Montag, 18. August 2014
Ein Überfall soll die gereizten Matrosen wieder besänftigen. Die Piraten unter dem Kommando des Roten Korsaren fassen einen riskanten Plan. Sie wollen die kleine Stadt Vera Cruz angreifen, plündern und zwar von der Landseite her. Mitten in der Nacht schlagen sie sich durch den Dschungel und allen Unkenrufen zum Trotz scheint das ungewöhnliche Unterfangen doch zu gelingen. Allerdings hat der Rote Korsar es nicht als seine erste Aufgabe angesehen, Vera Cruz zu überfallen. Durch einen Zufall, einen sehr mysteriösen noch dazu, war der Schwarze Falke, sein Segelschiff, im bitteren Sturm einem anderen Schiff begegnet.
Viele aus der Mannschaft des Roten Korsaren glauben an ein Geisterschiff, das geradewegs in den hoch gepeitschten Wellen auf sie zusteuert und einen Zusammenprall nicht scheut. Ein Ausweichen ist nicht möglich. Als der Rote Korsar das fremde Deck betritt, schnell und ohne zu zögern, da der alte Kahn, wie es sich nun herausstellt, zu sinken droht. Aber der Piratenkapitän lässt sich von der Unbill nicht beirren und dringt in die Kajüten vor, wo er eine unglaubliche Entdeckung macht.
Das Schiff der verlorenen Seelen bildet das Auftaktabenteuer des dritten Bandes der Gesamtausgabe aus der Reihe Der Rote Korsar. Von Jean-Michel Charlier ist Der Rote Korsar als Figur entworfen, der weder sein Leben noch das anderer scheut, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Wenn etwas durch Mut oder Widerstand erlangt werden kann, meist ein Schatz oder ein Sieg, dann kennt der Pirat mit der Augenklappe und dem feuerroten Bart kein Halten mehr. Wer nicht den gleichen Mut aufbringt, bleibt im besten Falle zurück.
Dem Korsaren gegenüber steht Rick, der Sohn des Piraten, eine getreue Seele, aber kein Halunke wie sein Vater. Niemals würde er den Pfad des Gesetzlosen einschlagen. Nur in einem sind sich die beiden Männer einig, der junge wie auch der alte, nämlich in ihrer unverbrüchlichen Treue zueinander. Ist einer von beiden in der Bredouille, wird der andere nicht zögern, ihm zur Hilfe zu eilen. Und es ist dieses Verhalten, warum der Leser den Roten Korsaren nicht in Bausch und Bogen verdammen kann, denn diese Treue, auch Liebe zum Sohn macht den ansonsten unnachgiebigen Kämpfer auf See überaus menschlich.
Aber Jean-Michel Charlier, der Tausendsassa des Comics, der allein von der Masse seiner Veröffentlichungen her nicht viele Nachfolger unter den Comic-Autoren hat, beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Beziehung der kleinen Familie untereinander. Mit dem zweiten Abenteuer Die Totenkopf-Insel, einer direkten Fortsetzung der ersten Geschichte im vorliegenden Sammelband, geht es auch in die nächste Runde um einen geheimnisvollen Schatz von Henry Morgan, einer der bekanntesten Freibeuter, die jemals die Meere befuhren.
Für die Helden ist dieser Pirat der Anstoß zu Spekulationen über die sagenhafte Größe eines versteckten Vermögens. Allerdings ist es auch gemäß des dunklen Ruhms dieses legendären Gauners an einer nicht gerade ungefährlichen Stelle verborgen. Das Meer ist eine finstere Geliebte, die einen Seemann nur zu gern in die Tiefe zieht. Und vor Feuerland ist diese Gefahr ganz besonders groß. Jean-Michel Charlier trumpft mit einem dichten Szenario auf, in dem sich nicht nur Piraten einander feindlich gegenüber stehen, sondern auch die Natur zur Obacht zwingt und das Auftauchen einer dritten Partei das Blatt erneut wendet.
Gerettet von einem Schurken! Welche Schande! Rick will eben das nicht sein, ein Schurke. Eine Nichte des spanischen Vizekönigs sieht das ein wenig anders. Die Falle der Spanier nimmt den Leser mit den Bildern eines großartig zeichnenden Victor Hubinon in die adeligen Kreise Spaniens. Man schickt sich an, sich auf einem Umweg am Roten Korsaren zu rächen. In dieser Episode, die auf ihre Art sehr stark an alte Piratenfilme, bei Hofe spielend, erinnert, kommt Hubinons grandiose Fähigkeit, individuelle Charaktere zu kreieren, voll zum Tragen.
Ein schöner redaktioneller Teil über den Menschen wie auch den Künstler Hubinon gibt feine Informationen zum Leben und Arbeiten des Comic-Künstlers in einer der Hochzeiten des Mediums. Die drei Geschichten liefern eine geballte Ladung Pulverdampf, über die sich Fans des Genres nur freuen können. Wer Piratenabenteuer lieber traditioneller mag, oder moderne Vermischungen neuerer Erzählkultur scheut, kann nicht am Roten Korsaren vorbei. 🙂
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Freitag, 15. August 2014
Weiß alles, kann alles, mischt die bösen Buben auf. Ganz gleich welcher Kategorie. Spider-Mans Verhalten zeigt Auffälligkeiten. Diejenigen, die häufiger mit ihm zu tun haben, also eigentlich jeder New Yorker, kann sich die plötzliche Brutalität des Netzschwingers nicht erklären. Die Helden aus seinem näheren Umfeld, die Avengers, befürchten gar Schlimmes. Was wäre, wenn sich hinter der Maske des Spinnenmannes gar nicht mehr der verbirgt, den sie kennen? Es wäre nicht das erste Mal, dass Fremde, Außerirdische sogar, die Menschheit auf dieser Eben zu unterwandern suchen. Aus verständlichen Gründen weigert sich Spider-Man alias Peter Parker zunächst sich einem Test zu unterziehen.
