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Comic Blog


Dienstag, 20. Juni 2023

SCURRY 1 – DIE TODGEWEIHTE KOLONIE

Filed under: Abenteuer — Michael um 16:59

SCURRY 1 - DIE TODGEWEIHTE KOLONIEDie Menschen sind fort. Damit einher geht leider nicht nur eine geringere Gefahr im Haus, sondern auch ein Mangel an Nahrung. Für die MÄUSEKOLONIE ist der Zustand furchtbar. Seit längerem schon schicken sie Späher in die nähere und schließlich weitere Umgebung, doch viel ist nicht mehr zu finden. Nicht nur die MENSCHEN in diesem Haus sind verschwunden. Ringsherum ist ebenfalls alles wie ausgestorben. Bis auf die Tiere. Die Suche da draußen könnte leicht sein, gäbe es nicht dieses Rudel KATZEN, das ebenfalls auf der Suche nach Futter ist. Und gäbe es nicht BUSSARDE. Oder SCHLANGEN. UND EULEN. Und gäbe es nicht diese geheimnisvollen MONSTER im Wald, in den sich niemand – aus gutem Grund – hineintraut.

MAC SMITH schenkt dem Leser ein Abenteuer mit MÄUSEN. Endlich gibt es einmal mehr Kleintierabenteuernachschub. Wer (wie ich) Abenteuer wie IM REICH DER MÄUSE (von GARRY KILWORTH), REDWALL (von BRIAN JACQUES) oder (natürlich ganz besonders) MOUSE GUARD (von DAVID PETERSEN) mag, der liegt mit dieser Geschichte goldrichtig. Aus der Sicht einer MÄUSEKOLONIE erzählt, in einer Gegenwart, die der unseren entspricht, mag der Leser schon anhand des Titelbildes ahnen, dass hier etwas sehr Lebensveränderndes geschehen ist. (Eine MAUS auf einem menschlichen TOTENSCHÄDEL.) Ausgerechnet jene, die so viel schlechte Veränderungen, über die Welt der Tiere gebracht haben, sind verschwunden. Und niemand weiß warum.

Zu Beginn begegnet der Leser der rothaarigen Maus WIX und seinem Rattenkumpel UMF. Beide sind sie Späher der MÄUSEKOLONIE. Und gleich zu Beginn wird klar, wie verzweifelt die Lage und wie lebensgefährlich die Situation jederzeit ausufern kann. Ihre Klugheit, Geschwindigkeit, selbstverständlich ihre Größe, ihre Flinkheit lassen die MÄUSE oft entkommen. Aber eben nicht immer. Immer wieder kehren Späher nicht zurück. WIX und UMF gehören zu jenen, denen das Glück beschert ist, einen glücklichen Heimweg zu finden.

MAC SMITH, der sich SCURRY ausgedacht, es geschrieben, gezeichnet und koloriert hat, liefert optisch ein filmisches Abenteuer ab. Die Grafik ist (zwar eindeutig am Rechner entstanden) grandios. Das beginnt natürlich zu allererst bei den Hauptdarstellern, den MÄUSEN. MAC SMITH hat sich eindeutig an echten Tieren orientiert (oh, ein Wortspiel 🙂 ), aber er gibt ihnen auch ein wenig zeichentrickübliche Putzigkeit mit und viele, viele individuelle optische Eigenheiten, um sie so für den Leser so leicht wie möglich unterscheidbar zu gestalten.

WIX ist zum Beispiel ein Veteran unter den Spähern. Nicht nur sein rotes Fell macht ihn unverwechselbar. Es hat zudem einige Kerben in seinem rechten Ohr, die er einem Katzenangriff zu verdanken hat. PICT, seine schneeweiße Freundin, stellt den Gipfel der Putzigkeit dar. Monströser wird es bei den Feinden der Mäuse: den KATZEN. Hier fällt eine ganz besonders auf. Etwas voluminöser als die anderen, mit einem von Krallen zerfurchten Gesicht, einem blinden Auge und einem ordentlichen Überbiss (mit starken Reißzähnen). Sie ist der Paradenebencharakter, angsteinflößend, gruselig. Wer die agierenden KATZEN in SCURRY sich anschaut, wird nichts von den knuffigen echten Fellknäueln entdecken, die ihren Besitzern so viel Freude machen (obwohl diese wahrscheinlich wissen, was ein Katzenfreigänger mitunter mit Mäusen nur so zum Spaß anstellt; etwas Ähnliches muss auch MAC SMITH gewusst haben, als er diese Bande KATZEN in Bildern verewigte).

Die stillen Momente der Geschichte sind schön und dienen der Charakterentwicklung. Es sind Ruhepausen des Abenteuers, denn die Stärke von MAC SMITH liegt eindeutig im Erzählen von ACTION. Er vermag filmische Schnelligkeit zu vermitteln. Dazu nutzt er einen Seitenaufbau, der den Leser teils zeilenweise, von Breitwandbild zu Breitwandbild mitzieht. Die Bilder sind überaus plastisch und jedes Bild auf jeder Seite ist ein kleines Gemälde. Neben den sorgsam gestalteten Figuren ist ein weiteres wichtiges erzählerisches Mittel von MAC SMITH der Einsatz von LICHT.

Figuren werden hinterrücks angestrahlt, sie stehen im Lichterglanz, in einem von Licht durchfluteten Zimmer oder (auch das Titelbild als Beispiel) leuchtende Augen versprechen einer Figur oder mehreren Figuren gleichzeitig einen grauenvollen Tod. Wie etwa der Überbösewicht der Geschichte, deren einen starken Cliffhanger hinlegt und eine ebensolche Versprechung für die Fortsetzung macht. Die Eröffnungssequenz in der Küche eines verlassenen Hauses zeigt sofort, wie punktgenau MAC SMITH alle angesprochenen Stärken seines Abenteuers vom Start weg einzusetzen vermag.

Starke kleine Charaktere in einer Welt, in der es von Gefahren nur so wimmelt. Darüber hinaus finden selbst in der MÄUSEKOLONIE Intrigen ihren Platz. Nichts ist sicher, Wendungen kommen unerwartet und rasch. Sehen die Hauptfiguren auch knuffig aus, macht MAC SMITH schnell klar: in dieser Welt lauert der Tod. Gefangene gibt es nicht. Tolles Design, perfekt inszeniert, mit viel Sinn für Spannung und atemlose Unterhaltung erzählt. Top! 🙂

SCURRY 1, DIE TODGEWEIHTE KOLONIE: Bei Amazon bestellen.
Oder bei CROSS CULT.

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