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Comic Blog


Dienstag, 05. Februar 2008

Batman muss sterben!

Filed under: Meldungen — Michael um 19:19

Batman - R.I.P.Wenn man den Gerüchten und Absatzzahlen glauben darf, liegt DC hinter seinem Konkurrenten Marvel in den USA zurück. Was tun? Lassen wir einen sterben, einen unserer Großen? Superman hat es hinter sich, nun ist Batman an der Reihe. Offiziell von DC bekannt gegeben, startet im April Batman R.I.P, ein Abschnitt, in dem es Batman nach Knightfall wieder einmal an den Kragen geht. Ob er tatsächlich sterben wird? Das wäre wahrscheinlich angesichts der näher rückenden Verfilmung The Dark Knight außerordentlich schlecht, aber auch nicht unmöglich. Der Heldentod steht jedenfalls hoch im Kurs. Nachdem Marvel Captain America in der See versenkte und so ein großes Medienecho hervorrief, versucht DC nachzuziehen.
Man darf, wie immer, gespannt sein. 🙂

Quelle: DC Comics, Spiegel Online

Der Janitor – Wochenende in Davos

Filed under: Thriller — Michael um 13:59

Der Janitor - Wochenende in DavosVince erhält seinen ersten offiziellen Auftrag als Janitor Trias. In Davos versammeln sich die Mächtigen dieser Welt zu einem Wirtschaftsforum. Auch der Vatikan darf hier nicht zurückstehen. Als Leibwächter wie auch als Spion begleitet Vince Kardinal Feuster und Erzbischof Salk in die Schweiz.
Die verschneite Winterlandschaft mutet romantisch an, ein Gefühl, für das die finanzstarken Gäste keinerlei Blicke übrig haben. Es geht um Geld. Die Sicherheitsbestimmungen sind streng. Die Schweizer Armee hat die Zufahrtsstraßen abgeriegelt. Dennoch kann es Vince nicht lassen und unternimmt einen kleinen Skiausflug.

Vince ist nicht nur Priester, sondern er ist auch 33 Jahre alt, charmant, sportlich, groß und mit einem markanten Aussehen ausgestattet, das Frauen mögen. So ist er auch nicht lange auf der Piste unterwegs, als eine forsche Blondine seinen Weg kreuzt. Leider erkennt Vince nicht, dass es sich bei der Frau nicht um einen Skihasen, vielmehr um die Chefin des drittgrößten Bankkonzerns der Welt handelt. Laura Pride, Journalistin von Financial Point, klärt ihn darüber auf ihre ganz eigene süffisante Art auf.

Alles sieht nach einem harmlosen Ausflug mit Konferenzen aus. Der Abend lässt sich gut an. Die Räumlichkeiten sind ausgezeichnet vorbereitet, das Ambiente ist überaus behaglich – als das vollkommen Unerwartete geschieht.
Krieg bricht aus.
Ein bewaffneter Konflikt entsteht, in dem zuerst der Iran gegen die USA und Großbritannien steht. Wenig später mischt sich auch Israel ein. Die Schweiz verspricht neutral zu bleiben und stellt ihr Territorium für Verhandlungen bereit. Doch da scheint es beinahe zu spät. Eine iranische Atomrakete trifft einen amerikanischen Flugzeugträger, CNN zeigt ein Teheran, das in Schutt und Asche liegt. Auch andere Nachrichtensender schließen sich den Schreckensbotschaften an. Abgeschnitten von der Welt und vom Telefonnetz müssen die Finanzdelegierten mit ansehen, wie sich die Welt vor ihren Augen aufzulösen beginnt.

Ein Wochenende in Davos wird in der zweiten Folge von Der Janitor alles andere als ein kleiner feiner Ausflug. Es beginnt sehr harmlos – obwohl der Leser ein wenig mehr weiß und sich denken kann, dass es zu Schwierigkeiten kommen wird. (Alles andere würde ja auch keinen Spaß machen.)
Die feine Gesellschaft hat Platz genommen. Die Präsentation eines neuartigen Geräts zur Kommunikation mit den Kapitalmärkten leitet den Abend ein, bevor die Armee die Leitung übernimmt und die Financiers vollkommen überrascht. Die Horrorvision eines neuartigen Weltkrieges, besser gesagt, eines beginnenden Flächenbrandes, den Boucq und Sente hier entwerfen, ist deshalb so gruselig (und nicht nur für die gezeichneten Figuren), weil er nicht unwahrscheinlich ist. Als Leser kann man nicht umhin, den jeweiligen Kriegsparteien die geschilderten Waffengänge zuzutrauen.

So realistisch die Situation auf die Charaktere der Handlung wirkt, so realistisch wirkt es auf den Leser – der plötzlich sehr viel mehr weiß. Die Situation erscheint durchaus technisch machbar und man kann sich dem Eindruck nicht erwehren, in einem James Bond Streifen gelandet zu sein. Die Atmosphäre, die verschneite Landschaft, Verfolgungsjagden auf Skiern und Schneemobilen, Soldaten, ein Mann und eine Frau auf der Flucht im Tiefschnee, ein Coup, den sich die internationalen Fieslinge in der erwähnten Agenten-Serie nicht besser hätten ausdenken können.
Und Wochenende in Davos vermag mit seiner Geschichte ebenso zu bannen, wie es die Film-Thriller können.

