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Comic Blog


Dienstag, 12. Juni 2007

Universal War One 3 – Kain und Abel

Filed under: SciFi — Michael um 11:17

Universal War One 3 - Kain und AbelBaltimore, von allen nur Balti genannt, wollte immer ein echter Held sein. Als Football-Spieler war er ein Star. Die United Earth Forces geben ihm die Möglichkeit, ein richtiger Held zu werden.
Natürlich kommt alles ganz anders. Die große Karriere in einer Football-Mannschaft der Streitkräfte ist ihm nicht vorherbestimmt. Aber Balti will sich nicht geschlagen geben. Es gibt doch noch eine Chance, ein Held zu sein. Voller Todesverachtung stürzt er sich der unbekannten Mauer im All entgegen und verschwindet. Wenig später ist er wieder da. Älter und in anderer Kleidung, in einem unbekannten Raumfahrzeug – und tot.

Die verbliebenen Team-Mitglieder von Balti haben in der Mauer eine Raumstation gefunden. Sie haben keine andere Wahl und machen sich daran, die Station zu entern. Seltsamerweise stoßen sie auf keinerlei Gegenwehr. Nach den anfänglichen Auseinandersetzungen macht sie dieser Umstand äußerst stutzig. Sobald sie gelandet sind, wird es noch unheimlicher, als es in einer Raumstation in einer gänzlich unbekannten Umgebung schon sein kann. In den Zugängen finden sich Leichen, die dort bereits seit Jahrzehnten liegen müssen. Wie kann das sein?
Damit hören die Merkwürdigkeiten allerdings nicht auf. Die Daten des Computers zeigen an, dass die Verteidigungsanlagen seit langer Zeit nicht benutzt worden sind. Das müssten sie jedoch, denn schließlich haben sie vor kurzer Zeit noch hart zugeschlagen.

Kalish bekommt ganz langsam eine Ahnung. Sie haben sich nicht nur in der Mauer fortbewegt, sondern auch rückwärts in der Zeit. Dank seiner Kenntnisse in Physik kann Kalish seine Behauptungen untermauern. Alles klingt logisch, obwohl es für ein zeitlich lineares Wesen auch verwirrend ist – und für gute Freunde ist es sogar eine Chance. Sie befinden sich zeitlich vor Baltis Tod. Für Mario, Baltis Freund bedeutet es die einzigartige Gelegenheit, Baltis Tod ungeschehen zu machen.
Kalish warnt eindringlich vor einem Eingriff in das Zeitgeschehen, aber Mario will sich nicht beirren lassen. Was noch nicht geschehen ist, kann abgewendet werden. Oder nicht?

Nach zwei vorhergehenden Episoden, in denen die Leser die Charaktere dieser Geschichte eingehend kennen lernten und sich auch von einigen wieder verabschieden mussten, schlägt Denis Bajram einen eleganten Haken und wartet mit einer gekonnten Überraschung auf.

Die ersten Geschichten, Genesis und Die Frucht der Erkenntnis, aus der Universal War One-Reihe von Denis Bajram sorgten mit gekonnter Erzählung und tollen Action-Sequenzen für ungewöhnlich spannende Science Fiction Comics. Waren die ersten Episoden schon Überraschungen, schwenkt Bajram mit dem dritten Teil Kain und Abel in ein rätselhaftes Abenteuer, dessen Atmosphäre an SciFi-Ereignisse im Stile eines 2010 erinnern. Die Erzählung ist sehr ruhig. Der Leser muss sehr genau aufpassen, was geschieht, denn immer wenn Zeit in einer Science Fiction Geschichte ins Spiel kommt, können paradox erscheinende Szenarien entstehen.

Bajram schickt seine Akteure hier in der Zeit zurück. Wer in den vorhergehenden Episoden zurückblättert, wird schnell feststellen, wie gut Bajram vorausgeplant hat und bereits dort Details zu finden sind, die erst jetzt wirklich wichtig werden – und einen Sinn ergeben. – Kenner werden ein ähnliches Setting aus den frühen Tagen der Station Babylon 5 her kennen. Bajram mag davon angeregt worden sein, gleichwohl ist hier etwas völlig Eigenes entstanden.
Kalish, jener Soldat, der zwar sehr intelligent ist, aber ein deutliches Handicap wegen seines aufbrausenden Wesens hat, erkennt das Verfahrene der Situation. Ein Eingriff in die Zeitlinie, die Chance, die sich ihnen bietet, würde viele Leben retten, aber sie würde auch das zeitliche Gefüge, wie sie es kennen, verändern.

