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Comic Blog


Dienstag, 16. März 2010

Die Gifticks – Gesamtausgabe 3

Filed under: Cartoon — Michael um 18:51

Die Gifticks - Gesamtausgabe 3Der Roboter, einarmig oder nicht, verrichtet seinen Dienst. Endlich einmal so groß sein wie andere! Die Gifticks, die an den Steuerelementen des Roboters sitzen, lassen sich von ihm nicht nur durch die Landschaft tragen. Tatsächlich lässt sich solch eine mechanische Imitation eines Menschen auch gut dazu nutzen, ein wenig Schabernack zu treiben. Allerdings lässt sich die Gendarmerie nicht so leicht ins Bockshorn jagen wie harmlose Autofahrer. Bald befinden sich die Gifticks auf der Flucht. In einem alten Schloss finden sie Unterschlupf. Zwischen den noch älteren Rüstungen könnten sie nicht weiter auffallen, wäre da nicht der Graf, der Besitzer des Schlosses, der sich auch gegen eine unbekannte Bedrohung zu verteidigen weiß. Wenn nötig mit einem sehr großen Kaliber von ziemlicher Durchschlagskraft.

2005 wurde das letzte Interview mit Paul Deliege geführt, dem Autor und Zeichner der Gifticks. Einige Aussagen von Deliege sind interessant, andere sogar erstaunlich. Seine Erfahrungen sind vom Alltag eines Comicmachers geprägt, der über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung auf dem Markt verfolgt hat. Innerhalb weniger Aussagen räumt Deliege mit jeglicher romantischer Vorstellung dieses Berufes auf. Comic-Magazine und Comic-Verlage wollen Geld verdienen. Entsprechend hat ein Autor und Zeichner seine Arbeit zu machen. Paul Deliege hat lange durchgehalten, hat sich aber auch in diesem harten Geschäft, das so sehr vom Geschmack der Leser abhängt, seine Bewunderung für die Großen im Comic-Bereich bewahrt.

Der Mann, der den kleinen Ausbrecher Bobo betreute, kann nach eigener Aussage mit den Gifticks nicht sehr viel anfangen. Seine Argumente sind teilweise nicht von der Hand zu weisen, aber das die Gifticks selbst nicht witzig sind, stimmt ganz bestimmt nicht. Gerade mit der vorliegenden dritten und letzten Gesamtausgabe wird gezeigt, welches komödiantisches Talent die drei Giftzwerge haben.

Die Gifticks haben Augen, eine Nase, aber keinen Mund. Nicht einmal ihr Gesicht ist zu sehen. Aber sie sprechen. Gott sei Dank, tun sie das. Mehr noch, die agieren auch wie Komödianten. Gifticks sind komisch, weil sie es eigentlich nicht sein wollen. Im vorliegenden Fall treffen sie auf einen Grafen, der in den kleinen Wichten, die immer noch die Herren der Welt werden wollen, eine willkommene Gelegenheit sieht, um an sein Erbe zu gelangen. Nahtlos schließt Paul Deliege mit Das alte Schloss an die vorhergehende Geschichte an. Die Gifticks, die sich an ihren komfortablen (wenn auch einarmigen) Roboter zur Fortbewegung gewöhnt haben, geraten an einen mehrere Schießwütige. Aber nur einer hat letztlich Erfolg: der Graf von Weizenbier.

Damit beginnt (ob Paul Deliege will oder nicht) eine aberwitzige Komödie, die auch mit der zweiten Geschichte Die Erbschaft fortgeführt wird. Der Graf, von Deliege als menschlicher Geier entworfen (aus dem ein gemeines Küken wird), wird zu einer gelungenen Slapstick-Figur, immer am Rande des Nervenzusammenbruchs. Mit schmalem Körper, großem Kopf kreiert Deliege seine Figur fast schon wie eine Karikatur und mit deutlich mehr Individualität als andere Charaktere (Polizisten, Diener), denen nur kurze Auftritte beschert sind. Der andere Erbe wirkt etwas liebloser gezeichnet, ebenso die Katze. Beide könnten aus sehr modernen Funnys stammen, Witzseiten von Magazinen oder Tageszeitungen.

Die Gifticks hingegen, ob nun von ihrem Schöpfer ein wenig geschmäht oder nicht, sind treffliche Entwürfe, die einfach in diesen Geschichten funktionieren. Vier Seiten einer unvollendeten Geschichte, die zusammen mit dem Interview und vielen Skizzen im Anhang zu finden sind, zeigen auch, wie gut die Gifticks in Schwarzweiß funktionieren. Die Linienführung und die Schattierungen geben ein Beispiel, dass Paul Deliege weitaus mehr auf dem Kasten hatte, als er angesichts des Interviews von sich glauben mag.

Ein Spaß: Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein guter Spaß ist nicht leicht zu schreiben und zu zeichnen. Paul Deliege gelingt dieses Kunststück auf der ganzen Linie. Wunderbar. 🙂

Die Gifticks Gesamtausgabe 3: Bei Amazon bestellen

Oh, ich sehe gerade: 1100 Einträge von mir! Mann, Mann, Mann, wie die Zeit vergeht.

Montag, 15. März 2010

Im Land der Rebellen

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:22

Im Land der RebellenErdbeben: Eine Meldung unter vielen in der allabendlichen Nachrichtensendung. Für den Humanitären Dienst der Europäischen Kommission, ECHO, ist eine solche Meldung der Startschuss zu Hilfsmaßnahmen. Für Zana, die im Auftrag von ECHO in das Beispielland Borduvia reist, wird das Unerwartete zum Erwarteten. Zana sucht nach Schwachstellen in der Versorgung und Betreuung der Erdbebenopfer und versucht dort für Vermittlung von Hilfen zu sorgen, wo sie entsprechende Lücken findet.

