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Comic Blog


Dienstag, 18. Oktober 2016

Die Geheimnisse des schwarzen Mondes 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:28

Die Geheimnisse des schwarzen Mondes 2 - PilouEs gibt schlechte Tage und es gibt noch schlechtere Tage. Ein Riese hat Hunger. Ausgerechnet zwei kleine Elfen fallen ihm auf seiner Wanderung in die Finger. Der eine endet gleich als Snack, der andere wird für später aufgehoben. Aber junge Elfen sind klein, die Taschen von Riesen groß und rissig und so gelingt es dem Kleinen noch einmal zu entkommen. Zu seinem Pech sind Riesen nicht die einzigen hungrigen Gesellen. Warum meinte der winzige Elf sich auch ausgerechnet im Nasenloch eines Drachen ausruhen zu müssen? Dumm gelaufen. Oder nicht?

Der Drache ist offensichtlich weiblich. Ein Ei zerbricht und der Nachwuchs kann sich nicht entschließen, den Elfen zu fressen. Die beiden sehr ungleichen Wesen werden sogar Freunde. Sie wachsen zusammen auf. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Lange, sehr lange läuft es für den Elfen sehr gut. Er hat ein Zuhause, eine Familie, bis ihm eines Tages klar wird, dass es noch viel, viel schlechtere Tage geben kann …

Hätte ein Charles Dickens eine Fantasy-Geschichte geschrieben, hätte etwas wie die Lebensgeschichte von PILOU dabei entstehen können, dem Elfen, aus dem später eine der bekannten Figuren in der Welt des SCHWARZEN MONDES wird. Denn auch der Elf gerät in die Fänge eines düsteren Anführers einer jugendlichen Diebesbande, die nur durch einen düsteren Trick gefügig gehalten wird. F.M. Froideval beschreibt die erste Lebenshälfte innerhalb der Geschichte wie ein feines Märchen. Der Held wird ordentlich durchgeschüttelt und erhält seine Belohnung in Form einer Familie, die für ihn sorgt und ihn beschützt. Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls, denn es in Sachen Skrupellosigkeit gibt es noch besser trainierte Wesen als Drachen.

In der zweiten Hälfte wird PILOU zwangsläufig erwachsen. Bislang war er in guter Obhut, nun muss er lernen sich durchzuschlagen. Er ist der Neue, der Kleinste, er wird drangsaliert und, ganz wichtig, muss zuallererst die Sprache der Menschen lernen. Er wird zu einem wichtigen Werkzeug für den Meister. Auch in der zweiten Hälfte der Handlung geht das Märchenhafte nicht gänzlich verloren und das ist vor allem dem Grafikduo Fabrice Angleraud (Zeichner) und Yves Lencot zu verdanken. Was die beiden Comic-Künstler hier dem Fantasy-Fan bieten, ist schlichtweg hervorragend.

Das märchenhaft Genannte entsteht zu einem großen Teil durch den Grafikstil, der gerade in den Kindertagen des Elfen besonders gut herausgestellt wird. Selten kann eine Comic-Figur einen Leser so gut einfangen und mitnehmen wie hier. Der kleine PILOU ist putzig, wirkt wahnsinnig schutzbedürftig und anfangs immer so, als könne er die Gefahren dieser Fantasy-Welt nicht recht begreifen und warum ihm alle ans Leben wollen. Wie unbedarft er ist, (obwohl zu diesem Zeitpunkt längst versucht worden ist, ihn zu fressen) wird in der starken Szene deutlich, in der er ausgerechnet eine kuschelige Übernachtungsmöglichkeit in einem Drachennasenloch findet.

Eine sehr weiche Farbgebung, sehr fein abgestuft koloriert, machen jede Seite zu einem kleinen Kunstwerk. Mitunter sehr große Ansichten, Bilder über Doppelseiten hinweg, collagenähnliche Strukturen breiten das Lebensabenteuer PILOUS regelrecht vor dem Leser aus. Man gewinnt den Eindruck, als sei auf die Techniken von mittelalterlichen Wandteppichen und ihren Szenendarstellungen zurückgegriffen worden.

Eine der schönsten Ausgaben aus der Welt des SCHWARZEN MONDES. Dank der Comic-Künstler Fabrice Angleraud und Yves Lecot erwartet den Leser ein grafisches Sahnehäubchen. Sehr, sehr für Fantasy-Fans zu empfehlen, auch solchen, die ansonsten nichts über den SCHWARZEN MOND wissen. 🙂

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Freitag, 07. Oktober 2016

WONDERBALL – 1. SHOOTER

Filed under: Thriller — Michael um 16:40

WONDERBALL - 1. SHOOTERInspektor Spadaccini wird zu einem außergewöhnlichen Mord gerufen. Neun Menschen wurden in neun Sekunden von einem einzigen Schützen ermordet. Die Tatwaffe weckt Erinnerungen. Die Präzision und die Kaltblütigkeit kamen Spadaccini bereits in einem anderen Mordfall unter. Vor vielen Jahren gehörte er zur Schutztruppe des amerikanischen Präsidenten Kennedy, als dieser in Dallas einem Anschlag zum Opfer fiel. Und jetzt das! Wonderball, so nennen ihn Bekannte, viel weniger die Freunde, denn die sind ohnehin rar gesät. Spadaccini ist versessen auf diese Süßigkeit, in der für Kinder eine Überraschung versteckt ist. Wonderball braucht sie nicht. Er setzt sie zusammen und schmeißt sie weg …

San Francisco im August 1983. Die Uhren ticken noch anders. Die 70er sind noch in guter Erinnerung. Amerikanische Traumata wie der Vietnamkrieg, auch der heute fast vergessene Einsatz in Korea, die Ermordung John F. Kennedys sind in den Köpfen weiterhin umtriebig. Im letzten echten Jahrzehnt lassen die Autoren einen Massenmörder in einer der tolerantesten amerikanischen Gemeinden umgehen. Es wird ein weiter Bogen über die Jahrzehnte geschlagen. Das Geheimnis sitzt tief. Die Hauptfigur ist alles andere als der Liebling seiner Kollegen. Das Privatleben liegt so ziemlich in Trümmern. Spadaccini versteht sich jedoch auf seinen Beruf, für den er offensichtlich eine Art Hassliebe empfindet. Der Leser mag ihm schnell folgen, denn das Pech, das Spadaccini in seinem Leben hatte, lässt hierfür Türen offen.

