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Comic Blog


Dienstag, 27. Dezember 2011

Valerian & Veronique Gesamtausgabe 3

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 17:58

Valerian & Veronique Gesamtausgabe 3Ein Shinguz verkauft, er verschenkt nichts. Wie gut, dass Veronique ein kleines Wesen bei der Hand hat, dem es zwar keine Freude bereitet, Zahlungsmittel herzustellen, dies jedoch bis zu einem gewissen Erschöpfungsgrad schafft. Doch Geld ist nicht der einzige Türöffner und Wegweiser in der bunt zusammengewürfelten Welt von Central City. Die Beharrlichkeit und auch die Liebe von Veronique zu ihrem Valerian führt letztlich ans Ziel. Aber der Weg dorthin ist einer der beschwerlichsten, den sie jemals auf sich nehmen musste.

Kein Flugzeug, auch nicht E.T., der auf einem Fahrrad am Mond vorüber fliegt: Valerian ist es. Ein Experiment und unzählige Kopien von Valerian machen es möglich. Doch Veronique ist keineswegs begeistert. Inzwischen liegt der dritte Band der Gesamtausgabe von Valerian & Veronique und ein weiteres Mal überraschen Pierre Christin und Jean-Claude Mezieres mit den hier versammelten drei Abenteuern. Die beiden Comic-Künstler räumen ihrer Veronique hier einen deutlich größeren Anteil an den Geschichten ein. Man könnte auch sagen: Veronique ist eindeutig die Vernünftigere der beiden Abenteurer geworden.

Botschafter der Schatten, so der Titel der ersten abgedruckten Geschichte in diesem Sammelband, entführt den Leser in die verschlungene Welt und das wahrhaftige Vielvölkergemisch von Central City. Unzählige Formen, Atmosphären, Moden, Einflüsse aller Art, politische Ziele und mittendrin die Menschen, ein Stück weit zu arrogant für diese Konzentration für diese Wesen aus allen Ecken der Galaxis. Sicherlich handelt es sich um ein Abenteuer, das mit Hand und Fuß erdacht wurde, andererseits eröffnet die Vielfalt der Umgebung auch ungeahnte Möglichkeiten der Erzählung, die eine Vorhersehbarkeit des Fortgangs unmöglich macht.

Hier zeigt sich die Begeisterung von Christin und Mezieres für das Genre Science Fiction ganz besonders, denn wie es bereits ein Zitat von Mezieres auf der Buchrückseite sagt: In dieser Serie ist einfach alles möglich, und jedes neue Album bringt uns dorthin, wo wir es wollen. Präsentiert sich diese Episode fast als Besichtigungswanderung und gleichzeitig als ein Höhepunkt der grenzenlosen Ideen der beiden, ist die Nachfolgegeschichte Trügerische Welten weitaus mysteriöser.

Valerian stirbt! Und nicht nur einmal. Fast fühlt man sich an virtuelle Welten erinnert, in denen nicht nur alles möglich ist, sondern auch noch immer neue Leben zur Verfügung stehen, mit denen der nächste Einsatz machbar wird. Alles beginnt mit einer Szene, die den kolonialen Bemühungen der Briten in Afghanistan oder Indien entlehnt scheint. Unter den Soldaten, die mutig, aber taktisch unklug gegen die einzunehmende Festung anrennen, ist auch Valerian. Bald treffen ihn die Kugeln. Als Leser, der auf die Überraschungen von Christin und Mezieres geradezu wartet, trifft die unerwartete Wendung doch ins Mark. Mit sehr hoher Geschicklichkeit spinnt Christin den Faden fort und schickt Valerian ein ums andere Mal in weitere ausweglose Situationen, bis sich ein Muster abzeichnet und die Auflösung ein gewisses Moebius-Element hineinbringt.

Eher klassisch abenteuerlich findet sich Valerian in einer Hatz auf Die Insel der Kinder wieder. Hier ist Veronique mehr zum Zuschauen verurteilt, bis sie schließlich doch noch das Heft in die Hand nimmt und ihren Valerian rettet. Nach der Rätselhaftigkeit der ersten beiden Geschichten erzählt Christin wieder geradliniger, auch mit sehr viel mehr Humor, indem ganz offen auf Moebius (und Jodorowsky ebenfalls) angespielt wird. Allein bei dieser kleinen Hommage zeigt sich beispielhaft der große humorige Anteil der Handlung, die gleichzeitig viele Heldenabenteuer und Sagen karikiert.

Wieder einmal für jeden Geschmack etwas dabei: Deutlich rätselhafter fallen die ersten beiden Episoden aus, abenteuerlicher und lustiger ist die dritte Geschichte. Immer ist das phantastische Element sehr stark ausgeprägt, wie immer ist der Einfallsreichtum der beiden Comic-Macher bewundernswert. Die Reihe präsentiert sich einmal mehr als Paradebeispiel der Space Opera. :-)

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Montag, 05. Dezember 2011

Luc Orient Gesamtausgabe 4

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 13:42

Luc Orient Gesamtausgabe 4Die Jabrakk durchkreuzt das All. Innerhalb des Sternenschiffes herrschen eigene Gesetze. Die Zeit verläuft anders. Für die Besatzung, darunter auch einige Menschen, ist der gigantische durchs All jagende Komplex wie ein Kokon. Leider haben sich die Dartz, jene humanoiden Raumfahrer aus einer weit entfernten Galaxis, allzu sehr auf ihre Computer verlassen. Eines Tages macht Professor Kala, der zusammen mit seinen Assistenten Luc Orient und Lora Jordan an Bord ist, die fürchterliche Entdeckung, dass sich die Wasservorräte dem Ende zuneigen. Neu produzierte Getränke entpuppen sich als pures Gift. Die Maschinen wehren sich gegen ihre Programmierer. Eine Ursache ist nicht erkennbar.