Eine weitere Ursache für die auf den Leser übertragene Spannung ist nicht nur die Geschichte selbst, sondern liegt auch in den Zeichnungen begründet. Mit Der Janitor ist das Team auf Realismus bedacht. Sieht man ein einmal von den Hintergründen und Ausstattungen ab, für die sicherlich sorgfältig recherchiert und Vorlagenmaterial vorbereitet wurde, so wirken die Menschen in diesem Album einfach echt.
Beispiele dafür finden sich in der Geschichte selbst zwar zuhauf, aber besonders aussagekräftig hierfür sind bereits die ersten beiden Innenseiten, die schon in der ersten Ausgabe abgebildet wurden. Eine Versammlung der Kardinäle, lesend, nachdenklich, geistesabwesend, in ihrer besonderen Uniformität ein wenig abseits von allem. Weitere grafische Höhepunkte sind sicherlich die Jagd durch die nächtlichen Berge und die Auseinandersetzung auf den Dächern des Vatikans.

Einige Knoten aus dem ersten Teil entwirren sich. So erfährt der Leser auch, was es mit einigen Szenen in Amerika, wie auch den Sichtungen des kleinen Mädchens durch Vince auf sich hat. Hier kommt eine übernatürliche Komponente ins Spiel, die die sehr gut konstruierte Handlung mit einer Prise Rätselhaftigkeit würzt.

Der Janitor bietet weiterhin spannende Unterhaltung und steigert sich auch. Was sich im Hintergrund abspielt, wird noch mysteriöser. Vince, eine überaus sympathische Hauptfigur, nimmt den Leser mit in einen modernen Thriller, der keinen Vergleich mit anderen aktuellen Geschichten dieses Genres zu scheuen braucht. Wegen der gelungenen visuellen Umsetzung setzt sich Der Janitor auch im Comic mit an die Spitze. 😀

Der Janitor 2 – Wochenende in Davos: Bei Amazon bestellen
Oder bei Schreiber & Leser.

Sonntag, 03. Februar 2008

Warhammer 40.000 – Kreuzzug der Verdammten

Filed under: SciFi — Michael um 15:15

Warhammer 40.000 - Kreuzzug der VerdammtenDer Feind naht. Hinter dem Dunst. Augen glühen hinter den Schleiern des Nebels. Metallisch sind die Geräusche. Die Krieger sind gewappnet und erwarten den Feind bereits: Necrons. Es ist nicht ihre erste Schlacht – und es wird die nicht die letzte sein.
Im 41. Jahrtausend herrscht Krieg, sonst nichts. Er ist zur allumfassenden treibenden Kraft im bekannten Universum geworden. Der Imperator will es so. Die Space Marines sind seine verlängerten Arme, die bis in den fernsten Winkel der Galaxis reichen. Die Feinde ist Abtrünnige, Monster, Außerirdische. Es wird nie enden.

Mit Warhammer 40.000 entstand eine der langlebigsten Spielereihen, die es jemals im Bereich des Tabletop-Spiels gegeben hat. Längst haben die epischen Schlachten zwischen Menschen und Orks in einer fernen Zukunft auch Romane und Computerspiele entstehen lassen. Durch die Vielfalt der Figuren, zu denen immer neue stoßen, und der Szenarien ist die Faszination vieler Spieler an dieser SciFi-Action-Fantasy auch nach Jahren ungebrochen.

Die Mischung macht’s.
Die Space Marines sind auf ihre Art ritterlich und haben sich entsprechenden Auswahlverfahren zu unterziehen. Dan Abnett und Ian Edginton kennen sich im Genre aus. Dan Abnett war an einer Vielzahl von Romanen aus diesem Universum beteiligt, Ian Edginton tat sich bereits mit der Comic-Umsetzung zu Hellgate: London hervor. Somit finden sich zwei Autoren, die mit diesem Gebiet speziell und der Science Fiction allgemein vertraut sind. Der Leser wird gemeinsam mit dem neuen Marine namens Raclaw in den Orden der Black Templars aufgenommen. Ein Krieg wartet, ein Krieg, von dem Raclaw und seine ehemaligen Clan-Gefährten nicht einmal etwas ahnen. Ist dieser Krieger bereits mächtig, agil und kämpferisch, verstummt er doch in Ehrfurcht bei seiner ersten Begegnung mit Bruder Brunner, der sich ihm in voller Kampfmontur präsentiert.
Diese Ehrfurcht ist nur der Beginn einer langen und furchtbaren Ausbildung.

Warhammer 40.000 spart nichts aus.
Orks sind die Feinde der Menschen, Chaos-Horden, grüne Monströsitäten, nach Blut geifernd und vor Zorn triefend. Sie bilden wie jeder Feind eine gegnerische Walze aus Brutalität, die den Space Marines entgegenstürmt. Die Unterschiedlichkeit der Feinde, Orks, Necrons, Eldar, Mutanten und Chaos-Krieger fällt nur optisch ins Gewicht. Es geht um den Kampf und diesen zeigen die Zeichner Lui Antonio, Greg Boychuk, Daniel Lapham und Kevin Chin in aller action-lastigen Oppulenz. In diesem Kämpfen wird getötet, geschlachtet, in blutigen Details, die nichts für schwache Nerven sind, wie man so schön sagt. So wird deutlich, dass eine Säule dieser Erzählungen der blanke Horror ist.
Bei genauer ist das natürlich nichts Neues, denn letztlich ist Warhammer 40000 auch irgendwie vom guten alten Herrn der Ringe abgeleitet. (Eine reine Fantasy-Variante von Warhammer existiert schließlich auch.)
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Warhammer ist ein vielgestaltiges Hobby. Sehr viel wert wird auf die Figuren gelegt, die außerordentlich phantasievoll einerseits und andererseits auf das Beste bemalt sein müssen.

