Donnerstag, 17. November 2011
Das ist so eine Sache mit Geschenken: Wenn ein ganz bestimmter Schlumpf (da gibt es nur einen) mit einem Geschenk des Weges kommt und sei es noch so gut verpackt und schön ausschauend, dann kann sich dahinter nur ein fieser Scherz verbergen. Aber wer zuletzt lacht … Die Schlümpfe haben nicht nur große Abenteuer zu bieten. Abseits der selbst gestellten Aufgaben und großen Probleme (wenn Papa Schlumpf seine Jungs und das einzige Mädel mal nicht so richtig beaufsichtigt), der Bedrohungen von außen (Gargamel) gibt es auch die kleinen Geschichten, die zwei oder drei Bildern oder auch auf einer Doppelseite erzählt werden.
Diese Sammlungen der Schtroumpferies (sog. One-Pager) und Les Schtroumpfs 120 Blagues (sog. Daily Strips), kurz Einseiter und Tageszeitungsstrips sind perfekt für den kleinen Schlumpfhunger zwischendurch. Einige dieser gesammelten Scherze können durchaus für sich alleine stehen, ohne Vorkenntnisse über die blaue Rasselbande. Die Tageszeitungsepisoden bedienen den kleinen Witz, kurz und knackig, aber es müssten nicht unbedingt die Schlümpfe sein, die hier die Hauptrolle spielen. Der Humor ist universell.
Die Einseiter hingegen, die sich mehr an der gängigen Kurzkomödie orientieren, bedienen sich bei den bekannten Konstellationen der Schlümpfe, ihren Freundschaften, Wünschen und Sorgen und sind mitunter sehr schlumpfig, will sagen menschlich. Und manchmal findet sich die Inspiration für einen Gag sogar in der Realität, wie eine kurze Szene beweist: Clumsy befreit mit einem Schlag eine Büste aus einem Stein und bestätigt damit ein Zitat, eine Skulptur sei bereits im Stein und müsse nur noch herausgeholt werden.
Eine kleine feine Sammlung, zum Lachen, zum Schmunzeln, lieb bis frech. Nicht nur für Fans der Schlümpfe, sondern für alle, die sich zwischendurch ein wenig amüsieren wollen. 🙂
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Montag, 14. November 2011
Falls ich irgendwas gewonnen haben sollte, ist es in der Post verloren gegangen. Meint Art Spiegelman über diesen Krieg, den die USA gewonnen haben. Wie war das denn mit den Anschlägen des 11. September 2001? Man glaubte, die Welt werde untergehen. Man glaubte zu wissen, wer die Feinde waren. Nachdem der erste Schock verhallte, war man nicht mehr so sicher. Viele machten sich wie Spiegelman Gedanken über den Anschlag. Wer steckte dahinter? Man wühlte in Details. Man wurde mit Details erschlagen. Radio, Fernsehen, Internet. Fakten, Fakten, Fakten, Mutmaßungen. Paranoia ging dem Krieg voraus. Fast ging darüber die Verzweiflung über den Verlust tausender Menschen im Blick der Öffentlichkeit unter. Aber eben nur fast.
Art Spiegelman mag den ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, George W. Bush, nicht. Er nennt ihn in seiner Veröffentlichung ganz offen einen Verlierer. Er macht auch keinen Hehl daraus, was er von den Wahlen hält, die diesen Präsidenten ins Amt brachten. Leider war eben jener Präsident der maßgebliche Militärchef, unter dessen Regierung der Krieg gegen den Terror weltweit und öffentlich so richtig begann. Der 11. September 2001 wandelte das Gesicht einer Stadt, die wohl wie kaum eine andere das Symbol für Tatendrang, Fortschritt, den amerikanischen Traum ist. Folgerichtig heißt die Spiegelman-Veröffentlichung Im Schatten keiner Türme, denn die Zwillingstürme des World Trade Centers, die diesem Symbol die Krone aufsetzten, brachen durch die terroristischen Anschläge an eben jenem Tag in sich zusammen. Tausende Menschen kamen dabei ums Leben.
