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Comic Blog


Samstag, 15. Februar 2014

SHAZAM!

Filed under: Superhelden — Michael um 18:46

SHAZAM!Billy Batson ist alles andere als ein Musterknabe. Die für ihn verantwortliche Jugendfürsorgerin Mrs. Glover preist ihn bei dem neuen interessierten Ehepaar an, verheimlicht aber seinen Sturkopf und seinen immer wieder unter Beweis gestellten Ungehorsam. Aber Billy spielt wenigstens kurzzeitig mit, so dass Familie Vasquez sich freut, ihn in ihrem Zuhause aufzunehmen. Neben fünf anderen Pflegekindern, die sich im Hause Vasquez daheim fühlen und trotz ihrer Unterschiedlichkeit einen engen Familienverbund bilden. Leider hält Billy Batson von dieser heimeligen Atmosphäre rein gar nichts.

Andernorts sucht der letzte aus dem Rat der Magier nach einer ganz besonderen Person, die fähig und willens ist, eine nicht minder besondere Kraft in sich aufzunehmen. Die Sucher gestaltet sich außerordentlich schwierig, da jeder Kandidat nicht die erforderlichen Qualitäten eines Helden mitbringt. Geoff Johns, der Autor des Neustarts von SHAZAM! schildert den Anfang der Handlung nicht ohne ein Augenzwinkern. Besonders mit Billy Batsons neuen Geschwistern hat er ein besonders feines Händchen bewiesen. Obwohl sie im weiteren Verlauf, für SHAZAM!-Fans keine Überraschung noch eine wichtige Rolle spielen, ist ihre Rolle gerade im Familienverbund mit Gefühl und der typisch amerikanischen Erzählerfreude inszeniert.

Gary Frank nimmt unter den realistisch zeichnenden Künstlern noch einmal eine Sonderstellung ein, da er mit seinem Strich noch das letzte Quäntchen Echtheit aus seinen Figuren herauskitzelt. Es dauert ein wenig, bevor die Superhelden-Action in SHAZAM! im neuen DC-Universum losgeht, deshalb darf der Leser einen Blick auf ganz normale amerikanische Verhältnisse werfen. Straßenszenen, Familienleben, Kinder und Teenager unter sich. Allein wie Gary Frank hier bereits arbeitet, ohne mit Machos und Muskeln gestalten zu können, ist toll anzusehen. Wünschenswert wäre es, wenn er eine Arbeit bekäme, die diese Atmosphäre vollkommen von mir fordert. Er wäre bestimmt ein guter Kandidat für einen Krimi im Stile von Sleeper oder Gotham Central.

Sind die Superhelden erst einmal geboren, in einer Konstellation, die an eine Mischung aus Highlander und Big erinnert (Junge altert binnen Sekunden zum Erwachsenen, Muckis inklusive und einiger besonderer Fertigkeiten), beschreibt Geoff Johns folgerichtig das, was wohl jeder erst einmal tun würde, der unversehens in eine derartige Situation gerät. Das ist nicht ganz Party, aber mit einen drauf machen trifft es ganz gut.

Viele Zeichner haben nicht nur ihren eigenen Strich, häufig kreieren sie auch ihre ganz eigenen Charakterzüge. Figuren aus ihrer Feder haben eine Handschrift, die sich allenfalls in Verwandtschaft zu anderen Künstlern bewegt, aber auf jeden Fall eigen bleibt. So verhält es sich auch mit Gary Frank, der in der Liga eines Steve Dillon (Preacher), eines John Buscema (Conan) oder auch eines Jim Lee (Superman) spielt. Letzteres Betätigungsfeld teilt sich Frank sogar mit Lee, lebte aber dort grafisch seine Bewunderung für den verstorbenen Christopher Reeve in Spitzenportraits aus.

SHAZAM! ist neben der anderen herausragenden Zusammenarbeit von Geoff Johns und Gary Frank, Batman: Erde Eins, ein toller Neustart, einerseits nostalgisch anmutend, bricht er doch nicht mit den Traditionen der Superhelden-Entstehung, andererseits schöpft er im weiteren Verlauf das volle grafische Potential im Superhelden-Bereich aus, mit perfekt mystischen Eindrücken, schön passend gestaltet, und einigen ganzseitigen Bildern, die richtige Kracher sind und Posterqualität besitzen.

Toller Auftakt, neben vielen anderen Neustarts innerhalb des DC-Universums, ein Tipp für jeden Superhelden-Fan, der runde Geschichten und noch bessere Zeichnungen mag. Klasse! 🙂

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Montag, 10. Februar 2014

GOLIAS 2 – Die Blume der Erinnerung

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:52

GOLIAS 2 - Die Blume der ErinnerungDie Blume der Erinnerung. Sie könnte den Vater von Prinz Golias aus der Dunkelheit seines Geistes ins Licht zurückführen. Doch der Preis, den Gott Kronos für diese Blume verlangen würde, könnte immens sein: Lebensjahre. Außerdem würde Golias alles unternehmen, um seine über alles geliebte Schwester zu retten. Hilfe könnte eine Priesterin der Artemis bringen, indem sie ihn auf die rechte Spur zur verlorenen Verwandten führt. Eine Richtung findet sich, doch keine, die einem Bruder gefallen mag, denn sie endet zunächst auf dem örtlichen Sklavenmarkt. Eine im wahrsten Sinne bezaubernde Melodie erklingt und ein schlagkräftiger Tumult entbrennt.

Serge Le Tendre führt die, um im Thema zu bleiben, zauberhafte Handlung in einem klassischen Griechenland fort. Ein Prinz befindet sich auf seiner eigenen kleinen Odyssee, mit Freunden an seiner Seite, zu Wasser und zu Lande, getrieben und selbst auf der Jagd. Der Beginn darf getrost als Verschnaufpause für Golias wie auch für den Leser bezeichnet werden, denn sobald sich die Helden einschiffen, befindet man sich sofort im Abenteuer, in einer gelungenen Mixtur aus Elementen alter Göttersagen und neuerer, moderner Erzählformen, wie sie Romane und Kino in diesen Bereichen transportieren. Und es ist gerade diese Mischung, die übertriebene Härte scheut und einen guten Teil der Magie und göttlichen Wunder bevorzugt, die aus dem 2. Teil von GOLIAS eine märchenhafte Angelegenheit machen, eine echte Alltagsflucht, auf der Couch oder anderswo, ganz nach Belieben.

