Mittwoch, 09. Januar 2013
Die kriegerische Bande, die über die Tierherde herfällt, tötet die Wollnashörner nur, um an die Hörner zu gelangen. Das für die Menschen kostbare Stück wird abgesägt. Die Kadaver lassen sie in der glühenden Hitze in der Wüste zurück. Noah ist von diesen Menschen angewidert, glaubt nicht mehr an ihre Vernunft. Ein Jungtier ist verletzt zurückgeblieben. Seine Kinder und er bringen es nach Hause. Dort versuchen sie das kleine Nashorn aufzupäppeln. Die Ereignisse des Tages drücken die Stimmung weiter auf einen Tiefpunkt. Nachts träumt Noah davon, wie er in grünen Fluten versinkt und ertrinkt.
Noah wurde von Gott berufen. Eine Arche sollte er bauen. Zur Rettung seiner Familie und der Vielzahl der Tierarten. Denn eine große Flut sollte kommen und die Menschen von der Erde tilgen. Als der liebe Gott noch ein strenger Gott war, die Menschen allzu furchtbar auf der Erde wüteten, erkannte der Weltenschöpfer, wie wenig diese Menschen noch mit dem gemein hatten, was ursprünglich von ihm beabsichtigt worden war. Der freie Wille des Menschen hatte ins unbarmherzige Chaos geführt.
Darren Aronofsky hat zusammen mit Ari Handel eine Comic-Umsetzung dieser biblischen Legende auf den Weg gebracht. Aronofsky, bekannt geworden als Regisseur der Filme Black Swan und The Wrestler wird in der filmischen Umsetzung der Geschichte von NOAH wieder Regie führen. Russell Crowe übernimmt die Titelrolle. Außerdem treten illustre Schauspieler wie Anthony Hopkins, Emma Watson und Jennifer Connelly an seiner Seite auf. Wer nun erwartet, eine sehr bibelfeste Umsetzung des Stoffes allein in der Comic-Umsetzung zu sehen, wird gewaltig getäuscht.
Fast allein gegen alle. Gegen andere Menschen, die eine andere Mentalität besitzen. Gegen die Natur, die nur noch Trockenheit zu bieten hat. Gegen die Hoffnungslosigkeit und das Gefühl der Einsamkeit. Visionen von Regen schüren den befürchteten Wahnsinn. Niko Henrichon, der hierzulande sehr positiv mit dem Comic Die Löwen von Bagdad aufgefallen ist, gestaltet Noah als Raubein und Familienvater. Er sieht aus wie Kämpfer, hält sich aber aus den Kriegen und dem Verderben heraus. Der Strich ist kräftig, mehr Bleistift als Tusche. Die Kolorierung, auch von Niko Henrichon übernommen, ist stets atmosphärisch, einem Thema folgend und mit einer Grundtönung versehen.
So steht das trockene, gleißende Rot der unbarmherzigen Sonne gegen das Grünblau aus Noahs Visionen, in denen sich alles umzukehren scheint. Zunächst sind es nur kurze Augenblicke, die immer länger andauern, immer offensichtlicher auf ein Ziel weisen. Doch verheißen die Bilder keinen Trost, nur das absolute Ende. Unter der Sonne töten die Menschen, schlachten, verbrennen, wo es nur möglich ist. Niemand stellt sich ihnen entgegen. Nicht mehr. Im Umschwung der Geschichte keimt weniger die Hoffnung. Nur eine Flucht verspricht das Heil und neue Freunde sind schwer zu gewinnen.
Darren Aronofsky und Ari Handel wagen den Rückblick, hin zum Paradies, als die Unschuld verloren ging und Adam und Eva der Heimat den Rücken kehren mussten. Mitleid brachte Unheil. Denn nicht Gott hatte Mitleid, sondern einige Engel, die beschlossen, dem Menschengeschlecht zu helfen. Von Gottes Geschöpf zu Gottes Geschöpf. Aber der Mensch nutzte die Lehre der im Himmel geschaffenen und nun auf der Erde gestrandeten Engel zum Bösen. Schließlich wendete er sich sogar gegen seine Lehrer. Niko Henrichon zeichnet immer apokalyptischere Bilder.
Die Vergangenheit hat sich in die Gegenwart hinübergerettet und hält sich nun versteckt, hat jedoch ihren Hass bewahrt. Hier findet eine Wende zur Fantasy statt, die in biblischen Beschreibungen sicherlich zu finden ist. Allerdings gehen die beiden Autoren noch einen Schritt weiter, fertigen einen eigenen Teil an, der begründet, wie Noah seine Mammutaufgabe überhaupt bewältigen konnte.
Tolle Bilder eines vorzeitlichen Weltuntergangs, spannend erzählt, obwohl der grundsätzliche Inhalt bekannt ist. Die Autoren wie auch der sehr versierte Niko Henrichon, Zeichner und Kolorist, gewinnen dem Thema viele neue Seiten ab, spannende und auch erschütternde Seiten. Ein düsterer Auftakt. 🙂
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Link: Homepage von Niko Henrichon
Dienstag, 08. Januar 2013
Herr November, äußerlich ein Geistlicher, ist mit allen Wassern gewaschen und Theodor Pussel keinesfalls wohlgesinnt. Allerdings vermeidet er es auch, allzu aktiv einzugreifen. Er taktiert, intrigiert hinter den Kulissen, tötet auch, schiebt diese Leichen aber gerne anderen in die Schuhe. Theodor Pussel ist diesem Gegner zuerst nicht gewachsen. Einschätzen kann er diesen merkwürdigen Mann ebenfalls lange Zeit nicht. Doch es kommt die Zeit, da Pussel derart mit Überleben beschäftigt sein wird, so dass der geheimnisvolle Herr November noch das kleinste Problem ist.
