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Comic Blog


Donnerstag, 13. November 2008

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos Testament

Filed under: Cartoon — Michael um 19:28

Spirou + Fantasio – Onkel Ottos TestamentDie Nachricht ist traurig, aber was will man machen, das ist nun einmal der Lauf der Welt: Onkel Otto ist tot. Na, so schlimm ist es auch wieder nicht. Spirou erfährt von einem Onkel, den er nie kennen gelernt hat und der ist gerade eben verstorben. Natürlich nicht, ohne ein Erbe zu hinterlassen und so müssen Spirou und sein Freund Fantasio in einen entlegenen Winkel von Afrika, um diese Hinterlassenschaft zu finden.

Halt! Ganz so einfach haben es die beiden doch nicht! Bereits in ihren frühen Tagen, als die Beine noch aus dehnbarem Gummi und die Hälse außergewöhnlich lang waren, hat André Franquin seinen Helden schon das Leben besonders schwer gemacht.

Im ehemaligen Haus des Onkels angekommen, der Eulenburg, wartet eine Überraschung auf sie. Jemand anderes durchforstet bereits die Räume nach Hinweisen auf ein weitaus größeres Erbe, als es das heruntergekommene Gemäuer zu bieten hat. Sofort kommt es mit dem Eindringling zum Kampf und der letzte Hinweis ist ausgelegt.

Die Geschichten, die hier in Onkel Ottos Testament erzählt werden, sind aus heutiger Sicht von politisch korrekter Erzählweise weit entfernt. Wenn sich Afrikaner über die gruseligen Darstellungen ihrer Landsleute in Tim im Kongo beschweren, könnten sie hier auch beinahe dazu verleitet werden – allerdings ist Franquin bei näherer Betrachtung überaus herzlich am Werke. Selbst wenn ein einbeiniger Gauner an die Wand geworfen und sein Buckel als Versteck für wichtige Papiere entlarvt wird.

Eine der Schlüsselszenen, die diese Herzlichkeit deutlich machen, zeigt die Bewachung des Verstecks von Onkel Ottos Erbe. Ein Wasserhindernis wird von Krokodilen beherrscht, ein angeketteter Löwe steht vor dem ersten Eingang. Vor dem zweiten Durchgang steht die Frau des Medizinmannes. Der Mann schickt seine Frau nicht sehr forsch nach Hause, wirkt sie doch auch arg bedrohlich auf ihren eigenen Mann.

Diese Geschichte war Franquins allererster Comic …
Das sieht man!
Aber ob ihr’s glaubt oder nicht: Man hat ihn trotzdem gebeten, weiterzumachen!

Gaston leitet von der ersten kleinen Episode Der Panzer zum verblichenen Onkel Otto über. Die Zeichnungen mögen aus heutiger Sicht sehr merkwürdig wirken und von dem, was der Leser von einem späteren Franquin gewohnt ist, ist er hier noch weit entfernt. Aber der Humor ist hier schon erkennbar. Das Talent zum Slapstick ist klar erkennbar, vielleicht sogar etwas zu überdreht: Fantasio am Steuer eines Panzers. Daraus kann nur Kleinholz werden. Aus allem anderen jedenfalls, nur nicht aus dem Panzer.

Die Zeichnungen kennt der Leser in dieser oder jener aus jenen alten Tagen der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein Disney-Studio brachte seine Figuren so und auch ein Franquin hatte noch nicht den eigenen Stil, der ihn markant von anderen abhob. Es waren Gummimännchen, die in diesen Zeiten den Comic und den Trickfilm beherrschten. Besonders von letzterem zeugt so manche Bewegung, die geradewegs aus einem Lehrbuch der Animation im zweidimensionalen Raum herrühren mag. Jede Regung, körperlich oder gefühlsmäßig, ist übertrieben.

In der zweiten Episode, der namensgebenden, findet eine Entwicklung statt. Zu Beginn mag der Leser noch altbackenen Vorgaben wieder erkennen. Aber Franquin gönnt sich den Mut zur Gestaltung eigener Gesichter, Karikaturen fast. Er experimentiert mit Tieren und wirft sie in die humoristische Schlacht. Ein Gorilla wird zum Butler, Raubkatzen schlagen sich um einen schmackhaften Spirou, der von alldem nichts bemerkt. Trotzdem ist es von dort zu den bekannten Franquin-Bildern ein weiter Weg. Es hat sich gezeigt, dass viele Zeichner noch eine deutliche Entwicklung durchmachen. Wer alleine in diesem Band die alten Zeichnungen mit dem einige Worte sagenden Gaston vergleicht, entdeckt einen Unterschied von Tag und Nacht – bildlich gesprochen.

Ein paar uralte und beinahe verschollen geglaubte Mini-Episoden runden die vorliegende nostalgische Comic-Reise ab.

Ein Band für den absoluten Spirou + Fantasio Fan, der einen Blick in längst vergangene Zeiten werfen mag, als die Comics noch sehr jung waren, ein Talent wie André Franquin noch am Anfang stand und ein künstlerischer Rohdiamant war. 🙂

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Mittwoch, 12. November 2008

Die Druiden 2 – Die weiße Stadt

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:23

Die Druiden 2 - Die weiße StadtDie Druiden, ja, sie wollen Kinder umbringen. Schnell ist Hilfe geholt. Die erzürnten Dorfbewohner, bereits christianisiert, stürzen sich auf die Druiden. Sie lassen sich keineswegs davon überzeugen, dass die Kinder eigentlich in Sicherheit sind – selbst auf die Aussage der Jungen hin wollen sie nicht glauben. Eigentlich wollten die Druiden nur einen Mann beerdigen, nun sterben sie selbst. Der Hass zwischen der alten und der neuen Religion, der Abstand zwischen alter und neuer Kultur ist groß, sehr groß. Ein neutrales Nebeneinander scheint kaum möglich. Mit diesem Wissen sind die jüngsten Morde schnell erklärt. Aber wer sind die Hintermänner?