Drei Hypothesen dessen, was geschehen kann, führt Kalish ins Feld und keine davon klingt besonders beruhigend. Die zweifellos wichtigste würde bedeuten, dass es ohne Konsequenzen möglich ist, das Geschehene zu ändern. Ein Run auf die Zeit-Technologie würde eintreten. Wer es letztlich schaffte, diese Technologie zu beherrschen, könnte jedes Ereignis, jede Existenz beeinflussen. Kalishs Entschluss ist sehr rational und sinnvoll. Niemand darf jemals von dieser Möglichkeit erfahren. Alle müssen bleiben, wo sie sind und dieses Wissen bewahren.
Für den Leser überaus erfreulich ist der Umstand, dass Charaktere in einer Handlung wirklich einmal so handeln, wie es tatsächlich sinnvoll ist – wie wenig sie damit letztlich erreichen, ist der sehr guten Planung Bajrams zu verdanken, mit der er den Leser wieder einmal verblüffen kann.

Die Grundstimmung dieser Geschichte ist außergewöhnlich dunkel. Die Farben, die Bajram verwendet, sind zumeist Blautöne, nur durchbrochen vom Rot der Fliegermonturen. Eine Umgebung wie diese kann den Menschen auf Dauer verändern – nur zum Negativen, denn so viel Trostlosigkeit des Alls untergräbt wohl auf Dauer jedes noch so sonnige Gemüt.
In der Geschichte selber versuchen die Ingenieure, die für den Bau der Raumstation verantwortlich waren, mit ein wenig heimeliger Szenerie entgegenzuwirken. Der Effekt kann sich wie im Falle Marios auch in sein Gegenteil verkehren. Irgendwann, nach der zigsten Kneipe, die ausschaut, als habe sich ein American Diner aus den 50er Jahren materialisiert, wird der Erholungseffekt zunichte gemacht.

Die Geschichte steuert klar auf einen bestimmten Punkt zu. Diesen Wendepunkt versteht Bajram erstaunlich gut zu verschleiern. Dies gelingt ihm durch Rückblicke auf ein faszinierendes Experiment, Kalishs Erklärungen sowie die Charakterisierung der Akteure, allen voran Mario und Balti, Freunde, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

Eine sehr gelungene, ernsthafte Science Fiction Handlung. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf der ausführlichen Beschreibung des Szenarios und einem ordentlichen Zeitreiserätsel. So unterhaltend und spannend kann SciFi mit wissenschaftlichem Kern sein. Top! 😀

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Sonntag, 10. Juni 2007

Jonny Double

Filed under: Thriller — Michael um 20:59

Jonny DoubleJonny Double hat schon bessere Zeiten gesehen. Er kennt die 60er aus eigener Erfahrung, als man(n) sich half und sich gegen Cops und andere miese Typen beistand. Viel ist davon nicht mehr übrig.
Inzwischen ist Jonny ein Privatdetektiv, der keine großen Aufträge bekommt. Ständig ist es schwierig, an die Miete zu kommen und ein Drink will auch bezahlt werden können. Das Leben ist schon lange nicht mehr einfach. Schon deshalb nicht, weil Jonnys Klienten auch noch umgebracht werden. Und eines haben er und seine Klienten gemeinsam: Im Falle des Falles weint niemand ihnen eine Träne nach.

Aber auch der niedrigsten Kreatur wirft der Schöpfer einmal einen Knochen hin. So ähnlich muss sich Jonny fühlen, als dieses blonde langbeinige Gerät in sein Büro (an der Bar) marschiert und ihn in eine Geschichte um viel Geld verwickelt.
Der berühmte Al Capone hat auf seine alten Tage Geld beiseite gelegt, Geld, das heute dem gehört, dem es gelingt, es sich zu nehmen. Ausgerechnet eine Bande von kleinen Gaunern, gerade erst aus den Windeln raus und noch nicht trocken hinter den Ohren, braucht Jonny, um an das Geld zu kommen.
Und nicht nur das. Ein zweiter Auftrag eines gut situierten Herrn lässt Jonny noch mehr Morgenluft schnuppern. Ein Mädchen droht auf die schiefe Bahn zu kommen. Jonny soll auf sie aufpassen. Jonny macht sich keine großartigen Gedanken darüber, dass sie ausgerechnet der kleinen Gaunerbande angehört, die ihn einspannen will.

