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Comic Blog


Freitag, 21. Juni 2013

Superman – Die Männer aus Stahl

Filed under: Superhelden — Michael um 12:25

Superman - Die Männer aus StahlDieser … ja, wer ist er eigentlich? Er trägt ein T-Shirt mit einem seltsamen Emblem darauf, eine Jeans, schwere braune Schuhe und dann noch ein …Cape, das viel zu kurz ist und wie ein Tischtuch hinter ihm her flattert. Trüge es nicht auch das selbe Emblem wie das T-Shirt. Sehen so … Superhelden aus? Dieser junge Mann stellt sich die Frage nicht. Er ist … wütend. Er mischt sich ein. Er nennt sich Superman. Und wer sich schlecht benimmt, so sagt er selbst, bekommt es mit ihm zu tun. Der Mann, dem er ein Geständnis abringt, auf recht ungewöhnliche Weise, kann ein Lied davon singen. Diese eigenmächtige Jagd auf Verbrecher findet nicht nur Befürworter.

Schneller als ihm lieb ist, muss sich Superman seiner Haut erwehren. Schweres Geschütz macht ihm zu schaffen und so lieb es ihm vermutlich wäre, ist ein Zug doch mal eben so zu stoppen. Superman blutet und wird selbst gestoppt. Im Hintergrund haben sich die Verantwortlichen auf Seiten des Gesetzes, solche, die sich Sorgen machen über dieses mächtige Wesen einen Berater namens Lex Luthor geholt, der alles, wirklich alles daran setzt, um eine Schwachstelle bei jener Kreatur zu finden, die zweifellos ein Alien ist.

Ein neuer Anfang: die Sammelausgabe fasst die ersten acht Ausgaben des neuen Superman in einem neuen DC-Universum zusammen. Zu viel, zu neu? Nein, weil Grant Morrison, der Autor, diesen Superman wirklich einmal andere Wege gehen lässt und ihm gleichfalls, um im Bild zu bleiben, auch andere Steine in den Weg legt. Der Leser begegnet einem Superman, der noch nicht fertig ist. Ein Superman, der Schwierigkeiten mit dem Fliegen hat (wie es auch von anderen Autoren gerne einmal angedeutet wurde, z. B. Frank Miller). Ein Superman, der nicht einfach so durchs All fliegen kann, weil er erst einmal schauen muss, wie er da überhaupt hoch kommt. Und weil er auch Sauerstoff benötigt.

Ein Superman mit Schwächen, also ein Superman für das neue Jahrtausend. Rückblicke bringen ein verändertes, härteres Krypton vor die Augen der Leser, doch manche Dinge ändern sich auch nicht. Der berühmte Fund des kleinen Clark gehört dazu. Eine Abordnung der Legion der Superhelden hat ihren Auftritt, etwas unerwartet eingefügt, doch für Überraschungen gut.

Das ist optisch für Superhelden-Fans eine absolute Sause. Rags Morales, technisch angesiedelt zwischen einem Bernie Wrightson und einem Jim Lee, illustriert den Start der Serie, bevor er den Stift an andere Zeichner übergibt oder sich zeitweise mit ihnen ein Heft teilt. Dieser neue Superman wirkt als Clark Kent, der Geheimidentität des Stählernen, ein wenig wie ein Peter Parker (Spider-Man). Er ist kein Superboy mehr, aber auch nicht ganz der wirkliche Superman. Dank Andy Kubert einem ähnlichen künstlerischen Schwergewicht wie Rags Morales erhält der Leser Einblick in die sorgfältig versammelte Anti-Superman-Fraktion, Figuren, gegen die sich im Laufe der Jahrzehnte bisherige Feinde viel normaler ausnehmen.

Brad Walker, ein Künstler, der die besondere Nähe zum Realismus liebt, dessen Bilder mit einem milchigen Farbauftrag daherkommen, beschäftigt sich nicht nur mit einem anderen Mann aus Stahl, Steel, er verleiht seinem Superman auch das Aussehen eines jugendlichen Christopher Reeve, der den Leinwand-Superhelden nachhaltig geprägt hat. Männer aus Stahl? Einer fehlt noch. Zwei werden dem Leser auf guten Seite beschert, John Corben, Metallo, bereichert die zu Beginn auftretenden Schurken, denn er vermischt sich auch noch mit dem Weltensammler. Das ist für den jungen Superman fast eine Nummer zu groß, bietet aber viel Stoff für großartige Superhelden-Action.

Kein leichter Abschied für eingefleischte Supie-Fans, aber eine gelungene Begrüßung durch Grant Morrison all jener, die sich überzeugen lassen wollen, wie ein Superman des neuen Jahrtausends ist. Das ist spannend, das ist ein sehr menschlicher Kryptonier, das ist grafisch bombastisch. 🙂

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Mittwoch, 19. Juni 2013

SUPER DINOSAUR 2

Filed under: SciFi — Michael um 11:05

SUPER DINOSAUR 2Ist dieses Wesen tatsächlich der gefährliche Maximus? Die Dino-Men sind zu verblüfft. Oder ist der wahre Maximus jener einarmige Mann, derjenige der in einem Gefängnis nahe des Erdkerns gefangen gehalten wird? Viele Fronten, viele Motive. Für die einen ist es die Macht, für die anderen ist es schlicht der Wunsch, die eigene Frau wiederzufinden. Derek Dynamo unterdessen wird in einen Krieg hineingezogen. Wenn es stimmt, was der Gefangene dort in seinen Klammern und Fesseln an düsteren Prophezeiungen verbreitet. Für SUPER DINOSAUR werden die Probleme immer ernsthafter, weit davon entfernt, mit den Trainingssituationen im Gefahrenraum vergleichbar zu sein.