Nicht ein Bild ist es, das Spiegelman vermittelt, doch die Summe der Bilder, der Blick auf ein Amerika, das so ganz anders ist als der amerikanische Traum, hat wenig gemein mit dem von Gott unterstützten Patriotismus, den die amerikanische Regierung in den Krisentagen und lange danach gerne vermittelte. Zuallererst, am 10. September 2001, schlafen die Amerikaner noch vor dem Fernseher. Am 11. September sträuben sich ihnen kurz die Haare, danach schlafen sie schon wieder fest. Art Spiegelman (und man muss kein besonderer Feingeist sein, um das zu erkennen) liebt sein Land, aber der (vornehmlich) kritiklose Umgang mit Geschehnissen, ein gewisser lethargischer Absturz, wird von ihm bitter kritisiert.
Unterschwellig rührt Spiegelman auch an dem Eindruck, als habe Amerika genau auf diesen Moment gewartet. Andererseits markiert der Anschlag auch das Ende einer Art Unschuld, auf beiden Seiten (obwohl zu dem Zeitpunkt bereits genug Schlachten geschlagen worden waren). Doch für den Big Apple war es wie ein Kopfschuss, der noch Zeit zum Nachdenken ließ. Und Spiegelman denkt nach. Er zieht Vergleiche. Er fürchtet sich, spricht sich auch einen gewissen Mut zu und entdeckt auch seine selten benutzte patriotische Seite. Auf zehn Seiten entwickelt er Bildcollagen, kurze Erzählungen und Feststellungen, die seine Gedanken zeigen. Immer wieder brechen hierbei die glühenden Stahlkonstruktionen der Türme durch, von denen am Ende die Imitation eines furchtbaren Kunstwerkes am Ground Zero übrig blieb.
Die Welt geht unter! Oder doch nicht? In einem melancholischen Cartoonstil, in dem er auch alte Bekannte seiner mit einem Pulitzer-Preis belohnten Veröffentlichung Maus heranzieht, wird der Betrachter manchmal direkt angesprochen, manchmal wird er zum Beobachter gemacht. Die Zeichnungen tendieren zeitweilig zur Karikatur, manchmal greifen sie einen alten, sehr alten Cartoonstil des letzten Jahrhunderts auf, manchmal vereinfacht er die Darstellung noch weiter. Das ist einprägsam und künstlerisch.
New York! New York! Der 11. September 2001 richtete einen neuen Blick auf New York, nicht den ersten. So stellt diese Veröffentlichung neben die zehn Seiten Spiegelmans weitere, die sich mit dem Mythos dieser Millionenstadt und natürlich Amerika beschäftigen. Zwischen 1902 und 1921 erschienen die ausgewählten Tageszeitungsstrips, die merkwürdigerweise Sichtweisen vermitteln, die nach teilweise über einhundert Jahren noch nicht völlig verschwunden sind, dafür aber stellenweise (z.B. Little Nemo) ungeheuer schön angelegt sind.
2004, bei Entstehung dieses Buches, dachte Art Spiegelman noch, die Welt gehe unter. Er denkt es noch weiterhin, musste aber feststellen, dass es viel langsamer dauert. Er bezeichnet sich selbst nicht als politischen Karikaturisten, da er glaubt, dafür zu langsam zu sein. Andererseits, wie er selbst mit seiner Einschätzung der Weltuntergangsgeschwindigkeit anmerkt, manchmal ist die Geschwindigkeit bei weitem nicht so wichtig, sind viele politische Anmerkungen lange Zeit nicht verkehrt. Ein interessanter Band, von einem Spiegelman, der eindeutig Stellung bezieht. Das ist weniger Unterhaltung als vielmehr schon ein zeitgeschichtliches Dokument. Ganz besonders, da Spiegelman hiermit in den USA ziemlich aneckte. 🙂
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Donnerstag, 10. November 2011
1276 Seelen. Ist es jedoch nur Wahnsinn über den Tod der Menschen, die einem mitleidlosen kriegerischen Akt im Shenandoah Valley zum Opfer fielen? Oder steckt hinter dem brutalen Verhalten des ehemaligen Gottesdieners noch mehr? Für Blueberry spielen die Motive keine Rolle. Für ihn ist es nur wichtig, rechtzeitig an Ort und Stelle zu sein, um die Nichte eines hochrangigen Nordstaatenoffiziers zu befreien. Jim Thompson, der falsche Prediger, geht über Leichen. Sein Wahn wird nur durch die Berechnung seiner Anhänger übertroffen, die sich von seiner Gefolgschaft einen Vorteil versprechen. Kaum am Ziel angekommen, sticht Blueberry in ein Wespennest. Er ahnte, dass seine Aufgabe nicht leicht werden würde, doch mit dem Fanatismus der Menschen um ihn herum hat er nicht gerechnet.
