Montag, 08. Juli 2013
Trolle lassen sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen. Ist der Gegner auch so gigantisch und überragt sie um viele Haupteslänge, lassen vereinte Kräfte dem feindlichen Ungetüm keine Chance. Ohne Hirn überlebt auch ein Monster nicht lange. Apropos Hirn! Das müssen die Trolle alsbald ziemlich anstrengen, denn ihr Dorf ist winzig klein geworden, der Rest der Welt ist plötzlich riesengroß geworden … Eins von beiden muss passiert sein. Nun haben die behaarten Kerle (und Frauen) zwar nicht den überragenden Intellekt, den ihr Grinsen vermuten lässt, dafür allerdings verfügen sie über Beharrlichkeit und einen gewissen detektivischen Spürsinn. Dann kann das Abenteuer auch schon beginnen.
Das Schöne an den Trollen ist, na, benennen wir es ruhig … dass sie ziemlich blöd sind. Und es ist ihnen total egal! Christophe Arleston stellt die stoffeligen, über alle Maßen verfressenen, aber findigen (das muss man ihnen lassen) Fellkugeln vor eine sehr, sehr schwere Aufgabe. Aus den Jägern werden zwar nicht Gejagte, doch wenn ein Jäger auf die Größe eines Däumlings geschrumpft wird, erleichtert diese Umstellung sein Leben nicht besonders. Außer der Größe ändert sich nichts. Das bedeutet: vielleicht sind sie nicht klein, sondern die Welt ist groß?! Ein Troll hat nun einmal seine ganz eigene Logik. Sie wurden nicht geschrumpft, die Welt wurde vielmehr vergrößert. Das Rätsel wurde also erkannt. Müssen nur noch die Verursacher her, damit sie dieses Malheur rückgängig machen.
Christophe Arleston kann mit diesem Plot nicht mehr falsch machen. Er stellt den Trollen (samt der kleinen Menschin Waha, die sich für einen Troll hält) ein schurkisches Pärchen gegenüber, abgebrüht und voller Bauernschläue, egoistisch durch und durch. Da begegnen sich die richtigen Gegenspieler, könnte man sagen, denn die beiden Seiten überraschen einander (den Leser allerdings auch) stets aufs Neue. Wenn Trolle, die in einer Truhe eingesperrt sind, versuchen, mittels Fürzen den Druck zu erhöhen, damit der Truhendeckel aufgesprengt wird, dann bleibt im wahrsten Sinne des Wortes kein Auge trocken.
Schon Jack Arnold, Jonathan Swift und Pierre Serron wussten, dass verkleinerte Menschen Potential für eine Geschichte haben. In einer fremden, sehr fantasievoll geratenen Welt ist für Arleston alles möglich. Er muss nicht einmal eine Hommage einfügen, er lässt seine Trolle agieren, als gäbe es kein Morgen. Da werden die riesigen Gegebenheiten gnadenlos zur Zwerchfellreizung benutzt, über und unter der Gürtellinie, auch im wahrsten Sinne des Wortes. Arleston ist ein Freund der Anspielungen und dieses Spiel beherrscht er perfekt.
Dafür hat er mit Jean-Louis Mourier weiterhin einen sagenhaft guten Troll-Zeichner an seiner Seite, der den Aberwitz, den Schalk im Nacken der kleinen Fellkugeln perfekt einzufangen versteht. Waha, die Menschin, die von einem Troll zur Tochter erkoren wurde, gehört mit ihrem Papa zu den Hauptfiguren. Pröfy, der um ihre Aufmerksamkeit buhlt, bleibt eher blass, dafür reißt der tollpatschige Roken alles heraus. Selber ziemlich auf Waha fixiert, will er unbedingt beweisen, war für ein Held er ist, Verzeihung, sein kann. Ein wilder Ritt auf einem Wagenrad, eine Verfolgungsjagd und ein Kampf gegen eine Ratte sind die Vorläufer zur Wiedervereinigung der vier Helden, die sich war als Puppen zeitweilig tarnen, aber dennoch an ihrem Miniaturgeruch erkannt werden.
Mouriers feiner Strich ist immer einen zweiten Blick wert. Dünnste Tuschestriche, sorgfältig, sehr organisch gesetzt, zeigen den Irrsinn in einem kleinen Mädchengesicht, die ein neues Spielzeug entdeckt, die Frivolität in einem Antlitz einer Gaunerin, den grimmigen Mut in einem Trollgesicht, hinter dem ein Gedanke schon ein wenig langsamer unterwegs ist. Die Kugräth, deren Kopf sehr an die Moai, die Statuen auf den Osterinseln, erinnert, sind gegen Ende des ersten Teils dieser Handlung nur die Einleitung zur Verbeugung vor einem der B-Movie-Klassiker der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Mourier folgt einmal mehr mit starkem humoristischem Ausdruck den Vorgaben seines Autors Arleston.
Tolle Trolle: Arleston und Mourier kreieren hier so etwas wie ein Paradebeispiel einer tollen Fantasy-Komödie, in der alles stimmt. Viele humoristische Register werden gezogen, von feiner Komödie über alberner Klamotte bis zu hammerhartem Irrsinn. Mit den Trollen lässt sich alles machen. Ein Höhepunkt aus der Feder dieses Comic-Duos. 🙂
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Mittwoch, 03. Juli 2013
Ist Spider-Man ein Pyjama tragender Weberknecht? Schwer zu sagen, ob Nova vielleicht recht hat. Nachsitzen müssen alle beide. Agent Phil Coulson, gewohnt charmant gesprochen von Till Hagen, zeigt den neuen Superhelden, dass für die Teenager nach der Schule noch andere Lektionen warten. Der Chef von S.H.I.E.L.D., Nick Fury, triezt die jungen Superhelden ordentlich. Da müssen zunächst White Tiger, Iron Fist und Power Man anfangs zurückstehen. Da Spider-Man und Nova mit aller Macht gegeneinander antreten und sich gegenseitig zu übertreffen suchen, bleibt für die anderen nicht mehr viel zu tun.
