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Comic Blog


Montag, 07. November 2016

ASTERIX EROBERT ROM

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 18:48

ASTERIX EROBERT ROMInspiriert von den Aufgaben des legendären Helden Herkules hat sich Cäsar einige Prüfungen einfallen lassen, die beweisen sollen, dass die unbesiegbaren Gallier keine Götter sind und somit auch die Angst nicht verdienen, die seine ansonsten allmächtigen Legionen vor ihnen haben. Doch wer soll die Prüfungen stellvertretend für das gesamte Dorf bestehen? Da gibt es natürlich nur zwei Krieger, die sich bisher immer bewährt haben: Asterix und Obelix! Na, und Idefix, der kleine weiße Hund mit dem Schnauzbart selbstverständlich auch.

ASTERIX EROBERT ROM. Vor 40 Jahren eroberte Asterix nicht nur Rom, sondern ebenfalls die Kinoleinwand. Mit diesem Projekt erfüllte sich ein Wunsch und ein Traum der beiden Erfinder von ASTERIX. Rene Goscinny und Albert Uderzo gründeten 1974 ein eigenes Trickfilmstudio und füllten so eine Lücke in der französischen Filmlandschaft. Namentlich genannter Zeichentrickfilm sollte ihre erste Produktion werden. Es war, und hier wurde der Geist der Comic-Alben sehr gut eingefangen, nicht nur ein Abenteuer für Kinder, sondern konnte gleichzeitig als Satire für die Erwachsenen verstanden werden. Denn die besagten Prüfungen sind zum Teil mit Anspielungen auf die modernen Zeiten gespickt.

Sport, Bürokratie, Feminismus. Klingt nach einer seltsamen Mischung, ist aber in den Prüfungen zu finden. Schneller, weiter, das sind Themen, die ASTERIX ebenso in ASTERIX BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN begegneten. Hier geht es um mehr als nur ein Siegerkranz. ASTERIX läuft für sein Dorf, Obelix wirft für sein Dorf und damit sind eigentlich die einfachsten Prüfungen erledigt. Denn bald zeigt es sich, dass die wahren Tücken abseits des Sportplatzes warten. Die schönste Episode, besser gesagt, die schönste Prüfung ist die Suche nach einem Formular, dem berühmten Passierschein A38. Lange bevor es Begriffe wie Bürgerservice gab, rüttelt die Erfüllung dieser Aufgabe an den Nerven der beiden Helden. Das ist auch in der hier benutzten Form, der bebilderten Erzählung sehr lustig.

Der Leser darf bei dieser Sonderausgabe kein gewöhnliches Comic-Album erwarten. ASTERIX EROBERT ROM feiert das 40jährige Jubiläum des Films unter Verwendung von Zeichnungen, die seinerzeit für die Produktion des Films als Vorlagen entstanden und nun hier in einer neu kolorierten Fassung präsentiert werden. Gleichzeitig füllen diese Bilder Doppelseiten und geben dem Phänomen ASTERIX ein neues Gesicht, denn so großformatig hat der kleine Gallier eine besondere Anziehungskraft. Das ist eine ähnliche Machart wie im Band WIE OBELIX ALS KLEINES KIND IN DEN ZAUBERTRANK GEPLUMPST IST. Nur fielen die Zeichnungen dort etwas fragiler aus und besaßen mehr Leinwandcharakter, während der Leser hier eher von der ersten Reihe aus auf eine Bühne schaut.

Weil es eben keine Albenzeichnungen sind, ist der Strich hier dünner. Das Volumen wird durch die leichte, fein leuchtende Kolorierung gebildet. Der Farbauftrag wirkt natürlich. Jede Doppelseite zeigt einen wunderbaren Ausschnitt aus der ASTERIX-Welt und sind wie verkleinerte Poster anzuschauen. Und zu entdecken gibt es natürlich auch etwas. Umpah-Pah hat einen kleinen Gastauftritt und sogar die Herren Goscinny und Uderzo geben sich abschließend die Ehre. Das Vorwort gibt Aufschluss darüber wie eng die beiden Comic-Macher zusammen arbeiteten und wie toll sie als Kreativschaffende waren. ASTERIX EROBERT ROM, der Film wie auch dieses Jubiläumswerk, unterstreicht das doppelt und dreifach.

Sehr schön als Einstieg in die Welt des kleinen Galliers für die Kleinen zum Vorlesen. Für die Älteren ein schöner Rückblick, gelungenes Beiwerk zum Filmklassiker von 1976. Und ein feiner Einblick in die Arbeit von Albert Uderzo. 🙂

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Donnerstag, 27. Oktober 2016

BARRACUDA 6 – BEFREIUNG

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:21

BARRACUDA 6 - BEFREIUNGMit der 6. Episode unter dem Titel BEFREIUNG endet die Reihe über die BARRACUDA. Ein blutiges Finale, in dem Händler und Piraten gegen Spanier und Kirche aufbegehren. Und es ist noch mehr als das. Das Schicksal von Blackdog, dem eigentlichen Kapitän des Segelschiffes BARRACUDA, und seiner Hatz nach dem teuflischen Diamanten von Kashar wird besiegelt. Autor Jean Dufaux und Comic-Künstler Jeremy schließen die Mischung aus Piratenepos und Mystery ab, indem sie alles und jeden scheinbar noch einmal gegeneinander hetzen. Neben den Piraten Blackdog und seinem Sohn bittet auch der Rote Falke zum Tanz. (siehe Titelbild)

Die Spanier mit ihren Interessen in den Gewässern der Karibik sind nicht der einzige Dorn im Fleisch der Räuber zur See. Die Kirche hat ihre Vasallen geschickt und besonders einer von ihnen zeigt großes Interesse an einem magischen Stein, der seine Besitzer zumeist zugrunde richtet. Dennoch können selbst die, die sich bereits die Finger an dem blutroten Kleinod verbrannten, nicht von ihm lassen. Der DIAMANT VON KASHAR macht süchtig. Jean Dufaux ist einer der thematisch vielseitigsten Comic-Autoren. Auffallend bei ihm ist stets die tiefe Charakterbeschreibung, die er selbst noch den Nebenfiguren zukommen lässt.

