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Comic Blog


Dienstag, 02. Februar 2010

Comanche 2 – Krieg ohne Hoffnung

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:04

Comanche 2 - Krieg ohne HoffnungAuf der Triple Six Ranch scheinen die Zeichen auf Erfolg zu stehen. Endlich! Die Rinder sind wohlauf und stehen zum Verkauf an. Außerdem bringt der Eisenbahnbau neue hungrige Mäuler und viel Arbeit für Comanche und ihre Cowboys. Alles könnte bestens sein. Leider bleibt es nicht so. Die weißen Eisenbahnarbeiter sind nicht die einzigen Menschen in der Umgebung, die Hunger haben. Die Indianer gehören ebenfalls dazu. Ihre Reservate bieten keine Nahrung. Sie sind nicht länger bereit, diesen Missstand hinzunehmen und ihren Frauen und Kindern beim Sterben zuzusehen. Noch sind die Cheyenne im Zwiespalt. Einige sind für Kampf, andere halten sich noch zurück. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis aller Geduld, auch die der Ältesten, erschöpft ist.

Unparteiisch: Wie Greg, Autor, und Hermann, Zeichner, zeigen, ist der Wilde Westen alles andere als nur schwarz und weiß. Die Indianer sind nicht durchweg edel oder böse, sie suchen nicht den Krieg und Kampf, sondern sie handeln aus Verzweiflung. Vom Hunger getrieben bleibt ihnen nur die Konfrontation und der Diebstahl von Nahrung. Aber es bleibt auch kein Zweifel daran, dass sie sich nur nehmen, was ihnen zusteht, nachdem sie eingepfercht wurden und auf einem Stück Land zu Hause ist, das zu unfruchtbar ist, um ein Volk zu ernähren.

Ausgerechnet die Leute von der Triple Six müssen sich mit diesem Problem auseinandersetzen. Gerade erst haben sie eine Grundlage geschaffen, auf der es sich aufbauen lässt. Auch hier greift nun Verzweiflung, genauer jene von Comanche, der Chefin der Ranch. Greg beschreibt die Ausgangssituation kurz und einprägsam. Die Darstellung ist sensibel, allerdings werden gewisse Vorkenntnisse der Vorstellung der einzelnen Charaktere vorausgesetzt (siehe Band 1). Zugute halten darf man, dass der Einstieg leicht fällt. Ganz im Stil einer Serie gibt es genügend Informationen, um der Handlung sogleich zu folgen. Die Seite der Indianer wird hier erstmalig gezeigt. Aus der Sicht der kompletten Serie betreibt Greg hier auch Aufbauarbeit, denn die Mannen der Triple Six bekommen mit dieser Folge Verstärkung.

Grafisch setzt Hermann seine hervorragende Arbeit fort. Sieht man seine Bilder, klassisch koloriert und getuscht, könnte vor einer Besetzung mit Schauspielern gesprochen werden. Das magere Greenhorn, der schwarze Cowboy, der alte Fuzzy, der rothaarige Kerl und die schöne Chefin: Das sind Zutaten, wie es sie ähnlich in Western gab, aber Hermann hat sie alle samt und sonders auf seine sehr eigene Art interpretiert.

Neben den Hauptfiguren kommen Eisenbahnarbeiter, Indianer und die gute alte Kavallerie zum Einsatz. Stellt man die amerikanischen Ureinwohner eines Hermann und eines Jean Giraud nebeneinander, rangieren beide auf Augenhöhe, aber beide überzeichnen auch ein wenig. Hermann schafft die Darstellung der Indianer aber mit einer solchen Eleganz, dass man es ihm als Comic-Fan, auch als Western-Begeisteter gerne nachsieht. Als Meister der Charakterisierung gilt in dieser Ausgabe einer Figur die Aufmerksamkeit, die zwar nur am Rande vorkommt, doch nachhaltigen Eindruck hinterlässt: Keenan, ein Berg von einem Mann, gefühlte 2,20 Meter groß, ein Eisenbahnarbeiter, ist eine Art Goliath. Er marschiert den Eisenbahnern voraus und nichts scheint ihn aufhalten zu können. Jedenfalls fast nichts.

Mittels einer solchen Figur schaffen Greg und Hermann zusätzliche optische erzählerische Zentren. Wenn Keenan mitten im Getümmel steht, von Pfeilen durchbohrt wird und stehen bleibt, zeigt das die Gefährlichkeit der Lage, nimmt dem Kampf aber auch die Schärfe. Die Zielgruppe bestand schließlich aus Jugendlichen. (Inzwischen dürfte sich das geändert haben.) Das entschärft trotzdem nicht die Tragik in einigen Szenen.

Ein ewig junger Klassiker: Was für die Leinwand und den Western ein John Wayne ist, sind für den Comic und den Western ein Greg und ein Hermann. Das ist Spannung auf tollem Niveau und mit erstklassiger und wegweisender Gestaltung. Ein ausführlicher Anhang mit einer zusätzlichen Geschichte rundet die vorliegende zweite Ausgabe der Reihe ab. 🙂

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