Gwenc’hlan, der Druide, der auf beiden Seiten der Religionen respektiert wird – manchmal auch zähneknirschend – hat einen Hinweis auf die Hintermänner der Ereignisse gefunden. Das kleine Symbol zeigt ein Zeichen, das bis dahin untrennbar mit einem Geheimorden innerhalb der christlichen Kirche verbunden war: Imperium Dei. Allerdings gilt dieser Orden als gelöscht. Die Art und Weise des Vorgehens des Ordens hatte auf die Dauer sogar den Heiligen Stuhl in Bedrängnis gebracht. Aber wer könnte sich an den alten Geheimbund erinnert haben und erneut seine Ziele verfolgen?

Budog, ein Mönch und trotzdem ein Freund von Gwenc’hlan, möchte, dass sich der Druide mit Bruder Gwenole trifft, um die neuen Hinweise zu besprechen. Damit kommen Gwenc’hlan und sein Schüler Taran gerade recht, um Zeugen eines sehr alten Rituals zu werden.

Die Reise führt sie in Die weiße Stadt, die einen ähnlichen Anblick bietet wie einst Camelot im Film Der erste Ritter. Die Autoren Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel haben bereits im ersten Teil der Reihe Die Druiden kräftig zitiert und sie verlassen diese Linie auch jetzt nicht. Filme, Romane und lang existierende Sagen und Mythen finden ihren Weg in ein immer spannender werdendes Szenario.

Die keifende Meute, allen voran die noch lauter als alle anderen schreienden und blutgierigen Weiber (man möge mir den Ausdruck verzeihen), kennt der Leser vielleicht aus Highlander. Die in römische Rüstung gehüllten Soldaten erinnern an Die letzte Legion. Der szenische Abschnitt um Dahud, die Tochter Königs Gradlon, zieht einen Vergleich zu Brunhilde und ihrem Zweikampf mit König Gunter geradezu an. Auch hier wird der Herausforderer offensichtlich durch einen Trick Sieger des Zweikampfes. Der erwähnte Orden des Imperium Dei wirkt nicht sehr zufällig wie eine Mischung aus Opus Dei und Assassini.

Wen kümmert’s? Eigentlich niemanden, das sollte unterstrichen werden. Denn die Mixtur ist rundum gelungen arrangiert. Ein Vorwissen zum Verständnis der Geschichte wird nicht benötigt, alles nötige entwickelt sich aus der Handlung heraus. Es wirkt, als hätten Jean-Luc Istin und Thierry Jigourel eine Art Schnitzeljagd für den Leser und Kenner mysteriöser Themen wie oben erwähnt geschrieben. Dennoch haben sie eine eigenständige Geschichte entwickelt, eine szenische Essenz oder auch ein Mosaik lang und freudig gehegter Mythen, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die Unterhaltung der Menschen geisterten – und es wahrscheinlich noch eine lange Zeit tun werden. Ähnlich wie auch J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis nebeneinander mit ihren Geschichten bestehen konnten, entwerfen auch Istin und Jigourel ihre Version der Ereignisse, mit denen sich bereits andere Autoren beschäftigen.

Grafisch handelt es sich um eine sehr aufwendige und perfekte Umsetzung. Jacques Lamontagne zeichnet und koloriert in Personalunion. In penibler Kleinarbeit zeichnet er die Menschen, scheut keine Perspektive von Gesichtern, verwendet Großaufnahmen, gibt sich regelrecht allen möglichen Physiognomien hin, männlichen wie weiblichen aller Altersstufen, und tobt sich bei der Gestaltung von Mode und Kleidungen aus. Auch mit den Körperlichkeiten seiner Figuren geht er mit einer geradezu erschreckenden Leichtigkeit um.

Landschaftlich und architektonisch reißt Lamontagne ebenso mit. Die weiße Stadt wird dem Leser in einer doppelseitigen Ansicht präsentiert. Ähnlich bombastisch wirkt der gleichfalls doppelseitige Blick auf den Kampfplatz der beiden sehr ungleichen Kontrahenten, Dahud und des Fremden, der um ihre Hand buhlt.

Weiterhin grafisch höchst opulent gestaltet sich die Reihe mit allerlei Anspielungen zu einer geschickt arrangierten Geschichte, die den Leser immer tiefer mitnimmt in ein Geflecht aus Tradition und Neubeginn, Historie und Thriller. Echte Klasse. 🙂

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Die Maxiausgabe der Minimenschen 1

Filed under: Cartoon — Michael um 18:13

Die Maxiausgabe der Minimenschen 1Kleine oder besser kleinere Menschen entwickeln zuweilen einen ganz besonderen Biss, einen starken Ehrgeiz oder großes Durchsetzungsvermögen. Aber was ist, wenn diese Menschen sehr klein sind? So klein, dass sie auf einer Handfläche Platz finden? Was ist, wenn diese Menschen so zahlreich sind, dass sie eine eigene Kolonie gründen können? Nein, dann handelt es sich nicht um Schlümpfe, sondern um die Minimenschen, die im Reiche des Cartoons bereits seit 40 Jahren eine Heimat haben und mit ihren Abenteuern aus der Sicht der Winzlinge immer wieder neu überrascht und begeistert haben.

Zum Auftakt sieht der Leser einen Kampfjet, der vor einem blauen Himmel über eine Wiese rast, auf der ein Traktor geparkt ist. Die Umgebung macht schon deutlich, dass es sich um eine gemütlich ländliche Atmosphäre handelt und plötzlich … jagt der Jet vor den Abgasrohren des Traktors daher, die nun wie ein Paar riesige Säulen emporragen. Ein Busch kurz darauf hat gar die Ausmaße eines ausgewachsenen Wäldchens. Als sich nur ein Bild später eine Landebahn aus einer Grasfläche zu entfalten beginnt, begreift der Leser, dass das Szenario sich hart an der Realität befindet und dennoch stimmt etwas nicht. Die Größenverhältnisse!