Die Autoren Fred Duval, Jean-Pierre Pecau, Fred Blanchard und natürlich Comic-Künstler Colin Wilson kennen ihre Straßen von San Francisco. Man könnte auch sagen: Wie ein grüner VW Käfer zur Legende wurde. Wer die berühmte Verfolgungsszene aus dem Film BULLIT kennt, dem ist es vielleicht aufgefallen. Egal, wie schnell die beiden Muscle-Cars um die Blocks rasen, irgendwie ist ein grüner VW Käfer immer vor ihnen schon da, obwohl er ganz gemächlich dahintuckert. Colin Wilson zeichnet ausgerechnet einen grünen VW Käfer, den die Schurken in der Geschichte zur Beschattung benutzen.

Nash Bridges, Massenmord in San Francisco, besagter Bullit, der Einsatz von Karl Malden und Michael Douglas, Dirty Harry, für Freunde des amerikanischen Krimis hat die Stadt eine Menge zu bieten. Das hat seine Gründe, die von Colin Wilson eingangs sofort exemplarisch vorgeführt werden. Die Transamerica Pyramid und die Golden Gate Bridge sind die Erkennungsmerkmale der Stadt, von Alcatraz einmal abgesehen, das hier in einer Fernansicht auftaucht. Die Höhenunterschiede der Stadt, ihre verschiedenen architektonischen Stile machen die ehemalige Hippiehochburg zu einer idealen Spielwiese für Krimis und Thriller. Kleinstädtisch angehaucht mit alten Häusern, Wolkenkratzern, Hafengegend, Strand, finsteren und wohlhabenden Ecken, jeder Ortsteil sorgt für einen tollen Szenenwechsel.

Colin Wilson ist hierzulande ein bekannter Comic-Zeichner. Ob SciFi, Western, Superheldengenre oder Mystery, er ist so ziemlich überall zuhause und meistert seine Arbeiten mit jener Eleganz, wie sie auch Kollegen wie Hermann, Philippe Francq oder Jean Giraud an den Tag legen. Colin Wilson legt seinen Helden, den Polizisten Spadaccini optisch als Mischung aus Don Johnson und Clint Eastwood an. Hätten die beiden einen Sohn gehabt, sähe dieser genau so aus. Es gibt einige Frontalansichten, die darüber keinen Zweifel lassen.

In Sachen Anatomie, Perspektive und Inszenierung ist Colin Wilson technisch unter den ersten Plätzen. Seinen Wiedererkennungswert erfährt er durch die Gesichtszüge, mit denen er seine Figuren bedenkt. Colin Wilson liebt eine eckig gesetzte Linie und er lässt seine Charaktere gerne durch verkniffene Augen schauen. So setzt der Eastwoodsche Effekt schnell bei nahezu jeder Figur ein. Und darüber hinaus legt Colin Wilson seine Schatten gerne auffällig überbetont an. Das Titelbild ist hierfür exemplarisch.

Fred Duval und Jean-Pierre Pecau erzählen einen Thriller, der noch nicht mit 300 km/h daher kommt. Sie heften sich ein wenig an die Spuren eines Jean van Hamme oder eines Oliver Stone. Hier ist neben Spannung auch Aufmerksamkeit gefragt. Wer mag, wird sogar angeregt, den realen Hintergründen dieser Geschichte nachzugehen, wie dem Warren-Report, der mysteriösen magischen Kugel, der Geschichte des LSDs, dem angeblich schlechtesten Gewehr der Welt und vielem mehr. Das ist in wohl sortierten Dosen erzählt, und zieht den Leser, so gehört es sich für eine detailreiche Geschichte, wie ein Puzzlespiel, dessen fehlenden Teile immer weniger werden, immer weiter mit sich.

Ein richtig guter, sehr durchdachter klassischer Thriller, mit dem sich Fred Duval und Jean-Pierre Pecau auf eine Stufe mit Jean van Hamme (Largo Winch) heben. Colin Wilson gehört zu den Spitzencomiczeichnern weltweit, allein deshalb ist von dieser Seite schon ein Blick für Fans empfehlenswert. Insgesamt ein Top-Auftakt! 🙂

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Montag, 03. Oktober 2016

DICK HERRISON 10 – DIE SCHUBKARRE DES TODES

Filed under: Mystery — Michael um 18:41

DICK HERRISON 10 - DIE SCHUBKARRE DES TODESIst der Mann nun wahnsinnig und zu recht in eine Nervenheilanstalt eingeliefert worden? Oder ist er das Opfer eines üblen Komplotts geworden? Will ihm jemand brutale Morde anhängen? Und wenn ja, warum? Die Tatsachen bleiben, so oder so. Die Toten wurden allesamt geköpft. Dick Herrison wird beauftragt, Licht ins Dunkel zu bringen und den Mordverdächtigen zu entlasten. Clarence Beaufix wurde mittels einer Fotografie zum Schauplatz des zweiten Mordes gelockt, einem alten, sehr heruntergekommenen Herrensitz. Dort setzt der private Ermittler Herrison an. Erste Spuren sind vielversprechend. Doch mit ihnen wächst ganz offensichtlich die Gefahr, denn bald findet Herrison einen weiteren Toten ohne Kopf …

DIDIER SAVARD bittet zur Ermittlung in einem haarsträubenden Mordfall. Mit Grusel, leisem Humor und einer Prise Spannung entwickelt er ein Szenario, das nur haarscharf eine Parodie auf die großen französischen Detektive wie Maigret, Nestor Burma und Konsorten ist. DIDIER SAVARD, der leider in diesem Jahr verstarb, lieferte mit DIE SCHUBKARRE DES TODES das zehnte Abenteuer seines Ermittlers DICK HERRISON ab. Das Titelbild verrät etwas früh einen Teil der Auflösung und die Schubkarre kommt auch relativ spät zum Einsatz.

