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Comic Blog


Mittwoch, 14. Mai 2014

RACHEL RISING 1 – Tochter des Todes

Filed under: Mystery — Michael um 15:54

RACHEL RISING 1 - Tochter des TodesRachel ist tot. Es ist für Rachel sehr schwer diesen Zustand zu akzeptieren, immerhin läuft sie herum, ist sich all ihrer Sinne bewusst, fühlt sich nur so kurz nach dem Aufwachen nicht allzu gut. Ihre Augen blicken seltsam, das fällt hier und da jemandem auf, aber ansonsten verbessert sich ihre allgemeine Verfassung zusehends. Dennoch benötigt sie Hilfe. Ihre Tante Johnny, die mit Leichen arbeitet, ihre Zeit während des Jobs vornehmlich allein verbringt, ist ihre erste Ansprechpartnerin, der sie sich anvertraut. Allerdings ist Tante Johnny über ihre Arbeit ein wenig wunderlich geworden. Ein kleiner Selbstgesprächplausch mit Toten ist für sie eine ganz normale Angelegenheit geworden. So muss Rachel erst einmal Überzeugungsarbeit leisten und beweisen, dass es sich bei ihr um keine Halluzination handelt.

Terry Moore, jahrzehntelang im Comic-Geschäft als Zeichner und Autor tätig, bekannt durch seine Serien STRANGERS IN PARADISE und ECHO, nimmt sich nun der Untoten von einer ungewöhnlichen Seite her an. Denn Rachel, die seiner neuen Serie auch den Titel gibt, bleibt nicht allein auf seltsamen Pfaden in der amerikanischen Kleinstadt mit dem bezeichnenden Namen Manson. Etwas geht um in dieser Gegend und sein mysteriöses Zentrum liegt in einer Gegend namens Firehill, einer Landschaft, der nachgesagt wird, dass es dort spukt. Das Böse (wenn es das Böse ist) hat ein Dutzendgesicht und seine Motivation bleibt nach dem ersten Band noch undurchschaubar. Aber welchen Antrieb braucht das Böse schon, bloß um böse zu sein?

Schwarzweiße Zeichnungen vergeben in der Comic-Kunst keinen Fehler. Hier kann nichts durch Überbleibsel einer Vorskizze oder eine sehr kunstvollen Kolorierung korrigiert werden. Terry Moore macht keine Fehler. Er besitzt einen Comic-Strich, der einerseits mit der künstlerischen Geschicklichkeit eines längst vergangenen Jugendstils daherkommt, außerdem besticht er durch feine Charaktererfindungen und ebensolche Zeichnungen. Moore, der durchaus Superheldenerfahrung besitzt, hat sich hier der normalen Menschen angenommen, in eine merkwürdige Situation kommen.

Terry Moores Erfolg dürfte auch darin begründet liegen, dass sich seine Menschen nicht nur normal verhalten, sondern auch normal aussehen. Außerdem weichen sie äußerlich gut voneinander ab, so sind die Charaktere sehr unterscheidbar, ihre Mimiken hervorragend lesbar. Comic-Fans können feststellen, dass Terry Moore auf Augenhöhe mit Künstlern wie Tony Moore steht, um im Genre zu bleiben. (Die Namensgleichheit ist Zufall.) Die schwarzweißen Grafiken stellen das unbunte Comic-Erlebnis auf eine neue, höhere Stufe, in der das mysteriöse Geschehen langsam die Handlung erobert. Herausragend ist der Auftritt der kleinen Zoe, von Terry Moore auch schön zu Werbezwecken des Comics eingesetzt. Wenn Kinder schaurig schön töten, nur in Thrillern, das versteht sich, bleibt ein Schauer auf dem Rücken nicht aus.

Manchmal kommen sie wieder. Ob sie Geister sind, Untote jedweder Art, der Faszination dieses Themas konnten sich horrorbegeisterte Leser noch nie entziehen. In RACHEL RISING ist besagte Rachel nur der Anfang. Das unbekannte Böse, so scheint es, hat einen Dominostein umgeworfen, der eine Kette von Ereignissen in Gang setzt. Und diese Ereignisse fallen stets anders aus. Rachel, die langsam erkennt, wie sie zu Tode kam, trifft auf Individuen, deren Funktion in dieser Inszenierung vorerst undurchsichtig bleibt. Genau gesetzt sind die Sequenzen, die Moore einander gegenüber stellt.

Manches könnte einer amerikanischen Soap entsprungen sein. Ganz normale Probleme wie jene der kleinen Zoe, die weiß, dass sie unter den Fittichen einer für andere unsichtbaren Beschützerin steht. Die optischen Folgen, der schnelle Wechsel von Alltagssituation in Mord und Totschlag, auch blanken Horror, spannen die Nerven bei der Lektüre von Kapitel zu Kapitel mehr und mehr wie Drahtseile.

Terry Moore dürfte selbst in der großen Comic-Landschaft Amerikas zu den Ausnahmezeichnern gehören. Rein schwarzweiß gehalten, entfalten die Seiten eine starke Anziehungskraft ins Geschehen, auch durch ihre technische Perfektion. Gruselig, nervenaufreibend, in jedem Fall wird der Leser künftig Pantoffeln mit Häschengesicht mit anderen Augen sehen. 🙂

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Oder bei Schreiber und Leser.

Links:
www.terrymooreart.com
www.strangersinparadise.com

Montag, 12. Mai 2014

Star Wars Sonderband 79 – Doppeltes Spiel

Filed under: SciFi — Michael um 16:30

Star Wars Sonderband 79 - Agent des Imperiums: Doppeltes SpielDarth Vader hat seine ganz eigenen Vorstellungen wie die hohen Häuser von Alderaan zur Kooperation zu bewegen waren. Seiner Argumentation wurde nichts entgegengesetzt. Angst beherrschte die Nachfolger. Blut sollte einen vorgetäuschten Verrat rächen. Die Auswirkungen der Klonkriege waren noch lange spürbar, ehe sich das Imperium restlos etabliert hatte und die Rebellion noch nicht ausgebrochen war. Die Grundlage, auf der die hohen Häuser agierten, schützte allerdings nicht vor neuen Intrigen, sogar aus dem inneren Kreis ihrer selbst. Für Mord und Totschlag auf Alderaan brauchte es keinen Darth Vader.

