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Comic Blog


Mittwoch, 12. Oktober 2011

SPOON & WHITE 6 – XXL

Filed under: Cartoon — Michael um 9:58

SPOON & WHITE 6 - XXLSpoon ist klein und gemein. Sein Hang zu Feuerwaffen ist bei ihm ebenso stark ausgeprägt wie bei seinem Idol Dirty Harry. White, sein weitaus größerer Kollege, ist nicht weniger ungern bewaffnet, liebt insgesamt aber eleganter. Gott sei Dank, beide sind Cops. Ihr neuer Auftrag fällt zwar in die Arbeitszeit, allerdings ist der Auftrag trotzdem von einer gewissen Brisanz. Ein neues Schlankheitsmittel verspricht die Lösung für alle Übergewichtigen zu sein. Entsprechend groß ist der Andrang vor dem Kaufhaus. Die Chancen für Spoon & White, sich gegen diese Menschenmassen überhaupt durchzusetzen, sind überaus gering. Genauer gesagt: Ein Schneeball hätte bessere Chancen durch die Hölle zu kommen.

Spoon & White sind keine Aufgeber. Allen Widrigkeiten zum Trotz, stehen die Chancen auch schlecht (und sie stehen stellenweise verdammt schlecht), hängen die beiden Polizisten sich voll rein. Das mag auch an ihrem Vorgesetzten liegen, der eine eindeutige Warnung ausgesprochen hat. Man könnte es auch eine Drohung nennen. Selbst stark übergewichtig hat er sie vor die Wahl gestellt: Entweder sie schaffen die Schlankheitspillen heran oder es gibt eine Strafversetzung nach Alaska.

Jean Leturgie und Yann, Experten in Sachen Komödie im Comic, schicken die beiden recht unterschiedlichen Polizisten (außer im Bezug auf das Thema Frauen) in ein Abenteuer, das auf der Jagd nach Schlankheitspillen beginnt und im Indianerterritorium endet. Die Handlung für sich genommen ist ein typischer Funny, der dadurch noch gewinnt, wenn man als Leser in Sachen Comic und Popkultur noch ein wenig bewandert ist, insbesondere die Kenntnis einiger Filme und Schauspieler wäre sinnvoll.

Der kleine Spoon (engl.: Löffel) mit seinem Hang zur Schauspielerlegende Clint Eastwood wurde bereits erwähnt. Der Gastauftritt des mürrischen Westernhelden ist schnell entdeckt. Auch Obelix sollte Comic-Freunden zügig auffallen. Mit Jeff Bridges und John Goodman ist es schon etwas schwieriger. Spoon muss sich ausgerechnet mit der von Goodman gespielten Figur des Walter Sobchak anlegen, einem Vietnam-Veteranen, der ein noch größeres Waffenarsenal mit sich herumschleppt als der kleine Polizist.

Spoon & White bedeutet: Geschwindigkeit. Pausen sind nur zum Verschnaufen da und lockern diese noch durch Schmunzler auf. Insider-Gags lösen sich mit purer Slapstick ab. Man fühlt sich sogar an einen alten Witz erinnert, den Adriano Celentano in Gib dem Affen Zucker erzählte: Was macht ein drei Kilogramm schwerer Spatz auf einem Ast? Aber es reicht schon für ein Augenzwinkern, wenn sich Spoon mit einem übergewichtigen Mann in einem gelben Trainingsanzug anlegt, auf dessen Brust die Worte Kill Boule eingestickt sind.

Man merkt: White ist zwar auch ein Humorträger, deutlich beliebter bei den Autoren ist allerdings Spoon, der mit einer stets in die Luft gehenden Mentalität im Sinne eines Louis de Funes in Szene gesetzt wird. Simon Leturgie, der Zeichner, tobt sich mit schnellem, karikierendem Strich aus und scheint es geliebt zu haben, all die kleinen und großen Anspielungen unterzubringen. Wenn erst einmal die finale Verfolgungsjagd eingeläutet wird, bleibt kein Auge trocken.

Hier passt der Humor von Anfang bis Ende: Modern bis traditionell, von feinen humoristischen Einfällen bis hin zu äußerst rabiaten Krachern. Political Correctness sucht man hier außerdem vergeblich. Aber am Ende bekommt jeder sein Fett weg, auch Spoon & White. 🙂

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Dienstag, 11. Oktober 2011

ARAWN 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:42

ARAWN 3- Die Schlacht von Cad GoddunBran ist gewalttätig, auch brutal, immer bereit, seine Interessen mit dem Schwert zu verteidigen. Doch zuvor muss er ein Schwert haben. Natürlich kann ein Krieger, der sich zu Höherem berufen fühlt, nicht mit irgendeinem Schwert kämpfen. Die Klinge der Nacht ist ein solch besonderes Schwert, aber wer es besitzen will, darf sich nicht wundern, wenn der rechtmäßige Träger, obwohl seit langem verstorben, es verteidigt und bemüht ist, den Dieb zu töten. Bran mag zwar die Gewalt zur Lösung von Problemen vorziehen, aber er ist nicht dumm. Und so gelangt er relativ mühelos in den Besitz dieser ungewöhnlichen Waffe.

Ronan Le Breton, der Autor dieser epischen Fantasy-Handlung, lässt das Schwert alsbald in einem Kampf zum Einsatz kommen, der mit solcher Macht auf beiden Seiten ausgefochten wird, dass die wundersame Kraft notwendig ist. Denn Arawn, der die Waffe inzwischen führt, begegnet Math, ebenfalls mit einer magischen Waffe ausgerüstet. Gemeinsam bestreiten sie einen Kampf vor einer Kulisse aus riesigen, lebendig gewordenen Bäumen und sich wehrenden untoten Kriegern, die geradewegs aus der Hölle gekommen scheinen. Sebastien Grenier nutzt die lange Sequenz der Schlacht von Cad Goddun, um es so richtig krachen zu lassen.

