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Comic Blog


Samstag, 07. Oktober 2017

JUGURTHA – Gesamtausgabe 2

Filed under: Klassiker — Michael um 16:32

JUUGURTHA - Gesamtausgabe 2JUGURTHA hat das Thema Rom endgültig beendet. Die Welt ist groß, die Feinde zahlreich und demzufolge ist der Friede, persönlich und für seine Schutzbefohlenen, oft nur eine Hoffnung. VANIA! Das Schicksal einer Frau führt den ehemaligen Fürsten auf eine weite Reise, durch das ehemalige persische Reich, weiter in die Mongolei, bis er ein gigantisches Bauwerk erreicht, eine gewaltige Mauer, die kein Ende zu nehmen scheint. Willkommen ist er nirgends, beinahe jeder glaubt in dem Fremden, der so ganz anders aussieht als die Völker Asiens, einen Gegner zu sehen oder jemanden, der sich für die eigenen Zwecke nutzen lässt …

Frei von der originalen Historie, in der JUGURTHA zwar existierte, aber im Kampf gegen das jahrhunderte lang allmächtige Rom unterging und starb, hat Autor JEAN-LUC VERNAL seinen JUGURTHA vor dem Tod gerettet, anschließend mit ein wenig Hoffnung, eine kurzen Andeutung von Frieden belohnt und schickt ihn nun in der zweiten Gesamtausgabe auf eine wahre Odyssee, nämlich auf einen tausende von Kilometern langen Weg. Die asiatische Welt jener Zeitperiode steht in Sachen Krieg und Gewalt der römischen in nichts nach.

JUGURTHA ist hier, dank seiner äußeren Erscheinung ein offensichtlicher Eindringling und Außenseiter in dieser Ecke der Welt. Das wird dem Leser beinahe auf jeder Seite vermittelt. Aber JUGURTHA ist kein Charakter, der auch die andere Wange hinhält. Er ist niemand, der auf das Austeilen verzichtet oder gar übertriebene Nachsicht übt. Für Gnade, würde er sie gewähren wollen, bleibt häufig gar keine Zeit. Bei der Verfolgung und all den Rettungsversuchen Vanias ist meist Hetzte angesagt. Das glatt rasierte Gesicht verliert sich oft in einem Vollbart. JUGURTHA ähnelt in seiner ganzen Aufmachung oft einem Wilden, einem Barbaren aus einer noch ferneren Epoche.

FRANZ, die künstlerische Kurzform von FRANZ DRAPPIER, festigt seinen Zeichenstil in diesen Abenteuern und grenzt sich zunächst komplett von seinem Vorgänger HERMANN, genauer gesagt, dem Frühwerk von HERMANN HUPPEN ab. In späteren Arbeiten HERMANNS nähern sich beide optisch und technisch sehr einander an. FRANZ‘ Arbeiten bestechen durch eine sehr ausgefeilte Schwarzweißtechnik, genauer gesagt penible Tuschearbeiten. Auffallend sind deshalb gerade Nachtszenen oder auch Visionen innerhalb der Handlung, wenn die Zeichnungen mit sehr wenigen Farbtönen auskommen und FRANZ hier und dort sogar auf Farbe verzichtet.

Die Handlung wird meisterhaft in Szene gesetzt. FRANZ ist auf jeder Seite um Authentizität bemüht. Kostüme, Ausstattung fallen besonders im Wechsel vom Mittelmeerraum hin zum asiatischen Umfeld auf. Kampf- und Massenszenen werden mit der gleichen Akribie zu Papier gebracht, wie es später mit Bauwerken wie der Chinesischen Mauer geschieht. In der Konstellation zwischen JUGURTHA und VANIA schleicht sich ein ähnliches Verhältnis ein, wie es auch zwischen STORM und ROTHAAR (von DON LAWRENCE) besteht. JEAN-LUC VERNAL muss spätestens durch diverse Zusammenspiele JUGURTHAS entdeckt haben, dass der Held am besten als Duofigur funktioniert.

VANIA, rothaarig, gewinnt von Abenteuer zu Abenteuer mehr Gewicht an der Seite des Helden oder in entsprechend erzählten Einzelgeschehnissen. Beide Figuren wachsen durch den Umstand, dass sie ein Paar auf Augenhöhe sind. Passend zur Entstehungszeit, einem Jahrzehnt des Umbruchs in den Traditionen, von der zweiten Hälfte der 1970er Jahre bis zum Beginn der 1980er, hält hier ein moderneres Paar- und Frauenbild Einzug. Das sind nicht mehr TARZAN und JANE, hier sind beide gleich schlau und streitfähig, im Duo geradezu unschlagbar.

Absolut stark, um einen der Charakterzüge des Heldenduos aufzugreifen. Eine klassische Abenteuerinszenierung, die Geburtsstunde eines Liebespaares in einer Welt voller Lebensgefahren. Die zweite Gesamtausgabe von JUGURTHA macht den einstigen Heerführer zu einem Weltreisenden. Packend von FRANZ illustriert. Ein echter Klassiker! 🙂

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Freitag, 29. September 2017

AFFENDÄMMERUNG

Filed under: Graphic Novel — Michael um 14:49

AFFENDÄMMERUNGIn der Affenkolonie der Schneemakaken ist die Welt noch in Ordnung. Im Winter vertreibt man sich die Zeit in den heißen Quellen. So lange man nicht vom Chef, dem weißhaarigen TARO, traktiert und gemobbt wird, verläuft alles seinen ruhigen, über die Maßen gewohnten Gang. Bis eines Tages ein Affe vom Himmel fällt. Von den Menschen experimentell in die Erdumlaufbahn geschossen, ist die Kapsel mit dem Rhesusaffen ausgerechnet in den verschneiten Bergen von JIGOKUDANI gelandet. Das Äffchen hat nicht nur ein großes Abenteuer erlebt, es verfügt auch über eine ungeheure Erfindungsgabe. Und so erfindet er mal eben DIOU, einen Gott …

