Zum Inhalt springen


Comic Blog


Donnerstag, 13. Juni 2013

SUPER DINOSAUR 1

Filed under: Superhelden — Michael um 17:45

SUPER DINOSAUR 1Grandiosität ist kein Schlüssel zum Erfolg in einem harten Kampf. Diesen Schluss muss Derek Dynamo, der Sohn eines anerkannten Wissenschaftlers, ziehen, als er zusammen mit seinem Partner SUPER DINOSAUR gegen extrem gefährliche Gegner antritt. Beinahe geht der Einsatz schief. SUPER DINOSAURS Ausrüstung wird arg in Mitleidenschaft gezogen. Das ist noch nicht alles: Neue kommen auf die Basis. Sie sollen eigentlich die Arbeit des Doktors erleichtern. Leider, zu Dereks Verdruss, hat das Technikerehepaar auch seine beiden Töchter mitgebracht. Noch mehr Kinder in dieser Einrichtung will Derek nicht, der lieber mit seinem Vater und seinen eigenen Projekten alleine ist. Denn die ungewollte Gesellschaft könnte ein Geheimnis lüften, das nicht öffentlich werden darf.

Robert Kirkman kennt kindliche Wünsche. Es ist das Rezept eines George Lucas, der sich auch mit Chewbacca einen großen, besten Freund schuf. Kirkman, einem anderen medialen Zeitalter entsprungen, hält es lieber mit Dinosauriern und greift einen vergangenen, aber nicht vergessenen Hype wieder auf. Der Spezialist in Sachen Genre-Belebung, siehe auch The Walking Dead oder Invincible, beschäftigt sich in SUPER DINOSAUR nicht nur mit einem Kindertraum. Ganz nebenbei kreiert er noch ein kleines Comic-Universum.

Kirkman selbst sagt, die Geschichte sei für seinen Sohn entstanden, eine Art Pixar-Film auf Papier. Hier greift er aber zu kurz, denn die Figuren sind aufwendiger, die Geschichte ist mit mehr Action belastet und irgendwie auch eine Spur gigantischer, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Pixar steht mehr für Knuffelei. Knuffig ist hier nur der kleine Roboter von Derek Dynamo, einem höchst intelligentem Jungen und SUPER DINOSAURS bestem Freund. Nun ist ausgerechnet dieser SUPER DINOSAUR ein Tyrannosaurus Rex, zwar nur noch drei Meter groß, aber dennoch alles andere als knuffig zu nennen.

Ein Tyrannosaurus Rex ist ein Maul, eine Fressmaschine auf zwei Beinen. Eine solche Vorlage zu einem besten Freund für einen Heranwachsenden zu machen, ist ein kleines Kunststück. Es gelingt durch technische Gimmicks, die einen James Bond, so er sie denn noch verwendete, vor Neid erblassen lassen würde. Denn die kleinen Arme, die einen Tyrannosaurus Rex zu einer gewissen Hilflosigkeit degradieren, werden durch eine Joystick-Steuerung von weitaus mächtigeren Gliedmaßen, allesamt mechanisch, gewinnbringend eingesetzt. SUPER DINOSAUR, der, man könnte es so sagen, Computerspiele als eine Art Training absolviert, lässt sich auf diese Weise, die Austauschbarkeit seiner Ausrüstung, speziell für jede Mission neu ausstaffieren.

Aber zurück zum Anfang: Derek Dynamo, die sympathische Identifikationsfigur, sollte neben SUPER DINOSAUR nicht vergessen werden. Mit einer Spur Manga (oder Manhwa, ganz nach Bedarf) zieht Künstler, Zeichner und Kolorist in einem, Jason Howard eine klare Kante. Er mag die Ecke, wo vielleicht Rundungen sein sollten, konstruiert seine Figuren gerne, wie es aus der asiatischen Comic-Ecke gewohnter ist, aber es finden sich auch Strichtechniken, wie sie im Frankobelgischen aktuell vorkommen, zudem wieder aufgegriffen werden. Die Mixtur ist gelungen, flott, schnell wirkend, tatsächlich wie ein Pixar-Film auf Papier.

Derartige Kreaturen wie hier sucht man bei der Animationsschmiede eher vergeblich, denn dem SUPER DINOSAUR stehen nicht nur intelligente Dinosaurier entgegen. Robert Kirkman greift noch viel tiefer in die Trickkiste eines, vergleichsweise, comic-liebenden Dr. Moreau. Waffenstarrend, muskulös treten sie auf, zwingen SUPER DINOSAUR zum stetigen Wechsel seiner Ausrüstung und sogar eine sehr schicke Hommage an die japanischen Monsterfilme darf nicht fehlen. Fast könnte man meinen, Kirkman und Del Toro (Pacific Rim) hätten sich abgesprochen.

Was für ein Auftakt. Kirkman erzählt mit der Geschwindigkeit einer Zeichentrickepisode. Da hagelt es Überraschungen und optischen Aufwand, kracht es, so dass kindliche Augen, selbst durch Trickserien verwöhnte, voll auf ihre Kosten kommen. Kirkman springt ein Genre weiter und beweist, wie gut er für anscheinend jedes Lebensalter Unterhaltung entwerfen und über weite Strecken zu erzählen vermag. Sauber, poppig illustriert von Jason Howard. SciFi-Kinderherz, was willst du mehr? 🙂

SUPER DINOSAUR 1: Bei Amazon bestellen

Mittwoch, 12. Juni 2013

Star Trek – Eine neue Zeit 2

Filed under: SciFi — Michael um 17:31

Star Trek - Eine neue Zeit 2Der Weltraum, unendliche Weiten, aber nicht weit genug, um nicht doch noch einem Familienmitglied zu begegnen. Irgendwo da draußen findet eine Begegnung statt, die Captain Kirk weder gesucht noch vermisst hat. Sein großer Bruder gibt sich die Ehre und vermittelt einen Eindruck davon, was auch aus James T. Kirk hätte werden können. Leider wird es nichts mit einem anheimelnden Familientreffen, denn die Mannschaft der Enterprise begegnet einer scheinbar simplen Lebensform, die ihr aber sehr schnell das Leben sehr schwer macht. Eine parasitäre Lebensform ergreift Besitz von ihren Wirten und lenkt sie nach ihrem Willen. Selbst Spock, als Vulkanier mit hoher innerer Disziplin ausgestattet, ist gegen die Kraft der amöbenartigen Angreifer nicht immun.