Einmal um die ganze Welt: Theodor Pussel träumt vom Reisen, den Weltmeeren, den damit verbundenen Abenteuern. Schnee, Sturm und Regen verabschieden Theodor an den alten Gestaden. Die künftige Aufregung ist ernüchternd. Eine unheimliche Bedrohung reist bereits sehr früh mit, doch Theodor Pussel kann den Grund dafür nicht erkennen. In vier Abenteuern, die sich qualitativ kontinuierlich steigern, erobert die Comic-Figur von Frank Le Gall ihre neue Welt.
Der erste Band, Das Geheimnis des Kapitän Stien, wirkt noch sehr intutiv, auch, als beobachte der Autor und Zeichner in Personalunion seine Figur dabei, wie sie den Auftakt ihres Comic-Lebens meistert. Und so zeichnet Theodor Pussel sogleich eine gewisse behütete Naivität aus. Er tritt der Gefahr, die am anderen Ende der Welt droht, mit jungenhaftem Lächeln entgegen, harmlos ausschauend wie ein Buchhalter, wenigen Haaren und großer runder Brille. Bedrohlich scheint auch die Neuzeit hier zu sein, die in der alten Welt schon stattfindet, Asien aber noch nicht richtig erreicht hat. Ein Leben gilt hier nicht viel, Piraten machen der Seefahrt furchtbare Schwierigkeiten.
In Band 2, Mission Aru-el-Kader, besitzen die Zeichnungen noch einen nostalgischen Schmiss, aber auch eine Strichführung, die nie unmodern wird, wie andere Comic-Künstler wie Didier Conrad (Die weiße Tigerin) gerne beweisen. Dennoch sind hier bereits Veränderungen zu beobachten. Stilistisch sind die Grafiken gefestigter, die jeweiligen Figuren, die dem Leser häufiger begegnen werden, haben zunächst zu ihrer Form gefunden. Vollständig stellt sich diese aber erst in den folgenden beiden Bänden, Das Schicksal der Maria Verita und George Towns Geheimnis, ein.
Die Strichführung wird schlussendlich exakter, Theodor Pussel wird rundlicher, so wie die gesamte Handlung deutlich an Format und Richtung gewinnt. An Band 3 ist Yann am Szenario beteiligt. Es wird ernsthafter, dunkler und eilt in die Richtung anderer Erzähler, eines Jack London (Ein Sohn derSonne) etwa, oder eines Hugo Pratt. Aber Theodor Pussel ist auch abgeklärter, er ist kein grüner Junge mehr. Das Schicksal der Maria Verita spielt nicht nur mit den Gefahren jener Gewässer, mit Banditen und Gaunern, es bringt auch den Wahnsinn mit ein, der so abgelegen vom Rest der Welt wunderbar gedeihen kann.
Mit George Towns Geheimnis ist Theodor Pussel in seiner Geschichte endgültig erwachsen geworden. Er prügelt sich mit Piraten und begegnet aufrecht, Auge in Auge und wird schließlich der Sekretär eines Piratenkapitäns. Theodor Pussel ist nun ein waschechter Abenteurer und will eigentlich doch nur nach Hause, nach Dünkirchen. Von 1927 bis 1930 erstreckt sich der Zeitrahmen, den Frank Le Gall mit seinen vier erzählten Abenteuern abdeckt. Das Traumwandlerische, das leicht Märchenhafte, setzt sich Theodor Pussel (im Original: Theodore Pussin) deutlich von anderen, auch aktuellen Abenteuerreihen mit sehr origeneller Eigenständigkeit ab.
Die Abenteuer von einem, der auszog nicht nur das Fürchten zu lernen. Theodor Pussel reist um den halben Globus, weit entfernt von zu Hause wird er erwachsen, gerät unter die Wölfe der Meere, in beinahe literarische Sphären, von eigenständigem Zeichenstil geprägt. Das ist abseits der gängigen Kost, spannend, aber auch bedächtig erzählt. Gut. 🙂
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Sonntag, 06. Januar 2013
Seamus steht vor seiner letzten Prüfung, die ihn endgültig zu einem Ritter der Vergebung machen wird. Falls er die Prüfung besteht. Falls er sie nämlich nicht besteht, wird er sich über sein künftiges Leben keinerlei Gedanken mehr machen müssen. Nur eine bestandene Prüfung wird ihn überleben lassen. Drei Kelche warten auf den Novizen. Nur einer verspricht die richtige Wahl zu sein. Diejenigen, die bereits erfolgreich die Prüfung abgelegt haben, können wie der Novize auch nicht vorhersagen, wie das Ergebnis aussehen wird. Seamus wählt einen Becher und trinkt. Die Hoffnung eines Ritters begleitet ihn. Ein anderer wiederum zeigt sich mehr über den Schreckensschrei des Novizen erfreut. Doch Seamus überlebt.
Es ist eine Zeit der Prüfungen und Begegnungen. Nicht nur die Guten haben ihre Aufgaben zu bestreiten, auch die Bösen werden gestestet. Der Guinea Lord, Werkzeug der Morrigans, der Hexen dieser Welt, sieht sich mit seiner Meisterin einer Macht gegenüber, der selbst er sich beugen muss. Jean Dufaux greift als Autor tief in die Kiste der Mythen und Legenden, länderspezifischer Eigenarten und zitiert auch mitunter, vergleicht und nutzt als Erzähler schlicht jeden Kniff zur Spannungssteigerung und Beschleunigung des Leseflusses. Der wird allerdings durch die hohe Kunstfertigkeit von Philippe Delaby gebremst, denn seine Bilder wollen einfach länger betrachtet werden. Spannung hin oder her.