Den Zeichnern und Koloristen dieser Graphic Novel kam die Aufgabe zu, die Feinheit der Modelle auf die Comic-Seiten zu übertragen. Das ist ihnen vollends geglückt, aber es gibt Künstler-Kombinationen in diesem Band, die das noch ein wenig besser können als andere.
Herausragend sind sicherlich Lui Antonio in Kombination mit dem Farbe gebenden JM Ringuet. Hier sind sehr kraftvolle Grafiken entstanden, die regelrecht prall zu nennen sind und gut bemalten Figuren entsprechen.
Zweifellos sind besonders gute Bilder zu sehen, wenn Monster zu sehen sind. Dies äußert sich in Mutanten, Chaos-Kriegern, den außerirdischen Eldar, aber auch besonders in Kreaturen wie dem Säbelzahn-Löwen, der Raclaw gleich zu Beginn das Leben schwer macht.

Kämpfe, Kämpfe, Kämpfe, eine riesige Menge von Gestalten und Figuren in einem gigantischen Universum aus Weite und Krieg. Wer das Hobby liebt, lackiert und eigene Tabletop-Schlachten veranstaltet, wird diesen Comic mögen. Wer einen Zugang zum Hobby sucht, sich Beschreibungen ersparen möchte und die Geschichte erleben will, findet mit dieser Graphic Novel einen guten Start. 🙂

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Yiu – Die Kaiserin der Tränen

Filed under: SciFi — Michael um 13:09

Yiu - Die Kaiserin der TränenEin gewöhnlicher Auftrag. – Was Yiu eben einen gewöhnlichen Auftrag nennt. Die weltweite ökumenische Allianz bereitet sich auf ihre Konferenz vor. Einer jedoch soll niemals an der Konferenz teilnehmen: Jesus Frans Verbruggen. Seine Verderbtheit ist selbst dem Klerus zuviel geworden. Yiu wartet auf die Abschussfreigabe.
Es ist das übliche Vorgehen. Über die Kopfhörer kommen die Vorgaben des Beobachters glasklar herein. Der Beobachter ist sehr menschlich. Er weiß, dass er gegen die Vorschriften handelt, trotzdem informiert er Yiu über eine Geiselnahme im Zentralkrankenhaus.

Yiu will nicht länger warten. In diesem Krankenhaus befindet sich ihr einziger Verwandter: Ji-A, ihr kleiner Bruder. Dieses Kind, so beschließt sie ohne Verzögerung, darf nicht sterben. Verbruggen kann sich in Kürze von ihrer Professionalität überzeugen, als sie ihren Auftrag gegen den ausdrücklichen Befehl vorzieht, nur um gleich darauf zum Krankenhaus aufbrechen zu wollen. Yiu entkommt unbeschadet, will sie die Taktik ihrer Gegner kennt und mit ihnen gnadenlos spielt. Selten zuvor war sie so energisch in ihrem Vorgehen. Noch nie war ihr Anliegen derart persönlich.

Das Zentralkrankenhaus im nördlichen Viertel von New Jerusalem ist ein riesiger Komplex, mehr Festung als Heilungsstätte. Der Vergleich ist nicht leichtfertig gewählt, sind doch gerade die Kinder das höchste Gut dieser Gesellschaft, die am Abgrund steht, kurz vor der genetischen Auslöschung. Die Ordensschwestern versuchen die Kinder zu schützen, gegen die skrupellosen und brutalen Verbrecher hingegen haben sie keinerlei Chance. Wenig später ist Yiu vor Ort. Mit ihren Fähigkeiten gelangte sie bis zum Anführer der Geiselnehmer. Doch so leicht wie zu Beginn bleibt ihre persönliche Mission nicht. Gleich darauf scheinen ihr buchstäblich alle auf den Fersen zu sein.

Mit dieser Ausgabe von Yiu, der ersten Hälfte eines Zweiteilers, könnten die Macher J.M. Vee, Téhy und Vax ein wenig das gewohnte Tempo herausnehmen – denkste!
Das Team lässt dem Leser nur zwei Seiten Zeit, sich in die Geschichte einzufinden. Dann bleibt nur noch, sich anzuschnallen, denn die Achterbahnfahrt geht mit Höchstgeschwindigkeit los. Im Laufe der weiteren Handlung ändert sich daran nichts.

Nach den ersten beiden Geschichten Die Armee des Neo-Mülls und Die Auferstehung des Unreinen begegnen wir Yiu, die einen simplen Scharfschützenauftrag auszuführen hat. Als Schauplatz wurde eine Kirche gewählt, in einer Größenordnung, in der ein Vatikan bequem Platz hätte. Eine Nachricht platzt in die Vorbereitungen des Attentats. Diese Nachricht trifft Yiu tiefer als alle Qualen, die sie (mit dem Leser als Augenzeugen) in der Vergangenheit erleiden musste.
Verwandtschaft! In dieser geschilderten Zukunft ist Verwandtschaft ein hohes Gut, in einer Zeit, da natürliche Geburten selten und das Privileg einiger weniger sind. Bisher agierte Yiu meist kühl, professionell, nun, da ihr Bruder in Gefahr ist, brechen Emotionen durch, ist der Einsatz höher. Yiu setzt noch mehr auf Risiko, das jetzt weitaus weniger durchkalkuliert ist, da die Zeit drängt.
Es ist Vee, Téhy und Vax zu verdanken, dass die hastende, atemlose Atmosphäre sehr gut auf den Leser übergreift und er sich zügeln muss, um jeden einzelnen Satz zu lesen, da die Bilder so vorwärts drängen.