Alderan ist friedlich! Wir haben keine Waffen! Hätte man Prinzessin Leia geglaubt, wäre man dem Bild eines tatsächlich rein pazifistischen Planeten aufgesessen. Der 79. Sonderband der Star Wars Reihe räumt gründlich mit diesem friedlichen Bild auf. Alderaan sucht einen neuen Regenten, doch der Rat, der sich zur Findung desselben zusammensetzt, ist sich uneins. Derjenige, der diese Position anstrebt, ist arrogant, brutal und egoistisch. Ein solcher Mann verspricht eine dunkle Zukunft für Alderaan. So kurz sie auch aus der Sicht der Leser, nach Kenntnis von Episode IV, auch sein mag.

Die dunkle Seite, die kriminelle Seite, aber auch die geheime Seite des Kriegs der Sterne übt keine geringe Faszination aus. Und so darf der Leser einmal mehr an der Seite des imperialen Agenten Cross in die Intrigen eintauchen, die auch bei einem hartgesottenen Agenten Zweifel aufkommen lassen können. Allerdings ist Agent Cross kein, ein Vergleich darf angenommen werden, trotz des Genreunterschieds, James Bond. Die Loyalität zum Imperium ist hoch, der Umgang mit dem Beruf aber überaus spielerisch und auch mit Spaß ausgeführt. Agent Cross ist, kurz gesagt, ein richtig gemeiner Hund.

Davide Fabbri und Christian Dalla Vecchia führen als Zeichner dieses Abenteuers einen höchst sauberen und konzentrierten Strich, der diesen Ausschnitt des Star Wars Universums wie eine Dokumentation abbildet. Die beiden Comic-Künstler arbeiten mit feiner Präzision, die natürlich durch die Darstellung von Gaststars wie Boba Fett (schon auf dem Titelbild ersichtlich) und Darth Vader oder Ysanne Ysard auf die Probe gestellt wird. Auch eine fast klassisch zu nennende Schiffsschlacht und eine importierte Unterwasserstadt der Gungans darf bestaunt und begutachtet werden. Neben den hervorragenden Intrigen mit netten Akteuren steht die Action dieses Bandes weder den Kinofilmen noch den Trickserien in Nichts nach.

Die erwähnte Schlacht stellt sogar die kleine Auseinandersetzung auf den Sandbarken in Episode VI in den Schatten. Mehr Söldner, größere Schiffe, mehr Gewimmel und ein Agent Cross, der noch etwas kühler agiert als ein Han Solo. Gleichzeitig geht es zu (sieht man von den Laserkanonen ab) wie in guten alten Piratenfilmen, die hier zweifelsohne Pate gestanden haben. Selbstverständlich wurde auch nicht auf die Ganoven verzichtet, die sich an Enterseilen von Bord zu Bord schwingen. Ein anderer optischer Schwerpunkt, sehr gegensätzlich zur Luftschlacht, ist der Ausflug in die Unterwasserwelt.

Wenn irdische Schlösser den Kontinent wechseln, können in der Science Fiction auch kleine Städte auf einen anderen Planeten verfrachtet werden. So ergibt sich eine optische Mixtur aus Abyss und Episode IV. Gungan-Technologie, das zeigt sich hier, hat es auch in den Untiefen der Meere in sich. Angesicht der Szenen werden Erinnerungen an Szenarien wach, wie sie auch vor Jahren im Gefolge von Serien wie Seaquest gerade im Computerspielebereich kursierten. Es erinnert an Luftkämpfe, bietet aber dank der Wassereigenschaften einige ganz besondere Tricks zur Dramatisierung.

Agent Cross besitzt die Lizenz zum Töten. Die Figur fesselt mit ihren Geschichten von der dunklen Seite, gerade weil es die falsche ist. Ein perfekt illustrierter Sternenkrieg außerdem. 🙂

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Donnerstag, 08. Mai 2014

ATALANTE 5 – Kalais und Zetes

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:51

ATALANTE 5 - Die Legende - Kalais und ZetesAtalante ist beliebt bei den Freunden, die den Tag mit ihr verbringen und sie umsorgen. Das kleine Mädchen versucht sich an einer neuen Sprache, aber die Laute derer, die mit Schuppen bedeckt sind, wollen ihr einfach nicht ins Ohr. Da steht es mit den Worten jener, die mit Fell und Federn bedeckt sind, schon bedeutend leichter. Doch immer nur lernen ist auf die Dauer nichts für ein Kind. Atalante weist nämlich noch eine andere Begabung auf, die ihr im Verlaufe ihres Lebens noch mehrfach von Nutzen sein wird. Sie läuft unglaublich schnell und hängt die Faune der Reihe nach ab. Wie gut, dass ihre göttlichen Patinnen ein Auge auf Atalante haben, damit diese nicht über ihre Fähigkeiten in Arroganz verfällt.

Einmal Himmel und zurück. Für ihre Rettungsaktion bleibt den vielgestaltigen Mannen um Jason keine andere Wahl als sich auf geflügelten Pferden in die Lüfte zu erheben und eine völlig andere Schlacht als gewöhnlich zu schlagen. Für den Leser halten Crisse, Autor und Zeichner, und Fred Besson, Farben, nicht nur eine auf diese Art selten erzählte Rettung bereit, sie offenbaren auch weitere Erlebnisse aus Atalantes Jugend und ihrem Aufwachsen zwischen allerlei mythologischem Getier. Kalais und Zetes, die beiden Boreaden, um die es sich in dieser Handlung dreht, stehen in Gefangenschaft gegen aberhunderte von Harpyien, die sich einen Spaß daraus machen, sie der Folter und Kampfspielen auszusetzen.

Die in einem Disney-Stil angelegten Grafiken täuschen über das anstehende Drama hinweg, obwohl die griechische Legendensammlung reichlich Figuren zu bieten hat, die auf die eine oder andere Weise in Schwierigkeiten sind. ATALANTE wird in der Himmelsstadt mit einer weiteren derartigen Geschichte konfrontiert, vorgebracht als eine Entschuldigung für das Verhalten eines Wesens, das Menschen zum Fressen gern hat. Der Mensch hat es in dieser Comic-Reihe nicht leicht. Götter lassen sich zwar anbeten, aber so richtig wohl gesonnen, sind sie den Menschen in letzter Konsequenz nicht grundsätzlich. Durch die göttliche Willkür mag kaum Mitleid für die Kreatur aufkommen, dafür umso mehr Begeisterung.

Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich sein, ist es aber bei genauer Betrachtung nicht. Für den Leser liegt in der Bilderpracht der Schlüssel zur Geschichte. Es sind die Feinheiten der gezeichneten Figuren, ein verschmitztes Lächeln vielleicht, grimmige Blicke, eine stolze Haltung, ein Tanz in den Wolken, eine hitzig geführte Diskussion oder ein erbittert geführter Kampf, die hier noch ein wenig mehr als die eigentliche Handlung erzählen und so das Kernelement des Comics auf ganzer Breite ausnutzen. Das ist, auch wenn es viel zitiert ist, Kino für das Auge auf Papier.

Die geflügelten Wesen sind in ihrer Eleganz ein Fest, doch bleiben sie, nachdem sie zuvor bereits ausführlich gewürdigt wurden, in der zweiten Reihe. Wichtiger sind die Geschehnisse innerhalb der Mauern der Himmelsstadt und die Rückblicke in Atalantes Leben sowie die Entstehung der bedauernswerten Amphiristia. Crisse baut seine Figuren regelrecht, zeichnet sehr zartgliedrige Gestalten und sucht das Ungleichgewicht innerhalb der Körper. Riesige Füße stehen schmalen Beinen und kleinen Händen gegenüber. Stupsnasen werden von großen Augen dominiert. Crisse kann mit menschlichen, am besten wahrscheinlich mit weiblichen Körpern umgehen, seine Stärken liegen aber zweifelsohne im Getier.

Hier lohnen sich auch Blicke in die Hintergründe, etwas abseits der Hauptfiguren, wo es sich zeigt, dass selbst die kleinste Figur noch mit Liebe und Sorgfalt bedacht worden ist, obwohl sie auf der eigentlichen Seite kaum größer als ein Fingernagel erscheint.

Ein weiterhin heroisch erzähltes Abenteuer, mit feinen Rückblicken garniert, einer ungewohnt dramatischen Wendung. Grafisch wird die schöne Bebilderung routiniert beibehalten. Wenigstens Band 4 der Reihe sollte bekannt sein, um der Handlung des Mittelteils der zweiten Trilogie der Serie gut zu folgen. 🙂

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Montag, 05. Mai 2014

DAN COOPER Gesamtausgabe 3

Filed under: Abenteuer — Michael um 11:50

DAN COOPER Gesamtausgabe 3 - Gewagte GeheimnisseFerienzeit in der freien Natur. Während Freunde Dan Coopers ihre Freizeit bereits auf dem See genießen, machen sich die anderen in den Lüften zum Sprung bereit, samt des Angelgepäcks, das in Kürze für einigen Missmut sorgen wird. Lafleur, dem die Sachen gehören, kommt mit einem blauen Auge davon. Zielstrebig stürzt er sich in die Wissenschaft des Angelns, die ihm zwar den einen oder anderen Fang beschert, die Bewunderung seiner Teamkameraden kann er damit aber nicht erlangen. Während er sich darüber den Kopf zerbricht, wie er am besten mit seinen Fischen angeben kann, braut sich eine nationale Affäre zusammen, in deren Mittelpunkt Dan Coopers Leben selbst bald auf des Messers Schneide steht.

DAN COOPER gehört als Serie zu einer großen Zeit der Comics. In grundsoliden Abenteuern wurden den Kindern all jene Berufe nahe gebracht, bei denen sie große Augen bekamen. DAN COOPER war Jet-Pilot. Sein Einsatzgebiet erfolgte weltweit. Sein Vater, Comic-Künstler Albert Weinberg, nutzte den Globus als Spielplatz seines Helden. Entsteht die erste Geschichte des vorliegenden dritten Sammelbandes der Gesamtausgabe noch aus einer relativ harmlosen Situation heraus, Ein Handstreich, ist die zweite Geschichte direkt auf Konflikt und internationalen Einsatz ausgerichtet. Die Jaguarstaffel beschreibt den Zusammenschluss von Piloten aus verschiedenen Nationen, Einsatzort: Grenzgebiet Honduras.

Wie sein Autorenkollege Jean-Michel Charlier würzt auch Albert Weinberg seine Geschichten mit Humor, der durch die Konstellationen der Fliegerfreunde untereinander entsteht. Ein freundlicher Chaot sorgt für das Chaos. Seine Freunde leiden zuerst, dann zahlen sie es ihm auf ihre Art heim, nicht immer ganz so freundlich, aber stets mit Spott und nicht wenig Schadenfreude. Der internationale Konflikt, der eine internationale Flugstaffel auf Wunsch von Honduras zum Einsatz bringt, birgt auch einen inneren Konflikt. Ausgerechnet ein Amerikaner will sich mit dem Kanadier Dan Cooper anlegen. Grundverschiedene Dienstauffassungen prallen aufeinander. Dan Cooper, als Held und Vorbild der Ernsthaftigkeit verpflichtet, übernimmt die Führung und handelt sich mit seinem Konkurrenten richtigen Ärger ein.

Allen drei Abenteuern, auch dem dritten Album Dan Coopers Geheimnis, ist der klare, klassische Zeichenstil Albert Weinbergs gemein. Hier findet sich die alte Schule, zu denen Künstler wie Hal Foster oder, um im Flieger-Genre zu bleiben, Victor Hubinon und Albert Uderzo gehören. Die drei Abenteuer sind ebenfalls frei von fantastischen Einflüssen, so dass sich Albert Weinberg ganz irdisch überwiegend mit Thrillerthemen befasst, lässt man die humorigen Anteile außer Acht. Für die Charakterbeschreibungen und entsprechend fein gezeichnete Szenen lässt sich Weinberg viel Zeit. Auch die Ängste der Fliegerehefrauen werden angesprochen, denn jeder Einsatz kann immer der letzte sein. So stehen derlei Szenen und Sequenzen optisch wie auch emotional gleich auf mit den Action-Szenen in der Luft und werten diese durch dicht gewebte Charaktere, mit denen sich gerne mitfiebern lässt, sogar auf.

