Sonntag, 25. Januar 2026
Ein Mann im Fledermauskostüm schwingt über die Straßenschluchten GOTHAMS hinweg. In einer Gasse überfallen vier Ganoven ein Ehepaar. BATMAN ist zur Stelle. Jemand schreibt Drohbriefe. BATMAN ist zur Stelle. Ein Gangster mit Schrotflinte bedroht das Besitzerpaar eines Lebensmittelladens. BATMAN ist zur Stelle. Bis er eines Tages dann doch nicht rechtzeitig zur Stelle ist. BATMAN ist eben nur ein Mensch…
Wenn eine Geschichte die Kategorie GRAPHIC NOVEL verdient, dann ist es ganz bestimmt die BATMAN-Geschichte KRIEG DEM VERBRECHEN von PAUL DINI (Autor) und ALEX ROSS (Illustrator). Wobei letzterem die größere Ehre für die Entstehung dieses grafischen Meisterwerks zufällt. ALEX ROSS ist ein amerikanischer Künstler, dessen Werke auf dem Gebiet der Comics dem eingefleischten Fan sattsam bekannt sind. Er hat für DC sowie MARVEL irrsinnig tolle Bilder geschaffen. Sein Markenzeichen ist die Gestaltung echter Menschen in Superheldenkostümen. So könnte man es umschreiben. Man stelle sich vor, in den 1950er Jahren wäre es jemandem eingefallen, sich als Batman zu verkleiden, vielleicht auch noch in den 1960ern (aber nicht derart übertrieben wie seinerzeit ADAM WEST), dann würde höchstwahrscheinlich ein ähnliches Ergebnis wie in den Superheldeninkarnationen von ALEX ROSS dabei herauskommen. Jemand, der Vergleiche optischer mag, findet ein sehr gutes Beispiel in CLARK BARTRAM in dem BATMAN-FANFILM von SANDY COLLORA, DEAD END (Unbedingt empfehlenswert! Gut über das Internet zu finden.).
PAUL DINI lässt BATMAN aus seiner Sicht erzählen. Keine Sprechblasen, es gibt wenig, auf vielen Seiten gar keine der üblichen Aufteilungen in Kästen. Manchmal gehen die Grafiken, wenn sie auf einer Seite mehrere Szenen oder Ansichten umfassen, collagenartig ineinander über. Wenig Text wird ausgeschrieben, vieles ist Subtext, den der Leser in den Bilder von ALEX ROSS erfahren darf. Keine Bange, das ist alles sehr gut ablesbar. ALEX ROSS ist ein Meister der Inszenierung sowie technisch wahnsinnig versiert, wenn es darum geht mit Bildern eine Aussage zu treffen oder den Gefühlszustand einer Figur zu übermitteln.
Worum geht’s? KRIEG DEM VERBRECHEN sagt schon viel zum Thema aus. Es ist eine kleinere Geschichte, ohne den mittlerweile erwartbaren Bombast. BATMAN bekämpft das Verbrechen, keine Superschurken. Damit fing auch einmal alles für BATMAN an. Die eigene Leidensgeschichte, der Tod der Eltern, verursacht durch einen Straßenräuber, setzt sich hier fort. Lebensmittelläden werden überfallen, Frauen entführt, Menschen getötet. Der alltägliche Wahnsninn auf GOTHAMS Straßen. BATMAN kann eine Schlacht gewinnen, noch eine und noch eine. Doch PAUL DINI gibt dem maskierten Detektiven nicht das Gefühl, er könne am Ende auch den Krieg gewinnen. Vor allem nicht, da in diesen Krieg auch Kinder involviert sind und traumatisiert werden. So wie der junge BRUCE WAYNE einst.
ALEX ROSS malt photorealistisch mittels GOUACHE. Das sind beeindruckende Darstellungen von Licht und Schatten (bei BATMAN-Szenarien fast schon ein Muss) und feinen Farbgebungen. Bei all dem erlaubt es der Meister dem Leser auch, die Farbgebung genauer unter die Lupe zu nehmen, wie er denn zu den gesehenen Ergebnissen kommt (wer es noch genauer mag, kann das zudem in diversen Youtube-Videos anschauen). Und es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Die BATMAN-Maske zum Beispiel erlaubt seinem Träger, weitaus mehr Emotionen als gewöhnlich zu zeigen, passt sie sich doch seinem Mienenspiel an, so dass nicht nur die untere Gesichtshälfte Ausdrücke mitteilt.
ALEX ROSS zeigt aber nicht nur die nächtliche Seite GOTHAMS. An der Seite von BRUCE WAYNE gibt es einen Ausflug in die Hochfinanz, viel heller, doch unter dem Strich ist es nicht weniger verbrecherisch. PAUL DINI nutzt dieses Ambiente, um zu zeigen, dass ganz gleich welche Seite BRUCE WAYNE wählt, die des finanzstarken PLAYBOYS oder des DUNKLEN RITTERS, er immer mit dem Verbrechen zu tun hat. Ausruhen gibt es für diesen Charakter nicht. Aber vielleicht ein wenig Hoffnung.
Ja, es ist am Ende nicht ganz hoffnungslos für BATMAN, schwierig bleibt es auf jeden Fall. PAUL DINI ist in seiner Erzählung über den DUNKLEN RITTER um Realismus bemüht, ganz so wie es ALEX ROSS mit seinen Illustrationen ist. Das steht einem SUPERHELDEN ohne Superkräfte sehr gut zu Gesicht. Wie verlustreich und mühselig ein solches Leben sein kann, verrät ein Blick auf den bloßen Rücken des Helden, der ein einziges Narbenfeld ist. Geniale Bilder, schlicht und eindringlich erzählt, ganz bestimmt eine der berührendsten Darstellungen aus dem Leben des Fledermausmanns. Top!!! 🙂
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Sonntag, 18. Januar 2026
Der JOKER ist tot, aber nicht vergessen. Eine Bande, als Clowns verkleidet, die Gesichter weiß geschminkt, Buttons mit dem Konterfei des Jokers auf den Jacken und den Basecaps, treibt ihr Unwesen, stiftet Chaos. BATMAN ist als maskierter Rächer immer noch in GOTHAM unterwegs und greift ein. Doch so gut er (meistens) seinen Job erledigt, kann er doch nicht an allen Orten gleichzeitig sein. So kann er nicht verhindern, dass auch HARVEY DENT auf offener Straße überfallen wird. Der will sich nicht unterkriegen lassen und den potentiellen Ganoven seine Wertsachen überlassen. Kühl und fast schon versiert, schlägt er die Gauner in die Flucht…
Als es damals, so zwischen 1987 und 1988 hieß, TIM BURTON werde einen BATMAN-Film inszenieren, stand die Fan-Welt eine ganze Weile Kopf. Niemand hatte einen MICHAEL KEATON als BRUCE WAYNE auf dem Schirm, ein JACK NICHOLSON als JOKER war schwer zu verdauen. 1989 änderte sich dieses Bild, denn was TIM BURTON auf die Leinwand brachte, war Comic pur, sein BATMAN wurde richtungsweisend, das BATMOBIL ikonisch und die Version von GOTHAM CITY war eine irre düstere Version jener Stadt, in der ein VIGILANT dafür sorgt, die Verbrechensquote auf seine Weise zu senken. Es gab eine Fortsetzung, in BATMANS RÜCKKEHR, leider war nach dem Auftauchen von PINGUIN und CATWOMAN mit TIM BURTON Feierabend (nicht so ganz für MICHAEL KEATON).