Damit das Problem zunächst umgangen werden kann, suchen die Raumfahrer fieberhaft nach einer Zwischenstation im All, wo sie gewissermaßen auftanken können. Doch das ist leichter gesagt, als getan, denn obwohl das Weltall eine unvorstellbare Weite besitzt, ist der Fund von Wasser doch nicht leicht. Der nächstgelegene Planet, der Abhilfe schaffen könnte, besitzt eine absolut lebensfeindliche Atmosphäre. Schlimmer noch: Die gewaltigen Stürme, die auf ihm toben, könnten auch die Jabrakk zerstören.

Zurück ins All mit neuen Freunden: Freunde? Kala, Orient und den anderen wird schnell bewusst, dass sie immer noch Gäste sind. Die Dartz haben das Sagen und verschleiern diesen Aspekt der Zusammenarbeit keineswegs. Mit über drei Millionen Dartz an Bord besteht allerdings auch kein Zweifel, wie die Gewichtung auf der Jabrakk aussieht. Die anderen menschlichen Begleiter, aus ihrer Zeit entführt, zwei Franzosen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie zwei römische Legionäre, sehen in der Reise ein großes Abenteuer. Eine Rückkehr gibt es für sie nicht. In der Folge stellen sie sich jedoch als nicht unwichtige Begleiter heraus.

Ziel Terango: Zurück zu den Wurzeln. Obwohl sich mittlerweile andere, erdgebundene Abenteuer um Luc Orient abgespielt haben, konnten die beiden Comic-Macher Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner und durchaus Mitautor) nicht ganz von den Wurzeln der Serie, dem Ort, wo sich das große Abenteuer herausbildete, lassen. Der Planet Terango, wo unter menschlicher Mithilfe ein Diktator besiegt worden war, soll eine Heimat für einen Neuanfang der Dartz werden.

Als die Frauen noch Schwänze hatten: Mag es jener Trash-Klassiker mit Senta Berger gewesen sein, der Eddy Paape zur Gestaltung der Amazonen inspirierte, die sich auf dem Titelbild des vierten Bandes der Gesamtausgabe befinden? Das kann nicht beantwortet werden. Zeitlich würde es hinkommen. Darüber hinaus allerdings hat die Handlung nichts jenem Film gemein. Vielmehr tobt sich Paape auf Terango aus und gestaltet einen neuen Teil jener wundersamen Welt. In seiner geradlinigen und einfallsreichen Art zu zeichnen könnte er sich nahtlos in die moderne Comic-Veröffentlichungen einreihen, obwohl die vorliegenden Arbeiten teilweise über 30 Jahre zurückliegen.

Ein alter Feind ermöglicht den Brückenschlag: Julius Argos, eine Art kriminelles Genie, entpuppt sich ausgerechnet als derjenige, der zur Rettung der Menschen beitragen könnte. In jedem Band ist es immer wieder faszinierend, wie Greg und Paape Haken schlagen und ihre Geschichten erzählen. Nichts ist unmöglich, ließe sich sagen vor den Eindrücken dieser bunten, prallen Science-Fiction-Opera, die nicht mit Einfällen geizt, sondern auch von Geschichte zu Geschichte zu überraschen versteht. So kann es sogar vorkommen, dass die Guten auch zu Bösen werden.

Erzählen mit Freude an den Charakteren, am Genre und am Medium: Das war Greg einerseits und das leistete Eddy Paape mit Luc Orient optisch. Ein pralles Lesevergnügen mit neuen außerirdischen Freunden, den Dartz, spannend und unterhaltsam von Anfang bis Ende. :-)

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Freitag, 25. November 2011

Die Schiffbrüchigen von Ythaq 9

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 12:32

Die Schiffbrüchigen von Ythaq 9 - Die unfassbare WahrheitDie Welt ist nicht das, was sie zu sein scheint. Tief im Inneren, verborgen und leblos, windet sich eine ehemals organische Struktur durch den Planeten. Aber ist der gigantische Leib auch zur Unbeweglichkeit verdammt, so ist der Geist doch rege und auf Suche nach einer Kreatur, die ihm zum Ausbruch verhelfen kann. Und diese Kreatur ist … Andere haben in diesen Tagen weitausweltlichere Schwierigkeiten. Kurz gesagt: Sie wollen nur überleben. Doch nicht nur der Planet selbst mit seinen mannigfaltigen Gefahren ist ein großes Hindernis für dieses Ziel. Von außerhalb des Planeten hat sich eine Militäreinheit eingefunden, eingetroffen, um das Geheimnis des Planeten zu ergründen. Natürlich mit der gebotenen Sensibilität, die Militärs nun einmal innewohnt.

Die angestrebte Lösung der Soldaten ist wieder einmal radikal und endgültig. Granit, die ehemalige Navigatorin des Raumkreuzers Kometenstaub, gerade noch der Gefangenschaft entkommen, muss nun zusammen mit ihren Freunden ums nackte Leben bangen, beinahe im wahrsten Sinne des Wortes. Nur langsam begreifen sie, dass nicht nur ihre Existenz, sondern die aller Lebewesen des Planeten Ythaq auf dem Spiel steht.

Der 9. Band der erfolgreichen Reihe über Die Schiffbrüchigen von Ythaq bringt die Auflösung des riesigen Rätsels hinter den Auseinandersetzungen derer, die mit den Kräften der Elemente gesegnet sind. Obwohl Segnung vielleicht der falsche Begriff ist, denn die Schicksale derer, die über Feuer, Wasser, Luft und Erde endeten häufig mit dem Tod. Ein weltumspannendes Rätsel verlangt nach einer ebensolch großen Lösung und Christophe Arleston, bekannter Autor des Comic-Universums Troy, entwickelt ein Finale, dem eigentlich kein einziger Held dieser Serie gewachsen sein kann. Eigentlich.