Sind der erste und der dritte abgedruckte Band in dieser Gesamtausgabe als spannende Agententhriller zu bezeichnen, kann Die Jaguarstaffel als packendes Fliegerabenteuer mit Top-Gun-Qualitäten betrachtet werden. Die unterschiedlichen Flugzeugtypen, die zum Einsatz kommen, da jede Nation nicht nur einen eigenen Piloten, sondern auch einen eigenen Jagdflieger stellt, bietet reizvolle Gegensätze, die Albert Weinberg noch übertrumpft, indem er in einer besonders nervenaufreibenden Sequenz einen aktiven Vulkan als Kulisse wählt.

Klassische internationale Fliegerunterhaltung, mit starken Thrillerelementen und sehr gut herausgearbeiteten Charakteren. Albert Weinberg schreibt und zeichnet abwechslungsreich, webt die genau passende Mischung Humor mit ein. Höhepunkt der 3. Gesamtausgabe ist das 2. Abenteuer. 🙂

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Sonntag, 27. April 2014

FANTASTIC FOUR 2 – Am Ende der Zeit

Filed under: Superhelden — Michael um 17:57

FANTASTIC FOUR 2 - Am Ende der ZeitDie Fantastic Four nehmen sich, als Familie, weiterhin eine Auszeit in den Tiefen von Raum und Zeit. Weit von der Erde entfernt dringen sie in Sphären vor, die sie lange nicht mehr besuchten und begegnen Kreaturen, die ihnen schon lange keinen Ärger mehr gemacht haben. Dabei lässt es sich zunächst gut an. Die fantastische Familie will nur einen Ausflug zum Anbeginn der Zeit machen und sieht sich gleich nach ihrer Ankunft einer Rettungsmission gegenüber. Sie sind nicht die einzigen, die diesen Zeitsprung riskiert haben. Jemand anderes machte sich die Mühe, an einen Asteroiden gekettet, den Urknall zu erwarten … Gekettet? Es hätte auffallen sollen, dennoch kann ein Ben Grimm nicht aus seiner steinernen Haut und holt den Unbekannten an Bord. Alle gemeinsam erwartet sie eine böse Überraschung.

Matt Fraction balanciert eine Geschichte aus, die abseits der üblichen Handlungsstränge ihren ganz eigenen Weg sucht. Dank des Flugs durch den Zeitstrom, der auch das Ansteuern jedweden Punktes im Universum möglich zu machen scheint, steht Matt Fraction eine sprichwörtlich endlose Bandbreite von Handlungssträngen zur Verfügung. Für Marvel’s First Family ist das Unmögliche gerade gut genug. Und so verrät das Titelbild bereits, was noch auf die Fantastischen Vier (nebst Anhang) wartet. Eine Versammlung aus diversen Realitäten, allesamt Variationen von Dr. Doom, hat sich eingefunden, um einen Wendepunkt im Leben von Victor von Doom zu beobachten. Matt Fraction spielt sehr stark mit bekannten Bestandteilen der Fantastic Four, die ein wenig Vorwissen erfordern, denn ansonsten machen sie nur halb so viel Spaß.

Dr. Doom, der Erzfeind der Fantastischen Vier der frühesten Stunde, ist ein solcher Bestandteil. Ben Grimm und sein ganz besonderes Verhältnis zur Yancy Street wurde sehr oft thematisiert und findet sich auch hier, in einer neuen, zum Teil anrührenden Variante. Matt Fraction stellt einer ordentlichen Portion Aktion die Menschlichkeit der First Family eindeutig in den Vordergrund. Und Menschen machen nun einmal Fehler. Und nicht nur einen. Aus den Beobachtern im Zeitstrom werden Auslöser. Was verbockt wird, muss auch wieder ausgebügelt werden. Im Umfeld längst legendärer Ereignisse entstehen so enorme Herausforderungen, sind doch gerade die Doom-Varianten daran interessiert, dass sich ihr persönlicher Wendepunkt nicht verändert.

Mark Bagley, der sich durch seine Arbeit am ultimativen Spider-Man und die Miteinführung des ultimativen Universums einen Namen als Comic-Zeichner machte, führt die Arbeit aus Band 1 der neuen Reihe um die Fantastic Four fort. Stilistisch eher klassisch angesiedelt, ergibt sich ein Anblick, der die gute alte Zeit, die große Zeit der Comic-Tage beschwört. Gerade die Ausflüge in die Historie der Fantastic Four untermauern diesen Eindruck. Durch die Anwesenheit der Kinder von Reed Richards und Susan Storm wird eine Brücke in die Gegenwart des Marvel-Universums geschlagen.

Eine Vergangenheit Grimms in den 20er, 30er Jahren des letzten Jahrhunderts steht einem Kampf in klassischem Ambiente der FF gegenüber und wird durch die Zusammenkunft der Dooms hervorragend ergänzt. Matt Fraction schuf mit seiner Erzählung für Zeichner Mark Bagley sich einander fein abwechselnde Szenarien, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Das Schöne am Strich von Mark Bagley ist die Mischung aus Realismus und Comic, wie ihn auch ein Mike Wieringo gepflegt hat. Ein Hingucker sind die Dooms, die zahlreichen Charakteristiken aufweisen, die auf unterschiedliche Werdegänge hindeuten. Doom im Loki-Look oder als Variante eines Dr. Strange fallen schnell auf. Der Doom des Ultimativen Universums will schon aufgepürt werden. Die Geschichte eines Dooms, der 1001 Nacht entsprungen scheint, wird vielleicht eines Tages an anderer Stelle erzählt.

Ein jahrzehnte altes Konzept greift auch heute noch. Obwohl die Fantastic Four auch anderswo mitmischen (wie z. B. Illuminati), sind sie doch allein immer noch eine der besten Comic-Reihen. Eine der Serien, in der das Familienleben von Superwesen toll geschildert und auch von Nachahmern nicht verbessert werden konnte. Top! 🙂

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Samstag, 26. April 2014

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 3

Filed under: Thriller — Michael um 15:50

BRUNO BRAZIL Gesamtausgabe 3Der Abschlag auf dem Golfplatz endet mit einem Knall und mit einem Toten. Jemand hat es auf einflussreiche Geheimnisträger abgesehen. Drei an der Zahl verfügen über wichtiges Wissen. Obwohl die Behörden sofort Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, erfolgt bald schon der nächste Anschlag. Hier kommen Bruno Brazil und sein Team, das Kommando Kaiman, wieder ins Spiel. Eine Möglichkeit haben die Verantwortlichen noch, an das benötigte Wissen zu gelangen, bevor der Feind Wind von der Sache bekommt. In außergewöhnlicher Tarnung macht sich das Kommando Kaiman auf den Weg, mit einem schwitzenden Gaucho Morales, der sich fragt, ob er nach allem, was man gemeinsam durchgemacht hat, tatsächlich Schlagzeug spielen soll. Seine Freunde lassen ihn grinsend in diesem Glauben.

