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Comic Blog


Donnerstag, 09. Februar 2012

Johann und Pfiffikus 2

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 18:31

Johann und Pfiffikus 2 - Hexerei und ZaubersprücheDer verletzte Mann erwacht in der sicheren Obhut von Johann und Pfiffikus im Schloss. Obwohl ihn die Kopfverletzung noch schwächt, hat er nichts als seine Pflichterfüllung im Kopf. Er hätte längst wieder bei seinem Meister sein sollen, der sehnsüchtig das kostbare Gut erwartet, das der Bote bei sich trägt: Den Stein der Weisen. Weder Johann noch Pfiffikus glauben an solchen Hokuspokus. Als ein Ganove den Stein stehlen will, ist jedoch klar, dass es noch andere gibt, die von der Wirksamkeit des Gegenstands überzeugt sind. Gemeinsam machen sich Freunde auf den Weg zum Empfänger des Kleinods, einem Zauberer, der es vielleicht am besten weiß. Leider fangen damit die Schwierigkeiten erst an.

Die Schlümpfe sind noch nicht da: Vorerst müssen die beiden Helden, Johann und Pfiffikus, der aufrechte Page und der gewitzte kleine Hansdampf, ihre Abenteuer alleine bestreiten. Aber das schaffen sie sehr locker, obwohl ihnen auf und über dem Papier kleine und größere Steine in den Weg gelegt werden. Peyo (bürgerlich: Pierre Culliford) hatte das Glück seine Geschichten alleine zu schreiben und zu gestalten, gänzlich unkontrolliert war nicht. Ein ausführlicher redaktioneller Teil der zweiten Folge der Gesamtausgabe von Johann und Pfiffikus gibt Beispiele der internen Zensur des Verlagshauses.

Eine Folterszene wurde gekürzt dargestellt. Wahrscheinlich auch heute noch eine richtige Entscheidung. Eine Verwandlungsszene eines Bösewichts, eigentlich eine schöne Maskerade und heute sicherlich nicht mehr der Rede wert, fiel der Schere zum Opfer. Aber das sind letztlich Kleinigkeiten. Musste Peyo bei den Kurzgeschichten, die hier abgedruckt sind, noch sehr pointiert arbeiten, zeigt er endlich nach einem vielversprechenden Beginn (nachzulesen im ersten Sammelband) sein ganzes erzählerisches Können.

Der Stein der Weisen, das erste hier abgedruckte albenlange Abenteuer, etabliert die beiden Freunde in aller Kürze, bevor ein ereignisreiche Einleitung sogleich zu einem Auftrag führt, der sich in der Folge als sehr gefährlich herausstellt. Allerdings kennt Peyo auch sein Publikum und flechtet humorvolle Wendungen ein, Verwechslungen, ganz so, wie es in französischen Komödien stets gerne gezeigt wird und bis heute vortrefflich funktioniert.

Herausragender sind die Abenteuer Der Schwur der Wikinger und Die Quelle der Götter. Hier wird deutlich, dass Peyo sich nicht mehr nur mit einem Abenteuer zufrieden geben will, sondern durchaus auch längerfristige Handlungsbögen anstrebt. Aus einer Rettungsmission wird ein Abenteuer zu Lande und zu Wasser, an der Seite von Wikingern. Vergleicht man das Gespann Johann und Pfiffikus mit früheren Duos, so sind die beiden eine Art Dean Martin und Jerry Lewis des Cartoons. Der eine nach heutigen Gesichtspunkten stets beherrscht und smart, der andere etwas tollpatschig, vorlaut und auch albern.

Die Wikinger ermöglichen auch den übergang zur nächsten Handlung. Noch sind die beiden Recken nicht wieder daheim. Nach einem eher handfesten Abenteuer mit wilden Kämpfen und Aktionen wird es nun wieder magischer. Ein ganzes Dorf will von einem Fluch erlöst werden. Peyo musste bei der Erstveröffentlichung in Deutschland auch einen kleinen Eingriff in die Handlung erdulden, die aber nach Auskunft des redaktionellen Teils letztlich in sich geschlossener wirkte als das Original.

Stilistisch perfektioniert: Abgesehen von einer Kurzgeschichte, Heiligabend im Schloss (vermutlich eine deutsche Erstveröffentlichung), ist der Strich ungeheuer präzise geworden. Natürlich sind die Bilder dem Cartoon gemäß sehr schlicht im Aufbau gehalten. Es gibt keine Übermäßigen Details. Peyo beschränkte sich auf das Wichtige einer Erzählung. Die Handlung sollte fließen, nicht aufhalten. Dennoch lohnt es sich sehr, auch bei Bilder zu verweilen, denn gerade der Wechsel von Perspektiven, die Ansichten der überaus gelungenen Figuren, bei deren Gestaltung Peyo offensichtlich immer wieder den Schalk im Nacken hatte, dürfte jedem Cartoon-Freund einen ordentlichen Spaß bereiten. Peyo unterhält einfach mit jeder Seite.

Drei albenlange Abenteuer, mehrere Kurzgeschichten, ein ausführlicher Teil zu Peyos Arbeit sorgen für ein langes Lesevergnügen mit diesen klassischen Cartoons, die jung geblieben sind und durch ihre sorgfältige Gestaltung immer noch vorbildlich sind. 🙂

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Mittwoch, 08. Februar 2012

Das Schwert 2 – Wasser

Filed under: Mystery — Michael um 18:20

Das Schwert 2 - WasserAuf der Flucht: Dara hat ihre Familie verloren. Die offiziellen Stellen glauben nicht an ihre Unschuld. Das Geheimnis des Schwerts droht ihr zu entgleiten. Nur zwei Freunde sind ihr geblieben und diese sind sogar bereit, ihr zu helfen. Andererseits: Welche Wahl bleibt ihnen? Die Polizei machte keinen kooperativen Eindruck. Dara folgen? Das Mädchen will sich an den Mördern ihrer Familie rächen. Ob es eine gute Idee ist, jenen in die Quere zu kommen, die über solche Macht verfügen, dem Schwert im Kampf sogar widerstehen zu können? Allerdings sind sie in der Nähe von Dara noch am besten aufgehoben. Andere Probleme sind viel einfacher. Wie komme ich ohne Geld auf die Bahamas?