Auf Ythaq, das haben die bisherigen acht Episoden gezeigt, ist alles möglich dank Arlestons Erfindungsreichtum. Da die bereits erzählte Geschichte mit nicht wenigen Superlativen aufwarten konnte, lässt Arleston es am Ende so richtig krachen. Entsprechend fällt die Aufgabe von Zeichner Adrien Floch, der die Reihe von Anbeginn betreut hat und auch an ihr gewachsen ist. Die Ansichten leben von sehr vielen Details, die den Künstler vor immer neue Aufgaben stellen. Es gibt nicht den Landstrich, das Volk, das darzustellen ist. Mit jeder neuen Episode wuchs die Vielfalt, die mit der letzten Folge weiterhin zunimmt.

Kein Unterschied zwischen Titelbildqualität und Innenseiten: Floch zeichnet allenfalls innen mehr Einzelheiten und kann zwischen typisch technischen Science-Fiction-Ansichten und Darstellungen von eher uriger Fantasy-Bildern pendeln. Er arbeitet gerne ausgewogen mit Vordergründen und Umgebungen, schafft Tiefe und erzeugt größere Dichte. An anderer Stelle holt er die Charaktere schön heran, sogar bis nah an die Augen und spielt mit den Seherfahrungen, die Cineasten nun einmal kennen.

Die Strichführung ist stark zu nennen, selbstbewusst und legt sich selbst keine Regeln auf. Deckende schwarze Schatten, großflächig ausgeführt, lösen sich mit sehr feinen Schraffuren ab. Geschwungene Linien stehen im Gegensatz zu besonders kantigen Formen oder den sehr individuell gezeichneten Dschungelansichten, wo es eben wächst. Floch verpflichtet sich der jeweiligen Szene. Im Ergebnis finden sich auf jeder Seite sehr schöne und dynamische Gesamteindrücke, an denen die Augen gerne haften bleiben, einfach, weil es gut aussieht.

Ein gelungener Abschluss, wie es sich für ein Finale gehört, sogar in Blockbusterqualität erzählt und gezeigt. Die Kenntnis der bisherigen Handlung ist Pflicht zum Verständnis des 9. und letzten Bandes der Reihe. Weitere Ausflüge nach Ythaq wären jedoch sicher machbar und aus Lesersicht wünschenswert. :-)

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Dienstag, 22. November 2011

Star Trek - McCoy

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 17:28

Star Trek - McCoyDr. McCoy und Theela befinden sich inmitten eines Schlachtfeldes und flüchten um ihr Leben. Duncan, der dritte Mann ihres Teams, ist verschwunden. Beide machen sich große Sorgen, unternehmen können sie indes nichts. Als sie kurz darauf gefangen genommen werden, Ein alter Bekannter, Gary Seven, klärt McCoy über die Hintergründe des Krieges auf, in den sie völlig ohne Vorwarnung geraten sind. Das Leben der kleinen Gruppe steht auf des Messers Schneide. Eine Fluchtmöglichkeit scheint es nicht zu geben, eine Lösung des Problems kann erst gar nicht in Erwägung gezogen werden. Die Lage ist, wie so oft und Dr. McCoy kennt sich aus, aussichtslos.

Mag der erste Star-Trek-Kinofilm so manchen Fans auch nicht den Geist der originalen Serie eingefangen haben, so gehört er dennoch zur Chronologie der Reihe. Und so stellt sich die Frage, wie manches Besatzungsmitglied seine Zeit zwischen den Einsätzen auf dem Fernsehschirm und jenem ersten Kinoauftritt verbracht hat. Der Comic-Autor und Zeichner John Byrne (u. a. Die fantastischen Vier, Die Rächer) hat sich dieses Themas angenommen und die Lücken im Lebenslauf von Dr. McCoy mit viel Gespür für die knurrige Star-Trek-Figur geschlossen.

Der Mann mit dem Bart: Wer ihn vermisst hatte, bekam ein erstaunliches Bild zu sehen, als Leonard McCoy im ersten Star-Trek-Kinofilm von der Transporterplattform trat und einmal mehr überprüfte, ob während des Beamens nicht noch Teile im Nirgendwo verblieben waren. Die hier vorliegenden gesammelten Abenteuer erzählen von McCoys Abenteuern auf dem vergleichsweise kleinen Raumschiff Joanna. An seiner Seite lernt der Leser neue Weggefährten kennen: Duncan und die anfänglich etwas ruppige und hochnäsige Theela, eine Angehörige des Volkes der Andorianer.

Das erste Abenteuer ist typisch für den Aufbau der frühen Fernsehfolgen der Original-Serie wie auch der ersten Staffel der Neuen Generation, bevor sich rote Fäden innerhalb des Universums richtig etablierten. Neuer Planet, neues Rätsel: Ein Planet wehrt sich. So könnte die Episode auch heißen. Aber Unkraut trifft es auch. Wie aus den Serien bekannt, müssen sich die Charaktere wenn schon nicht lieben lernen, so doch wenigstens zusammenraufen. Ruppige Theela trifft auf knurrigen McCoy, keiner will sich etwas vom anderen sagen lassen. Gar keine Frage, dass alsbald hier die verbalen Fetzen fliegen. Aber auf den Konflikt folgt gemäß eines Grundgesetzes von Star Trek auch bald die Annäherung, wenn nicht gar die Versöhnung.

