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Comic Blog


Montag, 11. Oktober 2010

Die Vier von der Baker Street 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:16

Die Vier von der Baker Street 1 - Das Geheimnis des Blauen Vorhangs1889. Der englische Gentleman, der sich in den Londoner Stadtteil Whitechapel verirrt hat, ist misstrauisch, indes seine Verfolger bemerkt er trotzdem nicht. Die kleinen Streuner, Kinder allesamt, gehören so sehr zum Stadtbild, dass sie niemand zu beachten scheint. Für Sherlock Holmes, den bekannten Detektiven, bedeuten sie ein hervorragendes Instrument der Beschattung. Und er kann sich auf sie verlassen. Je öfter sie ihrer Beschäftigung für den Meisterdetektiven nachgehen, umso versierter werden sie in ihrer Arbeit. Umso mehr sehen sie sich auch imstande, einen Fall selbst aufzuklären: Das Geheimnis des Blauen Vorhangs.

Die Baker Street Boys, Tom, Billy und Charlie, haben sich für ihre Verhältnisse gut mit dem Leben arrangiert. Tom, etwas eigenbrödlerisch, ist sogar auf dem besten Wege, sein Herz an das Blumenmädchen Betty zu verlieren. Als sie vor Toms Augen entführt wird, hält ihn nichts davon ab, ihre Spur aufzunehmen, um sie zu befreien.

Ein Serienauftakt ist immer etwas Besonderes. Mit den Vier von der Baker Street ist den drei Erzählern ein perfekter Start geglückt. Nach der anfänglichen detektivischen Arbeit in jener Zeitperiode, die nicht nur durch die literarische Figur Sherlock Holmes, sondern auch durch den realeren Mehrfachmörder Jack the Ripper in historischer Erinnerung geblieben ist, müssen sich die drei Helden auf eine gefährliche Rettungsmission aufmachen. Drei? Ja, richtig, zu Beginn sind es noch drei, aber so wie aus einem bekannten Duo im Laufe eines Comics einmal drei wurden, werden es auch hier … vier.

Die Erzählung besitzt Charme, Humor, Spannung, die Atmosphäre eines Jungendabenteuers von Dickens und auch ein gewisses Disney-Flair. Hätte ein Film wie 101 Dalmatiner konsequenter in einer Albumfassung gestaltet werden können, sicherlich auch mit den technischen Möglichkeiten von heute, hätte etwas ähnliches wie die Grafiken von David Etien daraus entstehen können. Die Qualität des Titelbildes zieht sich durch den gesamten Band und wurde nicht, wie in anderen Fällen, mit mehr Zeitaufwand gestaltet. Wer genau hinschaut wird viel vom Disney-Look entdecken.

Deutlich runde wie auch sehr schmale Gesichter mit großen Augen und breit ausgeführten Mündern. Stilistisch schwer anmutende Schurken mit pyramidenartigem Kopf, einem Oberkörper wie ein Fass und vergleichsweise Stummelbeinen. Ein eher bedächtiger Obergauner, mit einem Gesicht, wie es auch zu einem Kapitän Ahab passen könnte. Ein König der Bettler, der anmutet, als habe er einen Bruder bei den Ratten, der Rattenzahn heißt (aus: Basil, der große Mäusedetektiv, eine tierische Hommage an Sherlock Holmes). Gleichwohl ist bei aller Ähnlichkeit der Stilrichtung ein weitaus größerer Realismus hier zu finden.

Dies zeigt sich in allen Belangen, grafisch wie erzählerisch. Sind die Helden auch Kinder, wird das Thema Zwangsprostitution, besser gesagt die verbrecherische Versteigerung eines unberührten Mädchens, zum Hintergrund der Handlung. Da lassen die beiden Erzähler J.B. Djian und Olivier Legrand im wahrsten Sinne des Wortes den Spaß aufhören. Einerseits gibt es artistische Action zu bestaunen, andererseits fehlt den brutalen Schurken die disneysche Überspitzung, um spaßig zu sein.

David Etien hingegen bezaubert mit tollen Ansichten eines victorianischen Londons. Ob Gesamtansichten aus der Luft, die herrschaftlichen Straßen oder auch das Reich des Bettlerkönigs, alles ist prächtig anzuschauen und alleine für sich einen Blick wert.

Eine sehr liebevolle und mit Sinn für Perfektion ausgearbeitete Geschichte: Ein jugendliches Abenteuer mit ernstem Hintergrund, eine Hommage an den größten literarischen Detektiven, mit einer grafisch anspruchsvollen Gestaltung. Sehr gut. 🙂

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Mittwoch, 06. Oktober 2010

Valerian und Veronique 21 – Der Zeitöffner

Filed under: SciFi — Michael um 17:16

Valerian und Veronique 21 - Der ZeitöffnerDie Wolochs wirbeln das bekannte Universum durcheinander. Söldner und Monster versuchen sich ihren Teil der Zerstörung und Vernichtung zunutze zu machen. Daneben finden sich immer mehr Widerständler zusammen, die nur ein Ziel haben: Die Wolochs dahin zurückzuschicken, woher sie gekommen sind. Der Schlüssel zum Sieg über die Wolochs ist der Zeitöffner. Doch es bedarf einer Zeremonie, durchgeführt von reinen Seelen, um das Gerät zu aktivieren. Valerian und Veronique scharen ihre Freunde um sich. Ein riesige Flotte macht sich auf den Weg, den Feind täuschend, um das riskante und einzig mögliche Unternehmen zum Sieg zu führen. Und am Ende …

Alles hat ein Ende. Sage und schreibe nach 21 Bänden findet die Saga um Valerian und Veronique ihren Abschluss. Das Universum findet sich im Chaos versunken. Die Wolochs, gigantische und herzlose Monolithen, verbreiten mit ihrer Invasion eine apokalyptische Stimmung quer über alle existierenden (raumfahrenden) Völker. Nach und nachkommen viele bekannte Gesichter bisheriger Abenteuer zusammen, gibt es Rückblicke und darf der Stammleser einige bekannte Szenen oder auch Anspielungen Revue passieren lassen. Das ist nicht nur Apokalypse, das ist Abschiedstimmung.