Wie funktioniert Katastrophenhilfe? Wie kann die Europäische Union helfend eingreifen oder unterstützen? Die Antworten auf diese Fragen sind alles andere als einfach. Selbst im Zeitalter bester Transportmittel und schneller Kommunikationswege ist eine Koordination vor Ort notwendig. Jemand muss sich ein Bild von der Situation machen. Anders geht es nicht. Leider ist es allzu oft so, dass Katastrophen, insbesondere Erdbeben, in Gebieten stattfinden, die schwer zugänglich sind oder durch besagte Katastrophen schwer zugänglich werden. Neben einer vernünftigen Koordination sind auch noch logistische Probleme zu lösen, bevor eine Hilfe überhaupt greifen kann.

An der Seite von Zana, einer jungen Frau im Auftrag des Humanitären Dienstes der Europäischen Kommission, ECHO, erfährt der Leser die Handlungsabläufe in Katastrophengebieten. Er erfährt, dass guter Wille allein nicht ausreicht. Eine Unmenge von Faktoren muss bedacht werden und sei es nur die Bürokratie im jeweiligen Land, in dem es zur Naturkatastrophe gekommen ist.

ECHO hat es, wie auch alle anderen Hilfsorganisationen auch, nicht leicht bei der Erfüllung der eigens aufgestellten Pflichten. Es genügt nicht EU zu sagen und zu hoffen, dass sich sogleich alle Türen öffnen. Wie sich am vorliegenden Beispiel zeigt, kann eine Mission sogar scheitern, wenn es im Katastrophengebiet einen Bürgerkrieg oder einen Aufstand von Rebellen gibt. Politische Interessen werden über das menschliche Wohl gestellt.

Eric Bongers lässt, so viel darf verraten werden, im Sinne der Humanität ein gutes Ende zu. Derart viel Menschenliebe dürfte in der Realität nicht immer zu finden sein. Die Schwierigkeiten, wie beschrieben, einer solchen Aktion schildert er dokumentarisch, nicht reißerisch, man könnte es auch zurückhaltend nennen. Kinder und Jugendliche sollen auf diesem Wege mit der Arbeit von ECHO vertraut gemacht werden. Menschliches Leid wird gezeigt, auch wie sehr diese Arbeit den jeweiligen Helfern an die Nieren gehen kann.

Eine dokumentarische Schilderung mit entsprechenden Bildern gestützt. Bongers interpretiert nicht. Im vorliegenden erfundenen Land Borduvia, dem Handlungsort, gibt es Ähnlichkeiten zum Nahen Osten oder Kaukasus. Er zeichnet sehr klar, mit den nötigsten Linien und bleibt stets dem Realismus verbunden. In dieser klaren Linie entsteht eine manchmal etwas puppenhafte Welt, die gleichsam eine unsichtbare Wand vor dem realen Schrecken aufbaut, den eine solche Naturkatastrophe mit sich bringen kann. Die fehlende Interpretation in den Bildern wird dem Leser überlassen, der gar nicht anders kann, als angesichts der gezeigten Zerstörungen sein eigenes Wissen (vornehmlich aus ähnlich gelagerten Nachrichten und Reportagen) auf die Szenerie zu übertragen.

Mit schlichter Farbgebung, sehr gedeckt und wenig schattiert, erwacht diese Reportage zum Leben. Denn lebendig wirken die Akteure nach wenigen Seiten. Ein trauriger Blick, ein verschmitztes Lächeln, ein kurzer Schock, mehr braucht es nicht. Das mag manchmal zu ernsthaft, zu starr wirken, andererseits handelt es sich hier nicht um ein Drama im herkömmlichen Sinn.

Wissensvermittlung über Comics ist ein Weg, Jugendliche und Kinder mit eher sperrigen, vielleicht auch unbequemen Themen zu erreichen. In Nordrhein-Westfalen erscheint die ANDI-Reihe zur politischen Bildung. Die Anne-Frank-Stiftung brachte die Comics Die Entdeckung und Die Suche zur Thematik des Holocaust heraus. Im Land der Rebellen ist eine konsequente Fortführung dieses Ansatzes.

Bestellen im EU Bookshop (oder als PDF herunterladen)

Links: www.erikbongers.net

Freitag, 12. März 2010

Die Schiffbrüchigen von Ythag 7

Filed under: SciFi — Michael um 11:09

Die Schiffbrüchigen von Ythag 7 - Das Zeichen der YthenDie Schiffbrüchigen teilen sich in zwei Gruppen. Die eine Gruppe ist deutlich größer und friedliebend. Die anderen, wenige Männer nur, sind Piraten. Obwohl sie leicht überwältigt werden könnten, haben sie ein Faustpfand, das es den anderen unmöglich macht, anzugreifen: Kinder als Geiseln. Die Piraten sind nicht dumm, wenigstens ihr Kapitän nicht. Er weiß ganz genau, dass dieses Druckmittel nur vorübergehend funktioniert und auch nur so lange, wie die erpressten Männer und Frauen mitspielen. Doch hält er seine eigenen Besatzungsmitglieder nicht im Zaum, kann der lahmende Wille zum Aufruhr bei der anderen Gruppe ganz schnell in Gegenwehr kippen.

Das Spiel ist aus! Der Preis war hoch, der Einsatz ebenfalls, aber viele waren bereit ihn zu zahlen. Doch nun haben sich die Regeln geändert. Und niemand hielt es für notwendig, es den Spielern mitzuteilen. Granit und ihre Freunde haben zu diesem Zeitpunkt, der 7. Folge Der Schiffbrüchigen von Ythag eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich und Christophe Arleston, der Autor, scheint nicht gewillt zu sein, das Tempo herauszunehmen. Im Gegenteil fügen sich einige Puzzleteile zusammen, die das Tempo noch anziehen.

Aus Freunden werden Feinde. Oder, waren sie das nicht sowieso die ganze Zeit? Wer hat sich verstellt? Und wer war echt? Innerhalb der bestehenden Gruppe sät Arleston Zweifel, schürt Misstrauen. Einige Charaktere wechseln ihre Stellung, während andere sehr beständig (quengelig) bleiben. Die ehemalige Passagierin Callista, die in eine Art Ersatzmutterrolle geschlüpft ist (obwohl sie diese liebend gerne wieder abgeben würde). Dafür, Stichwort Ersatzmutter, hat Arleston durch diesen kleinen Trick wieder den Knuffelfaktor erhöht. Es gibt Kritiker, die Handwerk bei Erzählern kritisieren. Ich hingegen meine, dass Arleston seine Instrumente perfekt beherrscht und so absolut souverän auf der Klaviatur der Erzählung zu spielen weiß.