So setzt sich die aufmüpfige Theela sehr bald schon für den Doktor ein. John Byrne, der Comic-Veteran, ahnt auch, dass neue Gesichter vielleicht nicht ausreichend sind, um den Fan zu fesseln. In kleinen Rahmenhandlungen begegnet der Leser so auch einem belustigten James T. Kirk, der sich die Abenteuer seines alten Freundes McCoy in Tagebuchform zu Gemüte führt. Etwas intensiver steigt Montgomery Scott, der an dieser Stelle allseits bekannte Chefingenieur der Enterprise, in die zweite Episode im vorliegenden Band ein. Ebenso finden sich Dr. Chapel und Nummer Eins, die bereits unter Captain Pike diente und inzwischen Admiral ist. Interessanterweise wurden in der Serie beide von Majel Barrett gespielt.

Byrne zeichnet realistisch und wiedererkennbar. Man könnte behaupten, McCoys Bart mache ihm die Darstellung leichter, ihm gelingen die übrigen Bekannten jedoch auf Anhieb. Die flink ausgeführten Tuschestriche sitzen und explodieren nur selten in der alten Marvel-Manier, die schon bei Jack Kirby und John Buscema zu finden ist. Die Zeichnungen sind teilweise auch minimalistisch zu nennen, doch Byrne hat für sich einen Weg gefunden, einen runden Mittelweg aus Erzählung und Zeichnung zu beschreiten, der hier hervorragend funktioniert.

Für Fans der Star-Trek-Reihe: Sehr schön gezeichnet, von einem Urgestein des Comic-Genres, John Byrne, der die bekannten Gesichter fein einfängt. Darüber hinaus versteckt Byrne viele Anspielungen, verschafft einzelnen Charakteren neue Auftritte und zeigt ganz nebenbei, was aus dem einen oder anderen noch bei der Sternenflotte geworden ist. Das ist tolle Star-Trek-Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. :-)

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Sonntag, 16. Oktober 2011

Luc Orient Gesamtausgabe 3

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 16:00

Luc Orient Gesamtausgabe 3Die Welt wird untergehen! Es wird nicht geschehen, wie es von vielen Menschen befürchtet wird, aus eigenem Antrieb, wegen Krieg oder Umweltverschmutzung: Nein, ein Außerirdischer hat entschieden, dass die Menschheit nicht auf den richtigen Weg zu bringen ist und eine Gefahr darstellt. Die vollständige Vernichtung scheint die einzige Lösung zu sein. Da der Erpresser weltweit zuschlägt und der Menschheit ein Ultimatum stellt, haben es Luc Orient und seine Freunde schwer, dem Unbekannten, der sich selbst Zerstörer nennt, zu begegnen. Wie ernst der Fremde seine Drohung meint, zeigt sich schnell, wenn Die letzten 24 Stunden der Erde anbrechen.

Fremde Welten hier auf der Erde: Professor Kala hat es in zu Forschungszwecken in die Berge verschlagen. Kurz darauf muss Luc Orient eingreifen. Kala ist verschwunden. Ausgerechnet Ameisensäure führt die Suchenden auf eine unglaubliche Fährte. Inmitten eines Urlaubsparadieses für Skifahrer machen sie eine Entdeckung, die gleichzeitig einen Teil der menschlichen Geschichte neu schreibt.

Ideenreichtum: Wenn Greg (Autor) und Eddy Paape (Zeichner) erzählen, dann darf sich der Leser entspannt zurücklehnen und diese wahnsinnig tollen Einfälle genießen. 1975 entstand Die letzten 24 Stunden der Erde, sicherlich eine Hommage an Der Tag, an dem die Erde stillstand (die alte Version mit Michael Rennie), dennoch erinnert sie durch die Vorgehensweise des Zerstörers an die neue Version mit Keanu Reaves. Mit der Geschichte um eine vergangene Zivilisation, dem Konstrukt eines Bewahrers oder besonderen Beschützers, wandelten sie mit der Geschichte In den Fängen der Ameisenmenschen auf der Linie einiger Star-Trek-Folgen, in denen sich ein mächtiges Wesen der Ordnung eines kleinen Volkes annimmt.

Der Sprung in die Vergangenheit führt den franko-belgischen Flash Fordon auf die Spuren von Klassikern wie Die vergessene Welt von Arthur Conan Doyle. In solchen Welten ist alles möglich. Längst ausgestorbene Tiere geben sich die imaginäre Klinke in die Hand. Gefahren lauern allerorten und der Weg der Helden führt mittendurch. Greg und Paape engen sich nicht ein. Ob streng konstruiert, frei von der Leber weg erzählt oder mit einem locker-flockigen Action-Abenteuer: Die beiden Comic-Macher legten ihrem Helden kein Korsett. Immer wieder anders, immer wieder neu, hieß die Devise. Und so kam es zu einer Episode, die in dieser Vielfalt der Ideen einen vorläufigen Richtungswechsel der Reihe einschlug.

Das Kristalltor: So lautet der Titel des vierten Albums in dieser dritten Sammelausgabe. Luc Orient erhält nicht nur Mitstreiter aus der Vergangenheit, ihn verschlägt es auch noch in eine Zukunft, während seine einstigen Gefährten den normalen Lebensweg beschritten haben und nun alt sind. Neue Außerirdische, ganz anders als jene, die Luc Orient auf Terango kennenlernte werden zu neuen Freunden. Natürlich gestaltet sich diese Annäherung bei weitem nicht so einfach. Die Strichführung von Eddy Paape macht aus diesem Zeitabschnitt der Luc-Orient-Abenteuer schon wieder modern ausschauende SciFi-Geschichten, die ebenso gut neu erschienen sein könnten, hätten nicht die Handlungen einen gewissen Retro-Charme und wären sie nicht so oft von anderen in der Folge kopiert worden.

