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Comic Blog


Donnerstag, 16. Oktober 2014

Walt Disneys Fröhliche Weihnachten

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:19

Walt Disneys Fröhliche WeihnachtenWeihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe und der Besinnung auf das Wesentliche. Es ist auch ein Fest der Ruhe. Doch kann es in der Nähe von Donald Duck jemals richtige Ruhe geben? Ist der Erpel nicht zu quirlig und viel zu leicht zur Weißglut zu bringen? Das Angebot, eine Hütte von Onkel Dagobert über die Weihnachtstage nutzen zu dürfen, hätte ihm bereits seltsam vorkommen sollen. Eine derartige und noch dazu freiwillige Großherzigkeit kann unmöglich so gemeint sein, wie sie Donald und seinen drei Neffen zunächst erscheint. Und tatsächlich hat die Sache einen Haken. Zwar ist alles für ein schönes Weihnachtsfest in der Hütte vorhanden. Aber für alles muss kräftig in die Tasche gegriffen werden.

Am Ende wird alles gut. Es ist ja nicht nur Weihnachten, sondern es ist auch eine Walt-Disney-Geschichte. Auf dem Weg dahin darf es allerdings durchaus sehr turbulent zugehen. Besonders in diesem Band, Walt Disneys Fröhliche Weihnachten, wird diese Aussage mehrmals bewiesen. Heißer Trank und kalte Füße heißt es in einer Geschichte, die den Leser mit nimmt auf eine kleine Freizeitveranstaltung, in der es im Schnee einen Diamantring zu finden gibt. Fast alle, die einen Schnabel haben, sind hier vertreten. Die drei Pfadfinder vom Fähnlein Fieselschweif, bekannt auch als Donalds Neffen Tick, Trick und Track, wollen lieber ihr Geld mit einem Geschäft verdienen, als auf pures Glück (oder Technik wie Onkel Dagobert) zu setzen.

Kalte Füße holen sich die Suchenden, den heißen Trank werden die drei Neffen anfangs aber trotzdem nicht los. Das hat etwas von der Rasanz einer Slapstick-Komödie wie Eine total total total verrückte Welt. Jeder Versuch, es hier anfangs richtig zu machen, kann und muss einfach scheitern. Jane Gilbert (Text) und Vicar (Zeichnungen) bekommen dennoch die Kurve, indem Verlust oder Sieg, je nachdem, des einen zum Stein des Anstoßes des anderen werden. Weihnachten spielt hier, eine Ausnahme, eine untergeordnete Rolle. Schnee darf hier als verbindendes Element gesehen werden.

Herzliche Tierwelt. Pluto und Jiminy Grille spielen nicht gemeinsam in einer Handlung, sondern treten getrennt in Kampf dem Weihnachtsbaum und Wie ein hungriger Wolf auf, aber dafür gehören ihre Episoden bestimmt zu den schönsten im vorliegenden Band Fröhliche Weihnachten. Plutos Schwäche ist gleichzeitig seine Stärke. Pluto spricht nicht. Alles, jede Gemütsregung drückt sich nur über Haltung und Mimik aus. Wenn er also mit den Backenhörnchen aneinander gerät, weil Backenhörnchen nun einmal nicht in einen Weihnachtsbaum gehören, wird das beinahe zu einem Lehrgang für Komik, Kari Korhonen sei Dank, denn er entdeckte einen Zeichentrickfilm aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder und schrieb ihn zu einer Comicgeschichte um.

Jiminy Grille, bekannt aus Pinocchio trifft in seiner Geschichte nicht nur auf einen hungrigen Wolf, einem einfachen, nicht jenem von den drei kleinen Schweinchen. Dafür begegnet er Klopfer (aus Bambi) und später noch den Sieben Zwergen (aus Dornröschen). Es ist ein kleines Abenteuer über einen kleinen Mann, dem schließlich, bei aller Wintersnot, geholfen wird. Kurz und knackig wird hier das Thema Freundschaft und Mitgefühl zur Weihnachtszeit beschworen.

17 kleinere und größere Geschichten beschwören den Kern von Weihnachten, den Weihnachtsmann manchmal vorneweg. Dieser hat seinen feinsten Auftritt an der Seite von Minnie Maus. Existiert der gemütliche Mann im hohen Norden wirklich? Minnie ist nicht die erste, die sich diese Frage stellt. Unter dem Schutz eines Amuletts verfällt sie in ein im Schnee in tiefem Schlaf, nur um wenig später gerettet in einem warmen Bett zu erwachen und die Begegnung ihres Lebens zu haben. In diesem neueren Abenteuer, in dem einmal mehr eine Randfigur ihre Hauptrolle hat, gibt es einen Blick hinter die Kulissen des Weihnachtsgeschehens, leiser und komisch erzählt. Im nachfolgenden Einseiter mit Donald Duck ist es nicht minder komisch, aber Donald Duck eben) deutlich brachialer.

Eine sehr schöne, sehr abwechslungsreiche Sammlung von weihnachtlichen Erzählungen, sogar Aufgabenstellungen (was wünscht sich Donald Duck zu Weihnachten?). Geschichten für Junge und jung Gebliebene, die auf ihre heitere Art auch die Jugend erhalten helfen (meine Meinung), wenn nicht ganzjährig, dann wenigstens zu Weihnachten. 🙂

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Mittwoch, 15. Oktober 2014

HOLMES 1 – Abschied von der Baker Street

Filed under: Mystery — Michael um 21:31

HOLMES - Erster Band - Abschied von der Baker StreetSherlock Holmes ist verstorben. Bei den Reichenbachfällen fiel er im Kampf gegen seinen schlimmsten Feind. Wirklich? Nicht nur der Tod seines Freundes gibt Dr. Watson Rätsel auf. Die Merkwürdigkeiten mehren sich. Als Dr. Watson im ehemaligen Domizil in der Baker Street eintrifft, ist er zunächst ebenso schockiert wie alle anderen Anwesenden. Zwar kann ihn Wiggins, der sich in der Nachfolge des Meisterdetektiven sieht, beruhigen, da die Wohnung ganz offiziell gelehrt wurde. Aber die Böden und Wände wurden nachträglich von Einbrechern aufgerissen, ganz offensichtlich auf der Suche nach etwas, das sich nicht in den sonstigen Hinterlassenschaften von Sherlock Holmes befand. Was kann das gewesen sein?