Pierre Seron, Autor und Zeichner dieser Serie um eine der kuriosesten Siedlungen in der Comic-Geschichte, schmeißt den Leser ohne große Vorankündigung ins kalte Wasser. Er beginnt mit dem berühmten Knall am Anfang einer Geschichte, dem Rätsel, dem Unerwarteten und kreiert so ein Paradebeispiel für eine der Gesetzmäßigkeiten einer fesselnden Handlung. Knall auf Fall entdeckt der Leser nun eine miniaturisierte Welt, die den Anschein des Normalen hat und trotzdem ein Dasein im Verborgenen führt.

Wie ist das passiert? Wie nur?

Diese Fragen stellt Seron selber, nachdem er den Leser gepackt hat. Ein unförmiger, aber ansonsten unscheinbarer Stein ist für die veränderten Verhältnisse verantwortlich. Der Professor, der den Stein fand und an ihm forschte, war das erste Miniopfer, das auf Puppengröße schrumpfte. Nach und nach, durch Körperkontakt jeglicher Art ins Rollen gebracht, schrumpft die gesamte Gemeinde. Auch Tiere bleiben nicht verschont. Die Menschen arrangieren sich mit der neuen Situation und verschwinden für den Rest der Welt. Doch als Minimensch in der Welt der Großen zu leben ist alles andere als leicht, denn für die Gemeinde beginnt ihr neue Zivilisation bei Null.

Die Gefahr der Entdeckung ist das allgegenwärtige Spielelement. Auch sind Menschen von der Größe einer Hand natürlich in allem benachteiligt, was das Umfeld der Großen betrifft. So müssen sich die Minimenschen damit auseinandersetzen, den Ausbau eines militärischen Geländes zu sabotieren. Dank modernster Technik – in der Form, wie man sich gemeinhin moderne oder auch futuristische Technik in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vorstellte – schaffen sie immer den halsbrecherischen Spagat des gerade anstehenden Auftrags. So verschlägt es sie hierbei an die Spitze eines Kirchturms, in die ländliche Idylle und auch in die Praxis eines Psychiaters.

Pierre Seron lässt seiner Phantasie absolut freien Lauf und so ist einfach alles möglich. Diese Ideen ohne Grenzen machen die Minimenschen zu einer Besonderheit. Dies mag auch der Grund für den zeitlosen Humor sein – seltsamerweise sind die futuristischen Fahrzeuge immer noch futuristisch, wirken nur nicht mehr so hipp.

Grafisch sind die Bilder von Seron äußerst frankobelgisch klassisch. Die Minimenschen reihen sich optisch ein in Publikationen wie Boule & Bill, Gaston oder Spirou + Fantasio. Nicht nur die Gesichter, sondern auch die Gesichtsausdrücke – ganz besonders die cholerisch rot angelaufenen wie auch die verdutzten – sind typische Franzosengesichter, möchte man als anderssprachiger Leser fast sagen, wenn einem Komödianten wie Pierre Richard oder Louis de Funès vor dem inneren Auge herumspuken.

Ein zeitloser Spaß, in dem allein die Beschaffung von Zucker bereits zu einem großen Abenteuer wird. Seron hat einen Klassiker der Komödie allgemein geschaffen, der immer noch Vorbildcharakter hat. Für alle Altersgruppen geeignet. 🙂

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Dienstag, 11. November 2008

Y – The Last Man 8 – Japanische Nächte

Filed under: SciFi — Michael um 18:40

'Y - The Last Man 8 - Japanische NächteJapan ist anpassungsfähig. Das hat es im Laufe seiner jüngeren Geschichte immer wieder bewiesen, seit es die Zukunft ins Land ließ, seit es beschloss, die Segnungen der westlichen Zivilisation anzunehmen und zu verbessern. Und was der japanische Mann kann, kann die japanische Frau noch besser, wenigstens jetzt, da die Männer nicht mehr da sind, um gegenteiliges zu behaupten. Das organisierte Verbrechen hat auch neue Mittel und Wege gefunden, sich mit der veränderten Situation abzufinden. Selbst für ein Leben ohne Männer haben sich Ideen gefunden.

Yorick und seine Begleiterinnen haben endlich Japan erreicht. Sie wollen unbedingt den entführten Ampersand wieder finden, einen kleinen Kapuzineraffen, der neben Yorick das einzige männliche Exemplar auf dem Planeten Erde ist. Agentin 355, die Yorick zur Seite steht, muss sich sogleich im Kampf bewähren. Ihre Gegnerin wird schnell eine wichtige Verbündete und, vielleicht viel wichtiger, zur Wegweiserin in dieser neuen Szene, die sich in Japan etabliert hat. So haben es Yorick und 355 vergleichsweise einfach. Viel schwieriger wird es für Dr. Allison Mann und ihre Freundin, denn sie stoßen auf eine Spur, die zur Lösung des Rätsels führen könnte, des Rätsels, über das sich viele Menschen den Kopf zerbrechen: Wie konnte es dazu kommen, dass von einem Moment auf den anderen alle Männer starben?

Auf der anderen Seite des Erdballs haben einige Frauen andere, aber nicht unwichtigere Probleme: Israelische Panzer rollen durch Kansas und ihre Besatzungen haben nur eines im Sinn: Sie wollen den letzten Mann auf Erden finden und das schnell!

Mehr Tempo, mehr Hintergrundinformationen, aber wie immer in einer ausgewogenen Mischung aus Erzählung, Charakterzeichnung und Action. Die Gerüchteküche um die Verfilmung brodelt, Namen wie Shia LaBeouf werden in die Runde geworfen – der, sollte er nicht den Yorick spielen (was durchaus gut passen würde), so hoffentlich rechtzeitig mal einen jungen Dave Gahan spielen wird. Aber das nur am Rande.