Die Entrüstung der Comic-Fans zum damaligen Zeitpunkt war nachvollziehbar. Greg, einer der Comic-Autoren schlechthin, dünnte das Kommando Kaiman auf einen Schlag aus. Bruno Brazil büßte einen großen Teil seines Teams ein. In Comics stirbt man nicht. Und falls doch, dann kehren sie irgendwann eben zurück. Das ist Comic. Das mag bei den Superhelden funktionieren oder bei James Bond, der mitunter zweimal lebt. Bei Bruno Brazil gibt es das nicht. Der Auftrag, Die Myxin-Formel, den Greg zur Vernichtung eines erfolgreichen Teams nutzte, ließ sich eigentlich wie jeder andere schwierige Auftrag an, den das Kommando Kaiman rund um Bruno Brazil bisher angenommen hatte. Auch die Planung wies eine neue Finesse auf und nichts deutet auf diese enorme Wendung in der Serie im zweiten Teil der Handlung hin.

Im redaktionellen Teil, schön gestaltet und inhaltlich interessant, erwarten den Leser neben einer comicalen Zeitreise noch weitere Informationen über den Werdegang von Bruno Brazil, Pläne, die Figur auch in ein anderes Medium zu transportieren. Mit Dossier Bruno Brazil kam es zu einem neuerlichen Aufflackern der Serie, einer Sammlung von Kurzgeschichten, mit dem richtigen Agentenflair, wie es auch ein Ian Fleming in seinen kürzeren Abenteuern um den berühmten englischen Geheimagenten beschwor. In teils sehr klaren Bildern von William Vance geht ein enorm gereifter Bruno Brazil zu Werke. Der Agent ist zu einer Figur geworden, die weitaus mehr wie ein Gentleman wirkt als zuvor.

Das Ende …!?? bezeichnet den Abschlussband der Serie in diesem dritten Sammelband der Gesamtausgabe und bietet einen noch einmal deutlich gereifteren Zeichenstil von William Vance, liegen doch zwischen dem tatsächlichen letzten Album und dieser finalen Ausgabe ein paar Jahre. Der grafische Sprung, nicht immens, aber deutlich, zeigt sich besonders in der Kurzgeschichte Schieß nicht auf Unsterbliche und dem Abenteuer Soldaten spielen, Diebe fangen. Versteht sich erstere gleichzeitig als Anspielung auf den Hollywood-Betrieb und eine Persiflage auf viele Szenen, die jemals um schussfeste Superhelden herum entstanden sind, ist letztere eine gelungene Mischung aus Militär-Agenten-Thriller, in dem es Vance außerdem ordentlich krachen lassen darf. Auf jeder Seite besticht er hier durch sein optisches Geschick und tolle Augenführung.

Wie stark Greg als Kurzgeschichtenautor war, wird hier ebenfalls deutlich. Wie penibel auch im Aufbau, davon darf sich der Leser abschließend überzeugen, wenn es an die Unvollendete geht, die Geschichte namens Die rote Kette. Leider zeichnete William Vance hier nur sechs Seiten, zwanzig Seiten Manuskript lagen seitens Greg vor, so dass ab Seite 7 die Handlung rein textlich präsentiert wird und abbricht … Fragen Sie Papa Konfuzius bietet leider auch keine Antwort auf die Frage, wie es weitergegangen wäre, dafür ist dieser Kurzroman ein Ausflug in ein anderes Medium. Mit knapper Sprache, dicht und kühl erzählt, rollt Autor Jacques Acar das Kommando Kaiman noch einmal auf. Acar starb 1976, das Experiment eines Bruno Brazil im neuen Medium wurde nicht fortgesetzt. Inzwischen wagen sich immer neue Comic-Helden ins Buchformat vor. Insgesamt ist es ein abgehacktes Ende dieses Agenten namens Bruno Brazil, aus dem noch hätte mehr werden können. Greg unternahm Ausflüge in andere Genres, den Western, in die bunte Science Fiction der 70er sowie in packende internationale Abenteuer. William Vance blieb dem Agenten-Genre mit XIII lange treu ergeben.

Eine Unvollendete, wie sie auch der Comic hin und wieder bietet. Bruno Brazil endet mit Fragmenten und einigen guten Ideen, auch für Neustarts. Als eigentlicher, sehr trauriger Schluss darf das albenlange Abenteuer Die Myxin-Formel angesehen werden. Die dritte Folge der Gesamtausgabe ist wie seine beiden Vorgänger schön gestaltet und bietet zudem feine Einblicke ins Comic-Geschäft vergangener Tage. Auf den Leser warten so Spannung und nostalgisches Flair. 🙂

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Samstag, 19. April 2014

Captain America – Verschollen in Dimension Z

Filed under: Superhelden — Michael um 8:34

Captain America - Verschollen in Dimension ZIn der normalen, der wirklichen Welt ist Captain America jederzeit zu Höchstleistungen bereit. In dieser anderen Welt, die er durch Zufall betreten hat, der Dimension Z, ist nichts mehr so, wie er es gekannt hat. Der Mann, der einen Kulturschock erlitt, indem er Jahrzehnte verschlief, steht nun vor einer neuerlichen, sehr besonderen Anpassung. Denn alles an dieser neuen Welt, dieser fremden Dimension scheint potentiell feindlich. Ein Rückzugsort will nicht existieren. Immerhin offenbart sich sein Feind, ein alter Bekannter namens Arnim Zola, sehr früh und macht auch keinen Hehl aus seinen Plänen. Zola will nichts weniger, als die Kräfte Captain Americas für seine Zwecke und seine Kreaturen nutzen. Aber der Held von der Erde wehrt sich.

Und wie er sich wehrt! Der Leser konnte es sich denken, dass Captain America nicht kampflos aufgeben würde. Allerdings wird er bestimmt durch die Mammutaufgabe überrascht werden, die sich Autor Rick Remender für den amerikanischsten aller Helden ausgedacht hat. Das neue Umfeld lässt eine Abkehr von bestehenden Handlungssträngen zu, es erwartet so gut wie keinerlei Vorwissen. Verschollen in Dimension Z könnte als Test für Neuleser auf Superheldenterrain betrachtet werden. Die Geschichte, die mit Anleihen auf den Gebieten der Science Fiction und der Fantasy daher kommt, gestattet Leser dieser Genres einen schönen Übergang.