Ein trauriges Schicksal ereilt zwangsläufig Flämmchen, die bislang durch ihre Kaltschnäuzigkeit und Schönheit auffiel und leider auch vom Makel einer Lepraerkrankung betroffen war. Andere Charaktere treffen einander wieder und Wiedersehensfreude wie auch Zwiste beenden schließlich einen langen Weg. Das ist von Jean Dufaux ebenso meisterlich wie unerbittlich seinen Figuren gegenüber geschildert. Die Zeiten, in denen Autoren allzu viel Mitleid mit ihren Charakteren hatten, sind lange vorüber. Es sei ihm zugute gehalten, dass Piraten ohnehin nicht sehr vom Mitleid angetrieben werden. Das Überleben zählt, nicht irgendwelche imaginären Werte, es sei denn, sie sind aus Gold. Der Rote Falke formuliert das Lebensgefühl eines Halunken zur See einmal sehr treffend: Die Ehre dient mir nur als Putzlumpen.

BARRACUDA bestach und besticht durch seine Bildsprache und seine Atmosphäre. Segelschiffe gleiten durch den Nebel. Innerhalb der Gefährte, in den Kajüten setzt rotes Licht einen verwunschenen Effekt. Treffen die Mannschaften in wilden Entergefechten aufeinander, beherrschen Kämpfe auf Leben und Tod die Bilder. Damit es nicht allzu ernst ist (das ist es meistens), hat Jean Dufaux mit dem Charakter Ferrango einen Tollpatsch wie aus einem Spaghettipiratenfilm eingefügt, den wirklich niemand als Anführer haben möchte. Mehr sei dazu nicht verraten.

Jeremy, der Comic-Künstler, der dieses Abenteuer so großartig illustriert hat, gelingen hervorragende Halunken und Halsabschneider. Seine Frauenfiguren, Pin-ups mit Ausstrahlung, und die Nebenfiguren wie der erwähnte Ferrango oder ein Bruder Esteban besitzen ein echtes Auftreten. Denn, um beim Beispiel zu bleiben, ein Ferrango ist nicht bloß auf idiotisches Verhalten reduziert. Er ist auch ein ziemlich skrupelloser Schweinehund. Jeremy vermag viele Facetten von Emotionen in die Mienen dieser Charaktere zu zeichnen.

Und das Ende, aber was für eines! Jean Dufaux und Jeremy verabschieden sich aus dieser Piratenwelt mit einem Paukenschlag. Grafisch eindrucksvoll, ohne Schonung des Lesers. Top! 🙂

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Links: Blog von Jeremy

Donnerstag, 20. Oktober 2016

ENTENHAUSENS MOST WANTED

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 8:50

ENTENHAUSENS MOST WANTED - Schwere Jungs und leichte BeuteEin Streifzug mit den Bösewichten Entenhausens durch die Jahrzehnte, für Comic-Interessierte sogar durch die Entstehungsländer. Es gibt einen Wandel in den Zeiten, auch in den Figuren. Mit ENTENHAUSENS MOST WANTED wurde verlagsseitig ein Querschnitt der Auftritte der bekanntesten Gauner erstellt. Die Panzerknacker, Kater Karlo, Gundel Gaukeley und das Schwarze Phantom geben sich die Ehre.

Allen gemein ist ihr Einfallsreichtum und ihre Hartnäckigkeit, ihren jeweiligen Widersacher auszutricksen oder um eine ordentliche Summe zu erleichtern. Ganz vorne dabei in diesem Reigen sind natürlich Dagobert Duck und Micky Maus. Schwere Jungs und leichte Beute verspricht der Untertitel des vorliegenden Bandes. Das ist nur bedingt richtig, vergisst es doch einerseits das schwere Mädel und andererseits müssen die Gauner in diesem Band für ihren Misserfolg ordentlich schuften. Denn das Böse gewinnt in Entenhausen nie.

Mit den Panzerknackern durch dick und dünn, sogar durch die Jahrhunderte. Neben einem sehr frühen Auftritt der Beagle Boys, wie sie im Original heißen, darf der Leser die Gaunerbande in die Vergangenheit begleiten, als Dagobert Duck schon reich, aber sein Geldspeicher, so wird vermutet, lange noch nicht so mit findigen Abwehrmitteln gegen Halunken versehen war. Das Abenteuer Verbrechen in der Vergangenheit entpuppt sich kalauernder Raubzug für den Leser, denn mit einem derart raffgierigen Bertel wie hier haben die Panzerknacker einfach nicht gerechnet.

Die kurioseste hier vorliegende Erzählung erschien 1981 in Brasilien und hieß übersetzt Knäckar, der Schreckliche. Man stelle sich einen Panzerknacker vor, der sich zu Karneval als Asterix verkleidet. Hier ist klassischer Slapstick am Werk, eine Menge Parodie. Mit Ivan Saidenberg ist zwar der Autor der Geschichte bekannt, aber leider nicht der Zeichner. Eine gehörige Portion Humor und den Mut über den Tellerrand hin zu anderen Comic-Universen zu spinksen, haben beide besessen.

Der Abwechslung wegen löst Kater Karlo den Reigen der Schurken ab. Der Erzfeind von Micky Maus findet seine schönste Episode in diesem Band ausgerechnet in Ein Gauner auf Verbrecherjagd. Hier der Erzfeind zum Erzfreund, denn der kleine Detektiv, der ihm sonst im Nacken hängt, wird selbst zum Opfer einer Entführung und der einzige, der ihm helfen kann, ist Kater Karlo. Der Halunke, der durch das Zusammenspiel mit seiner Frau Trudi (als Motivatorin) sehr gewinnt, kann sich hier in einem extra langen Abenteuer als Sympathiefigur beweisen.

Gundel Gaukeley, Hexe mit Entenschnabel, verspricht sich einiges vom Einsatz von Bertels erstem Zehner als magischem Katalysator. Ihre Versuche sind beharrlich, wie es ein Klassiker von Carl Barks, die Geschichte Die Irrfahrten des Dagobert Duck vormacht. Ganz im Sinne einer Zauberin Circe verschlägt es die Ducks, Dagobert, Donald und die drei Neffen, in den Bann der Hexe, die auch gleich die magischen Tricks ihrer legendären Kollegin ausprobiert, Tierverwandlungen inklusive. Gelungen wie eine gute amerikanische Komödie und einer etwas überdrehten Entenfamilie.

