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Comic Blog


Donnerstag, 08. April 2010

Prophet 3 – Pater Tenebrarum

Filed under: Mystery — Michael um 20:07

Prophet 3 - Pater TenebrarumAthenais geht es nicht sehr gut. Das Mädchen scheint sich zu verwandeln. Bisher war sie nur mächtig, jetzt wird sie … Keiner weiß es. Es wird machtvoll sein. So viel steht fest. Wer sie jetzt berührt, verbrennt sich. Vielleicht, nach der Verwandlung, wird jener, der sich in ihre Nähe wagt, sterben. Aber, macht das noch einen Unterschied? Die Welt steht nicht am Abgrund. Sie hat bereits mehrere sehr weite Sätze darüber hinaus gemacht. Die Welt befindet sich im Sturzflug, im freien Fall, hin zum endgültigen Aus. Allerdings ist da noch ein Mann, der das Blatt wenden könnte. So unwahrscheinlich diese Annahme auch klingen mag. Der Name dieses Mannes lautet Jack Stanton. Und er kann diese Annahme selbst nicht glauben.

New York ist die Hölle! Einige mögen das heutige New York oder wenigstens das New York der 70er dafür halten, hier allerdings ist es das apokalyptische New York von Mathieu Lauffray, der seinen ungewollten Helden Jack Stanton quer durch die zerstörte Stadt schickt. Wir erinnern uns: Stanton fand etwas sehr altes, das er nicht hätte finden sollen, schrieb darüber und öffnete mit seinem Verhalten der Hölle auf Erden Tür und Tor. Und so ganz langsam dämmert es Jack, dass er die Schuld an diesem unsäglichen Leid trägt.

Aber Jack ist noch etwas anderes: Ein Prophet. Jedenfalls halten ihn die wenigen Überlebenden, auf die Jack traf, dafür. Jack selbst glaubt nicht daran. Er lässt sich treiben, versinkt in Selbstmitleid. Doch Mathieu Lauffray, der das Szenario nicht nur geschrieben, sondern auch gezeichnet hat, lässt Jack keine Zeit dafür. Lauffray hat sich einige Besonderheiten für diese Postapokalypse einfallen lassen.

Ghosts! Geisterhaft ja, aber beileibe nicht so wohl gesonnenen wie es ein Patrick Swayze seinerzeit war. Und nicht nur das: Mit dem Heuler hat Mathieu Lauffray ein unheimliches Wesen hinzu erfunden, das den Unheimlichkeitsfaktor um noch einige Stufen in die Höhe schraubt. Insgesamt schafft Lauffray mit seinem Design der Dämonen und Titanen, Dämonen, größer als Wolkenkratzer, eine Umgebung, die ein starkes Leinwandgefühl besitzt. Wer schon einmal Designvorlagen für phantastische Kinostreifen gesehen hat, wird hier einen ähnlichen Effekt erleben. Auch lassen sich leicht Parallelen zur Optik eines Storyboards herstellen.

Aus diesem Grund, der absolut filmischen Erzählweise, jagt die Handlung voran. Der Blick rast auf die fremden Geschöpfe zu oder sieht sich einem Überblick gegenüber, den sich ein Roland Emmerich für einen seiner Katastrophenfilme ausgedacht haben könnte. Bei allen technischen Parallelen hat Mathieu Lauffray hier aber seine ganz eigene Geschichte kreiert. Denn der Einfallsreichtum, der als Basis der Handlung zugrunde liegt und für ständig neue Überraschungen sorgt, ist sehr gut. Der Heuler, ein Wesen, das zwar optisch einzuordnen ist, dem aber ansonsten sämtliche Vergleichsmöglichkeiten fehlen, besticht durch seine Präsenz, sein langsames und unaufhaltsames Vorwärtsschreiten. Das ist, neben vielen anderen Geschehnissen, perfekter Grusel.

Die Strichtechnik ist weiterhin klassisch, mit feinen bis groben Tuschestrichen ausgeführt. Schwarz wird großzügig eingesetzt, Farben werden verhalten aufgetragen und dienen eher einer atmosphärischen Stütze als zur genauen Wiedergabe der Wirklichkeit. Auch diese Technik ist filmisch. Es reduziert, bringt auf den Punkt und wird, vergleicht man die einzelnen Seiten, sehr sorgfältig auf jede Szene abgestimmt.

Für Freunde des Phantastischen und des Horrors eine große Empfehlung. Hier findet Action wohl dosiert statt, eine Handlung steht im Vordergrund. Es ist mysteriös, überraschend und spannend. Kommende Publikationen in diesem Genre haben sich an dieser Geschichte zu messen. 🙂

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Mittwoch, 07. April 2010

Franka 20 – Die weiße Göttin

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:43

Franka 20 - Die weiße GöttinRix ist tot! Dieser Satz kreist unentwegt durch Frankas Kopf. Rix ist tot! Bei der Jagd auf das Schwert von Iskander musste er durch den Angriff von skrupellosen Verbrechern sein Leben lassen. Abgrundtief traurig kehrt Franka aus der Türkei nach Amsterdam zurück, in die Obhut ihrer Familie, dort wo sie sich immer wohlgefühlt hat. Aber das genügt nicht. Franka ruft ihre Freundin Laura Lava an, ihres Zeichens Modeschöpferin und gerade schwer verliebt. Obwohl sie im siebten Himmel schwebt, bricht sie ihren Aufenthalt bei ihrem Geliebten Jamaica ab und macht sich auf den Weg in die Niederlande. Franka freut sich auf die Freundin, nicht wissend, dass Laura ausgerechnet in einen der Drahtzieher des gesamten Geschehens verliebt ist. Einen Mann, der auch nicht davor zurückschreckt, einen gedungenen Mörder auf Franka anzusetzen.

Mit Die weiße Göttin setzt Henk Kuijpers das Abenteuer fort, in dem seine Heldin Franka einen der größten Tiefschläge ihrer Comic-Karriere einstecken muss. Doch wie ihre Freundin Laura zurecht feststellt: Die schlägt zurück. Die stoppt nicht.

