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Comic Blog


Freitag, 24. Februar 2012

Der große Tote 3 – Blanche

Filed under: Mystery — Michael um 19:56

Der große Tote 3 - BlancheWäre nicht dieser furchtbare Unfall geschehen, hätte Erwan Pauline vielleicht niemals wieder gefunden. Wäre nicht überall eine Berichterstattung möglich, Fernsehkameras und Reporter, ständen nicht überall Fernseher, vielleicht hätte Erwan Pauline niemals entdeckt. Doch selbst der kurze Hinweis auf Paulines Anwesenheit in Paris macht es kaum einfacher. Ein dunkelhaarige Frau mit einer roten und einem Baguette unter dem Arm? Wie soll die inmitten all der anderen Menschen gefunden werden? Erwan beginnt damit, die Bäckereien der Umgegend abzusuchen. Die Schnitzeljagd wird zu einem Geduldsspiel. Aber Erwan gibt nicht auf. Er kann nicht.

Eine Welt verabschiedet sich: Die einstige Perle unter den Städten, Paris, verkommt. Sie ist nur noch Abglanz ihrer früheren Pracht, der Lebensfreude, Kultur und Zivilisation. Nun bevölkern immer mehr arme Menschen die Straßen. Sie haben keine Arbeit. Ihre Zukunft ist mehr als ungewiss. Nach dem ersten Teil der Serie Der große Tote wähnte sich der Leser kurz in einer vollkommen anderen Welt. In der gigantischen Weite der Natur zeigten Regis Loisel und Jean Blaise Djian eine ebenso fremde wie vertraute Umgebung. Eine Rückkehr der Hauptfiguren in unsere, die wirkliche Welt konnte diesen Zauber nur zerstören. Aber Loisel und Djian hielten für den Leser noch mehr parat.

Vieles sollte dem Leser bekannt vorkommen, doch diese haarscharfe Negativbeschreibung einer nahen Zukunft schmeckt recht bitter. Regis Loisel, der bei aller Phantastik auch einen Nerv mit seinen realistischen Szenarien treffen kann, entwirft hier einmal mehr eine Welt (am Bilde Frankreichs), in der sich die Menschen an den Untergang gewöhnt zu haben scheinen. Sie kampieren in Behelfszelten auf den Bahnhöfen, streifen obdachlos umher. Vertrieben werden sie nirgends mehr. Die geplante Revolution erneuerbarer Energien verrottet in Form von einstürzenden Windrädern auf dem Land vor sich hin. Wo auch immer der Optimismus sein Zuhause gehabt haben mag, hier ist er vor langer Zeit mit unbekanntem Ziel verreist.

Hoffnung? Die Menschen haben sich nicht vollkommen aufgegeben. Erwan und Pauline waren gemeinsam auf der anderen Seite, kehrten aber getrennt zurück. Erwans Suche nach Pauline gestaltet sich schwierig, bis ein Zufall ihm weiterhilft. Als er und seine Freundin Gaelle die junge Frau endlich finden, ist es auf einmal fraglich, ob dieses Wiedersehen unter einem guten Stern steht. Denn zusammen mit Pauline hat noch jemand diese Seite der Welt betreten: Blanche.

Die Entdeckung der Langsamkeit: Hier steht sie für Intensität, Ruhe, einen sorgsamen Aufbau, in dem sich ein Unheil mehr und mehr zu kristallisieren scheint. Blanche, einem kleinen Mädchen ähnlich, ist nicht so, wie ein kleines Mädchen dieses Alters normalerweise auftritt. Pauline, die Mutter, erkannte diesen Aspekt nicht nur durch eine enorm verkürzte Schwangerschaft, die darüber hinaus auch in gewisser Weise unbemerkt erfolgte. Blanche kann Dinge. Mehr soll hier nicht verraten werden.

Vincent Mallie, dem Zeichner, gelingt der Mittelweg zwischen Realismus und einer Prise Abstraktion. In der Kulisse, der Landschaft, dem städtischen Umfeld legt er wert auf starken Realismus und er trifft den Niedergang der Nation (vielleicht Europas) mit bestechendem Blick. In den Figuren schweift er ab. Mal legt er den Charakter stark im Gesicht fest, mal verfolgt er eine leicht puppenhafte Gestaltung. Dann wieder greift eine künstlerische Abstraktion, als habe tatsächlich jemand Modell gesessen, nur für ein Bild. Unter dem sprichwörtlichen Strich entsteht so eine hohe Lebendigkeit der Figuren und eine starke Nähe.

Neben einigen wenigen Straßenansichten, die noch einen gewissen Charme ausstrahlen, sind viele Kulissen mit Kühle dargestellt. Je mehr sich Erwan und Gaelle bewusst sind, wo Pauline zu finden ist, umso abweisender scheint die Stadt zu werden. Die Reise auf das Land hinaus wirkt wie eine Fahrt in eine heile Welt, wo das Grün der Natur noch vieles abschirmt oder auch zudeckt. Wie sich etwas Unbekanntes in diese heile Welt einschleicht, darf der Leser durch die Charaktere und ihre Reaktionen auf Blanche entdecken.

Mysteriös: Die Normalität ist nur oberflächlich. Regis Loisel und Jean Blaise Djian lassen den Leser noch einmal durchatmen, bevor das Geheimnis gelüftet wird. Eine kleine Andeutung zukünftiger Ereignisse lässt immerhin eine Ahnung aufkommen. Vincent Mallie und Francois Lapierre sorgen für die schönen Bilder eines bekannten und dennoch unheimlichen Frankreichs. Die Kenntnis der beiden ersten Teile ist zum Verständnis dieser Episode ein Muss. 🙂

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Mittwoch, 22. Februar 2012

Spoon & White 7 – Manhattan Kaputt

Filed under: Cartoon — Michael um 18:08

Spoon & White 7 - Manhattan KaputtEin Hot Dog in morgendlicher Frühe? Für den Kommissar kein Problem. Vor allem nicht, da man ihn schon um halb fünf aus dem Bett geworfen hat. Als er den Grund dafür erfährt, bleibt ihm der nächste Bissen beinahe im Halse stecken. Kurz darauf ergibt sich eine Gelegenheit. Für den Beamten, der sich einen der Polizisten des Kommissars ausleihen will, bleibt nur eine Möglichkeit. Will er White in seinem Team haben, muss er auch Spoon nehmen. Das hätte er besser nicht getan.

