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Comic Blog


Dienstag, 17. September 2013

Marsch der Krabben 2

Filed under: Cartoon — Michael um 19:37

Marsch der Krabben 2 - Das KrabbenimperiumDie Quadratkrabbe ist dem untergehenden Schiff entkommen. Sie hat einen Bogen geschlagen, den sie nicht hätte schlagen dürfen, da Quadratkrabben keine Bogen schlagen. Sie gehen geradeaus. Sonst nichts. Und für die meisten Quadratkrabben ist das gut so. Ein kleiner Ausrutscher birgt das Potential der Revolution in sich. Für die kleine Krabbe, der dieser Ausrutscher gelang, ist diese Möglichkeit zunächst völlig unglaubhaft. So wie sie erst einmal kaum glauben kann, was sie da gerade getan hat. Der Auflauf um sie herum ist groß, denn eigentlich will auch sonst niemand seinen Augen trauen. Doch die Beweise sind unleugbar. Ein Anfang vom Ende? Oder nur eine Episode, an die sich am nächsten Tag niemand mehr erinnert?

Taschenkrebse spielen nicht mit Quadratkrabben. Das muss unterbunden werden, so lange sie noch klein sind. In der zweiten Runde von Marsch der Krabben wird es noch dramatischer. Nachdem die Quadratkrabben festgestellt haben, dass sie von der geraden Linie, den beiden unterschiedlichen Richtungen, in die sie immer gelaufen sind, abweichen können, haben sich unterschiedliche Fraktionen gebildet. Im Verbund der Quadratkrabben selbst gibt es jene, die nur zu gerne in jede beliebige Richtung laufen möchten. Aber nicht wenige Quadratkrabben sind nicht bereit, die alte Tradition aufzugeben. Unterstützung erfahren sie hierbei von den Taschenkrebsen, denn die Angst vor Veränderungen innerhalb der natürlichen Hierarchien ist groß.

Arthur De Pins ist mit dieser Geschichte, einem völlig neuen Thema ein moderner Klassiker gelungen, der gerade mit der zweiten Folge einmal mehr seine Qualität beweist. Taschenkrebse spielen nicht mit Quadratkrabben. Es ist eine Kindheitserinnerung der Quadratkrabbe Mond, die mehr oder weniger ergeben auf ihr Schicksal, den Kochtopf wartet. An ihrer Seite befindet sich ein Taschenkrebs, dem die Prozedur in der Küche vom Hörensagen bekannt ist und den Vorgang so hinnimmt, wie er eben kommt. Endgültig nämlich. Arthur De Pins spielt mit den Schicksalen seiner Figuren, liebevoll, mit der Zuneigung eines Autoren, der ein Kinderbuch schreibt und sich doch in Wahrheit in der Fabel mit ausgezeichnetem Erzählgeschick bewegt.

Der Autor, der hier gleichzeitig als Illustrator tätig ist (wie auch in seinen Werken Lieblingssünden und Zombillenium), verwendet einen grafisch einfachen wie auch eindrucksvollen Stil. Flächige Farbträge, feine Strukturen, zerbrechlich wirkende Figuren, generelle Farbspiele und Linien und Begrenzungen, die sich durch ihre Farbgebung stets einfügen und nicht einfach schwarz und somit sperrig sind. Da lächeln einem als Leser ein wenig ausgefallenere Zeichentrickgrafiken entgegen. Man könnte es auch Experimente nennen, die sich nur wenige trauen, da sie die bekannten optischen Comic-Pfade verlassen, sprichwörtlich gegen den Strom schwimmen. Aus jeder Seite oder sogar Doppelseite entwirft Arthur De Pins eine Komposition aus Form und Farbe. Und ganz nebenbei ist das Zusammenspiel von Text und Bild ein humoriger Hochgenuss.

Die Abenteuer der kleinen Krabben werden umfangreicher, die Schauplätze unterschiedlicher. Menschen mischen sich vermehrt (eher ungewollt) ein. Die Hauptattraktionen, die Quadratkrabben, erklären sich in vielen kleinen Episoden. Es ist herrlich anzusehen, wenn die neue Beweglichkeit auch neue Möglichkeiten bietet. Wenn die Bereitschaft zur ungehemmten Nahrungsaufnahme nur durch den Drang nach ungehemmter Paarungsbereitschaft übertroffen wird und die kleinen Krabben sich dabei, mangels Übung, sehr ungeschickt anstellen. Den Gipfel des Kabinettstückchens stellt dann der Kommentar zweier beobachtender Möwen dar.

Die Haupthandlung, der rote Faden, mündet in die große Katastrophe, die so nicht vorhersehbar war und in der hier geschilderten Monumentalität ein ziemliches Feuerwerk abbrennt. Und es ist auch dieses Überraschungselement, das die Geschichte von Arthur De Pins zu einer ebensolchen Überraschung im Medium Comic werden lässt.

Selten hat ein Comic wie hier so viele neue Maßstäbe gesetzt und so viele vorbildhafte Vorlagen geschaffen. Die Krabben sind jetzt schon Kult. Wer nach dieser Lektüre bei seinem nächsten Aufenthalt am Strand nicht sämtliche Meerestiere mit anderen Augen sieht, dem ist nicht mehr zu helfen. 🙂

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Sonntag, 15. September 2013

John Lord 2 – Wilde Menschen

Filed under: Thriller — Michael um 11:00

John Lord 2 - Wilde MenschenEs ist kein Dschungel, nur ein Treibhaus, eine Simulation inmitten der Zivilisation. Doch hier fühlt sie sich wohl. Hier darf sie so sein, wie sie mag, wie sie es gelernt hat. Und ihr unfreiwilliger Gastgeber lässt sie, unterstützt sie sogar. Sie legt irgendwann die Waffen ab, zieht ein Kleidungsstück an und liest ein Buch. Ein Buch? Wie lange mag es her sein, dass sie ein Buch so nahe gesehen hat? Dass sie sich mit ihm Stunde um Stunde beschäftigte? Eine Ewigkeit muss seither vergangen sein, so scheint es und so ist die Ruhe, mit der sie sich nun zu beschäftigen weiß, ein gutes Zeichen.