Rache der Vulkanier: Wenn ein Volk seine Heimat verliert, kann es sein Verhalten so ändern, wie es niemand vorherzusehen vermochte. Der Gedanke an Rache verleitet zur Unlogik. Ein gesamtes anderes Volk für die Tat von Wenigen verantwortlich zu machen, würde den sonst so rationalen Vulkaniern zu einer anderen, einer früheren Zeit nicht eingefallen sein. So aber stellt sich nicht mehr die Frage nach dem Warum, sondern nur noch nach dem Wie. Nun haben sie einen Weg gefunden, mittels eines Tricks. Und zwischen einem neuerlichen Völkermord stehen nur noch Captain Kirk, Spock und die Mannschaft der Enterprise.

Spock außer Kontrolle: Undenkbar? Hier geschieht es. Spock bestätigt, dass auch Vulkanier Emotionen besitzen, ganz gleich, ob sie nun halb menschlich sind oder nicht. In der zweiten Episode des vorliegenden Bandes wird diese These noch weiter vorangetrieben. Autor Mike Johnson vermischt Altbewährtes mit den Zutaten der Zeitlinie, die dem Universum um Star Trek einen feinen Neustart ermöglicht hat. Kleine Rückblicke, eine Vertiefung der Charakterzeichnungen, Familienbande, Völkerbande verdichten die bestehenden ersten Eindrücke. Action, geringfügig eingesetzt, weitaus geringer als im aktuellen Kinofilm, setzt Spitzen in die Handlung. Wichtiger sind Johnson die Wahlmöglichkeiten von scheinbar auswegslosen Situationen. Entkommen sie oder nicht? Werden sie überleben? Denn diese Fragen sind entgegen der Kenntnis bestehender Gesetze bei Star Trek nicht so einfach zu beantworten.

Die weiteren Einblicke in diese ferne Welt sind dank der beiden Zeichner JoeCorroney und Joe Phillips stylisch zu nennen. Sehr feine Außenlinien, mit Figuren, die sich regelrecht in Positur werfen und an einen gezeichneten Fotoroman erinnern. Das verbindet alten und neuen Look und entführt auch nostalgisch in jene Tage der Fernsehkulissen, aber hält auch dunkle Alien-Abgründe bereit. Mit der Darstellung der fremden Lebensform wird den alten Tagen Respekt gezollt, wie auch eine Brücke geschlagen, vergleicht man den Angriff dieser Wesen mit einem Facehugger.

Farblich bleibt es knallig, kräftig, etwas einfacher, denn dank der grazilen wie auch sehr genauen Vorlagen der beiden Zeichner muss Kolorist John Rauch nicht zu sehr ins Detail gehen.

Nach den bekannteren alten, neu aufgelegten Episoden nun auch der erste Ausflug in eigene Gefilde. Eine Art Epilog zum ersten Kinofilm der neuen Zeitlinie liefert weitere Informationen zu den Ereignissen, nachdem die Vulkanier sich aufmachten, eine neue Heimat in der Föderation zu finden. Die beiden Künstler Joe Corroney und Joe Phillips zeichnen weniger fett als ein David Messina, aber nicht weniger genau dank sorgfältiger Verwendung der Filmvorlagen. Eine in sich stimmige Fortführung, zur Hälfte mit ganz neuer Erzählung. 🙂

Star Trek, Eine neue Zeit 2: Bei Amazon bestellen

Montag, 10. Juni 2013

Star Trek – Countdown To Darkness

Filed under: SciFi — Michael um 11:17

Star Trek - Countdown To DarknessAuch ein Vulkanier muss mit Alpträumen kämpfen. Bei Spock mag es, so könnten reinblütige Vulkanier behaupten, auch daran liegen, dass seine Mutter eine Frau von der Erde war. Oder es könnte einfach darin begründet sein, dass ein ganzes Volk seine Heimatwelt verloren hat. Spock, Offizier des Föderationsraumschiffes Enterprise unter Captain James T. Kirk, hat nach den Ereignissen um den Romulaner Nero, der Vernichtung Vulkans, der Bedrohung der Erde, dem Verlust seiner Mutter noch viele innere Kämpfe zu bestehen, für die er all seine Disziplin aufwenden muss. Der Planet Phaedus bringt eine willkommene Abwechslung. Eine Prä-Warp-Zivilisation, die nur beobachtet, aber nicht kontaktiert werden darf, ist für die gestandenen Raumflottenmitglieder beinahe schon langweilig zu nennen, gäbe es nicht eine unvorhergesehene Entwicklung, die ein Eingreifen dennoch notwendig macht.

Robert April, ein früherer Captain der Enterprise erscheint wie aus dem Nichts, sollte eigentlich längst verstorben sein und degradiert eine reine Überwachungsmission zu einem einschneidenden Ereignis für die gesamte Föderation. Wer bereits die allererste Serie um Captain Kirk mit dem immer noch großartigen Charmeur William Shatner verfolgt hat, wird diverse Folgen von Eingriffen in den normalen Ablauf fremder Welten kennen gelernt haben. Auch die Vorgeschichte zum zweiten Kinofilm mit der neuen Schauspielergeneration bedient sich nun dieser grundsätzlichen Rahmenhandlung und stellt die neue Crew vor eine immense Herausforderung.

