein gereifter Peter O’Toole vor der Kulisse eines Filmes wie Gladiator. Dieses Rom, es besitzt einen skizzenhaften, organischen Stil. Dies mag auch einem Denis Bajram geschuldet sein, der die grafische Leitung des vorliegenden Albums hatte. Comic-Fans kennen den technisch sehr versierten Bajram eher von SciFi-Krachern wie Universal War One und Cryozone. Das Altertümliche, dessen Illustrationen auch in Lehrbüchern Platz finden könnten, zeigen ein lebendiges, ein gebrauchtes Rom, in dem geliebt, intrigiert und gekämpft wird.
Ungewöhnliche Kämpfe und Attentate: Das Geheimnis hinter den Ermittlungen von Alix soll hier natürlich nicht gelüftet werden. Es besitzt zwar nicht ganz das Rätselhafte eines Romans von Umberto Eco (um bei dem oben genannten Beispiel zu bleiben), kann aber durchaus mit Werken von John Maddox Roberts mithalten, enthält sich aber des Humors, den dieser amerikanische Autor über seine Hauptfigur gerne einbaut, eines Ermittlers, der gerne einmal Kultiviertes bitter in Frage stellt. Alix ist anders. Alix ist ein sehr rigoroser Römer, fest eingebunden und aufgrund seiner Ernsthaftigkeit, seines Maßes an Disziplin hoch angesehen bei den Herrschenden. Das Ungestüm der Jugend hat er hinter sich gelassen. Dieser Alix denkt erst, dann handelt er.
Ein klasse Auftakt eines neuen römischen Ermittlers, mit neuen Rätseln, die sich auch innerhalb der römischen Geschichte bewegen und die Lücken aufgreifen, die innerhalb der Historie zurückgeblieben sind. Fein illustriert, nicht nur für Rom-Fans interessant. 🙂
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Freitag, 26. Juli 2013
Einheit 4 fürchtet sich nicht vor der Verwendung der realen Namen. Einheit 4 will den Zustand der Gefangenschaft nicht als von Gott oder höheren Mächten gegeben hinnehmen. Einheit 4, Isabel, will hier raus. Furcht ist nicht der einzige Antrieb, aber es ist der Antrieb, der alsbald schon den Kreis der Einheiten verlässt und auf die Berater übergreift. Ein geschlossenes System steht niemals für sich allein. Die einschließenden Mechanismen gehören dazu, mögen sie sich noch so sehr abgrenzen oder distanzieren wollen. Wer beobachtet die Beobachter? Das ist keinem so richtig klar. Es werden Instruktionen ausgegeben und diese werden befolgt. Ohne Widerspruch.
Eine falsche Hoffnung. Isabel will die ihre nicht aufgeben. Ein Fluchtversuch folgt dem nächsten. Immer wird sie gefasst, landet in einer Sackgasse oder erhält die totale Ernüchterung, die ihr die Ausweglosigkeit der Lage aufzeigt. Doch plötzlich keimt eine Hoffnung, die sich als echte Chance herausstellen könnte. Richard Marazano ist ein recht gemeiner Autor, der mit seinen Charakteren tatsächlich wie mit Versuchsmäusen spielt. Und damit sind alle vorkommenden Charaktere gemeint. In der Welt drinnen wie auch draußen. Nachdem sich die Verfahrensweisen innerhalb des Gefängnisses eingespielt haben, die Bedrohung für die Insassen einschätzbar geworden ist und ihnen sogar gewisse Freiheiten der Kommunikation zugestanden wurden, wendet sich da Blatt auf einmal völlig. Freiheit. Alle Kameraden und Berater sind verschwunden.
Die Ausgangslage des ersten Bandes verschärft sich. Hatte der Leser Gelegenheit, für eine Seite Partei zu ergreifen (für die der Gefangenen natürlich), verschleiert Autor Richard Marazano die Anfangssituation mit einem schönen Trick. Plötzlich, nachdem man als Leser auch dachte, man wisse, wo der Hase lang läuft, gewinnen die Gefangenen Freiheiten, die sie zunächst auch zwischen Ratlosigkeit und Verwirrung hin und her wechseln lassen. Das ist sehr ausgeklügelt erzählt und kann sich mit entsprechend verschachtelt erzählten TV-Blockbustern (Fernsehserien mit Suchtfaktor) auf Augenhöhe messen. Überhaut wird man den Verdacht nicht los, als habe sich Marazano moderne mediale Erzähltechniken angeeignet, um diese dunkle Science-Fiction-Geschichte zu kreieren. Erzählen hat eben auch viel mit Handwerk zu tun.
