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Comic Blog


Sonntag, 17. Januar 2021

GOLDEN CITY 13 – AMBER

Filed under: SciFi — Michael um 20:25

Golden City 13- AMBERDie Karten für HARRISON BANKS wurden neu gemischt. Der Mann war ganz oben, wurde ausgebootet, verfolgt, erlebte mehrfach Attentate auf seine Person und ist nun, nachdem eine zweite Version von GOLDEN CITY nicht mehr die Weltmeere bereist, sondern im erdnahen Weltraum kreuzt, erneut auf dem Weg an die Spitze. GOLDEN CITY war und ist eine reisende Stadt. Darüber hinaus ist sie nur den Reichen vorbehalten. Wer über weniger finanzielle Mittel verfügt und sich trotzdem an Bord befindet, ist schlicht ein Angestellter. GOLDEN CITY ist außerdem ein Mikrokosmos. Als solcher wird er medial genauestens unter die Lupe genommen. HARRISON BANKS ist ein Junggeselle, den ein Haufen Glamour umgibt. Nicht absichtlich, aber ein Flair, das er gerne benutzt, um seine Ziele zu erreichen …

Die Beschreibung sollte nicht täuschen. GOLDEN CITY ist keine Soap Opera. DANIEL PECQUEUR, Autor, erzählt im 13. Band der Reihe, Untertitel AMBER, einen Science-Fiction-Thriller, der strikt aus unserer Zeit weiterentwickelt worden ist. Die Technik könnte diesen Weg nehmen, die weltpolitische Lage, der Reichtum, die Natur, die Meere, die an den Küsten der Länder nagen und Lebensraum abgraben. Vor diesem Hintergrund erlebt der Leser Machtspiele, Intrigen, Gewaltausbrüche und -exzesse. Eine Leben für ein Leben. Auch Reichtum beschützt nicht in letzter Konsequenz. Irgendwann wird jeder unvorsichtig oder ist so überheblich, sich für unantastbar zu halten.

DANIEL PECQUEUR ist kein Schwarzweißmaler. Diese Welt hat an (fast) jedem Charakter gekratzt. Die Menschen nehmen für sich in Anspruch, sich auf jede erdenkliche Weise zu wehren. Sicherheitskräfte, Polizei sind trotz überlegener Technologie häufig machtlos. An diversen Schlüsselszenen arbeitet er heraus, dass sich niemand mehr in die Opferrolle begeben will. Vor allem jene nicht, die diese Rolle schon zur Genüge inne hatten und sich nun verbissen wehren. Oder auf brutalste Weise rächen. Szenisch wird in der 13. Folge nichts versteckt. Teilweise musste ich über die Vorgehensweise der Hauptakteure staunen.

Die von NICOLAS MALFIN (Zeichnungen) und PIERRE SCHELLE (Farben) gestalteten Bilder stellen die Geschichte auf zwei Schienen dar. Die eine ist jene vom erwähnten HARRISON BANKS, die andere jener jungen Erwachsenen, die ihm vor einiger Zeit auf der Erde halfen und nun gute Freunde geworden sind. Beide werden angegriffen, unerwartet. Und jeder geht auf seine Art damit um. Die Handlung ist global. VENEDIG und sein KARNEVAL werden als Kulisse genutzt. In RUSSLAND haben Kriminelle das Sagen. Das Stichwort lautet illegaler Organhandel. Menschen sind stets etwas stilisiert gezeichnet, etwas puppenhaft von NICOLAS MALFIN, aber es passt hier, zumal es sich gut in das futuristische Ambiente mit all seinen technischen Spielereien einfügt. Da NICOLAS MALFIN von Anfang an dabei ist, gibt es auch keine Stilbrüche.

PIERRE SCHELLE koloriert bonbonbunt, grell. Das lenkt ein wenig von mancher Brutalität ab. Das findet nicht oft statt, natürlich nicht. Aber wenn es explodiert, explodiert es mit aller Gewalt. Das ist vor mancher Fassade, die sich gelackt, technisch perfekt gibt, ein Tiefschlag und darf den Leser auch einmal betreten schlucken lassen. Es ist eine bewährte Technik innerhalb der Serie, sie fällt nur hier besonders auf. Im Team arbeiten NICOLAS MALFIN und PIERRE SCHELLE sehr gut zusammen. Für sie könnte der Begriff eines europäischen Mangastils kreiert worden sein.

Nun hat die Serie bereits rund zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Dennoch erfährt der Leser romantische Neuigkeiten aus der Vergangenheit von HARRISON BANKS. Dadurch erhält die Figur zusätzliche Tiefe und einen für diese Folge dringend benötigten Sympathiefaktor.

Dramatisch! Und hier gilt auch: Keine Figur ist sicher. Wer die Serie verfolgt, kann sich auf eine (böse) Überraschung einstellen. In bewährter Illustration von NICOLAS MALFIN und PIERRE SCHELLE. DANIEL PECQUEUR, Autor, führt uns einzelne Charaktere etwas zwiespältiger vor als bisher. Top-Science-Fiction-Serie! 🙂

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KALTE SONNE 1 – H5N4

Filed under: SciFi — Michael um 20:19

KALTE SONNE 1 - H5N4Ein Virus hat zugeschlagen. Die Menschheit hatte ihm nichts entgegenzusetzen. Jegliche Maßnahmen zur Bekämpfung und zur Eindämmung sind gescheitert. Ein Subtyp der Vogelgrippe ist auf die menschliche Spezies übergesprungen. Vögel sind zu Hassobjekten geworden. Wer sie antrifft und die Möglichkeit hat, tötet sie und verbrennt die Überreste. Mittlerweile sind die letzten überlebenden Menschen weit verstreut, Misstrauen hält die kleinen Gruppen streng getrennt. Im Jahre 2030 hat sich eine Gewöhnung an die Situation eingestellt. Wer sich keinen Zufluchtsort erschlossen hat, streift umher. So wie der ehemalige Soldat JAN und sein Lauf- und Transportroboter MAGARIT

Wir leben im Zeitalter der Endzeitszenarien. Es mag damit zu tun haben, dass an so vielen Ecken der Welt immer noch (im übertragenen Sinn) Brände lodern und Menschen zu Millionen leiden. Kriege, Klimakatastrophen und nun globale Pandemien schüren die Fantasien. Oft wurden weite Sprünge in die Zukunft unternommen. KALTE SONNE nimmt sich, von jetzt an gerechnet, gerade einmal neun Jahre Zeit dafür. Ort der Handlung: das gebirgige Grenzgebiet von Frankreich Richtung Schweiz in der Nähe von Chamonix.