Der Hauptzweikampf, der hier gezeigt wird und der zwei Titanen aufeinanderprallen lässt, ist beeindruckend inszeniert. Es ist ein göttliches Gemetzel mit Kraftprotzen, die beide keine Sympathie verdienen. Das gleiche Kräftemessen mündet schließlich in eine Pattsituation, während im Hintergrund ein geheimnisvoller Blutkessel seine Pläne schmiedet. Einen Kessel zu einer Ränke schmiedenden Kreatur zu machen, ist gewagt, funktioniert allerdings auf seltsame Weise. Ein großes bauchiges Gefäß, ein Hexenkessel, wuchtig, mit unheiligen Zeichen verziert, ist das Sprachrohr einer anderen Welt und eigentlich recht hilflos. Dennoch gelingt es Sebastien Grenier mit seiner naturalistisch angelegten Maltechnik, dem Kessel einen Charakter zu geben.

Mit deckenden Farben, mal sehr grob aufgetragen, mal außerordentlich fein gemalt, entstehen durch Greniers Technik Grafiken zwischen Gemälde und Feuerwerk. Es ist schwer zu entscheiden, welche Grundstimmungen hierbei besser gefallen. Denn Arawn ist gerade im dritten Teil nicht nur Schlachtengemälde, sondern besitzt auch ruhige, unheimliche sowie mysteriöse Momente. Im zweiten Teil, wenn es an dem Leser ist, sich von den Aufregungen zuvor zu verschnaufen, gelingt es Grenier mit einer schmeichelnden, manchmal auch leicht kaschierenden Technik urwüchsige Highlands auf das Papier zu zaubern. Kleinigkeiten erwecken die Ansichten zum Leben, so eine Möwe, die zwar nur klein abgebildet ist, aber außerordentlich niederträchtig wirkt.

Das gesamte Land ist ein verwunschener Traum. Es zur Gänze einen Alptraum zu nennen, wäre falsch. So hat auch dieses scheinbar von Göttern erschütterte Land seine schönen Seiten. Doch allzu viele Sümpfe, Klippen, Abgründe und Nebel beherrschen dieses Land, an dessen Küsten sich die Wellen bedrohlich brechen. Kurzum: Die Atmosphäre ist mit hoher Intensität phantastisch gut eingefangen.

Schwermetall: Immer noch und noch besser. Die Figuren sind von Le Breton ausgezeichnet charakterisiert und trotz einer Vielzahl von Auseinandersetzungen bleibt genügend Zeit, diese auszubauen. Grenier etabliert sich als Künstler für barbarische Stimmungen. Für Fans harter und dunkler Fantasy perfekt. 🙂

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Montag, 10. Oktober 2011

GIPSY 1 – Der Stern des Zigeuners

Filed under: SciFi — Michael um 18:58

GIPSY 1 - Der Stern des ZigeunersTsagoi ist nicht gern gesehen. Aber Tsagoi ist charakterstark, denn er ist nirgends so recht gern gesehen. Die Fahrer der Lastwagen machen sich das Leben gegenseitig so schwer es eben geht. Nur Tsagoi wollen sie es noch ein wenig schwerer machen. Sicher, für Tsagoi geht es einmal mehr um Leben und Tod, doch da kennt er bereits seit frühester Jugend. Irgend so ein Großmaul mit abgerichteten Hunden macht ihm auch keine Angst. Allerdings weiß Tsagoi auch, wann es besser ist, die Beine unter den Arm zu nehmen. Dies macht umso mehr Sinn, wenn es gilt, die kleine Schwester, die das harte Truckerleben überhaupt nicht kennt, nicht nur sprichwörtlich aus der Schussbahn zu holen.

1992 glaubte man noch, das Ozonloch werde einmal die Bedrohung für die Menschheit sein. In Gipsy wurde dieser Faden weitergesponnen. Längst ist das Ozonloch gigantisch. Die Folge: Flugverkehr findet so gut wie keiner mehr statt. Lastkraftwagen haben den Transportverkehr erobert. Eine der gefährlichsten Routen, Hauptadern könnte man sagen, ist die C3C, die Circumpolar 3 Continental. Diese hat besonders schwierige Abschnitte, hoch oben im Norden gelegen. Die Routen führen durch das ewige Eis, werden stellenwesie von Banditen belagert und sind doch heiß umkämpft, denn je höher die Gefahr, desto größer der Ertrag.

Thierry Smolderen beschreibt einen abenteuerlichen Auftakt, indem er dem Leser gleich zwei Charaktere vorstellt: Tsagoi ist bereits als Junge knallhart, lässt sich nichts bieten und ist nicht zimperlich in der Wahl der Mittel. Oblivia, die kleine Schwester, für die er eine Verantwortung verspürt, die als ehrlich, aber auch mürrisch, zerknirscht beschrieben werden kann. Während Tsagoi auf der Straße seinen Weg geht, wächst Oblivia in einem Internat heran. In dieser sauberen Umgebung, die Tsagoi seiner Schwester gewünscht hat, fernab des wahren, schlechten Lebens, unterliegt Oblivia einer Täuschung. Ihre Herkunft wird sie den anderen immer entfremden, deren Nasen noch höher getragen werden als jene von Oblivia, die sich über die üblen Manieren und das Macho-Gehabe des großen Bruders sehr aufregt.