Das Geheimnis ist … Der Hintergrund der Handlung, der Grund, warum überhaupt so viele verschiedene Spezies und Wesen auf Ythag sind, ist nun kein Geheimnis mehr. Der Grund ist beschämend für manche Akteure, andererseits hilft ihnen dieses Wissen bislang nicht, um einer Flucht von Ythag näher zu kommen, im Gegenteil. Wo die einen Schwierigkeiten überwunden werden, türmen sich andernorts neue auf. Aus dem ehemaligen Bordtechniker Narvath wird eine tödliche Bedrohung. Als wäre das noch nicht genug, bezeugen die Ythen höchstpersönlich ihren Unmut und Piraten machen der kleinen Gemeinschaft das Leben schwer.

Christophe Arleston gönnt seinen Figuren einfach keine Pause. So bleibt für Adrien Floch weiterhin eine Menge zu tun. Die Schiffbrüchigen von Ythag lebt nicht nur von der spannenden Handlung, sondern auch sehr stark von der Atmosphäre. Mit seinen Bildern hat Floch diese maßgeblich beeinflusst und Ythag seinen Stempel aufgedrückt. Gleich der Auftakt ist stimmig. Knapp über der Wasseroberfläche eines Ozeans darf der Leser Treibgut beobachten. Es bewegt sich mit der Strömung auf eine Insel zu. Das verspricht allerdings keine Hoffnung, denn über dem Eiland raucht der Schlot eines Vulkans.

Die Gefahr, die hier versprochen wird, bewahrheitet sich gleich auf der nächsten Seite in einem tödlichen Zweikampf. Die Brutalität der Szene macht deutlich: Obwohl Adrien Floch auch Fähigkeiten benötigt, den von Arleston beigefügten Knuffelfaktor umzusetzen, werden hier keine Gefangenen gemacht. Obwohl manches karikiert wirkt, auch ein wenig cartoony, zeichnet Adrien Floch nicht nur überaus genau, fein und exakt (und auch besser als noch zu Beginn der Reihe). Neben einer tollen Kulisse wie einem Piratenschiff, Ruinen, einem Dschungel und gigantischen Kreaturen versteht sich Floch auf den rechten Blickwinkel, die nötige Dynamik in Action-Szenen und schöne Ansichten, in denen die Gefühle der einzelnen Figuren deutlich an ihren Gesichtern abzulesen ist.

Claude Guth und Sebastien Lamirand, verantwortlich für Farben und Spezialeffekte, kennen die Arbeit an Geschichten von Arleston bereits aus der Welt von Lanfeust. Die Qualität zeigt sich besonders in spektakulären Szenen wie Stürmen oder auch im bombastischen Finale des vorliegenden Bandes.

Das Wissen der vorherigen Bände vorausgesetzt, ist die 7. Folge dieser Reihe beste ScFi-Fantasy, in der Arleston scheinbar mühelos stets den richtigen Ton einer Szene trifft. Mit Adrien Floch an seiner Seite ist eine stimmige und aufregende (wie auch grafisch sehr schöne) Weltensicht entstanden. 🙂

Die Schiffbrüchigen von Ythag 7, Das Zeichen der Ythen: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 09. März 2010

TRON Legacy

Filed under: Comics im Film — Michael um 17:15

TRON Legacy1982 begaben sich ein junger Jeff Bridges und ein Bruce Boxleitner auf der Leinwand in ein kurioses Abenteuer: Das Master Control Program, kurz MCP, versuchte sich an einer Machtübernahme, unterjochte Programme und wollte auch vor einem User, den es in diese Welt verschlagen hatte, nicht Halt machen. Jetzt, nach so vielen Jahren, sind der brandneue Oscar-Gewinner Jeff Bridges und Bruce Boxleitner wieder da. Sicherlich ist TRON, wie der ungewöhnliche Film damals hieß, keine Comic-Verfilmung, aber in seiner gesamten Machart hätte er durchaus eine sein können.

Nach einem einem ersten Trailer der Fortsetzung TRON Legacy zeigten sich die Veränderungen, die technischen Verbesserungen zur damaligen Version, aber auch die Anteile, die übernommen wurden. Das, was damals funktionierte, funktioniert auch heute noch. Und es wird sicherlich zu unterschiedlichen Ansichten kommen, welches Element besser aussieht, jenes von gestern oder heute. Gleichermaßen beeindruckend war und ist beides, zumal die Fortsetzung auch in 3D zu sehen sein wird. Seit Avatar ist diese Technik auf dem Vormarsch und erfreut sich anscheinend zunehmender Beliebtheit.

Den ersten und den zweiten nagelneuen Trailer gibt es auf Youtube zu sehen:

Trailer 1
Trailer 2 (auf deutsch) 🙂

Lanfeust der Sterne 8 – Das Blut der Kometen

Filed under: SciFi — Michael um 9:28

Lanfeust der Sterne 8 - Das Blut der KometenDie Freunde müssen auf das Schiff. Sie wollen nicht einmal als blinde Passagiere an Bord, sondern wollen sich sogar die Überfahrt durch Arbeit verdienen. Leider sind alle Stellen vergeben. Was nun? Vielleicht fällt noch das eine oder andere Besatzungsmitglied aus und es wird Ersatz gesucht werden. Und falls nicht, kann man nachhelfen. Ein paar Besatzungsmitglieder in blendendweißer Uniform verschwinden so einer nach dem anderen. Und siehe da: Plötzlich werden einige Posten frei. Es zeigt sich jedoch schnell, dass Lanfeust, Cixi, Hebus und die anderen nicht gerade für das Bedienen von feinen Herrschaften geboren sind (na, alle diese Herrschaften sind auch nicht gerade fein). Spätestens als das Magengrimmen von Hebus sich als …

Aber das muss man einfach selbst gesehen haben.

