Polen 1942. Ein Konzentrationslager. Ein kleiner sehr behaarter Gefangener wird ein ums andere Mal getötet, stirbt aber nicht. Langsam aber sicher treibt dieser Mann den Leiter des Lagers in den Wahnsinn.
Wolvie ist alt, das wissen die Fans von Logan, Waffe X, oder wie immer man ihn nennen will. Deshalb wird es niemanden verwundern, dass er im Zweiten Weltkrieg bereits Wege gefunden hat, um den Feind zur Weißglut zu treiben. Als Gefangener Nummer Null ist Logan wie ein Geist.
Näher möchte ich gar nicht auf die Geschichte eingehen. Dazu ist sie auch allzu kurz und lebt von sich wiederholenden Szenen, die hier allerdings durchaus Sinn haben. Was mich an der Geschichte stört, ist Mark Millars Einfallslosigkeit: Schon wieder Zweiter Weltkrieg? Amerikanische Autoren geheimnissen ziemlich viel in dieses Zeitalter hinein. Das hat es zwar schon seit vielen Jahren gegeben und Indiana Jones trat in den 80ern eine zweite große Welle dazu los, aber irgendwann sollte es gut sein.
Hätte es nicht ein anderer Krieg sein können? Oder trauen sich die Amerikaner nicht an ihre Kriege heran? Was ist mit Vietnam, Schweinebucht, Panama, Afghanistan, Golfkriege und und und? Was ist mit afrikanischen oder südamerikanischen Terror-Regimen? Was ist mit Kambodscha?
Wann verwenden US-Autoren den Holocaust nicht mehr als Comic-Spielplatz?
Es sollte eigentlich an der Zeit sein. Sehen wir einmal von der Brutalität der Geschichte ab. (Ist die Szenerie auch sehr klein, der Leser sieht, was geschieht.) Was ist so faszinierend am Dritten Reich? Um der Wahrheit die Ehre zu geben, ich kann es nicht mehr sehen! (Und ich hoffe, dass auch Spielberg in Indy 4 die Finger davon lässt.) Wolverine hat eine besondere Beziehung zu Japan. Wäre es nicht eine Herausforderung gewesen, ihn mit den Greueln der Japaner gegen die Chinesen zu konfrontieren?
Einzig die Zeichnungen von Kaare Andrews zu Gefangener Nummer Null sind eine echte Überraschung und erinnern ein wenig an die Genialität von Mike Mignola.
X-23 wächst heran!
Die Entstehungsgeschichte von X-23 ist wesentlich gelungener geraten. Ein weiblicher Wolvie, eine Art Wolfskind, wird in einer geheimen Anlage herangezüchtet, um die ultimative Waffe zu werden.
Schauen wir einmal nicht zu genau auf die Szenen hinter den Kulissen: die bösen Wissenschaftler, die gemeinen Drahtzieher. All das kennt der Leser (oder auch der TV- wie auch der Kinozuschauer). Darüber hinaus sind die sonstigen Zutaten auch nicht die neuesten. Wer sich in alter Zeit mit Stephen Kings Feuerteufel beschäftigte, vielleicht auch mit Species, der wird die Situation des enorm talentierten Kindes kennen, das in einem Labor aufwächst oder durch ungewöhnliche Umstände auf die Welt kommt.
Man kann X-23 in der zweiten Folge von Verlorene Unschuld durchaus als ungewöhnliches Kind bezeichnen. Obwohl die Thematik nicht die neuste ist (und X-23 bereits eine Einführungsstory hatte – die erste Begegnung von ihr mit Wolvie), sind ihre ersten Lebenserfahrungen gelungen dargestellt. Ihre Übungen, die zaghaften Versuche einiger weniger Erwachsener ihr doch ein bißchen menschliche Wärme nahezu bringen, das wirkt.
Außerdem ist es von Zeichner Billy Tan wirklich schön in Szene gesetzt. Souverän, ohne Überraschungen freilich, aber handwerklich top.
