Samstag, 04. April 2009
John Difool fällt. Böse Zungen behaupten, dies sei ein Hobby von ihm geworden. Andere werden neidisch feststellen, dass ein John Difool immer noch aufgefangen wurde. Also was soll das ganze Theater um seine Person? Genau das weiß John Difool leider auch nicht, denn er erinnert sich nicht, obwohl er es sich sehnlichst wünscht. Die Robocops sind ihm bereits auf der Spur. So ist es klar, dass John in der letzten Sekunde vor dem Aufschlag im Säuresee gerettet wird. Weiterhin stellt sich die Frage, zu welchem Zweck das geschehen ist.
Difools Gedächtnis wird durchsucht. Da ist allerdings nichts, nur die Erinnerung an eine Frau. Für die mechanischen Einheiten um ihn herum ist das eine ziemliche Enttäuschung. Ein Angriff versetzt die anwesenden Einheiten in elektronische Panik, sich indes dagegen zur Wehr setzen, vermögen sie nicht. So fällt John Difool schon wieder und mit ihm gleich ein ganzes Luftschiff.
Technisch angesiedelt zwischen Juan Gimenez und Jean Giraud zeichnet sich José Ladrönn in die Welt des John Difool. Diese Welt, die ihren Ausdruck in den Geschichten um den Incal und die Meta-Barone fand, sucht nun in der Geschichte um den letzten Incal eine Neuinszenierung. Ladrönn erweckt das allseits bekannte Chaos jener merkwürdigen mit dem Präsi-Schiff darüber eindrucksvoll, penibel, aber auch mit dem leichten Aquarellfarbauftrag und dem lockeren Tuschestrich.
Ladrönn scheint sich mit einer ziemlichen Wonne auf Ansichten gestürzt zu haben, welche die Größe dieser Umgebung vermitteln. Auch Massenansammlungen von Personen, Handgemenge in Nahaufnahme oder verzwickte Perspektiven der heruntergekommenen Architektur erledigt Ladrönn mit außerordentlicher Perfektion. Linien, außen wie innen, sind stets sehr dünn und zart ausgeführt. Die monströsen Ausgeburten, die durch den Biozeckenvirus 13-X befallen wurden, malt er mit einer Detailfreude, die einem Paolo Serpieri, so wie er sie in Druuna praktizierte, in nichts nachsteht. Alles in allem ist mit Gimenez und Ladrönn das Szenario sehr schwermetallig ausgefallen.
In dieser sehr düsteren Atmosphäre, besonders untermalt durch Farben wie fahles Grün, Grau, Blau oder Braun, nur durchbrochen von roten Explosionen, hellen Blitzen oder giftig grün aufplatzenden Objekten, besticht eine Kreatur wie ein Lichtstrahl: Dipo! Der kleine Betonvogel dürfte neben einem Chewbacca wohl das beste Lebewesen sein, dass sich ein Kind an seiner Seite wünschen kann. So ist die Folterszene geradezu herzerweichend und der erschöpfte Schlummer Dipos von Autor Alexandro Jodorowsky regelrecht gnadenreich.
So ist denn Jodorowsky wieder in seinem Element und heimgekehrt zu einem seiner erfolgreichsten Szenarien. Da ein John Difool, wie er sich hier präsentiert, nicht gerade der sympathischste Zeitgenosse ist, schafft Jodorowsky ein Quartett aus Difools. Es ist sehr humorvoll, wenn ein Difool auf den anderen trifft und sich selbst auch nicht gerade sympathisch findet, aber akzeptieren muss, dass sie durch die Umstände zusammengeschmiedet sind. Diese Konzentration auf die vier Charaktere, die leider erst recht spät erfolgt, ist auch dringend notwendig, denn Jodorowsky verlangt seinen Lesern ein gutes Stück Geduld und auch Aufwand ab.
Diese Welt erschließt sich dem Leser nicht allzu leicht. Sie ist sehr, sehr fremdartig. Nicht nur jene Stadt, über die ein veränderter Präsi die Oberhand gewinnt, auch die Wesenheiten Benthacodon und Elohim sind weit davon entfernt, einen menschlichen Ansatzpunkt zu liefern. Fast könnte man glauben, den phantastischen Auswüchsen eines H.R. Giger zu begegnen. Dessen Ideen versperren auch eher den Zugang und halten den Betrachter auf Abstand.
Fremdartig, mit leicht unterschwelligem Wahnsinn erzählt und wenigstens drei durchgeknallten Difools, einem liebenswerten Dipo, so legt Jodorowsky wieder los. Einmal drin, fällt es schwer, sich zu entziehen. Die Geschichte benötigt von Schritt zu Schritt mehr Raum. Man darf gespannt sein, wie es Jodorowsky schaffen wird, wieder auf ein normales Maß zurückzukehren. 🙂
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Donnerstag, 02. April 2009
Verliert ein Mann sein Gedächtnis, gerät er für gewöhnlich in Schwierigkeiten. Wenn dieser Mann zu den großen Feinden der Hölle zählt, gerät er in große Schwierigkeiten. John Constantine kann sich über das Interesse an seiner Person nur wundern. Die Feindseligkeit, die ihm entgegenschlägt, passt nicht zu der friedfertigen Haltung, die er im Augenblick vertritt. Das Mädchen, das am Flussufer sitzt und angelt, hat eine höllisch aussehende Verbrennung am Arm. John zögert nicht lange. Er bringt das Mädchen ins Krankenhaus und begeht damit einen folgenschweren Fehler.
