Dienstag, 08. Juli 2008
Kent Brockman steht vor dem Springfielder Staudamm. Es regnet unaufhörlich und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis … – Oh? Schon vorbei. Dann kann sich Springfield nach diesem kleinen Schauer mit dem Loch im Boden befassen, das sich mitten auf der Hauptstraße aufgetan hat. Ja, es ist wieder was los in der Stadt. Wenngleich sich auch nicht alle dafür zu interessieren scheinen. Bart jedenfalls nicht. Und Homer auch nicht. Nur Lisa, die immer ein Auge und ein Ohr auf die Umwelt gerichtet hat und helfen möchte, versucht ihre Mitmenschen von der Notwendigkeit von Antikatastrophenmaßnahmen zu überzeugen. Vergebens. – Habe ich jetzt zuviel verraten? Aber das war doch klar, oder?
Dieses Titelbild der 141. Ausgabe der Simpsons Comics enthält drei Fehler!
1. Der Fisch links oben hat drei Augen.
2. Das Sandwich, von dem Homer abbeißt, enthält ganz offensichtlich auch Salat und Gemüse.
3. Homer kaut.
Mehr Fehler lassen sich in dieser Ausgabe aber auch nicht finden. Ganz im Stile alter Katastrophenfilme wird Springfield von einem Loch im Boden, einem Supergau und einer Springflut bedroht. Wer zeitweilig Nachrichten aus den USA verfolgt hat, dem werden die einen oder anderen Löcher im Boden untergekommen sein. (So zum Beispiel im texanischen Daisetta.) Ein bevorstehender Dammbruch ist auch ein Thema in Erdbeben, einem Filmklassiker mit Charlton Heston. Nur brechen die Wassermassen anschließend nicht aus den Kühltürmen eines Kernkraftwerkes hervor.
Überhaupt ist unter den Lesern der Simpsons der Cineast wieder einmal gefragt. Flanders mutiert zu einer Art Evan Almighty und baut eine Arche. Abrahm Simpson surft über die Wellen von Springfield wie einst Patrick Swayze in Gefährliche Brandung. Und alle Fans des Kinofilms der Simpsons werden erfreut feststellen, dass auch das Spider-Pig einen Platz auf der Arche gefunden hat.
Und wer sagte: Lauft, ihr Narren!
Oder jedenfalls so ähnlich.
Len Wein kennt seine Pappenheimer, Verzeihung, Springfielder. So ist es klar wie Kloßbrühe, dass Homer und Bart nur zur Hilfe zu animieren sind, wenn sie dabei etwas kaputt machen dürfen. Bart darf mit dem Hammer auf etwas einschlagen. Homer darf mit dem Bulldozer buddeln – und sich nebenbei wie Evel Knievel fühlen. Der Name dieses berühmten amerikanischen Stuntmans dürfte hierzulande nicht ganz so bekannt sein.
Wein blödelt herum. Der vorliegende Band entspricht sehr schön einer Fernsehepisode – es sollte nicht wundern, wenn diese Folge einmal zwecks Verfilmung vorgesehen war.
Ein schöner Spaß – und wieder gibt es nichts an den Zeichnungen zu mäkeln, denn die sehen auch durch die Arbeit von Carlos Valenti so aus wie immer.
Und so möchte ich mit einem sinnvollen Zitat von Homer schließen: Aach. Wie kann ich zu spät sein? Das sind doch Überstunden. 😀
Montag, 07. Juli 2008
Es soll eine ganz normale Jagd sein. Der Hirsch ist auf der Flucht. Er kennt den Wald, aber Moskip ist ein erfahrener Jäger, der zielgenau zu Werke geht. Am Fuße eines halb verbannten Baumes findet Moskip kurz darauf eine tote Mutter mit ihrem Neugeborenen.
Von den Umständen ihres Todes nimmt er nicht so recht Notiz. Ihren einzigen Besitz, einen Beutel mit blutroten und federleichten Steinen begräbt er nahe des Baumes zusammen mit dem Leichnam. Den kleinen Jungen aber nimmt er aus Mitleid mit.
Gladhin, Moskips Frau, kann keine Kinder gebären und so ist dieses Kind ein Geschenk des Himmels. Mahnende Stimmen aus seinem Clan ignoriert Moskip bewusst. Es ist ein Kind. Was soll an einem Kleinkind ohne Eltern bedrohliches sein?
In den folgenden Jahren, in denen der Kleine, den seine Zieheltern Laith nennen, aufwächst, entwickelt er sich zunächst wie ein ganz normales Kind. Bis auf eine Kleinigkeit. Regen macht Laith Angst. Sobald die ersten Tropfen fallen, flieht der Junge in die Unterkunft seiner Eltern. Eines Tages geschieht das Unfassbare. Im Augenblick größten Leids offenbart Laith seine geheime Kraft, die alsbald für andere Grund genug ist, um des Kindes habhaft zu werden.
Mit der ersten Episode von Kind des Blitzes mit dem Zusatztitel Blutsteine startet ein neuer Dreiteiler der Newcomer Manuel Bichebois (Text) und Didier Poli (Zeichnungen) im Fantasy-Genre.
Obwohl sich der Leser in einem phantastischen Land mit einer katzenähnlichen Rasse wieder findet, wird das Phantastische der Szenerie in einem sehr begrenzten Rahmen verwendet. Das Überbordende anderer Schwert- und Magieszenarien sucht man hier vergebens und gerade dieses behutsame Herangehen an das Genre ist irgendwie erfrischend.