Das schwarze Phantom ist sicherlich ein gruseliger Vertreter seiner Zunft. Im Gegensatz zu den anderen Verbrechercharakteren ist seine wahre Identität etwas ungewiss, wie der redaktionelle Teil des Bandes aufklärt. Seine Auftritte hingegen sind aberwitzig, mit weiteren Gaststars versehen und zünden in solchen Momenten besonders stark. Ein schwarzes Phantom, dass sich mit einer weiteren Hexe des Disney-Universums (neben Gundel Gaukeley) verbündet, nämlich Madame Mim, lässt einen andauernd schmunzeln.

Aber das interessanteste Abenteuer mit dem Phantom ist sicherlich, in Anlehnung an einen Roman von Stephen King (SIE), Wo ist Micky Maus?. Das Schwarze Phantom entführt Micky Maus. Dieser ist inzwischen ein bekannter Bestseller-Autor. Nur kommt in seinen Romanen der Bösewicht, hier das Schwarze Ekel genannt, nie gut weg. Micky soll das endlich ändern.

Ein praller Überblick für alle Freunde der Gauner und Ganoven in Entenhausen. Der Sonderband verdeutlicht ihren starken Stellenwert, ihre verdiente Langlebigkeit sowie, auch das, ihre sympathischen Seiten. Klasse! 🙂

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Dienstag, 18. Oktober 2016

Die Geheimnisse des schwarzen Mondes 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:28

Die Geheimnisse des schwarzen Mondes 2 - PilouEs gibt schlechte Tage und es gibt noch schlechtere Tage. Ein Riese hat Hunger. Ausgerechnet zwei kleine Elfen fallen ihm auf seiner Wanderung in die Finger. Der eine endet gleich als Snack, der andere wird für später aufgehoben. Aber junge Elfen sind klein, die Taschen von Riesen groß und rissig und so gelingt es dem Kleinen noch einmal zu entkommen. Zu seinem Pech sind Riesen nicht die einzigen hungrigen Gesellen. Warum meinte der winzige Elf sich auch ausgerechnet im Nasenloch eines Drachen ausruhen zu müssen? Dumm gelaufen. Oder nicht?

Der Drache ist offensichtlich weiblich. Ein Ei zerbricht und der Nachwuchs kann sich nicht entschließen, den Elfen zu fressen. Die beiden sehr ungleichen Wesen werden sogar Freunde. Sie wachsen zusammen auf. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Lange, sehr lange läuft es für den Elfen sehr gut. Er hat ein Zuhause, eine Familie, bis ihm eines Tages klar wird, dass es noch viel, viel schlechtere Tage geben kann …

Hätte ein Charles Dickens eine Fantasy-Geschichte geschrieben, hätte etwas wie die Lebensgeschichte von PILOU dabei entstehen können, dem Elfen, aus dem später eine der bekannten Figuren in der Welt des SCHWARZEN MONDES wird. Denn auch der Elf gerät in die Fänge eines düsteren Anführers einer jugendlichen Diebesbande, die nur durch einen düsteren Trick gefügig gehalten wird. F.M. Froideval beschreibt die erste Lebenshälfte innerhalb der Geschichte wie ein feines Märchen. Der Held wird ordentlich durchgeschüttelt und erhält seine Belohnung in Form einer Familie, die für ihn sorgt und ihn beschützt. Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls, denn es in Sachen Skrupellosigkeit gibt es noch besser trainierte Wesen als Drachen.

In der zweiten Hälfte wird PILOU zwangsläufig erwachsen. Bislang war er in guter Obhut, nun muss er lernen sich durchzuschlagen. Er ist der Neue, der Kleinste, er wird drangsaliert und, ganz wichtig, muss zuallererst die Sprache der Menschen lernen. Er wird zu einem wichtigen Werkzeug für den Meister. Auch in der zweiten Hälfte der Handlung geht das Märchenhafte nicht gänzlich verloren und das ist vor allem dem Grafikduo Fabrice Angleraud (Zeichner) und Yves Lencot zu verdanken. Was die beiden Comic-Künstler hier dem Fantasy-Fan bieten, ist schlichtweg hervorragend.

Das märchenhaft Genannte entsteht zu einem großen Teil durch den Grafikstil, der gerade in den Kindertagen des Elfen besonders gut herausgestellt wird. Selten kann eine Comic-Figur einen Leser so gut einfangen und mitnehmen wie hier. Der kleine PILOU ist putzig, wirkt wahnsinnig schutzbedürftig und anfangs immer so, als könne er die Gefahren dieser Fantasy-Welt nicht recht begreifen und warum ihm alle ans Leben wollen. Wie unbedarft er ist, (obwohl zu diesem Zeitpunkt längst versucht worden ist, ihn zu fressen) wird in der starken Szene deutlich, in der er ausgerechnet eine kuschelige Übernachtungsmöglichkeit in einem Drachennasenloch findet.

Eine sehr weiche Farbgebung, sehr fein abgestuft koloriert, machen jede Seite zu einem kleinen Kunstwerk. Mitunter sehr große Ansichten, Bilder über Doppelseiten hinweg, collagenähnliche Strukturen breiten das Lebensabenteuer PILOUS regelrecht vor dem Leser aus. Man gewinnt den Eindruck, als sei auf die Techniken von mittelalterlichen Wandteppichen und ihren Szenendarstellungen zurückgegriffen worden.