Was kann der menschliche Geist aushalten, bevor er sich dazu entschließt, dass es einfacher ist, wieder zum Tier zu werden? Denis-Pierre Filippi hat einen Comic-Charakter geschaffen, der immer aufs Neue von der Vergangenheit eingeholt wird und trotz aller Bemühungen in die, nach menschlichen Maßstäben, Barbarei zurückfällt. In der zweiten Folge führen die Comic-Macher das eher ungewöhnliche Konzept fort, nicht nur zwei Handlungen parallel zu erzählen, sondern die eine Hälfte auch gänzlich ohne störenden Text ablaufen zu lassen. Nach dem die erste Folge ziemlich rätselhaft war und viele Fragen offen ließ, lüften sich die Vorhänge in der zweiten Folge deutlich.

Gewalt ist der Schlüssel. Gewalt hat hier zu einer Verwandlung geführt. Gewalt soll ein Geheimnis schützen. Gewalt soll die Rache transportieren und es ist beinahe egal, wen sie letztlich trifft. Die beiden Ermittler, John Lord und Clara Summers, arbeiten sich Stück für Stück, Information für Information, Indiz für Indiz weiter vor, doch es nicht leicht für sie, die Spuren und Funde zu einem ganzen Bild zusammenzupuzzeln. Auch für den Leser ist es nicht leicht, der Spur zu folgen, obwohl er mehr weiß als John Lord und dessen Kollegin. Ein wenig offenbart sich hier eine ähnliche Erzählstruktur wie in Memento, ohne wirklich rückwärts gewandt zu sein.

Es fällt schwer, sich der eigentlichen Hauptfigur zu entziehen, die den Sprung auf das Titelbild geschafft hat. Es fällt auch schwer, diese Figur zu verteufeln. Einerseits konnte man im ersten Teil ihre Kindheit erleben, das Schicksal sehen, dem sie so gerade eben entgangen ist und dem sie eine bestimmte Art doch verfiel. Zuerst scheint alles auf eine Besserung hinzudeuten, auch auf den Wunsch zur Veränderung, eine Rückbesinnung auf menschliche Werte, die doch einmal vorhanden waren und das Leben bestimmten. Patrick Laumond verleiht den Figuren in dieser Folge noch mehr Format und weiß besonders mit jener tragischen Gestalt, um die sich alles dreht, hervorragend umzugehen.

Der Wandel der Figur, die sich bemüht, auch in ihre Rolle zurückfindet, nur um einen furchtbaren Rückfall zu erleiden, ist grafisch toll umgesetzt. Für einen Zeichner dürfte es im Medium Comic die Herausforderung bedeuten, wenn Text nicht mehr zur letzten Erklärung bereitsteht und das Bild als alleiniger Informationstransport herhalten muss. Hier gibt es sogar mehrere Ebenen zu beachten. In kleinen Gesten, Haltungen, Mimiken verbergen sich die Informationen. Manches geschieht (gnädigerweise) aus der Ferne, anderes wird wie vor ein sinnbildliches Mikroskop gezerrt. Abscheu oder Mitleid? Dieser Frage wird der Leser beständig in der textlosen Handlungslinie ausgesetzt.

Daneben entwirft Patrick Laumond in der Welt rund um John Lord eine Übergangsphase von Spätwestern und früher Moderne. Von der Wildnis in den optischen Osten der Vereinigten Staaten, in den tiefen Süden hinein, wo der mit der Waffe in der Hand das Sagen hat. Das ist stimmig, düster, auf dokumentarischen Realismus angelegt, der durch die feine, manchmal etwas verwischte Kolorierung von Sebastien Gerard auf das Beste verstärkt wird.

Krimi, Drama, Mystery. Der zweite Teil von John Lord funktioniert auf mehreren Ebenen und besetzt innerhalb des Mediums Comic eine seltene Nische. Gerade deshalb und wegen seiner schönen grafischen Ausführung sollten Comic-Fans, die sich z. B. mit dem Film Noir gut unterhaltne fühlen, einen Blick riskieren. 🙂

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Samstag, 14. September 2013

URBAN 1 – Die Spielregeln

Filed under: SciFi — Michael um 19:19

URBAN 1 - Die SpielregelnNeu in der Stadt, in der es nur um das Vergnügen geht? Wenn man wie Zach vom Land kommt, vorher sein Erleben aus Fernsehshows gezogen hat, dann kommt die Ankunft in Myjoy einem Kulturschock gleich. Aber Zach muss sich eingewöhnen, auch zügig, denn er ist nicht zum Spaß hier, sondern für die Arbeit. Mit seiner bulligen Statur, den riesigen Muskelpaketen ist er für die Tätigkeit als Polizist wie gemacht. Auch genießen die Gesetzeshüter in dieser Stadt ein gewisses Ansehen, sind sie doch gleichermaßen für Sicherheit und Unterhaltung von Nutzen. Zach muss sich zwar erst einarbeiten und leicht wird es für ihn auch nicht, aber vielleicht hat er ja seinen Platz gefunden?

Nicht oft gelingt es auf derart eindrucksvolle Weise in einem Comic-Roman eine neue Welt zu schaffen, die eine solche Komplexität ausstrahlt. Mit URBAN ist Luc Brunschwig (Autor) und Roberto Ricci (Grafik) dieses Kuststück gelungen. An der Seite des etwas unbedarften, weil weit weg allem aufgewachsenem Zach erlebt der Leser den Eintritt in die Welt von Myjoy, dem letzten Platz auf Erden, auf dem man sich noch amüsieren kann. Doch dieses Bild ist nur vorgeschoben. Kein Spaß ohne Arbeit, kein Spaß ohne Geld. Es gibt genügend Menschen, die nicht genug Geld hatten oder haben werden und diese sind zu lebenslanger Lohnsklaverei in Myjoy verdammt.