Parodiert wird hier in jedem Fall die berühmte klare Linie, denn DIDIER SAVARD verwackelt, zerknittert, strichelt, kreiselt und liebt das Detail, die kleinste Einzelheit. Letzteres erweckt die französischen 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Leben, in einer skizzierten Rücksicht und einem Blick, der scheinbar nichts von der Zukunft weiß. DICK HERRISON ist schön nostalgisch geraten, mit einem Lächeln gezeichnet und könnte als satirische Sicht auf jene Zeit tatsächlich in jenem Jahrzehnt entstanden sein. Besonders gestützt wird diese These von den Ansichten DICK HERRISONS, wie er ein Restaurant, ein Antiquitätengeschäft oder eine Brasserie besucht.

Die Zurückhaltung der Hauptfigur ist bezeichnend. DICK HERRISON verliert nur selten die Contenance. Es nur Zurückhaltung zu nennen, wäre zu wenig. Das Auftreten ist stets korrekt, eine Pfeife darf auch nicht fehlen, das Zeichen von Ruhe und Genuss in jeder Lebenslage. Sein Freund Jerome ist weitaus moderner in Kleidung und Haarschnitt, flapsiger im Auftritt, unkontrollierter insgesamt. Aber DIDIER SAVARD lässt seine Figuren nicht ausbrechen, lässt sie nicht zu überdrehten Puppen werden. In diesem bizarren Mordfall bleiben sie ernst, wahrhaftig.

Es sind gezähmte Ermittlungen, die sich nicht in Actionszenen ergehen, sondern die einzelnen Ergebnisse, den Lösungsweg in den Vordergrund stellen. Da werden sich nicht nur Freunde französischer Detektive wohlfühlen. Auch wer Stücke von Agatha Christie mag, liegt mit DICK HERRISON richtig. Die Figuren allerdings besitzen äußerlich etwas von der Bissigkeit eines Künstlers wie George Grosz, der in seinen Zeitgenossen den seelischen, geistigen Kern nach Außen holte. Die Inszenierung in der Nervenheilanstalt ist hierfür bezeichnend. DICK HERRISONS Ankunft auf dem Gelände, mit all den Insassen, die er passieren muss, könnte thematisch dieser damals geprägten Neuen Sachlichkeit entsprungen sein.

Comic mit leisem Humor und Köpfchen (für den Leser, in der Handlung eher ohne, so deutet es das Titelbild aussagekräftig an). Ungewöhnlich dicht erzählt und gezeichnet, orientiert sich an Klassikern von Literatur und Kunst. Schön, unterhaltsam, aber nicht für jedermann. 🙂

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Samstag, 24. September 2016

DAS DOPPELTE LOTTCHEN

Filed under: Klassiker — Michael um 15:14

DAS DOPPELTE LOTTCHENIn Seebühl am Bühlsee verbringen kleine Mädchen ihre Sommerferien. Die jugendlichen Gäste kommen von überall her. Luise hat sich gut eingelebt, neue Freundinnen gefunden. Eines Tages kommen mit dem Bus neue Urlaubsgäste und die Mädchen staunen nicht schlecht, als Lotte aussteigt und mit Aussehen, den blonden Haaren, Statur und Alter wie eine Kopie von Luise aussieht. Luise ist erschüttert und rennt erst einmal weg. Auch in nächster Zeit mag sie der Neuen nicht begegnen.

Der ewige Klassiker von ERICH KÄSTNER. DAS DOPPELTE LOTTCHEN ist bei weitem nicht seine einzige sehr bekannte Veröffentlichung, doch sicherlich jene, die sich am meisten ins Gedächtnis einer generationenübergreifenden Leserschaft eingeprägt hat. Die Comicumsetzung von ISABEL KREITZ greift die Originalerzählung auf und versetzt den Leser zurück in die Jahrzehntenwende der 40er hin zu den 50er Jahren, im 20. Jahrhundert. Vieles ist anders, einfacher vielleicht sogar. Vieles ist aber auch ähnlich, aus heutiger Sicht sogar modern, ja fast schon normal zu nennen.

ERICH KÄSTNER beginnt seine Geschichte mit einem Ferienerlebnis und einem gelüfteten Geheimnis. Der Titel deutet es an, das Titelbild sowieso und es ist nach so vielen Jahrzehnten und diversen Verfilmungen wohl kein Geheimnis, dass es sich bei den beiden LOTTCHENS um Zwillinge handelt. Für die Zeit damals war das Geheimnis hinter der Trennung der Zwillinge für eine Kindererzählung mutig und frisch zu nennen. Die Eltern, geschieden, haben die beiden Töchter heimlich unter sich aufgeteilt. Eines Tages landen beide zufällig in derselben Ferienfreizeit und entdecken nicht nur ihre Ähnlichkeit, sondern forschen auch nach, ob mehr hinter diesem unglaublichen Zufall steckt.

ISABELL KREITZ hat sich in den letzten Jahren nicht nur mit Kästner-Adaptionen ins Herz der deutschen Comic-Begeisterten gezeichnet, sie erregte ebenfalls mit Geschichten für ein erwachsenes Publikum, DIE SACHE MIT SORGE und DIE ENTDECKUNG DER CURRYWURST Aufsehen. Kurzum, sie gehört zu den Comiczeichnern in Deutschland, die das Medium auch in Kritikeraugen salonfähig gemacht haben. DAS DOPPELTE LOTTCHEN in ihrer Version erweckt die Vergangenheit zu neuem Leben, wie es zum Beispiel ein Schwarzweißfilm aus jener Zeit nicht könnte. Denn in den Bildern lässt sich ein anderes Fühlen, grundlegenderes Denken jener Tage sehen. Die Menschen sind enger beieinander, so scheint es. Natürlich ist das gleichfalls romantisierend, Hinweise darauf fehlen nicht, aber der Gesamteindruck ist heimeliger, als es ein vergleichsweise modernes Setting vermögen würde.

Hier wird, anders gesagt, der Charme eines grafischen Stils eingefangen, den ein Walter Trier damals in der Originalzeit kultiviert hat. Triers bekannteste, bei weitem nicht die einzige, Arbeit ist wohl das Titelbild zum Buchklassiker EMIL UND DIE DETEKTIVE, dem auch eine Briefmarke gewidmet wurde. Rundliche, etwas pausbäckige Gesichter, Knopfaugen, mit leichtem Strich erfasst, auf den Punkt gebracht sozusagen, ziehen sich als Erscheinungsbild quer durch alle Charaktere der Geschichte.