Pierre Christin, Jahrgang 1938, schrieb diese Serie, deren erstes Abenteuer bereits 1967 erschien. Nur sehr sehr selten schaffen es Serien derart alt zu werden und eine Faszination zu wecken, wie es Valerian und Veronique geschafft haben. Die beiden Raumzeitagenten erleben ihre Abenteuer entsprechend ungebunden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Im Abspann wird zwar eine Zeitleiste der Abenteuer veröffentlicht, das bedeutet jedoch nicht, dass diese Chronologie zwingend ist. Denn die Handlungen überlagern teilweise Gegenwart und Zukunft, so dass einzelne Zyklen auch unabhängig voneinander verstehbar sind.

Anspielungen, feinfühliger und auch alberner Humor, großer Ideenreichtum und der Sinn für eine gelungene Erzählung machen die Reihe zu etwas Besonderem. Jean-Claude Mezieres, der die Serie von Anbeginn an betreut, wies mit seinem grafischen Stil auch den Weg für andere Veröffentlichungen wie jener Abenteuer aus dem Troy-Universum, ist jedoch stilistisch reduzierter, aber in keinem Fall altmodisch. Ein Vorwurf, der angesichts des Alters der Reihe entstehen könnte. Im Gegensatz zu anderen Zeichnern hat Jean-Claude Mezieres auch sehr früh zu seinem grafischen Stil gefunden und diesen beibehalten. Während sich manche Figuren bei ihren Stammzeichnern über die Jahre hinweg deutlich verändern, hat Jean-Claude Mezieres diese höchstens noch ein wenig reduziert und seinen instinktiven Strich kultiviert.

Der Humor entsteht nicht nur durch die Erzählung allein, sondern auch und gerade durch die Charaktere, auch ihrer Konstellationen zueinander. Es ist unbeschreiblich, was hier alles aufeinander trifft, gerade im vorliegenden großen Finale Der Zeitöffner. Auf seiner Homepage zeigt Jean-Claude Mezieres, dass er sich nicht scheut, filmische Anleihen zu nehmen. Für Fans der Reihe entsteht so auch immer ein wenig Suchbildcharakter.

Der Tuschestrich ist waghalsig, organisch, immer etwas wackelig auch. Wenn mal etwas daneben gegangen ist, dann ist das eben so. Und es stört keineswegs. Der so entstehende Ausdruck erzeugt Atmosphäre. Die Farbgebung ist schlicht und zumeist ohne großartige Schattierungen. Wie sehr allerdings eine Veränderung durch eine aufwendigere Kolorierung eintreten kann, zeigt sich an einigen erzählerischen Einschüben, die auf die Gesamtereignisse im Universum hinweisen. Diese Kolorierung ist malerischer, kräftiger, eigentlich greift sie den Tuschestrich auf. Eine durchgehende Kolorierung in dieser Art wäre schön, aber für die Reihe ungewöhnlich gewesen.

Die Vorkenntnis vergangener Abenteuer ist ein Muss. Mit dem vorliegenden Band 21 schließt die Reihe auf sehr schöne Weise ab (sogar mit der Option auf einen Neubeginn). Wer über die Jahrzehnte der Erscheinung der Reihe einiges verpasst hat, kann dieses demnächst mit der Veröffentlichung der Gesamtausgabe nachholen. Ein Klassiker. Top! 🙂

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Dienstag, 05. Oktober 2010

Star Wars Sonderband 55 – Invasion 1

Filed under: SciFi — Michael um 17:48

Star Wars Sonderband 55 - Invasion 1 - Angriff der Yuuzhan VongDie Besatzung des kleinen Sternenschiffes hatte sich nicht auf besondere Vorkommnisse eingerichtet. Eher beschaulich verläuft die Reise des Wookies und der Chiss-Frau, als eine Nachricht die Langeweile beendet. Ein Volk wurde vernichtet. Der letzte Überlebende schickt eine Warnung vor den Yuuzhan Vong hinaus ins All. Obwohl er einer Kriegerrasse entstammt, der Kampf alles galt, hat er nur einen Rat für alle anderen: Flucht. Die Yuuzhan Vong, so sein Fazit, kann niemand aufhalten.

Die Yuuzhan Vong: Eine Rasse, die vollkommen auf Eroberung ausgerichtet ist. Die keine Gnade kennt. Der es gleich ist, ob sich ein Feind verteidigt oder nicht. Die Fremdartigkeit der Yuuzhan Vong, abgesehen von ihren Absichten, läuft etwas aus der gewohnten Bahn des Kriegs der Sterne. Das Volk ist überaus monströs, viel monströser als alles, was je eine Cantina von innen gesehen hat. Ihr Auftreten und ihr Eroberungswillen wirken wie eine Mischung aus den Schatten aus Babylon 5 und den Necromongers aus Riddick. Besonders ihre lebende Schiffstechnologie erinnert sehr stark an die Schatten.