Was ist schlimmer? Terrorismus? Oder zwei liebeskranke Polizisten? Die beiden Cops Spoon & White sind mit ihrer Fixierung auf die hübsche Fernsehjournalistin Courtney Balconi dem Liebeswahn nahe. Sind ihre Empfindungen schon häufiger durch eine Art von Übereifer geprägt, sind die beiden Polizisten in der Nähe der jungen Frau kurz vor dem Durchdrehen. Oder kurz dahinter. Weit dahinter. Denn für den Leser ist binnen weniger Seiten klar, wer für den Untertitel des 7. Bandes der Reihe verantwortlich ist: Manhattan Kaputt.

Nicht viel Zeit: Mit der TV-Serie 24, dem Konzept, eine Serie ungefähr in Echtzeit ablaufen zu lassen, entwickelte sich ein Quotenrenner von Staffel zu Staffel, dem Spoon & White hier ihren Tribut zollen. Die Macher des vorliegenden Bandes, Jean Leturgie, Simon Leturgie (Zeichner) und Franck Isard (Zeichner), lassen die beiden Comic-Cops in die knallharte Welt der Counter Terrorist Unit, kurz CTU, platzen. Wie unprofessionell die beiden sehr unterschiedlich gebauten Polizisten bei der Arbeit vorgehen, darf der Leser gleich zu Beginn bei einer Festnahmeaktion begutachten.

Im Schmelztiegel der Völker, den Vereinigten Staaten, können Namensgleichheiten auftauchen, die einen besonders diensteifrigen Polizisten schon einmal verwirren können. Während Spoon seinem nicht vorhandenen Instinkt folgt und einfach irgendeinen Martinez verhaftet, wäre White lieber einer präzisen Adresse nachgegangen und hätte den richtigen Martinez verhaftet, müsste er nicht all die Scharten auswetzen, die Spoon der Welt wieder beigebracht hat.

Damit wird auch das konsequent durchgehaltene Konzept der Reihe deutlich: Kaputt machen. Ob sie wollen oder nicht, das können die beiden Comedy-Polizisten nun einmal am besten. Mehr noch, in absoluter politischer Unkorrektheit wird gekalauert, durch den Kakao gezogen und eben Kleinholz gemacht. Spoon & White sind die (im besten Sinne) Demolition Men des Comics. Der Angriff auf die Lachmuskeln in diesem Band ist auch ein weiteres Mal ein Tiefschlag gegen die amerikanische Lebensart. Denn unter dem Strich, was hat (will man dem Terroristen in diesem Band glauben) die amerikanische Kultur der Welt vor allem gebracht? Kalorien.

Es ist ein Glück für die beiden Cops, dass ihre Umwelt noch einen Deut dümmer ist als sie selbst. In einer schmissigen Strichtechnik, die einerseits einer frankobelgischen Tradition folgt, andererseits noch etwas frecher ist als ein Andre Franquin, erfährt der Leser eine kleine Besichtigungstour durch New York, die selbstverständlich auch nicht den Central Park, die grüne, arg erschöpfte Lunge der Stadt, nicht auslässt. Die Gegend rund um einen Brunnen mit Motiven aus Alice im Wunderland wird kurzerhand zum Schlachtfeld. Na, eigentlich wird alles zum Schlachtfeld. Hat Spoon erst einmal seine Waffe gezogen, setzt diese Aktion einen Schneeball in Gang, der sich zu einer Lawine auswächst.

Simon Leturgie und Franck Isard vereinnahmen mit ihren Karikaturen und Parodien den Leser auf blitzschnelle Weise. Neben Franquin findet sich in der Stilistik auch ein wenig Groening, wie Figuren wie Spoon und der hier genüsslich aufs Korn genommene Zack Bauer zeigen.

Ein weiteres Feuerwerk: Manhattan ist in großer Gefahr. Die beiden Chaoten-Cops machen ernst. Wenn Bomben, Kanonen und Liebe zusammenkommen, kann alles passieren. Eine Explosion der Lachmuskeln ist die Folge. Wer herrlich schräge Comic-Comedy und Parodie mag, kommt hier voll auf seine Kosten. 🙂

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Dienstag, 21. Februar 2012

Zarla 1 – Die tollkühne Kämpferin

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:53

Zarla 1 - Die tollkühne KämpferinZarla ist eine Waise. Ihre Eltern, einstmals die Bezwinger von Drachen, kehrten vor vielen Jahren aus dem Feld nicht zurück. Aber Zarla ist nicht vollends allein. Ihr Großvater passt auf sie auf. Eine Riesin namens Garda sorgt sich um alle beide. Und dann wäre da noch Hydromel, ein ganz besonderer Hund. Die Gefahren in Zarlas Welt sind überschaubar. Für ein Mädchen, das es sich in den Kopf gesetzt hat, eine Heldin wie ihre Eltern zu werden, ist dies allerdings von Nachteil. So wird jede Chance genutzt, die sich für den Kampf nur bietet. Zarla ist noch sehr jung, ihr Mut jedoch ist viel, viel größer. So würde sie sich in so manche ausweglose Situation begeben, wäre da nicht Hydromel. Denn Hydromel hat ein kleines Geheimnis, das sein Frauchen nicht kennen darf, aber die Besorgnis über Zarlas Ausflüge bei Großvater und Garda mildert.