Es ist ein liebevoll gezeichneter Blick in vergangene Lebensrealitäten, in Wohnungen, Küchen, in den Straßenverkehr und auf die Alltagskleidung in München und Wien. Das Freizeitverhalten und so mancher Wunsch von Erwachsenen und Kindern wirkt aus heutiger Sicht nostalgisch verklärt, vielleicht sogar ein bisschen naiv. Die beiden Mädchen haben, auch hier erzählt man kaum ein Geheimnis, ähnlich wie der Prinz und der Bettelknabe, die Plätze getauscht und lernen so ihre bis dahin jeweils unbekannten Elternteile kennen. Da weder Mutter noch Vater mit diesem Tausch rechnen, bleibt der Plan von Luise und Lotte vorläufig unentdeckt.

In sachten, weichen Farben, einer Postkartenrührseligkeit der 50er Jahre gut nachempfunden, entspinnt sich die von Kästner geschriebene und von Kreitz fein inszenierte Kindergeschichte hin zu einem, natürlich, guten Ende. Die Erwachsenen tun schließlich, inspiriert vom Leid der Kinder, die einfach nach Gutdünken von ihren Eltern getrennt wurden, das Richtige.

Ein schöner Ausflug in die Vergangenheit, ein Ausblick, wie Kindheit einmal war, sicherlich auch etwas märchenhaft, etwas nostalgisch überzogen, aber das erhöht die Eindringlichkeit der Geschichte, die dafür geeignet ist von Kindern und Eltern zusammen gelesen zu werden. Klasse. 🙂

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Donnerstag, 22. September 2016

BUDDY LONGWAY – Gesamtausgabe 5

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:03

BUDDY LONGWAY - Gesamtausgabe 5 - Für immerBUDDY LONGWAY hat einmal mehr Glück gehabt und seine Frau Chinook und seine Tochter Kathleen wiedergefunden. Aber der Weg war lang für alle Beteiligten. Der Wunsch nach Ruhe ist berechtigt und so verbringt die kleine Familie eine friedvolle Zeit im Indianerreservat. Schließlich kommt der Frühling und die Unruhe wächst. Jeremiah, Buddys und Chinooks Sohn sollte längst zu ihnen gefunden haben. Die Suche nach dem inzwischen erwachsenen Jungen ist beschlossene Sache. Doch zuvor gibt es noch eine Aufgabe zu erfüllen. Das Militär bittet BUDDY LONGWAY Mustangs für die Armee zu fangen. Unter der Anleitung von SIEHT ÜBER DIE WOLKEN macht BUDDY LONGWAY eine der wichtigsten Erfahrungen seines Lebens.

15 Jahre hatte sich DERIB Zeit gelassen, ehe er sich wieder seinem Westernepos um den Trapper BUDDY LONGWAY zuwandte und dieses mit weiteren vier Alben zu einem Abschluss brachte. Diese Ausgaben sind nun im letzten Band der Gesamtausgabenreihe versammelt. Von der Jugend bis zum gereiften Mann hat der Leser den Trapper über die Jahre begleitet. Einige der Wegbegleiter von BUDDY LONGWAY haben hier ihren neuerlichen, nostalgisch anmutenden Auftritt. Manches ist rührend, einiges dramatisch, wichtige Abschnitte auch tieftraurig. Doch zuvor zeigt DERIB einen Wilden Westen mit einer unglaublich schönen Natur und all den Facetten, die damit einher gehen.

Die Mustangjagd in der ersten Episode, die auch so heißt wie einer ihrer Figuren, SIEHT ÜBER DIE WOLKEN, besitzt nicht nur die Dramatik, wie der Leser sie von BUDDY-LONGWAY-Geschichten her gewohnt ist, sie besitzt auch diesen liebevollen Blick auf die grandiose Natur Nordamerikas und auf die wohl schönsten Einwanderer des Kontinents, die Mustangs. DERIB sind in dieser Szenerie wunderbar lebendig wirkende Bilder gelungen. Außerdem ist es interessant mit anzusehen, wie der sehr erfahrene Trapper auf seine alten Tage doch noch mit Staunen und Lernbereitschaft auf dieses urige Land schauen kann. Und auch bereit ist, diese Lektionen anzunehmen.

Nicht nur Lektionen, sondern auch Leid hält dieses Land für BUDDY LONGWAY und seine Liebsten bereit. DERIB war noch nie bereit, seine Helden zu verschonen. Schon häufiger hat er dem Trapper und seiner Familie vieles abverlangt, vor allem vielen Gefahren ausgesetzt. Was wurde aus Jeremiah? Diese Frage wird in DIE VERIRRTE KUGEL endlich beantwortet. DERIB vertieft hier die Indianerthematik, die Auseinandersetzungen zwischen Armee und Ureinwohnern, die Kluft zwischen angeblicher Zivilisation und Wilden, die gleichzeitig einen Keil in die Familie von BUDDY LONGWAY treibt. Das wird von DERIB allzu verständlich und nachvollziehbar erzählt. Und verstärkt die ebenso nachfühlbare Tragödie umso mehr.

KATHLEENS ZORN, die dritte Episode und gleichzeitig vorletzte der gesamten Serie, setzt fünf Jahre später nach der vorherigen Geschichte ein und zeigt, wie aus dem Mädchen Kathleen eine beinahe erwachsene Frau geworden ist. Die Handlung ist bei Kenntnis moderner Erzähltechniken höchst aktuell zu nennen, wagt sie sich nicht nur besonders eng an die Hauptpersonen heran, sondern demontiert sie auch noch mit chirurgischer Präzision. KATHLEENS ZORN ist emotional packend und beschreibt ein Szenario, in dem viele Charaktere sehenden Auges in ihr Verderben unterwegs sind.