Beweine unsere kranke Welt …
So lautet eine Aufforderung des anführenden Geiselnehmers an die Mutter Oberin, die hilflos vor ihm liegt. In der Tat beschreiben die Autoren und Zeichner eine Menschheit, die abseits aller gegenwärtigen Moral und Normen existiert, die völlig aus den Fugen geraten ist. Wahnhaftes und Wahnsinn findet sich überall, eine deutliche Richtung lässt sich nicht ausmachen. Alles ist übergroß, düster, laut, für Menschen eine unpassend technisierte Umgebung wie eigentlich für jedes Leben. Wenn es einen gemeinsamen Nenner gibt, dann ist es die Gewalt, die Auseinandersetzung, denn eine Wertschätzung von Leben mündet in Mord, Totschlag, Selbstmord, im besten Fall in Selbstaufopferung.

Dank der Bilder wirkt diese Welt echt. Die Figuren sind sehr gut gekleidet. Schnallen, Taschen, Zubehör und viele anderen Kleinigkeiten sind richtig platziert, um einen filmischen Eindruck zu erzielen. Natürlich ist eine derartige Detailtreue, die sich in jedem anderen Bereich fortsetzt, sehr arbeitsintensiv. Doch das Endergebnis lohnt sich. Die Wirkung hat etwas von einem Breitwand-Gefühl, jener Effekt, der vor einer großen Kinoleinwand einsetzt, wenn man nicht weiß, wohin man zuerst schauen soll. (Entsprechend kann man zum Schluss gleich noch einmal von vorne beginnen, um all jene Details zu genießen, die einem zuvor entgangen sind, denn die Blick- und Lesegeschwindigkeit wird sich von Seite zu Seite wie von selbst erhöhen.)

Die Hintergrundgeschichte, wie eine Erinnerung erzählt, stellt ein Rätsel dar, welches sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht lüften lässt. In jedem Fall ist es mysteriös zu nennen. Der Ausgangspunkt ist ein vergangener Kampf oder Krieg. Eine gequälte Seele wurde erschaffen, eine, die nichts mehr zu verlieren hat. Yiu war auch einmal eine solche Seele (jedenfalls hat es den Anschein) und nun hat sie alles zu verlieren, was ihr lieb und teuer ist. Wie sich die Situation auflösen wird, ist nicht vorherzusehen.

Der erste Akt dieses Action Dramas rast auf den Leser zu und reißt ihn mit fort. Die dritte Folge von Yiu ist einmal mehr SciFi-Kino zwischen Comic-Seiten, immer im richtigen Tempo, mit schnellen Schnitten, ebenso wie mit langen Einstellungen. Insgesamt ergibt sich eine Achterbahnfahrt aus packenden Szenen, die immer rasanter wird, je mehr es dem Ende zugeht. Perfekte Erzählkunst mit einem gut gewählten Timing durch Vee, Téhy und Vax. 🙂

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Samstag, 02. Februar 2008

Die sieben Zwerge

Filed under: Klassiker — Michael um 13:32

Die sieben ZwergeSie waren zu jung, ein Auto zu fahren, aber alt genug, einen Bomber zu fliegen. – Wer glaubt, in den Bombern beiderseitig des Kanals saßen immer nur alte erfahrene Piloten, der sieht sich gewaltig getäuscht. Marvano hat sich des Themas angenommen und eine Geschichte rund um ein solches Bomber-Team geschrieben und gezeichnet.
Marvano, mit bürgerlichem Namen Mark van Oppen, bewies bereits mit der Science Fiction Roman-Umsetzung von Joe Haldeman, dass er das Zeug für realistisch anmutende Szenarien hat. Nach einem zukünftigen Krieg setzt er sich nun mit der Vergangenheit auseinander.

Die sieben Zwerge sind die Flugzeugmannschaft eines Bombers, dem sie selber den Namen S-Snowwhite (Schneewittchen) gegeben haben. Die Geschichte beginnt mit einem Angriffsflug über Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Das Ziel ist das Ruhrgebiet. Die Szene ist für die jungen Männer an Bord unwirklich. Die Nacht wird von der deutschen Flugabwehr sporadisch erleuchtet, als der Lancaster-Bomber acht Tonnen seiner tödlichen Fracht aus seinen Abwurfschächten entlässt. Sie wissen nicht, was sie da unten töten oder zerstören, sie sehen lediglich das Flammenmeer nach dem Aufprall ihrer Bomben. Ein Cowboy-Schrei der Freude überlagert die Szene und entlädt die Erleichterung darüber, dass dieser Angriff vorüber ist. Nun kann der Heimflug angetreten werden.
Doch vor einer glücklichen Landung muss das englische Geschwader erst an den deutschen Nachtjägern vorbei.