Rasanter! Durch den neuen Verbund um Spider-Man entstehen Spannungen und Rivalitäten, die in einer wahren Katastrophe gipfeln. Als Hörer kann man an dieser kleinen (eigentlich eher doch ziemlich großen) Reiberei seinen Spaß haben. Wenn ein Held glaubt, sich bei Nick Fury einschmeicheln zu können, wenn er den gefährlichsten Supergangster Dr. Doom fängt und dabei etwas zuwege bringt, das vor ihm noch keiner geschafft hat, dann kann das bei allem Übermut nur schief gehen.
Freche Sprüche, eine gehörige Portion Eigenironie gehören zu Spider-Man dazu. Da der Held nicht alleine daher kommt, gibt es auch eine geballtere Ladung dieses Humors. Zwei Episoden sind hier zusammengefasst: Verdammnis und Venom. Gleich aus dem Heldenalltag gegriffen, mit allerlei Frotzeleien zwischen Spider-Man und Nova, ist Verdammnis. Den Originaltönen der Fernsehserie entnommen, bekommt der Hörer hier einiges um die Ohren, denn wo sich der Einstellung Nick Furys nach (gesprochen von Engelbert von Nordhausen) die Nachwuchshelden mit dem gefährlichsten Schurken überhaupt anlegen, da muss es ganz einfach krachen.
Der Witz an der Sache ist außerdem: wenn du denkst, es ist vorbei, geht es erst richtig los. Die Stimme von Nico Sablik füllt Spider-Man perfekt aus. Jugendlich, smart kennen Kinobesucher seine Stimme auch jüngst von Captain Kirk, gespielt von Chris Pine. In feinen Gegensatz dazu, immer für ein Rededuell gut, steht Wanja Gerick als Nova. An ihm kommen SciFi-Fans nicht vorbei, ist er doch die Stimme von Anakin Skywalker, gespielt von Hayden Christiansen.
Rotzfrech, auch stets ein wenig genervt von den pubertierenden Bengeln um sie herum spielt Anne Helm die White Tiger Gleich mehrere Helden haben sich diese Identität geteilt. Der Charakter der Ava Ayala ist inzwischen die fünfte Inkarnation mit diesem Heldenkostüm. Äußerlich ist sie wie eine helle Variante des Black Panther. Taugt sie auch nicht gerade als Mittlerin zwischen den Jungen, da diese sich doch mehr vor ihr produzieren suchen, als sich von ihr anleiten zu lassen, haben Charaktere wie Nick Fury, Agent Phil Coulson und schlussendlich Norman Osborn mehr Einfluss.
Die Osborn-Familie, stimmlich prominent besetzt mit Bernd Vollbrecht (Norman) und Kim Hasper (als Harry Osborn), der seine Rolle auch in den Spider-Man-Filmen mit Tobey Maguire sprach, als deutsche Stimme von James Franco. Anhand der Besetzung ist klar, dass hier Kino für die Ohren entsteht. Damit die Bilder dazu im Kopf noch besser entstehen, erzählt Gordon Piedesack jene Zeichentricksequenzen, die dem Zuhörer ansonsten zwangsläufig entgehen würden. Wie aus der ersten Folge her gewöhnt, spricht Piedesack seinen Anteil sehr humorvoll, mit einem Lächeln in der Stimme und unterstreicht den Witz, den die Geschichten ohnehin bereits transportieren.
Venom, der Titel der zweiten Episode auf der vorliegenden CD, entsteht etwas anders, als es der Leser der Marvel-Comics kennt. Zwar ist Spider-Man indirekt an seiner Entstehung beteiligt, allerdings stecken Doc Ock und Norman Osborn auch noch in der Angelegenheit drin. So, wie es in dieser Neuerzählung geschildert wird, könnte aus Venom etwas noch Größeres und Gefährlicheres daraus werden, als es von den bisherigen Ereignissen her bekannt ist (auch in den zahlreichen Variationen).
Fetzig. Tolle Sprecherleistungen, guter Erzähler: ein prima Team bringt die Serie auch perfekt für das Medium Hörspiel rüber. Für Hörspielfreunde und Comic-Fans gleichermaßen geeignet. 🙂
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Sonntag, 30. Juni 2013
Ein Mädchen verschwindet. Ein Mann erhält wenig später ein Paket. Darin befindet sich eine gerahmte Trockenblume. Das Jahr darauf erhält der Mann, Henrik Wanger, das nächste Paket. Jahrzehnte darauf, der Mann ist alt, entschließt sich Henrik Wanger einen Journalisten zu engagieren, der das Rätsel um das Verschwinden des Mädchens lüften soll. Inzwischen ist eine Wand seines Büros voll von gerahmten Trockenblumen. Der angeheuerte Journalist ist niemand anderes als der soeben in die Schlagzeilen geratene Mikael Blomkvist, der nach Analyse einer jungen Frau namens Lisbeth Salander, die er nie kennengelernt hat, in eine Falle geraten ist und so seine Reputation als Reporter verloren hat. Blomkvist, der sich auf die Entführung konzentriert, kann zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, in welches Wespennest er sticht und wen er aus seinem Versteck hervorlocken wird.
Selten nur erlebt eine Geschichte derart viele Varianten der Veröffentlichung. Buch, Hörspiel, zweimalige Verfilmung und Comic-Adaptionen fehlen auch nicht. In den jeweiligen Umsetzungen bleiben Kürzungen nicht aus und so gilt es, Schwerpunkte zu setzen. Das Schöne ist zweifellos, dass durch die jeweilige Interpretation neue Einsichten entstehen und die Geschichte (selbst wenn ich sie nun in der fünften Version erlebe) niemals verliert. In der Adaption für das Medium Comic gilt es also für Sylvain Runberg sinnvolle Kürzungen zu erarbeiten und Schlüsselmomente besonders hervorzuheben. Hier schwanken die Szenen zwischen erklärend und thrillernd.