JEAN-PAUL KRASSINSKY hat eine Fabel über die Irrungen und Wirrungen von Religion verfasst. Im Rahmen des Förderprogramms des französischen Außenministeriums erschienen, lässt JEAN-PAUL KRASSINSKY einen großen Teil religiöser Entwicklungen auf eine vollkommen unbedarfte Gemeinschaft prallen. Es wird eine Leere gefüllt, die vorher, vor der Ankunft des Rhesusaffen aus dem All gar nicht bemerkt worden ist. Doch plötzlich wird Beten zum Selbstzweck. Ein Gott wird erfunden, ein Name kreiert. Es wird prophezeit, gezweifelt, gestritten, gefolgt, verfolgt, gemordet, gehasst. Der Glaube, für einige zunächst unbequem, wird vereinnahmt, instrumentalisiert zur Festigung der eigenen Macht. Wer glaubt, soll Zeichen seines Glaubens offen tragen und dafür auch leiden …

JEAN-PAUL KRASSINSKY lässt kaum etwas aus. Und es ist überaus gruselig, wie aus einer nach absoluten Macht strebenden Diktatur eine religiös fundamentalistische Diktatur wird. Wenn Herrscher und Gott aus einem Mund sprechen, wer sollte da noch aufbegehren? Mit fein aquarellierten Hintergründen und cartoony überzeichneten Makaken begibt sich der Autor, Zeichner und Kolorist in Personalunion an ein über 290seitiges Epos. Man könnte in der Affenbande kleine Clowns sehen und die Geschichte nur von ihren komischen Seiten nehmen (von denen es zahlreiche gibt), aber JEAN-PAUL KRASSINSKY stopft dem Leser ganz schnell wieder das Lachen in den Hals zurück. Komik und Tragik liegen hier verdammt eng beieinander.

Kapitel für Kapitel driftet die Ausgangsituation in eine Tragödie, von einem erzählt, der die Mär um DIOU überlebt hat. Dabei werden unterschiedlichste religiöse Aspekte angesprochen, die über die Glaubensgemeinschaft hinaus gehen. Was mag wohl passieren, wenn ein Prophet den Antrieb zu seiner Mission verliert und dem, was er dort aufgebaut (oder angerichtet) hat, den Rücken kehrt? JEAN-PAUL KRASSINSKY gelingt es, viele Antworten zu geben, indem er die Mechanismen von Gemeinschaften allgemein und Religionsgruppen im Besonderen zerpflückt und letztlich das Grauen die Oberhand gewinnen lässt. Man kann als Leser nicht anders, als in diesen Zeiten automatisch mit den Gedanken zu real existierendem Fanatismus hinüberzugleiten.

Auf den ersten Blick sind die Affengesichter einfach gehalten, die Figuren bis auf wenige Ausnahmen nicht schnell zu unterscheiden. Aus der Situation heraus gewinnen die Figuren an Tiefe, der Blick addiert Deutungen hinzu. Dies gelingt JEAN-PAUL KRASSINSKY ganz besonders, wenn die Handlung in Extreme verfällt, Mitleid oder Grauen produziert oder in Hysterie verfällt (wie sie manchen Glaubensprozessen zueigen ist).

AFFENDÄMMERUNG von JEAN-PAUL KRASSINSKY ist kein Affentheater, sondern eine bitterernste Fabel, die thematisch lange nicht so aktuell war wie heute. In Zeiten von fundamentalistischen Glaubenstendenzen zeigt AFFENDÄMMERUNG, wie schnell sich Automatismen in Gang setzen und ein Entkommen undenkbar scheint. Die fatalistische Erzählweise (durch einen Affen, der das alles erlebt hat) schürt die Düsterkeit der Handlung, eine Grundstimmung, die dem in der Folge aufkeimenden, bunteren Frühling völlig entgegensteht. Eine Graphic Novel, die zum Nachdenken anregt UND unterhält. 🙂

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Dienstag, 19. September 2017

PREDATOR vs. JUDGE DREDD vs. ALIENS

Filed under: SciFi — Michael um 22:25

PREDATOR vs. JUDGE DREDD vs. ALIENSEin PREDATOR ist ein Jäger. Seine Beute ist grundsätzlich gefährlich, ansonsten würde einem PREDATOR die Jagd keinen Spaß bereiten. Meist ist ein PREDATOR seiner Beute dennoch überlegen. Technik schützt ihn in Form eines Tarnschildes. Verschiedene Schusswaffen, verwegen geschmiedete Messer und Speere sind perfekte Instrumente für eine erfolgreiche Jagd. Aber heute geht etwas schief. Diese Beute ist anders. Sie ist intelligent und besitzt tierische Instinkte. Und sie kehrt den üblichen Tanz um. Plötzlich wird der Jäger zum Gejagten …

Es gibt einige herausragende CROSSOVER, wo die Zusammenkunft verschiedener Charaktere einfach passt. TARZAN traf den PREDATOR ebenso wie BATMAN (Die Nacht des Jägers). Der gute JUDGE DREDD hatte schon mit dem PREDATOR sowie den ALIENS zu tun. In einer gut ausgewählten Umgebung funktionieren solche Kombinationen. In der MEGA-CITY ONE, jener Riesenstadt der Zukunft, in der sich hinter hohen Mauern Millionen und Abermillionen von Menschen in gigantischen Wohnblocks zusammendrängen, ist eine perfekte Kulisse für den Wahnsinn entstanden, in der auch PREDATORS und ALIENS Unterschlupf finden.

In der MEGA-CITY ONE sorgen die JUDGES für das Gesetz. Polizisten, Richter und Vollstrecker sind sie gleichermaßen und der härteste dieser futuristischen Cops ist JUDGE DREDD. Die Welt von JUDGE DREDD ist der unseren nicht unähnlich, es gibt nur sehr viel mehr Menschen und entsprechend gibt es auch sehr viel mehr Freaks. Wo also selbst der Tod in Form eines JUDGE DEATH umtriebig war, fallen Außerirdische kaum störend auf. Deshalb ist das CROSSOVER außerhalb der Stadt, in den verseuchten Landstrichen angesiedelt. Dort ist es etwas übersichtlicher, teils gefährlicher und es gibt natürlich mehr Verstecke.

In einem dieser Verstecke treibt eine Art DR. EVIL sein Unwesen, angereichert mit einer ordentlichen Dosis DR. MOREAU. Hier heißt der düstere Doktor, der sich selbst gentechnisch mit Insektenaugen veredelt hat, DR. NIELS REINSTÖT. Ein deutsch klingender Name in Verbindung mit einem Doktortitel macht sich bei amerikanischen Autoren im fantastischen und Science-Fiction-Genre immer gut für einen irren Wissenschaftler.