Eine ungewöhnliche Atmosphäre: In zwei Abenteuern erzählt Francois Corteggiani einen Western, der Elemente einer Gruselgeschichte aufweist. Zuerst ist es nur der grauenhafte und völlig verblendete Fanatiker, der in 1276 Seelen sein Unwesen treibt. In der abschließenden Geschichte Erlösung hingegen steht Blueberry plötzlich ein Charakter zur Seite, mit dem er nicht gerechnet hat: Einer Hexe. In dieser Mischung fühlt man sich an verschiedener Figuren erinnert. Einerseits könnte der böse Reverend aus Poltergeist 2 für den Prediger Jim Thompson Pate gestanden haben. Andererseits hat das energische, sehr emanzipierte Auftreten der Hexe Ähnlichkeiten zur Figur der Ellen aus Die Säulen der Erde.
Corteggiani spielt mit dem Hexenmythos und Michel Blanc-Dumont, der bislang letzte in der Nachfolge von Jean Giraud als Zeichner der Western-Reihe, zeigt dem Leser nicht nur eine schöne Hexe mit feuerroten Haaren, er lässt sie auch in einer sehr stilechten Hütte leben, die aber echte Kerle (zu denen Blueberry gezählt werden darf) nicht abschreckt. Diese Umgebung strahlt eine Niedlichkeit aus, die sich im Rest der Gesamthandlung um den wahnsinnigen Prediger nicht noch einmal findet.
Blanc-Dumont zeigt eine harte Western-Welt, die schmutzig ist und armselig. Einzig in den feineren Unterkünften in den Städten, dort, wo die Militärs residieren und von fern versuchen, die Geschicke der Nation zu lenken, herrscht die die offensichtliche Zivilisation. Der Rest scheint im Hinterwäldlertum unterzugehen. Blanc-Dumont zeichnet Gesichter, die, so sie nicht ein langes Leben hinter sich haben, so doch vieles erlebten. Die Kleidung ist durchweg trist, Uniformen der Nordstaaten bilden einen Farbtupfer, die Haare der Hexe ebenfalls. Aber auch im Detail steckt Farbe, allerdings ist diese nicht so schön anzuschauen. Hier schließt sich der Kreis hin zu den Gesichtern: Es kommt der Zeitpunkt, da der Prediger seinen Wahnsinn in den Augen anderer gespiegelt sieht, gesteigert durch noch mehr Hass. An dieser Stelle wird die Stimmung teils mittelalterlich, teils sogar apokalyptisch.
Erlösung: So lautet der Titel des abschließenden zweiten Teils. Ein Titel, der eher höhnisch zu verstehen ist, denn erlöst wird hier niemand, allenfalls gerettet. Blueberry, der dank Blanc-Dumont in einem sehr fragilen Zeichenstil wirklich wahrhaft jung aussieht, findet selbst diese Erlösung nicht. Für ihn bleibt nur die Wut, bestenfalls die Enttäuschung über die neuerliche Ausnutzung seiner Person und seiner Gutmütigkeit. Corteggiani gibt dem Leser einen reichlich desillusionierten Blueberry, der sich auch mit einem Erfolg seiner Mission kaum trösten kann.