Abschied von der Baker Street. Noch mitgenommen vom Tode seines Freundes hatte Dr. Watson anderes im Sinn, als noch einmal in die Baker Street zurückzukehren. Zu viele Erinnerungen liegen dort begraben, wie er bei einem kurzen, aber schmerzvollen Besuch feststellen muss. Luc Brunschwig erfasst mit der ersten Folge von HOLMES ein grundlegendes Gefühl, das auch den Erzählungen von Arthur Conan Doyle zueigen ist. Der Einstieg erfolgt zu jenem Zeitpunkt, der die Sherlock-Holmes-Fans immer noch zu schockieren vermag, so oft aus der Persepktive von Dr. Watson davon berichtet wird.

Was geschah nach dem Tod von Sherlock Holmes? Luc Brunschwig verknüpft in diesem Band mit eben dieser Frage noch eine weiterer nicht weniger wichtiger Fragen. Woher kam Sherlock Holmes? Wie konnte ein derart gefährlicher Feind wie Professor Moriarty so lange unentdeckt bleiben? Wer war Sherlock Holmes eigentlich und was verheimlichte er selbst seinem besten Freund? … Nun, offensichtlich ist immerhin Sherlocks Bruder Mycroft der Ansicht mehr gewusst zu haben.

Ist der Leser zu Beginn noch ein ebensolch gefestigter Anhänger des genialen Detektivs, wenn nicht des genialsten überhaupt, beginnt sich das Bild langsam zu wandeln. Zweifel entstehen. Der Leser erfährt Indizien, an Beweise will man einfach noch nicht glauben, die ein immer schlechteres Fazit unter die letzten Tage des deduzierenden Kriminalisten ziehen. Cecil überträgt das Manuskript von Luc Brunschwig in graue und braune Farbschattierungen, die den Charakter jener Epoche sehr schön transportieren und sicherlich die von alten Fotografien her gewohnten Eindrücke jener Tage einfangen.

Mit einem Handlungsstrang ist es nicht getan und so wird der Leser in Zeiten mit zurückgenommen, in denen die Eltern von Sherlock Holmes zueinander fanden. Zur deutlichen Abgrenzung ändert sich hier die Farbstimmung. Das Heim des späteren Meisterdetektiven ist ein gutes, doch Luc Brunschwig lässt Probleme leise anklingen. Ärger ist die Charakterschilderung von Sherlock Holmes, denn frühzeitig offenbaren sich finstere Charakterzüge, gleichzeitig werden hier die Wurzeln für spätere Verhaltensweisen gelegt. Das dürfte besonders den hart gesottenen Fans der Figur gefallen, denn Luc Brunschwig ist hier respektvoll und schlüssig mit der Figur von Arthur Conan Doyle umgegangen (der hier in anderer Funktion sogar einen Gastauftritt hat).

Nicht nur ein Abschied von der Baker Street. Es gibt eine Reihe von anrührenden Momenten, die bis an das Grab von Sherlock Holmes führen. Eine literarische Figur öffnet ihre Geheimnisse und offenbart mittels ihres Lebens ein ganz eigenes Rätsel, das nun seine Nachfolger lüften müssen. Die Geschichte nimmt den Leser, insbesondere den, der die Originalfigur lieben gelernt hat, langsam gefangen. Luc Brunschwig wirft ein Netz aus und geleitet seine Leser in immer engeren Bahnen hin zum Zentrum. Hier wächst die Spannung aus dem Rätsel, aus den vielschichtigen Charakteren und auch aus der Möglichkeit, mehr von Dr. Watson zu erfahren.

Ein abschließendes Fazit könnte lauten: So hätte es auch Arthur Conan Doyle selbst gemocht und falls er dazu gedrängt worden wäre, hätte er seinem Sherlock Holmes einen solchen Lebensepilog bescheren können. Ganz im Geiste des Originals, stimmig illustriert, mit einem Händchen für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sehr schön. 🙂

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Sonntag, 12. Oktober 2014

George A. Romeros EMPIRE OF THE DEAD 1

Filed under: Horror — Michael um 17:55

George A. Romeros EMPIRE OF THE DEAD - Erster AktSie war Polizistin. Das hat sie nicht vergessen. Und sie weiß auch noch zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Menschen zu fressen, ist böse. Menschen können böse sein. Und da draußen gibt es noch etwas anderes, das böse ist. Es ist kein Mensch. Es ist kein Zombie. Sie junge Frau hieß Xavier. Sie gehörte zur SWAT. Ihr Verlust fiel auf, doch fand man sie erst heute. Ihre ruhige Art, auch die merkwürdige Idee, eine Pistole verwenden zu wollen, macht sie zu einer Anwärterin für Experimente. Penny Jones ist Wissenschaftlerin und sie hat genau nach einem Untoten wie Xavier gesucht. Aber Xaviers Verstand funktioniert gut genug, um zu beschließen, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Als George A. Romero die lebenden Toten in die Nacht entließ, waren die Dämmerung und der darauf folgende Tag bestimmt noch nicht eingeplant. Der Jahre später dank einiger populärer Videospiele einsetzende Hype um diese Kreaturen war ganz bestimmt nicht vorherzusehen. Aber immerhin nutzte der Erfinder dieses Genres die Gelegenheit und kehrte auf die Bühne der Horrorkreativen zurück. Nach filmischen Fortsetzungen seines Untotenuniversums wagt Romero mit seinem EMPIRE OF THE DEAD als nächster Filmschaffender den Schritt ins Medium Comic und führt dort seine Geschichten fort.

