Mittwoch, 15. Mai 2013
Wenn Erzählern die Geschichten ausgehen, sie sich fortwährend wiederholen, dann kann es passieren, dass sie die Gunst derer, die für ihren Lebensunterhalt sorgen, verlieren. Oder mehr: das Leben nämlich. Plötzlich ist der Posten des Erzählers am Hofe des Königs frei. Die beiden Söhne, Skeggy und Sligand, haben nur wenig Familiensinn. Besonders der ältere der beiden ist ehrgeizig genug, um seinen eigenen Bruder ans Messer liefern zu können. Gemeinsam haben sie nur noch eine Aufgabe: neue Geschichten finden und am Hofe die Stelle des Vaters einzunehmen. Doch vor dem Erzählen hat das Leben die leibhaftigen Abenteuer erfunden. Und davon bekommen die beiden Brüder sehr bald mehr, als ihnen lieb ist.
Wikinger! In von Eis und Schnee bedeckten Landen, wo die Abende lang sind und die Abwechslung nicht sonderlich groß, suchen die kriegerischen Mannen nach Zerstreuung. Sie lieben Geschichten, Wiederholungen indes überhaupt nicht. Es ist leider so, laut der beiden Erzähler Hub und Fred Weytens, dass der Wikinger als solcher, selbst wenn er dem selbigen Beruf nachgeht, eher ideenlos ist und lieber aus der Konserve, dem Geschichtenschatz anderer erzählt. Für den Leser ergibt sich daraus ein wahnwitziges Abenteuer, an einen scheinbaren Rand einer Welt, in der es eine Menge zu entdecken gibt.
Zuerst einmal werden die Charaktere zu einer Einheit geschmiedet, die Guten ebenso wie die Bösen. Neben Sligand, seinem noch kleineren Bruder Knut und einem etwas nervösen Berserker namens Almarik schließt sich ihnen noch ein weiblicher Kapitän an, der aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit im deutlich sexistischen Norden immer neuen Pöbeleien und Anfeindungen ausgesetzt ist. Außerdem traut man(n) einem weiblichen Kapitän nicht viel zu, weshalb das Geschäft schlecht geht und das Schiff, ihre Einnahmequelle, entsprechend heruntergekommen ist. Die Ausgangssituation für alle Charaktere: die Situation kann sich nur verbessern? Denkste!
Das Auge der Welt, so der Untertitel des ersten Bandes, verheißt noch ärgere Gefahren, als jene, die von den Reisenden in der Heimat zurückgelassen wurden. Im skizzenhaften Stil von Emmanuel Michalak lassen sich sehr unterschiedliche Figuren finden. Gesichtsformen variieren stark, haben als vereinigendes Element eine kleine, fast knuffige Augenform. Nur Brynhild, der weibliche Kapitän der ASLAK, des Drachenbootes, das seine Passagiere zur Erfüllung ihre Aufgabe tragen soll, ist die berühmte Ausnahme.
Die Strichführung ist recht natürlich, könnte wirklich einer Feder zugrunde liegen oder ist wenigstens bestens imitiert. Emmauel Michalak liebt die komödiantische Mimik ebenso wie ein grandioses weites Bild mit nordischen Dörfern und eisigen Malströmen. Hier schlägt das Abenteuer zu und es scheint, als seien Sligand und seine Gefährten auf den Spuren eines Odysseus, wenn sie ähnliche Passagen nehmen müssen wie einst der antike Grieche.
Hier finden sich Humortendenzen, die so manchen an einen Erik, den Wikinger oder auch einen Catweazle erinnern mögen. Es ist ein Humor, der es zeitweilig so richtig python-mäßig krachen lässt. Wenn zum Beispiel aus dem Innenleben einer Seeschlange noch ein Passagier kriecht, um die ohne schon aufgelösten Reisenden noch mehr zu verwirren (und zu beschimpfen), dann ist das Chaos noch lange nicht komplett. Denn (die) ASLAK jagt von Missgeschick zu Missgeschick und zeitweilig meint man, gleich könne der schreckliche Sven um die Ecke kommen. Allerdings wird es schon vorher ungleich blutiger, pythonesk und doch erwachen in weiter Ferne Figuren wie ein Peer Wiking in der Erinnerung, nimmt sich das Szenario in Sachen Gewalt ein Stück zurück..
Humor ist wieder einmal Trumpf im hohen Norden, griechisch tragischen Spuren folgend, bis ans Ende der Welt, frisch erzählt und schön, nicht weniger klassisch illustriert. 🙂
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strong>Die Reise nach Atlantis ist beschwerlich und gefahrvoll. Selbst am Ziel können die Reisenden ihres Lebens noch nicht sicher sein. An der Küste der verborgenen Insel lauern gefährliche Brandungen und darunter, gigantisch und voller spitzer Zähne im Maul, lauern Seeungeheuer mit ewigem Appetit auf unvorsichtige Schwimmer. Die Pracht des Archipels entschädigt beinahe für die vollbrachte Mühe der langen Reise. Die Wunder, lebendig gewordene Legenden, lassen den beiden Gästen, den Quästoren, die Augen übergehen. Leibhaftige Zentauren und Nachfahren der Drachen leben Seite an Seite mit den Menschen auf dem Eiland. Dies sind beileibe nicht alle der fremdartigen Kreaturen. Einige sind, wie die Qästoren Idomeneus und Aeson feststellen müssen, den Besuchern wenig wohl gesonnen und trachten ihnen binnen kurzem offen nach dem Leben.
In der zweiten Folge der Reihe QUÄSTOR schwelgen die drei Comic-Macher Jean-Luc Sala (Autor), Nicola Saviori (Zeichner) und Matteo Bassini (Farben) regelrecht in diesem Szenario und fahren wie auf einer opulenten Tafel alles auf, was das fantasy-begeisterte Herz begehrt. Oder auch lange entbehrte. Denn Szenarien, die in den Tagen der griechischen Antike handeln, sind eher selten, obwohl sie geradezu ein Garant für eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Handlung sein können. Bereits die Landkarte im Vorfeld der Erzählung ist verheißungsvoll, wird aber bei weitem von den geschilderten Ereignissen im Inneren übertroffen.