Aber der Comic ist ein Medium, das ebenfalls für Fortsetzungen bekannt ist. Wenn ein Film oder eine Serie Schluss machen, kann der Comic ein Thema oder eine Interpretation aufgreifen und fortführen, wie z.B. BUFFY. BATMAN ’89 ist weitere eine Fortsetzung und, das sei vorweg gesagt, eine überaus gelungene. Denn sie holt ein (gezeichnetes) Gesicht ins BATMAN-UNIVERSUM des TIM BURTON zurück: BILLY DEE WILLIAMS als HARVEY DENT. Zumindest in der Comic-Umsetzung erfüllt sich das gesteckte damalige Ziel, den Schauspieler in der Maske des TWO-FACE in Erscheinung treten zu lassen.
Und das ist beileibe nicht alles. CATWOMAN lässt sich wieder blicken. Wer den zweiten BATMAN-FILM mit MICHAEL KEATON gesehen hat, hätte es sich denken können. Aber BATMAN bleibt nicht allein auf weiter Flur, denn ein SIDEKICK kündigt sich an. Einiges läuft hier anders als in den übrigen Verfilmungen, ebenso in den Comics selbst (wo der Leser durchaus vor lauter SIDEKICKS den Überblick verlieren kann).
Autor SAM HAMM greift die Atmosphäre der beiden Vorlagen mit Feingefühl und Tiefgang auf. TIM BURTON kreierte COMIC auf der Leinwand, aber seine Charaktere waren echt, packend, echte Schicksale. Was nicht zuletzt den Darstellungen von MICHAEL KEATON und JACK NICHOLSON geschuldet war. Nun also ist HARVEY DENT an der Reihe seine Platz in der BATMAN-HISTORIE einzunehmen. Der Staatsanwalt hadert mit seinem Leben. Beizeiten stellt sich die Frage nach den verpassten Gelegenheiten, den Abzweigungen, denen man im Leben nicht gefolgt ist und was hätte sein können, wäre man sie gegangen. Fragen, die sich der/die eine oder andere sicherlich auch schon mal gestellt hat. Aber als ein schwerer Schlag ihn trifft, ausgerechnet, als er einem anderen Menschen zur Hilfe eilt, hört er auf, Entscheidungen zu treffen. Er lässt den Zufall entscheiden. Mittel einer Münze.
Der berühmte Münzwurf ist ein Markenzeichen von TWO-FACE alias HARVEY DENT. Sie entspricht dem Kriminellen, zu dem er geworden ist. Eine Seite ist entstellt, die andere heil. Hat ein TOMMY LEE JONES in BATMAN FOREVER nur mehr einen Abklatsch eines JOKERS gespielt (er war dort der Darsteller des TWO-FACE), ist die von SAM HAMM geschriebene Interpretation vielschichtiger aufgebaut und weitaus tragischer. Denn irgendwo ist in HARVEY DENT ein Ehrenmann übrig geblieben. Nicht umsonst wird er von der Tochter des COMMISSIONERS, BARBARA GORDON, geliebt, die den Fußstapfen ihres Vaters folgend ein COP geworden ist. SAM HAMM kann sich aber nicht von der POPKULTUR lösen, denn sein TWO-FACE hat ähnlich wie GOLLUM ein Problem mit einem anderen ICH. So entscheidet letztlich nicht nur die Münze, auch die böse Seite hat in HARVEY DENT ein Mitspracherecht.
Eine Comic-Fortsetzung eines Films kann am Ende nur funktionieren, wenn die Optik bzw. die Grafik der Vorlage angepasst ist. JOE QUINONES, der Zeichner, und LEONARDO ITO, der Kolorist, schaffen das mit mehr als nur Bravour. Solch exakten Bilder, die mit einer geradezu architektonischen Genauigkeit daherkommen, sind nicht so häufig gesät. Illustratoren, die ihre eigenen Techniken haben, ihre eigenen Figuren entwerfen, sind meist nicht in der Bedrouille, etwas nachzeichnen zu müssen. Wenn JOE QUINONES einen MICHAEL KEATON zu Papier bringt, den markanten Mund des Schauspielers zeichnet (weshalb BATMAN sich eigentlich bis zum Dorthinaus maskieren konnte, am Mund blieb er immer erkennbar), dann kehrt TIM BURTONS BATMAN tatsächlich zurück.
Dem Design der bekannten Figuren angepasst, ist auch jenes der neuen Charaktere wie DRAKE WINSTON. Anfänglich erinnert das Auftreten durch einen sehr flatterhaften Überwurf an die Figur des Helden aus UNBREKABLE, gespielt von BRUCE WILLIS. Die anderen Charaktere, BARBARA GORDON vorneweg, sind perfekt gestaltet. Alles in allem für Comic- und BATMAN-FANS ein grafisches Fest!
Top! Ganz bestimmt eine der besten Comic-Fortsetzungen, die es gibt. Richtig liebevoll gestaltet und erzählt, eine echte Verbeugung vor der Vorlage. Wer wissen will, wie die Geschichte damals filmisch hätte weitergehen können, kann hier vorbehaltlos zugreifen! 🙂
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Dienstag, 20. August 2024
SCOTCH hat es nicht gerade leicht. Die Nerven liegen blank. Er sitzt am Steuer eines rasenden Wagens, um den herum ein ungeheures Unwetter tobt. Regen prasselt nieder und macht die holprige Straße beinahe unpassierbar. Panisch versucht er sein Ziel, das Haus von JOHNNY CONGO, zu erreichen, wo er sich Hilfe erhofft. Aber wird er es rechtzeitig schaffen?
