Samstag, 19. April 2014
In der normalen, der wirklichen Welt ist Captain America jederzeit zu Höchstleistungen bereit. In dieser anderen Welt, die er durch Zufall betreten hat, der Dimension Z, ist nichts mehr so, wie er es gekannt hat. Der Mann, der einen Kulturschock erlitt, indem er Jahrzehnte verschlief, steht nun vor einer neuerlichen, sehr besonderen Anpassung. Denn alles an dieser neuen Welt, dieser fremden Dimension scheint potentiell feindlich. Ein Rückzugsort will nicht existieren. Immerhin offenbart sich sein Feind, ein alter Bekannter namens Arnim Zola, sehr früh und macht auch keinen Hehl aus seinen Plänen. Zola will nichts weniger, als die Kräfte Captain Americas für seine Zwecke und seine Kreaturen nutzen. Aber der Held von der Erde wehrt sich.
Und wie er sich wehrt! Der Leser konnte es sich denken, dass Captain America nicht kampflos aufgeben würde. Allerdings wird er bestimmt durch die Mammutaufgabe überrascht werden, die sich Autor Rick Remender für den amerikanischsten aller Helden ausgedacht hat. Das neue Umfeld lässt eine Abkehr von bestehenden Handlungssträngen zu, es erwartet so gut wie keinerlei Vorwissen. Verschollen in Dimension Z könnte als Test für Neuleser auf Superheldenterrain betrachtet werden. Die Geschichte, die mit Anleihen auf den Gebieten der Science Fiction und der Fantasy daher kommt, gestattet Leser dieser Genres einen schönen Übergang.
Captain America goes … Früh in der phantastischen Literatur haben sich Helden wider Willen auf den Weg gemacht, um eine andere Welt zu erobern. John Carter (von Edgar Rice Burroughs) machte diese Erfahrung, Welten wie Gor, Flusswelt bieten ähnliche Plots und ein Comic-Held wie Storm mag stellvertretend für derlei Geschichten in anderen Medien stehen. Captain America wird von Rick Remender in eine karge und lebensfeindliche Welt geworfen, in der ein Bioterrorist wie Anim Zola in seiner riesigen Festung wie eine Spinne im Zentrum eines gigantische Netzes zu hocken scheint. Wie einst ein Dr. Moreau schafft er sich Kreaturen, die nichts anderes als Soldaten für eine Invasion der Erde sind.
Die bedrohliche Umgebung, in der sich Captain America auch ein wenig wie ein Robinson Crusoe bewähren muss, wird von Marvel-Starzeichner John Romita Jr. gestaltet. Der Comic-Künstler, der sich nach vielen Arbeiten (insbesondere mit Spider-Man) einen Namen gemacht hat und dessen grafische Gestaltung von Kick-Ass extra Aufmerksamkeit erhielt, lässt sich durch das ungewöhnliche Setting der Geschichte offensichtlich nicht abschrecken, läuft im Gegenteil zur Höchstform auf. Die Handlung ist ohne Zweifel mit einem hohen Anteil Action erzählt, kann auf der anderen Seite jedoch mit einer Stammleser des Captains ungewöhnlichen Vater-Sohn-Beziehung aufwarten.
John Romita Jr. ist nicht der Zeichner, der mit einer Fülle diverser Figurenvorlagen aufwarten kann. Gesichter und Körper sind allesamt bekannt, werden nur durch verschiedene Accessoires verändert und dem Szenario angepasst. Das Geheimnis seines Erfolges liegt in einerseits in der etwas naiven Darstellung der Figuren, andererseits in der Rasanz, die er in den Action-Szenen auf das Papier zu bannen vermag. Wo es an Individualität der Figuren hapern mag, zeigt sich aber eine andere Stärke. John Romita Jr. vermag es, in ruhigen wie auch anrührenden Szenen den richtigen Strich zu treffen. Zusammen mit einer Kolorierung, die meistens eine starke Tiefe aus den Bildern herausholt, dank Koloristen wie Dean White, entsteht ein Comic-Abenteuer, das eine optische Brücke zwischen der guten alten Zeit und der Moderne schlägt.
John Romita Jr. findet darüber hinaus in der Erzählung von Rick Remender einige sehr anschauliche und anschaubare Motive, die zur Verdeutlichung der einzelnen Charaktere beitragen. Arnim Zolas Tochter, die nicht nur den Vater ehrt, sondern diesen auch noch in einer Art Tempel als Gott glorifiziert, indem sie ihn vor einer Kirchenfensterimitation kniend anbetet, ist ein gutes Beispiel für Grafiken, die enorm viel nebenbei erzählen.
Eine sehr starke Geschichte, weitab der üblichen Superheldengeschichten, als träfe ein Robinson Crusoe auf Science Fiction und Fantasy, in die sich noch ein Dr. Moreau einmischt. Rick Remender hat nicht nur für sich als Autor den perfekten Einstieg in die Welt von Captain America geschaffen. Sehr gut. 🙂
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Dienstag, 15. April 2014
Der Kampf um die Arche hat begonnen. Mit dem Einsetzen des Regens kommen die Menschen. Es sind nicht nur Krieger, es sind auch ganz gewöhnliche Menschen, Alte, Frauen und Kinder. Sie alle wollen überleben und sie können nicht begreifen, dass dort hoch oben auf dem Rumpf des Schiffes einer steht, der es ihnen in Gottes Auftrag verwehren will. Außerdem ist Noah, so der Name des Schiffsbauers, nicht allein im Kampf gegen die anrückenden Menschenmassen. Die Wächter, gefallene Engel, halten die Verzweifelten so gut auf, wie sie es vermögen. Ihr Widerstand währt nicht lange. Selbst ihre gewaltigen Kräfte können der zahlenmäßigen Überlegenheit, dem schier endlosen Strom der um ihr pures Überleben kämpfenden Menschen nicht standhalten.