Golias: blond, sportlich, freundlich, herzlich, heldenhaft. Jerome Lereculey zeigt mit ultrafeinen Linien diese traumhafte Welt, die von Seite zu Seite, je mehr sich die Handlung entwickelt, immer sagenhafter wird. Stilistisch bewegt er sich auf einer Ebene mit Christian Rossi, Michel Blanc-Dumont oder John Cassaday, allesamt Vertreter eines sehr leicht wirkenden Zeichenstils, dünnsten Strichen, klarsten Formen, mit starkem Realismus bei menschlichen Motiven und ihrer Umgebung. Sie sorgen für viel Lebendigkeit in ihren Bildern. So ganz besonders Jerome Lereculey, der in der zweiten Hälfte des Albums die beiden hervorstechenden Helden Golias und seine Schwester Aerena in wahnwitzigen wie auch wunderschönen Situationen zeigen darf.

Satyrn und andere Sagengestalten bevölkern dieses Abenteuer, auch in all der Pracht, die ihnen jeweils zueigen ist. Oder in der treffenden jeweils gruseligen Erscheinung, die angemessen ist, ohne ein furchtbares Äußeres über Gebühr zu bemühen. Die Sirenen sind so in dieser Gestalt nicht oft zu sehen, die Satyrn sind auf gewisse knuffig, ein Pegasus strahlt wie immer. Jerome Lerekuley zeichnet das geflügelte Pferd außerordentlich schön, stark und in den jeweiligen Szenen besonders frei und ungebändigt.

In solchen und ähnlich gelagerten Bildern, auch die Helden selbst betreffend, liest das Auge aus der Haltung, der Konstellation und den Gesichtern mit. Lässt man die Action, die Magie, die göttlichen Eingebungen beiseite, gibt es Bilder, die in dieser Kameraführung und im Ausdruck auch im französischen Film zu finden sind. So wirkt Aerena teils wie eine französische Schauspielerin, gerade gegen Ende, wenn sie verstärkt ins Zentrum rückt. Golias selbst schwankt zwischen jugendlichem Helden und Lausbub und erfährt auch durch Jerome Lerekuley eine entsprechende Darstellung, ohne einer zur Zeit gängigen Heldenschablone zu folgen.

So schön kann die griechische Sagenwelt sein: toll gezeichnet, sehr realistisch, fast zart zu nennen. Mit viel Humor, jugendlich erzählt, ohne kindlich zu sein. Ein Held mit dem Zeug zum jungen Klassiker. 🙂

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Samstag, 08. Februar 2014

DJANGO UNCHAINED

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:08

DJANGO UNCHAINEDDie Zeiten sind für Sklaven im Süden der Vereinigten Staaten sehr schlecht. Weitaus besser sind sie für Kopfgeldjäger, gefährlich, aber einträglich. Django steht als Bestätigung für die erste Aussage in einer Reihe mit anderen Sklaven, durch die Prärie getrieben von zwei brutalen Sklavenhaltern. Dr. King Schultz steht für die zweite Aussage. In einer dunklen Nacht treffen die beiden Männer aufeinander, ein Glück für beide. Dr. Schultz handelt keineswegs uneigennützig. Django hat Kenntnis von einigen Männern, die für Dr. Schultz bares Geld wert sind. Am Ende der Zusammenarbeit soll für Django nicht nur die Freiheit stehen. Der Doktor will ihm auch helfen, seine Frau wiederzufinden. Und ganz nebenbei erlernt Django auch noch die Kopfgeldjagd, um für ein späteres eigenes Auskommen gerüstet zu sein.

Django lernt schnell, zumal der Hass ihn antreibt. Dr. Schultz gibt Django als freien Mann aus, ein Kuriosum in einem Süden, besonders, da Django zunächst einen sehr ausgefallenen Kleidungsgeschmack besitzt. Das hindert ihn nicht, seine Rache allein und ohne zu fragen in Angriff zu nehmen. So bleiben die ersten Schwierigkeiten nicht aus. Denn ein Plantagenbesitzer kann es überhaupt nicht leiden, wenn zwei Fremde ihm nicht nur auf dem eigenen Grund und Boden Vorschriften machen wollen, sondern auch noch seine Angestellten töten. Deshalb steht bald schon die nächste Lektion von Dr. Schultz auf den Plan. Wie wehre ich mich gegen eine Horde schießwütiger Südstaatler mit Säcken auf dem Kopf?

Quentin Tarantino, dessen jüngstes Westerndrehbuch nach einer allzu frühen Veröffentlichung nun vielleicht auch als Comic erscheint, breitet seine Geschichten sehr gerne sehr weit aus, so weit, dass sie die Längen normaler Filme sprengen würden. So verhielt es sich auch mit DJANGO UNCHAINED. Er hätte, dieser Meister des Regiestuhls und Kinofan, noch länger drehen können, wie die vorliegende Comic-Umsetzung beweist, die sich am Ursprungsdrehbuch orientiert. Kapitel für Kapitel beleuchtet die Adaption von Reginald Hudlin zuerst das Verhältnis von Django und Dr. Schultz, bevor Ausflüge in die Vergangenheit, so auch in jene von Bromhilda, Djangos Frau, die Geschichte noch mehr vertiefen und die Ursachen für jede Menge Hass und Rachegelüste freilegen.