Mit der Geschichte DIE QUELLE endet die Serie. DERIB lässt damit auch keinen Zweifel daran, dass eine Fortsetzung für immer ausgeschlossen war und ist, fremde Erzähler sich niemals dieser Figur annehmen können, wie es zeitweilig bei anderen Serien der Fall gewesen ist. Ich glaube, selten wurden Seriencharaktere derart final beschrieben. Einerseits muss man den Hut vor diesen letzten Episoden ziehen, die den Realismus von Beginn der Serie an bis zum wirklich bitteren Ende durchhalten. Andererseits fällt es die Akzeptanz des Endes schwer, da man als Leser besonders bei diesen Charakteren auf ein friedvolles Ende hoffte. Selten schaffen es Comic-Figuren derart viel echte Sympathie anzuhäufen.

Und selten war es stimmiger zu sagen, dass man sich hier als LEser mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet. DERIB hat sich darum bemüht, Kreise zu schließen und offene Enden miteinander zu verknüpfen. Weiterhin auf hohem Niveau illustriert, beendet DERIB hier seine Saga um BUDDY LONGWAY für immer und meißelt sie regelrecht ins Gedächtnis. Toll gemacht! 🙂

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Sonntag, 11. September 2016

DIE NEUEN X-MEN 1 – EINE NEUE CHANCE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:10

DIE NEUEN X-MEN 1 - EINE NEUE CHANCECyclops ist tot. Mutanten und Menschen hatten enorme Schwierigkeiten. Einfach formuliert. Anders gesagt, die Differenzen zwischen denjenigen, die spezielle Kräfte und besondere äußere Merkmal hatten, und solchen, die nur als normaler Homo sapiens über den Erdball wanderten, waren wieder einmal ausgartet. Die Welt, in der die X-Men groß geworden sind, existiert nicht mehr. Sie existiert nicht mehr für jene, die mit ihr alt geworden sind, noch für jene, die von Hank McCoy aus der Vergangenheit geholt wurden, um die Zukunft zu richten. Denn zurück können die jungen Versionen der X-Men nicht. Gerade einer hadert mit dieser nun furchtbaren Gegenwart: Der junge Cyclops. Was wird passieren? Wir er einst genauso zu einer Gefahr für die Menschheit werden wie sein älteres Ich?

EINE NEUE CHANCE lautet der Titel des Auftakts eines neuen Verbunds von X-Men, in der sich jüngere und ganz alte X-Men-Fans wiederfinden dürfen. Das Team ist sehr jung geraten und besitzt den frühen Charme, als Professor X selbst die Gruppe X gründete und sie in diesen schwarzgelben Uniformen unterwegs waren, von denen sich sogar die Kinogänger in ERSTE ENTSCHEIDUNG überzeugen konnten. Das neue Team hat Altbekanntes, auch in neuer Verpackung dabei und es besteht gleichzeitig in dieser fremden Umgebung, in der die Geschichte stark von den jüngsten Ereignissen beeinflusst worden ist.

Man sollte es nicht direkt einen Fan-Club nennen, aber der alte Cyclops war für so manchen Mutanten eine Inspiration. Die Ghosts of Cyclops geraten ausgerechnet mit dem jungen Cyclops aneinander. Und der hat die neuen X-Men gleich auf seiner Fährte. WOLVERINE ist nun eine Sie, den Fans schon seit längerem bekannt als X-23. ANGEL und BEAST haben sich äußerlich verändert, ICEMAN bleibt dem Leser in gewohnter Form und mit gewohnter Jugendlichkeit erhalten. Ein KID APOCALYPSE ist, kannte man bisher nur die erwachsene, höchst zerstörerische Variante, gewöhnungsbedürftig. Und OYA kommt comic-historisch einigermaßen unbelastet daher.

Neben neuen unvermuteten Bedrohungen müssen sich diese X-Men anfangs zusammenraufen. Nicht nur die Vergangenheit muss berücksichtigt werden, sondern auch der Umstand, dass es sich Kids handelt, die noch nicht erwachsen, aber auf dem besten Wege dahin sind. Da trifft es sich, dass es bekannte Bedrohungen gibt, für die keine Samthandschuhe angezogen werden müssen und man sich von diesen alltäglichen Sorgen auch ablenken lassen kann. Und ganz nebenbei Paris ruiniert.

Mit Mark Bagley als Zeichner ist eine tolle Wahl getroffen worden. Bagley, der schon den ultimativen Spider-Man und die Fantastic Four großartig inszenierte, schafft zwischen den einzelnen Heldenfiguren, sogar zwischen den Ghosts of Cyclops ein tolles optisches Gleichgewicht. Hier ähneln seine Arbeiten mittlerweile sehr einem anderen Comiczeichnerveteranen aus derselben Generation, nämlich Alan Davis. Bagley hat sich seit Spider-Man noch weiterentwickelt, obwohl er zu jener Zeit bereits einen Spitzenplatz unter den Comiczeichnern erobert hatte.

Starke, ausgewogene Mischung, einerseits mit neuen Themen und neuen Gesichtern, andererseits bekannte Charaktere, auch alte Bekannte wie der Blob, der den Laden ordentlich aufmischt. Nach einer derart langen Geschichte der X-Men ist es klasse, dass Dennis Hopeless weitere, logische Ideen einfließen lassen kann. Und mit Zeichner Mark Bagley kann der Comic-Fan nichts falsch machen. Tiptop! 🙂

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Montag, 05. September 2016

TEEN TITANS MEGABAND 1 – DIE ELITE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:41

TEEN TITANS MEGABAND 1 - DIE ELITEEin großer, ein wichtiger Einsatz für die TEEN TITANS: Ein Schulbus wurde von Terroristen entführt. Für die jungen Superhelden steht viel auf dem Spiel. Hier heißt es, mit Fingerspitzengefühl zu Werke zu gehen, damit die Kinder alle lebend befreit werden. Den Terroristen macht es offensichtlich Spaß, den Schülern Angst einzujagen und sie fürchten keinerlei Eingreifen seitens der Helden. Sie täuschen sich. Wenig später wird der erste von ihnen aus dem Bus gerupft. Aber haben die TEEN TITANS ihren Job vielleicht nicht ernst genug genommen? Als eines der Kinder aus dem Bus geworfen wird, muss ausgerechnet der einzige TITAN, Red Robin, ohne Superkräfte ran und hoffen, dass das mit dem Fliegen hinhaut …

Ein Team mit großem Potential. Die unterschiedlichen Fähigkeiten garantieren in Action-Sequenzen nicht nur ein tolles Zusammenspiel. Für humorige Einlagen ist dank der Kräfte von BUNKER und BEAST BOY ebenfalls gesorgt. Es ist ein wenig wie eine neue Neuausrichtung des alten OUTSIDERS-Teams rund um BATMAN. An der Stelle des DUNKLEN RITTERS agiert nun ein roter Ritter, nämlich RED ROBIN, der wahrhaftig der einzige in der Gruppe ohne Superkräfte ist, diesen Nachteil aber mittels taktischem Geschick, Sportlichkeit und vor allem Ernsthaftigkeit wett macht.