Shark-Men. Dino-Men. Diverse Kreaturen, die um die Führung jener halbmenschlichen Wesen buhlen und sich gegenseitig mit aller Macht bekämpfen. Und natürlich SUPER DINOSAUR und seinen Freund Derek Dynamo, für den es auf einmal nicht mehr ganz so schlimm ist, Gleichaltrige in seiner näheren Umgebung zu haben. Das Leben hält für die kleine Mannschaft, die sich in ihrer sehr technisierten und abgelegenen Basis zusammengefunden hat, kaum lange eine heile Welt bereit. Die Feinde, die sich selbst uneins sind, stellen die Weichen für einen neuen Angriff. Der bisherige starke Mann, Squidious, wird aus seiner eigenen Festung vertrieben. Exilium taktiert gründlicher, wirkt gnadenloser, auch intelligenter. Am Ende lässt Autor Robert Kirkman den Leser in einer scheinbar aussichtslosen Lage zurück. Gemeiner können Cliffhanger, mitten auf dem höchsten Spannungsgrad abgebrochene Handlungen, kaum sein.

Robert Kirkman will es in der zweiten Episode von SUPER DINOSAUR phantastischer, krachender, auch verzwickter, den jede Front ist nicht in die berühmten Guten und Bösen ausbalanciert. Hier nutzt schließlich jeder eine Seite für seinen Vorteil. Nur SUPER DINOSAUR und sein Freund Derek halten sich an die Spielregeln. Doch mit unterschiedlichen Allianzen verschieben sich die sonstigen Grenzen. Ehemalige Feinde agieren plötzlich auf derselben Seite. Unvorhergesehene Schachzüge machen die Bahn für unvorhergesehene Reaktionen frei. So betrachtet, befolgt Robert Kirkman immerhin seine eigene Regeln, die ihn zu einem gefragten Comic-Erzähler in den Vereinigten Staaten gemacht haben. Nix ist fix, könnte man sagen. Alles kann sich jederzeit ändern. Der Leser wird nie auf der sicheren Seite sein und muss erfahren, was auf der nächsten Seite geschehen wird.

Für Kinder erzählt, folgt Kirkman natürlich auch der Schiene, die sich durch die Samstags-Cartoons (zumindest hierzulande) zieht. Die Charakterzeichnung erfolgt in der neuen Episode deutlich schneller, Zwischenmenschliches ist zügig erklärt (auch Anderkreatürliches). Jason Howard darf den maskierten Unhold in dieser Folge sogar doppelseitig enttarnen. In der Zeichnung dieses Wesens steckt brutale Intelligenz, weitaus stärker ausgeprägt als in den bisher vorgestellten Kreaturen, die zwar ebenfalls aufrecht gehen und reden, aber mehr wie (um beim Vergleich des Schachs zu bleiben) Bauern wirkten, während dieser Feind, Exilium, mindestens eine herausragende Dame oder sogar ein König ist.

SUPER DINOSAUR, der Held der Geschichte, kommt zeitweilig etwas zu kurz, aber sobald der Einsatz naht, dann rockt er, um mit seinen Worten zu sprechen. Die Rüstungen werden größer, martialischer, auch militärischer zum Schluss. Gegen die von Kirkman kreierten Feinde muss schweres Gerät her. Das erinnert in der Rasanz der Kampfszenen an Ben 10, dessen Verwandlungen auch einen der besonderen Reize jeweils ausmachen. Und SUPER DINOSAUR ist nicht der einzige, der in einem Spezialanzug die Lava rockt. Hier ist viel los und wird entsprechend zelebriert, mal halbseitig, mal einseitig. Wenn der Rückzugsraum der Basis verlassen ist (oder die Verstecke der Mutanten), wird es farblich auch knalliger, signalisieren Rottöne, gelbe Blitzer und lilafarbene Ränder die aufkeimende oder gar explodierende Gefahr.

Das geht ab! Das mag nicht unbedingt eine sehr fundierte Aussage sein, trifft aber die vorliegende zweite Ausgabe von SUPER DINOSAUR. Robert Kirkman dreht noch mehr auf und jagt seine beiden Helden an ihre Grenzen. Da kommt keine Sekunde Langeweile auf. 🙂

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Montag, 17. Juni 2013

AQUABLUE NEW ERA 1

Filed under: SciFi — Michael um 15:45

AQUABLUE NEW ERA 1 - Rückkehr zu den WurzelnWilfrid Nao Morgenstern war lange fort. Er, der Mensch, hat seine Familie auf Aquablue lange Zeit nicht gesehen. Sein Sohn ist fast ein Fremder für ihn. Nao hat vieles nachzuholen. Endlich ist ein Gesetz verabschiedet, das die Kolonisierung von Planeten verbietet, die von intelligenten Lebewesen bereits bewohnt werden. Nao wähnt sich am Ziel. Allerdings gibt es eine Nachricht, die seine Lebensplanung ins Wanken bringen, sogar einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen könnte. Auf der Erde, im ewigen Eis, wurde ein Schiff gefunden, eindeutig nicht terranischen Ursprungs. Für alle Beteiligten überraschend mehren sich die Hinweise einer Verbindung zu Aquablue. Irgendwann jemand von dort brachte das Leben zur Erde. Die daraus erwachsenden Konsequenzen haben Folgen für beide Völker.

Regis Hautiere und Reno kehren auf den von Olivier Vatine und Thierry Cailleteau geschaffenen Planeten Aquablue zurück. Inzwischen wächst eine neue Generation heran. Die Probleme sehen zunächst nicht mehr so groß aus. Ein wunderbare Zukunft scheint zum Greifen nahe. Autor Regis Hautiere vermischt auf schöne Weise die Beschreibung des fernen Planeten mit einer Handlung, die langsam, aber dicht in Fahrt kommt. Wer die ursprüngliche Reihe nicht kannte, kann dennoch bedenkenlos bei dem ersten Band von AQUABLUE NEW ERA zugreifen. Die Einführung ist gekonnt, berücksichtigt das Geschehene und lässt für den Neuleser trotzdem keine Fragen offen. AQUABLUE ist ähnlich wie das im Kino populär gewordene Pandora (Avatar) ein Planet, der eine deutliche Rolle spielt, eine lebende Bühne, mit der die Figuren der Geschichte zwangsläufig reagieren müssen.