Tom Taylor, Autor, entführt den Leser in eine Zeit des Aufbruchs. 25 Jahre nach der Schlacht um Yavin scheint sich die Galaxis zu beruhigen. Ein neuer Jedi-Orden nimmt Gestalt an. Just zu diesem Zeitpunkt beginnt die Invasion der Yuuzhan Vong. Ihr Auftreten mag manchen Star Wars Fan auch an die Invasion durch die Ssi-Ruuk erinnern. Parallelen sind vorhanden. Beide Spezies sind mit den Sith verknüpft. Erstere mit Darth Krayt, letztere sogar mit Imperator Palpatine. Hier offenbart sich schnell eine Schwäche der Geschichte: Es ist viel geschehen. Das Star Wars Universum hat sich weiterentwickelt. Kinder wurden geboren, Beziehungen geschlossen, Chewbacca ist verstorben. Ein Nicht-Fan wird viele Schwierigkeiten der Stamm-Charaktere untereinander nicht einschätzen können.

Bleibt, wie in allen Star Wars Geschichten, eine Reihe von neuen Figuren, die hier frisch kennengelernt werden können. Wie in einem Filmschnitt wird zwischen den einzelnen Handlungsebenen gesprungen, manchmal etwas zu ruckhaft, aber immer mit einer Geschwindigkeit, die zum Weiterlesen zwingt. Neben der Brutalität, die der Kampf gegen die Yuuzhan Vong zwangsläufig mit sich bringt, kann die neue Spezies mit ungewöhnlichen Angriffstechniken überraschen. Ihre Art, tödliche Kreaturen in der Schlacht einzusetzen, bringt außergewöhnliche Ansichten hervor.

Colin Wilson, einerseits als Zeichner im Star Wars Universum erprobt, ist gleichzeitig in verschiedenen Genres außerhalb der Space Opera versiert. Blueberry (Western), Point Blank (Superhelden) oder Rain Dogs (Science Fiction) gehören zu seinen vielfältigen Veröffentlichungen. Seine Bilder sind stets kraftvoll, mit starker Strichführung und stehen in enger Verwandtschaft zum Stile eines Cam Kennedy, der mit Das dunkle Imperium nachhaltigen Eindruck in den schier unzähligen Star Wars Veröffentlichungen hinterlassen hat. Wilson gehört zu den Zeichnern, der solchen Fußstapfen mit Bravour folgen kann.

Obwohl er nicht zu den Künstlern gehört, die versuchen die Gesichter der bekannten Figuren schauspielergetreu wiederzugeben, fängt er den Kern einer Figur wie Luke Skywalker (Mark Hamil) oder Han Solo (Harrison Ford) ein. In seinem persönlichen Stil ist ein Grinsen sofort Han Solo zuzuordnen, ist ein Lächeln sogleich als jenes von Luke Skywalker erkennbar. Mit sichtlicher Freude hat er die Aliens gestaltet, von denen es gerade auf dem Schmugglermond Nar Shaddaa nicht wenige gibt.

Grafisch top, aber Invasion ist nicht gerade eine Einsteigergeschichte in das unbändig gewachsene Star Wars Universum. Wer Fan ist und sich auskennt, wird sich über die tolle Arbeit von Colin Wilson freuen. Sich an die schnelle Erzählung von Tom Taylor zu gewöhnen, fällt leicht. 🙂

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Sonntag, 26. September 2010

Slhoka 4 – Die Blutbögen

Filed under: SciFi — Michael um 20:20

Slhoka 4 - Die BlutbögenDas Feuer brennt hoch, breitet sich ungehemmt aus und vernichtet die Stadt mit Mann und Maus, mit Freund und Feind. Der Herrscher tötet sein eigenes Volk und wirft für den Sieg eine komplette Stadtbevölkerung in die Waagschale. Längst treibt der Größenwahn ihn voran, längst steht die Vernichtung über allem. Nach diesem Feind die ganze Welt. Grenzen existieren nicht mehr. Slhoka, mit einer einzigartigen und mächtigen Gabe versehen, will eigentlich seine Geliebte retten, die nicht mehr Herr ihrer Sinne ist und über eine ähnliche Macht verfügt wie er. Doch wird er immer tiefer in diesen Krieg hineingezogen, von dem er eigentlich nichts mehr wissen will, nicht ahnend, dass Götter im Hintergrund ihre Fäden stetig dichter um ihn weben.

Lange hat es gedauert, aber jetzt liegt der abschließende 4. Band des ersten Slhoka-Zyklus vor und wartet mit einem Finale auf, das sich gewaschen hat. Leser der ersten drei Bände müssen sich auf einen neuen Zeichner einstellen. Der bisherige Künstler, Adrien Floch, wird von Ceyles abgelöst. Floch, dessen Arbeiten von den Schiffbrüchigen von Ythag her bekannt sind, hat die Hürde für einen Nachfolger hoch gehängt, aber Ceyles schafft den Satz darüber ohne Mühen.

Während Floch eher ein Skizzierer ist, der den leichten Stil auch in der Endform beibehält, ist Ceyles strenger, sauberer. Fans von Fantasy-Szenarien mögen seine Technik, obwohl sie nahe an Flochs Grafiken heranreichen, eher in der Linie eines Jean-Pierre Danard (Marlysa) sehen, also deutlich verspielter, eine Richtung, die ein Floch erst mit neueren Ythag-Bänden ebenfalls eingeschlagen hat.