Henk Kuijpers lässt seine Franka nicht im Stich. Sie stürzt sich geradewegs in ihre Ermittlungen. Als Leser mag man diese Disziplin angesichts einer eben überwundenen Trauer bewundern. Doch Fehlanzeige. Auch Franka macht sich etwas vor. Auch Franka ist nur ein Mensch. Kuijpers jedenfalls vergisst nicht, Franka genügend menschliches mitzugeben. Allerdings bleibt für Trauer nicht viel Zeit, schon gar nicht wenn das eigene Leben auf dem Spiel steht.

Vor tollen Kulissen, angereichert mit vielen Einzelheiten agiert Franka bald schon wieder international. Die vielen Orte auf der Welt, die Franka während ihrer Abenteuer besucht, exotische Länder, ferne Küsten und fremde Kulturen, unterschiedliche Gesellschaftsschichten begründen die Faszination der Leser und den langlebigen Erfolg der Reihe. Henk Kuijpers ist immer ausgreifender geworden und hat Ansichten entwickelt, wie sie sonst nur in sehr fantasievollen Abenteuerfilmen und Thrillern zu sehen sind, aber bei weitem nicht in dieser Masse. Eine sehr schöne Szene spielt gar auf dem Kajütendach eines gesunkenen Schiffes, das wunderbar unter der Wasseroberfläche zu erkennen ist.

Kuijpers Interesse an Ausstattung äußert sich nicht nur in modernen Fahrzeugen oder Inneneinrichtungen. Auch ältere Fahrzeuge, so genannte Klassiker wie der Citroen DS, die Göttin, haben es ihm angetan. Und so ganz nebenbei bezieht Kuijpers auch noch die Entstehung eines Krimiklassikers, den Mord im Orient-Express, in seine Handlung ein. Dabei geht niemals der Handlungsstrang oder die Optik verloren. Trotz der Rückblicke, der kleinen Einschübe bleibt die Geschichte wunderbar in Schwung. Grafisch hat Kuijpers seine Technik vervollkommnet und unverwechselbar gemacht. Die vermeintliche Einfachheit des Grundstils wird durch die überbordenden Details mehr als wett gemacht.

Henk Kuijpers hat seinen eigenen Klassiker geschaffen: Franka bestreitet ihr 20. Abenteuer mit, im wahrsten Sinne des Wortes, Klasse und Ideenreichtum. Die Vorkenntnis von Band 19 ist hilfreich, doch den werden die Fans ohnehin haben. 🙂

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Dienstag, 06. April 2010

Baker Street 1

Filed under: Cartoon — Michael um 19:50

Baker Street 1Mrs. Hudson kocht so, wie sie es gelernt hat. Deftig. Mit Gedärm. Solange Holmes und Watson nicht wissen, was auf dem Teller liegt, ging alles gut. Jedenfalls bis zu jenem schicksalhaften Tag, als Mrs. Hudson unbedingt mit der Wahrheit herauskommen musste. Aber was sind schon Mrs. Hudsons Kochkünste gegen einen zünftigen Kriminalfall. Sherlock Holmes und sein Partner Dr. Watson müssen nicht lange warten, bis Inspektor Lestrade sich mit einer neuen Aufgabe einstellt. Zwar bemühen sich beide, dem nervigen Inspektor nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen, doch Holmes besondere Intelligenz wird vermutlich nur durch Lestrades Hartnäckigkeit übertroffen. Und so kommt es, wie es kommen muss. Sherlock Holmes ermittelt … und liegt komplett falsch.

Sherlock Holmes und Doktor Watson waren ein Traumduo der Kriminalgeschichte lange bevor Namen wie Hans Albers und Heinz Rühmann oder Robert Downey Jr. und Jude Law in die Rollen der passionierten Verbrecherjäger schlüpften. Nun haben sich vor rund 10 Jahren der Autor Pierre Veys und der Zeichner Nicolas Barral zusammengetan und die wirkliche Geschichte über das Wirken und Zusammenleben der beiden Ausnahmekriminologen zu erzählen. Herausgekommen ist ein Blick auf einen Detektiv, der weniger ist, als er zu sein scheint. Der um sieben Ecken denkt, wenn die Lösung gleich vor seiner Nase sitzt. Und hin und wieder von seinem immer wieder gedemütigtem Partner Dr. Watson übertrumpft wird.

Operetten-Detektiv! Die verschiedenen Geschichten im vorliegenden ersten Band der Baker Street Reihe werden zu einem großen Ganzen voller Humor und Anspielungen. Man versteht den Humor auch ohne die Geschichten des Originals gelesen zu haben, aber es ist eindeutig besser, sich ein wenig in der Welt des Sherlock Holmes auszukennen. Holmes weiß in den originalen Erzählungen sehr viel. Seine Aufklärungstechniken beruhen auf einem enormen Allgemeinwissen und einer Reihe von Experimenten und eigens erstellten Wissenssammlungen. Pierre Veys treibt dieses Wissen auf die Spitze. Es ist zu jeder Zeit abrufbar, es werden quer gegen jede Vernunft und Wahrscheinlichkeit Fälle rekonstruiert, die zwar spannend klingen, aber so nicht stattgefunden haben.

Holmes, in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle zeitweilig aus Langeweile dem Kokain und Morphium zugetan, hat hier seinen geschätzten Watson durch seine gehässige und herablassende Art in den Suff getrieben. Dennoch: Einen gibt es, an dem Holmes zu scheitern droht, an dem sein enormes Ego zerbricht. Professor Moriarty. Dort, wo Pierre Veyes all diese Zutaten genüsslich, intelligent und urkomisch vermischt, setzt Nicolas Barral mit seinen Zeichenkünsten an und treibt die Szenerie auf die Spitze.