Alles bloß ein Test? Ein Wissenschaftler löst Rubiks Zauberwürfel, jenes zeitlose Spielzeug zur Beförderung logischen Denkens, während er kühl über die wissenschaftliche Arbeit von Gefangenen und die Verwendung von Placebos doziert. Überwachungskameras laufen, die Daten werden aufgezeichnet. In grünlichem Licht entsteht eine unterweltliche Stimmung, weniger wissenschaftlich als verkappt höllisch. Jean-Michel Ponzio hält die hohe grafische Qualität bei, lässt die Realität in wahnhafte Bilder abgleiten, bis ein paar Worte fallen, die sich im Zusammenhang mit Wissenschaft eigentlich verbieten.
Die Stimmung, nicht farblich, dafür in den Mienen der Einheiten, die ihre Gefängniszellen verlassen, wird heiterer, aufgeregter, hoffnungsvoller, als sei nach der Apokalypse eine Zeit des Aufbruchs gekommen. Man organisiert sich verhalten und auch nicht einheitlich. Dank Jean-Michel Ponzio hat man als Leser zeitweise den Eindruck eines Kaleidoskops. Menschliche Gesichter bilden einen Querschnitt verschiedenster Emotionen, die, je mehr Ponzio mit Licht und Schatten spielt, immer eindringlicher werden und dem Leser jeden Abstand nehmen.
Wäre es ein Theaterstück, wäre es beste Studioatmosphäre, fast ebenso ein Experiment, mit dem Leser ebenfalls in der Riege der Einheiten. Nur selten ist man als Leser so nah dran. Die Charaktere fesseln, diejenigen, die sich noch mehr entblößen als andere, reißen mit. Mit einem Hinweis von Richard Marazano, auf Leon Festinger, gibt der Autor auch gleichzeitig einen Hinweis, welche Theorien dieser Geschichte zugrunde liegen. Einmal mehr ein intelligentes Thema, in diesem Fall dramatisch, anschaulich (im Wortsinn) verpackt.
Unglaublich gut, aber keine leichte Comic-Lektüre, die mal eben so gelesen werden will. Sicherlich typisch Marazano, aber auch näher am einzelnen Charakter und näher am Leser. Tolle Science Fiction im besten Sinne eines frühen Michael Chrichton mit einer Spur Arthur C. Clarke. 🙂
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Donnerstag, 25. Juli 2013
Der menschliche Geist, vielfach erforscht und doch gibt es so viel zu lernen und zu erfahren. Die vielfältigen Abläufe des Gehirns, das komplexe Zusammenspiel einer inneren und einer äußeren Welt hat sich bisher, sehr zum Verdruss mancher Institution, einer genauen Steuerung von außen, einer regelartigen Verhaltensweise entzogen. Die Willkür des menschlichen Geistes wird zur Bedrohung, so scheint es und einige Mächtige im Hintergrund sind nicht gewillt, die Menschheit wie einen führerlosen Zug in die Zukunft rasen zu lassen, an deren Ende nur eines warten kann … Auslöschung? Was wie ein Experiment beginnt, erinnert auch an ein Spiel. Selbst jene, die das Experiment leiten, sind sich nicht im Klaren über den genauen Verlauf. Nur einer scheint den Überblick zu besitzen: A.D.A.M.
Weltweit werden Menschen entführt. Die Auswahl ist scheinbar willkürlich. Sie verschwinden einfach und finden sich zusammen in einer Art Gefängnis. Zuerst protestieren sie. Sie haben Angst. Sie verweigern sich. Versuchen zu entkommen. Bis sie sich in das Unvermeidliche fügen. Fast alle. Was wäre wenn? Experimente mit Menschen, Erwachsenen wie auch Kindern, sind nicht neu und in den weiten Bereichen rund um das menschliche Gehirn und dem Verhalten in bestimmten Situationen immer wieder gern probiert. So werden diesen Probanden getestet und Situationen ausgesetzt, die insbesondere gern an Charakteren rüttelt. Die Versuchsanordnung, die von Richard Marazano (Der Schimpansenkomplex) hier ersonnen wurde, ist ein wirklich gruseliger Ausgangspunkt.