Ein ungewöhnlicher Zweiteiler um die Jugend von Blueberry, vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges, ohne diesen aber direkt einzubeziehen. Spannend, auch hart, unterhaltend. Auf die neuen Ideen des Duos Corteggiani und Blanc-Dumont im nächsten Jahr darf man gespannt sein, denn hier enden erst einmal alle bisher erschienenen Blueberry-Abenteuer. 🙂
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Mittwoch, 09. November 2011
Cassie Hack hat einen Traum: Ein normales Leben. Nicht diesen Kleinmädchentraum von Haus, Familie und weißem Gartenzaun. Cassie Hack wäre schon zufrieden, wenn sie nicht mehr auf die Jagd nach Slashern gehen müsste, sie ein Tageslichtleben leben könnte. Aber wie sollte sie sich von diesem Leben abnabeln können? Sie kennt kaum etwas anderes. Ihre Mutter war ein Slasher, ihr bester Freund Vlad sieht immerhin aus wie einer. Cassie hat die Nase voll, will sich fallen lassen, sie will mit ihrer Freundin zusammen sein. Prinzipiell wäre es möglich, nur hat sie zusammen mit Vlad in der Vergangenheit zu vielen Slashern den Garaus gemacht und dem Bösen zu oft vor den Kopf gestoßen. Aus der Jägerin ist die Gejagte geworden.
Menschlich, skurril, manchmal übertrieben, manchmal sehr humorvoll geht es weiter in der Saga um die junge Cassie Hack, die vom Schicksal dazu getrieben wurde, höllischen Serienmördern ein (meist blutiges) Ende zu bereiten. Aber der Reihe nach. Viele Helden erleben beizeiten ihre ganz persönliche Krise, wenn sie nicht sogar durch eine zum Helden wurden. Bei Cassie Hack ist beides der Fall. Tim Seely, Cassies geistiger Vater, schenkt seiner Heldin eine klitzekleine Atempause. Ihr Freund Vlad hingegen, auch weitere Freunde von Cassie, sie alle haben nicht so viel Glück.
Ein Jäger aus einer anderen Dimension betritt das Szenario, in seiner Konzeption schon sehr ungewöhnlich, mit weiblichem Bodybuilderkörper und Stoßzähnen ausgerüstet, sparsam bekleidet und sofort bereit, Gewalt einzusetzen. Ein kindlicher Gnom greift aus der Traumwelt nach den Guten und hetzt Figuren auf Vlad, aus den Albträumen von Superheldenzeichnern entsprungen scheinen. Und dann ist da noch die Polizei, die ein verständliches Interesse daran hat, ein paar selbst ernannte Rächer dingfest zu machen.
Tim Seely hat als Autor aber noch mehr zu erzählen und so erinnert das Szenario zeitweilig an eine Verbeugung vor H. P. Lovecraft (Cthulhu), vielleicht sogar vor Mike Mignola (Hellboy). Man könnte sogar behaupten und beschert Slashern einen eigenen Fanclub, der Cassie das Leben zusätzlich erschwert. Diverse Zeichner interpretieren die düsteren Abenteuer. Dabei stechen einige hervor, im Rahmen der Erzählung wie auch bei den Titelbildern.
Erik Jones, der das Titelbild der 20. US-Ausgabe (eine Variante) gestaltete (auch hier auf dem Titelbild), scheint in der Schauspielerin Emma Stone (Zombieland) eine mögliche Inkarnation für die große Kinoleinwand zu sehen. Das Motiv ist beinahe klassisch zu nennen und erinnert fast schon an eine Salome. Der nachdenkliche Ausdruck auf Cassies Gesicht findet sich auf anderen Titelbildern seltener. Joel Humberto Herrera greift das Salome-Motiv einmal mehr auf, deutlich süffisanter und gemäldeartiger. Ein Drew Johnson sieht im Verbund mit den Künstlern Paul Wee und Lizzy John eher eine Painkiller Jane in Cassie.