Eine falsche Namensnennung macht ihn zum Ziel eines besonderen Serienkillers. Gill weiß alles. Das ist leider keine Aufschneiderei. Er weiß in der Tat alles über jene, die ihm begegnen. War er nicht schon vorher wahnsinnig, hat ihn spätestens diese Fähigkeit verrückt gemacht. Gill kann in John nichts erkennen. Doch eine Möglichkeit muss es geben, zu ihm durchzudringen. Irgendetwas. Und Gill macht sich an die Arbeit.
Gedächtnis verloren hin oder her, Serienkiller hin oder her. Sehr bald schon sind derlei Kinkerlitzchen Johns geringstes Problem.
Stationen des Kreuzwegs nennt sich die vorliegende 6. Ausgabe der Saga um den Hellblazer mit dem Namen John Constantine. Der Verlust seines Gedächtnisses macht John zum Spielball. Ist er seither oft sehr cool, auch umsichtig aufgetreten, hat er nun zwar immer noch Herz, aber verkommt zum obdachlosen Gammler. Die Situation ist schon schlimm genug. Doch noch mehr nagt an John: Was muss er für ein Mensch gewesen sein, den niemand vermisst? Der keine Freunde hat, die ihn suchen? Der kein Zuhause hat und ein Umfeld, dem das Fehlen einer Person auffällt?
Keine Sorge, Kumpel. Alles wird gut. Diesmal bist du auf die Füße gefallen. Jinx passt auf dich auf.
Ausgerechnet ein anderer Obdachloser, den es an den Rand der Gesellschaft verschlagen hat, kann sich schließlich an John erinnern. Offensichtlich hat der Hellblazer wenigstens einmal in seinem Leben etwas Gutes getan und diesem Mann ein paar Pfund zugesteckt. Mike Carey, der Autor, gönnt John (und dem Leser) allerdings nur einen kurzen Aufschub. Wer zu John mildtätig ist, steht schon auf der Abschussliste. So ist der Titel der Geschichte irreführend. Für John ist es eher eine Geisterbahn als ein Kreuzweg. Einzig die Konsequenz ist identisch: John muss leiden.
So schickt Carey seinen Helden zuerst ein winziges Stück in die Vergangenheit (indem er ihn doch Menschen begegnen lässt, die ihn kennen) und macht ihm deutlich, wo ein paar seiner Talente liegen. Instinktiv handelt der Hellblazer in verschiedenen Situationen wie ein kaltschnäuziger Drecksack. Dafür muss er aber bis an das Äußerste getrieben werden. Der Mann, der sich mit Dämonen anlegt, ist im normalen Alltag vollkommen hilflos.
Gleich drei Zeichner haben sich des Höllenwidersachers in dieser Geschichte angenommen. Die Ergebnisse könnten kaum unterschiedlicher sein. Leonardo Manco gehört zu den Zeichnern, die eine realistisch ausschauende Handlung bevorzugen. Er ist kein Jim Lee, seine Grafiken strahlen noch keine vollendete Souveränität aus, aber er ist auf dem Wege. Seine genutzten Perspektiven sind experimentierfreudig, mitunter ungewöhnlich. Die von ihm geschaffenen Gesichtszüge sind stets um Individualität bemüht und sehr aussagekräftig. Dank ihm herrscht zwischen den beiden Kontrahenten John und Gill eine große optische Spannung.
Chris Brunner nimmt den Handlungsfaden auf und zeichnet schon abstrakter, zerhackter und impulsiver. Da brechen die getuschten Flächen aus wie ein Flickenteppich, es versinken die Gesichter in den Schatten und nur die nötigsten Linien zeichnen sich ab. Expressiv und wuchtig könnte sich dieser Zeichenstil auch nennen. Aber letztlich ist er nur eine Stufe hin zu den Bildern von Marcelo Frusin, der es schafft eine Brücke zwischen den Stilen von Mike Mignola und Sean Phillips zu schlagen. Die Grafiken von Frusin benötigen eigentlich keine Farbe, bei genauer Betrachtung ist sie sogar eher störend, wie es bei Mignolas Bildern der Fall ist. Das Grauen ist hier zwar in höchstem Maße abstrakt und reduziert, aber die Wirkung ist ungleich größer. Von Frusin würde man sich wünschen, er würde auch einen Abstecher in das Hellboy-Universum machen.
Mike Carey schickt Constantine durch die Hölle des Vergessens geradewegs hinein in wirkliche dämonische Auswüchse. Die geschichte gehört zu der Sorte von Horror, der sich wie von selbst liest. Drei verschiedene gute Zeichner sorgen mit sehr unterschiedlichen Stilen für sehr viel Atmosphäre. Wer den Hellblazer bisher nicht kannte, findet hier einen guten Einstieg. 🙂
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Link: Leonardo Manco
Mittwoch, 01. April 2009
Andrax und Holernes schlafen den Schlaf der Gerechten und der Müden, denn sie haben eine lange Reise hinter sich. Als sie erwachen, hat sich ihr Umfeld verändert. Fort sind die kahlen und hohen Felsen. Ein Schwall kalten Wassers fliegt ihnen um die Ohren. Holernes kann diese Umgebung nicht einordnen, doch für Andrax steht fest: Das ist der Wilde Westen. In ihren gemeinsamen Abenteuern haben die beiden Freunde schon viel erlebt. Eine derartige Wandlung der Umgebung, über Nacht, setzt dem ganzen allerdings die Krone auf. Mehr noch: Nach und nach entpuppt sich dieses Szenario um sie herum als ein Schwindel, ein Spiel, ein tödliches noch dazu, einzig zu dem Zweck, ihnen auf besonders vergnügliche Weise den Garaus zu machen. Willkommen im Circus Maximus.