Denn Peter Parker ist in Wahrheit nur noch eine bloße Erinnerung. Allerdings eine solche, die sich standhaft dagegen wehrt, irgendwo im Gehirn unterzugehen, über das nun Otto Octavius, der ehemalige Doctor Octopus, die Oberhand hat. Da bleiben Verhaltensänderungen nicht aus. Nachdem der frühere Feind Spider-Mans beschlossen hat, der beste Netzschwinger aller Zeiten zu werden und den Big Apple mit einem, im wahrsten Sinne des Wortes, Überwachungsnetz überzogen und somit die Effizienz Spider-Mans deutlich erhöht hat, steht ihm nur noch eines im Weg. Ein Fragment Peter Parkers will nicht sterben und zieht im tiefsten Unterbewusstsein gegen den alten Gegner zu Felde.
Dan Slott hat es als Autor des neuen, verbesserten Spider-Man nicht leicht. Einerseits will man als Leser sicherlich weiter mit der freundlichen Spinne von nebenan mitfiebern. Andererseits ist ein gestörter Charakter wie Otto Octavius kein Magnet für wirkliches Mitgefühl. Genau das weiß Dan Slott und so führt er den ehemaligen Kriminellen Doc Ock auf den Pfad derer, die wieder etwas Gefühl lernen. Mitgefühl an erster Stelle, aber auch so etwas wie Liebe. Für all jene, besonders jene, die den guten Doktor in der Schlussphase seines Schaffens als vielarmiger geistesgestörter Gangster erlebten, wird dieser Wandel bemerkenswert, erstaunlich und befremdlich sein.
Ein Kind sorgt dafür, dass Octavius einen bedeutsamen Schritt auf der Leiter zum Menschsein, oder auch menschlich sein, erklimmt. Ausgerechnet ein Gegner, den er zuvor in Unwissenheit manch wichtiger Einzelheiten bekämpfte, bringt ihn in die Lage, sich als echter Helfer zu beweisen. Und ein kleines Mädchen hat plötzlich einen neuen Freund, keinen rosafarbenen Pinguin mehr, sondern einen kleinen, mit Plüsch gefütterten Spider-Man. Comic-Künstler Humberto Ramos, der sich mit den Auftakt-Bänden zur Neuauflage des Spektakulären Spider-Man in die Herzen der Spider-Man-Fans zeichnete, nimmt sich auch beschriebener Episode um den Spinnenmann an.
Humberto Ramos beherrscht nicht nur einen sehr ausdrucksstarken Comic-Stil, seine Figuren können auch wunderbar Gefühle zeigen. In der zweiten Hälfte übernimmt Künstler Ryan Stegman den Zeichenstift. In der nicht minder emotionalen Episode um die, in gewissem Sinne virtuelle Auseinandersetzung zwischen Octavius und Peter Parker bleiben die rührenden Momente aus. Ryan Stegman, der sich stilistisch zwischen Marvel-Kollegen wie Alan Davis und Stuart Immonen verorten lässt, darf sich mit den vermehrt bösen Augenblicken des übermenschlichen Spider-Man beschäftigen.
Ein letzter Kampf. Es geht um alles. Die finale Schlacht zwischen den Erzfeinden, Doc Ock und Spidey, hat es in sich, ist optisch ein Schmankerl im Sinne einer traumartigen Sequenz im Sinne eines Films wie Inception.
Berauschende Fortsetzung des dunklen Spider-Man. Dan Slott versteht es, die richtigen Akzente zu setzen. Man erwartet zu jeder Zeit das Kartenhaus von Doc Ock zusammenbrechen zu sehen, doch der Gauner schafft es irgendwie. Wegschauen unmöglich, Spannung von der ersten bis zur letzten Seite garantiert. Schöne Charakterskizzierung, präsentiert von zwei tollen Marvel-Künstlern. 🙂
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Mittwoch, 13. August 2014
Ein Lamborghini ist schnell, eine Waffe ist er jedoch nicht. In normalen Händen jedenfalls nicht. Sydney Savage ist keine normale Frau. Ihre aufreizende Kleidung besitzt alles andere als eine geschäftsmäßige Ausstrahlung, obwohl sie genau das ist. Die Gangster, die ihr auf der Spur sind, gehen mit geballter Feuerkraft gegen sie vor, am Boden und in der Luft. Sydney Savage hat anderen Frauen noch eine Kleinigkeit voraus. Sie ist gemäß ihres Trainings nicht einfach nur eine Agentin. Sie ist ein Danger Girl. Eigentlich hatten die Ganoven von Anfang an keine Chance.
Drei Zeichner, eine Geschichte. Andy Hartnell, neben J. Scott Campbell, einer der Erfinder von DANGER GIRL, instruiert gleich drei Comic-Künstler. Jeder nimmt sich eines der Danger Girls, die in Sachen Action unterwegs sind, an und schafft so gemeinsam mit den anderen einen cineastischen Kracher. In dem Thriller TRINITY führen drei Handlungsstränge nach einer rasanten Show schließlich zusammen. Die drei Grafiker, stilistisch unterschiedlich, modern, genau, bieten nicht nur ein irrsinnig gutes Comic-Erlebnis innerhalb des Abenteuer-Genres, sie legen gleichzeitig auch die Messlatte für Grafiken in Comics allgemein ziemlich hoch.