Die oberste Direktive, die eine Einmischung in interne Angelegenheiten fremder Welten verbietet, kann zu einem Dilemma führen, wenn andere, ähnlich weit entwickelte Völker wie jene der Föderation, nicht gewillt sind, sich an solche Vorgaben zu halten. Das Ergebnis kann in ein gefährliches Szenario münden: Stellvertreterkrieg. Die beiden Autoren Robert Orci und Mike Johnson, hier hauptverantwortlich für den Text, haben sich konsequent an die alte, die Originalserie gehalten und die Ideen für ein neues Zeitalter weitergesponnen. Wenn aus einer internen Angelegenheit einer fremden Welt ein Genozid erwächst, darf die Föderation dann noch weiter zuschauen?

David Messina, längst als Star-Trek-Zeichner etabliert, immer darauf bedacht, die Originalvorlagen, sprich die Schauspieler, möglichst genau einzufangen, fällt hier außerdem die Aufgabe zu, sich mit dem Volk von Phaedus zu beschäftigen. Diese Rasse, vage an eine mutierte Insektenart erinnernd, unterscheidet sich (will man mit den Augen eines Menschen schauen) kaum voneinander. Das Wenige, das der Leser außerdem von ihrer Zivilisation, auch ihrer Welt zu sehen bekommt, steht in urtümlichen Gegensatz zum eher kalten Umfeld der neuen Enterprise, die etwas bulliger daher kommt als das Originalschiff. War die Enterprise früher ein Segelschiff ist sie nun mehr ein Bolide.

Die sehr genaue Zeichenweise Messinas wird einerseits verstärkt durch die exakte Tuschearbeit von Marian Castelvetro, andererseits weich abgefedert durch eine sehr feine Kolorierung von Claudia Scarletgothica. Butterweiche Übergange, Schattierung und Füllmuster sowie die Mischung von knalligen und zurückhaltenden Farbtönen sorgen für einen teils prächtig aussehenden Look. Das passt insgesamt sehr gut zum neuen Erscheinungsbild der Wiederbelebung des Star Trek Universums.

Ein altes Problem innerhalb aller Star Trek Serien wird zur Grundlage der kommenden Entwicklungen. Die Klingonen geben sich die Ehre, natürlich gleich martialischer anzuschauen als die glatzköpfigen Romulaner des ersten Kinofilms der ganz neuen Generation. Kleiner Konflikt, alter Captain gegen neuen Captain, wechselt sich ab mit großem Konflikt, die Enterprise am Scheideweg eines interstellaren Krieges. Da ist Spannung vorprogrammiert. Diese baut sich kontinuierlich auf, natürlich auch für jene Leser, die nach Altbekanntem oder bekannten Elementen in abgewandelter Form suchen.

Star Trek lebt ganz einfach. Die Themen sind bewährt, sie erhalten neue Zutaten, wirken frischer und geben einem Kernthema dieser Reihe neues Gewicht. Ob mit oder ohne nachfolgenden Film, der Countdown steht sehr gut für sich alleine und sollte jeden Fan überzeugen. 🙂

Star Trek, Countdown To Darkness: Bei Amazon bestellen

Freitag, 07. Juni 2013

GHOST MONEY 1 – Die Dame aus Dubai

Filed under: Thriller — Michael um 10:34

GHOST MONEY 1 - Die Dame aus DubaiAls der Einsturz der Zwillingstüre in New York die Welt erschüttert und noch alle westlichen Zivilisationen die Toten betrauern, reiben sich andere, weitaus weniger Betroffene die Hände. Mit dem Fall dieser kapitalistischen Symbole, wie sie im fernen Arabien als Bedrohung empfunden werden, haben gigantische Summen den Besitzer gewechselt. Die Verfolgung der Verantwortlichen, den Hintermännern der Terrorgruppierung Al Kaida, gipfelt sehr bald schon in einer anderen, für die Jäger viel wichtigeren Frage: wo sind die 30 Milliarden Dollar geblieben, die das Terrornetzwerk mit den Geschäften am 11. September 2001 verdient hat? Das Ziel erhält einen Namen: der Schatz der Al Kaida.

Viele Jahre vergehen, in denen die verwunschene Summe verschwunden bleibt. Doch in den späten 20er Jahren des ersten Jahrhunderts im dritten Jahrtausend der christianisierten Menschheit tritt eine Frau auf den Plan, deren Zuhause die ganze Welt zu sein scheint: Chamza, die Dame aus Dubai. Lindsey, eine junge Studentin aus London, ahnt vom Interesse der Geheimdienste an Chamza nichts. Sie ist fasziniert von der Frau, die keine Grenzen zu kennen scheint, mit ihrem Flugzeug auf der einen Seite des Globus zum Einkaufen jettet, um zum Abendessen wieder auf der anderen Seite zurück zu sein. Es ist eine Märchenwelt. Je mehr sich Lindsey darauf einlässt, um so mehr verliebt sie sich in Chamza. Doch die Jetsetterin hat zweifellos eine Aufgabe, über die sie sich ausschweigt. Welche?

Thierry Smolderen schreibt die Geschichte fort. Was wäre wenn? Was ist bereits? Könnte es so einmal aussehen in wenigen Jahren? Anders als in Gipsy, einer weiteren Zukunftssaga, hält sich Smolderen hier enger an die Realität. Er beschreibt die Gnadenlosigkeit bei der Verfolgung und Folterung der Terrororganisation, deren Mitglieder so lange am Leben bleiben müssen, wie sie noch zu etwas taugen können, zur Informationsbeschaffung oder vielleicht als Druckmittel. Gleichzeitig macht er deutlich, dass nur besonders kaputte Individuen, die in einer ansonsten intakten Zivilisation am besten in einer psychiatrischen Anstalt aufgehoben sind, für die Jagd und die Bewachung von Terroristen taugen. Wo andernorts in London demonstriert wird, die Situation außer Kontrolle gerät, wird hinter den Kulissen kühl kalkuliert, um dem Geheimnis um den Schatz der Al Kaida auf die Spur zu kommen.