Andrax hat seine Geschichten erzählt. Nun ist es vorbei. Leider. Im abschließenden 5. Band Gnadenlose Jagd gibt der Held, den es aus unserer Gegenwart in eine ferne Zukunft verschlug, noch einmal alles. An seiner Seite wundert sich sein Freund Holernes, wie es nur dazu kommen kann, dass gerade sie immer wieder in diese Schwierigkeiten geraten.
Wie in anderen langlebigen Serien ist bei Andrax alles möglich und noch mehr. Denn es gibt keinerlei Genre-Grenzen. Science Fiction, Fantasy, die gute alte Apokalypse- oder Barbaren-Handlung, die Horror- und die Monstergeschichte, ja, wer hätte es gedacht, sogar der Western ist machbar. Jordi Bernet zeichnet auf Augenhöhe mit Grafikern wie Don Lawrence oder Sean Phillips. Er beherrscht einen hohen Detailgrad, sofern es sinnvoll und verlangt ist, aber er hat auch den schnellen Tuschestrich, der Geschwindigkeit in das Leseverhalten bringt und filmisches Vergnügen verspricht.
Wer weitere Vergleiche anstellen mag, kann das durch die Darstellung der hier vorliegenden Figuren auch mit anderen Zeichnern tun. Wer den künstlichen Menschen in einer der Geschichten sieht, könnte an Neal Adams (Batman, House Of Terror u.a.) erinnert werden, mehr noch an Arturo del Castillo, der vor langer Zeit hierzulande mit Der Sheriff auf sich aufmerksam machte. Zeitlich jedenfalls entstammen die Veröffentlichungen des Sheriffs und von Andrax aus dem gleichen Zeitrahmen. Andrax’ Reise durch die amerikanische Wild-West-Historie ist eine schöne Parallele zu den geradlinigen Sheriff-Geschichten, bietet aber, wie kann es anders sein, den besonderen Mystery-Faktor, der heutzutage wieder außerordentlich populär und modern ist.
Nach einem kleinen Vorgeplänkel mit feindlichen Barbaren in der Nähe des Hermanns-Denkmals (NRW, Teutoburger Wald) hat Andrax eine Begegnung mit Vincent van Gogh. Dieses kleine Zwischenspiel dürfte zu den ungewöhnlichsten Ereignissen der ganzen Reihe gehören (und es waren wirklich sehr, sehr ungewöhnliche Ereignisse darunter). In dieser Episode mit dem Titel Stahlkugel, von Peter Wiechmann mit Text versehen, erlebt Andrax einmal mehr, wohin falsche Gottgläubigkeit und Hysterie führen können. Ein wenig mag sich der Leser an alte postapokalyptische Szenarien wie Zardoz erinnert fühlen. Thematisch zwar vollkommen anders angesiedelt, ist die Grundstimmung ähnlich seltsam. Gemeinsam mit Andrax und Holernes erlebt der Leser einen Kult, der dem Eckigen huldigt und alles Runde verdammt. (Als Holernes einen Fußball formt, möchte man beinahe ausrufen: Das Runde muss in das Eckige.)
Totentänze wird sogleich wieder handfester nach einem Ausflug in die Wirren des menschlichen Machtdenkens. Grusel ist angesagt. Ein fliegender Geselle wirkt wie eine Hommage an eine Geschichte um Conan, das Gastspiel eines Monsters von Frankenstein ist weitaus deutlicher erkennbar. Es ist auf den ersten Blick kurios, wie der Schwenk von einem Auftakt der Handlung in eine völlig andere Richtung gelingt. Auf den zweiten Blick ist es erzählerischer Wagemut, einfach einmal (oder immer öfter) die Grenzen zu sprengen und ausgetretene Pfade zu verlassen. Das Motto lautet: Alles, nur nicht langweilig. Dazu lässt sich nur sagen: Aufgabe begriffen, Umsetzung perfekt gelungen, sehr gut.
Ein schöner und über die Maßen spannender Abschluss. Andrax zeigt einen Ausschnitt der großen Bandbreite seiner Abenteuer, unter denen für jeden SciFi- und Fantasy-Fan etwas dabei ist. Großes Pulp-Kino mit Humor, Klassiker und Vorreiter zugleich, der mit dieser fünfbändigen Ausgabe eine tolle Wiederauferstehung feiern konnte.
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Sonntag, 29. März 2009
Die Bombe explodiert, doch ihr Rauch manifestiert sich nicht in einem gigantischen Pilz, sondern in einem riesigen Herzen. Ein Lied soll nur eine begeistern, aber selbst das gelingt nicht. Benjamin ist ein malender Dichter.