Zäumen wir mal das Pferd von hinten auf: Stephen Molnar beschäftigt sich mit dem jüngsten Mitglied der Danger Girls, Sonya Savage. Der Zeichner reiht sich in die Garde jener Künstler ein, die eine besonders klare Linie verfolgen. Wer Frank Cho oder Terry Dodson mag, also jene Zeichner, die nicht selten durch ihre Pin-Ups auf sich aufmerksam gemacht haben und den weiblichen Körper in die perfekte Perspektive setzen, der wird auch die Arbeit von Stephen Molnar mögen. Außerdem verfügt er über dieselbe Fähigkeit wie seine Kollegen, die Action aus den schier unmöglichsten Blickwinkeln zu inszenieren. Eine Hatz durch den Dschungel wird da zu einer Hommage an Die Jagd nach dem grünen Diamanten.
Mit diesen klaren Strichen, die Stephen Molnar hier schafft, gelingt es ihm von allen drei Zeichnern am besten, eine Spur Klamauk in der Handlung zu etablieren, ohne allzu albern zu wirken. In diesem Teil der Geschichte findet sich so das beste Pendant zu Indiana Jones und Konsorten.
Von Beginn des Comic-Bandes an betrachtet ist John Royle, verantwortlich für die Handlung rund um das Danger Girl Abbey Chase, jener Zeichner, der es am ehesten in die verwandtschaftliche Stilistik eines J. Scott Campbells schafft. Campbell war der erste Zeichner der Danger Girls und lässt es sich auch hier nicht nehmen, entsprechende Titelbilder abzuliefern. Ist ein Stephen Molnar für die sorgsam gestaltete Action zuständig, ist John Royle wilder. Seine Bilder springen den Leser regelrecht an. Wer allein die Eingangsszene auf einem stürmisch bewegten Schiff mitten auf dem Ozean betrachtet, wird diese Aussage bestätigt sehen. Cineasten werden sich in diesem stürmischen Geschehen bestimmt auch an Indiana Jones erinnert fühlen. Einerseits durch die Action selbst, andererseits durch den Auftritt eines Kapuzineräffchens.
Harvey Tolibao übernimmt das Danger Girl, das mit Lederlook und Peitsche aus kühnen Männerträumen entsprungen sein könnte. Ähnlich wie James Bond wird auch sie vom nächsten Auftrag im Bett bei einem Date überrascht. Harvey Tolibao verfolgt die grafische Linie eines Marc Silvestri oder Michael Turner, nämlich leicht übertriebenen Realismus, was die Figuren angeht. Dafür bleibt er bei allem andere höchst präzise, mit feinsten bis hin zu wahrhaft winzigen Strichen. Für eine Figur, die einer Black Widow als Schwester zur Seite stehen könnte, ergeben sich hier Bilder, die auch für den nächsten in London handelnden Thriller als Storyboard herhalten könnten.
Schwer zu sagen, welcher Zeichner den besten Job macht. Jede Stilistik ist toll anzuschauen. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass es sich lohnt nach Arbeiten von jedem der drei Ausschau zu halten. Jeder auf seine Art zeichnet mit einem Höchstmaß an Perfektion und einem guten Auge für den richtigen Blickwinkel.
Drei Handlungslinien, drei Male erste Klasse. Drei Spitzen-Comic-Künstler, toll miteinander vermischt. Ein Paradebeispiel für ein gelungenes Comic-Projekt von verschiedenen Zeichnern. Sehr gerne mehr davon! 🙂
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Montag, 11. August 2014
Eine andere Erde. Die Menschen leiden. Eine Verbrecherorganisation, der sich keine Macht der Welt kraftvoll genug entgegenstellen kann, regiert mit aller zur Verfügung stehenden Gewalt. Selbst ein Widerwort kann den sofortigen Tod bedeuten. In dieser verdrehten Welt gibt ein Ultraman den Ton an und ein Owlman wie auch eine Superwoman folgen ihm. Aber so widerstandslos ist ihnen die Ausbeutung der Erde dann doch nicht gegönnt. Ein hoch intelligenter Alexander Luthor sucht nach einer Möglichkeit, eine Wende herbeizuführen.
Grant Morrison (Autor) und Frank Quitely (Zeichner) sind eines jener Comic-Künstlerduos, denen es gelungen ist, Comic-Geschichten zu schaffen, die aus der Vielfalt der Erscheinungen herausragen, weil sie es wagen, einmal alles auf den Kopf zu stellen. In All Star Superman erzählten sie kurzerhand das Ende des Stählernen. In JLA – ERDE 2 kreieren sie eine Variante der JLA in Form des Crime Syndicate of America, so dass jeglicher Spaß, den sich andere Finsterlinge mit der JLA erlaubten, daneben blass aussieht.
Sie sind böse, weil sie böse sein müssen. Manche Systeme dulden eben keine Veränderung, weil sie ganz einfach nicht möglich ist. Diese Grundrichtlinie steht dem ehrgeizigen Plan von Alexander Luthor entgegen, nämlich diese Erde jener Utopie anzugleichen, die der Leser längst an der Seite von so illustren Helden wie Superman und Wonderwoman kennengelernt hat. Natürlich gibt es ein Problem. Die Grundrichtlinie sagt es aus und damit fängt das Schlamassel für beide Seiten an. Denn ganz gleich wie viel Schaden die eine Seite der andere zufügen will, sie sind letztlich wie zwei Magneten, die einander abstoßen.