Im Innenteil ist selbstverständlich eine überwiegend realistische Darstellung Trumpf. Gewalt gibt es (das bleibt bei dem Thema auch kaum aus), sie hält sich aber in Grenzen, ist eine Spitze, mehr nicht. Spaßfaktoren sind Figuren wie Pooch, eine Art dämonischer Hund, mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Aussehen, eine hündische Variante zu Chewbacca, nur nicht so sympathisch, viel kleiner, ohne Fell und im Gegensatz zu seinem Pendant aus dem Weltraum kann er verständlich sprechen. Andere Figuren sehen lustig aus (wie einst Chucky, der auch schon mitspielen durfte), sind es aber nicht. Ross Campbell weiß mit seiner Episode des verrückten Postboten und einer kleinen Ermittlerin sehr zu gefallen. Stilistisch etwas mangaesk angelegt, ist die Hauptfigur Cat Curio eine Art Nachwuchs-Buffy, aus der noch hätte etwas werden können …
Ein praller sechster Band der Reihe, mit vielen tollen Einfällen, von einem Tim Seely, der seine Heldin bis an den Rand des Abgrunds und darüber hinaus treibt. Grafisch stilistisch vielfältig sind die Abenteuer von Cassie Hack nicht nur für Fans interessant. Allerdings sollte mit Band 1 begonnen werden, denn die Kenntnis der bisherigen Ereignisse ist sinnvoll. 🙂
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Dienstag, 08. November 2011
Könnte Judas Ischariot seinen Selbstmordversuch überlebt haben? Die Hinweise verdichten sich, dass der Apostel, der Jesus verriet, nicht am Baume hängend starb, sondern im Raume Griechenlands seine letzte Ruhestätte fand. Und mit ihm die dreißig Silberlinge, die er für seinen Verrat einst erhielt. Blake und Mortimer sind bereits in die Angelegenheit verwickelt. Colonel Olrik, ein alter Bekannter der beiden Abenteurer, hat sich mit Rainer von Stahl verbündet, einem ehemaligen SS-Offizier, dem es nach dem Zweiten Weltkrieg gelungen ist, Goldreserven außer Landes zu schaffen und unterzutauchen. Ein Wettrennen hat begonnen, denn von Stahl ist von einer mystischen Macht der dreißig Silberlinge überzeugt und setzt alles daran, diese an sich zu bringen.
Ein britisches Kommandounternehmen soll Colonel Olrik erneut verhaften. Die nächtliche Aktion wird in aller Ruhe vorbereitet, auch die Soldaten gehen in der Nacht des Einsatzes mit höchster Professionalität zu Werke. Dennoch ist ihre akribische Vorgehensweise keine Garantie für einen Erfolg. An Bord des geenterten Schiffes, auf dem sie Olrik anzutreffen erwarten, müssen sie feststellen, dass man sie in eine Falle gelockt hat.
Jean van Hamme, erprobter Autor von Thrillern (insbesondere langjähriger Autor von XIII und Largo Winch), hat sich inzwischen erfolgreich der von E. P. Jacobs ins Leben gerufenen Blake und Mortimer angenommen. Der Reiz des Szenarios liegt sicherlich in der nostalgischen Beschreibung der Nachkriegszeit, bevor der Krieg so richtig kalt wurde. In der klaren Linie präsentiert sich ein Abenteuer in einer Mixtur eines Rätsels aus Indiana Jones mit dem Flair alter Militärkommandostreifen im Stile von Die Seewölfe kommen.
Van Hamme gelingt es aber auch die Atmosphäre alter Abenteuerromane einzufangen, so wie es einem Arthur Conan Doyle mit Die vergessene Welt gelang oder einem Henry Rider Haggard mit seinen Geschichten um Allan Quatermain. Obwohl diese Autoren 1925 bzw. 1930 starben, versprühten die frühen Abenteuer von Jacobs noch diesen Charme und gleichzeitig sind sie immer noch vorbildhaft für so manche Abenteuer, das heutzutage das Licht in der weiten Medienlandschaft erblickt. Aber eines findet sich hier nicht: Zwiespalt. Blake und Mortimer gehören nicht zu der neuen Sorte von an sich zweifelnden Helden. Hier heißt es: Ein Mann, eine Aufgabe. Und natürlich stets: Very british.
Die Spannung entsteht hier durch eine ausgeklügelte Spurensuche. Am Ziel und doch kein Fund! Bis eine Spur gefunden wird, nicht unbedingt zufällig, sondern weil man an der falschen Stelle geschaut hat. Ein Hinweis führt weiter und schließlich sind wieder die Häscher oder auch die kriminellen Konkurrenten gleichauf. Van Hamme schlägt die Haken der Geschichte, die Antoine Aubin sowie Etienne Schreder mit einer guten klaren Linie zu Papier bringen und sich so perfekt (und hätte es keine ausdrückliche Namensnennung gegeben, fast schon unbemerkt) in die Reihe der Zeichner der Serie einfügen.