Laith ist ein liebenswerter kleiner Kerl, der ganz normal im Umfeld seiner gleichaltrigen Freunde groß wird. Was die Ängste Laiths anbelangt, kann der Leser dank der Bilder schon ahnen, was auf den Jungen zukommen wird. Dennoch bleiben die Geheimnisse um seine Abstammung offen. Ein wenig erinnert Laith mit seinen Kräften und dem Interesse, das er hervorruft an Slhoka, eine andere phantastische Serie. Thematisch zwar völlig anders, steht dort allerdings ein junger Mann im Zentrum des Geschehens, der durch seine anormalen Kräfte, die er hinzugewonnen hat, interessant für diverse Mächtige wird.
Will man das Flair von Kind des Blitzes eingrenzen, ließe sich der Begriff einer Charles Dickens-Fantasy verwenden.
Die Beziehung des Ziehvaters zu seinem Sohn ist ein Kern der Geschichte, die gleich von zwei Bösewichten und den düsteren Vorahnungen des eigenen Clans überschattet wird. Eine Geschichte kann den Leser über viele Wege fesseln. Hier wird die Liebenswürdigkeit gewählt. Laith und sein Ziehvater Moskip sind außerordentlich sympathisch, was die Ereignisse noch dramatischer werden lässt, nachdem einem die beiden so ans Herz gewachsen sind.
Die Bilder von Didier Poli und dem im Bereich Farbe unterstützenden Tariq Bellaoui tun ihr Übriges, um diesen Eindruck noch zu verstärken.
Die humanoiden Wesen mit Katzenohren und –nasen sind niedlich zu nennen, aber nicht zu sehr. In gewissem Sinne offenbart Poli hier ein Talent, wie es auch den Charakterdesignern eines Star Wars-Universums zueigen ist. Verfremdung ja, aber nur so weit wie es dienlich ist. Am Beispiel der Reittiere wird dieses Talent noch deutlicher. Einiges – für den Leser schade – wird nur angerissen. Kriegsgerätschaften, Rüstungen, die große Stadt Onfidhen, technische und medizinische Apparaturen, all die Kleinigkeiten und Großigkeiten, die zur fühlbaren Echtheit eines gelungenen Szenarios beitragen, sind hier derart reichlich vorhanden, dass ein Quellenband zu dieser Trilogie sicherlich bequem und sehr informativ einen weiteren Band fühlen könnte. – Und er wäre bestimmt sehr interessant.
Eine sehr gedeckte, herbstlich winterliche Farbgebung gibt den Bildern eine warme, einem Gemälde nicht unähnliche Atmosphäre. Der Farbauftrag simuliert eine natürliche, am Zeichenbrett entstandene Kolorierung und gibt den Bildern obendrein eine schöne Unregelmäßigkeit. Zusammen mit sehr sorgsam gewählten Ansichten und einem schönen Bildaufbau fällt die Konzentration auf einzelne Seitenbereiche leicht.
Wie aus dem Lehrbuch für angehende Comic-Künstler. Nicht umsonst wurden die beiden Macher Bichebois und Poli (hoffentlich auch Bellaoui) mit dem Albert Uderzo Award (Sanglier de Bronze) als beste Newcomer ausgezeichnet. Wer eine etwas getragene, gefühlvolle Fantasy mag, mit einer hohen Konzentration auf die Charaktere und sehr schönen Bildern, liegt hier genau richtig. 😀
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Das ist Latein! – So viel wissen die Besitzer der kleinen Glaskugel bereits. Aber was bedeutet der Spruch: Refer aliquem oculum in orbem meum sine lacrima manus tua a daemonio devorabitur.
Konan, Soizik und Gwémon bemühen sich nach Kräften, die Haushälterin der Pfarrers zu einer Übersetzung zu bewegen. Beschimpfungen nutzen nichts. Und die Bestechung mit einem Hammelkopf, damit der Pfarrer auch einmal Fleisch ist statt immer nur Fisch, geht auch nach hinten los. Ein Tier, dessen Kopf an den Teufel erinnert, ist in einem Pfarrhaus nicht gerne gesehen. Aber da ist noch die Kette, die Soizik dem Meer, oder besser einer Ertrunkenen abgenommen hat. Das wäre ein Anreiz für Rozenn, die Haushälterin.
Im Dorf unterdessen ist jemand auf der Suche genau nach der Kette, die Soizik soeben gegen eine Information eingetauscht hat. Die junge Frau, in Männerkleidung gehüllt, verleiht ihrer Frage nach der Kette ebenfalls mit einem Tauschobjekt Ausdruck. Einen ganzen Louis d’or, eine Goldmünze, kann sich der Finder der Kette verdienen. Aber niemand weiß etwas. Daran ändert auch die Entrüstung nichts, als die junge Frau die Münze im vor Leiden geöffneten Mund einer Christusfigur platziert.
Konan, die namensgebende Figur des Untertitels des zweiten Bandes von Das Geschlecht derer von Porphyre, hat eine furchtbare Vergangenheit. Im Alter von sieben Jahren wurde er als Kind verurteilt und ins Gefängnis geworfen. Völlig allein gelassen muss er sich den Schrecken des Gefängnisses stellen und durchlebt ein Martyrium ohnegleichen. Konan ist nun zurück in seiner Heimat, mit verhärtetem Herz und auf der Suche nach einem Schatz.
Balac (Yann) erzählt eine todernste Geschichte über Leid und Hoffnungslosigkeit und dem Wunsch, dieser Mausefalle namens Leben zu entfliehen. Ein Schatz bietet genau die Grundlage dafür. Der Schatz der Porphyre, ein Schatz der Strandräuber, ist eine Legende, weshalb der Glaube daran nur sehr vorsichtig geschürt wird. Konan ist misstrauisch – eigentlich wie jeder im Dorf und der Umgebung – aber er ist bemüht, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Wie das Geheimnis an ihm nagt, frisst das Nichterkennen seiner Mutter in Auge und Stimme an ihm und ihr Wahnsinn setzt ihm außerdem zu.