Das Gefängnis, dem Umstand nach zweifellos ein solches, gewinnt durch eine Umbenennung kaum an Qualität, erhält aber einen etwas freundlicheren Charakter, indem die Insassen neutraler als Einheiten, die Bewacher als Kameraden, die experimentierenden Ärzte als Berater bezeichnet werden. Allesamt sind sie die Bewohner. Richard Marazano beschreibt eine Hölle für Menschen, die sich offensichtlich nichts haben zu schulden kommen lassen und sich nun zur Hilflosigkeit verdammt sehen. Denn neben der ungeklärten Frage nach dem Warum für ihren Gefängnisaufenthalt, haben sie auch keine Ahnung Wo sie sich befinden.
Jean-Michel Ponzio, der zusammen mit Richard Marazano schon Der Schimpansenkomplex schuf, hat es hier mit einer Geschichte zu tun, die weniger mystisch, dafür umso menschlicher in Szene gesetzt wird. Die Umgebung des Gefängnisses ist kalt, stählern, eisern, wie das Innere einer längst verlassenen Fabrik, die eigens zu diesem Zweck umgebaut oder angepasst wurde. Jean-Michel Ponzio arbeitet stilistisch, als setze er eine Fotoserie in Zeichnungen um. Jede Figur ist zu jeder Zeit, in jeder Haltung und Perspektive wiedererkennbar. Es ist eine grafische Lösung, die sich keinen Fehltritt, keinen falschen Strich leistet. Es ließe sich auch sagen, dass Ponzio die optische Dokumentation für seine Zusammenarbeit mit Marazano entdeckt hat.
Diese Stilistik, die durchaus auch sehr kühl ist, sezierend, nüchtern, klar setzt jeden vorkommenden Charakter den voyeuristischen Blicken des Lesers aus. Jeder Charakter, Kameraden und Berater eingeschlossen, ist auf dem Prüfstand. Das ist bei der klinischen Atmosphäre binnen kurzer Zeit gruselig, ein unheimlicher Thriller, der auch durch die Zwielichtfarben, die vorherrschende künstliche Beleuchtung im Inneren des Gefängnisses befördert wird. Tageslicht dringt in den Innenbereich dieses Ortes nicht vor.
Die Vorgeschichte, oder auch Einleitung, ist kurz. Zwischeneinschübe (nicht jeder Mensch kann so einfach verschwinden, ohne dass nicht wenigstens einen gibt, dem dieses Verschwinden auffällt) zeigen die Welt außerhalb des Gefängnisses. In der relativ nahen Zukunft handelnd, präsentiert sich Hoffnungslosigkeit in smoggelbem Licht, leicht diesig. Drinnen oder draußen, ob Macht oder Ohnmacht, so geben es die Bilder wieder, es ist sich alles eins und macht keinen Unterschied.
Faszinierend. Kann mehrmals gelesen werden, ist vielschichtig, auch zwischen den Zeilen. Richard Marazano hat seine Technik für Plot, komplexe Handlung und Charaktere einmal mehr perfektioniert. Technisch perfekte Zeichnungen komplettieren diesen SciFi-Thriller und Auftakt einer vierteiligen Erzählung. 🙂
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Montag, 22. Juli 2013
Jemand wie Peter Parker kann einfach nicht Spider-Man sein! Unmöglich! Doch einer wie Flash Thompson, sportlich, dem äußeren Auftreten nach ein Macher, ein Spur zu großmäulig vielleicht, der könnte sich sehr gut unter dem Spinnenkostüm verbergen. Der Taskmaster, ein früherer Agent S.H.I.E.L.D. erhält von Dr. Octopus den Auftrag, Spider-Man zu fangen. Sicher scheint nur zu sein, dass sich der Mensch hinter dem Spinnenkostüm häufig an der oder in der Nähe der High School aufzuhalten scheint. Der Taskmaster schleust sich als Sportlehrer in die Schule ein. Heimlich stellt er eine Auswahl möglicher geheimer Superhelden zusammen. Als die Falle steht, schlägt er zu. Nun muss sich Spider-Man offenbaren. Wenn er überleben will.