JOHN LAYMAN erzählt die Geschichte um die Kernfigur JUDGE DREDD mit der nötigen Verrücktheit, mit der sie von JOHN WAGNER (damaliger Autor) und CARLOS EZQUERRA (damaliger Zeichner) erfunden wurde. CHRIS MOONEYHAM hat hier den Zeichenstift übernommen. Er stellt die Figur schön rabiat dar, zeichnet mit dünnsten Strichen, skizzenhaft, über die Maßen fein. JUDGE DREDD, dessen Laune der Leser an der Kinnpartie, der einzigen unbedeckten Körperstelle, entschlüsseln kann, ist ein Rowdie, ein knallharter Action-Junkie, unrasiert, immer mit dem Kopf durch die Wand und sei die Situation noch so aussichtslos. Das Gesetz ist die Bibel, die ihn alles überstehen lässt.

CHRIS MOONEYHAM, in höchsten Tönen für vorherige Arbeiten gelobt (FIVE GHOSTS), kann sich hier vollends als Action-Zeichner etablieren. Er ist ein Absolvent der JOE KUBERT SCHOOL OF CARTOON AND GRAPHIC ART, ebenso wie ein CLIFF RATHBURN (THE WALKING DEAD). Mit dem strickten starken Strich eines Altmeisters wie dem verstorbenen JOE KUBERT, aber auch aus der gleichen Generation, eines JOHN BUSCEMA, hat CHRIS MOONEYHAM viel gemeinsam. Das ist nicht retro, sondern zeitlos, weil es eine, nicht nur für Comics, qualitativ hochwertige Arbeit ist. Im aktuelleren Vergleich arbeitet er mit ADAM KUBERT, einem von JOES Söhnen, auf Augenhöhe.

Neben den PREDATORS und den ALIENS darf eine Figur besonders schicksalhaft in das Geschehen eingreifen: ERZBISCHOF EMOJI. Dieser Charakter im weitesten Sinne ist eine der typischen Verrücktheiten, einer dieser Freaks aus dem JUDGE-DREDD-Universum, die das Abenteuer rund um den Zukunftspolizisten zu einem wortwörtlich irren Spaß machen. Erste Sahne und eines Spin-offs würdig!

Viel Anarchie, wie es sich für einen JUDGE-DREDD-Comic gehört. Viele PREDATORS und ALIENS, ein Haufen Mutanten und Spezial-ALIENS, abgefahrener Humor, starke Action. Hier haben sich drei Comic-Helden gesucht und gefunden. JOHN LAYMAN und CHRIS MOONEYHAM bringen drei Kracher zu einem Bombenvergnügen zusammen! 🙂

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LEBEN UND TOD 3 – ALIENS

Filed under: SciFi — Michael um 22:15

LEBEN UND TOD 3 - ALIENSDie Marines haben ihren früheren Enthusiasmus verloren. So lange sie gegen Menschen antraten, Gegenwehr für ihre Begriffe lächerlich war, behielten sie die Oberhand. Die ALIENS, die keine Angst kennen, die ohne zu verzagen, gegen den Feind anrennen und niemals aufgeben, haben die menschliche Arroganz gebrochen und eine völlig neue Art des Horrors im Kampf geschaffen. Angesichts der Verluste wäre ein Rückzug die bessere Wahl, aber Liebe kann eine starke Antriebskraft sein …

DAN ABNETT schickt so gut wie alle Beteiligten auf eine Selbstmordmission. Nicht umsonst lautet der Untertitel der dritten Episode von LEBEN UND TOD auf den Namen ALIENS. Die Menschen kämpfen an nahezu allen Fronten. Wer den Film ALIENS gesehen hat, jene Geschichte um ELLEN RIPLEY, mit der JAMES CAMERON das ALIEN-Franchise potenzierte, wird sich hier direkt zuhause fühlen. Denn DAN ABNETT spielt ganz genau wie im Original mit verfahrenen und aussichtslosen Situationen, die durch das Beimengen zwei weiterer Monsterfiguren dann doch sehr speziell werden.

Die bekannten INGENIEURE aus PROMETHEUS sowie der allseits beliebte PREDATOR geben sich ein Stelldichein. Auf höchst brachiale Weise, das versteht sich von selbst. Der PREDATOR jagt. Und der INGENIEUR, eigentlich darauf spezialisiert zu erschaffen und ganz eigene evolutionäre Sprünge zu kreieren, ist ebenfalls schwer bewaffnet und gnadenlos auf der Pirsch. Die Menschen mittendrin sind mit der nötigen Leidenschaft bei der Sache, können aber insgesamt nur hoffen mit halbwegs heiler Haut aus der Geschichte herauszukommen.

Als Zeichner ist MORITAT für Serien wie THE SPIRIT oder Arbeiten für das DC-Universum bekannt geworden. MORITAT zeichnet hier entsprechend der Geschwindigkeit einer Szene. Auflösung und Genauigkeit variieren mit dem Fokus einer Szene. Großaufnahmen, Ausschnitte werden gerne exakt illustriert. Wenn die Panik um sich greift, es hektischer wird, Szenen einen Übergang dokumentieren, wird es deutlich skizzenhafter.

Während des Titelbild noch ein Gemälde der üblich bekannten ALIENS zeigt (erstklassig gemalt von DAVID PALUMBO), müssen sich die Marines im Band selbst mit ein paar veränderten Kreaturen herumschlagen. Gemäß des Konzeptes, einige Charakteristika ihrer Geburtswirte zu übernehmen, haben diese ALIENS keine Klauen, sondern sind mit überdimensionalen Pranken ausgerüstet. Diese Veränderungen sind alles andere als eines der üblichen spannungssteigernden Mittel, vielmehr steckt eine Ursache dahinter, die zum Motor der Geschichte wird. Mehr wird nicht verraten.

Keine Pause: MORITAT muss Action oder Spannungsszenen zeichnen. DAN ABNETT hat auf kaum einer Seite darauf verzichtet. Das ist selten, auch in einem ALIENS-Abenteuer, die sich doch Ruhepausen gönnen, damit die Richtung eingegrenzt werden kann und die Hauptfiguren sich sortieren können. Hier ist der Start gleich brachial. Die Einstiegssequenz stellt gleich das Level der Geschichte klar und hält es für den Rest des Szenarios, schafft im letzten Viertel sogar noch Steigerungen, teils sogar mit ganzseitigen Bildern.