Hier bin ich wirklich auf die Fortsetzung gespannt.

Du solltest wohl auch mal zwischendurch ein paar Bücher über den Holocaust und Nationalsozialismus lesen, dann würdest Du vielleicht nicht so einen Mist schreiben und wissen was das einzigartige dessen ist!
Kommentar von nite owl — Sonntag, 09. April 2006 @ 5:28
Ich habe reichlich über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust gelesen. Und genau deshalb ist die Geschichte um Wolverine in einem KZ eher eine Verhöhnung der Toten. Oder findest Du das Szenario für einen Comic angemessen?
Du solltest eher meinen Artikel genauer lesen, bevor Du mich beschimpfst.
Kommentar von Michael — Sonntag, 09. April 2006 @ 13:31
Nun gibts verschiedene Bereiche:
Geschichte in und von Comics, Entstehung von Comics und historische Einordnung der Verbrechen der Nazis, zudem der Umgang mit ihnen…
Zum einen erinnere ich mich das in den X-Men-Verfilmungen, wohl in der ersten, auch Bezug zu den Nazis genommen wurde.
Überhaupt gibt es da ja vielfältige Verbindungen in der Enstehung (zeitlich) und den Inhalten (man denke nur an Red skull vs. Captain America).
Ich sehe keine “Verhöhnung der Opfer”, aber eine ungerechfertigte Relativierung des Holocausts und der anderen Verbrechen die von dem damaligen deutschen Staat und Volk ausgingen, wenn Du sie mit “Vietnam, Schweinebucht, Panama, Afghanistan” gleichsetzt - allefalls Japan, Kambodscha, Bosnien oder Ruanda könnte ich halbwegs akzeptieren.
Da geht es um die Dimensionen der Verbrechen, um ihre besonders radikale Umsetzung und ein besonders ausgeprägtes totalitäres System, wie es das der Nazis war - kombiniert mit Mythen, Aberglauben (Himmlers Hirngespinste zB) und natürlich bösartigem und mörderischen Rassismus + Gier und Neid.
Und wie damit umgehen?
Comics sind nicht nur etwas für Kinder, nicht nur albern und belanglos, sie können auch sehr ernst und anspruchsvoll sein, auch wenn sie rein fiktional sind.
Und selbst wenn: Das man Nationalsozialismus und Humor gut verbinden kann, zur Entlarvung sogar muß haben viele schon gezeigt - zB Charlie Chaplin.
Das kann auch mißlingen, das ist normal.
Wenn Du die Form der Umsetzung kritisierst, ok - aber das tust Du nicht, Du störst Dich daran das Du mit den Verbrechen von Deutschen belästigt wirst und würdest gerne sehen das eine andere Nation den Buhmann geben soll.
Wenn es passt abe ich auch nichts dagegen wenn man sich zB dem Völkermord an den Armeniern zuwendet, auch da hatten Deutsche damals indirekt ihre Hände mit drin, was solls.
Mit Geschichte muß man sich auseinandersetzen, man muß versuchen daraus zu lernen und nicht verdrängen. Kollektivschuld gibt es nicht, aber viele Deutsche machten sich schuldig, und eas gibt Verantwortung zu lernen!
60 Jahre sind übrigens eine sehr kurze Zeit.
Wobei es auch Comics mit sehr aktueller Problematik gibt, zB der Dreiteiler “Secret war”, mehr dazu:
http://www.paninicomics.de/index.php?content=label;serie&serie=266
Kommentar von nite owl — Sonntag, 09. April 2006 @ 20:48
Ich kritisiere nicht, dass ich mit den Verbrechen von Deutschen “belästigt” werde. Das steht da nirgends!
Ich kritisiere den leichtfertigen Umgang mit dem Thema.
Wolverine, der ein ums andere Mal in einem KZ auf die verschiedensten Arten getötet wird!