Das Titelbild gibt einen Vorgeschmack. Ein Mann allein mit seinem Roboter, stets auf der Hut vor Tieren, zu Land und aus der Luft, und anderen Menschen. Fast eine Art moderner Ötzi. JEAN-PIERRE PÉCAU, der Autor, trifft die Stimmung in der verschneiten Gebirgswelt der Alpen und den Erinnerungesfetzen JANS sehr dicht. Letztere bieten einen guten Ausgleich zur Einsamkeit nach der gezeigten apokalyptischen Atmosphäre. Eine Robinson-Crusoe-Stimmung wird auf Dauer etwas schwierig, mitunter beklemmend. Es gehört mindestens ein Freitag dazu, hier in Form von MAGARIT, dem Roboter. Der ist zwar sprachtechnisch etwas eintönig, dafür wird er von JAN gerne mal ausgiebig beschimpft. Ein Verhalten, das MAGARIT mit einem stoischen POSITIV quittiert und sich nicht weiter darum schert, wenn es sich nicht um echte Befehle handelt.

DAMIEN, der Illustrator, zeichnet kantige Charaktere, gut erkennbar herausgearbeitet. JAN, die Hauptfigur ist eine Mischung aus Clint Eastwood und Vincent Cassel. Meist mürrisch, finster dreinblickend, auf seine Aufgabe konzentriert. DAMIEN hat Zeichnungen und Farbgestaltung gleichermaßen übernommen. Die Striche sind häufig skizzenhaft gesetzt, teils fett ausgeführt. Das genügt. DAMIEN hat einen feinen Blick für das Nötigste. Das bringt die Geschichte für das Auge des Lesers gut voran. Action, von der es neben einer guten Charakterbeschreibung reichlich gibt, lebt von einer exakten Darstellung (Fahrzeuge, Umgebung etc.) und einer abwechslungsreichen Perspektive.

Farblich hält es DAMIEN klar, realistisch, einfach. Und wieder muss festgestellt werden, dass es genügt. Nichts wird an farblicher Tiefe vermisst. Kolorierte Grundstimmungen grenzen einzelne Szenen oder Sequenzen voneinander ab. So sind JANS Erinnerungen an die Auflösung der menschlichen Zivilisation in einem ocker-bräunlichen Farbspiel gehalten. Wer häufiger Comics liest, findet das Farbspiel und diese Technik öfter vor. Die Überleitungen zu den Erinnerungen fallen meist kurz aus. In der Regel geht JAN schlafen und wird von seinen Alpträumen aus dem Untergang gequält.

Ein europäischer Handlungsort für ein Endzeitszenario. Auf Realismus bedacht. Präzise erzählt, ruhig, auf den Punkt gebracht. Die Zeichnungen vermitteln die Einsamkeit der Berge, in denen dennoch stets eine Bedrohung vorhanden ist. Schön von JEAN-PIERRE PÉCAU und DAMIEN umgesetzt. Ein feiner Science-Fiction-Thriller. Für Fans des Genres sehr lesenswert. 🙂

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Freitag, 08. Januar 2021

FEAR AGENT 1

Filed under: SciFi — Michael um 17:50

FEAR AGENT 1Manche Helden sind einfach kaputt. Manche davon aus gutem Grund. Manche haben derart viel verloren, dass ihnen die Last einfach zu viel wird. So wie HEATH HUSTON, ein so genannter FEAR AGENT. Er hat seine Frau verloren. Und außerdem noch die Erde. Seither säuft er, prügelt sich für Geld mit Aliens herum, oft in Lebensgefahr, kommt um Haaresbreite davon und macht sich auf den Weg auf der Suche nach dem nächsten Auftrag. Alles ist irgendwie Business As Usual. Bis eines Tages alte Bekannte auftauchen und HEATH HUSTON in ein Abenteuer hineinstolpert, das nichts weniger als die nächste große Katastrophe des Universums ankündigt.

Der vorliegende Sammelband von FEAR AGENT ist aufgeteilt in die beiden Abenteuerstränge NEU ENTFACHT und MEIN KRIEG. Autor RICK REMENDER ist ein Mann mit vielen (guten) Ideen und seit Jahren sehr bekannt. Zu seinen Erfolgen, die hierzulande auch veröffentlicht wurden, gehörten THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME oder natürlich DEADLY CLASS (eine Serie, die den Sprung auf die Mattscheibe geschafft hat). RICK REMENDER ist in sämtlichen Gernes zuhause: HORROR, THRILLER oder wie hier in der SCIENCE FICTION. Obwohl man die Einschränkung machen muss, dass FEAR AGENT sich ordentlich in der PULP-Ecke des Genres bedient. Heißt: Es wirkt, als habe sich RICK REMENDER von alten SCIFI-Ausgaben der 1940er oder 1950er inspirieren lassen. Ein deutlicher Schritt zurück vor die Zeiten von STAR WARS (dahin, wo ein GEORGE LUCAS ebenfalls seine Vorbilder und Kindheitserinnerungen fand).

So ist FEAR AGENT befreit von erzählerischen Altlasten der jüngeren SCIFI-Vergangenheit. RICK REMENDER kann sich dafür nicht ganz von erzählerischen Richtlinien jüngeren Datums trennen. HELDEN MÜSSEN LEIDEN. Das ist allgemein bekannt. Aber HEATH HUSTON muss extrem viel einstecken. Kapitel für Kapitel wird regelrecht auf ihn eingehämmert (nicht nur im übertragenen Sinn). Er wird so lange malträtiert, bis fast gar nichts mehr von ihm übrig ist. Dabei erhält HEATH HUSTON die Chance seines Lebens. Hierauf baut die gesamte Geschichte auf. (Mehr wird nicht verraten.) Die Handlung erreicht in NEU ENTFACHT ein hohes Level und hält es bis zum Ende von MEIN KRIEG.

Der Leser darf sich auf zwei Top-Zeichner freuen. TONY MOORE und JEROME OPEÑA. TONY MOORE kennen die Comic-Fans aus den Anfangstagen von THE WALKING DEAD oder auch von DEADPOOL. Ihm und seinem Kollegen JEROME OPEÑA ist zueigen, dass er sehr gut mit diesem freakigen Universum und seinen kuriosen Kreaturen umzugehen versteht. Und davon gibt es in dem 256 Seiten umfassenden Band reichlich. Alles in allem hat das Styling der Bilder etwas von einem durchgeknallten FLASH GORDON (um bei den Vergleichen von oben zu bleiben). Das schön altbackende RAKETENDESIGN von HEATH HUSTON ist ein deutlicher Fingerzeig für die Vermutung.