In der zweiten Episode schicken die Gebrüder Luna ihre Heldin Dara in einen Weltuntergang aus Wasser. Dara, ein Teenager, der nicht nur die Familie verloren hat, vormals querschnittsgelähmt war und durch das Schwert in ihrem Besitz geheilt wurde, hat eine grobe Spur. Einer der Mörder, Zakros, ist häufiger auf den Bahamas gesehen worden. Joshua Luna und Jonathan Luna zeigen, wie schwer es ist, jemanden zu finden, wenn der Aufenthaltsort nur in einem sehr weiten Radius bekannt ist. Die Chancen stehen für Dara und ihre Freunde Julie und Justin sehr schlecht.

Wie komme ich von A nach B mit begrenzten Geldmitteln? Wie komme ich an Kleidung? Wo schlafe ich? Was esse ich? Die drei Helden wider Willen müssen sich durchschlagen. Ganz nebenbei benutzen die Lunas die neuen, wahren Legenden dieser Welt, um Dara ihren Weg noch mehr zu erschweren. Bevor sie sich einem Halbgott stellen, gilt es normale Piraten zu überwinden, ohne Säbel, dafür mit Schnellfeuergewehren ausgestattet. Das ist weiterhin mit einer lässigen Filmoptik eingefangen. In dieser Phase gehen die beiden Comic-Macher verstärkt auf die Charaktere ein, Helden wie auch Bösewichtern.

Joshua Luna, der hauptsächlich für den Text verantwortlich ist (im Gegenzug seinem Bruder Jonathan Luna den Zeichenstift und die Kolorierung überlässt), lässt Dara und ihre Freunde starrsinnig sein. Er lässt sie auch schwanken, zaudern, nahe am Rand der Verzweiflung, bevor die Bombe platzt und ein fulminantes Finale startet, das sich über zwei Drittel des vorliegendes Bandes erstreckt. Im Vergleich: Würde diese Sequenz verfilmt werden, hätte ein Spezialeffekte-Team sehr, sehr viel Arbeit. Hier wird gekonnt inszeniert und Spannung mit allen Mitteln erzeugt. Darüber hinaus gelingt es Joshua Luna über eine sehr lange Strecke, den Leser über den Ausgang im Ungewissen zu lassen.

Die zarte Optik, schmaler Strich, atmosphärische Farben, aber ohne unechte Übertreibungen, besitzen inzwischen fast einen europäischen Charakter. Man könnte auch sagen: Weniger ist mehr, viel mehr. Bei den Figuren selbst äußern sich individuelle Züge eher durch Merkmale wie Haarschnitte, Farben, Kleidung, weniger durch Gesichtszüge. In verkleinerten Ansichten fällt dergleichen kaum ins Gewicht. In größeren Ansichten, auch Nahaufnamen, produziert Jonathan Luna glasklare Grafiken, die mit einigen Strichen das Gefühlsleben des jeweiligen Charakters bannen. Selbst in der besonders rasanten zweiten Hälfte der Fortsetzung gibt es hierzu reichlich Gelegenheit.

Mit zwei Schauplätzen, wie sie gegensätzlicher kaum sein können, krönen die Lunas den Action-Teil der Handlung, die in eine irrsinnig dramatischen Schluss mündet.

Erzählung: Top! Grafisch: Top! Für alle Freunde von perfekten Fantasy-Abenteuern in urbaner Atmosphäre (wie es so schön heißt), mit gut geschilderten Charakteren, bietet Das Schwert originelle und weiterhin packende Unterhaltung. 🙂

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Dienstag, 07. Februar 2012

Die Einladung

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:53

Die EinladungFreunde: Die meisten Menschen brauchen sie. Nicht jeder kann sicher sein, ob die, die er seine Freunde nennt, auch tatsächlich unter diesen Begriff fallen. Schon gar nicht nachts um 3.00 Uhr. Als das Telefon von Rafael klingelt, liegt er in tiefem Schlaf an der Seite seiner Freundin im Bett. Leo, der sich am anderen Ende der Leitung meldet, hat ein Problem. Er ist mit seinem Auto irgendwo im Nirgendwo liegengeblieben. Ein Freund, der ihm helfen könnte, den Wagen wieder flott zu bekommen oder der ihn wenigstens abholt, wäre jetzt vonnöten. Rafael sträubt sich. Seine Freundin überredet ihn, sich ins Auto zu setzen und zur Hilfe zu eilen. Am Ziel angekommen ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Und Rafael schwankt zwischen Ärger, Frust und Freude.

Jim, Thierry Terrasson oder auch Tehy: Drei Namen, ein Autor. Er brachte dem Leser bisher so unterschiedliche Titel wie YIU oder auch Der Engel und der Drache nahe. Aber auch Sonnenfinsternis stammt von ihm. Und damit kommt der Leser schnell auf die Spur des Genres, das Jim, wie er sich hier nennt, neben Science Fiction und Fantasy noch beherrscht: das menschliche Drama mit all seinen Spielarten. Schon Sonnenfinsternis erzählte von dem Verhältnis einiger Freunde, zusammengedrängt während eines besonderen Ereignisses. Mit Die Einladung geht Jim noch einen Schritt weiter.