Es kommt noch besser. Als Jonny auf das Konto des alten Al Zugriff erhält, gelingt es ihm nur mangelhaft seine Überraschung im Zaum zu halten. Die Beute beträgt nicht 300000, sondern mehrere Millionen Dollar. Selbst einem abgetakelten Detektiv, der Jonny nun einmal ist, ist klar, dass die Geschichte ganz plötzlich vom Kopf her stinkt.

Doch zu diesem Zeitpunkt ist es für einen Rückzieher längst zu spät.

Mit Jonny Double zeigt das erfolgreiche Team von 100 Bullets, dass es auch einen Thriller zu gestalten versteht. Autor Brian Azzarello führt einen klassischen Verlierer vor. Jonny Double, dessen Ursprungsversion eines abgehalfterten Typen bereits der Hauptcharakter von vielen Geschichten war, lernen wir an einem Punkt in seinem Leben kennen, an dem es so nicht mehr weitergehen kann. Es ist der typische Wendepunkt. Entweder geht es komplett den Bach runter oder es geht aufwärts mit der begründeten Sicht auf Hoffnung. Jonny sieht letzteres auf sich zukommen.

Es ist ein klares Muster, das von Azzarello hier aufgenommen wird. Aber nach einem solchen Auftakt, weiß man nie, was kommt. Denn es ist das Gesetz eines solchen Thrillers, unerwartete Wendungen einzubauen, die den Leser ein ums andere Mal an der Nase herumführen. So verhält es sich auch mit Jonny Double. Bei all den Steinen, die dem Helden in den Weg gelegt werden, behält Jonny stets den Kopf oben und versucht, einen kühlen Kopf zu behalten. Die Betonung liegt auf versucht, denn auch Jonny stolpert über die drei Steine, die jedem Antiheld im Weg liegen: Frauen, Alkohol und aufkeimende Habgier.
Jeder Sprung über diese Hürden ist eine Meisterleistung, die Jonny von Mal zu Mal sympathischer werden lassen. Er mag ein Verlierer sein, aber er ist kein Aufgeber.

Azzarello beschreibt diesen Prozess, den Jonny durchläuft, spannend und zuweilen auch mit einem gehörigen Augenzwinkern. Dieser Humor findet sich besonders im Aufeinandertreffen der Generationen, in jenen Momenten, in denen sich Jonny ein wenig Vergangenheit und Jugend zurückholen möchte. Aber sie finden sich auch in Situationen, in denen es kaum brutaler zugehen könnte. Bezeichnend ist auch der Einbau von kleinen Nebenhandlungen wie hier das abrupte Ende einer Beziehung, in der sich die Fronten innerhalb weniger Bilder verschieben. Vergleicht man Jonny Double mit anderen Geschichten, wird schnell deutlich, dass Azzarello sich selbst treu bleibt und einen ganz eigenen Stil pflegt.

Eduardo Risso gibt Jonny ein Gesicht. Sein Zeichenstil ist von einer scheinbar bestechenden Einfachheit. Jonny hat ein Boxergesicht, einen Schmollmund wie Elvis, aber er mag auch ein bißchen Marv sein, mit einem Ehrbegriff versehen, der zu schwer für die Gegenwart ist und für einen gebeugten Gang sorgt. Besonders deutlich wird der Unterschied auf jenen Seiten, auf denen Risso den Helden in die Vergangenheit entführt. Das Gesicht ist frischer, jünger und optimistischer und nicht so abgebrüht wie bei den Kids der Gegenwart.
Über den lässigen Strich, den Risso pflegt, kann man auch dankbar sein, weil die Geschichte später einen Killer zwischen die Seiten entlässt, der auf althergebrachte Weise Diebe zu bestrafen versteht.

Solche Szenen sind starker Tobak, allerdings ist es direkt von Beginn an deutlich, dass Jonny Double keine Mainstream-Geschichte ist. Sie erfordert Konzentration. Im Kino müsste man sehr genau aufpassen, um den Anschluss nicht zu verlieren, im Comic hat man den Vorteil, auch einmal zurückblättern zu können. Die Straßen von San Francisco haben schon viele Krimis gesehen. Mit Jonny Double sehen sie einen Thriller in der Vielschichtigkeit eines Basic Instinct.