Frank Quitely zeichnet penibel, mit Strichen, die auf den Punkt genau angesetzt sind, ultrafein gezogen, hier und dort etwas karikierend, immer sehr ausdrucksstark, mit grundsätzlich sehr muskulösen Gestalten, manchmal sogar drall. Kinn ist Frank Quitely an einem Gesicht sehr wichtig, die Lippen zeitweilig auch wulstig zu nennen, fast schmollend, sehr auffallend bei einem Alexander Luthor. Die Besonderheit dieser Geschichte, die Variationen der uns bekannten Helden, sind in ihrer Andersartigkeit faszinierend, weil sie gerade in den Nebenrollen extra überzogen scheinen.
Ein dem Flash an muskulöser Statur in nichts nahestehender Johnny Quick ist drogensüchtig und wirkt noch operettenhafter als es die eigentlichen, klassischen Helden ohnehin sind. Die Nebenbösewichte gestatten sich gerne ein fieses Grinsen und könnten auf ihre Art auch in eine Reihe wie The Boys passen, sind sie doch ein gutes Stück aufmüpfiger als die Originalgauner der Erde 1. Wirken diese Nebenganoven überdreht, ist das Haupttrio eher titanisch, auf beiden Seiten des Spiegels.
Kampf gegen Brainiac. Hier wird das alte Thema neu aufgelegt, gruseliger in jedem Fall. Die Auflösung ist ebenfalls anders, dank eines Ultraman auch brutaler, obwohl sich auch bei DC in den vergangenen Jahren wie bei sämtlichen Comicschmieden viel in dieser Hinsicht verändert hat.
In der Tat ein moderner Klassiker im Bereich der Superheldencomics. Gut gegen Böse, spiegelbildlich, machtlos gegeneinander. Toll erzählt von Grant Morrison, in perfekt eigenem Stil gezeichnet von Frank Quitely, von dem man leider viel zu wenig hierzulande sieht. Für JLA-Fans unverzichtbar. 🙂
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Eine Frau kann niemals eine Weise in Eckmül werden. Allein der Gedanke daran ist ein revolutionärer Akt. Kein Mann würde ein derartiges Anliegen unterstützen. Die junge Marikiri ist dennoch fest entschlossen, alls zu versuchen, um ihren Traum in die Tat umzusetzen. Der Weise Aluny unterdessen will einen neuen Hauptzauber entwickeln. Leider (und hier zeigt sich, dass die Weisen eben so weise doch nicht sind) geht die Versuchsanordnung für diesen Zweck gründlich daneben. Wie sehr das Experiment schief geht, ahnt er zu diesem Zeitpunkt nicht einmal. Erst nach und nach zeigen sich Missstände und die Schlussfolgerung, ein Teil seines Verstandes sei abhanden gekommen, ist bitter. Eine Lösung muss her und zwar schnell.
Christophe Arleston greift eine weitere Seite seines Lieblings-Universums TROY auf und erzählt zusammen mit Melanyn, wohin allzu großer magischer Eifer führen kann. Mitten hinein in eine andere Odyssee. An der Seite von Lakhäf, dem eigentlichen Schüler Alunys, begleitet der Leser die aufmüpfige Marikiri auf der Reise des Weisen, die gleich mit einer Erpressung startet. Wir erinnern uns, dass Frauen niemals eine Weise in Eckmül werden zu können. Aber Marikiri ist trotzdem fest entschlossen, ein Praktikum bei Aluny zu machen, ob dieser nun will oder nicht. Man könnte sagen: Frauenpower in TROY.
Wenn drei eine Reise tun, ist einer zuviel. Oder so ähnlich. Die Zeichnungen von Cartier ein wenig kurios, fast anarchisch zu nennen und grenzen sich sehr stark von anderen Künstlern des TROY-Universums ab. Cartier hat auch mit seinen sehr weich gearteten Figuren in eine sehr cartoonige Grafik abzudriften. Das ist in keiner Weise knuffig amerikanisch, eher sehr europäisch putzig, wenn es an die Kreaturen herangeht (wie Alunys wunderbare Katze), manchmal auch ein wenig MAD, wenn es an die menschlichen Gestalten geht. Stilistisch passen sich die Bilder auf hervorragende Weise dem Inhalt an. Sobald der Leser die Szene erreicht, in der sich Monströsitäten untereinander Tipps geben, man möge niemals etwas zu sich nehmen, dessen Herkunft unbekannt ist, versteht er diese Feststellung. Eine gefrässig würmelnde Schrecklichkeit gerät hierdurch ins völlig Absurde.
Moderne Welt und fantastische Träume. Wie passt das zusammen? Christophe Arleston verzwirbelt gerne ein paar, oder auch mehr Anspielungen mit seinem TROY-Universum. Das macht umso mehr Spaß, wird doch auf diese Art noch deutlicher, wie grotesk die Wirklichkeit um den Leser herum sein kann. Wenn Marikiri ein paar Piraten auf der Couch behandelt (nein, nicht so), handelt es sich nur ein Beispiel von vielen.
Will man einen Vergleich der zeichnenden Comic-Künstler ziehen, auch im selben Genre, führt der Weg ungefähr zu einem Paul Glaudel, dem Zeichner der Meisterkartographen (auch von Christophe Arleston geschrieben). Cartier zeichnet seine Figuren schmaler, nicht ganz so voluminös wie Glaudel, auch mit deutlich weniger Kinn. Aber das Freche, mitunter auch Frivole ist beiden gemeinsam. Wer die eine oder andere Szene betrachtet, wird sogar Anklänge eines knubbelnasigen Mordillo-Stils entdecken.