Ein sehr gut erzählter zweiter Teil der Saga um die dreißig Silberlinge. Van Hamme spielt mit militärischen Passagen, detektivischen durchaus auch und nicht zuletzt weiß die mystische, archäologische Komponente ganz besonders zu fesseln. Schöne und spannende Ideen in klassischem klaren Zeichenstil. Feine Abenteuerunterhaltung. 🙂
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Montag, 07. November 2011
Jerry spring hat schon lange nichts mehr von seinem Freund Pancho gehört. Da Pancho auch zu denen gehört, die sich durch einen gewissen Übermut, auch Unbeherrschtheit mitunter in Schwierigkeiten zu bringen, hat Jerry allen Grund sich Sorgen zu machen. Als ihn ein Brief erreicht, hält er ihn fälschlicherweise für eine Nachricht von Pancho. Aber es handelt sich nur um eine Bitte, auf Chico, Panchos Neffen, aufpassen. In gewisser Weise kann Jerry dankbar sein, denn Chico entpuppt sich in der nächsten Zeit als überaus wichtiger Helfer.
Kaum ist das Abenteuer um Pancho, den Banditen beendet und alle Rätsel gelüftet, kann Jerry Spring mit seinem Freund zusammen nach bester Cowboy-Manier Jagd auf Die Broncos von Montana machen. Die Armee braucht neue Pferde. Jerry und Pancho kommen dieser Aufgabe gerne nach, allerdings gibt es bereits zu Beginn Schwierigkeiten. Nicht nur, dass sie die schlechteren Jagdgründe erwischen, Indianer vom Stamme der Dakota wollen nicht, dass Weiße ihnen die Wildpferde von ihren Weidegründen rauben.
Mein Freund Red und Die Rächer der Sonora sind ebenfalls kernige, sich echt anfühlende Abenteuer. Ersteres umweht noch ein Hauch Melancholie. Jije erzählt von einer Männerfreundschaft, ein Zustand, der früher in Western immer wieder gerne thematisiert und dramatisiert wurde. Entweder, so wurde es immer wieder gezeigt, verließ man sich auf sich selbst oder man verließ sich auf einen guten Freund. Westernkenner wissen, wie oft gerade letzteres sich als trügerisch herausstellte.
Jije (bürgerlich: Joseph Gillain) zeigt in den in der vierten Gesamtausgabe versammelten vier Abenteuern einen routinierten, einen sehr ernsthaften Jerry Spring. Spring ist der erwachsene Cowboy , während sein Freund Pancho mit wehenden Fahnen oder mit dem Schalk im Nacken vorauseilt. Die Ernsthaftigkeit, mit der sich Jerry Spring hier präsentiert ist vergleichbar mit der heroischen Gestalt von Mein großer Freund (mit Alan Ladd), besitzt aber genügend Normalität, um als Identifikationsfigur herzuhalten.
Im Vorfeld der vier Geschichten widmet sich ein sehr informativer und interessanter Teil der akribischen Arbeitsweise von Jije. Als Zeichner verschrieb er sich dem Realismus (ich glaube, ich habe seine Pferdedarstellung hier schon gelobt), fand aber auch einen Weg mit einer Spur Abstraktion der Darstellung des Wilden Westens seinen Stempel aufzudrücken. Nie verlor er sich in übermäßigen Details. Sein Strich bleibt manchmal vage, mal lässt er die Tusche arbeiten. Aber immer erkennt das Auge alles Nötige, komplettiert es das Bild. Dieser Umstand wird besonders im reinen Schwarzweißabdruck dieser Reihe deutlich und lässt so noch mehr zu, sich mit Jijes Technik auseinanderzusetzen (obwohl er ebenso meisterlich mit Farbe umzugehen verstand).
Meisterhaftes Spiel mit Licht und Schatten: In Nachtszenen wie auch Tagszenen, die sich auf Plätzen oder beschatteten Umgebungen abspielen, entwickelte Jije bereits eine ungeheure Kamerawirkung in seinen Bildern. Für das Auge entstand so eine Mixtur, die mit Naheinstellungen einer Fernsehserie aufwartete und gleichzeitig Perspektiven und Panaromabilder brachte, die einfach schönes Kino waren. Sobald Pferde, allgemein Tiere oder auch rasante Bewegungsabläufe im Spiel sind, wird Jijes Meisterschaft der Darstellung ganz besonders deutlich.
