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Comic Blog


Mittwoch, 08. Juni 2011

Thorgal 1 – Die Rache der Zauberin

Filed under: Abenteuer — Michael um 22:10

Thorgal 1 - Die Rache der ZauberinDer Mann sollte sterben. Doch er ist dem Tod entronnen. Er wäre vielleicht noch eine Weile im Hintergrund geblieben, hätte sich gesammelt, damit seine Kräfte erstarken, aber seine neue Herrin hat andere Pläne mit ihm. So kehrt er an den Hof zurück, dessen Herr ihn töten wollte, zum Schutze der Tochter, die Thorgal liebt. Der Plan von Thorgals Herrin geht allerdings auf und so wird der Mann, Gandalf, der Thorgal noch vor kurzem umbringen wollte, aus seiner Heimstatt entführt.

Kaum lernt der Leser den Helden kennen, ist dieser auch schon in Bedrängnis. Aber nicht in irgendeiner Bedrängnis, vielmehr soll es ihm sogleich ans Leben gehen. Mit dem 1. Band Die Rache der Zauberin schickten Autor Jean van Hamme und Zeichner Grzegorz Rosinski einen Krieger ins Rennen, der bislang sein 32. Albumabenteuer in Deutschland erlebt. Der Auftakt zu Thorgal erfolgte 1977, nicht nur im Comic-Bereich rückblickend betrachtet eine lange Zeit für eine Abenteuerreihe.

Zunächst wirkt es wie ein reines Wikingerszenario, durchaus dem Realismus verpflichtet, sehr bald schon kommt aber ein phantastischer, mythischer Aspekt hinzu. Thorgal Aegirsson soll sterben. Eine geheimnisvolle Frau mit nur einem Auge und einem Wolf an ihrer Seite rettet ihn, fordert aber im Gegenzug seinen Dienst für ein Jahr. Thorgal sträubt sich zunächst. Jean van Hamme, Comic-Autor von Largo Winch, Wayne Shelton, XIII oder Blake und Mortimer, weist eher eine Bibliographie auf, die nicht so sehr mit nordischen Heldenthemen bestückt ist, noch weisen sie besonders stark ins Phantastische.

Betrachtet man den Auftakt der Reihe, stellt sich die Frage: Warum eigentlich nicht? Der Aufbau zeigt einen stufenweisen Spannungsaufbau, der gleichzeitig die Charaktere dem Leser zunehmend vorstellt und ihre Motivationen herausarbeitet. Van Hamme kreierte einen kompromisslosen Helden, stark, unbeugsam, der oft mit dem Kopf durch die Wand will und doch von seiner Ehre und seinem Stolz manchesmal ausgebremst wird. Das weckt Erinnerungen an Filme wie Die Wikinger. Thorgal kommt in einer Mischung aus Tony Curtis und Kirk Douglas daher, mit eben jenen beschriebenen Charaktereigenschaften.

Jean van Hamme bricht allerdings aus einem realistischen Szenario aus, indem er Thorgal in den Kampf gegen einen Riesen wie auch einen Zwerg schickt. Es bleibt nicht bei diesen Einfällen. Wenigstens in der zweiten Hälfte des vorliegenden Bandes wird es noch phantastischer. Grzegorz Rosinski, der Künstler, arbeitet in diesem Auftakt noch wie ein früher Hermann oder auch ein Jean Giraud.

Wie es sich in neueren Bänden zeigt, folgt eine enorme grafische Veränderung der Reihe. Rosinski reiht sich in jene Künstler ein, die sich während ihrer Laufbahn technisch verändert und verbessert haben. Der umfangreiche Anhang zeigt einen Querschnitt von Rosinskis Fertigkeiten und Techniken und gibt einen Ausblick auf die Entwicklungen des Künstlers.

Hier ist die Arbeitsweise noch klassisch. Es wird eher grob koloriert, noch ohne große Schattierungen und Verläufe. Manchmal wird farblich auch gegen den Strich gebürstet, so dass die Farben etwas übertrieben sind oder um des Effektes oder der Atmosphäre willen bewusst falsch gesetzt werden. Die Tuschestrich ist großzügig, sehr frei, erkennbar gepinselt, in jedem Fall eher skizzenhaft. Das ist, wie es früher oft der Fall war, gerade in realistischen Szenarien, sehr organisch und in seiner Wirkung oft sehr ausdrucksstark.

Ein klassischer Auftakt, für all jene Leser, die kernige Helden, Sagen, Schwerter und auch Magie mögen. Jean van Hamme erzählt versiert und spannend, wie man es als Fan von ihm gewohnt ist. Grzegorz Rosinski bietet mit seiner zu jener Zeit perfekten Technik einen tollen Einstieg in die Serie. 🙂

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Montag, 06. Juni 2011

Yoko Tsuno Gesamtausgabe 8

Filed under: Abenteuer — Michael um 19:40

Yoko Tsuno Gesamtausgabe 8 - Die Erde am AbgrundWer hat die Macht im kleinen Inselstaat Kampong? Yoko Tsuno stellt sehr bald fest, dass Verbrecher hinter schönem Deckmantel ihren Geschäften nachgehen und ihnen niemand das Handwerk zu legen vermag. Ihre Nachforschungen bleiben nicht unbemerkt. Schnell wird sie selbst zum Ziel. Ihre Verfolger scheuen sich nicht, Waffen zu benutzen und Schnüffler zum Schweigen zu bringen. Yoko kann sich ihren Verfolgern entziehen. Ungefährlicher wird es dennoch nicht. Auf einer abgelegenen Insel geht eine Waffe in Stellung, die zu einer noch gewaltigeren Machtverschiebung in Kampong führen könnte. Yokos Überlebenssinn wird gehörig auf die Probe gestellt.

Nur Fliegen ist schöner. Wer die unterschiedlichen Arbeiten von Roger Leloup zu seiner Reihe Yoko Tsuno anschaut, wird sich dieser unterschwelligen Aussage kaum entziehen können. Besonders im vorliegenden 8. Band der Gesamtausgabe mit dem Untertitel Die Erde am Abgrund finden sich einige sehr aussagekräftige Beispiele für diese These.