Besonders im zweiten Abenteuer hat JOHNNY CONGO seine phantastischen Elemente und zweifellos gibt es die typischen Gegner, die nach einem extragroßen Stück des Kuchens greifen wollen. Da konnte MICHEL GREG, Autor, 1992 nicht aus seiner Haut, denn er war, wie bisherige Veröffentlichungen bewiesen, immer schon sehr fantasievoll. Aber im ersten Abenteuer von JOHNNY CONGO finden sich Aspekte, die kaum aktueller sein könnten. WILDEREI und EPIDEMIE. Elefanten werden Opfer von Wilderern. SCOTCH und BARTHELEMY schlittern mitten ein ein Schlachthaus. Inmitten eines Flusses haben Wilderer ein Blutbad veranstaltet, die getöteten Tiere einfach liegen lassen und das Elfenbein, die Stoßzähne, mitgenommen.
Und wie es in der Realität ebenfalls vorkommt, sind die Wilderer bereit, für ihre Beute auch über menschliche Leichen zu gehen. SCOTCH und BARTHELEMY werden unter Beschuss genommen, können jedoch nicht mehr, als sich zurückzuziehen. BARTHELEMY ist schwer verletzt. Und das ist erst der Auftakt, bevor es noch viel schlimmer wird. Das ist von MICHEL GREG selbstverständlich dramatisiert und auf Spannung getrimmt, was allerdings nichts daran ändert, dass die Handlung sich durchaus so abspielen könnte. Je nach afrikanischem Land, sogar heute noch.
DER SCHARLACHROTE FLUSS ist ein sehr bodenständiges erstes Abenteuer mit Action und reinen Spannungsszenen, deren Ende sich nicht vorhersagen lässt. Man darf hier durchaus um das Leben mancher Hauptfigur bangen (außer vielleicht um JOHNNY CONGO, der wird in jedem Fall weiter gebraucht). Im zweiten Abenteuer, PFEILE AUS DEM NICHTS, bedient sich ein zwielichtiger Gegner einer ungewöhnlichen Waffe, nämlich einer in Massen auftretenden kleinen Kreatur, die ganz offensichtlich im Labor entstanden und keines natürlichen Ursprungs ist.
Sieht man einmal vom phantastischen Element in der zweiten Episode ab, ist die Bekämpfung einer biologischen Katastrophe, ohne sie näher zu benennen, nach über dreißig Jahren (wir erinnern uns, 1992 entstand JOHNNY CONGO) brandaktuell und je nach Landstrich ist seine Bekämpfung in Afrika (gerade bei Epidemien) heute so schwierig wie damals. Das ist faszinierend, da sich das Rad in mancherlei Hinsicht deutlich schneller gedreht hat. MICHEL GREG war hingegen deutlich optimistischer, was die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe anbelangt. Und er hatte wohl eine länger laufende Serie im Sinn, etwas wie LUC ORIENT, eine Serie, bei der sich MICHEL GREG und EDDY PAAPE bereits als Comic-Dreamteam bewiesen hatten. Doch leider wird man nie erfahren, was aus einem bestimmten Charakter im letzten Drittel werden wird. Obwohl das Abenteuer selbst zu einem befriedigenden Ende geführt wird.
EDDY PAAPE zeigt einmal mehr, wie Comic früher funktionierte und wie zeitlos seine Technik ist und sich heute noch behaupten kann. Was er mit MARC DACIER und LUC ORIENT vorführte, setzt sich hier nahtlos fort. EDDY PAAPE war ein Meister von technischen Figuren, Fahrzeuge, Fluggeräte und bannte gekonnt Halunken aufs Papier. Mit den Helden und Heldinnen sowie Sidekicks war ein Kind seiner Zeit, aber wie das stets mit Klassiker ist, zeichnete er Charaktere (nach Vorgabe von MICHEL GREG), die ein Verhalten an den Tag legen, das nachvollziehbar und nicht unmodern ist. Betrachtet man das Äußere der Figuren, dürften sich (wolle man eine Verfilmung umsetzen) heutzutage eine Reihe SchauspielerInnen finden, die sofort diverse Rollen übernehmen könnten. JOHNNY CONGO ist rundum, wie es auf neudeutsch heißt, gut gealtert.
AFRIKA. Ein exotischer Schauplatz für beinharte Abenteuer! JOHNNY CONGO kennt das Land, seine Menschen, weiß um Probleme und um die Halunken, die hier Probleme machen. JOHNNY CONGO schaut nicht weg, hilft, greift ein. Als große Katastrophen, die auch ihm das Leben kosten können, läuft er nicht weg, sondern stürzt sich mitten hinein ins Geschehen und versucht zu retten, was zu retten ist. Auf Augenhöhe mit so manchem anderen Comic-Abenteuerhelden ist JOHNNY CONGO ein überaus menschlicher Actionstar, verletztlich, klug, halsbrecherisch unterwegs, männlich, ein Typ von der Sorte, die jeder gerne zum Freund hätte. Die von MICHEL GREG und EDDY PAAPE geschaffene Figur findet sich in der vorliegenden Gesamtausgabe mit den beiden geschaffenen Abenteuern. Gelungene zeitlose Unterhaltung vor starker Kulisse! Top! 🙂
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Samstag, 25. Mai 2024
SAMANTHA ist adoptiert. Ihre Eltern sind ganz normale Vorstadtamerikaner, die eigentlich nicht anderes wollten als ein ganz normales amerikanisches Vorstadtkind. Doch spätestens, als SAMANTHA ihr erstes Wort sagt, das eben nicht Apfel lautet, wie von den Eltern gerne gehört, spricht vieles dafür, dass hier ein besonderes Kind am Start ist. Das Wort lautet: CH2OH. Je älter das Mädchen wird, um so stärker bilden sich Kräfte aus. Zunächst zufällig, einfach auf einen Wunsch hin, einen Gedanken, verändert sich etwas. Später kann sie diese Veränderungen noch besser steuern. Und das Mädchen kommt hinter das Geheimnis ihrer Kräfte, denn eines Tages offenbart sich jemand, von dem SAMANTHA glaubte, dieser jemand sei ebenso verstorben wie ihre richtige Mutter. Ihr Vater.