Mit dem Regen kommen die Fluten. Das Wasser steigt, nimmt überhand, die Arche, sie schwimmt am Ende wie ein gewaltiger Ziegelstein im Wasser. In ihrem Inneren schlafen die Tiere, alles, was da kreuchte und fleuchte, denn nun ist die Schöpfung Geschichte. Wer es nicht in die Arche geschafft hat, stirbt den Tod in den Fluten. Durch Ertrinken, durch die bittere Kälte, an Erschöpfung. Und Noah kämpft bis zu selbigen, vertreibt und tötet jene Menschen, die es auf das Deck der Arche geschafft haben. Das ist seine Aufgabe, die er vom Schöpfer erhalten hat und die er mit aller Kraft, bis zur Selbstaufgabe wahrnimmt. Wie weit ihn diese Aufgabe noch an seine Grenzen treiben wird, sieht er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Darren Aronofsky und Ari Handel, deren Textvorlage nicht nur die Basis des gleichnamigen Kinoblockbusters ist, sondern auch jene des vorliegenden, mehrteiligen Comic-Abenteuers, lassen Abweichungen zwischen beiden Versionen zu. Abgesehen davon gestalten sie natürlich die biblische Vorlage dramaturgisch an den Nerven zerrend aus. Gott gestattet Noah Interpretationen seiner Anweisungen und stiftet so Verwirrung bei seinem frommen Gefolgsmann, eine Verwirrung, die zur Spaltung seiner Familie beiträgt. Hält man das biblische Textstück daneben, schadet diese Veränderung des Inhalts nicht, verschärft sie doch einerseits die Untergangsstimmung und rückt auch eine Ansicht Noahs (die er gehabt haben könnte) in den Mittelpunkt. Wenn alle Menschen schlecht waren (oder sind), müsste die Verderbtheit auch in ihrer Familie zu finden sein. Warum sollte Gott also eine Handvoll von ihnen am Leben lassen?
Niko Henrichon entwirft dieses Endszenario mit weiterhin kraftvollen wie auch erschütternden Szenen. Die Gestaltung der Wächter ist hier weitaus weniger unnahbar als in der Filmvariante der Erzählung, weshalb ihr Schicksal greifbarer wird und auch die Freundschaft zwischen Noah und Og verständlicher ist in Gestik und Mimik. Das Ende der Wächter rührt an. Noahs Kämpfe, es sind nicht wenige, sind blutig, unbarmherzig gegen die eigene Art. Noah wird ein Vollstrecker des Göttlichen. Man fühlt sich optisch an eine Kreuzung aus Conan und Indianer erinnert. Der Kampf währt mit Äxten und Schwertern.
Strichführung und Kolorierung wirken intuitiv und schnell geführt. Niko Henrichon wählt (sicherlich unbewusst) stilistisch aus verschiedenen Strömungen, europäisch, überseeisch, asiatisch eine solide Mischung mit tollen Ausdrücken. Aus dem Dauerregen wird ein Schneestreiben und wird nur einmal in ruhiger Erzählung durch die Schöpfungsgeschichte unterbrochen, die für sich allein schon ein grafisches Schmankerl ist.
Der dritte Teil der Erzählung um Noah und seine Familie jagt den Leser durch ein dichtes, beklemmendes und brutales Drama. Die Menschheit geht unter, im wahrsten Sinne des Wortes. Niko Henrichon schafft mit seinen Bildern eine schöne eigenständige Interpretation der Neuerzählung des Noah-Mythos der Filmemacher Aronofsky und Handel. 🙂
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Samstag, 12. April 2014
Der Mann auf dem Bildschirm ist die Ruhe selbst. Während seiner kurzen Erzählung bleibt er freundlich, legt die Fakten dar und verkündet seinen Selbstmord, der für die zwölf Passagiere aber keinerlei Auswirkungen haben werde. Fassungslos hören die Schiffbrüchigen von den Ereignissen, die sie aus ihrem gewohnten wie auch geplanten Leben katapultiert haben. Der ehemalige Pilot des Großraumschiffs ist ausgemergelt und verabschiedet sich fast heiter in seiner Videobotschaft. Nach den Erwartungen, mit denen die zwölf jungen Menschen aus dem Tiefschlaf erwachten, ist diese Nachricht ein geistiger und seelischer K.O.-Schlag. Sie sind verloren. Irgendwo in den Weiten des Weltalls. Und niemand weiß, wo sie sind. Keiner wird zu ihrer Rettung eilen.
Gestrandete in einer fremden Welt. Das Prinzip der neuen Geschichte von Leo ist bekannt, das trübt seine Funktionalität in diesem Szenario aber keineswegs. Ob eine Schweizer Familie Robinson, die in den Weltraum vorstößt (Lost in space) oder Kinder, die Zwei Jahre Ferien (Jules Verne) machen, stets ist eine wilde und unbekannte Umgebung eine Quelle dramatischer Entwicklungen. Für die ÜBERLEBENDEN im neuen Serienstart ist die Veränderung ihres Lebens enorm. Leser der Szenarien wie Aldebaran, Betelgeuze und Antares, allesamt aus dem Stift und der Zeichenfeder von Leo, werden sich auch hier gleich zu Hause fühlen, ist auch diese Serie in dem eigens vom Erfolgszeichner erdachten Comic-Universum angesiedelt. Da Leo aber auch kein Vorwissen von Stammlesern verlangt, ist dieser Serienstart auch für Neueinsteiger geeignet.
Neue Charaktere, eine neue Welt fernab der Erde, neue Bedrohungen und Entdeckungen. Eine Gruppe aus zwölf Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen strandet nach einer Reise durch den Weltraum nicht auf dem Zielplaneten, sondern weit davon entfernt auf einem Planeten, der dank einer Anomalie unbekannt und unerforscht ist. Es ist anzunehmen, dass alle anderen, die sich an Bord des Mutterschiffes auf die Siedlungsreise begaben, längst verstorben sind und nur jene zwölf jungen Menschen, die an Bord eines kleinen Shuttles rechtzeitig das große Raumschiff verließen, überlebt haben. Freude kommt bei den Zwölfen dennoch nicht auf. Die Trauer über den Verlust der Verwandten und Freunde wiegt zu schwer, die Verzweiflung über die Strandung an fremden Gestaden tut ihr Übriges, um das Gemüt belasten. Für einen Start in einer neuen Welt ist das keine gute Ausgangslage.
Sie sind nicht allein. Die Menschheit hat die Existenz fremder Lebewesen, tierisch wie intelligent, akzeptiert und verinnerlicht. Bei der Kolonisierung neuer Welten, dem Aufeinandertreffen mit einer andersartigen Wesenheit, ohne Zweifel mächtiger, bleibt diese Haltung nicht aus. Entsprechend sind auch die Zwölf auf alles vorbereitet. Das Shuttle ist zunächst noch ein Anker, von dem sie sich, dem Mangel an Lebensmitteln folgend, nicht weit entfernen. Aber manchmal kommt das Leben, trotz hartnäckigem Verharrens an einem Ort, dennoch zu einem. Im Falle der Schiffbrüchigen sind das intelligente Außerirdische.