ERSTER AKT. George A Romero verschließt sich eines weiteren Hypes nicht und führt diese in seiner neuen Horrormär zusammen: Zombies und Vampire. Die Welt hat die Existenz der Menschenfresser als alltäglich hingenommen, in die Normalität aufgenommen. Wenn nun noch Vampire existieren sollten und weitaus länger ihr Unwesen trieben, wäre dies zur Aufrechterhaltung einer gewissen Ordnung unzweifelhaft ein Desaster. Dabei leben diese Kreaturen mitten unter den Menschen und besetzen sogar Machtpositionen. Die Ordnung muss noch aus einem anderen Grund aufrecht erhalten werden. Vampire wollen nicht nur Macht, sondern auch Nahrung. Zombies haben das Gleichgewicht der Lebenden und Toten empfindlich gestört und sind zu Nahrungskonkurrenten geworden.

George A. Romero konzentriert sich zuerst auf seine Untoten und knüpft dort an, wo er bereits in LAND OF THE DEAD die ersten Schritte unternahm. Zombies verdummen nicht gänzlich, bewahren sich neben einem Erinnerungsvermögen an ihre ursprüngliche Existenz auch ein minimales Bewusstsein, bei dem einen mal mehr, bei dem anderen weniger. Auch die Menschen sind bereit diesen Umstand anzuerkennen und nützen ihn für ihre Zwecke: einer neuen Form des Gladiatorenkampfes zur Unterhaltung der Massen. Zombies gegen Zombies.

Alex Maleev ist einer jener Zeichner, die einen sehr intuitiven, sehr dokumentarischen Strich haben. Der schnelle Moment wird hier eingefangen Die Welt ist ein dunkler Ort. Selbst am Tage voller Schatten. Die Menschen jagen sich selbst und die Untoten in den Gassen, in den U-Bahn-Schächten, in der ehemals vor Leben überquellenden Metropole New York. Das hat beinahe expressionistische Züge. Die Hingeworfenheit mancher Szene schützt vor zu viel Details und lässt den Betrachter einige Einzelheiten vervollständigen, falls dieser als Fan des Genres mit ähnlichen Szenen bereits in Berührung kam.

Vampire sind gut. Zombies sind besser. Einige Vampire haben ihre Position noch nicht begriffen. Manche Zombies begreifen sehr wohl. Der Mensch ist stärker. Und selbst ihre untoten Cousins instrumentalisieren sie. Hier werden sie zu Resteverwertern degradiert. Da die Menschheit nichts von der Existenz der Blutsauger erfahren soll, entsorgen die Zombies die noch nicht vollkommen verstorbenen Opfer der Vampire. Hier kämpft sich schwarzer Humor nach vorne, der ansonsten zugunsten einer sehr ernsten, düsteren Atmosphäre nicht weiter in Erscheinung tritt.

Eine konsequente Weiterentwicklung der Welt nach einer Zombieapokalypse, wie sie George A. Romero bereits an anderer Stelle beschrieb. Die Zutat Vampire ist neu, gut eingearbeitet, ein Genre-Mix, über den bisherige Puristen entscheiden müssen, ob er ihnen gefällt oder nicht. Romero vermischte die mittlerweile beiden klassischen Kreaturenarten in moderner Erzählweise und baut Komplexität auf, die sich, das ist bei den Erzählsträngen zu erkennen, in der Fortsetzung noch stärker ausweiten lassen wird. Spannender Horror, in dem bestimmt auch etwas düstere Science Fiction verborgen ist. 🙂

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Freitag, 10. Oktober 2014

Lustiges Taschenbuch – Weihnachtsgeschichten

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 19:19

Lustiges Taschenbuch - WeihnachtsgeschichtenDa wollen die Kinder schon kein Geld zu Weihnachten und doch verlangen sie zu viel von Onkel Dagobert. Ein Weihnachtsfest draußen vor seinem Geldspeicher! Als ihn die Anfragen zu überrollen drohen und noch mehr Leute etwas von ihm wollen, nimmt Onkel Dagobert die Beine unter den Arm und flieht in ein Antiquitätengeschäft. Ein Märchenbuch nimmt seine Aufmerksamkeit gefangen. Aufklappbilder versetzen ihn augenblicklich in eine andere Welt. Die Figuren scheinen zum Leben zu erwachen und ehe es sich Onkel Dagobert versieht, haben die Helden der Geschichte ihn schon auf ihrer Reise mitgenommen.

Weihnachten bei Donald Duck und Micky Maus und all ihren Freunden und Verwandten ist selten so ähnlich wie bei uns. Oft geraten sie ausgerechnet an diesen besonderen Tagen des Jahres in Schwierigkeiten, die den sonst üblichen Abenteuern und Alltagsproblemen noch den sprichwörtlichen Stern auf die Tannenspitze setzen. Die eingangs erwähnte Geschichte über Onkel Dagoberts Erlebnisse im Antiquitätengeschäft sind ein sehr gutes Beispiel, wie ein etwas anderes Weihnachten bei den Ducks und Mauses aussehen kann. Die doppelte Handlung, einerseits jene, die Onkel Dagobert erlebt und jene, die das Buch ihm vorliest, ergänzen einander. Am Ende, damit verrate ich nichts Neues, wird das Herz des alten Knausers erweicht, denn Weihnachten ist gerade hier immer Weihnachten, mit all seinen Vorteilen und nur denen.