Homs, der als Zeichner hierzulande weniger in Erscheinung getreten ist, fällt durch seine sehr eigenen Interpretationen der Figuren auf. Diese erscheinen an der Grenze zur Karikatur gestaltet zu sein, sind aber niemals überzeichnet genug, um nicht eine echte Vorlage gehabt haben zu können. Das Mädchen mit dem Drachen-Tattoo ist eine der faszinierenden Romanpersönlichkeiten der letzten Jahre. Leidgeprüft, unglaublich tough auf ihre Art, dabei körperlich zerbrechlich wirkend und ungeheuer intelligent, unbeugsam, eigensinnig, rebellisch. Mager bis zur Unterernährung, mit einem dreieckigen Gesicht, kurzen schwarzen Haaren, Piercings und einem starkem Auftreten, das nur einmal ins Wanken gerät, als sie sich den Gegeben unterordnet.
Homs verwendet dünne Striche. Ein starke, plastische Kolorierung hebt die Figuren aus dem Papier. Man könnte die Bildsprache einer transantlantischen Überschrift unterordnen. Die Technik findet sich hier wie dort und lässt seine Figuren theaterartig wie auch operettenhaft auftreten. Damit rückt Homs in eine Nische wie Eric Powell, denn ein gewisser Sarkasmus im Strich findet sich hier auch. Homs gestattet es sich, seinen Figuren einen Stempel aufzudrücken. Das bringt, will man die erklärende Nähe zur klassischen Kunst suchen, sogar Parallelen zur künstlerischen Darstellung eines Otto Dix mit sich.
Während die Erzählung um Blomkvist in diesem ersten Teil von Verblendung (dem Auftakt der Millennium-Trilogie) eher detektivisch geprägt ist, muss Lisbeth Salander ihren Charakter entblößen und wird auf der anderen Seite der Waage zum Leiden ausgeschickt. Zwischendurch zeigt der Mörder im Hintergrund, dass er bei aller Qual, die Lisbeth durchstehen muss, noch viel bestialischer vorzugehen vermag und die Helden dieses Thrillers noch einiges erwartet. Das ist auch mit einer optischen Anmutung von Momentaufnahmen abzulesen, die vorwiegend mit eher kälteren Farbeindrücken daherkommen und den Leser auch auf Abstand halten.
Zur Geschichte dieses Weltbestsellers von Stieg Larson muss kaum noch etwas gesagt werden, diese Adaption hält die Spannung der Vorlage aufrecht und kann auch jenen empfohlen werden, die bereits eine der anderen Varianten kennen. Homs könnte sich mit dieser Arbeit noch für eine lange Karriere als Künstler empfehlen. Der Auftakt hier ist jedenfalls sehr vielversprechend. 🙂
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Freitag, 28. Juni 2013
Die Göttinen machen keine halben Sachen. Hekate, Hera, Artemis und Aphrodite wollen das kleine Mädchen nicht so einfach seinem Schicksal überlassen. Da auch niemand hinter der anderen Göttin zurückstehen will, sind ihre Gaben, die sie dem Kind überlassen, über die Maßen großzügig für eine Sterbliche. Atalante ist ein aufgewecktes Kind, wird umsorgt und hat, nach einer Begegnung aus der Ferne, nur einen bedeutenden Wunsch: sie will sich dem Volk der Amazonen anschließen. Eine stolze Kriegerin zu sein, erscheint ihr erstrebenswert. Doch zuvor, endlich erwachsen geworden, wartet das Abenteuer auf die junge Frau, die sich erst einmal vor gestandenen Männern behaupten muss. Die Zentauren sind in Aufruhr und sie lassen sich nicht durch die Schönheit Atalantes verwirren. Hier zählen nur Taten.
Wenn Didier Crisse zeichnet, gestaltet und erzählt, dann bleibt kein Aspekt der griechischen Mythologie unberührt. Und er macht es in einer so liebevollen wie auch sehr dichten Art und Weise, dass es für den Leser auf jeder Seite Neues zu entdecken gibt. Der Lebenslauf von ATALANTE beginnt bereits spannend, da kann sie noch nicht einmal laufen. Der Vater will sie nicht, die Mutter kann sie nicht retten. Die Götter hingegen haben ein Auge auf den Säugling. Und schon werden die Karten neu gemischt und Atalante landet wenig später in Gefilden, in denen Menschen keine gern gesehenen Gäste sind. In der Kindheit entfalten sich die ersten besonderen Fertigkeiten, die später, um im Bereich der klassischen Sagen zu bleiben, an der Seite von Jason und seinen Argonauten so richtig zum Tragen kommen.
Die grafische Pracht, wie sie bislang ähnlich in Canari oder Ishanti geboten wurde, das Verspielte, wie es der verwöhnte Fantasy-Leser von SinBad oder Belladonna her kennt, findet sich hier ebenso wie die technische Perfektion, die der Fan von sehr fantasievollen Themen eher aus der Schmiede Hollywoods im Stile von Disney oder DreamWorks gewöhnt ist. Anspielungen wird der Leser auf die Traumfabrik in jedem Fall finden. Die Harpyien, mit denen Atalante in jungen Jahren in Kontakt kommt, sind eine direkte Verbeugung vor den Geiern aus dem Dschungelbuch aus dem Hause Disney, wie auch die tolle Kolorierung von Fred Besson eine konsequente Umsetzung des Zeichentrickkonzepts auf Papier darstellt.
Die Stärke von Didier Crisse liegt in seinen Knuffelfiguren, von denen es in der näheren Umgebung von Atalante eine Menge gibt. Fast möchte man sogar die gefährlichen Kreaturen knuffeln, die einen ähnlichen Charme versprühen wie allseits beliebten Hexen aus der Disney-Schmiede oder jene Bösewichter, die uns der deutsche Zeichner in Hollywood, Andreas Deja, uns auf der Leinwand (Dschafar, Scar) bescherte. Didier Crisse allerdings muss sich nicht wie ein Hollywood-Zeichner mit einer Figur aufhalten. Er kreiert, und sagen wir es direkt ein wenig größer, gleich ein ganzes Universum.