Ceyles steigt mitten in einen Krieg ein. Der Purpurne, ein größenwahnsinniger Diktator, hat eine ultimative Waffe ausgelöst. In einem Flammenmeer gehen Feinde und eigene Truppen unter. Ceyles fällt die Aufgabe zu, ungeheuer viele Massenszenen und Bilder von Kämpfen zu zeichnen. Zu Lande und in der Luft geht es voran, gegeneinander, fliegen die Fetzen, explodiert es, spucken Waffen ihre Geschosse aus und jagen magische Blitze durch die Luft. Aus einem Konflikt zwischen Nationen wird eine Auseinandersetzung mit Göttern.

Der 4. Band von Slhoka führt den Leser auf einem langen und ausführlichen Weg zu den Blutbögen. Ein ums andere Mal beweist Ceyles seine Fertigkeiten bei der Gestaltung dieser fremden Welt. Landschaft und Architektur, Kriegsgerät, uralte Dschungelruinen, verschiedenste Völker und Uniformen bieten eine sehr dichte Atmosphäre für das Auge. Neben der eigentlichen Handlung gibt es immer etwas zu entdecken. Es gibt keine vordergründigen Bilder, in denen auf Hintergrund zugunsten einer schwammigen Farbe verzichtet wurde. In den meisten Fällen sind die Figuren in einen Hintergrund eingebettet. Die Kulisse scheint stets sorgfältig vorbereitet worden zu sein.

Wo Ceyles den Rahmen schafft, entwirft Torta, zuständig für die Farben, ein Feuerwerk. Das Titelbild zeigt den Stil auf. Prall ins Auge könnte man sagen. Leichte Erinnerungen an Animeklassiker kommen bei der Ansicht fliegender Festungen in den Sinn. Aktuelle Kinofilme mögen als Vergleich herangezogen werden, betrachtet man den Kampf eines Naturvolkes gegen seine technisch weit überlegenen Invasoren. Sanfte Farbverläufe, Füllmuster, die sehr fein angelegt sind, starke Schattierungen und Kontraste sorgen für sehr plastisch wirkende Bilder.

Ein starker, heftig knallender Abschluss eines Vierteilers: Ulrig Godderidge, der Autor, fährt von allen Seiten alle Parteien ins Finale auf. Das hat neben beinharter Action sehr viele emotionale Momente. Ein sehr ausgewogenes SciFi-Fantasy-Abenteuer. Die Kenntnis der ersten drei Teile ist ein Muss. 🙂

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Spider-Man und die neuen Rächer 30

Filed under: Superhelden — Michael um 20:17

Spider-Man und die neuen Rächer 30Helden, die sich zu einer Gruppe zusammenfinden, gab es schon oft. Schurken, die ähnliches versuchten, gab es nicht weniger, allerdings fehlte ihnen häufig die Disziplin, um ein Bündnis dauerhaft zu führen. Norman Osborn und seine ganz persönlichen Rächer scheinen dieses Kunststück dank seiner starken Hand zu gelingen. Anderen geht es nicht so. Das weckt Neid. Norman Osborn hat die Macht. Noch. Denn andere wollen ein Stück von diesem Kuchen abhaben. Brian Michael Bendis, einer der namhaftesten Marvel-Autoren der letzten Jahre, fiel besonders mit seinen Beiträgen zum Ultimativen Universum auf. Zusammen mit Stuart Immonen, Zeichner und ebenfalls Veteran des Ultimativen Universums, beleuchtet er die Schurkenseite des Marvel-Events Dark Reign mit einer recht interessanten Facette.

Wenn es Schurken gelänge, anderen, Helden wie Schurken, die Superkräfte zu nehmen, was könnte sie noch aufhalten? Einfache Antwort: Nichts. Da Marvel-Universum käme in eine ähnliche Situation, wie sie auch die Marvel-Zombies heraufbeschworen haben, nur ohne das Aufessen. Plötzlich müssen die Rächer chancenlos aufgeben. Ihre Kräfte schwinden nicht nur, sie wenden sich gegen sie. Daraus resultieren neue und ungewohnte Situationen, spannende Momente, die bei all dem Kräftemessen, dem Herumprügeln auf Übermenschenniveau oft fehlten. Denn auffällig ist: Die Heldengeschichten sind erst dann richtig gut, wenn sie nicht nur mit ihrem Latein, sondern auch mit ihren Kräften am Ende sind.

Stuart Immonen schafft auf der Basis der Vorgaben von Bendis tolle Bilder, die immer noch Action-Kracher sind, aber den Helden alles abverlangen. Zur Verdeutlichung: Selbst die Überfigur Sentry wird zum greinenden Häufchen Elend, nachdem die Kräfte futsch sind. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Osborns dunkle Rächer absolvieren einen grandiosen Auftritt und … Vor dem Haupthandlungsstrang verblassen die kleinen Nebenschauplätze, auch solche, die noch einmal interessant werden.

Immonen beherrscht eine Jugendstil-ähnliche Zeichentechnik, sehr klar, exakt, bei Haaren gerne auch etwas verschnörkelt, die hier wunderbar durch Wade von Grawbadger (Tusche) und Dave McCaig (Farben) unterstützt wird. Von Grawbadger setzt eine dickere Außenlinie, ist großzügig mit Schattierungen, die in feinen Schraffuren auslaufen. Feine Innenlinien sind auf das Nötigste beschränkt. Die Farbgebung folgt dieser Vereinfachung. Dennoch wirken die Bilder so, als seien Fotovorlagen, am besten aus entsprechenden Filmen nachgezeichnet worden. Immonen komponiert damit zuweilen seitenübergreifende Bilder, sogar komplette Doppelseiten. Das Duell am Times Square ist ein Beispiel für ein perfektes Comic-Bild.