Micky Maus war schon vor langer Zeit der Meister des Phantastischen. In Fantasia geriet er zum Zauberlehrling, später tat er es dem guten alten Jack gleich und kletterte die Bohnenranke entlang in den Himmel hinauf. Hier ist er zurück in Asgardland, mit Goofy an seiner Seite und erlebt Abenteuer mit einem Drachen und fliegt auf einem riesigen Insekt durch das All. Das ist über die Maßen fantasievoll, sucht selbstverständlich seine Anlehnungen in moderner Fantasy, greift aber auch ganz besonders auf alte Mythen und Märchen zu. Nicht zuletzt musst Goofy eine Prinzessin wach küssen. Wer hätte so etwas dem alten Tollpatsch zugetraut?

Heldenhaft darf ein Supergoof nicht fehlen, Micky Maus trifft zum Fest seinen alten Widersacher Kater Karlo, aber am schönsten in dieser Ausgabe die Einsätze eines Onkel Dagobert. Donald Duck kann so richtig schön aus der Haut fahren, aber perfekt grantig sein, das schafft nur der alte Herr mit dem Geldspeicher. Großneffe Diddi, dreimal so anstrengend wie Tick, Trick und Track, entführt Onkel Dagobert kurzerhand zum Weihnachtsfest, eher zufällig und wohlmeinend, nichtsdestotrotz wird der gemeinsame Aufenthalt in einer Ferienhütte für den alten Herrn arg stressig.

Modernere Zeichenstile, gerade bei Micky Maus, zu beobachten, etwas forscher, peppiger, runder, mit dickeren Strichen bewahren den guten alten Geist der Disney-Welt, wie er den Leser in Entenhausen und Umgebung schon seit Jahrzehnten begleitet.

Eine schöne Einstimmung auf das Weihnachtsfest, auch ein prima Geschenk. Die Temperaturen spielen zwar noch nicht mit, aber Schnee ist zum Genießen der feinen Erzählungen, die mit viel Abwechslung daher kommen, nicht notwendig. Die Geschichten mit Onkel Dagobert sind die Spitzenreiter. Ausgerechnet der Geizhals, geboren aus einer Geschichte von Charles Dickens, hat das weiteste Herz. 🙂

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Mittwoch, 08. Oktober 2014

HERR LEHMANN

Filed under: Biographie — Michael um 19:17

HERR LEHMANNDer Schneider-Jürgen ist tot. Aber nichts Genaues weiß man nicht. Der Erwin hat es den anderen erzählt. Und jetzt rätselt man, woran der Schneider-Jürgen gestorben ist. Und eigentlich rätselt man nur deshalb, weil dieser Rainer an der Theke, der immer Kristallweizen trinkt, dem Schneider-Jürgen ähnlich sieht. Der Kerl, von dem man nichts weiß (außer der Tatsache, dass er ein Kristallweizen nach dem anderen trinkt), könnte von der Polizei sein und auf der Suche nach Drogen. Die Polizei tut sich jetzt in den Kneipen in West-Berlin um, hört man, also vielleicht ist der Kerl von der Polizei. Herrn Lehmann wird die Diskussion zu bunt, steht auf, geht hin und fragt einfach nach.

Herr Lehmann ist in gewisser Weise ein Philosoph. Er hat in seinem 30jährigen Leben Erkenntnisse gesammelt, zuletzt lange hinter dem Tresen. Einwände, passende und unpassende Antworten, Urteile und mitunter zutreffende Vorurteile gibt er gerne zum Besten. Irgendwie muss das Umfeld von Herrn Lehmann begriffen haben, dass Herr Lehmann ein etwas anderer Zeitgenosse ist. Eigentlich möchte er viel lieber Frank gerufen werden. Schließlich ist das sein Vorname. Aber Herr Lehmann hat sich zu Herrn Lehmanns Leidwesen durchgesetzt. Sven Regener schrieb den Kultroman um Herrn Lehmann, der die letzten Tage kurz vor dem Mauerfall in West-Berlin erlebt.

Alles beginnt mit einem fremden Hund, der Herrn Lehmann nach einer langen Nacht auf dem Bürgersteig aufhält und nicht vorbei lassen will. In schwarzweißen Bildern, mit aquarellierten Graustufen hat Comic-Künstler Tim Dinter den Roman in einer Graphic Novel eingefangen. Es ist ein großes West-Berlin, seltsam leer manchmal, in dem so mancher in Herrn Lehmanns Bekanntenkreis sich treiben lässt, von Kneipe zu Kneipe. In dieser Szene, deren Netz über den kapitalistischen Teil Berlin verwoben ist, stößt Herr Lehmann also auf diesen Hund. Nach Momenten der Angst wird eine Lösung gefunden, wie er mit diesem knurrenden und offensichtlich auf Konfrontation eingestellten Ungetüm fertig werden kann. Er macht den Hund betrunken.

Die Geschichte beschreibt ein Lebensgefühl. Nicht nur ein einzelnes. Es bildet sich aus einer ganzen Gruppe heraus, in deren Mittelpunkt, ob er will oder nicht (meistens will er nicht), Herr Lehmann steht. Wenn Not am Mann ist, in einer der Kneipen, die sein Boss besitzt, dann wird Herr Lehmann gerufen. Und Herr Lehmann kümmert sich. So ist die Bezeichnung Herr Lehmann nicht nur schnoddrig dahin gesagt, sie ist auch eine offenkundige Form des Respekts. Gibt es Probleme? Keine wirklichen. Na, gut, man fliegt als Hetero (und als Frau) mal aus einer Schwulenbar raus. Frauen kennen im Bereich Verliebtsein verschiedene Schattierungen. Herr Lehmann kannte bisher nur eine.