Es genügt Autor Brian K. Vaughan nicht, ein unglaubliches Rätsel auf die Menschheit loszulassen, mehr noch, er schickt den Leser quer durch die Kulturen auf der ganzen Welt und zeigt Veränderungen, die kurios sind, traurig, wahnsinnig, aber auch hoffnungsvoll. Einige Fäden laufen inzwischen wieder zusammen – es ist immerhin die achte Ausgabe der Reihe. Dennoch haben die Erkenntnisse neue Fragen, äußerst wichtige Fragen aufgeworfen. Langsam ist ersichtlich, dass die Katastrophe auf menschliche Initiative zurückzuführen ist, nur der Grund fehlt bislang. Von anderer Seite, israelischer, türmt sich eine neue Gefahr für Yorick auf, nachdem die japanischen Intrigen vorerst gebannt scheinen.

Das globale Wettrennen mit beschränkten Mitteln, das von Vaughan hier entworfen wird, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es gibt viele Spezialisten unter den Frauen, sicherlich auch solche, die einen Kampfjet fliegen können, doch in der Masse sind diese Spezialisten viel zu wenige. So wird ein Kampfeinsatz fast zwangsläufig zu einer Art Guerrilla-Kampf. Wenn drei israelische Panzer sich auf amerikanischem Territorium bewegen und dabei mit keinerlei Gegenwehr rechnen müssen, zeigt das in nur einem Bild, die ganze Misere, in der sich die Menschheit im Augenblick – der Handlung – befindet.

Pia Guerra kann sich in ihren Zeichnungen diesmal mit einigen eher wenigen Action-Szenen künstlerisch auseinandersetzen und findet viel Spielraum in Szenen zwischenmenschlicher Natur. Inzwischen hat sie ein Optimum ihrer Bilder erreicht, die einen glasklaren Aufbau und eine ebensolche Optik aufweisen. Keine Experimente, keine unnötigen Linien. Guerras Zeichnungen sind von einem beinahe sterilen Perfektionismus geprägt. Erstaunlicherweise wirken die Bilder nicht kalt – was auch auf die Intensität der Szenen zurückzuführen ist.
Gute Beispiele hierfür sind Szenen zwischen Dr. Mann und ihrer Freundin Rose. In Schlüsselmomenten darf sich Guerra auf einer ganzen Seite ausbreiten. Wenn Dr. Manns Mutter Rose versehentlich, weil in Unkenntnis der Lage, schwer verletzt, dann ist der Blick auf das Geschehen fast schon sezierend.

Gleich auf, genau am Stil von Guerra orientiert, arbeitet Goran Sudzuka, wie es sich in den Schlussepisoden zeigt, in denen der Leser noch mehr aus der Vergangenheit von Nebenfiguren erfährt, die sich gerade für die kommenden Folgen profilieren. Wenn man es nicht weiß, sind Unterschiede in den Bildern auf den ersten Blick nicht (auf den zweiten auch nicht) zu erkennen. Das ist perfektes Teamwork, in dem sich Sudzuka zugunsten einer einheitlichen Optik zurücknimmt.

Hoch spannend, aber auch mit einigen komischen Momenten – dank Yorick – der Leser findet ein dramatisches Finale des Japan-Abschnitts, außerdem den Prolog eines von langer Hand vorbereiteten neuen Handlungsstrangs, in dem eine weitere Bedrohung auf Yorick wartet. Ein rätselhafter Cliffhanger vertröstet den Leser auf die nächste Folge. 🙂

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Montag, 10. November 2008

The Walking Dead 7 – Vor dem Sturm

Filed under: Horror — Michael um 18:48

The Walking Dead 7 - Vor dem SturmDas Leben könnte so schön sein – wenn die lebenden Toten nicht wären. In der selbst gewählten Umgebung eines ehemaligen Gefängnisses hat sich die Furcht vor der Außenwelt noch einmal verstärkt. Doch es sind nicht die Untoten, die den Überlebenden Sorgen bereiten, sondern andere Menschen, die kommen könnten. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, die den Menschen Angst macht. Die Gedanken schweifen zurück und graben alte Wunden auf. Neue Wunden werden noch lange für ihre Heilung brauchen. Oder sie heilen nie.

Vieles ist mit der kleinen Gruppe geschehen, es hat einige unerwartete Entwicklungen innerhalb der Gruppe gegeben und ein Sicherheitsgefühl hinter einem doppelten Drahtzaun zu entwickeln, vor dem sich die Untoten tummeln, ist nicht gerade leicht. Außerdem schwebt die Bedrohung durch die Menschen in der kleinen Stadt Woodbury wie ein Damoklesschwert über der Gemeinschaft. Und die Menschen um den ehemaligen Polizisten Rick tun gut daran, den selbst ernannten Gouverneur Philip aus Woodbury zu fürchten. Zwischen Schießübungen, der Suche nach Nachschub, persönlichen wie auch körperlichen Tragödien, setzt sich immer mehr Gleichklang durch, hinter dem der Untergang geradezu zu brodeln scheint.

In der siebten Runde des Endzeit-Knallers The Walking Dead von Robert Kirkman hat eine Art innere Entspannung stattgefunden. Sicherlich passieren eine Reihe von brutalen Ereignissen, doch die Menschen sind ein gutes Stück weit abgestumpft und bei weitem nicht mehr so leicht zu erschüttern wie noch zu Beginn der Ereignisse. Nach den Geschehnissen in Woodbury, die wieder einmal gezeigt haben, dass der wahre Wahnsinn nicht von nach Menschenfleisch gierenden Zombies ausgeht, sondern von wahnsinnigen Menschen, fühlt man sich auch als Leser in der Nähe von berechenbaren Untoten eher in Sicherheit.

Es lässt sich dank der Erzählung sehr gut nachvollziehen, wie sehr sich die einzelnen Charaktere nach Normalität sehnen. Ein Kind kommt zur Welt, eine Ehe wird geschlossen. All das und noch mehr muss neben dem Überlebenskampf bestehen. Hier schleicht sich Routine ein – trotz Schießtraining – und die Menschen werden anfällig für Fehler. Das gute Verhältnis, weitestgehend jedenfalls, untereinander lässt immer noch den Wunsch aufkommen, mit anderen Menschen gut auszukommen. Das stellt sich schnell als fataler Fehler heraus. Einzig Michonne, die erst sehr spät zu der Gruppe stieß und von dem Gouverneur brutal gefoltert wurde, hat ihre Kampfeswut nicht nur bewahrt, sondern auch verstärkt. Kirkman hat in ihrer Figur einen Charakter geschaffen, der nicht zögert und die Frage Er oder ich? nur auf eine Art beantwortet: Ich! Gleichzeitig ist sie innerlich zerrissen, ein Zustand, der nicht oft hervorbricht, aber einiges aussagt.