Aus dem Jungen ist ein Mann geworden, der sich noch weniger bieten lässt, da jede Herausforderung für ihn mit dem Tode enden kann. Aus Tsagois Leben ist ein Spiel um Alles oder Nichts geworden. Die Schilderungen von Thierry Smolderen sind von der ersten Seite an höchst intensiv und mitreißend. Die sechsteilige Geschichte bedient sich nicht nur einer asiatisch anmutenden Grafik, sie verwendet auch jene außergewöhnliche Erzähltechnik, die kaum Zeit zum Luftholen lässt.

Bevor sich Zeichner Enrico Marini historischen Themen widmete (Der Skorpion), Die Adler Roms), arbeitete er stilistisch in einer Form, die Fans von Mangas, besser noch von Katsuhiro Otomo (Akira) sehr bekannt finden werden. Marini verwendet selbstverständlich die westliche Leserichtung, aber darüber hinaus könnte er ein Schüler von Katsuhiro Otomo gewesen sein. Zweifellos aber ist er ein Freund dieser künstlerischen Comic-Ausrichtung. Das Titelbild ist hier etwas feiner ausgearbeitet als die eigentlichen Comic-Seiten, hat er hier eine Technik gewählt die deutlich gemäldeartiger ist.

Im Innenteil jedoch wird Wert auf optische Geschwindigkeit gelegt. Dies betrifft nicht nur einen manchmal schnell wirkenden, skizzenartigen Stil, wie er von Mangas sattsam bekannt ist, auch entsprechende Kameraeinstellungen finden sich. Der Blick ist entweder nahe dabei oder befindet sich im Schlepptau eines Objekts. Das können angreifende Hunde sein oder auch, weitaus häufiger, Lastkraftwagen, die sich in bester Mad-Max-Manier harte Rennen liefern, bei dem nicht nur die Fahrzeuge auf der Strecke bleiben.

Die Jagd beginnt: Waffen für Sibirien. In der politischen Ordnung der von Smolderen beschriebenen Welt hat sich einiges getan. Das mutet seltsam an, aber es ist auch nicht so verrückt, dass es vom Standpunkt der 90er Jahre nicht ins Auge zu fassen wäre. Die Verfolgungsjagd durch das inzwischen ewige Eis ist nicht einmal der Wahnwitz an dieser Jagd. Hatte das Wagenrennen einen gewissen Anklang von Mad Max, kommt mit dem Auftauchen mongolischer Wegelagerer echte Heavy-Metal-Stimmung auf. Zu diesem Zeitpunkt heißt es dann nur noch: Anschnallen!

Ein Knaller! Stellt sich eigentlich nur die Frage: Warum erst jetzt? Der erste Teil von Gipsy hat alles, was einen guten Action-Knaller im Comic ausmacht, gekrönt von einem zwar knallharten, aber auch rotzfrechen und irgendwie liebenswerten Helden. Klasse! 🙂

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Samstag, 08. Oktober 2011

OKKO 3 – Das Buch der Luft

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:50

OKKO 3 - Das Buch der LuftDer Junge verbrachte in der Vergangenheit Zeit mit seinem Vater auf einer Brücke. Der Junge ließ Drachen steigen und der Vater tat, was Wegelagerer eben so tun. Allerdings tun sie dies auch nur so lange, bis sie auf jemanden treffen, der das Schwert besser beherrscht als sie. Viele Jahre wartet der Junge auf die Rückkehr des fremden Kriegers. Er wird erwachsen. Nichts lässt darauf schließen, dass sich der Wunsch des zum Manne gereiften Magato jemals erfüllen wird. Doch das Leben beschreitet seltsame Weg und eines Tages verschlägt es den Ronin, den herrenlosen Krieger, Okko und seine Gefährten erneut in jene Gegend. Magato scheint am Ziel zu sein, gäbe es nicht noch einen anderen Kämpfer, der zuvor einen Kampf mit Okko auszufechten hat.

Obwohl es sich um den dritten Band der Reihe handelt, die Figuren bereits eingeführt sind, ist keine Vorkenntnis für Neuleser erforderlich. Hub, Zeichner und Autor, hat die Handlung wie einen Neueinstieg angelegt. Es beginnt als Geschichte über eine lang erwartete Rache und mündet in einen Kampf gegen einen bösen Geist. Damit könnte die Handlung gut ausgefüllt sein und Hub hätte sicherlich auch seine Leserschaft erreicht, doch entpuppt sich dieser Aufbau nur als Vorgeplänkel zur Verteidigung eines Freundes. Gegen jede Chance stellt sich Okko einem Gegner, den er nicht mit der gewohnten Beiläufigkeit bekämpfen kann.

Okko: Im Kaiserreich Pajan angesiedelt dürften sich zunächst Leser in dieser Geschichte gut aufgehoben fühlen, die fernöstlich anmutende Fantasy-Abenteuer mögen und auch die leiseren Zwischentöne einer solchen Handlung mitnehmen. Denn gerade der dritte Band der Reihe, Das Buch der Luft, besticht in der ersten Hälfte durch phantastische Eindrücke, die ein wenig an moderne Gruselstreifen erinnern, die aber letztlich auf einen Poltergeist zurückgehen. Auch Besessenheit ist ein Thema, Geister komplettieren die Show. Letztlich geht die Handlung von der Enge, dem Palast, in die Weite, in einen geradezu episch angelegten Kampfe, der sozusagen über zwei Runden geht. Dann kann selbst die Natur nicht mehr zurückstehen und glänzt mit grandiosen Aussichten.

Hub, Szenarist und Zeichner (im Bereich Storyboard verstärkt durch Emmanuel Michalak, bei Farben durch Li), lässt seiner Titelfigur Okko nicht die alleinige Aufmerksamkeit zukommen. Der herrenlose Krieger mit dem kantigen Kinn, der mürrischen Miene definiert sich auch durch seine Freunde, die ebenfalls charakterstark sind und keinesfalls als strahlende Helden auftreten. Hier folgen sie Okko, der wie seine Gefährten respektiert wird, sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Grafisch sieht das ganz anders aus.