Das Ende von 16 Bänden, des zweiten Zyklus, aber hoffentlich nicht das Ende dieses Universums. Der Autor Christophe Arleston schöpft grundsätzlich aus dem Vollem. Kleine Welten gibt es nicht. Bei Arleston geht es bis zur Unendlichkeit und noch weiter. Mit Lanfeust hat Arleston ein ewiges Kind erschaffen. Für Abenteuer immer schnell bei der Hand taugt Lanfeust allerdings nichts für eine Beziehung, noch weniger für eine Familie. So bleibt es nicht aus, dass ausgerechnet ein Troll namens Hebus sein bester Freund ist. Auch Hebus ist eher ein Haudrauf und Tausendsassa. Aber vielleicht sind es gerade diese Qualitäten, die einen Abenteurer ausmachen und die es ermöglichen, in der Welt auf Troy (und noch viel weiter weg davon) überleben zu können.

Der Handelsprinz von Merrion glaubt seinen Handlanger Thanos fest im Griff zu haben. Aus solchen Dienstverhältnissen sind selten fruchtbare Beziehungen entstanden. Es ist bei Erzählern, insbesondere in den fantastischen Genres sehr beliebt, ein solches Verhältnis kippen zu lassen. Die Gründe hierfür finden sich im Ideenreichtum des jeweiligen Autors. Hier wird der Boss nicht mehr gebraucht, da der Auftragsmörder längst alles besser kann: Thanos.

Woher auch jemand wie Arleston seine Inspirationen holt, zeigt sich an kleinen Beispielen, als Thanos ein neues Äußeres benötigt: Darth Vader gab es schon. Und ein Alien ist auch zu simpel. Andererseits zeigt es auch seinen Humor, der an allen Ecken und Enden der vorliegenden Handlung aufblitzt und lange nicht nur in Anspielungen zu finden ist. Swip, ein kleines Wesen von enormer geistiger Kraft, wird zum Züngling an der Waage zur Auflösung des Abenteuers. Übertreibungen finden sich bei Arleston häufig, doch mit dem anfangs gigantischen Endgegner hat selbst er für seine Verhältnisse einen kleinen Vogel abgeschossen. (Und dann noch das Huhn!) Wer angesichts dieser Auflösung enttäuscht sein mag, ist selber schuld. Bei Christophe Arleston ist jedes Detail wohl kalkuliert.

Einzelheiten, den kleinen Hingucker für zwischendurch, gibt es an allen Ecken. Deshalb hat Didier Tarquin ziemlich viel zu tun. Sein Zeichenstil ist von lockerem Strich. Da entgleitet auch schon eine Linie. Außerdem werden Figuren gegeneinander abgrenzt, indem Tarquin hier und dort stärker stilisiert, vereinfacht. Auch dafür gibt es stets einen Grund, wie sich anhand der Maske des Fernsehmoderators wunderbar sehen lässt. Hier wird nicht geliftet, hier zeigt ein Helm das gewünschte Bild. Trotzdem ist auch diese Prozedur nicht besonders angenehm.

Der Humor der Erzählung kommt Tarquin sehr entgegen, denn er ist ein Zeichner, der einen Grundhumorlevel allein durch seine Zeichnungen erschafft. Die von Arleston beschriebenen Anspielungen setzt er mit einem Augenzwinkern um (da ist doch tatsächlich noch jemand in Carbonit eingefroren). Tarquin zeichnet fein, aber auch mit harten, kantigen Linien, wie gemeißelt. Die Farbgebung von Claude Guth unterstützt diesen Effekt. Neben fein strukturierten Figuren warten auf den Leser noch feinere Hintergründe, fast schon Dioramen, die zur Festigung der tollen Atmosphäre der gesamten Handlung beitragen.

Eine lange Reise ist zu Ende. Christophe Arleston untermauert einmal mehr seinen Status als Erzähler und Weltenerschaffer. Aus Spannung und Humor kreiert er hier einmal mehr eine ganz besondere Mischung. (Monty Python trifft Star Wars.) Freunde von Fantasy und SciFi könnten hier die richtige Lektüre finden. Dank der Bilder von Didier Tarquin kommt gleich beste Stimmung auf. 🙂

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Samstag, 06. März 2010

Lieblingssünden 1 – Woran denkst du?

Filed under: Cartoon — Michael um 17:55

Lieblingssünden 1 - Woran denkst du?Da guckt doch einer! Irgend so ein kleiner Perversling schaut den jungen Frauen doch glatt dabei zu, wie sie in ihrem Aerobic-Kurs ihre Kurven straffen. Das jedenfalls glaubt die Aerobic-Trainerin, die Arthur, den vermeintlichen Lustmolch, zur Rede stellt. Aber: Wollen die jungen Frauen nicht in Wahrheit, dass sich die Männer nach ihnen umsehen? Wollen sie nicht ausgerechnet für solche Männeraugen sexy sein? Quälen sie sich nicht genau für solch kleinen Momente ab, die das Ego straffen?

Die jungen Damen sind nicht die einzigen im Leibesreigen, die sich hier die eine oder andere Frage stellen. Nichts ist sicher. Es gibt einfach kein Geheimrezept. Deshalb kommt es immer wieder zu Verirrungen und Verwirrungen, ganz im Sinne des Lesers, denn Arthur de Pins greift mit seinen Sketchen ins moderne pralle Leben.

Arthur ist ein Paradebeispiel eines jungen Mannes, in der Blüte seines Lebens stehend und verwirrt über all das, was frau von ihm will, und all das, was er von den Frauen will. Autor und Zeichner Arthur de Pins hat sich einem Thema angenommen, stets gleichbleibend aktuell: Männer und Frauen. Ähnlich liebenswert, auch frivol wie es beliebte Filmkomödien wie Keinohrhasen und Zweiohrküken darstellen, nähert sich De Pins dem schwierigen Balanceakt (mit der Betonung auf Akt) an, dem mann sich meistens ausgesetzt sieht, will er beim weiblichen Geschlecht landen. Man könnte unter dem Strich auch sagen: Sex and the city aus männlicher Sicht. Andererseits gibt De Pins glasklar zu verstehen: Frau hat es auch nicht leicht.