Nach einem sehr aktionslastigen Auftakt, der auch gleich die Fronten absteckt, zwischen denen unsere Quästoren ermitteln müssen, wird die Geschichte deutlich intriganter. Idomeneus und Aeson müssen wirkliches detektivisches Geschick zeigen. Hinter den Kulissen herrscht ein Tauziehen und Machtstreben, wie es verstrickter kaum sein könnte. Doch langsam gewinnen die Ermittler den Durchblick. Aber das Ergebnis ist alles andere als ermutigend. Nicola Saviori und Matteo Bassini setzen als künstlerisches Duo die Insel, die Paläste und Kerker, die Heiligtümer und unglaublichen Kreaturen wundervoll (das ist nicht übertreiben!) in Szene. Eine Art plastisches Disney-Universum, ohne Disney zu sein, mit einer Beinahedreidimensionalität, ohne dreidimensional zu sein.
In betrunkenem Zustand sollte man einen Minotaurus tunlichst nicht Herr Stierschädel nennen. Eigentlich sollte man ihn auch nicht in nüchternem Zustand Herr Stierschädel nennen. Idomeneus ist jedoch ein Mann, ein ehemaliger verdienstvoller Krieger, der gerne in viele Fettnäpfchen tritt. Da spielt der gerade aktuelle Geisteszustand keine große Rolle. Von der großen Gefahr gleiten die Situationen gerne in die Komödie über. Die Tragödie spielt auch eine Rolle, so dass sich jede dramatische Erzählform, die ihre Blüte in jenen fernen antiken Tagen erlebte, Verwendung findet. Der Humor ist allerdings die feinste Form, die sich hier zeigt. Idomeneus und Aeson sind wahre Komödianten.
Will man über die Grafik das Zepter schwingen, darf ruhig das Wörtchen bombastisch in den Mund genommen werden. Hier wird ein ähnlicher Aufwand betrieben, wie es in den Fantasy-Comics Ishanti und Canari zu finden ist. Mühe, das ist auf jeder Seite ersichtlich, wird hier nicht gescheut. Im Ergebnis bietet Matteo Bassini eine Farbenpracht, die außerdem von einem Auge für das perfekte farbliche Zusammenspiel zeugt.
Eine starke mittlere Episode des Dreiteilers, die optisch wahnsinnig viel aus den derzeitigen technischen Möglichkeiten der computergestützten Kolorierung herausholt. Verbunden mit der durchaus leidenschaftlichen Erzählung, einem spannenden Handlungsstrang, ist QUÄSTOR 2 ein Zuckerstückchen im Bereich Fantasy. 🙂
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Montag, 13. Mai 2013
Was wäre, wenn es Paralleluniversen gäbe? Dimensionen, in denen das Leben einen unterschiedlichen Verlauf nimmt? In denen sich vieles ähnelt und doch alles so anders ist. Der spektakuläre Spider-Man hat seine Teenager-Tage schon länger hinter sich gelassen. Er ist ein gestandener Held, sehr erfahren und hat die unterschiedlichsten Szenarien mitgemacht, geheime Kriege, Bürgerkriege, neue Tage, wurde geklont und vieles mehr. Und doch gibt es Momente, in denen selbst ein so lang gedienter Held, der endlich mitten Leben, auch privat, steht, überrascht wird. Als er sich eines Tages zum wiederholten Mal mit Mysterio anlegen muss, geschieht das Unerwartete. Spider-Man landet auf einer anderen Erde. Plötzlich gibt es Spider-Man zweimal: Spider-Men.
Das ultimative Universum von Mavel. Mit Spider-Man, dem ultimativen, wurde eine neue parallele, sehr breit gefächerte Welt angelegt, die von vorn begann, die bestehenden Charaktere mit neuen, der aktuellen Ära angepassten Lebensläufen versehen. Bisher hat auch dieses Universum zahlreiche große Events erlebt und war sicherlich die maßgebliche Grundlage für die Geschichten, die rund um die Avengers in den letzten Jahren die Kinoleinwand bevölkern. Nick Fury ist nicht mit dem Aussehen von Samuel L. Jackson bedacht worden, weil es einem Regisseur so einfiel, sondern weil er in genau diesem Aussehen so im Ultimativen Universum in den Comics so erschien. Und nun auch noch das: Spider-Man ist tot.
Und wurde ersetzt. Durch einen Spider-Man, der noch jünger ist, als Spider-Man jemals war. Das Zusammentreffen der beiden sehr unterschiedlichen Charaktere ist von Brian Michael Bendis, dem inzwischen gestandenen Veteranen unter den Comic-Autoren,, stilsicher erzählt. Selten wurden zwei unterschiedliche Universenstränge so elegant zusammengebracht. Crossover, auch eine Begrifflichkeit in diesem Zusammenhang, finden entweder zwischen zwei verschiedenen Verlagsuniversen statt oder seit geraumer Zeit auch intern, innerhalb der verlagseigenen Universen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Und was da nicht schon alles aufeinandertraf! Doch hier ist es ein wenig so, als fände zusammen, was zusammengehört.
Meldet euch, wenn ihr fertig seid, und versucht, nichts in die Luft zu jagen. So gibt Nick Fury den beiden Spider-Men den gut gemeinten Ratschlag. Dabei wissen er und die Leser ganz genau, dass … Nun, man kann es sich wirklich denken. Brian Michael Bendis gestaltet das Zusammentreffen so, als habe unser (der echte) Spider-Man endlich seinen lange verdienten und sehr gut ausgesuchten Sidekick erhalten.