Eine wirklich geniale Fortführung des Dark Reign Komplexes, die den Allmachtgedanken aus diesem Marvel-Ereignis zumindest zeitweilig entfernt und am Schurkenthron sägt. Bestens erzählt und gezeichnet. Top! 🙂

Links: www.jinxworld.com (Homepage von Brian Michael Bendis)

Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud 8

Filed under: Cartoon — Michael um 20:14

Die  gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud - Buch 8Ruchlose Machenschaften: In einer Badewanne zu baden, schadet Ihrer Gesundheit. Oder besser: In einer bestimmten Badewanne zu baden, schadet Ihrer Gesundheit. Denn möglicherweise verschwinden Sie hierdurch, durch den Abfluss nämlich, und landen … nun, ja, ganz woanders eben. Isnogud, der schon mehrmals mit magischen Gegenständen versuchte, sich seinen Traum zu erfüllen (na, was schon), möchte gerne den Kalifen in die Wanne einsteigen und verschwinden sehen. Aber wie soll er den Beherrscher der Gläubigen dazu bewegen? Man sieht Isnogud selten sprachlos, doch als Harun al Pussah, der Kalif, ein Bad eingelassen haben möchte, geschieht genau das. Wenigstens ganz kurz.

Blick zurück ohne Zorn: Zäumen wir das Pferd einmal von hinten auf. in Isnoguds Rückkehr, dem dritten der vorliegenden Alben in diesem Sammelband, stellten sich Rene Goscinny und Jean Tabary eine ungewöhnliche Frage: Was geschieht eigentlich nach dem Schluss eines Abenteuers?

So oft der Leser Isnogud nach einem vollendeten Abenteuer verließ, so oft sah er in einer Art Bedrängnis. Verflucht, auf der Flucht, verwandelt, verbittert, traurig, kurzum, irgendwie schien er aus derlei Situationen eigentlich nicht mehr herauskommen zu können. Und dennoch: Im nächsten Abenteuer war Isnogud wieder in alter Frische unterwegs, um seinen langgehegten Wunsch zu erfüllen: Kalif anstelle des Kalifen zu werden!

So darf der Leser nun in kleinen Episoden an das Ende verschiedener Abenteuer springen und erleben, wie Isnogud aus seinem Malheur entkommt? Natürlich nicht! Goscinny und Tabary lösen zwar eine Situation auf, aber sie schicken ihren Helden gleich in die nächste Grube. So ist am Ende nichts gewonnen, bis auf eine Sache: Die Lachmuskeln des Lesers werden in dieser Kürze perfekt strapaziert. Da kein ausuferndes Erzählen möglich ist, wurde jede kleine Geschichte vollkommen auf den Punkt gebracht. Da kann es passieren, dass (weil es so viel Spaß gemacht hat) das neue Ende einer Geschichte noch einmal vollendet wird.

Bestes und kuriosestes Beispiel: Isnogud, der infolge einer Verwandlung zu einem hässlichen Hund wurde, wird zu einem hässlichen Baby und daraufhin zu einem … Isnogud hat die Fähigkeit, sich nicht nur immer in Teufelsküche zu bringen, sondern sich auch noch häufig im Kreis zu drehen.

Die beiden ersten Alben, mit längeren Erzählungen und komplett von Jean Tabary in Wort und Bild gestaltet, starten mit einem Titel, der kaum glaubhaft scheint: Endlich Kalif?! Isnogud lässt sich in einem Moment der Schwäche zu einer unbedachten Äußerung hinreißen. Er will nicht mehr Kalif werden. Leider wird er dabei gehört. Das Problem: Isnogud war als Nachfolger des Kalifen vorgesehen, Nun muss ein Ersatz gefunden werden.

Auf dieser Basis kreiiert Tabary Verwicklungen in Serie, indem er Isnogud auf die Brüder des Kalifen treffen lässt, die nun wieder eine Chance haben, auf den Thron zu kommen. Tabary ist inzwischen derart versiert am Werke, dass es einen gewohnten Blick auf die Geschehnisse bei Hofe gibt. Allerdings besonders hervorzuheben sind hier die Bemühungen des Kalifen, einige Kilo zu verlieren. Die sportlichen Aktivitäten sind nicht dazu angetan, wirklich zu einer besseren körperlichen Befindlichkeit beizutragen, dafür strapazieren sie die Lachmuskeln umso mehr.

Viele in sich sehr runde und geschlossene Geschichten um Isnogud. Eine Menge neuer Ideen bereichern das Universum, von Goscinny und Tabary geschaffen, teilweise sogar mit bühnenreifen Szenarien. Perfekte Komödie! 🙂

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Samstag, 25. September 2010

Comanche 6 – Rote Rebellen

Filed under: Abenteuer — Michael um 15:22

Comanche 6 - Rote RebellenFeuerwasser: Die weißen Siedler kennen die Tücken dieses Zivilisationsgetränks. Für manchen Indianer bedeutet es inzwischen eine Flucht aus einem unerträglich gewordenen Leben in abgesperrten Ländereien. Als an diesem Tag plötzlich zwei indianische Reiter, völlig betrunken, in der Kleinstadt randalieren, um sich schießen und nicht mehr Herr ihrer Sinne sind, wundert sich niemand. Red Dust, der seit kurzer Zeit ein Silberstern ist, wie ihn einer der im Vollrausch angreifenden Indianer nennt, hat die Lage schnell und besonnen unter Kontrolle. Eine Lösung für das weitaus schwerer wiegende Problem ist damit noch nicht gefunden. Denn außerhalb der Stadt greifen die Cheyenne inzwischen einsame Farmen an. Comanche gerät in Lebensgefahr. Und es wird noch schlimmer.