Smolderens Thriller entzieht sich den gängigen Mustern. Ganz bewusst wird hier kein strahlender Held geschaffen. Lindsey, die einzige wirkliche Identifikationsfigur, lernt diese besondere Seite der Welt, die sie zuvor nicht kannte, wie ein Märchen kennen. Chamza lebt den Traum von Sex and the City, losgelöst von allen Sorgen, die einen Normalsterblichen belasten können. Letztlich ist aber auch sie ein Konstrukt in einem Konstrukt, künstlich, ein Schläfer, aufbewahrt im Jetset. Ihre Menschlichkeit, Gefühle und wahre Interessen getraut sie sich auch nicht ihrer Freundin mitzuteilen. Misstrauen bleibt selbst in einem engen Verhältnis oberstes Gebot.

Dominique Bertail fällt die Aufgabe zu, die gemeine und grausame Welt der Geheimdienste und Terroristen mit der künstlichen Welt von Chamza zu mischen. In Chamzas Welt schwebt Lindsey nach eigener Aussage eine Handbreit über dem Boden. Im Suborbitalflieger wird die minutenlange Schwerelosigkeit genossen. In der Wüste frönt man einer Atmosphäre aus tausendundeiner Nacht. Kurz darauf platzt der Traum und Schüsse rattern. Bertail zeichnet mit dem spitzen Stift eines modischen Entwurfs, bevor sie die Ganoven mit der gleichen Akkuratesse inszeniert. Die Darstellung technischer Einzelheiten wie auch der vorkommenden Charaktere erfolgt mit einer grafisch chirurgischen Präzision, ein Wortspiel, das im späteren Verlauf der Handlung sehr gut passt. Das hält den Leser teils von einigen Gräueln zurück, lässt ihn aber auch fasziniert heran, wenn Smolderen Bertail die Gelegenheit gibt eine Abart eines brennenden Dornbuschs in Szene zu setzen.

Ein Thriller ohne unrealistische Helden, mit Feingefühl, Spannung und guter Beobachtung einer neuen Generation erzählt, die ihre eigenen Zeitenwenden erlebt hat und noch erleben wird. In höchst ansprechender und technisch feiner Illustration nehmen hier zwei anspruchsvolle Comic-Macher den Leser mit in eine nicht allzu ferne Zukunft. 🙂

GHOSTMONEY 1, Die Dame aus Dubai: Bei Amazon bestellen
Oder bei Schreiber und Leser.

Mittwoch, 05. Juni 2013

Troll – Buch 1

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:58

Troll - Buch 1Trolle und Kobolde sollten eigentlich keine Kinder bekommen. Zusammen jedenfalls. Allein der Prozess der Entstehung ist merkwürdig. Ein Koboldfingerchen genügt, um den Trollbauch prägnant anschwellen zu lassen. Doch damit nicht genug. Wenn sich die Eltern ihrer Verantwortung stellen und das Kleine tatsächlich aufziehen wollen, dann entsteht eine der merkwürdigsten Familien, die das Reich der Fantasy jemals gesehen hat. Als gäbe es nicht schon genug Probleme! Denn während die jungen Eltern sich wirklich rührend um den Nachwuchs kümmern, geht das Reich durch den Verlust seines Fürsten, dem Großen Ritter vor die Hunde.

Jean David Morvan und Joann Sfar rollen hier die allseits beliebte Fantasy mit ihren vielen Wesenheiten einmal von einer ganz anderen Seite auf. Ein Humor, zeitweilig sehr schwarz, aber stets intelligent und auch mitfühlend, entfaltet die Lebensgeschichte eines Trolls, eines Kobolds und eines kleinen Mädchens, wie sie in magischen Abenteuern selten zu finden sind. Die Parodie wandelt in den Fußstapfen einer Scheibenwelt oder eines Herrn der Augenringe, nimmt sich aber immer ernst. Aus einem Haudrauf wird plötzlich ein treusorgender Troll, der sich auf den Nachwuchs freut und einen Kobold ins Herz schließt, der sich anfangs noch unglaublich für seine Missetat schämt.

Auf die gleiche Weise, wie die beiden Hauptfiguren ihren Nachwuchs annehmen, schließt man als Leser auch sehr schnell die beiden Chaoten ins Herz, denn bei aller Liebe, die sie dem Kind angedeihen lassen, sind sie doch nicht vom Glück verwöhnt und Tollpatsche auf ihre Art. In der ersten Folge der Gesamtausgabe, die die Abenteuer und vereint, landet die Familie auf der Suche nach Arbeit schließlich sogar in einem Dungeon samt Drachen. Allein dieser Umstand wäre bereits für eine Parodie ausreichend, doch Morvan und Sfar führen zusätzliche Nebenfiguren ein, die der ganzen Geschichte einen teils düsteren, makaberen Anstrich gibt.

Um diesen noch zu verstärken, ist Olivier Boiscommun mit an Bord. Als Zeichner und Kolorist fährt er ein Arsenal an Kreaturen auf, die weit über das hinaus gehen, was der in Sachen HdR verwöhnte Leser und Zuschauer gewöhnt ist. Morvan und Sfar nehmen alles her, was in der Mythologie kreucht und fleucht und es wirkt nicht einmal zu viel. Die Figuren sind überzeichnet, märchenhaft, mit filigranem Strich zu Papier gebracht. Über eine fein ausgeführte Kolorierung im wahrsten Wortsinn entsteht Tiefe und Volumen.

Nehmt die Pfoten von mir, ihr Statistenvolk!

Auch Statistenvolk gibt es, das mag aus der Sicht des großen Ritters so sein, doch ihm wurde nicht weniger Aufmerksamkeit bei der Gestaltung zuteil als den Hauptfiguren. Eines der Völker, das hier so angeschnauzt wird, ist außerdem wahrhaft knuffig anzuschauen. Zur Verniedlichung besitzt Olivier Boiscommun ebenso viel Talent wie zur Verabscheulichung. Letzteres ist eindeutig in der Minderheit und im Sinne einer schön gezeichneten wie auch humorvoll hintergründigen Unterhaltung ist das mehr als nur zu verzeihen.