Ein Merkmal der Bilder von Hub ist ihr besonders feiner Aufbau. Die Striche sind grundsätzlich sehr dünn ausgeführt, fast etwas karikierend. Zugleich ist es eine Comic-Variante asiatischer Tuschezeichnungen in Kombination mit Bewegungsdarstellungen, wie sie aus dem Manga her bekannt sind. Daraus entsteht ein sehr eigener, eingängiger Stil, der hier auch durch seinen farblichen Ausdruck (passend zur Handlung) mitunter sehr düster, unheimlich ausfällt. Die Stimmung baut sich langsam auf, verdichtet sich in Okkos Kampf. Hier findet sich eine Tendenz, die atmosphärisch an langsam und bedächtig erzählte Western eines Sergio Leone erinnern. Okkos Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Feind wird von Hub regelrecht zelebriert und mit einem mythischen Anstrich versehen.

Eastern trifft Western trifft asiatisches Gruselflair: Der dritte Teil von Okko weiß mit unterschiedlichen Stilmitteln zu spielen und verbindet diese zu einer Mixtur, die den Leser besonders in der zweiten Hälfte des Bandes packend zu binden versteht. Optisch in gewohnter Perfektion und ganz eigenem Strich ausgeführt, bietet der dritte Band der Reihe sehr gute Unterhaltung, nicht nur für jene, die sich für asiatische Ritterabenteuer interessieren. 🙂

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Montag, 03. Oktober 2011

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 7

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:47

Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure 7 - Das geheimnisvolle GeschwaderAzraf, der kleine Flieger, der sich in der Staffel von Tanguy und Laverdure seine Flügel verdiente, ist inzwischen Emir eines Wüstenstaates. Die Freunde haben sich aus den Augen verloren. Als das Schicksal von Azrafs Herrschaft auf des Messers Schneide steht, erfüllt Frankreich einen geheimen Beistandspakt und schickt die beiden Toppiloten in den Nahen Osten. Ausgerüstet mit zwei modernen Mirage fliegen Tanguy und Laverdure los und leisten Geleitschutz für eine Passagiermaschine, die französische Staatsbürger aus dem in einen Bürgerkrieg versunkenen Staat herausbringen soll.

Die Rebellen verfügen über Jagdmaschinen, altmodische zwar, doch haben die regulären Streitkräfte keinerlei Luftwaffe entgegenzusetzen. Ohnmächtig müssen Tanguy und Laverdure die Angriffe aus der Luft mitansehen. Schließlich lassen sie alle Diplomatie und alle Befehle fahren und mischen sich ein.

Nach einer kürzeren Geschichte, Die Wüstenspione, bleiben die Helden in der Wüste. In Mission Letzte Chance und Die verschollene DC-8 können die von Jean-Michel Charlier (Autor) und Jije (Zeichner) betreuten Helden eher selten auf ihre Mirage-Jagdmaschinen zurückgreifen. Am Boden, in einer ungewohnten Propellermaschine (eine DO-28) geraten die beiden Piloten in Situationen, denen sie zunächst ausgesetzt sind, ohne wirklich eingreifen zu können. Später dann helfen nur List und Tücke gegen einen Feind, der sich nicht scheut, Geiseln zu nehmen und diese als Druckmittel einzusetzen.

Jean-Michel Charlier, einer der versiertesten Comic-Autoren, jagt die beiden Helden durch einen regelrechten Parcours. Hier ist alles vertreten, was Action-Freunde später in Kinofilmen, in Romanen oder Fernsehserien erleben durften. Die Realität hat die Handlung längst eingeholt, nicht in allen Einzelheiten, versteht sich. Jije, der den ursprünglichen Zeichner Albert Uderzo als Stammzeichner bereits seit einigen Ausgaben abgelöst hat, schwingt den Tuschestrich teilweise sehr intuitiv, man könnte auch sagen, etwas nachlässig. Die schnelle Skizze gehört durchaus zu Jijes Ausdruck und es wäre auch nicht weiter erwähnenswert, würde nicht ein auffälliger Stilwechsel in der nachfolgenden Geschichte stattfinden.

Das geheimnisvolle Geschwader, hier auch titelgebend für den gesamten Sammelband, erinnert im Strich mehr an Victor Hubinon und dessen Nachfolgezeichner Francis Bergese für die Reihe Buck Danny. Charlier, der auch an dieser Fliegerserie beteiligt war (allerdings über amerikanische Flieger, nicht französische), nutzt das dritte Albenabenteuer in diesem Band auch als Auftakt eines weiteren Mehrteilers. Nach einer hohen Ernsthaftigkeit des letzten Abenteuers ist erst einmal wieder der Humor Trumpf. Natürlich muss Laverdure dazu an die Front, die Front der Liebe nämlich. Hier präsentiert sich beste französische Komödie, ein wenig albern vielleicht, wie es ältere Leser von einem Louis de Funes her kennen.

Nachdem in letzter Instanz nicht geklärt werden kann, wie viele Frauen sich nun als Verlobte von Laverdure bezeichnen, wird es wieder handfester und der Strich, wie bereits angedeutet, anders. Jije zeichnet deutlich genauer und feiner, etwas puppiger, idealisierter. Der Leser darf in einer kleinen Episode Laverdure als Staubsaugervertreter bewundern, bevor die beiden aus der französischen Armee entlassenen Helden einen neuen Job finden, der ihren Fähigkeiten angemessen ist. Charlier baut die Geschichte um die neue Festanstellung bei einer obskuren Fluggesellschaft geheimnisvoll auf, im Stile eines Thrillers, mit Söldnern, Verschwörungsanklängen, bevor es wieder hinüber nach Afrika geht.