So ergibt sich für Reno in Personalunion als Zeichner und Kolorist eine genial gelöste Aufgabe. Hier wird ausgereizt, was der Computer hergibt. Das ist mehr als nur Trickfilm, als nähert sich bereits stark einer möglichst realen Optik an. Das Titelbild vermittelt einen Eindruck, was den Leser durchgängig im Inneren des Albums erwartet. Die Landschaften auf Aquablue, über und unter Wasser, sind wahre Postkartenidyllen (sieht man von den gefräßigen Bewohner dieses riesigen Meeres einmal ab). Die Bewohner, exemplarisch in der Form eines Meeressauriers, brauchen sich hinter den Jagdszenen aus Hollywood namens Jurassic Park oder den Tierdokumentationen der BBC nicht zu verstecken.

Szenen, die im Weltall spielen, sind so brillant, dass ein 3D-Programm im Einsatz gewesen sein könnte. Falls dies nicht der Fall war, ist ein Perfektionist am Werke, wie ihn der Comic-Fan im Vergleich bei Arbeiten wie The Red Star findet. Neben technischer Ausrüstung bestechen die Raumfahrzeuge und das Design der Städte einer futuristischen Erde (obwohl es bereits heutzutage im asiatischen und arabischen Raum ähnliche Ansichten geben mag). Ein exzellentes Farbenspiel vermittelt nicht nur einen tollen räumlichen Effekt, sondern bringt die Bilder auch mit einer feinen Leuchtkraft zum Glänzen. Bei Figuren ist der Farbauftrag mit einer milchigen Arbeitsweise getätigt worden, während dreidimensionale Objekte mit noch genaueren Farbübergängen und Verläufen abgebildet sind.

Cineasten unter den SF-Fans werden vielleicht eine Nähe zu den Arbeiten von James Cameron feststellen. Neben der Paradies-Thematik eines Avatar findet sich ebenfalls auch Weltall-Feeling im Sinne eines Aliens, wertet man eine Befreiungsaktion in stählerner Atmosphäre auf diese Weise. Der Ortswechsel, der hier stattfindet, bietet einen starken Kontrast zur sonnendurchfluteten Welt von Aquablue und rein optisch fällt die Entscheidung schwer, von welcher Handlungslinie man letztlich mehr sehen möchte. Einen großen Reiz bieten beide an.

Grandiose Optik, eine Geschichte, die sich langsam aufbaut und sich Zeit nimmt, ihre Charaktere genau in Augenschein zu nehmen, bevor das Drama seinen Lauf nimmt. Die Handlung verspricht in Zukunft noch sehr viel. Wenn sie das Niveau hält, wird die Reihe ein Knaller. Der Auftakt hat es bereits in sich! 🙂

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Freitag, 14. Juni 2013

ZAUBER – Band 1

Filed under: Mystery — Michael um 21:01

ZAUBER - Band 1Drum prüfe, wer sich mit den falschen Leuten einlässt und die falschen Wünsche äußert. Es könnte fürchterlich daneben gehen. Für den jungen Mann, Gaspard, war diese Liebe zu Blanche alles. Und nun hat sie ihn einfach verlassen. Des Standes wegen. Gaspard kann und will diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Er sitzt eine Hexe auf und schließt einen wahrhaft teuflischen Pakt. Doch wie so oft, Gaspard hätte es ahnen sollen, sobald er nur einen Fuß über die Schwelle des satanischen Weibes setzte, gibt es für jene, die die Rache suchen, nichts zu gewinnen.

Blanche unterdessen wird Königin. Mit großem Pomp, einer heiligen Ernennung in hohen Kirchenhallen ergibt die die junge Frau in ihr Schicksal, das ihr alles andere als willkommen ist. Doch da begibt es sich, dass der Pakt, den Gaspard schloss, noch einem anderen zu Ohren kommt. Einem, der das Antlitz einer kleinen Schnitzerei, dem letzten Kunstwerk Gaspards, verzückt betrachtet und beschließt, dieser Frau wahrhaftig zu begegnen. Eines Tages, am Ufer eines Weihers, trifft Blanche einen nackten Mann, überaus freundlich, verführerisch, auf naive Weise lockend und sie verfällt seinem Anblick, seinem Werben. Kurz.

Ein Märchen, eine königliche Intrige, eine Teufelsgeschichte, ein Krieg: der Leser bekommt von Jean Dufaux und Jose Luis Munuera einiges geboten. Eine traumwandlerische Reise, verwunschen schön. Letzteres ist dem spanischen Zeichner Jose Luis Munuera zu verdanken. Er besitzt die Fähigkeit, sehr leichte Figuren zu kreieren, biegsam wie Gummimännchen ausschauend, gleichzeitig zerbrechlich, einen klassischen Look leicht karikierend. Dem Comic-Fan ist er bekannt durch seine Arbeiten für Spirou + Fantasio oder auch Merlin und Fraternity. Mit diesen hier gezeigten Figuren ist er im Mittelalter, natürlich auch in der Fantasy wie Daheim.

Die beiden beherrschenden Frauenfiguren, Prinzessin (die spätere Königin) und die Hexe, haben einen gleichermaßen grazilen Körperbau, doch ihre Gesichter sind völlig gegensätzlich entworfen. Blanches Antlitz ist rundlicher, mit spitzen Dreieckskinn und großen grünen Kulleraugen. Dafür ist die Hexe eher eine Malefiz, mit Anleihen bei den sehr kinnlastigen Figuren eines Don Martin und sogar den klassischen Kanten antiker Statuen. Mit leichter Hand werden hier unterschiedlichste Mimiken aufs Papier geworfen, immer treffsicher mit minimalen Veränderungen.