Flott erzähltes Einzelabenteuer im TROY-Universum, mit neuen Figuren, interessanten Einblicken in die Welt der Weisen. Aluny und Marikiri sind einprägsame Charaktere, mit denen Christophe Arleston durchaus weiter spielen könnte. 🙂
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Sonntag, 10. August 2014
Venedig und eine Hochzeit mit Hindernissen. Die Danger Girls sind im Einsatz. Zu Pferd, obwohl in Venedig, der Stadt der Kanäle etwas fehl am Platz, wirbelt Abbey Chase eine Trauung durcheinander, verfolgt auf Motorrädern, hinaus in besagte Kanäle … Danger Girls verschnaufen erst, wenn der Auftrag erledigt ist. Das ist nicht unbedingt selten, aber meist nur kurz. Eigentlich bieten die Reisen zum nächsten Zielort eine Pause. Der Sprung einmal um den Globus, von Italien nach Peru, ist eben kein Katzensprung. Doch dann ist wieder das angesagt, was beiden Örtlichkeiten gemein ist: Gefahr!
Es waren einmal vier Danger Girls. Drei befanden sich ständig im Außeneinsatz, eine war die Frau am Computer, die Rückendeckung. Doch es kam der Tag, da eine die anderen verriet. Und da waren es nur noch drei. Aber das soll sich ändern. Als vor geraumer Zeit die Danger Girls mit einem furiosen Mix aus Action, Anspielungen auf James Bond, Lara Croft und Indiana Jones unter dem Label Cliffhanger erschienen, brachten sie die so genannte Girl Power verstärkt ins Medium Comic. Andy Hartnell und J. Scott Campbell hatten mit der Agententruppe, die selbstverständlich auch an 3 Engel für Charlie erinnerte, ins Schwarze getroffen.
Revolver! Mit dem Ausscheiden einer der Figuren (Natalia Kassle, eben weil Verrat im Spiel war, schien das Agentenmädel-Universum erst einmal in sich geschlossen zu sein. Nach Crossover-Abenteuern (u. a. mit Batman) kehren die Damen mit dieser Agentenhatz zu ihren Wurzeln zurück und begrüßen gleichzeitig ein neues Mitglied an der Undercover-Front. Sydney Savage, schwarz gekleidet, mit einer Peitsche ausgerüstet, ist nicht mehr die einzige Savage in der Runde. Sonya Savage heißt der Nachwuchs.
Chris Madden heißt der Zeichnernachwuchs, der die Feder von einem der Erfinder der Danger Girls, nämlich J. Scott Campbell, übernommen hat. Campbells Vorgaben, auf den Titelbildern noch ersichtlich (denn er ließ sich nicht nehmen, diese selbst zu zeichnen), sind deutlich. Leichte überzogene Frauengesichter, nicht ganz Püppchen, nicht ganz realistisch, in jeden Fall aber Idealformat. Das überträgt sich selbstverständlich auch auf die Figuren der Frauen. Rank, schlank, aber keine Hungerhaken, durchtrainiert, mit den richten Polstern am rechten Fleck. Betrachtet man so manches Pin-Up, die zur Serie entstanden sind, könnte man sagen: Bunnys in Action.
Madden passt sich mit seinen Bildern an, findet aber auch einen Weg seinen ganz persönlichen Stil ins Spiel zu bringen. Madden liebt das spitze Kinn, ein fast elfenhaftes Erscheinungsbild seiner Figuren. Jedes Danger Girl sowie die Mitstreiter drumherum ist nicht unproportioniert, besitzt aber in gewisser Hinsicht Überlange. Schon J. Scott Campbell spielte mit diesem Gestaltungsmerkmal, Madden greift es auf und legt noch ein paar Millimeter drauf.
Madden etwas einfacherer Comic-Stil eröffnet mit knalligen Farben, zeichentrickfilmtauglich insgesamt und in seiner Gesamtoptik auch an Disneys Atlantis erinnernd. Die Sequenzen, besonders im ersten wie im letzten Drittel, könnten hingegen einem James-Bond-Szenario entsprungen sein. Hier und dort erhöht der Einsatz von Unschärfe die Tiefe der Bilder. Ein Split-Screen imitiert moderne Kinotechniken. Die Kamera folgt an anderer Stelle der Action hautnah auf rasenden Zügen und abstürzenden Flugzeugen. Madden ist ein durchweg würdiger Nachfolger Campbells, der mit seiner Interpretation der Danger Girls leicht verändert, aber irgendwie auch opulenter daherkommt.
Will man die Folge mit einem Wort beschreiben, könnte dieses lauten: fetzig! Denn Rückkehr und Neugruppierung finden mit einer derartigen Rasanz statt, dass sie auch an einen MTV-Musikclip mit modernster und schnellster Schnitttechnik erinnert. Stark! 🙂
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Montag, 04. August 2014
Das Versteck von Rypläh ist aufgespürt. Allerdings liegt es etwas abseits der üblichen Wege und bewohnten Orte. Besonders für einen Troll ist dieses Versteck nicht leicht zu erreichen. Mitten Wasser ragen die Pfahlbauten des kleinen Dorfes in die Höhe. Besucher sind hier selten. Erwünscht sind sie erst recht nicht. Trolle schon gar nicht. Lanfeust nahm, nachdem Rypläh, sein einziger Entlastungszeuge, gefunden ist, würde sich alles zum Besseren wenden. Bei jedem anderen wäre dies vermutlich auch so gewesen. Doch Lanfeust ist ein Held, der nun einmal seinen Wagemut beständig an gefährlichen und ausweglosen Situationen testen muss. Zu seinem Unglück will es das Schicksal ganz genau wissen und schickt ihn an den außergewöhnlichsten Ort seines Lebens.