Die Inszenierung ist filmisch ohne wirklich lange Ruhepausen für den Helden. Der Leser benötigt keine. Die Hatz, auf die HEATH HUSTON und seine spätere Begleiterin MARA, hier geschickt wird, ist eine Achterbahnfahrt, die einfach nur Spaß macht und keine Wünsche offenlässt. Optisch lässt sich der Leser entweder auf iteressante neue Aspekte der Geschichte ein, tolle Aliens, ausgeklügelt (irre) Wesen oder rasante ACTION. Das ist auf jeder Seite ein PAGETURNER. Aber ich empfehle dringend, jede Seite genau anzuschauen. Es lohnt sich. Das ARTWORK ist stimmig und klasse (für diese Art Stoff vorbildlich).

TONY MOORE und JEROME OPEÑA sind für die Handlung stilistisch sehr angeglichen. Bei JEROME OPEÑA möchte ich fast behaupten, dass da ein paar Anflüge eines RICHARD CORBEN (BIG FOOT) zu entdecken sind. Wer darüber hinaus die exakteren Zeichnungen eines GUY DAVIS (B.U.A.P.) mag, wird sich über die Außerirdischen und insbesondere die verrückten ROBOTER hier besonders freuen. Farblich knallend grell, ohne Zurückhaltung von LEE LOUGHRIDGE und MICHELLE MADSEN koloriert. Die Zukunft eines HEATH HUSTON mag düster sein, aber sie auch verdammt bunt (und das ist verdammt gut so).

STARK! FEAR AGENT füllt eine Lücke in der COMIC-SCIENCE-FICTION. Etwas abgefahren, in Hochgeschwindigkeit erzählt, fast wie altes (aber sehr gutes) amerikanisches Samstagnachmittagskino, CLIFFHANGER inklusive. Wunderbar illiustriert von TONY MOORE und JEROME OPEÑA. Klare SCIFI-Empfehlung! 🙂

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Montag, 04. Januar 2021

STAR WARS – DOKTOR APHRA 7

Filed under: SciFi — Michael um 13:54

STAR WARS - DOKTOR APHRA 7 - Das Ende einer SchurkinArbeit für das IMPERIUM. Ohne Begeisterung, in ständiger Angst vor dem obersten Diener des IMPERATORS: DARTH VADER. DOKTOR APHRA hat sich einen kleinen Bonus erarbeiten können, weshalb sie sich ein wenig in Sicherheit wähnt und sogar den IMPERATOR persönlich als eine Art Gönner betrachtet. Genau genommen aber, hindert das die imperialen Offiziere nicht daran, Bestrafungen über zugefügte Schmerzen bei ihr anzuwenden. Und es könnte auch DARTH VADER nicht hindern, ihr Leben zu beenden, wenn ihn die Willkür oder der bloße Zorn überkommt. In Sicherheit wiegen, kann sich allenfalls derjenige, dessen Existenz von Nutzen ist. Das ist spätestens dann nicht mehr der Fall, als ein zweiter DOKTOR APHRA auf der Bildfläche erscheint …

DAS ENDE EINER SCHURKIN (Untertitel des Bandes) wäre ein starker Spoiler-Titel, bezeichnete er denn das, was man sich allgemein darunter vorstellt. Mir machte es jedenfalls keinen Spaß, eine Geschichte zu lesen, von der ich weiß, dass sich die Hauptfigur am Ende aus dem Leben verabschiedet. Also, keine Bange, weil diese abgeschlossene Serie um die junge Frau, DOKTOR APHRA, eine weitere Serie beschert bekommt (seit 2020 in den USA am Start). Alles in allem hat sich die Figur gemausert. Ursprünglich als Nebencharakter in der DARTH-VADER-Serie erfunden worden, hatte diese Figur bald schon derart viel Profil, dass sie ihre Geschichte als Hauptcharakter tragen konnte.

Verdammt schlau, sehr intelligent, rotzfrech, Überlebenskünstlerin, einsam mitunter, Planerin und einfach gut in dem, was sie macht. Meistens. Gäbe es keine Schwierigkeiten, wäre sie perfekt, gäbe es keine Geschichte zu erzählen. Ihre Beziehung zu CAPTAIN MAGNA TOLVAN ist eine On-Off-Hängepartie. Allein deshalb, weil DOKTOR APHRA sie als IMPERIALE kennenlernt und später erlebt, wie MAGNA TOLVAN die Seiten wechselt und die REBELLION unterstützt. Ja, es geht auch um Liebe. Überhaupt lebt die Handlung, erst recht jene letzte Episode, DAS ENDE EINER SCHURKIN, von Beziehungen und Kreisen, die sich endlich schließen. Nachdem der Leser im letzten Band mehr über DOKTOR APHRAS Kindheit und ihr Verhältnis zur Mutter erfahren hat, betritt nun der Vater in der Gegenwart die Bühne.

SIMON SPURRIER ist weiterhin der Erzähler der Serie, dafür hat den Schlussspurt am Zeichenstift CASPAR WIJNGAARD übernommen. So kommen die zusammengefassten Folgen 37-40 und der DOKTOR APHRA EPILOGUE aus einem Guss daher. Grafisch gefällt mir der Stil besser als im Vorgängerband (da waren unterschiedliche Zeichner am Werk). Es wird Wert auf Realismus gelegt, aber die Technik ist verspielt und leicht. Ähnliche Arbeiten gab es schon häufiger von Kollegenseite im STAR-WARS-Universum und wie hier passt es ganz wunderbar zur Thematik. Das ist ein wenig Zeichentrick, ein wenig märchenhafter und stützt den alten Auftaktspruch ES WAR EINMAL VOR LANGER ZEIT IN EINER WEIT, WEIT ENTFERNTEN GALAXIS sehr gut.

CASPAR WIJNGAARDs Stil ist überaus klar. Der Künstler begeht nicht den Fehler, sich in Details zu verlieren. Nur, wo es Sinn macht, wird darauf nicht verzichtet oder bewusst reduziert. Beispielhaft hierfür sind die beiden DROIDEN TRIPLE-ZERO und sein kleinerer Kollege BT-1 (BEE-TEE), die zur überzeugenden Darstellung Details dringend benötigen. Äußerlich an C3-PO und R2-D2 angelehnt, konnte der Leser einen Teil ihres Werdegangs in der Storyline verfolgen. Diese ist angesichts der Charaktere ungewöhnlich, denn beide sind Verbrecher und arbeiten gerne als Folterer. Zurück im Dienst des IMPERIUMS handeln sie im Auftrag DART VADERs als Verhörspezialisten.

Zum guten Schluss wartet eine Episode (ANNUAL 3) unabhängig vom Rest der Handlung. SIMON SPURRIER ist wieder der Autor, aber ELSA CHARRETIER ist die Illustratorin. Technisch weicht die deutlich vom Realismus ab und ist stilistisch eher einem Künstler wie DARWYN COOKE zugeneigt. Die Linien und Schatten sind teil sehr fett, Details arg reduziert, die Farbgebung einfach, mit schlichten Tönungen. Die Zeichnungen wirken insgesamt schwer, etwas klobig, aber sie packen den Leser (rückt auch ein wenig stilistisch hin zu den CLONE-WARS-Kapiteln der STAR-WARS-ADVENTURES).