Jonny Double nimmt einen mit auf den Weg des Verlierers, der über sich selbst hinaus wächst. Mit zunehmender Sympathie für den Helden steigt auch die Spannung. Das Ende ist nicht vorhersehbar. Beste Krimiunterhaltung zwischen Comic-Seiten. 😀

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Samstag, 09. Juni 2007

Marlysa – Der Waltras

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:40

Marlysa 7 - Der WaltrasDer Diebstahl gelingt. Der Dolch des Waltras ist in der Hand des frevelhaften Einbrechers. Aber viel Freude bleibt ihm nicht an seiner Beute. Bereits kurze Zeit später sind ihm die Wachen auf den Fersen.
In der neuen Arena von Jyllando führt Marlysa ein ruhiges Leben. Sofern man den Schaukampf vor hunderten von Zuschauern als ruhig bezeichnen kann. Marlysa allerdings genießt dieses Leben, ist es doch vergleichsweise gefahrlos zu ihren sonstigen Abenteuern. Neben der souveränen Handhabung ihrer Waffen ist ihr akrobatisches Geschick gefragt, welches sie zur Freude der Zuschauer über das normale Maß hinaus besitzt.

Ein Leben als schauspielernder Kämpfer hat ihr nicht lange etwas zu bieten. Was sie zurücklässt, sind viele gute Freunde, während ihr Freiheitsdrang sie wieder in die weite Ferne zieht – einem richtigen Abenteuer entgegen.
Ihre ereignislose wird schnell unterbrochen, als sich ihr ein unbekannter Wanderer in den Weg stellt. Für den Auftrag, den er ihr anträgt, hat sie wenig übrig. Eher rüde lehnt sie sein Ansinnen ab. Doch so leicht will der Fremde nicht aufgeben.

Baron Faradya hat einen Wunsch geäußert. Er will Marlysa kennenlernen. Die Abenteurerin, die diese Einladung hinter Gefängnisstäben in Empfang nimmt, ist nicht mehr in der Lage eine Ablehnung zu äußern. Ihre Überraschung währt nicht lange. Der Baron ist überaus entgegenkommend, und sein Anliegen ist sehr konkret. Ein Dolch wurde gestohlen, eine Waffe von großer Macht. Nur einer umherziehenden Kriegerin kann es während einer Jahrestagsfeier gelingen, in die schwer bewachte Festung des diebischen Fürsten Dormunt einzudringen.

Für eine Kämpferin wie Marlysa scheint die Aufgabe wie geschaffen zu sein. Ein Dolch sollte doch leicht zu stehlen sein. Hätte Marlysa zu diesem Zeitpunkt gewusst, wie attraktiv Dormunt ist, wäre ihre Begeisterung ganz anders ausgefallen – gut aussehende Männer waren in ihrem Leben schon oft für Ärger gut.

Mit der 7. Episode, einem Zweiteiler, Der Waltras kehrt Marlysa zurück. Wir sehen Marlysa eingangs, wie sie ein beschauliches Leben führt. In einer Arena hat sie zusammen mit einigen Freunden eine große Veranstaltung, heute würden wir sagen Show, auf die Beine gestellt, die Tausende von Zuschauern anlockt und regelmäßig begeistert. Die anderen Gladiatoren sind zufrieden mit diesem Leben und wissen auch, was sie daran haben und wem es zu verdanken ist, dass die Zuschauer so zahlreich kommen.

Gleich zu Beginn zeigt Autor Jean-Charles Gaudin auf eine sehr handlungsreiche, aber auch charmante Art, warum Marlysa in ihrer Welt so beliebt ist. Eine Figur, die derart sympathisch eingeführt wird, weiß auch den Leser schnell zu fesseln. Ihrer Freundlichkeit, ihrer Agilität und auch ihrer optische Erscheinung kann man sich nicht entziehen – nicht zuletzt ist es auch ihre Maske, jener geheimnisvolle Aspekt ihrer Identität, der Marlysa faszinierend erscheinen lässt.
Zeichner Jean-Pierre Danard hat sich mit ihrer Gestalt viel Mühe gemacht. Sie wirkt wie eine Brigitte Bardot, die in einer phantastischen Welt ihr Überleben sichert.

Marlysas Maske schadet ihrer Attraktivität keineswegs. Ihre knappe Bekleidung verdreht vielen Männern um sie herum den Kopf. – Wie sich nicht nur an Bösewicht Dormunt zeigt. Der Ritter, der ihr als Begleitung auf ihrer Reise zur Seite gestellt wird, Lowell, erliegt alsbald ihrem Charme. Es wäre falsch zu behaupten, dass Marlysas Bekleidung immer zweckmäßig ist – aber seien wir ehrlich: Eine knackig bekleidete junge Frau ist allemal besser anzuschauen als irgendein muskelbepackter Barbar.
Wer allerdings glaubt, der Einsatz von jungen Frauen in einem prallen Abenteuer ginge zu Lasten der Action, sieht sich gewaltig getäuscht.