Verschiedene Zeichner sorgen für unterschiedliche grafische Ansätze. Von leicht und zerbrechlich bis schwer und holzschnittartig, von experimentell europäisch bis klassisch amerikanisch gibt es optisch einiges zu entdecken. Mit dieser Adaption lehnen sich die Zeichner auch nur an die Verfilmung an und vermeiden es, sich sklavisch an die darstellenden Schauspieler und ihre äußere Erscheinung im Film zu halten. R.M. Guera, ein Sachen Western erfahrener Comic-Künstler (Scalped), sticht hier als Künstler ebenso hervor wie Denys Cowen, ein Veteran in Sachen Superhelden.

R.M. Guera führt im Strich eine optische Verwandtschaft zu Eduardo Risso, mit sehr feinen Linien, zerbrechlichen Figuren und klar definierter Optik. Das geht aber auch in die Richtung von Loveless (auch eine Westernserie bei Vertigo, genau wie Scalped), gezeichnet von Marcelo Frusin. Insgesamt wird hier eine grundlegende Stilistik des Genres deutlich. Sehr genau, hart, mit starkem Blick auf die Charaktere und einer Mischung von Stilen, auch in den Arbeiten nur eines Zeichners, um zeitliche Sprünge noch besser voneinander abzusetzen. Aus dem Originaldrehbuch haben die Künstler ein pralles Buch mit einer stolzen Reihe von Bildern erarbeitet, die eine ebensolche Zahl an Facetten mehr bietet als der Kinofilm.

Eine sehr dichte Geschichte, die sich enorm Zeit ablässt, seine Charaktere vorzuführen, in ein paar interessante Nebenstränge abgleitet und einen Mann im Hintergrund hat, dessen Macht an wenigen, aber entscheidenden Stellen deutlich wird. Szenisch packend, ein moderner Western, der es in sich hat. 🙂

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Links:
www.rmguera.com (Homepage von R.M. Guera)
www.comicfestival-muenchen.de/?page_id=1634 (R.M. Guera auf dem Comicfestival München mit weiteren Infos zu DJANGO UNCHAINED)

Dienstag, 04. Februar 2014

C.O.P.S. – Absturz in South Central 2

Filed under: Thriller — Michael um 16:46

C.O.P.S. - Absturz in South Central 2Einfacher Plan. Von oben kommen, im Schutz der Nacht. Über dem Dach niedergehen und das Einsatzteam absetzen. Die gehen rein, leise, schleichen zum Zimmer, wo die junge Frau gefangen gehalten wird und bringen sie auf ebenso leisen Sohlen wieder raus. Leider will die Frau nicht mitgenommen werden. Die Gegenwehr ist brachial und kompromisslos. Das Einsatzteam rennt blindlings in eine Falle. Mit einem großen Knall löst sich die gut gemeinte Befreiungsaktion in Rauch auf. Greg Colinas, ein Cop, hat ein anderes, weniger lebensgefährliches Problem. Man hat ihm alle Sachen geklaut. Bis auf die Unterhose hat man ihm alles abgenommen, denn in South Central lässt sich alles zu Geld machen, sogar gebrauchte Socken.

Hinter den Kulissen tobt ein Fall, in dem sich Politik mit Gangstern einlässt. Stadtrat McAdams Tocher wurde entführt. Für die Polizei steht das Wohl der jungen Frau ganz oben in der Liste. Ein wirklichen Schritt sind sie bisher noch nicht weiter gekommen. Zahlreiche Informationen fügen sich jedoch zu einem Bild zusammen, das Mutmaßungen entstehen lässt. Es sind keine guten Schlussfolgerungen, auch lassen sie glauben, dass sich die Suche nach McAdams Tochter langsam zu einem Wettrennen entwickelt. Und der Endspurt wird verdammt schmutzig.

Atmosphäre: Antonio Sarchione (Zeichner) und Lou (Farben) gelingt das Kunststück, die Welt von South Central mit außergewöhnlicher Authentizität ins Leben zu rufen. Es ist erst Mai und dennoch hält die Hitze die Stadt bereits gefangen. Die städtische Atmosphäre, will man einen cineastischen Vergleich, erinnert an den Start von Predator 2. Banden beherrschen ihr Gebiet. Wer als Polizist in diesem Kalifornien arbeitet, das sich von den mittlerweile faschistisch regierten Vereinigten Staaten abgespalten hat, hat ein hartes Leben. C.O.P.S. steht für Central Organisation for Public Security. Anfangs experimentell aufgestellt, ist die Truppe innerhalb des LAPD, Los Angeles Police Department von Jahr zu Jahr weniger gut angesehen. Wer den zweiten Teil von C.O.P.S. – Absturz in South Central liest, wird diese Ansicht nicht teilen.

Marc Sautriot hat einen knallharten Thriller geschrieben, ein wenig in der Zukunft angesiedelt. Die Atmosphäre, um einen anderen Vergleich zu bemühen, erinnert auch an Zustände in Mexiko, wo sich Normalbürger zu Milizen zusammenschließen, um gegen Drogenkartelle zu kämpfen. Offizielle Stellen scheinen machtlos zu sein. Ermittlungen münden beinahe in kriegsähnliche Handlungen. Besitzt das Titelbild beinahe etwas von der Atmosphäre eines Vietnam-Kriegsszenarios, tauchen die Bilder von Antonio Sarchione dank der Farbgebung durch Lou in ein grelles, sommerliches Licht, teils schon psychedelisch zu nennen. Vergleiche zu weitaus früheren Comictagen werden wach, als Künstler wie Jean Geraud und andere mit knallenden Farben experimentierten.

Dies ist auch das Stichwort zum Zeichner Antonio Sarchione selbst, der stilistisch mit dem Meister mithalten kann, zuweilen auch an Eduardo Risso erinnert (100 Bullets) und mit sehr individuellen Figuren punktet. Die technischen Abbildungen, Straßenzüge und Ansichten, Perspektiven generieren ein sehr realistisches Ambiente, bestimmt angelehnt an cineastische Blickweisen. Die Handlung beinhaltet sehr viele Charaktere, Einsatzkräfte und Kriminelle gleichermaßen. Diese, vor allem in Massenszenen, zu inszenieren gelingt immer bis hin zu einem packenden Finale mit Wechseln in Perspektive und Schauplatz.