Hintergründige Kritik an bestehenden Systemen, Lohn-Dumping, Vergnügungsparks und eigentlich Ausbeutung aller Art wird hier von Luc Brunschwig mit ausgesuchter Finesse auf die Spitze getrieben. Das ist bissig, ironisch, nah an seinen Figuren und überbreit die Spaßgesellschaft auf eine Art, wie sie nur sehr gute Satire zu bieten hat. Oder gute Science Fiction. Zach, der hier zum Sicherheitsbeamten ausgebildet wird, hat gleichzeitig eine unterhaltende Funktion. Denn eine Jagd auf Schwerverbrecher wird gerne innerhalb des Vergnügungsparks als Happening zelebriert. Da wird auch der Tod eines Gesetzeshüters in Kauf genommen.

Luc Brunschwig kehrt mit URBAN auf vertrautes Territorium zurück, beschäftigte er sich doch schon vor mehreren Jahren mit den Urban Games. Hier fühlt sich das Szenario echter an, durchdachter und bewegt sich in einer Welt, die optisch auch einen Blade Runner enthalten könnte. Der Killer, der sich in diesem Szenario so elegant gegen die Verfolgung in Myjoy wehrt, führt dem Leser eine ungewöhnliche Variante eines Guy Fawkes vor. Roberto Ricci, verantwortlich für die Zeichnungen und die Kolorierung, inszeniert seine Figuren, höchst individuell und weiß auch bei seinen Zeichenstilen auf höchst interessante Weise umzuschalten.

Realismus mit einer Spur Karikatur ist in der Haupthandlungsschiene Trumpf. Eine weiche Kolorierung, an einen Farbauftrag mit Aquarellfarben oder Gouache erinnernd, mit feinen Tuschelinien macht aus jeder Seite ein kleines Kunstwerk. Aber Roberto Ricci kann auch anders, wie er mit einem Ausflug in eine Cartoon-Show beweist, wenn der Held aus Zachs Jugendtagen auftritt und zeigt, wie mit Verbrechern zu verfahren ist. Nicht umsonst ist dieser ganz besondere Held, Overtime mit Namen, im Gewand eines Totengräbers unterwegs und könnte auch eine sehr, sehr alte Version eines Clint Eastwood sein. Im dritten Schritt erlebt der Leser die Action außerdem auf dem Bildschirm, von HD und Konsorten weit entfernt, jedoch effektiv in der optischen Umsetzung.

Allein aus diesen grafischen Stilen heraus, auch einer Art Wimmelbildeffekt, betrachtet man das bunte Treiben auf den Straßen von Myjoy, gibt es für das Auge eine Menge zu entdecken, auch zusätzlich zu lesen, denn Luc Brunschwig versteckt hier noch manche kleine Anmerkung nebenbei. Man betrachte sich nur die tätowierte Werbung auf den freizügig zur Schau gestellten Frauenkörpern. So manche Marke wird gleich wiedererkannt werden und es ist erstaunlich, diese Marken so wiederzuentdecken, weil auch auf diese Weise eine Aussage über sie getroffen wird und nicht zum besten.

Ein sehr gutes, technisch versiertes, aber noch besser sich anfühlendes Science-Fiction-Erlebnis. Es ist doppelbödig, ist spannend erzählt, auch auf mehreren Ebenen und ist dank Roberto Ricci zweifellos ein optischer Höhepunkt des Genres. So darf die Trilogie weitergehen. 🙂

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MARSU kids 2 – Ein Ei für zwei

Filed under: Comics für Kinder — Michael um 9:23

MARSU kids 2 - Ein Ei für zweiNachwuchs im Hause Marsupilami. Aber diesmal wird es für die wohl ungewöhnlichste Familie im Dschungel noch etwas ungewöhnlicher. Gleich zwei kleine Marsupilamis klettern aus dem Ei. Als ihre beiden Schwänze entknotet werden sollen, entdeckt der Vater ein ungeheuerliches Malheur. Die beiden Kleinen sind am Schwanz zusammengewachsen. Wo der eine hingeht, Verzeihung, hinschwingt, schwingt der andere auch hin. Das hat ganz bestimmt Nachteile. Wie es sich aber sehr bald schon zeigt, überwiegen in einem gefahrenreichen Dschungel die Vorteile, wenn einer den anderen angeleint hat. Doch wenn beide zusammen entführt werden, hilft auch das nicht weiter.

Da sind die MARSU kids wieder zurück. Nach dem Auftakt, der vieles vom klassischen Humor des Originals nach Franquin in den Cartoon zurückbrachte, ist die Komödie in der zweiten Folge mit aller herzerfrischenden Macht endgültig angelangt. Die beiden für den Text Verantwortlichen, Wilbur und Didier Conrad, haben sich etwas einfallen lassen und eine ganz besonderen Jurassic Park entworfen. Denn die Pflanzen und wilden Tiere lassen die beiden Marsupilamis zwar zurück, die Gefahr allerdings weicht ihnen nicht von der Seite.

Marsupilamis als Haustiere? Richtig, kann nicht funktionieren. Der Leser weiß das. Die Akteure, genauer die beiden Kinder eines über die Maßen reichen Millionärs, wissen das nicht. Aber sie geben sich zunächst alle Mühe, damit die beiden Kleinen sich wohlfühlen. Für den Leser bedeutet das: Spaß! Der Strich von Didier Conrad, der dem Original gefühlt so nahe kommt, vermittelt genau richtig jene chaotisch komödiantische Stimmung, die durch den Ortswechsel von Dschungel und Zivilisation entsteht. Doch ganz gleich in welchem Umfeld sich die Geschichte bewegt, die Stars der Handlung sind die Tiere, nicht nur die Marsupilamis. Gerade die Darstellung der Kleinen und Großen macht die zweite Folge der MARSU kids so liebenswert.