Über einen langen Zeitraum hinweg gab es nur wenige Comic-Universen, meistens wurden sie von Superhelden bevölkert. Mehrere Serien teilten sich einen Ort (einen Planeten, ein Weltall), manchmal gab es Events oder Crossover. Vereinzelte Versuche neben diesen bekannten Welten mit neuen Ideen zu bestehen, fruchteten nicht lange und verschwanden irgendwann wieder. Bis ROBERT KIRKMAN kam und das HORROR-GENRE mit seinem THE WALKING DEAD umkrempelte. Für ihn war das die Grundlage, sich in weiteren Genres umzuschauen (oder umschauen zu dürfen). Dazu zählen natürlich FIRE POWER, der Ausflug in das MARTIAL-ARTS-GENRE, und selbstverständlich INVINCIBLE, das ungefähr zeitgleich zu THE WALKING DEAD entstand und sich die guten alten SUPERHELDEN vornam.
Der vorliegende Band, INVINCIBLE UNIVERSE KOMPENDIUM 1, befasst sich mit den Ursprungsgeschichten um ATOM EVE und REX SPLODE. Im letzten Drittel befasst sich der Band mit den GUARDIANS OF THE GLOBE. Die Abenteuer um ATOM EVE und REX SPLODE sind klassische ORIGIN-STORIES und deshalb auch interessant, weil nicht nur gezeigt wird, wie die beiden jeweils ihre Kräfte erlangen und erste Schritte in ein SUPERHELDENLEBEN wagen. Sondern sie finden durch ihre Kräfte und ein ähnliches Schicksal auch zueinander. REX SPLODE hat sicherlich das extremere Schicksal (obwohl das im Auge des Betrachters liegt, denn die Entdeckung von ATOM EVE ist ziemlich furchtbar).
Die Kräfte der beiden sind schon etwas besonderes. Wie die beiden lernen, diese umzusetzen und im jeweiligen Fall anzuwenden, ist spannend erzählt und in Szene gesetzt. Hier entstehen nicht nur SUPERHELDEN, vielmehr wachsen hier junge Menschen heran, das, wie man seit den allerersten SUPERHELDENGESCHICHTEN weiß, nicht einfach ist, sich aber seit dem Beginn der 1960er Jahre deutlich verändert hat.
Beiden ist gemein, dass Jugendliche aus dem bestehenden Korsett um sie herum auszubrechen versuchen, auch müssen, wollen sie mit ihren Kräften klar kommen. In heutiger Zeit liegen die Hürden dafür niedriger, die Welt drumherum ist nicht mehr ganz so geheimnisvoll für Heranwachsende, aber das Umfeld ist nicht leichter geworden, eher noch ein wenig komplexer. Man könnte sagen, da, wo es einfacher geworden ist, hat sich gleichzeitig der Schwierigkeitsgrad angepasst. Und genau das arbeitet BENITO CERENO in seinen Einsätzen als Autor von ATOM EVE 1-2 und ATOM EVE & REX SPLODE 1-3 sehr schön heraus (alle in diesem Sammelband enthalten).
GUARDIANS OF THE GLOBE: Mehr SUPERHELDEN! An Land, zu Wasser und in der Luft. Hier ist mehr ACTION angesagt. Klar, dass im Club jeder einzelne HELD etwas kürzer treten muss und privates Leben entsprechend weniger erzählt werden kann. Auffallend ist ein trockener HUMOR, geschrieben vom MASTERMIND persönlich, ROBERT KIRKMAN. Da gelingt zwar ein Flug, aber die Landung ist holprig, nett formuliert. Oder eine kleine Scharade in ATLANTIS (ja, das gibt es hier auch) sorgt für allerhand Aufregung unter den Einheimischen. Wo ein Team am Start ist, fetzt die ACTION natürlich mehr. Das ist mehr Kino-Blockbuster als Single-Helden-Streaming. Aber ROBERT KIRKMAN hält die einzelnen Fäden perfekt in der Hand und führt sie in einem starken finalen RUN, GUARDIANS OF THE GLOBE VOL.1 Folge 4, zusammen.
Das hat alles, was das SUPERHELDEN-GENRE ausmacht. Der Tiefgang, die tolle Betrachtung unterschiedlichster Facetten der Charaktere von ATOM EVE und REX SPLODE von BENITO CERENO macht das Besondere der ersten Abenteuer aus. Wer es deutlich satter, praller mit mehr ACTION mag, der wird bei den GUARDIANS OF THE GLOBE fündig. Hier wird der Planet Erde wirklich zum SUPERHELDEN-SPIELPLATZ. Stark! 🙂
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Dienstag, 02. April 2024
Es war einmal ein Superheld namens SUPERMAN, dessen Trikot-Farben vornehmlich aus ROT UND BLAU bestanden (sieht man von den gelben Farbtupfern im Logo und im Gürtel ab). Seit Jahrzehnten, einer gefühlten Ewigkeit ist der Held vom anderen Stern auf der Erde unterwegs, sehr oft im erfundenen METROPOLIS und tritt gegen unterschiedlichste Gegner an, allen voran natürlich LEX LUTHOR, das neidische Verbrechergenie. Aber das Universum von SUPERMAN ist freilich viel reichhaltiger, wie das Titelbild des vorliegenden Sonderbandes mit dem Titel ROT UND BLAU beweist. Allein die engste Heldenfamilie mit diversen SUPERTIEREN (KATZE, PFERD, besonders KRYPTO, der Hund vom anderen Stern), STEEL, nicht nur einem SUPERBOY, einem SUPERGIRL einem POWER GIRL. Selbstverständlich darf LOIS LANE nicht fehlen, die Varianten SUPERMAN ROT und SUPERMAN BLAU oder BIZARRO. Um nur ein paar zu nennen, die das Cover zieren.
Um was geht es hier eigentlich? GESCHICHTEN. Eine ziemliche Bandbreite von EPISODEN, die einen SUPERMAN teils so grundverschieden von seinen großen Abenteuern zeigen, wie es nur selten geschieht. Und das alles in einer Mixtur aus BLAUtönen, ROTtönen und Schwarzanteilen. Das ist ein farbliches EXPERIMENT, aus dem ein eindrückliches Bilderlebnis entsteht, so manchen Moment unterstützt, unterstreicht und in vielen Fällen die menschliche Seite des Kryptoniers, als SUPERMAN oder CLARK KENT, näherbringt.