Sehr abwechslungsreich, mit sehr hohem Einfallsreichtum, voller Überraschungen und mit feinen Zeichnungen inszeniert: Allein durch diese vier Geschichten ist der Erfolg der gesamten Reihe erklärbar. Greg und Paape waren in der Tat ein Traum-Comic-Duo. :-)

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Montag, 10. Oktober 2011

GIPSY 1 - Der Stern des Zigeuners

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 18:58

GIPSY 1 - Der Stern des ZigeunersTsagoi ist nicht gern gesehen. Aber Tsagoi ist charakterstark, denn er ist nirgends so recht gern gesehen. Die Fahrer der Lastwagen machen sich das Leben gegenseitig so schwer es eben geht. Nur Tsagoi wollen sie es noch ein wenig schwerer machen. Sicher, für Tsagoi geht es einmal mehr um Leben und Tod, doch da kennt er bereits seit frühester Jugend. Irgend so ein Großmaul mit abgerichteten Hunden macht ihm auch keine Angst. Allerdings weiß Tsagoi auch, wann es besser ist, die Beine unter den Arm zu nehmen. Dies macht umso mehr Sinn, wenn es gilt, die kleine Schwester, die das harte Truckerleben überhaupt nicht kennt, nicht nur sprichwörtlich aus der Schussbahn zu holen.

1992 glaubte man noch, das Ozonloch werde einmal die Bedrohung für die Menschheit sein. In Gipsy wurde dieser Faden weitergesponnen. Längst ist das Ozonloch gigantisch. Die Folge: Flugverkehr findet so gut wie keiner mehr statt. Lastkraftwagen haben den Transportverkehr erobert. Eine der gefährlichsten Routen, Hauptadern könnte man sagen, ist die C3C, die Circumpolar 3 Continental. Diese hat besonders schwierige Abschnitte, hoch oben im Norden gelegen. Die Routen führen durch das ewige Eis, werden stellenwesie von Banditen belagert und sind doch heiß umkämpft, denn je höher die Gefahr, desto größer der Ertrag.

Thierry Smolderen beschreibt einen abenteuerlichen Auftakt, indem er dem Leser gleich zwei Charaktere vorstellt: Tsagoi ist bereits als Junge knallhart, lässt sich nichts bieten und ist nicht zimperlich in der Wahl der Mittel. Oblivia, die kleine Schwester, für die er eine Verantwortung verspürt, die als ehrlich, aber auch mürrisch, zerknirscht beschrieben werden kann. Während Tsagoi auf der Straße seinen Weg geht, wächst Oblivia in einem Internat heran. In dieser sauberen Umgebung, die Tsagoi seiner Schwester gewünscht hat, fernab des wahren, schlechten Lebens, unterliegt Oblivia einer Täuschung. Ihre Herkunft wird sie den anderen immer entfremden, deren Nasen noch höher getragen werden als jene von Oblivia, die sich über die üblen Manieren und das Macho-Gehabe des großen Bruders sehr aufregt.

Aus dem Jungen ist ein Mann geworden, der sich noch weniger bieten lässt, da jede Herausforderung für ihn mit dem Tode enden kann. Aus Tsagois Leben ist ein Spiel um Alles oder Nichts geworden. Die Schilderungen von Thierry Smolderen sind von der ersten Seite an höchst intensiv und mitreißend. Die sechsteilige Geschichte bedient sich nicht nur einer asiatisch anmutenden Grafik, sie verwendet auch jene außergewöhnliche Erzähltechnik, die kaum Zeit zum Luftholen lässt.

Bevor sich Zeichner Enrico Marini historischen Themen widmete (Der Skorpion), Die Adler Roms), arbeitete er stilistisch in einer Form, die Fans von Mangas, besser noch von Katsuhiro Otomo (Akira) sehr bekannt finden werden. Marini verwendet selbstverständlich die westliche Leserichtung, aber darüber hinaus könnte er ein Schüler von Katsuhiro Otomo gewesen sein. Zweifellos aber ist er ein Freund dieser künstlerischen Comic-Ausrichtung. Das Titelbild ist hier etwas feiner ausgearbeitet als die eigentlichen Comic-Seiten, hat er hier eine Technik gewählt die deutlich gemäldeartiger ist.

Im Innenteil jedoch wird Wert auf optische Geschwindigkeit gelegt. Dies betrifft nicht nur einen manchmal schnell wirkenden, skizzenartigen Stil, wie er von Mangas sattsam bekannt ist, auch entsprechende Kameraeinstellungen finden sich. Der Blick ist entweder nahe dabei oder befindet sich im Schlepptau eines Objekts. Das können angreifende Hunde sein oder auch, weitaus häufiger, Lastkraftwagen, die sich in bester Mad-Max-Manier harte Rennen liefern, bei dem nicht nur die Fahrzeuge auf der Strecke bleiben.

Die Jagd beginnt: Waffen für Sibirien. In der politischen Ordnung der von Smolderen beschriebenen Welt hat sich einiges getan. Das mutet seltsam an, aber es ist auch nicht so verrückt, dass es vom Standpunkt der 90er Jahre nicht ins Auge zu fassen wäre. Die Verfolgungsjagd durch das inzwischen ewige Eis ist nicht einmal der Wahnwitz an dieser Jagd. Hatte das Wagenrennen einen gewissen Anklang von Mad Max, kommt mit dem Auftauchen mongolischer Wegelagerer echte Heavy-Metal-Stimmung auf. Zu diesem Zeitpunkt heißt es dann nur noch: Anschnallen!