Sara Pichelli zeichnet diesen Ausflug in andere Dimensionen mit dem Realismus jener Generation von Comic-Künstlern, die stets auch ein wenig Komödiant in ihre Figuren einfließen lassen. Für eine Figur wie Spider-Man, genauer gesagt Peter Parker, ist dies ideal. Hier finden sich genau definierte Gesichtsausdrücke, die sich besonders in einer (sehr schönen) Szene zeigen, als unser Peter Parker auf die Familie trifft: Tante May und Gwen Stacy. MJ bleibt dem Leser nicht verborgen, nur Peter muss auf ein Zusammentreffen verzichten.
In Mysterio findet Sara Pichelli zwar keinen Schurken aus der ersten Reihe, dafür ist er jedoch der perfekte Ganove, wenn es darum geht, eine Menge Tricks und Spezialeffekte aus dem Hut zu zaubern. Justin Ponsor ist als Kolorist für die fein ausgeführte und gleichzeitig kräftige Farbgebung verantwortlich. Mysterios Double ist ein Garant für einfallsreiche und knallige Szenen. Besser wird es jedoch, wenn Peter Parker privat wird und sich hier eine dichte Charakterzeichnung im doppelten Wortsinn offenbart.
Spider-Men fasst die Miniserie gleichen Namens in einem Band zusammen. Einer der schönsten Höhepunkte rund um den Spinnenmann in der letzten Zeit. Toll geschrieben, noch besser gezeichnet von einer technisch perfekten italienischen Künstlerin. Nicht nur für Spider-Man-Fans! Klasse! 🙂
Samstag, 11. Mai 2013
Ausgestattet mit großer Macht, deren damit einhergehende Verantwortung Spider-Man angenommen hat, schwingt sich die freundliche Spinne von nebenan durch New Yorks Straßenschluchten, verfolgt von den Flüchen und Hetzereien eines J. Jonah Jameson, seines Zeichens Chefredakteur des Daily Bugle. Dabei will Spider-Man nichts anderes als helfen. Für einen Teenager ist dies alles andere als leicht. Denn wenn er nicht gerade gegen normale Halunken und Superschurken antritt, geht er in die High School und muss sich dort, um seine wahren Kräfte zu verbergen, allerhand von seinem Schulkameraden Flash Thompson gefallen lassen. Dazu gehört es leider auch, von Flash regelmäßig im Schulspind eingeschlossen zu werden.
Das Angebot: Nick Fury, Direktor von SHIELD, will den Helden Spider-Man fördern. Mit den Mitteln der Behörde könnte Spider-Man mit technischen Spielereien ausgestattet werden, die seine kühnsten Vorstellungen übersteigen. Aus Spider-Man könnte Der ultimative Spider-Man werden. Anfangs sträubt sich Peter Parker, wie der junge Held mit bürgerlichem Namen heißt, noch. Doch ganz langsam freundet er sich mit der Idee an. Mit den Folgen hat er allerdings nicht gerechnet.
Ein neuer ultimativer Spider-Man. Die freundliche Spinne von nebenan hat schon diverse Inkarnationen durchlaufen. Neuerzählungen in Miniserien oder, größer angelegt, im Ultimativen Universum von Marvel. In einem Kinofilm konnte Spider-Man noch nicht zusammen mit anderen Helden agieren, im Zeichentrickfilm und der von der Serie in dieser vorliegenden Form des adaptierten Hörspiels ist dies nun möglich. Mehr noch: Spider-Man erhält Freunde zur Seite gestellt, die abseits des Comics eher vernachlässigt wurden und dennoch bereits auf eine lange Lebensgeschichte zurückblicken können.
Von der Zeichentrickserie zum Hörspiel. Der Originalton der Serie wurde genutzt und als Hörspiel umgesetzt. Jene Bestandteile, bei denen sich der Comic-Fan normalerweise der Augen bedienen muss, um sie zu erfassen, werden für die Adaption nun von einem Erzähler, Gordon Piedesack, vorgetragen. Mit humorvollem Unterton entsteht so ein dichtes Szenario, das die schönen Dialoge weiterer bekannter Sprecher einrahmt. Engelbert von Nordhausen spricht, wie in den Kinofilmen, Nick Fury, Agent Phil Coulson wird wie bei den Avengers auf der Kinoleinwand von Till Hagen gesprochen. Entsprechend authentisch ist bereits dieser Teil der neuen Serie.
Darüber hinaus wird ebenfalls auf gestandene Profis gesetzt. Nico Sablik, die deutsche Stimme von Harry Potter, spricht einen recht frechen und selbstbewussten Peter Parker. Wanja Gerik, der in einem anderen Genre Anakin Skywalker die Stimme leiht, spricht Nova. Kim Hasper sprach bereits in der ersten Spider-Man-Trilogie im Kino die Rolle des Harry Osborn. Und als Harrys Vater Norman Osborn ist der viel beschäftigte Bernd Vollbrecht zu hören (die Synchronstimme von Antonio Banderas).
Dieser Aufwand macht sich bezahlt, denn das Hörspiel macht so einen fülligen Eindruck und verleiht dem Szenario Leben, angesiedelt zwischen Spannung und Spaß. Der Transport vom Fernsehschirm aufs Ohr funktioniert im besten Sinne und unterhält in der ersten Folge mit den Episoden Das Angebot und Große Verantwortung. Für junge Hörer ist das Hörspiel ebenso geeignet wie auch für jene, die einmal mehr etwas Neues im Marvel-Universum entdecken wollen. Denn die Macher lassen es sich nicht nehmen, die Geschichte beim Schopf zu packen und gleich ein neues Superhelden-Team in Angriff zu nehmen.