Captain America goes … Früh in der phantastischen Literatur haben sich Helden wider Willen auf den Weg gemacht, um eine andere Welt zu erobern. John Carter (von Edgar Rice Burroughs) machte diese Erfahrung, Welten wie Gor, Flusswelt bieten ähnliche Plots und ein Comic-Held wie Storm mag stellvertretend für derlei Geschichten in anderen Medien stehen. Captain America wird von Rick Remender in eine karge und lebensfeindliche Welt geworfen, in der ein Bioterrorist wie Anim Zola in seiner riesigen Festung wie eine Spinne im Zentrum eines gigantische Netzes zu hocken scheint. Wie einst ein Dr. Moreau schafft er sich Kreaturen, die nichts anderes als Soldaten für eine Invasion der Erde sind.

Die bedrohliche Umgebung, in der sich Captain America auch ein wenig wie ein Robinson Crusoe bewähren muss, wird von Marvel-Starzeichner John Romita Jr. gestaltet. Der Comic-Künstler, der sich nach vielen Arbeiten (insbesondere mit Spider-Man) einen Namen gemacht hat und dessen grafische Gestaltung von Kick-Ass extra Aufmerksamkeit erhielt, lässt sich durch das ungewöhnliche Setting der Geschichte offensichtlich nicht abschrecken, läuft im Gegenteil zur Höchstform auf. Die Handlung ist ohne Zweifel mit einem hohen Anteil Action erzählt, kann auf der anderen Seite jedoch mit einer Stammleser des Captains ungewöhnlichen Vater-Sohn-Beziehung aufwarten.

John Romita Jr. ist nicht der Zeichner, der mit einer Fülle diverser Figurenvorlagen aufwarten kann. Gesichter und Körper sind allesamt bekannt, werden nur durch verschiedene Accessoires verändert und dem Szenario angepasst. Das Geheimnis seines Erfolges liegt in einerseits in der etwas naiven Darstellung der Figuren, andererseits in der Rasanz, die er in den Action-Szenen auf das Papier zu bannen vermag. Wo es an Individualität der Figuren hapern mag, zeigt sich aber eine andere Stärke. John Romita Jr. vermag es, in ruhigen wie auch anrührenden Szenen den richtigen Strich zu treffen. Zusammen mit einer Kolorierung, die meistens eine starke Tiefe aus den Bildern herausholt, dank Koloristen wie Dean White, entsteht ein Comic-Abenteuer, das eine optische Brücke zwischen der guten alten Zeit und der Moderne schlägt.

John Romita Jr. findet darüber hinaus in der Erzählung von Rick Remender einige sehr anschauliche und anschaubare Motive, die zur Verdeutlichung der einzelnen Charaktere beitragen. Arnim Zolas Tochter, die nicht nur den Vater ehrt, sondern diesen auch noch in einer Art Tempel als Gott glorifiziert, indem sie ihn vor einer Kirchenfensterimitation kniend anbetet, ist ein gutes Beispiel für Grafiken, die enorm viel nebenbei erzählen.

Eine sehr starke Geschichte, weitab der üblichen Superheldengeschichten, als träfe ein Robinson Crusoe auf Science Fiction und Fantasy, in die sich noch ein Dr. Moreau einmischt. Rick Remender hat nicht nur für sich als Autor den perfekten Einstieg in die Welt von Captain America geschaffen. Sehr gut. 🙂

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Dienstag, 15. April 2014

NOAH 3 – Und die Wasser nahmen überhand

Filed under: Abenteuer — Michael um 9:51

NOAH 3 - Und die Wasser nahmen überhandDer Kampf um die Arche hat begonnen. Mit dem Einsetzen des Regens kommen die Menschen. Es sind nicht nur Krieger, es sind auch ganz gewöhnliche Menschen, Alte, Frauen und Kinder. Sie alle wollen überleben und sie können nicht begreifen, dass dort hoch oben auf dem Rumpf des Schiffes einer steht, der es ihnen in Gottes Auftrag verwehren will. Außerdem ist Noah, so der Name des Schiffsbauers, nicht allein im Kampf gegen die anrückenden Menschenmassen. Die Wächter, gefallene Engel, halten die Verzweifelten so gut auf, wie sie es vermögen. Ihr Widerstand währt nicht lange. Selbst ihre gewaltigen Kräfte können der zahlenmäßigen Überlegenheit, dem schier endlosen Strom der um ihr pures Überleben kämpfenden Menschen nicht standhalten.

Mit dem Regen kommen die Fluten. Das Wasser steigt, nimmt überhand, die Arche, sie schwimmt am Ende wie ein gewaltiger Ziegelstein im Wasser. In ihrem Inneren schlafen die Tiere, alles, was da kreuchte und fleuchte, denn nun ist die Schöpfung Geschichte. Wer es nicht in die Arche geschafft hat, stirbt den Tod in den Fluten. Durch Ertrinken, durch die bittere Kälte, an Erschöpfung. Und Noah kämpft bis zu selbigen, vertreibt und tötet jene Menschen, die es auf das Deck der Arche geschafft haben. Das ist seine Aufgabe, die er vom Schöpfer erhalten hat und die er mit aller Kraft, bis zur Selbstaufgabe wahrnimmt. Wie weit ihn diese Aufgabe noch an seine Grenzen treiben wird, sieht er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Darren Aronofsky und Ari Handel, deren Textvorlage nicht nur die Basis des gleichnamigen Kinoblockbusters ist, sondern auch jene des vorliegenden, mehrteiligen Comic-Abenteuers, lassen Abweichungen zwischen beiden Versionen zu. Abgesehen davon gestalten sie natürlich die biblische Vorlage dramaturgisch an den Nerven zerrend aus. Gott gestattet Noah Interpretationen seiner Anweisungen und stiftet so Verwirrung bei seinem frommen Gefolgsmann, eine Verwirrung, die zur Spaltung seiner Familie beiträgt. Hält man das biblische Textstück daneben, schadet diese Veränderung des Inhalts nicht, verschärft sie doch einerseits die Untergangsstimmung und rückt auch eine Ansicht Noahs (die er gehabt haben könnte) in den Mittelpunkt. Wenn alle Menschen schlecht waren (oder sind), müsste die Verderbtheit auch in ihrer Familie zu finden sein. Warum sollte Gott also eine Handvoll von ihnen am Leben lassen?