Die Geschichte, selbst ohne Erklärung erkennbar als Theaterstück angelegt, benötigt eigentlich nur sechs große Szenen, sechs Akte. Und sie geht nur einer Frage nach: Wer ist dein Freund? Alles andere ergibt sich daraus. Man könnte es eine kleine Geschichte nennen, doch das wäre viel zu kurz gegriffen. Wie in solchen Handlungen nicht unüblich, darf hier besonders zwischen den Zeilen gelesen werden. Zu viel über die Handlung zu verraten, hieße auch, einige schöne Kniffe vorweg zu nehmen. Gesagt sei aber: Sicherlich liefert Jim hier eine seiner menschlichsten Geschichten ab, die Tiefsinn und Lebenserfahrung beweisen. Auch seine Fähigkeit der Erzählung ist hier absolut vorbildlich.

Es sind vergleichsweise junge Leute, die diese Geschichte bereichern, die soeben im Leben angekommen sind, ihren Platz gefunden haben, teilweise wenigstens, dennoch ist die Thematik so leicht erzählt, dass sie von jeder Generation nachvollzogen werden kann. Die Komik und die Tragik funktionieren durch die Grafiken von Dominique Mermoux noch einmal so gut. Für Die Einladung, einer Geschichte, von der ich behaupten möchte, dass sie in diesen Tagen nur aus Frankreich kommen kann, hat Mermoux Schauspieler geschaffen, die ihre Rollen mit großem Können spielen. Mehr noch: Ein Spiel mit der Kamera stützt den Inhalt zwischen den Zeilen. Wenn Rafael beispielhaft in einem szenischen Abschnitt allein auf weiter Flur steht, braucht es eigentlich keine weiteren Worte mehr.

Die Strichführung von Mermoux ist einfach, zerbrechlich, aber arbeitet bei allen Charakteren individuelle Merkmale heraus. Einzelheiten unterstreichen Charaktere. Krumme, vielleicht ehemals gebrochene Nasen. Ein Ghostbusters-T-Shirt. Da die Handlung häufig nachts angesiedelt ist, mit künstlichem Licht und Dämmerung spielt, finden sich hier hauptsächlich mildere Farbkompositionen. Wenn das Licht einmal strahlt, soll es auch als Spot wirken. Fast scheint es, als habe die theatergerechte Erzählung auch bei der optischen Umsetzung wichtigen Einfluss genommen.

Eine sehr menschliche Erzählung, komisch, tragisch, sehr einfühlsam vorgetragen. Jim offenbart mit dieser Geschichte einmal mehr seine große Bandbreite, zeigt, was Comic alles kann. Mit Dominique Mermoux hat er den richtigen Zeichner für dieses echte Szenario gefunden. Wer schon Sonnenfinsternis mochte, wird von dieser Geschichte begeistert sein. 🙂

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Montag, 06. Februar 2012

Der rote Falke 8 – Hass und Neid

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:00

Der rote Falke 8 - Hass und NeidDer König macht sich durch seinen Umgang nicht gerade beliebt. Sein Stand innerhalb des Hofes ist schlecht. Missgunst trifft ihn häufig durch taxierende Blicke. Ein Mann in seiner Position sollte das Königsgeschlecht fortführen, er sollte einen Nachkommen zeugen. Eine Ehe, in der er noch nicht einmal das Bett mit seiner Frau geteilt hat, da ihn offensichtlich das schöne Geschlecht nach eigener Aussage nicht lockt, ist nicht dazu da, den Fortbestand seiner Linie des Königsreiches zu sichern. Die Königin will diesen Worten keinen Glauben schenken. Die junge Frau an der Seite des Königs ist die Ursache für Gerüchte und ihre Gegenwart ist ein Quell des Spotts wider die Königin.

Mag er Frauen nun oder nicht? Wie es scheint, mag der König nur seine Frau nicht. Ariane de Troil hingegen hat es geschafft, ihm den Kopf zu verdrehen. In jener Zeit, aus der sich auch ein Alexandre Dumas für seine Geschichten bediente, findet Patrick Cothias reichlich Quellenmaterial für sein Abenteuer um die Figur hinter dem Roten Falken. Ariane muss aber nun auch privat um ihr Leben fürchten. Seit Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft und des möglichen Urhebers derselben haben einige Kräfte bei Hofe nichts geringeres im Sinn, als sie umzubringen. Umbringen zu lassen, denn natürlich machen sich solche Machtfiguren im Hintergrund niemals selber die Finger schmutzig.

Patrick Cothias nutzt genau diese konspirativen Treffen, die kleinen Gespräche am Rand, manchmal sogar eher nebensächlich geführt, für einen süffisanten Blick hinter die Kulissen der Macht in Frankreich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Cothias nimmt seine Charaktere sehr ernst, skizziert eine Hassliebe, wie auch eine unglückliche Liebe, ebenso wie eine tiefe Freundschaft. Aus einer Anschlagsserie resultiert eine kuriose Begegnung, die angesichts eines längst vergangenen Ehrbegriffs zwar auch komödiantisch wirkt, aber trotzdem möglich sein kann.

Der rote Falke kommt mit seinen Auftritten für Gerechtigkeit infolge des Zustandes von Ariane zu kurz, dafür hat ihr treuer Freund Germain umso mehr zu tun. Hier kann der bärenstarke Kämpfer, der schon im ersten Band an ihrer Seite wirkte, deutlich zeigen, was er kann. Als Fechter und Beschützer flankiert er seine Baronin von einer filmreifen Szene zur nächsten. Marco Venanzi, ein sehr klassisch zeichnender Künstler, vergleichbar mit dem Strich eines Francois Bourgeon (Reisende im Wind), hat die Nachfolge von Andre Juillard in der Reihe übernommen. Das Ergebnis ist verspielter als im kürzlich neu aufgelegten ersten Band.