Nicolas Barral, Comic-Fans hierzulande auch durch die Geschichte um Philip und Francis bekannt (ebenfalls im Team mit Veyes), beherrscht den Funny-Strich exzellent. Zart, zerbrechlich, wie es sich oft bei den Großen dieser Stilrichtung findet entstehen hier komödiantische Szenen, in denen es auch abseits der eigentlichen Handlung einiges zu entdecken gibt. England, so scheint es aus der Sicht des Festlandes, ist ein Flecken für ein sehr skurriles Völkchen mit seltsamen Gewohnheiten und merkwürdigem Aussehen. Wenigstens was ersteres anbelangt, hat schon Sir Arthur Conan Doyle eifrig davon Gebrauch gemacht.

Very british: Sehr viel Humor, auch durchaus mal schwarz. Pierre Veyes und Nicolas Barral rütteln am Detektivdenkmal Sherlock Holmes. Dieser selbst gestellten Aufgabe kommen sie mit Fingerspitzengefühl, dem besten Sinn für Pointen und Karikaturen nach. Ganz prima, auch, aber nicht nur für Fans von Sherlock Holmes. 🙂

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Donnerstag, 01. April 2010

The Walking Dead 10 – Dämonen

Filed under: Horror — Michael um 18:40

The Walking Dead 10 - DämonenEinkaufen ist nach dem Fall der Welt etwas anders aus. Leise sein, schnell sein, den Weg frei schießen. Das ist Einkaufen. Und natürlich muss das Glück einem hold sein: Die gefundene Nahrung muss auch noch genießbar sein. Es ist Routine in die täglichen Verrichtungen auf der langen und beschwerlichen Reise eingekehrt. Sergeant Abraham Ford hat das Kommando übernommen. Zu gehorchen ist wichtig, niemand darf aus der Reihe tanzen. Der Sergeant liegt nicht so falsch mit seiner Taktik. Aber es kommt der Tag, da er beinahe einen großen Fehler begeht.

Etwas Hoffnung, aber kein Glück. Dafür eine Menge Schwierigkeiten. Nun hat in einer Welt, in der die Toten auf Erden wandeln, das Wort Schwierigkeiten eine vollkommen neue Bedeutung. Hat das Leben in dieser Welt überhaupt noch einen Sinn? Zwar haben sich einige Überlebende zusammengefunden, um einen neuen Weg aus dieser Misere zu finden, doch dieser Weg wird kein leichter sein (kleiner Scherz). Möglicherweise gibt es eine Art Gegenmittel, wenigstens eine Theorie über den Ursprung der Epidemie, doch darüber lässt uns der maßgebliche Charakter der Geschichte bislang im Dunkeln. Und Robert Kirkman, der Autor, auch.

Robert Kirkman, der Erzähler und Erfinder der Geschichte, darf sich, glaubt man den Meldungen, in diesen Tagen freuen. The Walking Dead findet nämlich auch einen Weg und zwar ins Fernsehen. Mit der 10. Folge verfolgt Kirkman im Comic den neu eingeschlagenen Weg nach dem Niedergang der kleinen Siedlung in einem ehemaligen Gefängnis weiter. An diesem Punkt existiert die Möglichkeit eines Neueinstiegs. Da viele Brücken sprichwörtlich hinter den Protagonisten abgebrochen sind, sind Vorkenntnisse nur noch begrenzt erforderlich. Wer sich allerdings von der hier vorherrschenden Spannung einfangen lässt, wird höchstwahrscheinlich auf die ersten neun Folgen nicht mehr verzichten wollen.

In The Walking Dead wird der Überlebenskampf einiger weniger Menschen in einer von Zombies überrannten Welt beschrieben. Zuerst gab es einen gewissen Enthusiasmus. Jetzt wendet sich das Blatt. Kirkman lässt seine Helden müde werden, auch lebensmüde. Inmitten ständiger Bedrohung und fortwährenden Leides geht einigen jeder Mut und jede Hoffnung verloren. Einige werden von ihren inneren Dämonen heimgesucht, bei anderen offenbaren sich Charakterzüge, die besser im Verborgenen bleiben. Das Dunkle in der Geschichte gewinnt mit dem zehnten Band eine neue Qualität.

Charlie Adlard, Nachfolgezeichner von Tony Moore, ist mit der Serie und an ihr gewachsen. Seine Bilder wirken gereifter, lebendiger, vielleicht auch, weil er die einzelnen Figuren bestimmt schon im Schlaf zeichnen kann. Dabei sind inzwischen mehr Charaktere wieder verschwunden, als überlebt haben. Rick Grimes ist optisch immer mehr zerfallen. In einigen Großaufnahmen nähert sich der Leser ihm an, beobachtet ihn und rückt doch von ihm ab, denn es fällt schwer Grimes als Sympathiefigur zu begreifen. In langen und vielen Kämpfen ist den Menschen ihre Menschlichkeit abhanden gekommen, ist das endgültige Vernichten zur Fingerübung geworden. Deshalb ist das vorliegende Titelbild mit einem blutverschmierten Grimes, einhändig angreifend, mit von Wut verzerrtem Gesicht die heimliche (optische) Überschrift der neuen Handlung.

Neben Angriffen von Untoten gestaltet Adlard auch den Angriff menschlicher Ungeheuer, der weitaus grausamer wirkt als eine spätere Überraschung, die Kirkman eingebaut hat, um zu verdeutlichen, woher die Reihe ihren Namen hat. Weiterhin ist die Serie in Graustufen koloriert. Das nimmt ein wenig den Schock aus den Bildern, aber eben nicht sehr, denn ebenso wie bei Frank Millers Sin City das Blut in Weiß daherkommt, so ist auch hier jedem bewusst, welche Farbe dieser oder jene Blutstoß, jene Wunde oder Fontäne wirklich haben.