WONDER GIRL ist eine jugendliche Version der allseits beliebten WONDER WOMAN, von entsprechend himmlich göttlicher Natur, während RAVEN die dunkle Seite bedient und eine entsprechend magische Vergangenheit besitzt. BEAST BOY verwandelt sich in Tiere, aber nienmals mit der letzten Spur Realismus, denn sie sind stets von grüner Farbe, eine Pigmentierung, die seine Haut vorgibt. BUNKER kann eine Unmenge Klötzchen erschaffen und diese steuern, Barrikaden errichten. Die späteren Neuzugänge POWER GIRL und SUPERBOY komplettieren den Nachwuchsreigen.

Held zu sein, ist gar nicht mehr so einfach. Früher erledigten die Superhelden ihren Job und entschwanden in der Luft oder sonstwo. Heute gibt es Fanclubs, Fanbands, Fangangs und natürlich dürfen auch persönliche Probleme nicht vergessen werden. Ganz zu schweigen von den Querelen, die innerhalb einer Superheldenvereinigung auftreten. WONDER GIRL kann ein Lied von derlei Schwierigkeiten erzählen, mit einem Augenzwinkern von Will Pfeifer erzählt und enormstens von Kenneth Rocafort gezeichnet. Wer die Arbeiten von Zeichnern wie Michael Turner oder Leinil Francis Yu kennt, kommt dem Stil von Rocafort sehr nahe. Insgesamt ist er vielleicht noch ein wenig feiner, realistischer. Hinzu kommt eine moderne Bildverteilung, die dazu tendiert, eine komplette Seite zum Gesamtkunstwerk zu machen. Kippende Rahmen oder Rechtecke sorgen zum Beispiel für eine interessante Hintergrunddynamik.

Andere Zeichner, andere Methoden. Comic-Künstler Scott Hepburn kann für sich eine mangaeske Strichführung verbuchen und ist in der Bildführung etwas konservativer. Hepburn bildet einen Gegenpol zu Rocafort. Es sind noch weitere Grafiker am Start, aber die optische Anlehnung fällt eindeutig zugunsten von Rocafort aus. Beide Stile hätten durchaus ihre Berechtigung, sind auf Augenhöhe, nur drückt Rocafort dem hier zusammengefassten kompletten Jahrgang der TEEN TITANS einen unverwechselbaren Stempel auf.

Ohne Gegner ist alles nix. Jedenfalls nicht für Superhelden. ALGORITHM ist ein weibliches Gegenstück zu CYBORG SUPERMAN. Als direkte Verbindung zum Stählernen müssen sich die TITANS mit MANCHESTER BLACK auseinander setzen. Dieser hat sich einen neuen Rückhalt besorgt, deutlich seriöser nach außen, in Wahrheit aber nach wie vor ein Intrigant. Es könnte theoretisch für die TITANS ganz einfach sein, gäbe es mit SUPERBOY, den Klon von Superman, nicht einen Wackelkandidaten, der sich nicht recht entscheiden kann, welchen Weg er gehen will, zumal mit seiner Persönlichkeit einiges im Argen liegt.

Ein Jahr Action und ein tolles Auftaktzusammenspiel wird hier im 1. Megaband der TEEN TITANS zusammengefasst. Dank Will Pfeifer ist die Erzählung recht bodenständig, ernst, ähnlich wie die Fernsehserie GOTHAM das DC-Universum angeht. Grafisch Top, in Blockbuster-Qualität! 🙂

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Mittwoch, 31. August 2016

STAR TREK – Comicband 12 – Die neue Zeit 7

Filed under: SciFi — Michael um 19:03

STAR TREK - Comicband 12 - Die neue Zeit 7Ein unerklärliches Phänomen stoppt das Raumschiff Enterprise auf seiner Reise durchs All. Die Crew vermutet einen Quantensturm, seine Auswirkungen indes sind unabsehbar. Plötzlich gibt es einen Kontakt. Ein weiteres Raumschiff driftet auf die Enterprise zu, offensichtlich ein Schiff der Sternenflotte. Captain Jane Kirk hat sich zuvor ihre Haare zum Pferdeschwanz zusammengebunden und lässt einen Kanal zu den Unbekannten öffnen. Nicht nur sie erlebt eine faszinierende Überraschung.

Hinter dem Spiegel sind noch viele weitere Existenzen denkbar. Welche Wege mögen die uns bekannten Charaktere noch genommen haben? Der STAR TREK Fan erinnert sich bestimmt an jene Geschichten, in der Kirk, Sisko und Freunde plötzlich vollkommen andere Rollen einnahmen. Kirk abgrundtief böse, Sisko tot und ausgetauscht. Aber es gibt eben noch zahllose andere Varianten und das Abenteuer PARALLELLEBEN geht dieser Möglichkeit auf den Grund und sorgt für eine denkwürdige Begegnung innerhalb des neuen STAR TREK Universums rund um Chris Pine (Captain Kirk) und Konsorten.

Die Episode verströmt einen nostalgischen Charme. Die Zeichnungen sind geradlinig von Yasmin Liang angefertigt. Stilistisch finden sie sich zwischen den Arbeiten des langjährigen STAR-TREK-Comiczeichners David Messina und der noch viel länger zurückliegenden kleinen Animationsserie. Yasmin Liang setzt auf den sorgsam gesetzten Strich an der exakt richtigen Stelle und gibt den originalen Figuren ebenso ihren Abwandlungen präzise das vom Leser und Kinogänger erwartete Aussehen mit.