Glaubt man den Bildern und den Texten Benjamins, und es besteht keinerlei Veranlassung das nicht zu tun, ist er ein Künstler durch und durch. Schwankend zwischen Kunst und Kommerz, zwischen dem Drang frei arbeiten zu können und der Notwendigkeit Geld für den Lebensunterhalt zu haben, liegt hier ein Werk von dichter Beobachtungsgabe vor. Hinter dem scheinbar ziellosen und sorglosen Verhalten von Teenies und jungen Twens ist die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs ebenso hoch wie in jeder anderen Altersgruppe auch.
Benjamin seziert eine Alterstufe im Leben der Menschen, in der es andere Schwerpunkte gibt, in die Kindheitsträume zerbrechen und der Realität weichen. Die gerade entdeckte Liebe begeistert längst nicht nur, sondern schießt scharf. Selbstfindung gepaart mit Egoismus kämpft mit dem Wunsch nach Zweisamkeit. One Day begleitet in einer Szene einen Hanns-guck-in-die-Luft. In den Straßen der Großstadt ist am Himmel jedoch mehr los als in alter Zeit. Ein Geräusch ist ständig präsent. Allein die Gebäude verbreiten durch ihre Unregelmäßigkeit bereits Hektik. Allerdings endet für den Helden der Geschichte der Weg nicht im Wasser. Ein Mädchen auf einem Balkon reißt den jungen Mann aus seiner Lethargie: Sie zeigt ihm den Stinkefinger, jedoch mit einem Lächeln.
Zum Schluss erwartet ihn auch noch der Stinkefinger des Schicksals, den jeder einmal in dieser oder jener Form zu sehen bekommt. Es ist ein Ende, auf das laut Benjamins Handlungskonstruktion die Wiedergeburt folgt. Es bleibt nur die Frage offen, ob der Held der Geschichte nach all der Eintönigkeit überhaupt eine Wiedergeburt will.
Freude? Nein. Freude ist in Benjamins Welten selten. Hoffnung gibt es immer wieder. Eine Blume, die den Sommer nicht erlebt, eine Geschichte über die Liebe, kommt gänzlich ohne Text aus. Sie lässt Raum für Interpretationen und sie hat, auf ihre Art, ein gutes Ende. Benjamin lässt selbst in seinen Erläuterungen, Nachwörtern und Essays Platz für eigene Gedanken. Er ist weit davon entfernt, seinem Leser etwas vorschreiben zu wollen. Er schließt nicht von sich auf andere. In seinem Universum steht er im Zentrum. Er ist nur sich Rechenschaft schuldig. Das klingt so einsam wie die Ausstrahlung und Aussage mancher seiner hier vorliegenden Geschichten und Bilder. (Eigentlich ist es gerade in diesem Band so etwas wie eine heimliche Überschrift: Einsamkeit.)
Ist diese Einsamkeit in seinen Schwarzweißgeschichten bereits sehr stark ausgeprägt, knallt einem dieser Aspekt in seinen farbigen Grafiken geradezu ins Gesicht. Benjamin arbeitet mit einem gelungenen Pop-Realismus. Er setzt das Gesicht eines Menschen gerne ins Zentrum eines Bildes, gibt ihm die höchste Ausdruckskraft, während die Umgebung verwischt oder in Unschärfe verschwindet. Benjamin liebt die Blicke seiner Figuren, die er in Portraitbildern häufig den Betrachter ansehen lässt. Aber er lässt die Blicke auch gerne Richtungen vorgeben und Konfrontationen aufbauen. Ein Bild, das den Betrachter ansieht, macht es den Menschen vor der Leinwand schwieriger, sich dem Werk zu entziehen. Mitunter findet man Zweifel, Trauer, Schüchternheit, auch Unschuld in den Blicken.
Diese Augenblicke werden von einer Farbpalette unterstrichen, die äußerst grell ist. Pink kracht Meerestöne, Benjamin scheint die Neonbeleuchtung der Großstadt in seinen Bildern auffangen zu wollen. Im Buchformat sind die Grafiken eindrucksvoll, in Lebensgröße auf einer Leinwand würden sie den Besucher einer Galerie aus den Schuhen hauen.
Das Debut-Album von Benjamin zeigt bereits in dieser frühen Phase, wohin der Weg geht. Zu Beginn gibt es noch ein paar Schwächen, die sich nach Umstellung auf Farbe zu verlieren beginnen. Ein trauriger Blick auf die Jugend im Reich der Mitte, durchzogen von Hoffnung. Gut, aber nichts für einen düsteren Tag. 🙂
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Samstag, 28. März 2009
Bruenor Heldenhammer hat einen großen Wunsch: Er möchte endlich die Heimat seiner Väter wieder finden. Mithril-Halle aber ist verschollen. Lange hat niemand mehr etwas von dieser großartigen zwergischen Heimstatt gehört. Aber irgendwo muss sie doch sein! Bruenor lässt sich zu seinen tiefsten Erinnerungen zurückführen und siehe da: Es gibt einen Weg. Leider befinden sich noch andere auf den Spuren der kleinen verschworenen Gruppe. Als Bruenor Mithril-Halle endlich finden, sogar hinein gelangen können, erfasst sie das Grauen. Mithril-Halle ist zu einem Friedhof geworden. Bruenor, der sein Schicksal verfluchen möchte, führt seine Gefährten in die Tiefen der Höhle.