Höhepunkte sind grundsätzlich Nebenepisoden mit Figuren, die nur einen kurzen Auftritt absolvieren, Wolfie, der Hund, der die flüchtigen Marsupilamis entdeckt, gehört in die Kategorie. Aber auch ein Dauergast des Dschungels, die Raubkatze, die sich immer so viel Mühe gibt und doch nie ans Ziel ihrer Wünsche, der Stillung ihres Hungers, gelangt. In der Zivilisation, genauer in der Villa der Entführer, werden die Anspielungen groß geschrieben. Ein neuerlicher Fluchtversuch weckt Erinnerungen. Eine Kampfszene ist eindeutig und darf so oder in ähnlicher Form in vielen neueren Komödien kaum mehr fehlen, gehört sie doch inzwischen zur Popkultur.

Ein kleiner Teil von Ein Ei für zwei ist ähnlich konzipiert wie in G-Force. Kleine Tiere werden wahrscheinlich bei kleinen Kindern als eine Art Puppenersatz angesehen, jedenfalls aus erwachsener Sicht. Ganz gleich, wer die Idee zuerst hatte, sie zündet auch hier mit einigen Knallern prächtig.

Ein schöner Ausflug in das Universum der Marsupilamis, ewig jung, da man sich auch auf die Tradition der Figur besinnt und keine Experimente gemacht hat. Mit Wilbur und Conrad haben sich die beiden richtigen Comic-Macher für dieses Projekt gefunden. 🙂

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Freitag, 13. September 2013

ATALANTE – Die Legende 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 10:59

ATALANTE - Die Legende 4 - Der Flug der BoreadenHarpyien. Sie wähnen sich in Sicherheit, wenn sie aus der Luft angreifen. Von hier aus können sie in aller Ruhe zuschlagen, ohne eine nennenswerte Gegenwehr fürchten zu müssen. Jason und seine Argonauten, unter ihnen auch Atalante, wollen helfen, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. Die schiere Überzahl ist schon überwältigend, dennoch wollen nicht alle aus seiner Kampftruppe den Ernst der Lage begreifen und so werden sie prompt überwältigt und entführt. Sicherlich wollen die Freunde die Entführten befreien, aber das Ziel ist ein Wolkenpalast. Wie soll man dorthin gelangen, wenn man keine Flügel hat? Nun, man sucht sich Mitstreiter, die fliegen können. Doch auch das ist wieder leichter geplant, als getan.

Ja, der Olymp hat seine ganz eigenen Gesetze. So spielen die Götter auch Brettspiele, mit strategischem Einschlag natürlich, doch falls Zeus einmal verliert, ist sein Zorn fürchterlich und Spielfiguren können schon mal verloren gehen. Auf der Erde. Doch dem Autoren und Zeichner Didier Crisse ist das nicht genug. Die Zahl der Kreaturen, die hier aufgeboten wird, bietet eine fantastische Mischung mythologischer wie auch märchenhafter Wesen und selbstverständlich auch Helden, die sich in dieser Form nicht so häufig in Gruppen zeigen. Und mittendrin ist Atalante, mit dem Herz am rechten Fleck, mutig, geschickt, kampfeserprobt und schön. Weil diese Voraussetzungen für eine Heldin außerordentlich gut sind, fallen die zu bewältigenden Aufgaben entsprechend schwierig aus.

Der Der Flug der Boreaden, im vierten Band aus der Reihe Atalante, gibt Didier Crisse die Möglichkeit mit Volldampf eine seitenweise Pracht aus dem Hut zu zaubern, in dem es von Ideen nur so wimmeln muss. Allein die Auftritte der vielfältigen Kreaturen – so vielfältig, dass sie beinahe von vom Rest der Handlung ablenken – sind ein Kabinettstückchen der besonderen Art. Bedenkt man nur den Greif (und seine zwei Söhne), wird schon hier ein Figur über mehrere Seiten zelebriert, die erst einmal ihre Flugkünste unter Beweis stellt. Und sie ist bei weitem nicht die einzige Kreatur der griechischen Mythologie, die hier die Lüfte erobert. Halb Löwe, halb Schlange sieht der mächtige Chimäre eher unelegant in den Himmeln aus. Geflügelte Pferde jedoch sind wie geschaffen für einzigartige Bilder. Nur der ebenfalls geflügelte Stier Andros kann sie noch übertreffen.

Dieser Band lebt von der Zusammenstellung einer Gruppe zur Befreiung von Atalantes Freunden. Sicherlich weiß die Einleitung ein gehöriges Maß an Dramatik aufzuweisen – immer im Rahmen einer disney-artigen Inszenierung – doch das Sammeln der Begleiter und Kämpfer ist viel aufwändiger und erinnert in seiner Machart beinahe an andere Geschichten mit legendärem Unterton (z. B. Die sieben Samurai). Der Aufbau ist ähnlich, nur so blutig wird es nicht. Nur eine kleine Schockszene lässt sich nicht vermeiden, passt aber in den märchenhaften Ansatz. Sind diese Gesellen alle einmal vereint, kann es an das wahre Abenteuer gehen. Doch das gibt es erst im nächsten Band zu erleben. Hier findet sich auch der einzige (klitzekleine) Makel in einer ansonsten leichten, kindgerechten Geschichte, die einen die nächste Folge als fantasy-begeisterter Leser kaum erwarten lässt.

Wenn Didier Crisse andere Comic-Figuren geschaffen hätte, sähen sie vielleicht so aus, wie es der umfangreiche Anhang vermittelt. Amerikanische Superhelden beider großer amerikanischer Comic-Verlage, ganz nebenbei ein paar Figuren, sich geradezu in die Gedanken des Zuschauers schmeicheln und neue Abenteuer wie nebenbei entstehen lassen oder auch die Steampunk-Charaktere, die nur darauf warten, in einer eigenen Serie zum Leben erweckt zu werden (sehr gerne sogar).