Keine gänzliche Verabschiedung von DOKTOR APHRA, aber immerhin ein vorläufiger Schluss einer sehr gelungenen Saga um eine Figur, die nicht innerhalb eines Films des STAR-WARS-Universums entstanden ist. Aber sie hätte es verdient, dahingehend lebendig zu werden. Insgesamt, auch mit dieser Abschlussausgabe, bestes Lesefutter für STAR-WARS-FANS. Zum Einstieg geeignet, da es eine sehr eigenständigeHandlung innerhalb des Kanons ist. Sehr gut. 🙂

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Donnerstag, 31. Dezember 2020

STAR WARS – DOKTOR APHRA 6

Filed under: SciFi — Michael um 18:45

STAR WARS - DOKTOR APHRA 6Keine direkt zerrüttete Kindheit. DOKTOR APHRA ist eine junge Frau geworden, auf die ihr Vater in gewisser Weise stolz gewesen wäre. Irgendwie ist sie in seine Fußstapfen getreten. Ihr Interesse für andere Kulturen, erst solchen, die lange vergangen sind, hat sie bestimmt von ihm geerbt. Ihre Mutter verließ den Vater, nahm die Tochter mit. Währenddessen war der Vater mit seiner Arbeit beschäftigt und wunderte sich allenfalls über die eingetretene Stille. In der Gegenwart ist aus dem neugierigen Mädchen eine Abenteurerin geworden. Belastet vom Schicksal der eigenen Familie schlittert sie in den größten Konflikt ihrer Zeit, die Rebellion gegen das allmächtige IMPERIUM.

DIE UNGLAUBLICHE REBELLENSUPERWAFFE lautet der Untertitel der 6. Folge um die räuberische Historikerin DOKTOR APHRA. Tatsächlich stößt die junge Frau bei ihren Aktivitäten auf ein legendäres Gewehr, das es dem WIDERSTAND ermöglichen könnte, dem IMPERIUM einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Die Idee ist so fantastisch gut, dass sie für einen Film oder wenigstens eine Episode in der einer der neu geplanten STAR-WARS-Streamingserien umgesetzt zu werden. Interessant ist DOKTOR APHRA darüber hinaus, weil sie mit ihrer Kaltschnäuzigkeit bis ins Zentrum zweier Machtblöcke vordringt. Das gibt dem Leser tolle Einblicke in bereits bekanntes Geschehen (ähnlich wie es THE MANDALORIAN praktiziert hat).

Der vorliegende Band nimmt sich sehr viel Zeit um einiges aus der Familiengeschichte von DOKTOR APHRA zu enthüllen. Konzentrierten sich die Vorgängerabenteuer mehr darauf, wie die junge Frau ein ums andere Mal den Kopf aus der sprichwörtlichen Schlinge zog oder auch auf ihre Liebschaften, nimmt die weitere Entwicklung der Handlung einen konkreten bezug auf die Vergangenheit. Mit dabei, so viel zum Thema Liebschaften, eine Ex, die DOKTOR APHRA mit einer Art Hassliebe betrachtet. Die weibliche Zukunftsvariante von INDIANA JONES ist eben nicht nur eine Diebin und Schurkin, sie ist eine liebenswerte Diebin und Schurkin. Und verdammt abgebrüht.

Das stellt sich im Verlauf der Handlung heraus, als SIMON SPURRIER seine Heldin auf eine irre Mission schickt. Grafisch findet eine Umorientierung statt. Immer noch wird Wert auf eine realistische Darstellung gelegt, aber sie schwankt zwischen Manga-Einflüssen und Zeichnungen, die eher europäisch wirken und ich so stilistisch in einem franko-belgischen Album vermuten würde. Auffallend (und eine gute Lösung) ist die deutliche Separierung der Gegenwarts- und Vergangenheitsepisoden durch unterschiedliche Zeichner innerhalb eines Heftes (der Sammelband beinhaltet die Ausgaben 32-36 der Serie). Die Wirkung ist sehr leserfreundlich und imitiert auf ihre Weise entsprechende Bildtechniken, wie sie Serienjunkies von Rückblicken auf dem Bildschirm kennen mögen.

Ohne alte Bekannte geht es nicht. Neben besagter Ex von DOKTOR APHRA gibt sich auch ein pechschwarzer WOOKIE die Ehre: BLACK KRRSANTAN. Der alte Bekannte aus einer düsteren Vergangenheit ist zur Stelle, als DOKTOR APHRA Hilfe braucht (und außerdem, wie kann es anders sein, schuldet die junge Frau dem WOOKIE noch Geld). Doch dieser Rückschritt auf bekannte Charaktere ist ein dramatischer Vorgeschmack, auf ein sehr interessantes Finale, bewegt es sich doch mitten ins Herz des Imperiums.

Einerseits wegen DOKTOR APHRA ein tolles Kapitel der STAR-WARS-SAGA, andererseits wegen neuer Einblicke in das imperiale Geflecht auch für Hardcore-Fans der SAGA sehr lesenswert. Spannend von Anfang bis Ende und gleichzeitig das große Einläuten des Serienabschlusses im folgenden Band. TOP! 🙂

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Dienstag, 21. April 2020

STAR WARS – DOKTOR APHRA 5

Filed under: SciFi — Michael um 17:27

STAR WARS – DOKTOR APHRA 5 – SCHLIMMSTE UNTER GLEICHENDOKTOR APHRA liebt keine Probleme, sie macht welche oder hat welche. Eigentlich gibt es dazwischen gar nichts anderes. In den meisten Fällen hat es etwas mit dem Leben zu tun. Ihrem oder dem von anderen. Meistens hängen sie am seidenen Faden. Wenn überhaupt. Die Zeit ist immer knapp. Und das Leben, allgemein dort, wo sie sich aufhält, ist nicht viel wert. Oder taugt gerade dazu, dass ein irrer und brutaler Droide seine Foltergelüste daran final abreagiert. Nun ist DOKTOR APHRA ausgerechnet mit einem solch irren DROIDEN namens TRIPLE-ZERO auf Gedeih und Verderb verbunden. Jemand, ein Irrer auf ähnlichem Niveau, hielt es für einen tollen Gag, ihnen kleine Sprengkörper einzupflanzen, die automatisch explodieren, sobald sich die beiden zu weit voneinander entfernen.