Eine kurzweilige Kurzgeschichte, ein sehr spannendes Abenteuer mit reichlich Action über zwei Alben gespannt und ein Auftakt mit leiseren Takten im dritten hier versammelten Album. Charlier wusste genau, wie der Leser mitgerissen werden kann. Und Jije kann, ganz gleich wie er stilistisch arbeitet, in jedem Abenteuer die Handlung mit cineastischem Auge einfangen. 🙂

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Freitag, 30. September 2011

Black Mary 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:13

Black Mary 3 - Die Nacht des PuppenspielersDie Puppen wissen Bescheid. Wie in alter Zeit berichten Puppen in einem kleinen Theater über Missstände, verarbeitet der Puppenspieler den Klatsch und die Tragödien von der Straße. Mary, Black Mary, wie sie genannt wird, hat es an die Spitze der Bruderschaft der Gauner geschafft. Aber wer ist in dieser Welt eigentlich ein Gauner? Sind es die kleinen Fische, die stehlen und betrügen? Oder sind es die Unternehmer, die Industriellen, die durch die Ausbeutung der unteren Klassen immer reicher werden? Längst genügen Worte nicht mehr, längst ist der bewaffnete Kampf auf den Straßen angekommen, streiten die Arbeiter hinter eiligst gebauten Barrikaden gegen die Soldaten mit ihren Musketen und Bajonetten.

David Chauvel nimmt den Leser im dritten und abschließenden Teil der Black-Mary-Trilogie mit in die Zeit der Arbeiterbewegungen des 19. Jahrhunderts. Mary, eine außergewöhnlich starke Frau an der Spitze von Gaunern, öffnet ihr Herz für die Belange der Arbeiter und tritt mit der Bruderschaft in ihrem Rücken den Unternehmen offen entgegen und stellt Forderungen, die nur Widerstand hervorrufen können: Kürzere Schichtzeiten bei doppeltem Lohn. Die höhere Gesellschaft, die nicht an ein erfolgreiches Vorgehen von Polizei und Soldaten gegen das Bündnis der Arbeiter glaubt, wählt noch einen weiteren Weg zur Beseitigung von Mary: Den des hinterhältigen Attentäters.

Vor diesem Hintergrund entwickelt Chauvel unerwartet eine Liebesgeschichte, die zögerlich wächst. Mary verweigert sich dem Verehrer zunächst. Der Ernsthaftigkeit des Werbens des blonden Copley kann sie sich aber auf Dauer nicht erwehren. Und da ist noch eine magische Ebene, ein Beschützer, der dann erscheint, wenn es brenzlig ist. Hier bringt Chauvel ein Mystery-Element ein, das für denjenigen, der die ersten beiden Episoden verpasst hat, vielleicht unpassend, mindestens aber ungewöhnlich wirken muss. Chauvel verfolgt diesen Kurs aber weiter fort, im Stile alter Gruselerzählungen, so dass sich der Bogen am Ende schließt.

Grafisch kann Erwan Fages mit seinen Zeichnungen nur überzeugen. Fages, der seine Figuren mit einem möglichst realistischen und individuellen Strich versieht, kann diese Epoche an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter mit großer Lebendigkeit darstellen. In einem ruhigen Seitenaufbau, von sechs bis hin zu dreizehn Bildern pro Seite, tritt gerade durch die extrem feine Strichführung niemals ein überfüllter Effekt ein. Besonders hervorzuheben in dieser schönen historischen Darstellung (in der Ausführung, inhaltlich ist es sehr dramatisch) sind die Straßenkämpfe wie auch die kleine romantische Sequenz, die auch die einzige glückliche dieser Art bleibt.

Der kleine erzählerische Trick, den Leser mit Informationen über die Darstellung eines Puppenspiels zu versorgen, sorgt für den nötigen Humor. Er ist grafisch ulkig, erinnert selbstverständlich an das gute, alte Kasperle-Theater, ist aber ungleich ernsthafter, auch gemeiner. Chauvel verwebt die Szenen geschickt mit der Haupthandlung, die immer mehr einem überaus furchtbaren Finale zustrebt.

Gegensätze: Im Stile romantischer Gemälde kommen sich Mary und Copley näher. Es ist die einzige grüne, wirklich freundliche Sequenz von Fages, der hier auch die Kolorierung übernommen hat. Demgegenüber steht eine Hochzeit mit einer ganz in Schwarz gekleideten Mary, mit einem zur Zeremonie gezwungenen Priester, fast schon eine Verhöhnung der berühmten Szenen, in denen sich ein anderer Vogelfreier, Robin Hood nämlich, mit seiner Marian trauen lässt.

Eine streng erzählte Geschichte, keine Romanze, sondern harter Straßenkampf, Oben gegen Unten, nur böse sind sie irgendwie alle. Die einen mehr, die anderen weniger. Spannend, auch traurig, ein wenig mysteriös. Black Mary entzieht sich einer genauen Einteilung, aber das macht gerade den Reiz des Abschlussbandes aus. 🙂

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Siebengestirn 2 – Angusalem

Filed under: SciFi — Michael um 18:39

Siebengestirn 2 - AngusalemDer Professor hat kein leichtes Leben. Irgendwie scheinen seine Versuchsobjekte nicht so recht zu wollen. Auch scheinen sie die Behandlung nicht zu mögen. Mit eigentümlicher Kälte setzt der Mann seine Tätigkeit, nicht ahnend, dass sich bald eine Veränderung in seinem Leben ergeben wird. Zu seinem Nachteil. Die kleine Kanone, eine junge Frau, soll zuvor für weitere absonderliche Experimente zur Verfügung stehen. Chronover, der Fremde, der sich in die Wüste gerettet und der kleinen Gemeinschaft von Nomaden angeschlossen hat, muss selbst um sein Leben fürchten. Die Überwindung dieses Horts des Wahnsinns ist noch lange nicht das Ende von Chronovers Reise.