Als Atalante-Fan kommt man an diesem von Fred Besson einmal mehr in bunte, peppige Farben getauchtem Abenteuer nicht vorbei. Obwohl Band 4 können es auch Neueinsteiger sehr gut ohne jegliche Vorkenntnisse genießen, da viele neue Figuren auftreten und sich erst einmal vorstellen. 🙂

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Montag, 09. September 2013

FRATERNITY 1

Filed under: Mystery — Michael um 17:57

FRATERNITY 1Für die kleine Kolonie New Fraternity und ihre Bewohner ist es schwierig, sich aus dem Bürgerkrieg herauszuhalten und neutral zu bleiben. Innerhalb der Gruppe schwelt der Konflikt. Ganz besonders die Ausrichtung der Kolonie, ihre Organisation und Arbeitsverteilung bereitet große Probleme. Es sollte ursprünglich ein neuer Weg gefunden werden, ohne die Welt da draußen zurecht zu kommen. Doch es will nicht gelingen. Kompromisse werden gefunden, bittere Zugeständnisse, die trotz der misslichen Lage nicht wenigen aufstoßen. Der kleine Junge Emilio ist in dieser Gruppe dieser Gruppe ein Außenseiter. Verwildert und wortlos macht er sich zwar nützlich, aber gelitten ist er auch nur bei den wenigsten. Da lernt Emilio einen Freund kennen, mit dem niemand gerechnet hat.

Der amerikanische Bundesstaat Indiana im Jahre 1863. In der abgeschiedenen Welt wollen sich nahezu alle Einwohner der Realität verweigern, sich ihr verschließen können sie dennoch nicht. Der Krieg gelangt auch bis an ihre Türen. Autor Juan Diaz Canales beschreibt in seiner Ausgangssituation keine ungewöhnliche, aber heutzutage eher seltene Enklave in den Vereinigten Staaten. Der Wille, sich abzuschotten und innerhalb des Landes der Freien etwas ganz Eigenes zu versuchen, wohnt manchem Amerikaner immer noch inne. Umso verständlicher mutet dieses Szenario immer noch an, obwohl es sich in der noch jungen zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewegt. Das Faszinierende ist der Umstand, dass der Leser an der Seite des kleinen Emilio die Geschichte erlebt. Da Emilio stumm ist, seine Ansichten erst durch sein Verhalten deutlich werden, ist der Leser mehr gefordert aus den Mimiken und der Situation zu lesen. Dank eines Künstlers wie Jose Luis Munuera gelingt das hervorragend.

Emilio wird in den Wäldern gefunden, nackt, verwildert, wie ein Tier lebend. Die Jäger, die ihn aufspüren, machen sich diesen Umstand, es handele sich um kleinen Jungen kaum bewusst. Sie wollen Rache für die Hühner, die er bei ihnen gewildert hat. Immerhin beweist einer Güte und Menschlichkeit und reicht dem verlorenen Kind die Hand. Allein die Auftaktsequenz ist ein kleines Comic-Juwel in der von Munuera zeichentrickartigen Technik. Die Farben von Sedya nehmen sich sehr zurück. Als läge ein industrieller Schleier über den Bildern, so taucht diese Welt aus den Seiten auf. Es sind die Farben früher Fotografien, die hier Alter und Vergangenheit vortäuschen und durch die Reduzierung den Blick enorm konzentrieren.

Die luftigen, sehr raumgreifenden Figuren und Gesichter, die Munuera entwirft, brauchen jede Aufmerksamkeit, die sie bekommen können, liegt doch allein in der äußeren Erscheinung einer jeden vorkommenden Figur eine Geschichte verborgen. Nur wird leider nicht jede erzählt. Die gezeigte Umgebung wird so sehr lebendig. Am Beispiel der vier schwarzen Deserteure der Unionstruppen zeigen sich die von Munuera herausgearbeiteten Unterschiede sehr schön. Er zeichnet bei weitem nicht derartig cartoonartig wie ein Willy Lambil, erreicht aber hier auch nicht die Disney-Optik. Technisch ist er dazwischen angesiedelt, mit sehr vielen Alleinstellungsmerkmalen, die ihn stilistisch sofort erkennbar werden lassen.

Während vordergründig die Menschen agieren, gibt es im Hintergrund einen heimlichen Star der Geschichte, der, wie es sich für ein geheimnisvolles Wesen gehört, nur sehr verhalten eingeführt wird. Umso beeindruckender ist das Design des Wesens, dessen Schädelform deutlich von anderen Monstern abweicht. Munuera hat sich keine Fleischfresser zum Vorbild genommen. Das Wesen ist richtig merkwürdig gelungen, wie es nur selten in vergleichbaren Comics mit Monsterthematik zu finden ist.

Der erste Band von zweien, ungewöhnlich erzählt und bebildert, auf jeder Seite eigen, fesselnd, etwas märchenhaft auch, mit Mythologien spielend. Munuera etabliert sich als der Künstler für den feinen Zwischenton. Sehr schön. 🙂

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Mittwoch, 04. September 2013

Der große Tote 4

Filed under: Mystery — Michael um 20:59

DER GROSSE TOTE 4 - SombreDie Tränen der Bienen. Ein seltsamer Name, aber ein wichtiges Kleinod, eine seltene Flüssigkeit und nun ist sie verschwunden. Erwan muss sie unbedingt wiederfinden. Doch wo soll er suchen? Wo ist der Nachlass seines Mentors mit den kleinen Phiolen geblieben? Die Lösung ist bald gefunden. Gemeinsam mit Pauline macht er sich auf den Weg. Soll Gaelle für die kurze Weile auf die kleine Blanche aufpassen? Was soll schon passieren? Eigentlich verstehen sich die beiden ja ganz gut. Aber Blanche ist kein normales Kind. Und Gaelle ist … sie ist eben Gaelle. Neugierig.