Spannung und Hoffnungslosigkeit. Zwar gibt es eine neue Spur, doch mittlerweile sind die Figuren an einem Punkt angelangt, an dem ihnen das egal geworden zu sein scheint. Kirkman erzählt wie gewohnt gut, konsequent und zügig. Adlard ist aus der Reihe nicht mehr wegzudenken. 🙂

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Dienstag, 30. März 2010

Der dunkle Turm 3 – Verrat

Filed under: Mystery — Michael um 19:09

Der dunkle Turm 3 - VerratEin Mädchen darf nicht schießen. Ein Mädchen wird niemals ein Revolvermann. Niemals. Doch Aileen Ritter, die Nichte des Ausbilders der Revolvermänner, sieht das vollkommen anders und ist nicht gewillt, sich mit althergebrachten Regeln zu begnügen und diese zu befolgen. Darüber hinaus verfügt Aileen nicht nur über den Willen, mit Waffen umzugehen. Sie besitzt außerdem eine einzigartige Begabung, die sie bereits jetzt besser mit Waffen umgehen lässt als so manchen Anwärter. Allerdings nutzt die größte Begabung nichts, wenn doch die Tradition ein Hindernis bildet, das höher als die höchste Mauer ist. Roland Deschain weiß von alldem noch nichts. Vorläufig machen sich seine Freunde Sorgen um ihn, denn die Beeinflussung durch Mayrlyns Pampelmuse wirkt noch nach.

Die Helden sind zurück, aber von Frieden ist noch keine Spur in Sicht. Denn Verrat bedroht die Revolvermänner, die alten ebenso wie die frischgebackenen, denen der Neid derer im Nacken hängt, die erst dem Waffenmeister gegenüber treten müssen und nicht mit einem fernen Abenteuer prahlen konnten.

Die Vorkommnisse der ersten beiden Teile, die dunklen Geschehnisse, die Gewalt, die Trauer und die Flucht bilden eine sehr finsteren Komplex, der zunächst bei Beginn des dritten Teils abgeschlossen scheint. In Wahrheit wird den Helden und somit auch dem Leser nur eine (sehr) kurze Verschnaufpause gegönnt, bevor die dunklen Mächte wieder in das Schicksal der aufrechten Männer von Gilead eingreifen. Vergebliche Wünsche, Hoffnungen, Intrigen, auch furchtbare Irrtümer prägen die Fortsetzung. Insgesamt ist die Handlung voller Verzweiflung, ein jeder scheint hier gefangen zu sein. Die Geschichte ist von Anfang an eine tickende Zeitbombe, die sich in einer Szene am Ende entlädt. Danach kann nichts mehr kommen (vorerst jedenfalls), denn dies ist der Gipfel einer Tragödie, die im ersten Teil begann.

Robin Furth, Peter David und selbstverständlich Stephen King erzählen mit sehr großer Dichte und Eindringlichkeit ein Abenteuer, für das der Begriff Fantasy nicht passend genug ist. Vielmehr könnte King ein eigenes Genre begründet haben. Der dunkle Turm wirkt (wie die Romane auch) wie von einem Traum inspiriert. Manches ist zunächst verschwommen, wie nach dem Aufwachen, doch bei genauem Nachdenken ergibt einiges einen Sinn, anderes muss durch Weiterblättern ergründet und herausgefunden werden.

Jae Lee, der Meister der dunklen Form, und Richard Isanove, Meister des milchigen Farbauftrags, ergeben zusammen einen Künstler, eine Art Caravaggio des Comics. Einiges an ihrer künstlerischen Technik, insbesondere beim Farbauftrag, wird durch moderne Computerkolorierung erleichtert, aber nicht ersetzt. Dunkle Partien, heller Glanz, starke Gegensätze bestimmen die Bilder. Die Szenen wirken jeweils gestellt, aufgestellt, in Position gebracht, wie Standbilder auf einer Bühne. Die Wirkung ist nicht falsch oder künstlich, im Gegenteil, eher grandios, große Comic-Oper.

Manchmal fühlt man sich bei Inszenierung an alte Schwarzweißgruselfilme erinnert, in denen noch der Stummfilm nachwirkte und das Theater noch einen starken Resteinfluss auf die Kameraführung besaß. Ähnlich ist Wirkung hier, wenn die Schwerpunkte zwischen Bild und Text (dann meist erzählend aus dem Off) genau austariert sind. Jae Lee und Richard Isanove verlieren sich nicht in Details. Die Hintergründe liegen häufig in diffusen Lichtern und Nebeln verborgen. Mal ist es hell, mal dunkel, stets aber ist der Leser im Ungewissen, was ihn hinter diesen Farben oder besser, was die Helden dahinter erwarten wird. Das Surreale der Bilder stützt die Handlung auf perfekte Weise.

Weiterhin eine großartige, wenn auch sehr eigenwillige Erzählung, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist. Wer Geschichten von Stephen King mag, muss noch lange nicht den dunklen Turm mögen. Ein grafischer Augenschmaus, auch mit der selben Eigenwilligkeit gezeichnet und koloriert. Herausragend, für Fans ein Muss, Interessierte sollten zuerst einen Blick in die Online-Seitenvorschauen werfen. 🙂

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Samstag, 27. März 2010

Kirihito 2

Filed under: Thriller — Michael um 9:52

Kirihito 2Kirihito gerät von einer Gefangenschaft in die nächste. Die Dorfbewohner halten ihn für ein Monster mit Hundegesicht. Die Tatsache, dass sie ihn in der Gesellschaft einer nackten Frau stellten, macht es nicht einfacher für ihn. Wenig später hockt er in einem Käfig. Ein wenig ungläubig, aber auch voller Hass bestaunt. Erst der Umstand, dass er über medizinische Fähigkeiten verfügt, sorgt für eine Chance. Der Dorfälteste ist schwer erkrankt. Kirihito könnte ihn retten, wenn ihm die Gelegenheit dafür geboten wird. Wenn ihm ausreichend Vertrauen entgegengebracht wird. Wenn die schwierige Operation gelingt.