Man fühlt sich als Leser ein wenig an den Film Memphis Belle erinnert, der ebenfalls die Geschichte einer, allerdings amerikanischen, Bomber-Crew beschreibt. Hier wie dort ist es der Wahnsinn über den Wolken, der sich mit rein menschlichen Aspekten ablöst. Hier ist die Freiheit über den Wolken nicht grenzenlos, sondern ihr wurde die Freiheit genommen, das Wahrhaftige, das Besondere, kurz, sie wurde missbraucht.
Für diese Männer spielt der Krieg eine Rolle, weil sie sich in ihm befinden, nicht, weil sie ihn gewollt haben. Sie zählen die Einsätze, die hinter ihnen liegen und fürchten die, die vor ihnen liegen. 17 haben sie absolviert, 30 müssen sie fliegen. Der Durchschnitt liegt bei 11. Und ein jeder fürchtet ein Ziel: Berlin. Der Anflugkorridor ist eng. Eine Kollision mit einer befreundeten Maschine ist wahrscheinlicher, als von der gegnerischen Flugabwehr oder einer Abfangmaschine getroffen zu werden.
Kein einziges Mal geht es um Politik, oder darum, den Feind zu vernichten. Es geht nur darum, zu gewinnen, damit man nach Hause kann.

Was hast du gegen Idealismus, Aubie? Zum Teufel, ich sterbe lieber für die gute Sache, für ein Ideal.
Ich ziehe es vor, überhaupt nicht zu sterben.
Wie dieses Ideal aussehen mag, bleibt offen. Ideale taugen aber auch nicht dazu, einen Zauber auszuüben, den Mut und die Hoffnung zu schüren. Rituale sind da schon geeigneter. Die Mannschaft der Snowwhite hat es sich angewöhnt, vor jedem Flug gemeinsam auf das Hinterrad ihres Bombers zu urinieren. Wenn man schon angepisst ist, dann kann man es auch selber machen.

Nicht zu früh die Bomben ausklinken, sonst treffen sie Brüssel und nicht Berlin. Und aufpassen, wohin man wirft. Am Ende fliegt die eigenen Leute unter einem und man trifft sie mit den Bomben, die eigentlich für die Deutschen gedacht waren.
Marvano trifft auf jeder Seite mit seinen nüchternen Zeichnungen und seinen Texten die Atmosphäre der Szenerie. Er lässt aus der Sicht eines Piloten erzählen, der um Kühle und Sachlichkeit bemüht ist, aber den Schrecken aus seiner Stimme nicht ganz verbannen kann.
Schließlich lässt Marvano alte Musik spielen, verzichtet auf Erzählung, lässt nur die Bilder sprechen. Mehr braucht es auch nicht. Um Haaresbreite dem Tod entgangen, steigen sie bald wieder auf.

Das Ende muss nicht gezeigt werden. Nach all den Erlebnissen kann sich der Leser ausmalen, dass in einer dieser Situationen das Glück einen anderen Bomber auswählte. Die sieben Zwerge kommen nicht mehr zurück.

Ohne Pathos, beinahe sachlich, berichtet Marvano über das Schicksal dieser Bomber-Crew, die nicht richtig gelebt hatten, als Beispiel für viele andere, die nicht überlebten. Es ist ein Blickwinkel der Sinnlosigkeit all dessen, was sich in einem Krieg abspielt, ohne Tränen erzählt, dafür aber umso trauriger.

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Freitag, 01. Februar 2008

Die Suche

Filed under: Meldungen — Michael um 12:55

Die SucheNach dem Erfolg des vom Anne Frank Haus initiierten Projekts Die Entdeckung startet nun mit Die Suche ein neues Projekt, das mittels eines Comics die Geschichte und die Gräuel des Holocausts veranschaulichen soll. Von Februar bis Juli 2008 kommt das Album in diversen Geschichtsstunden von der 7. bis zur 10. Klasse zum Einsatz. Die Schüler sind in allen Schulformen zu finden.

Die Geschichte des Comics »Die Suche« beginnt in der Gegenwart. Die jugendlichen Leserinnen und Leser erfahren aus der Perspektive der Enkel vom Schicksal einer jüdischen Familie, die in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Dabei werden historische Fakten und Hintergründe des Holocaust erläutert. Anspruchsvolle und historisch genaue Darstellungen über den nationalsozialistischen Antisemitismus werden ergänzt um die Auseinandersetzung mit den Handlungsoptionen fiktiver Personen.

Parallel zur Testphase in Deutschland wird das entwickelte Lehrmaterial auch in Polen und Ungarn erprobt.

Quellen: Anne Frank Zentrum, RP Online Berichterstattung
Artikel im Comicblog: Die Entdeckung

Donnerstag, 31. Januar 2008

Cyberforce 2

Filed under: SciFi — Michael um 20:27

Cyberforce 2Der Astronaut ist schockiert, beeindruckt, erschüttert. Das Spiegelbild eines riesigen Raumschiffs unbekannter Herkunft füllt das Sichtglas seines Helms aus. Weit draußen im Orbit des Mars, bei einer für Menschen denkwürdigen Expedition, kommt es zur Begegnung zwischen Menschen und einer anderen Zivilisation.
Das Treffen ist nur von kurzer Dauer und mitleidslos.

Auf der Erde macht sich Velocity keine Gedanken über ein geschichtsträchtiges Zusammentreffen zwischen Menschen und Außerirdischen. Überleben ist im Augenblick viel wichtiger für sie. Bis vor einigen Sekunden stand ihr Leben noch auf des Messers Schneide. Der Mann, von dem sie annahm, er wolle sie töten, rettete ihr gerade das Leben. Plötzlich sind zwei Ripclaws mit ihr im Zimmer. Aber wer ist der echte?