Aufwendiger grafisch aufbereitet ist die Folge ICH, ENTERPRISE, die mit einer Thematik spielt, die dem Fan bereits in ICH HEISSE NOMAD und STAR TREK – DER FILM, in gewissem Sinne sogar in TNG: SHERLOCK DATA HOLMES und TNG: DAS SCHIFF IN DER FLASCHE begegnet ist, denn das Zauberwort lautet einmal mehr: KI, künstliche Intelligenz. Eine Maschine, ein Teil einer Maschine, ein Programm erlangt ein Bewusstsein. Mit dem Reboot der STAR TREK Saga erschien auch das eine oder andere neue Gesicht auf der Enterprise. Besonders auffallend ist Keenser (an der Seite von Scotty, auch hier im Band zu finden). Aber im Speziellen auf der Brücke taucht ein glatzköpfiges Crew-Mitglied auf: Wissenschaftsoffizier 0718.

Mike Johnson (Autor) hat bereits in mehrfachen Bänden seine Verbundenheit zur Saga gezeigt. Mit ICH, ENTERPRISE schließt er eine offensichtliche Erklärungslücke. Der kahlköpfige Mann ist die Inkarnation der Hauptdarstellerin der Serie schlechthin, ohne die es niemals eine derartig große Fangemeinde gegeben hätte. Die Enterprise selbst erhält ihren sprechenden Auftritt über die übliche Computerstimme hinaus. Das zu lösende Problem der Episode ist nicht neu, aber die Crew hat sich schon häufiger mit Themen beschäftigt, denen auch William Shatner und Leonard Nimoy begegneten. So schließt sich der Kreis des Reboots.

Erfan Fajar (Zeichner) und Sakti Yuwono sowie Infansyah Noor (Koloristen des Stellar Labs Teams) spielen hier mit starkem Realismus. Die Farbgebung ist fast fotorealistisch zu nennen. Es entsteht die Atmosphäre eines Fotoromans, tatsächlich einer Fernsehfolge entnommen. Zum guten Schluss, in der dritten Episode APOLLO, erleben die STAR TREK Fans guten alten SciFi-Monster-Horror, wie er in der Originalserie mit den Folgen DAS LETZTE SEINER ART oder GANZ NEUE DIMENSIONEN gepflegt wurde. APOLLO wird von Mike Johnson außerdem im Geiste einer Geschichte wie METAMORPHOSE erzählt. Mehr soll nicht verraten werden.

Mike Johnson trifft STAR TREK auf den Punkt. Die beiden ersten Episoden können richtig begeistern und hätten als Fernsehfolgen ebensolche Reaktionen hervorrufen können. Die neue Comic-Besatzung macht sich in jeder Hinsicht, je mehr sie sich von den Kinofilmen löst und mehr in Richtung der klassischen Serie tendiert. 🙂

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Sonntag, 28. August 2016

STARLIGHT – DIE RÜCKKEHR DES DUKE McQUEEN

Filed under: SciFi — Michael um 10:41

STARLIGHT - DIE RÜCKKEHR DES DUKE McQUEENMan stelle sich vor: Ein junger Mann erlebt das Abenteuer seines Lebens auf einem fernen Planeten, führt ein Volk in die Freiheit und besiegt einen Despoten und letztlich wird dieser junge Mann dafür jahrzehntelang verehrt. Nur auf der Erde halten ihn alle für einen Lügner, im besten Fall für einen Spinner! So ist es Duke McQueen ergangen. Nur seine Frau glaubte an ihn und seine Geschichten vom Planeten Tantalus. Nun ist sie gestorben und die beiden Söhne von McQueen machen sich vor allem Sorgen, ob der alte Mann allein klar kommt. Und McQueen selbst? Er träumt von den Tagen vor 40 Jahren, als Menschen zu ihm aufsahen. Heute, ein Jahr nach dem Tod seiner Frau, wartet er mit einem eigens gekochten Essen auf seine Familie und keiner von ihnen kommt …

Mark Millar, einer der Stars unter den Comic-Autoren, hat sich eines Themas seiner Jugend angenommen. Nach Killern (WANTED), Superhelden (KICK-ASS) und Geheimagenten (KINGSMAN) beschäftigt er sich abseits etablierter Comic-Universen wieder einmal mehr mit einer besonderen Art von Held, demjenigen, der zur Legende wurde. Das mag ein Widerspruch zur Einleitung sein. Aber die Geschichte hat nicht umsonst den Untertitel DIE RÜCKKEHR DES DUKE McQUEEN, denn auf dem Planeten Tantalus steht sogar zu Ehren des ehemaligen Kämpen eine Statue, die an den Wolken kratzt.

Diese Helden, die sich im Weltraum herumschlugen, die auch Inspiration für George Lucas waren, werden irgendwann einmal alt sein. Ein Flash Gordon zum Beispiel, der hier ganz eindeutig Pate gestanden hat. Aber was dann? Mark Millar beschreibt zunächst die Verlorenheit eines Helden, der Ruhm kennen gelernt hat und feststellen muss, wie sehr eine passende Umgebung dazu gehört, um diesen Ruhm zu bewahren, auszukosten, zu genießen und davon für lange Zeit zu zehren, wenn sich keinerlei neue Möglichkeiten ergeben, ein derart aufregendes Leben weiter zu führen. Mark Millar betreibt keine Tiefenpsychologie. Er präsentiert jemanden, der eine kurze Zeit seines Lebens vielen sehr geholfen hat und der mit den dazu nötigen Fähigkeiten in der Heimat nichts mehr anfangen kann. 40 Jahre lang.

Der zweite Frühling sieht normalerweise anders aus, doch für Duke McQueen, eine gute Namenswahl für diesen Weltraum-John-Wayne, geht das Leben noch einmal von vorne los. Durch eine gewisse körperliche Eingeschränktheit ist die Herausforderung jetzt noch größer und macht so für den Leser umso mehr Spaß. Goran Parlov ist der richtige Zeichner für den Job. Es ist ein karger Zeichenstil, treffsicher, wie ihn ein Cory Walker (Invincible) in heutiger Zeit, früher ein John Buscema, aber noch viel mehr ein später Moebius anwendeten. Da gibt es die Reduzierung auf das Wesentliche, wie es sich ebenfalls ein Mignola über die Jahre angeeignet hat und mittlerweile sehr populär geworden ist.