Geht die Welt unter? Eine Reise entpuppt sich langsam aber sicher als der Prolog zu ungeheuren Ereignissen, die an der Existenz der menschheit zu rütteln beginnen. Die Ausmaße der Idee von Regis Loisel waren im ersten Band der Reihe Der große Tote in keiner Weise absehbar. Selbst mit dem Wissen des dritten, also vorhergehenden Bandes trifft die Handlung den Leser im vierten Band, Sombre völlig überraschend. An der Seite der beiden Frauen, Pauline und Gaelle, ist zunächst ein Streit zu beobachten. Aus einer Eifersüchtelei heraus kommt es zu einer Aussprache und im nächsten Augenblick tritt die Katastrophe ein.

Das Titelbild spielt mit dieser Katastrophe, in der es sich Gaelle nicht verkneifen kann, um ihre Ente zu trauern, nur um sich bald schon über einen anderen Klassiker, eine Vespa, zu freuen. Viel mehr Grund zu Freude gibt es allerdings nicht. Denn vor den kleinen Weltuntergang haben Loisel und Co-Autor JB Djian Rätsel platziert. Eines davon heißt Blanche und ist die kleine Tochter von Pauline. Eigentlich hätte Pauline niemals schwanger sein dürfen, immerhin gehört nach menschlichen Maßstäben auch ein Vater dazu. Alsbald ist deutlich, dass Blanche ein Kind der kleinen Welt ist, ein Mischwesen. Die Bedrohung, die von der Kleinen ausgeht, ist zurückhaltend, aber spürbar. Und was dem Leser vorenthalten wird (bisher jedenfalls), malt er sich in entsprechenden Farben aus.

Vincent Mallie verleiht den Bildern eine schöne Leichtigkeit, wie es der Comic-Fan von Bildern, die Regis Loisel selbst gestaltet hat, her kennt. Vincent Mallie arbeitet aber noch eine Spur realistischer und gibt seinen Charakteren ein hohes Maß an Lebendigkeit mit, die besonders in der Menschenwelt funktioniert. Die Wesen der anderen Welt sind schwieriger zu durchschauen. Sie sind durchaus fantasievoller zu nennen, aber ihre Mimik fällt auch durch geringere Möglichkeiten auf. Hier findet eine Orientierung an gängigen außerirdischen Physiognomien statt. Die Konzentration der vorliegenden Handlung, des 4. Bandes, liegt auf den Menschen, die hier zu einem Spielball geworden sind, ohne es so recht zu bemerken. Der feine Strich, der ihre Gefühle sehr gut beschreibt und dem begleitenden Text beinahe einen Ton gibt, wird durch eine tolle Kolorierung gestützt.

Hier ist Lapierre ein großes Lob zu machen, denn die Natürlichkeit der Farbgebung, gerade in Land und Stadt ein Tageslicht auf das Papier zu zaubern, macht besonders aus den ländlichen Abschnitten der Erzählung ein kleines Juwel. Da ist nicht zu viel und zu wenig gemacht worden, sondern es passt alles wie das berühmte I-Tüpfelchen. Die Farbflächen sind niemals glatt. Es finden sich selbst in den scheinbar hellsten Flächen noch farbliche Unruhen, so dass hier auch eine simulierte Natürlichkeit des Farbauftrags entsteht.

Jetzt wird es aber mächtig spannend. Nicht nur die Welt geht unter, es zieht auch noch ein Krieg auf. Die Abschnitte, leicht episodenhaft, packen immer mehr, da sich das Rätsel langsam entwirrt und die Spieler aus der Deckung kommen. Klasse. 🙂

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Sonntag, 01. September 2013

Der Mann der keine Feuerwaffen mochte 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:39

Der Mann der keine Feuerwaffen mochte 2 - Auf dem Weg nach MadisonDieser Anwalt ist keine Zierde seines Berufes. Für seinen Erfolg geht er über die sprichwörtliche Leiche seines Gegners. Welchen Schaden er anrichtet, soll ihm schon bald bewusst werden. Dabei ist dies nicht einmal sein größtes Problem. Seine Frau sieht sich in den besseren Kreisen. Mit mehr Geld bestückt, in schöneren Gegenden, mit schöneren Kleidern und eigentlich wünscht sie sich auch einen anderen Mann an ihrer Seite. Aber eines nach dem anderen. Zuvor gilt es diesen Versager loszuwerden, der sich nur noch in seiner Angst suhlt und doch tatsächlich das Schießen übt. Allerdings ist er kein Meister seiner Klasse und es sieht nicht so aus, als würde er jemals zu einem werden.

Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte? Warum eigentlich? Im zweiten Band lüftet Wilfrid Lupano das Geheimnis um die Abneigung seines Helden Byron Peck gegen Feuerwaffen. Gleichzeitig erfolgt eine Aufklärung um das seltsame Duo aus Peck und dem Hünen Knut Hoggaard, der offensichtlich durch eine Schussverletzung einen Hirnschaden davon getragen hat. Hat ihm letzteres auch enorme Sprachschwierigkeiten eingebracht, ist der Hass auf Pecks ehemalige Ehefrau, Margot, doch ungebrochen. Diese dritte Hauptfigur versteht es meisterhaft, auch unter Einsatz ihres wohlproportionierten Körpers, Männer gegeneinander auszuspielen.

Der Blick in die Vergangenheit und die gleichzeitige Reise in der Gegenwart zeigt dem Leser zwei Handlungsstränge sehr unterschiedlicher Natur. Ist das eine eher Charakterzeichnung und Ehedrama, ist das andere ein Roadmovie in Wildwestmanier sowie eine Jagd. Wer hier das Rennen machen wird, ist noch völlig offen. Mit Paul Salomone arbeitet ein Zeichner an Wilfrid Lupanos Seite, der hier zwar seine erste Serie abliefert, aber mit einer Präzision und sehr klaren Linien zu Werke geht, wie es nicht oft zu finden ist. Wie fingerfertig und von welch gutem Auge Paul Salomone beseelt ist, zeigt sich in einer besonderen Phase (wie sie auch nur höchst selten in einem Comic anzutreffen ist).