Seitlich der Hauptdarsteller finden sich Charakterköpfe, in denen Munuera aus seiner eigenen Designlinie ausbricht. Da finden sich Anleihen, viele eigene Kreationen, mit relativ wenigen Linien erzeugt, so dass ein weiterer Künstler zaubern kann. Denn Sedyas trägt in Sachen Kolorierung einen großen Anteil an der wirklichen Schönheit der Bilder, die mal in Richtung Gemälde, mal zum Medium Trickfilm hin ausschlagen. Das Titelbild ist sicherlich aufwendiger koloriert als die Folgeseiten, gibt aber einen Eindruck der durchgehenden Aussagekraft der Bilder, die einen zuweilen nebligen Charakter haben, sonnendurchflutet sind und mit farblichen Stimmungen perfekt spielen. Prescht häufig in einem Künstlerteam einer vor, ergänzen sich hingegen Munuera und Sedyas auf das Schönste.

Es könnte ein Grimms Märchen sein, ist aber von Jean Dufaux erdacht und fein konstruiert. Bisher erscheint es wie eine Tragödie, aus der es für alle Beteiligten (sogar für die besonders fiesen) kein Entrinnen gibt. Das birgt Überraschungen, insbesondere bei Figuren, bei denen es so nicht zu erwarten war.

Der erste von zwei Bänden ist hinreißend, für Freunde des Märchens (oder märchenhafter Fantasy) und vermag gerade durch seine feine Gestaltung auf ganzer Linie zu begeistern. Dunkle Magie, unerfüllte Liebe und finstere Intrigen, alles genau von Jean Dufaux gegeneinander abgewogen. Sehr, sehr fein! 🙂

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Donnerstag, 13. Juni 2013

SUPER DINOSAUR 1

Filed under: Superhelden — Michael um 17:45

SUPER DINOSAUR 1Grandiosität ist kein Schlüssel zum Erfolg in einem harten Kampf. Diesen Schluss muss Derek Dynamo, der Sohn eines anerkannten Wissenschaftlers, ziehen, als er zusammen mit seinem Partner SUPER DINOSAUR gegen extrem gefährliche Gegner antritt. Beinahe geht der Einsatz schief. SUPER DINOSAURS Ausrüstung wird arg in Mitleidenschaft gezogen. Das ist noch nicht alles: Neue kommen auf die Basis. Sie sollen eigentlich die Arbeit des Doktors erleichtern. Leider, zu Dereks Verdruss, hat das Technikerehepaar auch seine beiden Töchter mitgebracht. Noch mehr Kinder in dieser Einrichtung will Derek nicht, der lieber mit seinem Vater und seinen eigenen Projekten alleine ist. Denn die ungewollte Gesellschaft könnte ein Geheimnis lüften, das nicht öffentlich werden darf.

Robert Kirkman kennt kindliche Wünsche. Es ist das Rezept eines George Lucas, der sich auch mit Chewbacca einen großen, besten Freund schuf. Kirkman, einem anderen medialen Zeitalter entsprungen, hält es lieber mit Dinosauriern und greift einen vergangenen, aber nicht vergessenen Hype wieder auf. Der Spezialist in Sachen Genre-Belebung, siehe auch The Walking Dead oder Invincible, beschäftigt sich in SUPER DINOSAUR nicht nur mit einem Kindertraum. Ganz nebenbei kreiert er noch ein kleines Comic-Universum.

Kirkman selbst sagt, die Geschichte sei für seinen Sohn entstanden, eine Art Pixar-Film auf Papier. Hier greift er aber zu kurz, denn die Figuren sind aufwendiger, die Geschichte ist mit mehr Action belastet und irgendwie auch eine Spur gigantischer, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Pixar steht mehr für Knuffelei. Knuffig ist hier nur der kleine Roboter von Derek Dynamo, einem höchst intelligentem Jungen und SUPER DINOSAURS bestem Freund. Nun ist ausgerechnet dieser SUPER DINOSAUR ein Tyrannosaurus Rex, zwar nur noch drei Meter groß, aber dennoch alles andere als knuffig zu nennen.

Ein Tyrannosaurus Rex ist ein Maul, eine Fressmaschine auf zwei Beinen. Eine solche Vorlage zu einem besten Freund für einen Heranwachsenden zu machen, ist ein kleines Kunststück. Es gelingt durch technische Gimmicks, die einen James Bond, so er sie denn noch verwendete, vor Neid erblassen lassen würde. Denn die kleinen Arme, die einen Tyrannosaurus Rex zu einer gewissen Hilflosigkeit degradieren, werden durch eine Joystick-Steuerung von weitaus mächtigeren Gliedmaßen, allesamt mechanisch, gewinnbringend eingesetzt. SUPER DINOSAUR, der, man könnte es so sagen, Computerspiele als eine Art Training absolviert, lässt sich auf diese Weise, die Austauschbarkeit seiner Ausrüstung, speziell für jede Mission neu ausstaffieren.

Aber zurück zum Anfang: Derek Dynamo, die sympathische Identifikationsfigur, sollte neben SUPER DINOSAUR nicht vergessen werden. Mit einer Spur Manga (oder Manhwa, ganz nach Bedarf) zieht Künstler, Zeichner und Kolorist in einem, Jason Howard eine klare Kante. Er mag die Ecke, wo vielleicht Rundungen sein sollten, konstruiert seine Figuren gerne, wie es aus der asiatischen Comic-Ecke gewohnter ist, aber es finden sich auch Strichtechniken, wie sie im Frankobelgischen aktuell vorkommen, zudem wieder aufgegriffen werden. Die Mixtur ist gelungen, flott, schnell wirkend, tatsächlich wie ein Pixar-Film auf Papier.

Derartige Kreaturen wie hier sucht man bei der Animationsschmiede eher vergeblich, denn dem SUPER DINOSAUR stehen nicht nur intelligente Dinosaurier entgegen. Robert Kirkman greift noch viel tiefer in die Trickkiste eines, vergleichsweise, comic-liebenden Dr. Moreau. Waffenstarrend, muskulös treten sie auf, zwingen SUPER DINOSAUR zum stetigen Wechsel seiner Ausrüstung und sogar eine sehr schicke Hommage an die japanischen Monsterfilme darf nicht fehlen. Fast könnte man meinen, Kirkman und Del Toro (Pacific Rim) hätten sich abgesprochen.