Toll: Einer der zweifellos besten Westernhelden, immer noch jung, mit zwei Geschichten, in denen es sich im Kern um Freundschaft dreht und die anderen beiden aktionslastiger ausfallen. Beste Comic-Unterhaltung, für Westernfreunde uneingeschränkt empfehlenswert. 🙂
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Mittwoch, 02. November 2011
Der Kampf der Römer gegen die Barbaren hat einen für die kampferprobte Weltmacht unerwarteten Ausgang genommen: Die Römer haben die Schlacht verloren. Nun setzen einige Krieger auf dem Schlachtfeld bei den noch wenigen Überlebenden den Todesstoß an. Doch ein Mann, dessen Tod man bereits sicher wähnte, wird schwer verletzt zwischen all den Leichen gefunden. Wieder daheim hat der Mann mit dem Namen Aquilus nur einen Gedanken: Rache. Wer könnte ihn verraten haben? Im Schutze der Nacht schleicht er sich über die Dächer und dringt in ein Schlafgemach ein. Der überraschte Mann hat keine Wahl: Er gibt den Verräter preis.
Mächtige Artefakte: Sie sind das Etappenziel hin zur Beherrschung der Menschheit. Ihr Name: Edensplitter. In den Gegenwartsbeschreibungen des vorliegenden zweiten Bandes der Trilogie könnte, hätte nicht Eric Corbeyran die Handlung geschrieben, auch ein Regisseur wie Luc Besson (z.B. Nikita oder Das fünfte Element) das Zepter geführt haben. Während Desmond, in einer Apparatur sitzend in der Vergangenheit forscht, auf der Suche weiteren Informationen, die bei der Beschaffung der Artefakte nützlich sein können, geht die Jagd draußen weiter.
Der Handlung in der Vergangenheit, genauer im Römischen Reich, kommt eine weitaus größere Bedeutung zu als noch im ersten Band. Aquilus, wie das andere Ich von Desmond in dieser Zeitspanne heißt, erhält nicht nur neue Hilfsmittel bei seiner Suche, der Leser darf auch einen Abstecher in sein Zuhause machen. Es ist ein Moment der Ruhe, der nicht lange dauert. Eric Corbeyran zeigt nämlich, dass die Ausflüge von Desmond in der Gegenwart Folgen haben.
Die kühle Architektur aus dem ersten Band ist der Natur und einer rasanten Verfolgungsjagd gewichen. Nachtszenen, in denen der Assassine, der Attentäter, in seinem eigentlichen Element ist, beherrschen einen großen Teil der vorliegenden Handlung. Das römische Szenaro, jene Abschnitte, die von der Vergangenheit des Aquilus erzählen, reizt hierbei diesmal ganz besonders, da sich hier mehr Gefühl findet, als in den Sequenzen, die in der Gegenwart handeln. Die Figur des Aquilus ist deutlich mehr eingebettet und mit Hintergrundgeschichte versehen als jene des Desmond, der letztlich nur nacherleben und nichts mehr ändern kann.
Alles Technische, auch Gebäude werden mit großer Sorgfalt abgebildet, präzise, mit dem Auge eines Kulissenbauers. Hier könnte Zeichner Djillali Defali durchaus Vergleichen zu modernen Storyboards standhalten, in denen bereits jede noch so kleine Kamerafahrt exakt vorgegeben ist. Und Film ist das Stichwort: Sicherlich ist ein Computerspiel die Vorlage und die Macher des Comics hatten bestimmten Vorgaben zu folgen, die Einflüsse jüngerer Sehgewohnheiten auf der Kinoleinwand lassen sich jedoch sehr gut an den sehr strukturiert aufgebauten Bilderfolgen ablesen.
Die Gesichter, die von Djillali Defali entworfen werden, sind nicht ganz so individuell, wie sich die restlichen Bestandteile der Illustrationen darstellen. Mitunter könnten Gesichtsausdrücke mehr Nuancen aufweisen, denn emotional geht es in weiten Teilen der Handlung auch zur Sache. Ansonsten würde diese kleine Schwäche kaum auffallen.