Nicht nur einer flog über das Kuckucksnest: Mitten in der Wüste, im Nirgendwo treibt ein Mad Scientist, ein verrückter Wissenschaftler, sein Unwesen, betreibt Experimente mit Menschen, zerstört Körper und Geist, bestrebt neue Ordnungen nach seinen (sehr kranken) Ideen zu kreieren. Andre Houot, weiterhin bildlich in einer Mischung eines Moebius () und eines Eric Stalner (Die Legende von Malemort) arbeitend, gewährt neue Einblicke in die Welt von Siebengestirn. Es sind schön und technisch perfekt gezeichnete Einblicke, gleichzeitig aber auch eine alptraumhafte Welt.

Siebengestirn, genauer die verbotene Zone, ist eine Welt, die ihren Zusammenbruch schon lange hinter sich gebracht hat. Es gibt Leben in dieser Welt, allerdings ist es ein seltsames, ein genügsames auch, mitunter ist es auch ein gruseliges. Andre Houot begnügt sich nicht mit verrückten Wissenschaftlern. Auch Cyborgs machen dem Helden, Chronover, das Leben schwer. Einiges von dem mögen Anklänge von anderen Geschichten sein, vielleicht die berühmte Verbeugung vor dem Original, vielleicht ist es aber auch nur reiner Zufall. Wenn allerdings eine Mixtur aus gigantischer Krabbe und Skorpion in das Geschehen eingreift, mag der Genre-Fan auch an die zweite Episode von Der dunkle Turm oder an Straße der Verdammnis denken.

Die von Houot gezeichneten Trümmer einer vergangenen Zivilisation lassen sehr gut erahnen, wie es einmal ausgesehen haben muss. Vieles erinnert an die reale Welt. Häuserruinen von Wohnblocks, U-Bahntunnel, Gleisstrecken, alte Ordnungen, die vom Sand überflutet wurden. Mancherorts zeichnet Houot ausgetrocknete Leichen, von Staub überzogen, in dem Moment erstarrt, als das alltägliche Leben auf den Straßen plötzlich zu enden schien. Auch die Charaktere in dieser Geschichte wundern sich über diese Darstellung des Zusammenbruchs.

Die Stimmung des vorliegenden zweiten Bandes der Reihe bietet Spannung, geboren aus einem gut konstruierten Inhalt und ein wenig Ekel, der beim Anblick der Experimente und den daraus resultierenden Ergebnissen zwangsläufig entsteht. Houot zeigt beileibe nicht alles und überlässt vieles den Gedankenspielen des Lesers. Aber Houot wartet auch mit Melancholie auf. Die junge Frau findet eine Schachtel Zigaretten, mehr als zehn Jahre alt, unrauchbar, aber immerhin äußerlich gut erhalten. Ein Relikt des Überflusses, ein winziges Erinnerungsstück an eine intakte Zivilisation.

Chronover ist kein Roland, kein Revolvermann, wie ihn Stephen King für den Dunklen Turm entwarf, auch fehlt jegliche Magie, doch die Grundstimmung, das Abgründige, ist teilweise auch hier zu finden. Mit einer Prise Mad Max abgeschmeckt.

Eine konsequente, sehr düstere Fortsetzung. Angusalem, in Anlehnung an die gelobte Stadt, ist tot, verderbt. Die Geschichte bietet eine unheimliche Endzeithandlung, ein Roadmovie durch zerstörtes Land. Toll gezeichnet, voller Details gestaltet. Fans von Endzeitszenarien sollten einen Blick riskieren. 🙂

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Luc Orient Gesamtausgabe 2

Filed under: SciFi — Michael um 12:19

Luc Orient Gesamtausgabe 2Der Aufenthaltsort der Rebellen wurde lokalisiert. Die Vernichtungsmaschinen setzen sich in Bewegung, unaufhaltsam. Ihre Waffen sind simpel, armlange zugespitzte Pflöcke, doch die Wirkung ist so gefährlich wie durchschlagend. Waffen können nicht helfen. Professor Kala, ein menschlicher Wissenschaftler auf der Seite der Rebellen Terango, setzt auf einen anderen Abwehrplan, der allerdings ein Risiko birgt.

Abschied vom Planeten Terango, Rückkehr zur guten alten Mutter Erde. Doch zuvor schicken Greg und Eddy Paape ihre Helden noch einmal in ein unglaubliches Abenteuer auf dieser fernen Welt. In Der stählerne Wald wecken die auf dem Titelbild aufmarschierenden metallenen Ungeheuer natürlich gleich Erinnerungen an andere Dreibeiner, nicht nur an jene von von H.G. Wells sondern auch an die dreibeinigen Herrscher.

Greg vergisst allerdings nicht, eine gedankliche Brücke zur Erde zu schlagen und holt einen Erzfeind von Luc Orient nach Terango. Der Leser verfolgt den Aufbau der neuen Waffe des Tyrannen, die gegen die Rebellen zum Einsatz kommen soll. In kleineren Sequenzen wird die Spannungsschraube angedreht, indem Orient ebenfalls eine neue Waffe überbracht wird und eine Warnung überbracht wird. So strebt das Weltraumabenteuer einem perfekt vorbereiteten Finale zu.