Ein aquarellartiger Farbauftrag, dem vielleicht noch Abstufungen durch eine Buntstiftnachkolorierung in manchen Fällen zuteil wurde lässt aus fast jeder Seite ein kleines Kunstwerk werden, nicht nur stimmungsvoll, sondern eher stimmungsgeladen.

Klasse, eine Verbeugung vor dem Genre, die vieles in sich vereint, was sich so quer über die Publikationen finden lässt. Allerdings sind die Menschen in der Minderzahl. Die Aufmerksamkeit gilt, wie seit einiger Zeit im Roman zu beobachten, den früheren Randfiguren. Liebevoll in Szene gesetzt, von Seite zu Seite unterhaltsamer wie auch spaßiger werdend, findet sich hier ein gutes Gegengewicht zur gängigen Fantasy. 🙂

Troll, Buch 1: Bei Amazon bestellen
Oder bei Finix Comics.

Sonntag, 02. Juni 2013

Der Seewolf

Filed under: Abenteuer — Michael um 18:52

Der SeewolfAus einer schlichten Überfahrt wird eine Tortur am Rande des Wahnsinns, der Hölle. Ein Fährschiff sinkt. Der Literaturkritiker Humphrey van Weyden findet sich kurz darauf auf dem Segelschiff Ghost wieder. Das Schiff unter dem Kommando von Kapitän Wolf Larsen nimmt Kurs auf die Robbenfanggründe in der japanischen See. Hump, wie der Schiffbrüchige fortan genannt wird, bleibt keine Wahl. Aus seinem bisherigen Leben gerissen muss er die Besatzung auf die lange Fahrt begleiten. Aus der anfänglichen Empörung van Weydens wird schnell Angst. Ein Leben ist an Bord der Ghost nichts wert. Wer sich nicht dem bärenstarken und seltsamerweise hoch intelligenten Kapitän Larsen unterordnet, muss sich wenigstens seiner Haut erwehren können. Doch nur ein paar Männer an Bord bringen diese Fähigkeit mit.

Langsam ergibt sich van Weyden in sein Schicksal. Er nimmt die niederen Arbeiten an, wird verhöhnt, auch bekämpft, steigt schließlich in der Hierarchie an Bord auf. Der einstige Gentleman aus der feinen Gesellschaft von San Francisco ist gleichermaßen abgestoßen und fasziniert. Dieser Kapitän, ein Hüne, fast eine mythologische Gestalt, äußerlich wie auch durch seine körperliche Kraft begründet, hat seine eigenen abgründigen Theorien über das menschliche Wesen entwickelt. Der Mann, der sich selbst alles beigebracht hat, Wissen über Literatur, Philosophie und Mathematik, glaubt, dass die Zivilisation des Menschen nur ein verzweifelter und lächerlicher Versuch ist, sich über das Tier zu erheben, das ihm immer noch inne wohnt. Für Wolf Larsen gibt es nur eine Wahrheit: der Starke siegt.

Die unsterbliche Geschichte von Jack London, hier von Riff Reb’s für das Medium Comic adaptiert, ist ein literarisches Abenteuer, oft verfilmt und nicht selten zitiert. Wolf Larsen, der Seewolf, ein Mensch, der sich gegen die Zivilisation wehrt, aus tiefsten Hass und Abscheu gegen sie zu Felde zieht, ist jemand, der das Wort Egoist für sich erfunden zu haben scheint. So lange er seine Feinde mit bloßer Gewalt bezwingen kann, vermag ihm niemand die Herrschaft über die Ghost, seine eigene kleine Welt, streitig zu machen. Riff Reb’s, der bereits mit der Adaption zu An Bord der Morgenstern sein Talent für maritime Stoffe unter Beweis gestellt hat, macht aus Londons Seewolf ein besonderes Erlebnis im Medium Comic.

Riff Reb’s könnte bei Künstlern wie Otto Dix und Andreas Deja in die Schule gegangen sein. Überzeichnete Charaktere mit dem dixschen Scharfblick der 20er Jahre und einer leichten Verniedlichung der Figuren eines Disney-Veteranen wie Andreas Deja. Das ergibt eine kuriose wie auch sehr kräftige Mixtur, die von Seite zu Seite mitreißend ist. Die Kolorierung der gesamten Szenerie, die kapitelweise immer einem Grundton folgt, findet einen ganz eigenen Weg der Stimmungserzeugung.

Die Tönungen sind oft düster, fremdartig und halten den Leser auf Distanz. Riff Reb’s inszeniert beinahe eine Theateraufführung und spielt mit den dramaturgisch richtigen Lichtfarben. So entsteht ein höllisch anzuschauendes Szenario, in dem der Tusche eine größere Aufgabe zufällt. Denn Riff Reb’s versteht hier außerordentlich sein Handwerk, meißelt seine Figuren, malt seine Hintergründe. Bestechend sind einige (leider nur wenige) rein schwarzweiße, doppelseitige Illustrationen, die Schiffe im Kampf mit der See zeigen.

Keine Erlösung für Humphrey van Weyden: Auch in der Adaption von Riff Reb’s fährt die Ghost zur Hölle. Der Seewolf ist eine zeitlose Erzählung, wie es sie nur selten gibt. Diese Version im Medium Comic ist sehr gut umgesetzt, gruselig packend. Es ist zu hoffen, dass sich Riff Reb’s noch weiterer Seefahrergeschichten annimmt. 🙂

Der Seewolf: Bei Amazon bestellen

Sonntag, 26. Mai 2013

Winzling 3

Filed under: SciFi — Michael um 16:45

Winzling 3 - Das ChaosBalu, Baghira und die anderen aus der kleinen gemütlichen Niederlassung im Busch suchen Mowgli in der großen Stadt. Doch der Junge entzieht sich ihnen aus einen unerfindlichen Grund. Längst hat er gelernt, sich in den steinernen Schluchten zurecht zu finden. Die Erwachsenen abzuhängen, ist da ein Leichtes. Mowgli hat seinen eigenen Plan. Die Erwachsenen, so gut sie auch zu ihm gewesen sein mögen, sind ihm für seine Pläne nur im Weg. Und auch in der Stadt gibt es zumeist nur Kinder, die den Erwachsenen so gar nichts abgewinnen können. Deshalb findet der Knabe immer mehr Gefolgsleute unter den Menschen seines Alters. Die Revolte ist nicht mehr aufzuhalten.