SIMON SPURRIER wandelt auf den Spuren von FLUCHT IN KETTEN. Frei nach dem Motto SIE KÖNNEN NICHT MITEINANDER und OHNE EINANDER ERST RECHT NICHT, müssen DOKTOR APHRA und der mitleidlose TRIPLE-ZERO sich ihren Fluchtweg erkämpfen, um am Ende vielleicht ihrem Schlamassel zu entkommen.

Abseits der großen STAR-WARS-GESCHICHTE um die JEDI-RITTER und ihre Freunde, Weggefährten und natürlich Feinde gibt es in der Schiene der Animationsreihen Abenteuer und eben ganz besonders Charaktere, die es gut und gerne auch in das hauptsächliche Kino-Universum hätten schaffen dürfen oder sogar sollen. Eine sehr (zu Recht) beliebte Figur ist sicherlich AHSOKA TANO, bekannt aus CLONE WARS, einer der Animationsreihen von STAR WARS. Eine andere, aus dem Comic-Universum ist DOKTOR APHRA, eine echte Entdeckung, die mit einer sorglosen Frische diese Welt bevölkert und gleichzeitig, dank Autor SIMON SPURRIER, auch Verbindungen zu bekannten Aspekten dieser Szenerie nicht vermissen lässt.

Ein Bösewicht, zumindest ein schlimmer Finger ist DOKTOR APHRA durchaus, mindestens vom Rang eines HAN SOLO, bevor er sich der Rebellion anschloss. Vier Bände sind bereits über DOKTOR APHRA erschienen, Zeit genug also, das Profil zu schleifen, Konturen zu gewinnen und, vor allem, den Leser zu gewinnen. Dank einer lässigen Kaltschnäuzigkeit, Gefühlen, die immer wieder hervorbrechen (die man aber beherrschen will, man ist immerhin ein Bösewicht in einer bösen, bösen Welt) und einem Feindesduo, wie es kühler und unberechenbarer kaum sein kann, klappt das hervorragend.

Nun ist aus dem Duo mittlerweile ein einzelner Erzfeind geworden: TRIPLE-ZERO. Schwarz, rotäugig, äußerlich ein Protokolldroid, ist er ein Psychopath schlechthin. Und offenbar glücklich damit und ohne jedwedes schlechtes Gewissen darüber versehen. In weiten Teilen sorgt Comic-Künstler EMILIO LAISO (bis auf einen kurzen Abschnitt, den ANDREA BROCCARDO übernimmt) für STAR-WARS-echtes Ambiente, realistisch gezeichnet, von RACHELLE ROSENBERG prächtig koloriert.

Schauplatz des hauptsächlichen Geschehens, von der Einleitung abgesehen, ist der Planet MILVAYNE, von der planeteneigenen Obrigkeit und dem Imperium bis auf die Knie unterdrückt. Über weite Strecken, im wahrsten Sinne des Wortes, müssen sich DOKTOR APHRA und TRIPLE-ZERO durch weniger begüterte Stadtteile und Straßenzüge schlagen. Das hat das Flair von der Unterstadt auf CORUSCANT, ist dicht, ist sehr lebendig, abwechslungsreich und bietet viele Einblicke in das einst von GEORGE LUCAS erdachte GEBRAUCHTE UNIVERSUM.

Bindeglied zwischen altem und neuem STAR-WARS-Szenario, in einem Zeitabschnitt, in dem das IMPERIUM auf der Höhe seiner Macht ist, ist der miese DOKTOR CORNELIUS EVAZAN (ja, genau jener, der sich in der CANTINA mit LUKE SKYWALKER anlegen wollte). Der wirkt als Drahtzieher wie ein äußerst verschlagener Pseudophilosoph, der sich einen Spaß daraus macht, Wesen jeglicher Coleur an ihre geistigen, emotionalen und körperlichen Grenzen zu treiben. Aber das Experiment, wie er es nennt, läuft unerwartet aus dem Ruder. Diesen folgenden Wettlauf mit der Zeit wird der STAR-WARS-Fan lieben. (Und ebenfalls die beiden Monsterjäger, eines der ungewöhnlichsten Pärchen in dieser Galaxis!)

DOKTOR APHRA gehört zu den besten STAR-WARS-Reihen überhaupt, frech, sehr abenteuerlich, mit teils bitterbösem schwarzen Humor ausgestattet (dank TRIPLE-ZERO), perfekt illustriert und mit hohem Tempo erzählt (dank SIMON SPURRIER). Klasse, unbedingt von Anfang lesen! 🙂

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ALIENS – DEAD ORBIT

Filed under: SciFi — Michael um 17:21

ALIENS - DEAD ORBITEine Station im Orbit eines Planeten irgendwo im All. Die Erde ist eine bloße Erinnerung in dieser ewig währenden Nacht ringsum. Routine und Langeweile beherrschen das Miteineinander und den Arbeitsalltag. Viele Besatzungsmitglieder sind es nicht, die es auf die WEYLAND YUTANI SPHACTERIA STATION verschlagen hat. Die Stimmung ist gereizt. Als ein unbekanntes Schiff im Orbit um den GASRIESEN PYLOS auftaucht, versucht CAPTAIN HASSAN Kontakt aufzunehmen, doch die Sendeanlage macht den Versuch offensichtlich zunichte. Man entschließt sich, eine kleine Mannschaft zu entsenden, um sich Klarheit über den Zustand und die Besatzung des fremden Schiffes zu verschaffen, denn einiges an diesem Frachter scheint arg merkwürdig zu sein.

Die ALIENS sind wieder da! Kein Geheimnis, der Titel verrät es. JAMES STOKOE als Künstler und Autor allein verantwortlich für die Geschichte und die Illustrationen, erschafft mit neuen Ideen und dem Flair des Originals von 1979 eine intensive, düstere, klaustrophobische Erfahrung. Wer schon dachte, bei der NOSTROMO, dem Schiff aus dem allerersten ALIEN-Erlebnis, handele es sich um einen Schrotthaufen, der wird die SPHACTERIA noch weitaus niedriger klassifizieren. JAMES STOKOE nimmt den Leser mit auf eine typische Reise, wie sie auch PEN-AND-PAPER-Rollenspieler erleben könnten. Denn er kreiert einen zusätzlichen Feind, den das ALIEN-Universum so noch nicht gesehen hat und der rein gar nichts mit der wie jüngst von RIDLEY SCOTT eingebrachten amoklaufenden KI namens DAVID gemein hat.

In manchen Passagen herrscht ziemliche Brutalität, auf der Leinwand nicht unbekannt, aber hier wie dort einigermaßen starker Tobak. Mehr soll dazu nicht gesagt sein, alles andere wäre Spoilerei. Doch eine Anmerkung sei gestattet: Der Horror der ALIENS verblasst gegen diesen Feind, den sich die Besatzung der SPHACTERIA da macht.