Knallt rein: Die dritte Folge von LEBEN UND TOD ist eine pure Comic-Achterbahnfahrt. Die Figuren hetzten, rennen, schießen in einem Wettlauf mit dem Tod. Die Reihen werden sehr ausgedünnt. Ein SciFi-Actionkracher, der Gefangenen auf seinem Weg zulässt. Eine konsequente Fortsetzung der ersten beiden Episoden, PREDATOR und PROMETHEUS. Heftig, aber atmosphärisch haargenau von Autor DAN ABNETT getroffen! 🙂

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Samstag, 09. September 2017

SPYNEST – MISSION 1: BIRDWATCHERS

Filed under: Thriller — Michael um 17:37

SPYNEST - MISSION 1: BIRDWATCHERSGefangen, aber auf angenehme Art. IAN FLEMING wartet auf sein Verhör. Die Agentin TERRYIONA CROW hat eher zufällig die Gelegenheit, seine Befreiung zu arrangieren. Zuvor jedoch gibt es noch eine Kleinigkeit zu erledigen. Sehr zur Freude von IAN FLEMING, der daraufhin einer ungewöhnlichen Schlägerei beiwohnt. Das aus männlicher Sicht amüsante Zwischenspiel währt nicht lange, denn die Zeit drängt und die Nacht läuft den Beteiligten, Freund wie Feind, davon. Wenn der Auftrag erfüllt werden soll, dann bald. Ansonsten wird es zu spät sein …

Bevor es den berühmten Geheimagenten seiner Majestät gab, gab es einen ehemaligen Mann des englischen Marine-Nachrichtendienstes namens IAN FLEMING. Dieser Gentleman war nicht gleich zu Beginn seines Lebens ein berühmter Schriftsteller. Zuvor hatte er eine Karriere, die ihn mit ihren Erlebnissen erst dazu befähigte, sich entsprechende geheimdienstliche Abenteuer auszudenken. JEAN-LUC SALA nimmt sich die wahre Geschichte eines der berühmtesten Autoren weltweit vor und setzt ihn in ein etwas fiktiveres und fantastischeres Szenario.

1952, der Krieg ist seit einigen Jahren vorüber und IAN FLEMING ist auf Jamaica im Ruhestand. Und es ist zu ruhig! Zwangsläufig kommen die Erinnerungen an alte Zeiten hoch, als das Leben noch aufregend war. MISSION 1: BIRDWATCHERS führt IAN FLEMING zurück ins Jahr 1940 ins von Deutschland besetzte Frankreich, genauer nach Paris. Dieses Szenario könnte einem QUENTIN TARANTINO eingefallen sein, weil er eine Mixtur aus DAS DRECKIGE DUTZEND und GOLDFINGER drehen wollte.

Der Wahnsinn auf deutscher Seite hat Methode, ist überdreht, monströs, ähnlich wie in frühen DANGER-GIRLS-Episoden oder wie in HELLBOY in Form eines KARL RUPRECHT KROENEN. Eindrücke gibt es auf dem Titelbild im Hintergrund zu sehen. Maskiert, halb Mensch, halb Maschine, außerdem optisch ungefähr zwei Meter groß, also eine typische BOND-Gegner-Figur der verrückteren BOND-Jahre mit ROGER MOORE in der Rolle des 007. Es geht um geheime Waffen. Alle wollen sie haben. Briten, Amerikaner und natürlich die Russen.

Neben IAN FLEMING agiert TERRYIONA CROW im Mittelpunkt, amerikanische Agentin und deutlich versierter als ihr britischer Kollege. Wie es sich gehört, ist Agentin CROW eine Sexbombe in bester BOND-Manier, Marke BARBARA BACH, um in den ROGER-MOORE-Jahren zu bleiben. Allerdings hat sich aus moderneren Zeiten noch eine Prise LARA CROFT beigemengt, eben als Frauen richtig zuzuschlagen lernten. CHRISTOPHE ALLIEL zeichnet mit exaktem Realismus Figuren und Technik, übertreibt hier und dort etwas bei den Gesichtern. IAN FLEMING selbst besitzt nicht das markante Äußere aus Riege der BOND-Darsteller. Hier folgt CHRISTOPHE ALLIEL dem realen Vorbild in Teilen.

JEAN-LUC SALA erzählt eine schnelle Geschichte. Eine Nacht lang macht sich ein sehr ungleiches Agententeam auf die Hatz nach WUNDERWAFFEN, jenen legendären Fantastereien, die heute noch die die Fantasie mancher Autoren beflügeln und den Alliierten im II. Weltkrieg Sorgen bereiteten. Das nächtliche Paris, im zweiten Teil eine lange finale Action-Sequenz werden von CHRISTOPHE ALLIEL und dem Koloristen SIMON CHAMPELOVIER wirklich großartig in Szene gesetzt. Hier kennt jemand sein Genrekino, seine Bildeinstellungen und Perspektiven. Das ist perfekt inszeniert und es macht Spaß, ein paar kleine, originelle Gadgets zu entdecken.

Deutlich mehr Humor, als IAN FLEMING seinem späteren Geheimagenten erlaubte, mindestens ebenso viel Action, Frauen sowieso, im II. Weltkrieg angesiedelt und wie an einer Perlenschnur rasant erzählt. Zeichner CHRISTOPHE ALLIEL arbeitet technisch perfekt und illustriert eine knallende Finalsequenz, wie sie natürlich auch dem weitaus bekannteren Agenten gut zu Gesicht stehen würde. Thriller mit Augenzwinkern! 🙂

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Mittwoch, 06. September 2017