Das Besondere – immer noch – ist die Stimmigkeit und Vielschichtigkeit der Charaktere, die aus The Walking Dead mehr machen als eine simple Horror-Geschichte. In Wahrheit sind die Zombies zu einer Nebensache verkommen, die kaum mehr Schrecken auslösen als ein Rudel Hyänen. Der Schauer, auch der Horror, ganz wie man es ausdrücken will, fällt nicht mehr größer aus als bei der Ansicht eines Dokumentarfilms von der Überquerung einer Herde Gnus über einen von Krokodilen bevölkerten Fluss. Man weiß als Zuschauer, dass sie angreifen und ihre Opfer packen werden, es stellt sich einzig die Frage, wann es wieder so weit ist. Das Resultat hier ist einzig der Sorglosigkeit wie auch dem Lebensüberdruss der Opfer zuzuschreiben.

Charlie Adlard ist ganz einfach in der Geschichte wie zu Hause. Die einzelnen Protagonisten bestechen durch eine sehr gute Unverwechselbarkeit. Gesichtszüge und einzelne Gefühlsregungen, die hier ebenso gern gezeigt werden wie in den Großaufnahmen eines Sergio Leone, sind schön umgesetzt. So schwankt der Eindruck zwischen Spaghetti-Western und Werken eines Quentin Tarantino – so ließe sich allein von der Erzählweise her durchaus ein Vergleich zu Death Proof ziehen, in dem die bisherigen Erzählweisen auf die Spitze getrieben wurden. Wer sich den Knalleffekt zum Schluss des vorliegenden Bandes anschaut und die Geschichte als lange Einleitung betrachtet, wird diesen Eindruck nachvollziehen können.

Robert Kirkman lässt es unter der Oberfläche köcheln und nutzt die Zeit, um sich noch einmal ausgiebig mit den Charakteren zu beschäftigen, die Charlie Adlard sehr gut in Szene setzt. Es ist wirklich die Ruhe vor dem Sturm. Fans der Serie werden Kirkman diesen ausführlichen Tiefgang sicherlich verzeihen, der diese Reihe wohltuend von anderen abhebt. Sehr gut. 🙂

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Samstag, 08. November 2008

Marvel Zombies 3 – Vorschau

Filed under: Meldungen — Michael um 18:55

Marvel Zombies 3 - VorschauDie Marvel Zombies sind einfach nicht tot zu kriegen – na, oder besser gesagt klein zu kriegen, so dass sie keinen Schaden mehr anrichten können. Die Meldung ist nicht die neueste, zugegeben, aber egal. Auf newsarama.com lassen sich 11 Seiten des neuen Horror-Knallers online bestaunen. Wie gewohnt geht es heftig zur Sache – sehr heftig sogar. Wer dem Thema nichts abgewinnen kann, Finger weg: Marvel Zombies 3 – Vorschau.

Außerdem: Jedem seine Märchen und Fabeln. Mit den Avenger Fairy Tales hat auch Marvel nach dem Erfolg von Fables die phantastische Märchenwelt für sich entdeckt: Zur Vorschau auf marvel.com.

Ach, ja, da wir gerade beim Thema sind: Erinnert die Haltung des Helden mit der futuristischen Kettensäge an jemanden? Ja, klar: Bruce Campbell. Diesen kann man mit seiner Website zum Film bewundern: My Name Is Bruce. Hier nimmt sich der Horrorheld zusammen mit seinem Kollegen Ted Raimi (Xena) selber auf die Schippe.

Zombiepowder 2

Filed under: Mystery — Michael um 18:46

Zombiepowder 2Dieses junge Mädchen ist so waghalsig, dass es selbst dem hartgesottenen Gamma die Sprache verschlägt. Der Leichtigkeit nach zu urteilen, mit der sie in lebensbedrohlichen Situationen immer noch die Ruhe bewahrt, ist Wolfina, so der Name der jungen Frau, ein Naturtalent. Ihre Leistungen haben ihr die Bewunderung der Gesetzeshüter eingebracht. In gerade einmal zwei Jahren, so heißt es, habe sie 68 Fälle aufgeklärt und 23 kriminelle Organisationen zerschlagen. Auch diese Information nötigt dem hartgesottenen Gamma äußersten Respekt ab – was jedoch nichts daran ändert, dass er erst einmal mächtig in Schwierigkeiten steckt.

Magst du vielleicht meine Brüste anfassen? Wolfina ist um keinen Spruch verlegen. Und Gamma Akutabi, der Haudrauf, derjenige, der sich niemals von Gangstern der übelsten Sorte abschrecken lässt, gerät bei der schlagfertigen Wolfina in arge Verlegenheit. Das ungleiche Paar rauft sich zusammen, nicht zuletzt, weil gemeinsame Feinde zur Kooperation zwingen. Mystic, ein Magier, der nicht nur selber kämpft, sondern auch kämpfen lässt, bringt die beiden in Schwierigkeiten.

Die zweite Episode von Zombiepowder mit dem klangvollen Untertitel Can’t kiss the ring (of the dead) präsentiert einen neuen Handlungsstrang, der sich mit dem Geheimnis der Ringe beschäftigt, die maßgeblich zur Entstehung des Zombiepowders beitragen. Nebenher muss sich Gamma Akutabi mit einem neuen Gegner auseinandersetzen, der auch auf der Jagd nach den Kleinoden der Macht ist.