Vom Regen in die Traufe. Mit Kirihito Osanai, der titelgebenden Figur des vorliegenden zweiten Teils der kleinen Reihe, ist Autor und Zeichner Osamu Tezuka ein Held gelungen, der das Beste will und dennoch von einer gefährlichen Situation in die nächste rutscht. Ein Held, der sich wehrt, aber oft chancenlos ist. Ein Held, der durch eine schwere Krankheit das Äußere eines Hundes besitzt, der ständig erniedrigt wird. Ein Held, der sich trotz allem für andere einsetzt und durch seine Uneigennützigkeit die Herzen anderer Menschen gewinnen kann.

Obwohl sich gerade letzteres für eine gutes Ende eignet, ist die Geschichte von Osamu Tezuka weit davon entfernt zu einem schnöden Melodram zu verkommen. Der Handlungsstrang um Kirihito ist nur eine Seite der Medaille. Auf seinem Weg ist der Mediziner, der Kirihito immer noch ist, verschiedenen Menschen begegnet. Jener, der ihn zu seiner Belustigung kämpfen ließ, leidet nun selbst an der furchtbaren und entstellenden Krankheit. Kirihitos (ehemaliger) Kollege Dr. Urabe, der zum Vergewaltiger geworden ist, nicht einmal, sondern mehrmals, hat seine Monströsität erkannt, gelobt sich selbst Besserung und kämpft mit inneren Dämonen.

Während Kirihito aus echtem Interesse an einer Heilung arbeiten will, handeln Kollegen wie Kirihitos Vorgesetzter aus reinem Ehrgeiz. Der Mensch ist Versuchsobjekt, Vorzeigeobjekt, eine Trophäe. Eine neue Krankheit, eine Erfindung der Natur, wird zum eigenen Erfolg hochstilisiert. Osamu Tezuka zeigt gleichzeitig auf welch tönernen Füßen ein solcher Erfolg steht. Wie schwammig und auch wie gefährlich. Schnell kann mit dem Tod des Patienten die Karriere auf der Kippe stehen. Eine Karriere, die in diesem Moment über dem Wohl des Patienten steht. Der Hippokratische Eid ist nur noch eine Farce. Osamu Tezuka zeigt die Götter in Weiß in keinem sehr guten Licht.

Osamu Tezukas Bilder schwanken technisch zwischen kindlichem Manga, Karikatur und ernsthafter Zeichnung. Man gewinnt den Eindruck eines sezierenden Blicks. Die Zeichnungen gewähren Ausschnitte von Szenen und Gesichtern, als habe Osamu Tezuka zum Angriff auf seine Figuren übergehen wollen. Insbesondere Gesichter werden zum Plakat von Charaktereigenschaften. Ehrgeiz, gepaart mit Arroganz. Intoleranz. Und stets werden auch die negativen Folgen erwähnt, drücken sich mit aus. Einsamkeit. Gehetzt wirkend. Verfolgt. Aggressivität. In der Art sich selber zum Erfolg zu steuern, werden Osamu Tezukas Figuren zum Sklaven ihrer Ziele. Mitleid kommt trotzdem nicht auf.

Den Bildern liegt sehr oft eine traurige Grundstimmung zugrunde. Selbst auf der Höhe des Erfolgs ist jemand wie der Professor traurig gestimmt, steht der nächste Zusammenbruch gleich auf den folgenden Seiten. Wenn dann in den Bildern die Gewalt ausbricht, bleibt dem Leser nur die Frage, warum es erst jetzt dazu kommt. Ausgerechnet die Verlorenen, auch Kirihito selbst, haben diesen Zustand so lange hinauszögern können.

Komplex, hoch spannend, dramatisch: Kirihito ist und bleibt (weitestgehend) die einzige Sympathiefigur in diesem Reigen. Osamu Tezuka bemitleidet die Opfer, weist ihnen aber keinen Weg aus dieser Rolle heraus. Wer Tragödien verkraftet, in denen Figuren den ihnen zugesprochenen Platz scheinbar nicht verlassen können, einen etwas anderen, auch erwachsenen Comic, der sollte einen Blick riskieren. 🙂

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Donnerstag, 25. März 2010

Garulfo 3 – Die Schöne und die Biester

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:22

Garulfo 3 - Die Schöne und die BiesterDie Prinzessin muss ihn doch erhören! Sicher, Ronaldo sieht als Frosch nicht gerade vorteilhaft aus, aber Garulfo, mit dem er die Gestalt getauscht hat, sollte doch wenigstens soviel Charme aufbringen können, um die Prinzessin zu betören. Leider ist Garulfo nicht des Flirtens mächtig. Komplimente aus seinem Mund klingen seltsam, obwohl sie stets aufrichtig gemeint sind. Ronaldo in des Frosches Verkleidung glaubt, es besser zu wissen. Prompt sind die Worte gekünstelt, klingen falsch. Prompt muss der Mensch Garulfo seine Liebe zur Prinzessin im Turnier beweisen. Und der Frosch Ronaldo? Dieser sitzt auf des Kämpfers Kopf, gibt weiterhin schlaue Anweisungen, die Garulfo auch bitter nötig hat. Denn der Gegner ist kein anderer als der gefürchtete Sinistrus von Finsterwalde, schwarz gewandet und im Kriegshandwerk sehr bewandert.

Durch Idee, liebevolle Erzählung, Einfallsreichtum und Humor gehört Garulfo mit seiner gekonnten Ausführung zu den absoluten Ausnahmeerscheinungen im Comic-Bereich. Hier nun im dritten abschließenden Band ist der Kreis komplett. Nach dem ersten Abenteuer eines Frosches, Garulfo, der glaubte, es mit dem Menschen mit einem besonders edlen Wesen zu tun zu haben und gerne als solcher auf Erden wandeln wollte, wurde Garulfo in der weiteren Folge (nachdem er gelernt hatte, dass Menschen alles andere als edel sind) wieder zum Menschen: Aber gleichzeitig wurde ein Mensch zum Frosch.