Nicht nur im Sinne eines Thrillers, auch in Sachen Action geht es ordentlich zur Sache. Hier werden entsprechende Bilder nicht ausgespart. Sie werden nicht über Gebühr strapaziert, nicht zum Selbstzweck erklärt, aber wo Gewalt die Szene beherrscht, folgen die Grafiken auch den aktuellen Sehgewohnheiten des Kintopps.

Schnörkellos, zwischenzeitlich auch hart, erzählt Marc Sautriot einen runden Thriller, spannende Wendungen inklusive. Das grafische Duo, Antonio Sarchione und Lou, hebt das Szenario auf Kinoniveau, sehr realistisch gestaltet. Die Kenntnis der ersten Folge dieses hiermit abgeschlossenen Zweiteilers ist sinnvoll für ein packendes Lesevergnügen. 🙂

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Freitag, 31. Januar 2014

Troll von Troy 16 – Fellkugeln 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:56

Troll von Troy 16 - Fellkugeln 2Wie gut für die Trolle, dass Drachen so dumm sind. Wie gut für den Drachen, dass seine trolligen Passagiere gerade ziemlich klein sind. Wie mies für den Drachen, dass leider einer der Trolle Normalgröße hat. Trolle sind für ihre Gefräßigkeit bekannt, am allerwenigsten für ihre Fingerfertigkeit. Besondere Geschicklichkeit besitzen sie bei der Jagd, aber legen sie dabei weniger Wert auf feines Anpirschen als auf ordentliches Draufhauen. So ist es kein Wunder, wenn Roken, der Troll mit Normalgröße, den Drachen auf die gewohnt einzige Art steuert, die ein Troll eben perfekt beherrscht: mit Draufhauen nämlich.

Aber mit Draufhauen alleine löst sich das Problem der Trolle nicht. Denn die Welt um sie herum ist von irgendjemandem vergrößert worden (weil sie schließlich nicht klein sein können, das geht einfach nicht) und sie hätten gerne wieder den Ursprungszustand hergestellt. Sie haben eine Fährte aufgenommen und sind unabhängig von ihrer Größe so hartnäckig wie immer. Und unabhängig von ihrer Größe haben sie sogar menschliche Hilfe mit der jungen Frau Trollane, die den weiten Weg über alle Unwegsamkeiten (Flüsse ohne Brücken, aufdringliche Wegbegleiter und ähnliches) für die Freunde auf sich nimmt. Und obwohl die Trolle so klein sind (auch mal verzaubert werden), ist das neuerliche Chaos nur eine Frage der Zeit.

Der zweite Teil der FELLKUGELN schließt die Odysee der Troll-Zwerge mit einem regelrechten Dominoeffekt ab. Ist das erste Steinchen einer langen Kette umgestoßen, gibt es kein Halten mehr. Alte Freunde und Bekannte bereichern das Szenario, das dem Leser einen sehr breiten Einblick in das Universum derer aus Troy gibt. Neben der Reise durch Land und Fluss ist der Karneval von Eckmül die gelungenste Kulisse, die FELLKUGELN zu bieten hat. Nicht nur kann Zeichner Jean-Louis Mourier auf diese Weise den Karneval selbst karikieren, auch die Welt von Troy selbst gerät ins Visier des treffsicheren Illustratoren.

Jean-Louis Mourier schafft gemeinsam mit Claude Guth beinahe eine Wimmelbildoptik. Überall ist etwas los. Nicht nur die Trolle sorgen für Gewimmel, gerade der Karneval bietet besondere Szenen, die eigentlich nur noch vom Aufeinandertreffen der Weisen und der Trolle übertroffen werden. Auf der Landstraße zeigt Mourier, warum Anhalterinnen mit Vorsicht begegnet werden sollte. Am Flussufer erlebt ein Angler eine Begegnung der anderen Art, wie sie letztlich einmalig ist. Hierbei wird von Mourier sehr gerne mit Gesichtausdrücken gespielt. Worte sind eigentlich überflüssig. Seien es der Kutscher, der Angler oder viele andere, das Spiel mit den Mimiken ist meisterlich und hat so manchen anderem Comic-Künstler einiges voraus.

Die arme Kreatur: man könnte sie das gepeinigte Wesen allgemein nennen. Es muss einiges erdulden, erleiden, wenn es nicht gerade, wie in vorherigen Ausgaben von den Trollen nur gejagt und gefressen wird. Stellvertretend für diese Kreaturen steht der Drache, der bei falscher Benutzung durch Trolle sehr schnell kaputt geht und dessen Teilnahme am Abenteuer noch nicht einmal im Tod sein friedvolles Ende findet. Für den Betrachter und Freund von gehobenem Humor ist hier nicht der richtige Ort. Fans von Slapstick und derben Scherzen kommen hier wortreich und optisch auf ihre Kosten.

Völlig humorlos ist hier nur der ehrwürdige Fuquatou. Er ist sozusagen der Cäsar von Troy, weißhaarig, schmal, machtversessen. Alles außerhalb des Konservatoriums macht ihn nervös, gilt ihm als verwahrlost und degeneriert, unerzogen. Für Christophe Arleston ist er die perfekte Zielscheibe und gleichzeitig Werkzeug. Er spottet weniger über als vielmehr mit Fuquatou. Trifft diese Figur auf Trolle und Karneval, entwickelt sich das Chaos wie von selbst.