Jede Figur besitzt eine derart liebevolle Gestaltung, als habe sich jeweils nur ein Zeichner auf diese Figur konzentrieren können. Zu den Höhepunkten zählen sicherlich die Göttinnen wie auch die Zentauren. Im redaktionellen Anhang finden sich Skizzen, Entwürfe, auch fertige Zeichnungen von Figuren, wie sie diese Geschichte noch nicht zu bieten hat. In der Vergrößerung verlieren diese Charaktere nichts von ihrer Wirkung, eher sind sie noch eindrucksvoller in ihrer Verspieltheit. Didier Crisse erfährt durch Fred Besson, den Koloristen, großartige Unterstützung, denn in teils realistisch angelegten Hintergründen (Natur) und weich eingefärbten Figuren ist die Wirkung tatsächlich jene von Zeichentrickbildern, die einem Film entnommen worden sein könnten.
Ein toller Einstand einer Reihe, gerade für jene, die das Leichte, Verspielte, Kindlichere in einer Fantasy-Erzählung mögen. Aufregend erzählt, perfekt koloriert, Seite für Seite ein Page-Turner. Klasse. 🙂
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Mittwoch, 26. Juni 2013
Ein ganz eigenes Leben: Theodor Pussel betreibt seine Kokosnussplantage irgendwo im indonesischen Archipel. Man schreibt das Jahr 1933. Fernab Europas gibt es Arbeit, Einsamkeit und Geschäft. Eine Frau passt da nicht hinein. Umso erstaunter ist Theodor Pussel, als ihn eines Tages einmal mehr die Vergangenheit einzuholen scheint. Chouchou ist gekommen! Ohne sich vorher anzukündigen, betritt die junge Frau die Insel und Herr November, inzwischen in den Diensten Theodors, weiß es sogleich: das wird Ärger geben. Bösen Ärger. Ein Grund ist Eifersucht. Damit allein könnte Theodor Pussel umgehen, bedrohte man nicht auch einmal mehr sein Leben und das der Menschen um ihn herum.
Betrachtet man die Erzählung über das Leben von Theodor Pussel, fällt sehr schnell auf, wie sehr sich diese Handlung vom Hauptstrom unterscheidet. Wie sehr sie von anderen Einflüssen geprägt ist, als jene Bestseller und Blockbuster, die es in die öffentliche Wahrnehmung schaffen. Die dritte und abschließende Gesamtausgabe von THEODOR PUSSEL wartet mit einem tollen redaktionellen Teil auf, der gerade einen sehr anschaulichen Blick hinter die Kulissen, in die Entstehung und Weiterentwicklung dieser ungewöhnlichen Figur gestattet. Die Handlung bietet keinerlei Komik, ist aber nicht gänzlich humorlos. Sie bildet eine vergangene wie auch aus europäischer Sicht ferne Ecke der Welt ab, in der die Uhren anders ticken. Es ist allein dieser Gegensatz, wieder aus der Sicht des Lesers, der es so spannend macht, dem Leben von Theodor Pussel zu folgen, das gleichfalls als großes Abenteuer bezeichnet werden kann.
Der redaktionelle Teil gibt nicht nur vorzüglich Auskunft über die textliche Arbeit des Künstlers Frank Le Gall, es zeigt auch Le Galls schöne Farbtechnik, die so nur in einem Album zum Einsatz kam. Neben diesen Ausflügen, die von Skizzen ergänzt werden, darf der Leser einen blick auf eine nie in dieser Form vollendete Variante von Das ganze Jahr November werfen. Herr November, eine Figur, die zeitweilig wie ein schlechter Schatten um Theodor Pussel herumschwebte, kehrt zurück. Frank Le Gall unternimmt einen Ausflug in andere Gefilde, indem er eine deutliche Hommage an klassische Krimis im Stile einer Agatha Christie entwirft, eine ominöse Theatertruppe eingeschlossen, wie sie der Krimifan auch in Vier Frauen und ein Mord vorfinden durfte. Wer weitere Parallelen sucht, wird sie in der Umgebung finden. Statt eines Zuges wie in Mord im Orient-Express ist es hier ein Schiffsfahrt, die den Kreis der Verdächtigen deutlich einschränkt. Und ein Entkommen unmöglich macht.
Doch das ist vorgegriffen. Zuvor beschäftigte sich Frank Le Gall noch mit einem Thema, das deutlich mehr einem Theodor Pussel entgegenkommt. Mit den beiden Alben Im Palast des Nabobs – Teil 1 und Im Palast des Nabobs – Teil 2 widmet sich Le Gall wieder der indischen Atmosphäre, die gleich von Beginn an von einer seltsamen, teils unheimlichen, in jedem Fall fremdartigen Atmosphäre durchdrungen ist. Europäer betreten dieses Szenario mit Nachdruck, aber auch wie ein Fremdkörper. Die Geschichte entfaltet sich langsam, fast schon, bedenkt man die Geschwindigkeiten, die heutzutage zum Erzählen angelegt werden, eine Provokation. Außerdem scheut sich Le Gall nicht, Textpassagen wie Dialogszenen über zwei Seiten mit nur wenigen Rahmenillustrationen zu versehen und so stehen zu lassen.
Aus dieser Erzählweise, die einfach gängige Muster über Bord wirft oder ignoriert, entsteht etwas derart Eigenes, auf das sich der Leser erst einmal einlassen muss. Le Gall erzählt gegen den Strich, folgt jedoch künstlerisch, grafisch einer klassischen Linie, deren Stil der Ernsthaftigkeit der Handlung durchaus angemessen ist. Denn hier wird sich der Leser nur freuen können über die Art, wie Le Gall diese vergangene Zeit neu belebt, in den Dschungel auf Tigerjagd entführt und gleichzeitig Intrigen und Liebesdrama schürt.