Während Velocity ihre Freundinnen Cyblade und Ballistic aus der Gefahrenzone bringt, geht im Gebäude der Kampf zwischen den beiden Ripclaws erst so richtig los.

Die Fähigkeiten, die Ripclaw an den Tag legt, machen aus ihm eine lebende Waffe. Sein Kampf gegen dieses Ungeheuer, das versucht hat, seine Identität anzunehmen, ist ein ziemliches Gemetzel. Alsbald gibt das Wesen auch seine menschliche Gestalt auf und greift ihn mit noch größerer Gewalt an, als sich kein schneller Sieg einstellt.

Ron Marz stellt Ripclaw in den Mittelpunkt des zweiten Teils. Glaubte man zu Beginn, der ehemalige Freund von Velocity habe sich vollkommen gewandelt und sei nur noch eine mörderische Kampfmaschine, tritt nun eine Änderung ein. Marz lässt zwei Ripclaws gegeneinander aufmarschieren, ein jeder im Kampf um seine Identität. Und wieder sieht es zu Beginn nach einer leichten Angelegenheit aus. Der fremde Gegner fällt ein ums andere Mal, nur um wie ein Stehaufmännchen wieder hoch zu kommen und Ripclaw erneut anzugehen.
Die wenigen Sätze, die zwischen den einzelnen Gefechten fallen können, liefern weitere Rätsel. Velocity will helfen, muss aber einsehen, dass sie nichts tun kann.
Die Metamorphose des fremden Organismus erinnert ein wenig an die Verwandlung des Tordenkakerlakk im Kampf der Hexenmeister, als es Spider-Man in eine andere Dimension verschlägt.

Viel Zeit bleibt Marz nicht für seine Erzählung, aber er setzt sämtliche Mittel ein, die er nutzen kann, um Spannung zu erzeugen und die Neugier auf die nächste Folge anzuheizen. Zwar weiß der Leser mehr als die Hauptakteure, aber er kann sich auch nicht sicher sein, was er da eigentlich weiß.

Pat Lee teilt sich die zeichnerische Arbeit mit Alex Milne, der für die Hintergründe verantwortlich ist. Hierbei ist es manchmal irritierend, dass die Figuren zwar Schatten aufweisen, die Flächen, auf denen sie stehen, allerdings nicht. Das ist ein kleines Missgeschick, welches den Genuss dieses SciFi-Superhelden-Abenteuers aber nur unwesentlich stört.
Der Beginn und das Ende der Geschichte weisen auf den kommenden Handlungsstrang hin. Außerdem lässt Ripclaw einige bedeutungsschwere Sätze fallen, die auch zu interessanten Bildern beitragen könnten. Denn eine außerirdische Rasse ist auf dem Weg zur Erde. Das könnte so schlimm nicht sein, hätten sie nicht mit den Mitgliedern der Cyberforce ein Hühnchen zu rupfen.

Action und Rätsel, Helden, die sich bald einer Übermacht gegenüber sehen werden. Gerade vereint und bald schon … Ron Marz spielt mit dem Leser und gibt Pat Lee viel Spielraum für seine Phantasie (die er bereits mit Warlands unter Beweis stellen konnte). 🙂

Batman – The Musical

Filed under: Meldungen — Michael um 20:14

Als ich einen Hinweis auf radiobremen.de zu Batman – The Musical fand, wurde ich neugierig. (Vielleicht meinten sie eher das Bat Out Of Hell Musical, das 2008 kommen soll.) Denn der Eintrag zum Musical von Jim Steinman wurde mit 2008 datiert. Dabei fand ich bisher nur Informationen, dass das Projekt gestorben sei, sehr frühzeitig schon.
Trotzdem finden sich immer noch Infos zum alten Projektstand, einerseits unter Jim Steinmans Blog, aber auch, und das ist besser, unter THE UNOFFICIAL MEMORIAL TO BATMAN: THE MUSICAL finden sich Texte und Mustermusikstücke zu Gotham, Catwoman und den Joker.
Nett ist es auf jeden Fall, sich die Musik anzuhören (die so unbenutzt ja auch nicht blieb, nur eben nicht für Batman). 🙂

Mittwoch, 30. Januar 2008

Ex Machina – Fakt vs. Fiktion

Filed under: Superhelden — Michael um 19:20

Ex Machina 3 - Fakt vs. FiktionMitchell Hundred folgt den abstürzenden Menschen in die Tiefe. Er rast hinter ihnen her, versucht sie zu erreichen, aber selbst ein Superheld hat seine Grenzen. Jetzt, da er Bürgermeister ist, verfolgen ihn diese Alpträume immer noch.
Wohin soll die Reise gehen? Hundred hat ein echtes Problem mit der Gegenwart, eigentlich auch mit der Vergangenheit und Zukunft. Als er auf eine Angestellte namens Ellen Shu trifft und diese ihn wegen des Wahrsager-Problems anspricht, gegen das er in seiner Funktion als Bürgermeister vorgehen will, möchte er sich zunächst dem Gespräch entziehen. Wider besseres Wissen lässt er sich dennoch auf einen Besuch bei einer jungen Dame dieser Zunft ein.