Einer der besten Zweiteiler in Sachen Fantasy gepaart mit knalligem Humor. Christophe Arleston kann hier gegenüber seinen sonstigen Stoffen und Ideen noch zulegen. Kaum ein anderes Szenario als die Trolle erlauben ihm derartige Erzählungen. Klasse. 🙂

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Sonntag, 26. Januar 2014

OKKO 4 – Das Buch des Feuers

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:21

OKKO 4 - Das Buch des FeuersEine Hochzeit sollte ein Fest des Lebens werden. Dient sie jedoch der Festigung politischer Interessen und Machtverhältnisse, ist ein solches Ereignis mit größter Vorsicht zu genießen. Ein wunderschönes Archipel wurde zum Schauplatz der Feierlichkeiten ausgewählt. Auch der Ronin Okko und seine Gefährten haben sich als Mitglieder der Schutzgruppe rund um Braut und Bräutigam eingefunden. Die Sicherheitsmaßnahmen sind streng, aber Okko lässt seine Männer, besonders den Hünen Noburo, den maskierten Krieger, nach Schlupflöchern suchen. Die Sorgen indes verringert es nicht. Als ein Vulkan ausbricht, scheint dies zunächst nur ein gefährliches wie auch faszinierendes Naturschauspiel zu sein. Doch dann erfährt Okko von einem alten Einsiedler, der bei einer Vulkaneruption stets unfehlbare Vorhersagen trifft …

Im 4. Band der Reihe um den einhändigen Ronin OKKO wirkt es zunächst, als harre ein normaler Auftrag auf die kleine vierköpfige Gruppe um den Samurai ohne Herren. Allzu schnell stellt es sich heraus, dass politische wie auch rein menschliche Intrigen nicht weniger Gefahren in sich bergen als der tückischste Dämon. Autor und Zeichner Hub hat seine Reihe über ein düsteres, von japanischer Geschichte inspiriertes Reich, namens Pajan, hierzulande bald vollendet. OKKO kommt in dieser Geschichte eine besondere Rolle zu, denn ohne ihn gäbe es einen wichtigen Wendepunkt nicht und das Drama wäre an dieser Stelle einfach vorüber.

Mit diesem Konzept gelingt Hub (und seinem für das Storyboard mitverantwortlichen Co-Künstler Emmanuel Michalak) ein interessantes Kunststück. Der sonst so edle (sehr mürrische und harte) Krieger tappt in eine von leichter Hand gestellte Falle, die gar nicht für ihn gedacht war. Umso furchtbarer sind die Konsequenzen, umso langwieriger ist die Suche nach dem eigentlichen Täter. In haarfeinen Zeichnungen und gedeckten Farben ist der Stil von Hub angesiedelt zwischen einem Katsuhiro Otomo und einem Francois Bourgeon. In einer schönen Mischung aus europäischem und asiatischem Comic-Stil entsteht ein fantastisches Abbild eines fiktiven Reiches, in einer sehr sauberen, fast aufgeräumten Optik, in der dennoch Spannung und Gruselatmosphäre perfekt getroffen werden.

Nach einem südseeischen Ambiente mit feinen Sequenzen bei Hofe, die Erinnerungen an Shogun wach werden lassen, wechselt die Kulisse im zweiten Teil der Handlung drastisch. Nach einer sommerlichen Kulisse auf einem paradiesischen Archipel führt Hub die Leser mitten hinein in die eisige Kälte des Winters und auf eine brutal geführte Jagd auf einen intriganten Trickser. Ist der erste der Teil der Handlung eleganter, geheimnisvoller, ist der zweite Teil kinoartiger. Insgesamt haftet der Geschichte etwas vom Drama eines Shakespeare an, in dem es am Ende trotz Auflösung keine echten Gewinner gibt. Das muss es auch nicht. Die Gruppe um OKKO hat bisher kein besonders großes Glück gehabt.

Mit der hier erwähnten Truppe der Sieben Salamander könnte Hub eine interessante Ablegergeschichte schaffen, wenn es auch nicht für sehr sympathische Zeitgenossen taugen würde, andererseits haben sich in neuerer Zeit häufiger Bösewichter in Hauptrollen bewährt. Faszinierend wäre es allemal. Einige Szenen stechen innerhalb der Handlung hervor, enthüllen sie doch etwas mehr von den Charakteren, der Mentalität einer ganzen Gesellschaft und auch von ihren Gefühlen. Der Einsiedler, der im Angesicht des Vulkanausbruchs seine Visionen empfängt, ist hier ebenso zu nennen wie die Aburteilung einer Abteilung Samurai in Kompaniestärke. Jede Szene ist hier wohl überlegt, ist manchmal auch drastisch, aber niemals als Selbstzweck.

Bleibt OKKO selbst hier etwas zurückhaltend, zwar treibende Kraft, aber nicht sehr raumfüllend, können die Nebencharaktere hier mehr von sich zeigen. Noshin, der Mönch und Alkoholiker mit Draht zu den Geistern, wird in feinen Szenen einiges abverlangt (auch er ist nicht der sympathischste). Noburo, der Hüne, zeigt gleich zu Beginn seine Talente und tritt dann eher in den Hintergrund. Hervorgehoben wird der kleine Tikku, ein Novize unter Noshin, der stellvertretend für den Leser diese Geschichte einerseits mit großen Augen betrachtet und auch zum Stein des Anstoßes wird.

Eine tolle Fortsetzung der Abenteuer von OKKO und seinen Mannen, in der gewohnt geheimnisvollen Atmosphäre und richtigen Mixtur aus Drama und Aktion. Eine sehr starke Optik macht OKKO für Fantasy und Manga gleichermaßen interessant. 🙂

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Mittwoch, 22. Januar 2014

KILILANA SONG 2 – Liongos Lied

Filed under: Abenteuer — Michael um 8:51

KILILANA SONG 2 - Liongos LiedNaim erwacht an Bord des kleinen Fischerbootes. Die Sonne brennt auf den kleinen Kahn hernieder, der seine eigene Route zu fahren scheint. Auch Mzee, der alte Mann, der bei Naim ist, kann das Steuerruder nicht bewegen. Es klemmt, obwohl nichts auf eine Fehlfunktion hinweist. Aber Mzee macht sich keine Sorgen. Er verlässt sich auf die Macht des wahren Steuermanns, der unter einem Segeltuch verborgen, den Kurs bestimmt. Naim, der den alten Mann zunächst für besonders kauzig hält, wird davon überzeugt, es mit einer ungewöhnlichen Macht zu tun zu haben. Auf dem Meer wird sich ihrer beider Zukunft entscheiden. Langsam driftet der alte Mann in weit entfernte Sphären, während die Natur zu einem Schlag ausholt, den der Mensch nicht parieren kann.