Sei kein Frosch. Angesichts der vorliegenden Handlung kann dieser alte Ausspruch nicht mehr als Warnung verstanden werden. Denn der Frosch Garulfo ist der bessere Mensch, während der froschisierte Prinz ziemlich unerträglich ist. Aber: Wäre dem nicht so, wäre es auch nur halb so lustig.

Alain Ayroles kehrt einmal mehr sämtliche Klischees von unten nach oben und umgekehrt. Er nimmt die Erwartungen des Lesers (und wer nur einige Märchen gelesen hat, hat auch welche), schürt sie ein wenig, nur um dann mit etwas völlig Unerwartetem aufzuwarten. Ein Frosch in Menschengestalt benötigt den Rat und die Anleitung eines Menschen in Froschgestalt. Nur: In Liebesdingen sind die Ratschläge verkehrt, im Kampf hingegen sind sie von Nutzen. Wie? Liebe? Ja, genau. Die Liebe ist das große Thema. Im Kern, das Ziel, wenn man es so nennen möchte, steht die Prinzessin. Sie wird verehrt, bewundert, geliebt und hat sogar einen Oger zum Freund. Alain Ayroles baut seine Geschichte stufenweise auf. Jeder Abschnitt ist ein Auslöser für den nächsten in der Reihe.

Humor wird in kurzen Schüben abgefeuert oder von langer Hand vorbereitet. Und nicht nur das: Märchen bedeuten auch Romantik. Der Ritter, der sich um seine Holde schlägt. Der Prinz, der die Prinzessin wach küsst. Aus heutiger Sicht betrachtet ist Garulfo etwa so verwegen und anarchistisch gegenüber dem Genre erzählt, wie es ein Ritter aus Leidenschaft war, der zu We will rock you ins Turnier einzog.

Witz aus der Handlung heraus ist allerdings nicht die einzige Quelle. Ohne die Fähigkeiten von Bruno Maiorana wäre Garulfo nur halb so gut. Maioranas Talent zur Karikatur, zur Verniedlichung und auch zur Verhäßlichung tragen gehörig zum Gelingen dieses Comics bei. Wer glaubte, nach Kermit könne es keinen lustigen Frosch mehr geben, muss sich hier eines Besseren belehren lassen. Die zierliche Figur des Garulfo, kleine Füßchen, große Augen, großes Maul ist ein Paradebeispiel für die Wandelbarkeit einer Figur, den man als Leser im Laufe Zeit richtig sprechen hört. Im kompletten Gegensatz dazu steht der Oger, der zuerst gar nicht spricht, dem die Gewalttätigkeit ins Gesicht geschrieben steht. Gewalt wird als Natur erwartet, Dummheit, Brutalität. Aber auch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Bruno Maiorana verleiht jeder noch so kleinen Nebenfigur Individualität. Das zeigt sich während des Turniers und der dort auftretenden großen Zahl an Menschen. Der Kobold, fast noch winziger als Garulfo, dem nur der Laut Bli zur Verständigung zur Verfügung steht, ist eine tolle Figur im Sinne von Vereinfachung und Funktionalität. Maioranas Fähigkeiten sind so gut, dass selbst ein zweiseitiger Auftritt einer beleidigten Fledermaus zum Spaß wird.

Unglaublich gut: Eine tolle Reihe voller Witz und guter Ideen. Wer Märchen und Fantasy in humorvoller Erzählung mag, aus der außerdem etwas ganz eigenes entstanden ist, der sollte in den ersten Band einen Blick riskieren. Wer dann begeistert ist, kommt auch am Rest der Trilogie nicht vorbei. 🙂

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Sonntag, 21. März 2010

Golden City 7 – Die verlorenen Kinder

Filed under: SciFi — Michael um 20:01

Golden City 7 - Die verlorenen KinderLeslie, die Mutter, ist tot. Eine Überdosis einer Droge kostete sie das Leben. Ihre kleine Tochter Kumiko hingegen wird unsanft aus ihrem Schlummer gerissen. Einer der Wächter, der für die Sicherheit der Siedlung verantwortlich ist, glaubt, es sei menschenwürdiger, wenn das kleine Mädchen gar nicht erst in diese traurige Welt hineinwächst. Mifa, Solo und Apple können die kleine Kumiko gerade noch vor dem Ertrinken bewahren. Im letzten Moment holen sie das Mädchen aus dem Wasser. Es sind Erinnerungen an eine grauenhafte Vergangenheit, bevor sie alle zusammen neue Hoffnung schöpften. Bevor die Gegenwart sie in ein neues chaotisches und gefährliches Abenteuer reißt.

Alte Bekannte, neue Geschichte. Mit dem neuen Zyklus schaffen auch neue Leser der Reihe den Einstieg. Der siebte Band der Reihe Golden City nimmt den Leser wieder mit in eine Welt, in der die so genannte Schere zwischen Arm und Reich inzwischen sehr weit auseinander klafft. Die Natur hat sich sehr zu Ungunsten des Menschen entwickelt. Umweltverschmutzung und Überschwemmungen haben enormen Schaden verursacht. Weit draußen auf den Weltmeeren haben sich die Reichen eine Enklave eingerichtet: Golden City. Völlig autark, mit eigenem Sicherheitsdienst, kreuzt die schwimmende Stadt über den Ozean. Von dort ziehen die Mächtigen ihre Strippen und werden im Gegenzug auch zur Zielscheibe, denn von diesem Kuchen wollen auch andere etwas abhaben.

Daniel Pecqueur ist mit Golden City ein sehr rundes Konzept gelungen. Der Leser erfährt von einzelnen Bestandteilen dieser zukünftigen Welt des Jahres 2090, gerade genug, um sich zurecht zu finden. Harrison Banks, die Hauptfigur des ersten Zyklus, ist hier der Nebendarsteller, denn wie es der Titel des vorliegenden Bandes schon verrät, im Kern agieren Die verlorenen Kinder. Aber Kinder sollen nicht vortäuschen, es handele sich um eine Geschichte für Kinder. Dem ist nicht so. Gleich in der Einleitung erlebt der Leser ein Kommandounternehmen. In sehr schöner Optik gleitet ein kleines Luftschiff auf eine private Insel zu. Kurz bleibt drinnen zwei Frauen noch Zeit einander hinzugeben, dann beendet eine betäubende Granate das Liebesspiel. Eine der beiden Frauen wird diesen Überfall nicht überleben.