Darüber hinaus überlässt Venanzi weniger dem Zufall, sein Strich ist exakter, vielleicht sogar romantischer zu nennen. Insgesamt ist der Stil der Darstellung jener Epoche sehr träumerisch, aber angemessen, übermittelt er doch ein Gefühl alter Kostümfilme, als noch ein Gene Kelly als Musketier über die Leinwand fegte. Die von Cothias fein und verschmitzt erzählte Geschichte schlägt in die gleiche Kerbe. Edgar Favaux und Marco Venanzi selbst stützen den Eindruck mit einer am ersten Band angelehnten Kolorierung, gehen aber noch mit leichten Schattierungen zu Werke. So sind die Grafiken etwas plastischer, auf jeden Fall in strahlende Farben getaucht.

Wer ist die Frau hinter der Maske des roten Falken? Ihr Leben ist komplizierter, nun da sie selbst zur Zielscheibe auserkoren wurde und sie sich nicht mehr verstecken kann. Patrick Cothias erzählt ein charakterlich dichtes Abenteuer mit viel Sympathie für die historischen Vorbilder. Dank des Zeichners Marco Venanzi finden Freunde des Genres eine perfekt eingestellte Optik vor. 🙂

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Freitag, 03. Februar 2012

Arthur 3 – Gwalchmei der Held

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:03

Arthur 3 - Gwalchmei der HeldMorgwen folgt ihrem Lehrer ins Wasser. Mit jedem Schritt, mit dem sie den Strand hinter sich lassen, weicht das Wasser zurück und bildet eine schützende, bald schon meterhohe Wand. Schließlich sind die beiden, Myrddin und Morgwen, vom Ufer aus nicht mehr zu sehen. Die Beherrschung der Elemente ist eines der Ziele von Myrddins Unterweisung. Morgwen ist eine gelehrige Schülerin, aber sie hängt auch noch an ihrer Vergangenheit und denkt an ihre Verwandten. Doch Myrddin hat eine klare Botschaft für sie: Jemand, der ihren Weg eingeschlagen hat, kann kein normales Leben inmitten einfacher Menschen führen. Niemals. Das hat er selbst bewiesen.

Dieser Arthur ist nicht der strahlende Held, den andere Geschichten aus Roman und Film, mitunter auch Comic gezeigt haben. Dieser Arthur ist ein starker Krieger, charismatisch, aber er hat auch keinerlei Ambitionen sich zum großen und legendären Herrscher aufzuschwingen. Sein Hof ist nicht Camelot, noch denkt daran, eine Tafelrunde aus der Taufe zu heben. Gäbe es da nicht Myrddin (Merlin), der seine ganz eigenen Pläne verfolgt.

Die Fragen, deren Antworten du nicht hören willst, solltest du besser nicht stellen, Arthur.

Wurde Myrrddin auch der Verrückte genannt, so arbeitet sein Geist dennoch scharf und sicher. Seine Winkelzüge bleiben unterdessen rätselhaft. Aber es ist auch eine rätselhafte Welt, in der sich Weissagungen erfüllen und Mut tatsächlich etwas bewirkt. Arthur selbst wie auch Gwalchmei, der Held können diese Feststellung nur unterstreichen. David Chauvel führt den Helden keineswegs so vor, wie es aus so vielen Geschichten her bekannt ist. Es gibt keine gerade Linie und es scheint, als verweigere sich Chauvel ganz bewusst den üblichen Regeln der Erzählung, die er zweifellos beherrscht, wie er in anderen Veröffentlichungen bewiesen hat.

Die Reihe Arthur ist sicherlich keine Comic-Dutzendware. Autor David Chauvel, Comic-Fans hierzulande auch bekannt durch Cosa Nostra und Black Mary, setzt hier einen Erzählstil durch, der wahrhaftig an alte Sagen erinnert. Kleine Passagen, im Stile alter Buchillustrationen gehalten, stützen diese Erzählweise, die sich teilweise wie ein Vorläufer eines Comics ausnimmt. Das ist, gibt man ihm eine Chance, erfrischend anders in seiner nostalgischen Aufmachung. Wer sich mitunter über die Vermischung von modernen Elementen in Ritterszenarien gewundert hat, wird sich mit dieser eng an jene Zeit gebundenen Sequenzen vielleicht eher anfreunden können.

Grafisch kann Jerome Lereculey mit seiner exakten Art zu zeichnen weiterhin gefallen. Lereculey überlässt nichts dem Zufall. Ob Mienenspiel, Kostüme, Körperbau, Muskelspiel, Waffen, Pferde, sonstiges Getier, Natur, Landschaft: Jedes Detail wird mit architektonischer Präzision zu Papier gebracht. So entsteht eine sehr lebensnahe Abbildung, die das Auge festhält und bannt. Lereculey könnte sicherlich auch historische Illustrationen zu alten Kulturen abliefern und Dokumentationen mit seinen Arbeiten ergänzen. Wie das aussehen könnte zeigt sich an einer Verfolgungsjagd zur See, als Arthur den gewohnten Kampfplatz zu Lande mit den schwankenden Drachenbooten vertauscht.

Ebenso schön anzuschauen ist die Begegnung zwischen Arthur und seiner späteren Frau. Aus dieser Begegnung wird im weiteren Verlauf eine Schlachtensequenz und Befreiungsaktion, die weniger mit den alten Hollywoodinszenierungen gemein hat als vielmehr mit der neueren Bildgewalt eines Braveheart oder Gladiator. Allerdings sind auch Vergleiche zu alten Schlachtengemälden durchaus heranzuziehen.