Alles beginnt damit, dass Arthur eine Freundin namens Cecille hat. Die Beziehung ist nagelneu, Arthur freut sich und, wie kann es anders sein, natürlich haben all seine Freunde Ratschläge parat, wie ein Mann in eine neue Beziehung gehen sollte. Am Ende ist Arthur nur noch ein zitterndes Häufchen Elend. Aus Angst, das Falsche zu tun, unternimmt er gar nichts und verharrt wie das sprichwörtlich hypnotisierte Kaninchen in zusammengeballter Starre. Logisch, dass seine neue Freundin Cecille gerade dieses Verhalten sehr befremdlich findet.

Arthur de Pins entwirft ein Beziehungsgeflecht von Mann und Frau in vielen Einseitern, schafft es aber auch, den Kern eines Themas innerhalb eines Bildes zu treffen. Das geht öfter mal humorvoll unter die Gürtellinie (das bleibt nicht aus, wenn es auch um Sex geht), besitzt aber jedesmal einen gewissen Charme, der an französische Komödien erinnert. Ein bestimmter kleiner Scherz (ein Selbstmörder, der keiner ist) erinnert so auch an einen Klassiker wie Ein Elefant irrt sich gewaltig.

Wie auch immer jemand (hier der Leser) den Humor finden mag, ob er (für sie auch geeignet) sich damit anfreunden kann oder nicht, Arthur de Pins hat seine Figuren so gestaltet, dass niemand ihnen böse sein kann. Ihre Köpfe sind schon rund, besitzen große Augen, einen kleinen bis großen Mund (je nach Gefühlslage) und keine Nase. Proportional zum restlichen Körper ist der Kopf wenigstens halb, manchmal sogar ebenso groß. Das ergibt einen richtigen Knuddel-Look.

Gleich auf der ersten Seite, unter dem Titel, wird deutlich, wie Arthur de Pins seine Figuren gestaltet. Herkömmlich vorgezeichnet per Bleistift, setzt De Pins die stets sehr runden Formen mittels Vektorgrafiken um. So entsteht für Stück aus scherenschnittartigen Gebilden eine kleine Figur, deren einzelne Bestandteile auch für spätere Produktionen passgenau bearbeitet werden können. Mit Außenlinien hält sich De Pins hier nicht auf. Die brauchen seine Figuren dank der knackigen Formen auch nicht. Knackig (im Sinne von knackig wie ein praller Apfel) ist hier wörtlich zu nehmen, da De Pins tatsächlich eines seiner weiblichen Figürchen präsentiert, dem ein Stück aus dem Po gebissen wurde.

In sehr feinen, aber wenigen Farbabstufungen werden die puppenähnlichen Figuren schattiert und in ihre Umgebung integriert. Ein mitunter quietschebuntes, aber stets sehr gut aufeinander abgestimmtes Vergnügen.

Eine sehr schöne Episodensammlung aus dem Erleben paarungsbereiter Großstädter. Überall gibt es etwas zu entdecken und auch falsch zu machen. Aus Fettnäpfchen und Lernprozessen entsteht hier ein liebevoller Humor. Als Ergebnis ist für den Leser vom Schmunzler bis zum Brüller alles dabei. 🙂

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Donnerstag, 04. März 2010

Neandertal 2 – Der Lebenstrank

Filed under: Abenteuer — Michael um 12:45

Neandertal 2 - Der LebenstrankWo ist Laghou? Daheim bei seinem Clan machen sich einige der Zurückgebliebenen Gedanken über seinen Verbleib. Nicht alle, denn manche sind auch froh, ihn los zu sein. Laghou unterdessen ist in Begleitung der jungen Mana auf dem Weg zum Clan der Moosmenschen, die über einen Lebenstrank verfügen sollen. Dieser Heiltrank wird immer wichtiger, da eine unheimliche Krankheit um sich greift. Einzig die heilenden Fertigkeiten der Moosmenschen könnten dieses Unheil aufhalten, dem immer mehr von ihnen zum Opfer fallen. Der Tod wartet stets am Ende des Krankheitsverlaufs.

Als Laghou und Mana ihr Ziel erreichen, werden ihre Hoffnungen erst einmal zerstört. Die alte U-Toh, die Heilkundige des Clans der Moosmenschen, wurde zusammen mit zwei anderen jungen Frauen von den Blutmenschen entführt. Man wehrte sich, doch gegen die Wildheit und Übermacht des Angriffs blieb keine Möglichkeit der Gegenwehr. Aber das Wissen der alten U-Toh wird gebraucht, mehr noch, es darf nicht verloren gehen. So bleibt nur ein Ausweg: Sie muss befreit werden.

Laghou ist eine überaus sympathische Hauptfigur, ein regelrechter Archetyp, im wahrsten Sinne des Wortes. Hinkend, aber überaus geschickt, ist aus Laghou ein sehr guter Waffenmacher geworden. Allein machte er sich im ersten Band auf den Weg, um den Jagdkristall zu finden, der helfen soll Langbart zu töten, einen gewaltigen Bison, der auf den weiten Ebenen zur Legende geworden ist.

Emmanuel Roudier entführt den Leser im zweiten Band der Neandertal-Reihe mit dem Titel Der Lebenstrank auf eine abenteuerliche Reise. Zusammen mit Laghou, dessen Art einem schnell ans Herz wächst, betrachtet man als Leser diese fremde Welt, in der jener Vorzeitmensch, dessen Epoche sich mit der des modernen Menschen überschnitt, täglich um sein Überleben kämpfen muss. Oder wenigstens einiges leisten muss, damit des abends in der Höhle oder der Hütte ein Feuer wärmt.

An der Seite Laghous erlebt der Leser verschiedene Clans, die meisten einander wohl gesonnen, einer jedoch aus Kannibalen bestehend. Aus einer Reise auf der Suche nach dem Jagdkristall wird die Suche nach einem Tauschobjekt für diesen wertvollen Stein. Und daraus entspinnt sich kurze Zeit später eine Rettungsmission. Emmanuel Roudier erzählt mit absoluter Leichtigkeit, ohne Scheu, wie es scheint. Es ist eine einfache Geschichte, die ohne Schwierigkeiten ihre Wendungen nimmt und Haken schlägt. Obwohl das Album nicht mehr Seiten hat als gewöhnlich, wird man den Eindruck nicht los, dass alles irgendwie länger dauert und sich mehr Zeit nimmt.