Leo ist ein gemächlicher Erzähler, der Situationen und Charaktere komplex auslotet, der sich und dem Leser Zeit gibt. Dadurch entstehen äußerst dichte Szenarien, deren Komplexität durch den Gesamtzusammenhang innerhalb eines viel größeren und stetig wachsenden Comic-Universums langsam aber sicher zu einem Science-Fiction-Epos wird. Dieses Epos entfernt sich weit von Lichtschwertabenteuern und entwickelt seine Spannung mit einer besonderen Nähe zu den Figuren. Der Leser wird gleichsam an ihre Seite gestellt, als 13. Überlebender. Auch in dieser Reihe bleibt Leo seinem Zeichenstil treu, der technisch elegant ist, exakt, unaufgeregt, mit dem Zweck, dem Leser die bestmögliche Aussicht zu bieten. Klare Linien und Farben dokumentieren geradezu das Abenteuer der gestrandeten 12.
Leo, der Meister der klaren Science Fiction, ist zurück und wandelt diesmal auf den Spuren eines schönen Jugendabenteuers in seinem, von ihm geschaffenen Comic-Universum. Hierzu verlässt er bereits bekannte Pfade und beschäftigt sich mit neuen Charakteren, die dem Leser schnell ans Herz wachsen sollten. 🙂
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Donnerstag, 10. April 2014
Mikael Blomkvist ist hereingefallen. Er hätte als versierter Journalist die Falle wittern müssen. Die Folgen sind unübersehbar, für ihn persönlich wie auch für das Magazin, für das er schreibt. Ein eher ungewöhnlicher Auftrag ermöglicht einen Neuanfang. Die Recherche, die er anstellt, folgt einem Geheimnis. Gleichzeitig ist er, ohne es zu ahnen, von unbekannter Seite ausgespäht worden. Gerade jene fremde Person, die sein Leben zu einem Dossier zusammengestellt hat, wird in den nächsten Monaten zu einem seiner wichtigsten Mitstreiter seines Lebens werden. Denn ohne es vorher zu ahnen, ist Mikael Blomkvist einem irren Mörder auf der Spur, der vor keiner Brutalität zurückschreckt.
Die Geschichte ist hinlänglich medial bekannt und hat verschiedene Adaptionen erfahren. Aus der Aufklärung des Verbleibs einer jungen Frau, die vor Jahrzehnten verschwand, wird ein Kriminalfall, der es in sich hat und mit menschlichen Abgründen aufwartet, die zu Beginn der Geschichte kaum zu erwarten waren. Autor Stieg Larsson schrieb die Vorlage zu dieser Comic-Umsetzung von Sylvain Runberg, inhaltlich inzwischen sattsam bekannt durch Verfilmungen, Hörbücher und Hörspiele und verschiedene Comics. So kann es kaum noch inhaltlich besprochen werden, da Larssons Geschichte unbestritten ein vortrefflicher Thriller ist, dessen Qualitäten Runberg sehr schön in dieses Medium Comic transportiert.
Comic visualisiert und demzufolge stellt sich die Frage, ob die Übertragung, der im Roman geschilderten Bilder gelungen ist. Jeder, der einen Roman liest, macht sich aufgrund der Beschreibungen seinen eigenen Film von den Geschehnissen, den Charakteren, der Umgebung. Jose Homs wählt den Weg der Übercharakterisierung. Die Figuren bewegen sich an der Grenze zur Karikatur. Jose Homs gibt sich so selbst die Möglichkeit, jeden einzelnen Charakter vollkommen individuell zu gestalten. Hier wird keine Figur aus einem Stammportfolio verwendet und mit verschiedenen Frisuren auf seine Zwecke angepasst. Hier ist, auf diese Gestaltungsart, jeder Charakter echt.
Besonderes Augenmerk in dieser Geschichte liegt neben Kalle Blomkvist natürlich auf dem Mädchen mit dem Drachen-Tatoo, dem die zentrale Rolle zufällt, obwohl es hier noch etwas unterfordert ist und erst in den folgenden beiden Romanen der Millennium-Trilogie zur Bestform aufläuft. Hier ist sie noch ein Kuriosum, exzentrisch einerseits, introvertiert andererseits, auf ihre Art auch genial, ein Opfer, aus dem ein Täter wird. Sie leidet bis zu einem gewissen Punkt, dann wehrt sie sich. Kurze Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart von Lisbeth Salander belegen dies mit sehr feinfühlig inszenierten Grafiken.
Kernszenen sind hier sicherlich Lisbeths Verteidigungsversuch der eigenen (Zwillings-)Schwester, ihr Treffen mit ihrer Mutter und die mehrfache Begegnung mit ihrem neuen Vormund, Rechtsanwalt Bjurman. Besonders die letzte dieser Begegnungen zeichnet auf einer Kurvenskala einen Spitzenausschlag auf, wenn Lisbeth Salander sich rächt. Jose Homs gelingt mit der Darstellung Salanders eine weitaus zartere Erscheinung, als es den Verfilmungen gelungen ist und deren Ausbrüche, gewaltsam und mit außenordentlicher Mimik, der Ursprungsform im Roman in nichts nachstehen.
Den sehr realistischen Kulissen stehen Figuren mit puppenartigem Äußeren gegenüber, nicht nur sehr individuell gestaltet, sondern auch mit schauspielerischem Talent ausgestattet. Es ist bewundernswert an diesem Zeichner, wie viel Gesichtsausdrücke, wie viel inneren Ausdruck Jose Homs in die Hauptdarsteller und Nebenfiguren der Handlung zu legen vermag. Diese Bandbreite wird auch nur durch die erwähnte Überzeichnung zugelassen. Dadurch halten die Bilder einen hohen Erzählwert bereit, der oftmals noch mehr aussagt, als die Erzählung, adaptiert und eingekürzt von Sylvain Runberg.