Was für ein Auftakt. Kirkman erzählt mit der Geschwindigkeit einer Zeichentrickepisode. Da hagelt es Überraschungen und optischen Aufwand, kracht es, so dass kindliche Augen, selbst durch Trickserien verwöhnte, voll auf ihre Kosten kommen. Kirkman springt ein Genre weiter und beweist, wie gut er für anscheinend jedes Lebensalter Unterhaltung entwerfen und über weite Strecken zu erzählen vermag. Sauber, poppig illustriert von Jason Howard. SciFi-Kinderherz, was willst du mehr? 🙂

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Mittwoch, 12. Juni 2013

Star Trek – Eine neue Zeit 2

Filed under: SciFi — Michael um 17:31

Star Trek - Eine neue Zeit 2Der Weltraum, unendliche Weiten, aber nicht weit genug, um nicht doch noch einem Familienmitglied zu begegnen. Irgendwo da draußen findet eine Begegnung statt, die Captain Kirk weder gesucht noch vermisst hat. Sein großer Bruder gibt sich die Ehre und vermittelt einen Eindruck davon, was auch aus James T. Kirk hätte werden können. Leider wird es nichts mit einem anheimelnden Familientreffen, denn die Mannschaft der Enterprise begegnet einer scheinbar simplen Lebensform, die ihr aber sehr schnell das Leben sehr schwer macht. Eine parasitäre Lebensform ergreift Besitz von ihren Wirten und lenkt sie nach ihrem Willen. Selbst Spock, als Vulkanier mit hoher innerer Disziplin ausgestattet, ist gegen die Kraft der amöbenartigen Angreifer nicht immun.

Rache der Vulkanier: Wenn ein Volk seine Heimat verliert, kann es sein Verhalten so ändern, wie es niemand vorherzusehen vermochte. Der Gedanke an Rache verleitet zur Unlogik. Ein gesamtes anderes Volk für die Tat von Wenigen verantwortlich zu machen, würde den sonst so rationalen Vulkaniern zu einer anderen, einer früheren Zeit nicht eingefallen sein. So aber stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Warum, sondern nur noch nach dem Wie. Nun haben sie einen Weg gefunden, mittels eines Tricks. Und zwischen einem neuerlichen Völkermord stehen nur noch Captain Kirk, Spock und die Mannschaft der Enterprise.

Spock außer Kontrolle: Undenkbar? Hier geschieht es. Spock bestätigt, dass auch Vulkanier Emotionen besitzen, ganz gleich, ob sie nun halb menschlich sind oder nicht. In der zweiten Episode des vorliegenden Bandes wird diese These noch weiter vorangetrieben. Autor Mike Johnson vermischt Altbewährtes mit den Zutaten der Zeitlinie, die dem Universum um Star Trek einen feinen Neustart ermöglicht hat. Kleine Rückblicke, eine Vertiefung der Charakterzeichnungen, Familienbande, Völkerbande verdichten die bestehenden ersten Eindrücke. Action, geringfügig eingesetzt, weitaus geringer als im aktuellen Kinofilm, setzt Spitzen in die Handlung. Wichtiger sind Johnson die Wahlmöglichkeiten von scheinbar auswegslosen Situationen. Entkommen sie oder nicht? Werden sie überleben? Denn diese Fragen sind entgegen der Kenntnis bestehender Gesetze bei Star Trek nicht so einfach zu beantworten.

Die weiteren Einblicke in diese ferne Welt sind dank der beiden Zeichner JoeCorroney und Joe Phillips stylisch zu nennen. Sehr feine Außenlinien, mit Figuren, die sich regelrecht in Positur werfen und an einen gezeichneten Fotoroman erinnern. Das verbindet alten und neuen Look und entführt auch nostalgisch in jene Tage der Fernsehkulissen, aber hält auch dunkle Alien-Abgründe bereit. Mit der Darstellung der fremden Lebensform wird den alten Tagen Respekt gezollt, wie auch eine Brücke geschlagen, vergleicht man den Angriff dieser Wesen mit einem Facehugger.

Farblich bleibt es knallig, kräftig, etwas einfacher, denn dank der grazilen wie auch sehr genauen Vorlagen der beiden Zeichner muss Kolorist John Rauch nicht zu sehr ins Detail gehen.

Nach den bekannteren alten, neu aufgelegten Episoden nun auch der erste Ausflug in eigene Gefilde. Eine Art Epilog zum ersten Kinofilm der neuen Zeitlinie liefert weitere Informationen zu den Ereignissen, nachdem die Vulkanier sich aufmachten, eine neue Heimat in der Föderation zu finden. Die beiden Künstler Joe Corroney und Joe Phillips zeichnen weniger fett als ein David Messina, aber nicht weniger genau dank sorgfältiger Verwendung der Filmvorlagen. Eine in sich stimmige Fortführung, zur Hälfte mit ganz neuer Erzählung. 🙂

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Montag, 10. Juni 2013

Star Trek – Countdown To Darkness

Filed under: SciFi — Michael um 11:17

Star Trek - Countdown To DarknessAuch ein Vulkanier muss mit Alpträumen kämpfen. Bei Spock mag es, so könnten reinblütige Vulkanier behaupten, auch daran liegen, dass seine Mutter eine Frau von der Erde war. Oder es könnte einfach darin begründet sein, dass ein ganzes Volk seine Heimatwelt verloren hat. Spock, Offizier des Föderationsraumschiffes Enterprise unter Captain James T. Kirk, hat nach den Ereignissen um den Romulaner Nero, der Vernichtung Vulkans, der Bedrohung der Erde, dem Verlust seiner Mutter noch viele innere Kämpfe zu bestehen, für die er all seine Disziplin aufwenden muss. Der Planet Phaedus bringt eine willkommene Abwechslung. Eine Prä-Warp-Zivilisation, die nur beobachtet, aber nicht kontaktiert werden darf, ist für die gestandenen Raumflottenmitglieder beinahe schon langweilig zu nennen, gäbe es nicht eine unvorhergesehene Entwicklung, die ein Eingreifen dennoch notwendig macht.