Das Zombiepowder, genauer seine Entstehung könnte eine Idee aus einem alten Zombie-Film sein, aus jenen Tagen, als diese untoten Wesen noch keine Menschen fraßen und im Kern ein Teil des Voodoo-Glaubens waren. Diese Ringe, die das Zombiepowder erst ermöglichen, werden aus menschlicher Lebenskraft gespeist. So jedenfalls ließe es sich beschreiben. Bevor der Ring Kraft geben kann, muss er sie zuallerst einmal aufnehmen. Tite Kubo, der mit seiner Serie Bleach als Manga und Anime in aller Fan-Munde ist, hat hier eine Serie geschaffen, die vor allem eine gewisse apokalyptische Tendenz besitzt. Sie hat Ähnlichkeiten zur Realität, weicht aber auch von ihr ab. Wenn ein Zirkusbesitzer, auf dessen Konto über 20.000 Tote (!) gehen sollen, hinter den Zombieringen hinterjagt und skurrile Kampfszenen aufeinanderfolgen, kann man sich als Leser des Eindrucks nicht erwehren, es mit einer Art japanischem dunklen Turm zu tun zu haben.

Gammas Gegner ist ein freakiger männlicher Zatanna, vielleicht auch jemand, der wirkt, als sei er dem Psycho Circus entflohen. Hier hätte Tite Kubo noch ein wenig mehr Mut beweisen und mehr Zirkusinsassen zum Einsatz bringen sollen. Der Auftritt des … (überraschen lassen) kurz vor Schluss gibt einen Eindruck, mit welcher Wucht eine größere Gruppe regelrecht durch die Handlung gefetzt wäre.

Die Zeichnungen sind in jedem Fall weiterhin fetzig, mitunter rasend schnell in Szene gesetzt. Wenn es rund geht, geht es rund, aber so richtig. Da Gamma nicht mehr der einzige ist, der im Kampf seinen Mann steht (na, gut, Wolfina steht ihre Frau, um auch ganz korrekt zu sein). Wer Mangas optisch kennt und mag, wird keine Überraschungen erleben. Tite Kubos Bilder sind solide Arbeiten, die den Gesetzmäßigkeiten des Genres gehorchen – außerdem sind es frühe Arbeiten, inzwischen ist er noch besser geworden. Seine Charaktere sind gelungen und kommen besonders durch die Konstellation zur Geltung. Einzeln sind sie gut, zusammen noch besser.

Eine spannungsgeladene zweite Folge mit einem sehr guten neuen Charakter – Mangas bringen erfreulicherweise viele starke Frauenfiguren hervor. Tite Kubo hat eine Fortsetzung geschrieben, die man erst ganz zum Schluss erst wieder weglegen mag. 🙂

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Storm 4 – Die grüne Hölle

Filed under: SciFi — Michael um 16:14

Storm 4 - Die grüne HölleNoch sind die Flugteufel mit sich selbst beschäftigt. Das Verhalten dieser Greifvögel ändert sich schlagartig, als sie das seltsame Fluggerät entdecken, das rasend schnell in ihr Revier eindringt. Diese Flugteufel kennen keine Angst. Sie attackieren die Insassen des Fluggeräts. Storm wehrt sich, aber er kann nicht verhindern, dass er die Balance verliert. Er fällt über Bord, mitten hinein in die grüne Hölle unter ihm. Allein auf sich gestellt versucht Rothaar das Fahrzeug unter Kontrolle zu bekommen. Dies gelingt ihr kurz, bevor sie Storm in die Tiefe folgt.

Als Storm die neue alte Welt betrat, verschlug es ihn in die Restbestände der alten Zivilisation wie auch in verschiedene klimatische Zonen, bis … … das Geheimnis gelüftet wurde. Einige Zeit hätte der Leser annehmen können, es mit einer endlosen Reise ohne jeglichen Hintergrund zu tun zu haben. Derlei Szenarien existierten immer wieder einmal, nicht zwangsläufig mit dem Genre Science Fiction verbunden.

Bevor es an die Lüftung des Geheimnisses geht, steht aber erst einmal eine Region auf dem Programm, die wahrlich den Titel Die grüne Hölle verdient. Vor lauter Bäumen sieht der Betrachter hier den Wald nicht. Der Boden ist von knorrigen Wurzeln überwuchert. Zwischen den Stämmen hängt ein undurchsichtiger Nebel, große Blätter bedecken Lücken im Astwerk, Lianen zwischen den Bäumen machen ein Manövrieren mit Fluggeräten so gut wie unmöglich. Man stelle sich ein verwunschenes Amazonasgebiet vor, in dem alles eine gewisse Superlative erreicht und schon ist der Ort für ein außergewöhnliches Abenteuer geschaffen.

Fast jedenfalls. Denn die grüne Hölle hat noch mehr zu bieten. Tief unten am Boden hausen Mutanten, die sich von dem ernähren, was von denen da oben so herunterfällt. Das kann Abfall sein, das können auch Leichen sein. Wenn jemand wie Storm und Rothaar als lebendige Menschen solchen Wesen vor die Krallen kommen, ist das Horror pur. Autor Dick Matena spielt mit dem Gruselfaktor des Kannibalismus ähnlich wie schon H.G. Wells in seiner Zeitmaschine machte, unnachahmlich umgesetzt in der ersten Verfilmung des Themas. Sind derlei Wesen noch vernunftbegabt und können sich durch Worte verständigen, wird der Horror noch eine Stufe höher angesetzt.

Dick Matena belässt es aber nicht dabei. Die Affenmenschen, die in diesem Dschungel leben, wirken wie eine Hommage an den Planeten der Affen, ganz besonders durch den Umstand, dass einer dieser Primaten durch einen im Dschungel lebenden Einsiedler groß gezogen wurde und das Sprechen erlernte. Endzeit- und Westernatmosphäre geben sich in der Folge ein Stelldichein, bis die Geschichte eine Wende nimmt, die an diesem Punkt nicht zu erwarten war. Damit dürfte Matena dem Leser das wohl größte Schnippchen schlagen – indem er einen Haken schlägt, der nicht nur der Geschichte wie auch der gesamten Reihe eine völlig neue Richtung gibt.