Einige Szenen möchte ich ganz kurz herausstellen, weil sie wirklich bemerkenswert sind. Das Abenteuer beginnt mit einem bunten Spektakel, das sich erst nach dem Umblättern als Show entpuppt, bei der niemand zu Schaden kommt. Der Schaukampf in der Arena ist poppig bunt in Szene gesetzt. Fast könnte man meinen, pompöse Musik zu hören, die zu diesem Spektakel aufspielt.
Beeindruckender ist die Szenerie auf der Großen Achse geworden. Man stelle sich einen Highway vor – ohne Automobile, dafür mit phantastisch anmutenden Reittieren, einige recht überdimensional, welche die begradigte Strecke für ihre jeweilige Höchstgeschwindigkeit nutzen. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube, dass das Konzept der Autobahn so noch nicht im Bereich der Fantasy genutzt wurde.
Abschließend sei die Hetzjagd in den Kellergängen abseits des Verstecks des Waltras erwähnt. Wer bislang noch nicht von der Action überzeugt war, kann sich hier nicht mehr entziehen.

Die Welt von Marlysa ist eine Welt voller Details. Das macht sie sehr lebendig und liebenswert. Die Macher, Gaudin und Danard, orientieren sich an der Realität und steuern ein hohes Maß an eigenen Ideen bei. Ein gutes Beispiel für diesen Ideenreichtum ist der erste Auftritt von Dormunt. Angesichts der farblichen Pracht (eine tolle Arbeit von Yoann Guillo) und der Inszenierung fühlt man sich als Leser an eine indische Prozession aus alten Tagen erinnert, als noch Nabobs ihren Reichtum zur Schau stellten.

Man kann Marlysa nicht einfach nur spannend oder gut umgesetzt nennen. Dieses Fantasy-Abenteuer ist einfach schön und gehört zu den Comics, die man nach dem Lesen sehr zufrieden schließt – oder wieder von vorne beginnt.

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Mittwoch, 06. Juni 2007

Terminator – Hardware

Filed under: SciFi — Michael um 20:30

Terminator - HardwareDer erste Terminator konnte seinen Auftrag zur Eliminierung von Sarah Connor nicht erfolgreich zu Ende führen. Doch in der Zukunft wissen die Menschen, dass der Führungscomputer Skynet noch über weitere Quellen verfügt, um den Anführer der menschlichen Rebellion, John Connor, endgültig zu vernichten.

In der Zukunft:
Eine Einheit der Widerstandsbewegung verschafft sich Zugang zu einer von Skynets Zeitmaschinen. Im Auftrage John Connors wollen sie in die Vergangenheit, denn dort können sie ihrerseits verhindern, dass Skynet überhaupt entwickelt wird. Allein den Weg zur Zeitreiseeinrichtung ist hart und einige des Teams bleiben auf der Strecke. Skynet schickt den Menschen gleich vier Terminatoren hinterher. Die Jagd beginnt.

In der Gegenwart:
Nachdem die menschlichen Rebellen eingetroffen sind, gehen die Schwierigkeiten erst richtig los. Während sie einen der führenden Wissenschaftler des Skynet-Programms entführen, heften sich die Terminatoren an ihre Fersen, nachdem sie sich auf ihre bewährte Art Kleidung und Waffen besorgt haben.

Die beiden Bände „Hardware“ und „Software“ schließen die zeitliche Lücke zwischen den Handlungen der Kinofilme „Terminator 1“ und „Terminator 2“.

Erfreulich an der doch recht gut inszenierten Geschichte ist, dass man die Filme nicht gesehen haben muss. Sie bringt neue Ideen ein, wie einen Terminator, der halb menschlich ist und dafür konzipiert wurde, speziell das menschliche Gewebe der Cyborgs zu behandeln. Auch greift die Geschichte konzeptionell dem aktuellen dritten Teil „Terminator 3 – Rebellion der Maschinen“ vor. Eine „Terminatrix“ ist hier bereits zu finden. Will man Vergleiche anstellen, muss man sagen, dass dieser weibliche Terminator maschinenhafter agiert und nicht diese Bosheit eines TX an den Tag legt, die für eine Maschine ungewöhnlich ist. Andererseits weiß sie die menschlichen (männlichen) Schwächen zu nutzen, um ihr Ziel zu erreichen.
Insgesamt ist es interessant zu betrachten, wie die Terminatoren im Team agieren, damit sie ihren Auftrag ausführen können.