Balac schafft ein historisches Strandräuberdrama, in dem die Protagonisten immer nur bis Strand kommen, aus den Trümmern der Schiffe ernten und nie auf das verheißungsvolle Meer hinaus und von hier weg kommen.
Eifersucht, Brutalität, Arroganz treffen hier aufeinander. Die Handlung gipfelt in einem Unwetter. Der Leser findet sich zusammen mit den Hauptfiguren in einem Loch an der Küste wieder. Dort haust ein Krake, bereit seine unwillkommenen Gäste zu empfangen, zu umarmen und nie mehr gehen zu lassen.
So realistisch das historische Szenario auch ist, so verwunschen ist der optische Effekt der Landschaft, die von Joel Parnotte gestaltet wurde. Gesichter, in den Fels gehauen, schreien lautlos aus dem Gestein. Höhlenartige Gewölbe mit Schiffsunrat oder ein zerstörtes Schloss zeigen, wie sehr die Atmosphäre groß geschrieben wird in dieser Geschichte und wie wichtig sie auch für die Erzählung ist. Denn diese unausgesprochen gruselige, düstere und verlorene Umgebung wirken wie ein weiteres Gefängnis, dem Konan nicht entrinnen kann.
Joel Parnottes Zeichenstil könnte man als Mixtur aus Disney und Hermann beschreiben. Da die Handlung während einer einzigen Nacht spielt, ist die Farbgebung beinahe in so etwas wie eine amerikanische Nacht getaucht. (Ein alter Filmtrick, bei dem Tagaufnahmen mit einem Blaufilter überlagert werden, um einen nächtlichen Eindruck zu erzielen.) Hier treffen mannigfaltige Blautöne auf das Orange, Rot oder Gelb von Laternen oder des Mondes. Die Farbkontraste sind reizvoll, knallig, intensiv. Durch den Einsatz von brauner Strichführung verschmelzen die Figuren stärker mit der Umgebung, als dass es bei einer reinschwarzen Linienführung der Fall wäre. Dank dieser farblichen Technik entsteht auch hier ein Trickfilm auf Papier-Effekt.
Und gerade, als die Spannung am größten ist, endet diese Episode. Balac beendet die Handlung mit einem tragischen Cliffhanger und vielen offenen Fragen. Ein sehr eindringlich gemaltes Historienabenteuer, das den mysteriösen Aspekt der Handlung farblich treffend unterstützt. Sehr gut. 🙂
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Samstag, 05. Juli 2008
Vielleicht hätte Hughie zuerst den anderen zuschauen sollen. Leider fällt ihm nicht auf, dass seine Kumpels den Schnaps über die Schulter wegkippen und nicht trinken. Und so helfen ihm auch seine Superkräfte nichts, als dieses Teufelszeug beinahe seine Speiseröhre verätzt. In Russland trinkt man eben etwas anders als im Rest Europas.
Willkommen in Mütterchen Russland. The Boys sind im Lande, aber nicht zufällig. Sie haben einen Auftrag. Jemand, dessen Identität sich noch nicht offenbart hat, stellt eine Superheldenarmee auf. Klar, dass das nicht im Sinne derer ist, die ein Auge auf diesen Heldenabschaum haben.
Superhelden sind äußerst kaputte Typen – nicht alle, aber viele von ihnen – einige wissen über ihren Zustand Bescheid und finden es selber krankhaft, wollen etwas dagegen unternehmen. Andere … Ja, andere haben ganz einfach ihren Spaß daran und nutzen jede Gelegenheit, um sich mannigfaltige Weise auszutoben.
Doch sie haben die Rechnung ohne die Boys gemacht, eine kleine Gruppe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, diesen Helden im Sinne der Allgemeinheit in den Ar… zu treten. Helden, die glauben, sie kämen auch mit einem Mord davon, haben ganz schlechte Karten.
Garth Ennis erzählt mit der zweiten Ausgabe von The Boys seine ganz eigene Version einer Welt mit Superhelden fort. Bevor es in der zweiten Episode politisch global wird, Der glorreiche Fünfjahresplan, muss zuvor ein Mord aufgeklärt werden. Ein homosexueller Junge wurde tot am Fuß eines mehrstöckigen Hauses aufgefunden. Aus einer ganz normalen Mordermittlung wird bald eine Mörderjagd auf einen Superhelden.
Die Episode Eingelocht ist absolut politisch unkorrekt – so jedenfalls verspricht es die Überleitung zum zweiten Teil dieser Geschichte. Ich möchte behaupten, dass Garth Ennis derlei Überlegungen ziemlich fremd sind. Nicht nur diese Veröffentlichung legt diesen Schluss nahe. Ennis geht diese Thematik aber nicht platt an, im Gegenteil wird das Homosexualität zu einem Streitthema zwischen Billy Butcher und dem Neuen in der Truppe, Wee Hughie, der an einer leichten Homophobie leidet, aber dennoch auf Fairness und Akzeptanz plädiert.
In der Theorie sind sie also okay, aber die Realität sieht anders aus, ja?
Ennis lässt Butcher zum Sprachrohr einer nicht ungewöhnlichen Feststellung werden. Da Butcher sowieso jedermann mit irgendwelchen Schimpfworten belegt und nie ein Blatt vor den Mund nimmt, mag man ihm diesen Charakterzug eher abnehmen als Hughies überängstliche Art irgendwelchen schwulen Schauermärchen aufzusitzen.
