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Comic Blog


Montag, 07. Juli 2008

Das Geschlecht derer von Porphyre 2 - Konan

Abgelegt unter: Abenteuer — Michael um 18:05

Das Geschlecht derer von Porphyre 2 - KonanDas ist Latein! – So viel wissen die Besitzer der kleinen Glaskugel bereits. Aber was bedeutet der Spruch: Refer aliquem oculum in orbem meum sine lacrima manus tua a daemonio devorabitur.
Konan, Soizik und Gwémon bemühen sich nach Kräften, die Haushälterin der Pfarrers zu einer Übersetzung zu bewegen. Beschimpfungen nutzen nichts. Und die Bestechung mit einem Hammelkopf, damit der Pfarrer auch einmal Fleisch ist statt immer nur Fisch, geht auch nach hinten los. Ein Tier, dessen Kopf an den Teufel erinnert, ist in einem Pfarrhaus nicht gerne gesehen. Aber da ist noch die Kette, die Soizik dem Meer, oder besser einer Ertrunkenen abgenommen hat. Das wäre ein Anreiz für Rozenn, die Haushälterin.

Im Dorf unterdessen ist jemand auf der Suche genau nach der Kette, die Soizik soeben gegen eine Information eingetauscht hat. Die junge Frau, in Männerkleidung gehüllt, verleiht ihrer Frage nach der Kette ebenfalls mit einem Tauschobjekt Ausdruck. Einen ganzen Louis d’or, eine Goldmünze, kann sich der Finder der Kette verdienen. Aber niemand weiß etwas. Daran ändert auch die Entrüstung nichts, als die junge Frau die Münze im vor Leiden geöffneten Mund einer Christusfigur platziert.

Konan, die namensgebende Figur des Untertitels des zweiten Bandes von Das Geschlecht derer von Porphyre, hat eine furchtbare Vergangenheit. Im Alter von sieben Jahren wurde er als Kind verurteilt und ins Gefängnis geworfen. Völlig allein gelassen muss er sich den Schrecken des Gefängnisses stellen und durchlebt ein Martyrium ohnegleichen. Konan ist nun zurück in seiner Heimat, mit verhärtetem Herz und auf der Suche nach einem Schatz.

Balac (Yann) erzählt eine todernste Geschichte über Leid und Hoffnungslosigkeit und dem Wunsch, dieser Mausefalle namens Leben zu entfliehen. Ein Schatz bietet genau die Grundlage dafür. Der Schatz der Porphyre, ein Schatz der Strandräuber, ist eine Legende, weshalb der Glaube daran nur sehr vorsichtig geschürt wird. Konan ist misstrauisch – eigentlich wie jeder im Dorf und der Umgebung – aber er ist bemüht, dem Geheimnis auf den Grund zu gehen. Wie das Geheimnis an ihm nagt, frisst das Nichterkennen seiner Mutter in Auge und Stimme an ihm und ihr Wahnsinn setzt ihm außerdem zu.
Balac schafft ein historisches Strandräuberdrama, in dem die Protagonisten immer nur bis Strand kommen, aus den Trümmern der Schiffe ernten und nie auf das verheißungsvolle Meer hinaus und von hier weg kommen.

Eifersucht, Brutalität, Arroganz treffen hier aufeinander. Die Handlung gipfelt in einem Unwetter. Der Leser findet sich zusammen mit den Hauptfiguren in einem Loch an der Küste wieder. Dort haust ein Krake, bereit seine unwillkommenen Gäste zu empfangen, zu umarmen und nie mehr gehen zu lassen.

So realistisch das historische Szenario auch ist, so verwunschen ist der optische Effekt der Landschaft, die von Joel Parnotte gestaltet wurde. Gesichter, in den Fels gehauen, schreien lautlos aus dem Gestein. Höhlenartige Gewölbe mit Schiffsunrat oder ein zerstörtes Schloss zeigen, wie sehr die Atmosphäre groß geschrieben wird in dieser Geschichte und wie wichtig sie auch für die Erzählung ist. Denn diese unausgesprochen gruselige, düstere und verlorene Umgebung wirken wie ein weiteres Gefängnis, dem Konan nicht entrinnen kann.

Joel Parnottes Zeichenstil könnte man als Mixtur aus Disney und Hermann beschreiben. Da die Handlung während einer einzigen Nacht spielt, ist die Farbgebung beinahe in so etwas wie eine amerikanische Nacht getaucht. (Ein alter Filmtrick, bei dem Tagaufnahmen mit einem Blaufilter überlagert werden, um einen nächtlichen Eindruck zu erzielen.) Hier treffen mannigfaltige Blautöne auf das Orange, Rot oder Gelb von Laternen oder des Mondes. Die Farbkontraste sind reizvoll, knallig, intensiv. Durch den Einsatz von brauner Strichführung verschmelzen die Figuren stärker mit der Umgebung, als dass es bei einer reinschwarzen Linienführung der Fall wäre. Dank dieser farblichen Technik entsteht auch hier ein Trickfilm auf Papier-Effekt.

Und gerade, als die Spannung am größten ist, endet diese Episode. Balac beendet die Handlung mit einem tragischen Cliffhanger und vielen offenen Fragen. Ein sehr eindringlich gemaltes Historienabenteuer, das den mysteriösen Aspekt der Handlung farblich treffend unterstützt. Sehr gut. :-)

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