Eine außergewöhnliche Serie um eine gar nicht einmal so heldenhafte, dafür umso menschlichere Figur, die auch viel zwischen den Zeilen zu erzählen hat. Ein toller Abschluss mit dem dritten Sammelband, der vier Alben und einen außerordentlich schönen und informativen redaktionellen Teil enthält. Um die Entwicklung Theodor Pussels aber auch würdigen zu können, ist die Kenntnis der ersten beiden Ausgaben Pflicht. 🙂
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Die Flut wird kommen. Weder Noah noch die Engel haben einen Zweifel an dieser Voraussicht. Inzwischen ist die Arche, die sie alle schützen soll, Noahs Familie mit eingeschlossen, sehr weit gediehen. Die ersten Tiere kommen: Vögel. Sie kommen in Scharen, immer paarweise. Nur eine weiße Taube ist allein. Noah begrüßt jedes Vogelpaar persönlich. Jedes Tier, das auf diese Weise seine Segnung erhält, ist vor der Flut gerettet. Es folgen die Reptilien und die Säugetiere. Die Ladung der Arche wächst. Die Tiere werden beruhigt. Alle fallen in seligen Schlummer. Das Projekt, dem sich Noah durch eine Vision Gottes verpflichtet fühlt, könnte eilig zwar, doch in aller Ruhe wachsen und am Tage des Hochwassers bereit sein. Gäbe es nicht die Menschen. Jene, die nicht in Paaren auf dem Schiff weilen. Jene, die ebenfalls errettet werden wollen. Ob Gott das nun will oder nicht.
In der zweiten Folge über die biblische Passage über den vorläufigen Untergang der Welt und ihren Neubeginn widmen sich die beiden Autoren Darren Aronofsky und Ari Handel den Vorbereitungen zum Überleben der Tierwelt. Nichts von Gottes Schöpfung soll verloren gehen. Jede Art, die zu zweit vor der Arche erscheint, soll aufgenommen werden. Wie in einem oft geübten Ritual nimmt NOAH jede Art persönlich auf. In Anbetracht der Tatsache, dass diese Geschichte nicht nur eine Graphic Novel ist, sondern eigentlich so etwas wie eine Comic-Umsetzung der geplanten Verfilmung mit Russell Crowe in der Hauptrolle, lassen allein diese Passagen die Köpfe der Spezialeffektemacher bestimmt bereits rauchen.
Doch es geschieht noch viel mehr als nur die Sammlung aller zu rettenden Tiere. Innerhalb der Familie Noahs gibt es natürlich auch Schwierigkeiten. Zwei sollen es von jeder Art sein. Das mag auf Noah und seine Frau auch zutreffen, doch was ist mit seinen Kindern, die nicht partnerlos auf dem kommenden Weltmeer herumfahren wollen? Was ist mit den Menschen, die auf die Arche stoßen und plötzlich geneigt sind, den Vorhersagen Noahs zu glauben und sich notfalls mit Gewalt einen Platz an Bord verschaffen wollen? Was ist mit Noahs Kindern, die auch einfach nur Kinder sind?
Für Niko Henrichon ergeben sich sehr viele unterschiedliche Passagen, die es bildhaft zu inszenieren gibt. Auffallend sind natürlich die Großen, die Massenszenen, die weitaus mehr bieten, als nur den Aufmarsch der Tiere. Visionen und Menschen, die sich gegeneinander werfen, neue Freundschaften, die Fertigstellung der Arche und andere Szenen werden von Niko Henrichon in einer skizzenhaften Technik zu Papier gebracht. Henrichon übernimmt auch die Kolorierung und verleiht den Bildern so Volumen und den unterschiedlichen Figuren auch Charakter. In den Gesichtern ist ein wenig von der Einfachheit, wie sie in Mangas zu finden ist. Aber sie ist ebenso vergleichbar mit einem Künstler vom Format eines Andrea Mutti (Break Point) oder eines Sean Phillips.
Das Land hat als Kulisse in diesem Band nicht viel zu bieten. Die Welt ist öde und leer, vom Menschen auf neudeutsch heruntergewirtschaftet, zerstört, ausgebeutet. Gott will einen Neuanfang. Deshalb sollen die Menschen sterben, bis auf einige Auserwählte. Die Menschen, kriegerisch, nomadenartig, ein wenig wie über die Maßen wilde Maori wirkend, lassen Noah nicht kampflos seine Arbeit erledigen. Entsprechend apokalyptisch werden die Bilder, nachdem sie doch eine Weile eine gewisse Hoffnung verbreitet haben. Doch mit dem prophezeiten Einsetzen des Regens, den Tränen des Schöpfers, wird die Hoffnung erstickt. Und wüsste man nicht, laut Bibel, wie die Geschichte ausgegangen ist, könnte der Leser, den Bildern folgend, auch eine Katastrophe für Noah und seine Familie kommen sehen.
Eine bekannte Geschichte, packend neu erzählt. Die Fortsetzung ist noch enger an der Hauptfigur und bietet Fantasy pur. Selbst wer mit der Bibel nichts anfangen, wird diesen Aspekt finden und möglicherweise sehr mögen, da es eine sehr erdige Fantasy ist, wie sie sich in den letzten Jahren mehr und mehr durchgesetzt hat. Sehr gut. 🙂
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Freitag, 21. Juni 2013
Dieser … ja, wer ist er eigentlich? Er trägt ein T-Shirt mit einem seltsamen Emblem darauf, eine Jeans, schwere braune Schuhe und dann noch ein …Cape, das viel zu kurz ist und wie ein Tischtuch hinter ihm her flattert. Trüge es nicht auch das selbe Emblem wie das T-Shirt. Sehen so … Superhelden aus? Dieser junge Mann stellt sich die Frage nicht. Er ist … wütend. Er mischt sich ein. Er nennt sich Superman. Und wer sich schlecht benimmt, so sagt er selbst, bekommt es mit ihm zu tun. Der Mann, dem er ein Geständnis abringt, auf recht ungewöhnliche Weise, kann ein Lied davon singen. Diese eigenmächtige Jagd auf Verbrecher findet nicht nur Befürworter.