Eine der schönsten Ausgaben aus der Welt des SCHWARZEN MONDES. Dank der Comic-Künstler Fabrice Angleraud und Yves Lecot erwartet den Leser ein grafisches Sahnehäubchen. Sehr, sehr für Fantasy-Fans zu empfehlen, auch solchen, die ansonsten nichts über den SCHWARZEN MOND wissen. 🙂

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Freitag, 07. Oktober 2016

WONDERBALL – 1. SHOOTER

Filed under: Thriller — Michael um 16:40

WONDERBALL - 1. SHOOTERInspektor Spadaccini wird zu einem außergewöhnlichen Mord gerufen. Neun Menschen wurden in neun Sekunden von einem einzigen Schützen ermordet. Die Tatwaffe weckt Erinnerungen. Die Präzision und die Kaltblütigkeit kamen Spadaccini bereits in einem anderen Mordfall unter. Vor vielen Jahren gehörte er zur Schutztruppe des amerikanischen Präsidenten Kennedy, als dieser in Dallas einem Anschlag zum Opfer fiel. Und jetzt das! Wonderball, so nennen ihn Bekannte, viel weniger die Freunde, denn die sind ohnehin rar gesät. Spadaccini ist versessen auf diese Süßigkeit, in der für Kinder eine Überraschung versteckt ist. Wonderball braucht sie nicht. Er setzt sie zusammen und schmeißt sie weg …

San Francisco im August 1983. Die Uhren ticken noch anders. Die 70er sind noch in guter Erinnerung. Amerikanische Traumata wie der Vietnamkrieg, auch der heute fast vergessene Einsatz in Korea, die Ermordung John F. Kennedys sind in den Köpfen weiterhin umtriebig. Im letzten echten Jahrzehnt lassen die Autoren einen Massenmörder in einer der tolerantesten amerikanischen Gemeinden umgehen. Es wird ein weiter Bogen über die Jahrzehnte geschlagen. Das Geheimnis sitzt tief. Die Hauptfigur ist alles andere als der Liebling seiner Kollegen. Das Privatleben liegt so ziemlich in Trümmern. Spadaccini versteht sich jedoch auf seinen Beruf, für den er offensichtlich eine Art Hassliebe empfindet. Der Leser mag ihm schnell folgen, denn das Pech, das Spadaccini in seinem Leben hatte, lässt hierfür Türen offen.

Die Autoren Fred Duval, Jean-Pierre Pecau, Fred Blanchard und natürlich Comic-Künstler Colin Wilson kennen ihre Straßen von San Francisco. Man könnte auch sagen: Wie ein grüner VW Käfer zur Legende wurde. Wer die berühmte Verfolgungsszene aus dem Film BULLIT kennt, dem ist es vielleicht aufgefallen. Egal, wie schnell die beiden Muscle-Cars um die Blocks rasen, irgendwie ist ein grüner VW Käfer immer vor ihnen schon da, obwohl er ganz gemächlich dahintuckert. Colin Wilson zeichnet ausgerechnet einen grünen VW Käfer, den die Schurken in der Geschichte zur Beschattung benutzen.

Nash Bridges, Massenmord in San Francisco, besagter Bullit, der Einsatz von Karl Malden und Michael Douglas, Dirty Harry, für Freunde des amerikanischen Krimis hat die Stadt eine Menge zu bieten. Das hat seine Gründe, die von Colin Wilson eingangs sofort exemplarisch vorgeführt werden. Die Transamerica Pyramid und die Golden Gate Bridge sind die Erkennungsmerkmale der Stadt, von Alcatraz einmal abgesehen, das hier in einer Fernansicht auftaucht. Die Höhenunterschiede der Stadt, ihre verschiedenen architektonischen Stile machen die ehemalige Hippiehochburg zu einer idealen Spielwiese für Krimis und Thriller. Kleinstädtisch angehaucht mit alten Häusern, Wolkenkratzern, Hafengegend, Strand, finsteren und wohlhabenden Ecken, jeder Ortsteil sorgt für einen tollen Szenenwechsel.

Colin Wilson ist hierzulande ein bekannter Comic-Zeichner. Ob SciFi, Western, Superheldengenre oder Mystery, er ist so ziemlich überall zuhause und meistert seine Arbeiten mit jener Eleganz, wie sie auch Kollegen wie Hermann, Philippe Francq oder Jean Giraud an den Tag legen. Colin Wilson legt seinen Helden, den Polizisten Spadaccini optisch als Mischung aus Don Johnson und Clint Eastwood an. Hätten die beiden einen Sohn gehabt, sähe dieser genau so aus. Es gibt einige Frontalansichten, die darüber keinen Zweifel lassen.

In Sachen Anatomie, Perspektive und Inszenierung ist Colin Wilson technisch unter den ersten Plätzen. Seinen Wiedererkennungswert erfährt er durch die Gesichtszüge, mit denen er seine Figuren bedenkt. Colin Wilson liebt eine eckig gesetzte Linie und er lässt seine Charaktere gerne durch verkniffene Augen schauen. So setzt der Eastwoodsche Effekt schnell bei nahezu jeder Figur ein. Und darüber hinaus legt Colin Wilson seine Schatten gerne auffällig überbetont an. Das Titelbild ist hierfür exemplarisch.

Fred Duval und Jean-Pierre Pecau erzählen einen Thriller, der noch nicht mit 300 km/h daher kommt. Sie heften sich ein wenig an die Spuren eines Jean van Hamme oder eines Oliver Stone. Hier ist neben Spannung auch Aufmerksamkeit gefragt. Wer mag, wird sogar angeregt, den realen Hintergründen dieser Geschichte nachzugehen, wie dem Warren-Report, der mysteriösen magischen Kugel, der Geschichte des LSDs, dem angeblich schlechtesten Gewehr der Welt und vielem mehr. Das ist in wohl sortierten Dosen erzählt, und zieht den Leser, so gehört es sich für eine detailreiche Geschichte, wie ein Puzzlespiel, dessen fehlenden Teile immer weniger werden, immer weiter mit sich.