Kinder gegen den Rest der Menschheit. Aus dem guten alten Dschungelbuch wurde ein Kampf in einer Nachkriegswelt, in der die Menschen ihre Zivilisation zugrunde gerichtet haben. Der ehemalige Winzling Mowgli hat sich von seinen einstigen Beschützern Balu und Baghira abgesetzt und verfolgt nun eigene Pläne mit seinen neuen Freunden. Aus dem Kind ist ein Visionär geworden. Mowgli hat Ideen und er schreit sie heraus, er stellt Fragen, fordert auf, ihn zu begleiten, doch in einer Welt, in der die Kinder nichts anderes kennen als den Mangel. Wo Ratten eine bewährte und nahrhafte Mahlzeit darstellen, ist es allzu schwer, jemanden zu einem besseren Leben zu bewegen. Der erste Schritt ist allzu schwer. Dazu bedarf es jemanden, der es vormacht: Mowgli.

Crisse verdüstert die Welt rund um Mowgli noch mehr, indem er Baghira eine unmenschliche Vergangenheit erschafft. Erst nach vielen Jahren der Sklaverei unter ständiger Kontrolle gelang der jungen Frau die Flucht. Sie und ihre Freunde müsse nun erkennen, wie zaghaft sie in der Vergangenheit waren. Ausgerechnet ein Knabe, Mowgli, führt die Revolte an, die sich immer mehr ausbreitet und schließlich auch nicht mehr von den Erwachsenen ignoriert werden kann. Es ist nur eine langsame Steigerung im dritten und letzten Teil der kleinen Saga bemerkbar, die erst deutlich umschlägt, als sich Mowglis Erzfeind Shir Khan wieder in die Handlung einschaltet. Inzwischen zum Despoten geworden, droht der Tyrann seine Vision einer Zivilisation bis zuletzt zu verteidigen, auch über die Leichen von Kindern hinweg.

Das mag angesichts aktueller Berichterstattungen allzu realistisch sein, auch bei einer Produktion, die bereits zehn Jahre alt ist. So spricht es auch für die im übertragenen Sinne neu interpretierte Handlung von Rudyard Kiplings Dschungelbuch, der hier ausgerechnet eine Verbeugung in Form eines Hundes namens Rudyard findet, der über keinen höheren Intelligenzgrad verfügt als der allseits im Comic-Bereich beliebte Rantanplan.

Grafisch hat ein Zeichnerwechsel stattgefunden. Guy Michel übernimmt den Zeichenstift von seinem Vorgänger Marc N’Guessan. Er gleicht seine Stilistik den ersten beiden Bänden an, ohne seinen eigenen Strich zu verlieren. Mit wenigen Strichen, die einer Kolorierung durch J. J. Chagnaud sehr viel Arbeit aufbürden, gewinnt die Welt rund um Mowgli an Volumen und Dichte. In einem immer märchenhafter werdenden Finale, in dem das Blutvergießen einer friedlichen Lösung weicht, muss sich einer doch noch dem Tod stellen. Wer das Dschungelbuch, in welcher Variante auch immer, in Erinnerung hat, wird sich ausmalen können, um wen es sich dabei handelt.

Ende: Versöhnlich und abwechslungsreich, stellenweise unvorhersehbar mit spannenden Details, schließt die Trilogie auf der Basis des Dschungelbuches hier ab. Crisse schenkt dem Leser zwar tröstliche Einblicke, aber auch eine fühlbare Traurigkeit liegt über dem Szenario. Hier bleibt Crisse, bei aller Adaption, auch dem Geist des Originals treu. 🙂

Winzling 3, Das Chaos: Bei Amazon bestellen
Oder bei Finix Comics.

White Crows 2

Filed under: SciFi — Michael um 14:12

White Crows 2 - Der Clan der RassistenWäre Shelly nur ein Mensch, gäbe es dieses Problem nicht. Doch da sie dank ihrer Mutter nun ein Roboterskelett unter ihrer menschlichen Hülle verbirgt, hat sie auch mit nichtmenschlichen Energieproblemen zu kämpfen. Diese zu lösen, stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Ganz besonders dann, wenn der Vater gerade in streng geheimer und verdammt gefährlicher Mission unterwegs ist und so gar keine richtige Zeit für seine Tochter hat. Während sich Sergeant Willis plötzlich inmitten politischer Ereignisse befindet, die für den Fortbestand seiner eigenen Art elementar sein werden, will Shelly eigentlich nur einen Weg finden, um zu überleben. Wie gut, dass genau in diesem Moment ein neuer Freund in ihr Leben tritt.

Menschen in der Minderheit: Verleumdet! Gehasst! Bedroht! Und nun sollen sie in die Interplanetare Konförderation aufgenommen werden! Autor, Zeichner und Kolorist Djief führt seine beiden Helden in die große galaktische Krise. Die Menschen, die innerhalb der galaktischen Gemeinschaft ohnehin ein Dasein am unteren Rand fristen, sollen, wenn es nach dem Willen einiger Politiker geht, als vollwertiges Mitglied innerhalb der Völkergemeinschaft aufrücken. Rassisten, eine geheime Vereinigung von Angehörigen der verschiedensten Völker, will dies mit aller Gewalt verhindern. Auf Primor, dem Stadtplaneten, hat Sergeant Frank Willis daneben noch andere Probleme, für die ihm jedoch keine Zeit bleiben. Eine pubertierende Tochter, inzwischen ein Cyborg, und ein exzentrischer Roboter, der nur noch Unsinn anstellt, müssen sehen, wie sie klar kommen.