Die Auflösung ist menschlich, das Ende der anderen Handlungslinie ist abgedreht, wie so oft, wenn Ennis seine Finger im Spiel hat.
Ging er das Thema Homosexualität noch mit einem gewissen Fingerspitzengefühl an, knallt er mit der nächsten Geschichte wieder voll rein. Aber, auch das muss ihm zugute gehalten werden, mit Liebeswurst (fragt nicht!) wird eine Figur vorgestellt, die nicht nur ein sympathischer Russe ist, sondern auch ein großes Herz für Mütterchen Russland hat – und für seine amerikanischen Freunde. Das ist das große Plus von Ennis, dass er sich der Schwarzweißmalerei verschließt und bei allem Schweinskram, den er zur Zeichnung einer verkommenen Gesellschaft einfließen lässt, auch immer die Menschlichkeit zum Vergleich nebenan stellt.
Darick Robertson macht seine Sache als Zeichner sehr gut. Er hat aber auch Figuren erhalten, mit denen es sich trefflich arbeiten lässt. Butcher, Hughie (der optisch dem Schauspieler Simon Pegg nachempfunden ist), Mother’s Milk, Frenchman und das Weibchen.
Letztere ist einfach nur irre und darf diesen Charakterzug auch in diesem Band wieder unter Beweis stellen, als sie TekKnight auseinander nimmt. Wahnsinn und Wahnsinnskräfte vertragen sich nur bedingt und wenn sie unter Kontrolle zu halten sind.
Weniger gelungen ist der episodische Einschub von Zeichner Peter Snejbjerg. Die Zeichnungen sind nicht schlecht zu nennen, doch sie können mit den eher ernsthaften Bildern von Robertson nicht mithalten.
Eine gute Fortsetzung, nicht ganz so überraschend wie der erste Teil, dafür nicht weniger drastisch. Die Boys werden international, die Intrigen im Hintergrund werden komplexer. Das lässt einiges hoffen für die zukünftigen Ausgaben. Mal sehen, ob Garth Ennis seine unausgesprochenen Versprechen einhält. 🙂
Es war einmal im Krieg. Die Deutschen führen wieder einmal etwas im Schilde. Grausame Experimente sollen eine neue Waffe, einen neuen Typus von Soldaten erschaffen. Ein amerikanischer Stoßtrupp soll diesem Treiben ein Ende setzen.
Die Soldaten haben viel gesehen – zumal sie selbst einen äußerst außergewöhnlichen Einzelkämpfer in ihrer Gruppe haben – aber ein Wesen, zusammengesetzt aus Leichenteilen, ist auch ihnen neu. Wie gut, dass einer der ihren über eine interessante Fähigkeit verfügt. Bigby Wolf kann sich verwandeln. Und wie gut, dass er nicht mehr böse ist, der große Wolf.
Doch dieser Krieg der Menschen ist Vergangenheit. Auch der jüngste Überfall auf Fabletown ist Geschichte. Der Alltag der im Exil lebenden Fables normalisiert sich wieder. Schon bald stehen wieder andere wichtige Ereignisse auf der Tagesordnung, eine Wahl zum Beispiel. Neue Besen kehren gut, denken sich die Fables und wählen Prince Charming zu ihrem neuen Bürgermeister, einen Mann, der Verantwortung in dieser Form bisher nie kannte.
Nicht weniger alltäglich ist Bigbys Vaterschaft und wer seine und Snow Whites Kinder sieht, muss erst einmal staunen. Nach 44 Stunden andauernden Wehen ist endlich auch das sechste Kind auf der Welt. Das sechste? Mehr nicht?
Snow bleibt nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken, denn mit ihren Kindern muss sie auf die Farm, wo alle Fables leben, die nicht zur Gänze menschliche Gestalt annehmen können. Und zu allem Überfluss treibt plötzlich auch ein Mörder sein Unwesen, dessen Untaten kein erkennbares Muster ergeben.
Eine neue Zeit bricht bei den Fables an. Als Leser hatte man sich an die Führungsriege und an die Querulanten in Fabletown gewöhnt, doch nun sind die Rollen vertauscht. Snow White ist im Ruhestand, Bigby Wolf ist nicht mehr Sheriff und der ehemalige Bürgermeister King Cole muss sein Penthouse verlassen. Letzterer war sowieso immer irgendwie überflüssig, während Snow und Bigby die ganze Arbeit hatten. An ihrer Stelle sind nun das Ehepaar Beauty und Beast.
Nachdem Bill Willingham einen Krieg über die Fables brachte und das Gleichgewicht in der Gemeinschaft empfindlich störte, schlägt er nun mit einer weiteren von intelligenten Wesen geschaffenen Urgewalt zu: Verwaltungsarbeit!
Märchen können so einfach sein, die Organisation einer Stadt ist es nicht. Plötzlich kommt es zu Demonstrationen. Die Wähler erinnern sich doch tatsächlich an all die Versprechungen vor der Wahl – und im Gegensatz zu den Menschen wollen sie sich nicht von den Gewählten auf der Nase herumtanzen lassen.
Willingham erzählt diese Veränderungen mit einer guten Portion Humor. Gleichzeitig bietet diese Umstrukturierung auch neuen Lesern der Reihe einen guten Einstieg.
Darüber hinaus schöpft Willingham weiter aus einem scheinbar unerschöpflichen Reservoir an Mythen, Märchen und Legenden. Das bringt ihn zu einem der wohl seltsamsten Mörder in der Comic-Geschichte.