Es soll nicht verraten werden, obwohl die Handlung bereits einige Jährchen auf dem Buckel hat. Doch die ganzseitige – und toll gestaltete – Ansicht eines Raumschifffriedhofs am Grunde der grünen Hölle gibt einen kleinen Ausblick darauf, was in Storms Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird.

Don Lawrence kann hier mit seinem Können richtig wuchern. Neben einer realistischen Ansicht von Pflanzenwerk wollen auch Flammen, Wasserfontänen, Hautoberflächen, Felle und vieles andere gemeistert ein. Matena macht es seinem Zeichner zunächst nicht so leicht, indem er Gegner in schlichte Uniformen steckt. Der Aufwand dieser Ausgabe ist immens – und doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Don Lawrence später noch alles leisten wird. Das Cover zeigt ansatzweise, wie sehr Lawrence später seine Bilder perfektionieren wird. Dann werden jegliche Bilder Cover-Qualität haben.

Zuvor jedoch finden sich noch kleine Mängel – es ist eigentlich eine Frechheit bei solchem Können von Mängeln zu reden. Aber da Lawrence zeigt, dass er es später besser kann, mag man diese Meinung nachsehen. Kleine Mängel sind beispielsweise die weiblichen Gesichter, die sich durch Kuhaugen, Froschmünder und eine durchgängig dreieckige Gesichtsform auszeichnen. Bei diesen duckfaces war Lawrence bei weitem noch nicht so differenziert, wie es alsbald während der Chroniken von Pandarve gelingen sollte. Alles andere ist schon so vorhanden, wie es der Fan bereits kennt, allerdings noch in der Entwicklung – deren Stand hier so manch anderer Comic-Künstler nie erreichen wird.

Ein tolles Abenteuer aus den alten Tagen Storms. Hier zeichnet sich eine Wende zu einem größer angelegten Zyklus ab. Don Lawrence’ Talent zu bewundern, ist immer wieder ein Genuss und ganz besonders in diesem Band mehr als einen Blick wert. Wer lernen möchte, wie’s gemacht wird, sollte die Grafiken in diesem Band genau unter die Lupe nehmen – im wahrsten Sinne des Wortes. 🙂

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Donnerstag, 06. November 2008

Hellboy – Der Teufel erwacht 2

Filed under: Comics im Hörspiel — Michael um 19:16

Hellboy - Der Teufel erwacht 2Die Geräte funktionieren alle nicht richtig. Dabei sollte die neue Ausrüstung aus dem Hause Zinco doch die Arbeit der Einsatzteams erleichtern und nicht erschweren. Aber Verbindungen – wichtige Verbindungen – werden nicht hergestellt, ein Rauschen ertönt und die Teams vor Ort sind vollkommen auf sich gestellt. Für Hellboy ist das nichts Neues. Schließlich geht er auch lieber alleine vor, denn so kann er ungehemmt und ohne Rücksicht auf Verluste einfach alles kaputt machen. Wo alles in sich zusammenbricht, kommt wenigstens nichts auf die Beine.

So legt Hellboy eine kleine Zeitbombe. Sehr zum Verdruss seines Chefs Manning, der wieder einmal einen Herzinfarkt fürchten muss, weil der Welt bester paranormaler Ermittler nur Kleinholz hinterlässt. Aber es ist ihm nicht zur Gänze anzulasten, da auch Rasputin seine Vorkehrungen getroffen hat, um dem Abtrünnigen, der der Baba Jaga ein Auge nahm, das Handwerk zu legen und das Leben zu nehmen.

Die Kreise schließen sich. An allen Fronten entstehen gleichzeitig Brandherde. Hellboy und seine Freunde haben alle Hände voll zu tun. Hellboy, gesprochen vom Horror-erfahrenen Tilo Schmitz, sieht sich plötzlich mit mehr als nur einer Vampir-Angelegenheit konfrontiert. Denn Giuresco, der ehemalige napoleonische Offizier, den sogar die Nazis für ihren Vampirsturm rekrutieren wollten, hat eine prominente Mutter: Hekate, die Göttin mit dem Schlangenleib. Nach vielen aufregenden Momenten in diesem zweiten Teil von Der Teufel erwacht wird man als Hörer einerseits gefangen genommen von gruselig traurigen Klang von Elga Schütz (Hekate), andererseits reißt einen das freche Mundwerk Hellboys wieder in die humoristische Ecke – eine Besonderheit der Reihe allgemein, die hier sehr gut eingefangen wird.

Wie aus Freunden Feinde werden, wenn ein Dritter intrigiert zeigt das Verhältnis der beiden deutschen Wissenschaftler Krönen (Peter Woy) und Kurtz (Helmut Gentsch). Krönen, elektronisch verzerrt gesprocen, um den Klang hinter einer Gasmaske hervor zu simulieren, begehrt gegen Kurtz auf, da dieser den furchtbaren Kopf von Wissenschaftlerkollege Von Klempt wieder zum Leben erweckt hat. Eingesperrt in ein gläsernes Gefäß – genauer: dort konserviert und frisch gehalten – klingt die Stimme von Gastsprecher Hennes Bender etwas dumpf aus dem Hintergrund. Die meisten Hörer werden Hennes Bender als Comedian aus Bochum kennen, der durch seine hektische Vortragsweise bei zahlreichen Bühnen- und Fernsehauftritten (wie z.B. in Nightwash) sein Publikum begeistern konnte. Auch hier hat er sichtlich Spaß an seiner ungewohnten Rolle.

Tragisch und schaurig anzuhören ist das Schicksal von Ilsa Hauptstein, gesprochen von Katinka Springborn. Bisher konnte sie ihre Brutalität unter Beweis stellen, ein herrisches Gebaren, dann eine verzweifelte Liebe, ihre Hinwendung zu Giurescu, dem Vampir. Hin und her gerissen zwischen der Liebe und der Loyalität zu ihrem Meister Rasputin vertraut sie schließlich den Versprechungen des Mannes, der bereits tot war und ihr ein wenig die Furcht vor demselben nehmen kann.
Ein Geschenk der Baba Jaga wird zu Ilsas Schicksal. Wer die Comics nicht kennt, dem soll auch nichts verraten werden. – Einzig soll gesagt sein: Bei der Vorstellung dieses Schicksals wie auch der akustischen Umsetzung, sträuben sich einem die Nackenhaare.