Eine neue Heldin ist im Land: Szenarist Janssens schließt sich mit dem Entwurf dieser Fantasy-Welt Autoren wie Jeff Smith (Bone) an, die den oft düsteren Weltenbeschreibungen und Abenteuern eine heitere und bisweilen absurd komische Note abgewinnen können. Die tollkühne Kämpferin, für die sich Zarla hält, ist letztlich ein kleines Mädchen, der ein herzensguter und sehr starker Dragon-Bull, ein Drachen-Jagdhund, zur Seite steht.

Situationskomik pur: Elegant erzählt Janssens von den Begebenheiten, in die Zarla mit großem Anlauf hineinstolpert, im Vertrauen auf ihre Fähigkeiten, nicht wissend, dass der vermeintlich alte Hund im Hintergrund der eigentliche Kämpfer ist. Wenn aus dem boxerähnlichen Hund eine rothäutige Kriegerkreatur mit Reißzähnen wird, die sich trefflich im bewaffneten Kampf auskennt, haben viele Feinde nicht einmal mehr genügend Zeit zur Flucht. Das ist von putzigem Humor. Guilhem greift diese Stimmung auf und kreiert eine Zarla, die mit Kulleraugen und kleinen blonden Zöpfen den Feinden entgegentritt.

Ideenreichtum und Anspielungen: Ob es nun Geistergeschichten sind, die die junge Heldin anlocken oder brutale Wegelagerer in Form von Alafanten, die Klischees des Genres werden genüsslich aufs Korn genommen. Manches nehmen Janssens und Guilhemo auseinander, manches sind kleine Verbeugungen vor Romanen, Filmen oder auch Computerspielen. In den Zeichnungen, in denen sich der Stil aus dem Hause Disney findet, Einflüsse eines Albert Uderzo (aus der Zeit, als er noch Umpah-Pah und Pitt Pistol zeichnete) und die Knuffigkeit des Comics von Jeff Smith, brilliert Guilhem mit vielen Kleinigkeiten am Rande.

Ist es der Reiter auf einem Pfau, der Oger und seine sprechende Fledermaus, Hyperosse, Feen, natürlich Drachen, die hier eine immens wichtige Rolle spielen oder sind es die Einzelheiten einer mittelalterlichen Welt, die sich in Zarla zu einem sehr unterhaltsamen, gefälligen Gesamtbild zusammenfügen? Starke, präzise Außenlinien meißeln die Figuren in ebensolch präzisen Haltungen. Mimiken sind treffgenau gezeichnet, manchmal unterstützt durch Details der jeweiligen Kreatur, wie sich am Beispiel der Alafanten mit ihren gefiederten Ohren sehr schön sehen lässt.

In Zarla findet sich eine Atmosphäre, wie sie auch in einem Taran und der Zauberkessel zum Tragen kam: So gibt es durchaus gruselige Momente. Die Farbgebung von Cesano ist kräftig, kontrastreich und stützt den Zeichentrickeindruck der einzelnen Szenen. Die Qualität des Titelbildes ist jener der Innenseiten gleichzusetzen.

Ein guter Anfang: Ein komischer, ein sehr schön erzählter Comic, mit vielen feinen Einfällen, zum Schmunzeln und zum Lachen, eine Fantasy-Komödie mit Potential, die nicht zuletzt durch das Gespann Zarla und Hydromel aus der Masse hervorsticht. Mehr davon! 🙂

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Thorgal 2 – Die Insel des ewigen Frosts

Filed under: Mystery — Michael um 15:07

Thorgal 2 - Die Insel des ewigen FrostsThorgal hat sich den Respekt innerhalb der Gemeinschaft der Wikinger erarbeitet. Freunde sind es deshalb noch lange nicht. Thorgal hat seine eigene Auffassung von Spaß. Einen Adler mit Pfeilschüssen zu quälen gehört nicht dazu. Als er mit einem gezielten Schuss den Strick durchtrennt, der den Adler gefangen hält und der Raubvogel fliehen kann, festigt Throgal damit nur die Feindschaft zwischen sich und Björn. Doch viel Zeit bleibt den beiden Streithähnen nicht. Kurz darauf wird die kleine Siedlung überfallen und Thorgals Geliebte geraubt.

Jean van Hamme (Largo Winch, XIII) bewegt sich mit Thorgal scheinbar in einer vergangenen Zeit, der großen Epoche der Wikinger, in Wahrheit aber versteht er es geschickt, historische Beschreibungen und Fantasy miteinander zu vermischen. Nach dem dramatischen Auftakt des ersten Bandes herrscht zu Beginn des zweiten Teils Normalität vor. Die Männer amüsieren sich. Während sie sich untereinander zanken, bemerken sie nicht, dass ihre männlichen Qualitäten tatsächlich und ernsthaft gefragt sind. Jean van Hamme lässt die Männer zu spät zum Ort des Geschehens kommen, so bleibt nur eine Verfolgungsjagd, die sich über die gesamte Länge des Abenteuers zieht.

Dem Feind hinterher, gegen die Elemente: In Eis und Schnee, im hohen Norden, erleben die Wikinger eine Gewalt, der sie nichts entgegenzusetzen haben. Die Natur ist stärker. Ihre tödliche Kälte könnte die Männer von der Verfolgung abhalten, wäre der Wagemut nicht in der Lage, sie zum Äußersten zu zwingen. Die Gefahr verliert sich in einem Traum. Jean van Hamme gestattet seiner Handlung die eine oder andere Langsamkeit, einen Aufschub bis zum nächsten Sprint. Eine echte Pause findet sich hier nicht.