Im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft erzählt und meisterhaft illustriert. Die einzelnen Charaktere verdichten sich zunehmend. Der Band darf nur im Zusammenhang mit den Vorgängeralben gesehen werden. Wer Interesse an einer sehr klassischen Arthur-Sage hat, könnte hier richtig liegen. 🙂

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Dienstag, 31. Januar 2012

Lancelot 2 – Iweret

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:43

LANCELOT 2 - IweretEin Krieger muss seinen Meister besiegen. Er muss über sich hinauswachsen und vielleicht sogar scheitern. Aber was wäre, wenn ein Scheitern begrüßt würde? Wenn ein Scheitern den Jüngling an den Rand der Schande brächte, aber sein Überleben in diesem Drama sicherte? Der junge Mann will nicht aufgeben. Er kann nicht aufgeben, nicht nach allem, was sein Meister ihm alles beigebracht hat. Die Lektionen dieses bärenstarken Gesellen gehen weit über Kampftechniken hinaus. Und so sind es nicht die geübten Griffe allein, die den Schüler am Ende über den Meister triumphieren lassen.

Ein Held braucht einen Feind, eine Aufgabe. Ein Held entsteht nicht einfach so, sondern wird an seinen Feinden geschliffen. Mit Iweret steht dem jungen Lancelot ein Unhold gegenüber, der fast zu stark sein könnte für einen unerfahrenen Kämpen. Autor Jean-Luc Istin hat in diesem Band Verstärkung erhalten. An seiner Seite erzählt nun auch Olivier Peru, der im Horrorgenre jüngst auch mit Zombies auf sich aufmerksam machte. Da scheint das Schlachtengemälde, das sich im Laufe der Handlung vor dem Leser ausbreitet, kein Zufall zu sein. Lancelot zeigt besonders im vorliegenden zweiten Teil die Erschaffung eines Helden. Der dunkle Magier Iweret ist nur ein Hindernis auf dem Weg dahin.

Während an anderer Stelle die Legende von Arthur, dem König, wächst, ist Lancelot noch Galaad. Bevor er sehr zum Verdruss seiner Pflegemutter eine letzte Prüfung bei seinem Lehrmeister ablegt und schließlich zum Krieger gereift ist, muss Viviane Fee, die so lange Jahre auf ihn aufgepasst hat, eine Wahl treffen, von der sich nicht vorhersagen lässt, ob sie nicht das Ende bedeutet. Es sind eine Reihe von Weichenstellungen und parallel verlaufende Handlungsstränge, die diesen Teil spannungsreicher machen als den bereits tollen Auftakt.

Für Alexe, die Zeichnerin, und Elodie Jacquemoire, die Koloristin, ist der Arbeitsaufwand ein höherer, der jedoch mit Bravour gemeistert wird. Grafisch wird das Szenario ein wenig härter. Es ist viel düsterer, abgründiger. Viviane stellt sich dem Kampf. Lancelot reift im Kampf heran und muss bereits bei seiner ersten Bewährungsprobe eine unbeschreibliche Tortur hinter sich bringen. Das allein wäre schon genug für optische Finessen, aber Alexe und Elodie Jacquemoire haben außerdem noch eine Schlacht sowie eine doppelseitige Sagenübersicht zu gestalten. Letztere ist wunderbar anzuschauen, fasst zusammen und zeigt dem Leser, welches Schicksal die Charaktere noch erwarten wird. Sogar jene, die noch gar nicht aufgetreten sind.

Wie beeindruckend die grafische Gestaltung, auch durchgängig, ist, zeigt bereits die Darstellung von Iweret, der Figur, die diesem Band den Untertitel verleiht. Die farbliche Gestaltung ist hier zwar noch aufwändiger als im Innenteil, gibt einen Eindruck von der Fülle und der tollen Abstimmung aller Komponenten. Elodie Jacquemoire geht fein in die Hintergründe hinein, schafft eine präzise Tiefe und reizt die modernen Kolorierungsmöglichkeiten aus. Nicht zuletzt durch die Farbenpracht wird die Verweildauer auf den Seiten deutlich erhöht.

Ein erstes Finale: Istin und Peru jagen ihren Helden, anders lässt es sich kaum ausdrücken, über einen Parcours, der es ihn sich hat. Nicht zum ersten Mal wird ein Held auch in Versuchung geführt, nicht zum ersten Mal scheitern die mit Erotik arbeitenden Widersacher mit ihrem Tun. Ist der Vorhang einmal zerrissen, die Falle gescheitert, präsentieren sich die Feinde offen und aus Kampf wird Gemetzel. Die schaurige Umgebung eines Sumpfes tut ihr Übriges für einen optisch stimmigen wie rasanten Fortgang des letzten Drittels der Geschichte.

Besser als der Anfang, stärker, dichter, mit wütenden Charakteren, tragisch, dramatisch und prachtvoll gestaltet. Fans von Sagenabwandlungen und Fantasy, auch solche, die vielleicht einen Robert E. Howard vermissen, sollten einen Blick riskieren. 🙂

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Lancelot 1 – Claudas vom Wüsten Land

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:41

LANCELOT 1 - Claudas vom Wüsten LandDas Herrscherpaar ist auf der Flucht. Die Pferde laufen schnell. Der Weg ist jedoch unwegsam und bald kommt es zu lebensgefährlichen Schwierigkeiten. Es bleibt ihnen keine andere Wahl, als sich zu trennen. Die Mutter und Kind, das unter allen Umständen überleben muss, flüchten weiter von den Häschern von König Claudas, dem Eroberer. Am Ufer eines Sees ist die Flucht zu Ende. Die Mutter weiß, dass er kein Entkommen mehr geben kann. Da erhebt sich aus der dunkel schimmernden Oberfläche des Sees eine Frauengestalt und bietet ihre Hilfe an. Das Kind wird überleben, allerdings fern der Eltern. Die Mutter wählt die Sicherheit für ihr Kind und verflucht mit einem wütenden Schrei den furchtbaren König, der ihre Familie zerstörte.