Es wird ernst. Nach so manchen humorvollen Passagen, durchweg auch spannend erzählt, wird die ODYSSEE zu gefährlich, um für LANFEUST noch komisch zu sein. Nicht nur wird ihm nach dem Leben getrachtet. Die Magie von ganz TROY steht auf dem Spiel. Über Eckmül ragt ein gigantischer Tempel in die Höhe, ein Bauwerk, das alles andere in dieser nicht gerade kleinen Stadt überschattet. Das Wesen, das sich anschickt, aus Troy alle Magie herauszuziehen, den Planeten geradezu auszusaugen, ist listig, mächtig und brutal.
Christophe Arleston überrascht mit dieser Kreatur, die sich jeder Komik entzieht. Eben noch hat der treue Begleiters Lanfeusts, der Troll Hebus, ein paar Schildkröten aufgeblasen und diese als Luftkissen benutzt, um über die Wasseroberfläche zu laufen, da ereignet sich in Eckmül schaurig Schreckliches. Das betont die Skrupellosigkeit des Feindes und lässt, da Lanfeust Odyssee noch nicht an ihrem Ende angelangt ist, auf ein fulminantes Finale hindeuten, denn Arleston hat sich bereits an dieser Stelle einige Szenen einfallen lassen, in denen Lanfeust nicht nur an Macht gewinnt, sondern auch eine außerordentliche Charakterstärke an den Tag legt.
M’Otha, groß wie eine lebendige Insel, ein Ghomo, ein Lebewesen, das seit Ewigkeiten die Magie von Troy in sich aufnimmt und speichert, steckt, an seiner Leidesfülle gemessen, in gewaltigen Schwierigkeiten. Christophe Arleston schreibt Lanfeusts Stammzeichner Didier Tarquin ein gigantisches Lebewesen ins Skript, das erst einmal mit der nötigen Ausdruckskraft auf Papier gebannt sein will. Die Größenunterschiede zwischen Helden und dem Ghomo verdeutlichen die gigantischen Ausmaße. So erscheinen die Sequenzen mythisch, märchenhaft, für den einen oder anderen auch biblisch, da es durchaus Parallelen zu einem gewissen Jonas zu entdecken gibt.
Didier Tarquin lässt sich optisch nicht lumpen. Etwas ins Abseits gerät da das weitere Schicksal von Hebus, der sich in eine ungewollte Abhängigkeit bringt, die ihm aber immerhin das Leben rettet. Hier werden von Arleston neue Konstellationen geschaffen, lose Fäden, die zwangsläufig zueinander finden werden. Nachdem die Begegnung des Lesers mit M’Otha derart groß ausfiel, ist das Schicksal von Hebus eher eine Sequenz, die erzählt werden muss, mit entsprechendem Humor daherkommt, weil sich die Spannung doch immens bei Lanfeusts Erlebnissen aufgebaut hat.
Eine wahrhaftige Odyssee. Die gehört eben aufs Wasser. Christophe Arleston schickt sein bestes Pferd im Stall in eine der ungewöhnlichsten Freundesbegegnungen des Fantasy-Genres. Ohne Übertreibung kolossal. 🙂
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Donnerstag, 31. Juli 2014
Es sollte eine fröhliche Jagd werden. Die lieben Kleinen sollten etwas lernen, wenn sie nicht gerade den Großen etwas beibrachten. Die lieben Kleinen sind Trolle. Die Große ist Waha, eine Menschin. Von den Trollen vor langer Zeit aufgenommen und aufgezogen, weiß sie immer noch nicht, welcher Art sie in Wahrheit angehört. Auch weiß sie nicht, was sich als Mensch so gehört. Beckös den Hals umzudrehen oder die Beine zu brechen und sie gleich an Ort und Stelle zu verschlingen, gehört jedenfalls nicht dazu. Wahas Pech ist es, just an diesem Tag am Flussufer jagen zu wollen, wo ein Schiff mit einer adeligen Familie darauf vorüberkreuzt.
Ein kleiner Adelsspross, der noch nicht gelernt hat, wie seine magische Begabung ausfällt, bemerkt die ersten Anzeichen seiner wachsenden Fähigkeiten nicht. Waha hingegen entdeckt die Auswirkung schlagartig und wähnt sich in einem schlechten Traum. Sie hat den Körper getauscht. Mit einer Menschenfrau. Und das ist noch lange nicht alles, was von da an fürchterlich schief läuft.
Ein Troll frisst fast alles. Er wäscht sich nicht. Umgangsformen sind ihm fremd. Und irgendetwas oder irgendjemand ist bei jeder x-beliebigen Gelegenheit zu massakrieren. Kommt ein Mensch in diese Situation oder wenigstens jemand, der in diesen Angelegenheiten gänzlich ungeübt ist und ständig fürchten muss, als in Troll-Angelegenheiten gänzlich ungeübter Mensch entdeckt zu werden, dann liegen die Nerven bald blank. Autor Christophe Arleston liebt seine Trolle, mit ihnen hat er die besten Ideen. Nun also Frauentausch, was in diesem Fall kaum eine Anspielung auf eine gleich lautende Reality-Show sein kann. Verwoben mit ein wenig Aschenputtel (die hier allerdings als erste vermählt werden soll) gerät die 17. Episode der Reihe Troll von Troy schnell zu einem Komödienritt, der selbst innerhalb der Serie seines gleichen sucht.