Nachdem Tony Akins die Geschichte um Frankenstein und den bösen Wolf gezeichnet hat und damit hinter der Qualität des Stammzeichners Mark Buckingham zurückblieb, setzt dieser nun die aktuellen Ereignisse der Fables fort. Eine klare Linienführung mit sehr sympathischen aussehenden Figuren – selbst wenn sie es charakterlich nicht sind – rufen tatsächlich ein wenig Märchenidylle hervor.
Ein gutes Beispiel für schöne eigene Ideen sind die fliegenden Kinder von Snow, die ihr Schwiegervater Mr. North im weiteren Verlauf der Handlung erziehen will. Überhaupt sind die ganzen verwandtschaftlichen Beziehungen für Überraschungen gut und so manche Anwesenheit eines Märchencharakters kann schon mal für ein unwillkürliches Glucksen sorgen.
Finstere Jahreszeiten brechen für die Fables an. Nach dem Krieg weiß Willingham wieder mit zwei abgeschlossenen Geschichten über die Märchenfiguren zu unterhalten. Dieser neue Erzählabschnitt ermöglicht auch einen guten Einstieg, für all jene, die mal eine etwas andere Fantasy ausprobieren möchten. 🙂
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Es beginnt im Krieg. Jeder Krieg ist schmutzig, doch dieser bringt eine neue schreckliche Dimension in das Schlachtengemetzel ein. Die Soldaten kämpfen sich von Schützengraben zu Schützengraben, von Schlammgrube zu Schlammgrube, von Stacheldraht zu Stacheldraht. Jeder Ansturm auf den Feind ist ein Selbstmordkommando.
Lord Henry Baltimore gehört zu den englischen Soldaten, die einen weiteren heldenhaften Angriff führen sollen. Sie werden schneller von gegnerischem Feuer niedergemäht, als sie vorher gedacht haben. Inmitten der Gefallenen, unter seinen toten Kameraden, macht Baltimore eine fürchterliche Entdeckung. Die Soldaten sind nicht allein auf den Schlachtfeldern. Da ist noch etwas, etwas anderes.
Baltimore wehrt sich gegen den Furchtbaren, verletzt ihn und ruft damit einen Schrecken in die Welt, den niemand erahnen konnte. Baltimore verlässt notgedrungen das Schlachtfeld, dem er ein Bein opfern musste. Aber das Wesen verfolgt ihn, quält ihn, tötet die, die er liebt, macht ihm und der ganzen Welt, wie es scheint, das Leben zur Hölle. Die Zeit vergeht, eine grauenhafte Zeit.
Eines Tages treffen sich drei Männer auf Geheiß von Baltimore in einem heruntergekommenen Gasthaus. Alle kennen sie den Veteranen, jeder aus einem anderen Grund. Und alle sind sie hier, weil sie die Geschichte des Lords glauben. Sie glauben, weil sie ähnlich phantastische Erfahrungen gemacht haben. Sie glauben, weil sie wissen, dass das Böse leibhaftig existiert.
Vier Männer gegen das Grauen. Mike Mignola und Christopher Golden mischen verschiedene Genres und Szenarien zu einer ungewohnten, aber atmosphärisch ungeheuer dichten Mixtur aus Krieg, Horror, Phantastik und Mythen.
Ganz im Stile viktorianischen Horrors bauen die beiden Autoren ihre Geschichte mit verschachtelten Episoden auf. Warum ist jeder der Protagonisten in diesem Gasthaus gelandet, wenn es doch möglich wäre, die abschließende Konfrontation zu vermeiden und damit ein einfacheres Leben zu führen?
Die Antwort geben Mignola und Golden durch ihre Beschreibungen dieser neuen Nachkriegswelt, in der sich die Pest ausgebreitet hat, die Menschen lethargisch geworden sind und Vampire jederzeit zuschlagen können. Wenn der Horror zu einer unendlichen Geschichte würde, wäre dies das Endergebnis.
Doktor Rose, Aischros und Childress sind Männer, wie sie auch ein Bram Stoker zusammengeführt hätte. Ihre Geschichten erläutern dem Leser wie in einem Puzzle, wie die Welt sich änderte und auch wie sie zu dem wurden, was sie nun sind. Außerdem erfährt der Leser, besonders durch Aischros’ Erzählungen, was Baltimore nach dem Krieg widerfahren ist, warum er letztlich der unerbittliche Jäger des Bösen wurde.
Beim Lesen stellt sich automatisch der Eindruck ein, es mit absoluter Kälte zu tun zu haben. Obwohl gefühlvoll geschildert, bleibt die Geschichte kalt, trostlos. Die Männer sind zwar beisammen, trotzdem bleiben sie einsam. In der zweiten Hälfte wendet sich dieses Gefühl. Nun hält eine Endgültigkeit Einzug. Mignola und Golden haben ihre finale Geschwindigkeit erreicht und halten diese. Und sie fahren geradewegs in eine Schlussexplosion, den Endkampf hinein, in dem sich all das entlädt, was zuvor aufgebaut wurde. Die Düsternis mag auch mit den Illustrationen zusammenhängen, die Mike Mignola für diesen Roman angefertigt hat. Im typischen Hellboy-Stil, einer Mischung aus Scheren- und Holzschnitt, werden die einzelnen Passagen optisch begleitet und vertieft.
Das wirklich gelungene dieser Geschichte ist nicht nur die Erweckung des guten alten viktorianischen Horrors, sondern auch ihre Erzählweise.
Jede der einzelnen Episoden, ganz gleich von wem erzählt, ist ein eigenständiges Werk und kann durchaus alleine bestehen. Ob Aischros Baltimore nach Hause begleitet und später noch einmal wiederkehrt, um den einsamen Mahner zu treffen, der sein eigenes Ende vorhersieht oder ob er als junger Mann in ein verfluchtes Dorf gelangt, alles ist stimmig und mit ganz eigenen Wende- und Höhepunkten versehen.