Djief lässt Franks Tochter Shelly deutlich ins Zentrum der Geschichte rücken. Erste Anzeichen verkünden ein Organversagen. Ein Mitschüler, Angehöriger einer anderen Spezies, verspricht seine Hilfe. Djief zeigt den Alltag im ganz normalen Leben auf Primor. Für die Menschen, auf die Shelly später trifft, ist dies kein Zuckerschlecken. Mit seinen glasklaren Bildern befindet sich Djief weiterhin in jener Kategorie von Science Fiction, in der sich auch Star Trek oder Sillage bewegen. Djief gleitet auch auf bewährten Bildszenarien wie Star Wars und bietet eine großartige Vielfalt an Kreaturen und technischen Spielereien. Vor dieser Kulisse gelingen ihm zwei feine Hauptcharaktere: Frank und Shelly Willis.

Langsam führt Djief mehrere Handlungsstränge zusammen. Hierbei spielt insbesondere die Optik eine große Rolle. Neben einer sehr sorgfältig aufeinander abgestimmten Farbpalette sorgen weiche Hintergründe für räumliche Tiefe, wird diese Welt vergrößert. Ein potentielles Vorbild wie der Stadtplanet Coruscant wird scheinbar nicht einmal geleugnet. Ebenso gut könnte White Crows in einer bislang unbekannten Zwischenphase des Star Wars Universums handeln. Doch daran sollten sich SciFi-Fans nicht stören, fällt es doch mittlerweile grundsätzlich schwer abseits der Welten um Star Wars (Space Opera) und Aliens (Military SF) etwas wirklich Neues zu entdecken. In der Schulszene findet sich vielleicht sogar eine Parallele zu Judge Dredd.

Die Sorgfalt, mit der Djief seine Science Fiction Welt kreiert, ist außergewöhnlich. Außerdem hat Djief einfach einen Blick und das Gespür für das Schöne. Selbst das Häßliche, wie außerirdische Attentäter, ist hier irgendwie schön. Shellys technische Probleme sind so ausgeklügelt wie effektvoll. Letzteres lässt sich besonders unterstreichen, stellt doch der Versuch, dieses Problem zu beheben, einen der Höhepunkte der Geschichte dar. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg, bis auch Shellys Vater Frank wieder in den Mittelpunkt rückt und ein noch viel größeres Feuerwerk abbrennt. Da bleibt der Humor um den Roboter Vektor fast ein wenig auf der Strecke.

Ein zweiter Teil, der die Hauptcharaktere dazu nutzt, den Handlungsstrang eines ganzen Volkes, der Menschen, in neue Bahnen zu lenken. Effektvoll, drastisch zuweilen, spannend über die gesamte Länge. 🙂

White Crows 2, Der Clan der Rassisten: Bei Amazon bestellen

Dienstag, 21. Mai 2013

KHAAL 1

Filed under: SciFi — Michael um 20:36

KHAAL - Chronik eines galaktischen Herrschers - Erstes BuchKHAAL gegenüber wollen die Worte mit Bedacht gewählt werden. Wer allerdings derart dumm ist und ihm kaum unterschwellig eine zunehmende Schwäche unterstellt, riskiert bereitwillig sein Leben. Daran ändern auch die riesigen Begleiter mit ihren gigantischen Schlagwaffen nichts. Kurz darauf, nachdem der Bote vor KHAAL getreten ist, liegen alle drei Besucher im Staub des Thronsaals. Und der treue Hund KHAALS ist um eine Mahlzeit reicher. Doch KHAAL, bei all seiner Macht und Brutalität, ist durchtrieben genug, um zu wissen, dass es mit dieser Machtdemonstration allein nicht getan ist. Er muss noch mehr Feinde töten, damit der Rest seiner Untertanen sieht, wie zwecklos jeder Widerstand ist. Es bedarf eines Schauspiels in der Arena.

KHAAL mag angesichts des Titelbildes zunächst ein Name sein, der zum Schmunzeln einlädt. Doch der Untertitel, Chronik eines galaktischen Herrschers, führt auf die bessere Fährte, denn derlei Sporen werden nicht durch Sanftheit oder gutes Zureden verdient. KHAAL besticht durch absolute Rücksichtslosigkeit und stellt, der prominente Vergleich ist angebracht, noch einen Metabaron in den Schatten. Stephane Louis, Autor, zeigt eine Gefängniswelt, die noch mehr dunkle Gestalten dieser Art hervorgebracht hätte, gäbe es nur mehr mit solchen Fähigkeiten. KHAAL ist kein Tyrann, der nur vorgibt, mächtig zu sein und seinen Untergebenen die Arbeit überlässt. KHAAL mordet selbst, denn nur die Furcht vor seiner Person festigt seine Macht.

Bezeichnenderweise lässt Stephane Louis seinen KHAAL in der Arena gegen jene antreten, die den Wunsch auf den Thron ebenfalls hegen und folgt damit jenen historischen Begebenheiten wahnsinnig gewordener Imperatoren, die sich im Zweikampf immer noch unter dem Schutz ihrer Praetorianergarde wussten. KHAAL verzichtet auf solche Rückendeckung, aber er, so könnte man sagen, schummelt ein wenig. Vin Diesel kann für diese Rolle schon einmal den Finger heben. Sie wäre ihm wie auf den Leib geschrieben. Der Künstler Valentin Secher hat sich dem Schauspieler optisch zwar nicht einhundertprozentig angenähert, doch gemessen an bisherigen Rollen, an der Statur sowie an der fehlenden Frisur, kann sich der Leser zweifelsohne mit dieser These anfreunden.