Den Anfang in diesem Band macht Flug in die Vergangenheit. Die Vergangenheit trifft hier auf die Zukunft. Roger Leloup kreiert hier eine der besten Geschichten um Yoko Tsuno. Der Aufbau ist sehr überlegt. Technik soll hier faszinieren. Thriller-Elemente wie Mordanschläge liefern kurze Spannungsstöße in der schrittweisen Entwicklung des Szenarios. Als Schauplätze dienen die Bretagne, die Schweiz und schließlich sogar das Pamir-Gebirge nordöstlich von Afghanistan. Yoko Tsuno, die ursprünglich als Elektronikerin in mysteriöse Fälle verwickelt wurde, findet sich hier gänzlich in ihrer Rolle als Pilotin wieder.

Es beginnt mit einem Segelflugzeug. Ihre Flugerfahrung wie auch ihr Gewicht weisen sie als die geeignete Kandidatin für einen viel schwieriger gelagerten Flugeinsatz aus. Zuerst folgt das Training am Simulator, schließlich wird es ernst. Die Jagd auf ein vor 50 Jahren verschwundenes Flugzeug hat begonnen. Der präzise dargestellten Technik stellt Leloup einen regelrechten Flugdinosaurier gegenüber, eine Handley Page H.P.42. Ein rein äußerlich aus Wellblech und Holz zusammen gezimmerter sowie mit vier Motoren ausgerüsteter fliegender Wal ist der heimliche Star des Bandes. Leloup holt hier einmal mehr etwas aus der realen Vergangenheit ans Licht der Aufmerksamkeit und webt es sorgfältig in sein Abenteuer ein.

Ähnliches zeigt sich auch gleich zu Beginn des 3. Abenteuers im vorliegenden Band: Der siebente Code. Ein uralter Doppeldecker, als Wasserflugzeug ausgestattet, und ein nicht minder markantes Flugboot geben einen guten Einstand. Allerdings, bei aller Nostalgie solcher Fluggeräte, so vergisst Leloup auch die Zukunft seiner Yoko Tsuno nicht. Diese schlagt sich nicht nur bei der Gestaltung von Raumschiffen nieder, sondern auch beim Entwurf von scheinbar existierenden Flugzeugen. Einfallsreich, genau und teilweise stark in die jeweilige Geschichte eingebunden, präsentieren sich Flugzeuge kleinerer Bauart wie der Kolibri und der Zar.

Es sind Beispiele für die Leidenschaft zur Technik und Fliegerei, allerdings auch Beispiele für die Kleinstarbeit der Vorbereitung zu einem Abenteuer, wie sich aus dem Begleitmaterial im Vorfeld der Abenteuer ablesen lässt. Bei der Gestaltung der Gesichter entstehen nicht ganz so große Unterschiede wie bei der Konzeption der Luftfahrzeuge, aber das mag man Leloup gerne nachsehen, da seine grafische Feinarbeit in bester Tradition zu Werken von Victor Hubinon (Buck Danny) oder Albert Uderzo (Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure) steht.

Roger Leloup macht sich sein eigenes Land, angelehnt an real existierende Vorbilder, oder er bedient sich an der Historie, indem er auf die Reste des Kalten Kriegs zurückgreift. In den hier vorliegenden Abenteuern spielt Spionage eine Rolle, kriegerische Konflikte und taktische Pläne, die mittlerweile überholt sind, aber immer noch eine Gefahr darstellen. Elegant lassen sich die Konstruktionen von Leloups Abenteuern nennen, in denen hier die erzählerische Spannungskurve mit der künstlerischen Ausführung Hand in Hand geht. Leloup, der sich thematisch nie festgelegt hat, nimmt den Leser hier mit in Abenteuer, die grob mit dem Genre Thriller übertitelt werden können. Dank ihrer verschiedenen Elemente lassen sie sich aber nicht (wie die gesamte Reihe) zur Gänze in eine bestimmte Schubalde stecken.

Wer Yoko Tsuno bisher von der gruseligen, mysteriösen Seite her kennenlernte, vielleicht auch im Bereich Science Fiction, wird sie bestimmt auch als Agentin für besondere Fälle mögen. Roger Leloup beherrscht auch die Mixtur aus Thriller und Abenteuer perfekt. 🙂

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Samstag, 04. Juni 2011

Clockwerx 2 – Sintflut

Filed under: SciFi — Michael um 15:54

CLOCKWERX 2 - SintflutRegen. In London ist diese Witterung ein normaler, ein häufiger Zustand. Inmitten eines dunklen London ist ein bewaffneter und verzweifelter Mann hingegen seltener anzutreffen. Matt Thurow eilt zu heim und ihm schwant Übles. Und tatsächlich wird er am Zielort, einer kleinen gemütlichen Wohnung, überfallen werden. Die Männer sind erbarmungslos. Einige machen sich nicht einmal die Mühe, ihre Gesichter zu verbergen, so selbstsicher sind sie in ihrem Tun. Die Verbrecher begnügen sich nicht mit Rache an Matt, auch seine Schwester Nelly soll für seine Schnüffelei leiden.

Zweiter Band: Andere Kolorierung. Schöner. Ein Wort, besser kann man es nicht sagen. Im ersten Teil des zweiteiligen Zyklus aus der Reihe Clockwerx wählte Zeichner und Kolorist Jean-Baptiste Hostache noch eine bodenständige, aber erkennbare Computerkolorierung. Hier wird nun Wert darauf gelegt, die Kolorierung natürlicher aussehen zu lassen. Die Imitation einer papiernen Oberflächenstruktur mit etwas Buntstiftabrieb sorgt für den gewünschten Natureffekt. Die Kolorierung im vorherigen Band hätte zwar auch für die Arbeit mit Markern gehalten können, doch ergaben sich einige Strichstrukturen, wie sie häufig bei der dort gewählten Kolorierung auftreten. Zugleich nimmt sich Jean-Baptiste Hostache bei seinem Farbauftrag noch etwas zurück. So entsteht eine sehr ruhige und durchweg schöne Farbstimmung.