Byron Peck am Rande des Nervenzusammenbruchs. Wenn der Anwalt sich bewaffnet, sich wehrhaft glaubt und gleichzeitig von Tag zu Tag das letzte Quäntchen Verstand und Gemütsruhe verliert, dann erwacht dieser Geck von Anwalt mit seinen ultrafeinen Bärtchen regelrecht zu komödiantischem Leben. Die schmale Figur könnte bereits allein gut bestehen, läuft später an der Seite des nun tumben Knut zur Höchstform auf. Besonders die unterschiedlichen Standpunkte der beiden Charaktere, die sich mal annähern und auch entgegen stehen (Margot lässt grüßen) lassen auch den Illustratoren auf eher seltene Weise mit den Mimiken der beiden Männer spielen. Hier ist einer am Werk, der wirklich Komödie aufs Papier bannen kann. Das lässt für die Zukunft viel hoffen, nicht nur für Western-Fans.

Darüber hinaus, das Titelbild verrät es bereits (mit seinen Darstellungen vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg), schafft es Salomone, ein sehr breites Bild des im Umbruch befindlichen Amerika zu zeichnen. Die feinen Moden stehen dem sehr wilden Westen gegenüber, doch das städtische Leben ist spätestens hinter seinen Häuserwänden nicht weniger lebensfeindlich. Pecks emotionaler Abstieg geht mit einem Niedergang seiner Umgebung einher. Diese erinnert beinahe an das Interieur eines Horrorfilms. Es dauert ein wenig, bevor die Szenerie wieder licht wird.

Ein feiner zweiter Teil, stark erzählt und gezeichnet. Ein Western der anderen Art, auf jeden Fall dramatisch, aber auch sehr komödiantisch. Auf die Auflösung im dritten Teil kann man nur mehr als gespannt sein. Zu wünschen ist bereits jetzt, dass sich das Gespann Lupano und Salomone noch einmal an einen Western setzen. 🙂

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Ein Frühling in Tschernobyl

Filed under: Biographie — Michael um 9:22

Ein Frühling in TschernobylNach Tschernobyl reisen und dort zeichnen? Welcher Europäer, welcher Mensch überhaupt würde sich an solch gefährliches Unterfangen wagen? Zu welchem Zweck? Emmanuel Lepage ist ein neugieriger Künstler, der den Schrecken der Atomkatastrophe im Kopf erlebt, aus Erzählungen und Dokumentationen, bevor er selbst dorthin aufbricht, um zu sehen und zu erleben, was die Jahre aus der Katastrophe gemacht haben.

Nur wenige Reiseziele besitzen einen derartigen Klang wie Tschernobyl, einem großen Mahnmal für eine nukleare Katastrophe. Lange war es ruhig darum, bis durch jüngere Ereignisse in Japan auch diese Stätte eines technischen Fehlschlags und großer menschlicher Verluste wieder ins Zentrum medialen Interesses rückte. Aber Autor und Illustrator Emmanuel Lepage setzt sich mit seinen Comic-Reportagen wohltuend von den nach Sensationen sonstigen Dokumentationen ab. Bereits mit Reise zum Kerguelen-Archipel hat er auf überragende Weise gezeigt, was Comic leisten kann. Gezeichnete Bilder, die viele mehr Informationen transportieren können, als es eine Fotografie vermag. Bilder, die neben der Grafik auch die Eintragungen des Autors in einer beinahe fühlbaren Weise unterstützen.

In der Ukraine, 22 Jahre nach dem Atomunfall im Atomkraftwerkskomplex Tschernobyl, wagen sich nicht nur Menschen von außerhalb langsam wieder in die verseuchten Gebiete hinein. Tatsächlich leben in den Randgebieten immer noch Leute, leben von Plünderungen und manch einer betrachtet es als Mutprobe, als Initiation zur Mannwerdung einmal in der verbotenen Zone gewesen zu sein und die Strahlung geschmeckt zu haben. Die Vorbereitungen zur Reise in diese Gegend erfordert von Emmanuel Lepage bereits überwinden. Er ist kein Einzelgänger, sondern ein Mensch, der mitten im Leben steht, mit Familie und Freunden. Eine Reise nach Tschernobyl ist auch ein Spiel mit dem Tod, obwohl ständig die Strahlung gemessen wird und vor Ort Vorkehrungen getroffen werden, kontaminiertes Material so gut es irgend möglich ist, nicht einzuatmen oder in die Behausungen mitzubringen. Auch Nahrungsmittel werden aus Frankreich mitgebracht.

Nicht alles funktioniert so reibungslos, wie es die Planung vorsieht. Wenn freundliche Gastgeber einem Speisen anbieten, was ist zu tun? Ablehnen? Oder im Sinne der Höflichkeit zugreifen? Emmanuel Lepage skizziert einen der unheimlichsten Landstriche der Erde, ein Beispiel dessen, was geschieht, wenn dem Menschen die Technik entgleitet und sich die Heimat gegen ihn stellt. Lepage zeichnet ein Geisterland, zurückgelassen, überstürzt selbstverständlich und nun dem steten Verfall ausgesetzt.

Emmanuel Lepage hält die Bilder meist düster, in kalten und warmen Grautönen und Brauntönen. Der Bleistiftstrich und Farbauftrag lassen die Katastrophe in noch weiterer Ferne liegen. Farbbilder, nicht häufig, lassen Lepage beinahe ein schlechtes Gewissen machen. Plötzlich wird das Land, dessen Pflanzen, auch Tiere, weiterhin gedeihen, viel zu freundlich, zu gesund. Aber hinter dieser Freundlichkeit lauert die unsichtbare Lebensgefahr, die Emmanuel Lepage mit einem beeindruckenden doppelseitigen Bild in Farbe portraitiert. Ein schöner Wald und dazwischen findet sich, auf den zweiten Bild ein einsamer, geschlechtsloser Spaziergänger mit einem Kinderwagen. Dieser Grafik folgt wieder der Verfall. Aber auch wieder Leben.