Im Anhang finden sich einige Arbeitsskizzen zu DEAD ORBIT, auch solche, die JAMES STOKOE für einen PITCH bei DARK HORSE benutzte. Der PITCH ist deutlich mehr vom Original-ALIENS beeinflusst, dem von JAMES CAMERON gedrehten Nachfolger, der sich von der Klaustrophobie löste und das fremdartige Wesen gleich in Scharen auf die Menschen losließ und eine KÖNIGIN schuf und so der Kreatur gleich eine Art gesellschaftliche Struktur zuwies. Aber mehr noch: JAMES CAMERON setzte ebenfalls die SPACE MARINES in Szene, die JAMES STOKOE für seine Bewerbung bei DARK HORSE in eine ähnliche Bredouille brachte. Interessanterweise ist von der Szenerie nichts übrig geblieben, weil JAMES STOKOE mit seinem Endergebnis mehr der Ideenwelt von RIDLEY SCOTT huldigt.

Allerdings lässt sich im Anhang mit den sehr ausdrucksstarken Skizzen etwas entdecken, was in den fertigen Bildern von DEAD ORBIT ein Stück weit verloren geht. Einflüsse von MANGAS sind hier unübersehbar. Die Gesichter, die Aufbauten von Geschwindigkeitsszenen erinnern stark an die japanischen Vorbilder. Das sieht sehr wild, rasant, schmissig aus. Hinzu kommt eine regelrechte kleinteilige Detailwut. Den Einzelheiten auf allen Ebenen wird ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie der Szenerie selbst. Das fällt besonders in der Bleistiftskizze auf, ist in der Tuschefassung noch vorhanden. Aber in der späteren Fassung, jener, die für DEAD ORBIT Verwendung fand, hat er sich teilweise davon verabschiedet, vereinzelte Rückfälle ausgenommen, dann sogar gerne auf ganzseitig ausgeführten Bildern.

JAMES STOKOE, der nach eigener Aussage gerne in BONBONFARBEN arbeitet, ist in DEAD ORBIT betont düster. Es gibt vielleicht ein BONBONROTES Blut zu bestaunen, ansonsten herrschen Schattierungen von Lila und Blau vor, künstliches orangefarbenes Licht zerrt Details aus der Dunkelheit. JAMES STOKOE arbeitet penibel, aber er legt nicht jeden Strich auf die Goldwaage wie vielleicht ein ZACH HOWARD (ALIENS NEKROPOLIS). Technisch ist er eine Mischung aus GEOF DARROW (HARD BOILED) und WES CRAIG (DEADLY CLASS), modern, krass (das Wort passt hier sehr gut), flott.

Knallharter ALIEN-Horror. Eine Verbeugung vor dem Ursprung, kreiert von RIDLY SCOTT. Man muss sich erst ein wenig an die Erzählweise gewöhnen. Diese erschließt sich nicht sogleich. Kleine Zeitsprünge und ein Countdown weisen sozusagen den Weg. JAMES STOKOE mag das Genre, davon zeugen auch seine übrigen Arbeiten. Wer ALIENS Hardcore mag, sollte einen Blick riskieren. 🙂

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Donnerstag, 12. September 2019

STAR WARS – POE DAMERON 5 – DAS ERWACHEN

Filed under: SciFi — Michael um 9:45

STAR WARS – POE DAMERON 5 – DAS ERWACHENDIE SCHLACHT VON CRAIT: Ein Heer Kampfläufer der ERSTEN ORDNUNG begegnet den Widerständlern rund um GENERAL ORGANA zu dem Kampf, der über die Zukunft der Galaxis entscheiden soll. Der Ausgang der Ereignisse ermuntert den Widerstand keineswegs zu weiteren Auseinandersetzungen. POE DAMERON befindet sich mit ein paar Gefährten im MILLENNIUM FALCON auf der Flucht und führt sich vor Augen, was bislang alles geschah und andernorts ohne seine Hilfe geschieht. Schlimmer noch! Seine Kameraden von der SCHWARZEN STAFFEL schweben in Lebensgefahr und genau jetzt kann er nichts unternehmen, um ihnen beizustehen.

Und diese Hilflosigkeit ist das Einzige, das man als Leser diesem Abenteuerabend rund um die Geschehnisse aus DAS ERWACHEN DER MACHT und DIE LETZTEN JEDI vorwerfen kann. POE DAMERON steht nicht im Mittelpunkt und ist in der Haupthandlungslinie zum Nebendarsteller degradiert. Das schadet keineswegs, weil seine Kameraden der SCHWARZEN STAFFEL, denen ein guter Teil der Handlung zur Verfügung steht, dies charakterlich sehr toll auffangen. Autor CHARLES SOULLE beschreibt diese Helden ähnlich leidenschaftlich, wie es den Autoren (meist MICHAEL STACKPOLE) in der Romanreihe rund um die legendäre X-WING-SONDERSTAFFEL unter WEDGE ANTILLES gelang.

Die Besonderheit der Bilder (abgesehen von jenen im anhängigen POE DAMERON ANNUAL von NIK VIRELLA) liegt in der Imitation eines Fotorealismus. Ganz erreichen die Grafiken von ANGEL UNZUETA diesen Status nicht, aber sie sind nah dran. Das liegt natürlich nicht nur an der übergenauen Art des Zeichnens von ANGEL UNZUETA, sondern hat natürlich viel mit den beiden Koloristen ARIF PRIANTO und RACHELLE ROSENBERG zu tun (letztere hat in einer Episode den Computerkolorierung übernommen). Unter dem Strich werden hier in einer Comic-Veröffentlichung im Heftformat zwar nicht alle Möglichkeiten der computergestützten Farbgebung ausgenutzt, aber immerhin verdammt viele.

Entsprechend ansprechend fällt das Ergebnis aus. Der Leser eines STAR-WARS-Abenteuers, der vermutlich auch Kinogänger ist und Kenntnis von den letzten beiden Kinofilmen besitzt, wird jeden seiner Lieblingscharaktere auf den ersten Blick wiedererkennen. Aus jedem Winkel muss hier mit reichlich Mustermaterial gearbeitet worden sein. Darüber hinaus besitzt jeder der Piloten der SCHWARZEN STAFFEL außerordentlichen Wiedererkennungswert, charakterlich wunderbar durchmischt, was sich selbstverständlich erst richtig bemerkbar macht, wenn die Figuren nicht im Cockpit sitzen.