Zarte Linien, treffsicher gezogen, bilden das Gerüst für eine ebensolche Farbgebung, möglichst natürlich aussehend, aquarellartig lasierend, zaghaft strahlend, als seien sie unter einem eher trüben, verhaltenen Licht entstanden. Hier wird nicht überzeichnet, sondern verstärkt die passende Atmosphäre gesucht. Entsprechend kann eine Farbstimmung auch mitten in der Szene umschlagen, eine Bedrohung unterstreichen oder Zwischenpassagen wie kurze Rückblicke besser abtrennen. Das ist filmisches Inszenieren mit einer unter dem Strich düsteren Stimmung.
Fast so gut wie die Vorlage (Roman), an der sich jede Adaption messen lassen muss. Dank der konsequenten Charakterisierung mit einem sehr individuellen Zeichenstil durch Jose Homs ist die Umsetzung des ersten Teils der Millennium-Trilogie auch ein kleines Comic-Thriller-Kleinod. 🙂
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Montag, 07. April 2014
Larry B. Max findet den Mörder seiner Freundin Gloria in Bangkok und ist entschlossen, die Jagd endlich zu Ende zu bringen. Längst hat er seine Kompetenzen im Rahmen des I.R.S. weit überschritten. Larry B. Max will auch den letzten Schritt tun. Doch es kommt anders. Am Ende gibt es nicht nur einen Toten, es gibt auch einen neuen Auftrag, der auf einer Erpressung fußt. Dabei hatte es für Larry ganz gut ausgesehen. Er hatte sein Ziel mit Leichtigkeit gefunden. Dieser Mann, den er für den Tod von Gloria verantwortlich macht, flüchtete und suchte doch die Auseinandersetzung. Voller Angst forderte er Larry heraus. Larry scheute nicht die Menschen um sich herum, während er sich ein Feuergefecht mit dem anderen Killer lieferte. Doch dann wurde es im entscheidenden Moment dunkel um Larry.
Bernard Vrancken setzt in seiner Darstellung der Serie auf einen möglichst realistischen Grafikstil. Zeichnungen wirken wie Umsetzungen von Fotografien. Fahrzeuge, Ausschnitte der Welt rund um Larry B. Max, die Hauptfigur der Reihe, historische Szenen könnten auch so in einem Film erschienen sein. Vorbild ist natürlich der amerikanische Thriller oder auch Kriminalfilm mit all seinen Facetten, häufig besonders in der Welt der Schönen und Reichen, den Autor Stephen Desberg gerne als Sumpf mit spiegelnder Oberfläche zeigt.
Für den Leser startet diese zweiteilige Geschichte (die Fortsetzung folgt im nächsten Band) an der Seite von Larry B. Max mit einem Nachhall des Vorgängerabenteuers. Der Ermittler des I.R.S., des Internal Revenue Service (Bundessteuerbehörde der USA), hat noch eine persönliche Rechnung zu begleichen und schlittert durch diesen Umstand geradewegs in seinen nächsten Fall. Der Held der Geschichte hat sich bereits einmal mit Kriegsbeute beschäftigt (Band 1 und 2) und wird dadurch zu einem Jäger, der auch für die chinesischen Triaden im Zweiten Weltkrieg abhanden gekommene Schätze wiederbeschaffen kann. Diese Aufgabe, an der sich die Triaden bereits die Zähne ausgebissen haben, soll von Larry B. Max innerhalb von zehn Tagen erledigt werden.
Was in Bangkok beginnt, führt rasend schnell zurück nach Los Angeles, einem Kerntummelplatz des Ermittlers, der hier zu Hause ist und auch noch ein Klassentreffen vor sich hat. Obwohl es zeitlich so gar nicht in den Plan passt, zwackt Larry eine ruhige Minute ab (von denen er, weil Stephen Desberg geschickt die Fäden zieht, sehr wenige hat) und mischt sich unter die Schulkameraden vergangener Tage. Ein Indiz für die Filmverwandtschaft der Bilder innerhalb der Serie ist die Verwendung von Gesichtern, die Schauspielern nachempfunden sind und immer wieder einmal entdeckt werden können. Am Beispiel des Schultreffens kann so eine Halle Berry genannt werden, die zweifellos in Großaufnahmen Patin für die Figur der Laroya Armstrong gestanden hat.
Yamashitas Gold ist die inzwischen 13. Folge der Reihe I.R.$. und Stephen Desberg hat in Sachen Thriller seine Hausaufgaben gemacht. Er kennt die Regeln des Aufbaus, legt geschickt Spuren aus, lüftet Rätsel nach und nach und setzt seine Hauptfigur gehörig unter Druck. Daneben streut er Zweifel über die wahren Absichten und Loyalitäten einiger Figuren. In die Handlung des gegenwärtigen Zeitstrangs werden Rückblenden eingebaut, die dem Leser anschaulich und spannend zeigen, was damals geschah, als das erwähnte Gold verschwand. Und gemäß all der Tricks, die zum Geschäft eines Thrillerautoren gehören, setzt Desberg auch einen Cliffhanger mit nicht wenigen losen Enden.
Hier ist, dank der grafischen Finessen von Bernard Vrancken durchweg Titelbildqualität auf jeder Seite zu finden, mit einer Kolorierung von Coquelicot. Hier wird mit feinen Verläufen gespielt, möglichst natürlich wirkend, leuchtenden Farben, wie man sie auch auf der Filmleinwand erwarten darf. Die Kulissen bieten Abwechslung in Epoche, Land und individuellem Ort, innen wie außen. Ob Prachtstraßen oder Nachtklubs, die Atmosphäre ist stimmig. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den historischen Rückblenden, die der Handlung und der Optik noch mehr Tiefe verleihen.
Ein packender Thriller, im Stile moderner Fernsehserien, mit einem im Hintergrund laufenden roten Faden, der die Figur des Larry B. Max beständig weiterentwickelt. Feine Unterhaltung. Jeder Zweiteiler der Reihe ist für einen Neueinstieg geeignet, so wie jetzt. 🙂
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Donnerstag, 03. April 2014
Wenn einem Gangster auf der Spur sind und nichts anderes als den Tod im Gepäck haben, ist man gut beraten, eine Weile unterzutauchen oder, wie im Falle Parkers, Nägel mit Köpfen zu machen und sich gleich ein neues Gesicht zu besorgen. So gerüstet wird das Syndikat für den Rest des Lebens abgehängt. Gibt es jedoch einen Verräter in der Nähe, kann dieser Rest sehr mager ausfallen. Parker hat sich zu früh gefreut. Wieder sind ihm die Gangster auf der Spur und wieder macht sich Parker zur Klärung der Angelegenheit auf den Weg. Das ist nicht persönlich, es ist nur geschäftlich. Aus diesem Grund greift Parker mit seinen Kumpanen das Syndikat zuerst dort an, wo es besonders weht tut: beim Geld.