Da setzt sich ein SUPERMAN mit seinen eigenen FOLTERERFAHRUNGEN auseinander oder löst einen RAUBÜBERFALL als CLARK KENT einfach, indem er mit dem Räuber spricht, von Mensch zu Mensch. Die Geschichten lassen kaum eine Altersstufe des STÄHLERNEN aus, noch beschränken sie sich rein auf die ERDE. Manchmal ist der Anlass einer Episode ziemlich schlicht. Bezeichnend hierfür ist ein Umzug. SUPERMAN und SUPERGIRL suchen ein neues Zuhause. Doch leider hat SUPERGIRLS KATZE keine Lust, sich zu diesem Zweck in eine Transportbox packen zu lassen. Kurz darauf fliegt eine Katze mit rotem Cape AMOK. Die Geschichte ist äußerst nostalgisch zu bewerten, ist doch kurz das merkwürdige SUPERMAN SPACESHIP (samt seiner Hände) zu sehen (damals auch als kurioses SPIELZEUG erhältlich).
NOSTALGIE finden nicht nur die Leser, sondern auch die Figuren selbst. Wenn SUPERMAN selber VATER wird und an JONATHAN KENT zurückdenkt, den er bei all seinen Kräften nicht retten konnte. Oder eine Story, in der MARTHA KENT im Mittelpunkt steht und sich gegenüber ihren Freundinnen (offenbar die KLATSCHBASEN von SMALLVILLE) positioniert und klarstellt, dass CLARK nicht adoptiert ist (wie Gerüchte behaupten). An anderer Stelle rettet SUPERMAN noch mal eben die Welt und schafft es dennoch noch rechtzeitig zum Essen mit seinen Freunden BRUCE WAYNE und DIANA PRINCE im Restaurant vor Ort zu sein.
Gleichzeitig schlagen die Stories den weiten Bogen von der Entstehung des kryptonischen Charakters bis in die Neuzeit, da der Mut SUPERMANS, seine Geheimidentität in der Öffentlichkeit zu verraten, einem Jugendlichen dazu inspiriert sich endlich vor der Familie und allen anderen zu outen. Neben solchen echten, ernsten Themen die WELTRAUMABENTEUER, den Kampf gegen feindliche MONSTER oder auch den Schabernackquatsch zwischen SUPIE und MR MXYZPTLK (der hier eine neue, frische FUNNYSEITE erfährt).
Grafisch ist für den Leser alles dabei. Klassisch, sehr fein, penibel oder auch rebellisch, krass, grob. Stilistisch, dass muss man unterschreiben, ist die Umsetzung stets der Geschichte angepasst. Wenn die GRAFIK eher PUNK ist, dann geht auch im Abenteuer der PUNK ab. Entsprechend verhält es sich, wenn es zum Beispiel menschelt. Dann ist auch die Stilistik ruhiger, klarer.
Ein toller Querschnitt über eine COMICFIGUR, die POPKULTURGESCHICHTE geschrieben hat und weiterhein schreibt. Es ist schön zu sehen, dass SUPERMAN nicht immer das EVENT oder ein wahnsinnig großes CROSSOVER braucht, um zu unterhalten. Nach BATMAN SCHWARZ WEISS oder im anderen Comic-Universum einem WOLVERINE SCHWARZ, WEISS UND BLUT erhält auch der STÄHLERNE seine über Farbkompositionen erzählten Geschichten. Sehr unterhaltsam, neu, nostalgisch, experimentell und versiert. Eine starke Nummer! 🙂
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Montag, 29. Januar 2024
Die Anlage scheint verlassen zu sein. Die amerikanischen Soldaten, die auf der Suche nach Vorräten und Material sind, haben nicht mit diesem Fund gerechnet. Bereits seit drei Jahren harren sie in dieser menschenfeindlichen Umgebung, einer Insel weitab vom Schuss, irgendwo in tropischen Gewässern, aus. Dinosaurier, eigentlich längst ausgestorben im Rest der Welt, trachten ihnen jeden Tag nach dem Leben. Der Fund einer hermetisch abgeriegelten Forschungsstation ist da ein großer Lotteriegewinn. Das Hochgefühl verflüchtigt sich bald, da sie merken, was sie da gefunden haben. Ersten Aufschluss geben einige noch intakte Bruttanks. Kurz darauf müssen sie leidvoll feststellen, dass sie nicht alleine sind …
FRANK CHO hat im Prinzip den FRANKENSTEIN-MYTHOS umgedeutet. SHANNA ist nichts anderes als ein Experiment unter der Prämisse, ob der Mensch Leben erschaffen kann. Okay, FRANK CHO ist Amerikaner und als solcher in der Unterhaltungsindustrie auch leicht dabei, irgendwelche Nazi-Forschungen als Ausgangspunkt zu nehmen. Damit wandelt er auf den Spuren von STEVEN SPIELBERG und seines INDIANA JONES, aber auch in den Fußstapfen von Comic-Charakteren wie DANGER GIRLS oder HELLBOY. Ein wenig kann SHANNA auch als eine Art weißhäutiger SHE-HULK umschrieben werden. Nicht umsonst hat die hier in einem Band zusammengefasste Miniserie den Zusatztitel THE SHE-DEVIL! Es gibt also durchaus Parallelen und eine gewisse Comic- oder Popkultur in die Richtung einer Geschichte um SHANNA.
Die Handlung ist streng umrissen, der Handlungsort eingeschränkt. Für die Charaktere heißt das in erster Linie: Kein Entkommen möglich! Jedenfalls nicht ohne Hilfe von außen. Mit SHANNA kommt die Hilfe von innen. Ähnlich wie ein TARZAN muss sie den Umgang mit Menschen erst lernen. Ein wenig Zivlisation, denn mittels ihrer Kraft und Geschicklichkeit weiß sie sich bereits gegen Monster durchzusetzen. Aber auch gegen übergriffige Männer. Das sind amerikanische Soldaten, die es auf dieses ferne Eiland verschlagen hat. JURASSIC PARK (und später JURASSIC WORLD) haben den Weg für DINOSAURIER neu geebnet. Ein starke Frau wie SHANNA braucht entsprechende Gegner. Deshalb hat sich FRANK CHO gleich zwei Spitzenpredatoren der Urzeit herausgepickt: den TYRANNOSAURUS REX und den VELOCIRAPTOR (und den gleich dutzendweise).