Das hat stilistisch sogar Zeichentrickcharakter, wie er sich neueren DC-Produktionen findet. Oder auch in den Animated-Serien von Batman und Superman. Mark Millar erzählt geradlinig eine Geschichte, wie man sie lesen will. Der Held zieht es durch. Es gibt Wendungen, die Goran Parlov die Gelegenheit geben, schöne Eindrücke von Tantalus zu vermitteln, nicht ganz so detailreich wie es ein Moebius im Incal tat, aber auf dem besten Weg dahin. Ive Svorcina, Kolorist, belässt es bei einer einfachen, teils in poppigen Farben ausgeführten Kolorierung ohne viele Verläufe. Schattierungen finden kaum Verwendung. Man vermisst sie in dieser Konzeption nicht. So ist der Eindruck eines kolorierten, nostalgischen Rückblicks noch stärker.

Hommage, Parodie, Jugendabenteuer, einfach eine Menge spannender Spaß, den Mark Millar erzählt und Goran Parlov mit einem leichten, peppigen Zeichenstil in Szene setzt. Für Freunde flotter Space Operas. 🙂

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Montag, 15. August 2016

DER ROTE KORSAR – Gesamtausgabe 7

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:43

DER ROTE KORSAR - Gesamtausgabe 7 - Schachmatt den SklavenhändlernDas Schiff des Roten Korsaren ankert vor der afrikanischen Küste. Die Mannschaft benötigt Wasser und vielleicht noch dringender frisches Obst, denn Skorbut greift unter den Matrosen um sich. Immer mehr Männer werden krank. Jedermann an Bord weiß, wie gefährlich eine Landung an der Küste ist. Baba erinnert sich daran, wie er hier von Sklavenhändlern verschleppt wurde. Und jedermann hat eine Vorstellung davon, wie die Einheimischen auf Weiße reagieren, die es wagen, einen Fuß auf den Strand zu setzen. Rick, der Sohn des Roten Korsaren will es dennoch riskieren. Eine Wahl bleibt ihnen nicht. Alle Vorsicht und Vorausschau nützt nicht. Rick und sein Landungstrupp laufen im dichten Dschungel in eine Falle …

Nachdem dem Tod der beiden Ausnahmekünstler Victor Hubinon und Jije stand Autor Jean-Michel Charlier vor der Wahl, die Serie enden zu lassen oder nicht, denn ein Nachfolgezeichner war über zwei Jahre hinweg nicht zu finden. Dann stieß Charlier auf den jungen Illustrator Patrice Pellerin. Zu Beginn der 1980er Jahre fand sich so ein Zeichner, der dem ROTEN KORSAREN noch eine Spur mehr Realismus gab, als es Hubinon und Jije bislang getan hatten. Diese Figuren, die sich fraglos stark an den bisherigen Vorgaben orientierten, bringen ein wenig mehr Kino mit. Sie wirken allesamt härter, der ROTE KORSAR gemeiner, durchtriebener und, betrachtet man die beiden Szenarien, die hier in der 7. Gesamtausgabe abgehandelt werden, das hat er auch bitter nötig.

Seeschlachten, Entführungen, Geiselnahmen, Zweikämpfe, zu Land und zu Wasser, zwischen Halunken und Seestreitkräften aus England und Spanien. Die Welt des ROTEN KORSAREN ist kein Kaffeekränzchen für Matrosen. Dennoch gab es oft eine gewisse Zurückhaltung der Erzählung. Gewalt gab es, sie blieb aber vage. In den beiden Geschichten Die goldene Flotte und Revolte auf Jamaica ändert sich das. Unter dem Gesamttitel Schachmatt den Sklavenhändlern greifen Jean-Michel Charlier und Patrice Pellerin ein sehr düsteres Kapitel der Menschheitsgeschichte auf. Sklavenhandel wird häufig historisch nur mit den Vereinigten Staaten assoziiert. Hier wird deutlich, wie weit die Kreise des Sklavenhandels reichten, wie groß das Drama und die Tragödien dieser Ära waren.

Ein konkreter wie auch ungewöhnlicher Anlass katapultiert die Piraten geradewegs ins Zentrum eines Krieges zwischen Unterdrücker und Sklaven. Das Besondere an den Figuren von Patrice Pellerin ist das gelebte Aussehen. Dieser ROTE KORSAR hat ein raues Leben im Gesicht stehen. Sein Lachen mag noch so herzlich gemeint sein, es schaut aus, als plane er im nächsten Augenblick sein Gegenüber zu verspeisen. Patrice Pellerin ähnelt in seinen Arbeiten stilistisch Jean Giraud, den er noch vor Jean-Michel Charlier kennen lernte.

Bemerkenswert schön anzuschauen sind Massenszenen und weite Blicke, die den beiden Abenteuern eine großartige Atmosphäre verleihen, was aber auch ein Verdienst (im ersten Teil) der Koloristin Claudine Giraud ist. Sie setzt ein beinahe romantisch zu nennendes Licht in Szene. Amerikanische Nächte, Sonnenuntergänge, brennende Wolken verklären die Abenteuer der Piraten und schaffen gleichzeitig eine einzigartige Atmosphäre, die in der Tat an Western wie Blueberry erinnert.

Einen harten Abschluss der Handlung bietet das abschließende Abenteuer REVOLTE AUF JAMAIKA. Das ist nach heutigen Begriffen starkes Action-Kino auf Comic-Seiten, ernsthafter als entsprechendes Blockbuster-Material. Um die Kampfszenen, auch die Spannung etwas aufzuwiegen, folgt noch eine kleine Parodie auf den ROTEN KORSAREN, die bekannte Szenen aufgreift und zudem auf andere bekannte Piraten verweist. Das ist mit großem Augenzwinkern verfasst und gezeichnet.

Prachtvoll! Ein neuer Zeichner reiht sich in den Reigen der Comic-Künstler rund um den ROTEN KORSAREN ein. Patrice Pellerin macht seine Sache ausgezeichnet, gerade mit höchst realistischem Ausdruck bei den Figuren, denen er zusätzliche Tiefe verleiht. Sehr schön! 🙂

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