Bezeichnend hierfür ist die Episode auf PASTORIA, einem Planeten der fliegenden Städte. Ebenso bezeichnend ist sie für die Schwierigkeiten, die der SCHWARZEN STAFFEL von CHARLES SOULLE bereitet werden, der die Serie von Folge 1 an als Autor betreut. Allein in dieser Sequenz wimmelt es von Überraschungen, Intrigen, Action. Im weiteren Verlauf erlebt der Leser Luftschlachten und Raumkämpfe, die sich mit allem messen können, was die beiden neueren Kinofilme bisher zu bieten hatten. Was im ersten Drittel der Handlung erzähltechnisch noch etwas abgehackt war, wird hier flüssig dargeboten und hat Drama, Drama, Drama (ja, 3 x).

Jawohl, klasse, POE DAMERON ist einerseits ein guter HAN SOLO Nachfolger, gleichzeitig ist er durch die Klasse und Menge seiner Kameraden noch eine Spur besser aufgestellt. Die Nebenfiguren dürfen sich hier aufs Beste profilieren. Toll illustriert von ANGEL UNZUETA (stark koloriert überwiegend von ARIF PRIANTO). Die Illustrationen von NIK VIRELLA (Farben: JORDAN BOYD) im anhängigen ANNUAL sind schön, liegen aber nicht auf Augenhöhe mit dem anderen Grafikteam. Trotzdem ein Erste-Sahne-Gesamtpaket! 🙂

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Bisherige POE DAMERON Rezensionen im Comicblog:

STAR WARS – POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHT
STAR WARS – POE DAMERON 2 – INMITTEN DES STURMS
STAR WARS – POE DAMERON 1 – SCHWARZE STAFFEL

Donnerstag, 01. August 2019

STAR WARS – DOKTOR APHRA 4

Filed under: SciFi — Michael um 13:49

STAR WARS – DOKTOR APHRA 4 – LIEBE IN ZEITEN DES CHAOSDREI FRAUEN: Die eine ist gefangen in einem der gefährlichsten und lausigsten Gefängnisse des IMPERIUMS und will nichts sehnlicher, als von dort zu verschwinden. Aber DOKTOR APHRA steht diesmal vor der schwierigsten Aufgabe ihres jungen Lebens. Ohne Hilfe scheint eine Flucht nicht machbar. MAGNA TOLVAN, eine IMPERIALE OFFIZIERIN, ist in DOKTOR APHRA verliebt. Sie könnte der Schlüssel zur Befreiung sein und darüber hinaus den Schneid besitzen, dieses tollkühne Unterfangen erfolgreich zu bewältigen. Wäre da nicht SANA STARROS, die Ex-Freundin von DOKTOR APHRA und mit einem eigenen Auftrag versehen. Persönlich beauftragt von der REBELLEN-GENERALIN SYNDULLA macht sich SANA STARROS auf den Weg in eine vom IMPERIUM geschaffene Hölle. Und sie ist nicht die einzige außerplanmäßige Besucherin!

Ein Knast in STAR WARS! Und was für einer! Das ACCRESKER GEFÄNGNIS setzt sich zusammen aus diversen schrottreifen Raumschiffen, mit einer Atmosphäre versehen und von einem weiteren Schiff durch den Weltraum gezogen. Eine Flucht ist undenkbar! Drinnen ist es fast noch gefährlicher als draußen auf der Schrottoberfläche. Hierhin hat es die junge DOKTOR APHRA verschlagen. Bislang hat sie sich aus jeder Situation herauswinden können, auch über das Leben und Leid anderer Menschen und sonstiger Kreaturen. Sie hat einiges auf dem Kerbholz und viele wollen ihr ans Leben. Aber eine Existenz im ACCRESKER GEFÄNGNIS wünscht man seinem schlimmsten Feind nicht.

SIMON SPURRIER setzt die Geschichte um eine Heldin fort, die sich im besten Sinn ins Universum von STAR WARS einfügt. Gastauftritte sind ebenfalls inklusive. DARTH VADER gibt sich höchstselbst die Ehre. Aber auch eine GENERALIN SYNDULLA, die der STAR-WARS-FAN natürlich aus der sehr zu empfehlenen Animationsserie REBELS her kennt. (Klasse, dass solche Querverweise geschaffen werden.) Doch damit nicht genug. Aber genug gespoilert. Der FAN darf sich auf jeden Fall auf einen recht alten Bekannten freuen, den man darüber hinaus ziemlich selten antrifft. So ist sein Auftauchen umso überraschender zu nennen und SIMON SPURRIER als Autor sehr zu loben, wie er die Einzelteile verschiedener zeitlicher Ebenen miteinander verwebt.

TRIPLE-ZERO! Für alle, die diesen DROIDEN nicht kennen: Stellt auch einen pechschwarzen Protokolldroiden vor (wie C-3PO gebaut), der Spaß an der Folter lebendiger Kreaturen hat, einem Verbrechersyndikat vorstand und sich nun gerne, weil er diese Rolle einbüßen musste, an DOKTOR APHRA rächen möchte. Die in DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK vorgestellten KOPFGELDJÄGER (BOBA FETT eingeschlossen) sind wahre Lachnummern gegen diese psychopathischen DROIDEN. Man wünscht sich, es hätte einen Auftritt, gerne auch eine größere Nebenrolle dieser Figur auf der Kinoleinwand gegeben. In der Comic-Reihe um DOKTOR APHRA finden sich viele mutige erzählerische Ansätze und TRIPLE-ZERO ist einer davon.

Die Serie um DOKTOR APHRA beschäftigt sich nicht mit den ehrenhaften Zielen von REBELLEN noch mit den fehlgeleiteten Idealen von IMPERIALEN KARRIERISTEN. Hier geht es schlicht um VERBRECHER, mal schwerer, mal minderschwerer Natur. Und DOKTOR APHRA ist eine davon. Überleben ist das oberste Ziel. Allianzen sind flüchtig. Liebschaften ebenfalls. LIEBE IN ZEITEN DES CHAOS lautet der Untertitel des vierten Bandes der Reihe um DOKTOR APHRA (vermutlich in Anspielung auf das berühmte Werk DIE LIEBE IN ZEITEN DER CHOLERA). Die Liebe ist hier ein sehr zartes Pflänzchen, das sich kaum gegen die Widrigkeiten der Umstände zu behaupten mag. Immerhin, es gibt sie. Ob sie eine Chance hat, muss der Leser selbst herausfinden.

KNAST: Das vermittelt ein für Geschichten und Dramen besonderes Ambiente und sehr sehr seltsamen (wie brutalen) Mikrokosmos. FLUCHT VON ALCATRAZ, PRISON BREAK oder DIE VERURTEILTEN (nach einer Geschichte von STEPHEN KING) haben Bilder insbesondere von amerikanischen Gefängnissen gezeigt. Entsprechend muss die Situation in einem Science-Fiction-Setting (auch das gab es schon z.B. mit WEDLOCK oder LOCKOUT) und erst recht bei STAR WARS extrem anders sein. Mit KEV WALKER ist ein Zeichner am Start, der nicht nur ganz wunderbar illustrieren kann, er arbeitet auch den Kern dieses speziellen Knastes heraus, der sich als Mischung aus MÜLLHALDE und LABYRINTH skizzieren lässt.