Ein richtig guter, sehr durchdachter klassischer Thriller, mit dem sich Fred Duval und Jean-Pierre Pecau auf eine Stufe mit Jean van Hamme (Largo Winch) heben. Colin Wilson gehört zu den Spitzencomiczeichnern weltweit, allein deshalb ist von dieser Seite schon ein Blick für Fans empfehlenswert. Insgesamt ein Top-Auftakt! 🙂

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Montag, 03. Oktober 2016

DICK HERRISON 10 – DIE SCHUBKARRE DES TODES

Filed under: Mystery — Michael um 18:41

DICK HERRISON 10 - DIE SCHUBKARRE DES TODESIst der Mann nun wahnsinnig und zu recht in eine Nervenheilanstalt eingeliefert worden? Oder ist er das Opfer eines üblen Komplotts geworden? Will ihm jemand brutale Morde anhängen? Und wenn ja, warum? Die Tatsachen bleiben, so oder so. Die Toten wurden allesamt geköpft. Dick Herrison wird beauftragt, Licht ins Dunkel zu bringen und den Mordverdächtigen zu entlasten. Clarence Beaufix wurde mittels einer Fotografie zum Schauplatz des zweiten Mordes gelockt, einem alten, sehr heruntergekommenen Herrensitz. Dort setzt der private Ermittler Herrison an. Erste Spuren sind vielversprechend. Doch mit ihnen wächst ganz offensichtlich die Gefahr, denn bald findet Herrison einen weiteren Toten ohne Kopf …

DIDIER SAVARD bittet zur Ermittlung in einem haarsträubenden Mordfall. Mit Grusel, leisem Humor und einer Prise Spannung entwickelt er ein Szenario, das nur haarscharf eine Parodie auf die großen französischen Detektive wie Maigret, Nestor Burma und Konsorten ist. DIDIER SAVARD, der leider in diesem Jahr verstarb, lieferte mit DIE SCHUBKARRE DES TODES das zehnte Abenteuer seines Ermittlers DICK HERRISON ab. Das Titelbild verrät etwas früh einen Teil der Auflösung und die Schubkarre kommt auch relativ spät zum Einsatz.

Parodiert wird hier in jedem Fall die berühmte klare Linie, denn DIDIER SAVARD verwackelt, zerknittert, strichelt, kreiselt und liebt das Detail, die kleinste Einzelheit. Letzteres erweckt die französischen 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Leben, in einer skizzierten Rücksicht und einem Blick, der scheinbar nichts von der Zukunft weiß. DICK HERRISON ist schön nostalgisch geraten, mit einem Lächeln gezeichnet und könnte als satirische Sicht auf jene Zeit tatsächlich in jenem Jahrzehnt entstanden sein. Besonders gestützt wird diese These von den Ansichten DICK HERRISONS, wie er ein Restaurant, ein Antiquitätengeschäft oder eine Brasserie besucht.

Die Zurückhaltung der Hauptfigur ist bezeichnend. DICK HERRISON verliert nur selten die Contenance. Es nur Zurückhaltung zu nennen, wäre zu wenig. Das Auftreten ist stets korrekt, eine Pfeife darf auch nicht fehlen, das Zeichen von Ruhe und Genuss in jeder Lebenslage. Sein Freund Jerome ist weitaus moderner in Kleidung und Haarschnitt, flapsiger im Auftritt, unkontrollierter insgesamt. Aber DIDIER SAVARD lässt seine Figuren nicht ausbrechen, lässt sie nicht zu überdrehten Puppen werden. In diesem bizarren Mordfall bleiben sie ernst, wahrhaftig.

Es sind gezähmte Ermittlungen, die sich nicht in Actionszenen ergehen, sondern die einzelnen Ergebnisse, den Lösungsweg in den Vordergrund stellen. Da werden sich nicht nur Freunde französischer Detektive wohlfühlen. Auch wer Stücke von Agatha Christie mag, liegt mit DICK HERRISON richtig. Die Figuren allerdings besitzen äußerlich etwas von der Bissigkeit eines Künstlers wie George Grosz, der in seinen Zeitgenossen den seelischen, geistigen Kern nach Außen holte. Die Inszenierung in der Nervenheilanstalt ist hierfür bezeichnend. DICK HERRISONS Ankunft auf dem Gelände, mit all den Insassen, die er passieren muss, könnte thematisch dieser damals geprägten Neuen Sachlichkeit entsprungen sein.

Comic mit leisem Humor und Köpfchen (für den Leser, in der Handlung eher ohne, so deutet es das Titelbild aussagekräftig an). Ungewöhnlich dicht erzählt und gezeichnet, orientiert sich an Klassikern von Literatur und Kunst. Schön, unterhaltsam, aber nicht für jedermann. 🙂

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Samstag, 24. September 2016

DAS DOPPELTE LOTTCHEN

Filed under: Klassiker — Michael um 15:14

DAS DOPPELTE LOTTCHENIn Seebühl am Bühlsee verbringen kleine Mädchen ihre Sommerferien. Die jugendlichen Gäste kommen von überall her. Luise hat sich gut eingelebt, neue Freundinnen gefunden. Eines Tages kommen mit dem Bus neue Urlaubsgäste und die Mädchen staunen nicht schlecht, als Lotte aussteigt und mit Aussehen, den blonden Haaren, Statur und Alter wie eine Kopie von Luise aussieht. Luise ist erschüttert und rennt erst einmal weg. Auch in nächster Zeit mag sie der Neuen nicht begegnen.

Der ewige Klassiker von ERICH KÄSTNER. DAS DOPPELTE LOTTCHEN ist bei weitem nicht seine einzige sehr bekannte Veröffentlichung, doch sicherlich jene, die sich am meisten ins Gedächtnis einer generationenübergreifenden Leserschaft eingeprägt hat. Die Comicumsetzung von ISABEL KREITZ greift die Originalerzählung auf und versetzt den Leser zurück in die Jahrzehntenwende der 40er hin zu den 50er Jahren, im 20. Jahrhundert. Vieles ist anders, einfacher vielleicht sogar. Vieles ist aber auch ähnlich, aus heutiger Sicht sogar modern, ja fast schon normal zu nennen.

ERICH KÄSTNER beginnt seine Geschichte mit einem Ferienerlebnis und einem gelüfteten Geheimnis. Der Titel deutet es an, das Titelbild sowieso und es ist nach so vielen Jahrzehnten und diversen Verfilmungen wohl kein Geheimnis, dass es sich bei den beiden LOTTCHENS um Zwillinge handelt. Für die Zeit damals war das Geheimnis hinter der Trennung der Zwillinge für eine Kindererzählung mutig und frisch zu nennen. Die Eltern, geschieden, haben die beiden Töchter heimlich unter sich aufgeteilt. Eines Tages landen beide zufällig in derselben Ferienfreizeit und entdecken nicht nur ihre Ähnlichkeit, sondern forschen auch nach, ob mehr hinter diesem unglaublichen Zufall steckt.