Da mögen besonders solche Ideen, wie die Begegnung von Doktor Rose mit einem dämonischen Bären begeistern und zum sanften Grusel einladen. – Bevor es in einer abschließenden und unausweichlichen Sequenz endet.
Selbst derjenige, der all das auslöste, das Monster, die Kreatur, der Vampir, er kann schließlich nicht mehr. Das muss sich die Kreatur selber eingestehen. Die Unerbittlichkeit des Menschen siegt nicht, wie der Krieg gezeigt hat, aber die Beharrlichkeit führt wenigstens zu einem Ende, einem furchtbaren, dass alle anderen Ereignisse in den Schatten stellt.
Sanfter und eindringlicher Horror, der gefangen nimmt und besonders durch seine sehr gute, sehr fein gesponnene Atmosphäre zu gefallen weiß. Ein klassisch wirkendes Werk, ungewöhnlich für eine moderne Zeit, dafür umso wichtiger. Mignola und Golden wecken den Wunsch, dass dieser Zusammenarbeit noch weitere folgen mögen. 🙂
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Freitag, 04. Juli 2008
Da gibt es doch immer noch Leute, die glauben, dass Jackie Estacado ein ganz normaler Mafioso ist. Jake Nightly ist so ein Kerl. Jake hat eine Rechnung offen und er sucht Streit. Wäre die Sache ein ganz normaler Mafiastreit, hätte er vielleicht eine Chance. Aber so?
Es gibt gute Killer, also solche, die ihr Handwerk verstehen, und solche, die einfach nur Blindgänger sind. Jake Nightly war ein guter Killer. Palanco hingegen ist eine Flasche vor dem Herrn. Jackie sieht nur einen Ausweg. Er befiehlt Palancos Tod. Doch Palanco ist nicht nur absolut dämlich, er scheint das Glück des Dummen auch noch gepachtet zu haben.
Sind es zu Beginn, kurz nach der Machtübernahme, noch die ganz alltäglichen Dinge mit denen sich Jackie in seiner neuen Funktion als Don herumschlagen muss, wird aus einem einfachen Krieg um die Vorherrschaft ein Kampf der übernatürlichen Kräfte.
Jackies Darklings treten gegen Drachen an. In Mister Kuo steht ihm ein chinesischer Killer gegenüber, der keine Dunkelheit benötigt, um seine ihm dienenden Kreaturen heraufzubeschwören.
Ein neues Leben für Jackie Estacado. Lange stand er im Schatten der Mächtigen, nun bekleidet er die höchste Position. Und sofort sind Neider und Konkurrenten zur Stelle, die ihm das Leben nehmen wollen.
In der 10. Werkausgabe der Darkness hat sich einiges für den ehemaligen jungen Schnösel im Dienste seines Onkels geändert.
Paul Jenkins schreibt seine Abschlussgeschichten um Jackie Estacado und übergibt an Ron Marz (Cyberforce). Die Auswahl ist für den Leser genau richtig. Nach ein paar Einzelepisoden geht es mit Dragons & Darkness an einen Mehrteiler, in den Jackie endlich einmal wieder einen Gegner hat, der ihm gewachsen zu sein scheint.
Wenn Hong Kong bedroht wird, werden Drachen zu Hilfe eilen.
Mit Kuo, dem chinesischen Killer, hat Ron Marz ein helleres und mythisches Gegenstück zu Jackie Estacado geschaffen. Kuo ist nicht ganz so cool – aber ebenso arrogant. Das Aufeinanderprallen dieser beiden Kontrahenten ist besser als andere ungewöhnliche Begegnungen der Darkness, dazu lassen sich auch die Kämpfe gegen die Witchblade oder die Angelus zählen.
Neben Ron Marz steht für dieses Horror- und Gangsterspektakel als Zeichner Martin Montiel zur Verfügung. Montiel gestaltet mit sehr viel Stil und Eleganz in der Linienführung. An den Darklings und besonders den phantastisch aussehenden Drachen kann er sich richtig austoben.
Wer dachte, in der Zeit nach Paul Jenkins würde es mit Ron Marz etwas gewaltfreier zugehen, der täuscht sich. Marz hat für Montiel einige Vorlagen geschrieben, die in jedem Splatter-Film für das nötige Grauen sorgen würden.
Insgesamt ist die kleine Mini-Reihe Dragons & Darkness eher ernsthaft, was dem Szenario um die Darkness auch sehr gut bekommt.
Zuvor setzte Jenkins mit seinen Episoden mehr auf schwarzen Humor, das passt zuweilen recht gut, sollte aber auch nicht überstrapaziert werden. Es sei denn, der Humor ist vollkommen überzogen.
Mit dem Killer Palanco ist das gelungen. Jenkins beschreibt einen Mann, der ein Attentat auf der falschen Straßenseite begeht und somit das falsche Ziel um die Ecke bringt. Und so dumm wie Palanco selbst ist, das Ziel zu treffen, so viel Pech haben jene, die den Mann für seine Dummheit bestrafen sollen. Steven Cummings (www.sc-shiki.com) zeichnet eher glatter, lustiger, unterstreicht mit seinem grafischen Stil die Komik der Handlung.
Knallhart hingegen fallen die Bilder von Eric Basaldua, Michael Choi und Romano Molenaar (www.romanomolenaar.com) aus. Die Handlung verlangt dies aber auch. Wenn ein Mafioso ins Gebet vertieft in einer Kirche erschossen wird, verbietet sich jeder Funny-Effekt. So sind die ersten beiden Geschichten eher als Gangster-Geschichten mit kleinen Horroranleihen zu verstehen. Paul Jenkins hat sich zum Schluss den Alltag eines Dons vorgenommen. Fast könnte man als Leser den Eindruck gewinnen, dass diese Schuhe ein wenig zu groß für Estacado sind.