Stimmung: Ein viktorianisches London muss auch als solches zu erkennen sein. Das Genre des Steampunk lebt von Atmosphäre. Im zweiten Band des Zyklus mit dem Titel Sintflut sind gerade solche Eindrücke besonders stark. Tageslicht wird der Leser nur einmal entdecken. Ansonsten herrscht die Nacht vor, vielleicht noch die Dämmerung. Innen finden konspirative Treffen statt, es wird gefeiert (eigentlich auch nicht weniger konspirativ), bevor es in den Showdown geht, die Entscheidung, die sich bereits im ersten Band ankündigte. Hier gibt es nur ein Entweder Oder, dazwischen ist nichts.

Die Autoren, diesmal zu dritt am Werke, Izu, Jason Henderson und Tony Salvaggio, klären bestehende Fragen über die Charaktere und ihre Herkunft. Beleuchtet wird, wie Matt Thurow, der ehemalige Kriminalbeamte, auf die schiefe Bahn geriet, indem er in eine Falle tappte. Hinter den Kulissen werden die Pläne der Geheimorganisation Golden Shell deutlicher, die sich mit der Ausbeutung des Energieträgers Luzifernum eine Vormachtstellung sichern möchte. Die Autoren wählen verschiedene, wenige Sequenzen, in denen sie ihre Geschichte treffsicher, pointiert zu Ende bringen und entfalten gleichzeitig einige für das Auge interessante Handlungsorte, die von Jean-Baptiste Hostache mit viel Sinn für die perfekte Perspektive umgesetzt werden (sofern er nicht entsprechende Vorgaben erhalten hat, versteht sich).

Die Rückblende ist Spannung pur, der Aufenthalt am und im Zug ein stilsicheres Vorgeplänkel, bevor schließlich mit einem Ball im Haus von Lord Oak, dem Chef der Golden Shell, eine Szenerie entsteht, die wie eine Hommage an die Eingangssequenz von True Lies wirkt. Dann sind alle Positionen verteilt und fast die gesamte zweite Hälfte ist als Finale anzusehen.

Das Finale: Von London in die Hölle. Der Energieträger hat nicht umsonst den Namen Luzifernum. Neben der technischen Komponente (beeindruckend anzusehen) kommt noch eine mysteriöse Komponente hinzu, aufgeworfene Fragen, deren fehlende Klärung allerdings nicht schlimm ist. (Denn dafür gibt es hoffentlich noch Fortsetzungen. Schließlich wird ganz bewusst das Ende dieses Zyklus verkündet.)

Sehr gut: Eine Geschichte wird in zwei Teilen abgeschlossen. Straff erzählt, sehr schön in seiner Gesamtheit gezeichnet, insbesondere im vorliegenden zweiten Teil koloriert. Jean-Baptiste Hostache ist ein Zeichner, von dem man sich als Comic-Fan mehr wünscht. Nicht nur für Steampunk-Fans, sondern auch für Comic-Leser, die SciFi, Mystery und Thriller mögen. 🙂

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Freitag, 03. Juni 2011

Clockwerx 1 – Genesis

Filed under: SciFi — Michael um 19:42

CLOCKWERX 1 - GenesisSo hatten sich die Männer den Abend nicht vorgestellt: In den wenige Sekunden vorher ruhigen Straßen werden sie plötzlich von einer riesigen Gestalt attackiert, unmenschlich, scheinbar ohne Kopf, brutal. Die Mänenr haben keine Chance. Erst durch das Eingreifen eines Fremden kann Schlimmeres vermieden werden. Ratlos bleiben die Männer in der Dunkelheit zurück, während das Ungetüm davon stapft, wie ein böser Traum. Der Fremde hat ein auffälliges Interesse an der Angelegenheit und will von den Beteiligten mehr erfahren. Sehr schnell gerät er in eine Verschwörung, deren Größe er nicht abschätzen kann.

Das viktorianische Zeitalter, so glorreich und stark, aber auch so schmutzig und gefährlich hat schon viele Autoren inspiriert, allerdings noch nicht so häufig im Comic-Bereich. Die Autoren Jason Henderson und Tony Savaggio haben sich des Zeitalters des Kolonialismus angenommen und vermischen moderne und rustikale Technik, entwickeln eine Verschwörung innerhalb des Empires und blasen zu einem geheimen Krieg hinter den Kulissen des hochherrschaftlichen Londons und seiner arroganten Aristokratie. Jason Henderson und Tony Savaggio kreieren eine eigene Form von Hellfire-Club, ohne Mutanten, aber nicht weniger machthungrig.

Zum Auftakt der Geschichte, angesiedelt 1897, tappt der Leser zunächst ebenso im Dunkeln wie die Londoner Polizei, die ratlos vor der Aufklärung verschiedener Unfälle steht. Wem könnte daran gelegen sein, Schwarzarbeiter umzubringen? Die Arbeiter haben an einem Projekt gearbeitet, das nicht an die Öffentlichkeit dringen darf. Unterdessen bewegt sich ein Schiff im Sturm auf die englische Küste zu. Der Sturm ist stark und es sieht nicht so aus, als würde die Mixtur aus Raddampfer und Hochseesegler die Küste erreichen. Nur unter höchstem Einsatz kann die Besatzung das Schiff über Wasser halten. Dieses Schiff birgt nicht etwa einen blutrünstigen Grafen an Bord, sondern Maschinen, die aussehen wie die Urahnen der Mechs.

Mechanische, aufrecht stehende, von Menschenhand gesteuerte Riesen. Sci-Fi-Fans werden natürlich direkt Vergleiche zu den Mechs von Battle Tech herstellen, einer Reihe, die dergleichen Maschinen schon vor Jahrzehnten im westlichen Raum populär machten. Solche Maschinen im viktorianischen Zeitalter anzusiedeln ist ungewöhnlich, wurde aber auch von Zeichner Jean-Baptiste Hostache ungewöhnlich gelöst, indem er für die Maschinen ein golem-artiges Äußeres entwarf.