Jean-Louis Mourier gelingt ein kleiner Geniestreich, muss er doch noch mehr als zuvor die Komödie grafisch ausloten. In zwei eng begrenzten Spielorten, Wahas Trollgemeinde und Kyrlandes adeliger Familie, toben die Mimiken und teils grotesken Verhaltensweisen, wirbeln clowneske Szenen und treiben französische Verwechslungen im Stile des verstorbenen Louis de Funes ihre Blüten. Da bringen einen schon Kyrlandes (eigentlich Wahas) Gesichtsausdrücke zum Grinsen und wenn die falsche Adelige sich mit (aus Trollsicht verständlicherweise) Händen und Füßen dagegen wehrt, gebadet zu werden, bleibt kein Auge trocken.
Die federleichte Zeichenweise, der fragil wirkende Grafikstil macht aus den Seiten fast so etwas wie Suchbilder, denn viel zu entdecken gibt es auch auf den zweiten Blick. Mit Kyrlande (in Wahas Körper) taucht der Leser neu in die Welt der Trolle ein, findet einmal mehr ihre liebevolle Seite (wenn der Vater Wahas seltsames Verhalten verteidigt und sie vor den verfressenen Dorfmitgliedern schützt, denn ein gefressenes Problem ist nun einmal ein beseitigtes Problem). Wer nun glaubt, auf der menschlichen Seite, dort, wo Waha gestrandet ist, sei es einfacher, immerhin gibt es da keine gefräßigen Verwandten, sieht sich gewaltig getäuscht. Nicht nur Weiber (davon gibt es in der Geschichte ein paar) können zu Hyänen werden, auch ein Hofstaat nebst anstehender Hochzeit kann ein Quell der irrsinnigen Schwierigkeiten sein.
Wäre Aschenputtel (Cinderella) als erste unter die Haube gekommen (ohne gläsernen Schuh und Tauben), hätte eine Hochzeit wie hier geschildert ausfallen können. Shakespeare (Ja, genau der!) hätte seine helle Freude an diesen freilich modernen Verirrungen gehabt, in denen ein Malheur das nächste jagt.
Wahnsinnig gut, wieder einmal. Christophe Arleston gelingt es in dieser Reihe, da Chaos jedes Mal neu zu erfinden. Auch Neueinsteiger finden hier gute Möglichkeiten, da der Leser anhand einer der beiden weiblichen Hauptfiguren die Welt der Trolle kennenlernt. Ein echter Knaller! 🙂
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Montag, 28. Juli 2014
Der Hund hört gut, sagt Konfuzius. Der Hund hört überhaupt nicht, sagt Bao. Die philosophischen Gespräche über das Thema Hund münden nicht gerade in einer Sackgasse, aber immerhin in einer für den modernen Menschen logischen, wenn auch keiner tierliebenden Konsequenz. Es sind die großen Geister, die sich mit dem Hund befassen, auch die Wissenschaftler, sogar Gott kommt nicht am Hund vorbei und sogar die Jungfrau Maria macht ihre einschlägigen wie auch außergewöhnlichen Erfahrungen, mit denen sie so manchen Hundefreund überraschen wird. Die dunklen Seiten eines Hundelebens werden ebenfalls nicht ausgespart. Manchmal liegt der Schrecken gar nicht im Detail.
Der Hund ist mehr als nur der beste Freund des Menschen. Er ist auch Kampftier, Versuchskaninchen und je nach Mythologie hat er auch eine ganz besondere Herkunftsgeschichte. Und Hund ist noch lange nicht gleich Hund. Mit Fröhliche Hundegeschichten legen Autor Leo Fischer und Illustrator Leonard Riegel einen Parcours quer durch das Universum rund um den Hund ein. Die Historie, vornehmlich persönlicher Natur, zwischen Mensch und Hund wird einer genaueren Betrachtung unterzogen. Aber es werden auch philosophische Fragen aufgeworfen, durch Freud sogar, der zu ergründen sucht, warum ausgerechnet die Katze als die aristokratischere der beiden Arten gilt, obwohl ihr Verhalten dem des Hundes in Gegenwart des Menschen tatsächlich hinterher hinkt.
Der Blick auf den Hund erlaubt einen Blick auf den Menschen. Nicht alles ist Interpretation, manches ist vom Menschen herbeigeführt und gut ist es erst recht nicht alles. Der Hund, der auf russischer Seite gegen die Wehrmacht kämpft. Der Familienhund der Adornos, der, weil ganz Hund eben, mit den Erziehungsmethoden der Familie nicht umzugehen versteht und elendig eingeht. Positiver sind jene Mythen, die den Aufstieg des Hundes von der wurmähnlichen Form zu einem stattlichen Exemplar samt Beinen und Schlappohren zeigen.
Leo Fischer, als Chefredakteur ehemals dem Satiremagazin Titanic verbunden, erzählt sehr unterschiedlich, bitterböse mitunter, heiter, auch freundlich dem Hund gegenüber, deswegen auch mitleidig, lächelnd und natürlich tragen er, der Hund, und Scarlett Johansson zu einem versöhnlichen Ende der Welt bei. Der Hund erlaubt auch den mikroskopischen Blick auf die menschliche Gesellschaft, kaum eine gute, stets etwas lächerlich, manchmal mehr, manchmal weniger.