Jean-Luc Istin versteht sich auf Szenarien voller Magie, Schwerter, Helden und Zauberer. Entsprechend können sich sein bisherigen Comic-Reihen auch sehen lassen: Die Druiden, Herr der Finsternis, Götterdämmerung, Das fünfte Evangelium oder auch Merlin. Die Auswahl seiner Geschichten zeigt gleich, wie sehr ihn klassische Heldensagen (um König Artus sowie Siegfried), die Zeit der Kreuzzüge und der Wandel auf den britischen Inseln inspirieren. Aber: Istin verlässt auch bewährte Pfade und erzählt Bekanntes neu, anders, ungewöhnlich.

Wer sich nur hier und da einmal mit der Artus-Sage beschäftigt hat, im Film oder Roman, kommt natürlich an Lancelot, den Ritter vom See, nicht vorbei. Der edle Ritter, der in so mancher Nacherzählung die Ehe von Artus scheitern ließ, für den Zusammenbruch der Tafelrunde mit verantwortlich war, wird hier von frühester Kindheit gezeigt und in den Mittelpunkt gerückt.

Wenn derjenige, der da prophezeit wurde, nun gar nicht derjenige ist, der da heranwächst? Es sollte ein Sohn sein und ist doch eine Tochter. Dieser kleine Unterschied wirft die bekannte Sagengestalt gehörig über den Haufen. Istin ist nun frei in seiner Erzählung und schafft ein neues Drama, in dem nur Eckpunkte noch an die klassische Vorlage erinnern. Hier ist Frau Trumpf: So können die beiden Künstlerinnen Alexe (Zeichnerin) und Elodie Jacquemoire (Koloristin) mit sehr akkuratem Stil und traumhaften Farben eine zuweilen romantische, eine aktionsgeladene und auch geheimnisvolle Atmosphäre schaffen.

Istin setzt die Handlungsorte entsprechend an, verändert Figuren leicht, nimmt jüngere Konstellationen und mischt sie hinein. Die magische Welt der Viviane, das Kampftraining des Kindes und natürlich auch der erste Auftritt von Merlin, der hier ganz in weiß gekleidet einem dunklen Ebenbild gegenübersteht. Fantasy-Fans wird die Konstellation selbstverständlich von HdR her kennen (Gandalf/Saruman). Der böse Zauberer heißt hier Iweret und ist mehr ein Intrigant. Mit dieser Fähigkeit liegt Merlin jedoch gleichauf mit ihm, denn beide spielen ihr Spiel.

Alexe zeichnet großartige feine Figuren und Ansichten, mit einem größtmöglichen Realismus und filmischem Geschick. Dank der kräftigen, natürlichen Farbgebung von Elodie Jacquemoire gerät der Serienauftakt tatsächlich zu einem kinoähnlichen Augenschmaus.

Die berühmte Sage einmal anders erzählt: Neue Blickwinkel, veränderte Charaktere, neue Gesichter und bereits im Kindesalter von Lancelot gestartet. Nach der Erfolgsreihe über Die Druiden nicht nur ein sehr gut erzählter, sondern auch optisch sehr schön gestalteter Auftakt einer neuen Serie. 🙂

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Sonntag, 29. Januar 2012

Lanfeust Odyssee 1 – Das blau-goldene Rätsel

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:58

Lanfeust Odyssee 1- Das blau-goldene RätselLanfeust ist zurück. Eben war noch zwischen den Sternen unterwegs, dann ist er wieder da, doch den Respekt, den er dafür erwartet, eine kleine Willkommensfeier vielleicht, das alles findet nicht statt. Das All ist weit weg und alles, was da draußen geschah, hat auf Troy keine Bewandtnis mehr. Ein Held muss mit seiner Tat zufrieden sein, er darf nicht auf Bewunderung oder gar dank hoffen. Für Lanfeust, der so viel für das Universum getan hat, kommt es hingegen noch schlimmer. Der Held soll wieder die Schulbank drücken. Auch soll er dafür sein Schwert gefälligst im Spind einschließen. Ein großer Fehler. Hebus, der getreue Troll, hätte ihm sofort sagen können, dass ein Held nicht von seinem Schwert weicht. Aber Hebus hat genug damit zu tun, seiner neuen Tätigkeit als Sklave nachzugehen.

Lanfeust ist wieder auf Troy und das ist gut so. Hebus steht ebenfalls auf dem magischen Boden Troys. Und Cixi, die ein ganz klein wenig zickig sein kann, hat nichts verlernt. Schloss Blaugold ist Cixis neues Zuhause. Die junge Frau langweilt sich tödlich. Christophe Arleston, als Autor regelrecht mit diesem Comic-Universum verschmolzen, lässt sich allerlei Späße mit Cixi einfallen. Mit Leichtigkeit kann sie dank ihrer magischen Fähigkeiten einen kompletten See rot erstrahlen lassen. Für den Leser, der wenigstens bisher einen kleinen Einblick in diese Welt hatte, vielleicht sogar Geschichten über Lanfeust gelesen hat, bedeutet das: Das Chaos regiert.

Der Leser muss bisherige Abenteuer nicht kennen, auch sind Grundlagen über Troy selbst nicht erforderlich. Die Odyssee ist ein Neustart, den Arleston nutzt, um auch Neulinge an die Geschichte und die Figuren heranzuführen. Erfahrene Troyaner werden vielleicht über die Zurückhaltung Lanfeusts etwas erstaunt sein. Insgesamt macht der Held zunächst tatsächlich den Eindruck, als wolle er sich einfügen. Aber es sind äußere Einflüsse (und Frauen), die diese Bemühungen wieder zunichte machen. Und so könnte man sogar behaupten, dass eine Art jüngeres Ich Lanfeusts wie der berühmte Troll im Porzellanladen diesen Neuanfang auf den Kopf stellt.