Und dann? Kommen eben doch echte Probleme und Veränderungen. Eine davon ist die 30. Denn die bezeichnet plötzlich das Alter von Herrn Lehmann. Karl bekommt echte Schwierigkeiten, solche, die Herrn Lehmann überraschen, aber denen er sehr gefasst begegnet und weitaus besser, als es die anderen in seinem Umfeld machen. Tim Dinter setzt die Erzählung um Herrn Lehmann in sehr klare Bilder um, die besonders ans Herz gehen, wenn der einmal lieb gewonnene Karl Schwierigkeiten macht. Die Gesichter der Figuren bleiben prägnant, gut erkennbar, in einem Bildausschnitt, der an das Pantoffelkino erinnert.
Eine der schönsten Szenen, auch eine, die Herr Lehrmann selbst in Schwierigkeiten bringen kann, ist, als er (weil er wieder einmal jemandem einen Gefallen tut) in der DDR, Ost-Berlin, mit 500 Westmark erwischt wird. Die einfache Darstellung, zusammen mit dem feinen Dialog, ist rundum gelungen und zeigt gleichzeitig, wie man’s macht.

Eine sehr umfangreiche Adaption des Erfolgsromans von Sven Regener ins Medium Comic. Als Graphic Novel von Tim Dinter gezeichnet, funktioniert der Witz, die Melancholie und Nostalgie der Handlung auch hier ausgezeichnet. Wer den Roman verpasst hat, lieber in optischen Kapiteln liest, wird den ganz eigenen Charme von Herrn Lehmann auch auf diesem Wege lieben lernen. 🙂

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Montag, 06. Oktober 2014

SPAWN: THE RECALL

Filed under: Comics im Film — Michael um 20:46

SPAWN: THE RECALLDie Hexe lebt zurückgezogen mit ihrem Sohn, auf der Flucht, immer auf der Flucht vor Entdeckung. Sie ahnt nicht, dass ihr kleiner Junge eine deutlich bessere Sicht auf die Halbwelt hat als sie. Bei einem normalen Einkauf in einem noch gewöhnlicheren Supermarkt zieht sich die Schlinge um die beiden ganz langsam zusammen und eine machtvolle Kreatur betritt das Diesseits.

Atmosphäre steht im Mittelpunkt. Ein quirliger Supermarkt versinkt plötzlich in düstere Stille. Die Besorgnis der Mutter wird endlich geweckt, ihr Sohn, der kleine Michael, ist verschwunden. Michael Paris, der Regisseur des Fan-Films um den Höllenkrieger SPAWN, beginnt mit einer Halbweltszene, deren Aufnahmetechnik an jene Sichtweisen erinnert, die auch ein Beutlin besaß, wenn er den einen Ring überzog. Die Realität verschwimmt, scheinbar entflammt, verwaschen wie bei einer Fata Morgana. Dann ist alles normal, Alltag. Bevor die Realität bricht.

Natürlich wartet man auf den Auftritt von SPAWN, der das Besondere an diesem Fan-Film ist. Seit der Kinoproduktion von 1997, die hinter den Möglichkeiten zurückblieb, die die Vorlage ihr bot, warten Fans dieser von Todd McFarlane erfundenen Figur auf einen neuen Auftritt. Dieser hier, inmitten von Supermarktregalen, ist kurz, aber eindrucksvoll und höchst gelungen.

Plötzlich geht das Licht aus. Das Böse hat die Jagd eröffnet, doch der Beschützer ist nah. Wie im kürzlich beschriebenen Fanfilm zu The PUNISHER endet auch hier leider alles mit einem Beginn. Jetzt kann es losgehen, mag man nach diesen leider nur wenigen Minuten denken. Jetzt darf SPAWN zeigen, was er kann. Einziger Trost: In kleinem Rahmen machen hier unabhängige Filmemacher vor, wie eine Comic-Umsetzung wirken könnte, wenn schon nicht auf der der Kinoleinwand, dann wenigstens im Fernsehen. Sehenswert!

SPAWN: THE RECALL auf youtube

Donnerstag, 02. Oktober 2014

THE PUNISHER – DIRTY LAUNDRY

Filed under: Comics im Film — Michael um 10:00

THE PUNISHER - DIRTY LAUNDRYDer Punisher, Frank Castle mit bürgerlichem Namen, lebt in einem alten Kastenwagen. Sein normales Leben liegt lange hinter ihm. Seinen Rachefeldzug hat er augenscheinlich ebenfalls zu den Akten gelegt. Eines Morgens, in einer von Gott verlassenen Gegend, einem verfallenen Stadtteil, sucht er einen Waschsalon auf. Ein kurzer Blick genügt, um die Lage in dieser Straße zu erkennen. Eine Bande drangsaliert die paar Menschen, die hier leben. Frauen werden vergewaltigt, Kinder zu Drogendealer und Junkies herangezogen. Wer etwas dagegen zu unternehmen sucht, wie etwa der alte Big Mike, endet im besten Fall im Rollstuhl. Frank Castle, der Punisher, sieht die Gewalt und das Elend, aber er hat gelernt, darüber hinweg zu sehen, als ginge ihn das alles nichts mehr an.

Drei Filme über den PUNISHER konnten in der Vergangenheit auf sich aufmerksam machen. Eine sehr frühe Version mit Dolph Lundgren, eine ambitionierte Variante mit Thomas Jane und eine an moderneren Comics angelehnte Version mit Ray Stevenson. Regisseur Phil Joanou holte den Schauspieler Thomas Jane gut acht Jahre nach der Hollywood-Version des Themas für einen Fan-Film in die Rolle des einsamen und verbitterten Bestrafers zurück.

Innerhalb des Marvel-Universums ist diese Figur integriert, aber auch seltsam fehl am Platz. Sie verfügt über keinerlei Superkräfte, allenfalls über einen enormen inneren Antrieb und sie tötet ihre Feinde. Auge um Auge, Zahn um Zahn, ist das einzige Gesetz, dem dieser Charakter folgt. Punisher ist der Dirty Harry oder Paul Kersey des Comics. Um der Figur im Film möglichst nahe zu kommen, ohne sie lächerlich zu machen, brauchte es einen Schauspieler wie Thomas Jane.