Der Krieg ohne Hoffnung (Band 2) erlebt eine Art Fortsetzung. Der geschlossene Frieden zwischen weißen Siedlern, genauer gesagt der Regierung, und den indianischen Ureinwohnern ist mehr als wackelig. Grund ist die Uneinigkeit innerhalb des Stammes der Cheyenne. Während die einen ihre Chancenlosigkeit angesichts der Übermacht und Überzahl der Weißen einsehen, wollen andere lieber kämpfen. Notfalls wollen sie auch kämpfend untergehen. Den Roten Rebellen scheint alles besser zu sein, als das Herumvegetieren im Reservat.

Greg entwirft in der 6. Ausgabe der Reihe Comanche ein trauriges Western-Bild. Für den Fotoreporter, den es in diese Ecke des Wilden Westens verschlägt, sind die Ereignisse eine Art Sensationsfolklore: Die Indianer proben den Aufstand, die Kavallerie steht Gewehr bei Fuß. Ein kleiner Krieg steht vor der Tür. Greg arbeitet Einzelschicksale heraus, zeigt Standpunkte und konstruiert eine Ereigniskette, die wie umfallende Dominosteine einem unausweichlichen Ende zueilen. Ein versöhnliches, aber kein gutes Ende.

Das Drama äußert sich zwischenmenschlich, trotzdem Greg vergisst die Action nicht. Als gelungenes Spielelement ist der Flug eines Heißluftballons eingebaut. Für Hermann, mittlerweile ohne Übertreibung eine Zeichnerlegende, ist dergleichen ein willkommene Gelegenheit, um die Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. So findet sich die erste Szene mit dem Ballon auch gleich auf einer kompletten Seite wieder. Insgesamt ist die Seitengestaltung Hermanns in dieser Ausgabe sehr weit und klar. Das Auge findet Ruhepunkte und die Geschichte lässt auch Zeit zum Verweilen. Das ist nicht selbstverständlich. Hermann kreiert wunderbare Momentaufnahmen, in denen er tolle Bewegungsstudien abliefert.

Wie sehr sich Hermann auf Bildsprache versteht und ein sorgfältiges Arrangement zu gestalten weiß, zeigt sich in der Sequenz, die den Aufstand auf seinem Höhepunkt abbildet. Der Wechsel zwischen den Geschehnissen am Boden und den beiden Männern im Ballon, die dem Ganzen relativ tatenlos zusehen können, ist bester Hermann mit ähnlich guten Aufteilungen, wie er auch in Andy Morgan ablieferte.

Kein Helden-Western: Greg versucht den realen Westen einzufangen. Die Indianer sind die Verlierer, die Weißen sind nicht automatisch die Gewinner. Wie immer genial von Hermann gezeichnet, vielleicht sogar noch etwas besser, denn Hermann gehört zu den Zeichnern, die sich immer positiv weiterentwickelt haben. Top, ein Klassiker! 🙂

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Carthago 2 – Die Challenger-Tiefe

Filed under: Thriller — Michael um 15:21

Carthago 2 - Die Challenger-TiefeTibet, 1987: Die Expedition wird freundlich empfangen, allerdings nur, da sie Geschenke im Gepäck hat. Nämlich Waffen. Der Aufenthalt bei den Mönchen währt nur kurz. Die Forscher machen sich an den Aufstieg. Als sie das Basislager in über 6.000 Metern Höhe erreichen, erwartet sie ein grauenhaftes Bild. Sämtliche Männer, die dort auf sie warteten, wurden auf bestialische Weise getötet. Seltsamerweise scheint das den Ausrichter der Expedition nicht weiter nervös zu machen, wertet er das Massaker doch als Beweis für seine Theorie von der Existenz eines mysteriösen Wesens: Des Yeti.

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich erträumen lässt: Jedenfalls bringt Christophe Bec mehr Tiere wieder ins Leben zurück, als unsere Schulweisheit noch am Leben glaubte. Carcharodon Megalodon, ein urzeitlicher Riesenhai, gegen den der Große Weiße Hai ein Fischstäbchen ist, hat nicht nur in großer Tiefe überlebt, Exemplare seiner Art haben auch den Weg an die Oberfläche gefunden. Rückblicke zeigen eine Begegnung der besonderen Art, die allein schon ausgereicht hätte, um einen SciFi-Thriller zu entwerfen.

Christophe Bec ist jedoch kein Autor, der mit Ideen und Einfällen geizt. In der zweiten Episode von Carthago mit dem Untertitel Die Challenger-Tiefe verwebt Bec wissenschaftliche Fakten geschickt mit technischen Möglichkeiten. Er lässt sich durchaus auch von Romanen oder Filmen inspirieren und beschwört hier eine Art modernes Jules-Verne-Szenario herauf. Ein steinreicher Unternehmer will einem Rätsel auf den Grund gehen und scheut dafür keine Untat, auch Entführung und Erpressung nicht.

Die Fahrt geht in die absolute Tiefe des Ozeans, knapp 11.000 Meter hinab, in die ewige Finsternis. Während unten die Rätsel ergründet werden, ist das Rätsel oben sehr lebendig und treibt sein Unwesen. Während verschiedene Organisationen gegen die Bedrohung angehen wollen, auf ihre Art und in unterschiedlichen Situationen, wissen manche Naturvölker bereits seit langem viel mehr, was sich im Verborgenen auf der Erde abspielt. Geschickt gestreute Informationen, Schnippsel, halten die Aufmerksamkeitsspanne hoch, legen aber auch viele lose Enden aus, die wieder zusammengeführt werden wollen.