Eine sehr sympathische, humorvolle und von der ersten bis zur letzten Minute unterhaltsame Hörspielumsetzung. Comic funktioniert hier ebenso wie auf den Comic-Seiten oder dem Fernsehschirm (wo die Vorlage des Hörspiels in Form der gleichnamigen Serie herstammt). So, wie sich der Auftakt hier präsentiert, hätte er direkt als Hörspiel konzipiert sein können. Sehr schön, nicht nur für Comic-Fans. 🙂
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Mittwoch, 08. Mai 2013
Die Welt, wie sie der Mensch heute noch kennt, könnte aufhören zu existieren, falls Technovores Plan aufgeht. Ein Junge nur, so scheint es, hat einen Weg gefunden, mit unbekannten Kräften zu spielen, gegen die Iron Man und sogar SHIELD machtlos sind. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. In einem scheinbar weit entfernten Raum, einem Hort der Ruhe, der Entspannung, fernab der Bedrohung durch die menschliche Zivilisation plant TECHNOVORE seine nächsten Schritte mit Bedacht. Der junge Mann ist der festen Überzeugung, dass nichts ihn aufhalten kann. Und seine Überzeugung fußt auf der Erfahrung gegen zwei der mächtigsten Helden des Planeten angetreten zu sein und gewonnen zu haben. Wer ist dann noch SHIELD?
IRON MAN, der sich ansonsten meist eher handfesteren, auch weniger intelligenten Gegnern stellt (sieht man einmal vom Mandarin ab), bekommt hier außerdem eine sehr außergewöhnliche, beinahe vergeistigte Figur zum Feind. Wer sich ein wenig mit Animes beschäftigt hat, wird das eine oder andere Mal auf ähnliche Figuren gestoßen sein. Abgestoßen von der Barbarei der Menschheit, philosophischen Strömungen folgend, einen Neuanfang suchend, will dieser Charakter nur eines: mit der alten Erde aufräumen, alles Bestehende vernichten und aus den Trümmern ein Utopia schaffen. Leider will es, Technovore, ausgerechnet ein Konstrukt benutzen, an dem Tony Stark maßgeblich beteiligt ist.
Im Zuge der Ermittlungen einer grauenhaften Katastrophe, in die neben IRON MAN auch WAR MACHINE, James Rhodes involviert ist, sperrt sich Tony Stark gegen die Forderungen von Shields Boss Nick Fury. Dieser setzt zwei seiner Agenten auf IRON MAN an: HAWKEYE und BLACK WIDOW. IRON MAN flieht unter Mühen und sucht ausgerechnet Hilfe bei jemandem, der am liebsten auch mit diesen kostümierten Helden aufräumen würde: PUNISHER.
Es geht also nicht zur Sache in dieser neuen Comic-Verfilmung, die zeitgleich zum dritten Kinofilm um den eisernen Rächer erscheint, es geben sich auch ein paar Bekannte aus dem Marvel-Universum die Klinke in die Hand. Neben dem unverkennbaren Anime-Stil, der sich nicht nur in der Gestaltung der Figuren niederschlägt, darf der Zuschauer sich auch auf eine Mixtur aus traditioneller Animation wie auch computerisierter Verfolgungsjagden und Landschaftsanimation freuen. Angereichert mit einem rockigen Soundtrack erscheinen die Action-Szenen manchmal auch wie ein schnell geschnittenes Musikvideo. Für ein stark technisiertes Abenteuer ist dies genau richtig.
In der deutschen Synchronisation kann sich der Marvel-Fan auf Peter Lontzek als Tony Stark freuen. Auf der Kinoleinwand sprach er bislang Loki bei seinen Auftritten in Thor und den Avengers. Andere bekannte Stimmen wie Jörg Hengstler (als Nick Fury, bekannt als Stimme von Adrian Paul und Avery Brooks) und Uwe Büschkens (als Jarvis, bekannt als Stimme von Steve Carell) verstärken die Riege der versierten Synchronsprecher.
Fein gestaltete Hintergründe, wie sie exemplarisch während des Auftrittes von PUNISHER in Form von ruinösen Stadtansichten in Szene gesetzt werden, bieten Tiefe, Atmosphäre und wecken besonders in dieser Sequenz den Wunsch, auch die Figur des PUNISHERS in dieser Form umgesetzt zu sehen. Die Ruhe dieser Sequenz dauert nicht lange. Rasante Action-Szenen beherrschen das Szenario. Entweder mit spektakulären Massenszenen (IRON MAN gegen die MANDROIDS) oder gegen bekannte Helden wie HAWKEYE UND BLACK WIDOW, die sich alle Mühe gegen das ungewöhnliche Gespann aus IRON MAN und PUNISHER geben.
Ein knallendes Action-Feuerwerk (das ist eher noch untertrieben) mit bekannten Gesichtern aus der Marvel-Welt, die sich allesamt schon auf der Kinoleinwand präsentiert haben. Für Marvel-Freunde wie auch Fans der Animetechnik bietet sich eine gelungene Verschmelzung beider Welten. 🙂
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Link: Trailer – IRON MAN – Rise of Technovore
Montag, 06. Mai 2013
Blütenhafen soll befreit werden. Niemand ist mehr sicher. Nirgendwo. Kapitän Pycebs, ein rauer Halunke, lässt es sich an diesem Abend wohl ergehen. Wein, Frauen, Badewasser. Die Frauen sind nicht abgeneigt. Der Kapitän zahlt gut, seine groben Manieren werden toleriert. Als die Fremden auf der Suche nach dem Kapitän in diese Termen eindringen, überschätzt der Kapitän seine Macht vollkommen. Der Auftakt zur Befreiung ist getan. Jedoch ist es nur ein kleiner Schritt, nicht weniger gewalttätig als die folgenden. Zuvor beraten sich die Bewohner, wie sie überhaupt zu Werke gehen sollen. Magie kann nützlich sein, doch nicht jede magische Fähigkeit besitzt auch im Kampf einen Wert. Putergeschrei gehört jedenfalls nicht dazu.