Fanfilme haben häufig den Nachteil, dass sie als genau das zu erkennen sind und ihnen die nötige Professionalität und glaubwürdige Darsteller fehlen. THE PUNISHER – DIRTY LAUNDRY wartet nicht nur mit dem einstmaligen Hauptdarsteller Thomas Jane auf, in einer Nebenrolle gibt sich auch noch Ron Perlman die Ehre, Filmfans sattsam von erfolgreichen Filmen und Serien wie Hellboy und Sons Of Anarchy her bekannt. Die beiden Schauspieler sorgen nicht nur mit ihrer Darstellung für die Qualität des Films. Die Besetzung sorgt mit intensivem Spiel allgemein für Erstaunen.

Zehn Minuten dauert der Film und die Art der Erzählung könnte auch die Einleitung zu einer kompletten Hollywood-Variante sein, jedenfalls wäre dies nach der starken wie auch gegen Ende sehr brutalen Sequenz fast zu erwarten. Der Schluss, der auch der Startschuss zu einem Comeback dieses Rächers sein könnte, enthüllt schließlich auch seine Identität. Einer der besten Fanfilme im Marvel-Universum!

THE PUNISHER – DIRTY LAUNDRY auf youtube

Montag, 29. September 2014

DAS DRITTE TESTAMENT – JULIUS III

Filed under: Mystery — Michael um 10:29

DAS DRITTE TESTAMENT - JULIUS III - Die Offenbarung 2Jenseits von Eden. Wer den Weg weit fort von den bekannten Gefilden wählt, kann auf Gegenden und Menschen, auf Stätten und Kulte stoßen, die er untergegangen glaubte. So dachten die Gefährten rund um den Auserwählten, dass die Abkömmlinge Kains, desjenigen, der den Bruder erschlug, in der Sintflut ausgelöscht wurden. Sie täuschten sich. Ist die Wanderung durch den scheinbar undurchdringlichen Dschungel nicht schon voller Entbehrungen und gefährlich genug, werden sie nach einem Akt der Menschlichkeit auch noch verfolgt und müssen verstärkt um ihr Leben fürchten.

Geheimnisse. Die Essener wussten um die geheimen Strukturen der Stämme Israels. Die Legende, von der Levi behauptet, sie sei die Wahrheit, bringt die übrigen Reisegefährten in Rage. Ein christlicher Sklave ließ sich davon überzeugen, der Bruder Jesu und für eine großartige Aufgabe ausersehen zu sein. In seinem Gefolge befinden sich die unterschiedlichsten Männer. Waren zu Beginn der Verheißung versprechenden Reise noch alle Begleiter (außer dem Römer Julius) in ihrer Begeisterung und der Überzeugung ihres Glaubens gefangen, wandeln sich diese Gefühle mit jeder neuen Gefahr und der Länge eines Weges, der kein Ende zu nehmen scheint.

In einer Zeit der Unterdrückung ist jede Hoffnung recht. Die beiden Autoren Alex Alice und Xavier Dorison benutzen dieses grundsätzliche historische Element und hetzen ihre Charaktere in der Fortsetzung von Das dritte Testament rund um den Römer Julius und die tiefsten Tiefen und gleichzeitig die höchsten Höhen. Die Strapazen verlangen den Wanderern alles ab. In jenen beschriebenen Tagen, die mit der Herrschaft des Römischen Reiches rund um das Mittelmeer einher ging, waren die Gefahren schon groß genug. Alice und Dorison verstärken das fantastische Element der Handlung, indem sie eine unheilvolle und teuflische Macht den angeblichen Bruder von Jesus verfolgen lassen.

Auffallend ist, wie dicht die Fortsetzung des Zweiteilers Die Offenbarung innerhalb der Geschichte um Julius geraten ist. Sie wirkt länger, als sie tatsächlich ist. Es liegt an der intensiven Beschreibung der Reise, die durch unterschiedlichste Landschaften und verschiedenste Bezugspunkte führt. Gleichzeitig gelingt Alice und Dorison noch das Kunststück die Charaktere klar zu positionieren. Der zweite Teil von Die Offenbarung ist nach einer gelungenen und konsequenten ersten Folge noch besser geraten.

Kleinste Passagen am Rande wie zum Beispiel die Sichtung einer Leprakolonie geben den Reisenden Gelegenheit zum Dialog und zeigen so, wo sie stehen. Das wird insbesondere später wichtig, wenn die Zweifel am Messias wachsen. Alice und Dorison präsentieren dramatische Szenen und menschliches Miteinander, das eigentlich einen Auftritt des Übernatürlichen unnötig macht, so kräftig ist die Geschichte zu diesem Zeitpunkt schon. Aber Comic ist nun einmal Kino auf Papier und auch auf diesem Gebiet kann dieses Abenteuer überzeugen.

Thimothee Montaigne (Zeichner) und Francois Lapierre (Farben) leisten gerade dann hervorragende Arbeit, wenn sie die Charaktere in den Wunder ungebändigter Natur zeigen. Wenn deutlich wird, wie gigantisch diese Welt ist und wie klein und machtlos der Mensch dagegen ist. Die Wüsten liegen hinter den Reisenden, nun durchqueren sie Dschungel, gelangen in entlegene Gegenden, wo Götzen angebetet werden und letztlich verschlägt es sie auf das Dach der Welt. So erschließt sich dem Leser ebenfalls ein großartiges Panorama, bestens illustriert, detailreich und technisch von hoher Perfektion.