Wie ist das Leben eines Gangsters? Dichter noch als im ersten Abenteuer um den toughen Einzelgänger Parker beschreibt Darwyn Cooke nach der Romanvorlage von Richard Stark einen Mann Mann, der zwar auf diesem Planeten, aber dennoch in einer ganz anderen Welt lebt. Parkers Leben findet hinter den Kulissen der gewöhnlichen Sterblichen statt. Mit Äußerlichkeiten hält er sich kaum auf. Seine Identität definiert sich nicht durch sein Gesicht. Er muss männlich aussehen. Das Gesicht (wie die ganze Statur) muss dazu taugen, Frauen für eine Macht klar zu machen. Das scheint zu gelingen. Seine Reflexe und seine kompromisslose Art sorgen zusammen mit seinem glasklar kalkulierenden Intellekt für sein Überleben.
Verbrechen ist Geschäft. Und Geschäft bedeutet Geld. Das Syndikat verdient sein Geld kaum auf herkömmliche Art und Weise. Schwerpunkte finden sich im Glücksspiel, einer Halbwelt, schwer zu kontrollieren und deshalb umso leichter anzugreifen. Wir schreiben das Jahr 1963. In dieser Dekade, in der nach den Sternen gegriffen wird und alles möglich scheint, klammern sich einige noch an hergebrachte Strukturen. Diese innerliche Zerfressenheit kann von ein paar Gangstern von außen geknackt werden. Der Autor der Vorlage, Richard Stark, beschreibt diese Zerrissenheit ohne Rücksicht auf Erzählstrukturen oder ähnliche Gesetzmäßigkeiten, schafft ein kleines Kaleidoskop, gibt sezierende Einblicke, faszinierend und spannend zugleich.
Mitten drin bewegt sich Parker als Chirurg, der den Körper des Feindes perfekt zu kennen scheint, als As in seinem Job weiß er, wo die Skalpelle für die richtigen Schnitte anzusetzen sind. Diese Schnitte sind nicht nur Überfälle, sie sind auch Morde. Der Leser wird nicht erfahren, was Parker dabei empfindet. Die Leichtigkeit, mit der er derlei Aktionen in die Tat umsetzt, spricht allerdings eine deutliche Sprache. Wo Geld der Spitzenwert ist, bedeutet ein Menschenleben nichts. Im Wechsel aus direkter Szene, nah dran am Geschehen, und erzählenden Passagen, die den Leser Abstand gewinnen (und zwischenzeitlich aufatmen) lassen, entsteht ein Gesamtpaket, dessen Geschichte am Ende umfangreicher erscheint, als sie eigentlich ist.
Schwarz, weiß, blaugrau sind die Farben dieser gezeigten Unterwelt, in der sich Parker bewegt. Die Akteure sind, gemäß der Zeichentrickgrafikwelt, in der Darwyn Cooke beruflich viel Zeit verbracht hat, abstrakt einfach, manchmal verspielt. Sie agieren realistischer als Schattenrisse, gegensätzlich zu den jeweils individuell angelegten Figuren. Oder sie sind wahre Karikaturen, wenn Darwyn Cooke und Richard Stark beschreiben, wie das organisierte Verbrechen mit seltsamen und zunächst undurchschaubar wirkenden Systemen Geld verdient.
PARKER: Ein geradliniger Thriller mit einem Gangster als Hauptfigur. Parker ist, wie er ist. Hart gegen sich und andere, egoistisch, brutal, zynisch, auf seine Art berechenbar. Wer Parker nicht bescheißt, wird nicht beschissen. Wer ihn aus dem Weg räumen will, wie eben das Syndikat, kann sein Testament machen. Darwyn Cooke adaptiert auch die Fortsetzung um den Ganoven und Killer von Richard Stark. Der Thriller verweigert sich jeglicher moderner Komik, die mittlerweile im Genre anzutreffen ist, noch gibt es comic-artige Überzeichnungen. Hier ist klassisch wieder erfrischend neu und spannend. Cookes Grafikstil mildert die Härte der Geschichte ab. Aber nicht sehr. 🙂
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Sonntag, 30. März 2014
Selten befahren Schiffe die Untiefen des Meeres. Gott Poseidon könnte seinen Zorn über die Seefahrer ergießen und den Wellen oder einem seiner Ungeheuer befehlen, sie mit Mann und Maus zu verschlingen. Jason hält Zwiesprache mit der Göttin Artemis, die ihm zugetan ist, und erhält die Botschaft, Poseidon erlaube das Wagnis und werde seine schützende Hand über sie halten. Das Geleit zu diesem Zweck, viele anmutige Delphine, führt sie zu einer seltsamen Insel, die außerdem von einem Wal bewacht zu werden scheint. Das Misstrauen weicht zunächst nach dem Anlanden, da die Insel nur von Frauen bewohnt wird. Diese haben ein ebenso verlockendes wie ungewöhnliches Ansinnen.
Atalante hat sich ihren Platz auf der Argo, dem Schiff von Jason und seinen Mannen, die auf der Suche nach dem goldenen Flies sind, verdient. Bei einigen Kameraden ist sie immer noch nur gelitten, obwohl sie ihre Nützlichkeit bewiesen hat. Auch ihr kleiner Begleiter, der sich an Bord geschlichen hat, der Satyr Pyros, muss sich vor den meisten Seefahrern verbergen, da sie nur ein überflüssiges Ärgernis in ihm sehen. Crisse, Autor und Zeichner der Serie, liebt starke Frauenfiguren, wie er bereits mit Serien wie Canari, Ishanti und Luuna bewiesen hat. Demzufolge lässt sich Atalante auch in der zweiten Folge von ihren männlichen Begleitern nicht ins Bockshorn jagen.
Crisse versteht es vortrefflich, seine Figuren in Szene zu setzen und beherrscht Haltungen und Perspektiven exzellent. Sein stetes Erproben von neuen Wesenheiten, auch das Erfinden von Sagengestalten oder das Interpretieren von klassischen Figuren ist ungeheuer verspielt und mit einer wahren Besessenheit für die beste Konstellation innerhalb einer Szene gestaltet. Crisse wandelt die Zeichentrickpfade entlang mit Pin-ups, drallen Frauenkörpern und niedlichen Tierchen, griechischen Sagengestalten und folgt frühen Disney-Konstellationen auch in der Form, dass hier Komisches mit Schrecklichem Seite an Seite auftritt, wie es der Leser auch aus Taran und der Zauberkessel oder Arielle die Meerjungfrau her kennen mag.