Tilo Schmitz ist der Taskmaster! Der Sprecher, dessen Stimme bereits Hellboy das nötige Volumen mit einem enormen Bass verlieh, lässt diesen Bösewicht in der zweiten Episode des vorliegenden Hörspiels ordentlich krachen. Eine Rangfolge der beiden vorliegenden Geschichten zu finden, fällt schwer. Beide verfügen über reichlich Witz und Action, doch schlägt bei beiden der Schwerpunkt in eine entgegengesetzte Richtung aus. Die erste Episode, Iron Spider besitzt mehr Humor, die nächste Geschichte Taskmaster legt mehr Wert auf handfeste Action. Der Taskmaster, ein Gegner, der binnen kurzem die Kampftechniken eines Kontrahenten abschauen und selber anwenden kann, bietet sich für ein solches Szenario an.
Mit einem simplen Trick schleust sich der Taskmaster, der den inkognito agierenden Spider-Man an einer High School vermutet, als, wie kann es anders sein, Sportlehrer ein. In einem sehr anschaulich geschildertem Finale, auch dank des Erzählers Gordon Piedesack, der die Bilder im Kopf in humorvollem Ton transportiert, entsteht ein stimmiges Spektakel, das zeitweilig im Dunkeln handelt. Das ist rasant, einfallsreich und durch einen glänzend aufgelegten Nico Sablik, als Spider-Man, ein genialer Spaß, der durch eine vielfältige Geräuschkulisse die Bilder der zugrunde liegenden Zeichentrickserie kaum vermissen lässt. Hier offenbaren sich einmal mehr die Stärken dieser Umsetzung, wo nicht nur die Dialoge und Beschreibungen stimmen, sondern das Hörspiel durch den originalen Klangteppich zu punkten vermag, der in Hörspielen so nicht die Norm ist.
Iron Spider! Ein eiserner Spider-Man? Ein verbesserter Spider-Man? Einer, der fliegt? Da steckt doch wohl ein anderer eiserner Held dahinter! Iron Man, wie immer lässig rübergebracht von Tobias Meister, der Kinostimme von Tony Stark alias Iron Man, hat sich ein paar Gedanken zum Auftreten von Spider-Man gemacht. Der junge Held könnte leistungsfähiger sein … Die Betonung liegt auf leistungsfähiger und hier insbesondere auf fähig, denn neue Gerätschaften wollen beherrscht werden. Wie schnell High-Tech zum berühmten Schuss in den Ofen werden kann, zeigt das mit Action bis zum Rand geladene Desaster in Iron Spider.
Fans von Sherlock Holmes, genauer von Dr. Watson dürfen sich über einen Gastauftritt von Peter Groeger freuen, der hier den Hausmeister spielt, jenen Part, den im englischen Original niemand anderer als Stan Lee persönlich innehat. Also auch im Zeichentrick kann der Meister nicht auf einen Cameo-Auftritt verzichten. Nur hat man im Hörspiel leider nichts davon.
Die Helden sind etabliert, das Spiel verläuft noch flüssiger, die Gegner noch unterhaltsamer. Der Taskmaster ist ein Höhepunkt und ein sehr guter Auftritt, gehört er doch im Marvel-Universum zu jenen Bösewichtern, die leider nicht so oft zu sehen sind (zu unrecht). Eine sehr unterhaltsame Hörspiel-Adaption, leider die dritte und bislang letzte Folge. 🙂
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Freitag, 12. Juli 2013
Die Burgruine hat schon lange keinen Glanz und keine gesellschaftlichen Ereignisse mehr gesehen. Es gibt einen Burgherren, einige wenige Bedienstete, ein Dorf am Fuße des Berges, doch Pracht und Macht sind vergangen. Einzig die junge Frau auf dem Burgturm, die täglich mit den Winden singt, lässt ein Herz in diesen trüben Mauern erahnen. Und es sind diese Winde, diese durchsichtigen Männer und Frauen, die durch die Luft gleiten, unerkannt alles sehen, die den Teufel auf die Spur der jungen Frau bringen. Es sind diese Winde, die das Kind auch erziehen und sogar schulen werden und es, beizeiten, sogar beschützen. Doch all das hilft nichts, denn das Schicksal des Kindes ist vorbestimmt und niemand wird sich dagegen auflehnen können.