Schneller als ihm lieb ist, muss sich Superman seiner Haut erwehren. Schweres Geschütz macht ihm zu schaffen und so lieb es ihm vermutlich wäre, ist ein Zug doch mal eben so zu stoppen. Superman blutet und wird selbst gestoppt. Im Hintergrund haben sich die Verantwortlichen auf Seiten des Gesetzes, solche, die sich Sorgen machen über dieses mächtige Wesen einen Berater namens Lex Luthor geholt, der alles, wirklich alles daran setzt, um eine Schwachstelle bei jener Kreatur zu finden, die zweifellos ein Alien ist.
Ein neuer Anfang: die Sammelausgabe fasst die ersten acht Ausgaben des neuen Superman in einem neuen DC-Universum zusammen. Zu viel, zu neu? Nein, weil Grant Morrison, der Autor, diesen Superman wirklich einmal andere Wege gehen lässt und ihm gleichfalls, um im Bild zu bleiben, auch andere Steine in den Weg legt. Der Leser begegnet einem Superman, der noch nicht fertig ist. Ein Superman, der Schwierigkeiten mit dem Fliegen hat (wie es auch von anderen Autoren gerne einmal angedeutet wurde, z. B. Frank Miller). Ein Superman, der nicht einfach so durchs All fliegen kann, weil er erst einmal schauen muss, wie er da überhaupt hoch kommt. Und weil er auch Sauerstoff benötigt.
Ein Superman mit Schwächen, also ein Superman für das neue Jahrtausend. Rückblicke bringen ein verändertes, härteres Krypton vor die Augen der Leser, doch manche Dinge ändern sich auch nicht. Der berühmte Fund des kleinen Clark gehört dazu. Eine Abordnung der Legion der Superhelden hat ihren Auftritt, etwas unerwartet eingefügt, doch für Überraschungen gut.
Das ist optisch für Superhelden-Fans eine absolute Sause. Rags Morales, technisch angesiedelt zwischen einem Bernie Wrightson und einem Jim Lee, illustriert den Start der Serie, bevor er den Stift an andere Zeichner übergibt oder sich zeitweise mit ihnen ein Heft teilt. Dieser neue Superman wirkt als Clark Kent, der Geheimidentität des Stählernen, ein wenig wie ein Peter Parker (Spider-Man). Er ist kein Superboy mehr, aber auch nicht ganz der wirkliche Superman. Dank Andy Kubert einem ähnlichen künstlerischen Schwergewicht wie Rags Morales erhält der Leser Einblick in die sorgfältig versammelte Anti-Superman-Fraktion, Figuren, gegen die sich im Laufe der Jahrzehnte bisherige Feinde viel normaler ausnehmen.
Brad Walker, ein Künstler, der die besondere Nähe zum Realismus liebt, dessen Bilder mit einem milchigen Farbauftrag daherkommen, beschäftigt sich nicht nur mit einem anderen Mann aus Stahl, Steel, er verleiht seinem Superman auch das Aussehen eines jugendlichen Christopher Reeve, der den Leinwand-Superhelden nachhaltig geprägt hat. Männer aus Stahl? Einer fehlt noch. Zwei werden dem Leser auf guten Seite beschert, John Corben, Metallo, bereichert die zu Beginn auftretenden Schurken, denn er vermischt sich auch noch mit dem Weltensammler. Das ist für den jungen Superman fast eine Nummer zu groß, bietet aber viel Stoff für großartige Superhelden-Action.
Kein leichter Abschied für eingefleischte Supie-Fans, aber eine gelungene Begrüßung durch Grant Morrison all jener, die sich überzeugen lassen wollen, wie ein Superman des neuen Jahrtausends ist. Das ist spannend, das ist ein sehr menschlicher Kryptonier, das ist grafisch bombastisch. 🙂
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Mittwoch, 19. Juni 2013
Ist dieses Wesen tatsächlich der gefährliche Maximus? Die Dino-Men sind zu verblüfft. Oder ist der wahre Maximus jener einarmige Mann, derjenige der in einem Gefängnis nahe des Erdkerns gefangen gehalten wird? Viele Fronten, viele Motive. Für die einen ist es die Macht, für die anderen ist es schlicht der Wunsch, die eigene Frau wiederzufinden. Derek Dynamo unterdessen wird in einen Krieg hineingezogen. Wenn es stimmt, was der Gefangene dort in seinen Klammern und Fesseln an düsteren Prophezeiungen verbreitet. Für SUPER DINOSAUR werden die Probleme immer ernsthafter, weit davon entfernt, mit den Trainingssituationen im Gefahrenraum vergleichbar zu sein.
Shark-Men. Dino-Men. Diverse Kreaturen, die um die Führung jener halbmenschlichen Wesen buhlen und sich gegenseitig mit aller Macht bekämpfen. Und natürlich SUPER DINOSAUR und seinen Freund Derek Dynamo, für den es auf einmal nicht mehr ganz so schlimm ist, Gleichaltrige in seiner näheren Umgebung zu haben. Das Leben hält für die kleine Mannschaft, die sich in ihrer sehr technisierten und abgelegenen Basis zusammengefunden hat, kaum lange eine heile Welt bereit. Die Feinde, die sich selbst uneins sind, stellen die Weichen für einen neuen Angriff. Der bisherige starke Mann, Squidious, wird aus seiner eigenen Festung vertrieben. Exilium taktiert gründlicher, wirkt gnadenloser, auch intelligenter. Am Ende lässt Autor Robert Kirkman den Leser in einer scheinbar aussichtslosen Lage zurück. Gemeiner können Cliffhanger, mitten auf dem höchsten Spannungsgrad abgebrochene Handlungen, kaum sein.