Technisch, dreckig, heruntergekommen. Jeder Schritt kann in einer Todesfalle enden. Und ähnlich wie in WEDLOCK lässt einem implantierter Sprengstoff den Schädel (und mehr) wegfliegen, wenn sich ein Häftling zu weit von seinem Arbeitstrupp entfernt. KEV WALKER darf sich austoben, teils ganzseitig (was ich seit den Zeiten des SILVER SURFERS sehr mag), teils in halbseitigen Bildern. Das gibt dem Leser selbstverständlich tolle, sehr starke Eindrücke dieser für STAR-WARS-Verhältnisse außergewöhnlichen Kulisse.

WOW! DOKTOR APHRA kann als Serie immer mehr, setzt mit jeder Folge einen drauf. Ein ganz neues Setting bietet ein Szenario, das sich von Seite zu Seite steigert. Eine Halde von Schrottraumschiffen als Gefängnis, eine geplante Flucht, die Liebe dreier Frauen, Darth Vader und ein gnadenlos nahendes Inferno. Mehr muss man zu dieser grandiosen Mischung kaum sagen. Das knallt und ist ein echter Pageturner! TOP! 🙂

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Dienstag, 30. Juli 2019

STAR WARS – POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHT

Filed under: SciFi — Michael um 16:54

STAR WARS - POE DAMERON 4 – DIE WEGE DER MACHTLOR SAN TEKKA ist ein sehr neugieriger Wissenschaftler. Die MACHT interessiert ihn. Aber wichtiger für ihn ist noch die MACHT DES WISSENS. Er strebt weder nach körperlicher Macht, noch finanzieller oder politischer und noch weniger spiritueller. Auf seinen Wegen der Wissenserweiterung ist er allerdings oft sehr naiv unterwegs. Ein Einbruch, der letztlich nur dem Lernen dient, kann so schlimm nicht sein. Eigentlich muss er sogar verzeihbar sein. Auf dem Planeten Cato Neimoidia hält man von dieser Einstellung nicht viel. Sie gar als Entschuldigung anzuführen, ist eine Unverschämtheit. LOR SAN TEKKA hätte sich vorsehen sollen. In einer Welt, in der jeder Unternehmer seine eigene Gerichtsbarkeit unterhält, kann es zu unvorhersehbaren Härten kommen. Und so lautet das Urteil auf SCHULDIG und die Bestrafung ist der TOD.

CHARLES SOULE springt mit diesem vierten Band um den Piloten POE DAMERON vor (!) DAS ERWACHEN DER MACHT, denn wie der STAR-WARS-FAN erkannt hat, ist LOR SAN TEKKA hier noch wunderbar am Leben und ist zwar ein findiger Wissenschaftler, aber zugleich auch ein sehr leichtsinniger. CHARLES SOULE gibt dem Gelehrten (hier wie im Film in bildlicher Form eines MAX VON SYDOW) ein recht unabenteuerliches Profil. Schnell wird klar, dass LOR SAN TEKKA das Risiko des Einbruchs nur sehr ungern eingeht. Sehr schön, wie hier eine Nebenfigur etwas mehr Raum zur Entfaltung bekommt. (Dieser Raum hätte der Figur auch im Film sehr gut getan, weil sie dem Thema der Macht auch zusätzliche Tiefe und Aufklärung verleiht. Denn die Macht, allen JEDI und SITH, die da kreuchen und fleuchen, wird doch sehr stiefmütterlich thematisiert.)

Ich finde die grafische Umsetzung des STAR-WARS-COMICS um POE DAMERON von ANGEL UNZUETA (wie auch in Vorgängerbänden um den X-WING-PILOTEN) nicht nur sehr gelungen und schön, die sehr akribisch genaue, ultra-exakte Darstellung passt hervorragend. Jeder SCHAUSPIELER ist wiederzuerkennen, vorneweg natürlich OSCAR ISAAC (als POE DAMERON) und CARRIE FISHER (als PRINZESSIN LEIA oder, glasklar hier Jahrzehnte nach der Ur-Trilogie, GENERAL ORGANA). Es gibt ein Wiedersehen mit Kampfdroiden, am Boden und in der Luft. Und es macht einfach Spaß, moderne X-WINGS gegen die antiquierten (aber sehr wacker auftretenden) Modelle kämpfen zu sehen.

Die Kolorierung durch ARIF PRIANTO ist erstklassig, filmreif und plastisch. Die Plastizität verhilft insbesondere die Gesichter der Figuren zum Fotoromaneffekt der Bilder. Wie in den Vorgängerbänden kreiert ARIF PRIANTO im vierten Band der Reihe, mit dem Untertitel DIE WEGE DER MACHT, in Actionszenen farblich tolle Sequenzen. Herausragend, zeichnerisch natürlich ebenso, ist hier eine Schlachtszene, in der STORMTROOPER einen Einsatz im WELTRAUM unter Zuhilfenahme von Raketenrucksäcken absolvieren. Ganz großartig!

Teils ist die Geschichte nicht nur eine einer klassischen Rettungsmission, teils ist es auch ein so genannter HEIST. LEIA inmitten eines solchen Plans zu erleben, ist ungewohnt, aber davon hätte es ruhig mehr geben können. Es passt zu abenteuerlichen Stimmung von STAR WARS allgemein, aber auch zu jener Atmosphäre, wie sie in CLONE WARS und REBELS gepflegt wurde. Wie mancherorts in anderen Ablegerserien (wie z.B. in der von mir sehr gelobten DOKTOR APHRA) freut man sich auch über gelungene Widerlinge. Einer, der dem Widerstand das Leben schwer machte und kurz von der Bildfläche verschwand, war AGENT TEREX. Der Schuft kehrt zurück, etwas angeschlagen, verbittert, voller Hass, allerdings immer noch sehr schlau, sehr hartnäckig und mittlerweile ist keine Seite mehr vor ihm sicher. Der Motivationsschwenk macht das Handeln der Figur unvorhersehbar und treibt die Geschichte ab einem gewissen Punkt gehörig voran.

ERSTKLASSIG! Eine tolles grafisches Feuerwerk dank der beiden Comic-Künstler ANGEL UNZUETA und ARIF PRIANTO. Abenteuerlich von Anfang bis Ende (das kleine Annual im Anhang eingeschlossen). Alles, was man als Fan von STAR WARS erwarten darf, wird hier bravourös erfüllt! 🙂

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