Die rührselige Geschichte über die Arbeit der Wahrsagerin prallt an Hundred ab, doch alleine das Gespräch reißt Wunden und Erinnerungen an den 11. September 2001 auf. Hundred ist erschüttert. Die Vorhersage allerdings, dass er noch einmal zu seiner Geheimidentität zurückkehren werde, glaubt er keinen Augenblick.
Es ist diese Zeit, da ein anderer Held plötzlich in New York auftaucht und das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Automaton fliegt mit einem Raketenpack auf dem Rücken, spricht mechanisch und sieht insgesamt eher technisch als menschlich aus. Doch irgendetwas scheint mit diesem merkwürdigen Wesen nicht zu stimmen.

Zu allem Überfluss hat Hundred noch ein anderes Problem. Er wird als Geschworener berufen. Was sich normalerweise ein ganz einfacher Vorgang ist, ufert zu einem Fiasko aus. Einer der Geschworenen ist Kriegsveteran. Seither lebt er im Glauben, dass ein Teil von ihm krank ist. Ausgerechnet Hundred soll ihn mit seinen Kräften heilen. Hundred muss sich beeilen, denn der Mann nimmt eine Geisel.

Ex Machina beschreibt mit seiner dritten Folge die Alltäglichkeiten eines Mannes, der mit einer ungewöhnlichen Fähigkeit ausgestattet ist und trotzdem lieber den Weg in die Politik gewählt hat. Fakt vs. Fiktion betitelt Autor Brian K. Vaughan diese Episode, in der sich tatsächlich Realität und Wahn einander gegenüber stehen.

Am Beispiel von Mitchell Hundred zeigt Vaughan die Hilflosigkeit auf, die den einzelnen Bürger von New York in seinen Erinnerungen immer noch befallen können, selbst nach so vielen Jahren. Mitchell, der in seiner zweiten Rolle bemüht war, Leben zu retten, versagte. Sein Pech ist es, dass er sich nicht mit seiner ganzen Energie auf seine Rolle als Bürgermeister konzentrieren kann. Zu vieles hängt ihm aus seiner Vergangenheit nach, es gibt Leute, die ihn gerade deshalb gewählt haben. Und es gibt Leute, die ihn genau deshalb immer wieder in Schwierigkeiten bringen.
Platt ausgedrückt sind es gerade die Letztgenannten, die entweder verzweifelt oder krank sind – oder beides.

Vaughan versetzt seine Charaktere über das Klischee und gibt ihnen Tiefe, was in der Kürze der Zeit nicht einfach ist. So ist es erklärbar, dass man als Leser auch Mitleid für den Geiselnehmer empfinden kann – auf jeden Fall ist es nachvollziehbar, warum Hundred dieses Gefühl aufbringt.
Vaughan schreibt seine Geschichten, so auch diese, auf sehr hohem Thriller- und Unterhaltungsniveau, während im Hintergrund immer noch das Superhelden-Thema schwebt und beständig präsent ist.
Über zeitweilige Umwege gelingt es dem Leser, sich immer weiter dem Charakter von Hundred anzunähern. Selbst die Beeinflussung, die von ihm ausgeht, damit solch ein Ableger wie Animaton entstehen konnte, wird so erklärt und schlüssig.

Ein Held wird immer ganz besonders interessant, wenn die Familie ins Spiel kommt. Wir lernen, dass Hundreds Mutter in einem ziemlichen Schlamassel lebt, das viel ärger ist, als man es von der Mutter eines Bürgermeisters von New York erwarten würde.
Nach all den Auseinandersetzungen und Konflikten, die Hundred zu bestehen hat, gehört diese zu den lustigsten – vielleicht, weil Hundred hier auftritt, als habe er nichts zu verlieren oder zu fürchten.

Der Zeichenstil von Tony Harris gefällt mir immer besser. Zwischen Cover-Ausarbeitung und Innenseiten gibt es qualitativ keinerlei Unterschied. Harris’ Bilder sind einfach schön zu nennen. Zeitweilig erinnern sie Jugendstil-Techniken, wie sie z.B. Alfons Mucha in seinen Bildern angewandt hat. Nur wurde diese Technik durch Tom Feister und Karl Story (beide: Tusche) sowie JD Mettler (Farbe) in die Gegenwart übertragen. Besonders das Cover steht für diese Theorie. So geben die Bilder der Geschichte etwas Altertümliches, Handfestes, zuweilen sogar etwas Klinisches. Der Eindruck, den sie hinterlassen, gefällt mir ausnehmend gut – hier vielleicht auch, weil die Gestaltung in dieser Form auch eine Ausnahme ist.

Ex Machina ist noch ein Stück menschlicher geworden. Hundred ist weiter auf der Suche nach sich selbst, belastet von seiner Vergangenheit. Gute Charakterschilderungen und dramatische Situationen ergeben eine tolle Unterhaltung eines etwas anderen Superhelden. 😀

Dienstag, 29. Januar 2008

The Darkness – Werkausgabe Band 1

Filed under: Mystery — Michael um 22:24

The Darkness - Werkausgabe Band 1Es war einmal ein böser junger Mann. Er arbeitete als Killer für die ehrenwerte Gesellschaft, die so ehrenwert nicht mehr war. Die einzige Frau, die er respektierte, war ein weiblicher Barkeeper namens Jenny. Ansonsten versuchte er jedes hübsche Ding herumzukriegen, das bei seinen Annäherungsversuchen nicht ins Grübeln kam.
Das Leben hätte für Jackie Estacado wundervoll sein können, hätte es da nicht einen dunklen Fleck auf seiner Herkunft gegeben. Jackie ist der Erbe der Darkness, einer uralten Macht mit furchtbaren Kräften: Eigentlich genau das Richtige für einen Killer. Aber will Jackie diese Macht überhaupt?