NOVA – MEGABAND 1 – FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG

Filed under: Superhelden — Michael um 17:22

NOVA - MEGABAND 1 - FamilienzusammenführungWie der Vater, so der Sohn. Der Vater ist ein bekannter Held. Als NOVA sorgte JESSE im Weltall für Ordnung, rettete so manches Lebewesen. Sein Markenzeichen ist sein goldener Helm. SAM allerdings, sein Sohn und ebenfalls ein Nova, trägt den weitaus selteneren schwarzen Helm der NOVAS. Gegenstände mit Seltenheitswert, besonders, wenn sie darüber hinaus ziemlich einzigartig in der Galaxis sind, wecken Begehrlichkeiten. Es dauert nicht lange und Sam hat neben seinem normalen Alltag als Highschool-Schüler und Superheld noch viel ernstere Schwierigkeiten zu bewältigen …

NOVA ist für das MARVEL-Universum eines der Bindeglieder von Erdabenteuern zum Weltraumgeschehen neben so legendären Gestalten wie dem SILVER SURFER oder auch dem BEOBACHTER. MARVEL-Helden hat es oft ins Wetall verschlagen, aber nur wenige sind dort wirklich zuhause, wie eben NOVA. Doch diese Zeit scheint nun erst einmal zu den Akten gelegt, denn im vorliegenden MEGABAND lautet die Überschrift FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG.

SEAN RYAN führt als Autor mit dieser mehrteiligen, hier zusammengefassten Geschichte die Verjüngung und die fortwährenden Veränderungen des MARVEL-Universums fort. Galt SPIDER-MAN einst als Standardjugendlicher und ewiger Schüler (der dann doch irgendwann erwachsen werden musste und auf die Lehrerseite wechselte), haben sich die Kids deutlich in den Superheldenabenteuern vermehrt, nicht zuletzt durch Superheldenschulen wie bei den X-MEN. Und was läge näher, als einen neuen Helden an die Seite eines anderen zu stellen, der bereits über etwas mehr Erfahrung auf dem Gebiet verfügt und doch irgendwie von außerhalb kommt?

So gelangt der Leser in den Genuss eines TEAM-UPS von NOVA, MS. MARVEL und dem neuen SPIDER-MAN alias MILES MORALES. Mehr noch: In einer tollen Episode wird an ein denkwürdiges Ereignis des MARVEL-Universums erinnert. Die FANTASTIC 4 schufen mit dem ersten Aufeinandertreffen mit dem MOLE MAN für einen gerne zitierten Meilenstein der MARVEL-Titelbilder. NOVA und seine jungen Kollegen gehen noch näher als andere zuvor in diese Situation hinein. SEAN RYAN bricht die Situation im unerwarteten Moment ab. Gleich darauf wartet er mit einer Überraschung auf. Der MEGABAND ist nicht umsonst mit FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG betitelt. Auch andere Väter haben Söhne …

CORY SMITH ist der geniale Zeichner, der hier in der kompletten US-Serienzusammenfassung die ersten Abenteuer grafisch umsetzt. Er gehört zu einer Riege von Perfektionisten. Wer MARVEL-Zeichner wie STUART IMMONEN oder MARK BAGLEY mag und kennt, wird feststellen, dass CORY SMITH zu den Künstlern gehört, die besonders gut Teenager-Szenarien zu gestalten vermögen. In gewissem Sinne ist NOVA ein Szenario, das zurück zu den Wurzeln führt. Ähnlich wie es MARK BAGLEY mit dem ULTIMATIVEN SPIDER-MAN erging, nämlich einen jugendlichen Neustart hinzulegen, schafft es auch CORY SMITH in Actionszenen wie auch in familiären und schulischen Sequenzen den amerikanischen Teenager ins beste Licht zu setzen.

Schule als Actionspielplatz, der Weltraum für das große Abenteuer: Hier lassen sich natürlich Parallelen zu SPIDER-MAN finden. Auch muss der neue Held herausfinden, wo die Kräfte herstammen, ob es sich lohnt ein Held zu sein, noch dazu dort, wo anscheinend an jeder Ecke einer existiert. In einem schönen Dialog mit einem anderen NOVA werden einige Fragen beantwortet. Der inzwischen stattgefundene Zeichnerwechsel, nämlich die Stiftübergabe von CORY SMITH an R. B. SILVA fällt technisch betrachtet kaum auf. Man könnte einzig behaupten, dass SILVA grafisch ein wenig mehr zum Kollegen STUART IMMONEN tendiert (vergleicht man seine Arbeit mit IMMONENS Einsätzen bei den ULTIMATIVEN X-MEN). Bei NOVA wurde sehr auf eine Kontinuität im Erscheinungsbild der Serie geachtet.

SEAN RYAN gibt NOVA ein feines, episodenübergreifendes Rätsel zu knacken. Gleichzeitig wirbeln kurzweilige Abenteuer das Leben des Highschool-Schülers und seiner kleinen Familie durcheinander. Zwei Top-Zeichner, CORY SMITH und R. B. SILVA, gestalten den abwechslungsreichen Comic-Knaller um einen Nachwuchshelden, der mit kaum weniger Problemen umgehen muss, als der damalige junge SPIDER-MAN. 🙂

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Dienstag, 29. August 2017

DIE EISENDIVISIONEN 1 – DAS ROTE KOMMANDO

Filed under: SciFi — Michael um 14:58

DIE EISENDIVISIONEN 1 - DAS ROTE KOMMANDOLeutnant Tanja Jakwolewa stellt sich ihrem neuen Vorgesetzten gleich richtig vor. Ihr perfekter Flug manövriert die deutschen Abfangjäger aus. Ihre Zielgenauigkeit holt den Feind vom Himmel. Politkommissar Kirigin ist begeistert. Mit dieser Pilotin ist nicht nur ein neues Aushängeschild der Hoffnung gefunden, gleichzeitig wäre diese Frau tatsächlich fähig, eine der letzten Kampfmaschinen ans Ziel zu führen, dem Meka-Panzer Wilhelm Gustloff …

Die Weltgeschichte hat sich verändert. Der II. Weltkrieg endet nicht 1945, sondern die Kriegsparteien stehen sich weiter gegenüber. Die Techniken haben sich sogar radikal verändert. Der Leser verfolgt das Geschehen aus russischer Sicht. Die Rote Armee kämpft gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner. Deutschland bläst zum letzten Sturm auf Moskau. Das technische Drumherum hat verschiedene Anknüpfungspunkte.