Benjamin Flao beschreibt mit KILILANA einen Landstrich stellvertretend für ein immer noch im Umbruch befindliches Afrika. Letzlich ist es auch ein Beispiel für jeden anderen fremden Erdteil außerhalb von Europa und Nordamerika, der im Sinne einer westlichen Gesinnung zivilisiert werden soll. Dieses Land hat Geschichte und Geschichtchen, die Bevölkerung hat eigene Traditionen und Interessen, auch eine Wege des Lebens. Nichts spricht gegen die Annehmlichkeiten der Westler und anderer Kulturen, Gastarbeiter, die sich auf den Baustellen und Industriewerken tummeln, doch begegnen sie dem Land und den Menschen wie kolonialistische Trampeltiere ohne Rücksicht auf Verluste.

Die Zerstörungen, die Benjamin Flao schildert, sind vielfältig, sie beinhalten sicherlich auch Hoffnung. Diese wird aber erst auf den zweiten Blick sichtbar. Eine Hauptfigur für den hoffnungsvollen Teil ist der kleine Naim, der jene verhängnisvolle Fahrt auf dem Meer unternimmt. Diese Episode ist ein echtes Kabinettstückchen, mit viel Gefühl eines Kammerstücks inszeniert, traurig, anrührend, dramatisch, mitreißend. Benjamin Flao nimmt sich für den gezeigten Sturm szenisch viel Zeit, auf dem Meer wie auch an Land. Das ungestüme Element erzeugt Angst und Ehrfurcht bei den Charakteren, es sorgt aber auch für Abgeschiedenheit und ehrenvolle Abschiede.

Bei all dem (und noch mehr) ist Benjamin Flao mit einem sehr eigenen dokumentarischen Strich, der mit toller Beobachtungsgabe nahe bei den Figuren ist und selbst jene, denen man zwischendurch zwiespältig gegenüber steht, noch mit sympathischen Charakterzügen bedenkt. Hier ist nichts richtig schwarz oder weiß, ein durchaus berechtigtes Wortspiel. Benjamin Flao findet viele Facetten im Aufeinanderprallen der Kulturen, die sich durchmischen. Auch jene, die nur zu Besuch sind, können sich dem Einfluss der anderen oder auch der Ereignisse nicht entziehen.

Bezeichnende Weiße sind ein bärbeißiger Seemann und ein Hippiehallodri. Ersterer mischt sich nicht sehr ein, kann einstecken, hat eine (mit Fug und Recht) große Klappe und er bewegt sich wie jemand, der mehr weiß und ahnen könnte, was auf alle Beteiligten zukommt. Das klingt etwas mythisch, trifft es aber angesichts der späteren Ereignisse und ihrer Darstellung genau. Es sind Szenen, in denen Wirklichkeit und Traum verwischen und Erinnerungen Nahtoderfahrungen mit ins Leben zurückbringen. Andererseits machen auch Unbeteiligte Beobachtungen, die selbst für den Realisten nur schwer erklärbar sind. In Afrika, so könnte das Fazit lauten, besitzt das Leben noch seine ureigene Kraft, die einem Zauber gleichkommt.

Benjamin Flao zeigt sich hier, ob gewollt oder nicht, in stilistisch gekonnter amerikanischer Erzähltechnik, mit Episoden, die am Ende zu einem großen Ganzen verwachsen. Grafisch ist er so eigen wie genau und versteht es, Charaktere auf den Punkt zu bringen, in einer gelungenen Mischung aus Realismus und Abstraktion. Eine grafische Novelle im besten Sinne. Sehr schön. 🙂

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Freitag, 17. Januar 2014

DER ROTE KORSAR Gesamtausgabe 2

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:55

DER ROTE KORSAR Gesamtausgabe 2Erben ist nicht schwer, Erbe sein, dagegen sehr. Der Sohn des Roten Korsaren strebt weiterhin nach einem bürgerlichen Leben und versucht an das einst verlorene Dasein anzuknüpfen. Zwar hatte er es unter der Obhut des gefürchteten Piraten nicht allzu schlecht getroffen, gab dieser ihm doch das Rüstzeug für ein selbstbestimmtes Leben mit und sorgte für Wissen und Erziehung, doch der junge Mann will nicht auf den Weltmeeren den Gütern anderer Menschen hinterher jagen und am Ende dafür auch töten müssen. Lieber will er sich um seine wahre Herkunft bemühen und sein echtes, familiäres Erbe antreten. Doch bald muss er feststellen dass die Halsabschneider nicht nur auf den Ozeanen dieser Welt zu finden sind, sondern auch in der besten Gesellschaft Frankreichs.

Der Sohn des Piraten lautet der Titel des ersten der drei in dieser 2. Gesamtausgabe zusammengefassten drei Abenteuer, in dem es besagten jungen Mann, beileibe nicht unerfahren, nach Frankreich verschlägt, weil er sein rechtmäßiges Erbe antreten möchte. Das Auftauchen des wahren Grafen von Montfort löst nicht nur große Verwirrung nach all den Jahren aus, es setzt auch ein intrigantes Räderwerk in Gang. Wie gut, dass der junge Mann sich der Hilfe zweier Getreuer aus dem Umfeld des Roten Korsaren, Dreifuß und Baba, gewiss sein kann. Jean-Michel Charlier stößt den hoffnungsvollen jungen Mann, der zwangsweise als Sohn eines Piraten aufgewachsen ist, in die nächste Lebensgefahr.

Die Nattern entspringen diesmal dem französischen Adel. Aber Jean-Michel Charlier, ein qualitativ hochwertiger Vielschreiber unter den Autoren, setzt den Leser auch in dieser meeresarmen Handlung unter Spannung. Der Autor, der sich in einer internetlosen Epoche mit langjährig zusammengetragenen Dossiers behalf, um so zum Experten eines Themas zu werden, schildert die Zeit, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit der gleichen Energie und Intensität, wie es ein Alexandre Dumas vermochte. Entsprechend lebendig wirkt gerade diese Episode, die sehr nahe an die Figur, den Sohn des Piraten, geht.