Iana, die Heldin dieser Geschichte, ist immerhin mit der Fähigkeit gesegnet, Holz wachsen zu lassen. Sie kann auf geschickte Art damit umgehen, zu geschickt, wie ein von ihr gestoppter Attentäter findet. Aber magische Fähigkeiten allein werden diesen Kampf kaum vernünftig beeinflussen können. Ihr Umgang mit dem Bogen ist dafür ebenso gut wie ihre antrainierten Fähigkeiten mit der Magie. In Blütenhafen wollen die feindlichen Truppen auch mit weltlichen Waffen bekämpft werden. Auch hier ist Training angesagt. Fragt sich nur, angesichts der Misserfolge dieser Waffengänge, während derer eigene Leute schwer verletzt zu Boden gehen, ob es nicht besser wäre, darauf zu verzichten und sich auf andere Fertigkeiten zu besinnen.
Die Schlacht von Blütenhafen, so der Titel des dritten Bandes der Reihe Die Eroberung von Troy, nimmt den Fan dieser Welt, Troy, mit in eine Zeit, als die Magie noch nicht ganz so versiert benutzt und beherrscht wurde. Ja, sie ist noch eine besondere Angelegenheit, die Magie. Und eine unterschwellige Angst herrscht unter den Bewohnern. Aber es zeigt sich, dass auch Fähigkeiten, wie das Herbeizaubern von Hämorrhoiden, ihren Teil zur Befreiung der Stadt beitragen können. Es sind solche Stellen, die Christophe Arleston nutzt, um Humor einzustreuen, der geringer ausfällt als in manch anderen Troy-Geschichten. Hier geht das Schwert über die Magie, ist das Abenteuer und der Kampf über dem fantastischen Geschehen.
Sicherlich bleibt von der Fantasy noch genügend übrig, doch Christophe Arleston hielt es anscheinend für angeraten, das Gewohnte in Troy deutlich zurückzunehmen und Platz zu schaffen für das Wiederentdecken inzwischen altbekannter Konstellationen. Das ist für den Stammleser dieses Universums vielleicht erst einmal ungewohnt, besitzt aber auch seinen Reiz, da nicht alles mit einem Zaubertrick gelöst werden kann. Oder auch, da viele magische Fähigkeiten scheinbar keinen Wert zu besitzen scheinen, sogar hinderlich sein können.
Tota wählt zur Darstellung feinste Striche, sehr zerbrechlich ausschauend und arbeitet gerne auch sehr klein, mit putzigen Massenszenen. Frische Perspektiven werfen schräge Blicke in die Gassen der Stadt, auf die Dächer und Kampfgetümmel. Gesichter, in denen die Nasen zumeist klein ausfallen, die Augen und der Mund deutlich die Gesichtsmimik bestimmen, haben zumeist etwas rundes, auch ovales, auch wieder putziges an sich. Diese leichte Verniedlichung nimmt einigen Szenen etwas von ihrer Härte, denn wo gekämpft wird, da fließt auch Blut. Und dies geschieht auch mit jener Heftigkeit, die in Schwertkämpfen, mit Stichwaffen allgemein, auftreten können.
Die Vorbereitungsphase der Schlacht von Blütenhafen erinnert an alte Rittergeschichten, in der Umsetzung des späteren Getümmels kann Arleston wieder aus dem Vollen seiner Einfälle schöpfen und präsentiert einen feinen Trick. Ein Trick ist ebenfalls die Zusammenarbeit von Tota und dem Koloristen Sebastien Lamirand, der die fein skizzierten Grafiken deutlich mit Volumen füllt, kräftig, aber ohne zu überschwänglich zu werden und in eine Plastikstrahlkraft auszuarten.
Das Abenteuer lebt, dank Christophe Arleston, ein Bestsellerautor, der wahrscheinlich in den üblichen (deutschen) Ranglisten nicht erfasst wird, aber sicherlich gleichauf mit einem Rene Goscinny zu nennen ist. Die Eroberung von Troy wartet mit schönen Ideen und einer spannenden Handlung auf und Arleston wäre nicht Arleston, würde er nicht bereits die nächste Episode vorbereiten. 🙂
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Sonntag, 05. Mai 2013
Wie wird ein Priester ein Priester? Janry (Geschribbel, so steht es vorne im Album) und Tome (Gekritzel, so steht es …) haben mit dieser Reihe um den kleinen Spirou noch nie den Versuch unternommen, auch nur annähernd politisch korrekt zu sein. Pfarrer Steiner, der den Kindern heutzutage das Leben so schwer macht, hatte, wie kann es anders sein, eine schwierige Kindheit. Der gottesfürchtige Mann wollte einmal ein Mann des Gesetzes, Sheriff werden. Doch die holde Weiblichkeit durchkreuzte diese Straße und führte ihn auf den Pfad der Tugend.
Der kleine Spirou erzählt seinem Freund die Geschichte vom ausgesetzten kleinen Jungen, der in einem Weidenkorb den Bach hinuntertrieb und von zwei Freundinnen gefunden wurde. Janry liegt mit seiner Theorie, die er daraus folgert vielleicht nicht so falsch. Denn erlässt Spirou fragen, woran diese Anekdote aus Pfarrer Steiners Leben erinnere. Die Antwort: an Superman, der sei allerdings in einer Kapsel von Krypton gekommen. Aber, das ist die versöhnliche Seite der gesamten Geschichte, Spirou teilt nicht nur aus, er muss auch gehörig einstecken.
Nicht nur seine Freunde, Rangen wie er, sondern auch seine Familie, wissen ganz genau, wie sie mit dem kleinen Spirou umzugehen haben. Allen voran marschieren Oma und Opa, um keine Antwort verlegen. Da wird schon mal das Alter vorgeschützt, um dem Kleinen eine Lektion zu erteilen. Turnlehrer Jahn ist jedoch, bei aller Vielfalt der Charaktere, die Zielscheibe des Spottes, des Humors. Der Mann, ein aus den Fugen geratener Sportlehrer, dem Alkohol sehr zugeneigt, eigentlich auch ein Sofasurfer, der nur glaubt, sportlich zu sein, wenn man es nur will, sorgt mit abstrusen Szenen für schadenfrohes Gelächter.