Eine überaus gelungene Fortsetzung mit vielen Höhepunkten und Knalleffekten, die auf das Konto von Hellboys Holzhackermentalität gehen. Sobald Tilo Schmitz im wiederkehrenden Vorspann seine Zigarre pafft (wunderbarer Einfall) gibt es kein Entkommen mehr. Klasse. 🙂

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Sonntag, 02. November 2008

Arthur 2 – Arthur, der Kämpfer

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:01

Arthur 2 - Arthur, der KämpferArthur und Kei sind auf der Suche nach Abenteuern. Sie sind in einem jungen Mannesalter angelangt, in dem sie sich beweisen wollen, ja, beweisen müssen. Aber wie? Zuerst einmal muss Ausrüstung angelegt, wollen Reittiere gefunden werden. Die beiden Brüder haben keinerlei Besitz, also was bleibt noch an Möglichkeiten, wenn einem bäuerische Arbeit nicht gefällt und man ein Krieger werden will? Stehlen! Aber auch das will gelernt sein. Der Hof, den sie aus der Ferne beobachten, sieht verlockend aus. Da er bewacht ist, wird es wohl kaum ohne Blutvergießen abgehen. Das Schicksal hingegen meint es gut mit den Brüdern und ihrem neuen Begleiter. Ein Nebel zieht auf und verbirgt ihr Tun.

Wer war der berühmte König Arthur wirklich? Was war mit der Tafelrunde? Und Merlin? Welche Rolle spielte der Zauberer bei all diesen grandiosen Ereignissen, die von einem Wendepunkt Britanniens handeln? Vergesst die bisherigen Romane wie Die Nebel von Avalon, schön gefärbte Filme wie Der erste Ritter oder die alten Klassiker wie Die Ritter der Tafelrunde. Das wahre Leben dieses Kriegers war rauer, aber auch magischer, zauberhafter, mystischer. Arthur entwickelte sich langsam von einem die Abenteuer suchenden Räuber zu einem Freiheitskämpfer.

In jenen Tagen streifte ein gereifter Mann durch die Lande, weise, mit einem unbestimmbaren Alter und einem Geheimnis behaftet. Myrddin, so sein Name, wurde von Autor David Chauvel bereits ausführlich im ersten Band Myrddin, der Verrückte vorgestellt. Wer mit den erwähnten Veröffentlichungen oder anderen vertraut ist, wird hier so manches Detail oder diese oder jene Figur wieder erkennen. Aber mehr auch nicht. Der Weg, den Chauvel hier mit seinen Figuren beschreitet, ist anders, viel mythologischer, historisch, aber auch phantastisch.

Wir begegnen Myrddin und seinem Freund und Helfer Taliesin zu Beginn der Geschichte, als sich Myrddins eigenes Leben wieder beruhigt hat, die Geschichte Britanniens jedoch auf des Messers Schneide steht. Das Volk der LLoegr hat sich im Kampf behauptet und das Volk der Kymry zurückgedrängt. Aus diesem Volk geht Arthur als Ziehsohn von Kynyr hervor. Für fünf Kinder ist der gestandene Mann der Vater, zwei von ihnen entstammen seinem eigenen Fleisch und Blut, drei sind adoptiert. Alle verstehen sich prächtig und gedeihen so, wie es sich Eltern nur wünschen können. Myrddin, zu Gast bei Kynyr, entdeckt Arthur und sieht in der Zukunft, was einmal werden wird, aber er schweigt.

Die Jahre vergehen. Kei, Kynyrs leiblicher Sohn, und Arthur sind enge Freunde, ja Brüder, als entstammten sie den gleichen Eltern. Bedächtig, ausführlich, aufregend für den Leser, erzählt Chauvel seine Sage, die auch immer wieder von kleineren Geschichten und Beschreibungen durchbrochen wird. Diverse Krieger, die später an der Seite von Arthur reiten und kämpfen, haben ihre ganz besonderen Fähigkeiten und Namen. Vor einer Schlacht wünscht sich Arthur eine Ablenkung durch einen Barden, der ihm eine spannende Legende erzählt. Durch diesen Trick, wenn man es so nennen kann, entwirft Chauvel nicht nur ein groß angelegtes Bild von Arthurs Leben, sondern auch eine vielschichtige Ansicht eines längst vergangenen Britanniens.

Jerome Lereculey zeichnet höchst realistische Bilder und reiht sich mit seinem Können in die Riege der großen Künstler im Bereich Comic ein. Wer sich an Filme wie Braveheart erinnert und diesen in all seinen Ausprägungen mochte – Ausstattung, Kämpfe, Schlachten, Abenteuer – wird sich hier optisch gleich wohl fühlen. Lereculey verweigert sich keiner Herausforderung. Massenszenen finden hier in einer Fülle statt, die den Details auf den Leinwänden älterer Meister ähneln. Das Land Britannien erhält durch die gezeigte Landschaft, die Wohnstätten in verschiedenen Ausführungen, spezifische Kleidungen und Waffen einen richtig stofflichen Charakter, als habe es reale Vorbilder für diese Grafiken gegeben – ganz so wie bei alten journalistischen Zeichnungen, bevor die Fotografie diese Technik der Reiseberichte ablöste. Kraftvolle und doch sparsam eingesetzte Farben, ausgeführt durch Jean-Luc Simon, unterstreichen die Mischung aus Sagenerzählung und Dokumentation.

Kraft- und liebevoll erzählt. Arthur ist wahrhaftig von David Chauvel als keltisches Heldenepos angelegt (so der Untertitel der Reihe). Es ist so spannend, wie alte britannische (auch englische) Sagen immer sind. Wer glaubte, sämtliche Facetten der Arthur-Sage zu kennen, sieht sich getäuscht. Mit vielen neuen Ideen ist Arthur packende Historien-Unterhaltung. 🙂

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