Das mag an der Atmosphäre und der geschilderten Epoche liegen. Hier geht nichts schnell: Eine Reise dauert Tage. Es wird zu Fuß gereist. Die Menschen nehmen sich Zeit, um miteinander zu reden. Als Leser verfolgt man die Dialoge gerne. Es gibt nichts, das vom Kern ablenkt. Aus dem Einzelreisenden Laghou wird ein Quartett. Die Suche nach den Blutmenschen ist das einzig Reißerische, die Befreiung der Gefangenen ist das Action-Element.

Durch seine Landschaftsbilder lässt Emmanuel Roudier eine grandiose Kulisse entstehen. In sehr realistisch angelegten Farbbereichen gestaltet Roudier eine Welt, wie es sie gegeben haben könnte. Auf den ersten Blick ist sie nicht so verschieden von der unseren. Auf den zweiten Blick entfaltet sich ihre Wildheit. Roudier zeigt eine Natur, die in Ruhe gelassen wurde. Wilde Tiere streifen umher und der Mensch begegnet ihnen mit Respekt. Löwen, Bären, Wölfe, Bisons, Rentiere. Auch wenn es schlicht ausgedrückt ist: Emmanuel Roudiers Bilder sind einfach schön.

Roudier versteht sich nicht nur auf die Darstellung von Licht und Schatten, er versteht es auch Tusche und Farbe sehr gut ins Gleichgewicht zu bringen. Er inszeniert längere Dialogstrecken, aber ebenso versteht er sich auf Bilder ohne Worte. Eine Hochzeit, eine Verabschiedung oder eine Jagd sind nur einige Beispiele für seine hervorragende Bildsprache, die keinen Text benötigt.

Eine tolle Fortsetzung, die zwar für sich stehen kann, aber im Rahmen der Reihe gelesen, viel mehr Spaß macht. Mit Laghou ist Emmanuel Roudier ein sehr gut aufgebauter und sympathischer Charakter gelungen. Roudiers Bilder sind richtig schön und technisch vorbildhaft. 🙂

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Dienstag, 02. März 2010

Die Blueberry Chroniken 15 – Das Lincoln-Komplott

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:18

Die Blueberry Chroniken 15 - Die Jugend von Blueberry - Das Lincoln-KomplottEs herrscht Bürgerkrieg. Ein junger Mann geht immer wieder seinen eigenen Weg und eckt dabei an. Es ist nur seinem riesengroßen Glück zu verdanken, dass er noch nicht getötet wurde. Sogar von den eigenen Leuten. Als er sich wieder einmal eigenmächtig von der Truppe entfernt, zwar in Richtung des Feindes und geradewegs in einen Angriff hinein, möchte ihm sein kommandierender Captain am liebsten eine Kugel in den Rücken jagen. Selbst als der Angriff siegreich überstanden ist, droht immer noch das Kriegsgericht. Aber auch jetzt ist ihm das Glück hold. Doch Blueberrys Glück hat einen Haken. Sein Geschick, eine schwierige Mission zu meistern, scheint auch bis zu seinen Vorgesetzten vorgedrungen zu sein. Und so wartet bereits das nächste Himmelfahrtskommando.

Frieden: Es gibt doch tatsächlich noch Menschen, die in den Wirren dieses Krieges daran glauben wollen. So findet sich eine kleine Delegation auf der Seite der Nordstaaten (Blauröcke), die mit Erlaubnis beider Kriegsparteien in der Gebiet der Konföderierten (Grauröcke) reisen dürfen, um dort einen der Befehlshaber zu treffen. Blueberry soll diese für ihn zu optimistischen Menschen begleiten. Eine junge Frau, Elenore Mitchell, wird von Blueberry sehr zwiespältig betrachtet. Einerseits ist sie attraktiv, andererseits geht von ihr ein starkes Zielbewusstsein aus.

Wie zielbewusst die junge Dame ist, wird der Leutnant bald heraufinden.

Mit Francois Corteggiani und Michel Blanc-Dumont hat sich ein sehr gutes und inzwischen sehr eingespieltes Team zusammengefunden. Der vorliegende 15. Sammelband der Blueberry Chroniken mit der Überschrift Das Lincoln-Komplott vereint die Geschichten Die Pinkerton-Lösung, Der Pfad der Verfluchten, Letzter Zug nach Washington und Lincoln muss sterben. Ein großzügiger redaktioneller Teil beleuchtet die historischen Fakten, insbesondere Präsident Lincoln. Desweiteren wird Blueberrys neuer Biograph Francois Corteggiani einmal genauer vorgestellt.

Es ist eine Tatsache, dass Lincoln einem Attentat zum Opfer gefallen ist. Vor diesem historischen Hintergrund entspinnt Corteggiani eine umfangreich erzählte Intrige, in deren Mittelpunkt auch eine Mörderin steht, die einer Mylady De Winter (Die drei Musketiere) in nichts nachsteht. Äußerlich ein Engel, der durch seine Art und auch seine Attraktivität die Männer zu verwirren weiß, agiert sie im Gegenzug vollkommen kaltblütig. Wer zu viel weiß, im Wege steht, wird ermordet. Als Waffe dient, was gerade zur Hand ist.

Damit hat Corteggiani ein weitestgehend ungewöhnliches Element in diesen Krieg eingebracht. Dieser Bürgerkrieg ist dreckig und unmenschlich. Ausgerechnet jene Figur, die sich anfänglich am besten dazu eignet, für den Frieden einzutreten, wird zum Todesengel. Doch Corteggiani begnügt sich nicht mit diesem einen Handlungsstrang um die mordende Spionin. Inzwischen wandelt er sehr gut in den Fußstapfen eines Jean-Michel Charlier und so ist es kein Wunder, dass die sich über vier Alben erstreckende Handlung spannend, vielschichtig, aber auch verschachtelt erzählt wird.