Ein Knaller! Stellt sich eigentlich nur die Frage: Warum erst jetzt? Der erste Teil von Gipsy hat alles, was einen guten Action-Knaller im Comic ausmacht, gekrnt von einem zwar knallharten, aber auch rotzfrechen und irgendwie liebenswerten Helden. Klasse! :-)

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Freitag, 30. September 2011

Siebengestirn 2 - Angusalem

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 18:39

Siebengestirn 2 - AngusalemDer Professor hat kein leichtes Leben. Irgendwie scheinen seine Versuchsobjekte nicht so recht zu wollen. Auch scheinen sie die Behandlung nicht zu mögen. Mit eigentümlicher Kälte setzt der Mann seine Tätigkeit, nicht ahnend, dass sich bald eine Veränderung in seinem Leben ergeben wird. Zu seinem Nachteil. Die kleine Kanone, eine junge Frau, soll zuvor für weitere absonderliche Experimente zur Verfügung stehen. Chronover, der Fremde, der sich in die Wüste gerettet und der kleinen Gemeinschaft von Nomaden angeschlossen hat, muss selbst um sein Leben fürchten. Die Überwindung dieses Horts des Wahnsinns ist noch lange nicht das Ende von Chronovers Reise.

Nicht nur einer flog über das Kuckucksnest: Mitten in der Wüste, im Nirgendwo treibt ein Mad Scientist, ein verrückter Wissenschaftler, sein Unwesen, betreibt Experimente mit Menschen, zerstört Körper und Geist, bestrebt neue Ordnungen nach seinen (sehr kranken) Ideen zu kreieren. Andre Houot, weiterhin bildlich in einer Mischung eines Moebius () und eines Eric Stalner (Die Legende von Malemort) arbeitend, gewährt neue Einblicke in die Welt von Siebengestirn. Es sind schön und technisch perfekt gezeichnete Einblicke, gleichzeitig aber auch eine alptraumhafte Welt.

Siebengestirn, genauer die verbotene Zone, ist eine Welt, die ihren Zusammenbruch schon lange hinter sich gebracht hat. Es gibt Leben in dieser Welt, allerdings ist es ein seltsames, ein genügsames auch, mitunter ist es auch ein gruseliges. Andre Houot begnügt sich nicht mit verrückten Wissenschaftlern. Auch Cyborgs machen dem Helden, Chronover, das Leben schwer. Einiges von dem mögen Anklänge von anderen Geschichten sein, vielleicht die berühmte Verbeugung vor dem Original, vielleicht ist es aber auch nur reiner Zufall. Wenn allerdings eine Mixtur aus gigantischer Krabbe und Skorpion in das Geschehen eingreift, mag der Genre-Fan auch an die zweite Episode von Der dunkle Turm oder an Straße der Verdammnis denken.

Die von Houot gezeichneten Trümmer einer vergangenen Zivilisation lassen sehr gut erahnen, wie es einmal ausgesehen haben muss. Vieles erinnert an die reale Welt. Häuserruinen von Wohnblocks, U-Bahntunnel, Gleisstrecken, alte Ordnungen, die vom Sand überflutet wurden. Mancherorts zeichnet Houot ausgetrocknete Leichen, von Staub überzogen, in dem Moment erstarrt, als das alltägliche Leben auf den Straßen plötzlich zu enden schien. Auch die Charaktere in dieser Geschichte wundern sich über diese Darstellung des Zusammenbruchs.

Die Stimmung des vorliegenden zweiten Bandes der Reihe bietet Spannung, geboren aus einem gut konstruierten Inhalt und ein wenig Ekel, der beim Anblick der Experimente und den daraus resultierenden Ergebnissen zwangsläufig entsteht. Houot zeigt beileibe nicht alles und überlässt vieles den Gedankenspielen des Lesers. Aber Houot wartet auch mit Melancholie auf. Die junge Frau findet eine Schachtel Zigaretten, mehr als zehn Jahre alt, unrauchbar, aber immerhin äußerlich gut erhalten. Ein Relikt des Überflusses, ein winziges Erinnerungsstück an eine intakte Zivilisation.

Chronover ist kein Roland, kein Revolvermann, wie ihn Stephen King für den Dunklen Turm entwarf, auch fehlt jegliche Magie, doch die Grundstimmung, das Abgründige, ist teilweise auch hier zu finden. Mit einer Prise Mad Max abgeschmeckt.

Eine konsequente, sehr düstere Fortsetzung. Angusalem, in Anlehnung an die gelobte Stadt, ist tot, verderbt. Die Geschichte bietet eine unheimliche Endzeithandlung, ein Roadmovie durch zerstörtes Land. Toll gezeichnet, voller Details gestaltet. Fans von Endzeitszenarien sollten einen Blick riskieren. :-)

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Luc Orient Gesamtausgabe 2

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 12:19

Luc Orient Gesamtausgabe 2Der Aufenthaltsort der Rebellen wurde lokalisiert. Die Vernichtungsmaschinen setzen sich in Bewegung, unaufhaltsam. Ihre Waffen sind simpel, armlange zugespitzte Pflöcke, doch die Wirkung ist so gefährlich wie durchschlagend. Waffen können nicht helfen. Professor Kala, ein menschlicher Wissenschaftler auf der Seite der Rebellen Terango, setzt auf einen anderen Abwehrplan, der allerdings ein Risiko birgt.

Abschied vom Planeten Terango, Rückkehr zur guten alten Mutter Erde. Doch zuvor schicken Greg und Eddy Paape ihre Helden noch einmal in ein unglaubliches Abenteuer auf dieser fernen Welt. In Der stählerne Wald wecken die auf dem Titelbild aufmarschierenden metallenen Ungeheuer natürlich gleich Erinnerungen an andere Dreibeiner, nicht nur an jene von von H.G. Wells sondern auch an die dreibeinigen Herrscher.

Greg vergisst allerdings nicht, eine gedankliche Brücke zur Erde zu schlagen und holt einen Erzfeind von Luc Orient nach Terango. Der Leser verfolgt den Aufbau der neuen Waffe des Tyrannen, die gegen die Rebellen zum Einsatz kommen soll. In kleineren Sequenzen wird die Spannungsschraube angedreht, indem Orient ebenfalls eine neue Waffe überbracht wird und eine Warnung überbracht wird. So strebt das Weltraumabenteuer einem perfekt vorbereiteten Finale zu.