Philippe Delaby kann mit einigen großartigen Kulissen aufwarten. Theatralisch wirken sie alle, aber nicht unecht. Vom Sturm umtoste Küsten, mit wildem Wellengang und Klippen, die wie Zähne aus dem Strand ragen. Blitze, bei deren Anblick sich sogleich der Donner im Ohr einstellt. Eine wunderbar stimmige Naturdarstellung wechselt sich mit feiner mittelalterlicher Architektur ab, wie es der Leser einer Fantasy-Handlung erwarten darf. Auffälliger sind natürlich immer noch die Charaktere, die Delaby teils sehr menschlich und menschenähnlich gestaltet, sowie die Monstren, die mit sehr schönem grauenhaften Aussehen die jeweilige Szene an sich reißen.
Die Mater Obscura, Herrin über den Guinea Lord, ist zu vielerlei Gestalt fähig. Eine davon darf der Leser gleich auf einem der schönsten Titelbilder der letzten Jahre bestaunen. Eine realistische Malefiz-Variante wechselt sich ab mit einem schlangenartigen Wesen, eindeutig weiblich, vielfüßig schlängelnd und wie eine Götzengestalt anmutend. Eindeutig mehr an klassischen Rollenspielen orientiert ist der Braghen. Hier fließen Orks, Trolle und Oger in einer übermächtigen Gestalt zusammen. Nackt, nur aus Muskeln bestehend, mit einem abstoßenden Kopf und mit einer Keule bewehrt, offenbart seine ungebremste Attacke die ganze menschliche Hilflosigkeit angesichts einer solchen Urgewalt.
Philippe Delaby zeichnet seine Menschen, als seien Gemälde alter Meister Vorbild gewesen. Sicherlich gibt es solche Menschen, wie sie der Museumsbesucher auf großformatigen Leinwänden bestaunen kann, doch sind es gerade künstlerisch herbeigeführte Lichter und Schatten, eine besondere Ausleuchtung, ein Arrangement, träumerischer Glanz, der diese Bilder der Wirklichkeit ein Stück entrückt. Ähnlich verhält es sich mit den Zeichnungen von Delaby. Er gibt die Haltung vor, den Ausdruck, für das im wahrsten Sinne des Wortes bezaubernde Licht sorgt Berengere Marquebreucq eindrucksvoll und (kino)leinwandtauglich.
Ein grafisch eindrucksvoller dritter Band des Vierteilers, eine starke Fantasy-Geschichte, mit deutlichem Ausschlag hin zum (düsteren) Märchen, packend von Anfang bis Ende. Die Kenntnis der bisherigen Handlung ist allerdings Pflicht. 🙂
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Donnerstag, 03. Januar 2013
Die Liebe kann einem Menschen gefährlich werden. Ein Mann lernt eine Frau kennen, viel jünger als er selbst und er verliebt sich Hals über Kopf in sie. Sie ist jung, intelligent, berechnend, aber vielleicht hätte alles gut ausgehen können. Vielleicht. Jahre später, der Mann ist ergraut, beleibter als früher, mit lichtem Haar, wartet ein Tribunal aus Wirtschaftsmanagern. Es wurden Gelder veruntreut, Reichtümer im Geheimen angehäuft. Der Mann war zu schwach. Er sieht sich vor den Scherben, nein, dem Trümmerhaufen seines Lebens. Einen Ausweg gibt es nicht mehr. Keinen Ausweg? Doch, einen gibt es noch.
Es wäre zu leicht zu behaupten, Frauen würden Largo Winch nur Freude oder Schwierigkeiten bereiten, Fakt ist jedoch, dass der Held aus der Feder von Jean Van Hamme es in dieser Ausgabe mit einer wahrhaft gemeingefährlichen Feindin zu tun hat, die über die Möglichkeiten verfügt, Largo Winch endgültig zu vernichten. Autor Jean Van Hamme wäre nicht derartig erfolgreich, schickte er seinen Hauptdarsteller nicht beständig in schier aussichtslose Situationen. Aus Largos Gegnerin hat er einen fast bond-typischen Feind kreiert, eine verschmähte Frau, die einen lang gehegten Plan über Jahrzehnte bis zu einem furchtbaren Finale verfolgt.
In der Vergangenheit erfährt der langjährige Larga-Winch-Fan Neuigkeiten aus dem Privatleben von Nerio Winch, jenem nicht minder geheimnisvollen Mann, der aus Largo einen der reichsten Männer der Welt schuf. Jean Van Hamme berichtet aus einer zuweilen gruseligen Welt der Megareichen, in der sich nicht nur für Geld alles kaufen lässt, sondern beinahe jeder sich auch für Geld verkauft. So beginnt das Drama, die Tragödie, an deren Anfang eine junge Frau steht, die große Augen für ihr Umfeld hat und mit ihrem Körper eine Chance zu ergreifen glaubt. Aus der Enttäuschung erwächst ein schier bodenloser Hass und damit: WEISSGLUT.
Jean Van Hamme ist ein Vergleich mit der Welt eines der bekanntesten Geheimagenten wohl bewusst, setzt er doch in einer Schlüsselszene, die auch optisch daran erinnert, selbst entsprechende Anspielungen ein. Gleichzeitig aber ist dieser Largo Winch schon lange einer, in dessen Richtung sich der aktuelle Bond entwickelt hat: menschlich. Diesem Largo Winch kann etwas passieren, persönlich wie auch durch Verluste. Das Titelbild gibt einen Hinweis.
Neben der Beschäftigung mit der Auflösung des Gesamträtsels, einer kleiner, sehr humorigen Nebenhandlung, in der das schlimmste Schicksal darin besteht, geheiratet zu werden, wartet die Geschichte, deren Auftakt in Schwarzmeer, Band 17, zu finden war, mit einem großartigen Showdown auf. Philippe Francq war bisher oft vor die Aufgabe gestellt, leinwandwürdige Szenen zu Papier zu bringen. Akribisch geht er auch diesmal zu Werke und kann mit einer ganz besonderen, besser gesagt, ganz besonders großen Kulisse umgehen. Das besitzt in den ruhigeren Momenten vernsche Augenblicke, sehr maritim. Als es schließlich kracht ist das schlichtweg Action-Kino im besten Sinne.