Niko Henrichon entwirft dieses Endszenario mit weiterhin kraftvollen wie auch erschütternden Szenen. Die Gestaltung der Wächter ist hier weitaus weniger unnahbar als in der Filmvariante der Erzählung, weshalb ihr Schicksal greifbarer wird und auch die Freundschaft zwischen Noah und Og verständlicher ist in Gestik und Mimik. Das Ende der Wächter rührt an. Noahs Kämpfe, es sind nicht wenige, sind blutig, unbarmherzig gegen die eigene Art. Noah wird ein Vollstrecker des Göttlichen. Man fühlt sich optisch an eine Kreuzung aus Conan und Indianer erinnert. Der Kampf währt mit Äxten und Schwertern.

Strichführung und Kolorierung wirken intuitiv und schnell geführt. Niko Henrichon wählt (sicherlich unbewusst) stilistisch aus verschiedenen Strömungen, europäisch, überseeisch, asiatisch eine solide Mischung mit tollen Ausdrücken. Aus dem Dauerregen wird ein Schneestreiben und wird nur einmal in ruhiger Erzählung durch die Schöpfungsgeschichte unterbrochen, die für sich allein schon ein grafisches Schmankerl ist.

Der dritte Teil der Erzählung um Noah und seine Familie jagt den Leser durch ein dichtes, beklemmendes und brutales Drama. Die Menschheit geht unter, im wahrsten Sinne des Wortes. Niko Henrichon schafft mit seinen Bildern eine schöne eigenständige Interpretation der Neuerzählung des Noah-Mythos der Filmemacher Aronofsky und Handel. 🙂

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Samstag, 12. April 2014

Überlebende – Episode 1 – Quantenanomalien

Filed under: SciFi — Michael um 18:10

ÜBERLEBENDE - Episode 1 - QuantenanomalienDer Mann auf dem Bildschirm ist die Ruhe selbst. Während seiner kurzen Erzählung bleibt er freundlich, legt die Fakten dar und verkündet seinen Selbstmord, der für die zwölf Passagiere aber keinerlei Auswirkungen haben werde. Fassungslos hören die Schiffbrüchigen von den Ereignissen, die sie aus ihrem gewohnten wie auch geplanten Leben katapultiert haben. Der ehemalige Pilot des Großraumschiffs ist ausgemergelt und verabschiedet sich fast heiter in seiner Videobotschaft. Nach den Erwartungen, mit denen die zwölf jungen Menschen aus dem Tiefschlaf erwachten, ist diese Nachricht ein geistiger und seelischer K.O.-Schlag. Sie sind verloren. Irgendwo in den Weiten des Weltalls. Und niemand weiß, wo sie sind. Keiner wird zu ihrer Rettung eilen.

Gestrandete in einer fremden Welt. Das Prinzip der neuen Geschichte von Leo ist bekannt, das trübt seine Funktionalität in diesem Szenario aber keineswegs. Ob eine Schweizer Familie Robinson, die in den Weltraum vorstößt (Lost in space) oder Kinder, die Zwei Jahre Ferien (Jules Verne) machen, stets ist eine wilde und unbekannte Umgebung eine Quelle dramatischer Entwicklungen. Für die ÜBERLEBENDEN im neuen Serienstart ist die Veränderung ihres Lebens enorm. Leser der Szenarien wie Aldebaran, Betelgeuze und Antares, allesamt aus dem Stift und der Zeichenfeder von Leo, werden sich auch hier gleich zu Hause fühlen, ist auch diese Serie in dem eigens vom Erfolgszeichner erdachten Comic-Universum angesiedelt. Da Leo aber auch kein Vorwissen von Stammlesern verlangt, ist dieser Serienstart auch für Neueinsteiger geeignet.

Neue Charaktere, eine neue Welt fernab der Erde, neue Bedrohungen und Entdeckungen. Eine Gruppe aus zwölf Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen strandet nach einer Reise durch den Weltraum nicht auf dem Zielplaneten, sondern weit davon entfernt auf einem Planeten, der dank einer Anomalie unbekannt und unerforscht ist. Es ist anzunehmen, dass alle anderen, die sich an Bord des Mutterschiffes auf die Siedlungsreise begaben, längst verstorben sind und nur jene zwölf jungen Menschen, die an Bord eines kleinen Shuttles rechtzeitig das große Raumschiff verließen, überlebt haben. Freude kommt bei den Zwölfen dennoch nicht auf. Die Trauer über den Verlust der Verwandten und Freunde wiegt zu schwer, die Verzweiflung über die Strandung an fremden Gestaden tut ihr Übriges, um das Gemüt belasten. Für einen Start in einer neuen Welt ist das keine gute Ausgangslage.

Sie sind nicht allein. Die Menschheit hat die Existenz fremder Lebewesen, tierisch wie intelligent, akzeptiert und verinnerlicht. Bei der Kolonisierung neuer Welten, dem Aufeinandertreffen mit einer andersartigen Wesenheit, ohne Zweifel mächtiger, bleibt diese Haltung nicht aus. Entsprechend sind auch die Zwölf auf alles vorbereitet. Das Shuttle ist zunächst noch ein Anker, von dem sie sich, dem Mangel an Lebensmitteln folgend, nicht weit entfernen. Aber manchmal kommt das Leben, trotz hartnäckigem Verharrens an einem Ort, dennoch zu einem. Im Falle der Schiffbrüchigen sind das intelligente Außerirdische.

Leo ist ein gemächlicher Erzähler, der Situationen und Charaktere komplex auslotet, der sich und dem Leser Zeit gibt. Dadurch entstehen äußerst dichte Szenarien, deren Komplexität durch den Gesamtzusammenhang innerhalb eines viel größeren und stetig wachsenden Comic-Universums langsam aber sicher zu einem Science-Fiction-Epos wird. Dieses Epos entfernt sich weit von Lichtschwertabenteuern und entwickelt seine Spannung mit einer besonderen Nähe zu den Figuren. Der Leser wird gleichsam an ihre Seite gestellt, als 13. Überlebender. Auch in dieser Reihe bleibt Leo seinem Zeichenstil treu, der technisch elegant ist, exakt, unaufgeregt, mit dem Zweck, dem Leser die bestmögliche Aussicht zu bieten. Klare Linien und Farben dokumentieren geradezu das Abenteuer der gestrandeten 12.