Der erste Schub seiner neuen Kräfte geht mit enormen Schmerzen einher. Eine unsichtbare Stimme klärt ihn darüber auf, dass er der Auserwählte ist. Die Stimmen verlangen von ihm, seine Kräfte frei zu lassen. Letztlich ist genau das zu seinem Schutz gedacht, denn mit der Macht eilen auch die Feinde herbei, die seit jeher auf der Jagd nach der Darkness sind. Die Angelus, eine Gestalt des Lichts, hat ihre Heerscharen ausgeschickt mit nur einem Ziel: Die Vernichtung der neu erwachten Darkness.

Doch Jackie Estacado ist nicht allein. Es gibt Anhänger seiner Macht, einen Kult, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Darkness zu schützen und den Auserwählten anzuleiten. Anleitung hat Jackie auch bitter nötig. Mit seinem Leben, so wie er es kannte, ist es endgültig vorbei. Nicht nur seine neuen Feinde bereiten ihm Sorgen, auch die neuen Widrigkeiten verbieten eine Menge Spaß in der Zukunft. Die Darkness darf niemals mit einer Frau verkehren, ansonsten würde der Same für die nächste Darkness weitergegeben. Der noch lebende Auserwählte wäre in einer Stunde tot.
Als der Kult erfährt, dass Jackie bei seinen Gewohnheiten geblieben ist und schon wieder eine junge Frau in einer Bar aufgerissen hat, geht es nicht mehr um ein Stelldichein, sondern um Leben und Tod.

The Darkness hatte einen ungewöhnlichen Beginn für eine Comic-Serie. Ein Killer wurde zur Hauptfigur eines Comics erkoren. Jackie ist nicht sehr sympathisch, er bringt Menschen um, besitzt kaum wertvolle Charaktereigenschaften und verbringt seine Zeit ziemlich nutzlos. Kurz, er ist schlichtweg ein Schwein.
Das muss den Leser nicht verwundern, weil der Autor dieses Serienauftakts Garth Ennis heißt. Bekanntermaßen hat Ennis eine Vorliebe für leicht durcheinander geratene Charaktere. Diese sind auch nicht immer liebenswert. An seiner Seite, zuständig für die grafische Umsetzung, steht Marc Silvestri als Garant für außergewöhnlich bombastische Menschen und ausdrucksstarke Bilder.

Jackie gehört zu den Menschen, die glauben, bereits alles in ihrem jungen Leben gesehen zu haben. Für jemanden, der mit Leuten wie Butcher zu tun hat, die hinter den Killern aufräumen, mag dies auch zutreffen. Deshalb wirft Garth Ennis seinen Helden, sinnbildlich gesprochen, aus großer Höhe herab, stößt ihn von seinem hohen Ross, vom mafiösen Alltag geradewegs hinein in eine magische Welt, in der dem Killer plötzlich Darklings zur Seite stehen, die er dank seiner neuen Fähigkeiten nur mit einem Gedanken erschaffen kann.
Der Mann, der zuvor noch immer Herr der Lage war, wird plötzlich unsicher. Er weiß anfangs nicht, wie er auf die Situation reagieren soll. Erste Versuche, seine Macht anzuwenden, erfolgen rein instinktiv. Diese Unsicherheit rennt offene Türen ein und wird völlig missgedeutet.

Als Leser kann man auch die Feinde missdeuten. Wesen aus Licht, mit Flügeln ausgestattet, könnten als Engel interpretiert werden. Wenn auch ihre Anführerin mit dem Namen Angelus daherkommt, ist das Engelhafte doch eher äußerlich. Die Angelus ist eine fliegende Furie. Sie ist das helle Gegenstück der Darkness. Wie auch ihr dunkles Gegenüber kann sie sich Gefährtinnen erschaffen, um nicht ein einsames Leben zu fristen. Beide Kontrahenten stehen sich mit einem unversöhnlichen Hass gegenüber, der zu ihrer Existenz dazu gehört.
Ennis lässt Estacado das Spiel ab einem gewissen Zeitpunkt genießen und übernehmen. Jene, die ihn vernichten wollen, werden ebenso mit seinem Killerinstinkt konfrontiert wie jene, die ihn gerne für ihre Zwecke lenken wollen.

Genießen darf der Leser auch die, wie angesprochen, bombastischen Wesen, toughe Männer und Frauen mit Model-Gesichtern und -Maßen. Darüber hinaus ist Zeichner Marc Silvestri ein Pedant, dessen Bilder durch das nicht weniger pedantische Tuschen von Batt, Livesay, Billy Tan, Danny Mikki und anderen erst richtig zur Geltung kommen. Die Kolorierung ist so aufgebaut, dass sie den Tuschestrichen nicht ihre Wirkung nimmt.

Der Auftakt einer langlebigen Horrorserie, mit Kultpotential dank Garth Ennis und Marc Silvestri, die absolute Profis auf ihrem Gebiet sind, mit dem Talent, auch neue Wege zu beschreiten. Wer den Beginn der Darkness-Saga verpasst hat und eine gehörigen Portion Action, Grusel und Horror etwas abgewinnen kann, bekommt hier Kino auf Comic-Seiten. 🙂

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