Dank der von Tome mit fetten Strichen gezeichneten Slapstick springen die Zeichnungen geradewegs ins Auge. Die Bilder sorgen neben dem Text für die zweite oder sogar dritte Pointe des Sketches. Manchmal endet es auch beinahe wortlos. Und manchmal glänzen Tome und Janry mit Einfällen, die schlicht wirken und kurz sprachlos machen. Hierzu sei das Stichwort Brille genannt. Mehr soll nicht verraten werden.
Tome und Janry schicken den kleinen Spirou durch die lustigen Begebenheiten einer erwachenden Liebe, deren Bekundungen auf einer Kirmes nicht immer zur rechten Zeit erfolgen. Viele Schwierigkeiten entstehen durch ihre Protagonisten selbst. Einige wiederkehrende Handlungsorte wie die Kirmes, zu denen sich noch der Strand, das traute Heim und die Schule gesellen werden noch ergänzt um einige Stätten, die manchesmal einen ausgefallen Ort für einen Sketch darstellen. Wenn Turnlehrer Jahn auf hoher See entfleucht, war das keinesfalls vorherzusehen.
Die Selbsterklärung der einzelnen Figuren innerhalb kürzester Zeit ist eine der ganz großen Stärken der Comic-Macher, von denen auch der Kolorist Stephane de Becker (Gekleckse) nicht ausgenommen werden soll. Will man die Sympathien der Comic-Macher für ihre entworfenen Charaktere in eine Rangfolge bringen, so dürfte, neben Spirou selbst versteht sich, Turnlehrer Jahn sehr weit oben stehen, gefolgt von Opa, Oma und Mama. Aber Jahn bleibt der Brüller, eine Witzfigur in sich, eine Art überdrehter Alfred Tetzlaff in Trainingsanzug. Jahn könnte auch ohne Spirou funktionieren. Tome und Janry testen dies weidlich aus, indem sie Spirou auch aus dem Off seine Bemerkungen beitragen lassen.
Auch in der 16. Folge immer noch witzig von Anfang bis Ende. Ideen, Humor und Ausdruck von Tome und Janry sind unerschöpflich. Eigentlich wäre es an der Zeit, dass die versammelten Figuren einmal eine albenlange Komödie erleben. 🙂
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Donnerstag, 02. Mai 2013
Die Gang auf den Motorrädern stellt Forderungen. Sie wollen alles. Jeden Vorrat. Grimes und seine Leute lächeln über diese Forderung. Die auf sie gerichteten Waffen sind ihnen egal. Grimes gibt einen kurzen Befehl, schon eröffnet Andrea das Feuer. Einer von der Motorradgang bleibt am Leben. Er soll diesem Negan, der nach der Ansicht von Grimes nichts anderes ist als ein mieser Schutzgelderpresser, eine Botschaft überbringen. Fortan sollen die Leute um Negan zahlen. So läuft das. So denkt Grimes. Da gab es vor diesem Negan schon ganz andere, die mit ihnen ein Tänzchen wagen wollten. Diesmal jedoch liegt Grimes völlig falsch.
Denn sie wissen nicht, was sie tun … Von wegen! Im Gegensatz zu den Untoten, den langsam verwesenden Menschenfressern, die immer noch durch die Lande streifen, weiß die Bande um den geheimnisvollen Negan ganz genau, was sie tut. Halbwegs jedenfalls, muss man sagen, denn ihr Auftreten, arrogant gepaart mit dem Wissen über die bisherige Stärke, das bislang zum Erfolg führte, wird plötzlich durch die Gegenwehr von der Gruppe um Grimes jäh unterbrochen.
Nach weiteren Versuchen schaltet sich der große Boss schließlich selbst ein und Robert Kirkman, Autor der Reihe THE WALKING DEAD, wird gemein. Niemand ist sicher innerhalb der Comic-Universen. Ab und zu muss sich auch eine Figur verabschieden, an die sich der Leser über viele Ausgaben hinweg gewöhnt hat, die außerdem einen hohen Stellenwert innerhalb der Beziehungen der Gruppe hatte. Es soll nichts verraten werden, doch Robert Kirkman zelebriert dieses Ableben und die Verabschiedung dieses Charakters ist, selbst nach nicht wenigen brutalen Szenen, die infolge einer Zombie-Comicserie nicht ausbleiben, grausam.
Mehr noch: Robert Kirkman dreht den Kompass von Grimes und Konsorten in eine neue Richtung. Bisher erworbene, schwer erkämpfte Prinzipien werden über Bord geworfen. Der Untertitel des vorliegenden Bandes, Fürchte dich nicht, ist irreführend, denn Furcht wird, nachdem eine Gewöhnung im Kampf gegen die Untoten eingetreten ist, plötzlich wieder zum obersten Gebot. Furcht hält wach, macht aufmerksam, lässt einen die Alternativen sorgfältig abwägen, sofern genügend Zeit dafür bleibt.
Weinen. Ich gestatte euch allen zu weinen. Ob der Leser bei dieser ganz speziellen Szene weint, der dieses Zitat entnommen ist, bleibt jedem selbst überlassen. Den Akteuren um Grimes hingegen bleibt kaum etwas übrig. Gegenwehr könnte alles nur noch verschlimmern. Es ist kaum vorstellbar, zumal Kirkmans Skriptvorlage und schließlich Charlie Adlards (Zeichner) Umsetzung keinen (na, kaum) Raum für die Fantasie des Lesers lassen. Mehr noch. Kirkman demontiert seinen Rick Grimes, gründlich, wie man es als Leser bei einer derart lang fortlaufenden Serie selten erlebt.
Sicherlich passiert dergleichen hin und wieder, manche werden sogar getötet, aber dies geschieht kaum in einer Handlung, die über einen solch langen Zeitraum läuft. Im Herbst 2013 wird THE WALKING DEAD zehn Jahre alt. Ja, man kann sich als Leser an Figuren gewöhnen … Andererseits ist es auch, aus Autorensicht, bewundernswert, wenn ein Autor eine beliebte Figur nicht sichert, denn nun kann wieder alles geschehen. Ja, Kirkman könnte sogar auf die Idee kommen, seinen Rick Grimes eines Tages zu ersetzen.