Zuerst verläuft es leise, heimlich, ernüchternd, doch dann schlägt der Feind wieder zu. Meuchelmörder, Zauberin und Golem sorgen dafür, dass die Gruppe in arge Bedrängnis gerät.
Tobias Meister, Synchronsprecher von Brad Pitt, Tim Robbins oder Forrest Whitaker, ist quer durch Film und Fernsehen stark mit seiner Stimme vertreten. Daneben gehören auch Hörbücher und Hörspiele zu seiner Domäne. Als Drizzt Do Urden erweckt er den im Fantasy-Genre bekannten Dunkelelfen von R.A. Salvatore zum Leben. Seine Stimme lässt sich als sanfter Bass charakterisieren, mit weichem, manchmal rauchigem Timbre gesprochen. Meister schafft einen Drizzt, der selbst in einer verzweifelten Lage bemüht ist, die Oberhand zu behalten. Mal klingt die Qual über das Schicksal durch, doch nicht lange. Drizzt ist ein Stehaufmännchen.
Ihm zur Seite steht, zwar kleiner, aber dennoch auf gleicher Augenhöhe, der Zwerg Bruenor Heldenhammer. Uwe Hügle spricht Bruenor nicht, er ist Bruenor! Wenn Hügle lospoltert, aus Wut, Hass, Verzweiflung oder weil er seinen Zorn auf den kleinen Egoisten Regis nicht mehr zurückhalten kann, dann hat man ungeachtet verschiedener Vorlagen aus Roman oder Comic eine ganz eigene Variante des heldenhaften Zwergs vor Augen. Hügle gibt dem Mann, der auf der Suche nach der Vergangenheit seines Volkes ist, eine ganz besondere Tiefe. Die vorliegende Episode mit dem Fund des lange verschollenen Mithril-Halle gibt der Figur einige sehr schöne emotionale Momente. (Sagen wir lieber, schön gespielt, denn für die Figur selbst sind sie alles andere als schön.)
Als dritter Charakter, der sich deutlich in den Vordergrund spielt, findet sich Artemis Entreri, Drizzts direkter Gegenspieler. Mit Entreri hat Drizzt den Widerpart gefunden, der genau das verkörpert, was einmal aus ihm hätte werden können: Ein eiskalter skrupelloser Mörder, der alle Techniken seines Handwerks mit wahrer Meisterschaft beherrscht und mit Leidenschaft ausübt. Achim Buch verkörpert den Meuchelmörder mit wissender Stimme, mit einem gemeinen Unterton. Wenn er und Drizzt sich endlich gegenüberstehen, erlebt der Hörer einen der Höhepunkte der Geschichte (die es wahrlich reichlich in sich hat).
Die Handlung bietet das, was ein HdR nicht aufbieten konnte. Hellen Wesen stehen ebenso dunkle Gestalten gegenüber. Die Elfen finden ihren Spiegel in Dunkelelfen, die Zwerge in Duergar, den Dunkelzwergen. Sie agieren mit dünnen verschlagenen Stimmen und geben so einen noch besseren Kontrast zum tiefen Brummen des Drachen Trübschimmer, gesprochen von Jürgen Holdorf. Ein Hauen und Stechen, treffliche Dialoge und Effekte sorgen für stetige Abwechslung und ein atemloses Zuhören.
Die phantastische Geschichte präsentiert sich als Fantasy-Kino für die Ohren. Jedes einzelne Detail geht perfekt ineinander über und auf. Mithril-Halle weckt zwar Erinnerungen an Moria, doch diesen Schuh muss sich R.A. Salvatore anziehen. Ein spannendes Hörspiel mit einem glänzenden Tobias Meister. 🙂
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Viele Helden begleiten den Comic-Fan seit Jahrzehnten. Das ist keine Neuigkeit. Auch Hörspiele über die ganz alten Recken sind keine Neuigkeit. 1994 setzte die BBC Batman: Knightfall als Hörstück um und schuf so eine tolle Umsetzung des Stoffes. Aber noch viel früher hatte das Radio einen viel größeren Einfluss, es war experimentierfreudig. So ist es kein Wunder, dass plötzlich ein Bruce Wayne zu den Hörern sprach oder Flash Gordon seine Abenteuer über den Äther erlebte. Unter radiolovers.com kann der Comic-Fan einige Schätzchen aus längst vergangenen Tagen finden und etwas Nostalgie schnuppern.
Link: SciFi/Superheroes auf radiolovers.com 🙂
Mittwoch, 25. März 2009
Gwenc’hlan folgt im strömenden Regen auf dem schrägen Dach dem Fremden. Der geheimnisvolle Unbekannte, den der Druide gestellt hat, kann sich nicht mehr einem Kampf entziehen. Ein Schwert blitzt auf. Doch der Druide lässt sich davon nicht beeindrucken und greift an. Gwenc’hlan will endlich Antworten. Zu viele Menschen sind bisher aus unersichtlichen Gründen gestorben. Ist es nur Hass auf die alte Religion, der sich dahinter verbirgt? Oder steckt noch mehr dahinter? Gwenc’hlan gibt sich die allergrößte Mühe, aber vorerst erhält er keine Antworten. Der Fremde kann fliehen.