Einerseits dürften sich Fans der MASCHINEN KRIEGER, einem japanischen Franchise aus den 1980ern, mit diesem Szenario anfreunden können. Andererseits dürften Science-Fiction-Fans und Freunde alternativer Szenarien hier einiges für sich entdecken. Mit THE RED STAR war die Rote Armee schon einmal im Zentrum einer fantastischen Zeitlinie. Und mit BATTLETECH finden sich zu DIE EISENDIVISIONEN ebenfalls Vorbilder aus den 1980ern, dort allerdings streng in der Zukunft platziert. Die Ähnlichkeiten zu mechanisierten Kampfläufern und entsprechenden Kampfanzügen sind nicht wegzudiskutieren.

Das Szenario funktioniert. Medial anders und früher haben sich schon Autoren wie PHILIP K. DICK (Buchvorlage zur Serie THE MAN IN THE HIGH CASTLE) oder ROBERT HARRIS (VATERLAND) mit alternativen Realitäten basierend auf Abweichungen des II. Weltkriegs beschäftigt. JEAN-LUC SALA, der Autor von DIE EISENDIVISIONEN ist mit der Zeitlinie (insgesamt bis 1948), die er sozusagen im Vorspann des Albums entwirft, in bester Gesellschaft. Durch die technischen Errungenschaften, natürlich der Zeit von 1946 weit voraus, dem Jahr der hier vorliegenden Handlung, fügt sich ein deutlicher Science-Fiction-Aspekt der Geschichte hinzu. JEAN-LUC SALA beschreitet so einen etwas leichteren, unterhaltsameren Weg als seine Romankollegen.

RONAN TOULHOAT, verantwortlich für die Zeichnungen und die Kolorierung, macht aus dem ersten Band von DIE EISENDIVISIONEN ein düsteres Geschehen. Es herrscht Winter, die Umgebung ist streng militärisch, mit grauen, ockerfarbenen Uniformen, eisengrauen Einheiten, auf metallischen zwei Beinen, teil sogar noch mehr. Blendende Farbtupfer bestehen aus martialischem Rot, Explosionen leuchten, Tageslicht strahlt aus Deckenluken in Hangars hinein, weiße schnurgerade Striche simulieren in Actionszenen hohe Geschwindigkeiten. Unschärfen und ungewöhnliche Blickwinkel sorgen für Moviefeeling.

Die Figuren sind leicht karikiert, etwas überzeichnet, so dass ihre jeweilige Charakteristik sich im Gesicht, in der Haltung, der grundsätzlichen Mimik abmalt. Jede Figur ist einprägsam dargestellt. Atmosphärisch ist die Mitte der 1940er Jahre im Kriegszustand sehr gut eingefangen. Hier wurde an alles gedacht, von der Mode, über Haarschnitte, bis hin zur Technik. Selbst die erdachten Weiterentwicklungen gliedern sich optimal in das Szenario ein: Soldaten in gepanzerten Kampfanzügen auf dafür eigens konstruierten Motorrädern. Das geht weit über einfache Speederbikes hinaus.

Finsteres Szenario, auf Augenhöhe mit den herausragenden Alternativweltszenarien aus Comic, Roman und Film. Wer das Genre mag, wird von den Ideen von JEAN-LUC SALA begeistert sein. Der finale Lauf ist beeindruckend rasant geraten, sehr tragisch. Hervorragend illustriert von RONAN TOULHOAT, der mit tollem Auge und Fingerspitzengefühl für die Kolorierung aufwarten kann. 🙂

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Montag, 28. August 2017

SUPERMAN – Sonderband 2 – SUPER-SÖHNE

Filed under: Superhelden — Michael um 18:01

SUPERMAN - Sonderband 2 - SUPER-SÖHNEEin neuer Superman ist auf der Erde. Sein Vorgänger ist tot. Es ist ein Heldenvakuum entstanden. Dem neuen Superman, der lange Zeit mit seiner Familie im Geheimen lebte, bleibt nichts anderes übrig, als an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. Ein neuer Clark, eine weitere Lois und ein echter Superboy, denn dieses vorbestimmte Pärchen hat einen Sohn namens Jonathan. Jonathan geht zur Schule, ist noch recht jung und Geheimniskrämerei ist für ihn nicht gerade leicht …

Während dieser neue SUPERMAN bei vielen Helden gut ankommt, seine Hilfe gern gesehen wird, reißt sich BATMAN natürlich nicht um den für ihn fremden Kryptonier. Es bleibt zunächst bei einem kleinen Intermezzo, denn SUPERVATER und SUPERSOHN haben noch eigene Abenteuer zu bestehen. Fernab in der Vergangenheit mit soldatischen Helden und Dinosauriern, vorher gibt es noch einen kleinen Trip zur Kirmes. Aber dann: Das Titelbild kündigt es bereits an. Nicht nur SUPERMAN und BATMAN treffen aufeinander. Die Supersöhne, DAMIAN WAYNE und JONATHAN KENT alias ROBIN und (naja, nicht ganz) SUPERBOY, treffen sich ebenfalls. DAMIAN kann, höflich ausgedrückt, mit dem eher fröhlich eingestellten JONATHAN nicht viel anfangen.

Zusammentreffen zwischen SUPERMAN und SUPERBOY gab es schon, nicht immer waren diese sehr freundlich. Eine verwandtschaftliche Beziehung wie hier, als Vater und Sohn, war eigentlich lange fällig. Als Zeichner macht JORGE JIMENEZ hier den Anfang. Nach einem ordentlichen Superheldeneinsatz wird es familiär. Clark Kent geht mit Frau und Sohn zum Rummel. Die Kirmesatmosphäre ist dank der tollen Illustrationen von JORGE JIMENEZ zeitweilig recht düster. Wegen einer Nebengeschichte entsteht der Eindruck, gleich verwandele sich das Ganze in den schaurigen Kirmesplatz eines PSYCHO CIRCUS. PETER J. TOMASI und PATRICK GLEASON übernehmen es, die Handlung zu erzählen und bleiben auch für den Rest des Bandes in dieser Funktion erhalten.