Robert April, ein früherer Captain der Enterprise erscheint wie aus dem Nichts, sollte eigentlich längst verstorben sein und degradiert eine reine Überwachungsmission zu einem einschneidenden Ereignis für die gesamte Föderation. Wer bereits die allererste Serie um Captain Kirk mit dem immer noch großartigen Charmeur William Shatner verfolgt hat, wird diverse Folgen von Eingriffen in den normalen Ablauf fremder Welten kennen gelernt haben. Auch die Vorgeschichte zum zweiten Kinofilm mit der neuen Schauspielergeneration bedient sich nun dieser grundsätzlichen Rahmenhandlung und stellt die neue Crew vor eine immense Herausforderung.

Die oberste Direktive, die eine Einmischung in interne Angelegenheiten fremder Welten verbietet, kann zu einem Dilemma führen, wenn andere, ähnlich weit entwickelte Völker wie jene der Föderation, nicht gewillt sind, sich an solche Vorgaben zu halten. Das Ergebnis kann in ein gefährliches Szenario münden: Stellvertreterkrieg. Die beiden Autoren Robert Orci und Mike Johnson, hier hauptverantwortlich für den Text, haben sich konsequent an die alte, die Originalserie gehalten und die Ideen für ein neues Zeitalter weitergesponnen. Wenn aus einer internen Angelegenheit einer fremden Welt ein Genozid erwächst, darf die Föderation dann noch weiter zuschauen?

David Messina, längst als Star-Trek-Zeichner etabliert, immer darauf bedacht, die Originalvorlagen, sprich die Schauspieler, möglichst genau einzufangen, fällt hier außerdem die Aufgabe zu, sich mit dem Volk von Phaedus zu beschäftigen. Diese Rasse, vage an eine mutierte Insektenart erinnernd, unterscheidet sich (will man mit den Augen eines Menschen schauen) kaum voneinander. Das Wenige, das der Leser außerdem von ihrer Zivilisation, auch ihrer Welt zu sehen bekommt, steht in urtümlichen Gegensatz zum eher kalten Umfeld der neuen Enterprise, die etwas bulliger daher kommt als das Originalschiff. War die Enterprise früher ein Segelschiff ist sie nun mehr ein Bolide.

Die sehr genaue Zeichenweise Messinas wird einerseits verstärkt durch die exakte Tuschearbeit von Marian Castelvetro, andererseits weich abgefedert durch eine sehr feine Kolorierung von Claudia Scarletgothica. Butterweiche Übergange, Schattierung und Füllmuster sowie die Mischung von knalligen und zurückhaltenden Farbtönen sorgen für einen teils prächtig aussehenden Look. Das passt insgesamt sehr gut zum neuen Erscheinungsbild der Wiederbelebung des Star Trek Universums.

Ein altes Problem innerhalb aller Star Trek Serien wird zur Grundlage der kommenden Entwicklungen. Die Klingonen geben sich die Ehre, natürlich gleich martialischer anzuschauen als die glatzköpfigen Romulaner des ersten Kinofilms der ganz neuen Generation. Kleiner Konflikt, alter Captain gegen neuen Captain, wechselt sich ab mit großem Konflikt, die Enterprise am Scheideweg eines interstellaren Krieges. Da ist Spannung vorprogrammiert. Diese baut sich kontinuierlich auf, natürlich auch für jene Leser, die nach Altbekanntem oder bekannten Elementen in abgewandelter Form suchen.

Star Trek lebt ganz einfach. Die Themen sind bewährt, sie erhalten neue Zutaten, wirken frischer und geben einem Kernthema dieser Reihe neues Gewicht. Ob mit oder ohne nachfolgenden Film, der Countdown steht sehr gut für sich alleine und sollte jeden Fan überzeugen. 🙂

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Freitag, 07. Juni 2013

GHOST MONEY 1 – Die Dame aus Dubai

Filed under: Thriller — Michael um 10:34

GHOST MONEY 1 - Die Dame aus DubaiAls der Einsturz der Zwillingstüre in New York die Welt erschüttert und noch alle westlichen Zivilisationen die Toten betrauern, reiben sich andere, weitaus weniger Betroffene die Hände. Mit dem Fall dieser kapitalistischen Symbole, wie sie im fernen Arabien als Bedrohung empfunden werden, haben gigantische Summen den Besitzer gewechselt. Die Verfolgung der Verantwortlichen, den Hintermännern der Terrorgruppierung Al Kaida, gipfelt sehr bald schon in einer anderen, für die Jäger viel wichtigeren Frage: wo sind die 30 Milliarden Dollar geblieben, die das Terrornetzwerk mit den Geschäften am 11. September 2001 verdient hat? Das Ziel erhält einen Namen: der Schatz der Al Kaida.

Viele Jahre vergehen, in denen die verwunschene Summe verschwunden bleibt. Doch in den späten 20er Jahren des ersten Jahrhunderts im dritten Jahrtausend der christianisierten Menschheit tritt eine Frau auf den Plan, deren Zuhause die ganze Welt zu sein scheint: Chamza, die Dame aus Dubai. Lindsey, eine junge Studentin aus London, ahnt vom Interesse der Geheimdienste an Chamza nichts. Sie ist fasziniert von der Frau, die keine Grenzen zu kennen scheint, mit ihrem Flugzeug auf der einen Seite des Globus zum Einkaufen jettet, um zum Abendessen wieder auf der anderen Seite zurück zu sein. Es ist eine Märchenwelt. Je mehr sich Lindsey darauf einlässt, um so mehr verliebt sie sich in Chamza. Doch die Jetsetterin hat zweifellos eine Aufgabe, über die sie sich ausschweigt. Welche?