Im ewigen Eis hat Jean van Hamme ein Geheimnis versteckt. Grzegorz Rosinski stellt diese neuen Entdeckungen dar und nimmt den Leser mit in eine Konstellation, die leichte Erinnerungen an den Auftakt einer anderen Serie weckt: Storm. Auch hier steht die Lüftung eines Geheimnisses am Anfang. Jean van Hamme führt jedoch eine viel stärkere Vermischung von Fantasy, Historie und Science Fiction herbei. Rosinski nimmt sich Raum für seine Bilder. Die Veränderung im Gegensatz zu neueren Arbeiten ist erkennbar. 1980, bei Erscheinen dieses Bandes, war die Sicht auf die zu Papier gebrachten Abenteuer noch nicht so stilsicher, aber auch lockerer.

Van Hamme achtet in seinen Vorgaben immer noch auf die nötigen Informationen. Ein Fluss innerhalb einer Geschichte wird durch Ersparnis von zu reichhaltigen Details hier herbeigeführt. Werden alle Ereignisse nebeneinander betrachtet wird einem erst bewusst, wie viele (auch für zukünftige Abenteuer) Geheimnisse hier gelüftet wurden. Grzegorz Rosinski malt seine Seiten im Durchschnitt mit fünf, manchmal auch nur drei Bildern. Starke, sichere Tuschestriche begrenzen eine einfache Kolorierung. Der Gesamteindruck ist im Vergleich zu neueren Veröffentlichungen noch etwas klobiger, ohne den Begriff negativ zu meinen. Mit der Kantigkeit seiner Figuren findet er sich stilistisch neben Zeichnern wie Jean Graton (Michel Vaillant) oder Philippe Francq (Largo Winch) wieder.

Es beginnt wie ein normales historisches Abenteuer und mündet in eine große Überraschung: Jean van Hamme legt mit dem Abschluss dieses Abenteuers den Grundstein für die folgende Richtung der Serie. Klassisches Artwork von Grzegorz Rosinski setzt den Serienauftakt, der hier erst abgeschlossen ist, packend in Szene. 🙂

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Freitag, 17. Februar 2012

Gipsy 2 – Sibirische Feuer

Filed under: SciFi — Michael um 17:36

Gipsy 2- Sibirische FeuerEs ist schwer sich zu erinnern, sofern man die Erinnerung viele Jahre verdrängt hat. Für den Gipsy, der einen bestimmten Punkt in seiner Vergangenheit gerne vergessen hätte, kommt die Aufforderung seiner Schwester, sich mit dem Tod der Eltern noch einmal zu beschäftigen, zur Unzeit. Außerdem ist es einer der Momente, in denen er sich eingestehen muss, dass er doch nicht so abgrundtief kalt und durchtrieben ist, wie er immer jeden glauben machen will. Die Wirkung dieser Erinnerung ist auch nach zwölf Jahren immer noch vorhanden. Abgesehen davon passen Sentimentalitäten im Augenblick überhaupt nicht. Draußen, außerhalb der schützenden Wände des Lastwagens, der sich durch die Eiswüste quält, rüsten sich die Mongolen zum Kampf gegen die russischen Unterdrücker. Zwischen diesen zwei Streithähnen gibt es keinen lachenden Dritten. Da ist man nur im Weg.

Zigansk: Ein Verkehrsknotenpunkt im Nirgendwo, inmitten einer meterdicken Schneedecke und andauernden Eisstürmen. Hier ist die Mannschaft auf die Versorgung von außen angewiesen. Andere, Reisende, Gestrandete müssen sich auf den guten Willen des Personals verlassen. Der Befehlshaber macht keinen Hehl daraus, dass Mitleid ein Fremdwort für ihn ist. Zuerst kommen seine Männer, dann erst der Rest. In dieser von Thierry Smolderen geschilderten Welt bezeichnet Zigansk Knotenpunkt in einer Wegstrecke, die sich in der Nordhälfte der Erdkugel um den gesamten Globus windet. Die sogenannte C3C ist ein unermesslicher Wirtschaftsfaktor und entsprechend heiß umkämpft.

Neben dieser Gesamtbeschreibung, die im Hintergrund steht und durch Intrigen immer wieder durchblitzt, ein wenig Sex and Crime stehen für den Gipsy und seine Schwester der pure Überlebenskampf im Vordergrund. Im zweiten Teil der sechsteiligen Saga um den Lastwagenfahrer und Tausendsassa, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist, skizziert Smolderen einen Helden, der so eiskalt ist wie seine Widersacher. Nur eine Schwäche macht ihm fortwährend zu schaffen und erweist sich als hinderlich, das gewohnte Leben fortzuführen: seine Schwester.

Enrico Marini, mit völlig unterschiedlicher Thematik auch mit Die Adler Roms derzeit am Markt vertreten, zeigt in der Fortsetzung von Gipsy mit dem Untertitel Sibirische Nächte weitere seiner grafischen Stärken. In dieser bereits seit einigen Jahren auf dem französischen Sektor vorliegenden Publikation arbeitet er noch etwas manga-orientiert, aber mit starkem realistischen Einschlag. Er kann aber anhand der Bilder, einiger Überzeichnungen auch, nicht leugnen, dass er den Spaß an der spannenden, mitunter auch grotesken Handlung hatte. Die Landschaft ist besonders düster, die Frauen besonders erotisch, die Halunken extrem widerwärtig. Die blaue Lebensfeindlichkeit des allgegenwärtigen Schnees und Eises konkurriert mit den riesigen Feuern nach Überfällen, auch den geschwärzten der Getöteten.

Das Titelbild gibt bereits einen guten Eindruck von der Härte der Geschichte, die hier abgebildet ist und durchaus eine Art Mad Max im ewigen Eis ist. Für den Gipsy und seine Schwester ist die gesamte Reise ein einziger Überlebenskampf. Der Höhepunkt schließlich dürfte die Sequenz in der Gefangenschaft der Mongolen sein, in der eine aufgeregte Herde Mammuts ein optisches Sahnehäubchen darstellt.