Die Flucht aus Algier läutet ein zweiteiliges Abenteuer ein. Rick, der Piratensohn, hält an seinem Wunsch fest, ein ehrliches Leben zu führen. Wenn es schon nicht unter seinem Geburtsnamen möglich ist und auch nicht unter dem Namen, den der Rote Korsar ihm gab, dann muss ein Deckname herhalten. Als portugiesischer Kapitän lässt er sich von zwei Reedern anheuern, eine Ladung Gold in die Kolonien im Indischen Ozean zu bringen. Victor Hubinon, der im Abenteuer zuvor noch mit den Charakteren spielen durfte, schickt Rick auf das Meer hinaus, wo maurische Piraten und Gefangenschaft noch die geringsten Probleme für den jungen Mann sind.

Denn besagte Flucht mündet direkt in Die Meuterei der Gefangenen, die mit einer noch spannenderen Schilderung eines waghalsigen Manövers aufwarten kann. Als Leser mag man sich an klassische Piratenfilme erinnert fühlen, andererseits nehmen Charlier und Hubinon angesichts des originalen Erscheinungszeitraums von 1962-63 auch spätere Meeresszenarien und Seeschlachten voraus. Auch die Auseinandersetzung zwischen französischen und türkischen Streitkräften gehört nicht gerade zu den Standardszenarien von historischen Abenteuern. Der Einsatz einer französischen Galeere ist in diesem Zusammenhang faszinierend. Victor Hubinon schafft hier glasklare Bilder, die mit ihrer haargenauen Gestaltung immer noch die gewünschte Wirkung erzielen.

Die Fortsetzung der Gesamtausgabe ist mit ihren drei Abenteuern dramatischer (im ersten Abenteuer mehr bühnenhaft), aber auch andersartiger zu nennen, was den feinen Schauplätzen und dem damit einhergehenden, schön langen Szenario geschuldet ist. Das ist Piraten-Unterhaltung, wie sie sein sollte. Klasse! 🙂

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Mittwoch, 15. Januar 2014

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 2

Filed under: Thriller — Michael um 21:30

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 2Ein Sohn kehrt nach Hause zurück und findet nicht die Herzlichkeit vor, die er eigentlich nach langer Abwesenheit erwartet hätte. Die Stimmung in der Familie ist angespannt, der Vater Esteban will nicht einmal Geld von seinem Sohn Gaucho, einem Mitglied der Gruppe um Bruno Brazil, annehmen. Als ein alter Freund der Familie zusammengeschlagen, zerschunden und blutüberströmt, mit einer Warnung ins Haus kommt, ahnt Gaucho das Schlimmste. Das Kommando Kaiman benötigt keine offiziellen Aufträge, um sich mit Halunken anzulegen, oder, wie in diesem Fall, mit der Mafia. Die ehrenwerte Gesellschaft glaubt ihrerseits, sich nur mit einem Mann, allenfalls mit einer normalen Familie anzulegen. Aber wo Gaucho ist, sind seine Freunde nicht weit.

Im zweiten Band der Gesamtausgabe um die Abenteuer von BRUNO BRAZIL finden sich nicht nur vier spannende Alben, der Comic-Fan kann sich auch (falls er es noch nicht wusste) auf eine Überraschung gefasst machen. Seit einiger Zeit weiß der interessierte Zuschauer und Leser, dass eine einmal existente Figur, vorrangig in Serien, nicht mehr vor dem Tod gefeit ist. Charaktere, so beliebt sie sein mögen, so fest sie auch im serialen Sattel sitzen mögen, können sterben. Nicht nur, weil es der Dramaturgie dient und möglicherweise an den Grundfesten der Serie rüttelt, sondern auch, um sich ins Gespräch zu bringen.

Ähnlich gelang es Greg (Autor) und William Vance (Zeichner) mit der Geschichte Akashitos Vermächtnis einen Aufschrei zu provozieren, denn eine etablierte Figur sterben zu lassen (hier: Big Boy) war ein Novum und außergewöhnlich zu nennen. Andererseits, der Leser kann es zu Beginn noch nicht absehen, erweitern Greg und Vance die Riege und die Lebensgeschichte um BRUNO BRAZIL. Bereits im Folgeabenteuer Bewährung für das Kommando Kaiman ist BRUNO BRAZIL nicht nur verheiratet, sondern auch Adoptivvater. Die beiden hier erwähnten Comic-Thriller könnten gegensätzlicher kaum sein.

Beide warten mit exotischen Schauplätzen auf. Verschlägt es BRUNO BRAZIL in Akashitos Vermächtnis nach Bangkok in Thailand, ist der nachfolgende Handlungsort in Bewährung für das Kommando Kaiman so andersartig und so selten benutzt, dass es sich lohnt, hier genauer hinzusehen: die Aleuten. Die Inselkette im Nichts könnte als Schauplatz für alles mögliche dienen, liegt sie doch zu den USA gehörend vergleichsweise im Niemandsland. Greg nutzt die Abgeschiedenheit, indem er sich für sein Szenario über Menschenschmuggel nach Gutdünken austoben kann, aber sicherlich nicht, indem er fantastisch übers Ziel hinausschießt, sondern vielmehr, da er einen Ort auf der Weltkarte gefunden hatte, auf dem Wildwestmanieren noch möglich waren.

Auch gegensätzlich: Zeichnet William Vance im Abenteuer um eine Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem vergleichsweise ebenfalls wilden Tuschestrich, kehrt er mit dem vierten und letzten Abenteuer in diesem Sammelband zu gewohnter Akkuratesse zurück. Welcher Stil nun besser gefällt, liegt einzig im Auge des Betrachters. Denn verschiedene Strichführungen, auch geschabte Striche in Akashitos Vermächtnis beweisen die gewollte Stilistik der Bilder, von der sich Vance aber wieder zurückzog und die bestimmt nicht weniger Zeit in Anspruch nahm als die nachfolgende Arbeit.