An der Seite von Prinzessin Dahud kann Gwenc’hlan eine kleine Spur lüften. Tatsächlich scheint es um keltische Artefakte von großer Macht zu gehen: Der Kessel von Dagda und die Lanze des Lug. Ein Trunk aus dem Kessel zu sich genommen, verleiht Wissen und sättigt. Außerdem kann er auf dem Schlachtfeld getötete Krieger zum Leben erwecken. Die Lanze des Lug hingegen ist eine gefährliche Waffe. Kein Stoß oder Wurf mit ihr geht fehl. Mit jedem Stoß oder Wurf tötet sie gleich neun Männer. Die Waffe erstrahlt in gelblich grünem Licht. Ihr Zorn kann nur betäubt werden, wenn die Klinge in den Kessel des Dagda getaucht wird. Und sollten die Texte, die Dahud und Gwenc’hlan finden, die Wahrheit sprechen, ist die Lanze ganz in der Nähe versteckt.
Ein Geheimnis wird gelüftet. Langsam, mit großer Ruhe erzählt, kribbelt die Spannung während des Lesens geradezu. Die beiden Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel schildern diese Begebenheiten aus der keltischen Geschichte und Mythologie mit Hingabe und sie erklären damit gleichzeitig den Stolz eines Volkes, das seine Identität immer mehr durch den Einfluss der christlichen Religion untergehen sieht.
Nach den bisherigen beiden Bänden ist der Leser davon überzeugt, dass Magie, wie die Kelten sie kannten, hier auch tatsächlich stattfindet. Die weiteren Geschehnisse hier, Spurensuche, Schatzsuche, Intrigen, Kämpfe und Erzählungen, münden in eine apokalyptische Stimmung mit faszinierenden Bildern. Die Geschichte lebt durch die Qualität ihrer Charaktere. Gwenc’hlan, der zuerst an eine Figur wie William Baskerville angelehnt schien (aus Der Name der Rose), hat sich deutlich weiterentwickelt und besticht nun durch völlige Eigenständigkeit. Prinzessin Dahud ist eine Bilderbuchsagenfrau. Sie erinnert, auch durch die Verflechtung in die Handlung, an Brunhild, jene sagenhafte Kriegerin aus der Nibelungen-Sage, die nur den ehelichen wollte, der sie im Zweikampf besiegte.
Die Atmosphäre erinnert an die grandiose Neuerzählung der Artus-Sage von Marion Zimmer-Bradley, die unter dem Titel Die Nebel von Avalon bekannt ist. Wer auch nur hin und wieder einmal in die eine oder andere Sage, einem darauf beruhenden Roman geschnuppert hat, wird einiges wiederentdecken. Und sogleich auch in die Falle tappen. Denn es scheint, als würden die beiden Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel genau damit rechnen. Anschließend verlassen sie den bekannten Pfad und nehmen einen neuen, manchmal auch zwei parallel verlaufende. Unerwartete Wendungen sind in jedem Fall, ob Teile der Geschichte bekannt oder unbekannt erscheinen mögen, vorprogrammiert.
Die Geschichte selbst, so gut und so spannend sie im dritten Teil auch gerät, ist nur eine Seite der Medaille. Die enorme Dichte und die Ausstrahlung wäre nicht ohne die grafische Gestaltung des ausführenden Künstlers Jacques Lamontagne möglich. Ich würde gerne wissen, wie hoch sich der zeitliche Aufwand in Arbeitsstunden beziffert. Tatsache ist, dass bei genauer Betrachtung der einzelnen ein wahnsinnige Leistung ersichtlich wird. Lamontagne ist hier als Zeichner und Kolorist tätig. Es lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass die einzelnen Seiten mit ihrer aufwendigen Maltechnik durch die Bank Cover-Qualitäten aufweisen. Sie bieten einen faszinierenden Blick auf alte Landschaften, in die keinerlei Zivilisation eingedrungen ist. Sie zeigen sehr schöne Rekonstruktionen alter Baukunst, innen wie außen. Viele Szenen sind optisch so angelegt, dass sie ohne Probleme als Storyboard für einen Film herhalten könnten. (Was in diesem Fall auf einer großen Leinwand ein Erlebnis sein könnte.)
Eine tolle grafische Leistung, über die es sich vortrefflich in die mystische Vergangenheit eintauchen lässt. Eine Geschichte, atmosphärisch angesiedelt zwischen Der Name der Rose und Die Nebel von Avalon, fesselt im vorliegenden dritten Teil zunehmend (und hat den bisher gemeinsten Cliffhanger der Reihe). 🙂
Die Druiden 3, Die Lanze des Lug: Bei Amazon bestellen
KHODA: Jedes Bild eines Films ist ein Gemälde. Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. In jedem Fall ungeheuer zeitaufwendig in der Produktion. Regisseur und Designer Reza Dolatabadi hat sich davon nicht abschrecken lassen. 6000 (!) Gemälde für 5 Minuten Film. Zwei Jahre hat die Produktion dieses psychologischen Thrillers gedauert, der sich online unter rezaart.com anschauen lässt. Ein düsterer Elektrosound verstärkt die schnell einsetzende dunkle Atmosphäre.