Didier Tarquin zeichnet mit einer gewissen Respektlosigkeit. Zweifellos besitzt er Technik, den Blick für Bildaufbauten, aber er scheint auch immer auf der Grenze von Cartoon und Realismus balancieren zu wollen. Einerseits sind die verschiedenen Ansichten im Inneren, ob sie sich nun in Schlössern, Lehrzimmern, Bibliotheken oder auch Schenken abspielen, sehr schön anzuschauen, andererseits vermag er mit reinen Landschaftsbildern und Stadtansichten ebenso zu überzeugen. Körperlichkeiten wie Muskeln stellt er detailfreudig dar, in den Gesichtern jedoch darf aber das allseits bekannte japanische Cartoon-Grinsen, wie es schon ältere Generationen von Studio-Ghibli-Produktionen her kennen, nicht fehlen.

Einen großen Anteil an der Wirkung der Bilder hat sicherlich Kolorist Fred Besson. Mit viel Plastizität, mit Mut zur Buntheit, gestaltet er ein leuchtendes Troy, in das man sich mit seiner Farbenpracht gerne verliert. Einige Ansichten von Eckmül verschaffen dem Betrachter einen verträumten, romantischen Eindruck dieser Welt. Aber Arleston verschafft Besson auch genügend Arbeit, der es dann farblich umso mehr knallen lassen kann: Zusammenbrechende Türme, umgeknickte Schiffsmasten, Blitze … Kurz: Ein Feuerwerk für das Auge.

Von Abenteuern versteht er was: Christophe Arleston hat die Tradition von Rittern, Manteln und Degen, in die Fantasy transportiert und den französischen Sinn für Comic beigemengt. Eine nach wie vor unwiderstehliche Mischung. Man darf sich auf den abschließenden zweiten Teil freuen. 🙂

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Freitag, 27. Januar 2012

Der rote Falke 1- Die rote Maske

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:33

Der Rote Falke 1 - Die rote MaskeEin Hinterhalt: Die Schergen des Herzogs treiben den maskierten Mann auf den Abgrund zu. Seine Gegenwehr ist wacker, leider vergeblich. Bauern finden einen übel zugerichteten Leichnam am Fuße des Felsens, von zahlreichen Stichen durchbohrt, von Blut überströmt. Sollte das bereits das Ende der Legende des roten Falken sein? Keineswegs. Denn Legenden halten sich lange. Helden sterben nicht so leicht, wenn ihr Tod nicht mit Brief und Siegel versehen verbürgt ist. So gedeiht abseits dieser Nachricht über den Tod des Rächers die Hoffnung. Bald schon gibt es neue Sichtungen. Ein Mann, angetan mit roter, konturloser Maske, einem roten Umhang und ebensolcher Kapuze steht wieder gegen die Unterdrücker auf.

Mantel, Degen und Maske: In Frankreich ist man mit diesem Genre sehr wohl vertraut. Roman und Film bieten viele Beispiel von waghalsigen Helden, die gegen die Obrigkeit aufbegehren und Gerechtigkeit gerade gegenüber den Schwachen und Hilflosen walten lassen. Ähnlich wie es ein Zorro in Mexiko, eine Schwarze Tulpe auch in Frankreich erledigte, so ist auch der rote Falke zur Stelle, wenn es unter der Herrschaft von Ludwig XIII. zu Willkür kommt. 1978 entwarf Patrick Cothias das Szenario um die rächende Legende des roten Falken, der für Gesprächsstoff unter den Bürgern sorgt, obwohl dem Gerücht nach längst im Zweikampf gefallen sein sollte.

Patrick Cothias erzählt hier in den für die Zeitschrift PIF kreierten Geschichten noch sehr episodenhaft und noch nicht auf Albenlänge (was sich ändern wird). Alles beginnt im Oktober 1624. Eine junge Frau ist mit ihrem Reisebegleiter in einer Kutsche unterwegs, als sie von Räubern im Wald aufgehalten werden. Schnell ergibt es sich für den Leser, dass diese Menschen, Räuber wie Überfallene, einer noch größeren Bedrohung gegenüberstehen. Eine geheimnisvolle Sekte treibt ihr Unwesen. Der rote Falke, ein geheimnisvoller Kämpfer in roter Maske und Umhang, begleitet von einem echten Falken, der aufs Wort hört, nimmt den Kampf gegen die Unterdrücker auf.

Wer Mantel und Degen, Alexandre Dumas und seine drei Musketiere mag, sich an der Seite von Scaramouche wohlfühlte, ein wenig Zorro in den Zeiten eines Richelieu sich vorstellen kann, findet sich hier sofort zurecht. Der Aufbau einer Geschichte geht schnell vonstatten. Andre Juillard schafft es, die Epoche mit leichtem Strich, aber auch sehr exkat einzufangen. Wer der rote Falke ist, ist zwar sehr schnell klar und man muss sich wundern, dass eine bestimmte Person nicht so leicht hinter das Geheimnis kommt, aber vermutlich verhält es sich hierbei wie Lois Lane zu Clark Kent.

Scaramouche nein, Theater ja: So haben denn auch die Gaukler ihren Auftritt und berichten von der Legende des roten Falken, bis die Obrigkeit einschreitet und das Volk erschüttert. Der Eichelhäher und der Falke, so der Titel der Episode bildet eine Grundlage für spätere Entwicklungen. Band 1, hier neu aufgelegt damit ein durchgängiges Druckbild zu neuerlichen Geschichten erreicht wird, berichtet von der fortschreitenden Entwicklung, auch Eingewöhnung eines Helden in seine Rolle. Begegnungen unterschiedlichster Art, sogar mit dem noch jungen König, prägen diese Figur, die über eine natürliche Selbstsicherheit verfügt.