In der beschriebenen Gegenwart wie auch in Rückblenden bekommt der Leser eine brutale Welt, auch optisch, vorgeführt, die in ihrer ganzen Machart, auch der philosophischen an einen Alejandro Jodorowsky erinnert, der mit Juan Solo einen ähnlichen Schweinehund in den Mittelpunkt der Geschichte stellte. Auch Georges Bess, der Juan Solo zeichnete, könnte stilistisch Pate gestanden haben. Denn Valentin Secher setzt in der Endausführung der Bilder auf gestochen scharfe Grafiken, akribisch zusammengefügt, ein wenig an Stich-Technik erinnernd, mit der kalten Nadel gezogen. Die Kühle dieses Strichs, der technisch auf einem hohen Niveau ist, lässt beinahe eine dokumentarische Atmosphäre aufkommen. Die Kälte hält den Leser etwas auf Abstand.

Feinste Striche bilden die Figuren und Umgebungen ab. Eine gedämpfte Farbgebung, schwankend zwischen Kühle und einem apricotfarbenem Licht, erschaffen einerseits eine düstere künstliche Welt, andererseits entsteht, gerade bei Massenszenen, ein deutliches Breitwand-Ambiente, ein Blockbuster auf Papier, der nicht kleckert, sondern klotzt. Denn es wird zeitweilig nicht nur sehr brutal. Es wird auch größer. Gerade als die Schlacht ausbricht, der Leser zuvor schon KHAALs Kampftechniken bewundern konnte, geschieht etwas Ungeheuerliches, im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein überaus dunkles Abenteuer im Stile eines Jodorowsky, gezeichnet un koloriert von Valentin Secher, der sicherlich noch einiges von sich hören lassen wird, denn mit dieser großartigen grafischen Stilistik kann er jedes Genre beleben. Nichts für Zartbesaitete, auch nicht für jene, die gerne eine sympathische Identifikationsfigur hätten, denn diese gibt es hier nirgendwo. 🙂

KHAAL, Chronik eines galaktischen Herrschers, Erstes Buch: Bei Amazon bestellen

Sonntag, 19. Mai 2013

Golden City 9 – Das Banks-Rätsel

Filed under: SciFi — Michael um 19:19

Golden City 9 - Das Banks-RätselGolden City, schwimmende Stadt und die Heimat der Reichen dieses Planeten, ist abgetaucht. Terroristen haben einen Weg gefunden, um dieses riesige Konstrukt zu kapern. Wie konnte es so weit kommen? Langsam, sehr langsam nur lüften sich die Geheimnisse um die Ereignisse der letzten Zeit. Ein hoch gesicherte Stadt wie Golden City, auf dem Meer schwimmend oder nicht, hätte nicht in eine derartige Situation geraten dürfen. Versierte Sicherheitsdienste wachten über die Bewohner an Bord und versagten völlig. Die Hintergründe des sorgfältig durchgeführten Terrorakts liegen im Dunkeln. Aber nicht für jeden …

Der geheimnisvolle Drahtzieher im Hintergrund wird enttarnt und selbst Stammleser hätten diese Möglichkeit wohl nicht in Betracht gezogen. Harrison Banks, einer der großen Helden dieser Reihe, ist hier eher nebensächlich. Seine Erlebnisse werden kurz aus der Erinnerung angerissen. Einige Rettungsaktionen, überaus dramatisch wie auch einfallsreich, fließen in die Erzählung von Daniel Pecqueur ein, bevor sich eine nicht unbekannte, aber eher ungewöhnliche Gruppe daran macht, das Rätsel um Golden City und den Verbleib der schwimmenden Stadt zu lösen. Während die erste Hälfte eine Auflösung markiert, präsentiert sich die zweite Hälfte als deutlicher Übergang in diesem zweiten Zyklus von Golden City.

Nicolas Malfin, grafischer Künstler der Reihe Golden City, ist ein Meister der technischen Zeichnungen. Durch ihn erleben die vielen kleinen Details sowie die großartigen Entwürfe einer Welt, die am Rande des Abgrund balanciert, eine fühlbare Echtheit. Alles sieht so aus, als sei es machbar und immerhin eine Weiterentwicklung heutiger technischer Leistungen. Darüber hinaus ist er einer der besten Vertreter einer europäischen Mangatechnik, selbstverständlich ohne der japanischen Leserichtung zu folgen. Seine Figuren sind einfacher, definieren sich häufig über Attribute und sind noch reduzierter als Charaktere eines Leo, eines Künstlers, der sich in vergleichbaren Themengebieten bewegt (Aldebaran, Betelgeuze).

Pierre Schelle behält die sehr peppige, knallige Farbgebung bei. Auf organischen Oberflächen wird mit Füllmustern gespielt, Verläufe sind allgegenwärtig, ein leichter Metall-Look liegt über den Grafiken. Manchmal liegt auch eine leichte Unschärfe vor dem Hintergrund, um eine filmische Tiefe zu erzeugen. Auf die Meeresoberflächen wird stets ganz besonders viel Wert gelegt. Es gibt sich der Gesamteindruck einer Traumwelt, aber auch einer traumhaften Welt, denn die Ansichten sind, je nach Motiv, auch Postkartenidyllen. Diese Eindrücke mehren sich bei einigen Rückblicken, so auch in die Vergangenheit rund um die Person von Harrison Banks.

Aus einer Rettungsaktion zu Beginn, einem weiteren höchst spannenden Seitenarm der Handlung wird schließlich eine Art Schatzsuche, in der sich ein handfestes Jugendabenteuer abzeichnet. Sehr schnell allerdings, gerade als man von Leserseite her glauben könnte, es würde nun vielleicht allzu harmlos, kippt das Blatt wieder. Plötzlich, kurz vor Schluss, gewinnt der Thriller erneut die Oberhand. Daniel Pecqueur wiegt den Leser kurz in trügerischem Glauben, er wisse, wo es lang gehe. Denkste!

Ein Übergang zur Auflösung innerhalb dieses zweiten Zyklus‘ aus der Welt von Golden City. Das ist spannend und unterhaltsam mit einem Garanten wie Daniel Pecqueur, erfordert aber unbedingt die Kenntnis wenigstens der ersten Abenteuer dieses Zirkels. 🙂

Golden City 9, Das Banks-Rätsel: Bei Amazon bestellen

Link: Blog von Nicolas Malfin