Toller Abschluss des Zweiteilers, eine Vorausschau auf künftige Ereignisse, faszinierende Veränderung einer der Hauptcharaktere, Julius nämlich, spannend von Anfang bis Ende. Wer eine Mixtur aus Historie und Mystery mag, angesiedelt zur Blütezeit des Römischen Reiches, wird hier fündig. 🙂

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Samstag, 27. September 2014

RACHEL RISING 2 – Das Böse in dir

Filed under: Mystery — Michael um 16:23

RACHEL RISING 2 - Das Böse in dirTante Johnny ist schwer verletzt. Jet ist tot. Das Mädchen ist verschwunden. Nur Rachel hat den Unfall anscheinend unbeschadet überstanden. Rachel, die selbst von den Toten zurückkehrte, versucht ihrer nächsten Verwandten Trost zu spenden. Angesichts der zur vorläufigen Bewegungslosigkeit Verdammten will es nicht so recht gelingen. Leise Verzweiflung schleicht sich bei Tante Johnny ein. Und Jet? Nun Jet ist ein Sonderfall. Kurz bevor Earl sie einbalsamieren kann, weil er ihre Schönheit erhalten will, wacht sie auf einem metallenen Tisch in der Leichenkammer auf. Auch sie würde sich gerne bewegen. Leider ist das Genick immer noch gebrochen. Aber immerhin ergibt sie sich nicht, sondern teilt mit frechem Mundwerk gleich ungehemmt aus.

Hexen! Und der Teufel! Ja, es braut sich etwas zusammen über der Kleinstadt mit dem bezeichnenden Namen Manson. Autor und Zeichner Terry Moore gräbt nicht nur unter der Oberfläche einer amerikanischen Kleinstadt, in der so einiges seltsam ist, aber geduldet wird, er hängt ihr auch ein uraltes Geheimnis an, dem nur ein Fluch folgen kann. Die Wahrheit ist schrecklich und selbstverständlich versetzt sie die Betroffenen in Wut, auch nach 300 Jahren noch.

Die Lage hat sich nach dem ersten Band nicht beruhigt. Der Tod ist für die Beteiligten immer noch rätselhaft und selbst die Auflösung des unheimlichen wie auch widernatürlichen Vorgangs bringt keine Erleichterung, denn der Tod, der hier überlistet wird, hält Überraschungen bereit. Terry Moore hält auch nicht direkt ausgesprochene Ratschläge parat. Männer sollten es tunlichst unterlassen, Frauen, die sich übergeben müssen, zu helfen. Klingt zunächst merkwürdig, wer aber die entsprechende Passage liest und sieht, wird begreifen, dass hier Rückzug die bessere Alternative ist.

Neue Tote bringen nicht nur neue Schwierigkeiten, sie ermöglichen es Terry Moore auch mit einem sehr makabren Humor zu erzählen. Jet, die junge Frau, die nach ihrer Rückkehr zunächst auf jede Hilfe angewiesen ist, wird sozusagen zur schwarzhumorigen Spielwiese. Wenn Rachel einmal das gebrochene Genick ihrer Freundin vergisst oder wunderbar kurze Dialoge einfach nur Spaß machen und sich Pointe an Pointe reiht. Terry Moore stellt außerdem die Aufsässigen, in Form des Teufels, den Angepassten gegenüber und obwohl das Böse die Schwachstellen der anderen finden mag, werden doch am Ende beide Seiten bloßgestellt.

Geduld ist eine Tugend, die der Teufel besitzt. Aber er will auch seinen Spaß haben und so zögert er das erforderliche und angestrebte Ende über Gebühr hinaus. Das mag ihm gefallen, die Hexe Lilith hingegen ist nicht zum Spaß nach Manson gekommen. Terry Moore schickt zwei mächtige Kreaturen in die Handlung. Beiden gefällt es, ihre Macht zu demonstrieren. Auch Rachel muss diese bittere Erfahrung machen. Andere trifft es noch härter. Der Horrorfaktor steigert sich im zweiten Teil der Reihe von RACHEL RISING deutlich.

Die Guten, die Merkwürdigen und die Mörder. Earl ist einer der Guten, unscheinbar und mit seinem Beruf als Leichenwäscher ein Charakter von der traurigen Gestalt. Aber er ist auch jemand, der Vertrauen genießt und es nicht missbraucht. Der Doktor ist zweifellos merkwürdig, wie auch die angeknackste Jet zunächst stumm feststellt, aber in gewissem Sinn ist auch er harmlos und hilfreich. Die Mörder teilen sich ihr Betätigungsfeld und nicht jeder ist gleich böse zu nennen. Zoe, das kleine besessene Mädchen, ist zehn und letztlich auch bemitleidenswert, denn sie ist seit mehreren Jahrzehnten zehn und tötet gleichzeitig Menschen mit der gleichen Empathie, mit der andere Fliegen mit einer Klatsche erschlagen. Es genügt ein Moment teuflischer Unachtsamkeit und Zoe versucht die Flucht zu ergreifen. Terry Moore schafft durch Nebenfiguren ein Höchstmaß an Atmosphäre, streut kleine Gedankenanstöße ein, die hängen bleiben.

Ein Meister des schwarzweißen Comics. Es sind nicht nur gedankliche Anstöße, auch einprägende Szenen, manchmal nur wenige Bilder lang, verteufelt gut konstruiert und mit ebensolchen Einfällen, die echte Hingucker sind. Es werden zwar nicht Lämmer zu Wölfen, aber Terry Moore hat sich ähnliche Schockbilder einfallen lassen. Samt und sonders zeichnet er diese wie auch den gesamten Band mit einer ungeheuren schwarzweißen Präzision, die letztlich keine Farbe benötigt.

Eindringlicher, gruseliger, mit tollem Gespür für Atmosphäre geschrieben und toll gezeichnet und getuscht. Für Mystery-Fans und Freunde des leisen, immer näher schleichenden Horrors ein toller Lesetipp! 🙂

RACHEL RISING 2, Das Böse in dir: Bei Amazon bestellen
Oder bei Schreiber und Leser.