Michel Blanc-Dumont zeichnet fein, überaus exakt und ist zuweilen auch zu kleinen Scherzen aufgelegt. So darf sich der Leser auf einen kurzen Auftritt von Scarlett und Rhett freuen, die in einem Hotelzimmer erwischt werden. Einige Charaktere, Nebenfiguren allerdings, erinnern an Klassiker aus dem Comic-Genre. So könnte einer der Spitzbuben, die mit Blueberry auf ein Himmelfahrtskommando geschickt werden, Laverdure (Freund von Tanguy) zum Vorbild gehabt haben. Jedenfalls deutet das Verhalten und das Ende dieser Figur auf den von Charlier und Uderzo kreierten Charakter hin.

Die Vielfalt der Handlungsorte wie auch die Unterschiedlichkeit der Szenen führt dem Leser die ganze Bandbreite eines Westerns zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs vor Augen. Blanc-Dumont beherrscht das Portrait ebenso gut wie Massenszenen. Zu Fuß, zu Pferd, im Wasser, sogar in der Luft ist Blueberry unterwegs. Soldaten jagen ihn oder stehen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber. Alte Loks, sorgfältig gestaltete Innenräume, wunderbar gezeichnete Kleidung wie auch die Landschaft und Ortschaften lassen die Epoche auferstehen und bieten ein rundum perfektes Szenario. Gezeichnet, wie kann es anders sein, ganz augenscheinlich von einem Perfektionisten.

Ein pralles Westernvergnügen, spannend wie eine Spionagegeschichte, aktionsgeladen wie ein Kriegsdrama, manchmal aufregend wie ein Thriller. Das Nachfolgeduo Corteggiani und Blanc-Dumont präsentiert sich hier in Bestform. 🙂

Die Blueberry Chroniken 15, Die Jugend von Blueberry, Das Lincoln-Komplott: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 24. Februar 2010

Carthago 1 – Die Lagune auf Fortuna

Filed under: Thriller — Michael um 21:35

Carthago 1 - Die Lagune auf FortunaDie beiden Taucher freuen sich über ihre Entdeckung. Jedenfalls so lange, bis sie die Hand ihres dritten Kameraden an sich vorüber schweben sehen. Hinter ihnen wird ein riesiger schwarzer Schatten sichtbar. Kurz darauf bricht die Kommunikation mit dem Team ab. Andernorts ist die Stimmung wesentlich gelöster. Die Erkundung eines Bergsees hat erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert. Abgeschieden von allen Einflüssen haben sich die Tiere in einer Form entwickelt, die niemand für möglich gehalten hätte. Ein Meter große Krebse, Hechte, von denen das größte Exemplar fast 3,50 Meter lang geworden ist. Wenn derlei evolutionäre Sprünge möglich sind, warum nicht noch mehr? Wo es vorwärts geht, kann auf dem Weg auch etwas stabil geblieben sein.

Etwas hat überlebt! Darf es auch ein wenig mehr sein? Christophe Bec hat die Tiefsee als Thema für sich entdeckt. Der Ozean ist nicht erst seit einem Schwarm im Mittelpunkt von Öko-Horror-Thrillern. Peter Benchley schickte den den weißen Hai auf die Jagd. Sein Beast folgte als Schrecken aus der Tiefe. Viel näher an der vorliegenden Thematik lag bereits Steve Alten mit seinen Romanen MEG und der Fortsetzung Höllenschlund. (Erschienen 1999 und 2001. Der dritte und vierte Band der MEG-Reihe liegen leider nicht auf Deutsch vor.)

MEG! Genauer gesagt: Carcharodon Megalodon. Ein Ur-Hai, neben dem sich der Große Weiße ausnimmt wie ein Schmusetier, treibt mit seinen 25 Metern Länge jedem Meeresbiologen Tränen in die Augen. Christophe Bec lässt die Entdeckung des MEG zunächst unter Verschluss halten. Ein mächtiger Konzern namens Carthago macht die Entdeckung einer bis dahin sehr abgeschlossen existierenden Unterwasserwelt. Die Betonung liegt auf sehr, denn sie ist eben nicht komplett abgeschlossen. So werden weitere Zugänge gefunden. Die Forscher, die sich einer radikalen Umweltgruppe anschließen, geraten sehr bald in Gefahr.

Christophe Bec hat einen Thriller geschrieben, der sehr geradlinig verläuft, aber auch Wendungen und Überraschungen parat hält. Der Gegner ist nicht nur menschlich, er ist tierisch und somit (auch wegen seiner Eigenschaft als Relikt einer fernen Vergangenheit) nicht berechenbar. Sicherlich hat ein MEG nur ein Ziel: Fressen. Zumindest sieht es hier danach aus. Und wenn er nicht frisst, beißt er etwas gelangweilt zu, ohne sich alles zu Gemüte zu führen. Ein Wal aus dem Prolog dieser Geschichte ist der beste Beweis für diese Verhaltensweise.

Wissenschaftler müssen forschen. Aber sie gehen dabei nicht besonders klug zu Werke. Sie mögen intelligent sein, doch die Neugier und der Forscherdrang schieben zuweilen die Vorsicht zur Seite. Selbst, wenn es darum geht, das eigene Leben zu schützen. Angesichts der Vermutungen, die zu Beginn kursieren (auch angesichts eigener Erfahrungen), agieren die Wissenschaftler zwar versiert, aber relativ unbedacht. Das darf Christophe Bec aber nicht angekreidet werden. In anderen Szenarien gibt es ähnliche Verhaltensweisen, außerdem (ein Trick, der das Vorgehen der Charaktere rechtfertigt) sind die Ressourcen der Wissenschaftler begrenzt.