In weiteren Sequenzen, eigentlich nicht weniger gefährlichen, zumindest sind tödliche Konsequenzen denkbar, wächst Silky, Largos Pilotin, kurz über sich hinaus. Diese Situation ist selbst für einen Largo Winch absolut außergewöhnlich, dabei hat er während seiner Abenteuer wahrlich einiges erlebt. Aber es ist auch eine Situation, die bei aller optischen Dramatik, mit einem Augenzwinkern erzählt wird. In weiteren Seitenarmen der Handlung fehlt jegliche Komik. Einzig steht das menschliche Drama im Vordergrund, auch theatralisch vorgetragen, bühnenartig, dafür aber nicht weniger erschütternd.
Darüber hinaus darf der Leser auch neue Seiten an Figuren entdecken. Miss Pennywinkle sei hier genannt, ohne damit zu viel zu verraten. Doch ist ihr Einsatz wieder für ein Schmunzeln gut, denn man darf ihre Szene selbst neben den abenteuerlichen Verhältnissen im vorliegenden Band als sehr bondoesk bezeichnen.
Was soll man sagen? Jean Van Hamme kann es einfach. Zusammen mit seinem Zeichner Philippe Francq wird die Qualität, die Spannung der Abenteuer und Thriller nahtlos hoch gehalten. Dank eines weltweiten Schauplatzes und Charakterweiterentwicklungen sind immer wieder Überraschungen garantiert. Ein sehr guter Handlungsabschluss mit fesselndem Finale. 🙂
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Dienstag, 01. Januar 2013
Nicht nur pure Kleidung, auch Verkleidung ist in dieser Mode angesagt. Jedes kleine Detail zählt, jeder Stoff, jede Farbe, zuunterst wie auch an der Oberfläche. Reize werden wie ein buntes Bonbon anschaulich verpackt. Verspielt anziehend. Bertille hat schnell gelernt, wie sie ihren Stan verführen kann. Obwohl Stan auch abgelenkt ist und sich ein anderes Gesicht zuweilen vor das ihre legt. Ebenfalls verführerisch, weitaus geheimnisvoller: Sasmira. So lange Stan noch rätselt entgeht ihm die Gefahr, die gleichfalls in der Gegenwart dieser undurchschaubaren jungen Frau lauert.
Eine Zeitenwende, zwischen Klassik und Moderne, zwischen Romantik und technischem Aufbruch. Noch ist die Mode verspielt, sind die Kleider eng, doch fahren bereits die Automobile und fliegen die ersten Flugzeuge. Die Welt verändert sich. Auch die für die beiden Zeitreisenden des ersten Teils. Ausblicke in eine ferne Zukunft, selbst mit der Euphorie dieser Tage sind immer noch Science Fiction und werden belächelt und bespöttelt. Stanislas, Stan, entzieht sich diesen gesellschaftlichen Themen. Für ihn steht immer noch Sasmira im Mittelpunkt, die junge Frau, deren Geheimnis er noch nicht ergründen konnte. Noch nicht.
Laurent Vicomte setzt seine mysteriöse Geschichte mit großer Finesse und Einfühlungsvermögen fort. Gegensätze und Übereinstimmungen der beiden hauptsächlich handelnden Frauen werden herausgestellt. Die Titel gebende Sasmira ist voller Neugier, begeistert ihr Umfeld, auch mit einer gewissen Erotik, streckt die Arme geradezu nach der Zukunft aus. Mit Bertille, der jungen Frau aus eben dieser Zukunft, gibt es Überschneidungen in der Art das Leben zu genießen, anzunehmen, zu erforschen, aber während Sasmira sich nach vor treiben lässt, blickt Bertille gerne zurück in diese Vergangenheit, die Langsamkeit, Lebensfreude und sicherlich einer Spur bourgeoiser Lebensfremdheit. Hier gibt es mehr Traum als Realität.
Stan zerschlägt gleich zu Beginn alle Spiegel und somit auch die Eitelkeit dieser um sich selbst drehenden Gesellschaft irgendwo auf dem französischem Land. Schließlich wird auch das Gift dieser scheinbar isolierten Gruppe sichtbar. Auch Eifersucht gehört dazu, aber die Liebe stellt sich ihr entgegen. Sasmira wird enttarnt, charakterlich, ihre Herkunft ans Licht gezogen. Diese ist weitaus fantastischer, als man es sich auszumalen wagte.
Grafisch schöpft Laurent Vicomte weiterhin aus der Schönheit dieser Zeitspanne. Unterstützt wird er hierbei diesmal von Claude Pelet. Nachdem die Fortsetzung viele Jahre auf sich warten ließ, treibt ein zweiter Künstler die Fertigstellung entsprechend zügiger voran. Farblich hat Patricia Faucon den Pinsel übernommen. Vergleicht man die einzelnen Seiten, die Bilder miteinander, auch gegenüber dem ersten Band, sind Ähnlichkeiten in der Machart der Bilder sicherlich deutlich, aber auch Abweichungen in der Stilistik der beiden Künstler können nicht übersehen werden. Durchgängig sind die Grafiken sehr leicht, fast zart aufgebaut und passend zur Zeitperiode.
Das Farbspektrum ist erdig, natürlich, durchscheinend aufgetragen. Auf Perfektion wurde bewusst verzichtet, kein technisch wirkender Farbauftrag, sondern sehr manuell, nah an Aquarell und Gouache, nah an den Wurzeln der großen Zeit französischer Comic-Alben. Das besitzt einerseits Stil, befördert den romantischen Grundeindruck der Geschichte und hat einen warmen, einladenden Grundton.