Dieser gestaltet sich sehr abwechslungsreich und dank verschiedener Zeichner (den Part übernimmt PATRICK GLEASON ebenfalls einmal) bleibt es auf jeder Seite stilistisch und technisch sehr anspruchsvoll. DOUG MAHNKE darf SUPERVATER, SUPERSOHN und KRYPTO in einem gemeinsamen Abenteuer, sogar eine Doppelepisode, angesiedelt in der Vergangenheit, zeichnen. DIE VERGESSENE WELT von SIR ARTHUR CONAN DOYLE lässt grüßen. Urwaldliches Flair, ein einbeiniger US-Soldat und eine Begegnung, die KING KONG blass aussehen lässt, machen aus FLUCHT VON DER DINOSAURIER-INSEL einen abgefahrenen Spaß.

PATRICK GLEASON übernimmt als Zeichner die Doppelepisode um die SUPER-SÖHNE. Wenn Beinahe-Teenager sich zuerst in die Haare kriegen, sich später zusammenraufen und ein Team-Up bilden, wackeln natürlich die Wände. Klar, dass hier nicht alles bierernst zugeht. PATRICK GLEASON führt einen zarten, sehr exakten Strich und erinnert im Endergebnis stilistisch an die Kollegin FIONA STAPLES (SAGA), die allerdings noch deutlich reduzierter zeichnet. Würde JOHN KALISZ (Farben) auf Verläufe, Texturen etc. verzichtet und eine rein flächige Kolorierung gewählt haben, wäre die Ähnlichkeit der Arbeitsweise der beiden Zeichner noch größer.

Dr. ALEC HOLLAND alias SWAMP THING: Wenn diese mysteriöse Kreatur auftaucht, sogar wortwörtlich, geraten selbst die Stärksten in Schwierigkeiten. Ein SUPERMAN, gewohnt, dass ein rechter Haken genügt, um für Klartext zu sorgen, wird hier ordentlich in seine Schranken gewiesen. JORGE JIMENEZ zeigt hier die TWILIGHT-ZONE-Seite des DC-Universums, teils ganzseitig, sehr opulent, teils gruselig, auf jeder Seite eindrucksvoll.

Ein breit gefächertes SUPERMAN-Angebot aus dem neuen REBIRTH des DC-Universums. Der Supersohn JONATHAN KENT bringt eine schöne, feine Facette mit ins Spiel, die bereits jetzt für allerlei Aufregung sorgt. Top-Illustratoren wie DOUG MAHNKE, JORGE JIMENEZ und natürlich PATRICK GLEASON machen den zweiten Sonderband von SUPERMAN zu einem Fest für Fans. 🙂

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Donnerstag, 24. August 2017

JACKIE KOTTWITZ – Gesamtausgabe Band 6

Filed under: Thriller — Michael um 13:56

JACKIE KOTTWITZ - Gesamtausgabe Band 6Die junge Frau vermisst ihren … Verlobten. Etwas in der Art ist er für sie. Sie kennt nur seinen Vornamen. Sie kennt seinen Nachnamen nicht. Sie weiß nicht, welchen Beruf er ausübt, noch weiß sie, wo er wohnt. Die Frau, die JACKIE KOTTWITZ da so verloren gegenüber sitzt, wirkt wie aus der Welt gefallen. Immerhin kennt sie das Alter … ihres Freundes. Er reise viel, berichtet sie. Auch das ist ihr bekannt. Wohin? Diese Informationen fehlen ihr. Jackie stützt seine Ermittlungen normalerweise auf diesen oder jenen Hinweis. Hier ist er erst einmal vollkommen ratlos.

ALAIN DODIER beherrscht die harmlose Ausgangssituation meisterhaft. JACKIE KOTTWITZ will nur eben etwas aus dem kleinen Laden holen. Er will einer unbekannten jungen Frau helfen, die so verloren und unschuldig wirkt. Er will nur Urlaub machen, auf einem beschaulichen Bauernhof in der Provinz. JACKIE KOTTWITZ treibt sich mit seinen Fällen nicht in der Hochfinanz herum, nicht in der Politik, noch nicht einmal ist immer ein Auftrag vonnöten, um ihn so richtig in Schwierigkeiten zu bringen.

EIN RAUBTIER IM KÄFIG, der erste von drei hier versammelten albenlangen Kriminalfällen, lässt den jungen Privatdetektiven die Bekanntschaft einer ebenfalls jungen Frau machen, die kurz danach ihr Gedächtnis verliert und nicht mehr weiß, wer sie ist. Leider wissen andere über sie Bescheid. Hier fügen sich mehrere Bausteinchen sehr geschickt ineinander. ALAIN DODIER lässt den Leser hier etwas mehr wissen als unseren Helden. So fiebert man mit, wenn JACKIE KOTTWITZ in seinem Unwissen immer weiter auf die Gefahr zustolpert.

Ist der Beginn von DIE MARIONETTE für einen Fall schon außergewöhnlich, ist es der Einstieg in EIN KLEINES STÜCK VOM PARADIES erst recht. Von JACKIE KOTTWITZ ist zunächst keine Spur zu sehen. Und auch nachdem sich die Handlung nach vorn bewegt, der Ermittler sozusagen vor Ort angelangt ist, weiß er nichts von der dunklen Wolke, die da über ihm schwebt. Der Leser kennt diese Wolke und darf nur hoffen, dass JACKIE KOTTWITZ rechtzeitig hinter das Geheimnis kommt, denn er ist alles andere als in einem PARADIES gelandet. Ohne zu viel zu verraten, darf hier angemerkt werden, dass ihm ein verschlagener, leicht wahnsinniger und in gewisser Weise skurriler Gegner gegenüber steht.

Die Fälle von JACKIE KOTTWITZ scheuen einen Vergleich mit deutschen Gegenübern, denen in neuerer Zeit ebenso wie jenen, aus den großen TV-Krimitagen. Die Atmosphäre erinnert mehr an MAIGRET. ALAIN DODIER findet das Provinzielle, das Kleine, sogar in den Szenarien, die in der französischen Hauptstadt handeln. Obwohl die Geschichten in dieser 6. Gesamtausgabe zwischen 2000-2005 erschienen sind, leben die Menschen in den Geschichten ein Stück weit rückwärts gewandt, wie in einer konsequenten Verweigerung modernen Lebens. Neuerer Technik wird eher hinterher gerannt. JACKIE KOTTWITZ knattert auf seiner SOLEX durch die Lande, seine Freundin fährt ENTE. Nostalgie zählt zu den Kernelementen der Reihe und findet in jeder Folge eine Betonung.