Mehr noch: Einige Auftritte anderer Maschinen erinnern an Szenarien wie Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Die Technik in dieser Steampunk-Geschichte nimmt die Betonung auf Steam sehr ernst und kann mit Technikentwürfen aufwarten, die faszinierend aussehen und auch den Wunsch wecken, diese einmal in Aktion zu sehen: Bullig, vor Kraft strotzend, zweifellos laut und schnaufend, eine Art Dragster der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert.

Jean-Baptiste Hostache zeichnet möglichst realistisch, so dass das Leben jenes Zeitalters wunderbar zum Leben erwacht. Bei den Figuren vereinfacht er etwas, eine Spur Manga, etwas amerikanischer Comic, in jedem Fall modern. Das betrifft auch die Kolorierung per Computer ausgeführt, realen Pinselstrich imitierend, aber nur bis zu einem gewissen Detailgrad und nicht allzu sehr in die Tiefe gehend. Das funktioniert in einer Zeichentrickoptik, die hier sehr gut passt. Jean-Baptiste Hostache arbeitet wie viele seiner Kollegen (dies ist seine erste Serie) mit Stimmungen und sucht sich gerne eine führende Farbe oder einen Lichterglanz aus, aus dem sich dann alles andere ergibt.

Ein versiert erzählter Auftakt eines Zweiteilers, eine Mixtur aus Science Fiction und Thriller, die nur langsam offenbart, welche Seite die gute ist. Klasse. 🙂

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Mittwoch, 01. Juni 2011

THE WALKING DEAD 13 – Kein Zurück

Filed under: Horror — Michael um 18:59

THE WALKING DEAD 13 - Kein ZurückWann stellen sich Heimatgefühle ein? Wann empfindet man ein Heim als Zuhause? Die Männer, Frauen und Kinder, die unter der Führung des ehemaligen Polizisten Rick Grimes den Weg in die kleine Enklave gefunden haben, wo hinter hohen Mauern so etwas wie Normalität existiert, haben sich noch lange nicht eingewöhnt. Besonders Rick, dem die Verantwortung aufgebürdet wurde und der sich nie darum gerissen hat, fällt ein normaler Alltag schwer. Zu sehr sind die Ängste noch wach, zu lange haben die Untoten ihn gelehrt, immer und stets wachsam zu sein und niemals in dieser Wachsamkeit nachzulassen. Man könnte auch sagen: Der Preis des Überlebens ist ewige Wachsamkeit.

Allerdings scheinen die Menschen, die sie in die Enklave (geht man davon aus, dass die von Untoten überrannten USA ein fremder Staat geworden sind) eingeladen haben, diese Ängste nur im Mindestmaß zu kennen. Waffen innerhalb des kleinen Ortes sind nicht erlaubt. Alles ist irgendwie in eine Friede-Freude-Eierkuchen-Atmosphäre getaucht, die auch vom Anführer der kleinen Gemeinde, Douglas, so gewollt ist. Doch Rick ist misstrauisch. Die Atmosphäre ist trügerisch, der Wille zu gut und die Fassade bröckelt. Denn es gibt Geheimnisse, mit denen die bisherigen Bewohner der Enklave nicht herausrücken wollen. Sehr bald treten Ereignisse ein, die Rick in seinem Misstrauen bestärken.

Normalität ist in einer Welt, in der ein ungeschützter Mensch aufgefressen werden kann, ein Fremdwort. Zwölf Folgen lang haben die Flüchtlinge, die Überlebenden um Rick Grimes nach einem sicheren Ort gesucht, einem Ort zum Durchatmen, wo die Gefahr auf ein Minimum reduziert ist. Kurz fanden sie ein Heim in einem Gefängnis. Der Gitterzaun hielt die Untoten draußen, die Lebenden schlossen sich freiwillig ein. Der neue Aufenthaltsort, eher eine Art Fort, der sich äußerlich wie ein gutbürgerlicher, amerikanischer Vorort ausnimmt, ist größer, schöner und doch gärt es unter der Oberfläche, denn mit den guten alten Vorteilen hielten auch die schlechten alten menschlichen Eigenarten Einzug.

Rick ist wieder Polizist und als solcher will er nicht nur nach außen beobachten. So kommen denn die Bedrohungen zunächst wieder von innen, nicht von außen. Robert Kirkman, Autor der Erfolgserie THE WALKING DEAD beschreibt eine Menschheit im Umbruch. Das Sehnen nach Vergangenem, die Umsetzung, die nicht mehr so funktionieren kann, wie man dachte. Bei genauer Betrachtung ist der Wilde Westen zurückgekehrt. Das Rechtssystem ist vereinfacht worden. Gefängnisse, lange Verhandlungen kann man sich nicht mehr leisten. Ist das Verbrechen zu schwerwiegend, gibt es nur noch ein Urteil: Tod.

Kirkman lässt seine Charaktere um Normalität ringen, besonders jetzt, da sie diese Normalität direkt vor Augen haben und danach greifen können. Jeder Verlust wird betrauert, weil damit stets ein Stück Zivilisation verloren geht, auch ein Stück Menschlichkeit, die man so sorgfältig aufgebaut glaubte. Für Charlie Adlard gibt es nach wie vor auch Zombies zu zeichnen, auch sind die Zeichnungen weiterhin in Schwarzweiß mit den Grautönungen von Cliff Rathburn, aber ein großer Teil der Handlung konzentriert sich auf das Miteinander der Menschen.

Fans der Reihe müssen selbstverständlich nicht auf die Untoten verzichten. Es gibt genügend Szenen, die eine hohe Gefährlichkeit des Lebens veranschaulichen. Da die Enklave noch nicht aus eigener Kraft produzieren kann, ist der Nachschub von außen Pflicht und sehr riskant. Wie riskant, wird von Adlard auf drastische Weise vor Augen geführt. Innerhalb der Enklave sind es Charakterzeichnungen, Gesichtsausdrücke, Blicke, Konstellationen, die ein regelrechtes Drama abbilden. Adlard, zwar nicht von den Anfängen der Reihe dabei, inzwischen aber ein Serienveteran, fängt auch diese atmosphärischen Bestandteile sehr schön ein.