Charlie Adlard ist stilistisch an dem Punkt angelangt, an dem seine Bilder wie von filmischen Vorlagen abgezeichnet wirken. Die Striche sind grob, doch punktgenau angelegt. Die Bildausschnitte des Geschehens ziehen den Blick durch starke Kontraste auf sich. Auch spielt Adlard mit den Figuren, die einen hohen Anteil am Geschehen haben, denn der traditionelle Zombie ist in dieser Folge in deutlicher Minderheit. Negan, der geheimnisvolle Anführer, könnte optisch einer Frank Miller Version von Superman entsprechen. Adlard stattet ihn mit einem frechen Grinsen zum falschen Zeitpunkt und macht ihn so zu einer der furchtbarsten Gestalten im Horror-Genre: ein eiskalt berechnender Psychopath.
Ein Knaller der Reihe, ein Wendepunkt, der vieles für die handelnden Charaktere Erreichte umstößt, zunichte macht und gleichzeitig einen Neubeginn markiert. Bitter, hart, höchst dramatisch. 🙂
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Mittwoch, 01. Mai 2013
Diese verdammten Vogelbräute! Sie könnten den GOON doch tatsächlich schaffen. An einem Strick hängend geht es hinauf in die Lüfte. Mangels Luft fällt GOON die Gegenwehr zunächst nicht leicht, doch als er zurückschlägt, haben diese Harpyien sehr schlechte Karten auf einen Stich. Der Kampf endet unentschieden. Pech für die Vogelbräute, dass GOON ein Gedächtnis wie ein Elefant hat und äußerst nachtragend sein kann. Dynamit ist das Mittel der Wahl, um den verdammten dämonischen Viechern zu zeigen, wo der Hammer hängt.
GOON ist etabliert, darf aber immer noch als Comic-Anarchie bezeichnet werden. Obwohl so lange am Markt vertreten, mit Preisen bedacht, ist Eric Powells GOON weiterhin bemerkenswert unangepasst und verweigert sich gängigen Mustern. Gerade das macht ihn so gut und bei seinen Fans so erfolgreich. Im Leben von GOON ist nun ein wenig Ruhe eingekehrt. Er hat die letzte Attacke durch die Wechselbälger überlebt und ordentlich aufgeräumt. Er hat einen Kraken, riesenhaft und mit Dutzenden von Augen versehen, bekämpft und gesiegt. Doch es ist nicht wie vorher. Es brütet im Hintergrund, bereitet sich vor. Und schließlich kehren zwei Damen zurück, die GOONs Partner Franky bereits einmal ärgerten. Damit fängt der Schlamassel für GOON, der die ruhige Zeit auch genossen hat, wieder an.
Der Ort, an dem das Unheil gedeiht, so lautet der Titel des 8. Bandes aus der Reihe THE GOON. Es gedeiht. Allerdings läuft es weder so ab, wie der Leser es vielleicht denken mag. Noch verhält es sich so, wie es die dunklen Helden der Reihe gerne hätten. GOONs alter Feind, derjenige, mit dem so zu sagen alles begann, der Priester und Totenbeschwörer, scheint ganz unten angekommen zu sein. Alle Pläne, seinen Widersacher zu vernichten, sind gescheitert. Ein solcher Fiesling, der innerhalb einer größeren Verbindung agiert, kann nicht lange auf seinem Versagen sitzen bleiben. Da GOON seine Arbeit nicht zu Ende brachte, besorgen das nun andere für ihn und ein Nachfolger des Priesters steht schon in den Startlöchern. Doch zuvor wird bestraft …
Eric Powell ist kein Künstler, der mit seiner Erzählung oder seinen Bildern Kompromisse eingeht. (Vielleicht schon, erkennbar ist es für den Leser jedenfalls nicht.) THE GOON kennt keine politische Korrektheit. Besonders Franky lässt keine Gelegenheit aus, um sexistisch zu sein. GOON arbeitet vornehmlich blutig. Am Treiben hinter den Kulissen, hat dieser zunächst wenig zu schaffen. Diesmal sind andere ganz besonders blutig am Werke. Daneben ist der Humor pechschwarz. Nagel, der augenlose Zombie, der sich seinen Verstand bewahren konnte und seinen Appetit auf Menschenfleisch erfolgreich unterdrückt, bereichert im Team um GOON die Handlung um einige kleine Gags am Rande. Die kleinen Strolche, genauer eine Persiflage auf die kleinen Gauner, verdienten wenigstens ein kleines Spin-Off.
Die Optik spielt mit rüden, teilweise normalen Figuren, wie sie auch in Filmen der Schwarzen Serie auftauchen. Hier leben die 30er, 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts auf. Auch mögen die Stimmungen alter Horrorfilme hier zu finden sein, wie sie einst durch Gruselklassiker wie Ich folgte einem Zombie vertreten wurden. Wer alte Filmplakate des Genres jener Tage mit den Stimmungen auf den Titelbildern von THE GOON vergleicht, wird sehr schnell Parallelen feststellen.
Neben einprägsamen Visagen, eindrücklichen Horrorbildern, gelingen Eric Powell auch sehr einfühlsame Grafiken, die keiner Worte bedürfen und den Leser näher an die Figuren heranbringen. Allerdings, als sei ihm eine gewisse Gefühlsduselei eher peinlich, zwängt Powell derlei Szenen zwischen Sarkasmus und schwarzen Humor, so dass für den Kloß im Hals nicht viel Zeit bleibt. Mehr als nur nebenbei darf der Leser nicht nur diese feinen Grafiken genießen (ob man die Motive nun mag oder nicht, die Qualität von Powells Grafiken steht außer Frage).