Link zum Film: KHODA
Anschauen, es lohnt sich. 🙂
Dienstag, 24. März 2009
Tief im All setzt Nova seine Reise fort. Ständig auf der Suche nach Notrufen und Problemen, bei denen er helfen kann, erhält er eine furchtbare Nachricht: Galactus will an einer bewohnten Welt seinen Hunger stillen. Richard Rider alias Nova besitzt große Macht, doch gegen einen Galactus ist er hilflos. Selbst gegen dessen Herold, den Silver Surfer, kann er nicht bestehen. So bleibt für Nova nur noch eine einzige Möglichkeit übrig. Er muss bei der Evakuierung des Planeten helfen. Es bleiben nur wenig Zeit. In einigen Stunden wird der Planet zerstört und ausgebrannt sein. Doch sehr bald muss Nova feststellen, dass es mit einer Hilfsaktion nicht getan ist. Ein irrer Mörder nutzt die letzten Stunden des Planeten, um ungestraft töten zu können.
Die Wächter der Galaxie haben ganz andere Probleme. Eine Religionsgemeinschaft, die sich selbst Kirche der Wahrheit nennt, verbreitet ihre Lehre mit Feuer und Schwert. Leider beziehen die Kardinäle der Kirche der Wahrheit ihre Macht aus den zahllosen Gläubigen, so dass sie für das kleine Team nur mit Mühe zu schlagen sind. Viel früher als gedacht, müssen die Mitglieder der kleinen Gemeinschaft in einer Dyson Sphäre um das nackte Überleben kämpfen und dabei zu sämtlichen Tricks greifen, derer sie fähig sind.
Ms. Marvel hat die Probleme gleich vor der Haustür. Die Skrulls haben die Gesellschaft unterwandert. Mehr noch: Ein Skrull kopiert sie! Hat sie nicht schon genug damit zu tun, ihre Leute anzuleiten, ja, auch zu beschützen, muss sie außerdem beweisen, dass sie echt ist und nicht die andere.
Und Hercules? Auch die verschiedenen Götter haben bereits von der Invasion der Skrulls erfahren. Aber was sollen sie machen? Direkt eingreifen in den Kampf der Menschen gegen die außerirdischen Invasoren? Oder das Übel an der Wurzel packen? Irdische Götter aus unterschiedlichen mythologischen Hintergründen bilden eine schlagkräftige Gruppe und brechen auf in das Götterreich der Skrulls. Die Lösung ist einfach: Schlagt der Schlange den Kopf ab.
An allen Fronten finden innerhalb des Marvel-Universums Umwälzungen statt. Die Skrulls lassen ihre Masken fallen. Ein Satz wird geradezu zum Zündfunken: Er liebt dich … In den ersten Geschichten wird der Leser den Einfluss der Skrulls auf das Geschehen vermissen, denn weder Nova noch die Wächter der Galaxie sehen sich dieser Gefahr ausgesetzt. Im Gegenteil: Diese Gefahren scheinen noch größer zu sein. Andererseits sind diese Handlungen recht ausgeklügelt. Die Idee um einen Mörder, der sich im Chaos und am Chaos des Untergangs schadlos hält, ist sehr gut ausgedacht und umgesetzt. Dass sich dieser Mörder auch noch unter der Nase von Galactus versteckt hält, gibt der Geschichte die besondere Würze.
Wer als SciFi-Fan den Handlungsauftakt zu den Wächtern der Galaxie liest, wird sich sofort heimisch fühlen. Eine Spur Perry Rhodan und eine Prise Warhammer 40.000 mit Superhelden als Beilage bringt richtigen (ungewohnten) Schwung in das Marvel-Universum und man (also ich) fragt sich unwillkürlich: Warum hat Marvel diesen Schritt nicht schon früher in dieser Form gewagt? Denn ausgerechnet diese unerwartete Geschichte, die auch einen Hauch Fantasy mitbringt und aus dem so häufig starren Marvel-Korsett ausbricht, ist eine in jeder Hinsicht absolut positive Überraschung.
Überraschungen setzt es auch bei Ms. Marvel. Skrull-Mischungen kennt der Leser des Marvel-Universums schon aus alten Tagen. Ein Beispiel ist der Super-Skrull. Eine Mixtur aus Colossus und Nightcrawler ist da schon außergewöhnlicher, auch sehenswert. Überhaupt muss sich keine einzige Episode in diesem band hinter einer anderen verstecken. Sicherlich gibt es Zeichner oder Grafiken, die ein jeder Fan besonders bevorzugt, aber hier sind ausnahmslos Künstler versammelt (auch Inker und Koloristen), die ihr Handwerk über die Maßen verstehen.
Wellington Alves zeichnet das Nova-Abenteuer. Dank einer glasklaren und leuchtenden Farbgebung ist daraus ein richtiger Augenschmaus geworden. Galactus sah selten so gut aus. Tolle Weltraumszenen, wunderbare Aliens und eine Menge optischer Action runden das Abenteuer ab. Dan Abnett war außerdem als Co-Autor der Geschichte tätig. (SciFi-Fans wird Abnett von Warhammer her ein Begriff sein.)
Paul Pelletier verleiht den Wächtern der Galaxie ihre Gesichter und schickt sie auf eine grafische Reise, die so aussieht, als sei Pelletier bei Alan Davis in die Lehre gegangen. Pelletier zeichnete sich bereits quer durch das Marvel-Universum und konnte mit der Crossgen-Serie Negation eine tolle Arbeit im Genre Space Opera abliefern. Obwohl seine Arbeiten grundsätzlich einen guten Eindruck hinterlassen, scheint sich hier ein Gebiet herauszukristallisieren, das ihm besonders gut zu liegen scheint.