Für Freunde sehr actionlastiger, grafisch sehr gut gestalteter Science Fiction sicherlich einen Blick wert. Wer bereits Werke von Enrico Marini kennt und mag, sollte dem grafischen Perfektionisten auch hier eine Chance geben. 🙂

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Canardo 20 – Entspiel

Filed under: Thriller — Michael um 10:14

Canardo 20 - EntspielGarenni soll auf einen Kollegen geschossen haben: Für einen Mann wie den Kommissar eigentlich eine undenkbare Tat. Doch Garenni war vor Ort, allerdings auch sturzbetrunken. Er kann sich an nichts mehr erinnern. So ist die Tat, die ihm angelastet wird, für ihn umso furchtbarer. Ein Fall für Canardo, denn Frau Garenni will ihren Mann nicht an den Pranger gestellt sehen. Sie weiß es, Canardo weiß es, eigentlich muss es jeder wissen, der Garenni einmal kennengelernt hat, dass der Kommissar mit den Hasenohren zu einer solchen Tat nicht fähig ist. Nicht einmal unter Alkoholeinfluss. Und so macht sich Canardo ans Werk und sticht in ein Wespennest.

Ein guter Erpel: Der private Ermittler mit dem müden Blick und der doch sehr pessimistischen Lebenseinstellung hat unter seiner sehr rauen Schale einen weichen Kern, der ihn empfänglich macht für den Schmerz seiner Freunde. Diese sind nicht sehr zahlreich. Kommissar Garenni, der über eine weiche Schale verfügt und einen weichen Kern, der darüber hinaus daheim ein Pantoffelheld ist, darf als solcher Freund bezeichnet werden. Canardo selbst unterstreicht diese Tatsache mit Nachdruck. Sokal, in Zusammenarbeit mit Pascal Regnauld, schickt seinen Canardo in der 20. Ausgabe mit dem Titel Entspiel mitten hinein in den Sumpf aus Korruption und Habgier, die in der Polizei von Belgien in der Welt von Canardo regieren.

Armer Garenni: Zu gut für diese Comic-Welt. Sokal lässt den Polizisten, der längst an sich, an der Polizei, seinem Job, seinem Leben, einfach allem zweifelt, in eine typische, aber bei weitem nicht alltägliche Polizeisituation tappen. Ein Bankraub wird zu einem Fiasko und zu Garennis ganz persönlicher Tragödie. Der erste Abschnitt ist sehr krimiklassisch. Sicherlich blitzt in der Ausgangssituation der schwarze Humor von Sokal durch, sein Mitleid für diesen Polizisten ist eindeutig größer. Stellvertretend für den Autor darf Canardo dieses Mitleid äußern.

Garenni ist ein armer Tropf. Ein mittelmäßiger Polizist, aber herzensgut.

Canardo reiht sich ein in die klassischen Vorgänger der Detektive: Sam Spade, Mike Hammer oder auch Shaft. Es gibt keine Regeln, außer sie stammen von ihm selbst. Der Erpel hat von Sokal diesen manchmal müden, manchmal gleichgültigen Blick erhalten, der schon alles gesehen hat oder gesehen zu haben glaubt. Der Trenchcoat und die Handschuhe komplettieren das klassische wie auch leicht schlampige Erscheinungsbild. Interessant ist das Augenspiel Canardos.

Absolutes Staunen liegt nicht nur im Moment größter Überraschung darin, auch in solchen Situationen, in denen sich ihm eine Frau an den Hals wirft. Auch ein Moment größter Überraschung. Bissige Entschlossenheit findet sich besonders in einer Situation von Lebensgefahr. Sokal lässt Canardo mit entsprechender Kaltblütigkeit agieren. Nur ein toter Feind ist ein guter Feind. In solchen Momenten ist Action angesagt, da hört der Spaß auch auf. Mit breitem Strich werden die Figuren in kameragerechten Posen auf das Papier gebannt. Zeitweilig ist der Leser bis auf die Nasenspitze heran. Bei Schießereien wird gnädiger Abstand gehalten, doch ähnlich wie in Action-Filmen werden dem Leser auch hier Resultate gezeigt. Bei allem schwarzen Humor ist Canardo auch (oder trotzdem, eine Frage der Sichtweise) ein Krimi.

Der bewusste Comic-Look, die Arbeit mit Tiercharakteren, steht nicht nur der sehr erwachsenen Handlung gegenüber. Neben der düsteren Sichtweise auf eine Gesellschaft legt Sokal auch eine große Portion Pessimismus in seine Figuren hinein. Darüber hinaus scheut er das Fabulieren: Ein Schwein ist hier nicht automatisch ein Schwein. Welcher Charakter sich hinter welchem Tier verbirgt, muss der Leser selbst herausfinden. Am Beispiel von Frau Garenni wird deutlich, dass nicht hinter jedem Hasen auch automatisch ein Hasenfuß steht.

Dunkel, düster, Canardo: Das Comic-Universum des privaten Ermittlers bringt manchmal einen guten Charakter hervor. Grund genug für Canardo für diesen ins Feld zu ziehen. Etwas härter, etwas krimilastiger als bisherige Geschichten. 🙂

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Dienstag, 14. Februar 2012

Die Adler Roms 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:48

Die Adler Roms 3Einige Stämme können sich mit der Anwesenheit der Römer in ihrem Land anfreunden, wissen sie doch wirklich die mitgebrachte Zivilisation zu schätzen. Andere Männer, Stämme sehen nur das Schwert, das sie unterdrückt und ihnen seinen Willen aufzwingen will. Doch ein Aufstand wäre fatal. Es könnte nur gelingen, wenn sich die Stämme vereinen und ihre Zwiste untereinander beilegen. Die Römer wissen um die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der germanischen Völker und wähnen sich in dieser Hinsicht sicher. Außerdem können die Barbaren kaum gegen römische Kriegskunst bestehen. Doch was würde geschehen, gelänge es einem Mann genau diese Qualitäten mitzubringen? Ein Verräter? Ein Überläufer? Könnte dieser Mann sich an die Spitze der Stämme stellen?