Gerade letzteres hält für Parallelen her, findet sich auch hier ein Krake, eine verzauberte Frauenfigur, verflucht trifft es besser und doch ist sie diejenige, die hier einen Ausweg zu bieten hat. Hier tritt auch wieder Atalante in Aktion, in einem Ausflug in die Tiefen des Meeres mit seinen ganz anderen Kreaturen, phantastisch und mit kindlicher Schönheit ausgestattet. Die farbenfrohe, bonbonbunte Ausgestaltung von Fred Besson sorgt für eine pralle Optik, die sich in erwähnte vergleichbare Produktionen einreiht. Da begegnet eine goldene Sonne der grünen See des Mittelmeeres, eine Kulisse, die ein gigantischer Wal für seinen Auftritt nutzt. Derlei Bilder bilden eine atmosphärische Grundlage, die den Leser, immer unter der Voraussetzung, er lässt sich darauf ein, von Seite zu Seite mitreißt.
Weitere Hintergrundinformationen erhellen die Herkunft einiger Charaktere, ein eher heiter komödiantisches Abenteuer mit ein paar Dramaspitzen setzt weitere Höhepunkte auf dem Weg Atalantes, sich für ein Leben bei den Amazonen zu bewähren. 🙂
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Donnerstag, 27. März 2014
Des Mordes verdächtigt und frisch verheiratet, befindet sich Lanfeust mit seinem FreundHebus, dem Troll, nebst Ehefrauen auf der Flucht. Obwohl mit allerlei Gefahren bekannt, ist diese Situation, in der ihm Kopfgeldjäger auf der Spur sind, etwas ungewohnt. Während Erfindungsgeist und Hartnäckigkeit die Flüchtigen antreibt, folgen die Jäger aus Geldgier wie auch aus einem magisch erzeugten Verlangen des blinden Hasses heraus. Beide Seiten agieren mit brutaler Konsequenz, gehören doch zu den Verfolgten ein Troll und zu den Verfolgern immerhin ein Halbtroll. Die vordergründige Jagd, das Bestreben, am Leben zu bleiben, lässt den Grund für die wilde Hatz quer durch das Land beinahe in Vergessenheit geraten, denn der Aufwand der Verfolgung wird von Tag zu Tag größer und all die Opfer seitlich des Weges, Unbeteiligte oft, werden immer mehr.
Da helfen auch eheliche Vergnügungen, derer sich Lanfeust weder erwehren kann noch will, kaum über die Anstrengungen und die Gefahren, denen sie häufig nur um Haaresbreite entgehen, hinweg. Ein unglaubliches Phänomen hält außerdem die Welt von Troy in Atem. In einer Welt, in der jeder über eine magische Fähigkeit verfügt, ist das Ausbleiben derselben ein Grund zur Panik. Nach so langer Zeit, in der die menschlichen Bewohner von Troy mit ihren Fähigkeiten umzugehen lernten, kommt der Verlust einer Amputation gleich und kann, wenn es von einer Sekunde auf die andere erfolgt, lebensgefährlich sein.
Ein Kopfgeldjäger hat es nicht leicht. Auch nicht, wenn er wie Lee Van Cleef aussieht. Vergewaltiger können ihr grausames Werk nicht einmal beginnen, wenn ein Ehemann wie Lanfeust in der Nähe ist. Fliehen können sie auch nicht, wenn ein hungriger Troll wie Hebus den Rückzug abschneidet. Und das sind nicht die einzigen Gefahren. Autor Christophe Arleston lässt den Auslöser für Lanfeusts Odyssee deutlich in den Hintergrund rücken und konzentriert sich auf die Beschreibung der Flucht und neue Abschnitte dieser riesigen Welt, in der immer neue Überraschungen auf den Leser warten. Dabei kann durchaus von einer Steigerung der Größe der Gefahren gesprochen werden. Für einen Helden, der bereits zu den Sternen reiste, ist dies keine leichte Aufgabe. Christophe Arleston wäre aber nicht der Erfolgsautor, der er nun einmal ist, hätte er sich nicht etwas besonderes dafür ausgedacht.
Doch vorher gilt es das neue Familienleben zu pflegen und auch zu nutzen. Wir erinnern uns. Eine Folge zuvor war Lanfeust noch nicht begeistert, in den Genuss gleich mehrerer Ehefrauen zu kommen. Nun kann er deutlich, in vielerlei Hinsicht, ihre Nützlichkeit erkennen. Natürlich verwenden Christophe Arleston und sein Kollege, der Zeichner Didier Tarquin, dieses Zusammenspiel für allerlei Situationskomik, über unter der Gürtellinie. Die Damen haben allerdings Fertigkeiten, die nicht nur einer Ehe zugute kommen, auch auf der Flucht sind sie im weitesten Sinne hilfreich. Kleine Tricks und gewaltige Ungeheuer sorgen für zwischenzeitliches Augenzwinkern. Die Art der Nachrichtenübermittlung weiß hier für ein Schmunzeln zu sorgen und steht gleichzeitig als gelungenes Beispiel für den tollen Einfallsreichtum, den Christophe Arleston hier pefekt auszudrücken weiß.
Sobald die recht besondere Stadt in dieser Ausgabe auf recht besondere Weise erreicht worden ist, warten eine irrwitzige Architektur und ebensolche Monster auf den Leser. Hier darf Didier Tarquin sich fulminant ausdrücken, gerät sein Talent häufig sehr stark zum Tragen, wenn die Szenerie beinahe aus den Bildern zu brechen droht und sich Abschnitte mit der Wucht eines Katastrophenfilms gerne auch seitenweise ausbreiten. Das ist Fantasy-Kintopp vom Feinsten und lässt meist auch den Humor von Arleston vermissen, der dann ganz auf seine Haudegenhelden zur Bereinigung der Situation setzt. Diese wird in einem langen Finale auf die Probe gestellt. Aus einer Maskerade im Stile einer französischen Komödie wird ein Hollywoodkracher, wie es auch ein Roland Emmerich nicht besser inszenieren könnte. Diese Abwechslung ist eine der Stärken von LANFEUST, auch im vierten Teil um seine ganz persönliche Odyssee.