Thierry Smolderen schreibt die Geschichte fort. Was wäre wenn? Was ist bereits? Könnte es so einmal aussehen in wenigen Jahren? Anders als in Gipsy, einer weiteren Zukunftssaga, hält sich Smolderen hier enger an die Realität. Er beschreibt die Gnadenlosigkeit bei der Verfolgung und Folterung der Terrororganisation, deren Mitglieder so lange am Leben bleiben müssen, wie sie noch zu etwas taugen können, zur Informationsbeschaffung oder vielleicht als Druckmittel. Gleichzeitig macht er deutlich, dass nur besonders kaputte Individuen, die in einer ansonsten intakten Zivilisation am besten in einer psychiatrischen Anstalt aufgehoben sind, für die Jagd und die Bewachung von Terroristen taugen. Wo andernorts in London demonstriert wird, die Situation außer Kontrolle gerät, wird hinter den Kulissen kühl kalkuliert, um dem Geheimnis um den Schatz der Al Kaida auf die Spur zu kommen.

Smolderens Thriller entzieht sich den gängigen Mustern. Ganz bewusst wird hier kein strahlender Held geschaffen. Lindsey, die einzige wirkliche Identifikationsfigur, lernt diese besondere Seite der Welt, die sie zuvor nicht kannte, wie ein Märchen kennen. Chamza lebt den Traum von Sex and the City, losgelöst von allen Sorgen, die einen Normalsterblichen belasten können. Letztlich ist aber auch sie ein Konstrukt in einem Konstrukt, künstlich, ein Schläfer, aufbewahrt im Jetset. Ihre Menschlichkeit, Gefühle und wahre Interessen getraut sie sich auch nicht ihrer Freundin mitzuteilen. Misstrauen bleibt selbst in einem engen Verhältnis oberstes Gebot.

Dominique Bertail fällt die Aufgabe zu, die gemeine und grausame Welt der Geheimdienste und Terroristen mit der künstlichen Welt von Chamza zu mischen. In Chamzas Welt schwebt Lindsey nach eigener Aussage eine Handbreit über dem Boden. Im Suborbitalflieger wird die minutenlange Schwerelosigkeit genossen. In der Wüste frönt man einer Atmosphäre aus tausendundeiner Nacht. Kurz darauf platzt der Traum und Schüsse rattern. Bertail zeichnet mit dem spitzen Stift eines modischen Entwurfs, bevor sie die Ganoven mit der gleichen Akkuratesse inszeniert. Die Darstellung technischer Einzelheiten wie auch der vorkommenden Charaktere erfolgt mit einer grafisch chirurgischen Präzision, ein Wortspiel, das im späteren Verlauf der Handlung sehr gut passt. Das hält den Leser teils von einigen Gräueln zurück, lässt ihn aber auch fasziniert heran, wenn Smolderen Bertail die Gelegenheit gibt eine Abart eines brennenden Dornbuschs in Szene zu setzen.

Ein Thriller ohne unrealistische Helden, mit Feingefühl, Spannung und guter Beobachtung einer neuen Generation erzählt, die ihre eigenen Zeitenwenden erlebt hat und noch erleben wird. In höchst ansprechender und technisch feiner Illustration nehmen hier zwei anspruchsvolle Comic-Macher den Leser mit in eine nicht allzu ferne Zukunft. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Mittwoch, 05. Juni 2013

Troll – Buch 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:58

Troll - Buch 1Trolle und Kobolde sollten eigentlich keine Kinder bekommen. Zusammen jedenfalls. Allein der Prozess der Entstehung ist merkwürdig. Ein Koboldfingerchen genügt, um den Trollbauch prägnant anschwellen zu lassen. Doch damit nicht genug. Wenn sich die Eltern ihrer Verantwortung stellen und das Kleine tatsächlich aufziehen wollen, dann entsteht eine der merkwürdigsten Familien, die das Reich der Fantasy jemals gesehen hat. Als gäbe es nicht schon genug Probleme! Denn während die jungen Eltern sich wirklich rührend um den Nachwuchs kümmern, geht das Reich durch den Verlust seines Fürsten, dem Großen Ritter vor die Hunde.

Jean David Morvan und Joann Sfar rollen hier die allseits beliebte Fantasy mit ihren vielen Wesenheiten einmal von einer ganz anderen Seite auf. Ein Humor, zeitweilig sehr schwarz, aber stets intelligent und auch mitfühlend, entfaltet die Lebensgeschichte eines Trolls, eines Kobolds und eines kleinen Mädchens, wie sie in magischen Abenteuern selten zu finden sind. Die Parodie wandelt in den Fußstapfen einer Scheibenwelt oder eines Herrn der Augenringe, nimmt sich aber immer ernst. Aus einem Haudrauf wird plötzlich ein treusorgender Troll, der sich auf den Nachwuchs freut und einen Kobold ins Herz schließt, der sich anfangs noch unglaublich für seine Missetat schämt.

Auf die gleiche Weise, wie die beiden Hauptfiguren ihren Nachwuchs annehmen, schließt man als Leser auch sehr schnell die beiden Chaoten ins Herz, denn bei aller Liebe, die sie dem Kind angedeihen lassen, sind sie doch nicht vom Glück verwöhnt und Tollpatsche auf ihre Art. In der ersten Folge der Gesamtausgabe, die die Abenteuer und vereint, landet die Familie auf der Suche nach Arbeit schließlich sogar in einem Dungeon samt Drachen. Allein dieser Umstand wäre bereits für eine Parodie ausreichend, doch Morvan und Sfar führen zusätzliche Nebenfiguren ein, die der ganzen Geschichte einen teils düsteren, makaberen Anstrich gibt.

Um diesen noch zu verstärken, ist Olivier Boiscommun mit an Bord. Als Zeichner und Kolorist fährt er ein Arsenal an Kreaturen auf, die weit über das hinaus gehen, was der in Sachen HdR verwöhnte Leser und Zuschauer gewöhnt ist. Morvan und Sfar nehmen alles her, was in der Mythologie kreucht und fleucht und es wirkt nicht einmal zu viel. Die Figuren sind überzeichnet, märchenhaft, mit filigranem Strich zu Papier gebracht. Über eine fein ausgeführte Kolorierung im wahrsten Wortsinn entsteht Tiefe und Volumen.