Der Teufel will ein Kind! Und er will es nicht von irgendeiner Frau. Sie muss die schönste sein, die sich finden lässt. Da spielt es keine Rolle, ob sie vermählt ist oder nicht. List und Tücke, ein wenig Mummenschanz genügen und schon ist es geschehen um die junge Frau, die den Tag in Einsamkeit an der Seite eines alten, grantigen und misstrauischen Gatten verbringt. F. M. Froideval entwirft eine bitterböse Entstehungsgeschichte seines dunklen Helden Wismerhill I.. Auf der Erde beginnt es in Schönheit, in der Hölle ist der Anfang eine finstere Wette zwischen Luzifer und dem Dämonenfürsten Pazuzu.
Die Vorgeschichte zu Die Chroniken des schwarzen Mondes werden sehr märchenhaft geschildert und bei aller Dramatik, bei allen tragischen Ereignissen kann sie auch mit einigen sehr schwarzhumorigen Szenen aufwarten. Der Teufel hat seine Hand im Spiel und der Teufel versteht Spaß, finsteren Spaß. Beispielhaft ist seine Verwandlung in einen Prinzen samt Gefolge. Das Gefolge, bestehend aus Dämonen aller Arten, hat sich nur auf sein Äußeres zu achten, sondern auch auf sein Verhalten. Wer nicht spurt … nun, es gibt noch viele andere Dämonen, da, wo diese herstammen.
Interessant ist des Teufels Macht über die Winde. Denn diese stehen ihrem Herrn doch ein wenig skeptisch gegenüber. Außerdem besitzen Mitgefühl. Diese Eigenschaft ist dem Teufel völlig fremd, allerdings kann er (nicht immer) Nachsicht zeigen (wenn es seinen Zwecken dient, versteht sich). Die Geschichte verläuft über verschiedene Etappen, zeigt den Knaben als Säugling, gehegt von den Winden und der Mutter. Der Leser entdeckt den kleinen Jungen, der sehr bald seinen ersten Schicksalsschlag hinnehmen muss. Fabrice Angleraud liebt das Spiel mit den Gesichtern, die er in Schlüsselszenen gerne besonders groß und frontal zum Betrachter abbildet. Der Teufel ist ein gern gesehener Kopf, aber auch der Ziehvater des Jungen, der gehörnte Ehemann, bringt ausdrucksstarke Mienen auf das Papier.
Diese Miene ist mit all ihren Emotionen, Hass und Missgunst vorneweg, stets beeindruckend anzuschauen, besonders am Tage des ersten großen Schicksalsschlages. Darüber hinaus sind die Zeitrafferszenen aus der Jugend des Jungen sehr fein gestaltet, mit kleinen Einzelheiten, reich an Blickwinkeln. Es sind auch Szenen, die über den späteren Charakter des Jungen hinwegtäuschen werden. Wenn dieser sich zum ersten Mal auf den Jagd befindet und vor (sehr knuffig gestalteten) Kaninchen das Weite sucht, da er sie für Monster hält, ist das schön für das Auge und das Zwerchfell.
Die Anordnung der Bilder, sicherlich durch mittelalterliche, auch kirchliche Fenstertechniken inspiriert, zieht sich nicht selten über eine Doppelseite, zentriert eine Figur oder stellt zwei Protagonisten einander gegenüber. Frontal gegeneinander oder im Anschnitt, zum Betrachter hin orientiert: Fabrice Angleraud will den Leser mit seiner Anordnung einfangen, einbeziehen und erweckt auf diese Weise eine noch größere Nähe zu einem Märchen, wie es auch aus Bilderbüchern her bekannt sein kann. Gegen Ende allerdings verliert die Handlung das Märchenhafte. Der Held formt sich, erhält sein Gesicht, verliert jegliches Gefühl. Diese Enttarnung fällt entsprechend drastisch aus.
Wie kam es zu Chroniken des schwarzen Mondes? Wie nahm alles seinen Anfang? Niemand wird böse geboren, so heißt es. Zum Beweis lässt Autor F. M. Froideval seinen Helden Wismerhill sehr langsam in die Dunkelheit hinübergehen, malträtiert durch den wahren Vater, den Teufel. Ein überzeugendes Märchen, sehr schön gezeichnet, auch märchenhaft angeordnet im Stile früherer Techniken, ist die Nummer 0 der Chroniken des schwarzen Mondes nicht nur für Fans der Erfolgsreihe einen Blick wert. 🙂
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