Ein Wendepunkt, der nächste: Robert Kirkman hält die Spannung, die Abwechslung ist vielseitig, die Bedrohungen immer wieder anders. Doch diesmal lässt er den Leser auch mit einem Funken Hoffnung zurück. Aber nur einem ganz kleinen. Mehr gönnt Kirkman seinen Charakteren (noch) nicht. 🙂

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Zombies 1 – Die göttliche Komödie

Filed under: Horror — Michael um 18:56

Zombies 1 -  Die göttliche KomödieDie Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Jeglicher Landstrich, die Großstädte, jede noch so kleine Ansiedlung wurde von den Untoten überrannt. Ein Mann hat überlebt. In einer Gefängniszelle hat er unter härtesten Bedingungen ausgeharrt, mit Zombies vor den Gitterstäben. Im Chaos des Untergangs haben die Wärter vergessen, seine Zelle aufzuschließen. Der Mann wartet auf seine Gelegenheit. Ein Verurteilter ist er nicht mehr. Nur noch ein Überlebender. Schließlich hat er Glück und das nötige Geschick, so dass er entkommen kann. Doch vielleicht wäre er in seiner Zelle sicherer gewesen.

Er ist nicht der einzige Überlebende. Noch andere schlagen sich durch diese apokalyptische Welt, allein oder in Gruppen. Einer von ihnen fährt durch das zerstörte Land und denkt an seine Vergangenheit, die zwar, als sie geschah, langweilig und gewöhnlich war, jetzt aber äußerst verheißungsvoll klingt. Er hat sogar schon daran gedacht sich umzubringen. Es wäre ein Leichtes, dem Ganzen mit nur einer Kugel ein Ende zu setzen. Wäre da nicht die Hoffnung, dass da irgendwo vielleicht noch seine Tochter am Leben ist und seine Hilfe braucht. Bis er keine Gewissheit über ihr Schicksal hat, wird er weitermachen. Was immer das in dieser Welt noch bedeuten mag.

Die göttliche Komödie: Der Untertitel des ersten Bandes der neuen Reihe Zombies ist in Anspielung an jenes unsterbliche Werk des Dichters Dante Alighieri gewählt. Dieser schickte seinen Protagonisten geradewegs in das Inferno, im weitesten Sinne eine Situation, nicht unähnlich jener, die auch der Held in dieser Geschichte erfahren muss. Der Held bleibt nicht allein, wünscht sich aber, er wäre es geblieben.

In einer Welt ohne Hoffnung geht Zombies zurück auf die Anfänge des Genres, insbesondere Dawn of the Dead von George A. Romero. Die Macher der Geschichte haben Seattle, einen überaus beliebten Handlungsort, ausgewählt, um als Kulisse des trocken und teilweise mit viel Sarkasmus gewürzten Thrillers zu dienen. Olivier Peru beschreibt einen Mann, der eigentlich mit der Humanität abgeschlossen hat, der alleine wie ein Wolf durch die Gegend zieht und stets befürchten muss, zur Beute zu werden. Ausgerechnet ein kleiner Junge, dem der Mann ohnehin keine Überlebenschancen in dieser Welt mehr einräumt, ändert diese Einstellung.

Der Mann geht mit dem Jungen zusammen auf die Jagd. Das Kind, geschult durch Videospiele, lernt sehr schnell, diese Fertigkeiten in der Realität zu nutzen. Es ist eine glückliche Zeit, denn Glück erlebt in dieser Apokalypse eine neue Definition. Glück bedeutet hier schon, nicht allein sein zu müssen.

Sophian Cholet kann einen Manga-Einfluss in seinen Zeichnungen nicht leugnen. Gerade in den Gesichtern finden sich die Normen dieser Vorlagen wieder, allerdings auch mit mehr Individualität als bei seinen asiatischen Kollegen. In seinem Portfolio beweist er größere Vielseitigkeit, so dass davon auszugehen ist, dass dieser Stil bewusst für diesen Comic gewählt worden ist. Insgesamt haben die Bilder eine hohe Detaildichte. Cholet arbeitet mit unterschiedlichen Perspektiven, um die von Untoten überrannte Weite zu zeigen. Aber er nimmt den Leser auch mit in die Enge halbdunkler Gebäudegänge, in Ansichten, die ein Gamer nur allzu gut von einschlägigen Spielen her kennt.

Vornehmlich gedeckte Farben, Düsternis, Sonnenuntergänge, schlechtes Wetter, Nacht und Erinnerungen simulierend, herrschen vor. Nur selten wird es richtig bunt. Simon Champelovier gönnt nur den ganz wenigen guten Momenten echte Farbe.

Knallhart, ohne Spaß erzählt: Der Serienauftakt ist ein Thriller im Stile des von Romero maßgeblich beeinflussten Genres. Horror ohne jegliche Abstriche. 🙂

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Links:
sophiancholet.blogspot.com (Blog von Sophian Cholet)
sophiancholet-book.blogspot.com (Portfolio von Sophian Cholet)

Sonntag, 29. Mai 2011

Die Korsaren der Alkibiades 4

Filed under: Abenteuer — Michael um 20:05

Die Korsaren der Alkibiades 4 - Das GeheimprojektRabat, im Jahre 1826. Die jungen Abenteurer, verpflichtet durch die Geheimorganisation Alkibiades, haben bereits viel gesehen und viel erlebt. Und sie haben Freunde verloren. Zur Vorbereitung ihrer nächsten Mission wird der Einsatz geübt. Obwohl mit speziellen Schutzanzügen ausgerüstet, ist die Aufgabe riskant. Mehr noch: Die Freunde beginnen sich untereinander Fragen zu stellen und Gedanken zu machen. Wer oder was Alkibiades? Warum lässt man sie so im Dunkeln tappen? Allerdings lassen die Ereignisse den Freunden auch nicht allzu viel Zeit sich Gedanken zu machen und die Aktivitäten von Alkibiades zu hinterfragen.