Klassisch gangsterlich, modern gruselig, ein wenig Comedy zwischendurch. Ein perfekter Mix, zu jeder Zeit unterhaltend und kurzweilig, ganz besonders durch die kleine Mini-Reihe zum guten Schluss enorm spannend. 🙂
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Donnerstag, 03. Juli 2008
Krieg! Menschen und Zwerge stemmen sich gegen die Horden des Chaos. Von einem Augenblick zum nächsten verwandelt sich der Boden in ein Schlachtfeld aus Tod und Blut. Und langsam steigert sich die Angst, denn die Allianz aus Menschen und Zwergen kann den Ansturm der Monster nicht standhalten.
Tapferkeit und Heldenmut ist nicht alles. Auch Kriegswaffen wie Kanonen sind nicht dazu in der Lage, das Kriegsglück lange auf der Seite der Allianz zu halten. Dabei hatte alles so zuversichtlich begonnen. Die Verteidigung schien möglich, ein Zurückwerfen der Horde machbar. Aber das war vor wenigen Minuten, jetzt gewinnt der Feind die Oberhand.
Der Kampf tobt heftig und kurz. Am Ende heißt es nicht Rückzug, sondern Flucht. Sammeln für einen neuen Angriff, so denn jemals die Hoffnung auf einen Sieg besteht. Franz läuft durch den Wald, das dichte Gehölz, gejagt von seinen eigenen inneren Dämonen, die ihm diese Flucht drastisch vorwerfen. Als er erwacht, findet er in einem Spital verletzte Kameraden um sich herum versammelt.
Zunächst scheinen die Männer die Sicherheit dieser Zuflucht für eine gute Genesung nutzen zu können. Aber warum verabreicht man ihnen nächtens ein Betäubungsmittel? Was ist das überhaupt für ein Spital?
Franz kommt vom Regen in die Traufe.
In einem Szenario der finstersten Vergangenheit schicken die beiden Autoren Dan Abnett und Ian Edginton die Allianz gegen die Chaos-Horden. Gerade als der Leser glauben kann, er kann mit dem Gesehenen dieser Schlachtenschrecken umgehen, zeigt sich, dass noch schlimmere Feinde und Gräuel in dieser Fantasy-Welt gibt.
Kampf und Horror stehen im Zentrum dieses Szenarios, gerade so, wie es der Spieler auch von dem beliebten Tabletop-Spiel Warhammer her kennt. Mit Franz folgt der Leser einem menschlichen Kämpfer der Allianz geradewegs in die nächste Falle, wo nicht der Krieg, aber das Grauen wartet. Neben den Chaos-Horden warten Vampire und untote Skelette auf die erschöpften Krieger.
Abnett und Edginton gestalten eine höllische Achterbahnfahrt. Die Pausen zwischen den einzelnen Abschnitten sind kurz. Schnell fährt die Erzählung fort, nimmt andere Blickwinkel auf und wechselt auch die Hauptfigur. Nachdem ein menschliches Schicksal nach der Schlacht näher beleuchtet wurde, ist es kurz darauf ein Zwerg, der in der Arena zur Belustigung des Feindes kämpfen muss.
Die Brutalität spiegelt nur das Aussehen der Horden-Mitglieder wider, die weitaus furchtbarer wirken als die eher glatt gebügelten Monster aus dem allseits beliebten Herrn der Ringe.
Optisch machen all die Kämpfe einiges her und scheuen sich auch nicht in den Auswirkungen der Gewalt ins Detail zu gehen. Rahsan Ekedal zeichnet mit der Freude am Detail, wirft seine Figuren gerade in Kampfszenen in dynamisch aussehende Posen, gerade so, als seien Momentaufnahmen einer Kampfszene überzeichnet worden.
Schließlich, nachdem die Gewalt etwas ruht (aber nur etwas), wird es nicht nur gruselig. Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, finden sich verschiedene Streiter zusammen. Menschen, Zwerge, ein Magier nebst Greif gehören dazu.
Die Phantastik der Erzählung wie auch der Bilder reißt mit. Das Weiterblättern wird zu einem Muss. Das offene Ende zwingt zum Weiterdenken, obwohl bei der Übermacht des Feindes es keine Frage ist, was nun weiter geschehen wird.
Ein Kriegsepos in Fantasy-Gefilden, gewaltig, gewalttätig, düster. Das ist Warhammer, wie es die Spieler selber erleben können, vielleicht ein wenig tiefer gehend, aber letztlich ohne Wenn und Aber erzählt. Abnett und Edginton kennen sich aus. Mit Ekedal wurde ein perfekter Zeichner gefunden. Nichts für schwache Nerven.
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Das Raumschiff tritt in die Erdatmosphäre ein. Für die beiden Beobachter ähnelt eines einem herabstürzenden Asteroiden. Für jene, die an Bord des Schiffes sind, bleibt keine Zeit für derlei Gedanken, weil sie sich einer großen Gefahr stellen müssen.
Eigentlich sind sie genau deshalb an Bord, aber damit haben die Mitglieder der Cyberforce dann doch nicht gerechnet. Diese Außerirdischen sind Riesen. Und wie so mancher Große behandeln sie alles, was kleiner ist, mit Geringschätzung. Menschen, selbst so kraftvolle Wesen wie die Cyberforce, sind für sie nichts weiter als missratene Insekten, nicht einmal würdig, dass man das Wort an sie richtet.