Der Abschied von den Bewohnern von Terango fällt nicht leicht. Der Leser durfte immerhin drei verschiedene Völker kennenlernen (eigentlich vier, nimmt man es besonders genau). Greg, einer der ganz Großen der Comic-Erzähler, bewegt sich auch stilsicher durch diese fremde Welt, ließ seiner Phantasie freien Lauf. Aber daheim ist es nicht nur am schönsten, es (die Erde) hat auch noch einige Geheimnisse zu bieten.

Die Grundidee zu Phantome des Lichts ist einfach: Es existieren verschiedene Arten von Licht. Jede beeinflusst die Wahrnehmung anders. So stellt Lucs Kollege Professor Kala jedenfalls fest. Sieben Stück hat er bereits entdeckt. Leider haben diese Lichtvarianten noch eine andere Eigenschaft, besonders dann, wenn ein Mensch ihnen gleichzeitig ausgesetzt ist. Luc und seine Kollegin Lora werden zu Phantomen. Greg lässt den ersten Schrecken über diese Zustand verstreichen (der in einem anderen Comic-Universum eine besondere Eigenschaft von Superhelden war) und nutzt die Fähigkeiten zur Lsung eines weiteren Falls.

Eddy Paape, der als Zeichner die Reihe nicht begleitet, sondern maßgeblich mitgestaltet hat, kann hier sehr viel erdgebundener sein, aber auch psychedelische Effekte einsetzen. Paape kann ebenfalls für sich in Anspruch nehmen, seinen Figuren einen individuellen Strich zu verleihen. Gerade den jünger ausschauenden Charakteren haftet zuweilen etwas elfenhaftes an: Schmale Gesichter, große Augen, eine insgesamt zarte Struktur, was auch auf Luc Orient selbst zutrifft.

Paapes Stärken liegen sicherlich in der Gestaltung phantastischer Elemente, aber aus heutiger Sicht sind seine Abbildungen der damaligen Gegenwart interessant und ganz bestimmt kann auch ein Nostalgiker mal ein Tränchen verdrücken. Besonders solche, die Autonarren sind, können sich an den Fahrzeugen eines Luc Orient erfreuen, der zwar Wissenschaftler ist, aber auch ein gewisses Playboy-Image besitzt. Sein Opel GT wird hier regelrecht zelebriert, bevor die Handlung von Der Krater des Verderbens in eine frühe Vorläufervariante einer Wutvirusgeschichte mündet.

In diesem wie auch dem folgenden Abenteuer Im Bann der teuflischen Strahlen hat Paape anscheinend an seiner Tuscheführung gearbeitet (oder jemand anderes hat den Part übernommen). Die Linien sind genauer gezogen, insgesamt feiner, so dass sich der Effekt von Paapes zerbrechlichen Strukturen verstärkt.

Mit vier Abenteuern wird das rasante Leben von Luc Orient forterzählt. Besonders überzeugen können die beiden abschließenden Folgen. In einer Mischung aus paranoidem Kammerspiel und Psychostudie sowie unterhaltender Hommage an das Superheldengenre sind Greg und Paape mit diesen Inszenierungen immer noch auf der Höhe der Zeit. :-)

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Donnerstag, 29. September 2011

Golden Cup 1 - Daytona

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 18:06

Golden Cup 1 - DaytonaDer Junge kann fahren! Er hat ein natürliches Talent. Er lenkt im richtigen Moment, hohe Geschwindigkeiten schrecken ihn nicht. Aber er ist auch zu risikofreudig. Als die Seifenkisten den engen Parcours herunterjagen, sind seine Manöver waghalsig und kosten schließlich seiner Schwester beinahe das Leben. Der Junge mit dem Namen Daytona hat keine Wahl. Da weder er noch seine Mutter in der Lage sind für eine vernünftige medizinische Versorgung der Schwester zu sorgen, geht Daytona einen Handel ein, der ihn an eine Rennunternehmung bindet, bis die Schulden abbezahlt sind.

Andernorts sind manche Menschen durch ihre Herkunft mit weniger Sorgen behaftet. Doch Reichtum macht sie auch zur Zielscheibe. Kelly Styler, die das Internat verlässt und sich zunächst auf der Heimreise wähnt, steckt bald in einer handfesten Entführung. Und das Opfer ist sie! Zurück in der Welt, im Universum der Science-Fiction-Geschichte von Golden City, jener Seeheimat der Superreichen des Planeten Erde, erzählt Daniel Pecqueur nun aus einer anderen Perspektive. Die Welt, wie sie hier gezeigt wird, ist mehr zur Seenlandschaft geworden. Einzig an den Küsten scheint das Leben noch möglich zu sein. Im Inland, so wie es hier gezeigt wird, regiert wüste Ödnis.

Die Möglichkeiten, in einer solchen Umgebung einem halbwegs normalen, auch geregelten Leben nachzugehen, sind nicht einfach. Und manchmal scheint erhöhtes Risiko auch der ständige Begleiter zu sein. Ehrliche Menschen sind schwer zu finden. Finten gehören dazu, jeder wurschelt sich durch. Hin und wieder jedoch ergeben sich Freundschaften und Chancen. Daytona, der sich einem Rennzirkus anschließt, um seiner Schwester finanziell helfen zu können, findet schließlich einen solchen Freund durch puren Zufall und nach langer Reise. Die Erzählung seiner Geschichte bis zu diesem Punkt ist ruhige Science Fiction, nicht reißerisch (gut!) und sehr auf die Person fixiert, die von Daniel Pecqueur sehr sympathisch entworfen wurde.