ISABELL KREITZ hat sich in den letzten Jahren nicht nur mit Kästner-Adaptionen ins Herz der deutschen Comic-Begeisterten gezeichnet, sie erregte ebenfalls mit Geschichten für ein erwachsenes Publikum, DIE SACHE MIT SORGE und DIE ENTDECKUNG DER CURRYWURST Aufsehen. Kurzum, sie gehört zu den Comiczeichnern in Deutschland, die das Medium auch in Kritikeraugen salonfähig gemacht haben. DAS DOPPELTE LOTTCHEN in ihrer Version erweckt die Vergangenheit zu neuem Leben, wie es zum Beispiel ein Schwarzweißfilm aus jener Zeit nicht könnte. Denn in den Bildern lässt sich ein anderes Fühlen, grundlegenderes Denken jener Tage sehen. Die Menschen sind enger beieinander, so scheint es. Natürlich ist das gleichfalls romantisierend, Hinweise darauf fehlen nicht, aber der Gesamteindruck ist heimeliger, als es ein vergleichsweise modernes Setting vermögen würde.

Hier wird, anders gesagt, der Charme eines grafischen Stils eingefangen, den ein Walter Trier damals in der Originalzeit kultiviert hat. Triers bekannteste, bei weitem nicht die einzige, Arbeit ist wohl das Titelbild zum Buchklassiker EMIL UND DIE DETEKTIVE, dem auch eine Briefmarke gewidmet wurde. Rundliche, etwas pausbäckige Gesichter, Knopfaugen, mit leichtem Strich erfasst, auf den Punkt gebracht sozusagen, ziehen sich als Erscheinungsbild quer durch alle Charaktere der Geschichte.

Es ist ein liebevoll gezeichneter Blick in vergangene Lebensrealitäten, in Wohnungen, Küchen, in den Straßenverkehr und auf die Alltagskleidung in München und Wien. Das Freizeitverhalten und so mancher Wunsch von Erwachsenen und Kindern wirkt aus heutiger Sicht nostalgisch verklärt, vielleicht sogar ein bisschen naiv. Die beiden Mädchen haben, auch hier erzählt man kaum ein Geheimnis, ähnlich wie der Prinz und der Bettelknabe, die Plätze getauscht und lernen so ihre bis dahin jeweils unbekannten Elternteile kennen. Da weder Mutter noch Vater mit diesem Tausch rechnen, bleibt der Plan von Luise und Lotte vorläufig unentdeckt.

In sachten, weichen Farben, einer Postkartenrührseligkeit der 50er Jahre gut nachempfunden, entspinnt sich die von Kästner geschriebene und von Kreitz fein inszenierte Kindergeschichte hin zu einem, natürlich, guten Ende. Die Erwachsenen tun schließlich, inspiriert vom Leid der Kinder, die einfach nach Gutdünken von ihren Eltern getrennt wurden, das Richtige.

Ein schöner Ausflug in die Vergangenheit, ein Ausblick, wie Kindheit einmal war, sicherlich auch etwas märchenhaft, etwas nostalgisch überzogen, aber das erhöht die Eindringlichkeit der Geschichte, die dafür geeignet ist von Kindern und Eltern zusammen gelesen zu werden. Klasse. 🙂

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Donnerstag, 22. September 2016

BUDDY LONGWAY – Gesamtausgabe 5

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:03

BUDDY LONGWAY - Gesamtausgabe 5 - Für immerBUDDY LONGWAY hat einmal mehr Glück gehabt und seine Frau Chinook und seine Tochter Kathleen wiedergefunden. Aber der Weg war lang für alle Beteiligten. Der Wunsch nach Ruhe ist berechtigt und so verbringt die kleine Familie eine friedvolle Zeit im Indianerreservat. Schließlich kommt der Frühling und die Unruhe wächst. Jeremiah, Buddys und Chinooks Sohn sollte längst zu ihnen gefunden haben. Die Suche nach dem inzwischen erwachsenen Jungen ist beschlossene Sache. Doch zuvor gibt es noch eine Aufgabe zu erfüllen. Das Militär bittet BUDDY LONGWAY Mustangs für die Armee zu fangen. Unter der Anleitung von SIEHT ÜBER DIE WOLKEN macht BUDDY LONGWAY eine der wichtigsten Erfahrungen seines Lebens.

15 Jahre hatte sich DERIB Zeit gelassen, ehe er sich wieder seinem Westernepos um den Trapper BUDDY LONGWAY zuwandte und dieses mit weiteren vier Alben zu einem Abschluss brachte. Diese Ausgaben sind nun im letzten Band der Gesamtausgabenreihe versammelt. Von der Jugend bis zum gereiften Mann hat der Leser den Trapper über die Jahre begleitet. Einige der Wegbegleiter von BUDDY LONGWAY haben hier ihren neuerlichen, nostalgisch anmutenden Auftritt. Manches ist rührend, einiges dramatisch, wichtige Abschnitte auch tieftraurig. Doch zuvor zeigt DERIB einen Wilden Westen mit einer unglaublich schönen Natur und all den Facetten, die damit einher gehen.

Die Mustangjagd in der ersten Episode, die auch so heißt wie einer ihrer Figuren, SIEHT ÜBER DIE WOLKEN, besitzt nicht nur die Dramatik, wie der Leser sie von BUDDY-LONGWAY-Geschichten her gewohnt ist, sie besitzt auch diesen liebevollen Blick auf die grandiose Natur Nordamerikas und auf die wohl schönsten Einwanderer des Kontinents, die Mustangs. DERIB sind in dieser Szenerie wunderbar lebendig wirkende Bilder gelungen. Außerdem ist es interessant mit anzusehen, wie der sehr erfahrene Trapper auf seine alten Tage doch noch mit Staunen und Lernbereitschaft auf dieses urige Land schauen kann. Und auch bereit ist, diese Lektionen anzunehmen.