Offene Fragen, eine neue Bedrohung, deren Klärung angesichts ihrer zur Schau gestellten Macht, keine leichte Aufgabe für die nächsten Abenteuer werden dürfte. Wenn Christophe Arleston einem seiner Helden extra viele Steine in den Weg legt, dann ist es LANFEUST. Eine zweite Serie mit dieser Figur, die inzwischen traditionell rockt! Sehr gut! 🙂
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Mittwoch, 26. März 2014
Ein Spigli von Bluxte könnte die Lösung aller Probleme sein. Das schwammige kleine Lebewesen hat ein so sonniges Gemüt, das es gerne mit jedem teilt, der es sich auf den Kopf setzt. Jeglicher Ärger verfliegt sofort und der Patient ist wie ausgewechselt. Doch ebenso schnell wie ein Spigli von Bluxte auf den Kopf gesetzt werden kann, ist er auch wieder abgesetzt und seine Wirkung verfliegt in gleichem Maße. Schade, denn Valerian hätte dank des Spigli schneller aus seiner misslichen Lage befreit werden können. So haben er und Veronique ein Ultimatum vor Augen, dem sie sich nicht so einfach entziehen können. Schlimmer noch. Kurz darauf findet sich Valerian in einer Gefängniszelle wieder, an der Seite seines Schnarfs, der, wenn er nicht gerade seine Natur ausleben darf, in Studien vertieft ist und den Intellektuellen herauskehrt. Und das ist auf Dauer schlimmer als Schnarfen.
Mit einer geheimnisvollen Macht und einer ganzen Reihe alter Bekannter endet eine großartige Saga um ein ewig junges Abenteuerpärchen. Drei Alben, hier im siebten Band der Gesamtausgabe zusammengefasst, schließen den langlebigen Zyklus um Valerian & Veronique, den beiden ehemaligen Ermittlern des Raum-Zeit-Services, ab. Was wurde aus der Erde? Diese Frage steht im Abschluss des Geschehens im Zentrum des Interesses der beiden. Die Bedrohung indes, der sich die beiden ausgesetzt sehen, eigentlich das gesamte Universum, ist so groß wie niemals zuvor. Am Rande des großen Nichts, Das Gesetz der Steine und Der Zeitöffner bilden die letzte Trilogie der Reihe. Besagte Steine, düster, riesig, emotionslos sind eine optische Verbeugung vor einem Meilenstein der Science Fiction (2001: Odyssee im Weltraum). Hier sind die Steine ein regelrechter Hagel, der die Individualität des Universums im Kleinen hinwegzufegen droht.
Dabei beginnt es mit einer Art Provokation. Eine Expedition soll ins große Nichts, jenem sternenlosen Raum entsendet werden, um Erkenntnisse und natürlich lohnende Reichtümer nach Hause zu bringen. Für Valerian & Veronique, die ihr Dasein Am Rande des großen Nichts als Händler für allerhand Ware der unterschiedlichsten Sorten fristen, ist eine derartige Expedition die Gelegenheit, um vielleicht endlich Antworten auf die Frage aller Fragen zu finden (jedenfalls für zwei Menschen, die in den Weiten des Alls einem ewigen Pfad ins Nirgendwo folgen, weil die Heimat für immer verloren scheint). Bevor die Expedition in Angriff genommen werden kann, gilt es zunächst, sich mit kleineren Problemen auseinanderzusetzen. Korrupte Gesetzeshüter und die Tücken einer erbarmungslosen Marktwirtschaft können neben der weitaus größeren Suche zu wahnwitzigen Hürden werden.
Aber da ist noch das Nichts. In eben jenem Nichts existieren die Wolochs, besagte Steine, die von einer Expedition in ihr Gebiet nicht begeistert sind. Wie so oft gibt es auch im Umfeld jener, die nicht im großen Nichts zuhause sind, Kollaborateure, die nur an der Mehrung ihres Reichums interessiert sind und dafür über die Leiche ihrer eigenen Zivilisation gehen. Pierre Christin und Jean-Claude Mezieres zelebrierten vor dem Ende der Reihe einen enormen Weltuntergang, nicht groß, dafür umso größer. Alles rennet, rettet und flüchtet sich vor dem gigantischen Desaster, in dessen Fußstapfen viele kleinere Übel folgen und die schwächeren Lebewesen quälen. Alte Feinde haben ihren letzten Auftritt, alte Freunde helfen ein letztes Mal. Aus dem Ende der Serie haben Christin und Mezieres eine wahre Wiedersehensfeier gemacht.
Dabei beginnt alles noch relativ harmlos. Der Auftakt der Schlusstrilogie gibt noch keinen Fingerzeig auf die Ausmaße, die sich in der Folge finden werden. Denn den beiden Comic-Erzählern gelingt das Kunststück, Knoten zu entbündeln und lose Enden zu verknüpfen, die selbst den Stammlesern nach derart langer Zeit nicht aufgefallen sind. In einer solch intuitiv gestalteten Comic-SciFi-Saga ist das möglich. Über die Jahre hinweg wurden nicht nur irrsinnig viele Fährten ausgelegt, Christin und Mezieres haben auch bewiesen, dass alles machbar, möglich ist und noch noch mehr so hingebogen werden kann, wie es die eigenen Ideen ihnen eingeben. Entsprechend wird der Schluss eine Achterbahnfahrt an der Seite alter Bekannter, in hoher Geschwindigkeit, manchmal nur wenigen Bildern. Hier wird nicht nur zum Schluss abgerechnet, sondern auch versöhnt.
So hat die letzte Geschichte, oder auch der letzte Akt, ganz wie man will, eine hohe Dichte, aber auch jenen Erzählgrad, den nur jene Leser zu würdigen wissen, die sich über die Folgen in die Serie hineingelesen haben. Es ist ein spannender wie auch humorvoller Abschied. Und Christin und Mezieres wären nicht jene mit einer überbordenden Fantasie ausgestatteten Comic-Macher, würden sie sich nicht ein Hintertürchen für einen Neuanfang, einen Ableger oder ähnliches offen halten.