Enrico Marini hebt die Freundschaft von Arminius und Marcus auf eine neue Stufe. Können der Römer und der Germane in diesen Zeiten einander überhaupt die Treue halten? Oder waren ihre Bande von jeher zum Zerreißen bestimmt? Der Leser findet sich fernab von Rom in Germanien wieder. Die römische Zivilisation ist hier nur punktuell vorzufinden. Selbst die befriedeten Stämme können noch zur Gefahr werden. Kurz: Die römischen Legionen stehen auf verlorenen Posten. Wer nach Germanien an die Grenzen des Reiches abkommandiert worden ist, der hat im Sinne des Imperators Augustus einen Fehler begangen.

Marcus in Ungnade gefallen? Rom ist in dieser Hemisphäre ein Schlangennest aus Intrigen, Missgunst und Verschlagenheit. Enrico Marini breitet ein vielfältiges Bild Roms vor dem Leser aus. Es gibt jene, die Rom missbrauchen, die Zivilisation herabwirtschaften. Es gibt jene in den eroberten Gebieten, die der römischen Zivilisation ehrlich bewundernd gegenüberstehen. Aber letztlich zählt in einer rauen, schlammigen Umgebung, inmitten von düstergrauen Wäldern nur eines: die militärische Macht Roms, die durch die gut ausgerüsteten Legionäre gewährleistet wird. Leider fehlt es den Waffenträgern an Disziplin.

An dieser Stelle setzt Marini an. Abseits des Schlangennestes versucht Marcus aus den heruntergekommenen Männern wieder Soldaten zu machen, während sein alter Freund Arminius, endlich wieder im Land seiner Väter angelangt, alles unternimmt, um die Wehrhaftigkeit der Römer zu untergraben. In einer grafischen Pompösität, in der die Qualität des Titelbildes den Bildern im Innenteil entspricht, erwacht hier ein Teil römischer Geschichte in einer fiktiven Erzählung zum Leben, die sonst seltener Eingang in Romane, Filme und noch weniger in Comics findet.

Aquarellartiger Farbauftrag, mal kalt und herbstlich, weniger von wärmenden Feuern erleuchtet, füllt schöne Ansichten römischer Architektur, Mode, auch Kriegstechnik und gibt der germanischen Kultur ein jeweils sehr individuelles Gesicht. Neben all seiner Fertigkeit als vortrefflicher Illustrator (ich mag das Thema einfach sehr und es könnte für mich kaum besser umgesetzt sein) vergisst Marini seine Charaktere nicht. Zwar stehen Marcus und Arminius weiterhin im Mittelpunkt der Erzählung, aber sie müssen die Aufmerksamkeit des Lesers mit einer ganzen Reihe sehr sorgfältig gestalteten Nebenfiguren teilen.

Der gärende Aufstand gegen die römischen Besatzer erfordert eine Vielzahl von Köpfen und eine Reihe von Bündnissen. Ganz nebenbei flechtet Marini die verbotene Liebe von Marcus ein, die vor den übrigen Intrigen aber beinahe untergeht. Insgesamt ist der dritte Teil der Reihe der wohl bisher dichteste, eine Steigerung, die kaum mehr möglich schien.

Seit Gladiator oder Rom sicherlich eine der besten Rom-Geschichten aus einer Zeit, da sich das Imperium vergeblich bemühte den Germanen den römischen Frieden zu bringen. Marini vermischt Fiktion und Historie in einer tollen Erzählung und mit einer phantastischen Grafik. 🙂

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Donnerstag, 09. Februar 2012

Johann und Pfiffikus 2

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 18:31

Johann und Pfiffikus 2 - Hexerei und ZaubersprücheDer verletzte Mann erwacht in der sicheren Obhut von Johann und Pfiffikus im Schloss. Obwohl ihn die Kopfverletzung noch schwächt, hat er nichts als seine Pflichterfüllung im Kopf. Er hätte längst wieder bei seinem Meister sein sollen, der sehnsüchtig das kostbare Gut erwartet, das der Bote bei sich trägt: Den Stein der Weisen. Weder Johann noch Pfiffikus glauben an solchen Hokuspokus. Als ein Ganove den Stein stehlen will, ist jedoch klar, dass es noch andere gibt, die von der Wirksamkeit des Gegenstands überzeugt sind. Gemeinsam machen sich Freunde auf den Weg zum Empfänger des Kleinods, einem Zauberer, der es vielleicht am besten weiß. Leider fangen damit die Schwierigkeiten erst an.

Die Schlümpfe sind noch nicht da: Vorerst müssen die beiden Helden, Johann und Pfiffikus, der aufrechte Page und der gewitzte kleine Hansdampf, ihre Abenteuer alleine bestreiten. Aber das schaffen sie sehr locker, obwohl ihnen auf und über dem Papier kleine und größere Steine in den Weg gelegt werden. Peyo (bürgerlich: Pierre Culliford) hatte das Glück seine Geschichten alleine zu schreiben und zu gestalten, gänzlich unkontrolliert war nicht. Ein ausführlicher redaktioneller Teil der zweiten Folge der Gesamtausgabe von Johann und Pfiffikus gibt Beispiele der internen Zensur des Verlagshauses.

Eine Folterszene wurde gekürzt dargestellt. Wahrscheinlich auch heute noch eine richtige Entscheidung. Eine Verwandlungsszene eines Bösewichts, eigentlich eine schöne Maskerade und heute sicherlich nicht mehr der Rede wert, fiel der Schere zum Opfer. Aber das sind letztlich Kleinigkeiten. Musste Peyo bei den Kurzgeschichten, die hier abgedruckt sind, noch sehr pointiert arbeiten, zeigt er endlich nach einem vielversprechenden Beginn (nachzulesen im ersten Sammelband) sein ganzes erzählerisches Können.