Nicht nur Lektionen, sondern auch Leid hält dieses Land für BUDDY LONGWAY und seine Liebsten bereit. DERIB war noch nie bereit, seine Helden zu verschonen. Schon häufiger hat er dem Trapper und seiner Familie vieles abverlangt, vor allem vielen Gefahren ausgesetzt. Was wurde aus Jeremiah? Diese Frage wird in DIE VERIRRTE KUGEL endlich beantwortet. DERIB vertieft hier die Indianerthematik, die Auseinandersetzungen zwischen Armee und Ureinwohnern, die Kluft zwischen angeblicher Zivilisation und Wilden, die gleichzeitig einen Keil in die Familie von BUDDY LONGWAY treibt. Das wird von DERIB allzu verständlich und nachvollziehbar erzählt. Und verstärkt die ebenso nachfühlbare Tragödie umso mehr.

KATHLEENS ZORN, die dritte Episode und gleichzeitig vorletzte der gesamten Serie, setzt fünf Jahre später nach der vorherigen Geschichte ein und zeigt, wie aus dem Mädchen Kathleen eine beinahe erwachsene Frau geworden ist. Die Handlung ist bei Kenntnis moderner Erzähltechniken höchst aktuell zu nennen, wagt sie sich nicht nur besonders eng an die Hauptpersonen heran, sondern demontiert sie auch noch mit chirurgischer Präzision. KATHLEENS ZORN ist emotional packend und beschreibt ein Szenario, in dem viele Charaktere sehenden Auges in ihr Verderben unterwegs sind.

Mit der Geschichte DIE QUELLE endet die Serie. DERIB lässt damit auch keinen Zweifel daran, dass eine Fortsetzung für immer ausgeschlossen war und ist, fremde Erzähler sich niemals dieser Figur annehmen können, wie es zeitweilig bei anderen Serien der Fall gewesen ist. Ich glaube, selten wurden Seriencharaktere derart final beschrieben. Einerseits muss man den Hut vor diesen letzten Episoden ziehen, die den Realismus von Beginn der Serie an bis zum wirklich bitteren Ende durchhalten. Andererseits fällt es die Akzeptanz des Endes schwer, da man als Leser besonders bei diesen Charakteren auf ein friedvolles Ende hoffte. Selten schaffen es Comic-Figuren derart viel echte Sympathie anzuhäufen.

Und selten war es stimmiger zu sagen, dass man sich hier als LEser mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet. DERIB hat sich darum bemüht, Kreise zu schließen und offene Enden miteinander zu verknüpfen. Weiterhin auf hohem Niveau illustriert, beendet DERIB hier seine Saga um BUDDY LONGWAY für immer und meißelt sie regelrecht ins Gedächtnis. Toll gemacht! 🙂

BUDDY LONGWAY, Gesamtausgabe 5, Für immer: Bei Amazon bestellen
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Sonntag, 11. September 2016

DIE NEUEN X-MEN 1 – EINE NEUE CHANCE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:10

DIE NEUEN X-MEN 1 - EINE NEUE CHANCECyclops ist tot. Mutanten und Menschen hatten enorme Schwierigkeiten. Einfach formuliert. Anders gesagt, die Differenzen zwischen denjenigen, die spezielle Kräfte und besondere äußere Merkmal hatten, und solchen, die nur als normaler Homo sapiens über den Erdball wanderten, waren wieder einmal ausgartet. Die Welt, in der die X-Men groß geworden sind, existiert nicht mehr. Sie existiert nicht mehr für jene, die mit ihr alt geworden sind, noch für jene, die von Hank McCoy aus der Vergangenheit geholt wurden, um die Zukunft zu richten. Denn zurück können die jungen Versionen der X-Men nicht. Gerade einer hadert mit dieser nun furchtbaren Gegenwart: Der junge Cyclops. Was wird passieren? Wir er einst genauso zu einer Gefahr für die Menschheit werden wie sein älteres Ich?

EINE NEUE CHANCE lautet der Titel des Auftakts eines neuen Verbunds von X-Men, in der sich jüngere und ganz alte X-Men-Fans wiederfinden dürfen. Das Team ist sehr jung geraten und besitzt den frühen Charme, als Professor X selbst die Gruppe X gründete und sie in diesen schwarzgelben Uniformen unterwegs waren, von denen sich sogar die Kinogänger in ERSTE ENTSCHEIDUNG überzeugen konnten. Das neue Team hat Altbekanntes, auch in neuer Verpackung dabei und es besteht gleichzeitig in dieser fremden Umgebung, in der die Geschichte stark von den jüngsten Ereignissen beeinflusst worden ist.

Man sollte es nicht direkt einen Fan-Club nennen, aber der alte Cyclops war für so manchen Mutanten eine Inspiration. Die Ghosts of Cyclops geraten ausgerechnet mit dem jungen Cyclops aneinander. Und der hat die neuen X-Men gleich auf seiner Fährte. WOLVERINE ist nun eine Sie, den Fans schon seit längerem bekannt als X-23. ANGEL und BEAST haben sich äußerlich verändert, ICEMAN bleibt dem Leser in gewohnter Form und mit gewohnter Jugendlichkeit erhalten. Ein KID APOCALYPSE ist, kannte man bisher nur die erwachsene, höchst zerstörerische Variante, gewöhnungsbedürftig. Und OYA kommt comic-historisch einigermaßen unbelastet daher.

Neben neuen unvermuteten Bedrohungen müssen sich diese X-Men anfangs zusammenraufen. Nicht nur die Vergangenheit muss berücksichtigt werden, sondern auch der Umstand, dass es sich Kids handelt, die noch nicht erwachsen, aber auf dem besten Wege dahin sind. Da trifft es sich, dass es bekannte Bedrohungen gibt, für die keine Samthandschuhe angezogen werden müssen und man sich von diesen alltäglichen Sorgen auch ablenken lassen kann. Und ganz nebenbei Paris ruiniert.