Grafisch ist sich Jean-Claude Mezieres über die Jahre treu geblieben. Keine stilistischen Experimente wurden gestartet. Der Stil der Serie wurde von Beginn an gefunden, die Charaktere haben nicht ihre eigene Evolution beobachten können, wie es durchaus bei anderen Comic-Helden der Fall gewesen ist, die eine vergleichbar lange Lebensdauer erfahren haben. Einzig in der Zeichentrickserie mit Valerian & Veronique hat eine asiatisierte Veränderung im äußeren der Helden stattgefunden. Das Hintertürchen ist offen. Eine aussagekräftige Illustration im redaktionellen Teil des Sammelbandes gibt einen Hinweis, wohin die nächste Reise gehen könnte. Vorher konnten sich in Lille, der Kulturhauptstadt Europas 2004, Besucher auf dem Weg der Sterne an einer Installation von Mezieres erfreuen, die optisch ohne jeglichen Zweifel von Valerian & Veronique beeinflusst worden ist.
Diese Trilogie ist eine Rutschpartie, die bis zu einem befriedigendem Schluss kontinuierlich Fahrt aufnimmt. Die beiden Comic-Macher Christin und Mezieres haben sich ihr eigenes schafferisches Denkmal inszeniert, künstlerisch wertvoll auf jeder einzelnen Seite. 🙂
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Samstag, 22. März 2014
Lebensmüde? Aber dann bitte nicht in diesem Vergnügungspark! Hier soll der Schrecken Spaß machen, aber doch nicht echt sein! Also, wer sich das Leben nehmen will, sollte draußen bleiben. Das Mädchen auf dem Riesenrad, mutterseelenallein in der Gondel an ihrem höchsten Punkt, ist lebensmüde genug, um diese insgeheimen Vorschriften nicht zu beachten. Wie gut, dass Gretchen ein Auge auf sie hat und so wird der Lebensmüden in der letzten Sekunde geholfen, damit sie, so wenig ihr das auch gefällt, am Leben bleibt. Vorläufig. Denn auch Regeln können sich ändern und eine neue Geschäftsleitung hat andere Ansichten über die Bedeutung von Schrecken im Zusammenhang mit Spaß.
Neue Besen kehren gut? Bohemond Jaggar De Rochambeau, der Vampir, der dem bisherigen Geschäftsführer Francis van Bloodt vor die nase gesetzt wird, hat seine ganz eigenen Auffassungen von der Führung eines Vergnügungsparks, der sich die Themen Horror und Grusel auf die Fahne geschrieben hat. Ein solcher Park könnte (und als Leser wunderte man sich fast, warum das bisher noch nicht so gewesen ist) auch eine ideale Futterquelle sein. Vorsichtig angezapft hält sie nicht unbedingt ewig, also eine Lebensdauer, die jeder Mitarbeiter von Zombillennium besitzt, aber mindestens so lange, wie die modische Strömung und die Gier nach Horrorunterhaltung es erlaubt.
Im dritten Band von Zombillennium verlässt Arthur De Pins die vergleichsweise harmlosen Parkregeln. Menschen sollten Spaß am Besuch haben, soll heißen, nach dem Gruseln sollen sie lebendig (und mit heiler Haut) wieder nach Hause fahren können. Der Wechsel in der Geschäftspolitik führt zu größerem Nervenkitzel beim Leser und einer keimenden Revolte innerhalb der Mitarbeiterriege, die sich gewaschen hat. Die neue Figur (siehe Titelbild) ist in vielerlei Hinsicht ein Blutsauger. Einerseits ist sie ein klassischer Vampir, andererseits erfüllt sie die Klischees eines ebenso klassischen und durchtriebenen Geschäftsmanns, der für das Erreichen seiner Ziele über Leichen geht.
Arthur De Pins vermischt Komödie und Satire miteinander und schafft über eine Optik, die ein deutliches Erkennungszeichen geworden ist, ein kunterbuntes Kaleidoskop an Horrorfiguren von klassisch bis modern. Inmitten des Humors, der seine Figuren, wie es sich auch in der Komödie gehört, ernst nimmt, wirkt ein Spaß, den zum Beispiel ein Mel Brooks aus dem FF beherrscht. Häufig etwas aufgeregt, am Rande der Hysterie, kurz vor dem Nervenzusammenbruch, dann wieder auf der Pirsch zu nächsten, richtig krachenden Höhepunkt.
Die randlosen Figuren und Hintergrundkulissen imitieren einen dreidimensionalen Effekt, der umso stärker ins Auge fällt, da die Farben vielfältig, aber auch abgesoftet eingesetzt werden. Die Verschleierung und Unschärfe fernster Hintergründe, in der dritten Ebene sozusagen, sorgen für die Tiefe der Bilder. Die Zeichentrickoptik, wie sie der Leser von modernen Filmen her kennen mag, unterstreicht die Mixtur der Charaktere, angesiedelt zwischen Karikatur und Knuffigkeit. Gebündelt finden sich diese Ansichten in der Figur eines jungen Mannes, der sich (zu recht) um seine Freundin große Sorgen macht. Wer genau hinschaut, wird hier Sylvester Stallone entdecken, wie er bärtig in Nachtfalken aussah. Arthur De Pins geht nicht gerade sanft mit Stallone um.
Liebe in Zeiten der Gefahr. Wenn um Liebende herum alles zusammenbricht, der Leser sehen darf, wie es in einer Monsterkantine zu sich geht, eine Mumie auf Travolta macht und aus gefährlichen Vampiren putzige Fledermäuse werden, dann kann es sein, dass, im ersten Fall, die Liebenden noch enger zusammenhalten als zuvor. Für das äußerlich sehr gegensätzliche Pärchen aus Hexe und rotem geflügeltem Dämon brechen kuriose Zeiten an, in denen sie die Machenschaften ihres neuen Chefs zu unterwandern suchen. Es sind solche Ideen und zig andere, die Arthur De Pins zur fortlaufenden Belustigung aus dem Ärmel zaubert. Gleichzeitig werden die Charaktere vielseitiger und emotional tiefer beschrieben. Einige können einem echt ans Herz wachsen, weshalb ein paar Verluste für den Leser sehr bedauerlich, aber dramaturgisch äußerst geschickt sind und an die Dramaschraube bis zum Anschlag drehen.
Weiterhin innovativ erzählt, wunderbar illustriert, humorvoll in Konzept, Text und Bild: Zombillennium hat Vorbildfunktion in jeder Hinsicht. Erste Klasse! 🙂
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