Hier wird mit ACTION nicht gekleckert, hier wird wirklich geklotzt. FRANK CHO, als Autor und Zeichner hier vertreten, ist nicht nur ein perfekter PIN-UP-KÜNSTLER, er ist auch ein ILLUSTRATOR vom Format eines TERRY DODSON. Man könnte seinen Stil einen idealisierten Realismus nennen. Alles ist noch etwas größer, schöner (sogar die Monster). Letztere werden neben SHANNA stark in Szene gesetzt und nicht gerade mit einem Weichzeichner. Hier werden Raubtiere, Fleischfresser, ins Zentrum der Handlung gerückt und natürlich kommt es auch zu Begegnungen zwischen den Sauriern, die sich hinter Leinwandszenen nicht zu verstecken brauchen. Aber besonders beeindruckend ist es natürlich, wenn sich SHANNA in bester TARZAN-Manier den Sauriern stellt (besonders gegen einen T-REX). Unter dem Strich ist das bestes B-MOVIE-ACTION-COMIC. Bedeutet: Hirn ausschalten, Spaß haben.
Ein COMIC-ACTION-Abenteuer von FRANK CHO, einem Illustrator, der zur ersten Garde seiner Zunft gehört, gleichauf mit Leuten wie JIM LEE, DAVID FINCH oder TERRY DODSON. Ein weiblicher TARZAN trifft auf JURASSIC PARK. Fights der Extraklasse, ultrafiese Saurier zuhauf und eine Handlung wie Achterbahnfahrt von Anfang bis Ende. Spitzenmäßige Grafiken! 🙂
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Mittwoch, 01. November 2023
Wie konnten die meisten der irdischen HELDEN fallen? Wie konnte die ZOMBIE-APOKALYPSE die Oberhand gewinnen? HELDEN wie SUPERMAN, WONDER WOMAN oder jemand mit der Macht eines BLACK ADAM? In KAHNDAQ sorgt BLACK ADAM für Ordnung und hält die Seuche zurück. Die HELDEN der JUSTICE LEAGUE sind ihrerseits auf derSuche nach einem Zufluchtsort für Überlebende. BLACK ADAM will ihnen diesen rettenden Ort nicht gewähren. Die Grenzen von KAHNDAQ bleiben geschlossen. Wenig später will BLACK ADAM inkognito unter seinem Volk wandeln, will hören, was sie tatsächlich von ihm denken. Dabei begeht er einen verhängnisvollen Fehler …
TOM TAYLOR setzt seinen DC-HORROR fort. Eigentlich war nach dem ZOMBIE-VIRUS alles klar, die Erde über den Abgrund hinaus. Aber es ist eben nicht nur die Zeit der SEQUELS, sondern auch der PREQUELS und so erzählt DIE ZOMBIE-APOKALYPSE von dem, was während des Niedergangs der Menschheit noch alles geschah und wie einige HELDEN trotz ihrer Macht, dem ZOMBIE-VIRUS zum Opfer fielen.
Natürlich ist ein Opfer wie BLACK ADAM ein Garant für die Niederlage. TOM TAYLOR verändert für seine Fortsetzung ein paar Blickwinkel. Da geschehen Ereignisse aus der Sicht von JIMMY OLSEN. Wir erfahren, wie Leute im DAILY PLANET gerettet wurden. Wie zum Beispiel die ehemalige BLACK CANARY und nun neue GREEN LANTERN viele Überlebende in Sicherheit bringt. TOM TAYLOR setzt auf Drama, Drama, Drama, vor allem, wenn er einen Zufluchtsort ins Spiel bringt und neue Heldengesichter, die bislang in dieser Geschichte nicht auf dem Schirm auftauchten und ein Ort gerät ins Zentrum der Handlung: JÖTUNHEIM. Allein die Verteidigung dieser Festung ist im wahrsten Sinne des Wortes APOKALYPTISCH. Das Besondere sind einige neue Konstellationen sowie Figuren, deren Fähigkeiten plötzlich an Gewicht gewinnen und sogar für eine Verschiebung der Ergebnisse sorgen.
Ähnliche lässt sich auch über den Gastauftritte sagen. Nicht unbedingt handlungsrelevant, dafür sehr gelungen und überraschend ist der Auftritt von BOBO, dem SCHIMPANSEN, KRYPTO dem SUPERHUND und nicht zuletzt dem erst vor kurzem im Animationsfilm DC LEAGUE OF SUPERPETS auftretenden ACE, dem Hund von BATMAN. Wenn BOBO zwischen den Tieren vermittelt, wegen seiner Begabung, mit diesen sprechen zu können, wechselt eine ZOMBIE-APOKALYPSE wieder auf ein ganz anderes Level.
Verschiedene Zeichner arbeiten sehr unterschiedliche (allesamt gute und starke) Bilder heraus. Da gibt es punkige Anflüge (passt zur Brutalität) mit einer Mixtur aus groben und extrem feinen Strichen. Da gibt es einen tollen Realismus mit einem SUPERMAN, der einem CHRISTOPHER REEVE schon recht ähnlich sieht. Da finden sich Bilder, die einerseits moderner, junger amerikanischer Comic sind, andererseits auch Spuren von Animestilistik enthalten. Und schlussendlich findet auch jener Style seine Nachahmer, wie sie Animationsserien um SUPERMAN, BATMAN und BATMAN UND ROBIN in den 1990ern geprägt haben. Da ist wirklich für jeden etwas dabei und alles ist auf seine Art meisterlich.
Ja, DIE ZOMBIE-APOKALYPSE, sie ist furchtbar (gut), hat ihre komischen Momente, ist aber meistens hart, schnell und fügt sich klasse in den bisherigen Erzählstrang ein (wie gesagt PREQUEL). Das Ende, obwohl es natürlich so kommen muss, ist bombastisch. Top! 🙂
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Samstag, 21. Oktober 2023
Die JUSTICE LEAGUE bekämpft einmal mehr einen ihrer größten Feinde: DARKSEID von APOKOLIPS. Und einmal mehr sucht der finstere Herrscher über die PARADÄMONEN nach der ANTILEBENSFORMEL, die für ihn ultimative Waffe. Es gelingt der JUSTICE LEAGUE den mit göttlichen Kräften ausgestatteten Feind zurückzuschlagen. Aber der Preis ist hoch. CYBORG gerät in Gefangenschaft des monströsen Potentanten. Der irdische Held, halb Mensch, halb Maschine, wird von DARKSEID verdächtigt im Besitz einer Hälfte der ANTILEBENSFORMEL zu sein. Es scheint, als würde der irre Herrscher Recht behalten, allerdings unterläuft ihm ein fataler Fehler. CYBORG gelingt die Flucht zur Erde und mit ihm trifft das Grauen in der Welt der Menschen ein …
ZOMBIES sind in. Lange haben sie die VAMPIRE überholt (obwohl diese inzwischen auch ihren Einzug mittels eines zweiteligen Events in das DC-UNIVERSUM gehalten haben: ANGRIFF DER VAMPIRE). Aber Zombies sind inzwischen etwas schwieriger unterzubringen, denn sie benötigen eine Entstehungsgeschichte und die will etwas spezieller ausgedacht sein. Zu viele saßen schon auf diesem Zug und haben sich einen Weg einfallen lassen, wie die menschenfressenden Untoten in die Welt gelangen (so wie MARVEL mit seinen ZOMBIES). Und vielleicht will man das Szenario außerdem noch reparieren können. Halbwegs wenigstens. Auch dazu hat sich DC später einen Kniff ausgedacht. Genauer Autor TOM TAYLOR hat das erledigt.