Mit Mark Bagley als Zeichner ist eine tolle Wahl getroffen worden. Bagley, der schon den ultimativen Spider-Man und die Fantastic Four großartig inszenierte, schafft zwischen den einzelnen Heldenfiguren, sogar zwischen den Ghosts of Cyclops ein tolles optisches Gleichgewicht. Hier ähneln seine Arbeiten mittlerweile sehr einem anderen Comiczeichnerveteranen aus derselben Generation, nämlich Alan Davis. Bagley hat sich seit Spider-Man noch weiterentwickelt, obwohl er zu jener Zeit bereits einen Spitzenplatz unter den Comiczeichnern erobert hatte.

Starke, ausgewogene Mischung, einerseits mit neuen Themen und neuen Gesichtern, andererseits bekannte Charaktere, auch alte Bekannte wie der Blob, der den Laden ordentlich aufmischt. Nach einer derart langen Geschichte der X-Men ist es klasse, dass Dennis Hopeless weitere, logische Ideen einfließen lassen kann. Und mit Zeichner Mark Bagley kann der Comic-Fan nichts falsch machen. Tiptop! 🙂

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Montag, 05. September 2016

TEEN TITANS MEGABAND 1 – DIE ELITE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:41

TEEN TITANS MEGABAND 1 - DIE ELITEEin großer, ein wichtiger Einsatz für die TEEN TITANS: Ein Schulbus wurde von Terroristen entführt. Für die jungen Superhelden steht viel auf dem Spiel. Hier heißt es, mit Fingerspitzengefühl zu Werke zu gehen, damit die Kinder alle lebend befreit werden. Den Terroristen macht es offensichtlich Spaß, den Schülern Angst einzujagen und sie fürchten keinerlei Eingreifen seitens der Helden. Sie täuschen sich. Wenig später wird der erste von ihnen aus dem Bus gerupft. Aber haben die TEEN TITANS ihren Job vielleicht nicht ernst genug genommen? Als eines der Kinder aus dem Bus geworfen wird, muss ausgerechnet der einzige TITAN, Red Robin, ohne Superkräfte ran und hoffen, dass das mit dem Fliegen hinhaut …

Ein Team mit großem Potential. Die unterschiedlichen Fähigkeiten garantieren in Action-Sequenzen nicht nur ein tolles Zusammenspiel. Für humorige Einlagen ist dank der Kräfte von BUNKER und BEAST BOY ebenfalls gesorgt. Es ist ein wenig wie eine neue Neuausrichtung des alten OUTSIDERS-Teams rund um BATMAN. An der Stelle des DUNKLEN RITTERS agiert nun ein roter Ritter, nämlich RED ROBIN, der wahrhaftig der einzige in der Gruppe ohne Superkräfte ist, diesen Nachteil aber mittels taktischem Geschick, Sportlichkeit und vor allem Ernsthaftigkeit wett macht.

WONDER GIRL ist eine jugendliche Version der allseits beliebten WONDER WOMAN, von entsprechend himmlich göttlicher Natur, während RAVEN die dunkle Seite bedient und eine entsprechend magische Vergangenheit besitzt. BEAST BOY verwandelt sich in Tiere, aber nienmals mit der letzten Spur Realismus, denn sie sind stets von grüner Farbe, eine Pigmentierung, die seine Haut vorgibt. BUNKER kann eine Unmenge Klötzchen erschaffen und diese steuern, Barrikaden errichten. Die späteren Neuzugänge POWER GIRL und SUPERBOY komplettieren den Nachwuchsreigen.

Held zu sein, ist gar nicht mehr so einfach. Früher erledigten die Superhelden ihren Job und entschwanden in der Luft oder sonstwo. Heute gibt es Fanclubs, Fanbands, Fangangs und natürlich dürfen auch persönliche Probleme nicht vergessen werden. Ganz zu schweigen von den Querelen, die innerhalb einer Superheldenvereinigung auftreten. WONDER GIRL kann ein Lied von derlei Schwierigkeiten erzählen, mit einem Augenzwinkern von Will Pfeifer erzählt und enormstens von Kenneth Rocafort gezeichnet. Wer die Arbeiten von Zeichnern wie Michael Turner oder Leinil Francis Yu kennt, kommt dem Stil von Rocafort sehr nahe. Insgesamt ist er vielleicht noch ein wenig feiner, realistischer. Hinzu kommt eine moderne Bildverteilung, die dazu tendiert, eine komplette Seite zum Gesamtkunstwerk zu machen. Kippende Rahmen oder Rechtecke sorgen zum Beispiel für eine interessante Hintergrunddynamik.

Andere Zeichner, andere Methoden. Comic-Künstler Scott Hepburn kann für sich eine mangaeske Strichführung verbuchen und ist in der Bildführung etwas konservativer. Hepburn bildet einen Gegenpol zu Rocafort. Es sind noch weitere Grafiker am Start, aber die optische Anlehnung fällt eindeutig zugunsten von Rocafort aus. Beide Stile hätten durchaus ihre Berechtigung, sind auf Augenhöhe, nur drückt Rocafort dem hier zusammengefassten kompletten Jahrgang der TEEN TITANS einen unverwechselbaren Stempel auf.

Ohne Gegner ist alles nix. Jedenfalls nicht für Superhelden. ALGORITHM ist ein weibliches Gegenstück zu CYBORG SUPERMAN. Als direkte Verbindung zum Stählernen müssen sich die TITANS mit MANCHESTER BLACK auseinander setzen. Dieser hat sich einen neuen Rückhalt besorgt, deutlich seriöser nach außen, in Wahrheit aber nach wie vor ein Intrigant. Es könnte theoretisch für die TITANS ganz einfach sein, gäbe es mit SUPERBOY, den Klon von Superman, nicht einen Wackelkandidaten, der sich nicht recht entscheiden kann, welchen Weg er gehen will, zumal mit seiner Persönlichkeit einiges im Argen liegt.

Ein Jahr Action und ein tolles Auftaktzusammenspiel wird hier im 1. Megaband der TEEN TITANS zusammengefasst. Dank Will Pfeifer ist die Erzählung recht bodenständig, ernst, ähnlich wie die Fernsehserie GOTHAM das DC-Universum angeht. Grafisch Top, in Blockbuster-Qualität! 🙂

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