Ihr Auftrag: Der Diebstahl eines Schiffes, das seinerseits durch die Entwendung von Bauplänen aus dem Besitz von Alkibiades entstanden ist. Der Auftrag verläuft am Schnürchen, doch am Ende scheint der Kapitän nicht im Sinne von Alkibiades zu handeln. Jetzt zeigt die Organisation ihr wahres Gesicht und den Freunden bleibt vorerst keine andere Wahl, als mitzuspielen, wollen sie ihr Leben nicht vorzeitig verlieren.

Mehr Licht in die Schatten, doch nicht weniger neue Fragen: In der 4. Episode der Reihe Die Korsaren der Alkibiades mit dem Untertitel Das Geheimprojekt verschiebt sich der Schauplatz nach Ägypten, in Richtung Nil und später noch weiter in die Wüste. Denis-Pierre Filippi geizt nicht mit Schauplätzen und agiert ein wenig wie ein prominenter Vorgänger wie Jules Verne es in Die geheimnisvolle Insel tat. Viele Fragen werden aufgeworfen, vieles geschieht, bevor Antworten gegeben werden. Langsam beginnt sich die geheimnisvolle Alkibiades von einer Organisation im Dienste des Empires in Richtung einer Verbrecherorganisation wie Spectre (James Bond zu verschieben.

Und Alkibiades ist nicht allein: Es haben sich Gegner positioniert. Sie sind schlichtweg Konkurrenten oder jene, die sich von Alkibiades abgespalten haben, nachdem sie erkannten, für wen sie arbeiteten. Als Leser muss man sich mit der Geschichte treiben lassen, die mit immer neuen Ideen aufwartet. Es ist eine Reise um den Globus, mit stets neuen Entdeckungen. Denis-Pierre Filippi kreiert neue Technologien und schickt den Leser an schaurig düstere Orte, die, von Eric Liberge gestaltet, immer Metall zu atmen scheinen. Metall ist hier die Zukunft, das Sinnbild für Fortschritt. Allein das Titelbild verrät viel über die Einfälle, die den Leser erwarten: Ein Schiff, auf eine externe Plattform gesetzt, bewegt sich mittels eines Kettenraupenantriebs durch die Wüste.

Für Eric Liberge ist Die Korsaren der Alkibiades die Möglichkeit, sich kreativ auszutoben. Er darf nicht nur ständig etwas Neues erfinden, nein, er muss. Schiffe, Waffen, unterirdische Bohrer, Schutzanzüge sind nicht die einzigen Elemente, die das Auge heranziehen. Kämpfe, Mann gegen Mann, sowie altmodische Schiffsschlachten zu See gehören ebenso zu seinen gestalterischen Aufgaben. Die feine Stricharbeit, die Liberge in seinen Bildern zeigt, wird durch die Farbgebung gestützt. Feinste Punktierung, die Arbeit mit Füllmustern, Wolken, Nebel, ein wenig metallischer Glanz sorgen mitunter für den Eindruck, als habe Liberge auch mit dreidimensionalen Objekten in seinen Bildern gearbeitet.

Die Reise geht weiter: Aus den Aufgaben für die neuen Rekruten der Alkibiades ist eine Odyssee geworden, mehr eine Flucht als eine Heimreise, gejagt, bedroht, grafisch außerordentlich gut umgesetzt, stilistisch eigen. Wer rätselhafte Geschichten mag, ein wenig Steampunk, mit hohem Einfallsreichtum erzählt, der liegt hier richtig. 🙂

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Missi Dominici 2 – Tod

Filed under: Abenteuer — Michael um 17:44

Missi Dominici 2 - TodMalassah will Blut sehen. Noch gibt es genügend Gefangene und Sklaven, die dem finsteren Gott, einem Feind des Christengottes geopfert werden können. Mehr noch: Für jeden getöteten Krieger der Liven soll ein Gefangener sterben. Durch die Hilfe ihres Gottes wie auch seines Sohnes Jelami, einem irdischen Jungen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten wollen sie die Germanen besiegen. Langsam wachsen in Jelami jedoch Zweifel an seiner Funktion. Er sieht das Grauen der Opferzeremonien und verfolgt die Gräueltaten mit immer größerem Abscheu. In der Tat ist der Junge für die Männer, die hinter den Kulissen ihre Fäden ziehen, nur ein Werkzeug. Und noch haben sie genug Macht über ihn, um ihre Ziele weiterzuverfolgen.

Es tobt ein geheimer Krieg, hinter dem Krieg. Diejenigen, die mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet wurden, bedienen sich der Normalsterblichen für ihre Zwecke. Aber manchmal ist es auch genau umgekehrt. Wenn die Normalsterblichen doch eine besondere Fähigkeit besitzen, nämlich jene, die Vertrauen haben, zu überzeugen, zu täuschen. Die beiden Ritter der Missi Dominici, jener Geheimorganisation, die danach trachtet, alle jene mit besonderen Fähigkeiten unter ihrem Mantel zu vereinen, sucht jene, gerade junge Menschen, die noch nicht wissen, dass sie gesegnet sind, um sie nicht zum Werkzeug des Bösen werden zu lassen. Aber nicht alle wollen ihre jeweilige Macht für das Gute einsetzen.

Gemäß des Prinzips der Gegensätze gibt es auch eine Gruppe, die ihre Macht nur zu ihrem eigenen Nutzen einsetzt. Diese Konstellation zeigte Autor Thierry Gloris in der ersten Ausgabe von Missi Dominici und beleuchtet nun neben dem Fortgang der Handlung insbesondere die Vergangenheit des Ritters Wolfram, der sich bisher durch großen Kampfgeist und Mut hervortat und dabei gleichzeitig ein ziemliches Raubein war. Gloris erschafft einen von Gott verlassenen Mann, dessen Kindheit ein Alptraum war, der nur das Überleben gelernt hat und am Ende zu dem wird, was er gefürchtet und verabscheut hat.