Dem entgegen stehen die Kinder unterschiedlichen Alters in der nächsten Szene. Obwohl jung an Jahren haben sie sich schon mehrfach ihrer Haut erwehren müssen. Und Daniel Pecqueur macht klar: Glückliche Szenen wie jene, denen der Leser gleich zu Beginn beiwohnen darf, sind selten und halten nicht lange vor. Kurz nach einem Ausflug in vergangene Geschehnisse weiß der Leser genug, um von Pecqueur mit auf die Reise genommen zu werden. Ein gutes Science Fiction Ambiente, im besten Sinne des Wortes und fein durchdacht schafft den Rahmen für Helden und Schurken. Langsam verlagert sich die Handlung in die titelgebende Umgebung der Reihe: Golden City.

Nicolas Malfin, ein Vertreter des Euro Manga Stils, arbeitet in jeder Einstellung äußerst präzise. Selbst organische Stoffe, Unregelmäßigkeiten werden mit der selben Präzision zu Papier gebracht. Ist den Gesichtern der Charaktere deutlich ein Einfluss durch Mangas anzusehen und eine gewisse Vereinfachung in der Darstellung, gewinnen die Bilder durch feine Perspektiven, die penible Darstellung von Orten und die überaus gelungene Körperlichkeit der Figuren in Aktion.

Besonders die Orte können mehr als überzeugen. Mit ihnen schafft Malfin den hervorragenden Eindruck dieser Welt, die den Schritt über den Rand zum Abgrund schon hinter sich hat. Einerseits erhascht der Leser Einblicke auf ein Gebäude, das wie Internat der besseren Gesellschaft wirkt, er erblickt einen Konferenzraum mit Aussicht auf eine Unterwasserwelt, andererseits darf er miterleben wie die zwei der Kinder sich auf einem Friedhof kennenlernen, als eines der beiden die Kerzen auf den Gräbern stehlen will. Dies sind nur drei von sehr vielen Beispielen, die für eine sehr dichte Atmosphäre sorgen und ebenso beispielhaft für die gesamte Reihe sind. Dank Malfin und Pierre Schelle, der für die Farbgebung zuständig ist, geht man als Leser unmerklich auf Entdeckungsreise, während sich gleichzeitig die Geschichte immer mehr ausbreitet.

Hier gehen Science Fiction und Abenteuer wunderbar Hand in Hand. Der siebte Teil der Reihe ist gut für Neueinsteiger geeignet. Daniel Pecqueur erzählt ruhig, baut einen Handlungsabschnitt auf den nächsten, lässt sich Zeit und gibt so Nicolas Malfin den benötigten Raum, um die Wirkung seiner Bilder zu entfalten. Tolle Comic-Unterhaltung. 🙂

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Samstag, 20. März 2010

Yiu – Die Apokalypse 3

Filed under: SciFi — Michael um 21:08

Yiu - Die Apokalypse 3Die Kreatur lebt. Der Anti-Christ. Das Monster ist geboren. Jemand wollte, dass es dazu kommt. Und nun ist es an Yiu, diese Misere nicht nur unter den Teppich zu kehren, sondern dieses Ding auch endgültig zu vernichten. Die Welt besteht bereits aus Chaos. Dieses Wesen, das aus einem tiefen Schacht voller Flüssigkeit herauftaucht, ist lebendes Chaos. Tod und Vernichtung marschieren Seite an Seite. Yiu ist eine Meisterin ihres Faches, des Tötens, dennoch ist es fraglich, ob sie diese Monströsität aufhalten kann. Deshalb geschieht etwas für die junge Frau sehr Ungewöhnliches. Sie soll im Team arbeiten.

Die Saga um die Entstehung dieser furchtbaren neuen Zivilisation, die diese Definition überhaupt nicht verdient, geht in die dritte Runde. Das Tier ist erwacht. Oft beschworen in Apokalypsen und Offenbarungen bahnt sich nun ein neues Ungeheuer seinen Weg. Wer allerdings glaubt, er habe nach Omen, Die Prophezeiung, Warlock oder Exorzist alles über Teufel und Teufelchen gesehen, der täuscht sich gewaltig. Denn gewaltig ist das, was Tehy und J.M. Vee sich hier ausgedacht haben. Man könnte, betrachtet man sich das Ausmaß der Zerstörung in den Bildern als die Emmerichs des SciFi-Horror-Comics bezeichnen.

Das Tier selbst ist nackt, neu geboren zwar, aber alles als gut beieinander. Man mag sich an einen dämonischen Titanen erinnert fühlen. Die Ansichten, auch die Gewalt des Wesens sind nichts im Vergleich zu dem, das im Laufe der Handlung noch auf den Leser zukommt. Nachdem Yiu für ihren Auftrag instruiert worden ist und sich mit ihrem Team zwangsweise auf den Weg macht, darf der Leser den mörderischsten und auch spektakulärsten Angriffsflug in einem Comic miterleben, wie es ihn vorher noch nie zu sehen gab. Und niemand sollte glauben, dass mit Erreichen des Zielortes schon das Ende der Fahnenstange ebenfalls erreicht ist. In diesem Triathlon der Killer, diesem Iron Womanexplodiert es, schießt es, knallt es, jagt es durch die Luft und in die Luft, spritzt es Feuer und Blut, wie es kaum zu beschreiben ist.

Aber eben nur kaum. Ein neulich erst gelerntes Wort passt sehr gut auf diese Art Geschichte: Seitenumblätterer (engl. Pageturner). Tehy und J.M. Vee behalten uneingeschränkt den Überblick. Die Action, die sich hier abspielt, ist mit sehr großer erzählerischer Sicherheit choreographiert. Mit Nicolas Guenet haben sie den passenden Tänzer dazu gefunden.