Es mag keine Verhöhnung sein, aber es ist über alle Maßen taktlos.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass jedesmal, wenn die Frage aufkommt: “Wir brauchen ein realistisches Horrorszenario. Was nehmen wir?” die Antwort kommt: “Nehmen wir den Holocaust!”
Außerdem relativiere ich das Leid der verschiedenen Kriege nicht. Ich wiege nichts ab. Das steht da nicht.
Ich kritisiere, dass es für Amerika(ner) einfacher ist auf die Gräuel anderer im Zweiten Weltkrieg zurückzugreifen (auch im X-Men Film), als sich mal an die eigene Nase zu fassen, was eigene Missetaten angeht, die unbestritten sind.
Das Beispiel Secret War halte ich für wenig tragbar. Ein fiktives Land, ein fiktiver Gegner, auf das seitens Nick Furys Initiative ein Anschlag verübt wird? Das ist eine Anspielung, aber keine verbindliche Stellungnahme. Sie ist reichlich inkonsequent.
Das Grauen und das Leid des Holocaust ist für mich unbestritten und ich möchte an dieser Stelle auch nicht darüber diskutieren - worüber auch? Ich denke, da sind wir einer Meinung.
Ob es in einen Comic gehört, muss jeder für sich selber entscheiden.
Kommentar von Michael — Montag, 10. April 2006 @ 11:42
Ich bestreite sie!
Kommentar von nite owl — Dienstag, 11. April 2006 @ 0:29
Der zweite Weltkrieg ist einer der schlimmsten Kriege, die jemals passiert sind. Soviel Tote und ein unvorstellbares Grauen.
Es ist also kein Wunder das der zweite Weltkrieg bei Autoren seinen Reiz findet. Und es ist gut, das er oft verwendet wird, damit bloss dieser Krieg und das Grauen was die Deutschen damals angerichtet haben niemals in Vergessenheit gerät.
Der zweite Weltkrieg steht auch als Symbol für alle Kriege.
Schade das in Deutschland kaum ein Comiczeichner sich dieses Thema annimmt.
Es kann nicht genug Comics geben, wo das Böse und die Verbrechen der damaligen Deutschen dargestellt wird.
Diese Schuld sollte und wird niemals von Deutschland abfallen oder abgenohmen werden.
145 Millionen Menschen kamen in kürzester Zeit ums Leben.
Nazis schnitten lebenden Kindern die Nasen, Gliedmassen etc.ab, um zu sehen, wie diese mit den fehlenden Gliedmassen überlebten. Die grausamsten Experimente wurden an unschuldigen Menschen ausgeführt.
Menschen wurden so grausam gefoltert und auf grausamste Weise ermordet.
Kaum vorstellbares menschenverachtenes Verhalten der Nazis gegenüber jeden, der kein Nazi war.
Und noch viel mehr… und all dies ist vor nur einigen Jahren vor unseren Haustüren passiert.
Und nein, es hätte kein anderer Krieg sein können im Wolverine Comic. Und ich hoffe es werden noch tausende Comics und Filme etc. folgen, die das Grauen der Nazis darstellt, damit alle Kids und Menschen daran erinnert werden und lernen das die Nazis die schlimmsten Verbrecher einer angeblichen zivilisierten Welt waren/sind und das so etwas nie wieder passieren darf.
Kommentar von santo — Montag, 01. Mai 2006 @ 5:00
Ich habe mal eine unqualifizierte Frage, aber da ich durch Zufall per google hierhin gelangt bin: Könnt ihr mir ein paar Comics nennen, in denen der 2. Weltkrieg vorkommt? Oder sogar als Hauptplot thematisiert wird? wo kann ich sonst sowas finden?
Vielen Dank!
Kommentar von tine — Montag, 22. Mai 2006 @ 15:43
Hi, wie wäre es mit Maus von Art Spiegelman.
Kommentar von Michael — Montag, 22. Mai 2006 @ 18:12
Maus habe ich schon, außerdem “Yossel” und “Auschwitz”. Gibts noch mehr?
Kommentar von tine — Mittwoch, 27. September 2006 @ 12:21