Obwohl die Geschichte als Comic daher kommt, ist sie weitaus gewalttätiger als die Filme. Auf so manche Darstellung hätte man verzichten können, weil sie nicht zur Entwicklung der Handlung beiträgt. Für Terminator-Fans bietet der Comic eine nette Zwischenmahlzeit und ist trotz kleiner Schwächen spannend.

Dienstag, 05. Juni 2007

Astro City – Der gefallene Engel

Filed under: Superhelden — Michael um 17:07

Astro City - Der gefallene EngelSteeljack ist wieder aus dem Knast. Es ist da draußen schwer für einen Ex-Knacki. Noch schwieriger ist es für einen Ex-Verbrecher, der sich mit Superhelden angelegt hat.
Steeljack erinnert sich an die Zeit, als er ein kleiner Junge war und die Engel fliegen sah. Was hätte er nicht alles dafür gegeben, so wie sie zu sein? Ein Superheld? Er wollte auch ein Held sein und war bereit alles dafür zu tun – und alles dafür zu bezahlen. Doch irgendwie kam alles ganz anders. Schneller, als ihm in der Gegenwart lieb ist, geriet er auf die schiefe Bahn. Irgendwann lernte er wirklich die Engel kennen. Zu diesem Zeitpunkt stand er längst auf der falschen Seite.

Wieder draußen, nach so vielen Jahren, in dem das Leben an ihm vorbeizog, ist es nicht leichter geworden. Für jemanden, dessen Haut aus Metall besteht, sind selbst Aushilfsjobs schwer zu finden. Als Tellerwäscher kann er auch nicht lange bestehen, denn seifiges Wasser und Metall lassen die Teller aus seinen Händen rutschen. Steeljack zieht sich frustriert immer weiter in sich zurück.
Da wird ihm ein Auftrag angetragen, mit er niemals gerechnet hätte. Irgendjemand lässt Menschen aus seinem Viertel verschwinden. Kleine Gauner, die sich mittels Technik und bescheidener Fähigkeiten, zu Super-Verbrechern aufgespielt hatten. Niemand von außerhalb interessiert sich für das Verschwinden dieser Menschen. Jeder glaubt, dass die Polizei sich um diese Fälle nicht kümmern wird – im Gegenteil, die vorherrschende Meinung lautet, man werde ehemaligen Verbrechern nicht helfen. Ein verschwundener Gauner ist eine Akte, die endgültig geschlossen werden kann.

Hier kommt Steeljack ins Spiel. Er ist nicht der Beste, den sie finden können. Er ist auch kein intelligenter Detektiv, aber – und das ist sein besonderer Vorteil – er kann sehr viel einstecken. Zuerst weiß er nicht, wo er überhaupt anfangen soll. Er fragt herum und klappert die Verwandten der Verschwundenen ab. Wie es sich bald zeigt, taugt selbst das schlimme Schicksal der Gauner nicht zur Abschreckung. Ein junges Mädchen will sich auf den gleichen Pfad wie ihr Vater begeben. Steeljacks versucht sie zu überzeugen, dass sie einen Fehler macht. Ihre Reaktion erinnert ihn zwangsläufig an sich selbst, als er in ihrem Alter war.
Seine Arbeit bringt nichts. Im Gegenteil, denn die Menschen sterben weiter. Und es begegnen ihm hoffnungslose Menschen wie El Hombre, der Held, der sich seine Bedrohungen selber schuf und kläglich damit scheiterte. Eigentlich sollte Steeljack dadurch endgültig abgeschreckt werden, aber ab einem bestimmten Moment erwacht sein Ehrgeiz. Schwach ist er zu Beginn und wird endlich von dem tiefen Wunsch zu helfen abgelöst. Die Spur wird heißer. Leider will niemand auf Steeljacks Vermutung hören, obwohl er sie mit Indizien untermauern kann.

Steeljack steht allein. Aufgabe kommt jedoch nicht mehr in Frage.

Astro City – Der gefallene Engel zeigt die (oder eine) Welt der Superhelden, in es lebensechter zugeht. Die Menschen haben hier eine Menge Probleme und Sehnsüchte, die durch die Superhelden noch genährt werden – ja, man könnte sagen, gäbe es das Vorbild der Helden nicht, gäbe es auch viel weniger Verbrecher.
Kurt Busiek, der Fans von seiner sehr guten Arbeit an den Rächern her bekannt sein dürfte, hat mit Astro City eine Plattform bearbeitet, in der die Sicht von unten viel bedeutsamer bei der Erzählung ist.