Der Abschied von den Bewohnern von Terango fällt nicht leicht. Der Leser durfte immerhin drei verschiedene Völker kennenlernen (eigentlich vier, nimmt man es besonders genau). Greg, einer der ganz Großen der Comic-Erzähler, bewegt sich auch stilsicher durch diese fremde Welt, ließ seiner Phantasie freien Lauf. Aber daheim ist es nicht nur am schönsten, es (die Erde) hat auch noch einige Geheimnisse zu bieten.

Die Grundidee zu Phantome des Lichts ist einfach: Es existieren verschiedene Arten von Licht. Jede beeinflusst die Wahrnehmung anders. So stellt Lucs Kollege Professor Kala jedenfalls fest. Sieben Stück hat er bereits entdeckt. Leider haben diese Lichtvarianten noch eine andere Eigenschaft, besonders dann, wenn ein Mensch ihnen gleichzeitig ausgesetzt ist. Luc und seine Kollegin Lora werden zu Phantomen. Greg lässt den ersten Schrecken über diese Zustand verstreichen (der in einem anderen Comic-Universum eine besondere Eigenschaft von Superhelden war) und nutzt die Fähigkeiten zur Lösung eines weiteren Falls.

Eddy Paape, der als Zeichner die Reihe nicht begleitet, sondern maßgeblich mitgestaltet hat, kann hier sehr viel erdgebundener sein, aber auch psychedelische Effekte einsetzen. Paape kann ebenfalls für sich in Anspruch nehmen, seinen Figuren einen individuellen Strich zu verleihen. Gerade den jünger ausschauenden Charakteren haftet zuweilen etwas elfenhaftes an: Schmale Gesichter, große Augen, eine insgesamt zarte Struktur, was auch auf Luc Orient selbst zutrifft.

Paapes Stärken liegen sicherlich in der Gestaltung phantastischer Elemente, aber aus heutiger Sicht sind seine Abbildungen der damaligen Gegenwart interessant und ganz bestimmt kann auch ein Nostalgiker mal ein Tränchen verdrücken. Besonders solche, die Autonarren sind, können sich an den Fahrzeugen eines Luc Orient erfreuen, der zwar Wissenschaftler ist, aber auch ein gewisses Playboy-Image besitzt. Sein Opel GT wird hier regelrecht zelebriert, bevor die Handlung von Der Krater des Verderbens in eine frühe Vorläufervariante einer Wutvirusgeschichte mündet.

In diesem wie auch dem folgenden Abenteuer Im Bann der teuflischen Strahlen hat Paape anscheinend an seiner Tuscheführung gearbeitet (oder jemand anderes hat den Part übernommen). Die Linien sind genauer gezogen, insgesamt feiner, so dass sich der Effekt von Paapes zerbrechlichen Strukturen verstärkt.

Mit vier Abenteuern wird das rasante Leben von Luc Orient forterzählt. Besonders überzeugen können die beiden abschließenden Folgen. In einer Mischung aus paranoidem Kammerspiel und Psychostudie sowie unterhaltender Hommage an das Superheldengenre sind Greg und Paape mit diesen Inszenierungen immer noch auf der Höhe der Zeit. 🙂

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Donnerstag, 29. September 2011

Golden Cup 1 – Daytona

Filed under: SciFi — Michael um 18:06

Golden Cup 1 - DaytonaDer Junge kann fahren! Er hat ein natürliches Talent. Er lenkt im richtigen Moment, hohe Geschwindigkeiten schrecken ihn nicht. Aber er ist auch zu risikofreudig. Als die Seifenkisten den engen Parcours herunterjagen, sind seine Manöver waghalsig und kosten schließlich seiner Schwester beinahe das Leben. Der Junge mit dem Namen Daytona hat keine Wahl. Da weder er noch seine Mutter in der Lage sind für eine vernünftige medizinische Versorgung der Schwester zu sorgen, geht Daytona einen Handel ein, der ihn an eine Rennunternehmung bindet, bis die Schulden abbezahlt sind.

Andernorts sind manche Menschen durch ihre Herkunft mit weniger Sorgen behaftet. Doch Reichtum macht sie auch zur Zielscheibe. Kelly Styler, die das Internat verlässt und sich zunächst auf der Heimreise wähnt, steckt bald in einer handfesten Entführung. Und das Opfer ist sie! Zurück in der Welt, im Universum der Science-Fiction-Geschichte von Golden City, jener Seeheimat der Superreichen des Planeten Erde, erzählt Daniel Pecqueur nun aus einer anderen Perspektive. Die Welt, wie sie hier gezeigt wird, ist mehr zur Seenlandschaft geworden. Einzig an den Küsten scheint das Leben noch möglich zu sein. Im Inland, so wie es hier gezeigt wird, regiert wüste Ödnis.

Die Möglichkeiten, in einer solchen Umgebung einem halbwegs normalen, auch geregelten Leben nachzugehen, sind nicht einfach. Und manchmal scheint erhöhtes Risiko auch der ständige Begleiter zu sein. Ehrliche Menschen sind schwer zu finden. Finten gehören dazu, jeder wurschelt sich durch. Hin und wieder jedoch ergeben sich Freundschaften und Chancen. Daytona, der sich einem Rennzirkus anschließt, um seiner Schwester finanziell helfen zu können, findet schließlich einen solchen Freund durch puren Zufall und nach langer Reise. Die Erzählung seiner Geschichte bis zu diesem Punkt ist ruhige Science Fiction, nicht reißerisch (gut!) und sehr auf die Person fixiert, die von Daniel Pecqueur sehr sympathisch entworfen wurde.