Die Nacht der Schakale und Höllentanz in Sacramento leiten den 2. Teil der Gesamtausgabe ein und bilden ein doppelt so lange Geschichte wie gewöhnlich. Die eingangs erwähnte Thematik rund um den Kampf gegen die Mafia und ihre Handlanger wird in zwei feinen Thrillern abgehandelt, in denen BRUNO BRAZIL mehr Strippen zieht als gewöhnlich und viel taktischer arbeitet. Was im Vergleich zu den letzten beiden Abenteuern besser gefällt, ist reine Geschmackssache.

Ein Traumduo bei der Arbeit: Greg und William Vance zeigen die Bandbreite ihrer Arbeit, erschüttern auch einmal, indem sie gegen bestehende Comic-Regeln rebellierten, ein Klassiker ist es weiterhin. Vorbildlich schön. 🙂

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Montag, 13. Januar 2014

ORBITAL – Aufzeichnungen 1

Filed under: SciFi — Michael um 18:21

ORBITAL - Aufzeichnungen 1 - Erste Begegnungen2257. Berlin. Iranische Abgesandte befinden sich auf dem Flughafen, um einem Testflug beizuwohnen. Die Anwesenden versprechen sich von der Vorführung ein großes Geschäft. Die Testpilotin sieht plötzlich Lichter am Himmel. Sie bewegen sich, folgen ihr. Das Bodenradar kann den Kontakt mit diesen Lichtern nicht bestätigen. Nina am Himmel allerdings kämpft, so scheint es, um ihr Leben. In waghalsigen Flugmanövern versucht sie den Lichtern zu entkommen. Gegen dieses Phänomen hat sie aber keine Chance. Kurz steht der Flug auf des Messers Schneide, da die Elektronik versagt. Die folgende sichere Landung bringt keine Erleichterung. Hat Nina nun etwas gesehen oder hat sie sich alles nur eingebildet?

Wie es für einige Figuren und Strömungen begann, berichtet dieser Band außerhalb der normalen Reihe mit Kurzgeschichten und interessanten Völkerbeschreibungen. Letztere sind hervorragend von Serge Pelle illustriert. Für die Kurzgeschichten treten neue Künstler auf das Parkett, die dem Orbital-Universum neue Facetten abgewinnen. Sylvain Runberg, Autor der Reihe ORBITAL beschäftigt sich mit der Zeit vor den Ereignissen, mit denen sich die Serie beschäftigt. Ein wiederkehrendes Element ist die Strömung auf der Erde gegen einen Zusammenschluss mit einer interstellaren Gemeinschaft. Mit der Geschichte Metamorphose liefert Runberg einen Ankerpunkt für die Ablehnung Außerirdischer.

An einem normalen Tag in Tokio im Jahre 2280 besucht eine Familie, Eltern und drei Kinder, einen Zoo, der den staunenden menschlichen Besuchern außerirdische Tiere von vielen verschiedenen Welten präsentiert. Doch das Fiasko ist vorprogrammiert. Denn nicht alle Sicherheitsvorschriften passen auf außerirdische Tiere, noch sind alle Hinweise aufmerksam gelesen worden. Der Leser kann früh das Drama absehen, wegschauen kann er dennoch nicht. Der Höhepunkt, das grausige Ende wie auch der düstere Epilog, sehr kurz in nur wenige Bildern, erklärt einige Motivationen, die ein Hauptbestandteil der Serie sind.

So widmet sich Sylvain Runberg außerdem einer Figur, die auf den Leser der Hauptreihe Eindruck machte, vielleicht mehr, weil sie ein ganz besonderes Schiff steuerte und auch ein ganz besondere Beziehung zu diesem Fahrzeug entwickelte, wie es sonst für einen Piloten eher unüblich ist. Nina ist eine Testpilotin, gleichzeitig ist sie ein Mensch, der nicht nur durch seine außergewöhnlichen Beobachtungen neben der Spur steht. Sie fühlt sich immer anders, fehl am Platz und trotz guter Kollegen, einem Verlobten, vielen Menschen um sich herum auch einsam und unverstanden. Nina hat eine Begegnung der dritten Art. Doch diese schlägt ihr nicht nur aufs Gemüt, lässt sie an ihrem Verstand zweifeln, sie erhält durch diesen fremdartigen Kontakt auch eine Chance.

Miki Montllo zeichnet mit einer ähnlichen Zeichentrickoptik wie auch Marcial Toledano, der die Episode Die Extraktierte gestaltet. Extrem glatte Linien, klare Formen und Figuren. Einzig in der Kolorierung driften sie auseinander. Toledanos Bilder wirken etwas natürlicher, während Montllo den Computer im Endprodukt keineswegs zu kaschieren versucht. Die Optik passt zur ebenso geradlinigen Science Fiction, nah an einem Charakter, an Haltung und Mimik. Toledano arbeitet etwas weniger stereotyp als Montllo. Bei ersterem sind die Figuren ein Stück weit organischer, echter, während Montllo immer die Ideallinie zu finden sucht.

Nicht nur Kurzgeschichten in Comic-Form hat dieser Band zu bieten. Auch eine illustrierte Kurzgeschichte mit Bildern von Homs. Man könnte es auch einen mit Bildern dokumentierten Eintrag nennen. Am schönsten, von Hauptzeichner Serge Pelle ausgeführt, sind jedoch die Grafiken, den erklärend den lexikalischen Beiträgen der unterschiedlichen Völker in ORBITAL beigefügt sind. Die sehr weiche, dichte Farbgebung, die organischen Tuschelinien, der feine Comicstil haben maßgeblich zum Erfolg der Reihe beigetragen.

Viel Hintergrundmaterial, eine Art Bibel der Reihe, wie es auch ein Sylvain Runberg als persönliche Gedächtnisstütze benutzen kann. Sehr schön illustriert, gut erzählt, eine Ergänzung zur Hauptserie, die Fans der Reihe wahrscheinlich am meisten interessiert. 🙂

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