Laurent Vicomte entzaubert seine Sasmira ein wenig, lässt sie fordernder, fast aggressiver auftreten. Hinter dem Geheimnis brodelt es. Die männliche Hauptfigur, Stan, sitzt beinahe wie eine Fliege in einem Spinnennetz, halb ohnmächtig, bis zu einem Wendepunkt, der Licht ins Dunkel bringt. Für Freunde von Mystery-Geschichten und romantischer Abenteuer. 🙂
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Freitag, 28. Dezember 2012
Einen Platz in der französischen Armee zu erhalten, kann ein wahres Glücksspiel sein. Im Angesicht des Rekrutierungsoffiziers wird eine Nummer gezogen. Ein Blick auf eine lange Liste von Zahlen und einen entsprechenden Vermerk entscheidet über die nahe Zukunft der Männer einer Ortschaft. Für den jungen Alban Labiche ist die 222 eine Glückszahl. Zuerst. Seine Schwester Angele, mit dem weniger glücklichen Louis verbandelt, freut sich selbstverständlich über diesen Umstand. Dafür ist ihr Geliebter unter den eingezogenen Soldaten. Wenig später ändert sich das Blatt. Vollkommen überraschend finden sich Soldaten bei Alban ein und nehmen ihn als Deserteur fest.
Patrick Prugne zeigte dem historisch interessierten Leser bereits mit Canoe Bay die etwas vernachlässigte frühe Epoche der Besiedelung Nordamerikas und hierzulande mit James Fenimore Cooper (Lederstrumpf) in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig zeigt er den französischen Einfluss auf die nordamerikanische Geschichte, der heutzutage gerne etwas in den Hintergrund gedrängt scheint. Seine Hauptfigur Alban Labiche muss die Heimat zwar unter Zwang verlassen, dafür werden die Möglichkeiten zur Verteidigung in der Neuen Welt strikter, einfacher. Der Tod wird im Indianerland zum ständigen Begleiter.
Steht zu Beginn noch eine Familiengeschichte, ein wenig Liebe, ist das erklärte Ziel im weiteren Verlauf das pure Überleben. An der Seite Albans lernt der Leser eine raue, unberührte, wunderschöne und unerbittliche Natur kennen. Geier und Krähen warten schon, Indianer haben ihre eigenen Gesetze, die nicht nur Auge um Auge kennen. Patrick Prugne erzählt ohne falsche Nostalgie ein nicht seltenes Schicksal jener Tage, aus dem letztlich ein lebenslanges Abenteuer wird. Melancholie schwingt sehr oft mit, Heiterkeit findet sich so gut wie nicht, allenfalls darf man sich über eine gewisse lebensnotwendige Frechheit mancher Figur freuen.
Das besondere Merkmal von Patrick Prugnes Arbeiten ist die Aquarelltechnik, der es gelingt, ein Gefühl für die Natur einzufangen. In einem sehr umfangreichen Anhang mit Bleistiftskizzen und Aquarellentwürfen beweist Prugne einmal mehr seinen Sinn für Farbe, die atmosphärische Bildeinstellung und den romantischen und lebensnahen Blick auf das Leben der Indianer, der Pawnees. Der Blick hinter die Kulissen zeigt die Entwicklungsarbeit, auch nichtverwendete Szenen, die ein Ausblick auf künftige Geschichten sein können, denn das Basismaterial, Recherchearbeit und Entwürfe reichen mit Blick auch auf Canoe Bay bestimmt für weitere Comic-Romane.
Vor den schönen Eindrücken der Neuen Welt verblassen die Szenen in der Alten Heimat deutlich, vielleicht weil ihnen das Geheimnisvolle fehlt, die Urwüchsigkeit, obwohl selbst durch den neuzeitlichen Blick auf das Geschehen, diese Form der Zivilisation im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts nicht einmal auf einem guten Weg in die Moderne zu sein scheint. Wenige Außenlinien, leichte bis sehr kräftige Farben lassen eine langsam endende Epoche neu erstehen, ein kleiner Kostümfilm im Comic-Gewand.
Drama, Abenteuer, historische Erzählung, prachtvoll illustriert von Patrick Prugne, der sich mit dieser grafischen Gestaltung und Thematik eine Nische erarbeitet, die aber nicht nur für Freunde der Besiedelung Nordamerikas sehenswert ist. 🙂
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Donnerstag, 27. Dezember 2012
Man lege sich nicht mit Robotern an, deren Namen einem unbekannt sind. Coraline will der Name des stählernen Giganten, der sie mit beiden Händen umschlossen hält, partout nicht einfallen. Doch mit der Erinnerung des Namens folgt auch eine Spur, die sie der Lösung des Rätsels näherbringt. Coraline ist nicht die erste, die sich in der Traumwelt verloren hat. Auch ihre Schwester Celia hat es getroffen. Schlafend findet sie die Vermisste vor. Coraline bleibt keine Wahl. Sie muss tiefer in die traumhafte Märchenwelt vordringen als bisher, will sie ihre Schwester und all die anderen retten.
Terry Dodson gehört unter den Comic-Künstlern zu den Pin-Up-Königen. Seine Frauen sind der Kategorie wahr gewordener Männerträume zuzuordnen und in ihrer Erscheinung durchaus überirdisch zu nennen. Als Superheldin oder auch Gaunerin (zum Beispiel Harley Quinn, Black Cat, Emma Frost) sind sie dem Fan von DC Marvel längere Zeit bekannt, im Bereich des Verträumten, Fantastischen war der amerikanische Zeichner Dodson bisher eher selten zu finden, obwohl seine Grafiken hier und dort einen märchenhaften Strich durchscheinen ließen.