Eric Henninot entwirft zu dieser Geschichte Szenen, die geradewegs aus einem entsprechenden Film stammen könnten. Wenn im Jahre 1915 ein U-Boot von einem Kronosaurus angegriffen wird, ist das ein ganz klein wenig Jurassic Park (1990), vielleicht auch ein wenig Lost World (1912). Die Inspiration reicht sicherlich zurück bis zu einem Sir Arthur Conan Doyle. Irritierend in diesem Erzählstil, nichts, wofür Henninot etwas könnte, ist die Sprunghaftigkeit und die teilweise zerhackt wirkende Szenerie. So schön die Szene um den Kronosaurus auch ist und ein Puzzleteil des Gesamträtsels darstellt, zerreißt sie zunächst den Haupthandlungsstrang.

Henninot schafft in jedem Fall sehenswerte Szenen, die genau choreographiert sind. Der Rückblick, der nach Tibet ins Jahr 1987 führt und geradewegs zu einem ganz besonders aufregendem Bild, ist derart spannend ausgeführt, dass man als Leser wahrhaft traurig, dass es dort nicht weitergeht. Die Strichführung ist zart, zerbrechlich wirkend und auf das Allernötigste beschränkt. Außenlinien, Konturen, Falten, das ist alles. Da muss jeder Strich sitzen. Verrutschungen von Gesichtern, die in Perspektiven manchmal nicht so aussehen, wie sie aussehen sollten, gibt es bei Henninot nicht. (Bei Bec, wenn er zeichnet, schon. Deshalb die Anmerkung.) Henninot ist Perfektionist bis ins notwendige Detail.

Die Sanftheit der Zeichnung findet sich in der Kolorierung wieder. Es gibt weiterhin keine harten Schatten. Sehr leichte Verläufe, sanftes Computerairbrush, das eher allgemein aufgetragen ist, ohne körperlichen Konturen im Besonderen zu folgen. Das funktioniert durchaus bei dieser strikten Einhaltung. Wäre mehr Wert auf Volumendarstellung gelegt worden, hätten die Bilder eine größere Pracht entfalten können.

Ein grafisch sehr ansprechender SciFi-Techno-Thriller. Wer von BBC-Produktionen zum Thema Urzeit fasziniert war, Jurassic Park mochte oder auch Primeval, der sollte einen Blick riskieren. 🙂

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Mittwoch, 22. September 2010

Spider-Man 74

Filed under: Superhelden — Michael um 12:30

Spider-Man 74American Son: Norman Osborn scheint am Ziel seiner Träume angelangt zu sein. Er hat eine große Macht erlangt und niemand macht sie ihm ernsthaft streitig. Mit seinen neuen Rächern sorgt er für die Ordnung, die ihn weiterhin an der Macht erhält. Aber das genügt ihm nicht. Wie so mancher Vater hätte er gerne in Zeiten seines größten Triumphes auch seinen Sohn an seiner Seite. Harry Osborn, besagter Sohn, dem es über Jahre nicht nur gelungen ist, aus dem Schatten seines Vaters zu treten, sondern auch seine eigenen Dämonen hinter sich zu lassen, kann nicht anders. Die Umstände, jedenfalls empfindet er es so, lassen ihm keine andere Wahl, als in den Schoß der Familie zurückzukehren. Er ahnt nicht, dass er dabei in eine ausgeklügelte Falle läuft.

Dark Reign: Schurken machen besonders Spaß, wenn sie über die Maßen schurkisch und verschlagen sind. Norman Osborn, das andere Ich des Grünen Kobolds war früher eher wahnsinnig. Heute ist er größenwahnsinnig. Verstorben, zurückgekehrt, geschlagen, wieder aufgestanden, hat er zum Zeitpunkt der 74. Ausgabe der Spider-Man-Reihe einen Gipfel erklommen, auf dem ihm selbst ein Spider-Man nicht mehr zu schaden vermag.

Joe Kelly, der hier das Finale der Handlung um den American Son erzählt, hat über einen Dreiteiler hinweg eine schlaue Geschichte entwickelt, die wie eine griechische Tragödie anmutet. Alle Figuren sind aufgestellt. Alles mündet in den vorhergesehenen Konflikt, obwohl alle auf ihre Art darauf bedacht sind, genau diesen zu vermeiden. Ein kleines Puzzlestück lässt das gesamte Lügengebäude, errichtet von Norman Osborn, in sich zusammenstürzen.

Für den Leser gibt es in der Handlungslinie, die sich über die Ausgaben 72, 73 und 74 zieht, einige optische Leckerbissen. Spider-Man imitiert Venom und gerät in Bedrängnis. Norman Osborn schlüpft in die Rüstung des Iron Patriot. Harry Osborn wird der American Son. Gleich vier Zeichner haben diesen Endkampf in Szene gesetzt. Höchst realistisch, in technischer Perfektion, aber auch mit Unterschieden in der Machart. Stephen Segovia gestaltet exakt, aber auch rasant. Paulo Siquera und Amilton Santos zeichnen mit architektonischer Präzision, durchaus auch mit einem Hang zum Minimalismus. Hier ist kein Strich zuviel, keiner zuwenig.