Alsbald wendet sich das Blatt. Boomer stellt sich den Fremden in einem gewaltigen Showdown.
Der abschließende sechste Teil dieser Reihe um die Mitglieder der Cyberforce beantwortet keine Fragen – wie auch? Die Fremden reden nicht mit unwürdigen Menschen.
Ron Marz weiß als Autor sehr genau, dass nicht alle Fragen immer gelöst werden müssen. Manchmal ist es einfach so, wie es ist. Diese Fremden sind gekommen, um die Brut, die sie nie beabsichtigt hatten, zu vernichten. Nichts weiter. Außerirdische Kräfte sollen nicht Menschen innewohnen. Marz zeigt eine Cyberforce, die gerne verhandelt oder sich in anderer Art verständigt hätte, aber dazu erhalten sie keine Gelegenheit.
Pat Lee spielt zum Schluss weiter mit dieser Bedrohung und lässt die Fremden mit ihren stacheligen Helmen auch schon mal als Schattenriss erscheinen, aus dem nur die glühenden Augen den nächsten Angriff erahnen lassen – der dann auch nicht lange auf sich warten lässt.
Der Abschied – und vorerst ist es für den Leser einer – ist weiterhin voller Action und mit Resignation und Traurigkeit angereichert. Ein wenig erinnern die Fremden hier an einen anderen Riesen namens Galactus. Diese mögen nicht ganz so machtvoll sein, dafür treten sie gleich als Paar auf. Charakterlich haben sie hingegen viel mit ihren Kollegen aus dem Marvel-Universum gemein.
Grafisch ist es immer noch Top, was nicht zuletzt daran liegt, dass während der gesamten Produktion ein beinahe identisches Macher-Team eine gleich bleibende Qualität gewährleistet hat. Hier wurde viel Herzblut investiert – ob das stimmt, kann ich nicht sagen, aber der Qualität nach zu urteilen, stellt sich wenigstens dieser schlussendliche Eindruck ein.
Knallig bunt, groß, größer, riesig groß und noch mehr, so verabschiedet sich die Cyberforce (leider) mit dieser für den Leser runden Angelegenheit. Das Konzept dieser kleinen Reihe hat von Anfang bis Ende gepasst. Davon könnte es ruhig mehr geben. 🙂
Die Cyberforce hat das Mutterschiff der Angreifer gefunden. Es ist ihnen sogar gelungen, an Bord zu kommen. Doch wo ist der Feind? Ist denn keiner zu Hause? Die kleine Verschnaufpause nutzen die Cyberforce-Mitglieder, um sich sicherheitshalber voneinander zu verabschieden. Man weiß nie, was kommen mag.
Diese weise Voraussicht war beileibe nicht fehl am Platz, denn kurz darauf finden sie schon mehr Gegner, als ihnen lieb ist.
Velocity unternimmt einen kleinen Rundlauf durch das riesige Schiff. Überall herrscht gähnende Leere, bis plötzlich …
Auch der 5. Teil der Saga um die Cyberforce besticht durch atmosphärische SciFi-Bilder – stärker noch als zuvor, denn jetzt stehen die Team-Mitglieder vor ihrer direkten Konfrontation mit den Außerirdischen.
Mach’ es groß, müssen sich Ron Marz und Pat Lee gedacht haben, als sie an der Geschichte arbeiteten. Ganz im Sinne anderer außerirdischer Invasionen darf der Leser an der Seite der Cyberforce einen Blick in das Mutterschiff werfen. Der Eindruck ist nicht so groß wie der Leser es von einem Film wie Independence Day her kennen mag – aber er ist groß genug!
Die Scheinwerfer des Kreuzers der Cyberforce reißen Deck auf Deck aus der Dunkelheit. Da die Macher sich nicht lumpen lassen wollen, gestalten sie diese Szene auch gleich auf einer Doppelseite und erhöhen so den Effekt. Natürlich erwartet nicht nur das Cyberforce-Team einen Angriff, sondern auch der Leser – nach dieser Demonstration von Macht. Aber zunächst finden die Freunde – nichts!
Und als sie es dann finden, gestaltet Pat Lee auch gleich eine weitere Doppelseite voller Action, auf der die Tuscher Rob Hunter, Rick Basaldua und Sal Regla sich an allen Regeln der Kunst austoben können. Farblich müssen Matt Yackey und John Starr nachziehen.
Da das gesamte Team so konsequent gut zusammenarbeitet, stimmt das Ergebnis und so können sich bestimmt auch Leser, die vielleicht nicht ganz mit Lees Zeichentechnik einverstanden sind, an den Bildern erfreuen.
Lee zeichnet für das Auge gerne ein wenig sperrig. Das mag an der Mischung aus Manga-Stilen und herkömmlichen Übersee-Richtlinien liegen, die sich über die Jahre hinweg einfach festgesetzt haben. Aber gerade das leicht Unbequeme macht die Geschichten, insbesondere diese auch sehr spannend.
Ron Marz schreibt seine Geschichte mit dem größtmöglichen Aufwand, sät soviel Spannungselemente wie möglich und ist auch immer bemüht, so unvorhersehbar wie möglich zu bleiben. Zusammen mit Lees Bildern ergibt sich so ein tolles SciFi-Abenteuer mit vielen Überraschungen. – Wer das letzte, natürlich wieder doppelseitige Bild, dieses Bandes sieht, wird verstehen, was ich meine.
Jetzt geht’s rund. Die Cyberforce hat das Raumschiff der Fremden betreten. Dieses Abenteuer lässt es richtig krachen. Optisch werden Space Opera Fans sehr verwöhnt und können sich auf ein rundum tolles Vorfinale freuen. 🙂