Dem gegenüber steht zunächst der Geschäftsmann Burt Styler, der trotz Sicherheitsvorkehrungen erfahren muss, dass seine Tochter entführt. Styler, ein Mann, der sich ähnlich wie Mel Gibson in Kopfgeld dazu entschließt, nicht zu bezahlen, sondern den Entführern das Handwerk zu legen, geht mit außergewöhnlicher Härte vor. Dieses Vorgehen berrascht bei einem Geschäftsmann und zieht gleichzeitig die Spannungskurve steil nach oben.

Alain Henriet nimmt die Vorgaben des Euromanga-Stils der Ursprungsserie auf. Obwohl der Begriff Euromanga eine stilistische Aussage trifft, ist dies dennoch zu kurz gegriffen. Wie in Golden City wird grafisch auch in Golden Cup nichts dem Zufall überlassen. Strichstärken weisen keinerlei Ausbrüche auf, weshalb der erste Eindruck ein strenger, architektonischer und konstruierter ist. Allerdings ist dies im Hinblick auf futuristischen Darstellungen von Fahrzeugen gewollt. Hier erlebt der Leser solche Gefährte in Aktion, die ansonsten als Studien auf Automessen vorgesellt werden.

Die Landschaften sind, sofern sich Tupfer von grünen Pflanzen mit dem Blau des Meeres mischen, sehr idyllisch. In ihnen gehen entweder die prachtvollen Gebäude der reichen Bevölkerung dieser Zukunftsfantasie auf oder sie werden von den Baracken der ärmeren Bevölkerung durchbrochen. Daniel Pecqueur entwirft eine Welt, in der ein Mittelweg, die allseits beschworene Mittelschicht, keinen nennenswerten Stellenwert mehr hat.

Ein neuer Ausflug in die Welt von Golden City: In einer Mischung aus Rennfahrergeschichte und Entführungsdrama kann der Leser einem kurzweiligen Abenteuer folgen, das den Auftakt zu einer Serie bildet, denn Daytona steht erst am Beginn seiner Rennfahrerkarriere. :-)

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Dienstag, 27. September 2011

Perry 139

Abgelegt unter: SciFi — Michael um 18:27

Perry 139Das Rhodan-Sternenobservatorium in Berlin-Potsdam: In der Stille der Nacht befürchtet an dieser ehrwürdigen Forschungsstätte niemand etwas Böses. Auch Cristoforus Esteban Rhodan, kurz Crest, glaubt sich hier sicher. Mit diesen Irrtum räumen zwei ganz in Schwarz gekleidete Einbrecher auf. Inmitten der Papiere scheinen sie das Gewünschte zu finden, entscheiden sich allerdings außerdem dafür, den Institutsleiter gleich mitzunehmen. Als Perry Rhodan, der Neffe von Crest, am nächsten Morgen das verwüstete Büro des Onkels betritt, beginnt ein außergewöhnliches Abenteuer.

Finale: Wer auf den Showdown der bisherigen heftübergreifenden Geschichte gewartet hat, kann diese nun in einer rund 30seitigen Geschichte erleben. Da ein reiner Comic in dieser Form nicht möglich war, geht man in der 139. Ausgabe der Reihe Perry einen Mittelweg. Der Text wird mit schwarzweißen Illustrationen versehen. So veranschaulicht kann die Handlung mit einigen Überraschungen aufwarten. Ein besonderer Höhepunkt ist sicherlich der Auftritt des Wächters der Gruft, der SciFi-Nostalgiker vielleicht sogar an ein Spukschloss im Weltall denken lässt. Die sehr aktionsgeladene Geschichte driftet schließlich einem sehr einfallsreichen, aber auch kuriosem Ende entgegen, wie es dem Humor der Reihe zueigen ist.

Von Spionen gejagt: Dieser Humor findet sich in der Sonntagsbeilage des Berliner Allgemeinen Courier vom 10. September 1911. In dieser gezeichneten Form von Michael Vogt, atmosphärisch ein wenig mit Jules Verne und H.G. Wells angehaucht, könnte es weitergehen. Die kleinen Fortsetzungen verteilen sich sich auf die zweite Hälfte der vorliegenden Ausgabe. Stilistisch im guten, einfachen frankobelgischen Strich gehalten ist hier eine schön anzuschauende und sicherlich auch nostalgisch anmutende Comic-Unterhaltung entstanden.

Weitaus moderner in Optik und Erzählung wird ein Absturz von Perry Rhodans Geliebter Auris von Lastoor beschrieben. Zusammen mit einem Piloten muss sie auf dem unwirtlichen Planeten überleben. Die Tage vergehen. An Rettung ist kaum noch zu denken. Langsam finden sich die beiden, Auris und der Pilot Clyde, mit der Situation ab. Die Entwicklung der beiden Raumfahrer, hin zu Menschen, die nur noch an ihr Überleben denken, ist schnörkellos geschildert. Die Kolorierung ist leicht und überlässt dem realistischen Zeichenstil das Feld. Interessant ist hier der Auftritt einer anderen humanoiden Spezies, die der Genre-Fan als archaischen Abe Sapien interpretieren könnte.

Marian Kretschmer wählt einen optisch vollkommen anderen Ausdruck und erinnert stilistisch mit Planet der Regenschirme an Sky Doll. Entsprechend entführt Autor Olaf Brill den Leser mit seiner Kurzgeschichte in eine kunterbunte Welt, die Welt des ewigen Lebens, in der alles möglich ist. Das ist ein wenig psychedelisch, auch spaßig, mit leisen Anspielungen, bis aus dem Traum ein Alptraum wird.

Eine feine Mischung mit einigen schönen Höhepunkten, von denen man sich mehr und längere Abenteuer wünschen würde. Sicherlich werden hauptsächlich Perry-Rhodan-Fans ihre Freude daran haben, aber so mancher könnte hier auch zum Fan werden. :-)

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