Donnerstag, 25. September 2014

AMAZING SPIDER-MAN – Marvel Exklusiv 111

Filed under: Superhelden — Michael um 16:52

AMAZING SPIDER-MAN - Marvel Exklusiv 111Im November ist Kälte keine Überraschung. Wie sehr sie Spider-Man zu schaffen macht, ist allerdings selten. Einen Wagen der Seilbahn aufzufangen, wird zu einem noch übermenschlicheren Akt, als er ohnehin schon ist. Und das ist erst der Anfang. Ein Sturm zieht herauf, die Menschen bereiten sich mit Hamsterkäufen darauf vor, verbarrikadieren sich. Andere wiederum müssen genau in diese Kälte hinaus, Spider-Man natürlich, die Feuerwehr aber ebenfalls. Der Spinnenmann greift ein, obwohl er es extrem eilig hat, denn seine Beweggründe sind sehr persönlicher Natur, persönlicher denn je!

Zurück zu den Wurzeln. Während der einstige Erzfeind Spider-Mans im neuen Marvel-Universum, MARVEL NOW!, den Körper von Peter Parker übernommen und beschlossen hat, der beste und effektivste Spider-Man aller Zeiten zu werden, haben sich einige Autoren und Comic-Künstler dem Original angenommen. Allen voran hat David Morrell eine Doppelfolge geschrieben. Der Rambo-Erfinder und Autor von Romanen, denen eine gewisse Unheimlichkeit zugrunde liegt, erzählt hier eine stürmische Geschichte, in der die Elemente selbst zu Spider-Mans größtem Hindernis werden.

Frost heißt dieses Abenteuer. Menschlichkeit steht hier bei Morrell im Vordergrund. Peter Parker hat an der Erkenntnis zu knabbern, dass er ein Mensch ist, der trotz seiner Gabe und seiner körperlichen Sondereigenschaften, ganz normale Schwächen erfahren kann. Eine davon ist die Kälteempfindlichkeit, die ihn hier sehr hart trifft, aber zu seinem Glück seinen Spinnensinn nicht beeinflusst. Inmitten eines Blackouts und Schneesturms muss Peter Parker ein Ziel erreichen und sich gleichzeitig entscheiden, was ihm am wichtigsten ist.

Das schwarze Haus könnte auch der Titel einer Gruselgeschichte sein, bezeichnet hier jedoch die nächste Doppelfolge, in der sich alles um eine ziemlich spezielle Einrichtung für Superganoven dreht. Denn hin und wieder könnten sich Leser gefragt haben, woher die Gauner nicht nur ihre Kleidung beziehen (wurde einmal geklärt), ihre Ausrüstung (wird auch zeitweilig beantwortet), sondern wo sie ihre Verwundungen auskurieren, wenn ihnen wider Erwarten die Flucht gelingt. Wohin wendet sich so ein Erzganove, der schwer verletzt ist und einen sicheren Unterschlupf braucht? Autor Joe Casey beschreibt dieses Gangsterkrankenhaus und bringt Spider-Man in eine schier unglaublich gefährliche Situation.

Im Kampf mit Firebrand wird die freundliche Spinne von nebenan bis zur Unkenntlichkeit verletzt. Was zunächst tragisch ist, stellt sich alsbald als Glück im Unglück heraus, denn so wird Spidey anfänglich nicht erkannt und kann undercover agieren. Eine ungewöhnliche Situation, von Timothy Green in eindringlichen, starken Strichen gezeichnet, vergleichbar mit einem frühen Mike Mignola, realistisch zwar, aber schon mit einer Spur Abstraktion reduziert.

In kürzeren Abenteuern wird es privater, heiter bis dramatisch, nett verwoben mit der Wirklichkeit, mit echteren Problemen und weniger Superschurken. Spider-Man war schon ein gern gesehener Gast bei den Fantastischen Vier. Andersherum verhält es sich ebenso. New Yorker halten eben zusammen. So ist es kein Wunder, dass Johnny Storm, die Fackel, bei Peter Parker auftaucht und um Hilfe bittet. Klingt nicht normal? Doch am Ende stellt es sich genau als ein solch normales Problem heraus. Und dabei sieht es anfangs noch danach aus, als stehe der Weltuntergang vor der Tür und zentriere sich nun in Mary-Janes Wohnzimmer. Eine feine Erzählung, die am Ende nur noch von zwei Kurzgeschichten übertroffen wird.

Mit Kindern hat Spider-Man nicht nur in seiner Funktion als Lehrer an einer Schule zu tun. Auch im täglichen Heldenleben begegneten sie ihm schon, teils auf die schiefe Bahn geraten, teils als Bewunderer. Casey Mitchell hat es nicht leicht, eigentlich ähnlich schwer wie Peter Parker, als dieser noch nicht von einer radioaktiven Spinne gebissen worden war. Mit dem Hosenbund am Baseballkorb aufgehängt zu werden, ist noch eine der harmloseren Demütigungen, die er über sich ergehen lassen muss. Aber was wäre, wenn man einen Freund wie Spider-Man hätte? Bald zeigt sich, wie schwer es ist, eine derartige Behauptung in die Tat umzusetzen. Eine schöne Kurzgeschichte, die beweist, dass diese Form besonders im Comic funktionieren kann, da ein Bild tatsächlich manchmal mehr sagen kann als tausend Worte.

Ein toller Querschnitt mit Abenteuern des klassischen Spider-Man, weitgehend ohne die ganz bösen Ganoven, dafür sehr viel mit einem sehr herzlichen Peter Parker, der einer der besten Gründe dafür ist, warum die Superheldenfigur zu einer der populärsten weltweit wurde. Sehr schön. 🙂

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