Nehmt die Pfoten von mir, ihr Statistenvolk!

Auch Statistenvolk gibt es, das mag aus der Sicht des großen Ritters so sein, doch ihm wurde nicht weniger Aufmerksamkeit bei der Gestaltung zuteil als den Hauptfiguren. Eines der Völker, das hier so angeschnauzt wird, ist außerdem wahrhaft knuffig anzuschauen. Zur Verniedlichung besitzt Olivier Boiscommun ebenso viel Talent wie zur Verabscheulichung. Letzteres ist eindeutig in der Minderheit und im Sinne einer schön gezeichneten wie auch humorvoll hintergründigen Unterhaltung ist das mehr als nur zu verzeihen.

Ein aquarellartiger Farbauftrag, dem vielleicht noch Abstufungen durch eine Buntstiftnachkolorierung in manchen Fällen zuteil wurde lässt aus fast jeder Seite ein kleines Kunstwerk werden, nicht nur stimmungsvoll, sondern eher stimmungsgeladen.

Klasse, eine Verbeugung vor dem Genre, die vieles in sich vereint, was sich so quer über die Publikationen finden lässt. Allerdings sind die Menschen in der Minderzahl. Die Aufmerksamkeit gilt, wie seit einiger Zeit im Roman zu beobachten, den früheren Randfiguren. Liebevoll in Szene gesetzt, von Seite zu Seite unterhaltsamer wie auch spaßiger werdend, findet sich hier ein gutes Gegengewicht zur gängigen Fantasy. 🙂

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Sonntag, 02. Juni 2013

Der Seewolf

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:52

Der SeewolfAus einer schlichten Überfahrt wird eine Tortur am Rande des Wahnsinns, der Hölle. Ein Fährschiff sinkt. Der Literaturkritiker Humphrey van Weyden findet sich kurz darauf auf dem Segelschiff Ghost wieder. Das Schiff unter dem Kommando von Kapitän Wolf Larsen nimmt Kurs auf die Robbenfanggründe in der japanischen See. Hump, wie der Schiffbrüchige fortan genannt wird, bleibt keine Wahl. Aus seinem bisherigen Leben gerissen muss er die Besatzung auf die lange Fahrt begleiten. Aus der anfänglichen Empörung van Weydens wird schnell Angst. Ein Leben ist an Bord der Ghost nichts wert. Wer sich nicht dem bärenstarken und seltsamerweise hoch intelligenten Kapitän Larsen unterordnet, muss sich wenigstens seiner Haut erwehren können. Doch nur ein paar Männer an Bord bringen diese Fähigkeit mit.

Langsam ergibt sich van Weyden in sein Schicksal. Er nimmt die niederen Arbeiten an, wird verhöhnt, auch bekämpft, steigt schließlich in der Hierarchie an Bord auf. Der einstige Gentleman aus der feinen Gesellschaft von San Francisco ist gleichermaßen abgestoßen und fasziniert. Dieser Kapitän, ein Hüne, fast eine mythologische Gestalt, äußerlich wie auch durch seine körperliche Kraft begründet, hat seine eigenen abgründigen Theorien über das menschliche Wesen entwickelt. Der Mann, der sich selbst alles beigebracht hat, Wissen über Literatur, Philosophie und Mathematik, glaubt, dass die Zivilisation des Menschen nur ein verzweifelter und lächerlicher Versuch ist, sich über das Tier zu erheben, das ihm immer noch inne wohnt. Für Wolf Larsen gibt es nur eine Wahrheit: der Starke siegt.

Die unsterbliche Geschichte von Jack London, hier von Riff Reb’s für das Medium Comic adaptiert, ist ein literarisches Abenteuer, oft verfilmt und nicht selten zitiert. Wolf Larsen, der Seewolf, ein Mensch, der sich gegen die Zivilisation wehrt, aus tiefsten Hass und Abscheu gegen sie zu Felde zieht, ist jemand, der das Wort Egoist für sich erfunden zu haben scheint. So lange er seine Feinde mit bloßer Gewalt bezwingen kann, vermag ihm niemand die Herrschaft über die Ghost, seine eigene kleine Welt, streitig zu machen. Riff Reb’s, der bereits mit der Adaption zu An Bord der Morgenstern sein Talent für maritime Stoffe unter Beweis gestellt hat, macht aus Londons Seewolf ein besonderes Erlebnis im Medium Comic.

Riff Reb’s könnte bei Künstlern wie Otto Dix und Andreas Deja in die Schule gegangen sein. Überzeichnete Charaktere mit dem dixschen Scharfblick der 20er Jahre und einer leichten Verniedlichung der Figuren eines Disney-Veteranen wie Andreas Deja. Das ergibt eine kuriose wie auch sehr kräftige Mixtur, die von Seite zu Seite mitreißend ist. Die Kolorierung der gesamten Szenerie, die kapitelweise immer einem Grundton folgt, findet einen ganz eigenen Weg der Stimmungserzeugung.

Die Tönungen sind oft düster, fremdartig und halten den Leser auf Distanz. Riff Reb’s inszeniert beinahe eine Theateraufführung und spielt mit den dramaturgisch richtigen Lichtfarben. So entsteht ein höllisch anzuschauendes Szenario, in dem der Tusche eine größere Aufgabe zufällt. Denn Riff Reb’s versteht hier außerordentlich sein Handwerk, meißelt seine Figuren, malt seine Hintergründe. Bestechend sind einige (leider nur wenige) rein schwarzweiße, doppelseitige Illustrationen, die Schiffe im Kampf mit der See zeigen.

Keine Erlösung für Humphrey van Weyden: Auch in der Adaption von Riff Reb’s fährt die Ghost zur Hölle. Der Seewolf ist eine zeitlose Erzählung, wie es sie nur selten gibt. Diese Version im Medium Comic ist sehr gut umgesetzt, gruselig packend. Es ist zu hoffen, dass sich Riff Reb’s noch weiterer Seefahrergeschichten annimmt. 🙂

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