Thierry Gloris lässt seinen Helden jedoch nicht ins Leere laufen, sondern schafft einen Wendepunkt. Das neue Leben wird ungewohnt und zunächst wieder mühevoll, aber schließlich dankbarer. Die Rückblicke, wie der gesamte Band von Benoit Dellac gezeichnet, werden in seinem Sepiaton von Anouk Bell koloriert. Diese episodenhaft eingestreuten Eindrücke von Wolframs Vergangenheit sind einerseits in Form einer mittelalterlichen Realität erzählt, andererseits rücken die mysteriösen Aspekte immer mehr in den Vordergrund.

Die Missi Dominici trachten nach Erweiterung ihres Verbundes. Als die beiden Helden ihr Ziel erreichen, kann auch der weitaus jüngere Mann des Duos, de Guivre, seine Fertigkeiten zeigen. Wieder einmal geht es in die Vergangenheit, in geisterhaftes Blau getaucht. Und Thierry Gloris lässt seine Helden scheitern. Mit fortschreitender Geschichte wird die Handlung nicht nur unheimlicher, auch gruseliger, sondern nimmt auch mehr Fahrt auf. Ob Gloris Vorbilder bei anderen Erzählern findet, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, manche Szene kann jedoch als eine Art Hommage gedeutet werden.

Benoit Dellac versteht sich auf eine klassische grafische Darstellung im Stile eines oder auch eines . Männliche Figuren sind sehr markant gezeichnet, Frauenfiguren wirken stilistisch allerdings eher wie an Mangadarstellungen angelehnt. Die Technik ist abwechslungsreich. Fette, sehr dichte Strichführungen finden sich ebenso wie leichte, zerbrechliche. Benoit Dellac trägt dabei auch der jeweiligen Stimmung Rechnung, wie sich besonders an einem geisterhaften Rückblick ablesen lässt. Leider kommt es zu selten zu sehr raumgreifenden Bildern, halbseitig oder größer, denn hier kann Benoit Dellac richtig aus dem Vollen schöpfen und sein Talent für Breitwandbildkompositionen beweisen.

Spannend von Anfang bis Ende, ein echter Seitenumblätterer. Mittelalterliches Szenario gepaart mit Mystery, aus der nach und nach eine handfeste Gruselgeschichte wird, mit ein wenig Indiana-Jones-Atmosphäre. 🙂

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Samstag, 28. Mai 2011

Vasco 23 – Der weiße Tod

Filed under: Abenteuer — Michael um 13:54

Vasco 23 - Der weiße TodVasco wird im Kerker gefangen gehalten. Krank, vom Fieber geschüttelt hängt er kraftlos in Ketten. Zwei Ärzte, die ihn untersuchen, versichern, dass er nicht an der Pest erkrankt ist, jener Geißel, die wie ein Fluch über dem Land liegt. Vasco darf nicht sterben, denn zuvor soll er Antwort geben. Es gab drei Kisten, mit Gold gefüllt und nun verschwunden. Vasco wird verdächtig, das Gold gestohlen zu haben. Doch alle Verteidigungen Vascos werden nur als Ausflüchte abgetan. Seine Zeit scheint gekommen, da ergibt sich eine letzte Gelegenheit zur Flucht.

Wunderbares Mittelalter: Nicht nur Langlebigkeit zeichnet diese Serie aus. Mit dem 23. Band setzt sich die akribische Darstellung jener Zeit fort, nicht beschönigend, abenteuerlich, spannend, im besten Sinne gestaltet wie frühere Leinwandepen aus Hollywood: Prachtvoll ausgestattet, in fernen Ländern angesiedelt, zwischen Burgen, Städten und Dörfern, mit Helden, im Kampf und auf der Flucht, schönen Frauen, finsteren Gaunern, fintenreichen Schachzügen und, so wie es sich gehört, einem Triumph für denjenigen, der sich so angestrengt hat: Vasco.

Die Abenteuer von Vasco waren niemals auf ein bestimmtes Land konzentriert, so konnte der Leser verschiedene Stationen, unterschiedliche Kulturen und stets neue Ausgangssituationen für die Handlungen kennenlernen. In dieser 23. Episode mit dem Untertitel Der weiße Tod der 1980 laufenden Serie hat es Vasco nach Toledo, in Kastilien, verschlagen. Vasco befindet sich in Gefangenschaft und wird eines nicht begangenen Verbrechens angeklagt. Zu seinen Ungunsten handelt es sich um eine nicht unwichtiges Verbrechen. Geld und Gold ist verschwunden. Geld, mit dem Soldaten bezahlt werden sollten. Und Soldaten, die nicht bezahlt werden, holen sich ihren Sold selbst (wenigstens in jenen frühen Tagen).

In dem von Gilles Chaillet geschilderten Abenteuer finden sich neben Ränken und Intrigen auch Liebeleien und handfeste Kämpfe. Chaillet, durchaus als ein Veteran im Bereich Comic zu bezeichnen, hält die Geschichte durchgängig im Fluss und obwohl diese ihren ersten Teil in Band 22, Die schwarze Dame, hat, fällt der Einstieg leicht (sicherlich ist auch schöner, den Beginn der Handlung zu kennen).

Pompös gestaltetes Mittelalter: Im klassisch von Toblanc gezeichneten Abenteuer erwacht ein ganzer Landstrich jener Tage zum Leben. So ist Vasco nicht nur schön und abwechslungsreich erzählt, sondern bietet auch einen dichten Einblick in die Landschaft, die Architektur, die Mode jener Zeit. Gebräuche, Ausstattung und Ansichten sind so liebevoll und akribisch dargestellt, dass Vasco durchaus im Verbund mit historischen Abhandlungen zur besseren Verdeutlichung jener Zeit gelesen werden mag. Wie wichtig einem Gilles Chaillet eine historisch korrekten Darstellung ist, hat er sogar schon mit dem Sachbuch Das Rom der Kaiserzeit verdeutlicht. Dieser Blick auf die Epochen setzt sich mit den Abenteuer auf Vasco fort.