TRÄUME. Sie können sehr fantasievoll sein. Gefährlich. Erotisch. Oder alles auf einmal. Bereits mit dem ersten Teil haben Denis-Pierre Filippi, Autor, und Terry Dodson, Zeichner, gezeigt, wie eine Vermischung von viktorianischer Atmosphäre, einer Spur Fables und auch Steampunk plus einer Prise Erotik aussehen kann. Letztere bricht kaum richtig aus, ist zumeist unterschwellig vorhanden und befeuert letztlich mehr die Fantasie des Lesers. Dieser zweite, abschließende Band von TRÄUME beginnt mit einer Sequenz, die geradwegs ins Herz der Märchenwelt zu führen scheint.
Im Schloss von Dornröschen scheint plötzlich ein jedes Märchenwesen eingeschlummert. Schneewittchen samt der sieben Zwerge, Jack und seine Bohnenranke, Rotkäppchen neben einer merkwürdigen Wolfskonstruktion und einigen mehr. Diese Einführung ist derart schön gestaltet, dass es ein grafisches Fest werden würde, zeichnete Terry Dodson auch komplette Interpretationen jener Märchen.
Dodsons Figuren, die aus den gerade nötigsten Strichen entstehen, skizzenhaft aufgetragen, ohne nachträglich real oder digital getuscht worden zu sein, warten hier einmal mehr mit dieser Jugendstil-Optik auf, die den ohnehin verträumten Gesamteindruck verstärkt. Szenen im Harem, samt eines obligatorischen Scheichs, der sie zu sich in den Thronsaal holt, um Coraline (die Schwester der untertitelgebenden Celia) vor 1001 Nacht für sich tanzen zu lassen, besitzen beinahe eine Opulenz sehr früher Hollywood-Filme oder alter Operrettenstreifen deutschsprachiger Machart.
Die Geschichte, die hier von Denis-Pierre Filippi entworfen wurde, ist bei aller Gefahr für Coraline und ihre Schwester eher heiter zu nennen. Filippi sucht die optisch schönen Momente für seinen Co-Künstler. Neben den eigentlichen Figuren schult sich Terry Dodson an feiner ländlicher Architektur, Natur sowie an raffinierten Konstruktionen, die auch einer Ideenwelt eines Jules Verne entsprungen sein könnten. Die Vielfalt der Szenen und gegensätzlichen Epochen, die in einer Märchenwelt gerade so schnell auftauchen und wieder verschwinden, wie es dem Autor beliebt, machen den zusätzlichen, sehr charmanten Reiz der Handlung aus.
Ein feiner Abschluss eines nostalgischen wie auch durchaus romantischen Comic-Abenteuers, sehr fantasievoll, erstklassig illustriert von Terry Dodson. 🙂
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Link: Homepage von Terry Dodson
Samstag, 22. Dezember 2012
Er ist übermenschlich stark. Er ist riesengroß. Er ist grün. Er ist der Hulk. Und Hulk zerstört! Hulk kann Bruce Banner nicht leiden. Eigentlich kann Hulk niemanden leiden. Doch Hulk wird von so manchen doch nicht als Monster gesehen. Denn durch seine Abneigung gegen jegliche Unterdrückung wird er zum willkommenen Befreier. Allerdings ist Bruce Banner, der Wissenschaftler, nicht weniger willensstark als Hulk. Es entsteht eine Rivalität, ohne dass die beiden jemals in Person aufeinandertreffen würden. Im Geiste jedoch, im Unterbewusstsein fechten die beiden einen Kampf aus, in dem es in gewissem Sinne auch um Leben und Tod geht.
Fred Van Lente beschafft dem Hulk aber auch handfeste Gegner. In der Neubearbeitung der Entstehung des Klotzes, die auch Marvel ähnlich verfolgt wie das rivalisierende Verlagshaus DC, werden bekannte Konstellationen durcheinandergewirbelt und Feinde präsentiert, die ungewöhnlich genug sind, um eine alte Geschichte unvorhersehbar neu zu erzählen.
Them ist eine Gruppe, die sich einer Verbesserung ihrer selbst, somit auch der Menschheit verschrieben hat und dafür über Opfer geht, Zuchtprogramme verwendet und jegliche Merkmale einer wahnsinnigen Gruppe aufweist, denen sich auch schon andere Superhelden aus dem Marvel-Universum stellen mussten, meist mit anderen Namen, Strukturen und Charakteren, aber mit ähnlichen Zielen.
Stilistisch ist Tom Fowler einer jenen wilden Zeichner, deren Bilder Realismus besitzen, die aber einen Strich führen, der sich beinahe mit Rock’n Roll umschreiben lässt. Andere Vertreter dieser Gattung wären zum Beispiel Ronnie Del Carmen (Aliens) oder Sean Phillips (Marvel Zombies). Aber Tom Fowler wandelt gleichzeitig auf den Spuren von Altmeistern wie Jack Kirby oder (aktueller) Alan Davis (Fantastic Four). Besonders prägnant sind die Gesichter, mit denen Fowler auf einer Wellenlänge mit dem Marvel-Universum ist.
Der Tuschestrich ist zuweilen übergenau, dann wieder wild. Fowler lässt sich nicht eingrenzen, bricht hin und wieder aus seiner eigenen Stilistik aus. Sein Hulk ist nicht der Muskelberg, den andere Künstler (wie ein Ed McGuinness) aus ihm gemacht haben. Das ist optisch natürlich eindrucksvoll, doch Fowler macht aus dem Hulk tatsächlich einen Klotz. Unproportioniert, mit winzigem Kopf, einem Oberkörper so gigantisch, dass er zu bersten droht, vergleichsweise kleinen Beinen, über die man angesichts der Zerstörungswut des Hulk nun doch nicht schmunzeln mag.