Guenet erschafft kleine Gemälde, stark Heavy Metal geprägt, sehr aufwendig, mit einer grafischen Technik wie sie auch den Hildebrandt-Brüdern zueigen war. Guenet arbeitet deckend, nicht lasierend, wie es bei Zeichnern der Fall ist, die mehr mit Aquarellfarben oder Gouache umgehen. Der Farbauftrag ist milchig, zuweilen auch wie fein aufgesprüht, insbesondere bei Hintergründen, um eine feinere Struktur zu erreichen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen sind seine Farben eher zurückhaltend, etwas dunkler. Grelle Ausflüge wie ein leuchtendes Blau, mit dem das Tier emporsteigt, finden sich nur zur Unterstreichung einer Besonderheit.

Die technische Ausführung wie auch der Aufwand sind absolut beeindruckend, einzig werden sich Fans von eher traditioneller Science Fiction mit den Darstellungen nicht anfreunden können. Wer Filme wie Event Horizon noch anschauen konnte, muss sich auf die ungefähr hundertfache Dosis des dort gezeigten Horrors einstellen.

Weiterhin nichts für Zartbesaitete! Aber: Was für eine Achterbahnfahrt! In Sachen Action und Aufbau hat gerade diese dritte Epsiode Vorbildcharakter. Dergleichen will auch gelernt sein, mag man vom Szenario halten, was man will. Wer Heavy Metal oder F.A.K.K. 2 mochte, liegt hier höchstwahrscheinlich goldrichtig. Alle anderen: Mal einen vorsichtigen Blick riskieren. 🙂

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Star Wars Essentials 7

Filed under: SciFi — Michael um 17:40

Star Wars Essentials 7 - Die dunkle Seite der MachtWährend Leia, Chewbacca und C-3PO auf den Spuren von Darth Vader Nachforschungen anstellen und einem merkwürdigen Volk begegnen, das glaubt, immer noch eine Bringschuld gegenüber dem Imperium zu haben, hat Luke Skywalker seine eigene, sehr merkwürdige Begegnung. Dachte man bisher doch, dass alle Jedi verstorben seien und Luke der erste einer neuen Reihe von intergalaktischen Rittern sei. Der Jedi-Meister CBaoth belehrt ihn eines Besseren. Der Mann mit den langen weißen Haaren, dem Vollbart ist so ganz anders als der ehrwürdige Yoda.

Dieser Jedi-Meister erwartet keine Widerworte, keine Fragen. Gehorchen ist das oberste Gebot. Strafe erwartet den, der Gebote oder Anweisungen missachtet oder in Frage stellt. Erst mit dem Eintreffen von Mara Jade, der früheren Hand des Imperators, fällt die letzte Maske des Jedi-Meisters und seine wahre Gesinnung offenbart sich.

Als Terry Dodson noch nicht so bekannt war, zeichnete er mit Die dunkle Seite der Macht eine der besten Comic-Umsetzungen aus dem Star Wars Universum. Basierend auf der Trilogie von Timothy Zahn entstand mit der vorliegenden Ausgabe die Comic-Adaption des zweiten Bandes. Mike Baron orientiert sich sehr gut am Roman, beschränkt sich nicht nur auf das Nötige, sondern erfasst auch das nötig Atmosphärische der Geschichte um das Aufkeimen einer neuen imperialen Bedrohung.

Terry Dodson, inzwischen einer breiten Leserschaft aufgefallen durch Publikationen in den Reihen Wonder Woman, Harley Quinn, Spider-Man oder auch Einzelausgaben wie Träume Band 1, Coraline schafft hier mit seinen Bildern eine saubere und sehr dichte Fortführung des bekannten Krieg der Sterne. Optisch orientiert er sich an den Schauspielern der ersten Trilogie, dessen Vorgeschichte der Fan durch die Clone Wars immer noch erleben darf.

Die einzelnen Helden wie auch die Nebenfiguren sind häufig sehr gut getroffen, so dass sich sehr schnell ein kleiner Film abspielt. So hätte man sich als Star Wars Maniac gerne eine filmische Fortführung gewünscht, besonders da mit der neuen Gegnerfigur des Admiral Thrawn ein spannender Charakter entstanden ist. Für diesen existierte kein filmisches Vorbild (obwohl es bei anderen Zeichnern Anflüge gab, das Gesicht an reale Personen anzulehnen). Thrawn ist so die ideale Fassade. Ganz in Weiß gekleidet, mental aalglatt und kalkulierend, mit blauer Haut, pechschwarzen Haaren und roten Augen hat er zwar etwas menschliches an sich, ist konzeptionell aber mehr eine Mischung aus Vader und Sidous.

Grafisch ist der gesamte vorliegende Band ein Beweis für Dodsons technische Versiertheit. Die Tuscheumsetzung durch Kevin Nolan folgt exakt den Vorgaben und strichelt, schattiert mit der selben Sorgfalt und scharfkantigen Abgrenzung. Die Farbgebung von Pamela Rambo wartet mit der sehr weichen Kolorierung im Stile eines Aquarellauftrages auf. Das gibt den Bildern etwas mehr Fülle, verzichtet aber auf starke Schattierungen. Hier geht es nicht um Volumen, vielmehr werden die Bilder besser fühlbar, organischer. (SciFi-Fans werden Pamela Rambo auch durch ihre Arbeit an der Serie Y: The Last Man kennen.)

Eine tolle Handlung: Klassische Star Wars Unterhaltung, nach einer Vorlage einer der besten Buchtrilogien aus einer sehr langen Reihe von Publikationen. Entsprechend lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass Mike Baron eine sehr gute Adaption geschaffen hat. Wer Fan ist, sollte sich weder diesen, noch den ersten oder den abschließenden Band entgehen lassen.

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