Toledo, Kastilien, Spanien, Sevilla: Aus einer Flucht wird eine Reise, die Toblanc in faszinierende Ansichten verpackt. Gerade, da die Rittergeschichten aus jenem Landstrich eher selten sind (außer in der echten Historie natürlich), bleiben die Augen gebannt am leichten Strich der Bilder hängen. Das ist nicht ganz die klare Linie, aber eine vereinfachte und sicher gezeichnete, die keine Abstraktion mag. Grafische Höhepunkte sind ein Sturm auf eine Burg, ebenso eine Prozession von Gläubigen durch Sevilla, ein Brauchtum, das heute noch existiert. (Stichwort: Semana Santa)

Die 23. Episode schließt das Vorgängerabenteuer inhaltlich ab. Ganz großes Historienkino, spannend von Beginn an, mit viel Gespür für historische Details erzählt und gezeichnet. Sehr schön. 🙂

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Donnerstag, 26. Mai 2011

Rex Mundi 6 – Das Tor Gottes

Filed under: Mystery — Michael um 18:54

Rex Mundi 6 - Das Tor GottesEin kleines Tal in den Pyrenäen wird zum entscheidenden Ort für die Zukunft Europas, vielleicht sogar der ganzen Welt. Während ein Weltkrieg tobt und die französischen Truppen versuchen, den Machanspruch ihres größenwahnsinnigen Herrschers, Herzog Lorraine, zu befriedigen, will dieser unbedingt seinen Anspruch als Nachfolger Christi in der Blutfolge zementieren. In seinem Schloss über dem Tal verläuft jedoch gar nichts seinen Erwartungen entsprechend. Verbündete, engste Vertraute begehen einen Verrat, dem der Herzog nicht mehr verzeihen kann. Jegliche Großmut ist aus ihm gewichen. So göttlich er sich geben will, so teuflisch ist er in Wahrheit geworden.

Julien Sauniere, ein Arzt, ist unabsichtlich durch einen Mord in die Wirren und Intrigen des Herzogs gezogen worden. Sicherlich lieben beide dieselbe Frau, doch Sauniere hatte sich von Genevieve zurückgezogen. Der Mord führt beide auf die Suche nach dem Heiligen Gral. Doch was ist der Gral? Immer noch scheinen dunkle Mächte im Hintergrund zu wirken. Magie wirkt auf und durch den Herzog. Was ist das Geheimnis des Tals und der blauen Äpfel? Sauniere, inzwischen von Herzog Lorraine gefangen gehalten und unter Folter befragt, ist der Lösung des Geheimnisses viel näher, als er glaubt und ganz anders auf der Spur, als er ahnt.

Arvid Nelson hat eine alternative historische Linie entwickelt und diese mit Mystery-Elementen versehen. Historisch angesiedelt in der Zeitzone des realen Zweiten Weltkriegs ist Zauberei nicht alltäglich, aber unterschwellig vorhanden und meistens eine Bedrohung. Die Atmosphäre ist dunkel und geheimnisvoll. Der Krieg, diesmal von Frankreich ausgehend und mit all den Anfeindungen behaftet, die auch der reale Krieg kannte, wird dem Leser in seinem großen Ganzen durch Zeitungslektüre nahe gebracht. Zugleich rückt der Leser durch die eigentliche Handlung ins Zentrum der Geschehnisse, genauer der Macht in Frankreich.

Sehr dicht im Rahmen, noch komplexer nach innen, zwischen den einzelnen Charakteren. In der dieser letzten Zusammenfassung der Ereignisse fühlt man sich an alte Schauergeschichten erinnert. Eine alte Burg überragt ein Tal und ein kleines Dorf. Ein Tyrann knechtet die Bevölkerung und seine Soldaten sind nur allzu gern bereit, seine brutalen Befehle auszuführen. Doch jede Knechtschaft endet. Hier ruft Arvid Nelson die Magie zu Hilfe, besser gesagt den Glauben, denn am Ende sind die Guten nicht von Gott verlassen.

Grafisch ist Juan Ferreyra dem Realismus verpflichtet. Ferreyra mag die klare eindeutige Bildkomposition ebenso wie die opulente Inszenierung. Die Präsentation des Heiligen Grals ist hierfür ein gutes Beispiel. In manchen Bildern nimmt er den Betrachter sehr schön mit ins Bild und legt mit seiner Bildsprache Hinweise aus. Eindeutig ist die Darstellung von Sauniere und Genevieve in der Haltung der Pieta, wie sie im Petersdom in Rom zu finden ist. (Kann übrigens auch in der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin angesehen werden, nur mal so am Rande.)

Zum Gelingen der Bilder, zum Augenschmaus trägt auch die Kolorierung bei. Sicherlich per Computer bearbeitet wird trotzdem durch einen milchigen, lasierenden Farbauftrag die Imitation echter Farbe erzeugt. Das mag leichter zu korrigieren sein, ist aber zeitlich aufwändig und teilweise sehr intensiv betrieben worden. Überwiegend entsteht ein stimmungsvolles Farbfeuerwerk, das besonders zum Finale hin mit ungeheuer atmosphärischen Bildern aufzuwarten weiß.

Mystery-Fans können sich auf einen Gastbeitrag von Guy Davis freuen. Der Zeichner, bekannt von B.U.A.P., liefert ein grafisches Vorwort mit einer Kurzgeschichte, in der es um die Brechung eines uralten Fluches geht.

Letzter und abschließender Band der Reihe: Sehr dicht erzählt, packend durch die Darstellung verschiedener Schicksale, eine spannend aufgebaute Alternativwelt mit sorgsam eingesetzten Mystery-Elementen. Sehr empfehlenswert in seiner Gesamtheit. Die Kenntnis von Band 1 an ist für das Verständnis des Schlusses ein Muss. 🙂

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