DC HORROR präsentiert also DER ZOMBIE-VIRUS. (Im Original ist das Wortspiel schön: DCEASED, von deceased (engl., verstorben). Wie bei MARVEL lautete eine der Grundfragen: Was passiert, wenn SUPERHELDEN sich in Monster verwandeln und den Planeten überrennen? Schwer zu beantworten, auf alle Fälle ist rasend schnell alles erledigt. Vielmehr sind die Menschen erledigt. So auch hier. Der ZOMBIE-VIRUS verbreitet sich auf zweierlei Wegen, nicht nur organisch. Er verbreitet sich überirdisch und unter Wasser. Die ZOMBIES behalten verschiedene Eigenschaften, wie etwa eine rudimentäre Intelligenz und Kontrolle über ihre Fähigkeiten. Das ist ein Problem, wenn die Infizierten GREEN LANTERN oder sogar SUPERMAN heißen (Kein Spoiler, sein zombiefiziertes Bild schmückt die Rückseite des Bandes. BATMAN ist vorne zu sehen. Was wird das wohl heißen?)
TOM TAYLOR präsentiert trotz der Unabänderlichkeit des Ergebnisses für die Menschheit dennoch einen wendungsreichen, mit vielen Überraschungen abgeschmeckten HORRORTHRILLER. Eigentlich sollten so manche HELDEN gegen den VIRUS standhalten. Aber ein paar erzählerische Tricks verhindern das. Wo es kurzzeitig zu funktionieren scheint, kippt der Erfolgsmoment rasch in eine neue Tragödie. Das ist mitreißend, teils herzzerreißend. Weil es TOM TAYLOR gelingt, dass einem die überlebenden (wenigstens zeitweise überlebenden) Helden und sonstigen Charaktere ans Herz wachsen. Sogar eine HARLEY QUINN (die sich hier endlich von ihrem PUPSIE abnabeln kann, mit Karacho).
Für dieses Event grafisch am Start sind gleich Top-Zeichner: TREVOR HAIRSINE (der u.a. mit Arbeiten im JUDGE-DREDD-Universum in Erscheinung getreten ist), STEFANO GAUDIANO (kennt der Comic-Fan als Inker bei THE WALKING DEAD und MANIFEST DESTINY) und außerdem DARICK ROBERTSON (der THE BOYS illustriert hat). Das sind gleich drei Comic-Künstler, die sich schon mit extrem fiesen Comic-Szenarien auseinandergesetzt und dort gepunktet haben. In weiten Teilen, bei TREVOR HAIRSINE ganz besonders, herrscht Realismus vor. TREVOR HAIRSINE ist einer jener Zeichner, dren Striche an der richtigen Stelle sitzen, nicht zu viel, nicht zu wenig. Es gibt ja durchaus welche, die sich gerne austoben, nicht so TREVOR HAIRSINE. Er lässt der Farbe Raum und die liegt in den perfekt ausführenden Händen von RAIN BEREDO (er mag als Kolorist augenscheinlich den Look von echten Farben). Wer Horror will, bekommt genau die richtige Dosis, auch optisch!
Man sollte es nicht als Superheldengeschichte lesen, sondern mehr wie einen drastischen Horrorostreifen, in dem zufällig Superhelden (und Schurken) mitwirken. Auch sollte niemand sein Fanherz an irgendeine Figur gehängt haben, denn hier hängt jedes Comic-Leben am seidenen Faden. Drastisch erzählt und gezeichnet, als Horrorstory ein echter Kracher! Starke Nummer! 🙂
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Montag, 09. Oktober 2023
MILES MORALES ist ein ganz normaler junger Mann, der auf sein kleines nur wenige Monate altes Schwesterchen BILLIE aufpasst. Ein schöner Tag in NEW YORK, die Sonne scheint, der Park ist grün und keine SUPERGANGSTER wollen sich mit SPIDER-MAN anlegen. Kurz darauf schlägt zwar nicht der Spinnensinn an, aber ein Hilferuf aus einem geöffneten Gulli ist alarmieren genug, um den Helden tatkräftig zur Hilfe schreiten zu lassen. Vor den Augen seiner kleinen Schwester verwandelt sich MILES MORALES in SPIDER-MAN und schwingt sich mit ihr – wie in einem Babygurt mittels Spinnweben vor die Brust gehängt – in die NEW YORKER Kanalisation hinab. Ein Blogger ist unter einer eingestürzten Wand eingeklemmt. SPIDER-MAN will helfen, als der Angriff erfolgt…
In der 4. Folge von MILES MORALES: SPIDER-MAN skizziert Autor SALADIN AHMED das Leben eines jungen Helden zwischen Familie und dem Kampf gegen Superschurken. AARON DAVIS, MILES‘ Onkel gerät in drastische Schwierigkeiten, die AVENGERS erscheinen auf der Bildfläche und als wäre das noch nicht genug, mischt sich auch der GREEN GOBLIN ein.
MARVEL wartet in diesem Paperback (was die Folgen 16-21 zusammenfasst) mit gleich drei Zeichnern auf. Und alle sind TOP! CARMEN CARNERO, MARCELLO FERREIRA und CORY SMITH gestalten die Bilder, die sich in regelmäßigen Abständen auch mal ganzseitig ausbreiten. Mal stimmungsvoll, bedrohlich, mal actionlastig, krachend, mal überraschend und mit Herz. Hier darf sich der Comic-SPIDER-MAN-Fan über jede Szene freuen, ob sich SPIDER-MAN nun auf einem Schulhof zeigt, um einem Schüler zu helfen, der von Mitschülern getriezt wird. Oder ob er sich mit dem GREEN GOBLIN anlegt (und CAPTAIN AMERICA zu einer Nebenfigur rgelrecht degradiert). Das ist echtes Kino im Stile der Zeichentrickblockbuster um den Netzschwinger MILES MORALES (wie A NEW UNIVERSE und ACROSS THE SPIDER-VERSE).