Nach einem knallharten Finale wird es in der zweiten und letzten Geschichte der Ausgabe beschaulicher und privater. Tante May will heiraten und zwar niemand geringeren als den Vater von J. Jonah Jameson, jenen Verleger, der Spider-Man von Anbeginn als Schurken im Daily Bugle anklagte und verheizte.

Autor Roger Stern lässt es sehr viel ruhiger angehen. Die Bilder von Val Semeiks, sehr weich koloriert, unterstützen die Ruhe der Handlung. Hier hat Spider-Man nichts verloren. Hier geht es um spätes, auch verdientes Glück. Hier geht es um einen endgültigen Abschied von Onkel Ben, jene Vaterfigur, von Peter Parker alias Spider-Man, die viel zu früh aus dem Leben schied. Das ist eine überaus menschliche und warmherzig erzählte Geschichte, die bis auf einige wenige Momente nichts mit Superheldentum zu tun hat und sich einfach nur um Liebe und Familie dreht.

Eine gute Mischung aus dem Leben von Spider-Man: Im ersten Teil hochdramatisch und mit großem Aktionsanteil, in der zweiten Hälfte besinnlich. Prima. 🙂

Der unglaubliche Hulk – Staffel 1

Filed under: Comics im Film — Michael um 12:28

Der unglaubliche Hulk - Staffel 1Kraft: Wie kann es sein, dass völlig unscheinbare Menschen im Angesicht einer aussichtslosen Situation eine Kraft entwickeln, die ihrer körperlichen Befindlichkeit zuwider läuft? Im Klartext: Wieso kann eine kleine schmale Frau ihren Sohn aus einem Auto retten, indem sie es einfach anhebt? Dr. Banner stellt sich diese Frage nicht uneigennützig. Noch immer verfolgt ihn der Unfall, den er vor noch gar nicht langer Zeit mit seiner Frau hatte. Eine ähnliche Situation: Ein Auto kommt von der Straße ab. Während Dr. Banner aus dem Auto herausgeschleudert wird, ist seine Frau im Fahrzeug eingeschlossen. Ihm wird in diesem Moment nicht die nötige Kraft zuteil, um sie zu retten.

Dr. Banner forscht zusammen mit seiner Kollegin nach dem Grund für den außergewöhnlichen Kräftezuwachs bei vielen befragten Personen. Schließlich ergibt sich eine Spur. Angst und Wut sind ein Schlüssel, aber auch eine bestimmte Strahlung, die einen besonderen Effekt auf den menschlichen Organismus hat. In einem Selbstversuch simuliert Dr. Banner die Strahlung, doch der Erfolg bleibt aus. Vorerst jedenfalls, denn mitten in einem Unwetter, während einer Autopanne, bedeckt von Matsch, durchnässt, schlägt Verzweiflung in Wut um und David Bruce Banner verwandelt sich zum ersten Mal in den Hulk.

In einer Zeit, in der Spezialeffekte für das Fernsehen relativ schwierig zu bewerkstelligen waren, erschien 1978 eine Realfilmumsetzung eines Comic-Themas, das recht erfolgreich werden sollte: The Incredible Hulk. Der bis dahin bereits sehr bekannte Fernsehschauspieler Bill Bixby übernahm die Rolle des Dr. David Bruce Banner. Für das andere Ich, den Hulk, holte die Produktion den Bodybuilder Lou Ferrigno vor die Kamera.

Die Serie startete gleich mit zwei Pilotfilmen. Die erste Folge führte die Hauptfiguren ein, einerseits Dr. Banner, den Hulk und eine wichtige Nebenfigur: den schmierigen Reporter vom National Register, Jack McGee, gespielt von Jack Colvin. Ein Zusammentreffen von Banner und McGee machte eine bestimmte Aussage auch im Fernsehen populär:

Don’t make me angry. You wouldn’t like me when I’m angry.

Nach einer Verwandlung und einem weiteren Unfall, der zum Tod von Banners Kollegin führt, ist der Wissenschaftler fortan auf der Flucht. Man hält ihn für tot, ermordet von einem Hulk, einem monströsen Wesen, von ungeheurer Kraft und Größe und vollkommen grün. Bill Bixby in der Rolle des Dr. Banner passt sehr gut zu den neueren Interpretationen des Wissenschaftlers, wie ihn die Comics heute darstellen. Allerdings erging er sich weniger in Selbstmitleid, sondern wurde in Form des Hulks über kurz oder lang zum helfenden Engel.

Dieser grüne Engel in Form von Lou Ferrigno wurde durch den mit 1,95 Meter hünenhaften Bodybuilder für den Zeit perfekt dargestellt. Das grüne Haar war struppig wie das einer Puppe, die grüne Schminke offenbarte Schwächen, das Knurren klang merkwürdig. Angesichts von riesigen Armmuskeln und einem Brustkorb vom Ausmaß einer Tonne wollte einem ein Lächeln trotzdem nicht gelingen. Lou Ferrigno war der Hulk. Diese Rolle hängt ihm bis heute nach. In der Verfilmung von Ang Lee von 2003 hat er einen Kurzauftritt. Er knurrte den Hulk in der Verfilmung von 2008 und wird selbiges auch in der Rächer-Verfilmung von 2012 machen.

12 tolle Episoden, die dank eines warmherzig spielenden Bill Bixby und eines herrlich schrecklichen Lou Ferrigno Kultstatus erreichte und zu Recht mehrere Staffeln nach sich zog. Ein Stück Comic-Geschichte und immer noch ansehbar. Wer es weniger tricktechnisch, handfester mag, sollte einen Blick riskieren. 🙂

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