Der Stein der Weisen, das erste hier abgedruckte albenlange Abenteuer, etabliert die beiden Freunde in aller Kürze, bevor ein ereignisreiche Einleitung sogleich zu einem Auftrag führt, der sich in der Folge als sehr gefährlich herausstellt. Allerdings kennt Peyo auch sein Publikum und flechtet humorvolle Wendungen ein, Verwechslungen, ganz so, wie es in französischen Komödien stets gerne gezeigt wird und bis heute vortrefflich funktioniert.

Herausragender sind die Abenteuer Der Schwur der Wikinger und Die Quelle der Götter. Hier wird deutlich, dass Peyo sich nicht mehr nur mit einem Abenteuer zufrieden geben will, sondern durchaus auch längerfristige Handlungsbögen anstrebt. Aus einer Rettungsmission wird ein Abenteuer zu Lande und zu Wasser, an der Seite von Wikingern. Vergleicht man das Gespann Johann und Pfiffikus mit früheren Duos, so sind die beiden eine Art Dean Martin und Jerry Lewis des Cartoons. Der eine nach heutigen Gesichtspunkten stets beherrscht und smart, der andere etwas tollpatschig, vorlaut und auch albern.

Die Wikinger ermöglichen auch den übergang zur nächsten Handlung. Noch sind die beiden Recken nicht wieder daheim. Nach einem eher handfesten Abenteuer mit wilden Kämpfen und Aktionen wird es nun wieder magischer. Ein ganzes Dorf will von einem Fluch erlöst werden. Peyo musste bei der Erstveröffentlichung in Deutschland auch einen kleinen Eingriff in die Handlung erdulden, die aber nach Auskunft des redaktionellen Teils letztlich in sich geschlossener wirkte als das Original.

Stilistisch perfektioniert: Abgesehen von einer Kurzgeschichte, Heiligabend im Schloss (vermutlich eine deutsche Erstveröffentlichung), ist der Strich ungeheuer präzise geworden. Natürlich sind die Bilder dem Cartoon gemäß sehr schlicht im Aufbau gehalten. Es gibt keine Übermäßigen Details. Peyo beschränkte sich auf das Wichtige einer Erzählung. Die Handlung sollte fließen, nicht aufhalten. Dennoch lohnt es sich sehr, auch bei Bilder zu verweilen, denn gerade der Wechsel von Perspektiven, die Ansichten der überaus gelungenen Figuren, bei deren Gestaltung Peyo offensichtlich immer wieder den Schalk im Nacken hatte, dürfte jedem Cartoon-Freund einen ordentlichen Spaß bereiten. Peyo unterhält einfach mit jeder Seite.

Drei albenlange Abenteuer, mehrere Kurzgeschichten, ein ausführlicher Teil zu Peyos Arbeit sorgen für ein langes Lesevergnügen mit diesen klassischen Cartoons, die jung geblieben sind und durch ihre sorgfältige Gestaltung immer noch vorbildlich sind. 🙂

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Mittwoch, 08. Februar 2012

Das Schwert 2 – Wasser

Filed under: Mystery — Michael um 18:20

Das Schwert 2 - WasserAuf der Flucht: Dara hat ihre Familie verloren. Die offiziellen Stellen glauben nicht an ihre Unschuld. Das Geheimnis des Schwerts droht ihr zu entgleiten. Nur zwei Freunde sind ihr geblieben und diese sind sogar bereit, ihr zu helfen. Andererseits: Welche Wahl bleibt ihnen? Die Polizei machte keinen kooperativen Eindruck. Dara folgen? Das Mädchen will sich an den Mördern ihrer Familie rächen. Ob es eine gute Idee ist, jenen in die Quere zu kommen, die über solche Macht verfügen, dem Schwert im Kampf sogar widerstehen zu können? Allerdings sind sie in der Nähe von Dara noch am besten aufgehoben. Andere Probleme sind viel einfacher. Wie komme ich ohne Geld auf die Bahamas?

In der zweiten Episode schicken die Gebrüder Luna ihre Heldin Dara in einen Weltuntergang aus Wasser. Dara, ein Teenager, der nicht nur die Familie verloren hat, vormals querschnittsgelähmt war und durch das Schwert in ihrem Besitz geheilt wurde, hat eine grobe Spur. Einer der Mörder, Zakros, ist häufiger auf den Bahamas gesehen worden. Joshua Luna und Jonathan Luna zeigen, wie schwer es ist, jemanden zu finden, wenn der Aufenthaltsort nur in einem sehr weiten Radius bekannt ist. Die Chancen stehen für Dara und ihre Freunde Julie und Justin sehr schlecht.

Wie komme ich von A nach B mit begrenzten Geldmitteln? Wie komme ich an Kleidung? Wo schlafe ich? Was esse ich? Die drei Helden wider Willen müssen sich durchschlagen. Ganz nebenbei benutzen die Lunas die neuen, wahren Legenden dieser Welt, um Dara ihren Weg noch mehr zu erschweren. Bevor sie sich einem Halbgott stellen, gilt es normale Piraten zu überwinden, ohne Säbel, dafür mit Schnellfeuergewehren ausgestattet. Das ist weiterhin mit einer lässigen Filmoptik eingefangen. In dieser Phase gehen die beiden Comic-Macher verstärkt auf die Charaktere ein, Helden wie auch Bösewichtern.

Joshua Luna, der hauptsächlich für den Text verantwortlich ist (im Gegenzug seinem Bruder Jonathan Luna den Zeichenstift und die Kolorierung überlässt), lässt Dara und ihre Freunde starrsinnig sein. Er lässt sie auch schwanken, zaudern, nahe am Rand der Verzweiflung, bevor die Bombe platzt und ein fulminantes Finale startet, das sich über zwei Drittel des vorliegendes Bandes erstreckt. Im Vergleich: Würde diese Sequenz verfilmt werden, hätte ein Spezialeffekte-Team sehr, sehr viel Arbeit. Hier wird gekonnt inszeniert und Spannung mit allen Mitteln erzeugt. Darüber hinaus gelingt es Joshua Luna über eine sehr lange Strecke, den Leser über den Ausgang im Ungewissen zu lassen.