Die Wendungen, die von SALADIN AHMED eingebaut werden, reißen die Story geradezu vorwärts. Besonders in der zweiten Hälfte gibt es kein Luftholen mehr. Eigentlich setzt ab der Mitte, wenn ein großes Geheimnis gelüftet wird, bereits das Finale ein. Zu keinem Zeitpunkt ist vorherzusehen, wohin die Reise gehen wird. MILES MORALES hat jedenfalls ziemlich an allem um sich herum zu knabbern. Und es stehen ein paar Veränderungen in seinem Universum an. Da heftet sich der Spannung und der hoch aufgehäuften Action auch noch das erschütternde Drama an.
FOLGE 4 steht hier stellvertretend für die gesamte Reihe, denn MILES MORALES: SPIDER-MAN ist hierzulande immerhin in 8 Paperbacks verfügbar (beinhaltet die kompletten Heftausgaben 1-42). In den USA läuft bereits die Nachfolgeserie. Es war ein geschickter Zug von MARVEL, dem doch etwas in die Jahre gekommenen PETER PARKER einen modernen Nachfolger zur Seite zu stellen (von der Bildfläche verschwunden ist PETER PARKER schließlich nicht). Das neue Umfeld, angereichert mit alten (modernisierten) und neuen Feinden, einer anderen, erweiterten Familienstruktur eröffnet Möglichkeiten, die (der alte) PETER PARKER nicht mehr zur Verfügung hat, seit die Schulzeiten wirklich lange, lange hinter ihm liegen.
Große Verwicklungen mit starken Verbündeten wie CAPTAIN AMERICA, fiesen Monstergegnern wie dem GREEN GOBLIN, familiären Problemen und Feinden, die einem MILES MORALES echte Schwierigkeiten auf verschiedenen Ebenen bereiten. Kinotauglich! 🙂
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Oder bei Panini Comics.
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Dienstag, 22. August 2023
Eine der mächtigsten Kreaturen des Universums, der PHOENIX, suchte sich einst eine der mächtigsten Mutantinnen der Erde, JEAN GREY, als Hülle und stiftete großes Unheil – vereinfacht gesagt. JEAN GREY starb. Doch plötzlich, als sich vieles bei den X-MEN verändert hat, ihr ehemaliger Ehemann SCOTT SUMMERS eine neue Liebe gefunden hat, rührt sich etwas in den Tiefen von JEAN GREYS Grab. Ein halb verwester Leichnam gräbt sich durch die Erde, regeneriert sich mit Hilfe des PHOENIX. Aber ist sie wirklich die JEAN GREY, die alle kannten, die Freundin, die Kampfgefährtin? Oder ist sie etwas ganz anderes geworden?
GREG PAK hat den PHOENIX zurückgeholt. In gleich zwei aufeinander folgenden Geschichten, ENDSONG und WARSONG, sucht sich der PHOENIX ein neues Gefäß und wird zu einer gigantischen Bedrohung. Es schaukelt sich langsam auf. Zu Beginn kann keiner der X-MEN, nicht einmal EMMA FROST, genau sagen, ob es sich nicht um eine Täuschung handelt. In ENDSONG geht es um Macht. Um eine Macht, die der PHOENIX besitzt, nämlich jene über Leben und Tod. Liebe ist im Spiel, sogar reichlich, denn SCOTT SUMMERS war nicht der einzige Mann, der sich zu JEAN GREY hingezogen fühlte. Darüber hinaus, der wahre Grund für das Spiel des PHOENIX, gibt sich QUENTIN zu erkennen, ein junger Mutant, der nichts geringeres möchte, als seine große Liebe wieder LEBENDIG im Arm zu halten.
GREG PAK entwickelt eine erste Geschichte mit ENDSONG, in der die X-MEN mit sich selbst beschäftigt sind. Keine äußere Bedrohung (na, eine vergleichsweise kleine, aber die ist zu vernachlässigen). Dank der grafischen Umsetzung von GREG LAND wird ein KINTOPP-ERLEBNIS daraus, denn GREG LAND arbeitet gerne nah am Fotorealismus und verwendet Vorlagen aus dem Umfeld von HOLLYWOOD (manchmal sogar wiedererkennbar, manchmal machen sich Comic-Fans sogar auf die Suche nach dem entsprechenden Foto). Das ist ein wenig mystisch, gruselig und entfaltet eine gehörige Portion Fantasy-Feeling.
In der zweiten Geschichte, eine neuerliche Rückkehr des PHOENIX, mit dem Titel WARSONG, arbeitet auch Gefühle heraus, lüftet aber darüber hinaus ein ungeheuerliches Geheimnis (im wahrsten Sinne des Wortes!) und ist schon actionlastiger als die erste Hälfte des Bandes. Das Tempo ist größer. Außerdem, im Gegensatz zu ENDSONG, hat WARSONG für das MARVEL-UNIVERSUM durchaus Relevanz. Was in ENDSONG passierte, kann getrost vergessen werden. Es hat keinerlei Nachwirkungen. Ganz anders WARSONG, das die Zöglinge von EMMA FROST in den Mittelpunkt stellt.
Als Zeichner dieser zweiten Episode tritt TYLER KIRKHAM in Erscheinung. Stilistisch liegt er auf einer Welle wie JIM LEE, MICHAEL TURNER oder ALAN SILVESTRI. Seine Zeichnungen wirken jedoch viel technischer, weniger intuitiv, weniger leicht skizziert. Ihre Wirkung ist starrer, was sich in Action-Szenen bemerkbar macht. Das ist weiterhin durchweg sehr gut illustriert, geht nur nicht die letzte Strecke, wie es ein JIM LEE machen würde. Die Leistung der Koloristen JUSTIN PONSOR und JIM STARR ist von Anfang bis Ende großartig und macht hier und da eine Klippe der Zeichner wett.
Ein Wort: BOMBASTISCH. Die X-MEN im absoluten Mittelpunkt, nur die GUTEN MUTANTEN stehen hier ihren Mann und ihre Frau. Letzteren fällt eine besondere Rolle zu, sie sind die Auslöser eines höchst dramatischen Spiels. INSGESAMT STARK ILLUSTRIERT von Top-Zeichnern im Zusammenspiel mit einem tollen Grafik-Team! 🙂
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