Busieks Held in dieser Geschichte, der gescheiterte Superverbrecher Steeljack, dürfte wohl zu den traurigsten Exemplaren seiner Gattung gehören. Das liegt nicht zuletzt an den Zeichnern Alex Ross (Cover) und Brent Eric Anderson. Steeljack sieht aus wie ein metallener Robert Mitchum. Groß und schwer kann seine Erscheinung zwar noch beeindrucken, aber die Kraft ist aus der Haltung verschwunden. Die Schultern haben zuviel Belastung ertragen. Steeljack ist ein riesiges Kind. Alle Illusionen sind verloren gegangen. Misstrauen und Selbstzweifel beherrschen ihn. Aus Steeljack ist der typische Antiheld geworden, der im Selbstmitleid ertrinkt, bis er erkennt, dass er der einzige Mensch ist, der das Unheil aufhalten kann. Er entscheidet sich, über den eigenen Schatten zu springen und den Weg zu Ende zu gehen – egal, was geschehen mag. Insgeheim hat er seinen wahrscheinlichen Tod auch in die Gleichung aufgenommen. Mittlerweile ist er davon überzeugt, dass es das wert ist.

Außer der vorzüglich beschriebenen Figur Steeljack steht sein altes Viertel im Mittelpunkt der Handlung. Zwar bildet es auch die Plattform, auf der erzählt wird, aber es ist ebenso ein vielschichtiger Protagonist.
Gemäß alter Krimi- und Thrillervorlagen ist dieses Viertel auf Einzelschicksalen gebaut. Der Friedhof, der für Steeljack ein wichtiger Anlaufpunkt ist, zeugt davon. Hier findet er sich nicht nur er ein, um sich stets bei seiner Mutter zu entschuldigen, dass er es nicht besser gemacht hat. Hierher kommt auch die nächste Generation, bereit, die gleichen Fehler zu machen wie, bereit dafür, so großspurig zu sein und zu behaupten, man würde es als Superverbrecher zu mehr bringen als die alten Herrschaften.
Superverbrecher wie auch Superhelden sind jenseits der allseits bekannten Figuren aus dem DC- und Marvel-Universum angesiedelt. Manche Figur macht einen etwas lächerlichen Eindruck, wird aber im Rahmen der Geschichte außergewöhnlich gut hergeleitet (wie im Falle von El Hombre und der Schildkröte).

Was die realistischen Eindrücke im ersten Ansatz festigt, sind die tollen Cover der einzelnen Episoden von Alex Ross. Dank ihm wirken Steeljack, El Hombre und Schildkröte ziemlich realistisch, beinahe wie Entwürfe zu einer Verfilmung. Gerade das Auftauchen der Schildkröte aus dem Wasser ist dergestalt angelegt.
Die Hauptarbeit der Bilder erledigt Brent Eric Anderson versiert und ohne Experimente. Aber jegliches grafisches Abweichen von den üblichen Darstellungen hätte vielleicht auch zu sehr abgelenkt.

Auch so können Superhelden sein: Realistischer, mit sehr viel Gemüt und Stil erzählt. Steeljack ist eine hervorragende Figur geworden, die sich in einem spannenden Thriller behaupten muss. 😀

Freitag, 01. Juni 2007

Knights Of The Old Republik – Stunde der Wahrheit

Filed under: SciFi — Michael um 20:42

Knights Of The Old Republik 2 - Stunde der WahrheitZayne Carrick will nicht aufgeben. Ohne Ausrüstung muss es einen Weg geben, an Nahrung zu kommen, ohne den Kampf zu suchen. Da trifft es sich, dass die Mandalorianer für Panik in der Galaxis sorgen. Die Gruppe um Zayne benutzt diese Angst für ein gelungenes Ablenkungsmanöver – bis aus der Täuschung bitterer Ernst wird.
Die Mandalorianer greifen an. Zayne und seine Freunde können das allgemeine Durcheinander nutzen, jedoch nicht ohne weitere Schwierigkeiten heruafzubeschwören. Eine Freundin von ihnen, Jarael, wurde gefangen genommen. Die Mandalorianer fangen Jedi, wo sie nur können, um sie geheimen Experimenten zu unterziehen. Jarael, die vorgab, eine Jedi zu sein, kann ihre Entführer nicht vom Gegenteil überzeugen. Bald findet sie sich in der Gesellschaft echter Jedi wieder, die von den Tests erschöpft und sogar dem Tode nahe sind.
Demagol, der Wissenschaftler der Mandalorianer, der sich diese Experimente ausgedacht hat, kennt keine Gnade.