ALAIN DODIER lässt Einblicke in seine Arbeitsweise zu. Im Interview berichtet er von seinem Herangehen an den Aufbau einer Seite, dem Feilen an Bildern und Bildfolgen. Deutlich einsehbar wird seine Technik in den jeweiligen Anhängen zu seinen drei Geschichten. Teils wird an einem Bild gefeilt, ein anderer Ausschnitt gewählt, Bildfolgen in einer Zeile für den dramatischen Effekt noch feiner ausgetüftelt oder ALAIN DODIER probiert zuvor aus, wie eine Nebenfigur noch aussehen kann. So verfährt er für die Geschichte DIE MARIONETTE, in der ROSELINE, der titelgebende Charakter durch sein Äußeres bestimmt einen völlig anderen, etwas unnahbareren Eindruck vermittelt hätte.

JACKIE KOTTWITZ entführt den Leser in dieser 6. Gesamtausgabe hinein in die zwischenmenschlichen Abgründe. Der Tod ereilt die jeweiligen Opfer unerwartet, nicht immer schnell. Ungewöhnlich, spannend, leichtfüßig erzählt, toll illustriert. Unvorhersehbare Krimis, sympathische Hauptfigur. 🙂

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Montag, 07. August 2017

ISNOGUD: WIE DER VATER, SO DER SOHN!

Filed under: Cartoon — Michael um 9:42

DIE NEUEN ABENTEUER DES GROSSWESIRS ISNOGUD - BAND 2 - WIE DER VATER, SO DER SOHN!Wenn der Kalif dem Wahnsinn verfällt, das Reich ohne Herrscher antriebslos darniederliegt, muss ein Ersatz her. Vorzugsweise sollte dieser Ersatz aus der Familie des Kalifen stammen. Nur leider, leider hat HARUN AL-PUSSAH keinen Sohn und auch sonstige Verwandte sind in seinem Stammbaum schwer auszumachen. Großwesir ISNOGUD wähnt sich schon an seinem Lebensziel angekommen, nämlich Kalif zu werden anstelle des Kalifs, als ihm das Schicksal ein völlig unerwarteten Knüppel zwischen die Beine wirft …

Zurück in Bagdad der Prächtigen. Die Hochpolitik ist in die Welt von ISNOGUD eingezogen. Die Reichen und Mächtigen treffen sich auf einem G20, amüsieren sich prächtig, aber insgeheim läuft etwas gewaltig schief, sehr zum Nachteil von HARUN AL-PUSSAH. LAURENT VASSILIAN hat sich im zweiten neuen Abenteuer um den Großwesir, der so gerne Kalif anstelle des Kalifen werden möchte, einiges einfallen lassen. Und das ist weit untertrieben. Wenigstens zeilenweise, wenn nicht sogar bildweise geht es hier Schlag auf Schlag, Gag für Gag voran. Wäre die Episode, WIE DER VATER, SO DER SOHN!, eine Filmkomödie, bliebe zwischen den einzelnen Lachern, mal laut, mal leiser, kaum Zeit zum Luftholen.

Hier trifft Comic auf seit Jahren immer wiederkehrenden Zeitgeist, Popkultur, den politischen Krawall, die Irrungen und Wirrungen von Kunst und Familie. LAURENT VASSILIAN führt die Geschichte(n) um ISNOGUD mit all jenem notwendigen Wahnsinn weiter, dessen Grundstein von RENÉ GOSCINNY und JEAN TABARY gelegt wurde. Und was das für ein Wahnsinn ist! Nicht nur der Fund eines sehr außergewöhnlichen Thronanwärters erregt Aufsehen (KING RALPH lässt grüßen), sondern auch ISNOGUDS ungewöhnlicher Versuch, den neuen Machtsinhaber zu verhindern.

WIE DER VATER, SO DER SOHN! Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, so heißt es. Wie mag dann erst der Vater von ISNOGUD gewesen sein? Einen kleinen Vorgeschmack gibt das Titelbild. NICOLAS TABARY, der Sohn von JEAN TABARY, hat die Stilistik seines Vaters perfekt aufgegriffen und geht sogar so weit, in dieser Geschichte weit zu den Wurzeln von ISNOGUD zurückzugehen und einen Großwesir zu zeichnen, als dieser noch nicht so ausdrucksstark gewesen ist. ISNOGUD lebt vom Chaos. LAURENT VASSILIAN schafft durch seine Handlung eine tolle Grundlage für einen grandiosen Zickzackkurs, in dem ISNOGUD nicht nur seinem Vater, sondern auch sich selbst begegnet.

Der schmissige Cartoonstil von ISNOGUD ist eines der Erfolgsgeheimnisse der langlebigen Serie, die 1968 debütierte. Da darf sich der Leser nicht nur über den kleinen gestalterischen Rückblick ISNOGUDS freuen, auch DER KLEINE NICK wird angespielt, in Verbeugung vor dessen Erfinder RENÉ GOSCINNY. Wenn Elefanten fallen, erinnert dies an fliegende Hinkelsteine und ihre Folgen. Knackig fette Striche zaubern einen LAGERFELD als Modeberater des Kalifen aufs Papier. NICOLAS TABARY baut geschickt Werbung für weitere Veröffentlichungen ISNOGUDS in die Geschichte ein. Und in all dem Tohuwabohu gibt es unzählige Gesichter ISNOGUDS, allesamt Ausdrücke seiner Achterbahnfahrt der Emotionen, denn er wird von LAURENT VASSILIAN kurz vor dem Erfolg auf Null zurückgeworfen.

Ein Stehaufmännchen, aber ein böses. Kein Mitleid mit ISNOGUD. Der kleine Großwesir mit dem irren Blick ist eine Art früher Vorläufer von Frank Underwood, nur mit mäßigem Erfolg. Zum Glück für den Leser, denn mit erreichtem Ziel wäre die Serie zu Ende. Aber solange ISNOGUD nicht Kalif wird, so lange können NICOLAS TABARY und LAURENT VASSILIAN die tolle Komödie fortführen, gefüttert mit Sticheleien über tatsächliche Ereignisse und Gags am laufenden Band. Knallend prall illustriert von NICOLAS TABARY, ist Band 2 der neuen Abenteuer perfekt in die Tradition der Reihe eingegliedert. Fans dürfen sich freuen. 🙂

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