Leo, der Meister der klaren Science Fiction, ist zurück und wandelt diesmal auf den Spuren eines schönen Jugendabenteuers in seinem, von ihm geschaffenen Comic-Universum. Hierzu verlässt er bereits bekannte Pfade und beschäftigt sich mit neuen Charakteren, die dem Leser schnell ans Herz wachsen sollten. 🙂

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Donnerstag, 10. April 2014

Die Millennium-Trilogie 1 – Verblendung

Filed under: Thriller — Michael um 17:38

Die Millennium-Trilogie 1 - VerblendungMikael Blomkvist ist hereingefallen. Er hätte als versierter Journalist die Falle wittern müssen. Die Folgen sind unübersehbar, für ihn persönlich wie auch für das Magazin, für das er schreibt. Ein eher ungewöhnlicher Auftrag ermöglicht einen Neuanfang. Die Recherche, die er anstellt, folgt einem Geheimnis. Gleichzeitig ist er, ohne es zu ahnen, von unbekannter Seite ausgespäht worden. Gerade jene fremde Person, die sein Leben zu einem Dossier zusammengestellt hat, wird in den nächsten Monaten zu einem seiner wichtigsten Mitstreiter seines Lebens werden. Denn ohne es vorher zu ahnen, ist Mikael Blomkvist einem irren Mörder auf der Spur, der vor keiner Brutalität zurückschreckt.

Die Geschichte ist hinlänglich medial bekannt und hat verschiedene Adaptionen erfahren. Aus der Aufklärung des Verbleibs einer jungen Frau, die vor Jahrzehnten verschwand, wird ein Kriminalfall, der es in sich hat und mit menschlichen Abgründen aufwartet, die zu Beginn der Geschichte kaum zu erwarten waren. Autor Stieg Larsson schrieb die Vorlage zu dieser Comic-Umsetzung von Sylvain Runberg, inhaltlich inzwischen sattsam bekannt durch Verfilmungen, Hörbücher und Hörspiele und verschiedene Comics. So kann es kaum noch inhaltlich besprochen werden, da Larssons Geschichte unbestritten ein vortrefflicher Thriller ist, dessen Qualitäten Runberg sehr schön in dieses Medium Comic transportiert.

Comic visualisiert und demzufolge stellt sich die Frage, ob die Übertragung, der im Roman geschilderten Bilder gelungen ist. Jeder, der einen Roman liest, macht sich aufgrund der Beschreibungen seinen eigenen Film von den Geschehnissen, den Charakteren, der Umgebung. Jose Homs wählt den Weg der Übercharakterisierung. Die Figuren bewegen sich an der Grenze zur Karikatur. Jose Homs gibt sich so selbst die Möglichkeit, jeden einzelnen Charakter vollkommen individuell zu gestalten. Hier wird keine Figur aus einem Stammportfolio verwendet und mit verschiedenen Frisuren auf seine Zwecke angepasst. Hier ist, auf diese Gestaltungsart, jeder Charakter echt.

Besonderes Augenmerk in dieser Geschichte liegt neben Kalle Blomkvist natürlich auf dem Mädchen mit dem Drachen-Tatoo, dem die zentrale Rolle zufällt, obwohl es hier noch etwas unterfordert ist und erst in den folgenden beiden Romanen der Millennium-Trilogie zur Bestform aufläuft. Hier ist sie noch ein Kuriosum, exzentrisch einerseits, introvertiert andererseits, auf ihre Art auch genial, ein Opfer, aus dem ein Täter wird. Sie leidet bis zu einem gewissen Punkt, dann wehrt sie sich. Kurze Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart von Lisbeth Salander belegen dies mit sehr feinfühlig inszenierten Grafiken.

Kernszenen sind hier sicherlich Lisbeths Verteidigungsversuch der eigenen (Zwillings-)Schwester, ihr Treffen mit ihrer Mutter und die mehrfache Begegnung mit ihrem neuen Vormund, Rechtsanwalt Bjurman. Besonders die letzte dieser Begegnungen zeichnet auf einer Kurvenskala einen Spitzenausschlag auf, wenn Lisbeth Salander sich rächt. Jose Homs gelingt mit der Darstellung Salanders eine weitaus zartere Erscheinung, als es den Verfilmungen gelungen ist und deren Ausbrüche, gewaltsam und mit außenordentlicher Mimik, der Ursprungsform im Roman in nichts nachstehen.

Den sehr realistischen Kulissen stehen Figuren mit puppenartigem Äußeren gegenüber, nicht nur sehr individuell gestaltet, sondern auch mit schauspielerischem Talent ausgestattet. Es ist bewundernswert an diesem Zeichner, wie viel Gesichtsausdrücke, wie viel inneren Ausdruck Jose Homs in die Hauptdarsteller und Nebenfiguren der Handlung zu legen vermag. Diese Bandbreite wird auch nur durch die erwähnte Überzeichnung zugelassen. Dadurch halten die Bilder einen hohen Erzählwert bereit, der oftmals noch mehr aussagt, als die Erzählung, adaptiert und eingekürzt von Sylvain Runberg.

Zarte Linien, treffsicher gezogen, bilden das Gerüst für eine ebensolche Farbgebung, möglichst natürlich aussehend, aquarellartig lasierend, zaghaft strahlend, als seien sie unter einem eher trüben, verhaltenen Licht entstanden. Hier wird nicht überzeichnet, sondern verstärkt die passende Atmosphäre gesucht. Entsprechend kann eine Farbstimmung auch mitten in der Szene umschlagen, eine Bedrohung unterstreichen oder Zwischenpassagen wie kurze Rückblicke besser abtrennen. Das ist filmisches Inszenieren mit einer unter dem Strich düsteren Stimmung.

Fast so gut wie die Vorlage (Roman), an der sich jede Adaption messen lassen muss. Dank der konsequenten Charakterisierung mit einem sehr individuellen Zeichenstil durch Jose Homs ist die Umsetzung des ersten Teils der Millennium-Trilogie auch ein kleines Comic-Thriller-Kleinod. 🙂

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