Leonard Riegel, als Illustrator ebenfalls der Titanic zugetan, verwendet verschiedenste Illustrationsformen, häufig sehr verspielt, skizzenhaft, mal als Bild zum Text, mal als Bildergeschichte, Minicomic, Bilderwitz, verfremdeter Fotografie oder schwarzweißen Holzschnittimitation. Grundsätzlich sind diese Hunde niemals unfreundlich, selbst wenn sie in der Hölle landen (wie eine nette Geschichte erzählt). Wer den zähnefletschenden Hund sucht, muss genau hinschauen (ein schönes Suchrätsel). Es wird nicht benannt, ob Leonard Riegel Hunde mag, seine Darstellung in den sehr unterschiedlichen Szenarien, die Leo Fischer ihm vorgibt, legen jedoch den Schluss sehr, sehr nahe.
Ganz und gar nicht nur für Hundefreunde. Von der humoristischen Seite eines Leo Fischer und Leonard Riegel aus betrachtet sind Hunde in vielen Schlüsselmomenten der menschlichen Geschichte anwesend und beeinflussen viele Seiten des Aufstiegs und Niedergangs der humanoiden Gesellschaft. Mit scharfen Witz erzählt und gezeichnet. 🙂
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Donnerstag, 24. Juli 2014
Ein Haufen geretteter Katzen muss wieder zurück zu seinen Besitzern. Leider hat Zick noch nicht gelernt, mit ihnen zu sprechen. Timothy ist da die große Ausnahme, aber der ist auch ein Hüter und eben keine echte Katze. Allerdings verfügt Zick neben der Fähigkeit Monster zu sehen, noch über eine weitere nicht minder nützliche Eigenschaft. Eine Berührung kann ausreichen, um mehr über ein Tier, oder wie hier, eine Katze zu erfahren. Handelt es sich dabei um Erinnerungen an ein Zuhause mag das für einen Menschen erträglich sein. Den Geschmack der letzten Katzenmahlzeit auf der Zunge zu schmecken, ist eine ganz andere, nicht ganz so genüssliche Angelegenheit.
Hand in Hand. Betrachtet man die Auflistung derer, die an diesen Comic-Geschichten mitgearbeitet haben, fällt einem sofort eine im Vergleich zu anderen Produktionen große Liste aller Mitwirkenden auf. Die Dichte, die Ausführlichkeit, auch der optische Knaller, der Monster Allergy in der zweiten Gesamtausgabe darstellt, vermag auf der ganzen Linie zu überzeugen, nicht zuletzt, weil die hier abgedruckten Episoden 5 bis 8 mit einem grandios rührenden Schluss aufwarten können.
Katja Centomo liefert die Ideen, Faranceso Artibani hält federführend die künstlerische Leitung des Skriptes. Zwei weitere Köpfe, Alessandro Barbucci (Artwork) und Barbara Canepa (Farben) komplettieren das künstlerische Quartett, das den Überblick über die gesamte Produktion behält und es schafft, auch mit wechselnden Autoren, Zeichnern, Tuschern und Koloristen eine durchgehende, gleichbleibende grafische Linie beizubehalten.
Monster! Der Junge Zick, der für den Titel verantwortlich ist, hat er doch diese Allergie gegen Monster und die Fähigkeit, sie zu sehen, während der Rest der menschlichen Welt blind für sie ist, bildete den Ausgangspunkt der Handlung, bevor mit dem neuen Nachbarsmädchen, der quirligen Elena, alles gehörig auf den Kopf gestellt wird. Wer die Monster lesend erlebt, wird sich zunächst fragen, wie das überhaupt möglich sein kann? Aber das ist es, denn wo Zick gerne mit dem nächsten Schritt zögert, ist sie ihm bereits drei Schritte voraus.
Neben der eindringlich plastischen und farbenfrohen Kolorierung wissen die wechselnden Standorte und die damit einhergehenden neuen Erlebnisse zu begeistern. Eigentlich ist die Welt, wie wir sie kennen, noch nicht ausreichend erkundet, da schicken Katja Centomo und Francesco Artibani den Leser unter Wasser, in ein U-Boot, in die Konfrontation mit schwarzen Seelen und leiten so auch Zicks neue Fähigkeiten ein. Ganz nebenbei lernt der Leser auch mehr über die Welt der Monster, wenn er sie dabei beobachten darf, wie sie untereinander kommunizieren, Bombo (das schönste Monster) vorneweg.
Um bei Monstern zu bleiben. Diese bilden natürlich den Hauptanziehungspunkt der Geschichte. So werden sie genauer vorgestellt, Bombo hat seine schleimigen Glanzszenen und der Leser darf neben der Vielfalt auch neue Eigenschaften erfahren, genauer, dass Monster auch einen gewissen Drang haben, sich zur Schau zu stellen. Und Monster dürfen genau das eben nicht. Klar, dass Verwicklungen in solchen Fällen vorprogrammiert sind. Kommt dann noch ein neuer Hüter ins Spiel, der seine Aufgabe, die Bewachung widerspenstiger Monster, allzu ernst nimmt, dann treiben die Autoren die Handlung auf eine von vielen humoristischen Spitzen.
Turbulente Einfälle, eine durchgehende tolle, junge Grafik mit aberwitzigen Monstern abseits aller Klischees. Tolle Unterhaltung für Junge und Junggebliebene. Oder im Kinojargon: für die ganze Familie. 🙂
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