Abschließend sei noch Rafa Sandoval erwähnt, der Zeichner von Hercules. Sandoval arbeitet deutlich feiner als seine Kollegen, beinahe wie unter der Lupe gezeichnet, doch der Eindruck ist außerordentlich kraftvoll und realistisch. Ein mythologischer Augenschmaus, bei dem in Sachen Tusche und Farben nichts dem Zufall überlassen wird. Die in feinen Brauntönen gehaltenen Rückblicke und die imposante Gestalt von Hercules machen Lust auf ein komplettes Sagenabenteuer.
Hammerunterhaltung vom Feinsten. Hier dürfte für jeden etwas dabei sein. Mythologie- und SciFi-Fans werden diesmal besonders verwöhnt. Grafisch außergewöhnlich gut. Dichte Erzählungen garantieren einen längeren (und wiederholbaren) Lesespaß. 🙂
Freitag, 20. März 2009
Ein normaler Abend in Gotham City. Nightwing und Robin haben ihren ersten Verbecher dieser Nacht verprügelt. Bruce Wayne vergnügt sich bei einem Rendezvous. Allerdings währt der Spaß nicht lange. Jezebel, die Erwählte des Abends, möchte ihre Beziehung zu Bruce gerne auf eine andere Stufe stellen. Jezebel weiß nicht, was sie sich da wünscht. Schon andere Frauen vor ihr haben diese Erfahrung gemacht und keine hat besonders viel davon gehabt. Lange kann sich Bruce nicht mit dem Thema befassen.
Ein feines Restaurant war schon häufig Anziehungspunkt für dubiose Gestalten, die sich einen ungesetzlichen Heller nebenher verdienen wollten. Plötzlich steckt der unmaskierte Mitternachtsdetektiv mitten in einem Überfall. Ein Pech für die Gangster: Denn Bruce scheint seine Geduld verloren zu haben. Dabei fing alles vergleichsweise harmlos an. Ein Mann, der sich selber den Namen Green Vulture gab (diesen jedoch nicht sonderlich mag), wollte nur geschlagen werden.
Da ist er also, der Anfang vom Ende. Batman sollte bereits mehrmals zu Grabe getragen werden, aber er lebt immer noch. Batman R.I.P. wurde jenseits des großen Teiches mit einem Trommelwirbel angekündigt. Autor Grant Morrison springt in die Geschichte, mitten hinein, wie man so schön sagt. So steht am Beginn direkt die … Es wäre zuviel gesagt, dies jetzt zu verraten, eine Überraschung ist es allemal. Auch die Inszenierung ist gelungen. Jezebel, der Freundin von Bruce Wayne, kommt hier eine wichtige Rolle zu. Interessant ist, dass sie zwar erschrickt, aber doch sehr gefasst bleibt.
Am wirklichen Beginn steht Black Glove, nach der Schwarzen Hand, einem gerne genommenen Namen für eine Verbrecherorganisation nun also der Schwarze Handschuh. An der Spitze einer illustren Truppe steht Doktor Hurt, als Figur noch der normalste dieser Gesellschaft. Morrison installiert diese merkwürdige Gruppe beinahe hinter vorgehaltener Hand (man verzeihe mir dieses Wortspiel), wie etwas, das bald zuschlagen wird. Nur vermag der Leser zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht zu sagen, wann, wie oder warum.
Das Verhältnis innerhalb der Gruppe um Batsie ist gespannt. Batmans leiblicher Sohn wird älter und er beginnt ähnliche Qualitäten zu entwickeln wie seine Mutter: Talia, Tochter von Ra’s al Ghul. Der aktuelle Robin, ein Adoptivsohn von Bruce Wayne, ist nicht begeistert über diese Verwandtschaft. Nacht für Nacht bekämpft er solche Menschen. Jetzt muss er feststellen, dass man sich seine Verwandtschaft tatsächlich nicht aussuchen kann. Als Leser möchte man behaupten, dass Morrison diese Situation geradezu süffisant schildert.
Ryan Benjamin gehört als Zeichner zur Jim-Lee-Fraktion. Er arbeitet mit einem leichten Strich und überhöhtem Realismus. In einigen Szenen ist deutlich erkennbar, wie sehr er sich in gruselige Szenen hineinzuarbeiten versteht. Wenn Bruce Wayne die Kontrolle verliert oder der Joker sich in seinem Gefängnis in furchtbaren Tagträumen ergeht, ist die Wirkung fesselnd. Wie nah sich Benjamin und Lee stilistisch stehen, wird durch eine Szene mit dem Batmobil klar. Das neue Fahrzeug, genauer sein erster Auftritt hier, kann als Hommage an All Star Batman verstanden werden, einer Geschichte, illustriert von Jim Lee, in der mit ähnlichen Szenen des Batmobils nicht gegeizt wird.
Bruce Wayne am Rande des Nervenzusammenbruchs: Nicht zum ersten Mal, wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal. Ein gutes Team startet eine neue Handlungslinie zur Vernichtung des dunklen Ritters. Gut (und unvorhersehbar) erzählt, sehr gut gezeichnet, solide Batsie-Kost! 🙂