Man hat mich nicht hergeschickt, um so etwas mitzubringen! So schreibt es Lepage. Da ist zu viel Leben in und um Tschernobyl. Störche brüten auf Strommasten. Sogar Wölfe kehren in ein Land zurück, in dem die Menschen sich rar gemacht haben. Da ist zu viel hintergründige Hoffnung, die dem eigentlichen Auftrag zuwider läuft. Die Zeichner streiten sich. Soll man zeichnen, was man sieht oder was gesehen werden soll? Der Aufenthalt zermürbt, wirft mehr Fragen auf, als er Antworten bringt.

Emmanuel Lepage etabliert sich endgültig als Meister des Reise-Comic-Romans, will man einen Namen für dieses Genre finden. Die Bilder sind eindringlich, mit hoher Empathie erfasst, die Textbeiträge eine perfekte Ergänzung zur Illustration. Mit seiner Arbeit holt Lepage die Zwischentöne einer Atomkatastrophe ins Bewusstsein, die meist im Rahmen von medialer Berichterstattung untergehen. Und sie bricht das auf, was meist in der Flut neuer Nachrichten verloren geht: die Aufarbeitung, die Folgen, denn wie immer geht das Leben weiter. Irgendwie. 🙂

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Sonntag, 25. August 2013

R.I.P.D.

Filed under: Mystery — Michael um 16:51

R.I.P.D.Warum will ein Dämon eigentlich aus der Hölle heraus? Dort git es doch alles, was er braucht. Die erforderliche Wärme sowieso. Allerdings ist das Leben eines Dämons auch ein wenig eingeschränkt. Ein Leben in der Hölle bedeutet für die niederen Chargen Arbeit am Hochofen. Das ist kein Spaß. Vor allem nicht für jene Dämonen, die einen gewissen Ehrgeiz entwickeln. Nick, der nach seinem irdischen Ableben seine neue Stelle im R.I.P.D., dem REST IN PEACE DEPARTMENT antritt, weiß von diesen Verwicklungen und Strukturen nichts. Sich in diese neue Arbeitsstelle einzugewöhnen, ist bereits schwer genug. Auch ist sein neuer Partner irgendwie nicht der geduldigste. Dann ist da noch der ehemalige Kollege, der sich an die ehemalige Ehefrau ranschmeißt … Und das soll jetzt hundert Jahre so weitergehen?

Der amerikanische Traum. Warum soll er nicht auch für Dämonen gelten? Und warum sollten Dämonen nicht auch an den Grundfesten der Hölle rütteln dürfen? Wenn nicht sie, wer dann? Die Geschichte von Peter M. Lenkow, die nach längerer Planungsphase nun im Kino angekommen ist, bedient sich popkultureller Vorbilder, vergisst aber (wer hätte das gedacht) auch transatlantische Verwandte nicht. Es ist nur eine kleine Anspielung und auch nur auf einem der in einer Galerie gesammelten Titelbilder zu sehen, dennoch ist der Anblick eines fliehenden Wesens aus dem Volk der Shinguz.

Die hier gesammelte Handlung, aus vier Einzelheften bestehend, bedient sich unverblümt eines Konzeptes, das von den Men In Black vor einigen Jahren ins Kino transportiert wurde und da eigentlich schon eine Weiterentwicklung jener kumpelartigen Grundkonstellation im Stile der Straßen von San Francisco war. Alter Cop, junger Cop. Gangsterjäger, Außerirdischenjäger, Dämonenjäger. Neu ist allerdings der Umstand, erst zum Team gehören zu können, wenn man sein irdisches Leben hinter sich gelassen hat. Da die Kinoverfilmung nun ihren Weg auf die Leinwand gefunden hat, werden die Unterschiede zur Comic-Vorlage allzu deutlich. Hollywood besitzt seine ganz eigenen Vorstellungen, wie eine Adaption abzulaufen hat. Nicht zum ersten Mal.

Dabei weist die Vorlage bereits viel Witz auf, der von Peter M. Lenkow schön vorbereitet und herausgearbeitet wurde. Die Kreaturen (ich liebe den Höllenhund und seine Vorliebe für …) machen allesamt Spaß. Einige könnten auch den Ideen der Macher von Supernatural oder Buffy entsprungen sein, vielleicht sogar den Erfindern der Gremlins. Der Umgang mit diesen Wesen, die auch mal auf ungewöhnliche Art und Weise den Hokey Pokey tanzen (wäre vielleicht auch für das Kino etwas gewöhnungsbedürftig), produziert hin und wieder einigen Matsch. Oder um es mit Peter Venkman zu sagen: Es schleimte mich voll.

Grafisch ist Zeichner Lucas Marangon der Mann für eher knuffige Figuren. Diese stehen mancher Szene gehörig entgegen, so dass aus einer Splatter-Szene eine Slapstick-Einlage wird (Stichwort Schwarzer Humor). Besonders gelungen ist eine lange Sequenz in der Hölle, die gleich mit mehreren Szenen auffällt. Zweikämpfe, besondere Wächter und ein ausgefallenes Publikum werden den Fans fiesspaßiger Szenarien gefallen. Eine leuchtende Farbgebung taucht das allgemeine Szenario wirkt peppig, aber niemals zu grell oder zu kalt.

Selbst jene Comic-Fans, die den Film gesehen haben, werden hier eine ähnliche Handlung entdecken, beileibe nicht dieselbe, nicht weniger humorig, vielleicht ein wenig schwärzer, gemeiner, auch mag die Fantasie ausschweifender und weniger Mainstream sein als im Film. Ein gutes Beispiel, wie sehr Vorlage und Verfilmung voneinander abweichen können. 🙂

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