Dem gegenüber steht zunächst der Geschäftsmann Burt Styler, der trotz Sicherheitsvorkehrungen erfahren muss, dass seine Tochter entführt. Styler, ein Mann, der sich ähnlich wie Mel Gibson in Kopfgeld dazu entschließt, nicht zu bezahlen, sondern den Entführern das Handwerk zu legen, geht mit außergewöhnlicher Härte vor. Dieses Vorgehen überrascht bei einem Geschäftsmann und zieht gleichzeitig die Spannungskurve steil nach oben.

Alain Henriet nimmt die Vorgaben des Euromanga-Stils der Ursprungsserie auf. Obwohl der Begriff Euromanga eine stilistische Aussage trifft, ist dies dennoch zu kurz gegriffen. Wie in Golden City wird grafisch auch in Golden Cup nichts dem Zufall überlassen. Strichstärken weisen keinerlei Ausbrüche auf, weshalb der erste Eindruck ein strenger, architektonischer und konstruierter ist. Allerdings ist dies im Hinblick auf futuristischen Darstellungen von Fahrzeugen gewollt. Hier erlebt der Leser solche Gefährte in Aktion, die ansonsten als Studien auf Automessen vorgesellt werden.

Die Landschaften sind, sofern sich Tupfer von grünen Pflanzen mit dem Blau des Meeres mischen, sehr idyllisch. In ihnen gehen entweder die prachtvollen Gebäude der reichen Bevölkerung dieser Zukunftsfantasie auf oder sie werden von den Baracken der ärmeren Bevölkerung durchbrochen. Daniel Pecqueur entwirft eine Welt, in der ein Mittelweg, die allseits beschworene Mittelschicht, keinen nennenswerten Stellenwert mehr hat.

Ein neuer Ausflug in die Welt von Golden City: In einer Mischung aus Rennfahrergeschichte und Entführungsdrama kann der Leser einem kurzweiligen Abenteuer folgen, das den Auftakt zu einer Serie bildet, denn Daytona steht erst am Beginn seiner Rennfahrerkarriere. 🙂

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Dienstag, 27. September 2011

Perry 139

Filed under: SciFi — Michael um 18:27

Perry 139Das Rhodan-Sternenobservatorium in Berlin-Potsdam: In der Stille der Nacht befürchtet an dieser ehrwürdigen Forschungsstätte niemand etwas Böses. Auch Cristoforus Esteban Rhodan, kurz Crest, glaubt sich hier sicher. Mit diesen Irrtum räumen zwei ganz in Schwarz gekleidete Einbrecher auf. Inmitten der Papiere scheinen sie das Gewünschte zu finden, entscheiden sich allerdings außerdem dafür, den Institutsleiter gleich mitzunehmen. Als Perry Rhodan, der Neffe von Crest, am nächsten Morgen das verwüstete Büro des Onkels betritt, beginnt ein außergewöhnliches Abenteuer.

Finale: Wer auf den Showdown der bisherigen heftübergreifenden Geschichte gewartet hat, kann diese nun in einer rund 30seitigen Geschichte erleben. Da ein reiner Comic in dieser Form nicht möglich war, geht man in der 139. Ausgabe der Reihe Perry einen Mittelweg. Der Text wird mit schwarzweißen Illustrationen versehen. So veranschaulicht kann die Handlung mit einigen Überraschungen aufwarten. Ein besonderer Höhepunkt ist sicherlich der Auftritt des Wächters der Gruft, der SciFi-Nostalgiker vielleicht sogar an ein Spukschloss im Weltall denken lässt. Die sehr aktionsgeladene Geschichte driftet schließlich einem sehr einfallsreichen, aber auch kuriosem Ende entgegen, wie es dem Humor der Reihe zueigen ist.

Von Spionen gejagt: Dieser Humor findet sich in der Sonntagsbeilage des Berliner Allgemeinen Courier vom 10. September 1911. In dieser gezeichneten Form von Michael Vogt, atmosphärisch ein wenig mit Jules Verne und H.G. Wells angehaucht, könnte es weitergehen. Die kleinen Fortsetzungen verteilen sich sich auf die zweite Hälfte der vorliegenden Ausgabe. Stilistisch im guten, einfachen frankobelgischen Strich gehalten ist hier eine schön anzuschauende und sicherlich auch nostalgisch anmutende Comic-Unterhaltung entstanden.

Weitaus moderner in Optik und Erzählung wird ein Absturz von Perry Rhodans Geliebter Auris von Lastoor beschrieben. Zusammen mit einem Piloten muss sie auf dem unwirtlichen Planeten überleben. Die Tage vergehen. An Rettung ist kaum noch zu denken. Langsam finden sich die beiden, Auris und der Pilot Clyde, mit der Situation ab. Die Entwicklung der beiden Raumfahrer, hin zu Menschen, die nur noch an ihr Überleben denken, ist schnörkellos geschildert. Die Kolorierung ist leicht und überlässt dem realistischen Zeichenstil das Feld. Interessant ist hier der Auftritt einer anderen humanoiden Spezies, die der Genre-Fan als archaischen Abe Sapien interpretieren könnte.

Marian Kretschmer wählt einen optisch vollkommen anderen Ausdruck und erinnert stilistisch mit Planet der Regenschirme an Sky Doll. Entsprechend entführt Autor Olaf Brill den Leser mit seiner Kurzgeschichte in eine kunterbunte Welt, die Welt des ewigen Lebens, in der alles möglich ist. Das ist ein wenig psychedelisch, auch spaßig, mit leisen Anspielungen, bis aus dem Traum ein Alptraum wird.

Eine feine Mischung mit einigen schönen Höhepunkten, von denen man sich mehr und längere Abenteuer wünschen würde. Sicherlich werden hauptsächlich Perry-Rhodan-Fans ihre Freude daran haben, aber so mancher könnte hier auch zum Fan werden. 🙂

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