Desmond Niles hat seine Rolle innerhalb des geheimen Krieges angenommen: Längst ist er kein Neuling mehr. Autor Eric Corbeyran hat die Geschwindigkeit der Geschichte einerseits angezogen, andererseits durch eine Verringerung von Handlungsorten auch verdichtet. Eine filmisch gestaltete Bildfolge von Djillali Defali macht aus dem zweiten Teil der Trilogie spannendes Action-Kintopp im Comic-Format. 🙂
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Aquilus reitet langsam zum römischen Lager. Zwar erklärt er, eine Nachricht für General Gracchus zu haben, doch so recht glauben, will ihm niemand. Der Assassine wird dennoch zum römischen Heerführer vorgelassen. Die Bewachung ist streng, Schwerter sind direkt auf seinen Kopf gerichtet. Der General hat sich seine eigene Meinung zu dem Mann gebildet, der sich kühl und beherrscht gibt und nicht zu begreifen scheint, in welcher Gefahr er sich befindet. Im nächsten Augenblick spielt die Situation keine Rolle mehr. Ein roter Vorhang zieht sich zu. Ein Mann kehrt in die Gegenwart zurück. Diese Szene ereignete sich in ferner Vergangenheit und ist bloß noch eine Erinnerung. Wenn auch eine von großer Intensität.
Mr. Niles, der Mann, dem es gelingt, mit seinen Erinnerungen derartig weit abzuschweifen, liegt im Dämmerzustand auf einer unbequemen Unterlage und hört nicht, wie sich einige Menschen um seine körperliche Zukunft Gedanken machen. Kurz: Ob sie ihn noch brauchen können oder besser entsorgen und sich ein neues, besseres Versuchsobjekt suchen. Das Leben von Mr. Niles hängt am seidenen Faden und diesmal ist es keine Erinnerung.
Menschen mit Verbindung zur Vergangenheit: Ihr Wissen ist kostbar, nur haben sie selbst nichts davon. Desmond Niles ist ohne es zu wollen in einen zwischen Templern und Assassinen hineingeraten. Die Auseinandersetzung spielt sich seit Jahrhunderten hinter den Kulissen der gesellschaftlichen Ereignisse ab. Der Reiz der Geschichte entsteht durch den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Im Labor wird Desmond stets aufs Neue in die Vergangenheit geschickt, nicht einmal nur in eine Epoche, nein, gleich in mehrere und an wechselnde Orte. Auf den ersten Blick mag das ein wenig verwirrend sein, da Eric Corbeyran, der Autor, nur zögerlich das Geheimnis um die Zeitsprünge lüftet.
Die Assassinen: Desmond, der zwar in der Gegenwart als Barkeeper arbeitet, gehört dennoch dieser uralten Sekte an. Die Erinnerungen, die hier abgerufen werden, sind spektakulär, sicherlich auch modern gezeigt, wie es sich für die Darstellung von Action heutzutage gehört, aber sie sind bei weitem nicht so überbordend, wie es sich ebenfalls eingebürgert hat. So findet das Auge in den feinen Zeichnungen von Djillali Defali genügend Halt, auch um den Gesamteindruck gebührend zu genießen.
Der Strich von Djillali Defali trägt einer modernen Optik Rechnung, ist sehr realistisch und hätte auch in Zusammenarbeit mit bekannteren Thriller-Autoren wie Christophe Bec (Prometheus) eingesetzt werden können. Die Hintergründe in der Gegenwartsdarstellung sind sparsamer gezeichnet. Kühle Architektur lässt Raum für die Intrigen im Vordergrund. Wärmer werden die Bilder in der Bar, in der nächtlichen Stadt, aber auch besonders in der Vergangenheit, die durch Farbe und Ausstattung jeweils eine sehr schöne und intensive Atmosphäre verströmen.
Obwohl ein Spiel die Vorlage des Comics bildet, ist keinerlei Kenntnis desselben notwendig. Nach und nach erschließt sich ein Geheimnis in diesem ersten Band einer Trilogie, aber nicht vollends, denn durch die rückwärts gerichteten Zeitsprünge erweitern die neuen Informationen das Rätsel noch. Wer es mystisch, mysteriös und mit einer ordentlichen Portion Action sowie einer Prise Science Fiction versehen mag, der sollte einen Blick in diese toll illustrierte Geschichte werfen. 🙂
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