Robert Kirkman will es in der zweiten Episode von SUPER DINOSAUR phantastischer, krachender, auch verzwickter, den jede Front ist nicht in die berühmten Guten und Bösen ausbalanciert. Hier nutzt schließlich jeder eine Seite für seinen Vorteil. Nur SUPER DINOSAUR und sein Freund Derek halten sich an die Spielregeln. Doch mit unterschiedlichen Allianzen verschieben sich die sonstigen Grenzen. Ehemalige Feinde agieren plötzlich auf derselben Seite. Unvorhergesehene Schachzüge machen die Bahn für unvorhergesehene Reaktionen frei. So betrachtet, befolgt Robert Kirkman immerhin seine eigene Regeln, die ihn zu einem gefragten Comic-Erzähler in den Vereinigten Staaten gemacht haben. Nix ist fix, könnte man sagen. Alles kann sich jederzeit ändern. Der Leser wird nie auf der sicheren Seite sein und muss erfahren, was auf der nächsten Seite geschehen wird.
Für Kinder erzählt, folgt Kirkman natürlich auch der Schiene, die sich durch die Samstags-Cartoons (zumindest hierzulande) zieht. Die Charakterzeichnung erfolgt in der neuen Episode deutlich schneller, Zwischenmenschliches ist zügig erklärt (auch Anderkreatürliches). Jason Howard darf den maskierten Unhold in dieser Folge sogar doppelseitig enttarnen. In der Zeichnung dieses Wesens steckt brutale Intelligenz, weitaus stärker ausgeprägt als in den bisher vorgestellten Kreaturen, die zwar ebenfalls aufrecht gehen und reden, aber mehr wie (um beim Vergleich des Schachs zu bleiben) Bauern wirkten, während dieser Feind, Exilium, mindestens eine herausragende Dame oder sogar ein König ist.
SUPER DINOSAUR, der Held der Geschichte, kommt zeitweilig etwas zu kurz, aber sobald der Einsatz naht, dann rockt er, um mit seinen Worten zu sprechen. Die Rüstungen werden größer, martialischer, auch militärischer zum Schluss. Gegen die von Kirkman kreierten Feinde muss schweres Gerät her. Das erinnert in der Rasanz der Kampfszenen an Ben 10, dessen Verwandlungen auch einen der besonderen Reize jeweils ausmachen. Und SUPER DINOSAUR ist nicht der einzige, der in einem Spezialanzug die Lava rockt. Hier ist viel los und wird entsprechend zelebriert, mal halbseitig, mal einseitig. Wenn der Rückzugsraum der Basis verlassen ist (oder die Verstecke der Mutanten), wird es farblich auch knalliger, signalisieren Rottöne, gelbe Blitzer und lilafarbene Ränder die aufkeimende oder gar explodierende Gefahr.
Das geht ab! Das mag nicht unbedingt eine sehr fundierte Aussage sein, trifft aber die vorliegende zweite Ausgabe von SUPER DINOSAUR. Robert Kirkman dreht noch mehr auf und jagt seine beiden Helden an ihre Grenzen. Da kommt keine Sekunde Langeweile auf. 🙂
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Montag, 17. Juni 2013
Wilfrid Nao Morgenstern war lange fort. Er, der Mensch, hat seine Familie auf Aquablue lange Zeit nicht gesehen. Sein Sohn ist fast ein Fremder für ihn. Nao hat vieles nachzuholen. Endlich ist ein Gesetz verabschiedet, das die Kolonisierung von Planeten verbietet, die von intelligenten Lebewesen bereits bewohnt werden. Nao wähnt sich am Ziel. Allerdings gibt es eine Nachricht, die seine Lebensplanung ins Wanken bringen, sogar einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen könnte. Auf der Erde, im ewigen Eis, wurde ein Schiff gefunden, eindeutig nicht terranischen Ursprungs. Für alle Beteiligten überraschend mehren sich die Hinweise einer Verbindung zu Aquablue. Irgendwann jemand von dort brachte das Leben zur Erde. Die daraus erwachsenden Konsequenzen haben Folgen für beide Völker.
Regis Hautiere und Reno kehren auf den von Olivier Vatine und Thierry Cailleteau geschaffenen Planeten Aquablue zurück. Inzwischen wächst eine neue Generation heran. Die Probleme sehen zunächst nicht mehr so groß aus. Ein wunderbare Zukunft scheint zum Greifen nahe. Autor Regis Hautiere vermischt auf schöne Weise die Beschreibung des fernen Planeten mit einer Handlung, die langsam, aber dicht in Fahrt kommt. Wer die ursprüngliche Reihe nicht kannte, kann dennoch bedenkenlos bei dem ersten Band von AQUABLUE NEW ERA zugreifen. Die Einführung ist gekonnt, berücksichtigt das Geschehene und lässt für den Neuleser trotzdem keine Fragen offen. AQUABLUE ist ähnlich wie das im Kino populär gewordene Pandora (Avatar) ein Planet, der eine deutliche Rolle spielt, eine lebende Bühne, mit der die Figuren der Geschichte zwangsläufig reagieren müssen.
So ergibt sich für Reno in Personalunion als Zeichner und Kolorist eine genial gelöste Aufgabe. Hier wird ausgereizt, was der Computer hergibt. Das ist mehr als nur Trickfilm, als nähert sich bereits stark einer möglichst realen Optik an. Das Titelbild vermittelt einen Eindruck, was den Leser durchgängig im Inneren des Albums erwartet. Die Landschaften auf Aquablue, über und unter Wasser, sind wahre Postkartenidyllen (sieht man von den gefräßigen Bewohner dieses riesigen Meeres einmal ab). Die Bewohner, exemplarisch in der Form eines Meeressauriers, brauchen sich hinter den Jagdszenen aus Hollywood namens Jurassic Park oder den Tierdokumentationen der BBC nicht zu verstecken.