Das andere Ich, Bruce Banner, ist so schmal wie eh und je und auch gemeiner, durchsetzungsfreudiger, sogar ein kleiner Womanizer. Gegenüber den anderen Charakteren ist er ein Schatten, gegen den Hulk sowieso, aber auch gegen General Ross, dem das Kampfschwein aus der ganzen Figur springt. In den ruhigen Sequenzen bleibt Fowler genügend Raum, um mit Mimiken und ohne Worte zu spielen. In den weniger ruhigen Momenten, die Mehrzahl, lässt er es grafisch krachen. Die Rasanz ist flott, zeichentrickartig.
Eine weitaus wildere, schnellere, rockigere Variante als die ursprüngliche Entstehungsgeschichte. Hulk besitzt unter seiner grünen Schale ein großes Herz und langt mit einer Spur Ironie und Humor ordentlich zu. Autor Fred Van Lente transportiert den Hulk mit der richtigen Portion Charakterzeichnung und Action in die Gegenwart. 🙂
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Freitag, 21. Dezember 2012
Ein Schwarm Fledermäuse. Eine dämonisch dreinblickende Samurairüstung wecken die richtigen Ideen auf das spätere Auftreten einer ganz besonderen Figur, die den kriminellen Elementen in Gotham das Fürchten lehren soll. Doch so weit ist es an diesem Tag noch lange nicht. Der Junge erstarrt in Furcht vor dieser Rüstung im Glaskasten, verloren und allein. In sich gekehrt. Später, mit der Schwester von Harvey Dent vor dem alten Arkham-Gebäude stehend, mit der Geschichte seiner Familie mütterlicherseits konfrontiert, einer Großmutter, die den Großvater umgebracht und sich selbst dann von Dach gestürzt haben soll, kennt der junge Bruce Wayne nur noch ein Argument: Gewalt.
Helden fallen nicht vom Himmel. Na, ja, manchmal schon. Geoff Johns erzählt eine neue Variante vom Start des Fledermaushelden namens Batman. Dieser Batman ist jung, unerfahren und er vermag es bei weitem nicht, so einzustecken und wegzustecken, auch nicht auszuteilen, wie des der Comic-Fan vielleicht in den letzten Jahren gewöhnt ist. Dieser Batman ist noch nicht ein elegant an einem Seil durch die Häuserschluchten schwingender Artist. Hier ist erst einmal nur ein Mensch, der Rache will und eine ungewöhnliche Idee besaß, diese einzufordern. Der Start ist aus der Sicht der Verbrecher alles andere als furchteinflößend.
Der Auslöser ist bekannt. In einer kleinen Seitenstraße, in einem von Gangstern verseuchten Gotham, wird der kleine Bruce Wayne Zeuge, wie seine Eltern während eines Raubüberfalls erschossen werden. Aber es gibt auch Abweichungen. Alfred wird der Butler, ein ehemaliger Kämpfer, der Bruce aufzieht, mit dem Ergebnis jedoch nicht vollends zufrieden ist. Denn Bruce hat sein Unternehmen Hals über Kopf begonnen, zu emotional, unbeherrscht und führt sich manchmal auf wie der berühmte Elefant im Porzellanladen.
Der aufgeregte junge Mann, der sich selbst zum Helden aufschwingt, den persönlichen Verlust nicht fürchtet, der mehr als nur eine Verletzung davonträgt, erfährt in seinen Gegnern realistisch anmutende Gegner. Geoff Johns bricht die Feinde auf ein echtes Maß herunter. Der Pinguin ist zwar ein kleinerer Mann, aber nicht entstellt oder körperlich undenkbar. Von Zeichner Gary Frank mit einem Bruder von Jack Nicholson besetzt, ist der Pinguin ein eiskalter Gangster, der nahtlos in eine Reihe mit Al Capone und vielen anderen aus der Ära der Prohibition passt.
Jemand, der Bane in den Schatten stellt, ebenfalls solche Killer wie Croc ist jener Mörder, gegen den Batman hier antreten muss. Geoff John stellt hier eine Gestalt vor, die mehr an einen Jason Vorhees erinnert und zunächst nicht so sehr in das bekannte Batman-Universum passt. Dank Gary Frank ist dieser abnorme Gigant, der sich nicht scheut, ein Partyhütchen zu tragen, beinahe ein Gegner, der den noch relativ jungen Batman töten könnte. Gary Frank zeichnet einerseits mit der Effizienz und Präzision eines Jim Lee, andererseits gelingen ihm auch Charakterköpfe, nicht unbedingt notwendige, dafür umso gelungenere Veränderungen.
Bullock, der Cop an der Seite eines Jim Gordon, ist dem Leser eher als etwas verkrachte, übergewichtige, sogar zwielichtige Polizeigestalt in Erinnerung. Hier ist er ein smarter Karrierepolizist, der nach Ausflügen ins Showbusiness, mit der Moderation einer Fernsehsendung, nun wieder Dienstluft schnuppern will. Den echten Polizisten, die ihre Arbeit nicht als Shownummer begreifen, allen voran Gordon, ist solch eine Marke natürlich ein Dorn im Auge. Optisch ist er ein leicht dümmlich ausschauender Bruce Wayne, mit einem Lächeln, das stets ein wenig künstlich aussieht, einerseits um Bewunderung heischend, andererseits immer ein wenig schüchtern oder auch beleidigt.
Die Optik verströmt weniger eine Superheldenatmosphäre, sondern tendiert mehr in Richtung eines handfesten Thrillers, sortiert sich hier als in die Linie der letzten Kinotrilogie ein, lässt aber allzu phantastische Superheldentricks vermissen. Dieser Batman muss sich viel mehr auf seine Fähigkeiten verlassen als andere vor ihm. Geoff Johns lässt Gary Frank viel Raum, um die Bilder wirken zu lassen. Die Aufteilung ist großzügig. Halbseiter, Einseiter oder auch doppelseitige Darstellungen vermitteln tolle Eindrücke, die dem Comic-Fan viel zu bieten haben.