Zayne denkt sich einen Plan aus, einen tollkühnen Plan, aber Zayne ist ein Hitzkopf. Außerdem ist die Zeit knapp und ein ausgefeiltes Vorgehen ist nicht machbar. Ihr unfreiwilliger Begleiter, ein Mandalorianer, der seine eigene Auffassung vom Krieg gegen die Republik hat, hilft dem kleinen Team. Der Plan ist simpel. Wie gut, dass Mandalorianer allesamt Masken tragen. Eine bessere Chance wird sich Zayne und seinen Freunden nicht mehr bieten.
Wie gut allerdings auch, dass Zayne zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, dass die republikanischen Streitkräfte annehmen, bei ihm handele es sich um einen Jedi-Verräter.

Andernorts auf Coruscant wollen auch die Jedi der Flüchtigen habhaft werden. Die Idee dieser Gegenwart hatten sie sich anders ausgemalt. Zayne kommt dem Vorhaben einer bestimmten Gruppe unter den Jedi in die Quere. Zayne kann sich weiterhin entziehen, aber etwas Schnödes brauchen sie dennoch, damit die Flucht auch zukünftig gelingt: Geld.

Ein Sprung in die Vergangenheit des Star Wars-Universums führt den Leser zu den Knights Of The Old Republik. Der Zeitraum vor 4000 Jahren ist bereits mehrmals für Geschichten aufgegriffen worden. Hier erfahren die Leser viel mehr über die Vergangenheit der Mandalorianer, deren grundsätzliche Rüstung und Legende später Furcht und Schrecken in Form von Jango und Boba Fett verbreitet. So wie die Darstellung dieses Volkes ausfällt, ist es kein Wunder, dass dieses auf Krieg trainierte Volk als Matrize für die späteren Klonkrieger ausgewählt wurde.
Ihre beständige Maskerade lässt einen Angriff dieser Soldaten noch gruseliger ausfallen. Zwar gibt es primäre Ähnlichkeiten im äußeren Erscheinungsbild, doch jeder Soldat besitzt seine individuelle Rüstung, die vielleicht sogar ein wenig seinen Charakter widerspiegelt.

Ein gutes Beispiel für diese These ist Demagol, der monströs anzuschauende Wissenschaftler der Mandalorianer. Seine Erscheinung erinnert ein wenig an die Lawbringer aus der Science Fiction Saga Negation und ist auch so bedrohlich, wenn auch weniger mythologisch angehaucht.
Für Zayne ist die Hilfe, die er seiner Freundin Jarael bringt, die Stunde der Wahrheit, denn damit offenbart er seinen Aufenthaltsort und legt zusätzliche Fährten, die das falsche Bild von ihm noch verstärken.
Autor John Jackson Miller legt mit Zayne einen Charakter vor, der äußerst sympathisch ist, nur leider scheint ihm kein richtiges Glück gegönnt zu sein. Kaum hat er eine Situation gemeistert, bringt ihn das wieder in die nächste Ausgangslage für den nächsten Weg in die Traufe. Nicht vergessen werden darf der Umstand, dass andere Kräfte darüber hinaus auf der Jagd nach ihm sind.

Für die Gestaltung der Bilder sind die Zeichner Dustin Weaver, Brian Ching und Harvey Tolibao verantwortlich. Lassen sich sonst in einem solchen Event deutliche Unterschiede zwischen den Arbeiten der einzelnen Zeichner feststellen, bleibt dies hier erfreulicherweise aus. Alle Zeichner bewegen sich stilistisch auf dem gleichen Level, so dass ein sehr gutes einheitliches Bild entsteht. Die Detailfreude, die besonders bei den verschiedenen Rüstungen der Mandalorianer zum Ausdruck kommt und den Schiffsansichten, wird vielleicht nur noch durch die wirklich ausgefeilte und liebevolle Umsetzung der Völker (hier im Besonderen die beiden Hammerheads) getoppt.

Dank der Farbgebung durch Michael Atiyeh und Jay David Ramos wird die zweite Episode zu KOTOR zu einem wahren Fest für Star Wars Fans.

Ein spannender Augenschmaus mit einer wilden Achterbahnfahrt durch die Star Wars Vergangenheit. Es ist schön, dass innerhalb der vielen Erscheinungen so viel Wert auf einzelne Abschnitte gelegt wird. Nicht nur für Star Wars Fans, sondern auch Space Opera Liebhaber ein Muss.

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Mehr Informationen (auch zum Thema Star Wars) in Brian Chings Blog unter brianching.blogspot.com.