Mit Eric Henninot wurde neben einem geradlinigen Erzähler ein ebensolcher Künstler gefunden, im wahrsten Sinne des Wortes. Dieser Zeichner beschränkt sich auf schlichte Linienführung, die sitzt. Es ist nicht zu wenig, detailgetreu und möglichst realistisch. Das ist stilistisch vergleichbar mit einem Thierry Labrosse (Morea), vielleicht auch mit einem Colin Wilson (Point Blank). Nur gehört Eric Henninot zur künstlerischen Sorte der Architekten, Künstler, die nichts dem Zufall überlassen und eine sehr feine Ausdrucksweise haben. So wie hier ergeben sich tolle Bilder, die wunderbar zu einem Wissenschaftsthriller wie auch zu einer Monsterhatz in der Tiefsee passen.

Aufgefallen: In einem Prolog, 2300 vor Christus, kann der Leser einen Vorzeitmenschen beobachten, der eine Art Schneebrille trägt. Jedoch nur einige Bilder lang. Es ist fraglich, ob derlei Ideenreichtum damals schon existierte. Die restliche Bekleidung des Jägers ist längst nicht so innovativ.

Ein sehr spannender Auftakt: Eine Jagd auf die überlebenden Zeugen der Vergangenheit. Ebenso gut gelungen wie MEG. Wer Thriller im Stile des angesprochenen Romans mag, oder auch Szenarien wie Jurassic Park, der liegt mit dem in schönen Bildern erzählten Auftakt genau richtig. 🙂

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Montag, 22. Februar 2010

Star Trek – Tor zur Apokalypse

Filed under: SciFi — Michael um 20:16

Star Trek - Tor zur ApokalypseKann ein Techniker mehr herausfinden als alle anderen Techniker an Bord eines Raumschiffes? Sollte ihm nicht Paranoia vorgeworfen werden, wenn er gegen alle erfolgten Diagnosen argumentiert? Ja, wenn er sich sogar gegen den Befehl seines Captains wendet und einen Notruf ausschickt? Der Chefingenieur der USS Jackson ist zwar kein Lieutenant Barclay, aber ebenso hartnäckig, wenn es darum geht auf seinen Entdeckungen zu beharren, obwohl ihm niemand zustimmt. Geordi La Forge und Chief OBrien werden von der Enterprise herübergebeamt. Auch sie tappen einige Zeit im Dunkeln. Bis …

Ein Wiedersehen mit der nächsten Generation. Bevor die Crew unter Captain Picard den Sprung auf die Leinwand wagte (und erst einmal die Enterprise zerstört werden musste) schaffte sie sieben erfolgreiche TV-Staffeln. In der 5. Staffel kam Fähnrich Ro Laren an Bord. Im Zeitfenster zwischen 5. und 7. Staffel (hier wurde Fähnrich Ro auf eine Undercover-Mission geschickt und kehrte dem Dienst bei der Sternenflotte den Rücken) sind die vorliegenden Episoden angesiedelt.

Das Autorenduo Scott und David Tipton bringt uns alte Bekannte zurück, die zwar Startschwierigkeiten hatten, aber letztlich eine Lücke auf dem Fernsehschirm hinterlassen haben, als sie so richtig gut waren. Aus mehreren Episoden wird ein großes Rätsel. Ganz im Stile der interplanetaren Karte gibt es ein gigantisches Wissensarchiv zu erkunden, es gibt ein kleines Wiedersehen mit den Binären (bekannt aus der Folge 11001001). Worf darf seine Fähigkeiten als Diplomat zeigen. Einem Chefingenieur wird nicht geglaubt, so dass Geordi und der Chief Detektivarbeit leisten müssen.

Wer die Serie verfolgt hat, wird sich gleich daheim fühlen. Wer Fan ist, erkennt die Muster einer Fernsehfolge sofort wieder. Und nicht nur das: Die beiden Tiptons kennen ihre Charaktere sehr genau. Der Aufbau ist so, als wären verschollene Drehbücher zur Comic-Umsetzung gekommen. Auf der anderen Seite werden Erinnerungen an PC-Spiele wach (wie etwa Star Trek: A Final Unity), denn der Aufbau ist auch einem Rätsel-Abenteuer nicht unähnlich.

Romulaner! Seit die fernen Verwandten der Vulkanier wieder auf dem Bildschirm auftauchten, haben sie zahlreiche Wendungen und Wandlungen durchlaufen. An diesem Punkt der Star-Trek-Ära sind Föderation und Imperium noch strenge Feinde, eine Zusammenarbeit ist eine Utopie. Tomalak, der romulanische Commander, eine Figur, die es immerhin auch in die Abschlussdoppelfolge der Serie geschafft hat, gibt sich sehr früh als Strippenzieher zu erkennen. Seine wahren Ziele indes weiß er gut zu verbergen.

David Messina zeichnet mit seiner unverkennbaren kantigen Art, aber er schafft es stets den Kern der jeweiligen gezeichneten Figur zu treffen. Zwar hat er zeitweilig die Mithilfe dreier weiterer Zeichner, einen optischen Unterschied bemerkt man als Leser nicht. Die Qualität ist gleichbleibend gut. Messina zeichnet einprägsam, er verwendet starke Außenlinien und arrangiert seine Bilder regelrecht in der Art, wie sie auch auf einem Fernsehschirm erscheinen würden. Manchmal entsteht der Eindruck eines Zeichentrickfilms, vor allem, da der Fan auch einen Edosianer entdecken darf. Lieutenant Arex, der Navigator der alten Enterprise war ein Endosianer. Ganz offensichtlich hat sich Messina mit seiner Gestaltung an den Bildern jener vergangenen Serie orientiert.

Die Farbgebung ist recht einfach gehalten. Unschärfe im Hintergrund sorgt für Tiefe in den Bildern. In den Szenen, die in der gigantischen Speichereinheit spielen, wird schon mehr gezaubert. Auch die Weltraumhintergründe gestaltet Koloristin Ilaria Traversi aufwendiger, obwohl die relativ wenig Gelegenheit dazu erhält. Im Finale hingegen gibt es ein paar kleine Herausforderungen, als der echte Gegner sich endlich zeigt.

Ein richtig schönes Widersehen mit der Crew um Captain Picard: Im Geist der Serie erzählt und optisch stimmig umgesetzt, bringen die Brüder Tipton und David Messina den Leser dahin zurück, wo er als Fan einmal war und nun neue Abenteuer miterleben kann. 🙂

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