Ein zweiter Garant für das kleine cineastische Erlebnis auf Papier ist der Kolorist Dave Stewart, der sich sattsam einen Namen im Medium Comic gemacht hat, als Zauberkünstler für die rechte Farbgebung. Er arbeitete nicht nur für bekannte Serien, sondern auch neben bekannten Comic-Machern wie Mike Mignola, Carlos Pacheco oder Darwyn Cooke. Weich lasierend legen sich Aquarellschichten über die Bleistiftzeichnungen, imitieren sie perfekt eine natürliche Kolorierung. Kontrastreich, eher sanft als grell, könnte diese Technik auch in einem Bilderbuch Verwendung finden. Powell frönt als federführender Künstler auch hier den Gegensätzen von Ausdruck und Inhalt.
Band 8, Der Ort an dem das Unheil gedeiht, ist etwas wie der Beginn eines neuen Kapitels innerhalb der Reihe. GOON begegnet seiner Vergangenheit mit einer veränderten Sicht und die Hinweise verdichten sich, dass diese Geschichte noch lange nicht ausgestanden ist. Gewohnt makaber, gewohnt gute Optik, Powell lässt sich nicht einzwängen. Sehr gut. 🙂
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Link: www.thegoon.com
Dienstag, 30. April 2013
In der Stichflamme ist eine Figur, eine Gestalt zu erkennen. Monströs, alles verbrennend fällt sie über Carter Hall her, der doch nichts anderes wollte, als mit seinem Leben als Hawkman endgültig abzuschließen. Zunächst könnte es wirklich ein Ende sein. Das Ende des Lebens. Aber das Leben hat noch einiges mit Carter Hall vor. Es wird ihm geschenkt. Der Preis ist hoch. Die Überlebenskämpfe, gegen das Böse in mannigfaltiger Form wird fortgesetzt, grausamer, finsterer. Die Rüstung Hawkmans, nun ein Teil von ihm, eine bessere Waffe und Schutz als sie jemals gewesen ist, muss alles geben, um ihren Wirt am Leben zu erhalten.
Er ist einer der ungewöhnlichsten Helden im DC-Universum. Das will bei der Fülle von Helden und Schurken in diesem Comic-Universum etwas heißen. Angetan mit einem Helm, der einem Falkenkopf ähnelt, riesigen Schwingen und zumeist mit einer Kriegskeule bewaffnet, legt er innerhalb diverser Abenteuer unverwechselbare Auftritte hin und kann durch seine finstere, geheimnisvolle Art sogar jemanden wie Batman zeitweilig in den Schatten stellen.
Nun ist er wieder da! In einem veränderten Universum, in dem viele Figuren aus dem Hause DC eine Transformation erfahren haben, steht auch der Hawkman seinen Kollegen in Nichts nach. Carter Hall, das normale Ich, der Alltagsbürger, der sich hinter Hawkman verbirgt, versucht, seine Rüstung zu vernichten. Die Aktion misslingt nicht nur, Carter bewirkt das genaue Gegenteil. Die Rüstung wird zu einem körperlichen Teil von ihm, die sich genau dann einen Weg nach draußen bahnt, wenn Gefahr im Verzug ist. Der goldene Ritter der Lüfte erinnert so ein wenig an die Darkness. Eine ähnlich dunkle Atmosphäre zieht auf, die Gegner sind ausgesprochen unheimlich und nicht ganz so normal wie jene, mit denen es zum Beispiel ein Superman zu tun bekommt.
Hawkman, der mit seiner neuen Existenzform erst einmal einen halbwegs vernünftigen Weg durchs Leben finden muss, erhält von Autor Tony S. Daniel gleich zu Beginn einen dämonisch erscheinenden, außerirdischen Gegner, der unüberwindlich zu sein glaubt. Und tatsächlich bereitet er Hawkman erhebliche Schwierigkeiten. In einer grafischen Stilistik, die mehr an europäische Graphic Novels erinnert, mit einem Anflug des Stils von Mike Mignola (betrachtet man die außerirdischen Wesen), und einer Farbgebung, die mehr an organisch, natürlichem Aussehen interessiert ist und mal verwischt und sprenkelt, entwickeln sich düstere erste Abenteuer.
Nach der Zombie-Attacke auf das DC-Universum ist die Dunkelheit auch hier angekommen, hat sich aber inzwischen wieder auf ein normales Maß zurückgezogen. Nur bei Hawkman wird die Mystery-Flagge weiterhin hoch gehalten. So ist es auch sicherlich kein Zufall, dass ein Künstler wie Phillip Tan zur Serie hinzugezogen wurde, ist er doch schon mit seiner Arbeit zum Fantasy-Kartenspiel Magic: The Gathering aufgefallen. Hawkman schafft schließlich auch den Brückenschlag zum Dunklen Ritter, denn er sieht auch mit einem von Batmans ehemaligen Feinden konfrontiert: dem Gentleman-Geist. Das ist unheimlicher, auch bodenständiger als der Beginn, bevor, ja, bevor …
… die Zombies kommen. Die Untoten haben sich zu einer echten Kulturikone entwickelt, die inzwischen durch jedes Genre und jedes Medium taumelt oder rennt. So setzt sich eine schön spektakuläre Grafik fort, bis es wieder etwas traditioneller wird. Die Technik von Art Thibert erinnert an die Strichführung von Paul Gulacy (James Bond, Conan). Etwas starrer, stark auf die Tuscheüberarbeitung ausgerichtet, sehr exakt, fast streng, aber auch mit sehr vielen Einzelheiten versehen. Bei Thibert ist die Action übersichtlich, es knallt, aber das Bild lässt einem Zeit, alles zu erfassen.
Ein Mystery-Auftakt, sehr mystisch, auch ziemlich fremd, in einem doch eher bunten Comic-Universum voller Superhelden, doch es ist auch angenehm anders und höchst spannend von Tony S. Daniel und anderen in Szene gesetzt. Einer der Zeichner, Phillip Tan, weiß mit seiner Arbeit besonders zu überzeugen. Ein gelungener Neustart. 🙂
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