Szenen, die im Weltall spielen, sind so brillant, dass ein 3D-Programm im Einsatz gewesen sein könnte. Falls dies nicht der Fall war, ist ein Perfektionist am Werke, wie ihn der Comic-Fan im Vergleich bei Arbeiten wie The Red Star findet. Neben technischer Ausrüstung bestechen die Raumfahrzeuge und das Design der Städte einer futuristischen Erde (obwohl es bereits heutzutage im asiatischen und arabischen Raum ähnliche Ansichten geben mag). Ein exzellentes Farbenspiel vermittelt nicht nur einen tollen räumlichen Effekt, sondern bringt die Bilder auch mit einer feinen Leuchtkraft zum Glänzen. Bei Figuren ist der Farbauftrag mit einer milchigen Arbeitsweise getätigt worden, während dreidimensionale Objekte mit noch genaueren Farbübergängen und Verläufen abgebildet sind.
Cineasten unter den SF-Fans werden vielleicht eine Nähe zu den Arbeiten von James Cameron feststellen. Neben der Paradies-Thematik eines Avatar findet sich ebenfalls auch Weltall-Feeling im Sinne eines Aliens, wertet man eine Befreiungsaktion in stählerner Atmosphäre auf diese Weise. Der Ortswechsel, der hier stattfindet, bietet einen starken Kontrast zur sonnendurchfluteten Welt von Aquablue und rein optisch fällt die Entscheidung schwer, von welcher Handlungslinie man letztlich mehr sehen möchte. Einen großen Reiz bieten beide an.
Grandiose Optik, eine Geschichte, die sich langsam aufbaut und sich Zeit nimmt, ihre Charaktere genau in Augenschein zu nehmen, bevor das Drama seinen Lauf nimmt. Die Handlung verspricht in Zukunft noch sehr viel. Wenn sie das Niveau hält, wird die Reihe ein Knaller. Der Auftakt hat es bereits in sich! 🙂
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Freitag, 14. Juni 2013
Drum prüfe, wer sich mit den falschen Leuten einlässt und die falschen Wünsche äußert. Es könnte fürchterlich daneben gehen. Für den jungen Mann, Gaspard, war diese Liebe zu Blanche alles. Und nun hat sie ihn einfach verlassen. Des Standes wegen. Gaspard kann und will diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen. Er sitzt eine Hexe auf und schließt einen wahrhaft teuflischen Pakt. Doch wie so oft, Gaspard hätte es ahnen sollen, sobald er nur einen Fuß über die Schwelle des satanischen Weibes setzte, gibt es für jene, die die Rache suchen, nichts zu gewinnen.
Blanche unterdessen wird Königin. Mit großem Pomp, einer heiligen Ernennung in hohen Kirchenhallen ergibt die die junge Frau in ihr Schicksal, das ihr alles andere als willkommen ist. Doch da begibt es sich, dass der Pakt, den Gaspard schloss, noch einem anderen zu Ohren kommt. Einem, der das Antlitz einer kleinen Schnitzerei, dem letzten Kunstwerk Gaspards, verzückt betrachtet und beschließt, dieser Frau wahrhaftig zu begegnen. Eines Tages, am Ufer eines Weihers, trifft Blanche einen nackten Mann, überaus freundlich, verführerisch, auf naive Weise lockend und sie verfällt seinem Anblick, seinem Werben. Kurz.
Ein Märchen, eine königliche Intrige, eine Teufelsgeschichte, ein Krieg: der Leser bekommt von Jean Dufaux und Jose Luis Munuera einiges geboten. Eine traumwandlerische Reise, verwunschen schön. Letzteres ist dem spanischen Zeichner Jose Luis Munuera zu verdanken. Er besitzt die Fähigkeit, sehr leichte Figuren zu kreieren, biegsam wie Gummimännchen ausschauend, gleichzeitig zerbrechlich, einen klassischen Look leicht karikierend. Dem Comic-Fan ist er bekannt durch seine Arbeiten für Spirou + Fantasio oder auch Merlin und Fraternity. Mit diesen hier gezeigten Figuren ist er im Mittelalter, natürlich auch in der Fantasy wie Daheim.
Die beiden beherrschenden Frauenfiguren, Prinzessin (die spätere Königin) und die Hexe, haben einen gleichermaßen grazilen Körperbau, doch ihre Gesichter sind völlig gegensätzlich entworfen. Blanches Antlitz ist rundlicher, mit spitzen Dreieckskinn und großen grünen Kulleraugen. Dafür ist die Hexe eher eine Malefiz, mit Anleihen bei den sehr kinnlastigen Figuren eines Don Martin und sogar den klassischen Kanten antiker Statuen. Mit leichter Hand werden hier unterschiedlichste Mimiken aufs Papier geworfen, immer treffsicher mit minimalen Veränderungen.
Seitlich der Hauptdarsteller finden sich Charakterköpfe, in denen Munuera aus seiner eigenen Designlinie ausbricht. Da finden sich Anleihen, viele eigene Kreationen, mit relativ wenigen Linien erzeugt, so dass ein weiterer Künstler zaubern kann. Denn Sedyas trägt in Sachen Kolorierung einen großen Anteil an der wirklichen Schönheit der Bilder, die mal in Richtung Gemälde, mal zum Medium Trickfilm hin ausschlagen. Das Titelbild ist sicherlich aufwendiger koloriert als die Folgeseiten, gibt aber einen Eindruck der durchgehenden Aussagekraft der Bilder, die einen zuweilen nebligen Charakter haben, sonnendurchflutet sind und mit farblichen Stimmungen perfekt spielen. Prescht häufig in einem Künstlerteam einer vor, ergänzen sich hingegen Munuera und Sedyas auf das Schönste.
Es könnte ein Grimms Märchen sein, ist aber von Jean Dufaux erdacht und fein konstruiert. Bisher erscheint es wie eine Tragödie, aus der es für alle Beteiligten (sogar für die besonders fiesen) kein Entrinnen gibt. Das birgt Überraschungen, insbesondere bei Figuren, bei denen es so nicht zu erwarten war.
Der erste von zwei Bänden ist hinreißend, für Freunde des Märchens (oder märchenhafter Fantasy) und vermag gerade durch seine feine Gestaltung auf ganzer Linie zu begeistern. Dunkle Magie, unerfüllte Liebe und finstere Intrigen, alles genau von Jean Dufaux gegeneinander abgewogen. Sehr, sehr fein! 🙂
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