Eine verdammt gelungene Neuinterpretation des Auftakts eines der interessantesten Superhelden der Comic-Geschichte. Sehr menschlich, sehr intensiv, mit einem genauen Blick auf die Schwierigkeiten, die das Doppelleben als maskierter Rächer mit sich bringt. Famos illustriert. 🙂
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Donnerstag, 13. Dezember 2012
Zwei Wesen begegnen sich in den Weiten des Alls. Es gibt von ihrer Art nicht mehr viele. Umso glücklicher ist diese Zusammenkunft, zumal es sich auch noch um einen weiblichen und einen männlichen Vertreter ihres Volkes handelt. Schnell entspinnt sich eine kleine Romanze, voller Heiterkeit und Vorfreude auf das spätere Stelldichein. Aber der Abend endet vollkommen anders, als eine Seite des Paares angenommen hat. Die andere Hälfte geht unbeirrt ihren Weg, von schlechtem Gewissen umnachtet und immer verbissener in ihrem Hass werdend.
Sehnsucht nach der Erde. Doch die Erde ist nicht das, was der Reisende in Erinnerung hat. Geleitet von seinem Heimweh übertritt er eine Grenze, die ihn zu einem Mörder macht. Die beiden Helden, Valerian & Veronique sehen sich einem ungewöhnlichen Feind gegenüber, der in den Lauf der Geschichte der Erde eingreifen will, einzig zu dem Zweck, die Zukunft so zu gestalten, damit sie der gleicht, die er in Erinnerung hat. Aus einem zunächst der SciFi-lastigen Abenteuer, Die große Grenze, wird beinahe ein Thriller, in dem auch ein James Bond um die nächste Ecke biegen könnte. Haben sich die beiden Freunde an ihr Leben fernab von Galaxity gewöhnt, auf einer Erde, die den technischen Entwicklungen ihrer Zeit sehr hinterher hinkt (sieht man einmal von Veroniques Herkunftsepoche ab), will sich ihr Gegner nicht so einfach mit den Gegebenheiten abfinden.
Die Gefahr der Verseuchung durch radioaktive Strahlung ist immer noch ein brandaktuelles Thema, obwohl der Band Die große Grenze 1988 erschien. Interessanter, auch wieder rückblickend betrachtet, ist eine gewisse Ähnlichkeit einer Sequenz, die an Casino Royale erinnert, obwohl dieser erst 2006 in die Kinos kam. Der Vergleich zu Filmen stellt sich nicht zum ersten Mal, ließen sich doch gerade Werke aus dem Krieg der Sterne heranziehen. Wie das Titelbild des vorliegenden 5. Sammelbandes andeutet, findet sich aber auch eine Ähnlichkeit zu einem SciFi-Stoff, der unter der Regie von Luc Besson auf die Kinoleinwand kam: Das fünfte Element.
Jean-Claude Mezieres entwarf im Rahmen der Produktion des besagten Kinofilmes einige Teilbereiche des Designs, doch war zu diesem Zeitpunkt nicht damit zu rechnen, dass diese auch Verwendung finden würden. Der Zeichner verwendete diese Ideen jedoch auch für die hier vorliegende dritte Episode Die Kreise der Macht. Die Geschichte erschien 1994, zwei Jahre vor der Kinopremiere von Das fünfte Element. Hier stellte sich schließlich heraus, dass die Idee mit den fliegenden Taxis doch Anklang gefunden zu haben schien.
Der besonderen Dramatik, den Ausflügen in den Thriller und Agentenabenteuer von Die große Grenze folgte 1990 Lebende Waffen. Pierre Christin und Jean-Claude Mezieres machten sich nach dem Abenteuer auf der Erde und einem weiten Flug nach Galaxity wieder auf in die Fernen des Weltalls. An der Seite einer Gauklertruppe verschlägt es Valerian und Veronique mitten in einen Krieg. Christin und Mezieres spielen gekonnt mit der Absurdität und wahnwitzigen Einfällen, die sich nur wenige im Bereich des Comics allgemein getraut haben. Der Schnarf und die zentaurenähnlichen Horden, die schließlich in die Schlacht ziehen, bieten selbst dem verwöhnten Leser Eindrücke, die die Augen ein wenig weiter öffnen. Vor Staunen und Schmunzeln.
Die Kreise der Macht, der dritte Band der 5. Gesamtausgabe, ist ein weiterer gestalterischer Höhepunkt, der die vorangegangenen Episoden ohne Zweifel in den Schatten stellt. Nicht nur die bereits erwähnte Design-Verwandtschaft zu Das fünfte Element sind hier erwähnenswert. Vielmehr ist die verschachtelte Welt, die feine Satire und nicht zuletzt der zeitweilige Auftritt des grunzenden Transmutators für sich genommen ein gelungener Weltraumoperhintergrund, so dass Pierre Christin hier sein großes Talent für eine sehr genau durchdachte Abenteuer-SF unter Beweis stellt. Allerdings gibt es mittlerweile derart viele Verknüpfungen auch in die Vergangenheit der beiden Helden, dass Neueinsteiger manchen humorigen Passagen vielleicht nicht ganz folgen können.
Verschiedene Szenen und Sequenzen sowie ein alles überragender dritter Band in der vorliegenden Gesamtausgabe überzeugen wieder mit vorbildhafter Science-Fiction-Unterhaltung, die rigoros aus den scheinbar unerschöpflichen Tiefen des Einfallreichtums von Christin und Mezieres wächst. Weiterhin herausragend. 🙂
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