Die zarte Optik, schmaler Strich, atmosphärische Farben, aber ohne unechte Übertreibungen, besitzen inzwischen fast einen europäischen Charakter. Man könnte auch sagen: Weniger ist mehr, viel mehr. Bei den Figuren selbst äußern sich individuelle Züge eher durch Merkmale wie Haarschnitte, Farben, Kleidung, weniger durch Gesichtszüge. In verkleinerten Ansichten fällt dergleichen kaum ins Gewicht. In größeren Ansichten, auch Nahaufnamen, produziert Jonathan Luna glasklare Grafiken, die mit einigen Strichen das Gefühlsleben des jeweiligen Charakters bannen. Selbst in der besonders rasanten zweiten Hälfte der Fortsetzung gibt es hierzu reichlich Gelegenheit.

Mit zwei Schauplätzen, wie sie gegensätzlicher kaum sein können, krönen die Lunas den Action-Teil der Handlung, die in eine irrsinnig dramatischen Schluss mündet.

Erzählung: Top! Grafisch: Top! Für alle Freunde von perfekten Fantasy-Abenteuern in urbaner Atmosphäre (wie es so schön heißt), mit gut geschilderten Charakteren, bietet Das Schwert originelle und weiterhin packende Unterhaltung. 🙂

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Dienstag, 07. Februar 2012

Die Einladung

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:53

Die EinladungFreunde: Die meisten Menschen brauchen sie. Nicht jeder kann sicher sein, ob die, die er seine Freunde nennt, auch tatsächlich unter diesen Begriff fallen. Schon gar nicht nachts um 3.00 Uhr. Als das Telefon von Rafael klingelt, liegt er in tiefem Schlaf an der Seite seiner Freundin im Bett. Leo, der sich am anderen Ende der Leitung meldet, hat ein Problem. Er ist mit seinem Auto irgendwo im Nirgendwo liegengeblieben. Ein Freund, der ihm helfen könnte, den Wagen wieder flott zu bekommen oder der ihn wenigstens abholt, wäre jetzt vonnöten. Rafael sträubt sich. Seine Freundin überredet ihn, sich ins Auto zu setzen und zur Hilfe zu eilen. Am Ziel angekommen ergibt sich ein vollkommen anderes Bild. Und Rafael schwankt zwischen Ärger, Frust und Freude.

Jim, Thierry Terrasson oder auch Tehy: Drei Namen, ein Autor. Er brachte dem Leser bisher so unterschiedliche Titel wie YIU oder auch Der Engel und der Drache nahe. Aber auch Sonnenfinsternis stammt von ihm. Und damit kommt der Leser schnell auf die Spur des Genres, das Jim, wie er sich hier nennt, neben Science Fiction und Fantasy noch beherrscht: das menschliche Drama mit all seinen Spielarten. Schon Sonnenfinsternis erzählte von dem Verhältnis einiger Freunde, zusammengedrängt während eines besonderen Ereignisses. Mit Die Einladung geht Jim noch einen Schritt weiter.

Die Geschichte, selbst ohne Erklärung erkennbar als Theaterstück angelegt, benötigt eigentlich nur sechs große Szenen, sechs Akte. Und sie geht nur einer Frage nach: Wer ist dein Freund? Alles andere ergibt sich daraus. Man könnte es eine kleine Geschichte nennen, doch das wäre viel zu kurz gegriffen. Wie in solchen Handlungen nicht unüblich, darf hier besonders zwischen den Zeilen gelesen werden. Zu viel über die Handlung zu verraten, hieße auch, einige schöne Kniffe vorweg zu nehmen. Gesagt sei aber: Sicherlich liefert Jim hier eine seiner menschlichsten Geschichten ab, die Tiefsinn und Lebenserfahrung beweisen. Auch seine Fähigkeit der Erzählung ist hier absolut vorbildlich.

Es sind vergleichsweise junge Leute, die diese Geschichte bereichern, die soeben im Leben angekommen sind, ihren Platz gefunden haben, teilweise wenigstens, dennoch ist die Thematik so leicht erzählt, dass sie von jeder Generation nachvollzogen werden kann. Die Komik und die Tragik funktionieren durch die Grafiken von Dominique Mermoux noch einmal so gut. Für Die Einladung, einer Geschichte, von der ich behaupten möchte, dass sie in diesen Tagen nur aus Frankreich kommen kann, hat Mermoux Schauspieler geschaffen, die ihre Rollen mit großem Können spielen. Mehr noch: Ein Spiel mit der Kamera stützt den Inhalt zwischen den Zeilen. Wenn Rafael beispielhaft in einem szenischen Abschnitt allein auf weiter Flur steht, braucht es eigentlich keine weiteren Worte mehr.

Die Strichführung von Mermoux ist einfach, zerbrechlich, aber arbeitet bei allen Charakteren individuelle Merkmale heraus. Einzelheiten unterstreichen Charaktere. Krumme, vielleicht ehemals gebrochene Nasen. Ein Ghostbusters-T-Shirt. Da die Handlung häufig nachts angesiedelt ist, mit künstlichem Licht und Dämmerung spielt, finden sich hier hauptsächlich mildere Farbkompositionen. Wenn das Licht einmal strahlt, soll es auch als Spot wirken. Fast scheint es, als habe die theatergerechte Erzählung auch bei der optischen Umsetzung wichtigen Einfluss genommen.

Eine sehr menschliche Erzählung, komisch, tragisch, sehr einfühlsam vorgetragen. Jim offenbart mit dieser Geschichte einmal mehr seine große Bandbreite, zeigt, was Comic alles kann. Mit Dominique Mermoux hat er den richtigen Zeichner für dieses echte Szenario gefunden. Wer schon Sonnenfinsternis mochte, wird von dieser Geschichte begeistert sein. 🙂

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