Andre Juillard hat ein wenig Jugendstil im Strich, leicht idealisiert, etwas geschwungen, auch stilistisch sicherer von Episode zu Episode. Die Kolorierung ist der Entstehungszeit gemäß einfach gehalten. Das wirkt sich durch die Sorgfalt der Außenlinien und des Tuscheauftrags aber keineswegs nachteilig aus. Juillard arbeitet mit gerne mit Gesichtern, die geradewegs aus einer Nachtwache oder anderen Gemälden, die aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstammen könnten. Im direkten Vergleich ist jene Zeitphase sehr schön und eindrücklich eingefangen.

Abenteuerlich, nostalgisch, auch romantisch, wie es sich für derlei Handlungen gehört. Ausgeführt mit guten Figuren, viel Aktion, schönen Kostümen. Es treten auf: Einfaches Volk, Gaukler, Gauner, der König und natürlich ein Held. Für Freunde fesselnder Geschichten aus dem Mantel-und-Degen-Genre ist diese Neuauflage genau richtig. 🙂

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Antares 4

Filed under: SciFi — Michael um 16:11

Antares 4Die Gruppe von Kim Keller versucht nach ihren Absturz zurück zur Siedlung des Landungstrupps zu gelangen. Nur mit einem massiven Raupenfahrzeug ausgestattet, gestaltet sich die Reise langwierig und voller Gefahren. Die Landschaft mag überschaubar sein, die Tierwelt hingegen birgt stets neue Überraschungen und oft wirkt etwas harmlos, das sich kurz darauf als lebensgefährlicher Beutejäger entpuppt. Dennoch schien es für einen Spähertrupp zunächst wie jede andere Welt auch. Belebt, aber nicht von intelligenten Wesen bewohnt. Inzwischen ist für jeden einzelnen Menschen auf dem Planeten klar, dass es ein Geheimnis gibt.

Zunächst stand die Vermutung im Raum, jemand beobachte den Planeten und betreibe ausführliche Studien an den Tieren wie auch an den Menschen, die kurzer Zeit landeten. Kim Keller und ihre Freunde entdecken ein weiteres Rätsel. Wandmalereien und deutliche Spuren in einer Höhle weisen auf die Anwesenheit einer menschenähnlichen Spezies hin. Ob sie noch auf dem Planeten existiert? Ob die Malereien uralt oder neu sind? Niemand vermag das zu sagen. Von Kim unbemerkt machen sich die führenden Personen des Siedlungstrupps daran, eine Expedition auszurüsten, die den Nachbarplaneten erkunden soll. Denn eines ist sicher: Dort sitzen die rätselhaften Beobachter.

Leo macht es spannend: Der Autor und Zeichner der Reihe Antares macht es weiterhin furchtbar spannend. Die Reihe, inzwischen der dritte Zyklus um Kim Keller und ihre Abenteuer während der menschlichen Kolonisierung des Weltalls, erreicht hier einmal mehr den Punkt, an dem alles zu scheitern droht. Haben sich die fremden Intelligenzen in der vorhergehenden Zyklen beizeiten zu erkennen gegeben oder gab es wenigstens Hinweise auf eine Motivation der oder des Fremden, ist an dieser Stelle immer noch alles offen.

Mehr noch: Die Schwierigkeiten mit den religiösen Eiferern innerhalb der Siedlungsgruppe wachsen. Frauen sollen gnadenlos auf einen letzten Platz innerhalb der Gesellschaft verbannt werden. Moderne, tatkräftige Frauen wie Kim Keller stören hierbei nur, sind zu aufsässig und müssen sich wehren. Leo geht sogar einen Schritt weiter: Was wäre, wenn religiöse Fanatiker die Gelegenheit wahrnehmen könnten, als erste Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz aufzunehmen? In dieser hier vorliegenden Form geht er noch einen Schritt weiter, als eine Science-Fiction-Geschichte wie Contact getan hat.

Die Theorie: Außerirdische müssen eine sittlich klare Gesellschaftsform entwickelt haben, mit deutlicher Trennung von männlich und weiblich, Körper, Geist und Seele. Leo treibt die Dramatisierung innerhalb der Gruppe vollkommen auf die Spitze. Kim Keller, mit der Leo den Typus einer vollkommen emanzipierten Frau geschaffen hat, gerät innerhalb dieses Abenteuers zum ersten an die Grenzen ihrer Kräfte. Noch nie zuvor war sie durch die Entführung ihrer Tochter so stark belastet. Leo zeigt eine Frau, die Schwächen hat, diese aber immer zu verbergen sucht. Von allen Seiten wird ihr deshalb noch mehr aufgebürdet. Schließlich wird alles zuviel.

Leo zeichnet weiterhin mit dieser bewundernswerten Genauigkeit, Erfindungsgeist und einem Blick für das Wesentliche. Dies gelingt ihm in seinen Zeichnungen ebenso wie in seiner Erzählung. Kleine Gesten, Gesichtsausdrücke, Haltungen. Das Menschliche gewinnt hier vor der Kulisse eines fremden Welt die Oberhand, in jeder Beziehung. Und Leo zieht den Leser durch seine Bilder so nah an die Charaktere heran, dass die Fremdartigkeit der Umgebung zwar nicht aus dem Blick verloren wird, aber sich mehr am Rande der Wahrnehmung wiederfindet.

Sehr dicht, ungeheuer spannend durch toll entworfene Charaktere, die erst diese ungewöhnliche Dramatik möglich machen. Feine Science Fiction, für mich fraglos innerhalb des Comic-Mediums eine der besten ihrer Art. Die Kenntnis wenigstens der vorherigen Bände des Antares-Zyklus ist allerdings Pflicht. 🙂

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